k a t h a r i n a werk ökumenische gemeinschaft mit interreligiöser ausrichtung
k a t h a r i n a aktuel l
oktober 2009
Einfach reich sein unseres ökologischen Gleichgewichtes verhallen scheinbar im Leeren. Mit immer höheren Staatsverschuldungen stopfen wir Finanzlöcher, hoffen auf Konsum und Wirtschaftsaufschwung und halten so die Illusion vom grenzenlosen Wachstum.
Liebe Leserinnen und Leser Zwei Beilagen erhalten Sie mit diesem Heft: unser Programm 2010 und den Noah Brief der Firma Cavelti, die seit vielen Jahren unser «katharina aktuell» druckt. Ein gemeinsamer Versand spart Ressourcen und kann Sie gleichzeitig als LeserIn bereichern! Doch: was macht Sie und uns eigentlich reich?
Sibylle Ratsch, Mitglied der Gemeinschaftsleitung
Wie klingt unser Titel wohl in Ihren Ohren? Gibt es eine Betonung auf «reich», auf «einfach» oder nur auf dem «sein»? In unseren nachfolgenden Beiträgen gehen wir dem Klang dieser drei Worte nach. Welche Erfahrungen, Hoffnungen und Bedenken rufen sie in uns wach, welchen Rückhall bewirken sie in unserer Seele? Schätzen wir Menschen glücklich, die unbeschwert sagen: «ich bin reich»? Einfach so? Seit Armut und Arbeitslosigkeit auch in unseren Breiten dramatisch zunehmen, ist Reich sein anrüchig geworden. Managergehälter und Bonuszahlungen sind Zielscheibe öffentlicher Empörung. Der Masslosigkeit, heisst es, muss ein Ende gesetzt werden. Doch wie? Wachstum Im Radio hörte ich kürzlich einen Werbespot mit der hämmernd wiederholten Parole «mehr, mehr, mehr!» Mehr bekommen für weniger Geld – wer möchte das nicht? Mahnungen wie die des Club of Rome von 1972 hinsichtlich der Grenzen des Wachstums und hochaktuelle Berichte zum rasanten Verlust
Das Vermehren von Besitz scheint einem tiefen Antrieb im Menschen zu entsprechen. Jahrtausende alt ist die Geschichte von den Mächtigen, die auf Kosten von Fron und Ausbeutung ihre Burgen und Schlösser bauen. Arm- und Reichsein ist Grundthema vieler unserer Märchen. Wo und wie hat die Unterscheidung von Arm und Reich eigentlich begonnen? Und: gibt es gute und schlechte Reiche? Der Fiddler on the Roof findet viel Sympathie mit seinem Lied: «Wenn ich einmal reich wär …». Wer arm ist, darf den Traum vom Reichsein offenbar getrost besingen. Er bekommt Verständnis, Mitgefühl und die Solidarität all jener, die hoffen, dass irgendwann die ausgleichende Gerechtigkeit kommt. Wie viele träumen vom grossen Lotto-Gewinn und werfen sich ins Jagdgetümmel auf den neuesten Jack-Pot. Als GewinnerIn würden wir dann natürlich ganz viel Gutes für die Welt tun – bis auf die dringlichen Dinge und ein paar kleine Extra-Wünsche für uns selbst. Sicherheit Individueller Reichtum, das Verfügenkönnen über Besitz und Geld scheint eine zentrale Leitvorstellung des Menschen zu sein, egal ob arm oder reich. Besitz macht unser Leben sicher. Gleichzeitig wissen wir, wie schnell nicht nur ein Börsen-Crash alle geglaubten Sicherheiten über den Haufen wirft, sondern auch eine Naturkatastrophe, ein Unfall, eine lebensbedrohliche Erkrankung, das Zerbre-
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