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Neues vom Plauderclub. Kurzgeschichten für Senioren

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KURZGESCHICHTEN FÜR

Grossdruck

SENIOREN

Neues vom Plauderclub

WILLKOMMEN ZURÜCK

IM PLAUDERCLUB

Wer an einem Donnerstagnachmittag durch den Flur des Seniorenwohnheims „Haus am Park“ schlendert, spürt ihn sofort: diesen besonderen Zauber, der untrüglich verrät, dass der Plauderclub wieder tagt. Noch bevor man Apartment Nr. 6 überhaupt erblickt, wird man schon vom fröhlichen Gelächter, einem vielversprechenden Kaffeeduft und gelegentlichem Stricknadel-Geklapper begrüßt.

Der Plauderclub – jene vergnügte Runde lebenslustiger Bewohnerinnen – hat auch im zweiten Band nichts von seiner Wärme, Lebendigkeit und seinem charmanten Chaos eingebüßt. Nach den vielen kleinen und großen Abenteuern des ersten Bandes freuen sich die Damen nun darauf, Sie wieder mitzunehmen zu neuen Geschichten, interessanten Begegnungen und kuriosen Ereignissen.

Willkommen zurück im Plauderclub

Wie immer trudeln Punkt 15 Uhr die Damen gut gelaunt bei Ilse Gottschalk in Apartment 6 ein, jede mit ihrer Handarbeit im Gepäck. Elke Federmann stickt geduldig an ihren feinen Mustern, Hilde Burmester strickt unermüdlich Socken, Marta Müller häkelt farbenfrohe Decken, und Hanni Ottesen flickt mit Hingabe die Hosen ihrer Enkel. Nur Ilse selbst ist selten mit Nadel und Faden beschäftigt – sie ist und bleibt die Gastgeberin mit Herz, stets darauf bedacht, dass Kaffee und Kuchen niemals ausgehen.

Und sobald die fünf Freundinnen zusammensitzen wird es spannend. Sehen Sie selbst, was der Plauderclub diesmal für Sie bereithält.

DER KÖNIG DES ROCK ’N’ ROLL

„Wer ist denn das?“, fragt sich Ilse Gottschalk, als sie über den Flur zu ihrem Apartment geht. Sie hat den Mann, der vor ihr läuft, mit seiner figurbetonten Lederhose, kurzen Fransenjacke und heraushängendem Hemd noch nie gesehen. Seine Cowboystiefel klackern bei jedem seiner Schritte auf dem Linoleumboden. Interessiert läuft sie mit etwas Abstand hinter der unbekannten Person her.

„An irgendjemanden erinnert er mich“, grübelt Ilse. „Die Frisur! Die ist auffällig. An den Seiten kurz und oben üppiger, dunkel und glänzend. Wenn da mal nicht eine ganze Tube Pomade am Werk war“, denkt sie.

Plötzlich fällt ihr etwas ein: Murray’s Pomade! Die hatte ihr Tanzlehrer damals im Haar. Er konnte Rock ’n’ Roll tanzen, ohne dass sich ein Haar dabei ver-

Der König des Rock ’n’ Roll

„Wie hieß er noch gleich?“, überlegt sie angestrengt. „Günni? Willi? Ja, Willi!“

Plötzlich ist sich Ilse sicher: Hier läuft Willi vor ihr her. Aufgeregt beschleunigt sie ihren Schritt. Sie versucht, Willi einzuholen. Er biegt am Ende des Flurs ab, Richtung Verwaltung. „Willi!“, ruft Ilse erst zaghaft, dann immer lauter: „Willi! Willi, warte mal!“

Tatsächlich bleibt Willi stehen. Ilse hat ihn fast eingeholt.

„Der Willi aus Wilhelmshaven!“, ruft sie und richtet schnell mit den Fingern ihr Haar. Willi dreht sich um.

Ilse kann es nicht glauben. Sie schaut in die dunklen, großen Gläser einer Sonnenbrille. Der Mann grinst Ilse an und nimmt langsam seine Sonnenbrille ab. Mit tiefer Stimme haucht er: „Love me tender, Ilse.“

Ilse kann sich nicht bewegen. Es ist wie Silvester 1962 auf dem Beatles-Konzert in Hamburg, im StarClub. Kaum betraten die Beatles die Bühne, kippte Ilse auch schon vor Aufregung um. Sanitäter mussten sie aus dem Zuschauerraum tragen. Sie ärgert sich noch heute über ihr schwaches Nervenkostüm

Der König des Rock ’n’ Roll schob. Was aus dem wohl geworden ist? Das hier kann er allerdings nicht sein. Er ist irgendwann nach Wolfsburg gezogen. Aber das ist ja kein Grund …

„Ilse?“, fragt der Mann. „Geht es dir nicht gut?“

Ilse wird langsam klar, dass der Mann, der sie nun mit freundlichen braunen Augen besorgt ansieht, weder Willi aus Wilhelmshaven noch Elvis Presley ist. Mit trockenem Mund stammelt sie: „Mensch Rolf! Wie siehst du denn aus?“

Rolf schaut an sich herunter. „Wie Elvis Presley … hoffe ich.“ Er blickt auf seine Armbanduhr. „Ich muss jetzt los. Wir haben heute die Generalprobe für unsere Hitparadenshow ‚Oldies but Goldies‘. Hast du schon Karten? Es wird toll werden. Erst kommt unser Bühnenprogramm und danach wird getanzt. Es wird alles ganz authentisch. Wie eine Zeitreise in die eigene Jugend. Es gibt sogar ein Büfett mit Klassikern von damals.“

Er beugt sich vertraulich zu Ilse. „Dann essen wir beide mal schön einen Mettigel zusammen.“ Er lacht.

Und nun löst sich etwas in Ilse und auch sie beginnt zu lachen. Immer lauter und immer heftiger.

Das findet Rolf übertrieben. So witzig ist das mit dem Mettigel nicht gewesen.

Ilse zieht ein Stofftaschentuch aus ihrem Ärmel und wischt sich die Lachtränen von den Wangen. „Ja, na

Der König des Rock ’n’ Roll von damals. Heute kippt sie nicht um, sondern bleibt wie eingefroren stehen.

Der König des Rock ’n’ Roll klar komme ich, Rolf. Vielleicht ziehe ich mir ein Petticoat-Kleid an und falle laut schreiend um, wenn du die Bühne betrittst. Dann ist die Zeitreise ganz authentisch.“

DER SPRECHENDE EINBRECHER

Ilse Gottschalk läuft aufgeregt durch ihre Wohnung.

„Dieser Schlüssel kann doch nicht einfach verschwunden sein!“ Am Kaffeetisch sitzen ihre Freundinnen, knabbern an trockenen Körnerkeksen und handarbeiten vor sich hin.

„Welcher Schlüssel?“, fragt Elke.

Ilse bückt sich vor den Staubsauger, zieht den Beutel heraus und murmelt: „Ob ich ihn versehentlich eingesaugt habe?“

„Ilse?“, hakt Elke nach. „Um welchen Schlüssel geht es denn überhaupt?“

Ilse hält inne. Plötzlich hellt sich ihr Gesicht auf.

„Jetzt weiß ich’s! Sie hat ihn mir ja gar nicht gegeben!“

„Jetzt dreht sie völlig durch“, sagt Marta trocken und häkelt ungerührt an ihrer Decke weiter.

Der sprechende Einbrecher

Ilse setzt sich zu den Frauen und erklärt: „Frau Katuschke aus Apartment 2 ist zu ihrem Sohn in die Eifel gefahren. Eine Woche bleibt sie dort. Ich soll währenddessen ihre Pflanzen gießen und Rudi füttern.“

„Ihren Mann?“, fragt Hanni irritiert.

Ilse lacht: „Nein, Rudi ist ihr Wellensittich. Ich war sicher, sie hätte mir ihren Haustürschlüssel dagelassen. Das hat sie aber nicht. Sie meinte nur, ich wüsste schon, wo er liege … ‚dort, wo er immer liegt‘.“

Marta beginnt zu husten. „Trocken. Wirklich sehr trocken, diese selbstgemachten Körnerkekse.“ Elke gießt ihr schnell ein Glas Wasser ein.

Ilse steht auf: „Ich gehe jetzt kurz zu Frau Katuschkes Apartment und erledige meine nachbarschaftlichen Aufgaben.“

„Ilse! Da kommen wir mit! Ich liebe es, andere Wohnungen zu inspizieren!“, ruft Marta und springt auf. Elke, Hanni und Hilde folgen im gleichen Moment. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg den Flur entlang zu Apartment 2.

„Wo ist denn nun der Schlüssel?“, fragt Ilse und schaut sich um. Neben der Eingangstür steht ein kleiner Hocker, darauf eine üppige Grünpflanze.

Hilde hebt sie sofort hoch: „Er liegt bestimmt hier drunter.“

Der sprechende Einbrecher

Elke bückt sich und schaut nach. „Nein, nichts.

Stell sie ruhig wieder hin.“

„Die können wir später gleich mitgießen“, stellt Hanni fest, denn beim Absetzen sind drei Blätter auf den Boden gesegelt.

Erst jetzt entdecken die Frauen den Zettel, der an der Tür klebt.

„Der Schlüssel liegt unter der Fußmatte“, liest Ilse laut vor. Die Frauen müssen lachen. „Sehr einbruchsicher!“

Ilse hebt die Matte an und fischt den Schlüssel hervor. Gerade als sie ihn ins Schloss stecken will, erklingt hinter der Tür: „Ding Dong! Ding Dong!“

Die Frauen sehen sich fragend an.

„Warum hast du geklingelt?“, fragt Marta verwundert. „Wir haben doch jetzt den Schlüssel.“

„Ich habe nicht geklingelt“, erwidert Ilse.

„Ding Dong! Gute Nacht!“, ruft eine Stimme aus der Wohnung.

„Jetzt wird es unheimlich“, murmelt Elke. „Wollen wir Verstärkung holen? Vielleicht den Hausmeister?“

„Kommt überhaupt nicht in Frage!“, schimpft Marta. „Wir sind fünf starke Frauen! Wer auch immer da drin ist …“, sie zeigt dramatisch auf die Tür, „… mit dem werden wir schon allein fertig.“

Der sprechende Einbrecher

Der Plauderclub ist zurück – lebendiger, neugieriger und unternehmungslustiger denn je. Jeden Donnerstagnachmittag treffen sich die fünf Freundinnen im Seniorenheim „Haus am Park“, um bei Kaffee und Kuchen die kleinen und großen Abenteuer ihres Alltags zu teilen. Und davon gibt es diesmal reichlich: Sie begegnen dem König des Rock ’n’ Roll höchstpersönlich, sorgen für heiteres Durcheinander im neuen Yogakurs und gehen sogar auf Einbrecherjagd in der Nachbarwohnung.

Charmant, witzig und mit viel Wärme erzählt – „Neues vom Plauderclub“ lädt ein zu weiteren Streifzügen durch das fröhliche, manchmal chaotische, aber stets herzerwärmende Leben jenseits der Siebzig.

Über die Reihe „Kurzgeschichten für Senioren“

• Die heiteren Geschichten erzählen von den alltäglichen und den besonderen Momenten im Leben.

• Die Geschichten sind kurz gehalten, leicht verständlich und mit viel Herz geschrieben.

• Sie erfreuen als kleiner Zeitvertreib und können als Erinnerungen an vergangene Tage noch lange nachklingen.

• Die angenehm große Schrift eignet sich besonders gut zum Lesen und Vorlesen.

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