Mitteldeutsche Zeitung
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MITTELDEUTSCHE ZEITUNG MITTWOCH, 28. AUGUST 2024
Mansfelder Zeitung
Die Ortschefs: Sprachrohre nach außen
GUTEN MORGEN
JOEL STUBERT diskutiert über TV-Zeiten.
Ortsbürgermeister berichten in MZ aus und über ihre Orte.
Späte Fußballer
VON TINA EDLER HETTSTEDT/MZ. Ein Ortsbür-
Die Fußball-Leidenschaft mei-
nes Sohnes hat zuletzt stark zugenommen. Und da er weiß, dass ich abends Fußball gucke, versucht er, durch Mitgucken ein paar Extraminuten vor dem Schlafen gehen zu erhaschen. Kürzlich fragte er mich, ob denn Bremen spiele. Ich bejahte und konkretisierte: Heute Abend, 18 Uhr. „Kommt das im Fernsehen?“, fragte der Fünfjährige. Und als ich ihn enttäuschen musste, wurde er wütend. Er wolle das aber gucken, schrie er. Ich erklärte ihm zwar etwas von Übertragungsrechten, aber das drang natürlich nicht durch. Nur, dass später noch ein Spiel gezeigt würde, schnappte er dann doch auf. „Kann ich das dann gucken?“, fragte er. „Nein, das geht erst halb neun los, da liegst du schon im Bett“, sagte ich. Wieder verfinsterte sich die Miene. „Aber warum dürfen denn dann die Fußballer so lange aufbleiben?“ Gute Frage, sagte ich und hatte so schnell keine Antwort parat, denn „weil die schon groß sind“, wäre in weiteren Diskussionen gemündet. Also sagte ich nur: „Weil sie später aufstehen als du.“
germeister ist per Definition ein gewählter Volksvertreter, der in der Regel ehrenamtlich arbeitet. Also nebenbei, neben Beruf und Familie. Und eben jene Männer und Frauen, die in den kleinen Orten der Kommunen des Landkreises Mansfeld-Südharz so fleißig tätig sind, sollen nun zu Wort kommen. In unserer neuen MZ-Serie „Die Ortschefs“, die in der kommenden Woche gestartet wird, werden sie in loser Folge über ihr Ortsbürgermeister-Dasein berichten können.
Neue und alte Gesichter Andreas Zieb, Schichtleiter an der Drahtgießanlage, arbeitet für Elcowire in Hettstedt.
FOTO: JÜRGEN LUKASCHEK
Drähte für die ganze Welt Mit Elcowire hat ein weltweit agierendes Unternehmen gleich zwei seiner drei Standorte in Hettstedt. Hier entstehen Produkte für Oberleitungen von Eisenbahnen und die Kabelindustrie. VON JOEL STUBERT
Global Players MSH
HETTSTEDT/MZ. Ein Kupferdraht,
CDU-Antrag im Kreistag zur Biotonne HETTSTEDT/MZ/JOE. Neben der
AfD und Linke will auch die CDU einen Änderungsantrag zum Thema Pflichtbiotonne im Kreistag am Mittwoch stellen. Das teilte Fraktionsvorsitzender Gerd Wyszkowski am Dienstag mit. Laut dem Antrag der CDU soll für fachgerechte Eigenkompostierer eine Befreiung von der Pflichtbiotonne möglich sein. Zudem seien die Erlöse aus der Verwertung der Biomasse sowie die Ersparnisse aus dem geringeren Volumen in der Restmülltonne zur Stabilisierung der Gebühren zu verwenden, fordert die CDU. Man wolle den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft beauftragen, für die Bürger möglichst sozialverträgliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu prüfen. Dazu zähle unter anderem die Möglichkeit, dass mehrere Haushalte eine Tonne nutzen oder etwa durch andere Behältergrößen auf den vorhandenen Platz am Grundstück eingegangen wird. Ihr Kontakt zur
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Denn, egal ob 100-Seelen-Dorf oder doch 1.000-Leute-Ortschaft mit Industrie: Für die Bewohner der Ortsteile der Einheits- und Verbandsgemeinden sind ihre Ortsbürgermeister und Ortsbürgermeisterinnen das einzige Sprachrohr nach außen und zu den großen Stadtverwaltungen, die am Ende das Geld und das Sagen haben. In einigen Dörfern existieren mittlerweile sogar nur noch so-
dünner als ein menschliches Haar? Oder doch lieber ein Tragseil für eine Oberleitung der Bahn auf der Strecke München - Berlin? Beides ist möglich und wird in Hettstedt hergestellt. Das Unternehmen Elcowire mit Sitz im schwedischen Helsingborg hat weltweit nur noch zwei weitere Standorte, um die Welt mit Kupferdrähten, Kabeln und Seilen zu versorgen – und beide befinden sich in der Kupferstadt. Während auf dem Gelände der KME die Elcowire GmbH Kupfer bei 1.040 Grad einschmilzt und zu Drähten und Seilen werden lässt, werden ein paar Hundert Meter weiter vor allem Produkte für die Oberleitungen von Eisenbahnen auf der ganzen Welt hergestellt.
Hauchdünner Draht entsteht Und dies hat Zukunft. Denn der Kupferbedarf soll sich bis 2035 weltweit verdoppeln. Das Metall ist unerlässlich bei der Energiewende, etwa bei E-Mobilität oder Solaranlagen und auch dem Ausbau des spurgebundenen Nahund Fernverkehrs. „Denn es braucht Netzwerke, die die Energie verteilen“, sagt Christoph Busch, Geschäftsleiter im Bereich „Wires and Strands“ bei der Elcowire GmbH, der sich unter anderem um Drähte kümmert. 95.000 Quadratmeter umfasst das Gelände, das früher zu KME gehörte. In den 1960er und 90er Jahren wurden hier mehrere Hallen gebaut, teilweise geschätzt 20 Meter hoch. Hier wird das flüssige Kupfer in vielen Schritten unter anderem zu dünnen Drähten gezogen. Unter großem Energieaufwand werden die anfänglich dicken Drähte, die zum Beispiel für Stark- und Mittelstrom genutzt werden können, Schritt für Schritt immer weiter im Durchmesser reduziert und in die Länge gezogen. Sie behalten dabei ihr Volumen. Aus einem Meter Gießwalzdraht mit einer Dicke von acht Millimetern können so 25 Kilometer Draht mit einer Dicke von 0,05 Millimetern gefertigt werden. 40 Prozent bekommen zudem eine Zinnauflage und sind damit widerstandsfähiger gegen Korrosion und einfacher zu löten. Die Zinnschicht beträgt im Übrigen
Der Landkreis Mansfeld-Südharz hat viele Unternehmen, die es aus eigener Kraft weit gebracht haben. Manche spielen sogar an den internationalen Märkten eine wichtige Rolle. Und so gibt es in den USA, Indien oder auch Europa viele Produkte „Made in MSH“. Nachdem ein erster Teil der Serie im vergangenen Herbst lief, wollen wir nun weitere Firmen und ihre Werdegänge und Erfolgsrezepte vorstellen. JOE Dünne Kupferdrähte gehen von Hettstedt aus in die ganze Welt.
MZ-SERIE
GLOBAL PLAYERS IN MSH
FOTO: STUBERT
frage größer als die Produktion. 90 Prozent der Kundschaft komme bei der Elcowire GmbH aus der Kabelindustrie. Man bezeichne Kupfer auch als „industrielles Gold“, so Busch. Man beliefere Zentral- und Mitteleuropa, aber auch Nord- und Südafrika oder den Nahen Osten. Dorthin gehen vor allem der Schweißdraht, der zum Schweißen von Metallverpackungen, etwa von Konservendosen, verwendet wird.
Produkte in 50 Länder
„Es ist ein traditionsreicher Standort für die Verarbeitung von Kupfer.“ Jan Siebert Geschäftsführer Elcowire Rail
zwischen drei und 13 Mikrometer. All diese Produkte können wichtig werden, wenn Energie dezentral verteilt werden soll – wie zum Beispiel bei Windkraft, Solaranlagen oder der Bahnenergieversorgung. Hierbei ist Kupfer nützlich, da das Metall so gut elektrisch leitet. Bei Elcowire versucht man, den Rohstoff aus Europa zu beziehen, aber auch aus dem Rest de der Welt. „Wir wollen Produkte, die flexibel sind und die Energiewende tragen.“ Automobilkabel, Solarkabel oder Ladekabel. Hier sei die Nach-
Kunden für die Oberleitungsprodukte von Elcowire sind Bahnbetreiber und Installationsunternehmen in 50 Ländern dieser Welt „Es ist ein traditionsreicher Standort für die Verarbeitung von Kupfer“, sagt Jan Siebert, Geschäftsführer der Elcowire Rail. Er verweist auf das Kupferwalzwerk, das hier 1909 in Betrieb ging. 2019 kaufte Elcowire den Standort, drei Jahre später jenen auf dem KME-Gelände. 260 Mitarbeiter hat man nun in Hettstedt. Die Elcowire-Gruppe produziert an ihren Standorten in Helsingborg/Schweden und Hettstedt unter anderem 300.000 Tonnen Gießwalzdraht, gezogene Drähte, Profile und Oberleitungsprodukte im Jahr. An 40.000 Kilometern Bahnstreckennetz in Deutschland sei man beteiligt – vor allem durch Trag- und Hängerseile sowie Fahrdrähte, die Teil der Oberleitungen sind. Weltweit gesehen gingen in den vergangenen Jahren Lieferungen in 50 Länder, etwa die EU, Großbritannien, Schweiz, USA, Mexiko, Südameri-
ka, aber auch nach Indonesien und Malaysia. Auch beim Gotthardtunnel-Projekt in der Schweiz habe man Oberleitungsprodukte geliefert. Hier kam die Oberleitung von Elcowire Rail und die Verkabelung von der Elcowire GmbH. Der Fehmarnbelt zwischen Dänemark und Deutschland oder die Rail Baltica seien kommende Projekte, bei denen man als Lieferant eine wichtige Rolle spielen werde, sagt CEO Paul Gustavsson, der die Hettstedter und den Helsingborger Standort verantwortet. Er betont auch, dass man daran arbeite, den CO2-Abdruck deutlich zu senken: durch „Low-Carbon-Kupfer“. Aktuell mache dieses Segment nur fünf Prozent des Umsatzes aus. „Aber die Tendenz steigt“, sagt Gustavsson. Hierbei geht es darum, dass durch Recycling und umweltschonende Abbau- und Produktionsverfahren der Kohlenstoffdioxidausstoß verringert werden kann. Dies ist für die Umwelt und die Kunden gleichermaßen attraktiv, da die Käufer dies in ihrer eigenen CO2-Bilanz verrechnen können, um geforderte Grenzwerte einzuhalten. Unterdessen verhehlt Elcowire nicht, dass es derzeit eine kleine Delle im Geschäft gibt, etwa durch geringere Bauinvestitionen. „Aber das wird wiederkommen“, sagt Gustavsson, auch weil die Energiewende weiter voranschreiten werde. Grundsätzlich sieht man sich in Hettstedt hervorragend aufgestellt. Und das mit dem Rohstoff, der schon seit 115 Jahren in der Kupferstadt verarbeitet wird.
mit freundlicher Genehmigung der Mitteldeutschen Zeitung
DIE
ORTSCHEFS
genannte Ortsvorsteher, die – im Vergleich zu den Ortsbürgermeistern - ganz ohne Unterstützung eines Ortschaftsrats auskommen und sich als Alleinkämpfer behaupten müssen. Aber allen ist garantiert gemein, dass sie für ihren Heimatort brennen und nur das Beste herausholen und das Dorf vorwärtsbringen wollen. Manch einer blickt dabei bereits auf jahrzehntelange Amtserfahrung und einen Mix aus Niederlagen und Erfolge zurück, manch anderer ist seit der Kommunalwahl in diesem Jahr erst neu im Geschäft und sprüht nur so vor Ideen, die er anpacken möchte.
Ambitionen und Ideen So oder so, hat jeder „Ortschef“ etwas zu erzählen – über sein Amt, seine Ambitionen und vor allem seinen Ort. Was macht diesen so lebens- und liebenswert? Was läuft bisher gut? Was soll sich im Dorf künftig ändern? Und was hoffen die Ortsbürgermeister, in den nächsten fünf Jahren bewirken zu können? So lange dauert nämlich ihre Ehrenamtszeit, bevor die neuen Kommunalwahlen stattfinden und die Ortsbürgermeister ganz neu oder auch wiedergewählt werden. In der ersten Folge, die nächste Woche erscheint, erzählt Frank Nestler über sein Ehrenamt und seine Pläne, die er damit verbindet. Er ist seit diesem Jahr der Ortsvorsteher für die Hettstedter Ortsteile Ritterode und Meisberg. Übrigens der erste, der dort den Soloposten innehat, denn bisher gab es hier immer noch einen Ortschaftsrat für die zusammengehörenden Ortsteile.