Befund an einer Königsmumie des Neuen Reichs. Die Autorin untersucht ihn als aussagekräftiges Zeugnis für den nach-amarnazeitlichen theologisch-kultischen Wandel und lässt die schwer fassbaren Jenseitsvorstellungen dieser Periode erahnen. Zum einen rekonstruiert sie auf Grundlage der Artefakte ein materialbasiertes Bestattungsritual: Die rituellen Handlungen sollten die vierzehn zentralen Transformationsstufen erwirken, deren Ziel die posthume Gottwerdung des Königs war, und mit spielerischen Namensschreibungen wird die Person des Königs mit den Himmelsgestirnen Sonne und Mond in eine direkte Relation gestellt. Zum anderen ordnet die Autorin die Beigaben in den religionshistorischen Kontext ein und zeigt, dass nach der Reform der Amarnazeit ein Bemühen heranreift, die Unterwelt mit all ihren wichtigen Komponenten wiedereinzurichten und um neue Elemente zu erweitern.
FABIENNE HAAS DANTES studierte Ägyptologie an der Universität Basel sowie Klassische Archäologie und Mensch-Gesellschaft-Umwelt. Sie ist als Museumsguide im Antikenmuseum Basel und als Dozentin an der Universität Zürich und an der Volkshochschule tätig. Des Weiteren unterrichtet sie als dipl. Religionspädagogin für die Zürcher Landeskirche.
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TRANSFORMATION EINES KÖNIGS
Der Mumienschmuck des Tutanchamun ist der einzige geschlossene
FABIENNE HAAS DANTES
TRANSFORMATION EINES KÖNIGS
FABIENNE HAAS DANTES
TRANSFORMATION EINES KÖNIGS Eine Analyse der Ausstattung von Tutanchamuns Mumie
Fabienne Haas Dantes
Transformation eines Königs Eine Analyse der Ausstattung von Tutanchamuns Mumie
Schwabe Verlag
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2022 Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschließlich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Abbildung Umschlag: vorne: Zeichnung anhand des oberen Abschnittes des Mondpektorals (Carter Nr. 267 D) Fabienne Haas Dantes; hinten: Pektoral mit Ba-Vogel (Carter-Nr. 256 B2. Burton_0763 © Griffith Institute, University of Oxford) Lektorat: Veronika Sieger M.A.; Dr. Robert Bigler; Dr. Armin Bachofen Cover: icona basel gmbh, Basel Layout: mittelstadt 21, Vogtsburg-Burkheim Satz: mittelstadt 21, Vogtsburg-Burkheim Druck: Beltz Grafische Betriebe GmbH, Bad Langensalza Printed in Germany ISBN Printausgabe 978-3-7965-4585-6 ISBN eBook (PDF ) 978-3-7965-4589-4 DOI 10.24894/978-3-7965-4589-4 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabe.ch
Inhaltsverzeichnis
Danksagung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
7
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
8
Forschungslage, Ziel und methodisches Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
9
Transformation als Begriff des Überganges von der diesseitigen Welt ins Jenseits . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
15
.
xpr.w – die vielen Gestalten des Gottes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Verwendung des Begriffes xpr.w in der Amarnazeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Das Annehmen (jrj.t) von Gestalten (xpr.w) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
18 19 22
Erläuterung zu den Begriffen «Amulett», «Spruch» und «Symbol» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
24
. .
Amulett . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Spruch und Symbol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
24 26
Interpretationsmöglichkeiten bildlicher Darstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
29
Religionsgeschichtliche Betrachtung zur Amarna- und Nach-Amarnazeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
30
. Nacht und Mond in Amarna . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tutanchamun als Bewahrer und Erneuerer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
31 33
Howard Carter und Harry Burton – Skizze einer besonderen Zusammenarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
35
Teil : Das Bestattungsritual . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
37
Zeitpunkt und Umstände des Todes von Tutanchamun . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
40
Überlegungen zum praktischen Ablauf der Bestattung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
42
Diskussion um die funeräre Verwendung der zu Lebzeiten getragenen Objekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
44
Einteilung der Objekte anhand ihrer Lage auf der Mumie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
47
. Verteilung der Objekte auf den einzelnen Körperabschnitten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verteilung der Objekte in den einzelnen Schichten auf dem Körper . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Objektgattungen innerhalb der auf der Mumie positionierten Gegenstände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
48 52 55
Erläuterungen zur Farb- und Materialsymbolik im Zusammenhang mit dem Grabinventar . . . . . . . . . . . . . . . . .
57
Rekonstruktion des Bestattungsrituals aufgrund der auf der Mumie befindlichen Beigaben . . . . . . . . . . . . . . .
69
. Erwähnung der auf der Mumie positionierten Objekte in späteren Textquellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusammenfassung der Beobachtungen zur thematischen Abfolge der Objekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
126 130
Funktion der Sargkammer und der Zusammenhang zwischen Bildprogramm und Grabinventar . . . . . . . . . . . .
132
. Die Nachvollziehbarkeit des Ritualablaufs anhand des Bildprogrammes der Sargkammer . . . . . . . . . . . . . . . Objekte aus dem Grabinventar mit Bezug auf das Bildprogramm der Sargkammer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
134 142
Eine Gegenüberstellung der Funde aus den Königsgräbern von Tanis und den Funden aus KV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
154
Versuch einer Gegenüberstellung der Funde aus KV und KV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
160
Inhaltsverzeichnis
Teil : Weitere Betrachtungsweisen über das Objektkorpus auf der Mumie des Tutanchamun
161
Überlegungen zur Königstitulatur Tutanchamuns . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
162
. Namensänderung von Tutanchaton zu Tutanchamun oder Parallelführung der beiden Namen? . . . . . . . . . . . Überlegungen zur Bedeutung von twt und tj.t im Zusammenhang mit dem Eigennamen Tutanchaton / Tutanchamun . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Eigenname Tutanchaton /Tutanchamun . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Thronname Nebcheperure ................................................................. .. Spielerische Schreibungen des Thronnamens Nebcheperure . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Überlegungen zur Schreibung des Königsnamens in einer Doppelkartusche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
162 165 167 169 171 185
Der kosmische Zyklus von Sonne und Mond und dessen Abbildung auf Objekten des Grabinventars . . . . . . .
186
. Sonnen- und Mondbarken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Udjatauge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Überlegungen zu einer möglichen Allusion der Belegobjekte zum Amduat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
200 205 209
Bedeutung und Rolle des Osiris in der Nach-Amarnazeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
212
. Bild- und Text-Belege zu Osiris . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Darstellung der Begegnung zwischen Re und Osiris . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Textbeleg zur Begegnung zwischen Re und Osiris . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
219 226 230
Überlegungen zur Frage einer objektbasierten Ritualspruchsequenz bei Tutanchamun . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
232
. Die Totenliturgie: anhand der Objekte erschlossenes Spruchrepertoire . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Sammlung undefinierter Ritualsprüche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Totenbuchsprüche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
238 239 239
Teil : Weiterführende Überlegungen im Zusammenhang mit dem historischen und kultspezifischen Hintergrund der Nach-Amarnischen Epoche unter Tutanchamun . . . . . . . . . . . . . .
247
Die entwicklungsspezifischen Zusammenhänge zwischen der Sonnentheologie sowie der Bedeutung des Mond(gott)es unter Amenophis III., der Amarnazeit und der nach-amarnischen Epoche unter Tutanchamun
248
Die Göttlichkeit Tutanchamuns . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
257
Gottheiten in Verbindung mit der Rolle des Tutanchamun . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
260
. Der König als Osiris . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der König als Sonnengott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der König als Mondgott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Der König als undefinierte Mondgottheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Der König als Thot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Der König als Chons in Einzeldarstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Die Rolle des Königs innerhalb der thebanischen Triade . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Attribute des Königs, die ihn als Sohn des Amun auszeichnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der König als Chepri . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der König als Nefertem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
260 261 266 269 270 271 271 278 279 280
Das Buch von der Himmelskuh und sein Bezug zum Grabinventar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
281
Die Revision des Bildprogrammes in KV und dessen Übereinstimmungen mit dem Wandschmuck in WV
284
Synthese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
290
Bibliografie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abkürzungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Index . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
303 318 319
Danksagung Meine Dankbarkeit und Wertschätzung gilt in erster Linie apl. Prof. Dr. Dietrich Raue (Universität Leipzig), Direktor des DAI Kairo, und apl. Prof. Dr. Burkhard Backes (Universität Tübingen) für ihre engagierte und ermunternde Betreuung meiner Dissertation. Zudem bedanke ich mich bei Prof. Dr. Alexandra Verbovsek (HU Berlin) für ihren Einsatz und die Motivierung, mein Projekt zu verwirklichen. Die Basis meiner Recherchen wurde durch das Studium bei Prof. Dr. Erik Hornung an der Universität Basel gelegt, dem ich für die kompetente Vermittlung seines enormen Wissensschatzes mit großem Respekt danke. Ein bedeutungsträchtiger Satz in seinem Artikel zum Ausstellungskatalog «Das Goldene Jenseits» im Hinblick auf die häufig vorkommenden Mondsymbole im Grabinventar des Tutanchamun war entscheidend für die Themenfindung der vorliegenden Arbeit. Apl. Prof. Dr. Regine Schulz brachte mir ihren Enthusiasmus für das Thema entgegen und nahm sich Zeit für eine fachliche Besprechung. Zudem bedanke ich mich bei Dr. Francisco BoschPuche und weiteren Mitarbeitern des Griffith Institute, University of Oxford, die mir den Zugang, die Recherche und die Verwendung der Fotografien und Notizen aus dem Carter Archiv ermöglicht haben. Dr. Robert Bigler (für den Teil 1), Veronika Sieger M.A. (für die Teile 2 und 3) und Robert Barnea M.A. (für den Katalog) leisteten mir mit ihrem akkuraten Lektorat einen wertvollen, großen Dienst, und Dr. Armin Bachofen verdanke ich die sorgfältige Durchsicht meiner Analyse in geschätzter Freundschaft. Zu verdanken ist des Weiteren die wertvolle Unterstützung praktischer, motivierender, fachlicher oder finanzieller Art durch die folgenden Personen: Dr. Nicola Schmid-Dümmler, Dr. Robert Lüchinger, lic. phil. Renate Siegmann, Christoph Kovacs M.Sc., Dr. Nicholas Reeves, Prof. Dr. Ulrike Fauerbach, lic. phil. Curdin Casutt, Dr. Kathrin Gabler, Dr. Christian Tauber, Mitarbeitende des Seminars für Griechische und Lateinische Philologie der Universität Zürich,
Freundinnen und Freunde aus dem Vorstand und der Mitgliederschaft des Ägyptologie-Forums Zürich, sowie weitere geschätzte Kolleginnen und Kollegen, die mich durch diese intensive Schaffensperiode hindurch begleitet haben. Für die Zurverfügungstellung und Beschaffung von Bildmaterial aus dem Ägyptischen Museum Kairo bedanke ich mich bei Julia Bertsch M.A., bei den zuständigen Personen des Staatlichen Ägyptischen Museums Berlin sowie des British Museums und des Brooklyn Museums und bei Dr. Robert Bigler. Die optimierende Bildbearbeitung erfolgte durch Damir Dantes, dessen geduldige und kompetente Arbeitsweise von großem Wert war. Den am ägyptischen Seminar der Universität Leipzig tätigen Personen danke ich für den freundlichen Empfang und die interessanten, weiterführenden Gespräche im Rahmen des Doktorandenkolloquiums. Mit der Publikation meiner überarbeiteten Dissertation beim Schwabe Verlag führt der Weg dieses Projektes wieder zurück nach Basel. Mein herzlicher Dank gilt insbesondere Dr. Arlette Neumann für die freundliche Aufnahme und die grosse Unterstützung sowie Jelena Petrovic für die angenehme und äusserst kompetente Zusammenarbeit wie auch dem Setzer Andreas Färber für seine gekonnte und sorgfältige Gestaltungsarbeit. Wichtigen Zuspruch und unentwegten Glauben an das Gelingen meines wissenschaftlichen Vorhabens habe ich vor allem von meiner Familie erhalten. Zutiefst zu Dank verpflichtet bin ich meinem Ehemann Damir Dantes und meinen Eltern Simone und Jürg Haas für ihre bedingungslose Unterstützung und die Zuversicht gegenüber meiner Forschungstätigkeit. Meine Söhne, Danis und Sinuhe, haben mir in diesen Jahren großes Verständnis entgegengebracht. Allen voran aber hat mich mein Ehemann, Damir Dantes, durch diese intensive Zeit getragen und gestützt. Ihm widme ich diese Arbeit von Herzen.
Vorwort Die vorliegende, in zwei Bänden (Textteil und Katalog) angelegte Arbeit, stellt die überarbeitete und erweiterte Fassung meiner am 15. Juli 2020 von der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Universität Leipzig auf Antrag von apl. Prof. Dr. Dietrich Raue (Universität Leipzig) und apl. Prof. Dr. Burkhard Backes (Universität Tübingen) angenommenen Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde dar. Die Auffindung von König Tutanchamuns (1332– 1323 v. Chr.) Grab im Tal der Könige (KV 62) durch Howard Carter im Jahr 1922 war das Ergebnis seines unermüdlichen Forscherdrangs. Carter und sein wissenschaftliches Team leisteten gemessen an der Menge von Fundstücken und der relativ kurzen Zeitspanne, die der Dokumentierung zur Verfügung stand, erstaunlich genaue Arbeit. Carter fand neben der aufwändigen Bergung die Muße, jedes Objekt mit einem Auge für wichtige Details abzuzeichnen und durch Harry Burton fotografisch dokumentieren zu lassen. Die Aufgabe, die vor ihnen lag, war eigentlich zu umfangreich, um sie in einem Jahrzehnt zu bewältigen. Das Konsultieren der durch Carter erstellten und heute im Griffith Institute, University of Oxford, aufbewahrten Notizen und Zeichnungen lieferten mir eine wertvolle Grundlage, die Objekte in ihren Einzelheiten zu studieren. Mit meinem Beitrag möchte ich die ägyptologische Forschung hinsichtlich der Fundstücke aus KV 62 weiterführen und versuchen, der ihnen inhärenten Bedeutung auf die Spur zu kommen. So begegnet man beispielsweise gewissen Artefakten, die noch in der Symbolik der Amarnazeit verhaftet sind oder Amuletten, die einen Zusammenhang mit einem bestimmten Spruchgut aufweisen. Der Untersuchungsgegenstand umfasst bewusst nur eine bestimmte Gruppe von Objekten aus der Fülle von Grabbeigaben aus KV 62, nämlich die auf der Mumie positionierten Artefakte, um dadurch ein möglichst grundlegendes, konzentriertes und umfassendes Ergebnis zu erreichen. Die Analyse ist als Textteil mit einem separaten Katalog gestaltet. Der Textband ist in drei Teile gegliedert, wobei der erste Teil mit der Rekonstruktion des Bestattungsrituals mittels Auflegens von Objekten den Hauptfokus der Forschung bildet. Im zweiten Teil werden weiterführende Beobachtungen und mögliche Betrachtungsweisen über die den Objekten innewohnenden Themen dargelegt. Anschließend werden im dritten Teil die kultspezifischen und politischen Hintergründe zur Nach-Amarnazeit zu erfassen versucht. Die auf der Mumie des Tutanchamun
positionierten 1171 Objekte wurden nach thematischer Relevanz geordnet und erforscht. Die Mumie selbst stellt innerhalb der Grabausstattung den eigentlichen Kern des gesamten Inventares dar, und ihre Ausstattung mit rituell-magischen Objekten dient dem Verstorbenen als Instrumentarium für die Reise ins Jenseits. «Die Mumie bzw. die Mumienhülle war nicht allein dazu bestimmt, den Körper für ein ewiges statisches Dauern zu erhalten, sondern sie hat die Umwandlung bzw. die Auferstehung des Toten vorzubereiten, damit er aus ihr heraus die Wiedergeburt erlangen und nach dem vollendeten Lebenszyklus wieder in sie zurückkehren kann.»2
Die Studie ist so aufgebaut, dass die auf dem Körper des verstorbenen Pharaos Tutanchamun positionierten Schmuckstücke Schritt für Schritt betrachtet werden, um auf dieser Basis und in letzter Konsequenz den Ablauf des Bestattungsrituals zu rekonstruieren. Ausgehend von den Wandmalereien führten mich meine Untersuchungen so zum eigentlichen Kern der Bestattung, und dadurch konnten die symbolischen Aussagen der auf dem pharaonischen Körper positionierten Objekte besser erfasst werden. Der Entschlüsselung des Ritualgeschehens an der Mumie versuchte ich mich auf diese Weise anhand der Objekte als Gegenstand materialisierter Geistigkeit anzunähern. Die Artefakte weisen auf den Übergang vom Irdischen ins Jenseits und verheissen eine erfolgreiche Transformation des verstorbenen Königs in einen Gott. 1
CARTER 1938, S. 188 erwähnt in seinem Bericht 143 Ob-
jekte. Diese Anzahl weicht von der Zählung anhand der von CARTER vergebenen Objektnummern zu den Artefakten
2
auf der Mumie (Nr. 256 …) ab, da diese Zählung eine Anzahl von 111 Objekten ergibt (siehe http://www.griffith.ox.ac.uk/ gri/carter/250-299.html). Bei der Recherche hat sich herausgestellt, dass sich einzelne Objekte zu einem einzigen Objekt zusammenfassen lassen bzw. dass es sich um Fragmente handelt, die einem anderen Objekt zugeführt werden können. Zudem wurden teilweise Unternummern vergeben, wenn sich Objekte logisch zu einem Ganzen zusammenfügen ließen (z. B. Kobra und Geier als Teile des Diadems) oder zwei Objekte, die unter einer Nummer zusammengefasst worden sind, entsprechen in der vorliegenden Zählung zwei einzeln behandelten Objekten mit je einer Nummer (z. B. Zehenstulpen, Fingerstulpen und Sandalen). THEIS 2011, S. 65 verweist darauf, dass den Mumien in der Spätzeit 104 Amulette eingebunden wurden; diese Anzahl beziehe sich auf den Choiaktext als Zahl des Osiris. Eine ähnliche Konnotation kann meines Wissens im vorliegenden Fall mit der Anzahl von 117 Objekten nicht erbracht werden. STERNBERG 1982, Spalte 215.
1
Forschungslage, Ziel und methodisches Vorgehen bA=k r p.t XA.t=k r-Xrj sATw Dein Ba zum Himmel, dein Körper unter den Erdboden! (Tb 169, 15–16; CT 20, 6–7)1
Die altägyptischen Bestattungspraktiken lassen sich anhand von Texten wie dem zur Grablegung des Verstorbenen angewandten Balsamierungsritual 2, der Stundenwache3 oder dem zum Schutz beigegebenen Totenbuch4 theoretisch weitgehend rekonstruieren. Der praktische Vollzug des Rituals an der königlichen Mumie selbst kann aber lediglich in einem uns überlieferten Beispiel studiert werden, was wir dem glücklichen Umstand verdanken, dass die Mumie des Tutanchamun eine intakte, ungestörte Bestattungssituation darstellt, die uns überhaupt erst die vorliegende Untersuchung ermöglicht. Das Hauptaugenmerk dieser Abhandlung liegt bei den auf der Mumie des Tutanchamun platzierten Artefakten und deren Aussagekraft hinsichtlich des Ablaufs seines Bestattungsrituals. Es soll aufgezeigt werden, in welcher Weise die Objekte auf der Mumie das Thema seiner Transformation in eine Gottheit darstellen. Zudem soll die Frage geklärt werden, wie der Übergang von der Amarna- zur Nach-Amarnazeit mittels der in KV 62 vorliegenden bildhaften und textlichen Wiedergaben auf Objekten und als Wandmalerei greifbar gemacht werden kann. Auch soll diskutiert werden, ob die Objekte eigens für das Begräbnis hergestellt oder bereits zu Lebzeiten getragen worden sind.5 Außerdem behandelt diese Arbeit das Vorkommen und die Funktion der Figur des Osiris innerhalb des Grabinventars. Die Bedeutung des Totengottes in der Nach-Amarnazeit liefert eine mögliche Antwort auf den religiösen Kontext der vorangegangenen Amarnaepoche. Bereits CARTER hatte sich im Zusammenhang mit der Untersuchung des Mumienschmuckes an eine entsprechende Überlegung herangetastet.6 Dass die auf der Mumie positionierten Objekte im Zusammenhang mit 1
2 3 4 5 6
pParisLouvre N. 3092 [III 93]: Totenbuchprojekt Bonn, TM 13408. QUIRKE 2013, S. 419; ASSMANN 2002, S. 125; HORNUNG 1990, S. 344 (Transkribierung und Übersetzung). Die Nummerierung der genannten Totenbuchsprüche im Fließtext wird gemäß HORNUNG 1990 bzw. QUIRKE 2013 übernommen. THEIS 2011; TÖPFER 2015a. TÖPFER 2015a, S. 303–322. QUIRKE 2013. Siehe Kapitel 9. CARTER 1927 E, S. 104 f. = CARTER 1927, S. 156.
rituellen Praktiken und vorwiegend mit Themen und Bildern aus dem Totenbuch im Zusammenhang stehen, folgerte CARTER aus seinen gut dokumentierten Beobachtungen: «The mummy itself was carefully orientated east and west and […] the insignia were so placed on it as to agree in position with the Two Kingdoms, Upper and Lower Egypt. The amulets and ornaments of religious import were conscientiously disposed within its wrappings, in accordance with the ritual of the Book of the Dead.7 […] Egyptian ritual was full of symbolism. The anointing by the gods of the body of Osiris would give the ceremony all the weight of religious tradition.»8
Ebendieses Zusammenspiel von Darstellung, Aussage, Position und Funktion der auf der Mumie in mehreren Schichtlagen aufgelegten Artefakte ist Gegenstand dieser Abhandlung. Infolgedessen besteht der Anspruch, anhand der Mumienausstattung eine Vorstellung davon nachzuzeichnen, mittels welcher Methoden und Motive ein königliches, nach-amarnisches Ritual an der Mumie erfolgte. Zudem wird dargelegt, inwieweit die grabinternen Motive sich auch außerhalb des Grabes für die Regierungszeit des Tutanchamun nachweisen lassen. Ein weiteres Ziel ist zudem die Aufarbeitung einiger in der Forschung bisher unberücksichtigt gebliebenen Aspekte über das Grabinventar des Tutanchamun. Zwar gibt es zahlreiche Monografien und Artikel über einzelne Objekte bzw. Objektgattungen aus dem Grabinventar von KV 62, aber es wurde bis jetzt kein Versuch unternommen, das Korpus der 117 Objekte auf der Mumie des Tutanchamun auf dessen Thematik und Aussage hin als geschlossene Einheit zu analysieren und daraus Rückschlüsse auf das Bestattungsritual zu ziehen. 1938 bedauerte bereits STEINDORFF 9 – erst sechzehn Jahre nach der Entdeckung des Grabes – die unzureichende wissenschaftliche Bearbeitung der Funde und forderte das Erstellen eines ausführlichen Kataloges. Mit der hier erbrachten Analyse soll – zumindest, was das Korpus an auf der Mumie positionierten Gegenständen angeht – diese Lücke nun geschlossen werden. 7
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Diese Formulierung eines «Rituals gemäß dem Totenbuch» führt zu Missverständnissen, da nichts über ein einheitliches und in sich geschlossenes Totenbuch-Ritual bekannt ist. Carter meinte damit wohl die rituelle Anbringung der Amulette auf der Mumie im Zusammenhang mit den aus den Totenbuchsprüchen bekannten Rezitationen. CARTER 1927 E, S. 100 = CARTER 1927, S. 152. STEINDORFF 1938, S. 641.
Kapitel
Die Untersuchungen CARTER s und seines Forscherteams erfolgten sehr sorgfältig und detailliert.10 Im Zusammenhang mit der Bergung der Mumie konnte jedoch damals aufgrund der Fülle von Objekten (über 5000 Stücke11) und des zeitlich begrenzten Rahmens der Ausgrabungsperiode nur eine mehr oder weniger oberflächliche Bestandsaufnahme geleistet werden. Einige ausgewählte Fundstücke sind zwar ausführlich studiert und beschrieben worden, lassen aber eine Untersuchung im Sinne einer Gesamtbetrachtung weitgehend offen. QUACK fordert in seiner aktuellsten Publikation über ägyptische Amulette die Notwendigkeit einer eingehenderen Studie dieser Objektgattung in KV 62: «Ein Paradebeispiel für die Umsetzung von Amulettkonzepten ist aber sicher die Grabausstattung des Tutanchamun, die den Vorteil hat, gleichzeitig sehr üppig und in den Details der Positionierung sehr gut dokumentiert zu sein. Nur mit einer wirklich angemessenen vollständigen und detaillierten Publikation hapert es noch. Zumindest sind Carters Vorberichte ausführlich genug, um einige relevante Objekte herauszugreifen».12
Zumindest haben BEINLICH 13 und ŽABKAR 14 grundlegende Einzelstudien zu den allfälligen Zusammenhängen des Mumienschmuckes mit dem Totenbuch erstellt; einem Thema, das auch in dieser Studie eine signifikante Rolle spielen wird.15 In den vergangenen Jahrzehnten haben sich vor allem DESROCHES -NOBLECOURT 16, HORNUNG / STAEHELIN 17 und WILKINSON 18 mit dem Korpus aus Tutanchamuns Grab befasst. SCHULZ 19 und SEIDEL 20 behandeln in ihren Aufsätzen die Gattung der Fingerringe unter Einbezug inhaltlicher Aspekte und theologischer Aus10
CARTER / MACE 1923.
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Es werden üblicherweise 5398 Objekte als Gesamtanzahl des Inventares aus KV 62 angegeben, jedoch ist diese Zahl sehr zu relativieren. Es handelt sich nicht um tatsächlich 5398 vollständige Gegenstände, sondern alle Fragmente und Einzelteile eines eventuell aus ihnen zu ergänzenden Objekts sind einzeln nummeriert worden (Carter Nr. 1-620 mit Unternummern). Die Anzahl vermindert sich demnach entsprechend bei der Bearbeitung der Stücke. Ein solches Beispiel ist das Diadem (1.3-256 4O) auf der Mumie, dessen Kopfband zwar um den Schädel platziert war, dessen Applikationen jedoch auf dem übrigen Körper vorgefunden wurden (Geier 256 S auf dem rechten und Kobra 256 R auf dem linken Oberschenkel). QUACK 2020, S. 285. BEINLICH 1988. ŽABKAR 1985. Siehe Kapitel 19. DESROCHES -NOBLECOURT 1963. HORNUNG / STAEHELIN 2004, S. 75–82. WILKINSON a 1984a, S. 228–340 und WILKINSON a 1984b, S. 335–345. SCHULZ 2002. SCHULZ / SEIDEL 2005.
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sagen, die mit den Schmuckstücken verbunden sind. Die aktuellsten Forschungsbeiträge im Rahmen von Einzelstudien zu Objekten aus KV 62 stammen vor allem von BROSCHAT / ECKMANN 21, LAKOMY 22, FORBES 23, REEVES 24, EATON -KRAUSS 25 und GABOLDE 26. Doch hierbei liegt der Fokus mehr auf dem Gesamtinventar bzw. auf einzelnen Gegenständen oder Objektgattungen, als dass spezifisch und detailliert die auf der Mumie positionierten Artefakte untersucht und erläutert werden. Zudem befindet sich die Forschung noch immer in den Anfängen, was das Studium der Zusammenhänge zwischen dem zweidimensionalen Bildprogramm der Sargkammer und den dreidimensionalen Objekten im Grabinventar angeht.27 Als Grundlage dieser Untersuchung dienen vor allem die während der Bearbeitung der Fundstücke aus KV 62 erstellten Zeichnungen CARTER s und die fotografischen Aufnahmen BURTON s, welche die Objekte auf der Mumie in ihrer Abfolge in den einzelnen Bindenschichten wiedergeben.28 Zudem erweisen sich die in den Tutankhamun Tomb Series29 veröffentlichten Objekte als wertvolles Studienmaterial, und der Bericht über die Entdeckung und Untersuchung des Grabinventars durch CARTER bildet eine gute Basis für die vorgenommenen Recherchen in diesem Bereich. Dabei wurde insbesondere der zweite Band herangezogen (CARTER 1927). Der Entdecker des Grabes beschreibt darin die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Untersuchung der Mumie aufgrund der salbengetränkten Binden.30 Diese zerfielen nämlich teilweise bei der leisesten Berührung. Zu den Objekten auf der Mumie selbst schreibt er: «The outer wrappings were embellished with heavy gold trappings which had somewhat suffered from the action of the unguents. Enclosed within the wrappings were 143 objects […] It is also of interest to note that there was neither a true heart-scarab upon the body, nor as yet have we found any trace of documents in the way of papyri, either of religious or literary kind.»31 21 22 23 24 25 26 27 28 29
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BROSCHAT / ECKMANN 2018 (Objekte aus Eisen). LAKOMY 2017 (Totenfiguren). FORBES 2017. REEVES 2016 (zur Goldmaske 256 A) und REEVES 2015. EATON -KRAUSS 2016. GABOLDE 2015.
Siehe Kapitel 13. http://www.griffith.ox.ac.uk/gri/4tutmdra.html. Tutankhamun Tomb Series, Griffith Institute, University of Oxford, v. a. Band 1: Helen MURRAY and Mary NUTTHALL , A Handlist to Howard Carters Catalogue of Objects in Tutankhamuns Tomb, Oxford 1963 mit der Auflistung aller Objekte; weitere Bände durch verschiedene Autoren zu einzelnen Objektgattungen und -gruppen, siehe jeweils Literaturliste. CARTER 1927 E, S. 21 f. = CARTER 1938, S. 19. CARTER 1927 E, S. 22 f. = CARTER 1938, S. 20 f.
Forschungslage, Ziel und methodisches Vorgehen
Die Dringlichkeit und die Wichtigkeit einer altägyptischen Bestattung kommt in einer Passage aus der Geschichte des Sinuhe zum Ausdruck. Es handelt sich um die Schilderung eines Begräbnisses, wie es in einem Bittschreiben des Sesostris I. an Sinuhe erwähnt wird.32 «Du hast des Tages gedacht, wo man begraben und zur Ehrwürdigkeit geleitet wird. Ein Abend wird dir gewidmet mit Zedernöl und mit Binden von der Hand der Tait. Man macht dir den Leichenzug am Tage der Beerdigung, die Mumienhülle ist aus Gold und ihr Kopf ist aus Lapislazuli; und der Himmel (Schrein) ist über dir, und du bist auf einen Schlitten gelegt, von Ochsen gezogen und Sängerinnen sind vor dir. Der Tanz der Müden wird am Eingang zu deinem Tor aufgeführt, sowie Opferhandlungen für dich gesprochen (rezitiert) werden.»33
Die folgenden Anmerkungen CARTER s bezeugen dessen Staunen über die Fülle an Objekten auf der Mumie des Tutanchamun und liefern gewisse Erkenntnisse zur Ritualforschung. Immerhin bieten sie die Grundlage für die These, dass die Objekte auf der Mumie das normalerweise auf Papyrus aufgeschriebene Totenbuch ersetzen könnten: «The numerous objects found upon the mummy were enclosed in alternate layers of the voluminous wrappings, and literally covered the king from head to foot; […] This profusion of amulets and sacred symbols placed on the neck of the King are of extreme significance, suggesting as they do how greatly the dangers of the Underworld were feared for the dead. […] The actual meaning of many of them is not clear, nor do we know the exact nomenclature, nor the powers ascribed to them. However, we do know that they were placed for the help and guidance of the dead, and made as beautiful and costly as possible.»34
Der Befund der auf der Mumie positionierten Artefakte stellt aufgrund ihrer Unberührtheit eine eindeutige Quellenlage dar. Innerhalb dieser Untersuchung ist der bemerkenswerte Umstand, dass ein großer Teil der Gegenstände nicht direkt für Tutanchamun bestimmt bzw. hergestellt wurde, nur von sekundärer Bedeutung. Das Ziel besteht in der Rekonstruktion eines Königsbegräbnisses während der Nach-Amarnazeit. Dafür ist primär relevant, welche Artefakte verwendet wurden, 32
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Auf diese Passage haben THEIS 2011, S. 3 und CARTER 1927, S. 144 im Zusammenhang mit der Beschreibung einer ägyptischen Bestattung schon hingewiesen. Geschichte des Sinuhe, Handschrift B, Zeilen 191–195; ERMAN 1923, S. 50. CARTER 1927 E, S. 109 und S. 118 = CARTER 1927, S. 159 f. und S. 169.
um die kultische Thematik zu repräsentieren. Auch wenn Objekte aus einem fremden Inventar integriert wurden – vornehmlich von Anchcheperure – gilt es, das Gesamtkorpus eines Inventars generell losgelöst von einem allfälligen Besitzerwechsel zu betrachten. Die Verwendung von Gegenständen anderer, früherer Eigentümer zeugt in diesem Fall möglicherweise von der Notwendigkeit, sich dieser Artefakte bedienen zu müssen, um das Konvolut an Beigaben für Tutanchamun zu einem konformen Grabinventar zu vervollständigen. Demnach ist die Art der Objekte und die Thematik, die sie vermitteln, relevant, nicht aber ihre ursprüngliche Herkunft.35 Das Grab des Tutanchamun wurde mindestens einmal marginal beraubt.36 Die Mumie hingegen vermochten die Grabräuber nicht zu stören, denn sie konnten sich aufgrund der räumlichen Enge nur bis zum äußersten Schrein (207) Zugang verschaffen.37 Sogar CARTER drang nur unter großer Anstrengung an den Inhalt des versiegelten Mumiensarges vor. Eine gewisse Beschädigung der Mumie erfolgte bei deren Bergung und Untersuchung durch CARTER und sein Team am 11. November 1925. Zu bedenken ist im Weiteren, dass auch die hinter der Sargkammer gelegene Schatzkammer nach der Grablegung nicht mehr als zugänglich zu betrachten ist. Nachdem die Schreine um den Sarkophag aufgestellt waren, blieb der Zugang zu diesem Raum versperrt. Der Bericht über die Bergung der Schreine durch CARTER illustriert eine unpassierbare Enge zwischen den Sargkammerwänden und dem äußersten Schrein. Somit ist die Schatzkammer ebenfalls als ungestörter Befund in situ zu betrachten. Die Anordnung der Objekte in diesem Raum stellt daher einen Präzedenzfall für die Platzierung und Beschaffenheit der Beigaben eines Königs der späten 18. Dynastie 35
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Die Herkunft der Objekte bzw. der Hinweis auf deren ursprüngliche Besitzer bilden ein durchaus wichtiges Forschungsfeld. Es trägt aber zum Gegenstand dieser Arbeit nur sekundär bei. Mit diesem Thema haben sich z. B. GRIMM / SCHOSKE 2001, S. 115–117 und EATON -KRAUSS 2016 eingehender befasst, v. a. S. 106–118. Zudem REEVES in verschiedenen Artikeln, insbesondere: REEVES 2015. Er schätzt die Anzahl der ursprünglich für Anchcheperure hergestellten Objekte auf mindestens 80% (REEVES 2015, S. 4). Allerdings stellt dies nur eine Annahme dar, die bisher nicht eindeutig belegt werden konnte. Zu den gängigen Theorien einer erfolgten Grabräuberei siehe BICKEL 2020, S. 291–293. Am wahrscheinlichsten scheint ihr der v. a. durch Marc GABOLDE (GABOLDE 2015, S. 11–40) vertretene Hergang eines kurz nach dem Begräbnis erfolgten Diebstahls. Die durch die Diebe verursachten drei Zugänge wurden daraufhin zugemauert. Allem Anschein nach erstellte auch CARTER einen solchen kleinen Durchgang zur Sargkammer und verschloss diesen danach in antiker Manier. Dies konnte anhand des Zustandes der an den Schreinen angebrachten Siegel festgestellt werden: REEVES 1990b, S. 63.
Kapitel
dar. Allerdings liegt keine vergleichbare Situation betreffend Beschaffenheit und Anordnung der Grabbeigaben vor, und außerdem entspricht KV 62 bezüglich seiner Architektur und dem Bildprogramm keinem der übrigen Königsgräber, sodass diese Grabanlage weiterhin als Spezialfall anzusehen ist. Es besteht des Weiteren ein zentraler Unterschied zwischen dem Grabinventar des Tutanchamun und den übrigen Königsgräbern der 18. Dynastie. Während bei ersterem archäologisch belegbar fast ausschließlich Objekte, jedoch keine als typisch königlich aufzufassende Wandmalereien vorliegen, fehlt den übrigen Gräbern im Tal der Könige das ursprüngliche «bewegliche» Inventar, aber ihre Wandmalerei ist bildlich wie textlich reich ausgestaltet.38 Aus diesem Grund wird anhand der Objekte auf der Mumie – sowie deren thematischen Pendants im übrigen Grabinventar – erforscht, ob diese die Malerei ersetzen, also ob sich die normalerweise an den Grabwänden befindlichen Szenen aus dem Amduat und den textlich oder bildlich dargestellten Sprüchen aus dem Totenbuch in den beigegebenen Artefakten wiederspiegeln.39 Auf dem zweiten goldenen Schrein (Carter Nr. 237)40 trifft man zudem auf eine kryptographische Inschrift, die keinem bisherigen Unterweltsbuch klar zuzuweisen ist. Nach HORNUNG / STAEHELIN ist diese am ehesten Texten des 38
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Die große Fülle an Objekten in KV 62 erachtet REEVES 1990b, S. 80 Anm. 4 als ein Indiz dafür, dass es sich nicht um ein königliches Inventar im klassischen Sinne handelt. Die wenigen Figuren aus anderen Königsgräbern (bedeutsamerer Pharaonen) wie KV 34, KV 35, KV 43, WV 23, KV 57, KV 17 und KV 6 weisen z. B. keine Vergoldung auf. Dass sich zudem in KV 62 eine große Anzahl von Alltagsgegenständen befand, begründet REEVES damit, dass Tutanchamun der letzte Herrscher der amarnischen Linie war. Unter Haremhab und Ramses I. werden die Königsgräber mit dem Pfortenbuch ausgeschmückt; HORNUNG 1997, S. 21 nimmt an, dass dieses bereits unter Amenophis III . oder in den frühen Jahren Amenophis IV . entwickelt wurde. Ab Sethos I. sind beide Unterweltsbücher, Amduat und Pfortenbuch, vertreten und neue Kompositionen kommen hinzu (Höhlenbuch: siehe WERNING 2011, S. 18 f. und passim; Buch der Erde). Unterdessen werden aber – nicht unumstritten – bedeutend ältere Datierungsansätze bis ins Alte Reich angenommen, siehe dazu WERNING 2013, S. 237–281. Ich halte Hornungs Datierung nach wie vor für plausibel, da die Themen der Ausschmückung mit den Vorgängen in Kult und Frömmigkeit korrespondieren. WERNING erläutert, dass die sprachliche Analyse nicht immer eine eindeutige Datierung zulässt, da im Neuen Reich z. B. mittelägyptische Formen noch in traditionellen Texten beibehalten werden, während das gesprochene Neuägyptisch bereits etabliert war. WINAND 1992, S. 5–13 und passim diskutiert die Frage in ähnlicher Weise und auf frühere Autoren Bezug nehmend, inwieweit das amarnische Neuägyptisch noch vom Mittelägyptischen geprägt vorliege. Ab dieser Stelle werden die Objektnummern im Fließtext jeweils ohne die Angabe «Carter Nr.» geschrieben. Bsp.: (Carter Nr. 239) = (239).
Höhlenbuches oder des Buches der Erde zuzuordnen. Es handelt sich hier um eine «sonst nirgendwo belegte Komposition, die unter Tutanchamun neu entstanden sein muss, denn er rühmt sich darin, diesen Text als sein Denkmal für seinen Vater Re-Harachte gemacht zu haben».41 Immerhin widerspiegeln diese Texte und die damit verbundenen Szenen die neu komponierten Vorstellungen der Nach-Amarnazeit, in denen der Fokus auf die Nachtsonne verlegt wird, denn das Licht ist nun auch in der Unterwelt von zentraler Bedeutung. HORNUNG / STAEHELIN vermuten «vielleicht eine Reminiszenz an die Amarna-Zeit».42 Das auf der Mumie des Tutanchamun positionierte Objektkorpus43 erlaubt nicht nur das Ritual des Amulett-Auflegens und dessen genaue Abfolge aufzuzeigen, sondern ebenso den Zugang zu einem epochenspezifischen theologischen Konzept. Damit ermöglicht es Einblicke in eine religiöse Umbruchszeit, nämlich die sogenannte Nach-Amarnazeit, während der Regierung des Tutanchamun. Es wird in dieser Studie somit angestrebt, die Jenseitsvorstellungen der unmittelbaren Nach-Amarnazeit weiterführend zu erschließen. Der Fokus des Aton-Kultes unter Echnaton lag auf dem Sichtbaren, dem Sonnenlicht und allem, was von ihm berührt wird. Die amarnischen Texte schildern das Aufgehen Atons als Sonnenscheibe am Horizont und dessen abendliches Eintauchen: «Mögest du Aton schauen, wenn er aufgeht und wenn er untergeht in seinem westlichen Lichtland».44 Abbildungen des Osiris als Gottheit fehlen in der Amarnazeit. Interessanterweise wird jedoch die Vorstellung der Osiris-Werdung des Verstorbenen weiterhin beibehalten und Echnaton selbst übernimmt die Funktion dieses Gottes, ebenso wie die der meisten anderen Götter neben Aton. Gewisse Wunschformulierungen an die Verstorbenen vermitteln zudem weitere Annahmen von einer Existenz nach dem Tod,45 doch die eigentliche osirianische Unterwelt und die Nachtfahrt der Sonne wurde damals ausgeklammert. Unter Tutanchamun verlagert sich das Hauptaugenmerk des funerären Kultes wieder auf die Nacht, die Unterwelt und somit auf das Reich des Osiris. So gelingt das erneute Zusammenführen von Tag und Nacht, Oberwelt und Unterwelt, und der Sonnenlauf wird – gemäß der Auffassung der Pharaonen der Vor-Amarnazeit – erneut als Kreislauf der beiden Gestirne Sonne und Mond erfasst und dargestellt. Der Mond wird nun zum besonderen Symbol des Osiris.46 41 42 43 44 45 46
HORNUNG / STAEHELIN 2004, S. 80. HORNUNG / STAEHELIN 2004, S. 80.
Die Gegenstände auf der Mumie des Tutanchamun sind als Objektkorpus im Katalogband aufgeführt und beschrieben. ASSMANN 2005, S. 403. ASSMANN 2005, S. 390–392. Am ausgeprägtesten lässt sich die Verbindung des Osiris mit dem Mond in der griechisch-römischen Zeit erfassen. Siehe dazu v. a.
Forschungslage, Ziel und methodisches Vorgehen
Die Gegenstände auf der Mumie dienen der Illustration dieser Jenseitsvorstellungen und beinhalten wichtige Gedanken zum Prozess der Gottwerdung eines verstorbenen Königs, Informationen, die dabei durch Bildszenen, Symbole oder spielerische Schreibungen vermittelt werden. Nur äußerst selten tragen die Objekte eine kurze Inschrift, und zusammenhängende Texte fehlen bis auf ein paar wenige Ausnahmen ganz. Hierbei fällt auf, dass sich die Kunst der Nach-Amarnazeit unter Tutanchamun einer ähnlichen Bildsprache wie diejenige der Amarnazeit bedient (z. B. Symbole anstelle von anthropomorphen Götterdarstellungen), der junge König füllt jedoch die Motive mit vor-amarnischen oder neuen Inhalten.47 Damit wird die Brücke geschlagen zwischen der Amarna-Theologie und der angepassten Orthodoxie der anklingenden Nach-Amarnazeit.48 Methodisches Vorgehen Als Hauptgegenstand dieser Studie ist das Korpus der auf der Mumie des Tutanchamun positionierten Objekte zu Grunde gelegt. Bei der Analyse des Grabinventars erfolgt die Untersuchung systematisch vom Kernbestand (Objekte auf der Mumie) her und wird anschließend von diesem ausgehend auf die Artefakte im übrigen Grabinventar ausgeweitet. Als Grundlage für das Studium dieser Hinterlassenschaften dienen die von CARTER erstellten und heute im Griffith Institute, University of Oxford, aufbewahrten Zeichnungen und Notizen.49 Auch das Bildprogramm der Sargkammer wird in die weiterführende Betrachtung einbezogen, ebenso (Unterwelts-)Texte aus der Nach-Amarnazeit, die auf die Themen Bezug nehmen, die im Zusammenhang mit Objekten aus dem Grabinventar stehen.50 In mehreren aufeinander aufbauenden Schritten werden also die wichtigsten Themen, welche die Objekte im Grabinventar repräsentieren, eruiert. Die auf der Mumie ALTMANN -WENDLING 2018, passim und v. a. S. 53–55, S. 88 47
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(Mondhymnus, Passagen), S. 713, S. 838. MORENZ 2008, S. 253–255 weist auf die «visuelle Poesie» der Amarnazeit hin und versucht dazu eine entsprechende hieroglyphische Lesung des Gottesnamens anhand der Darstellungen. ASSMANN 2004b, S. 33 weist in Bezug auf die Objekte aus KV 62 ebenfalls auf «die Wandlung des künstlerischen Stils, der in seiner Mischung von Amarna-Stil und Traditionalismus» hin. Dieses Archiv ist online zugänglich: http://www.griffith.ox.ac. uk/gri/carter/. Die in dieser Arbeit im Folgenden angegebenen Internet-Datenangaben entsprechen dem Stand vom 15.07.2021. Die größtenteils mangelhafte Qualität und Quantität der digital zur Verfügung gestellten Fotos verlangte allerdings ein mehrmaliges Studium vor Ort anhand der originalen Zeichnungen und fotografischen Glasplatten-Aufnahmen. Siehe z. B. in den Kapiteln 13.2, 17.3, 23, Objekte mit Hinweisen auf ein liturgisches Spruchgut siehe Kapitel 19.
positionierten Gegenstände werden kontextuell ausgewertet. Als erster Schritt erfolgt dazu das Erstellen eines Objekt-Kataloges, der den zweiten Band dieser Analyse ausmacht. Die Objektnummerierung im vorliegenden Textband entspricht den Katalognummern. Diese setzen sich zusammen aus der Nummerierung der Objekte ausgehend vom Kopf bis zu den Füßen der Mumie und der von CARTER vergebenen Inventarnummern. Das diesen Nummern vorangestellte «Carter Nr.» wird im gesamten Text für alle Objekte weggelassen.51 Auf der Basis dieses Kataloges wird die Objektliste ausgewertet und so die materialbasierte Nachstellung des Bestattungsrituals an der Mumie des Tutanchamun ermöglicht. Dabei werden Aspekte wie die Relevanz aufgrund der Position auf dem Körper (Körperteil, Bindenschicht) sowie der auf den Schmuckstücken abgebildeten Thematik behandelt. Statistische Schemata, Tabellen und Grafiken dienen zur Darstellung der Häufigkeit einzelner Themenbezüge. In einem abschließenden Teil werden thematische Zusammenhänge, Beziehungen und Parallelen zwischen Artefakten auf der Mumie und den Fundstücken aus dem übrigen Grabinventar aufgezeigt. Nachweise für Objektbelege außerhalb des Grabes werden erbracht, die sich um dieselben Themen drehen wie die Artefakte des Untersuchungskorpus. Das zusätzliche Studium einer Auswahl von nach-amarnischer Literatur ermöglicht es, das Gesamtbild durch Textzeugen zu ergänzen. Eingrenzungen Die Untersuchung der Objekte erfolgt aufgrund ihrer Symbolik und ihrer bildinhaltlichen Aussage. Anthropologische Aspekte über die Mumie sind weitgehend unberücksichtigt, ebenso bleiben genealogische Fragen unbeantwortet und werden nur reflektierend miteinbezogen, wenn es die Deutung eines Objektes unbedingt verlangt. Die Erwähnung von Gegenständen aus dem übrigen Grabinventar dient lediglich zur Untermauerung der Belegführung zum Studienkorpus. Dazu zählen auch die in ihrer ursprünglichen Position vorgefundenen Särge, der Sarkophag und die Schreine. Diese Gegenstände sind zwar wegen ihrer Relevanz für die Bestattung als Teil eines geschlossenen Korpus um die Mumie in dieser Studie berücksichtigt worden, sind aber 51
Zu den Objekten auf der Mumie werden die JE Nrn. nur im Katalog und für alle übrigen Objekte außerhalb der Mumie im Text zusätzlich zur Carter Nr. angegeben. Im Hinblick auf die Neueinrichtung der Tutanchamun Sammlung im Grand Egyptian Museum Cairo werden neue Inventarnummern mit der Bezeichnung «GEM » vergeben werden. Manche davon sind bereits ersichtlich anhand der Beschreibungen zu den innerhalb der Wanderausstellung «Tutankhamun» präparierten Exponaten, siehe hierzu HAWASS 2018.
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aufgrund der zu großen Komplexität als weitgehend sekundär zu behandeln. Sie werden demnach vor allem dann herangezogen, wenn es für die Erklärung eines Objektes aus dem Studienkorpus sinnvoll erscheint. Es liegt leider kein Vergleichsobjekt aus derselben Epoche vor, welches die Anordnung und die Thematik der Artefakte auf der Mumie bestätigen oder gegenüberstellen lässt. Selbst eine Rekonstruktion der Anordnung von Amuletten auf Mumien ganz allgemein ist nicht möglich, da infolge von Grabplünderungen klare Belege fehlen. Die wenigen Überlieferungen lassen kein allgemeines Schema zur Anbringung der Amulette auf Mumien erkennen, zumal diese Belege aus anderen Epochen stammen.52 Am ehesten eignet sich ein Vergleich der Funde aus KV 62 mit denjenigen aus den Königsgräbern in Tanis, da die Gegenstände vielfach eine auffallende Ähnlichkeit aufweisen, auch wenn deren Entstehungszeit rund 200 Jahre später liegt.53 Die auf dem Leichentuch des Thutmosis III .54 im Zusammenhang mit Totenbuchsprüchen beschriebenen Amulette bilden eine wertvolle, relativ zeitnahe Vergleichsgrundlage
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Amulettliste in Dendera, Papyrus des Men, pBusca, Amulettliste aus der Spätzeit, Lübecker Apotheker-Mumie, Mumie in Liverpool 1967.60. Siehe weitere Belege in ALBERT 2012, S. 73. QUACK 2020, S. 275–277 weist darauf hin, dass es sich bei der Amulettliste in Dendera nicht per se um eine Amulettliste handle, sondern um eine «späte Tradition der Objektfriesdekoration». Nicht alle abgebildeten Objekte stellen dabei Amulette dar. Die Lübecker Mumie verfügt gemäß neueren Röntgenaufnahmen über eine Anzahl Amulette, die anscheinend original in den Mumienbinden erhalten geblieben sind, siehe QUACK 2020, S. 250 mit Verweis auf GERMER 1997, S. 101–103. Eine Untersuchung mittels einer Gegenüberstellung der Objekte wird in dieser Arbeit erbracht: siehe Kapitel 14. Cat. Nr. CG 40.001, siehe dazu: NAGEL a 1949.
zur Rekonstruktion des allgemeinen Amulettkorpus auf Königsmumien. Auf dieser Basis können zumindest in einzelnen Bereichen Anhaltspunkte gewonnen werden, um den vorliegenden Untersuchungsgegenstand zu erklären. Indes existieren bei Tutanchamun dreidimensionale Objekte, wohingegen ein mit Zeichnungen versehenes Leichentuch wie das des Thutmosis III . fehlt. Ein direkter Vergleich ist daher nur sehr bedingt möglich. Das textlich überlieferte Balsamierungsritual gibt detaillierte Beschreibungen über das rituelle Präparieren der Mumie vor der Sarglegung.55 Es handelt sich hierbei jedoch um Belege aus der ptolemäischen Epoche, und die im Zusammenhang mit dem Balsamierungsritual stehenden Texte erwähnen weniger die auf der Mumie positionierten Objekte als die mumifizierungsspezifische Behandlung des Leichnams56 und die den Prozess begleitenden Rezitationen57. Somit können textliche Studien zur griechisch-römischen Epoche aufgrund des materiell und temporal unterschiedlichen Untersuchungsgegenstandes nur bedingt als Vergleichsbasis gelten.
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Z. B. THEIS 2011; TÖPFER 2015a. Ein Handbuch im pLouvreCarlsberg aus dem Neuen Reich liefert eine Beschreibung zum Balsamierungsvorgang an der Mumie. Eine Publikation zu dieser Studie ist durch Sophie Schiødt in Vorbereitung (SCHIØDT 2022). THEIS 2011, S. 17–39 (v. a. zu den Mumifizierungstechniken im Neuen Reich S. 31–33). V. a. TÖPFER 2015a.
2 Transformation als Begriff des Überganges von der diesseitigen Welt ins Jenseits Die altägyptische Jenseitsvorstellung basierte auf dem Glauben, dass der Verstorbene nach seinem körperlichen Tod als seliges Wesen weiterleben könne. Um dieses posthume Ziel zu erreichen und die beschwerliche Reise ins Jenseits heil zu überstehen, bedurfte es allerdings neben sowohl physischer wie ritueller auch materieller Vorkehrungen.1 Da der dieser Analyse zugrunde liegende Objektkorpus die Frage nach der Ausstattung des Leichnams zum Gegenstand hat, soll der Versuch unternommen werden, den begrifflich schwer fassbaren Übergang eines Toten von Diesseits ins Jenseits zu definieren. Das Sich-Bewegen von einer Sphäre in die andere und das Eintreten in die Götterwelt wird hier als Transformation bezeichnet.2 Dieser Terminus wurde von ASSMANN 3 geprägt, um den Übergang von einem Seinszustand in einen anderen zu beschreiben. Damit ist die Wesensveränderung eines Menschen vom Lebenden zum Gestorbenen gemeint, wobei dieser Prozess auf das Ziel ausgerichtet ist, sich in die Nähe der Welt der Götter zu begeben. Die Verwandlungssprüche in den Sargtexten (CT ) werden generell mit dem Verb xpr umschrieben, wobei die Grundform das Ziel zur Verwandlung zu formulieren scheint und der Kausativ sxpr an sich die erfolgte Transformation benennt.4 Diese durch BUCHBERGER 5 untersuchte Grundlage zum Begriff der Transformation ist für die Deutung und Auslegung einiger der im Grabinventar vorkommenden Objekte von Relevanz. Der Übertritt in die göttliche Sphäre wird nicht nur als das Erlangen neuen Lebens sondern auch einer anderen Gestalt verstanden. ASSMANN 6 spricht vom Diesseits als einer «Welt der Erscheinungen», während er das Jenseits als «eine Welt der Bedeutungen» definiert. Auf dieser Basis geht es darum, die Aussage und bildliche Form der Gegenstände zu interpretieren und ihre Rolle bezüglich des oben beschriebenen Übergangsprozesses zu erfassen. Die Totenliturgien und die an der Mumie vorgenom1 2
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Z. B. SMITH 2009, S. 1. BUCHBERGER 1993, S. 188–191 begründet die bewusste Unterscheidung zwischen «Verwandlung» und «Transformation» damit, dass erster Ausdruck zu sehr auf die christliche Denkart verweise und zu eurozentristisch verstanden würde. Meines Erachtens ist «Transformation» der passende Terminus, um der Zustandsänderung des Verstorbenen Ausdruck zu verleihen. Transformation meint vielmehr einen Prozess, als dass es der Begriff «Verwandlung» zu vermitteln vermag. ASSMANN 1983, S. 338. BUCHBERGER 1993, S. 3, S. 198 und passim. BUCHBERGER 1993. ASSMANN 1983, S. 338.
menen Rituale wie auch die Ausstattung derselben mit Objekten hat zum Ziel, den Toten ins Jenseits zu geleiten. «Die Welt der Bedeutungen gilt als ein Wissen, in das er (der Tote) eingeweiht, eine kosmische Sphäre, in die er hinübergeführt und als ein Zustand, in den er versetzt wird.»7 Es soll nun nicht näher auf die göttliche Rolle und Position des Königs – und im amarnazeitlichen Sonderfall auch der Königin – zu Lebzeiten eingegangen werden, sondern vielmehr auf den Prozess der Transformation des Herrschers in eine Gottheit nach dem irdischen Dasein. Die posthume Vergöttlichung des Pharaos meint eine andere als seine irdische Stellung als oberste von den Göttern eingesetzte Instanz. Die Gottwerdung nach dem Tod beschreibt die ewige Aufnahme eines Verstorbenen in die göttlichen Sphären und in die Obhut des Götterkönigs. Dieser Prozess unterscheidet sich im Hinblick auf die beteiligten Protagonisten (Pharao oder Privatmann) insofern, als dass der König wie jeder Tote zu einem Osiris wird, sich aber in einem wesentlichen Aspekt vom Normalsterblichen abhebt. Entscheidend bei der Transformation eines Königs ist nämlich die mythologisch begründete Weiterführung seiner Herrschaft durch den Nachfolger und das Vater-Sohn-Verhältnis zwischen dem Pharao und dem Sonnengott. Nur der König trägt den Titel Sohn des Re, was ihn gegenüber allen übrigen Menschen auszeichnet. Privatleute tragen nach ihrem Tod einzig die Bezeichnung Osiris NN , während der Pharao seine Stellung als Abkömmling des Sonnengottes auch im Jenseits beibehält und geltend macht. Im Sterben gelangt der Herrscher nach Erfüllung des irdischen Amtes in die Gemeinschaft mit seinem göttlichen Vater. So unterscheidet sich der Tod des Pharaos in der Komponente der göttlichen Hierarchie vom Ableben einer normalen Privatperson. Rein formal gestalten sich private und königliche Begräbnisse ähnlich und bedienen sich derselben dafür vorgesehenen Textsammlungen wie z. B. der Totenbuchsprüche. Allerdings unterscheiden sich dabei Qualität, Menge und Beschaffenheit der Grabbeigaben je nach dem, ob sie in einem privaten oder königlichen Kontext Verwendung finden. Anhand der Objekte und Texte wird diese besondere Position des Königs hervorgehoben und kommuniziert. Im Folgenden wird versucht, diese Umstände am Beispiel der Mumie des Tutanchamun darzulegen und den Hintergrund der posthumen Transformation und die darauffolgende jenseitige Vergöttlichung des Königs 7
ASSMANN 1983, S. 338.
Kapitel
gedanklich zu skizzieren. Der eigentliche Inhalt und die Grenze vom Materiellen zum darüber hinaus wirkenden Immateriellen ist schwierig zu erfassen, «handelt es sich doch im Grunde um Metaphern einer als solche nicht darstell- und formulierbaren ontischen Transformation.»8 Die Mumienhülle und die auf dem Körper positionierten Objekte dienen der Verklärung des Leibes, indem sie magisch wirksam werden. So kann ein auf der Mumie platzierter Gegenstand aufgrund seiner Formgebung und inhärenten Symbolik einen spezifischen Text aus einem der Unterweltsbücher umsetzen. Das plastisch gestaltete Djed-Amulett entspricht beispielsweise nicht nur der bildlich-zweidimensionalen Darstellung in Vignetten zum Totenbuchspruch 155,9 sondern repräsentiert damit gleichzeitig die entsprechende textliche Vorlage. Jeder der 117 Gegenstände auf dem königlichen Leichnam erfüllt seine Aufgabe als zauberwirksames Schutzbild oder als funktional relevantes Teilchen eines komplexen Prozesses. Innerhalb dieses Geschehens wird der Verstorbene von der Göttin Nut empfangen, was metaphorisch der Aufnahme des Toten in den Himmel – und somit in die Gefilde der Götter – entspricht. Im Leib der Nut erfährt der Verstorbene seine Wiedergeburt und wird selbst zu einem Gott. «Durch die Wiedergeburt wird der Tote zum Sterngott, zum Mitglied der Ach-Sphäre, zu einem neuen Wesen.»10 Das Eingehen des Toten in den Himmel wird auf der Nordwand des Grabes KV 62 mit der mittleren – und damit bedeutsamen, zentralen – Szene wiedergegeben: Nach dem an der Mumie vollzogenen Mundöffnungsritual tritt der König nun vor Nut, die den seligen Herrscher empfängt und ins Reich der Götter aufnimmt. Dies wird durch die gezeigte njnj-Geste der Nut versinnbildlicht.11 Die Gottwerdung mündet in der umarmenden Begegnung mit Osiris als Symbol der Vereinigung mit der göttlichen Welt. In den Nuttexten heißt es dementsprechend: pSS.n=s mwt=k nwt Hr=k […] rDj.n=s wn=k m nTr12 Deine Mutter Nut hat die Flügel beschützend über dich gebreitet […] und sie bewirkt, dass du zum Gott wirst. Die Aufnahme des Toten in den Mutterleib der Nut symbolisiert die Rückkehr in den göttlichen Mutterschoß und damit die Teilnahme am unendlichen kosmischen Zyklus der Gestirne und damit dem Erlangen von neuem und ewigem Leben.13
8 9
ASSMANN 1983, S. 338. Z. B. HORNUNG 1990, S. 334, Abb. 80, QUIRKE 2013,
S. 385. 10 11 12
13
ASSMANN 1983, S. 341. ASSMANN 1972b, S. 69. SETHE 1910, S. 347, Spruch 368, 638 a–b. Auch erwähnt und als direkte Rede der Nut übersetzt: RUSCH 1922, S. 3 und S. 31; BILLING 2002, S. 89 (PT 638a–d). Vgl. dazu ASSMANN 1972c, S. 115 und RUSCH 1922, insbe-
sondere S. 43–45, passim.
BACKES 14 weist darauf hin, dass der jenseitige Ort Rasetjau mit dem irdischen Grab vergleichbar ist. Die Grabkammer als Aufenthaltsort der Götter erhält so eine rituell geprägte Bedeutung. Die Ruhestätte bildet demnach bereits einen Ort im jenseitigen Göttergefilde ab, währenddem der Leichnam mithilfe des Bestattungsrituales außerhalb des Grabes auf dessen Aufnahme in diesen Raum vorbereitet wird. Die eigentliche Transformation vollzieht sich demnach dank der Bestattung, wofür die Mumie mit wirkungsmächtigen Gegenständen versehen wird. Die Aktivierung der Wirksamkeit der Schutzobjekte unterliegt der Gunst der Götter,15 welche während des Bestattungsrituals und der dort geäußerten Rezitationen über den Objekten erbeten wird. Im Folgenden soll sowohl die Funktionalität wie auch die Bedeutung der auf der Mumie des Tutanchamun vorgefundenen Objekte erläutert werden, da diese Artefakte eine fundamentale Rolle bei der Transformation des Königs in ein göttliches Wesen spielen. Dabei dient jeder einzelne Gegenstand einem spezifischen Zweck, wobei aufgrund der Menge an goldenen Beigaben auf eine besondere Signifikanz dieses Materials geschlossen werden darf. Die herausragende Bedeutung des Mumienschmuckes wird sowohl im Detail als auch als gesamtes Korpus in Kapitel 12 erörtert. Die mithilfe der Beschaffenheit der Beigaben erreichte Vergoldung des Toten diente als Wegbereiter der eigentlichen Transformation. Die goldenen Glieder der Götter versinnbildlichen eine wichtige Phase des Prozesses der Gottwerdung. Dreidimensionale Götterbilder wie Statuen und Skulpturen sind oft aus Gold angefertigt. Dabei stellt sich die Frage, ob solche Figuren eine Phasenform der Gottheit, eine Erweiterung oder Manifestation derselben abbildet. Götter im Flachbild dagegen werden in der Regel mit hellbrauner oder je nach Kontext auch mit schwarzer oder grüner Hautfarbe dargestellt. Die Annahme, dass die materielle Vergoldung des Verstorbenen die Verwandlung in eine Gottheit versinnbildlicht, darf mit großer Wahrscheinlichkeit vermutet werden. Vergoldet werden insbesondere das Gesicht (Goldmaske), die Hände (Fingerstulpen, Fingerringe) und die Füße (Zehenstulpen und Sandalen), demnach also diejenigen Körperteile, welche für die Wahrnehmungen, Handlungen und die Mobilität zuständig sind. In spätzeitlichen Liturgien beispielsweise wird die Goldmaske gleichsam als «Kopf der Götter» bezeichnet, womit ein Transformationspotential dieses zentralen Mumienornats illustriert wird.16 Goldene oder mit Gold kombinierte Gegenstände bilden die größte Gruppe der auf dem Leichnam des Tutanch14 15 16
BACKES 2014, S. 80. QUACK 2020, S. 34. ASSMANN 2001, S. 147 f.
Transformation als Begriff des Überganges von der diesseitigen Welt ins Jenseits
amun angebrachten Objekte. Interessant ist dabei, dass die Rückseite der Pektorale bei allen Exemplaren ein goldenes Ebenbild des vorderseitigen Motivs abbilden. Während die Hauptansichtsseite der Schmuckstücke durch Halbedelsteine und Glas bunt gestaltet wurde, zeigt die Rückseite ein elaboriert und detailliert in Gold gearbeitetes, identisches Gegengleich. Dies lässt vermuten, dass auch die beidseitige Gestaltung dieser Artefakte eine im Ritual wichtige Bedeutung hatte. Vielleicht versinnbildlichte die goldene Seite die erfolgte Verwandlung des Toten, und die Pektorale wurden nach erfolgter Transformation zur Kennzeichnung dieses Schrittes symbolisch mit der goldenen Seite nach oben umgedreht. Da die Schmuckstücke jedoch alle mit der goldenen Seite nach unten zeigend aufgelegt vorliegen, wurde diese spezifische Handlung nicht durch die Priester vollzogen, sondern es handelt sich wohl um eine Kennzeichnung eines nach der Grablegung zu erfolgenden Phase in einer Interaktion mit den Göttern oder aber die goldene Seite der Schmuckstücke verbildlicht die auf den Körper nach innen wirkendende göttliche Energie. Dieser «goldene Zustand» kennzeichnet einen entscheidenden Moment zwischen dem irdischem und himmlischen Dasein, und zwar in dem Sinne, wie es auch die goldenen Götterkultstatuen als Vermittler zwischen Menschen und Göttern verkörpern. Im Kult markiert das Götterbild eine Verbindungslinie zwischen dem Bittsteller und der adressierten Gottheit. Die Statue bildet das Göttliche materiell ab, indem durch eine Formgebung versucht wird, das Wesen der wahren Gottheit in einem Bild zu erfassen. Die plastische Skulptur ist dabei nur eine Mittlerfigur, durch die der Fromme einen Zugang zur Götterwelt erreichen möchte. Dadurch stellt eine Statue ebendiese Ebene dar, die zwischen dem Irdischen und dem Himmlischen lokalisiert ist. Nun scheint es interessant zu erörtern, inwiefern ein goldenes Kultbild Gemeinsamkeiten mit der goldenen Farbgebung der Mumie aufweist. Das Vergolden des Toten mag die Sehnsucht nach dem Erreichen dieser genannten Sphäre kennzeichnen. Im Tod erfährt der König eine Erhöhung seines Status zum Göttlichen hin. Dieser als «Goldphase» zu beschreibende Zustand des Verstorbenen versinnbildlicht wörtlich das Einverleiben des Göttlichen und kennzeichnet ihn als ein zwischen Erde und Himmel befindliches Wesen. Das Gold scheint diesen Status eines «Gottmenschen» zu symbolisieren. Dass sich die Hautfarbe nach dieser Transformation derjenigen von Gottheiten angleicht, zeigt z. B. die Szene auf der Süd- und Nordwand des Grabes, wo Tutanchamun mit brauner Haut und einem von den Göttern verliehenen Anch auftritt. Unter den Göttern weilend, trägt der König nun auch die Merkmale einer Divinität. Die Göttin Hathor, welche Gold versinnbildlicht und deren Name gelegentlich auch schlicht «die Goldene» lautet, verleiht
dem König neues Leben, denn sie steht an der Schwelle zwischen dem irdischen Dasein und dem Totenreich. Wie eine Metapher markiert sie als Westgöttin und zugleich als Herrin des irdischen Genusses den Übergang ins Jenseits. Dieser letzte Transformationsschritt wird wie ein goldener Wandlungsmoment gesehen, und die Dominanz von Artefakten aus Gold auf dem Leichnam des Tutanchamun repräsentiert dieses Ziel. Die unmittelbar mit dem Toten in Berührung befindlichen Gegenstände haben insofern eine große Aussagekraft, als dass sie sowohl mit einer Funktion des Schutzes für den Körper als auch mit der Transformation des Königs in eine Gottheit in Verbindung gebracht werden können. Mithilfe der ausgewählten Materialien und der Wahl der Objektmotive will man die Evokation der göttlichen Mächte durch eine entsprechende Symbolik und Farbgebung erzielen. Nur die Götter sind befähigt, ihre Gestalt und Erscheinungsform zu ändern, wie es ihnen beliebt. So darf wohl auch die Transformation des verstorbenen Königs als gottähnliche Fähigkeit gelten. Einen entscheidenden Moment, nämlich derjenige, wo sich der Ba vom Leichnam trennt, scheint beispielsweise die Grabbeigabe eines Modells der königlichen Mumie auf dem Löwenbett (331A) zu verkörpern. Diese aus Holz bestehenden und äußerst sorgfältig geschnittene Darstellung zeigt an den Seiten des verstorbenen Pharaos einen Ba-Vogel und einen Falken. Diese beiden kleinen Figuren versinnbildlichen wohl einerseits die Aufspaltung der personenbestimmenden Elemente in Körper und Ba, während der Falke das posthume Emporsteigen des göttlichen Pharaos in die himmlischen Gefilde anzeigt. Gleichzeitig mag der Raubvogel auch das diesseitige Königtum symbolisieren, indem der Herrscher als irdische Form des Horus über sein Volk regiert. Falke und Ba verkörpern somit als Sinnbilder einer Zwischensphäre die beiden zentralen Wünsche eines jeden Toten, nämlich die Auferstehung und die Weiterexistenz als Individuum in göttlichen Gefilden. Der Thronname
«Nebcheperure» Herr der Gestalten des Re verkündet die Verbindung des Königs mit dem göttlichen Kosmos und äußert den Wunsch nach Angleichung an Re, sowohl als Sohn des Sonnengottes im irdischen Leben sA ra), und über den Tod hinaus als Gefährte des ( Re in Ewigkeit.
Kapitel
2.1 xpr.w – die vielen Gestalten des Gottes ASSMANN beschreibt die Bedeutung von xpr.w fol-
gendermaßen: «xpr.w ist die Modalität, die Gestalt, die man annimmt, in die man sich verwandelt, und bezeichnet auch die Phase, während der man in dieser Gestalt erscheint.»17 BARTA 18 übersetzt xpr.w als «Verwirklichung», «Wesen», während BUCHBERGER 19 das Lexem in ähnlicher Weise wie ASSMANN als «Abschnitte eines Werdens, Zustände oder Phasen zur Gewinnung einer Gestalt / einer Form oder eines Umrisses» versteht. ESCHWEILER 20 sieht darin eine «periodische Transformation» und hebt damit den zyklischen Zeitbegriff, der sich hinter der Bedeutung von xpr.w verbirgt, deutlicher hervor. WIEBACK -KOEPKE 21 fasst die Überlegungen zur Bedeutung von xpr.w im Begriff «Metamorphosen-Element» zusammen. Allen Übersetzungen und Definitionen des Begriffes xpr.w ist gemeinsam, dass damit die Transformation, also die Verwandlung des Wesens eines Individuums zum Ausdruck gebracht wird.22 ASSMANN 23 definiert die Verbalwurzel xpr in der Bedeutung von: «to become, to come into being, to develop» is the antonym of wnn «to exist, to persist». xpr ist assoziiert mit dem Gott Chepri, der Morgensonne und damit dem Prinzip der autogenetischen Energie; während das Verb wnn mit dem Gott Wenen-nefer «Der, der in Vollkommenheit existiert», assoziiert wird. Er ist Osiris, der Gott des Todes und des Prinzips des unveränderlichen Fortbestehens. In dieser Weise sind auch nHH und D.t als zyklische bzw. lineare Zeit zu verstehen. Xpr.w wird daher mit dem Sonnenlauf gleichgesetzt und beinhaltet die sich wandelnden Formen der Sonne, wozu auch die Nachtsonne bzw. der Mond gehören.24 Die Homonymie und spielerischen Namensschreibungen von Tutanchamuns Thronname nb-xpr.w-ra) sollen dazu dienen, Nebcheperure ( die Doppelfunktion des Königs als irdischen Herrscher und gleichzeitig am Sonnenlauf Teilhabenden aufzuzeigen. Wichtig ist dabei, dass dem Nachtaspekt des Sonnenlaufes nicht nur zunehmend sondern parallel dazu auch deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt 17 18 19
20 21 22 23 24
ASSMANN 1969, S. 43 f. BARTA 1982, S. 81–86. BUCHBERGER 1993, S. 213–216. Als Belegstellen führt er
Passagen aus den Pyramidentexten auf, die von der «Gestaltgewinnung» des Königs handeln (z. B. PT 1966 d; PT 1969b). ESCHWEILER 1994, S. 192. WIEBACK -KOEPKE 2003, S. 234. Siehe dazu z. B. auch SERVAJEAN 2003, S. 91 f. ASSMANN 1992. MINAS -NERPEL 2006, S. 2 f., S. 339 und passim, betont, dass Chepri wortlautlich auf die verschiedenen Phasen des solaren Zyklus verweist und so den gesamten Sonnenzyklus bestimme.
wird. «It is quite consistent with the hymn’s equation of the visible world with xpr.w that the god himself is called nHH in the Amarna texts. God is time (nHH) and everything unfolding, developing in time (xpr) is a manifestation (xpr.w) of his essence or energy.»25 Wie STADLER 26 überzeugend darlegt, gilt der Skarabäus sowohl als Erscheinung des Sonnengottes wie auch als Form des Osiris. Der so mit dem Mondaspekt behaftete Skarabäus könnte demnach auch auf dessen Identifikation mit dem unterweltlichen Osiris hindeuten und verbindet zudem den Sonnenaspekt mit dem Mondsymbol. In der Zeit unmittelbar nach Amarna ist dies ein geeignetes Symbol, den nächtlichen Aspekt der Sonnenfahrt, und damit das Unsichtbare, wieder zu thematisieren. Dabei handelt es sich offenbar um ein komplexes Mysterium, das weitgehend offenlässt, wie man sich erklären konnte, dass Osiris gleichzeitig in der Unterwelt und als Mond am Nachthimmel sichtbar war. Einen Lösungsansatz dazu bietet die gerne und oft verwendete Form der polysemen Gestalten der Gottheiten. So wird der Mond als Attribut des Osiris gleichzeitig als Nachtsonne verstanden, aber auch als Thot in der Rolle des Stellvertreters von Re.27 ROSE 28 erklärt den am Himmel sichtbaren Mond treffend als Spiegelbild der Sonne. Eine weitere Erklärung für dieses Paradoxon wäre das Erscheinungsbild des Schwarzmondes, bei dem der Erdtrabant in dieser Phase nicht am Himmel sichtbar ist, weil er als Osiris in der Unterwelt weilt. Allerdings würde unter dieser Erklärung die Vereinigung von Re und Osiris in der sechsten Stunde des Amduat nur bei Neumond erfolgen. Dies widerspräche dem festen Glaubensgefüge der allnächtlichen Begegnung der beiden Gottheiten, die schließlich die Welt und ihre Zeit lebensspendend in Gang hält. Jede einzelne Nacht ermöglicht den Fortgang des solaren Zyklus eben gerade durch diese in ihrer Bedeutung so zentralen Vereinigung von Re und Osiris während der Nacht. Als Elemente der hieroglyphischen Schreibung innerhalb einer bildlichen Darstellung auf Objekten kann der Skarabäus mit dem Wortlaut xpr wiedergegeben werden. Im Sinne von «werden, entstehen» spielt der Skarabäus auf der Binnenzeichnung von Mond-Amuletten29 auf die wechselnden Formen des Mondes an. Es werden die Mondphasen beschrieben und zugleich die verschiedenen Gestalten des Gestirnes als Metapher für «Gedeihen» und «Wohlergehen» herangezogen. Erste Mond-Amulette in einfacher Form, also ohne die 25 26 27 28 29
MINAS -NERPEL 2006, S. 155. STADLER 2001, insbesondere S. 80 f. STADLER 2009, S. 203. ROSE 2006, S. 276.
Belegobjekte von Mond-Amuletten mit Skarabäus in der Binnenzeichnung der Mondscheibe in: MÜLLER -WINKLER 1987, Tafel XXIX , Nrn. 594–595.
Transformation als Begriff des Überganges von der diesseitigen Welt ins Jenseits
Kombination mit einem Skarabäus, existieren offenbar nicht vor der Amarnazeit.30 Die Mond-Amulette sind also offenbar eine Erfindung des Neuen Reichs und haben bemerkenswerterweise nur in dieser Epoche einen herausragenden Stellenwert.31 Es scheint, als spiele xpr als Wortelement in Tutanchamuns Name nicht nur auf dessen Teilnahme am zyklischen Lauf der Sonne an, sondern auch an demjenigen des Mondes. Bei nicht näher datierten Mond-Amuletten aus dem Neuen Reich mit der Darstellung eines Skarabäus in der Binnenzeichnung der Mondscheibe32 könnte es sich möglicherweise um eine Entwicklung aus den einfachen Mond-Amuletten der Amarnazeit handeln. Unter Tutanchamun wird das Bild des Mondes als Stellvertreter der Sonne während der Nacht sehr ausgeprägt thematisiert. Gerade in der Nach-Amarnazeit ist das Bestreben zu beobachten, die traditionellen Vorstellungen der Unterwelt und all ihren Elementen nicht nur zu reinstitutionalisieren, sondern auch um neue Komponenten zu erweitern. GOEBS 33 beobachtet anhand der Bildaussage des Pektorals mit Skarabäus und Mondbarke (267 D), dass der kosmische Zyklus der Sonne mithilfe des Mondsymbols dargestellt wird. Wie die vorliegende Studie demonstrieren soll, lässt sich diese Thematik noch anhand weiterer Objekte aufzeigen. Indem Tutanchamun mit Varianten spielt, bei denen der Mond den Platz der Sonne einnimmt, wird darauf verwiesen, dass die Sonne zwar weiterhin als oberste Gottheit gilt, aber nun gleichzeitig auch durch ihre nächtlichen Gestalten und Formen erweitert wird. Mit dem Mond wird auch der unterweltliche Aspekt der Sonnenfahrt erfasst, denn er steht als Stellvertreter der Sonne am Nachthimmel und fährt wie diese in einer Barke über das Himmelsgewölbe. Das «Machen von Gestalten» im Sinne der sich wandelnden Formen von Sonne und Mond (Sonnenaufgang, Zenit, Sonnenuntergang und die Mondphasen) wird im selben Bild vereint und so als zyklisches Ereignis aufgefasst. Dies kann auf mehreren Ebenen wahrgenommen und gedeutet werden, wobei unter Tutanchamun primär und hauptsächlich die Darstellung des zyklischen Sonnenlaufes mit Tagesund Nachtfahrt im Zentrum steht. Demzufolge tritt der kosmische Aspekt in den Vordergrund, während die funktionale oder mythologische Ebene sekundär begründet wird.
30 31 32
33
MÜLLER -WINKLER 1987, S. 302. Belegobjekte von einfachen Mond-Amuletten z. B. Tafel XXIX , Nr. 591–593. MÜLLER -WINKLER 1987, S. 303. FRANKFORT / PENDLEBURY 1933, Tf. XXIX fig. 5 = pl. XLIX no. IV .B.24 – mit Vorbehalt: MÜLLER -WINKLER
führt das Amulett als kombiniertes Mond-Amulett auf. Meines Erachtens handelt es sich um die bloße Darstellung eines geflügelten Skarabäus. GOEBS 1998, S. 456.
2.1.1 Verwendung des Begriffes xpr.w in der Amarnazeit Um ein Beispiel für die Erwähnung der Formen und Gestalten des Sonnengottes während der Amarnazeit zu nennen, sei die folgende Aussage über das Wirken Atons aus dem Grab des Eje34 erläutert: msj=k sw dwA mj xpr.w=k qd=k sw m tj.t=k mj jtn Du [Aton] gebärst ihn [den König] morgens wie deine Erscheinungsform, du baust ihn als dein tj.t wie die Sonnenscheibe.
Der Nachfolger des amarnazeitlichen Pharaos wird durch Aton als ihm wesensverwandt erschaffen. Der König ist ein Teil des Gottes und in diesem Sinne dessen Sohn. Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Echnaton die zur Schreibung des Wortes xpr.w in betonter Weise das Bild des Königskindes verwendet. Diese Darstellung des jugendlichen Königs nimmt in diesem Zusammenhang direkt Bezug auf das Abbild des göttlichen Sonnenkindes. Diesen Umstand illustrieren beispielsweise Siegelabdrücke und kleine Amulette aus Achetaton mit dem Bild des Königskindes. Die Anwendung des Wortlautes xpr.w in Form der Kindhieroglyphe wird durch Tutanchamun betont weitergeführt und dabei als Variante einer spielerischen Schreibung seines Thronnamens Nebcheperure angewandt, was manche Objekte im Grabinventar belegen lassen.35 Da vorausgesetzt werden muss, dass der Thronname bereits in der Amarna-Periode bei Tutanchatons Regierungsantritt verliehen wurde, ist eine konkrete und direkte Verbindung des Namens mit den Vorstellungen der Amarna-Theologie anzunehmen.36 Im Thronnamen werden die Erscheinungsformen – die xpr.w – des Aton beschrieben. Da Aton gleichsam wie Re den Sonnengott verkörpert, könnte die Sonnenscheibe als Wortelement durchaus entweder als «Re» oder als «Aton» gelesen werden und der Thronname daher sowohl Nebcheperu-Re als auch Nebcheperu-Aton lauten. Aton gebärt den König allmorgendlich nach seinem Abbild und stellt ihn damit in den Zyklus der Erneuerung, der durch den Sonnenlauf repräsentiert wird. Der König wirkt als Erscheinungsform des Aton und versinnbildlicht somit seine Abstammung vom kosmischen Vater Aton beziehungsweise Re. Der Ausdruck msj=k sw spielt auf die direkte Abstammungslinie des Königs von seinem göttlichen Vater an und nimmt so 34
SANDMAN 1983, S. 91, Z. 3 f.
35
Siehe dazu auch Kapitel 16.1.
36
RAUE 2003, S. 371 (am Beispiel Heliopolis’): In Privatnamen
der Nach-Amarnazeit widerspiegeln sich die Unruhen der Machtstreitigkeiten insofern, dass bis in die Ramessidenzeit keine basilophore Namen vergeben werden.