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k a t h a r i n a werk ökumenische gemeinschaft mit interreligiöser ausrichtung

k a t h a r i n a aktuel l

Mai 2009

Grenzüberschreitung Wesen. Denn Religion gründet in der Sehn­ sucht und Erfahrung, uns selbst zu überstei­ gen. Wir überschreiten die Grenzen unserer unmittelbar wahrnehmbaren, messbaren Welt und treten ein in den Raum der Trans­ zendenz.

Liebe Leserinnen und Leser Sehnen wir uns nicht öfter weit über uns hinaus? Kein Leben ­ohne Grenzüberschreitung! Doch wohin? Wie? Wie weit? Es geht um das Wagnis des Lebens, seine Risiken und Nebenwirkungen. Kommen Sie mit?

Sibylle Ratsch, Gemeinschaftsleiterin

Jedes Land wünscht sich sichere Grenzen. Aber Grenzüberschreitung? Natürlich: Gäste sind willkommen, bevorzugt im Tourismus. Dieser Wirtschaftszweig möge bitte am Le­ ben bleiben – Fremde hin oder her. Und Gast­ arbeiter/innen? Lieber nicht noch mehr! Die Zeiten haben sich geändert, in der Finanz­ krise erst Recht. Steht es mit unseren persönlichen Grenzen ähnlich? Wer oder was darf da rein? Wie sicher fühle ich mich in meiner Haut, in meinem Zu­ hause, an meinem Arbeitsplatz, sofern ich ei­ nen habe? Was überhaupt macht die Grenze meiner Person aus? Ab wann und wodurch bin ich einzigartig? Kommunikation geht über Grenzen Das Thema «Grenzüberschreitung» weckt viele Fragen und Assoziationen. Es berührt die Herausforderungen unseres täglichen Le­ bens. Mehr noch: es führt uns in die Frage nach Gott, nach Seinem und nach unserem

Aber nicht nur die Begegnung mit dem ge­ heimnisvoll Göttlichen führt uns in Räume jenseits der Grenzen unseres Ich. Jede Begeg­ nung und Kommunikation ist Grenzüber­ schreitung. Mit jeder Äusserung treten wir aus unserem Innenraum heraus, meist ge­ wünscht und gewollt, oftmals auch zuinnerst gedrängt. Denn vom ersten Atemzug an sind wir verwiesen. Nur wenn die Eltern den Schrei des Säuglings in sich aufnehmen, verstehen und darauf reagieren, geht Leben weiter. Un­ ser Lebenswille und die Neugier auf das An­ dere und die Anderen machen uns zu perma­ nenten Grenzgänger/innen. Nur in der Grenz­ überschreitung erfahren wir uns selbst und die Welt und werden mit den Worten Martin Bubers «Ich am Du». Ohne Grenzüberschreitung kein Leben Im Christentum verstehen wir das Schöp­ fungsgeschehen als Entäusserung Gottes. Die Fülle der in ihm wohnenden Liebe drängt da­ zu, sich selbst zu überschreiten und Welt zu werden. Der Theologe, Naturwissenschaftler und Mystiker Pierre Teilhard de Chardin war tief bewegt und überwältigt von der Erkennt­ nis, dass diese göttliche Sehnsucht nach Selbstentäusserung und Begegnung die Triebfeder allen Werdens ist. Alle Evolution gründet in ihr und ist, genau betrachtet, eine fortlaufende Geschichte der Grenzüber­ schreitung.

Entscheidend ist die Urkraft der Liebe. Im Kraftfeld von Anziehung, Grenzüberschrei­

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