100 Beste Plakate 25—Deutschland Österreich Schweiz
100 BESTE PLAKATE 25 DEUTSCHLAND ÖSTERREICH SCHWEIZ
100 BEST POSTERS 25 GERMANY AUSTRIA SWITZERLAND
Seismograph des Jetzt / Seismograph of the present
Fons Hickmann/Susanne Stahl
Kontext / Context
Malte Martin
Jury
Enrico Bravi, Malte Martin, Sascia Reibel, Sven Tillack, Annik Troxler
Gestalter:innen / Designers
Auftraggeber / Clients
Druckereien / Printing houses
Gestalter:innen Kontakte / Designers’ contacts
Plakatdiskurse. Zehn Positionen
Plakat-Expert:innen aus den drei Ländern mit ihren
Anmerkungen zum Plakatdesign / Poster discussions. Ten perspectives
Poster experts from the three countries share their thoughts on poster design
Mitglied werden / Become a member
Fons Hickmann/Susanne Stahl
Ausstellungen / Exhibitions
Veranstalter / Organiser
Dank / Acknowledgements
Impressum / Book credits
SEISMOGRAPH DES JETZT
Fons Hickmann Susanne Stahl
PRÄSIDENT/PRÄSIDENTIN
SUSANNE
Es gibt diesen Moment am Anfang jedes Plakats: eine Fläche, ein Format, vielleicht ein Titel, ein Datum, ein Ort. Mehr ist oft noch nicht da. Und trotzdem beginnt sofort eine Art Verdichtung, im besten Fall entsteht direkt eine Idee: Bild, Schrift, Farbe, Bedeutung. Alles muss auf dieser einen Fläche Platz finden.
Wir kennen diesen Moment beide ziemlich gut. Du ein paar wenige Jährchen länger, ich inzwischen auch schon eine ganze Weile. Meist im Kulturbereich, oft mit erstaunlicher Freiheit, manchmal auch mit der stillen Hoffnung, dass am Ende etwas entsteht, das im Stadtraum auffällt, ja im besten Fall provoziert.
Und trotzdem taucht bei mir manchmal eine Frage auf, die zunächst fast banal klingt: Warum machen wir eigentlich noch Plakate?
Das frage ich mich auch. Ich antworte zunächst ganz persönlich. Wenn ich gestalte, verliere ich jedes Gefühl für Zeit. Es ist für mich eine Form der Meditation, ein Zustand radikaler Gegenwärtigkeit, ein Verschwinden im Tun und Ankommen im Jetzt. In diesem Moment ist es weder
SUSANNE FONS
Ich würde es so formulieren: Grundsätzlich ändern möchte ich nichts, sondern aufmerksam bleiben für die Momente, in denen Veränderung notwendig wird. Oft merkt man ja erst dann, dass etwas angepasst werden muss, wenn etwas nicht mehr funktioniert, wenn Reibung entsteht oder Dinge ins Stocken geraten. Genau darin liegt aber auch die Chance, neu zu justieren.
Mir ist wichtig, dass wir uns diese Flexibilität bewahren, in unserer Haltung genauso wie in der Gestaltung der Plakate selbst. Dieses Reagieren-Können, dieses OffenBleiben für das, was passiert, scheint mir zentral. Es geht weniger darum, aktiv nach Veränderung zu suchen als vielmehr darum, sie zuzulassen, wenn sie sich aufdrängt. Im Moment bin ich ehrlich gesagt sehr zufrieden. Der Verein trägt eine lange Geschichte in sich, und es gab engagierte und kluge Präsidenten vor mir, die ihn geprägt haben. Diese Kontinuität spürt man, und gleichzeitig eben auch diese Beweglichkeit, von der du sprichst. Vielleicht ist genau das die eigentliche Qualität, dass beides gleichzeitig existieren kann.
Bleibt noch anzukündigen, dass wir in diesem Jubiläumsjahr ein weiteres Buch herausgeben: Parallel zu diesem hier erscheint im hesign Verlag „Die 100 Besten der 100 Besten – 25 Jahre Plakate aus Deutschland, Österreich und der Schweiz“. Es versammelt erstmals eine Übersicht aller Gewinnerinnen und Gewinner der vergangenen 25 Jahre und verdichtet diese zugleich zu einer Auswahl von 100 Plakaten, die wir besonders hervorheben möchten. Dafür haben wir alle Mitglieder eingeladen, jeweils fünf Arbeiten zu benennen – die stilprägendsten, memorabelsten oder schlicht ihre liebsten aus der Geschichte des Wettbewerbs.
Viel los also zum Jubiläum – eigentlich wie immer.
SEISMOGRAPH OF THE PRESENT
once and feels just right. It’s not a starting point, but a pull. A thought, a shift, an idea out of place — and then everything falls into place. Serendipity plays a decisive role in this. I use it, deliberately exploit it, steer it; I like to provoke it.
SUSANNE
There’s that moment at the start of every poster: a blank space, a format, perhaps a title, a date, a location. Often, that’s all there is. And yet a kind of condensation begins immediately; in the best-case scenario, an idea takes shape right away: image, text, colour, meaning. Everything has to fit within that single space.
We both know this moment quite well. You’ve been at it a few years longer, and I’ve been at it for quite a while now, too. Mostly in the cultural sector, often with surprising freedom, sometimes with the quiet hope that in the end something will emerge that stands out in the urban space — or, in the best case, provokes.
And yet a question sometimes arises in me that at first sounds almost banal: Why do we actually still make posters?
I ask myself that too. I’ll start by answering quite personally. When I design, I lose all sense of time. For me, it’s a form of meditation, a state of radical presence, a disappearing into the act and arriving in the now. In that moment, it’s neither work nor purposeful action. It’s an aimless doing that is self-sufficient and lasts a long time. And then there’s a poster again — and sometimes it even serves a purpose.
At the same time, of course, I also represent a profession. And that is anything but aimless: it follows precise market-economic logic, is embedded in expectations, functions, and necessities, and is far removed from any naive artistic romanticism. Perhaps it is precisely this tension between two seemingly incompatible states that drives me: between freedom from purpose and function, between immersion and commercialisation.
But let me turn the question back to you: Why do you do what you do — and how do you do it?
I probably make posters and won’t stop doing so anytime soon because I love that moment when everything slips from my hands at
I do this because this process energises me and forces me to let go while still knowing what I’m doing. Clarity emerges only right in between — between intention and chance, between control and ecstasy. It is in this space in between that the best surprises happen, the ideas that keep flashing up, the combinations you couldn’t have imagined beforehand. It’s the constant weighing, the probing, the waiting for the right moment — and that’s probably exactly what makes every attempt unique.
I’m interested in how exactly these unpredictable moments, these in-betweens, manifest themselves over 25 years in the 100 Best Posters. What does openness look like in a competition that must select and decide?
This book is a special one in the history of the 100 Best: We’re celebrating 25 years, and the association is more vibrant than ever, thanks to its continual evolution. We are pluralistic, emancipated, independent, and have worked hard to become more equitable.
I think it was the right decision to forego any funding from government or private sponsors and to support ourselves entirely through membership and submission fees. This has allowed us to resist any outside influence so far.
A modern, contemporary association — just as its competition serves as a barometer for current trends, aesthetics, and content in graphic design. The selection is always discursive, polarising, and surprising; some hate it, many love it. It is precisely this passion for debate that is also reflected in this book. Here, not only are the 100 posters gathered, but also ten texts by authors and theorists who have engaged intensively with the medium and offer insights into their thinking.
FONS SUSANNE
I’m impressed by how the association has consistently maintained the balance between structure and openness over the past 25 years. Plurality, independence, and the conscious decision not to impose any guidelines on the jury — these are precisely the conditions that allow our moment of unpredictability to emerge. And we both know that this consistently draws criticism and differing opinions. Nevertheless, we remain true to ourselves and stand behind this decision.
Susanne
KONTEXT
MALTE MARTIN Vorsitzender
der Jury KONTEXT
…und dann wurde mir gesagt: „Wir haben da an dich gedacht für den Jury-Vorsitz. Als Vorsitzender hast du nicht mehr zu tun als die anderen Jurymitglieder. Aber du musst dann das Vorwort schreiben.“ Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Geschenk war: Entweder sagt man Banales oder man tritt ins Fettnäpfchen. Aber ich will die Gelegenheit nutzen, einen Anstoß zu geben.
Fangen wir doch mit der Jury an.
Wir hatten 1410 Plakat-Units von 676 Einreicher:innen in der Vorauswahl. 658 Serien- und Einzelpalakate kamen dann in die finale Jurysitzung in Berlin: erstes Zusammentreffen der fünf Jurymitglieder. Alle kennen sich noch nicht. Also sich kennenlernen und zusammenraufen. Und das ging sehr gut. Am ersten Tag Grobauswahl. Man sieht die Vorlieben und Tendenzen von jener oder jenem. Die Auswahl wird enger bis zum Ende des zweiten Tages, an dem die Diskussionen immer feiner, die Argumente, Nuancen und Abwägungen immer interessanter werden.
Am Ende die Freude einer bunten Vielfalt. Ein repräsentatives Bild des Plakatschaffens auf Basis der Einreichungen. Ich stelle fest, dass in den letzten Jahren auch international eine Multiplizierung neuer grafischer Mittel stattgefunden hat – mit oft komplexeren Formen, als die der klassischen Plakatsprachen, von denen zum Beispiel Roman Cieślewicz sagte: „Ein Plakat ist eine Idee, ein Wort, ein Zeichen.“
Uns begegneten viele grafische Vorschläge, die oft mehr als Poster oder Artwork einzuordnen sind als ein Plakat, das in der Straße seine Arbeit leisten muss.
Es ist klar, dass im Zeitalter von Social Media das Plakat oft nicht mehr die Hauptrolle hat in der visuellen Kommunikation, sondern manchmal zum „Goody“ des Internetauftritts wird.
VORWORT / FOREWORD
MALTE MARTIN Chair of the Jury
CONTEXT
…and then I was told: “We’ve been thinking of you for the role of jury chair. As chair, you won’t have any more work to do than the other jury members. But you’ll have to write the foreword.” I’m not sure whether that was a gift: say something banal, or put your foot in it. Either way, I want to use this opportunity to get things moving.
Let’s start with the jury.
The shortlist comprised 1,410 poster units from 676 entrants. 658 series and individual posters then made it to the final jury meeting in Berlin — the first time all five jury members gathered in one place. None of them had met before, so it was a matter of getting to know one another and finding common ground, which happened quite naturally. The first day brought a rough selection, revealing the preferences and tendencies of each individual. By the end of the second day, the field had narrowed considerably, the discussions growing more nuanced, the arguments and subtleties more compelling.
What remained was the joy of colourful diversity — a representative picture of poster design as reflected in the submissions. I note that in recent years there has been a proliferation of new graphic techniques internationally, often with more complex forms than those of the classical poster languages, of which Roman Cieślewicz once said: “A poster is an idea, a word, a sign.”
We encountered many graphic proposals that sit somewhere between poster and artwork — pieces that seem less concerned with doing their job on the street than with existing as objects in their own right.
It is clear that in the age of social media, the poster often no longer plays the leading role in visual communication, but sometimes becomes a “goodie” for the website.
In terms of design language, parallel worlds continue to coexist: Modernism holds up remarkably well over time, postmodern deconstructions take on diverse forms — from Brutalism to highly Baroque constructs — and the kitsch culture of social media feeds a range of cultural appropriations in contemporary graphic design.
Another trend visible across international graphic design events is the near-exclusivity of the cultural sector. Posters addressing societal, political and social themes — once a vital part of poster design and well represented in competitions — are becoming increasingly rare.
Nevertheless, we have more posters in these areas this year, even if they are sometimes internal communications for university events.
This fact was already evident in last year’s selection of the 100 Best.
I do not wish to belabour this point, but rather to spark discussion and offer some thoughts on how we might once again open our events to these themes. I do not believe there are fewer reasons today for designers to engage with such subjects, nor that the younger generation of graphic designers has lost
interest in them. On the contrary: many are actively involved in climate campaigns, anti-far-right movements and broader social struggles.
How could we demonstrate that we are capable of producing great posters on these topics? How could we encourage clients in these fields to approach poster designers and award commissions?
I work and design in France. We still have the remnants of a great tradition of public cultural commissions. Last year, the CNAP (Centre national des arts plastiques) organised a competition to commission 16 posters on the theme of public service1 . These posters have been circulating in many public places across France ever since.
Or: Young colleagues have founded a collective called “Formes de luttes” 2 (in English: Forms of Struggle) to distribute posters and stickers to the public in all social settings on their own initiative ...
One idea would be to run, alongside the open-theme competitions — which in practice tend to mean cultural posters — a dedicated strand that highlights a different social issue each year.
Take waste separation, for instance. Why shouldn’t there be great posters on this topic? We could invite those responsible — city officials, local authorities, associations — to join the jury and attend the exhibition, and perhaps leave inspired.
Ultimately, the question of graphic design is always a question of context. A poster can be a beautiful thing in its own right — something I’d happily hang in my living room.
It becomes design when the magic triangle — comprising the client, the designer and the audience — works; in other words, when the message also reaches those we want or are meant to address.
POSTCRIPT
And to offer a broader pers pec tive: in 1963, a group of international graphic designers drafted a manifesto, which was republished in 2000.
Titled “First Things First” 3 , it was an attempt to link practice with social responsibility — written in an era of flourishing consumerism and the looming shadow of the Vietnam War. The manifesto drew on the Frankfurt School and the emerging protest movements, and posed a question that still resonates: “Good Design is good Business” or “Good Design for a better Society”.
Today, we find ourselves in an even more critical situation: wars are ignited with alarming frequency, human and peoples’ rights are being declared null and void, and the productivist consumer society has brought us to the edge of ecological catastrophe. Perhaps it is high time to republish this manifesto.
Wir sind Teil eines größeren Ganzen. Menschen teilen Kreativität und großes Potenzial. Wenn wir uns mit der Natur und miteinander verbunden fühlen, entsteht Verantwortung – füreinander und für die Tierwelt. / We are part of a greater whole. People share creativity and great potential. When we feel connected to nature and to one another, a sense of responsibility arises – for one another and for the animal world.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE
Duo d’Art, CH-Genf
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE Siebdruck / Silkscreen
FORMAT / SIZE F4
Friedhofweg 30
CH-4125 Riehen/Basel
+41 61 3113919
info@anniktroxler.ch
@anniktroxler
In der Jury gab es spannende Diskussionen über unterschiedliche Blickwinkel. So haben wir viel voneinander gelernt und konnten trotzdem immer gemeinsam entscheiden.
Annik Troxler arbeitete nach dem Studium der Visuellen Kommunikation mit Schwerpunkt Grafikdesign an der ECAL (École cantonale d’art de Lausanne) unter anderem in Designstudios in Berlin, Amsterdam und der Schweiz und machte sich 2006 als selbstständige Grafikdesignerin in Basel einen Namen. Ihre Arbeiten entstehen häufig aus analogen Techniken wie Zeichnung oder Siebdruck und verbinden minimalistisches Design mit spielerischen, experimentellen Elementen. Sie gestaltet vor allem Plakate für kulturelle Veranstaltungen (z. B. Festivals). Ihre Werke wurden vielfach ausgestellt und ausgezeichnet. Seit 2011 ist sie zudem Dozentin an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel.
ENThere were lively discussions within the jury about different perspectives. We learnt a great deal from one another and were still always able to reach a joint decision.
After studying Visual Com munication with a specialisation in graphic design at ECAL (École cantonale d’art de Lausanne), Annik Troxler worked in design studios in Berlin, Amsterdam and Switzerland, amongst other places, and made a name for herself as a freelance graphic designer in Basel in 2006. Her works often emerge from analogue techniques such as drawing or screen printing and combine minimalist design with playful, experimental elements. She specialises in poster design for cultural clients, particularly festivals. Her works have been exhibited and awarded numerous times. Since 2011, she has also been a lecturer at the Academy of Art and Design in Basel.
OHAY!. Projektpräsentation der Meisterschüler:innen im Weißenhofprogramm der ABK Stuttgart, 2025 / OHAY!. Project presentation by the Meisterschüler at Weissenhof Programme at the ABK Stuttgart, 2025
GESTALTER / DESIGNERS
Studio Tillack Knöll, Design Practice
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENT
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart / State Academy of Fine Arts, D-Stuttgart
„OHAY!“ war das Motto der Abschlussausstellung der Meisterschüler:innen im Weißenhofprogramm der ABK Stuttgart im Oktober 2025. Auf Japanisch bedeutet es „Guten Morgen“ und markiert im dortigen Kunst- und Theaterkontext den gemeinsamen Anfang: „Wir beginnen jetzt zusammen“. Für die Studierenden, die ihr Studium abgeschlossen haben, steht dieser Titel sinnbildlich für den Aufbruch in einen neuen Lebens- und Arbeitsabschnitt. Das Plakat übersetzt diesen Gedanken in das Bild eines Urknalls: als radikalen Anfang, als Moment der Verdichtung und Entfaltung, aus dem etwas Neues hervorgeht. /
“OHAY!” was the motto of the final exhibition by the Meisterschüler at Weissenhof Programme at the ABK Stuttgart in October 2025. In Japanese, it means “Good morning” and, in the local art and theatre context, marks a shared beginning: “We are now starting together”. For the students who have completed their studies, this title symbolises the start of a new phase in their lives and careers. The poster translates this concept into a visual metaphor of a Big Bang: a radical origin point rendered through an explosive composition, where dense form expands outward — evoking the tension between negative space and mark-making from which something entirely new emerges.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE
Lézard Graphique, F-Brumath
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE
Siebdruck, dreifarbig / Silkscreen, three-colour
FORMAT / SIZE AO
Die eingereichten Arbeiten in ihrer visuellen und materiellen Präsenz unmittelbar sehen und bewerten zu können, ist ein Privileg: Zwei volle Tage hatten wir die Gelegenheit mit einer unglaublich vielfältigen und durchweg prägnant gestalteten Auswahl an Plakaten verbringen und den Jahrgang in seiner Bandbreite genauer betrachten zu können.
Unterschiedliche Auffassungen über gestalterische Qualitäten innerhalb der Jury führten dabei nicht zu Unstimmigkeiten, sondern immer wieder zu offenen und respektvollen Auseinandersetzungen; so boten leuchtende Farben, spannende Produktionsweisen und überzeugende Formate dafür unzählige Male Anlass.
Besonders in Erinnerung bleibt mir der letzte Gang durch die Aula und Flure der UdK: Gemeinsam blickten wir auf eine finale Auswahl, die in ihrer Vielfalt, Eigenständigkeit und gestalterischen Qualität nachhaltig beeindruckte. Danke für diese schöne Erfahrung.
Sven Tillack lebt und arbeitet in Stuttgart. Seine gestalterische Praxis verbindet inhaltsorientierten visuellen Ausdruck mit strategischem Denken und entfaltet sich in zwei- und dreidimensionalen Räumen. Nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter absolvierte er 2017 sein Studium des Kommunikationsdesigns an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.
2018 gründete er gemeinsam mit Steffen Knöll das Studio Tillack Knöll, Design Practice, das in Kontexten von digitalem und räumlichem Design, Editorial- sowie Plakatgestaltung arbeitet und eigenständige, visuelle Sprachen entwickelt. Er erweitert den Output des Studios um digitale, programmierte und animierte Ausdrucksformen. Ihre Arbeiten sind international rezipiert und ausgestellt. Mit Exploriso: Low-Tech Fine Art veröffentlichte er zudem ein Buch über Risografie als künstlerisches Druckverfahren. Er verfügt über Lehrerfahrung im lokalen wie internationalen Kontext und ist Mitglied des 100 Beste Plakate e. V.
Being able to view and assess the submitted works directly, in their visual and physical form, is a privilege: we had the opportunity to spend two full days with an incredibly diverse and consistently striking selection of posters, allowing us to examine the year’s entries in greater detail across their full range.
Differing views on design qualities within the jury did not lead to disagreements, but rather to open and respectful discussions time and again; vibrant colour palettes, innovative print production techniques, and compelling layouts and formats provided countless opportunities for this.
I particularly remember the final walk through the auditorium and corridors of the UdK: together we looked at a final selection that left a lasting impression with its diversity, conceptual originality, and the craftsmanship evident in every design. Thank you for this wonderful experience.
Sven Tillack lives and works in Stuttgart. His creative practice combines concept-driven visual communication with strategic thinking, spanning two-dimensional print and three-dimensional spatial design. Following his training as a media designer, he completed his degree in communication design at the State Academy of Fine Arts in Stuttgart in 2017.
In 2018, he founded Studio Tillack Knöll, Design Practice , together with Steffen Knöll, which works across digital and spatial design, editorial design, and poster design, developing distinctive visual identities and graphic languages.
He expands the studio’s output to include digital, generative, and motion-based design. Their work is recognised and exhibited internationally. With Exploriso: Low-Tech Fine Art, he also published a book on risography as an artistic printing process. He has teaching experience in both local and international contexts and is a member of 100 Beste Plakate e. V. Fritz-Elsas-Straße 50 D-70174 Stuttgart
VEN TILLACK
2 /100
GESTALTUNG / DESIGN
A Language:
Melina Wilson, Martin Stoecklin, Emma Kürz
unter Verwendung speziell kreierter Überdruck-Motive von / featuring specially created screen-printed designs by Dorota Gaweda & Egle Kulbokaite (Plakat / Poster 2) und Talar Aghbashian (Plakat / Poster 3)
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENT
Haus für Kunst Uri
TITEL / TITLE
Haus für Kunst Uri 2025
drei aus einer Serie von sechs Plakaten / three from a series of six posters
Die Kampagne folgt einem jährlichen Zyklus: Jedes Jahr wird ein vorbedrucktes Hintergrundmotiv entwickelt, abgeleitet vom Logo der Institution, auf das sich das jeweilige Ausstellungslayout legt. 2025 ist dieses bewusst strikt typografisch gehalten und an Filmplakate angelehnt, bei denen Text nahezu als Bild funktioniert. Für jede Ausstellung gestalten die beteiligten Künstler:innen (jeweils zwei Positionen) zusätzlich ein Bild auf diesem Träger. Am Eingang platziert, vermitteln diese Plakate einen Ausblick auf die Inhalte der Ausstellung. /
The campaign follows an annual cycle: each year, a pre-printed background design is created based on the institution’s logo, over which the event layout is superimposed. In 2025, the design is kept strictly typographic, drawing inspiration from film posters where text functions almost as an image. For each event, the two participating artists also contribute an image on this backdrop. Placed at the entrance, the posters offer visitors a glimpse of what’ inside.
DRUCKEREIEN / PRINTING HOUSES
Birkhäuser+GBC AG/Arnold Reklamen AG
KATEGORIE / CATEGORY
FORMAT / SIZE
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE Digitaldruck auf Offsetdruck / Digital on offset
4/100
GESTALTUNG / DESIGN
Atelier BLVDR: Silvia Francia
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENT
AMR Association pour l’encouragement de la musique improvisée / AMR Association for the Promotion of Improvised Music
TITEL / TITLE
44e AMR Jazz Festival
Plakat für das jährliche Jazzfestival in Genf, gestaltet im Stil einer Jazzimprovisation. Die Buchstaben sind eine Mischung aus einer handgemalten Schrift, die mit den Fingern in Tusche aufgetragen wurde, und einer klassischen Schriftart. / Poster for the annual jazz festival in Geneva, designed to mirror the spirit of jazz improvisation. The typography combines finger-painted calligraphic letterforms with a classic serif typeface.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE
Dr. Paper & Mr. Tee
KATEGORIE / CATEGORY
FORMAT / SIZE
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE Siebdruck / Silkscreen
/ COUNTRY
5 /100
GESTALTUNG / DESIGN
Atelier BLVDR: Silvia Francia
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENTS
Le Service culturel de la Ville de Genève / l’Union genevoise des musiques et chorales / The Cultural Department of the City of Geneva / the Geneva Union of Music and Choral Societies
TITEL / TITLE Weekend en fanfare
Die Gestaltung besitzt eine starke Bildwirkung und entfaltet sich wie der Klang einer Fanfare. / The design has a powerful visual impact and unfolds like the sound of a fanfare.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE
Setaprint AG
KATEGORIE / CATEGORY
FORMAT / SIZE
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE Offsetdruck / Offset
8 /100
GESTALTUNG / DESIGN
Massimiliano Audretsch
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENTS
Tíscar Espadas/JVDW Gallery
TITEL / TITLE BEYOND
Plakat zur Ankündigung einer Performance, die im Rahmen des zeitgleichen und gleichnamigen Booklaunches der Publikation „BEYOND. WHERE THE SUN SETS AND THE MOON RISES, THERE IS A TREE. I WILL MEET YOU THERE.“ stattfand. Buch und Plakat reagieren auf Inhalt und Publikum mit einem typografischen Dialog zwischen arabischer und lateinischer Schrift, der kulturelle Bezüge sichtbar macht und als vermittelndes Gestaltungselement fungiert. /
A poster announcing a performance that took place as part of the simultaneous book launch of the publication “BEYOND. WHERE THE SUN SETS AND THE MOON RISES, THERE IS A TREE. I WILL MEET YOU THERE.” Both the book and poster engage their audience through a bilingual typographic system that sets Arabic and Latin script in dialogue, foregrounding cultural references and functioning as a mediating formal element.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE WIRmachenDRUCK GmbH
KATEGORIE / CATEGORY
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE Digitaldruck / Digital
FORMAT / SIZE
16 /100
GESTALTUNG / DESIGN
Sino Borando
Projektauftrag an der GBSSG Schule für Gestaltung / Project assignment at the GBSSG School of Design
Betreuung / Supervision: Valeria Bonin
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENT
GBSSG Schule für Gestaltung / GBSSG School of Design
TITEL / TITLE SCHNÄLL
Das Plakat entstand im dritten Ausbildungsjahr der Fachklasse Grafik St.Gallen im Rahmen eines Plakatmoduls unter der Leitung von Valeria Bonin. Ausgangspunkt ist das Gedicht „schnäll“ von Franz Hohler (2012), veröffentlicht auf lyrikline.org. Passend zu dessen Inhalt liegt der thematische Fokus der Arbeit auf dem Motiv der Schnelligkeit. Der vollständige Text des Gedichts ist integraler Bestandteil der Gestaltung des Plakates sowie der Animation. / The poster was created during the third year of the Graphic Design course at St.Gallen as part of a poster module led by Valeria Bonin. It is based on the poem “schnäll” by Franz Hohler (2012), published on lyrikline.org. In keeping with the poem’s content, the work focuses thematically on the motif of speed. The full text of the poem forms an integral part of the poster’s design as well as the animation.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE
Druckerei der GBSSG Schule für Gestaltung / Print shop of the GBSSG School of Design
KATEGORIE / CATEGORY
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE Digitaldruck / Digital
/ COUNTRY
FORMAT / SIZE
18 /100
GESTALTUNG / DESIGN
Isabelle Mauchle, Felix Pfäffli, Erich Brechbühl
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENT
Plakatsammlung der Schule für Gestaltung Basel / Poster collection of the Basel School of Design
TITEL / TITLE
Plakatszene Luzern / Lucerne Poster Scene
FORMAT / SIZE
Plakat für eine Ausstellung der Plakatsammlung der Schule für Gestaltung Basel. Der Fokus lag auf Arbeiten von Grafiker:innen aus dem Umfeld der Veranstaltungsorte Treibhaus, Südpol und Neubad, sowie dem seit 2009 jährlich in Luzern stattfindenden Weltformat-Festival. /
Poster for an exhibition of the poster collection at the Basel School of Design. The focus was on work by graphic designers associated with the venues Treibhaus, Südpol and Neubad, as well as the Weltformat Festival, which has been held annually in Lucerne since 2009.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE
Lézard Graphique
KATEGORIE / CATEGORY
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE Siebdruck / Silkscreen
/ COUNTRY
19/100
GESTALTUNG / DESIGN
Viktor Briestensky
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENTS
Mac DeMarco/Columbiahalle
TITEL / TITLE
Oooohhh
Anlässlich der Tournee im Anschluss an Mac DeMarcos mit Spannung erwartetes Album „Rock and Roll Night Club“ und sein ausverkauftes Konzert in Berlin entwarf ich ein Plakat. Dieses sollte die Aufregung verkörpern, die man empfindet, wenn der Lieblingskünstler in die Stadt kommt, und zugleich traditionelle Zuschauersegmente hinterfragen. Die Darstellung eines Mannes mittleren Alters, der eine transzendentale Erfahrung macht, als er erfährt, dass Mac DeMarco in die Stadt kommt, ist gleichermaßen absurd wie zutreffend. Musik hilft uns oft dabei, über den Tellerrand zu blicken und die Welt mit neuen Augen zu sehen. /
On the occasion of the tour following Mac DeMarco’s highly anticipated full-length record Guitar and sold out show in Berlin. I conceived of a poster to both embody the feeling of excitement when your favourite act is coming to town as well as questioning traditional demographics of viewership. This image of a middle aged man having a transcendental experience upon hearing that Mac DeMarco is coming to town is both absurd and yet completely relevant; music does in many cases help us transcend and see the world in new ways.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE print24
KATEGORIE / CATEGORY
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE Digitaldruck / Digital
LAND / COUNTRY
FORMAT / SIZE
23 /100
GESTALTUNG / DESIGN
Dongjun Choi
Projektauftrag an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel / Project assignment at the Basel Academy of Art and Design
Betreuung / Supervision: Jinsu Ahn
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENT
Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel / Basel Academy of Art and Design
TITEL / TITLE
Sorry Helvetica
Das Ausstellungsplakat betrachtet die Schriftart Helvetica nicht als feststehend oder symbolisch, sondern als etwas, das auseinandergenommen und neu zusammengesetzt werden kann. Durch das Zerreißen, Überlagern und Neuanordnen dieser Schriftart spiegelt das Werk eine kritische Haltung gegenüber Helvetica als kulturellem und grafischem Standard wider. Durch die Verschiebung und Verzerrung von Buchstabenformen werden auf dem Plakat Fragen zu Ort, Tradition und Identität visualisiert, mit denen sich der Künstler während seines Studiums in der Schweiz auseinandergesetzt hat. Gleichzeitig drückt er den Wunsch aus, die Grenzen des Grafikdesigns zu erweitern. /
This exhibition poster treats Helvetica not as a fixed or symbolic typeface but as something that can be broken apart and reassembled. By tearing, layering, and rearranging this typeface, the work reflects a critical attitude toward Helvetia as a cultural and graphic standard. Through shifting and distorting letterforms, the poster visualizes questions about place, tradition, and identity encountered during the artist’s time studying in Switzerland, while expressing a desire to expand the boundaries of graphic design.
drei aus einer Serie von 13 Plakaten / three from a series of 13 posters
Plakate für die Spielzeit 2025/26 des Theaters Oberhausen. / Posters for the 2025/26 season at Oberhausen Theatre.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE FLYERALARM
KATEGORIE / CATEGORY
FORMAT / SIZE
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE Digitaldruck / Digital
/ COUNTRY
40/100
GESTALTUNG / DESIGN
Carina Güttler
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENT Anna Gesa-Raija Lappe
TITEL / TITLE Start in 1 Minute / Starting in 1 minute
Gestaltung für einen Theaterabend von Anna Gesa-Raija Lappe auf der Tribüne der Trabrennbahn München-Daglfing. Im Rahmen des Projekts wurden außerdem Flyer und Sticker realisiert. /
Design for a theatre evening by Anna Gesa-Raija Lappe on the grandstand at the MunichDaglfing trotting track. Flyers and stickers were also produced as part of the project.
drei aus einer Serie von fünf Plakaten / three from a series of five posters
FORMAT / SIZE
Für eine kollektive Schwimmparade durch Wien entstand ein flexibles Plakatsystem. Badetuch-inspirierte Farbraster eröffnen endlose Kombinationen, die schwimmende Typografie lädt zum Eintauchen ein. / A flexible poster system was developed for a collective swimming parade through Vienna. Bath towel-inspired colour grids generate endless combinations, while the fluid typography invites you to take the plunge.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE WIRmachenDRUCK GmbH
KATEGORIE / CATEGORY
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE Digitaldruck / Digital
LAND / COUNTRY
59/100
GESTALTUNG / DESIGN
Neue Gestaltung: Anna Bühler, Nina Odzinieks, Pit Stenkhoff
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENT Staatstheater Mainz / Mainz State Theatre
TITEL / TITLE Bezahlt wird nicht / Can’t Pay? Won’t Pay!
Premieren-Plakat für die Farce des italienischen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Dario Fo am Staatstheater Mainz. / Opening night poster for the farce by the Italian writer and Nobel Prize winner in Literature, Dario Fo, at the Mainz State Theatre.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE
DRACH Print Media GmbH
KATEGORIE / CATEGORY
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE Offsetdruck / Offset
FORMAT / SIZE
76 /100
GESTALTUNG / DESIGN
Shiping Sheng
Projektauftrag an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel, Institute Digital Communication Environments (IDCE) / Project assignment at the Academy of Art and Design Basel, Institute for Digital Communication Environments (IDCE)
Betreuung / Supervision: Lena Weber, Ted Davis
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENT
Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel / Basel Academy of Art and Design
TITEL / TITLE
From Letter to Gesture
Serie von drei Plakaten / series of three posters
Diese Plakatserie untersucht das Schreiben eher als Geste denn als Sprache. Handgeschriebene Buchstaben wurden in einzelnen Strichen gezeichnet und zu einer variablen Schriftart weiterentwickelt. Durch Interpolationen zwischen Groß- und Kleinbuchstaben entstehen abstrakte Formen, die über die Lesbarkeit hinausgehen und sich der asemischen Schrift annähern. Die Typografie bewegt sich weg von der Lesbarkeit hin zur Wahrnehmung und wird so zu einer Schrift, die eher gesehen als gelesen wird. / This poster series explores writing as gesture rather than language. Handwritten letters were drawn in single strokes and developed into a variable font. Interpolations between uppercase and lowercase forms generate abstract shapes that move beyond legibility and approach asemic writing. Typography moves from readability to perception, becoming writing that is seen rather than read.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE
Druckerei der HGK Basel / HGK Basel print shop
KATEGORIE / CATEGORY
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE
Digitaldruck / Digital
COUNTRY
FORMAT / SIZE
89/100
GESTALTUNG / DESIGN
Anastasia Temirkhan
Motiondesign / motion design: Choi Gunhyuk
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENT
ESAD Escola Superior de Artes e Design / ESAD School of Arts and Design
TITEL / TITLE
ESAD Conference. Semantic Shapes
Man lud mich zu einem Workshop zum Thema Grafikdesign an der ESAD (Escola Superior de Artes e Design) in Porto ein; hier ist das Ankündigungsplakat für die Veranstaltung. Formen haben mich schon immer inspiriert und für dieses Plakat wollte ich, dass die Form mich repräsentiert. Statt ein komplexes Bild zu suchen, entschied ich mich, eines meiner Fotos auszuwählen und eine Form zu definieren, die meine Aufmerksamkeit erregte: einen Körper. Ich wollte buchstäblich zeigen, wie meine Gedanken um die bevorstehende Veranstaltung kreisten – mit dem Kopf in den Wolken. Während ich arbeitete, bemerkte ich, dass der Körper seine ursprüngliche Bedeutung verlor und sich in eine Berglandschaft mit Wolken verwandelte. /
I was invited for a workshop on graphic design at ESAD (Escola Superior de Artes e Design) in Porto. This is the poster announcement for the event. I have always been inspired by form, and for this poster I wanted the form to represent me. I decided not to look for a complex image, but to choose one of my photographs and define a shape that caught my attention — a body. I wanted to literally show how my mind was thinking about the upcoming event, with my head in the clouds. As I worked, I noticed that the body lost its original meaning and turned into a mountain landscape with clouds.
DRUCKEREI / PRINTING HOUSE
GATE 44 S.R.L.
KATEGORIE / CATEGORY
DRUCKTECHNIK / TECHNIQUE Siebdruck / Silkscreen
FORMAT / SIZE
100/100
GESTALTUNG / DESIGN
Daniel Wiesmann, Robert Radziejewski
KURZERLÄUTERUNG / BRIEF EXPLANATION
AUFTRAGGEBER / CLIENT
Mut zur Wut e. V.
TITEL / TITLE Mut zur Wut / Courage for Rage
Teilnahmeaufruf für den internationalen Plakatwettbewerb „Mut zur Wut“. / Call for entries for the international poster competition “Courage for Rage”.
Viktor Briestensky Heinrich-Heine-Platz 13 D-10179 Berlin viktorbriestensky@gmail.com +49 157 36705216 @whooooooooosh → 19/ 100
PLAKATDISKURSE. ZEHN POSITIONEN
Plakat-Expert:innen aus den drei Ländern mit ihren Anmerkungen zum Plakatdesign.
René Grohnert
EIN PLAKAT IST EIN PLAKAT-
UND ALLES ANDERE
Nach dieser Feststellung bleibt noch die Frage offen: Was ist wohl ein gutes Plakat? Da mögen die Meinungen auseinandergehen, aber es gibt durchaus einige Anhaltspunkte, die es zu beachten gilt. Ein Plakat hat einen Auftraggeber, dieser erwartet Wirkung im öffentlichen Raum. Dazu muss man zunächst die physiologischen Fähigkeiten des Menschen bedienen: Wie sieht der Mensch und was kann er sehen? (Formen, Farben, Kontraste etc.) Wie nimmt er wahr, wie assoziiert und erinnert er usw.? Grundkenntnisse in Werbepsychologie helfen hier weiter. Aber die „Pflicht“ reicht nicht aus, es bedarf noch einer „Kür“. Bild und Text gilt es nicht nur den menschlichen Fähigkeiten anzupassen, sondern auch dem Thema zuzuordnen, das Besondere zu finden, sich abzusetzen gegen die visuelle Konkurrenz, es gilt kreativ zu sein … Und wenn dann all die Ansprüche in die Fläche gedrückt werden, dann fragt man sich manchmal, worum es hier eigentlich geht. Tolle Ästhetik, prima Schrift, alle Möglichkeiten des Computers ausgelotet, aber: Wofür wirbt die Gestaltung? Wenn der Zweck nicht
IST ALLES ANDERE1
mehr ablesbar ist – oder noch nie war – dann kann es kein gutes Plakat sein. Worin besteht also die Kunst? Im Wesentlichen wohl darin, die Kür dazu zu nutzen, die Pflicht auf besondere Weise zu erfüllen. Das Motto dazu könnte vielleicht lauten: „Kunst im Plakat? Aber nur, wenn sie nicht stört!“ 2
Nur aus einer auftragsorientierten Gestal tung kann ein gutes Plakat entstehen, ansonsten ist es im besten Fall eine schön anzusehende, aber letztlich für die Wirkung nutzlose Fläche.
Zu oft aber – so mein Empfinden –werden solche Plakate ausgezeichnet, die von einer, auch nur möglichen Wirkung im öffentlichen Raum weit entfernt sind, ja diese nicht einmal anzustreben scheinen. Allenfalls könnte man sie als interessante, aber
1 In Anlehnung an ein Zitat von Ad Reinhardt aus seinem programmatischen Manifest Art-as-Art (1998): „Die einzige Sache, die sich über Kunst sagen lässt, ist, dass sie eine Sache ist. Kunst ist Kunst als Kunst, alles andere ist alles andere“.
2 Titel des Beitrags: René Grohnert: Kunst im Plakat? Aber nur, wenn sie nicht stört, in: Sergius Godera, Georg Lebzelter (Hg.): post no bills: Das Medium Plakat zwischen Kunst und Kommerz, Göttingen, Wien 2016
misslungene Experimente ansehen und nicht als Plakat, bestenfalls als „alles andere“. Diese Arbeiten auszuzeichnen, setzt aber einen falschen Anreiz, gibt eine falsche Orientierung. Dabei gibt es sie doch, die Beispiele von denen man einfach überwältigt ist, weil alle Aspekte dafürsprechen, dass sie den Job auf grandiose Weise erledigen können! Also liebe Juroren der
zukünftigen Wettbewerbe: Beachtet den Auftrag, bewertet den Gebrauch, die Wirkung und wie man diese Aufgaben in Szene gesetzt hat.
René Grohnert, 2005 – 2024 Leiter des Deutschen Plakat Museums im Museum Folkwang Essen, gilt als einer der maßgeblichen Experten für historische und zeitgenössische Plakatkunst. Er veröffentlichte zahlreiche Aufsätze über Grafikdesign und visuelle Kultur. rene.grohnert@gmail.com
Gibt es denn ein Leben außerhalb der Plakate?
Happy 25th Anniversary 100 Beste Plakate
Wer heute in die Zukunft blickt, braucht starke Nerven oder ein sehr dunkles Zimmer. Ich verfalle dann meist in eine biedermeierliche Melancholie, in der man die eigene Wut so kunstvoll drapiert, dass sie fast als museale Installation durchgehen könnte. Man fühlt sich wie jemand, der im Lehnstuhl aus dem Fenster starrt und bedauert, dass das Leben eigentlich woanders stattfindet – während man gleichzeitig froh ist, nicht im Regen zu stehen. Doch was geschieht, wenn man den schützenden Lehnstuhl verlässt und hinaus in den Stadtraum tritt? Man begegnet überall Gesichtern, die man zu kennen glaubt. Karl Kraus beschrieb dieses Phänomen bereits 1909 in der Fackel: Man grüßt einen Unbekannten wie einen alten Bekannten und stellt erst an der nächsten Straßenecke fest: Es war ein Plakat, das zurückgrüßte. „Gibt’s denn ein Leben außerhalb der Plakate?“ fragt sich Kraus überspitzt.
PETER KLINGER
Verfügung, die manches Mal in derart voluminöse Szenografien ausarteten, dass man sich fragte, ob wir Plakate zeigen oder eine neue Stadtgründung planen. Das hat im Haus zu jener Art von leidenschaftlichen Diskussionen geführt, die man sonst nur über die richtige Farbe im Wohnzimmer führt. Mir persönlich gab dieser gestalterische Übermut aber endlich die willkommene Gelegenheit, mit unserem Direktor Noever unser „jährliches Mitarbeitergespräch“ zu führen – eine charmante Umschreibung für jene Momente wo seine Funken so herrlich flogen, dass man kein elektrisches Licht mehr im Museum brauchte.
Wer die Antwort auf diese Frage sucht, findet sie seit über 20 Jahren im MAK – als Produkt der Zusammenarbeit mit dem Verein 100 Beste Plakate. War es Liebe auf den ersten Blick? Vielleicht, doch wie jede beständige Verbindung lebte auch unsere von ihren Spannungsmomenten.
Mit dem Einzug der Ausstellung in den Ludwig-Baumann-Trakt von 1908 fanden unsere 100 Besten Plakate ihr ideales Gegenüber. Für die ersten Ausstellungen stellte uns der Verein zur Präsentation der Plakate eigene – von Studierenden entworfene - Architekturen zur
Mit Beginn der Direktion von Christoph Thun-Hohenstein im Jahr 2011 fiel die Entscheidung, die Plakate dauerhaft im kleineren Kunstblättersaal zu präsentieren – und zwar ohne den Einsatz externer Ausstellungsarchitektur. Diese Reduktion forderte unsere eigene räumliche Gestaltungskraft heraus: Mit einer Ästhetik, die Anleihen bei Lattenrosten-Romantik und Bauzäunen nahm, gelang es uns, dem musealen Raum eine „neue Lebendigkeit“ zu verleihen. Das konzeptionelle Leitbild war dabei das „Wildplakatieren“ – eine Art kuratorische Guerilla-Taktik innerhalb des etablierten Ausstellungsrahmens. Seit 2022 werden die 100 Besten im neugestalteten MAK Plakat Forum gezeigt. Das Forum sieht sich als Plattform, die sich mit brennenden und aktuellen Themen pointiert und schnell auseinandersetzt.
In diesem Sinne: ad multos annos Johanna, Susanne, Fons und Hermann.
Peter Klinger ist stellvertretender Leiter der Bibliothek und der Kunstblättersammlung des MAK Museum für angewandte Kunst in Wien. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Plakat- und Grafikdesign des 19. bis 21. Jahrhunderts. Er kuratierte dazu zahlreiche Ausstellungen.
peter.klinger@MAK.at
Gestaltung des TafelAusstellungssystems (Tournee) / Exhibition panel system design (tour)
C2F, CH-Luzern
c2f.ch
Einrichtung und technische Umsetzung / Installation and technical implementation
Leistungskurs Holz c/o Adrian Knetsch + Johanna Ellerhold, D-Gransee
@leistungskurs_holz, studiyo-bln.de
Gestaltung des StangenAusstellungssystems (Ausstellung Essen) / Exhibition pole system design (exhibition Essen)
Interdisziplinäres Studienprojekt für / interdisciplinary study project for 100 Beste Plakate 11 an der / at ABK, D-Stuttgart
Verwendete Schriften / Typefaces used Bonbance, Caramel, Changeling Neo, Excessive, Grave Presse, Jakob, Longhand LP, Nouvelle Grotesquerie, Owners, Squatina
Papier innen / Inside paper lonaprint 100g/qm
Einbandmaterial / Binding material
Hansaboard 400 g/qm
Druck / Printing printmedia solutions, D–Mannheim
Buchbindung / Book binding Buchbinderei Spinner, D–Ottersweier
Abbildungsnachweis / Picture credits
Die Bilddaten der Preisträgerplakate werden gemäß Ausschreibungsbedingungen von den Einreicher:innen zur Verfügung gestellt, die Abbildungen im Jury-Kapitel von den Juror:innen. / The images of the award winners’ posters were provided by the submitters in accordance with the entry conditions, the images in the jury section, provided by the jurors.
Haftungsausschluss / Disclaimer
Alle Rechte sind vorbehalten. Das Werk einschließlich aller Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne die Zustimmung des Herausgebers unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Einspeicherung und die Verarbeitung in elektronischen Systemen. Die Herausgeber haften nicht für Schäden, es sei denn, dass ein Schaden durch Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit seitens der Herausgeber verursacht wurde. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet unter dnb.de abrufbar. / All rights reserved. The work, including all its parts, is protected by copyright. Any use outside the limits of copyright law without the consent of the publisher is prohibited and punishable
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Slanted Publishers ist ein unabhängiges Verlags- und Medienhaus, das 2014 von Lars Harmsen und Julia Kahl gegründet wurde. Sie veröffentlichen das preisgekrönte Printmagazin Slanted zweimal im Jahr, das globales Design und Kultur präsentiert. Seit 2004 zeigt der tägliche Blog internationales Design und stellt inspirierende VideoInterviews vor. Als Verlag widmet sich Slanted Publishers in seinen Publikationen einer breiten Palette von Themen, die von Typografie über Fotografie und Grafik-Design bis hin zur visuellen Kultur reichen. / Slanted Publishers, founded in 2014 by Lars Harmsen and Julia Kahl, produces the awardwinning biannual print magazine Slanted, showcasing global design and culture. Since 2004, their daily blog has featured international design and inspiring video interviews. As a publishing house, Slanted Publishers delves into a wide array of subjects within their publications, spanning typography, photography, graphic design, and visual culture.