Kongress mit Fachmesse für klinische und außerklinische Patientenversorgung
1. — 2. September 2026
MEDCARE – ein Kongress der Gesundheitsforen
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A R T M ED I A
Future of Healthcare
August ’26
Dr. Marc-Pierre Möll
Lesen Sie mehr auf fokus.swiss
Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer des BVMed, über Daten, KI und die Zukunft der Gesundheitsversorgung. Hallo, ich bin naia. Ihr Digital Human Coach für mentale Gesundheit ✓ 24/7 Unterstützung ✓ Stress & Resilienz ✓ Vertraulich & sicher ✓ Wissenschaftlich fundiert
Wie kann ich Sie heute unterstützen? – Stress verstehen – Resilienz stärken – Gesund führen
Mehr erfahren: naiarelief.com
Frank M. Scheelen
President Naia Relief Inc. Gründer der SCHEELEN® Gruppe ✓ Pionier für Leadership & Kultur ✓ Gründer von Relief® & SCHEELEN® ✓ Experte für mentale Stärke ✓ Über 25 Jahre Erfahrung
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
2
Editorial
fokus.swiss
Lesen Sie mehr.
Han Steutel
Gesundheitsdaten zur Standortstärke machen
D
Sensible Forschungs- und Entwicklungsdaten müssen dafür nutzbar sein, ohne zentral vorgehalten zu werden.
eutschland verfügt über starke Forschung, innovative Unternehmen und eine hochwertige Versorgung. Dass Gesundheitsdaten zu oft in Silos stecken, ist seit Jahren bekannt – und als Diagnose fast schon ermüdend. Entscheidend ist daher: Mit dem European Health Data Space (EHDS), seiner nationalen Umsetzung und der Weiterentwicklung des Forschungsdatenzentrums Gesundheit gibt es erstmals die Chance, aus vorhandenen Daten bessere Versorgung, schnellere Forschung und echte Standortstärke zu machen. Wer über die Zukunft der Gesundheitswirtschaft spricht, darf Gesundheitsdaten nicht länger als technisches Nebenthema behandeln. Sie sind ein harter Standortfaktor. Für Forschung, Versorgung, Investitionen und die Frage, ob Deutschland bei der nächsten Generation medizinischer Innovationen vorne mitspielt. Klinische Forschung folgt der Verfügbarkeit und Qualität von Daten. Wo Gesundheitsdaten strukturiert vorliegen, verlässlich zugänglich sind und sinnvoll verknüpft werden können, entstehen schneller belastbare Erkenntnisse und innovative Ansätze. Das stärkt zentrale Innovationsprozesse in der Medizin: von der Studienplanung über die Therapieentwicklung und Versorgungssteuerung bis zu KI-gestützten Verfahren. Deutschland hat dafür gute Voraussetzungen. Die Forschungslandschaft ist stark, die industrielle Gesundheitswirtschaft innovativ. Die Versorgung bleibt jedoch hinter ihrem Potenzial zurück, weil bahnbrechende Entwicklungen zu häufig an bürokratischen Hürden und Umfeldfaktoren scheitern. Mit dem EHDS kommt nun ein Rahmen hinzu, der dieses Potenzial endlich besser nutzbar machen kann. Er soll Gesundheitsdaten europaweit sicher für Versorgung, Forschung, Innovationen und Gesundheitspolitik erschließen. Ob daraus ein Standortvorteil wird, entscheidet sich in der nationalen Umsetzung. Der Countdown dafür läuft: Deutschland muss jetzt festlegen, wie Datenzugang, Zuständigkeiten und Prozessorganisation
Aus Gesundheitsdaten wird nicht automatisch Standortstärke.
praktisch funktionieren. Dafür braucht es klare Prozesse und praxisorientiert definierte Strukturen, die es den beteiligten Akteuren ermöglichen, die Chancen des EHDS in messbare Versorgungserfolge umzumünzen.
Eine vom vfa beauftragte Analyse zur EHDSUmsetzung zeigt: Datenzugang entsteht nicht allein durch Rechtsansprüche. Er braucht klare Rollen, gutes Metadatenmanagement, fachkundige Bewertung und Prozesse, auf die sich alle Beteiligten verlassen können. Für unsere Branche sind dabei drei Effekte zentral: Professionell organisierter Datenzugang kann die Zeit von der Anfrage bis zur Auswertung verkürzen und die Entscheidungsqualität verbessern. Bürokratie und Kosten sinken, wenn Metadatenpflege, Qualitätssicherung und Abstimmung nicht vielfach parallel laufen, sondern gebündelt und möglichst automatisiert erfolgen. Und IP- und Haftungsrisiken lassen sich verlässlicher steuern, wenn Datenzugang über vorgelagerte Qualitätssicherung, praxisorientierte Bewertungsmaßstäbe und standardisierte Bereitstellungsprozesse organisiert wird.
Wichtig ist auch, Daten nicht nur bereitzustellen, sondern sinnvoll verknüpfbar zu machen. Eine Forschungskennziffer kann dabei helfen, Gesundheitsdaten aus unterschiedlichen Quellen datenschutzkonform zusammenzuführen. Gerade darin liegt der eigentliche Sprung: aus einzelnen Datenbeständen ein lernendes Gesundheitsdatenökosystem zu machen, das für Versorgung, Wissenschaft und Unternehmen nutzbar ist – sicher, nachvollziehbar und europäisch anschlussfähig. Nutzbarkeit und Verlässlichkeit entscheiden zunehmend darüber, wo Forschung und Entwicklung stattfinden. Unternehmen investieren dort, wo klinische Studien planbar sind, Real-World-Daten verlässlich genutzt werden können und regulatorische Prozesse berechenbar bleiben. Andere Länder investieren gezielt in solche Datenumgebungen, weil sie wissen: Gute Dateninfrastrukturen ziehen Forschung, KI-Entwicklung und Wertschöpfung an. Deutschland muss deshalb nicht nur Daten schützen, sondern auch ein Ort werden, an dem aus Daten verantwortungsvoll Innovation entstehen kann. Die EHDS-Umsetzung ist der Test, ob Deutschland Gesundheitsdaten als strategische Infrastruktur begreift und ob der politische Mut vorhanden ist, Nutzung, Schutz und Innovation gemeinsam zu organisieren. Die Bausteine liegen auf dem Tisch: elektronische Patientenakte, Forschungsdatenzentrum Gesundheit, Datenzugangsstellen, industrielle Selbstorganisationsstrukturen, Forschungskennziffer und europäische Anschlussfähigkeit. Jetzt müssen sie so verbunden werden, dass daraus nicht neue Zuständigkeiten entstehen, sondern echte Nutzbarkeit. Aus Gesundheitsdaten wird nicht automatisch Standortstärke. Aber ohne nutzbare Gesundheitsdaten wird Deutschland im Wettbewerb um medizinische Innovationen nicht stärker. Text Han Steutel, Präsident Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (vfa)
05 Adipositas 07 Neurovaskuläre Erkrankung 10 Coverstory: Dr. Marc-Pierre Möll 14 Digital Health und Health Data 16 Gastbeitrag: Prof. Dr. David Matusiewicz 21 Medical Devices und Healthtech Smart Future of Healthcare. Verlag und Herausgeber
Smart Media Agency AG, Gerbergasse 5, 8001 Zürich, Schweiz Redaktion (verantwortlich) SMA Smart Media Agency AG, Gerbergasse 5, CH – 8001 Zürich Tel +41 44 258 86 00 Layout (verantwortlich) SMA Smart Media Agency AG, Gerbergasse 5, CH – 8001 Zürich Tel +41 44 258 86 00 Anzeigen (verantwortlich) Kenan Durdu Smart Media Agency AG, Gerbergasse 5, CH – 8001 Zürich Tel +41 44 258 86 10 Druckerei Handelsblatt Media Group GmbH
Viel Spaß beim Lesen! Kenan Durdu Project Manager
Brandreport • Thieme Compliance GmbH
Schlagwort »Interoperabilität«: Warum Integration mehr ist als vernetzte Daten Es ist der Worst Case: »Wo sind die Aufklärungsunterlagen?« Nach OP-Checkliste der WHO sind diese neben der Identität des Patienten, der zu operierenden Stelle und des Narkoserisikos auf Basis der Risikoanamnese eine zwingende Voraussetzung vor Einschleusung des Patienten in den OP. Digital Health leistet, richtig konzipiert, einen entscheidenden Beitrag, diesen Prozess für alle Beteiligten einfach zu gestalten. Wie dies gelingen kann, schildert Alexander Wahl, Director Partner & Politics des digitalen Gesundheitsdienstleisters Thieme Compliance. Gesundheitseinrichtungen ohne Systembrüche rechtskonform arbeiten können.
Alexander Wahl Director Partner & Politics Herr Wahl, Digital Health ist ein großer Bereich. An welcher Stelle setzt Thieme Compliance an? Unser Schlagwort lautet Interoperabilität. Wir erheben strukturierte Patientendaten und steuern den Datenfluss systemübergreifend so, dass Ärzt:innen und andere Akteure in Kliniken und Arztpraxen von durchgängig digital gestützten Prozessen profitieren. Anamnesedaten, Patienteninformation und -einwilligung werden so abgebildet, dass
Worin liegt der wesentliche Vorteil? Ein wesentlicher Benefit ist, dass die entscheidenden Informationen im Planungsprozess rechtzeitig vollständig und rechtlich belastbar vorliegen – und zwar jeweils dort, wo sie gerade im Behandlungsprozess benötigt werden. Welche Vorteile sehen Sie auf Patientenseite? Für Patient:innen werden Anamnese, Aufklärung und Einwilligung komfortabler. Begleitet durch Videos, ergänzende Angaben und bessere Visualisierung bekommen gerade ältere Patient:innen besseren Zugang, wie unsere Erfahrungen in den Kliniken, die mit unserer Software arbeiten, zeigen. Ein Beispiel: Ausfüllen der Anamnese zu Hause bereits vor dem
Klinikaufenthalt. Patient:innen können in Ruhe alles erfassen, wie Allergien, Medikamente und Vor-OPs, und digital an die Klinik übermitteln. Kliniken können Prozesse so besser planen und relevante Termine frühzeitig einbuchen. Neben den Kliniken arbeiten Sie auch mit Universitätskliniken zusammen. Um welche Themen geht es dabei? Im Rahmen der Medizininformatik-Initiative (MII) haben die Unikliniken den staatlichen Auftrag, Massendaten für die Forschung nutzbar zu machen. Voraussetzung: die Einwilligung der Patient:innen. Dafür hat die MedizininformatikInitiative ein Formular entwickelt, das bei Patient:innen abfragt, ob beispielsweise Blutoder Gewebeproben sowie Laborergebnisse verwendet werden dürfen. Wir setzen diese sogenannte Broad-Consent-Befragung digital so um, dass die Daten sauber weitergegeben
werden und die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Wenn Sie in die Zukunft schauen: Was wird sich in nächster Zeit in Ihrer Branche tun? Durch den Einsatz von KI in der ArztPatientenkommunikation können wir wertvolle Freiräume schaffen. Dreh- und Angelpunkt wird die Vernetzung der Systeme entlang der Patient-Journey sein. Die konsequente Nutzung strukturierter Daten, unter anderem als Basis für KI-Anwendungen, kann viele Redundanzen in der Dokumentation beseitigen. Damit werden Behandler:innen im Prozess spürbar entlastet und gleichzeitig wird eine bessere Patientenversorgung ermöglicht. Weitere Informationen unter: thieme-compliance.com
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
#smartfutureofhealthcare
Körber • Brandreport
3
»Daten, KI und intelligente MES-Plattformen entscheiden über die Wettbewerbsfähigkeit des Pharmastandortes Europa« Exzellente Daten sind das Gold der Zukunft, heißt es. Dies gilt auch in Bezug auf die Entwicklung und Herstellung von Medikamenten. Im Interview erläutert Oliver Weber, Senior Vice President Software, Körber-Geschäftsfeld Pharma, welche Faktoren entscheidend sein werden, damit der Pharmastandort Europa – wieder – eine international führende Rolle spielen kann.
Oliver Weber Senior Vice President Software, Körber-Geschäftsfeld Pharma Herr Weber, wer heute durch ein Pharmawerk geht, sieht Dinge, die es vor zehn Jahren auch schon gab: Hightech-Reinräume, moderne AbfüllLinien, strenge Qualitätskontrollen. Was hat sich verändert? Der eigentliche Wandel hat sich im »Verborgenen« vollzogen; also in den Datenströmen und hinsichtlich der Frage, wer oder was daraus in Echtzeit Entscheidungen ableitet. Künstliche Intelligenz verändert die Pharmaindustrie nicht, indem sie Maschinen ersetzt, sondern indem sie das »Nervensystem« der Produktion neu verdrahtet. Genau hier entscheidet sich in den nächsten Jahren, welche Unternehmen die Führung übernehmen. Viele Branchen befinden sich in einer Transformation. Was unterscheidet zum Beispiel die Automobil- von der Pharmaindustrie? Die Pharmaindustrie steht heute an einem ähnlichen Wendepunkt wie die Automobilindustrie vor 20 Jahren, als Software vom unterstützenden Werkzeug zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wurde. Der Unterschied: In der Pharmaproduktion müssen Innovationen nicht nur leistungsfähig, sondern auch nachvollziehbar und regulatorisch abgesichert sein. Die entscheidende Frage lautet also nicht, wer die umfangreichste KI einsetzt, sondern wer sie so in Produktions- und Qualitätsprozesse integriert, dass ihre Ergebnisse vertrauenswürdig, auditier- und skalierbar werden. Wer KI nicht als isoliertes Feature, sondern als festen Bestandteil einer integrierten Produktionsplattform versteht, wird die nächste Entwicklungsstufe der pharmazeutischen Forschung und Fertigung maßgeblich mitgestalten. Welche Rolle spielt dabei das Management? Digitalisierung war lange Zeit vor allem ein IT-Thema. Mit dem Einzug von KI wird sie zur strategischen Führungsaufgabe. Unternehmen müssen festlegen, wie KI eingesetzt wird, welche Entscheidungen automatisiert werden dürfen und wer letztlich Verantwortung für deren Ergebnisse trägt. Die Einführung von KI ist damit nicht nur eine Technologie-, sondern eine Management-Entscheidung mit langfristiger Bedeutung für Wettbewerbsfähigkeit, Qualität und Innovationskraft.
Künstliche Intelligenz verändert die Pharmaindustrie nicht, indem sie Maschinen ersetzt, sondern indem sie das »Nervensystem« der Produktion neu verdrahtet. Bei Körber sprechen Sie von der Wichtigkeit einer intelligenten MESPlattform. Was verbirgt sich dahinter? Die neue Generation von daten- und KIgestützter Produktionssoftware dokumentiert Prozesse nicht mehr nur, sondern erkennt potenzielle Probleme frühzeitig, unterstützt Mitarbeitende bei Entscheidungen und kann in klar definierten Grenzen sogar eigenständig Anpassungen vornehmen. Gleichzeitig helfen Large Language Models beispielsweise dabei, Produktionsdaten auszuwerten, Arbeitsanweisungen effizienter zu erstellen und Audits vorzubereiten. Damit entwickelt sich das klassische MES vom digitalen Dokumentationssystem zum aktiven Partner in der Produktion. Können Sie dies präzisieren? Entscheidend ist nicht die Größe des KIModells, sondern die Integrationstiefe und der Dateninput. Der Mehrwert entsteht erst, wenn KI mit den realen Daten, Prozessen und Qualitätsanforderungen eines Unternehmens verbunden wird. Deshalb entwickeln wir bei Körber zusätzlich zu unserem marktführenden PAS-X MES mit dem Produkt PAS-X Neo eine einfach zugängliche, aber vollständig integrierte intelligente MES-Plattform, welche auch kleinen und mittelständischen Pharma-, Biopharma- sowie Zell- und Gentherapie-Herstellern den Einstieg in die digitale Produktion mit modernen KI-Funktionen verfügbar macht. Technologien, die bislang häufig nur großen Konzernen vorbehalten waren, werden damit einem deutlich breiteren Teil der Life-Sciences-Industrie zugänglich. Experten gehen davon aus, dass Datenhoheit zunehmend zur Standortfrage wird. Wie stehen Sie dazu? Exportkontrollen für KI-Modelle, unterschiedliche regulatorische Vorgaben in den USA, der EU und Asien sowie die Frage, wo Produktionsdaten physisch gespeichert und verarbeitet werden dürfen, sind längst keine akademischen Fragen mehr. Für ein Unternehmen mit zum Beispiel Entwicklungs- und Produktionsstandorten in Europa und den USA bedeutet das konkret: Software-Architekturen müssen so gebaut sein, dass sie
regulatorische Souveränität ermöglichen, ohne die Vorteile globaler KI-Modelle zu verlieren. Europa nimmt eine Doppelrolle ein: Einerseits ist es mit GAMP 5, EU Annex 11 und dem AI Act führend darin, klare regulatorische Rahmenbedingungen zu schaffen. Andererseits droht Europa bei der Entwicklung und dem Ausbau eigener KI-Infrastruktur den Anschluss zu verlieren. Wie lässt sich dieser Konflikt lösen? Wenn europäische Pharmaunternehmen ihre KI-Fähigkeiten überwiegend auf außereuropäischen Plattformen betreiben, reichen regulatorische Regeln allein nicht aus. Die zentrale Aufgabe der kommenden Jahre lautet daher, technologische Souveränität und regulatorische Führungsstärke miteinander zu verbinden. Neben klaren Standards sind Investitionen in eigene KI-gestützte Anwendungen und Anwendungsplattformen, Rechenzentren und digitale Infrastruktur entscheidend für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität in Europa. Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung? Ganz klar: eine gut funktionierende Schnittstelle zwischen Forschung und Fertigung. Bislang war die Übergabe von der Prozessentwicklung in die kommerzielle Produktion ein Bruch: andere Systeme, andere Datenformate, andere Teams. Beim Transfer gingen häufig wichtige Informationen verloren. Moderne datenund KI-gestützte MES-Plattformen sowie digitale Zwillinge erlauben es zunehmend, Prozessparameter aus der frühen Entwicklung direkt in die MES-Umgebung der Produktion zu simulieren und zu überführen und dabei auch Daten der digitalen Historie für eine rasche Skalierung mitzugeben. Das verkürzt die Zeit, die benötigt wird, um neue Herstellprozesse aus der Entwicklung in die Produktion zu transferieren. Gleichzeitig erhalten Produktionsteams nicht nur die Prozessdaten, sondern auch das zugrunde liegende Wissen und die Entscheidungslogik. Dadurch gelangen innovative Produktionsverfahren rascher vom Labor in die Fabrik, was zu einer schnelleren Markteinführung neuer Medikamente beiträgt.
Ein »geflügeltes Wort« besagt, dass Wandel in den Köpfen und nicht in den Systemen beginnt. Können Sie dies bestätigen? Ja, unbedingt. Nach vielen Gesprächen mit Kunden, Werksleitern, Qualitätsverantwortlichen und IT-Experten aus der Pharma- und Biotechbranche bin ich überzeugt: Die größte Hürde für den Einsatz von KI ist selten die Technologie per se. Die eigentliche Herausforderung liegt in Organisationsstrukturen, die Forschung, Produktion, Qualität und IT noch immer voneinander trennen, sowie im Mangel an Fachkräften, die sowohl die Anforderungen behördlich regulierter Produktionsumgebungen als auch moderne KI-basierte IT-Architekturen verstehen. Der Erfolg von KI entscheidet sich daher weniger an Algorithmen als an der Fähigkeit von Unternehmen, unterschiedliche Disziplinen zusammenzubringen. Der Mehrwert von KI entsteht erst dann, wenn Menschen, Prozesse und Technologie erfolgreich zusammenspielen. Relevant wird sein, wie intelligent Daten genutzt werden, um bessere Entscheidungen zu ermöglichen, Qualität zu sichern und Innovationen schneller zum Patienten zu bringen. Weitere Informationen unter: koerber.com
Körber ist ein weltweit tätiger Technologiekonzern und Anbieter intelligenter Lösungen für die Fertigung und Supply Chain. Sein Softwareprodukt PAS-X MES ist marktführend für die Produktionsdigitalisierung in den Bereichen Pharma, Biotechnologie sowie Zell- und Gentherapie. Es wird von nahezu allen FDA-zugelassenen CART-Herstellern eingesetzt und trägt zur Produktion von rund 50 Prozent des weltweiten Insulins sowie der Mehrheit der weltweit produzierten Schlaganfall-Medikamente bei. Im November 2026 wird Körber mit PAS-X Neo eine weitere Softwarelösung auf den Markt bringen, die speziell für den Digitalisierungseinstieg kleinerer und mittelständischer Pharmahersteller sowie kleinerer Standorte der Big-Pharma-Player entwickelt wurde.
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
Brandreport • IDT Biologika GmbH
#smartfutureofhealthcare
Enabler hinter modernen Biopharmazeutika
Biopharmazeutika werden zur Herstellung von Impfstoffen und zur Behandlung vieler seltener und schwerer Erkrankungen eingesetzt. Ihre Herstellung ist äußerst komplex. Anders als in der chemisch definierten Pharmaindustrie werden biotechnologisch hergestellte Arzneimittel mit lebenden Organismen, wie abgeschwächten Viren und Bakterien, die eine Immunantwort des Körpers hervorrufen, produziert. Die große Herausforderung: Trotz ihrer biologischen Variabilität muss am Ende stets ein Produkt gleichbleibender Qualität entstehen.
Bild IDT Biologika
4
Federico Pollano Chief Commercial Officer
O
b ein Arzneimittel am Markt erfolgreich ist, hängt nicht nur von der wissenschaftlichen Idee ab, sondern vor allem davon, ob es sich als zuverlässig und reproduzierbar herstellen lässt. Im Gespräch mit Federico Pollano, Chief Commercial Officer bei IDT Biologika. Der globale CDMO* ist spezialisierter Produktions- und Entwicklungspartner der Pharma- und Biotechindustrie und unterstützt dabei, neue Impfstoffe und andere sterile Injektionslösungen zur Immuntherapie schnell und effizient in die Produktion zu bringen. Herr Pollano, welches sind die größten Herausforderungen beim Technologietransfer vom Labor in die großtechnische Produktion? Ein Molekül aus dem Labor ist weit entfernt von einem Molekül, das injiziert wird. Die Kunst liegt u. a. darin, den Wirkstoff so zu entwickeln, dass er in der Injektionsflasche stabil bleibt, seine Wirkung über die gesamte Haltbarkeit behält und bei der Anwendung keine unerwünschten Unverträglichkeiten verursacht. Entscheidend ist: Was im kleinen Maßstab funktioniert, muss bei der großtechnischen Produktion in Bioreaktoren ebenso zuverlässig laufen. Und das erfordert hoch spezialisierte Anlagen, außerdem regulatorisches Knowhow und strenge Qualitätskontrollen. Wir begleiten die Entwicklung eines Wirkstoffs von den frühen Produktionsschritten über die Skalierung bis hin zu klinischen Prüfmustern und der großtechnischen GMP-konformen Herstellung nach internationalen Maßgaben. So schließen wir die Lücke zwischen wissenschaftlicher Innovation und industrieller Umsetzbarkeit und stellen sicher, dass aus einer Idee ein reproduzierbares, regulatorisch konformes und marktfähiges Produkt für die sichere Anwendung am Patienten wird. Damit sind Sie für Biotech-Startups ebenso wichtig wie für
Ob ein Arzneimittel am Markt erfolgreich ist, hängt nicht nur von der wissenschaftlichen Idee ab, sondern vor allem davon, ob es sich als zuverlässig und reproduzierbar herstellen lässt. große Pharmaunternehmen, die Produktionskapazitäten erweitern und Technologien auslagern möchten? Das unterscheidet uns von vielen anderen CDMO: Als End-to-End-Anbieter begleiten wir den gesamten Weg, vom Molekül über die Prozessentwicklung und Herstellung bis hin zum fertigen Arzneimittel in der Spritze oder der Injektionsflasche, einschließlich der Analytik. Wir beherrschen viele Modalitäten in der Gen- und Immuntherapie, sind sehr stark im Bereich Impfstoffe und bieten integrierte Entwicklungs- und Produktionslösungen für Proteine, Gen- und Immuntherapeutika, Biosimilars und verfügen über die Möglichkeit, monoklonale Antikörper zu produzieren. Unsere Partner erhalten damit Zugang zu flexiblen Produktionskapazitäten, regulatorischer Expertise, Qualitätssicherung und einer sicheren Lieferkette. Nach der Abfüllung prüfen wir jede Injektionsflasche und jede Fertigspritze per Sichtung, entweder vollautomatisch oder durch speziell für die visuelle Kontrolle geschulte Mitarbeiter. Dazu kommt: Aus einem Start-up wird nicht selten ein erfolgreiches, breit aufgestelltes Unternehmen. Durch unsere skalierbaren Herstellungstechnologien und -kapazitäten können wir dieses Wachstum begleiten. Über welche Größenordnungen sprechen wir? Hier im Biopharma Park in Dessau können unsere Highspeed-Linien große Chargen von bis zu 100 Millionen Einheiten pro Jahr abfüllen. Damit gehören wir in Deutschland zu den wenigen Unternehmen, die solche Kapazitäten überhaupt bereitstellen können. Die Wirkstoffproduktion erfolgt in Bioreaktoren mit Kapazitäten von 200 L für klinische
Prüfmuster bis zu 2.000 L für die kommerzielle Produktion. Hier entstehen auch Wirkstoffe für Tumor- und Krebstherapien. Wir sind Teil der Pandemiebereitschaft der Bundesregierung und halten bestimmte Kapazitäten vor, um im Fall einer erneuten Pandemie direkt für die Herstellung eines potenziellen neuen Impfstoffs bereit zu sein. Auch für den zunehmenden Trend zur personalisierten Medizin sind wir durch unsere flexiblen Plattformen gut aufgestellt. IDT Biologika produziert für zahlreiche internationale Pharmaund Biotechunternehmen. Welche bekannten Impfstoffe oder biologischen Therapien verdeutlichen am besten, wie wichtig spezialisierte Produktionspartner für den medizinischen Fortschritt sind? Ein Beispiel ist unsere Kooperation mit dem US-Pharmaunternehmen MSD, mit dem wir den Herstellungsprozess des bereits zugelassenen Ebola-Impfstoffs optimieren, um den Impfstoff an die aktuelle Virusart anzupassen, die Produktion einfacher, effizienter und robuster zu machen und so die Versorgung zu verbessern. Beim aktuellen Ausbruch im Kongo handelt es sich um den Bundibugyo-Virus, eine seltene Art der Ebola-Viren, für die es bislang keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Dass uns hierzu derzeit zahlreiche Anfragen erreichen, zeigt, wie eng wir an den Entwicklungen im globalen Infektionsgeschehen arbeiten. Gemeinsam mit dem australischen Unternehmen Vaxxas und unserer Muttergesellschaft SK bioscience entwickeln wir eine neuartige Grippeimpfung, die über ein Mikronadelpflaster statt per Spritze verabreicht wird. Impfungen können so vereinfacht, Lagerung, Verteilung
und der weltweite Zugang erleichtert werden. Mit einem anderen globalen Pharmaunternehmen produzieren wir einen Impfstoff gegen das Dengue-Fieber, für den wir sowohl den Wirkstoff produzieren als auch die Abfüllung übernehmen. Ebenso sind wir im Auftrag eines US-Konzerns der erste kommerzielle Produzent für das weltweit einzige zugelassene onkologische Virus zur Behandlung einer bestimmten Form des schwarzen Hautkrebses. IDT gehört mehrheitlich zum südkoreanischen Impfstoffhersteller SK bioscience. Die Produktionsstandorte und Kompetenzen von IDT befinden sich in Deutschland. Welche Standortvorteile bietet das für Ihre Kunden? Als Teil einer international aufgestellten Unternehmensgruppe profitieren wir von einem globalen Netzwerk und arbeiten für Kunden auf der ganzen Welt, insbesondere in Europa, den USA und Asien. Produktionsstandort und Kernkompetenz verbleiben in Deutschland. Das bedeutet höchste Qualitätsstandards, hohe Mitarbeiterexpertise, regulatorische Sicherheit und damit eine zuverlässige Versorgung. 100 Jahre IDT: Wie hat sich die Impfstoffproduktion verändert? Die Produktion ist heute digitaler, automatisierter und stärker reguliert. Digitale Technologien und Künstliche Intelligenz unterstützen uns dabei, Prozesse weiter zu optimieren, Qualität und Sicherheit zu gewährleisten und unsere Lieferfähigkeit zu stärken. In diese Entwicklung investieren wir gezielt weiter. * Contract Development and Manufacturing Organization Weitere Informationen unter: idt-biologika.de
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
#smartfutureofhealthcare
Adipositas
5
Adipositas neu verstehen
Die Zahl der Menschen mit Adipositas steigt. Gleichzeitig verändert sich die Versorgung: Neue Therapieoptionen und digitale Angebote ergänzen die klassische Behandlung und ermöglichen eine individuellere Begleitung.
O
jedoch zu kurz: Die Präparate sind Teil einer ärztlich begleiteten Therapie und eignen sich nicht für jeden Menschen. Bei schwerer Adipositas kann auch ein operativer Eingriff erwogen werden. Er braucht eine sorgfältige Vorbereitung und langfristige Nachsorge.
b in Talkshows, Podcasts oder sozialen Medien: Das Thema Adipositas ist derzeit allgegenwärtig. Zugleich hält sich das Stigma, stark übergewichtige Menschen müssten sich nur besser disziplinieren. Diese Sichtweise verkennt die medizinische Realität. Adipositas lässt sich nicht mit mangelnder Willenskraft erklären; sie ist eine chronische Erkrankung mit vielen Ursachen. Genetische und biologische Voraussetzungen können ebenso eine Rolle spielen wie hormonelle Prozesse, psychische Belastungen, Schlafmangel, Stress oder das soziale Umfeld. Der Anteil der Erwachsenen mit Adipositas nimmt seit Jahren zu. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts stieg er in Deutschland von 12,2 Prozent im Jahr 2003 auf 19,7 Prozent im Jahr 2023. Damit wächst auch der Bedarf an einer Versorgung, die früh beginnt und über längere Zeit trägt. Doch gerade der erste Schritt fällt vielen schwer. Abwertende Blicke und Schuldzuweisungen führen dazu, dass Beschwerden verschwiegen oder Arztbesuche aufgeschoben werden. Dabei erhöht Adipositas das Risiko für Typ-2-Diabetes und HerzKreislauf-Erkrankungen. Auch Gelenke, Schlaf und Beweglichkeit können leiden. Von der Diagnose zur Therapie Die erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis. Dort wird nicht nur auf das
Bild Unsplash/Joachim Schnürle
Körpergewicht geschaut: Für die medizinische Einschätzung zählen Beschwerden, Medikamente, frühere Therapieversuche und Begleiterkrankungen ebenso wie Schlaf und psychische Belastungen. Der Body-MassIndex bietet eine erste Orientierung, reicht für die Beurteilung allein aber nicht aus. Die Behandlung stützt sich in der Regel auf drei Säulen: Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung. Eine Ernährungsberatung hilft, Gewohnheiten zu erkennen und neue Routinen zu entwickeln. Bewegung sollte zum eigenen
Leben passen und auf Dauer machbar sein. Verhaltenstherapeutische Methoden unterstützen dabei, Auslöser und eingeübte Muster zu verändern. Bei psychischen Belastungen oder Essanfällen kann zusätzlich eine Psychotherapie sinnvoll sein. Auch die medizinischen Möglichkeiten haben sich erweitert. Zu den neueren Möglichkeiten der Gewichtsreduktion zählen innovative Medikamente wie die sogenannten »Abnehmspritzen« oder »Abnehmpillen«, die Hunger und Sättigung beeinflussen. Der geläufige Begriff greift
Begleitung über den Praxisbesuch hinaus Weil Adipositas meist über Jahre behandelt werden muss, kommt es auf eine verlässliche Begleitung an. Digitale Angebote können die Zeit zwischen Praxisbesuchen überbrücken. Apps dokumentieren Mahlzeiten oder Bewegung, erinnern an vereinbarte Ziele und geben Rückmeldungen. Videosprechstunden erleichtern den Kontakt zu spezialisierten Fachkräften, besonders in Regionen mit wenigen Angeboten. Auch Apotheken können eine niedrigschwellige erste Anlaufstelle sein und bei Fragen Orientierung geben. Heute wissen wir besser, was hinter der Erkrankung steckt und können früher und gezielter helfen. Entscheidend ist, dass daraus eine Behandlung entsteht, die Menschen langfristig begleitet und zu ihrem Leben passt. Denn gute Versorgung endet nicht an der Praxistür – sie beginnt dort, wo der Alltag weitergeht. Text Iris Soltau
Novo Nordisk Pharma AG • Brandreport
Adipositas kompetent begleiten: mit ärztlicher Unterstützung, vor Ort und online Adipositas ist eine schwere chronische Erkrankung – doch noch immer fehlt es in Deutschland an klaren Behandlungsstrukturen. Claudia Laven, die bei Novo Nordisk den Bereich Adipositas leitet, spricht über die Stigmatisierung von Betroffenen und die Chancen hybrider Therapieangebote.
Claudia Laven Head of Obesity Business Unit Frau Laven, Menschen mit Adipositas wird noch immer häufig mangelnde Disziplin und ein schwacher Wille unterstellt. Warum hält sich diese Sicht so hartnäckig? Weil Körpergewicht lange fast ausschließlich als Ergebnis persönlichen Verhaltens oder sogar Versagens betrachtet wurde. Wissenschaftlich wissen wir heute: Adipositas ist eine chronische, multifaktorielle, progressive Erkrankung. Biologische und hormonelle Mechanismen spielen ebenso eine Rolle wie Genetik, soziales Umfeld und Lebensbedingungen – unter anderem kann die Regulation von Hunger und Sättigung verändert sein. Der pauschale Rat, weniger zu essen und sich mehr zu bewegen, greift deshalb zu kurz.
In Deutschland leben rund 17 Millionen Menschen mit Adipositas, doch nur wenige erhalten eine leitliniengerechte Behandlung. Wie erklären Sie diese Lücke? Vor allem fehlt eine klar strukturierte Versorgung: Eine ärztliche Fachrichtung für Adipositas gibt es flächendeckend bisher nicht, für viele Betroffene ist daher nicht ersichtlich, an wen sie sich wenden können. Hinzu kommt, dass manche Menschen auf ihrem Weg zu einem gesünderen Gewicht bereits demotivierende Erfahrungen gemacht haben und weitere Gespräche meiden. Es braucht niedrigschwellige, qualifizierte Angebote, die auf die Bedürfnisse von Betroffenen abgestimmt sind. Welche Rolle können Hausärztinnen und Hausärzte übernehmen? Eine ganz zentrale. Sie sind meist die erste Anlaufstelle und kennen ihre Patientinnen und Patienten oft über Jahre – doch Adipositas spielt in der ärztlichen Ausbildung bislang eine zu geringe Rolle. Hausarztpraxen brauchen deshalb Fortbildungen, praxistaugliche Instrumente und verlässliche Behandlungspfade.
Was gehört zu einer modernen Adipositastherapie? Die Behandlung muss zur individuellen Situation passen: Ernährung, Bewegung und Verhaltenstherapie sind wichtige Bausteine und, wenn medizinisch angezeigt, Medikamente. Entscheidend ist, dass diese Angebote aufeinander abgestimmt sind und die Patienten langfristig begleiten. Adipositas ist eine stark stigmatisierte Erkrankung. Welche Chancen bietet die Telemedizin? Sie kann den Zugang erleichtern und Hemmschwellen senken. Hinzu kommt, dass Menschen sich nicht nur zu klassischen Praxiszeiten mit ihrer Erkrankung beschäftigen. Manche möchten den Therapiebeginn persönlich besprechen, spätere Termine aber flexibel digital wahrnehmen, beispielsweise abends oder am Wochenende. Verlieren Praxen und Vor-OrtApotheken dadurch an Bedeutung? Nein, auf keinen Fall. Im Gegenteil: Die Wege ergänzen sich. Auch Vor-Ort-Apotheken können niedrigschwellige Anlaufstellen sein und selbst telemedizinische Angebote vermitteln.
Das Gesundheitssystem sollte sich stärker daran orientieren, wann und wo Menschen Unterstützung suchen. Unser Ziel: Adipositas früher behandeln, Folgeerkrankungen vermeiden – und die Erkrankung aus der Ecke von Schuld und persönlichem Versagen holen. Es braucht jeden Akteur im Gesundheitswesen, um Adipositas erfolgreich zu behandeln. Weitere Informationen unter: novonordisk.de | ueber-gewicht.de
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
6
Brandreport • Healion Global
#smartfutureofhealthcare
Die Zukunft der Medizintechnik beginnt nach der Zulassung Deutschland verfügt über starke Forschung, exzellente Ingenieure, leistungsfähige Kliniken und einen international anerkannten MedTech-Mittelstand. Doch oft fällt es schwer, medizinische Innovationen in erfolgreiche Geschäftsmodelle zu übersetzen. Mark Heuring, Gründer des Beratungsunternehmens Healion Global, das MedTech- und Healthcare-Unternehmen beim Markteintritt unterstützt, erklärt, worauf es in diesem komplexen Markt ankommt. Bild Fotostudie Frege, Sprockhövel
Mark Heuring Gründer, Healion Global
Was macht das deutsche Gesundheitssystem so kompliziert? Hersteller, Händler, Kliniken, niedergelassene Ärzte, Homecare, Pflege und Kostenträger arbeiten häufig in getrennten Strukturen. Ein Produkt kann in der Klinik funktionieren und trotzdem an fehlender Anschlussversorgung, Vergütung oder Vernetzung scheitern. Produkte, Prozesse, Regulierung, Vergütung und Digitalisierung müssen deshalb im Sinne der Patienten sektorübergreifend gedacht werden. Wie bleibt der MedTechStandort wettbewerbsfähig? Deutsche Unternehmen müssen ihre Forschungsstärke besser in marktfähige Produkte und unternehmerisches Wachstum übersetzen. »Made in Germany« schafft Vertrauen, ersetzt aber keine klare Markteintrittsstrategie. Geschäftsmodelle
Eine Innovation ist nur dann erfolgreich, wenn sie die Patienten erreicht. müssen einen konkreten Nutzen für Patienten und Gesundheitssystem bieten.
werden. Eine Innovation ist nur dann erfolgreich, wenn sie die Patienten erreicht.
Was machen erfolgreiche MedTech-Unternehmen anders? Der häufigste Fehler ist die falsche Reihenfolge. Viele Unternehmen entwickeln und zertifizieren zuerst und prüfen den Markt erst danach. Europa ist kein einheitlicher Markt. Wer Markt, Zulassung und Vertriebsstruktur früh gemeinsam denkt, erhöht die Chance auf wirtschaftlichen Erfolg deutlich.
Welche Rolle spielen Digitalisierung und KI? Digitalisierung ist immer dann sinnvoll, wenn sie Abläufe verbessert und Menschen entlastet. Sonst entsteht digitale Bürokratie statt Effizienz. KI kann die Analyse und Dokumentation beschleunigen. Erfahrung, Verantwortung und persönlichen Austausch ersetzt sie nicht. Je abstrakter die Welt wird, desto wichtiger werden belastbare Netzwerke, Vertrauen und direkter Austausch.
Welche Bedeutung hat die CE-Kennzeichnung? Die Zukunft der Medizintechnik entscheidet sich dort, wo Innovation tatsächlich in der Versorgung ankommt. Eine CE-Kennzeichnung schafft die regulatorische Voraussetzung für den Marktzugang. Sie garantiert aber weder Einkauf, Erstattung, Anwendung noch Vertrieb. Deshalb müssen Markt und Vertriebswege schon während der Entwicklung mitgedacht
Anforderungen ein und verbinden Hersteller, Vertrieb und Versorgung. Der Vorteil liegt in der Kombination aus Erfahrung, spezialisierten Netzwerken und der Geschwindigkeit eines agilen Teams. Ein erfolgreicher Markteintritt gelingt nur mit einem klaren Verständnis des gesamten Systems. Wie sollte der regulatorische Rahmen in Europa in Zukunft sein? Patientensicherheit braucht klare Regeln. Die Weiterentwicklung von MDR und IVDR muss aber mehr Klarheit, Planbarkeit und Verhältnismäßigkeit schaffen. Nur so entstehen ein innovationsförderndes Klima und eine tragfähige Basis für den Erfolg der Branche in Europa. Weitere Informationen unter: healion-global.com
Wie unterstützt Healion Global MedTech-Unternehmen in diesem Umfeld? Healion Global verbindet Marktverständnis, regulatorische Erfahrung und belastbare Netzwerke. Wir entwickeln realistische Marktwege, wählen passende Partner aus, ordnen regulatorische und kommerzielle
PUBLIREPORTAGE
ePI steht für den Eintritt in eine datengetriebene Pharmawelt umfassender Transformationsprozess für Produktinformationsmanagement? Momentan wird die ePI in vielen Pharmaunternehmen vor allem noch als regulatorische Pflicht gesehen – dabei bietet sie auch erhebliche Chancen. Bisher werden Produktinformationen dokumentenbasiert verwaltet; Änderungen in Packungsbeilagen, Verpackungstexten, Übersetzungen und digitalen Kanälen müssen mehrfach manuell eingepflegt werden. Mit der ePI können Inhalte stattdessen strukturiert und modular verwaltet werden. Das ermöglicht eine zentrale Pflege, die Mehrfachnutzung von Informationen sowie effizientere und kontrollierte Aktualisierungen. Gleichzeitig lassen sich die Daten automatisiert in verschiedene Systeme und Kanäle ausspielen. Die ePI ist deshalb ein echter Transformationsschritt für das Produktinformationsmanagement.
Die elektronische Produktinformation (ePI) ergänzt dokumentenbasierte Arzneimittelinformationen wie Fach- und Gebrauchsinformationen durch strukturierte, standardisierte und maschinenlesbare Daten. Dadurch sollen behördlich genehmigte Informationen schneller, konsistenter und einfacher digital bereitgestellt werden. Die EU-Pharmagesetzgebung hat den regulatorischen Rahmen für ePI geschaffen, die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt ePI derzeit schrittweise ein. Jessica Giardini, Prokuristin und Leiterin des Fachbereichs Pharma von mt-g, rät Pharmaunternehmen, sich schon jetzt mit der Umstellung auf die elektronische Patienteninformation zu beschäftigen. Frau Giardini, was sind elektronische Produktinformationen (ePI) und wofür braucht man sie? Die elektronische Produktinformation (ePI) ist die digitale und strukturierte Form von Arzneimittelinformationen wie Fachinformationen, Gebrauchsinformationen und Verpackungstexten. Da die Inhalte im Unterschied zu gedruckten Beipackzetteln standardisiert und maschinenlesbar vorliegen, können sie schneller, konsistenter und einfacher in andere Systeme integriert werden. Davon profitieren sowohl Fachkräfte als auch Patienten. In Kombination mit KI könnte ich mir sogar vorstellen, dass der Beipackzettel dialogfähig wird. Warum ist die ePI nicht nur die Digitalisierung des Beipackzettels, sondern ein
Warum wird die ePI zum zentralen Baustein einer datengetriebenen Pharmaorganisation – und welche Auswirkungen wird das auf Geschäftsmodelle und Prozesse der Pharmaindustrie haben? Die ePI hat das Potenzial, zu einem zentralen Baustein einer datengetriebenen Pharmaorganisation zu werden, denn sie ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg von dokumentenbasierten zu datenbasierten Prozessen. Während klinische Daten, Produktionsdaten oder Stammdaten schon heute strukturiert verarbeitet werden, gehören Produktinformationen bislang zu den letzten großen dokumentenzentrierten Bereichen. Mit der ePI werden diese Informationen künftig standardisiert, maschinenlesbar und global wiederverwendbar. Damit werden sie erstmals zu einem integralen Bestandteil einer unternehmensweiten Datenstrategie. Da Produktinformationen im Zentrum zahlreicher Prozesse stehen – von Regulatory Affairs und Labeling über Übersetzungen und Medical Information bis hin zu Verpackung, Vertrieb und künftigen KI-Anwendungen – entstehen erhebliche Effizienzpotenziale. Unternehmen, die ihre Produktinformationen als hochwertige Datenbestände verwalten, schaffen sich damit einen echten strategischen Wettbewerbsvorteil. Welche Rolle spielt KI bei Einführung und Nutzung? Und welche Risiken entstehen, wenn unzureichende Produktdaten zur Verfügung stehen? KI wird zukünftig immer wichtiger, weil sie große Mengen regulatorischer Informationen
schnell analysieren und verarbeiten kann. Mögliche Einsatzbereiche sind die Strukturierung von Produktinformationen, die Unterstützung bei Übersetzungen, Konsistenzprüfungen, ImpactAnalysen bei Änderungen sowie intelligente Suchund Assistenzfunktionen. Doch Vorsicht: KI löst nicht bestehende Probleme! Die Ergebnisse hängen wesentlich von der Qualität der zugrunde liegenden Daten ab. Sind diese inkonsistent, unvollständig oder schlecht strukturiert, übernimmt die KI diese Schwächen und verstärkt sie im schlimmsten Fall. Deshalb bedeutet KI-Readiness weit mehr als die Einführung einer KI-Lösung. Die Grundlagen sind hochwertige, strukturierte Daten sowie klare Governance, Nachvollziehbarkeit und menschliche Kontrolle. Gerade im regulierten Pharmaumfeld sind diese Voraussetzungen essentiell. Viele Unternehmen investieren in KI – doch wird die eigentliche Herausforderung nicht vielmehr die Datenqualität sein? Absolut! Die Datenqualität ist tatsächlich aus meiner Sicht der entscheidende Erfolgsfaktor. In vielen Pharmaunternehmen sind über Jahre große Mengen an Produktdaten entstanden – oft in unterschiedlichen Versionen, mit lokalen Anpassungen und redundanten Inhalten. Solange diese Daten nicht harmonisiert und strukturiert werden, bleibt auch das Potenzial von KI weitgehend ungenutzt. Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Welche KI setzen wir ein? sondern: Sind unsere Daten überhaupt KI-fähig? Unternehmen, die frühzeitig in Datenqualität, Governance und strukturierte Inhalte investieren, schaffen die Grundlagen, um das Potenzial von ePI und KI langfristig auszuschöpfen. Wer sich dagegen ausschließlich auf die Technologie konzentriert, wird hinter diesen Möglichkeiten zurückbleiben. Welche Unternehmen werden von der ePI besonders profitieren und welche laufen eher Gefahr, den Anschluss zu verlieren? Unternehmen, die sich frühzeitig mit der ePI beschäftigen, werden langfristig profitieren. Wer bereits heute Produktinformationen strukturiert, Daten harmonisiert, Governance etabliert und die Silos zwischen seinen Fachbereichen abbaut, schafft die Grundlage für effizientere Prozesse. Gerade international aufgestellte Pharmaunternehmen können dadurch spürbar produktiver werden.
Welche strategische Bedeutung hat die ePI für die Zukunft der pharmazeutischen Industrie? Und warum sollten Unternehmen bereits heute mit der Vorbereitung auf die ePI beginnen, obwohl viele regulatorische Details noch in der Entwicklung sind? Die ePI steht für den Übergang von einer dokumentenbasierten zu einer datengetriebenen Pharmawelt, doch wer erst auf die endgültigen Vorgaben wartet, verliert wertvolle Zeit. Die ePI macht Produktinformationen zu strategischen Unternehmensdaten und schafft die Grundlage für Automatisierung, KI-Anwendungen und die nächste Generation pharmazeutischer Prozesse. Inwiefern unterstützen Sie mit mt-g Unternehmen bei dieser Transformation? Wir begleiten Pharmaunternehmen bei der Transformation hin zur ePI und unterstützen sie dort, wo sie aktuell stehen – von der ersten Orientierung und Beratung bis zur technischen Umsetzung. Dabei analysieren wir bestehende Infrastrukturen und Prozesse und entwickeln gemeinsam mit den Kunden passende Lösungen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die Verbindung von Regulatory Affairs und IT, da beide Bereiche häufig unterschiedliche Perspektiven haben. Wir übernehmen dabei eine vermittelnde Rolle und helfen, regulatorische Anforderungen mit technischen Möglichkeiten zu verbinden. Da jedes Unternehmen unterschiedliche Voraussetzungen und Anforderungen mitbringt, verfolgen wir keinen „One-size-fits-all“-Ansatz, sondern entwickeln individuelle Lösungen für die jeweilige Organisation. Weitere Informationen unter: mt-g.com
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
fokus.swiss
Neurovaskuläre Erkrankung
7
Dem Rauschen auf der Spur Pulssynchrones Ohrgeräusch wird oft als Stressfolge verkannt, dabei können Gefäßveränderungen dahinterstecken. Die richtige Diagnose gibt Hoffnung auf gezielte Hilfe.
E
s rauscht, zischt oder pocht im Ohr, immer im Rhythmus des eigenen Herzschlags. Tagsüber lässt sich dieser sogenannte pulsatile Tinnitus vielleicht noch überhören, nachts tritt er umso stärker in den Vordergrund. Manche Betroffene schlafen kaum noch, andere ziehen sich zunehmend zurück. Oft wird das Leiden als stressbedingt oder psychosomatisch eingeordnet. Doch dahinter steckt mitunter eine körperliche, behandelbare Ursache: eine Veränderung der Blutgefäße im Schädel, etwa eine Verengung großer venöser Blutleiter. Wird sie erkannt, lässt sie sich gezielt behandeln – mit hoher Chance, dass das Geräusch verschwindet. Das pulssynchrone Ohrgeräusch unterscheidet sich deutlich vom klassischen Tinnitus: Es folgt exakt dem Herzschlag und tritt meist einseitig auf. Als Auslöser kommen arterielle Veränderungen und krankhafte Verbindungen zwischen Arterien und Venen infrage, die häufigsten intrakraniellen Ursachen sind jedoch Verengungen großer venöser Blutleiter in der Nähe des Felsenbeins – sogenannte Sinusstenosen. Durch eine Sinusstenose erhöht sich lokal die Geschwindigkeit des Blutstroms, sodass Turbulenzen entstehen. Weil die betroffenen Gefäße dem Felsenbein direkt anliegen, kann das Strömungsgeräusch direkt an das Innenohr weitergeleitet werden – Betroffene
die Halsvene auf der betroffenen Seite komprimiert wird, spricht dies für einen Zusammenhang mit dem venösen Blutfluss. Für die weitere Diagnostik sind spezielle MRT- und CT-Aufnahmen erforderlich. Entscheidend ist die enge Zusammenarbeit zwischen HNOHeilkunde und erfahrener Neuroradiologie. Bestätigt sich eine relevante Verengung, kommt bei geeigneten Patientinnen und Patienten eine minimalinvasive Behandlung infrage. Über einen Katheter wird ein Stent eingesetzt, der das Gefäß offenhält und die Strömungsverhältnisse normalisiert. Untersuchungen berichten über Erfolgsraten von mehr als 90 Prozent bei Komplikationsraten von unter zwei Prozent.
Bild Unsplash+/Daniel J. Schwarz
Wer den eigenen Puls im Ohr hört, sollte das Geräusch nicht vorschnell als Stresssymptom abtun. hören den eigenen Blutfluss. Ist die knöcherne Abgrenzung zusätzlich ausgedünnt oder weist einen knöchernen Defekt (Dehiszenz) auf, kann sich das Geräusch noch stärker übertragen. Für viele beginnt eine jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt. Studien berichten bei Betroffenen über
Schlafstörungen, Depressionen, Angststörungen bis hin zu Suizidgedanken. Umso wichtiger ist eine gezielte Abklärung. Ein erster Hinweis auf eine venöse Ursache kann sich bereits bei der Untersuchung ergeben: Schwächt sich das Geräusch ab, wenn
Derzeit wird in einer klinischen Studie ein speziell für den venösen Einsatz im Schädel entwickeltes Implantat untersucht. Geprüft werden Sicherheit, Leistungsfähigkeit und klinischer Nutzen bei venösen Sinusstenosen im Zusammenhang mit pulsatilem Tinnitus. Doch schon jetzt ist die Botschaft klar: Wer den eigenen Puls im Ohr hört, sollte das Geräusch nicht vorschnell als Stresssymptom abtun. Dahinter kann eine behandelbare körperliche Ursache stecken – und damit eine echte Perspektive auf Ruhe. Text Iris Soltau
Acandis GmbH • Brandreport
Mehr als nur Tinnitus: »Gefäßursachen müssen früher erkannt werden.« Wer den eigenen Herzschlag im Ohr hört, wartet häufig lange auf die richtige Diagnose. PD Dr. med. Hannes Nordmeyer, Chefarzt der Interventionellen Neuroradiologie am Städtischen Klinikum Solingen, erläutert, weshalb die Ursache des sogenannten pulsatilen Tinnitus oft lange unerkannt bleibt. Erkrankung dahinter, bestimmte Befunde dürfen jedoch nicht übersehen werden.
PD Dr. med. Hannes Nordmeyer Chefarzt und Studienleiter am Städtischen Klinikum Solingen Herr Dr. Nordmeyer, wie sollte die Versorgung organisiert sein, damit Betroffene schneller Klarheit erhalten? Der erste Weg führt häufig in die Hausarztpraxis oder zur HNO-Heilkunde. Dort muss erkannt werden, dass ein pulssynchrones Ohrgeräusch etwas anderes sein kann als ein klassischer Tinnitus. Besteht der Verdacht auf eine Gefäßursache, sollte eine Bildgebung veranlasst und frühzeitig neuroradiologisch abgeklärt werden. Wichtig ist die gezielte Überweisung an ein spezialisiertes Zentrum. Was kann die Neuroradiologie leisten, was bei der üblichen Tinnitus-Abklärung mitunter fehlt? Wir betrachten gezielt die Gefäße des Gehirns und des Schädels – etwa im Hinblick auf Verengungen der großen venösen Blutleiter oder krankhafte Verbindungen zwischen Arterien und Venen. Solche Veränderungen werden bei einer
Meist steckt keine gefährliche Erkrankung dahinter, bestimmte Befunde dürfen jedoch nicht übersehen werden. allgemeinen Tinnitus-Diagnostik nicht immer erfasst. Die Neuroradiologie kann die Befunde einordnen und bei geeigneten Patientinnen und Patienten auch minimalinvasiv behandeln. Warum wird die richtige Diagnose dennoch oft erst spät gestellt? Wird das Symptom früh unter dem Oberbegriff Tinnitus eingeordnet, beginnt für viele Betroffene eine lange Suche. Manche kommen erst nach Jahren in unsere Sprechstunde – häufig, nachdem sie selbst recherchiert und gezielt um eine Gefäßdarstellung oder Überweisung gebeten haben. Die Diagnose sollte jedoch nicht davon abhängen, wie gut sich jemand selbst informieren kann. Welche Hinweise sollten Ärztinnen und Ärzte besonders ernst nehmen? Entscheidend ist eine genaue Beschreibung:
Folgt das Geräusch dem Herzschlag? Wird es bei Belastung lauter? Verändert es sich durch die Kopfhaltung oder Druck am Hals? Auch das Stethoskop kann bei bestimmten Gefäßveränderungen Hinweise liefern. Ergibt sich ein begründeter Verdacht, sollte eine kontrastgestützte Bildgebung erfolgen. Das Krankheitsbild ist selbst unter Fachleuten noch zu wenig bekannt. Warum? Es fehlt häufig an Aufmerksamkeit für die unterschiedlichen Ursachen pulssynchroner Ohrgeräusche. Das Thema sollte deshalb stärker in Fortbildungen verankert werden. Wer über mögliche Gefäßveränderungen und ihre Merkmale informiert ist, kann Betroffene gezielter weiterleiten. Meist steckt keine gefährliche
Was möchten Sie Menschen mitgeben, die seit Monaten oder Jahren ein pulsierendes Geräusch hören? Sie sollten genau schildern, dass das Geräusch dem Herzschlag folgt und wodurch es sich verändert. Diese Angaben können den Weg zur Diagnose verkürzen. Bei einem großen Teil der Betroffenen lässt sich die Ursache erkennen und gezielt behandeln. Deshalb sollten sie sich nicht vorschnell mit der allgemeinen Diagnose Tinnitus abfinden.
PD Dr. med. Hannes Nordmeyer ist Chefarzt des Instituts für diagnostische und interventionelle Neuroradiologie am Städtischen Klinikum Solingen und Studienleiter am deutschen Prüfzentrum der von Acandis gesponserten RESOLVE-Studie, die einen neuartigen Stent zur Behandlung des pulsatilen Tinnitus bei Sinusstenosen untersucht.
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
8
Brandreport • H&T Presspart
#smartfutureofhealthcare
Partnerschaft beginnt vor der Produktion
Von der ersten Geräteidee bis zur hochautomatisierten Serienfertigung wachsen Forschung, Entwicklung und Produktion in der Pharmaindustrie immer enger zusammen. Das verändert die Anforderungen an spezialisierte Partner grundlegend, ebenso wie den Umgang mit neuen Therapieformen, Digitalisierung und resilienten Lieferketten. Im Interview erläutert Christian Krätzig, Geschäftsführer von H&T Presspart, wie sich das Unternehmen auf diese Entwicklung einstellt. H&T Presspart ist ein Familienunternehmen, Entwicklungspartner und Serienfertiger für Arzneimittelverabreichungssysteme und begleitet Pharma- und Biotech-Unternehmen von der Produktentwicklung bis zur industriellen Fertigung.
Christian Krätzig President, H&T Presspart
Herr Krätzig, viele nennen sich heute »Partner der Pharmaindustrie«. Was bedeutet Partnerschaft für Sie konkret und warum reicht klassische Auftragsfertigung nicht mehr? Partnerschaft beginnt heute deutlich früher. Pharma und Biotech evaluieren Device-Plattformen bereits in präklinischen Phasen. Erwartet wird ein Team, das Design, Verifikation und Industrialisierung aus einer Hand liefert. Genau da setzen wir an: Unsere Entwicklung, analytische Expertise und In-vitro-Charakterisierung arbeiten eng mit Design-for-Manufacture und Industrialisierung zusammen. Erkenntnisse fließen früh in die spätere Serienrealität. Das ist mehr als Auftragsfertigung. Geschwindigkeit kann über Markterfolg sicher entscheiden. Wo klemmt es typischerweise und wie lösen Sie das? Die größten Verzögerungen entstehen beim sicheren Zusammenspiel aus Device und Medikament. Wir arbeiten deshalb mit funktionsrepräsentativen, spritzgegossenen Prototypen unter produktionsnahen Bedingungen und Computertomographie-gestützter Maßanalyse. Additive Fertigung gibt uns schnell Teile aus dem Serienkunststoff, die wir direkt mit Wirkstoffen testen können. So werden einzelne Schleifen zu fließenden Entwicklungsschritten. Der Time-to-Market reduziert sich deutlich. Pharma fokussiert heute stärker auf Wirkstoffentwicklungen. In welchen Bereichen muss ein Partner heute mehr übernehmen und zusätzlich leisten? Transparente Roadmaps, gemeinsames Risikomanagement und die Zusammenarbeit über den gesamten Lebenszyklus. Dazu Systemkompetenz in Primärverpackung und Device und die Fähigkeit, bis zur hochautomatisierten Serie zu skalieren. Partnerschaft auf Augenhöhe ist heute Pflicht. Biologika, RNA, Zell- und Gentherapien verändern die Anforderungen. Welche Hürden werden unterschätzt? Es treffen zwei Dynamiken aufeinander. Erstens:
Erkenntnisse fließen früh in die spätere Serienrealität. komplexere Wirkstoffe. Biologika stellen hohe Ansprüche an Oberflächen und Materialkompatibilität. Wir setzen auf materialsouveräne Oberflächen- und Device-Technologien – etwa Plasma-behandelte Dosen für Dosieraerosole – zur Reduktion von Adhäsion und Degradation. Daneben bieten wir Device-Innovationen wie unseren selbstentwickelten Trockenpulverinhalator, der komplexe Pulver, heutzutage auch oft große Moleküle, z. B. Biologika, zuverlässig aerosolisiert, also inhalierbar macht. Zweitens: personalisierte Medizin verändert die Fertigung. Sie braucht kleine, flexible Batchgrößen im aseptischen Fill-Finish. Dafür entwickeln wir gezielt Produkte für flexible Abfüllprozesse etwa unseren Snap-Fit-Verschluss für sicheres, effizientes aseptisches Fill-Finish. Automatisierung und Digitalisierung geben sicher Effizienz, aber geht das ohne Abstriche bei Qualität und Patientensicherheit? Ganz im Gegenteil. Wir setzen auf InlineMesstechnik, hochautomatisierte Prozesse und digitale Rückverfolgbarkeit. Ergänzend integrieren wir gezielt künstliche Intelligenz in Produktions- und administrativen Prozessen. Ergebnis: Kürzere Anläufe, weniger Abweichungen, reproduzierbare Freigaben bei sinkenden Stückkosten.
Wenn wir über Lieferketten sprechen, ist »Local for Local« ein Schlagwort. Aber sehen Sie diesen Trend als Pflicht oder kann er auch das Business stärken? Beides. Regionalisierte Lieferketten erhöhen Resilienz und passen zu regulatorischen Anforderungen gerade bei kritischen Komponenten. Wir produzieren in England, Deutschland, Spanien, der Schweiz und den USA und bauen Kapazitäten entlang der Nachfrage aus. Das heißt: kürzere Wege und höhere Sicherheit. Der Begriff Nachhaltigkeit wird heute oft genutzt, aber selten detailliert beschrieben. Wo liegen die größten Hebel ohne Leistungseinbußen? Inhalationsaerosole sind unser Kerngeschäft. Ihren ökologischen Fußabdruck zu senken, ist zentrales Ziel. Wir unterstützen den Umstieg auf Treibmittel mit sehr geringem Treibhauspotenzial. Parallel bieten wir Plasma-behandelte Dosen an, die gegenüber klassischen Beschichtungen weniger Energie und Material benötigen und eine wesentlich verbesserte CO₂-Bilanz aufweisen. Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) stehen regulatorisch unter Beobachtung. Wir entwickeln gezielt Oberflächentechnologien ohne PFAS. Und wir denken Eco-Design von
Anfang an mit: Materialeffizienz, energiearme Prozesse, Recyclingströme, Langlebigkeit ohne Kompromisse bei Leistung und Sicherheit. Und hier zahlt sich die Agilität eines Familienunternehmens aus. Die Situation voll im Blick, mit der Möglichkeit, schnell nachhaltige Maßnahmen treffen zu können. Familienunternehmen seit über 50 Jahren. Wie prägt das Ihre Entscheidungen in einem streng regulierten, innovationsgetriebenen Umfeld? Es schafft Stabilität und Tempo zugleich. Wir investieren langfristig, entscheiden schnell und pflegen Partnerschaften, die Jahrzehnte tragen. Absicherung gehört dazu: Dedizierte Fertigungshallen, Spiegelkapazitäten und klare Business-Continuity-Pläne, die Single-Source-Risiken adressieren, ohne Tempoverlust. In einem Satz: Woran erkennen Kunden, dass H&T Presspart der richtige Partner ist? Daran, dass ihr Produkt früher im Markt ist, stabil in der Serie läuft, eine robuste Lieferkette im Hintergrund steht und sie sich ihren Kernaufgaben widmen können. Weitere Informationen unter: presspart.com
H&T Presspart ist ein Familienunternehmen, Entwicklungspartner und Serienfertiger für Arzneimittelverabreichungssysteme. Als Hidden Champion begleitet das Unternehmen Pharma- und Biotech-Kunden von der Produktentwicklung über die Industrialisierung bis zur hochautomatisierten Serienproduktion. Standorte in Europa und den USA ermöglichen eine kundennahe Fertigung und globale Lieferfähigkeit.
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
#smartfutureofhealthcare
Arvato Systems • Brandreport
9
Der digitale Arbeitsplatz für die gesetzliche Krankenkasse von morgen. Mit Künstlicher Intelligenz, intelligenter Automatisierung und agentischen Systemen verändert sich die Art, wie Arbeit organisiert und geleistet wird, auch bei Leistungsträgern. In den kommenden Jahren werden viele Standardanfragen nicht mehr durch Menschen, sondern durch KI-Agenten bearbeitet.
D
amit verändert sich auch die Rolle des IT-Dienstleisters. Klassische IT-Unterstützung wird zunehmend durch KI-gestützte Self-Services und automatisierte Prozesse ergänzt, weil KI-Agenten viele Anfragen automatisch erkennen, einordnen und lösen. Durch Self-Service-Portale, autonome Abläufe und Assistenzsysteme werden manuelle Tätigkeiten stark reduziert und Probleme idealerweise schon gelöst, bevor sie für Nutzer überhaupt sichtbar werden. Für Mitarbeitende werden intelligente Assistenten zunehmend zum einfachen Zugang zu IT-Services. Sogenannte DEX-Plattformen (Digital Employee Experience) sorgen dafür, dass Störungen automatisch erkannt, analysiert und behoben werden. Damit wird der digitale Arbeitsplatz insgesamt stabiler, nutzerfreundlicher und produktiver. Der Mensch verschwindet nicht aus dem Betrieb, nur seine Rolle verändert sich. Routinetätigkeiten übernimmt zukünftig die KI. Kontrolle und Weiterentwicklung verbleiben bei den Kollegen. »Mit einem autonomen, KI-gestützten Betrieb schaffen wir mehr Potenziale für gesetzliche Krankenkassen: 24/7-Service, proaktive Fehlererkennung mit Self-Healing, höhere Servicequalität, messbar reduzierte Betriebsaufwände und eine kontinuierliche Optimierung durch Analytics und Künstliche Intelligenz«, sagt Markus Krenn, Bereichsleiter Digital Workplace bei Arvato Systems. Als erfahrener Digitalisierungspartner des deutschen Gesundheitswesens kennt Arvato Systems die Anforderungen der Branche und richtet sichere digitale Lösungen konsequent darauf aus, Verwaltung und Versorgungsservice der Kassen spürbar zu verbessern und IT-Kosten durch Innovationen zu senken.
weil er Nutzer nicht nur schnell und produktiv macht, sondern Sicherheits- und Datenschutzanforderungen von Anfang an integriert, KI-gestützte Services wie den TÜV-geprüften Sprachbot verantwortungsvoll einbindet und Kosten planbar und skalierbar macht«, erläutert Markus Krenn. Damit wird ein digitaler Arbeitsplatz geschaffen, der weit über reine Technologiefragen
die besonderen Schutzanforderungen für Sozialdaten aus dem Blick zu verlieren. Nicht jeder Dienstleister für digitale Arbeitsplätze kennt die Anforderungen für den Umgang mit besonders schützenswerten Gesundheitsdaten. Für gesetzliche Krankenkassen gilt: Sozialdaten dürfen ausschließlich im Inland, in
Open Source als strategische Ergänzung zu Microsoft 365 »Wir bei Arvato Systems betrachten Open Source als zusätzlichen Baustein innerhalb eines komplexen Ökosystems für Resilienz, Handlungsfähigkeit und Datensouveränität, nicht als ideologischen Gegenentwurf zu Microsoft 365. Deshalb gewinnt ein unabhängiger »Plan B« zunehmend an Bedeutung«, so Markus Krenn.
Die Zukunft gehört nicht der KI mit den meisten Funktionen, sondern der Kl, die sicher, souverän und wirtschaftlich beherrschbar betrieben werden kann.
»Unser Ansatz für den digitalen Arbeitsplatz für gesetzliche Krankenversicherungen ist bestens auf den Wandel vorbereitet,
Die Business Continuity wird durch eigene, von Microsoft unabhängige Open-Source-Lösungen wie den Matrix-basierten Notfall-Messenger tim+ gewährleistet. Backup-IAM (Identity & Access Management) kontrolliert den Zugriff auf Benutzer, Rollen und Berechtigungen, geschäftskritische Dokumente werden in einer separaten Ausweichumgebung bereitgestellt. Zudem werden alternative Kommunikationswege außerhalb der Microsoft-Cloud angeboten. Damit bleibt eine Organisation auch bei größeren Störungen oder Cloud-Ausfällen handlungsfähig. Gesetzliche Krankenkassen, die ihre Kontrolle über Datenhaltung und Informationsaustausch noch erhöhen möchten, lagern sensible Daten in einen souveränen Datenraum aus, mit Microsoft 365 als weiterhin zentrale Arbeitsplattform. Die weitreichendste Ausbaustufe ist der vollständige Open-Source-Arbeitsplatz, bei der sämtliche Kernfunktionen des digitalen Arbeitsplatzes durch offene Technologien bereitgestellt werden.
Wie aber lässt sich das Potenzial von KI nutzen, ohne die Kontrolle über Kosten, Daten und Infrastruktur zu verlieren? Was den Wandel anspruchsvoll macht. KI ist nur so gut wie die Daten dahinter und die gewonnene Effizienz muss mit Sicherheit, Datenschutz und Compliance einhergehen. Besonders in regulierten Umgebungen wie dem Gesundheitswesen. Zudem braucht es eine Governance für den Umgang mit fehlerhaften KI-Antworten (Halluzinationen), um Risiken zu minimieren und die Anforderungen des EU AI Act einzuhalten. Auch transparente, steuerbare und langfristig kalkulierbare Kostenstrukturen sind entscheidend, damit bei der Abrechnung nach Verbrauch von Recheneinheiten (Tokens) die Kosten nicht unvorhersehbar explodieren. Viele Ausschreibungen betrachten nur den Arbeitsplatzpreis. Zukünftig werden jedoch KI-Assistenten, Copiloten und Automatisierungsplattformen einen relevanten Kostenblock darstellen. Dabei ist die langfristige Handlungsfähigkeit – ohne dauerhafte Abhängigkeit von einzelnen Herstellern, Cloud-Anbietern oder KI-Plattformen – im Gesundheitswesen oftmals wichtiger als der kurzfristige Funktionsumfang. Umso relevanter ist die Fähigkeit, Daten, Prozesse und Plattformen auch zukünftig selbst steuern zu können.
Arbeitsplätzen – fünf Erfolgsfaktoren für zukunftsfähige Arbeitsplatz-Ausschreibungen. Für gesetzliche Krankenkassen entscheidet deshalb nicht der größtmögliche Funktionsumfang über den Erfolg. Entscheidend ist ein Betriebsmodell, das Innovation mit Verantwortung verbindet: stabil im Alltag, souverän in der Steuerung und offen für die nächsten Entwicklungsschritte.
hinausgeht. Der Ansatz sichert maximale Souveränität im Betrieb, unterstützt die Migration der PC-Arbeitsplätze in die Delos Cloud und stärkt zudem Nachhaltigkeit durch längere Nutzungszyklen und kontrollierte Rücknahmeprozesse. Im Zentrum steht die KI-Arbeitsplattform Arvato Systems Sphere: Sie führt generative KI, Unternehmenswissen und verschiedene Datenbestände in einer einheitlichen Chat-Oberfläche zusammen. Dafür setzt Arvato Systems auf große Sprachmodelle (LLMs) aus dem eigenen Rechenzentrum, die volle Transparenz über die Datenströme ermöglichen. Dank einer MCP-basierten Architektur bleibt die Plattform offen für neue Datenquellen und KI-Szenarien – ohne
der EU oder in gleichgestellten Staaten verarbeitet werden, reine EU-Standardvertragsklauseln reichen im Sozialdatenschutz nicht aus. IT-Dienstleister müssen diese Vorgaben auch bei der Auswahl ihrer Software sowie beim Einsatz von KI-Modellen konsequent berücksichtigen. Diese nötige Branchenkenntnis reduziert mögliche Betriebs- und Compliance-Risiken erheblich. Digitale Souveränität statt nur Cloud-Funktionalität, planbare KI-Kosten statt unkontrollierter Verbrauchsmodelle, Erfahrung mit Sozialdaten, eine nachhaltige Automatisierungs- und Transformationsstrategie sowie eine nachweisbare Betriebsstabilität in regulierten Organisationen mit tausenden
Weitere Informationen unter: www.arvato-systems.de/portfolio/ loesungen/digital-workplace
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
10
Coverstory • Dr. Marc-Pierre Möll
fokus.swiss
Dr. Marc-Pierre Möll
Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist kein Selbstzweck – sie ist der Schlüssel zu einer Versorgung, die effizienter, vernetzter und vor allem besser für Patient:innen wird. Damit eine solche smarte Versorgung gelingt, müssen digitale und datengetriebene Medizinprodukte frühzeitig mitgedacht und aktiv eingebunden werden. Zudem müssen telemedizinische Lösungen wie das Telemonitoring stärker genutzt werden. Text SMA
Bild zVg
D
enn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Daten besser nutzen Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: – die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, – das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, – das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, – die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, – die Nutzung von Daten für Digital-Twin-Ansätze oder – die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir: – In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. – Für „Digital-Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. – Das Einwilligungsmanagement zur
Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen.
– Dr. Marc-Pierre Möll
Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. – Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. Telemonitoring-Potenziale besser nutzen Zu einer smarten, datenbasierten Gesundheitsversorgung gehört auch Telemonitoring als eine besondere Form der Telemedizin. Dabei gibt es verschiedene medizintechnische
Ansätze: vom kontinuierlichen Monitoring über anlassbezogene Überwachung bis hin zur ambulanten Remote-Betreuung. Die Zukunft ist „Smart Monitoring“. Künftig werden mehr Vitaldaten von Sensoren erfasst werden können, mehr Geräte Daten verarbeiten und versenden können. Bei der Auswertung und Überwachung der Gesundheitsdaten kommen zunehmend automatisierte und KI-gestützte Systeme zum Einsatz, die den Personalaufwand reduzieren. Das kann Fachkräfte von Routinen entlasten und Zeit für die individuelle Betreuung bei Bedarf schaffen. Telemedizin und insbesondere Telemonitoring sind erprobte Konzepte und haben gezeigt, dass sie Effizienz und Qualität der medizinischen
Versorgung maßgeblich verbessern. Auch der Koalitionsvertrag setzt auf eine Stärkung und Ausweitung der Angebote. Zu Recht, denn die Potenziale sind längst nicht ausgeschöpft. So ist die chronische Herzinsuffizienz bislang die einzige Indikation, bei der Telemonitoring Bestandteil der Regelversorgung ist und von den gesetzlichen Krankenkassen größtenteils erstattet wird. Damit telemedizinische Anwendungen für noch mehr Indikationen in die Regelversorgung aufgenommen werden können, braucht es perspektivisch einen eigenständigen Weg zu Zulassung und Vergütung. Wir setzen uns für einen eigenen Marktzugang für Telemonitoring ein, der andere Zugangskriterien ansetzt, sektorenübergreifende Behandlungen ermöglicht und dabei neben den Leistungen von Praxen und Gesundheitsberufen auch Kosten für die Technologie abbildet. Fazit Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. Über Dr. Marc-Pierre Möll Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
#smartfutureofhealthcare
SVA System Vertrieb Alexander GmbH • Brandreport
11
Modern Workplace im Krankenhaus: die andere Hälfte der Bürokratiedebatte Deutsche Kliniken haben digital aufgeholt, der Dokumentationsaufwand ist trotzdem gestiegen. Stefan Müller, Fachbereichsleiter Modern Workplace, und Kathryn Sikora, Healthcare Consultant bei SVA, über Reibung im Klinikalltag, Personas und digitale Identität.
Stefan Müller Fachbereichsleiter Modern Workplace
Kathryn Sikora Healthcare Consultant Ärzte und Pflegekräfte verbringen einen großen Teil ihres Arbeitstages mit Dokumentation. Die Debatte fokussiert auf Gesetze, Nachweispflichten, Qualitätssicherung und Prüfanfragen des Medizinischen Dienstes. Sie sagen aber, ein Teil des Problems liegt woanders. Kathryn Sikora: Gefragt wird fast immer, was dokumentiert werden muss und wie sich das reduzieren lässt. Das ist die halbe Frage. Die andere: Wie lange dauert es, eine ohnehin notwendige Angabe zu erfassen? Ich habe es auf Station erlebt: Dieselbe Angabe dauert in einem gut integrierten System Sekunden, in einem fragmentierten Umfeld Minuten. Der DigitalRadar bescheinigt den Häusern seit Jahren deutliche Fortschritte – und trotzdem melden fast neun von zehn dem Deutschen Krankenhausinstitut einen steigenden Dokumentationsaufwand. Digitalisierung allein schafft noch keine Entlastung – entscheidend ist, wie sie im Arbeitsalltag ankommt. Ein erheblicher Teil der benötigten Zeit entsteht durch Reibung im digitalen Arbeitsplatz – und genau die lässt sich verändern, ohne auf die nächste Reform zu warten. Was heißt hier Reibung konkret? Kathryn Sikora: Reibung ist jeder Punkt, an dem der Arbeitsfluss anhält, weil die Technik es verlangt und nicht die Aufgabe. Die erneute Anmeldung am nächsten Rechner, die Suche nach einem freien Gerät auf der Visite, das Warten auf eine Anwendung. Wenn ich Pflegekräfte frage, was am meisten stört, sind es fast immer die kleinen Stolpersteine – und genau daraus entstehen Workarounds. Stefan Müller: Aus unseren Kundenprojekten kennen wir dazu ein Muster: Ein Haus investiert seit Jahren in Digitalisierung und viele Verbesserungen sind im Alltag spürbar – aber ein Teil des Gewinns ist zwei Jahre später wieder weg. Nicht aus Nachlässigkeit – es kommt laufend etwas dazu: Jede neue Anwendung bringt ihre eigene Anmeldung mit, Update-Zyklen überholen die Freigabeprozesse der klinischen Systeme. Jede
Wer nach Organigramm ausstattet, stattet die falschen Unterschiede aus. Änderung ist für sich richtig – in Summe wird addiert statt integriert. Wir haben vor einem Jahr gesagt, Digitalisierung sei kein Projekt mit Enddatum. Heute formuliere ich schärfer: Ohne Pflege fällt sie zurück. Warum sollte das die Geschäftsführung interessieren, nicht nur die IT? Stefan Müller: Weil Reibung eine Kostenposition ist, auch wenn sie in keiner Bilanz so heißt. Sie zeigt sich in Überstunden, Krankheitstagen, Fluktuation – und in den Nachweispflichten. All das hängt an Arbeitsplätzen, die im Alltag funktionieren oder eben nicht. Wir kennen den Mechanismus aus dem eigenen Geschäft: Wird nicht unmittelbar dokumentiert, leidet die Qualität und aus Unsicherheit wird zu vorsichtig abgerechnet. Im Krankenhaus heißt das Codierung, nur hängt dort zusätzlich die Versorgung dran. Messbar ist das: Das Fraunhofer IML hat erhoben, dass fast die Hälfte der Beschäftigten von Lücken im zeitlichen Ablauf berichtet – dokumentiert wird gesammelt am Schichtende. Die Antwort ist weder mehr Disziplin noch der nächste Appell, sondern ein Arbeitsplatz, der zeitnahe Dokumentation zum einfachsten Weg macht. Was ändert sich, wenn man nach Personas plant? Stefan Müller: Die Trennlinie verschiebt sich vom Organigramm zum tatsächlichen Bedarf. Oberärztin und Assistenzarzt sind organisatorisch verschieden und technisch oft identisch – Nachtdienst und Tagdienst auf derselben Station umgekehrt. Wer nach Organigramm ausstattet, stattet die falschen Unterschiede aus. Zwischen dem leichtesten und dem anspruchsvollsten Arbeitsplatzprofil liegt ungefähr der Faktor acht, bezahlt wird meistens eins zu eins. Wichtig ist bei der Planung die Reihenfolge. Wir definieren die Persona unabhängig von Lösung und Hersteller. Erst wenn klar ist,
wie tatsächlich gearbeitet wird, fällt die Entscheidung über die Plattform. Interessant ist, dass die Anbieter diese Logik gerade nachziehen. Citrix etwa koppelt die Lizenzierung inzwischen an Nutzergruppen statt pauschal an Köpfe. Für ein Haus im Umbau ist das relevanter als jedes einzelne Funktionsmerkmal, weil eine Umorganisation dann nicht automatisch ein Lizenzprojekt auslöst. Kathryn Sikora: Was für die eine Gruppe ein echter Hebel ist, ist für die andere irrelevant: Für die Stationspflege im Schichtdienst ist kartenbasiertes An- und Abmelden mit mitwandernder Sitzung ein spürbarer Gewinn, für die Verwaltung im Homeoffice zählt anderes. Wer die Personas kennt, beschafft anders, rollt anders aus und schult anders. Es ist wie mit Konfektionsgrößen: Es passt irgendwie, richtig glücklich ist man selten. Sie sprachen vom Anmelden. Dahinter steckt das Thema Identität. Kathryn Sikora: Sammelzugänge auf Station sind historisch gewachsen und im Schichtbetrieb unter Zeitdruck waren sie oft die einzige Lösung. Geändert hat sich der Kontext: Immer mehr Prozessketten sind nachweispflichtig. Eine konsolidierte digitale Identität statt vieler Einzelzugänge zahlt doppelt ein: weniger Reibung – gerade bei Pool- und Springerkräften – und eine stärkere Kontrolle über Zugriffe. Woher weiß ein Haus, welche Personas es hat? Kathryn Sikora: Personas sind Arbeitsmuster, keine Berufsbezeichnungen. Man findet sie, indem man hinschaut: auf Station, in Workshops, im Gespräch mit Pflegedirektion und Betriebsrat. Und das ist keine einmalige Übung: Telemedizin und MVZ-Anbindungen verändern Arbeitsmuster laufend. Sichtbar wird das über Betriebsdaten – Stichwort »Digital Employee Experience«. Stefan Müller: Eine Regel hat sich bewährt: Unbekannte Werte werden nicht geschätzt,
Der Arbeitsplatz ist keine Nebensache. Er ist die Stelle, an der Reform entweder ankommt – oder eben nicht.
sondern als Datenlücke dokumentiert und einem Verantwortlichen zugewiesen. Banal, aber bei knappen Mitteln entscheidend – und knapp sind sie: Deutsche Kliniken geben für laufenden IT-Betrieb und IT-Personal deutlich weniger aus als vergleichbare Häuser in Europa. Deshalb fällt die entscheidende Wahl oft nicht beim Produkt, sondern beim Betriebsmodell. Was wünschen Sie den Verantwortlichen für die nächsten zwei Jahre? Kathryn Sikora: Den Mut, vom Arbeitsplatz her zu denken statt vom einzelnen System. Der Reformdruck wird nicht kleiner – und Reformen müssen sich am Arbeitsplatz der Menschen zeigen, sonst bleiben sie Papier. Und ich wünsche mir, dass IT, Pflegedirektion und Geschäftsführung das gemeinsam als strategische Investition begreifen. Stefan Müller: Schattennutzung ist keine Disziplinfrage, sondern die normale Reaktion auf Reibung. Ich habe in einem Projekt erlebt, dass Röntgenbilder mit dem Handy abfotografiert und dem Bereitschaftsarzt per privater Mail geschickt wurden, weil der offizielle Weg zu umständlich war. Beendet hat das kein Verbot, sondern eine mobile Bildbetrachtung – der sichere Weg war plötzlich der schnellere. Heute läuft dasselbe Muster mit KI. Die nächste Nutzergruppe, die einen Arbeitsplatz braucht, ist vielleicht kein Mensch mehr. Deshalb wünsche ich niemandem mehr Technik, sondern eine Basis, die die nächste Veränderung aufnimmt, ohne dass man sie neu baut. Kathryn Sikora: Der Arbeitsplatz ist keine Nebensache. Er ist die Stelle, an der Reform entweder ankommt – oder eben nicht. Über SVA Die SVA System Vertrieb Alexander GmbH begleitet Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen von der Analyse der Arbeitsmuster über die Personadefinition bis zum Betrieb moderner Arbeitsplatzumgebungen – herstellerneutral in der Konzeption, umsetzungsstark in der Realisierung und verlässlich in der Betriebsverantwortung. Weitere Informationen unter: sva.de
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
12
Brandreport • PubliCare GmbH
#smartfutureofhealthcare
»Ambulant bedeutet nicht weniger Versorgung« Wie gelingt der Übergang von der Klinik nach Hause? Nik Lehmann-Bodem, Sales Director bei PubliCare, und Christian Lierse, Leiter Krankenkassenmanagement, erklären, welche Rolle Homecare dabei spielt – und warum digitale Vernetzung den persönlichen Kontakt nicht ersetzen kann. Probleme, beraten zu Ernährungsthemen und stimmen sich mit Kliniken und Arztpraxen ab. So entsteht Sicherheit – und der Weg zurück in einen selbstbestimmten Alltag. Nik Lehmann-Bodem Sales Director
Christian Lierse Leiter Krankenkassenmanagement Was leistet Homecare nach der Entlassung konkret? Lehmann-Bodem: Nehmen wir einen Menschen, der nach einer Darmkrebsoperation mit einem künstlichen Darmausgang nach Hause kommt. Unsere spezialisierten Pflegeexpert:innen machen Betroffene und Angehörige mit der Versorgung unter diesen neuen Lebensumständen vertraut und begleiten sie Schritt für Schritt. Sie erkennen
Das Ziel lautet »ambulant vor stationär«. Welche Rolle spielt Homecare dabei? Lierse: Eine frühere Entlassung darf keine Versorgungslücke erzeugen. Gerade bei komplexen Therapien sorgt Homecare dafür, dass die Behandlung zu Hause sicher weitergeführt wird und Probleme frühzeitig erkannt werden. Das entlastet Kliniken, Pflegekräfte und Angehörige. Aufgrund des demografischen Wandels und fehlender Fachkräfte steigt der Kostendruck, weshalb die Ambulantisierung an Bedeutung gewinnt. Sie steht nicht für weniger, sondern für eine bessere Betreuung im vertrauten Umfeld. Mit welchen Herausforderungen haben Sie zu tun? Lehmann-Bodem: Homecare bewegt sich zwischen Ärzten, Patienten und Kostenträgern. An diesen Schnittstellen gehen noch immer Informationen verloren. Unsere Fachkräfte erkennen oft zuerst, wenn sich der Gesundheitszustand verändert. Wenn diese Beobachtungen nicht schnell
weitergegeben werden, verzögert das Entscheidungen und bindet wertvolle Ressourcen. Lierse: Als Hilfsmittelleistungserbringer sind wir nur eingeschränkt an die Telematikinfrastruktur angebunden. Die elektronische Patientenakte und das E-Rezept stehen uns nicht zur Verfügung, Hilfsmittelrezepte laufen vielfach weiterhin über Papier und Fax. Das führt zu Doppelarbeit und verhindert, dass Erkenntnisse aus der häuslichen Versorgung nahtlos in den Behandlungsprozess einfließen. Deshalb müssen alle Leistungserbringer digital miteinander verbunden sein. Wo können moderne Anwendungen unterstützen – und wo bleibt der persönliche Kontakt unverzichtbar? Lehmann-Bodem: Trotz der begrenzten Anbindung an die Telematikinfrastruktur nutzen wir digitale Lösungen bereits intensiv. Patienten erhalten über Video-Beratungen, Apps, Chats und Screenings einen einfachen Zugang zu Fachkräften und Unterstützung. Gleichzeitig werden Dokumentation, Auftragssteuerung und Qualitätssicherung zunehmend digital vernetzt. So entstehen effiziente Prozesse, die die Versorgung beschleunigen, Transparenz schaffen und die Betreuungsqualität im häuslichen Umfeld nachhaltig verbessern.
Doch kein System kann die erfahrene Fachkraft am Küchentisch ersetzen, die Sorgen und Warnzeichen wahrnimmt. Digitalisierung soll diese persönliche Betreuung stärken, nicht ersetzen. Lierse: Wir verbringen noch zu viel Zeit mit bürokratischen Hürden – hier kann die Digitalisierung spürbar entlasten. Zugleich muss Homecare stärker als das verstanden werden, was es ist: kein Lieferservice, sondern professionelle Therapiebegleitung, die wesentlich zum Behandlungserfolg beiträgt. Deshalb sollte sie als gleichwertiger Baustein einer vernetzten Gesundheitsversorgung anerkannt werden. Weitere Informationen unter: publicare-gmbh.de
Brandreport • ProBioGen
»Für jede Erkrankung eine Therapie« und Inspektionen dafür, dass wir höchste regulatorische Anforderungen erfüllen. Welchen gesellschaftlichen Impact sehen Sie in der Arbeit von ProBioGen? Indem wir Unternehmen weltweit dabei unterstützen, neue Behandlungsmöglichkeiten für Krebs, seltene Erkrankungen und Infektionskrankheiten zu entwickeln, steigern wir die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig leisten wir einen Beitrag zur globalen Gesundheitsvorsorge, beispielsweise durch skalierbare Impfstoffplattformen.
Dr. Alfred Merz Chief Executive Officer
I
ndem ProBioGen globale Pharma- und Biotechunternehmen bei der Entwicklung und Produktion von Biopharmazeutika unterstützt, verfolgt die Berliner CDMO das Ziel, Medizin für die Zukunft zu entwickeln – auch für die Behandlung von Krankheiten, die heute noch nicht heilbar sind. Im Interview erläutert CEO Dr. Alfred Merz aktuelle Neuerungen und welche gesellschaftliche Bedeutung der Biopharmazie zukommt. Herr Dr. Merz, welche Rolle spielt die Produktion von Biopharmazeutika für die Weiterentwicklung von Therapien? Neue Therapien können ihren Nutzen nur entfalten, wenn sie zuverlässig, reproduzierbar und in der erforderlichen Qualität entwickelt werden. Gerade bei komplexen Biologika, viralen Vektoren und Zell- und Gentherapien entscheidet die Herstellbarkeit häufig über den Erfolg eines Entwicklungsprogramms.
Welches Projekt erscheint Ihnen aktuell als besonders zukunftsweisend für die Pharma- und Biotechindustrie? Der Aufbau des Berlin Center for Gene and Cell Therapies (BC GCT) als neues Biotech-Ökosystem ist ein wichtiger Schritt, um Zell- und Gentherapien schneller und effizienter in die Patientenversorgung zu bringen und die Behandlung schwerer und bislang nicht heilbarer Erkrankungen grundlegend zu verändern. Ab 2028 wird ProBioGen Betreiber der Prozessentwicklung und GMP-Herstellung im Translationszentrum in Berlin-Mitte sein. Unter dem Motto »Build the Future of Medicine in Berlin« soll dies insbesondere Start-ups bei der klinischen Entwicklung von Arzneimitteln für neuartige Therapien (ATMPs) unterstützen.
Als CDMO begleiten wir unsere Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Zelllinien- über die Prozessentwicklung und GMP-Produktion bis zur kommerziellen Versorgung.
Inwiefern profitieren Unternehmen davon, die Entwicklung ihrer Biopharmazeutika an ProBioGen auszulagern? Unsere Kunden erhalten Zugang zu
mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung komplexer Biopharmazeutika. Wir kombinieren proprietäre Plattformtechnologie mit umfassender Entwicklungs- und GMP-Expertise. Durch die enge Verzahnung von Zelllinienentwicklung, Prozessentwicklung, Analytik und Produktion reduzieren wir Schnittstellen und beschleunigen Entwicklungsprogramme. Wie stellen Sie trotz Ihrer vielfältigen Aufträge die GMP-Konformität in Ihren Prozessen sicher? Indem wir nach einem etablierten Qualitätsmanagementsystem und standardisierten GMP-Prozessen arbeiten, werden wir unserem Anspruch gerecht, unseren Kunden jederzeit reproduzierbare Prozesse und verlässliche Qualität zu bieten. Interdisziplinäre Teams aus Entwicklung, Produktion, Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle sorgen ebenso wie kontinuierliche Schulungen, Audits
Mit unserem Engagement im Berlin Center for Gene and Cell Therapies schaffen wir zudem die Voraussetzungen, ATMPs künftig auch in Europa effizient zu entwickeln und herzustellen – für eine Welt, in der es für jede Erkrankung eine Therapie gibt. Interview SMA Weitere Informationen unter: probiogen.de
und bc-gct.com
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
#smartfutureofhealthcare
ID Information und Dokumentation im Gesundheitswesen GmbH • Brandreport
13
Potenzial Patientendaten: Wie »Clinical Data Repositories« die medizinische Datennutzung revolutionieren Rund 30 Prozent des weltweiten Datenvolumens entstehen im Gesundheitswesen, doch in deutschen Kliniken bleibt ein Großteil davon ungenutzt. Der Grund: Eine zersplitterte IT-Infrastruktur verhindert die sinnvolle Nutzung für Versorgung, Forschung, Qualitätsmanagement und künstliche Intelligenz. Ein Clinical Data Repository (CDR) auf Basis des internationalen FHIR®-Standards bricht diese Silos auf.
M
edizinische Daten liegen meist isoliert in proprietären Insellösungen (KIS, LIS, RIS) und zu einem überwiegenden Anteil sogar als unstrukturierte Freitexte vor. Während das für die unmittelbare Patientenbehandlung (Primärnutzung) mühsam funktioniert, blockiert es gleichzeitig die systematische Datenauswertung (Sekundärnutzung).
Hier schafft ein CDR Abhilfe. Ein CDR ist dabei weder passives Langzeitarchiv noch Datenbank im herkömmlichen Sinne. In einem modernen CDR werden Daten an zentraler Stelle gesammelt und dabei gleichzeitig standardisiert und harmonisiert. Insbesondere die Harmonisierung sorgt dafür, dass die Daten untereinander »kompatibel« werden und sich damit ein vollständiger Gesamtblick auf den Patienten ergibt. Dieses Bild kann nicht nur im Rahmen der Sekundärdatennutzung für wissenschaftliche Fragestellungen genutzt werden, sondern es kann direkt in die Primärversorgung der Patienten integriert werden. Das technologische Rückgrat bildet der Standard HL7 FHIR®. Dieser Standard verbindet
ein standardisiertes Informationsmodell mit semantischen Beschreibungen der Inhalte. Das wird über integrierte Terminologieserver erreicht, die voll automatisiert Freitexte verschlagworten und ontologische Beschreibungen liefern. Auf dieser Basis können angeschlossene Expertensysteme zur Entscheidungsunterstützung wertvolle und nachvollziehbare Hinweise für die Behandlung liefern. Das Besondere: Die Daten können auf diese Weise strukturiert generativen KI-Systemen zugeführt werden, die nun hocheffizient Informationen liefern können. Praxisbeispiele deutscher Spitzenkliniken – Am Universitätsklinikum Essen werden auf Basis von CDR-Daten Scores automatisch berechnet, um beispielsweise ein akutes Nierenversagen frühzeitig zu erkennen. Dieser Prozess ist tief in die Patientenbehandlung integriert. – Am Universitätsklinikum Jena werden Allergien über integrierte Terminologieserver strukturiert und können damit im CDR im Rahmen der Arzneimittel- und
Therapiesicherheit genutzt werden. Diese berechnet neben Allergiewarnungen auch Hinweise zu vielen pharmazeutischen Problemen wie Kontraindikationen, Interaktionen, Dosierungen und benutzt dabei patientenindividuelle Parameter bis hin zu genomischen Daten.
Besonders bei anstehenden Systemwechseln dient das CDR als stabiles MigrationsBackbone: Altdaten werden einmalig im Repository harmonisiert, das Altsystem kann sofort abgeschaltet werden, und Behandler greifen nahtlos über moderne Dashboards auf die gesamte Historie zu.
– In der Charité wird im Rahmen des Transfer-Projektes derzeit ein System entwickelt, welches aus dem CDR heraus die Anästhesisten unterstützt und das Risiko für intraoperative Hypotonien berechnet. Über ein integriertes Expertensystem wird zudem die mögliche Ursache ermittelt und eine geeignete Therapie vorgeschlagen.
Fazit: Ein offenes CDR sichert Krankenhäusern ihre digitale Autonomie und schafft die zukunftssichere Infrastruktur für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Weitere Informationen unter: id-berlin.de
Strategische Datensouveränität und KIS-Wechsel Neben dem medizinischen Nutzen bietet ein CDR enorme wirtschaftliche Vorteile: Es befreit Kliniken aus der Abhängigkeit großer KIS-Hersteller (Vendor-Lockin). Da die Daten in einem neutralen, offenen Format vorliegen, behält das Krankenhaus die volle Souveränität.
Riwolink GmbH • Brandreport
Vernetzung, Effizienz und Sicherheit: Der digitale OP im Fokus
KI optimiert die Arbeitsweise im Operationssaal und unterstützt so das medizinische Personal. Aber entscheidend bleibt der Faktor Mensch. Bereichen gut implementieren. Besonders in der Planung, der Automatisierung von Abläufen und der Dokumentation sehen wir enorme Potenziale für Verbesserungen. Jens Rennert COO Herr Rennert, oft wird die mangelnde Interoperabilität als größte Hürde für die Digitalisierung genannt. Wie beurteilen Sie die aktuelle technische Lage? Das Problem ist, dass viele Geräte unterschiedliche »Sprachen« sprechen und die Betriebssysteme sowie Schnittstellen in den Kliniken oft veraltet sind. Wir brauchen eine konsequente Umsetzung einheitlicher Standards wie SDC IEEE 1073, die perspektivisch auch in Ausschreibungen verpflichtend sein sollten. Erst dann wird ein zuverlässiger Datenaustausch möglich sein, der wiederum neue datenbasierte Geschäftsmodelle erlaubt – allerdings wird dieser Prozess Zeit benötigen. Warum ist vor diesem Hintergrund gerade der Operationssaal der entscheidende Hebel für Veränderungen? Im OP entstehen die höchsten Kosten und es herrscht der massivste Zeitdruck. Gleichzeitig lassen sich dort digitale und KIgestützte Lösungen im Vergleich zu anderen
Wie sieht die konkrete Vision eines solchen digital unterstützten OP-Saals aus? Ein vernetzter OP stellt sich automatisch auf den jeweiligen Eingriff und den Operateur ein – von der Tischhöhe bis zu den Geräteparametern und Monitoren. Das reduziert die Komplexität deutlich und entlastet das Personal. Zudem übernimmt das System große Teile der Dokumentation, indem es OP-Phasen erkennt, kritische Schritte aufzeichnet und Berichtsbausteine selbstständig generiert. Und wie kann dieser vernetzte OP bereitgestellt werden? Wir entwickeln die Plattform link.OS, die das Fundament für die Integration unterschiedlicher Systeme, Geräte und Anwendungen im OP bildet. Sie vereint Video-Management, Streaming, Dokumentation und Kommunikation in einer zentralen Lösung und ermöglicht es, Informationen kontextbezogen bereitzustellen. Welche Rolle spielt die Künstliche Intelligenz dabei für die Sicherheit von Patienten und Teams? KI kann aus großen Mengen repräsentativer Daten Prognosen ableiten, etwa zur Dauer eines Eingriffs oder zu anatomischen
Der entscheidende Punkt ist, dass Technik den Alltag spürbar erleichtern muss. Wenn sie Abläufe verkompliziert, wird sie abgelehnt.
– Jens Rennert, COO
Besonderheiten. Sie kann Warnsignale bei möglichen Komplikationen setzen, wobei die Letztentscheidung immer beim Operateur bleibt. Darüber hinaus kann die KI bei der Vermeidung von Bedienfehlern unterstützen und Muster im OP-Verlauf erkennen. Bildund Videoanalysen unterstützen zudem die Qualitätskontrolle, die Schulung und dienen als objektive Belege in Gutachterverfahren. Wie gehen Sie bei dieser tiefgreifenden Vernetzung mit dem Datenschutz und der Cybersicherheit um?
Unsere Systeme sind in die IT-Infrastruktur der Klinik integriert und haben keine direkte Internetverbindung. Für das KI-Training nutzen wir ausschließlich anonymisierte Daten, und temporäre Informationen zur Entscheidungsunterstützung werden nicht dauerhaft gespeichert. Die regulatorischen Vorgaben sind zwar komplex, aber mit klaren Richtlinien gut handhabbar. Wie nimmt man die Mitarbeitenden bei all diesen technologischen Sprüngen mit? Der entscheidende Punkt ist, dass Technik den Alltag spürbar erleichtern muss. Wenn sie Abläufe verkompliziert, wird sie abgelehnt. Wir setzen daher auf intuitive Technik und Automatisierungen, die im Hintergrund laufen – etwa ein OP-Start, der automatisch mit der Patientenerfassung beginnt. Wenn das Personal merkt, dass es wirklich entlastet wird, ist das die beste Motivation. Weitere Informationen unter: riwolink.com
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
14
Digital Health & Health Data
fokus.swiss
Wenn Daten Leben retten
Gesundheitsdaten entwickeln sich zur entscheidenden Infrastruktur einer modernen Medizin. Erst wenn Informationen sicher, standardisiert und sektorenübergreifend verfügbar sind, lassen sich Klinikprozesse effizienter gestalten, Diagnosen präzisieren und Künstliche Intelligenz sinnvoll einsetzen. Der eigentliche Fortschritt liegt deshalb nicht in einzelnen Anwendungen, sondern in der intelligenten Vernetzung medizinischer Informationen. Ohne Daten bleibt Digitalisierung Stückwerk Das Gesundheitswesen erzeugt täglich enorme Datenmengen – von Laborwerten über bildgebende Diagnostik bis hin zu Informationen aus Pflege, Rehabilitation oder Telemedizin. Dennoch verbleiben viele dieser Daten in voneinander getrennten Systemen. Krankenhäuser, Arztpraxen, Labore und Reha-Einrichtungen arbeiten häufig mit Software, die Informationen nur eingeschränkt austauschen kann. Medienbrüche, Doppeluntersuchungen und vermeidbarer Verwaltungsaufwand sind die Folge. Der Handlungsdruck wächst. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2024 rund 17,5 Millionen Patientinnen und Patienten stationär behandelt. Gleichzeitig verschärfen Fachkräftemangel, steigende Gesundheitsausgaben und der demografische Wandel die Situation. Digitalisierung entwickelt sich damit vom IT-Projekt zu einem entscheidenden Faktor für Qualität, Produktivität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Interoperabilität entscheidet über den Nutzen Ob digitale Lösungen ihr Potenzial entfalten, hängt vor allem von ihrer Vernetzung ab. Interoperabilität bedeutet, dass unterschiedliche Systeme Daten nicht nur austauschen, sondern auch einheitlich verstehen und
weiterverarbeiten können. Erst dadurch entstehen durchgängige digitale Behandlungsketten ohne Informationsverluste. Davon profitiert insbesondere die Akutversorgung. Sind Vorbefunde, Medikationspläne oder Allergien unmittelbar verfügbar, lassen sich Diagnosen schneller absichern und Therapien gezielter einleiten. Gleichzeitig sinkt der Aufwand für doppelte Untersuchungen und manuelle Dokumentation. Das verschafft Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften mehr Zeit für die Behandlung. Die Patientenakte als Bindeglied Mit dem seit April 2025 laufenden bundesweiten Roll-out der elektronischen Patientenakte gewinnt der strukturierte Austausch medizinischer Daten zusätzlich an Bedeutung. Sie bündelt Informationen aus unterschiedlichen Versorgungsbereichen und erleichtert den Informationsfluss zwischen allen Beteiligten. Ihren eigentlichen Nutzen entfaltet sie jedoch erst als Bestandteil eines interoperablen Gesamtsystems. Nur vollständige, aktuelle und standardisierte Daten schaffen die Grundlage für bessere Diagnosen, effizientere Abläufe und den verantwortungsvollen Einsatz Künstlicher Intelligenz. KI braucht verlässliche Daten Mit der wachsenden Datenbasis rückt Künstliche Intelligenz stärker in den
Mittelpunkt der Gesundheitsversorgung. Ihr Nutzen hängt jedoch weniger von leistungsfähigen Algorithmen als von der Qualität der verfügbaren Daten ab. Erst strukturierte und interoperable Informationen ermöglichen es, Diagnosen zu unterstützen, klinische Abläufe zu verbessern und medizinisches Personal spürbar zu entlasten. Schon heute helfen KI-Anwendungen dabei, Auffälligkeiten in radiologischen Bildern oder pathologischen Befunden schneller zu erkennen. Kliniken nutzen intelligente Systeme außerdem, um Bettenkapazitäten, OP-Planungen und Ressourcen effizienter zu steuern. Vernetzte Gesundheitsdaten eröffnen darüber hinaus neue Möglichkeiten für personalisierte Therapien, weil medizinische Entscheidungen auf einer umfassenderen Informationsbasis getroffen werden können. Gemeinsame Standards machen Daten nutzbar Damit dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann, braucht es gemeinsame Spielregeln. Mit der EHDS-Verordnung hat die Europäische Union 2025 einen gemeinsamen Rechtsrahmen für den sicheren Austausch elektronischer Gesundheitsdaten geschaffen. Künftig sollen medizinische Informationen grenzüberschreitend dort verfügbar sein, wo sie für Behandlung, Forschung oder die Entwicklung neuer Therapien benötigt werden – selbstverständlich
unter hohen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit. Für Deutschland ergänzt der European Health Data Space den Ausbau der elektronischen Patientenakte und weiterer digitaler Gesundheitsanwendungen. Gleichzeitig verbessert er die Voraussetzungen für Forschung und Innovation, weil anonymisierte Gesundheitsdaten künftig einfacher und einheitlicher genutzt werden können. Nach Angaben der Europäischen Kommission erfolgt die Umsetzung der Verordnung schrittweise in den kommenden Jahren. Vernetzung verändert die Versorgung Der Nutzen digitaler Gesundheitsdaten endet nicht an der Kliniktür. Vernetzte Informationen schaffen die Grundlage für neue Versorgungsmodelle – etwa durch Telemonitoring chronisch erkrankter Menschen, digitale Nachsorgeprogramme oder eine engere Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung. Für Krankenhäuser und andere Leistungserbringer wird der professionelle Umgang mit Gesundheitsdaten damit zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor – nicht nur für die Qualität der Versorgung, sondern auch für Produktivität und Ressourceneinsatz. Nicht die Menge der verfügbaren Daten entscheidet künftig über den Fortschritt im Gesundheitswesen, sondern die Fähigkeit, sie sicher und sinnvoll zu nutzen. Text Thomas Soltau
PUBLIREPORTAGE
Wenn medizinische Expertise auf intelligente Technologie trifft Unser Gesundheitswesen steht durch gestiegene Kosten, zunehmende Bürokratie, demografischen Wandel, Fachkräftemangel und mangelnde Effizienz unter Druck. Die zunehmende Komplexität wird derzeit vor allem durch Mehrarbeit kompensiert – wodurch Effizienz und Qualität der medizinischen Versorgung leiden. Tudor Andronic Managing Director ASSIST Software GmbH
Dr. Lars Dannecker Chief Technology Officer bei Mesalvo
Tudor Andronic, Managing Director ASSIST Software GmbH, und Dr. Lars Dannecker, Chief Technology Officer bei Mesalvo, verfolgen ein gemeinsames Ziel: mit sofort einsetzbaren Technologien das medizinische Personal zu entlasten, die Effizienz klinischer Prozesse zu erhöhen und schrittweise die Grundlage für nachhaltige strukturelle Veränderungen zu schaffen. Herr Andronic, Herr Dr. Dannecker, wie kam es zur Zusammenarbeit von ASSIST Software und Mesalvo? Tudor Andronic: Wir kommen aus unterschiedlichen Welten – und ergänzen uns perfekt! ASSIST Software bringt Software- und KI-Kompetenz mit, Mesalvo kennt die Herausforderungen im Gesundheitswesen wie kaum ein anderes Unternehmen. Uns verbindet das gemeinsame Ziel, den Klinikalltag einfacher zu machen, medizinisches Personal zu entlasten und die Versorgung von Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.
Gemeinsam arbeiten wir daran, Mesalvos HealthCentre zu einer offenen Healthcare-Plattform zu entwickeln, die bestehende Systeme intelligent vernetzt, Prozesse vereinfacht und moderne Technologien dort einsetzt, wo sie den größten Mehrwert schaffen. So entstehen Lösungen, die Krankenhäuser bereits heute unterstützen und zugleich den Weg für die digitale Gesundheitsversorgung von morgen ebnen. Wie genau sieht Ihre Plattform HealthCentre aus? Dr. Lars Dannecker: Unser Mesalvo HealthCentre ist eine Next-Generation-EMR-Lösung zur digitalen und intelligenten Steuerung und Vernetzung medizinischer Prozesse im Krankenhaus. Sie verbindet bestehende IT-Systeme, koordiniert medizinische Workflows Ende-zu-Ende (E2E) und stellt die relevanten Daten genau dort bereit, wo sie benötigt werden. Wir möchten damit durchgängige digitale Abläufe ohne Medienbrüche oder Informationsverluste ermöglichen. Ein wesentlicher Bestandteil der Plattform ist HealthCentre Cortex, das als Clinical Data Repository (CDR) Daten aus unterschiedlichen klinischen Systemen zusammenführt und so eine zentrale Datenbasis im Sinne einer „Single Source of Truth“ schafft. Nur wenn Informationen zwischen KIS, RIS, PACS, Labor, Medizintechnik und weiteren Anwendungen zuverlässig
fließen und zentral verfügbar sind, können diese Prozesse effizient gestaltet werden. Genau dafür steht auch unser Leitgedanke „Alles im Flow“ – sowohl im Sinne eines kontinuierlichen Datenflusses als auch vollständig integrierter klinischer Workflows. Unsere Plattform setzt auf offene Standards wie FHIR und HL7 und erfüllt aktuelle Vorgaben wie ISIK und den European Health Data Space (EHDS). Dadurch lassen sich auch in die Jahre gekommene Krankenhaus-Systeme problemlos anbinden und Daten sicher sowie standardisiert austauschen. Diese Vernetzung ist die Grundlage für den sinnvollen Einsatz von KI. Denn nur mit vollständigen Daten und der direkten Integration in Workflows kann KI echten Mehrwert schaffen. Die HealthCentre-Plattform wird in einer Cloud mit Hosting in Deutschland betrieben und erfüllt hohe Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit. So erhalten Krankenhäuser eine sichere und zukunftsfähige Basis für ihre digitale Transformation. Welche konkreten Aufgaben kann die integrierte KI erledigen – und welche auf keinen Fall? L.D.: Der ausschlaggebende Punkt ist nicht die Hardware – Datenbrille, Smartphone oder Audio-Interface – sondern, dass das medizinische Personal die
richtigen Informationen genau im richtigen Moment erhält, ohne zu suchen oder danach fragen zu müssen. Die KI versteht den aktuellen Kontext, erkennt relevante Ereignisse und stellt proaktiv passende Informationen bereit, zum Beispiel Patientendaten, Untersuchungsergebnisse oder nächste Arbeitsschritte. Sie unterstützt und entlastet das medizinische Personal, ersetzt jedoch keine ärztlichen Entscheidungen. Die Verantwortung bleibt immer beim Menschen!
T.A.: Der größte Mehrwert entsteht durch die Integration der KI in klinische Workflows. Genau hier liegt die Stärke der Kombination aus der Mesalvo-Plattform und den KI-Technologien von ASSIST Software. Weitere Informationen unter: assist-software.net
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
#smartfutureofhealthcare
WMC Healthcare GmbH • Brandreport
15
»Für die Transformation fehlt das Geld« Viele Kliniken ächzen unter einem großen finanziellen Druck. Neben dem Bürokratieabbau ist die Digitalisierung ein Mittel zur Abhilfe – doch die Häuser können die Kosten dafür nicht stemmen. Und die Politik dreht an den falschen Stellschrauben.
abgebaut werden. Drittens wird KI langfristig die Diagnostik und Behandlung verbessern.
Christian Eckert Geschäftsführer der Managementberatung für WMC Healthcare
Professor Dr. Christian Wallwiener Geschäftsführer der Managementberatung für WMC Healthcare
D
as deutsche Gesundheitswesen gleicht einem Dampfdrucktopf, in dem der Druck seit 20 Jahren stetig steigt, ohne entweichen zu können. Während die Politik über Reformen streitet, kämpfen Kliniken mit negativen Margen und Insolvenzgefahren. Christian Eckert und Professor Dr. Christian Wallwiener, Geschäftsführer der Managementberatung für das Krankenhausund Gesundheitswesen WMC Healthcare, erklären Ursachen und Folgen des »kalten Strukturwandels«, beleuchten die Chancen der Digitalisierung und zeigen die Vision einer vernetzten Versorgungslandschaft der Zukunft. Viele Krankenhäuser klagen derzeit über extremen finanziellen Druck. Ist die Lage tatsächlich so prekär? Eckert: Das Klappern gehört zwar zum Handwerk, aber die aktuelle Situation ist tatsächlich sehr schwierig. Der Grund liegt in einem Kernproblem: Es gibt schlicht zu viele Krankenhäuser in der falschen Größe am falschen Ort. Aus ökonomischer Sicht hat das zur Folge, dass wir aktuell bei den kommunalen Krankenhäusern bei einer operativen Profitmarge von mehr als minus fünf Prozent liegen. Da das System aber eine operative Rendite von etwa fünf Prozent bräuchte, befinden wir uns in einer massiven ökonomischen Krise. Es gibt doch seit vielen Jahren Anläufe der Politik, das System krisenfester zu machen. Wirken sie nicht? Wallwiener: Leider zu wenig. Vor 20 Jahren hatte man die Idee, über Fallpauschalen (DRGs) den ökonomischen Druck so zu erhöhen, dass ein »Survival of the Fittest« einsetzt. Übrig bleiben sollten nur die effizienten oder die für die Patientenversorgung absolut notwendigen Krankenhäuser. Doch dieser Prozess wird täglich auf kommunaler und Länderebene durch unterschiedliche Interessenlagen konterkariert. Das Ergebnis ist eine »kalte Reform«. Insolvenzen und Schließungen treffen derzeit nicht zwingend die weniger versorgungsrelevanten oder »schlechten« Häuser, sondern jene, die keine »tiefen Taschen« haben, beispielsweise finanzstarke Kommunen oder noch vermögende Stiftungen im Rücken, die substanzielle Defizite dauerhaft ausgleichen. Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz? Wallwiener: Es ist leider ein echter Brandbeschleuniger. Sein Ziel ist es ja, die drohende finanzielle Lücke der Gesetzlichen
Das Problem ist nur: Für die notwendige Transformation fehlt den Häusern, die mit dem Rücken zur Wand stehen, oft das Geld und die Zeit. Dabei freuen sich die Mitarbeitenden oft über digitale Unterstützung, weil sie darauf gewartet haben, dass die heute noch oft üblichen »steinzeitlichen« Arbeitsweisen endlich ein Ende haben.
Das größte Potenzial liegt im Thema ›Patientendurchfluss‹. Es geht darum, wie man mehr Patientinnen und Patienten mit den gleichen Ressourcen behandelt oder Ein Krankenhaus ist oft der größte die gleiche Anzahl mit weniger Aufwand. Arbeitgeber einer Region. Verstehen – Professor Dr. Christian Wallwiener, Geschäftsführer der Managementberatung für WMC Healthcare
Krankenversicherung (GKV) zu schließen. Dafür werden aber keine strukturellen Verbesserungsmaßnahmen ergriffen, sondern recht salopp den Leistungserbringern die Budgets reduziert. Den Krankenhäusern wird dadurch noch einmal drei bis sechs Prozent ihrer Marge querbeet entzogen. Das ist bei einem großen Verbund mit 500 Millionen Euro Umsatz schnell ein zusätzliches jährliches Defizit von 25 bis 30 Millionen Euro. Eckert: Im Grunde ist es ein »Schuldenverschiebe-Gesetz«: Der Bund schiebt Defizite auf die Kommunen ab, die das oft gar nicht mehr stemmen können. Wir sehen zwar sinnvolle Ansätze in der Reform des früheren Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach, wie etwa die Konzentration auf spezialisierte Leistungen in großen Zentren und Reduktion von Doppel- und Vielfachvorhaltungen von Leistungen in gemeinsamen Versorgungsgebieten. Aber der ambulante Bereich und die Sektorentrennung wurden dabei weitestgehend ausgeklammert – ein großes Versäumnis. Wenn eine Klinikleitung erkennt, dass die Insolvenz droht – wie sieht Ihre Vorgehensweise dann aus? Wallwiener: Zuerst analysieren wir das Makrobild: Braucht die Region dieses Haus überhaupt zur Versorgung? Wie ist der Wettbewerb? Dann folgt das Mikrobild. Hierfür gehen wir direkt in den »Maschinenraum«. Wir durchforsten die Gewinn- und Verlustrechnung von oben nach unten und den Patientenpfad von links nach rechts. Oft stellen wir fest, dass strategische Maßnahmen nötig sind, etwa die Bündelung von
zwei Fachbereichen an einem Standort oder Kooperationen mit Nachbarkrankenhäusern, die durch das KHVVG auch trägerübergreifend deutlich zugenommen haben.
die Menschen vor Ort die ökonomische Notwendigkeit zur Konzentration? Wallwiener: Die Menschen haben oft eine Art romantisches Verständnis von ihrem Krankenhaus. Sie glauben, es müsse alles können, aber das ist medizinisch gar nicht mehr darstellbar. Allerdings: Wenn eine Klinik schließt und gleichzeitig der Hausarzt wegfällt, wird es in ländlichen Regionen tatsächlich schwierig.
Wo liegen denn die größten Hebel für eine operative Verbesserung? Wallwiener: Das größte Potenzial liegt im Thema »Patientendurchfluss«. Es geht darum, wie man mehr Patientinnen und Patienten mit den gleichen Ressourcen behandelt oder die gleiche Anzahl mit weniger Aufwand. Wir arbeiten dafür direkt vor Ort in den Kliniken, als »verlängerte Werkbank«. Wir schauen uns Dienstpläne an oder optimieren die medizinischen und nicht medizinischen Abläufe entlang des Patientenpfades, um die Verweildauer im Krankenhaus zu reduzieren – oftmals führen wir dazu auch digitale Lösungen ein. Dadurch werden die Kliniken in die Lage versetzt, zum Beispiel den Einsatz von teurem Leihpersonal zu reduzieren, das oft nur wegen mangelnder vorausschauender Planung nötig ist. Dadurch können Ausgaben sehr rasch gesenkt werden. Wenn man die Prozesse so strukturiert wie in einem Produktionsbetrieb, sind signifikante Verbesserungen möglich. Damit ist sehr viel erreicht.
Eckert: So ist es. Aber in Ballungsräumen wie Köln oder München könnten zwei oder drei Kliniken problemlos schließen, ohne dass sich die Qualität verschlechtern würde. Wir müssen weg von der Vorstellung, dass jedes Haus alles machen kann.
Spielt die Digitalisierung hier eine entscheidende Rolle? Eckert: Absolut, aber wir müssen unterscheiden. Erstens können administrative Prozesse automatisiert werden. Zweitens können klinische Prozesse massiv gestrafft werden, sofern die Regulatorik das zulässt. Wir ertrinken aktuell in Dokumentationspflichten, hier müssten 30 bis 40 Prozent
Werden wir diese Transformation rechtzeitig schaffen? Wallwiener: Die Bausteine sind alle da – medizinisch wie technologisch. Was fehlt, ist der Gestaltungsspielraum. Viele Geschäftsführer fühlen sich derzeit wie Verwalter in einer Planwirtschaft, die Wunder bewirken sollen, ohne einen eigenen Spielraum zu haben. Wenn wir 30 bis 40 Prozent der Regulatorik und des Drucks rausnehmen würden, gäbe es genug »Macher« in den Kliniken, die gestalten wollen.
Es gibt schlicht zu viele Krankenhäuser in der falschen Größe am falschen Ort. Aus ökonomischer Sicht hat das zur Folge, dass wir aktuell bei den kommunalen Krankenhäusern bei einer operativen Profitmarge von mehr als minus fünf Prozent liegen.
– Christian Eckert, Geschäftsführer der Managementberatung für WMC Healthcare
Wie sieht Ihre Vision für ein gut aufgestelltes Krankenhaus im Jahr 2035 aus? Wallwiener: Wir müssen in Archetypen denken. Es wird die großen Zentren geben, die »Spinnen im Netz«, die hochkomplexe Medizin betreiben. Um sie herum gruppieren sich »Satelliten«. Diese kleineren Häuser werden viel mehr ambulant arbeiten und telemedizinisch an die Zentren angebunden sein. Ein solcher Satellit ist dann wiederum der Anker in einem eigenen lokalen Netzwerk, das bis in die Arztpraxen oder sogar nach Hause zur Patientin oder zum Patienten reicht, die oder der dort digital gemonitort wird. Es entsteht ein echtes Ökosystem statt isolierter Silos.
Eckert: Wir werden die Krise durchstehen, aber der Weg dorthin wird durch die aktuelle Politik unnötig »ruckelig« gemacht und es werden Dinge zu Bruch gehen, die man mit einer anderen Politik vielleicht erhalten könnte. Weitere Informationen unter: wmc-healthcare.de
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
16
Gastbeitrag • Prof. Dr. David Matusiewicz
fokus.swiss
Prof. Dr. David Matusiewicz
Ein souveränes Deutschland braucht ein neues digitales Rückgrat Deutschland steht an einem Wendepunkt. Jahrzehntelang war der wirtschaftliche Erfolg unseres Landes eng mit seiner industriellen Stärke verbunden. Maschinenbau, Automobilindustrie, Chemie und Pharma haben den Wohlstand geprägt und Deutschland zu einem der leistungsfähigsten Wirtschaftsstandorte der Welt gemacht. Doch im digitalen Zeitalter entstehen Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität nicht mehr allein durch Produktionskapazitäten oder Exportstärke. Wir waren mal Exportweltmeister, wir waren mal Apotheke der Welt, wir waren mal »Made in Germany«. Wir brauchen ein neues digitales Rückgrat für unsere Zukunft. Mit Daten, die genutzt statt geschützt werden, Innovationen, die schnell umgesetzt und nicht hinterfragt werden, und dem Aufbau von digitalen Infrastrukturen. Bild DXM
G
erade im Gesundheitswesen entscheidet sich, ob Deutschland diese Transformation erfolgreich gestaltet. Gesundheit ist weit mehr als ein gesellschaftliches Gut. Sie ist ein entscheidender Wirtschafts- und Innovationsfaktor. Ein leistungsfähiges Gesundheitssystem erhält die Produktivität einer alternden Gesellschaft, sichert Fachkräfte, stärkt die Resilienz des Landes und bildet die Grundlage für medizinische Innovationen. Wirtschaftskraft schafft Wohlstand. Und Gesundheit mündet in gesellschaftlichem Wohlergehen. Dies gehört aus meiner Sicht untrennbar zusammen. Das Gesundheitswesen wird in Deutschland häufig vor allem als Kostenfaktor betrachtet. Diese Sicht greift zu kurz. Tatsächlich handelt es sich um einen der größten Innovationsmärkte Europas. Mit mehreren Millionen Beschäftigten, einer starken Forschungslandschaft und weltweit führenden Unternehmen besitzt Deutschland beste Voraussetzungen, um international weiterhin als »Referenzland« zu fungieren. Was bislang fehlt, ist ein digitales Fundament, das Innovation nicht bremst, sondern ermöglicht. Ein souveränes Deutschland braucht deshalb ein neues Narrativ. Gemeint ist weit mehr als eine moderne IT-Infrastruktur. Es geht um ein integriertes digitales Gesundheitsökosystem, in dem Daten sicher, interoperabel und verantwortungsvoll genutzt werden können. Ein Ökosystem, das Patienten in den Mittelpunkt stellt, Forschung beschleunigt, Versorgung verbessert und gleichzeitig höchste Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit erfüllt. Dafür sind aus meiner Sicht drei Voraussetzungen entscheidend: Governance, Souveränität und Datennutzung. Governance schafft die Regeln, nach denen digitale Gesundheitsversorgung funktioniert. Sie definiert Verantwortlichkeiten, gemeinsame Standards und transparente Entscheidungsprozesse. Ohne eine funktionierende Governance entstehen Insellösungen, Doppelentwicklungen und unnötige Bürokratie. Mit einer klaren Governance hingegen können Innovationen schneller eingeführt, Prozesse effizienter gestaltet und Investitionen zielgerichtet eingesetzt werden. Souveränität bedeutet, dass Deutschland die Fähigkeit besitzt, seine digitale Gesundheitsinfrastruktur selbstbestimmt zu entwickeln und weiterzuentwickeln. Wer bei zentralen Technologien, Cloud-Infrastrukturen oder kritischen Plattformen dauerhaft von wenigen internationalen Anbietern abhängig ist, verliert langfristig Handlungsspielräume. Digitale Souveränität bedeutet daher nicht Abschottung, sondern die Fähigkeit, selbst zu entscheiden, welche Technologien eingesetzt werden, wo Daten verarbeitet werden und wie Innovationen entstehen.
Digitale Souveränität bedeutet daher nicht Abschottung, sondern die Fähigkeit, selbst zu entscheiden, welche Technologien eingesetzt werden, wo Daten verarbeitet werden und wie Innovationen entstehen. Die dritte Säule ist die Datennutzung. Sie beschreibt die Kontrolle über Gesundheitsdaten. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Daten einzusperren. Im Gegenteil: Daten entfalten ihren gesellschaftlichen Wert erst dann, wenn sie verantwortungsvoll genutzt werden können. Forschung, Prävention, personalisierte Medizin und der Einsatz Künstlicher Intelligenz sind auf qualitativ hochwertige Gesundheitsdaten angewiesen. Voraussetzung dafür ist jedoch Vertrauen. Patienten müssen jederzeit nachvollziehen können, wer ihre Daten nutzt,
zu welchem Zweck und welchen Nutzen dies für sie und die Gesellschaft stiftet. Genau an dieser Stelle eröffnet sich eine historische Chance für Deutschland – und insbesondere für die pharmazeutische Industrie. Die pharmazeutische Industrie gehört bereits heute zu den innovationsstärksten Branchen unseres Landes. Sie investiert jedes Jahr Milliarden in Forschung und Entwicklung, beschäftigt hochqualifizierte Fachkräfte und verbindet naturwissenschaftliche Spitzenforschung
mit industrieller Wertschöpfung. Mit dem Übergang zur datengetriebenen Medizin erweitert sich diese Rolle nochmals erheblich. Moderne Arzneimittel entstehen durch die intelligente Verknüpfung biologischer Forschung, klinischer Studien, Versorgungsdaten und digitaler Technologien. Künstliche Intelligenz verkürzt Entwicklungszeiten, digitale Zwillinge unterstützen die Forschung, Real-World-Daten liefern Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Therapien im Versorgungsalltag. Wer diese Daten sicher und effizient nutzen kann, wird künftig Innovationen schneller entwickeln und Patienten früher Zugang zu neuen Therapien ermöglichen. Europa im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen verfügt über nahezu alle Voraussetzungen, um in diesem Zukunftsmarkt international eine Spitzenposition einzunehmen: exzellente Universitäten, leistungsfähige Kliniken, eine starke Pharmaindustrie, innovative Start-ups und hohe medizinische Qualität. Und zwar nach einem menschenzentrierten Weltbild und Werten, die wichtig sind. Der Satz »USA innoviert, China kontrolliert, Europa reguliert« war gestern. Der neue heißt: »USA und China sollen mal machen. Das souveräne und digitale Europa hat das entscheidende Asset: Vertrauen.«
PUBLIREPORTAGE
Weltweit erster »Digital Human Coach«: naia revolutioniert mentale Gesundheit in Unternehmen Analyse, Coaching und Prävention in Echtzeit
Ein Blick in die Zukunft Naia Relief Inc. plant für Sommer 2026 den Börsengang in Toronto und arbeitet bereits mit einer spezialisierten Führungsversion von naia. Diese Erweiterung begleitet Führungskräfte gezielt im Umgang mit Stress, Entscheidungsdruck und Mitarbeiterführung. Die operative Umsetzung in Europa erfolgt durch Naia Relief Inc. Ziel ist es, mentale Gesundheit und gesunde Führung international als neuen Standard in Organisationen zu verankern.
Leistungsdruck, Unsicherheit und ständige Erreichbarkeit gehören längst zum Alltag vieler Führungskräfte. Zwischen der Verantwortung für Ergebnisse und der Fürsorge für Teams wächst der mentale Druck. Mit naia, dem weltweit ersten Digital Human Coach für Führung und mentale Gesundheit, entsteht eine Lösung, die psychische Stabilität messbar macht und Unterstützung jederzeit zugänglich hält. Mentale Gesundheit als Erfolgsfaktor Psychische Belastungen zählen zu den größten Herausforderungen der modernen Arbeitswelt. In Deutschland gehen jedes Jahr mehr als 5,3 Millionen Arbeitstage durch Stress und Burnout verloren. Der wirtschaftliche Schaden liegt bei rund 29 Milliarden Euro. Dennoch sprechen sechs von zehn Beschäftigten nicht über ihre mentale Gesundheit, oft aus Angst vor Nachteilen. Das führt zu sinkender Motivation, wachsender Überforderung und einem stetig steigenden Druck auf Führungskräfte.
„Führung kann nur dort gesund sein, wo Menschen Zugang zu mentaler Stärke haben. naia macht diesen Zugang einfach, persönlich und jederzeit verfügbar“, erklärt Frank M. Scheelen, Präsident von Naia Relief Inc. und Initiator des Digital Human Coach naia.
Über Naia Relief Inc.
„Mit naia entsteht ein völlig neuer Zugang zu mentaler Gesundheit. Die Verbindung aus Wissenschaft, Technologie und Empathie macht Prävention so einfach wie nie zuvor“, sagt Prof. Dr. Volker Nürnberg, Gesundheitsökonom und Experte für betriebliches Gesundheitsmanagement. naia schafft Bewusstsein und Entlastung naia ist kein Chatbot, sondern ein digitaler Coach mit emotionalem Verständnis. Sie erkennt Sprache, Mimik und Körpersprache und agiert wie ein empathischer Gesprächspartner. Grundlage ihrer Arbeit ist das wissenschaftlich geprüfte RELIEF® Programm. Dessen Herzstück, der RELIEF® Stresstest, analysiert 36 Parameter, um Risiken und Ressourcen präzise zu erfassen. Auf dieser Basis entsteht ein individuelles Belastungsprofil mit klaren Handlungsempfehlungen. Die Ergebnisse sind praxisnah und direkt in den Arbeitsalltag integrierbar. Von der Analyse zur Umsetzung Nach der Diagnostik begleitet naia Führungskräfte und Mitarbeitende mit kurzen, zielgerichteten Interventionen. Diese Micro-Coachings dauern nur wenige Minuten und helfen, Stress abzubauen, innere Klarheit zu gewinnen und Resilienz zu stärken. Die Nutzung ist anonym, DSGVOkonform und in über 80 Sprachen möglich. Unterstützung steht ohne Wartezeit zur Verfügung, genau dann, wenn sie gebraucht wird. Prävention wird damit zu einem kontinuierlichen und niederschwelligen Prozess. Wirksamkeit, die messbar ist naia unterstützt Führungskräfte, Belastungstrends früh zu erkennen und komplexe Situationen mit mehr Klarheit zu bewältigen. In einem internationalen Unternehmen nutzen
„Führung kann nur dort gesund sein, wo Menschen Zugang zu mentaler Stärke haben. naia macht diesen Zugang einfach, persönlich und jederzeit verfügbar.“ bereits 60 Prozent der Mitarbeitenden naia regelmäßig. Nach drei Monaten berichteten 40 Prozent von einem deutlich niedrigeren Stressniveau. Führungskräfte beobachteten zugleich stabilere Teams und konstruktivere Gespräche. Diese Ergebnisse zeigen, wie wirksam die Verbindung aus wissenschaftlicher Diagnostik, Empathie und systemischem Coaching ist. Return on Prevention Mentale Gesundheit ist ein geschäftskritischer Faktor. Unternehmen mit klarer Gesundheitsstrategie erreichen ihre Ziele im Durchschnitt 220 Prozent häufiger und sind im Recruiting von Top-Talenten bis zu 540 Prozent erfolgreicher. naia macht diese Effekte sichtbar. Weniger Fehlzeiten, geringere
Unternehmen mit starker Vision und internationaler Expertise Naia Relief Inc. ist ein innovatives Unternehmen im Bereich der digitalen Prävention und unterstützt weltweit Menschen dabei, frühzeitig Hilfe bei mentalen Belastungen zu erhalten. Die Lösung basiert auf N.A.I.A (Neuro Artificial Intelligence Avatar) und vereint umfassende Datenbasis, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse und modernste Interaktionstechnologie. Naia Relief Inc. basiert auf dem wissenschaftlich entwickelten Relief®-System der SCHEELEN® Gruppe, einem europäischen Pionier für Coaching, Diagnostik, Persönlichkeitsentwicklung und nachhaltige Gesundheitsprogramme mit mehr als 25 Jahren Erfahrung. Elemente des Relief® Präventionsansatzes sind in den wissenschaftlichen Grundlagen zum Relief® Programm dokumentiert. naiarelief.com
Fluktuation und höhere Motivation zahlen direkt auf Leistungsfähigkeit und Unternehmenskultur ein. Sicherheit und Integration naia arbeitet mit höchsten europäischen Datenschutzstandards. Alle Daten werden blockchainbasiert verschlüsselt und anonym verarbeitet. Ergebnisse fließen ausschließlich in aggregierter Form in Trendanalysen ein, ohne individuelle Inhalte offenzulegen. Die Anwendung lässt sich nahtlos in bestehende Systeme integrieren, läuft auf allen gängigen Endgeräten und ist ohne lange Implementierungsphase einsatzbereit. Für Unternehmen stehen flexible FlatrateModelle zur Verfügung, die globale Nutzung und einheitliche Versorgung über alle Standorte ermöglichen.
Pressekontakt MALNOIR MARKETING Maria-Elisa Schmidt Breitfelsenweg 4 92345 Dietfurt maria-elisa@malnoir.consulting Tel: +49 170 5711777
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
Bild Unsplash/Vitaly Gariev
18
Brandreport • Gedeon Richter Pharma GmbH
#smartfutureofhealthcare
»Das Team ist die Basis unseres Erfolgs«
Seit 125 Jahren entwickelt das ungarische Pharmaunternehmen Gedeon Richter Arzneimittel, seit 15 Jahren ist es auch in Deutschland mit eigenem Vertrieb präsent. Wie sich diese langjährige Erfahrung in der Frauengesundheit für die Versorgung von morgen nutzen lässt, erklären Tamás Neubauer, Managing Director der Gedeon Richter Pharma GmbH, und Dr. med. Birte Eberhardt, Head of Communication & PR.
Tamás Neubauer Managing Director
Dr. Birte Eberhardt Head of Communication & PR
Herr Neubauer, Gedeon Richter feiert in diesem Jahr gleich mehrere Jubiläen. Was hält ein Pharmaunternehmen über so lange Zeit innovationsfähig? Neubauer: Vor allem die Motivation und Begeisterung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind bereit, neue Wege zu gehen und das Unternehmen immer wieder weiterzuentwickeln. Dafür braucht es langfristiges Denken und eine gut gefüllte Entwicklungspipeline. Ebenso wichtig ist eine starke eigene Produktion. Wir konzentrieren uns auf klar definierte Therapiegebiete und investieren kontinuierlich in Forschung. Dabei arbeiten wir auch eng mit Partnern zusammen. Unser Ziel ist es, auch künftig innovative Therapien anzubieten, die bezahlbar bleiben. Gynäkologie, Fertilität und Biotechnologie prägen heute Ihr Geschäft. Wofür möchte Gedeon Richter besonders wahrgenommen werden? Neubauer: Im Zentrum steht für uns die Frauengesundheit. Diese Tradition reicht bis in die Gründungszeit zurück. Bereits 1966 brachten wir ein orales Kontrazeptivum in Ungarn auf den Markt. Seither haben wir unser Angebot deutlich erweitert und beschäftigen uns heute unter anderem mit Endometriose, Myomen, Kinderwunsch und den Wechseljahren. Die Biotechnologie ist ein jüngerer Unternehmensbereich. Dort konzentrieren wir uns auf Osteoporose sowie auf Erkrankungen aus der Rheumatologie und Immunologie. Wir möchten in den Bereichen, in denen wir uns engagieren, als Experten und verlässlicher Partner wahrgenommen werden.
Wir möchten nicht nur Medikamente anbieten, sondern auch über unser Kerngeschäft hinaus etwas bewirken. Sie begleiten Frauen über einen langen Lebensabschnitt hinweg. Wie gelingt das? Neubauer: Das ist im Grunde unsere DNA. Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren intensiv mit Frauengesundheit und beziehen neue wissenschaftliche Erkenntnisse fortlaufend in unsere Arbeit ein. So können wir Frauen in jeder Lebensphase begleiten und auf die jeweiligen gesundheitlichen Herausforderungen eingehen. Unser Fokus liegt nicht auf einzelnen Produkten, sondern auf einem ganzheitlichen Verständnis der Frauengesundheit. Wo sehen Sie beim Thema Frauengesundheit noch Handlungsoder Informationsbedarf? Neubauer: Fachlich brauchen wir bei Erkrankungen wie dem hormonell bedingten PCO-Syndrom oder Endometriose weitere Forschung und neue Produkte. Genauso wichtig sind verlässliche Information und Aufklärung – gerade heute, da sich unbelegte Behauptungen schnell verbreiten. Uns ist wichtig, dass Patientinnen und medizinische Fachkräfte den aktuellen wissenschaftlichen Stand kennen und auf dieser Basis fundierte Entscheidungen treffen können. Eine aktuelle Studie Ihres Headquarters zeigt, dass es hier weiterhin viele Tabus gibt. Was haben Sie herausgefunden? Eberhardt: Für die Befragung wurden 12.000 Frauen in sechs westeuropäischen Ländern befragt, darunter auch Frauen aus Deutschland. Die Ergebnisse zeigen, wie viele Tabuthemen es noch gibt, manche Probleme sprechen Frauen nicht einmal mit ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen an. Auch Mythen halten sich hartnäckig, etwa dazu, wie wenig fit und vital Frauen nach den Wechseljahren noch sind. Hier muss noch viel passieren – nicht nur von uns, sondern gesamtgesellschaftlich. Deshalb setzen Sie auch bei Gynäkologinnen und Gynäkologen an,
etwa mit dem Fortbildungsangebot auf Ihrem Fachportal dem Campus Frauengesundheit. Warum ist Ihnen Wissensvermittlung so wichtig? Eberhardt: Eine gute Versorgung hängt wesentlich davon ab, wie aktuell das Wissen der Ärztinnen und Ärzte ist. Deshalb sollte Fortbildung flexibel und jederzeit verfügbar sein. Das ist gerade in der Gynäkologie wichtig, wo viele Ärztinnen in Teilzeit arbeiten. Wir greifen außerdem Themen auf, die in Studium und Facharztausbildung oft zu kurz kommen, in der Praxis aber eine große Rolle spielen. Dazu zählen etwa Wechseljahre, Verhütung und die Kommunikation mit Patientinnen. Mit Ihrer Website www. mädchensprechstun.de und als Goldpartner der Initiative Gesunde Bildung unterstützen Sie die gesundheitliche Aufklärung junger Menschen. Welche Bedeutung hat es, damit möglichst früh zu beginnen? Eberhardt: Gesundheitliche Bildung schafft eine wichtige Grundlage für das gesamte Leben. Ärztinnen der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung, kurz ÄGGF, besuchen Schulklassen und sprechen dort altersgerecht über Gesundheit, den eigenen Körper und Prävention. Sie verstehen sich dabei als »Ärztinnen zum Anfassen«. Diese wichtige Arbeit unterstützen wir schon seit vielen Jahren. Ergänzend bieten wir eine evidenzbasierte Website für Mädchen an. So können sich junge Patientinnen verlässlich informieren und später in der Praxis gezielter nachfragen. Das erleichtert gemeinsame Therapieentscheidungen und kann helfen, Informationen aus den sozialen Medien besser einzuordnen. Ein weiteres Zukunftsthema ist Kranus Mictera, eine verschreibungsfähige digitale Gesundheitsanwendung für Frauen mit Harninkontinenz. Welche Lücke kann sie in der bisherigen Versorgung schließen?
Neubauer: Für uns als klassischen Arzneimittelhersteller ist das ein neuer Ansatz. Kranus Mictera übersetzt die leitlinienempfohlene First-Line-Therapie bei Harninkontinenz in den Alltag der Patientinnen. Durch digitale Begleitung, Motivation und Education fördert die DiGA die Adhärenz und unterstützt gleichzeitig Ärztinnen und Ärzte durch Transparenz über den Therapieverlauf. Kranus Mictera macht Beckenbodentraining alltagstauglich und damit wirksam. Sie investieren zudem in Biosimilars und europäische Produktion. Warum ist Ihnen das gerade jetzt so wichtig? Neubauer: Biosimilars sind mit ihren Referenzprodukten medizinisch vergleichbar, können aber die Kosten deutlich senken. Dadurch werden moderne Therapien für mehr Menschen zugänglich. Gleichzeitig zeigen politische und wirtschaftliche Spannungen, wie riskant globale Abhängigkeiten für die Versorgung sein können. Gibt es weltweit nur wenige Quellen für einen Wirkstoff, kann schon ein Ausfall die Lieferfähigkeit gefährden. Deshalb setzen wir auf kurze Wertschöpfungsketten und produzieren möglichst viel in Europa. Das sollte stärker honoriert werden als bisher. Gedeon Richter unterstützt zahlreiche gesellschaftliche Projekte. Warum gehört dieses Engagement für Sie zum unternehmerischen Selbstverständnis? Eberhardt: Wir möchten nicht nur Medikamente anbieten, sondern auch über unser Kerngeschäft hinaus etwas bewirken. Dabei setzen wir auf langfristiges Engagement. Besonders am Herzen liegen uns Projekte, die Frauen stärken. Ein Beispiel ist das House of Hope in Mali, das Frauen vor Ort unterstützt und ihnen neue Perspektiven eröffnet. In Deutschland fördern wir unter anderem die Initiative Gesunde Bildung. Darüber hinaus unterstützen wir Save the Children und regionale Frauenprojekte. Das ist eine Verantwortung, die uns wichtig ist. Weitere Informationen unter: gedeonrichter.com/de
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
Bild Unsplash+/Getty Images
#smartfutureofhealthcare
R
Dermagnostix • Brandreport
19
Wenn Hauterkrankungen ähnlich aussehen: Molekulare Analysen liefern zusätzliche Klarheit
ötungen, Schuppen und Juckreiz können auf unterschiedliche entzündliche Hauterkrankungen hindeuten. Welche Erkrankung ihnen zugrunde liegt, lässt sich jedoch nicht immer eindeutig am äußeren Erscheinungsbild erkennen. Auch unter dem Mikroskop können sich die Merkmale verschiedener Erkrankungen überschneiden. Vor diesem Hintergrund gewinnen molekulare Verfahren neben den traditionellen, visuell geprägten Diagnosemethoden in der Dermatologie immer mehr an Bedeutung. Anstatt ausschließlich das Erscheinungsbild der Haut oder den Aufbau des Gewebes zu beurteilen, analysieren sie biologische Prozesse auf molekularer Ebene. Dabei wird untersucht, welche Gene in einer Hautprobe aktiv sind und welche charakteristischen Muster sich daraus ableiten lassen. Schuppenflechte und Neurodermitis: ähnlich und doch verschieden Psoriasis, umgangssprachlich Schuppenflechte, ist eine chronisch entzündliche Erkrankung. Dabei erneuern sich die Zellen der Oberhaut deutlich schneller als bei gesunder Haut. Typisch sind gerötete, klar begrenzte Hautveränderungen mit silbrigweißer Schuppung. Die atopische Dermatitis, auch bekannt als Neurodermitis, gehört zum Spektrum der Ekzemerkrankungen. Sie geht häufig mit einer gestörten Hautbarriere, trockener Haut und starkem Juckreiz einher. Die Beschwerden treten meist in Schüben auf und können abhängig von Körperregion, Alter und Krankheitsstadium unterschiedlich aussehen. Obwohl beiden Erkrankungen unterschiedliche biologische Mechanismen zugrunde liegen, können sich ihre klinischen und histologischen Merkmale überschneiden. Für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte ist eine möglichst eindeutige Unterscheidung jedoch entscheidend, da moderne Therapien gezielt in unterschiedliche Entzündungsprozesse eingreifen. Zusätzliche molekulare Informationen können dabei helfen, diagnostische und therapeutische Entscheidungen zu unterstützen. Molekulare Informationen als zusätzliche Ebene Hier setzt Dermagnostix an. Das Unternehmen aus Freiburg im Breisgau entwickelt molekulare Lösungen für die Dermatologie, mit denen charakteristische Genaktivitäten in Hautproben analysiert werden können. Nach der Probenvorbereitung wird das Untersuchungsmaterial in eine Disk eingebracht, in der die molekulare Analyse auf einer vollautomatisierten mikrofluidischen Plattform
abläuft, gewissermaßen ein Hightech-MiniLabor für jede dermatologische Praxis.
Gerade in solchen Situationen kann eine zusätzliche molekulare Analyse hilfreich sein.
Die gewonnenen Informationen ergänzen die klinische Untersuchung und die Histopathologie um eine weitere objektive Perspektive. Gemeinsam tragen sie zu einer umfassenderen diagnostischen Beurteilung bei.
Sie liefert eine weitere objektive Informationsebene, die unsere diagnostische Einschätzung ergänzt und mehr Sicherheit bei der Einordnung geben kann. Das ist dann relevant, wenn die Diagnose unmittelbare Auswirkun-
Die gewonnenen Informationen ergänzen die klinische Untersuchung und die Histopathologie um eine weitere objektive Perspektive.
gen auf die Therapieentscheidung hat oder Patientinnen und Patienten trotz Behandlung keinen zufriedenstellenden Verlauf zeigen.
Prof. Dr. Dr. Sven Quist Hautarztpraxis Dermatologie Quist, Mainz Fachliche Einordnung durch einen Anwender Wie sich molekulare Analysen bereits heute in den Versorgungsalltag integrieren lassen, erläutert Prof. Dr. Dr. Sven Quist aus Mainz im folgenden Interview. Der Dermatologe leitet eine Praxis mit angeschlossenem dermatopathologischem Labor und nutzt molekulare Analysen bereits ergänzend zur klinischen und histopathologischen Diagnostik. Im Gespräch beschreibt Quist, in welchen Situationen die zusätzliche molekulare Information einen Mehrwert bieten kann, wie sich der Untersuchungsablauf in der Praxis gestaltet und welche Entwicklungsmöglichkeiten er für diese Technologie in der Dermatologie sieht. Herr Prof. Quist, Sie setzen molekulare Analysen bereits in Ihrer Praxis ein. Welche Rolle spielt diese Technologie heute in Ihrem Alltag und in welchen Fällen können die Tests eine sinnvolle Ergänzung sein? Prof. Quist: In vielen Fällen führen die klinische Untersuchung und die Histopathologie bereits zu einer eindeutigen Diagnose. Es gibt jedoch Patientinnen und Patienten, bei denen sich Psoriasis und Ekzem klinisch oder histologisch nur schwer voneinander abgrenzen lassen.
Wie kann man sich das vorstellen, wie wird die Hautprobe für die molekulare Analyse gewonnen? Prof. Quist: Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Soll die Analyse im dermatopathologischen Labor erfolgen, wird vom Dermatologen eine Stanzbiopsie entnommen und das Gewebe anschließend histopathologisch und molekular untersucht. Für den Einsatz direkt in der dermatologischen Praxis steht ein minimal-invasives Verfahren zur Verfügung. Dabei wird mit einem kleinen scharfen Löffel eine Probe aus der betroffenen Hautstelle gewonnen und in eine Probenkammer überführt. Auf diese Weise lässt sich das benötigte Untersuchungsmaterial ohne Biopsie direkt in der Praxis entnehmen und analysieren. Wie schnell stehen die Ergebnisse zur Verfügung und welche Bedeutung hat das für den Praxisalltag? Prof. Quist: Nach Abschluss der Probenvorbereitung liegt das Ergebnis innerhalb von etwa zwei Stunden vor. Das ist ein entscheidender Unterschied zu vielen klassischen Laborprozessen, bei denen Ergebnisse häufig erst nach mehreren Tagen verfügbar sind. Die molekulare Information kann dadurch zeitnah in die diagnostische Einordnung einfließen und die Planung der weiteren Behandlung unterstützen. Für welche Patientinnen und Patienten ist die molekulare Analyse heute besonders interessant und welches Potenzial sehen Sie darüber hinaus für zukünftige Anwendungen?
Prof. Quist: Aktuell ist die molekulare Analyse insbesondere dann sinnvoll, wenn zwischen Psoriasis und Ekzem unterschieden werden soll und die klinischen oder histopathologischen Befunde keine eindeutige Einordnung zulassen. Das betrifft beispielsweise Patientinnen und Patienten mit überlappenden Symptomen, atypischen Erscheinungsbildern oder einem bislang unzureichenden Therapieerfolg. Darüber hinaus bietet die zugrunde liegende Technologie Potenzial für weitere biomarkerbasierte Anwendungen. Ein mögliches zukünftiges Einsatzgebiet ist die molekulare Abgrenzung kutaner Lymphome von entzündlichen Hauterkrankungen. Da sich diese seltenen Erkrankungen insbesondere in frühen Stadien klinisch und histopathologisch einem Ekzem ähneln können, könnten zusätzliche molekulare Informationen künftig auch hier die Diagnostik unterstützen. Molekulare Diagnostik auf dem Weg in die Praxis Molekulare Diagnostik galt lange Zeit als Domäne spezialisierter Labore. Neue Point-of-Care-Systeme können künftig dazu beitragen, molekulare Informationen dort verfügbar zu machen, wo diagnostische und therapeutische Entscheidungen getroffen werden: direkt in der dermatologischen Praxis. Dabei geht es nicht darum, die klinische Untersuchung oder die Histopathologie zu ersetzen. Vielmehr könnten molekulare Analysen diese etablierten Verfahren künftig um eine weitere objektive Informationsebene ergänzen und so zu einer noch fundierteren Diagnostik beitragen. Gleichzeitig wird an weiteren biomarkerbasierten Anwendungen geforscht. Neben entzündlichen Hauterkrankungen sollen molekulare Verfahren künftig auch bei anderen dermatologischen Fragestellungen eine Rolle spielen. Damit zeichnet sich eine Entwicklung ab, bei der klinische, histopathologische und molekulare Informationen zunehmend miteinander verknüpft werden, um so die bestmögliche Behandlung von Patientinnen und Patienten zu gewährleisten. Weitere Informationen unter: dermagnostix.com
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
Brandreport • HMM Deutschland GmbH
Bild Unsplash+/Curated Lifestyle
20
#smartfutureofhealthcare
Gesundheitsreform: Wie Hilfsmittelversorger die Vergütungskürzung ausgleichen können Ab 2027 kürzt der Gesetzgeber die Vergütung für Hilfsmittelversorgungen pauschal um drei Prozent. Wie lässt sich die fehlende Marge zurückholen?
Claus Munsch Generalbevollmächtigter, HMM Deutschland
D
er Name klingt sperrig: GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Man kennt es trotzdem aus der Tagesschau, Stichwort Gesundheitsreform. Ziel: Die wachsende Finanzierungslücke der gesetzlichen Krankenversicherung zu schließen, die für 2027 auf rund 15 bis 20 Milliarden Euro geschätzt wird. Ein Baustein davon betrifft direkt die Hilfsmittelbranche: Für sie sinkt die Vergütung ab dem 1. Januar 2027 pauschal um drei Prozent. Das klingt zunächst nach einer Randnotiz. Für große Anbieter im Hilfsmittelmarkt, z. B. für Diabetes-, Hörgeräte- oder Sauerstoffversorgung, ist es das nicht. Wie stark der Abschlag am Ende wirkt, hängt von der eigenen Kostenstruktur ab – und trifft dort besonders hart, wo die Marge ohnehin schmal ist: Bei einem angenommenen Erlös von 100 Euro und Kosten von 90 Euro je Versorgung sinkt die Marge durch die 3-prozentige Vergütungskürzung von 10 auf 7 Euro – ein Rückgang um 30 Prozent, obwohl die Vergütung selbst nur um 3 Prozent fällt. Die naheliegende Antwort vieler Unternehmen ist Kostendisziplin. Der größte Hebel liegt jedoch oft an einer Stelle, die im Tagesgeschäft kaum hinterfragt wird: dem gesamten Abwicklungsprozess selbst – also allem, was zwischen dem Eingang einer ärztlichen Verordnung und dem tatsächlichen Zahlungseingang der Krankenkasse passiert. Diesen Prozess zu digitalisieren, kann besagte 3 % nicht nur ausgleichen, sondern je nach Ausgangslage im Ergebnis sogar zu einer höheren Marge als bisher führen. Wenn von Digitalisierung im Abrechnungsprozess die Rede ist, denken viele zunächst an ein einzelnes IT-Tool. Tatsächlich handelt es sich um eine durchgängige Kette von Verarbeitungsschritten, die – richtig aufgesetzt – weitgehend ohne manuelles Zutun läuft: • Erfassung: Papierverordnungen werden digitalisiert, elektronisch erfasste Verordnungen direkt übernommen und automatisiert auf Vollständigkeit geprüft – fehlt etwa eine Arztunterschrift oder die Betriebsstättennummer, wird das sofort erkannt, statt erst bei der Krankenkasse aufzufallen. • Prüfung und Kostenvoranschlag: Das System gleicht die Verordnung mit den Vertragsdaten der jeweiligen Krankenkasse ab, ergänzt dementsprechende
Der Drei-Prozent-Abschlag lässt sich politisch nicht wegdiskutieren. Aber die meisten Unternehmen kennen ihre tatsächlichen Prozesskosten in der Abrechnung gar nicht genau genug, um zu wissen, wie viel davon sie selbst wieder hereinholen könnten. Genau da setzen wir an.
– Claus Munsch, Generalbevollmächtigter HMM Deutschland
Versorgungsdaten und Produkte und erstellt daraus automatisch einen elektronischen Kostenvoranschlag – inklusive Zuzahlungs- und Eigenanteilsberechnung. • Genehmigung: Der Kostenvoranschlag geht elektronisch an die Krankenkasse; die Entscheidung – Genehmigung, Teilgenehmigung oder Ablehnung – wird bei vertragskonformer Einreichung oft auch von dort automatisiert zurückgespielt und direkt im System des Versorgers verbucht, Auftragsdaten werden generiert und die Auslieferung veranlasst. • Abrechnung: Nach erfolgter Lieferung wird der Liefernachweis verarbeitet und das System erzeugt den Abrechnungsdatensatz gemäß § 302 SGB V, inklusive automatischer Qualitätsprüfung, u. a. ob gelieferte und genehmigte Produkte übereinstimmen – eine der häufigsten Ursachen für spätere Absetzungen. • Zahlungsabgleich und Mahnwesen: Eingehende Zahlungen werden automatisch geprüft und verbucht, offene oder überfällige Posten laufen in einen strukturierten Mahnprozess statt in Excel-Listen einzelner Sachbearbeiter. Für Unternehmen, die täglich hunderte bis tausende Verordnungen verarbeiten, macht genau diese Durchgängigkeit den Unterschied. HMM Deutschland, ein auf Gesundheits-IT und Prozessdienstleistungen spezialisiertes Unternehmen aus Moers, betreibt eine solche Lösung unter dem Namen rcm.machine unter anderem seit 2016 für einen weltweit tätigen Medizinproduktehersteller: Dort werden inzwischen über 600.000 Verordnungen und rund 2,4 Millionen Rechnungs- und Lieferdatensätze pro Jahr automatisiert verarbeitet – bei nachweislich niedrigen Durchlaufzeiten, Ablehnungs- und Absetzungsquoten.
Der entscheidende Punkt für Entscheiderinnen und Entscheider: Es geht nicht um Digitalisierung als Selbstzweck oder eine mehrjährige Transformation. „Die wirtschaftlich wirksamsten Verbesserungen – etwa die automatisierte Vollständigkeitsprüfung von Verordnungen oder ein sauberer Abgleich zwischen gelieferten und genehmigten Produkten vor der Rechnungsstellung – lassen sich häufig innerhalb von drei bis sechs Monaten umsetzen und refinanzieren sich meist noch im selben Jahr“, sagt der HMMGeneralbevollmächtigte Claus Munsch. Drei Prozent weniger Vergütung lassen sich ab 2027 nicht verhandeln – wie stark das am Ende die eigene Marge trifft und wie viel davon ein Unternehmen über seinen Abrechnungsprozess zurückholt, dagegen schon. Effizienzgewinne sind nicht nur eine Frage der Bilanz. Sie wirken sich unmittelbar auf die Menschen aus, die auf ihr Hilfsmittel angewiesen sind. Wer heute online ein Paket bestellt, erwartet Sendungsverfolgung, Zustellung binnen ein bis zwei Tagen und eine Bestätigung, sobald etwas ankommt. Genau diese Erwartungshaltung – gern als „Amazon-Effekt“ beschrieben – übertragen Versicherte zunehmend auch auf ihre Hilfsmittelversorgung: Wer nach der Diagnose einer schweren COPD auf einen Sauerstoffkonzentrator wartet oder nach der Diagnose Diabetes ein Messsystem benötigt, empfindet jeden Tag Verzögerung als Belastung – unabhängig davon, ob die Ursache eine fehlende Unterschrift auf dem Rezept oder eine überlastete Sachbearbeitung ist. Ein durchgängig digitaler Prozess verkürzt genau diese Wartezeit: Fehlende Angaben werden sofort erkannt, statt erst nach tagelangem Postrücklauf beim Arzt aufzufallen. Rezeptfreie Folgeversorgungen – etwa bei Verbrauchsmaterial für Diabetes oder bei Inkontinenzprodukten – laufen automatisiert
weiter, ohne dass Patientinnen und Patienten selbst an eine neue Verordnung denken müssen oder eine Versorgungslücke entsteht. Der zweite, weniger sichtbare Effekt betrifft die Versorgungssicherheit selbst. Wenn Krankenkassen wie im Zuge des neuen Gesetzes ihre Erstattungen kürzen und Leistungserbringer gleichzeitig mit hohen Absetzungsquoten und langen Zahlungszielen kämpfen, geraten irgendwann einzelne Verträge, Produktgruppen oder ganze Anbieter unter wirtschaftlichen Druck. Für Versicherte äußert sich das selten abstrakt, sondern sehr konkret: ein Leistungserbringer, der aus einem Vertrag aussteigt, eine Folgeversorgung, die sich verzögert, eine Hotline, die wegen Personalabbaus schlechter erreichbar ist. Ein Unternehmen, das den Margendruck aus der Vergütungskürzung über einen effizienteren Abrechnungsprozess auffängt, statt ihn an anderer Stelle einzusparen, gibt diesen Druck tendenziell seltener an die Versorgung selbst weiter. Wirtschaftliche Resilienz auf Anbieterseite ist damit, auch wenn es zunächst nicht danach aussieht, ein Stück Versorgungssicherheit für die Patientinnen und Patienten. Weitere Informationen bei: Claus Munsch, HMM Deutschland GmbH
Best in eHealth HMM Deutschland, gegründet 2006 mit Sitz in Moers, ist Anbieterin von Versorgungs- und Abrechnungslösungen für das deutsche Gesundheitswesen. Über die Plattform ZHP.X3 sowie die Leistungserbringer-Suite LEOS vernetzt HMM Krankenkassen mit mehr als 40.000 Leistungserbringern. Rund 150 Mitarbeitende sowie weitere rund 80 Kolleginnen und Kollegen in Tochtergesellschaften und bei NearShore-Partnern bringen Fachwissen aus Krankenversicherung, Leistungserbringung, IT und Beratung ein. Mit der Lösung rcm.machine automatisiert HMM die komplette Verordnungs- und Abrechnungskette – von der digitalen Erfassung über das Genehmigungsverfahren bis zur revisionssicheren Abrechnung nach § 302 SGB V.
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
fokus.swiss
Medical Devices und Healthtech
21
Mit Hightech gegen Grauen Star Moderne Kunstlinsen und präzise Laserverfahren eröffnen neue Möglichkeiten bei der Kataraktoperation – welche davon sinnvoll und bezahlbar sind, muss individuell geklärt werden.
K
ontraste verlieren an Schärfe, Farben wirken matter, Scheinwerfer blenden stärker: Der Graue Star entwickelt sich meist schleichend. Ursache ist eine zunehmende Eintrübung der natürlichen Augenlinse. Schränkt sie das Sehen im Alltag deutlich ein, wird die Linse operativ entfernt und durch eine künstliche ersetzt. In Deutschland werden Schätzungen zufolge rund eine Million Kataraktoperationen pro Jahr durchgeführt – Tendenz steigend. Vor dem Eingriff stehen wichtige Entscheidungen an: Patientinnen und Patienten müssen zwischen verschiedenen Linsentypen und Operationsverfahren wählen. Wer zusätzlich bestimmte Technologien wie einen Femtosekundenlaser nutzen möchte, sollte prüfen, welche Leistungen die Krankenkasse übernimmt und welche privat zu bezahlen sind. So rücken medizinischer Nutzen und finanzielle Folgen gleichermaßen in den Blick. Mehr Präzision im OP Bei der Planung geht es zunächst um das künftige Sehziel. Monofokallinsen bilden meist einen Entfernungsbereich gut ab, für andere Distanzen bleibt eine Brille nötig. Premium-Intraokularlinsen können zusätzliche Sehbereiche abdecken oder eine Hornhautverkrümmung ausgleichen. Welche Linse geeignet
ist, hängt vom Zustand des Auges, den Sehgewohnheiten und den Erwartungen ab. Ergänzend zur klassischen Operation kann ein Femtosekundenlaser einzelne Schritte übernehmen, etwa die Öffnung der Linsenkapsel und die Vorfragmentierung der getrübten Linse. Der Laser arbeitet nach festgelegten Parametern und kann diese Schritte sehr gleichmäßig ausführen. Gerade bei Linsen mit zusätzlichen optischen Funktionen kann eine gleichmäßige Öffnung der Linsenkapsel die präzise Positionierung unterstützen. Der Femtosekundenlaser ersetzt jedoch weder eine sorgfältige Diagnostik noch die Erfahrung des Operateurs. Neue Grenzen bei der Abrechnung Seit dem 1. Juli 2026 gelten für gesetzlich Versicherte veränderte Regeln. Operation, postoperative Überwachung und Nachbehandlung sind auch beim Einsatz einer Sonderlinse vollständig durch Kassenleistungen abgegolten. Zusätzlicher ärztlicher Aufwand oder einzelne Operationsschritte mit demselben Behandlungsziel dürfen nicht parallel privat berechnet werden. Die Mehrkosten einer Intraokularlinse mit zusätzlichen Funktionen können Patientinnen und Patienten weiterhin selbst übernehmen. Für den Femtosekundenlaser bedeutet das eine klare Trennung: Da seine Teilschritte
– etwa die Öffnung der Linsenkapsel und die Vorfragmentierung – demselben Behandlungsziel dienen wie die Kataraktoperation selbst, lässt sich sein Einsatz nicht mehr separat privat hinzurechnen, wenn die Operation als Kassenleistung abgerechnet wird. Wer den Femtosekundenlaser nutzen möchte, muss sich deshalb für den privaten Abrechnungsweg entscheiden; eine Mischung aus Kassenleistung und privat berechnetem Lasereinsatz ist nicht mehr vorgesehen. Gut informiert entscheiden Eine Kataraktoperation wird an einem Auge in der Regel nur einmal vorgenommen. Die Wahl von Linsentyp und Operationsverfahren wirkt sich deshalb langfristig auf die Sehqualität aus. Umso wichtiger ist eine ausführliche Beratung: Moderne Linsen und präzise Operationsverfahren eröffnen viele Möglichkeiten, das Sehen zu verbessern. Welche Lösung den größten persönlichen Mehrwert bietet, hängt vom Befund, den eigenen Erwartungen und den finanziellen Rahmenbedingungen ab. Sind diese Faktoren gut aufeinander abgestimmt, lässt sich die Behandlung individuell planen – mit dem Ziel, die Sehqualität langfristig zu verbessern und im Alltag möglichst unabhängig zu bleiben.
Bild zVg
Text Iris Soltau
Ziemer Ophthalmic Systems AG • Brandreport
Pionier der innovativen Augenchirurgie Vom Feinmechaniker zum Medizintechnikunternehmer: Aus technischer Neugier hat Frank Ziemer ein international tätiges Unternehmen aufgebaut. Im Interview erklärt der Gründer von Ziemer Ophthalmic Systems, warum Schweizer Präzision, niedrige Laserenergie und vernetzte Prozesse die Augenchirurgie voranbringen.
Frank Ziemer Gründer Herr Ziemer, Ihr beruflicher Werdegang ist eher ungewöhnlich. Was hat Ihr Interesse an der Augenheilkunde geweckt? Mein Weg begann mit einer Ausbildung zum Feinmechaniker und führte dann weiter über die UNI-Bern mit einem Lizentiat in Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Innovationsmanagement. Parallel besuchte ich medizinische Vorlesungen und kam während des Studiums erstmals mit Instrumenten für die Augenchirurgie in Berührung. Schon damals habe ich mir ausgemalt, was technisch in 20 oder 30 Jahren möglich sein könnte – vieles davon ist heute Realität. 1999 starteten Sie mit drei Mitarbeitenden, heute beschäftigt die Gruppe rund 400 Menschen. Wie bewahrt sich ein Unternehmen trotz Wachstum seinen Pioniergeist? Entscheidend sind die richtigen Menschen: Kolleginnen und Kollegen, die Begeisterung mitbringen, Verantwortung übernehmen und eigene Ideen entwickeln. Innovation
Innovation ist keine Einzelleistung – sie entsteht, wenn Fachleute ihr Wissen teilen. ist keine Einzelleistung – sie entsteht, wenn Fachleute ihr Wissen teilen. Ziemer entwickelt und produziert in der Schweiz. Was macht den Standort für Sie besonders? Unser Sitz in Biel liegt im Herzen der Schweizer Uhren- und Präzisionsindustrie. Hier gibt es ein einzigartiges Netzwerk aus Fachkräften, Zulieferern, Hochschulen und Forschungseinrichtungen – von Feinmechanik über Optik bis Elektronik und Software. Die UNI-Bern, die ETH in Zürich und die EPFL in Lausanne sowie die Fachhochschulen mit einem breiten Angebot an technisch angewandten Bereichen sind ideale Partner für unsere Entwicklungsaktivitäten. Die Produktion in der Schweiz ist kostenintensiver, bietet uns aber die Qualität und Flexibilität, die komplexe Medizintechnik erfordert. Zu den Kernkompetenzen von Ziemer gehört die FemtosekundenLasertechnologie. Was kann sie in
der Kataraktchirurgie leisten? Die herkömmliche Kataraktoperation ist bewährt, verlangt aber höchste feinmotorische Fähigkeiten. Der Laser kann zentrale Arbeitsschritte standardisiert und auf Basis integrierter Bildgebung durchführen und setzt zuvor geplante Schnitte ermüdungsfrei und höchstpräzise um. Durch welche Merkmale zeichnen sich die Ziemer Femtosekundenlaser besonders aus? Niedrigenergie, Vielseitigkeit und Mobilität. Je geringer die Energie eines einzelnen Pulses, desto präziser lässt er sich platzieren – relevant bei der Öffnung von Hornhaut und Linsenkapsel ebenso wie bei der Zerkleinerung der getrübten Linse. Angrenzendes Gewebe soll möglichst wenig beeinträchtigt werden. Dafür braucht es ein abgestimmtes Konzept mit sehr kurzen Pulsen und hoher Wiederholungsrate. Die Vielseitigkeit und Mobilität unserer Laser ermöglichen einen besonders effizienten anwendungs- und standortübergreifenden Einsatz der Geräte.
Wie sieht Ihre Vision für die kommenden Jahre aus? Wir wollen Behandlungen noch präziser und schonender machen. Dafür sollen Diagnostik und Therapie künftig enger ineinandergreifen: Daten aus der Untersuchung fließen bereits heute direkt in die Operationsplanung ein, Bildgebung und Lasersysteme arbeiten in einem durchgängigen digitalen Prozess zusammen. Unternehmerisch setzen wir nicht auf Wachstum um jeden Preis, sondern auf nachhaltige Investitionen, gute Arbeitsplätze in der Schweiz, Deutschland und international – sowie auf Technologien, die Patienten spürbaren Nutzen bieten. Weitere Informationen unter: ziemergroup.com/de/
Frank Ziemer verbindet feinmechanisches Know-how mit unternehmerischem Weitblick und treibt seit mehr als 25 Jahren Innovationen in der Augenchirurgie voran.
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
22
Brandreport • United Robotics Group GmbH
#smartfutureofhealthcare
Roboter, die Pflegekräften Zeit zurückgeben Fehlende Fachkräfte sind im Gesundheitswesen ein Riesenproblem. Abhilfe können Roboter schaffen. Sie geben dem Pflegepersonal das Wichtigste zurück: mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten.
Kerstin Wagner Co-CEO und COO, United Robotics Group
D
er Fachkräftemangel in der Pflege ist längst Realität. Schon heute fehlen vielerorts die Menschen, um Dienste zuverlässig zu besetzen und Pflegekräfte nachhaltig zu entlasten. Und die Lücke wird größer: Nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes könnten in Deutschland bis 2049 zwischen 280 000 und 690 000 Pflegekräfte fehlen. Wer darauf erst reagiert, wenn die Lücke voll sichtbar ist, reagiert zu spät. Ausbildung und Zuwanderung bleiben unverzichtbar – aber sie allein werden das Problem nicht lösen. Wir brauchen zusätzlich Technologie, die Pflegekräfte im Alltag konkret von Routinetätigkeiten entlastet und ihnen das zurückgibt, was heute am knappsten ist: Zeit für Menschen. Ein Ort, an dem Robotik den Ernstfall übt Genau dafür hat die United Robotics Group im ehemaligen St.-Josef-Hospital in Gelsenkirchen einen Standort eröffnet, wie es ihn in Deutschland kaum ein zweites Mal gibt. Auf rund 400 Quadratmetern, in der früheren Intensivstation, ist ein Robotik-Trainings- und Entwicklungszentrum entstanden. Zwei Demonstrationsräume bilden den Alltag ab: der eine als Pflege- und Wohnumgebung mit Bett, Sessel und Tisch, der andere als klinische Labor- und Krankenhausumgebung. Sogar eine elektrische Krankenhaus-Flügeltür ist erhalten geblieben – an ihr üben die Roboter, Türen autonom zu passieren, Betten sicher zu transportieren und Menschen auszuweichen. Denn was im Modellraum funktioniert, muss auch auf einem belebten Stationsflur funktionieren. Entlasten heißt: Zeit für den Menschen Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Maschine, sondern der Mensch. Pflegekräfte legen pro Schicht mehrere Kilometer zurück – für
Unser Maßstab ist nicht, wie viele Aufgaben ein Roboter übernimmt, sondern wie viel Zeit er den Pflegekräften zurückgibt.
– Kerstin Wagner, Co-CEO und COO, United Robotics Group
Botengänge, für Material, Proben, Wäsche und Speisewagen. Zeit, die am Bett fehlt. Genau hier setzen die Roboter an. In der Pflegeumgebung begleitet uMe, der kompakte humanoide Roboter mit einem freundlichen, sprechenden Gesicht, die Bewohnerinnen und Bewohner im Alltag, tritt mit ihnen in Kontakt und erkennt, wenn jemand gestürzt ist und am Boden liegt. In der Klinik empfängt und führt er Besuchende und misst auf Wunsch Vitalwerte wie Blutdruck und Sauerstoffsättigung. uLog übernimmt derweil den Transport – vom Bett über Medikamente bis zum Speisewagen. Und im Zusammenspiel wird mehr daraus als die Summe der Teile: Auf den Satz »Ich hätte gern etwas zu trinken« fährt ein Roboter zur Küche, ein zweiter öffnet den Kühlschrank und reicht das Getränk an den Serviceroboter uServe weiter, der es ans Bett bringt. So gewinnen Pflegekräfte das Kostbarste zurück, das ihnen der Alltag nimmt: Zeit für den Menschen. Zuverlässig – und im Alltag erprobt Dass all das keine Zukunftsmusik ist, zeigt der laufende Betrieb: Der Laborroboter uLab Mobile ist bereits an über 50 Standorten im Einsatz – eines dieser Labore steht in Gladbeck, wo er nachts eigenständig und tagsüber im Team mit den Laborfachkräften arbeitet. Wichtig ist dabei Ehrlichkeit. Die Roboter sind keine autonom entscheidenden Kollegen aus einer Krankenhausserie; sie erledigen klar definierte Aufgaben, zuverlässig und nachvollziehbar. Ein Medikamententransport etwa ist immer auftrags- und zimmergenau – die Kontrolle und die Verabreichung bleiben beim
Menschen. Steht jemand im Weg, weicht der Roboter aus. Wird eine Patientin oder ein Patient verlegt oder ein Zimmer umgeräumt, muss kein Programmierer anrücken: Die Systeme orientieren sich an ihrer Umgebung und sind nicht auf ein einzelnes Stockwerk beschränkt. Was es kostet – und was es bringt Die häufigste Frage lautet: Was muss eine Einrichtung investieren? Die ehrliche Antwort: Das lässt sich nicht als Preisschild von der Stange beziffern. Kein Pflegeheim gleicht dem anderen und die United Robotics Group integriert jeden Anwendungsfall in die konkrete Umgebung vor Ort. Rechnen sollte man deshalb nicht in Anschaffungskosten, sondern in Verfügbarkeit: Ein Roboter steht rund um die Uhr bereit – mehr als 7000 Stunden im Jahr, ohne Nacht-, Wochenend- oder Krankheitsausfall. Über flexible Miet- und Nutzungsmodelle wird diese Leistung planbar, auch für kleinere Häuser. Bedienbar und technologisch mutig Technik entlastet nur, wenn sie einfach zu bedienen ist. Die Steuerung lässt sich in kurzer Zeit erlernen – direkt vor Ort und nicht nur von einzelnen Spezialistinnen und Spezialisten, sondern vom ganzen Team. Genau dafür ist das Zentrum in Gelsenkirchen auch ein Ort der Einarbeitung und Schulung. Natürlich gibt es harte technische Fragen – Datenschutz, Cybersicherheit, die Integration in gewachsene Klinik-IT. Aber für jede dieser Hürden gibt es eine Lösung und die United Robotics Group geht sie an: praktisch, nicht theoretisch.
Die KI-Plattform uGo+, die die gesamte Roboterflotte steuert, baut auf einem von der United Robotics Group übernommenen Patent auf; die Systeme werden in Deutschland konfiguriert und im laufenden Betrieb erprobt. Die United Robotics Group redet nicht über die Zukunft der Pflege – sie baut sie. Machen ist eben wie Wollen – nur krasser. Künstliche Intelligenz wird diese Entwicklung beschleunigen: Mit besseren Modellen verstehen die Roboter ihre Umgebung genauer, reagieren flexibler auf ungeplante Situationen und lernen neue Aufgaben schneller, ohne dass jede Änderung neu programmiert werden muss. Das Ziel aber bleibt dasselbe wie am ersten Tag: nicht die menschenleere Station, sondern das entlastete Team. Wer wissen will, wie die Pflege von morgen aussieht, muss nicht auf sie warten. Text Kerstin Wagner, Co-CEO & COO, United Robotics Group Weitere Informationen unter: unitedrobotics.group
Kerstin Wagner ist Co-CEO und COO der United Robotics Group. Das Unternehmen zählt zu den führenden Anbietern KI-gestützter Robotiklösungen im Gesundheits- und Servicebereich und verfolgt das Ziel, den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen abzufedern. Zum Portfolio gehören der humanoide Assistenzroboter uMe, der Laborroboter uLab Mobile, der Transportroboter uLog und der Serviceroboter uServe.
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
#smartfutureofhealthcare
Magrathea Informatik GmbH • Brandreport
23
Digitale Entlastung für Fachkräfte: Wie ein einheitliches Multi-RessourcenManagement Kliniken Zeit für das Wesentliche zurückgibt Die Digitalisierung verändert die klinische Versorgung signifikant. Moderne Technologien sollen Entscheidungen unterstützen, Abläufe harmonisieren und die Qualität der Patientenversorgung steigern.
Zeit für das zurückgewinnen, was wirklich zählt: die Menschen, die sie versorgen. Weitere Informationen unter:
Gerd Dreske und Oliver Brüggen Geschäftsführer, Magrathea Informatik GmbH
Björn Rauh stv. Leiter Quality & Risk, emeis
G
leichzeitig zeigt sich, dass viele Einrichtungen entweder mit gewachsenen, heterogenen Systemlandschaften arbeiten oder digital noch nicht ausreichend aufgestellt sind, um Prozesse durchgängig abzubilden. Beides führt zu lückenhaften digitalen Abläufen, zahlreichen Insellösungen und damit zu einem Arbeitsalltag, in dem Fachkräfte wertvolle Zeit verlieren; Zeit, die für die Arbeit mit Patientinnen und Patienten benötigt wird. Kliniken brauchen daher Lösungen, die Arbeitsabläufe vereinheitlichen, digitale Prozesslücken schließen und die tägliche Arbeit spürbar erleichtern. Als Magrathea Informatik GmbH entwickeln wir seit Jahren Lösungen, die genau hier ansetzen: Wir digitalisieren klinische Prozessketten so, dass Fachkräfte entlastet werden und Kliniken ihre Ressourcen intelligent steuern können. TIMEBASE® 4 ist dabei das operative Betriebssystem, das die Planung und Echtzeitsteuerung aller klinischen Leistungsprozesse möglich macht. Warum einheitliche digitale Prozesse heute unverzichtbar sind Viele Klinikgruppen stehen vor der gleichen Herausforderung: historisch gewachsene IT-Strukturen, unterschiedliche Systeme, hoher Wartungsaufwand und fehlende Transparenz. Auch die Rehakliniken von emeis Deutschland hatten mit diesen Effekten zu kämpfen; ein Ergebnis des starken Wachstums und der Integration mehrerer Häuser mit jeweils eigenen digitalen Lösungen. emeis setzte sich daher ein klares Ziel: ein einheitliches Multi-Ressourcen-Management über alle Rehakliniken hinweg. Die Vision dahinter ist einfach und gleichzeitig anspruchsvoll: digitale Prozesse harmonisieren, Fachkräfte entlasten und die Qualität der Versorgung weiter steigern.
Zu den strategischen Zielen von emeis magrathea.eu gehört der Fokus auf »Giving back Time to Professionals«. In diesem Zuge erfolgt derzeit eine Modernisierung aller patientenbezogenen Systeme und Maßnahmen zur schrittweisen Digitalisierung der Prozesse. Eine einheitliche Software-Landschaft über die Standorte hinweg ist dabei ein essenzielles Ziel, das wir mit Nachdruck verfolgen. – Björn Rauh, stv. Leiter Quality & Risk
Über Magrathea TIMEBASE® 4 als Rückgrat der klinischen Leistungsprozesse Die emeis Rehakliniken nutzten bereits TIMEBASE® 3. Mit den neuen Anforderungen der Deutschen Rentenversicherung im Rahmen der KTL 2025 und dem konzernweiten Ziel einer zentralen Softwarestruktur wurde jedoch eine leistungsfähigere Lösung notwendig. TIMEBASE® 4 überzeugte sowohl funktional als auch technologisch. Als operatives klinisches Betriebssystem ermöglicht TIMEBASE® 4: • die Planung und Echtzeitsteuerung aller klinischen Leistungsprozesse: Planen – Informieren – Erbringen – Dokumentieren • operative Transparenz und strategische Steuerung durch ein integriertes Data Warehouse »Wir haben verschiedene MRM-Lösungen in Betracht gezogen. Aufgrund zeitlicher und inhaltlicher Themen ist unsere Entscheidung auf TIMEBASE® 4 gefallen. Die Erfahrung in der Zusammenarbeit war ebenfalls ein ausschlaggebender Grund für die Fortführung der Partnerschaft«, sagt Björn Rauh, stv. Leiter Quality & Risk. Messbare Entlastung im Klinikalltag Aktuell nutzen rund 2.700 Mitarbeitende TIMEBASE® 4 täglich – in Therapieplanung, Pflege, Psychologie, Verwaltung, ärztlichem Dienst, Schreibdienst und vielen weiteren Bereichen. Die zentrale Plattform ist dabei rollenbasiert aufgebaut und unterstützt jede Berufsgruppe genau dort, wo digitale
Unterstützung im Klinikalltag notwendig ist: Ärztinnen und Ärzte nutzen Module für die elektronische Verordnung und die direkte Integration ins KIS. Disponentinnen, Disponenten und Controller arbeiten mit Modulen, die Leitlinien, OPS, KTL und interne Vorgaben berücksichtigen und eine sichere Planung ermöglichen. Der Klinische Leitstand unterstützt Teamleitungen bei der Echtzeitsteuerung aller Abläufe. Therapeuten und weitere Behandler dokumentieren Leistungen unmittelbar im System und können Behandlungen schnell quittieren. Für das Controlling steht ein Data Warehouse bereit, das operative Transparenz schafft und die strategische Planung erleichtert. Das Ergebnis: spürbare Zeitgewinne, weniger Systemwechsel, weniger administrativer Aufwand und mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten. Der nächste Schritt: intelligente Systemverknüpfung Digitalisierung ist kein Zustand, sondern ein Prozess. emeis denkt diesen Weg konsequent weiter. Ein zentrales Zukunftsprojekt ist die engere Verzahnung zwischen dem KIS-System und TIMEBASE® 4. Fazit Die Modernisierung klinischer Systeme ist kein Selbstzweck. Sie ist ein entscheidender Hebel, um Fachkräfte zu entlasten, die Versorgungsqualität zu steigern und Kliniken zukunftssicher zu machen. TIMEBASE® 4 von Magrathea Informatik GmbH zeigt, wie einheitliche digitale Prozesse die tägliche Arbeit spürbar erleichtern – und wie Kliniken
Die Magrathea Informatik GmbH ist ein unabhängiger Softwarehersteller für das klinische Gesundheitswesen mit Schwerpunkt auf Effizienz und Wissensmanagement. Als Marktführer im Bereich RessourcenManagement-Systeme versorgt sie Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen in der DACH-Region mit intelligenten Anwendungen, die klinische Leistungen deutlich steigern. Gleichzeitig entwickelt Magrathea Dashboard-Systeme, die Prozesse sichtbar machen und Wissen schneller zugänglich machen. Über 300 Kunden, darunter private Klinikgruppen sowie öffentliche und kirchliche Träger, vertrauen seit 1992 auf die Kompetenz des Unternehmens und schätzen den Teamgeist, die Neugier und das Engagement seiner Mitarbeitenden. Dieser Innovationsgeist hat ein solides wissenschaftliches Fundament: Magrathea ist ein Spin-off der Leibniz Universität Hannover und eng mit der Wissenschaft verbunden. Die Gründer brachten ihre Expertise aus Physik und Prozessorganisation ein und legten damit den Grundstein für einen interdisziplinären Ansatz, der das Unternehmen bis heute prägt. Magrathea steht im kontinuierlichen Austausch mit Hochschulen, vergibt Stipendien und rekrutiert hochqualifizierte Talente, die diese Vision teilen.
EI N E P U B LI K AT I O N VO N S M A RT M ED I A
24
Brandreport • Bechtle GmbH & Co. KG
#smartfutureofhealthcare
Digitalisierung muss den Arbeitsalltag spürbar erleichtern Die Anforderungen an Qualität, Sicherheit und eine vernetzte Versorgung im Gesundheitswesen steigen. Wie vor diesem Hintergrund unter gleichzeitigem Kostendruck moderne Technologien ein entscheidender Hebel sein können, erklärt Thomas Teitge, Geschäftsführer der Bechtle GmbH & Co. KG, IT-Systemhaus Bonn.
Thomas Teitge Geschäftsführer Herr Teitge, die Debatte über die Zukunft des Gesundheitswesens wird derzeit stark von Reformen und Kostendruck geprägt. Was bedeutet das für die Versorgung? Wir erleben gerade, dass mehrere Herausforderungen gleichzeitig zusammenkommen. Der wirtschaftliche Druck nimmt zu, Fachkräfte fehlen und gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualität und Sicherheit. Hinzu kommt eine hohe administrative Belastung. Ärztinnen, Ärzte und Mitarbeitende verbringen im Arbeitsalltag noch immer zu viel Zeit mit Tätigkeiten, für die ihre medizinische oder pflegerische Kompetenz nicht benötigt wird. Deshalb dürfen wir die aktuelle Diskussion nicht allein als Kostendebatte führen. Die entscheidende Frage für mich lautet: Wie schaffen wir es, mit den vorhandenen Ressourcen eine hochwertige Versorgung sicherzustellen? Ein wesentlicher Hebel liegt hier für mich in der Digitalisierung. Nicht, weil Digitalisierung per se Kosten senkt, sondern weil wir mit intelligenten Prozessen vorhandene Ressourcen besser einsetzen und die Mitarbeitenden entlasten können. Warum ist die Entlastung mittels Digitalisierung bislang noch nicht im Gesundheitswesen angekommen? Viele Einrichtungen haben in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht und wichtige technologische Grundlagen geschaffen. Wir treffen in der Praxis aber häufig auf historisch gewachsene IT-Landschaften mit einer Vielzahl unterschiedlicher Systeme und Anwendungen. Das Problem entsteht an den Übergängen. Informationen müssen mehrfach erfasst werden, Mitarbeitende wechseln zwischen unterschiedlichen Anwendungen oder Daten sind zwar vorhanden, stehen aber nicht dort zur Verfügung, wo sie gerade benötigt werden. Wenn Digitalisierung zusätzliche Arbeit erzeugt, haben wir unser Ziel verfehlt. Deshalb sollten wir nicht mit der Frage beginnen, welche neue Technologie wir einsetzen können, sondern müssen uns zuerst fragen: Wo verlieren Mitarbeitende heute unnötig Zeit? Welche Prozesse können wir vereinfachen? Wo fehlen Informationen? Welche Systeme müssen wir miteinander vernetzen? Wo sehen Sie einen realistischen Nutzen von KI? Dort, wo KI ein konkretes Problem löst. Wir sollten nicht darüber sprechen, wo wir KI überall einsetzen könnten, sondern vielmehr darüber, wo Menschen heute viel Zeit mit Tätigkeiten verbringen, bei denen KI sinnvoll unterstützen kann.
Die entscheidende Frage ist aber nicht, wie viele Daten wir haben, sondern ob wir sie sicher, strukturiert und zum richtigen Zeitpunkt nutzen können.
– Thomas Teitge, Geschäftsführer
Und das ist für mich entscheidend. Datenräume dürfen kein abstraktes technologisches Konzept bleiben. Sie müssen einen konkreten Mehrwert schaffen: für Versorgung, Forschung und Innovation. Je stärker Systeme und Medizintechnik vernetzt werden, desto größer wird gleichzeitig die Angriffsfläche. Wie lässt sich dieser Zielkonflikt lösen? Für mich ist das kein Zielkonflikt. Sicherheit ist die Voraussetzung für Vernetzung. Im Gesundheitswesen sprechen wir über hochsensible Daten und Systeme, die jederzeit zuverlässig funktionieren müssen. Dazu kommt, dass moderne Medizintechnik zunehmend vernetzt arbeitet.
Ein Beispiel aus der Praxis ist ein Projekt zur Unterstützung von Abrechnungsprozessen im Bereich der privaten Krankenversicherung. Gemeinsam mit unserer Tochter PlanetAI haben wir eine Lösung entwickelt, die umfangreiche Patientenakten automatisiert analysiert. Medizinische Dokumente werden erkannt, klassifiziert und strukturiert für die weitere Bearbeitung aufbereitet.
Ziel ist es, medizinische Daten sektorübergreifend zu bündeln und Kliniken, Arztpraxen, Pflegekräfte und Patientinnen und Patienten besser miteinander zu vernetzen. Gleichzeitig sollen Medizingeräte und Anwendungen unterschiedlicher Hersteller integriert werden, um telemedizinische Prozesse und digitale Monitoringlösungen zu unterstützen.
Damit wachsen Bereiche zusammen, die früher häufig getrennt betrachtet wurden: Medizintechnik, IT-Infrastruktur, Netzwerkarchitektur und Cybersecurity. Wie wichtig dieses Zusammenspiel ist, sehen wir beispielsweise bei den Krankenhäusern der Bundeswehr. Dort unterstützen wir seit mehreren Jahren bei der sicheren Integration und dem Betrieb moderner Systeme innerhalb komplexer Kliniknetzwerke.
Für den Anwender zählt aber am Ende etwas viel Einfacheres: Er muss umfangreiche Dokumente nicht mehr vollständig manuell sichten und aufbereiten, damit die Bearbeitung schneller wird und administrative Tätigkeiten reduziert werden.
Damit werden Daten zunehmend zu einer Grundlage moderner Versorgung. Nutzen wir ihr Potenzial bereits ausreichend? Wir stehen an vielen Stellen noch am Anfang. Im Gesundheitswesen entstehen enorme Mengen wertvoller Informationen. Die entscheidende Frage ist aber nicht, wie viele Daten wir haben, sondern ob wir sie sicher, strukturiert und zum richtigen Zeitpunkt nutzen können.
Ist genau diese Komplexität nicht eines der größten Herausforderungen der Digitalisierung? Absolut. Ein Krankenhaus ist heute ein hochkomplexes Ökosystem. Medizintechnik, Anwendungen, Daten, Netzwerke, CloudInfrastrukturen und Cybersecurity müssen zusammenspielen. Gleichzeitig müssen sich alle diese Technologien in medizinische und organisatorische Prozesse integrieren.
Genau daran arbeiten wir beispielsweise im Projekt CareDataSpacesOWL. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Gesundheitswesen, unter anderem der Universität Bielefeld, der Universität Paderborn, der Hochschule Bielefeld und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe entwickeln wir innovative Ansätze für eine vernetzte und patientenzentrierte Nutzung von Gesundheitsdaten.
Darin liegt aus meiner Sicht eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre. Wir brauchen nicht noch mehr isolierte Lösungen. Wir benötigen Partner, die unterschiedliche Technologien und Hersteller zusammenbringen und gleichzeitig verstehen, was im Versorgungsalltag tatsächlich benötigt wird. Das ist die Rolle, die wir als Bechtle einnehmen wollen: ein verlässlicher Integrator zwischen Technologie, Versorgung und Praxis. Wir kommen nicht mit einer Technologie und suchen anschließend nach einem konkreten Anwendungsfall. Wir beginnen beim konkreten Bedarf unserer Kunden und entwickeln dann darauf gemeinsam eine tragfähige Lösung.
Eine weitere Herausforderung ist die Trennung zwischen den verschiedenen Bereichen unseres Gesundheitssystems. Was kann Digitalisierung hier verändern? Sehr viel. Patientinnen und Patienten denken nicht in Sektoren. Ihre Versorgung findet aber in unterschiedlichen Strukturen statt: im Krankenhaus, in der Arztpraxis, in der Pflege oder auch zu Hause. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist es entscheidend, dass alle beteiligten Akteure auf relevante Informationen zugreifen und miteinander arbeiten können. Gute Versorgung darf nicht an den Grenzen einzelner Einrichtungen oder Abteilungen enden. Ein gutes Beispiel ist WebMedX. Dort arbeiten wir gemeinsam mit Partnern wie der Charité, dem Universitätsklinikum Würzburg und der Klinik Kitzinger Land an einer Plattform für die digitale Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz.
Dabei beginnen wir bewusst nicht bei der Technologie, sondern bei konkreten Versorgungssituationen. Am Beispiel Parkinson betrachten wir komplexe Versorgungspfade und untersuchen, welche Informationen an welcher Stelle benötigt werden und wie diese sektorenübergreifend nutzbar gemacht werden können.
Für mich ist das Entscheidende: Digitalisierung muss den Menschen in der Gesundheitsversorgung Zeit zurückgeben.
– Thomas Teitge, Geschäftsführer
Was wäre für Sie in fünf Jahren ein Zeichen dafür, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens erfolgreich war? Für mich ist das Entscheidende: Digitalisierung muss den Menschen in der Gesundheitsversorgung Zeit zurückgeben. Zeit für Medizin. Zeit für Pflege. Und vor allem: Zeit für die Patientinnen und Patienten. Weitere Informationen unter: bechtle.com/public-sector/healthcare