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Wie sich die Vernunft im Humor zeigt

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Iso Kern

Wie sich die Vernunft im Humor zeigt Beispiele aus der Kunst und dem gewöhnlichen Leben


Iso Kern

Wie sich die Vernunft im Humor zeigt Beispiele aus der Kunst und dem gewöhnlichen Leben

Schwabe Verlag


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2022 Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Korrektorat: Anna Ertel, Göttingen Gestaltungskonzept: icona basel gmbH, Basel Cover: Kathrin Strohschnieder, Zunder & Stroh, Oldenburg Layout: icona basel gmbh, Basel Satz: 3w+p, Rimpar Druck: CPI books GmbH, Leck Printed in Germany ISBN Printausgabe 978-3-7965-4616-7 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-4617-4 DOI 10.24894/978-3-7965-4617-4 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabe.ch


Meinem Freund seit unserer Zeit im Gymnasium (1952–1956) Konrad Eugster und seiner Gattin Catherine gewidmet


Was kümmert mich das Alter, Was kümmert mich der Föhn. Das Leben mag es sein wie’s will, Das Leben ist so schön. (Cuno Amiet, 1868–1961, Kunstmaler; Gedicht geschrieben 1950, mit 82 Jahren)

The only absolute thing in a world like ours is humour (Albert Einstein)


Inhalt

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Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Vorwort

Teil I: Humor in der Form der Kunst 1. Kapitel. Komödie als Gesellschaftskritik: Aristophanes’ Die Wolken (Νεφέλαι, Nephélai ) aus dem Jahre 423 v. Chr. . . . . . . . .

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Abschnitt 1. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Abschnitt 2. Der griechische Originaltext, welcher der deutschen Übersetzung von Niklas Holzberg zugrunde liegt, und der griechische Originaltext, den ich beigezogen habe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Abschnitt 3. Gliederung und Kurzzusammenfassung (abstract) der Wolken

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Abschnitt 4. Woher hat die Komödie Die Wolken ihren Namen?

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Abschnitt 5. Zusammenfassung der Wolken (griechisch: Νεφέλαι, Nephélai) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Abschnitt 6. Fünf Bemerkungen zu den Wolken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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2. Kapitel. Humor in der Funktion der Darstellung des Tragischen und einer Charakterstudie: Molières (Jean-Baptiste Poquelins) Tragikomödie Le Misanthrope. L’atrabilaire amoureux (1666) . . . .

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Abschnitt 7. Textgrundlage

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Abschnitt 8. Vorbemerkung zu den Aufführungen von Molières Tragikomödie Misanthrope im Jahre 1666 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Abschnitt 9. Älteste Ausgabe der Tragikomödie Le Misanthrope. L’atrabilaire amoureux . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Abschnitt 10. Zusammenfassung der Tragikomödie Le Misanthrope. L’atrabilaire amoureux . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Inhalt

Abschnitt 11. Zwölf Bemerkungen zu Molières Tragikomödie Le Misanthrope . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. Kapitel. Komödie als Charakterisierung eines merkwürdigen (komischen) individuellen Menschentypus: Menander (342/341–291/290 v. Chr.), Dyskolos (Δύσκολος: Griesgram, Menschenfeind), aufgeführt in Athen im März 317 oder 316 v. Chr.

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Abschnitt 13. Besondere Charaktere von Menanders Komödien . . . . . . . . . . 102 Abschnitt 14. Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 Abschnitt 15. In der Komödie auftretende sprechende Personen (in der Reihenfolge ihres Auftretens) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Abschnitt 16. Schauplatz der Handlung der Komödie . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Abschnitt 17. Zusammenfassung der Komödie (insgesamt 969 Verse) . . . . 105 Abschnitt 18. Vier Bemerkungen zur Komödie Dyskolos . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Abschnitt 19. Anhang zur Komödie Dyskolos: Wilhelm Buschs menschenfeindliches Gedicht Der Einsame aus seiner letzten Gedichtsammlung Zu guter Letzt (1904) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121 Abschnitt 20. Bemerkung zu den beiden Komödien Wolken (Aristophanes) und Dyskolos (Menander) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 4. Kapitel. Die Kunstgattungen der Komödie und der Tragödie als Eigenart der griechisch-europäischen Kultur (Abschnitt 21) . . . . . . 123 5. Kapitel. Der «Schalk» Mephistopheles, der Goethes Tragödie Faust zu einer Tragikomödie macht und der die Funktion hat, das Wesen des ethisch Schlechten zu charakterisieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 Abschnitt 22. Fünf Vorbemerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 Abschnitt 23. Mephistopheles als die Figur in Goethes Faust, die diese Tragödie zur Tragikomödie macht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126 Abschnitt 24. Erlösung des Teufels durch seine erotische Liebe . . . . . . . . . . 129


Inhalt

6. Kapitel. Nikolaj Gogols Novelle Die Nase (1836) als komische Kritik an einem Menschentypus, aber auch an der damaligen Administration des russischen Zarenreiches und an der damaligen Ärzteschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132

Abschnitt 25. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 Abschnitt 26. Zusammenfassung der Novelle Die Nase . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 Abschnitt 27. Interpretation von Gogols Novelle Die Nase . . . . . . . . . . . . . . 141 7. Kapitel. Humor als verzweifeltes Mittel, um sich im Leben über Wasser zu halten. Der «Galgenhumor», Teil I: Geschichten und Gedichte von Wilhelm Busch (1832–1908) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144 Abschnitt 28. Gedicht im Voraus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144 Abschnitt 29. Biografie Wilhelm Buschs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144 Abschnitt 30. Die Hochzeitsreise von Georg I. C. Schmöck und der frommen Helene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 Abschnitt 31. Eine Geschichte von Tobias Knopp und Dorothea Lickefett . . 148 Abschnitt 32. Buschs Gedicht Der Einsame und einige Bemerkungen dazu

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8. Kapitel. Loriots Humor angesichts die Leerheit von Gesprächen

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Abschnitt 33. Loriot (Bernhard-Victor Christoph- Carl von Bülow, kurz Vicco Bülow, 1923–2011): Bayreuther Pausengespräch . . . . . . . . . . . . 153 Abschnitt 34. Drei Bemerkungen zu Loriots Bayreuther Pausengespräch . . 153 Teil II. Humor im gewöhnlichen Leben 1. Kapitel. Humor in der Funktion, sich im Leben über Wasser zu halten. Der «Galgenhumor» Teil II: Kari Dällenbach (1877–1931) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156 Abschnitt 35. Biografie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156 Abschnitt 36. Der Humor von Kari Dällenbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 Abschnitt 37. Lied des Berner Mundartdichters, Sängers und Gitarrenspielers Mani Matter (1936–1972) über das Schicksal von Kari Dällenbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157

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Inhalt

2. Kapitel. Humor in der Funktion der politischen Kritik . . . . . . . . . . 159 Abschnitt 38. Humorvolle Kritik unter dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland, welche die Funktion hatte, eine hässliche Situation besser zu ertragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159 Abschnitt 39. Humorvolle Kritik unter dem kommunistischen Regime in Polen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159 3. Kapitel: Humor in der Funktion der Kritik am übertriebenen Glauben an Autoritäten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160 Abschnitt 40. Humorvolle Kritik am übertriebenen Glauben an die Autorität der Ärzte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160 Abschnitt 41. Humorvolle Kritik am übertriebenen Glauben an die katholische Kirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160 Abschnitt 42. Humorvolle Kritik an der übertriebenen Autorität wissenschaftlicher Theorien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160 4. Kapitel. Humorvolle Witze in der Funktion, eine verehrte, einem selbst sympathische Person zu karikieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161 Abschnitt 43. Ruedi Minger, Bundesrat (Verteidigungsminister) der Schweiz (1881–1955) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161 Abschnitt 44. Friedrich August III., der letzte König von Sachsen . . . . . . . . 163 5. Kapitel. Humorvolle Anekdoten in der Funktion, eine respektierte Berufsgruppe zu karikieren. Die Berufsgruppe der Gelehrten und Philosophen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164 Abschnitt 45. Ein vergesslicher Gelehrter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164 Abschnitt 46. Vergessliche Professoren

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Abschnitt 47. Edmund Husserl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165 Abschnitt 48. Joseph Dopp (1901–1978), Professor für Klassische Logik, moderne und zeitgenössische Philosophie am Institut Supérieur de Philosophie an der Universität Löwen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166 6. Kapitel: Humor in der Funktion, drei verschiedene Professoren gleichen Familiennamens zu unterscheiden, die an derselben Univerität unterrichteten (Abschnitt 49). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167


Inhalt

7. Kapitel. Humorvolle Anekdoten, um die Berufsgruppe der schweizerischen Bundesbeamten zu karikieren (Abschnitt 50) . . . . 168 8. Kapitel. Humorvolle Anekdoten, um verschiedene Völker oder Volksgruppen zu karikieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169 Abschnitt 51. Deutsche, Franzosen und Engländer Abschnitt 52. Die Preussen und die Wiener

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169

Abschnitt 53. Die Deutschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169 Abschnitt 54. Die schnellen Zürcher und die langsamen Berner . . . . . . . . . . 170 9. Kapitel. Humor in der Funktion, sich Respekt zu verschaffen (Abschnitt 55) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171 10. Kapitel. Humor als Erheiterung des Zusammenlebens mit dem Ehepartner (Abschnitt 56) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172 11. Kapitel. Einen anderen der Familie zum Narren halten, sodass auch der Genarrte lacht (Abschnitt 57) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174 12. Kapitel. Humor bei Verballhornungen von geflügelten Worten und bei Wortspielen zur Belustigung der Gemüter . . . . . . . . . . . . . . . . 175 Abschnitt 58. Humor bei Verballhornungen von geflügelten Worten . . . . . . 175 Abschnitt 59. Humor, zum Teil kritischer Art, bei Wortspielen und Sprachübersetzungen (sechs Beispiele) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175 Abschnitt 60. Humor im Spiel mit der phonetischen Ähnlichkeit von Wörtern mit ganz unterschiedlichen Bedeutungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177 Abschnitt 61. Humoristische Wortdefinitionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177 13. Kapitel. Humor, um die Gebrechen des Alters erträglicher zu machen (Abschnitt 62) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178 14. Kapitel. Humorvolle Kinderlieder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 Abschnitt 63. Kinderlied als Kritik am immer Unzufriedenen . . . . . . . . . . . . 179 Abschnitt 64. Humorvolles Bubenlied, genannt Lumpeliedli (Lumpenliedchen), zur Belustigung der Singenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179

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Inhalt

15. Kapitel. Von Menschen mit Humor verstandene Situationen in ihrem Verhältnis zu Tieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Abschnitt 65. Die Hausrotschwänze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Abschnitt 66. Der Steinbock . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Abschnitt 67. Der Beo . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182 Abschnitt 68. Der Papagei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182 16. Kapitel. Humor über christlichen Missionseifer

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Abschnitt 69. Gerardo Molina Ortiz: Der junge Missionar und der Löwe . . 183 17. Kapitel. Sigmund Freud über Humor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184 Abschnitt 70. Einiges aus Sigmund Freunds kurzer Abhandlung Der Humor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184 Abschnitt 71. Vier Bemerkungen zu Sigmund Freuds kurzer Abhandlung Der Humor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 Sechzehn Charakterisierungen des Humors und seiner Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187 Anhang I. Das Leben von Jean-Baptiste Poquelin, genannt Molière, geboren am 15. Januar 1622, gestorben 51-jährig am 17. Februar 1673 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189 Anhang II. Die Überlieferungsgeschichte von Menanders Komödien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197 Zitierte Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199


Vorwort

An erster Stelle in diesem Vorwort möchte ich danken: meinem Freund Konrad Eugster und seiner Frau Catherine dafür, dass sie mich auf den Komödiendichter Menander aufmerksam gemacht haben, um den ich zuvor nicht wusste. Ebenso danke ich Herrn Arnd Kerkhecker, Professor für Altphilologie (Altgriechisch, Latein) an der Universität Bern, und zwar für die Gespräche, die ich mit ihm über die altgriechischen Komödien und Tragödien und ihre Aufführungspraxis führen durfte. Als ich das unterdessen erschienene Buch Was ist Vernunft?1 entwarf, hatte ich vor, einen dritten und letzten Teil über Humor zu schreiben. Denn ohne Zweifel haben nur vernünftige Wesen, Menschen, Humor (wenn auch nicht alle Menschen). Tiere haben keinen Humor, man spricht ja auch vom «tierischen Ernst». Humor äussert sich in der menschlich-logischen Sprache und z. B. auch in der Musik. Tiere haben keine menschlich logische Sprache und komponieren keine Musik. Doch sah ich bald ein, dass ein Teil über Humor jenes Buch nicht nur zu umfangreich hätte werden lassen, sondern auch zu unterschiedliche Fragen und Erörterungen umfasst hätte. Deshalb hatte ich mir vorgenommen, über Humor ein besonderes, kleines Buch zu schreiben. Ich schrieb im Vorwort jenes Buches über Vernunft: Ursprünglich plante ich noch einen dritten Teil mit dem Titel: ‹Was ist Humor? Humor als vernünftige Erhebung über den Ernst des Lebens›. Doch beim Schreiben sah ich, dass dies meine jetzige Untersuchung […] ins Uferlose bringen würde, und habe von ihm abgesehen. Wenn Gott will, werde ich versuchen, darüber ein eigenes Buch zu schreiben, ich hoffe eines, das zum Lachen Anlass geben wird.2

Das nun vorliegende kleine Buch über Humor muss also im Zusammenhang mit der Frage «Was ist Vernunft?» gelesen werden, also als Ergänzung zu jenem im Dezember 2021 erschienenen Buch. Ein Buch über Humor muss kurz sein, denn auf die Dauer wird Humor unerträglich, so erheiternd, wohltuend und wichtig er im menschlichen Leben auch sein kann. Humor ist in sehr verschiedenen Kulturbereichen zu finden, z. B. in der sprachlosen Musik von Mozart oder in den Ouvertüren von Giacomo Rossini. In 1 2

Was ist Vernunft?, Schwabe Verlag, Basel 2022. Was ist Vernunft?, Schwabe Verlag, Basel, S. 19.


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Vorwort

wortlosen Zeichnungen wie etwa im Buch Rien n’est simple des Franzosen Sempé oder in Zeitungskarikaturen, die zwar manchmal einige Wörter enthalten mögen, die aber in ihrer humoristischen Bedeutung nicht ohne die Zeichnung verständlich sind. Humorvolle Opern enthalten zwar humorvolle Sprache, der Humor wird aber durch die humorvolle Musik verstärkt, wie ein grosser Teil der Opern Mozarts oder die Opernkomödie Falstaff von Giuseppe Verdi. Doch in den folgenden Ausführungen über Humor kann selbstverständlich nur der Humor in der Rede oder in Liedern oder eventuell in Opern zur Sprache kommen. So habe ich mir überlegt, ob ich in einem Kapitel dieses Buches nicht auch Mozarts komische Oper Così fan tutte (So machen es alle [Frauen]) darstellen könnte, die am 26. Januar 1790 in Wien uraufgeführt wurde. Für diese komische Oper schrieb der italienische, zu Mozarts Wiener Zeit in Wien lebende katholische Priester Lorenzo Da Ponte (1749–1838) das Libretto, wie er auch die Libretti für Mozarts komische Oper Le nozze di Figaro (Die Hochzeit des Figaro; Uraufführung in Wien am 1. Mai 1786) und das heitere Drama Don Giovanni (Uraufführung in Prag am 29. Oktober 1789) geschrieben hatte. Così fan tutte ist die letzte Oper dieser Trias. Doch diese Libretti sind nur das Fundament für Mozarts Musik, ähnlich dem Fundament eines Hauses. Zwar kann ein Haus ohne Fundament nicht bestehen, aber was das Haus als ein Gebäude mit bewohnbaren Räumen ausmacht (ein Haus ist zum Wohnen da), ist nicht das Fundament. Da ich aber die heitere, den Hörer zum Lachen bringende Musik Mozarts mit Worten nicht wiedergeben kann, habe ich diesen Gedanken fallengelassen. Es kommt ja auch keinem in den Sinn, das Libretto Da Pontes für Mozarts Oper Così fan tutte ohne die Musik Mozarts aufzuführen. Beim Humor geht es immer um den Menschen. Es gibt keinen Humor über Tiere; es sei denn, es geht um von einem Menschen gezeichnete oder sonst wie als sinnlich wahrnehmbar gestaltete Tiere, die wie Menschen sprechen, also eigentlich Menschen in Tiergestalt sind. Auch zu Gott oder über Gott spricht man nicht mit Humor, es sei denn, man ist der Teufel. Nach einem berühmten, fast heiligen Buch, dessen Autor mir bislang keine Erlaubnis gab, ihn zu nennen, sagt der Teufel in der Gesellschaft der Erzengel Raphael, Gabriel und Michael im Himmel zu Gott: Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen, Und wenn mich auch der ganze Kreis verhöhnt; Mein Pathos brächte dich gewiss zum Lachen, Hättst du dir nicht das Lachen abgewöhnt. (Verse 275–278)

Und am Schluss des «Prologs im Himmel», nachdem die Erzengel abgezogen sind und der Himmel geschlossen worden ist, sagt er, allein gelassen, über Gott: Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern Und hüte mich mit ihm zu brechen.


Vorwort

Es ist gar hübsch von einem grossen Herrn, So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen. (Verse 350–353)

Was dieses kleine Buch über Humor auszeichnet, ist auch die enorm lange Zeitspanne, die es umgreift, nämlich von Aristophanes’ Wolken (aufgeführt 423 v. Chr.) bis zu unserer Gegenwart, also etwa 2400 Jahre. Humor gibt es, seitdem es Menschen gibt, also noch viel länger, nur wissen wir, soweit mir bekannt ist, erst seit 2400 Jahren davon, was in Beziehung zur Existenz des Menschen auf unserem Planeten eine enorm kurze Zeitspanne ist. Dieses Buch über Humor sollte man nicht in einem Zug lesen, sonst vergeht einem das Lachen. Denn Humor, in zu grossen Mengen und zu lang genossen, wird langweilig. Man braucht es auch nicht von vorn nach hinten zu lesen, sondern kann nach dem Inhaltsverzeichnis dasjenige der 23 Kapitel oder denjenigen der 65 Abschnitte auswählen, das oder der einen gerade interessiert. Zwar gibt es Zusammenhänge zwischen den Kapiteln und Abschnitten: Zum Beispiel handeln das zweite und dritte Kapitel beide über dasselbe Thema: das zweite über Molières Komödie Le Misanthrope (Der Menschenfeind), das dritte Kapitel über Menanders Komödie Dyskolos (Der Menschenfeind). Aber Molière nimmt nirgends Bezug auf Menanders Komödie, obschon er wahrscheinlich vermittelt über den altrömischen Komödiendichter und lateinisch schreibenden Plautus (vor 250 bis 184 v. Chr.) von ihr wusste. Der Zusammenhang des ersten Teils besteht darin, dass alle in ihm vorkommenden Texte Kunstformen des Humors sind, während der zweite Teil vom alltäglichen Humor handelt. Ich hoff’, dass dieses Buch zum Lachen bringt, Zum Lachen, über was ich schrieb. Auch lachen darf man über mich, Wenn lächerlich ich mich gemacht.

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Einleitung

Sprachlicher Humor ist eine Art Umgang mit anderen und mit sich selbst, dessen nur der mit Vernunft begabte Mensch fähig ist. Er enthält eine absichtliche Vieldeutigkeit oder Doppelbödigkeit oder absichtliche Übertreibungen, die nur der Mensch versteht. Bloss sinnliche Wesen, Tiere, sind des Humors nicht fähig. Selbst Menschenkinder bis zu einem gewissen Alter, ich vermute bis zu ungefähr vier Jahren, können Humor nicht verstehen. Denn ein humorvoller Satz meint manchmal das Gegenteil von dem, was er sagt. Dreijährige Kinder vermögen einen solchen Satz nicht in ihr Verstehen einzuordnen. Doch im Alter von vier Jahren verstehen sie unter anderem, dass sie etwas wissen, was andere nicht wissen können, oder werden der Lüge fähig. Dies wurde von empirischen Psychologen herausgefunden. Diese haben aber nicht untersucht, von welchem Alter an Kinder Humor verstehen.3 Dies dürfte auch schwieriger zu untersuchen sein. In den beiden letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts stellten Psychologen wie M. J. Chandler und M. Boyes, J. H. Flavell, H. M. Wellmann, H. Wimmer, J. Perner und A. Gropnik in der geistigen Entwicklung von Kindern im Alter von ungefähr vier Jahren eine radikale Umwandlung fest. Diese radikale Umwandlung wurde als das «Erscheinen einer neuen Dimension» in der Entwicklung des menschlichen Kindes charakterisiert und umfasst das Auftreten folgender sechs Leistungen: 1. Kinder ab diesem Alter verstehen, dass andere Personen aufgrund von falschen Informationen oder eines Mangels an Informationen eine falsche Meinung (false belief) über eine gewisse Situation haben können, über welche diese Kinder selbst informiert sind. Diese Kinder sind aber nicht fähig, sich zu erinnern, dass sie, bevor sie über diese Situation informiert wurden, selbst über diese Situation eine falsche Meinung hatten. 2. Diese Kinder sind fähig zu verstehen, dass andere Personen durch falsche (täuschende) Erscheinungen (false appearances) von Dingen irregeführt werden können, wenn diese Personen noch keine Gelegenheit hatten, ihre Täuschung korrigierende Erfahrungen zu machen, welche diese Kinder zuvor selbst gemacht haben. 3. Gleichzeitig mit dem Verstehen, dass die Meinungen über etwas bei ihnen und anderen Personen verschieden sein können, tritt bei den Kindern dieses kritischen Alters um vier Jahre die Fähigkeit auf, die Meinungen anderer zu manipulieren, d. h. sie absichtlich zu täuschen und so zu lügen. 4. Kinder in diesem Alter beginnen auch zu erkennen, dass andere Menschen gewisse Dinge nicht wissen können, weil ihnen die dazu notwendigen Informationen fehlen. Kindern vor diesem Alter ist die Frage, warum jemand etwas weiss oder nicht weiss, unverständlich. Doch mit etwa vier Jahren beginnen sie selbst zu fragen, warum und woher jemand etwas weiss. Sie unterscheiden auch zwischen zufälligem Erraten, warum etwas so ist, wie es ist, und wirklicher Erkenntnis. 5. Gleichzeitig beginnen diese Kinder zu verstehen, dass sie selbst und andere Menschen dieselben Dinge aus verschiedenen 3


Einleitung

Denn es gibt auch Erwachsene, die keinen Humor verstehen, und man kommt bei ihnen schlecht an, wenn man zu ihnen mit Humor spricht. Ich erinnere mich noch an die Freude, welche ich verspürte, als ich vor vielen Jahren meine Frau kennenlernte und merkte, dass sie Humor versteht. Für mich wäre es schwierig, mit einem Menschen zusammenzuleben, der keinen Sinn für Humor hat. Er scheint mir das Salz des Zusammenlebens zu sein. Wenn z. B. bei einem Streit der eine den anderen mit Humor zum Lachen bringt, ist der Streit schon auf dem Weg zur Versöhnung. Aber natürlich, man lebt nicht vom Salz allein. Was versteht man unter «Humor»? Wenn man etwas lustig findet und darüber lachen muss, würde ich dies nicht schon als Humor bezeichnen. Etwas lustig finden, das tun Kinder schon in einem früheren Alter, schon bevor sie drei sind. Ich erinnere mich, dass ich einmal im Sommer, einige Monate bevor ich drei Jahre alt war, es lustig fand, als ich in einem Kuhstall, der vor dem Hause meiner Grosstante stand, keine Kühe, sondern ein Pferd entdeckte. Ich sprang daraufhin um den Brunnen vor dem Kuhstall herum und lachte aus vollem Hals. Als meine Grosstante, die mich hörte, oben am offenen Fenster ihrer Wohnung erschien und mich fragte, warum ich so lache, schrie ich nur: «Im Kuhstall ist ein Ross, im Kuhstall ist ein Ross!» Im Gegensatz zu diesem Etwas-lustig-Finden gehört zum Humor ein Tun, sei es nun ein humorvolles Sprechen, Zeichnen, Singen oder Schauspielen. Allgemein kann von einem humorvollen Satz auch gesagt werden, dass er etwas mit etwas Unerwartetem verbindet, eine komische Kombination herstellt. Ein Beispiel: Ein Lehrer sagte in der Schule, dass die Natur ausgleichend sei und dass z. B. jemand, der schlecht oder gar nicht sehe, dafür besser höre oder jemand, der nicht sportlich begabt sei, dafür ein Talent zum Dichten habe. Und er fragte seine Schüler, ob sie auch ein Beispiel für einen solchen Ausgleich der Natur wüssten. Da streckte ein Schüler seine Hand in die Höhe und antwortete: «Meine Tante hat ein kurzes Bein, dafür ist das andere länger.» Eine solche Antwort hatte der Lehrer nicht erwartet. Wenn er Humor hatte, wird er darüber ge«Perspektiven» wahrnehmen und beurteilen. Sie beginnen z. B. zu verstehen, dass jemand, der mit verbundenen Augen einen Ball mit seinen Händen und Fingern nur ertastet, wissen kann, ob er weich oder hart ist, aber nicht wissen kann, welche Farbe er hat; oder ein Kind dieses Alters beginnt zu verstehen, dass ein ihm gegenübersitzendes Kind eine Schildkröte, die auf ein zwischen ihnen auf dem Tisch liegendes Blatt gezeichnet wurde, mit dem Kopf nach unten sieht, während es selbst dieses Tier mit dem Kopf nach oben sieht. 6. Kinder in diesem Alter beginnen auch zwischen Wirklichkeit und blossem Schein zu unterscheiden; sie beginnen z. B. zu verstehen, dass ein leichter und weicher Schwamm, der wie ein harter und schwerer Stein aussieht, von jemand anderem, der diesen Schwamm nur gesehen und nicht in den Händen gehabt hat, als Stein und nicht als Schwamm wahrgenommen (aufgefasst) wird (siehe Iso Kern und Eduard Marbach, «Understanding the Representational Mind. A Prerequisite for Intersubjectivity Proper», in: Journal of Conscious Studies, vol. 8, No. 5–7 [2001], S. 69–82).

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lacht haben. Aber nicht alle unerwarteten Kombinationen sind humorvoll; und wenn sie es sind, sind sie nicht immer humorvoll für alle. Allgemein gilt auch, dass Humor nicht böse ist. Ansonsten wird er zum Sarkasmus oder zum Zynismus. Im Chinesischen wird das Wort Humor mit youmo, 幽默, übersetzt, ist also ein Fremdwort. Haben denn die Chinesen kein eigenes Wort für Humor? Die heutigen Chinesen gebrauchen auch das Wort gao xiao, 搞笑, was genau übersetzt Witze machen bedeutet, also nur einen Aspekt des Humors abdeckt. Das deutsche Wort Humor, das englische Wort humour und das niederländische Wort humeur stammen aus dem Lateinischen, nämlich von umor oder humor. Haben denn die germanischen Völker kein eigenes Wort für Humor? Das lateinische umor oder humor bedeutet Flüssigkeit, besonders die Flüssigkeit des Gottes Bacchus (Dionysos), also Wein. Die Komödien wurden bei den Dionysien aufgeführt. Offenbar macht der Wein humorvoll, auf alle Fälle «erhebt er über den Ernst und die Schwere des alltäglichen Lebens». Das lateinische Wort umor oder humor stammt vom griechischen Wort χυμός oder χυλός, was ebenfalls Saft bedeutet, besonders aber den Saft der Traube bezeichnet, den Saft des Gottes Dionysos, den Wein. Alle mir bekannten Worte für Humor scheinen also aus dem Altgriechischen zu stammen. Aber es kann ja nicht sein, dass nur die alten Griechen Humor hatten. Zum Humor gehört auch die Ironie, ein Wort, das ebenfalls aus dem Altgriechischen stammt. Aber nicht jeder Humor ist Ironie. Der Romantiker Friedrich Schlegel (1772–1829) verstand die Selbstironie als eine geistige Überlegenheit, besonders des schöpferischen Menschen, der im Widrigen und Angenehmen des Lebens frei spielend die Herrschaft über das Materielle und die Gefühle zu gewinnen sucht. Ironie gegenüber anderen, in der Sokrates ein Meister war, kann darin bestehen, dass man jemanden mit dem Gegenteil dessen betitelt, was man von ihm hält, so wie z. B. Sokrates einen Sophisten, also Weisen oder Wissenden, als Weisen ansprach, obschon er ihn aufgrund seiner gründlichen Befragung über etwas für unwissend hielt. Wie mir ein Altphilologe (Gräzist) sagte, ist das griechische Wort Ironie (εἰρωνεία, eironia), das mit «Verstellung» übersetzt wird, etymologisch mit dem Wort εἰρήνη (eirene) verwandt, das Frieden bedeutet, sodass Ironie gegenüber anderen eine friedliche Kritik oder Ablehnung wäre. Doch Ironie kann auch zynisch werden und den anderen verletzen. Dann ist sie nicht friedlich und ethisch abzulehnen. Es gibt auch Selbstironie, eine Art der Distanznahme zu sich selbst (ein Sich-über-sich-selbst-Erheben), die es ermöglicht, sich in seiner wahren Kleinheit zu sehen, ja Bedeutungslosigkeit gegenüber allem, was an Wichtigem in der Menschenwelt und im Universum im Lauf der Zeit geschah und noch geschieht.


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Viele wissen, was Humor ist, aber wenn sie sagen sollen, was Humor ist, wissen sie es nicht. So geht es auch mir. Ich kann nicht sagen oder schreiben, was Humor ist. Dennoch war es für mich wichtig, die Frage zu stellen: «Was ist Humor?», denn erst durch diese Fragestellung weiss ich, dass ich nicht weiss, was Humor ist. Ich versuchte zuerst, Humor folgendermassen zu definieren: Humor ist eine vernünftige zeitweise Befreiung vom Ernst und der Widerwärtigkeit des Lebens, ohne diese zu vergessen. Doch dies ist keine ausreichende Definition des Humors, denn sie gilt auch vom Spiel, z. B. dem Musikspiel. Ich meine sogar sagen zu können, dass Humor eine Art von Spiel sei. Aber Humor hat nicht dieselben Funktionen wie das Spiel. Goethe schrieb am 31. Januar 1798 an Schiller: «Der Humor, selbst ohne poetisch zu sein, ist eine Art von Poesie und erhebt uns seiner Natur nach über den Gegenstand.»4 Das scheint mir zu stimmen, aber es scheint ungefähr dasselbe zu sagen wie dass der Humor eine Befreiung vom Ernst und der Widerwärtigkeit des Lebens sei. Goethe schrieb aber auch über die Grenzen des Humors: «Der Humor ist eins der Elemente des Genies, aber sobald er vorwaltet, nur ein Surrogat desselben: er begleitet die abnehmende Kunst, zerstört, vernichtet sie zuletzt.»5 Ich verstehe diesen Satz verallgemeinert so: «Der Humor ist eins der Elemente des Genies, aber sobald er vorwaltet, ist er nur ein Surrogat des Genies: er begleitet das abnehmende Handeln im Ernst des Lebens, zerstört, vernichtet es zuletzt.» Oder anders ausgedrückt: Wer im Leben nur spielt, verspielt es: wer im Leben nur scherzt, verscherzt es. Man kann sagen: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Das stimmt vielleicht, ist aber, um wirklich verstanden zu werden, mit Beispielen zu illustrieren; und dann sieht man, dass es nur für den Galgenhumor zutrifft. Aber das ist nicht der einzige Humor. Vielleicht kann man nur an Beispielen verstehen, was Humor ist, und wenn man seine verschiedenen Funktionen und Formen erörtert. Humor kommt im menschlichen Leben überall vor: im alltäglichen Leben, in der Politik, in der Charakterisierung eines Volkes im Vergleich mit anderen, in der Beschreibung gewisser Berufsgruppen, ausserordentlicher Personen usw. Ich beginne meine Darstellung mit einer Kunstform des Humors, mit einer antiken griechischen Komödie, und lasse ihr die Komödie (Tragikomödie) Le Misanthrope. L’atrabilaire amoureux (Der Menschenfeind. Der verliebte Melancholiker, 1666) des Franzosen Molière folgen. Soviel ich weiss, gibt es keine wirklich bedeutenden deutschen Komödien, auch keine englischen, wohl aber italienische. Ist die Komödie eine Spezialität der griechisch-lateinischen Welt? Ohne Zweifel Johann Wolfgang Goethe, Gedenkausgabe der Werke, Briefe und Gespräche. 18. August 1949, herausgegeben von Ernst Beutler, Band 20: Briefwechsel mit Friedrich Schiller, Artemis Verlag, 2. Auflage Zürich und Stuttgart 1964, S. 513. 5 Johann Wolfgang Goethe, Maximen und Reflexionen, § 63. 4

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haben auch die Deutschen Humor, aber nach meiner aufs Ganze gesehen belanglosen Erfahrung (ich lebte sieben Jahre in Heidelberg) haben sie davon weniger als die Franzosen oder Italiener. Doch gibt es sehr unterschiedliche Deutsche. Die Kölner haben im Durchschnitt mehr Humor als die Schwaben. Aus Köln stammt die Aussage: «Wer am Abend müde ist, ist selber schuld.»


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