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Erinnerung – Personale Einheit – Reflexion

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Iso Kern

Erinnerung – Personale Einheit – Reflexion Drei philosophische Studien


®

MIX Papier aus verantwortungsvollen Quellen

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2021 Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Lektorat: Schwabe Verlag, Berlin Umschlaggestaltung: icona basel gmbh, Basel Layout: icona basel gmbh, Basel Satz: 3w+p, Rimpar Druck: CPI books GmbH, Leck Printed in Germany ISBN Printausgabe 978-3-7965-4254-1 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-4285-5 DOI 10.24894/978-3-7965-4285-5 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabe.ch


Meinem Freund Guido Küng Prof. em. für moderne und zeitgenössische Philosophie an der Universität Fribourg/Freiburg gewidmet.


Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Erste Studie: Erinnerung und die besondere Wirklichkeit der Vergangenheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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1. Kapitel. Einleitung: Begriffliche Klärungen zu Gedächtnis und Erinnerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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2. Kapitel. Ist das im aktuellen Erinnern Vorgestellte etwas Gegenwärtiges? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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3. Kapitel. Enthalten Erinnerungen notwendig sinnlich qualifizierte Anschauungen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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4. Kapitel. Was bewirkt, dass die in der Erinnerung anschaulich vorgestellten Sachen als vergangene erscheinen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Die Sicht des Vijnanavada: «Das Erinnerte trägt aufgrund des Alaya- oder Speicherbewusstseins Wirklichkeit mit sich.» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Ist das Bewusstsein des anschaulich erinnerten Vergangenen so etwas wie eine optische Illusion, deren wir uns bewusst werden, wenn wir aus dem Erinnern heraustreten und auf es reflektieren? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . c) Die Idee, dass im Erinnern mit einem gegenwärtigen geistigen Bild etwas Vergangenes vorgestellt wird . . . . . . . . d) Anschauliches Erinnern von etwas Vergangenem und anschauliches Phantasieren von etwas Gegenwärtigem . . . .

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Inhalt

e)

Mein Erklärungsversuch, warum die im Sich-Erinnern anschaulich vorgestellten Ereignisse und Dinge als vergangene erscheinen: Wir haben in der anschaulichen Erinnerung nicht nur anschauliche Vorstellungen von irgendwelchen Dingen und Ereignissen, sondern wir sind uns dabei auch bewusst, dass wir sie in der Vergangenheit wahrgenommen oder irgendwie erlebt oder getan haben. Dieses eigene vergangene Wahrnehmen, Erleben und Tun ist nicht in Phantasmen angeschaut und kann auch nicht in Phantasmen angeschaut werden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Analogie zwischen Sich-Erinnern und Wahrnehmen: So wie ein gegenwärtiges Ding in unbegrenzt vielen verschiedenen anschaulichen Wahrnehmungen, in denen man sich auch täuschen kann, selbst zum Erscheinen gebracht werden kann, so kann eine vergangene Sache in unbegrenzt vielen verschiedenen anschaulichen Erinnerungen, in denen man sich auch täuschen kann, selbst zum Erscheinen gebracht werden . . . . . . . . . . . . . . . . .

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5. Kapitel. Nur mehr oder weniger aufmerksame Tätigkeiten sind mehr oder weniger bewusst und können daher auch mehr oder weniger erinnert werden. Gewohnheitsmässig, «automatisch», unaufmerksam verrichtete Tätigkeiten oder Tätigkeiten, bei denen unsere Aufmerksamkeit von etwas anderem abgelenkt wird, sind nicht bewusst und können daher auch nicht erinnert werden . . . . . . . . . . . . . .

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6. Kapitel. Woran erinnern wir uns? Wir erinnern uns umso besser an Ereignisse, je aufmerksamer wir auf sie waren, d. h. je mehr sie uns in unserem Tun interessierten oder je mehr sie uns in unserem passiven Leben betrafen oder je intensiver wir darauf emotional reagierten . . . . .

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7. Kapitel. Wir erinnern uns nicht nur an einzelne für uns wichtige Ereignisse, sondern auch an eine Gesamtheit oft wiederholter, gewohnter und für uns wichtiger Tätigkeiten, an vertraute, gewohnte und für uns wichtige Lebensräume und an eigene frühere Überzeugungen, die wir unterdessen abgelegt haben, aber auch an solche, die wir noch immer haben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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f)

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Inhalt

a) b) c)

Erinnerung an eine Gesamtheit oft wiederholter, gewohnter und für uns wichtiger Tätigkeiten . . . . . . . . . . . . Erinnerung an vertraute, gewohnte und für uns wichtige Lebensräume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erinnerung an eigene frühere Überzeugungen, die wir unterdessen abgelegt haben, aber auch an solche, die wir noch immer haben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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8. Kapitel. Wir erinnern uns nicht nur absichtlich an etwas, sondern oft fällt uns zuerst etwas ein, an das wir uns dann anschaulich erinnern können. Wodurch fällt uns etwas zum anschaulichen Erinnern ein? . . .

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9. Kapitel. Was macht die Objektivität der Vergangenheit aus? Unsere Vergangenheit als intersubjektive Wirklichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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10. Kapitel. Zur Richtigkeit (Wahrheit) und Falschheit der Erinnerungen: Haben eigene Erinnerungen einen internen Massstab (interne Norm) ihrer Richtigkeit, ist es also prinzipiell möglich, durch eigene Erinnerungen die eigenen Erinnerungen zu berichtigen? . . . . . . . a) Das Bewusstsein des Unterschiedes zwischen der eigenen Vergangenheit, so wie ich sie jetzt erinnere, und der eigenen Vergangenheit, so wie ich sie damals erlebte. . . . . . b) Standards für unsere Wahrheitssuche in unserer erinnerten Vergangenheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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11. Kapitel. Welche Ursachen bewirken, dass wir uns in unserem Erinnern täuschen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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12. Kapitel. Warum sollen wir unsere Vergangenheit durch Erinnern wieder lebendig werden lassen? Bezugnahme auf Freud . . . . . . . . . . . . . .

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13. Kapitel. Sind die in der Erinnerung auftretenden (präsenten) Phantasmen, d. h. die durch sie vorgestellten erinnerten Sachen, gegenwärtig, oder sind sie atemporal (unzeitlich) und, wenn sie dies sind, in welchem Sinn sind sie es? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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14. Kapitel. Enthalten alle Erinnerungen an früher selbst Erlebtes Phantasmen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Inhalt

15. Kapitel. Warum sind wir uns in der Erinnerung des Erinnerten nicht nur als eines Vergangenen bewusst, sondern auch als eines mehr oder weniger zeitlich entfernten Vergangenen, mit anderen Worten, wie kommt es im Sich-Erinnern zum Unterschied verschiedener zeitlicher Distanzen des erinnerten Vergangenen von der erlebten Gegenwart aus? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Raumperspektive und Zeitperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Die Auffassungen von Bertrand Russell und William J. Friedman über die Erfahrung der zeitlichen Distanz von erinnerten Ereignissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . c) Inhaltliche, im Gehalt des Erinnerten liegende Anhaltspunkte für das Wissen um die Zeitdistanz von erinnerten Ereignissen. Die Lebendigkeit von erinnerten Ereignissen hat mit ihrer Erstmaligkeit sowie Einmaligkeit und der damit verbundenen eigenen Anstrengung und dem emotionalen Gewicht zu tun . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . d) Das Bewusstsein verschiedener zeitlicher Distanzen des Erinnerten, bei denen wir uns nicht auf den Gehalt des Erinnerten stützen können . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . e) Versuch, das Bewusstsein der zeitlichen Distanz des Erinnerten zu erklären, bei dem wir uns nicht auf den Gehalt des Erinnerten stützen können . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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16. Kapitel. Schluss: Unsere erinnerte Vergangenheit als eine durch unsere Gegenwart bedingte, fehlerhafte objektive geistige Wirklichkeit .

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Dank an den Leser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Zweite Studie: Bewusstseinseinheit und personale Identität. Zwei Prinzipien der Bewusstseinseinheit: Erlebtsein und Zusammenhang der Erlebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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1. Kapitel. Das Problem der Bewusstseinseinheit. Interpretation von physiologischen empirischen Tatsachen und Analyse des Bewusstseins .

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2. Kapitel. Das Erlebte im Urmodus und in seinen Modifikationen . . . . 100


Inhalt

3. Kapitel. Das eigentlich Erlebte und Durchlebte und seine Modifikationen einerseits und andererseits der «subjektive Charakter des Bewusstseins» oder «der Gesichtspunkt der ersten Person» bei Thomas Nagel, Sidney Shoemaker und Bernhard Williams’ Auseinandersetzung mit dem Gedanken «ich könnte ein anderer sein oder gewesen sein, z. B. Napoleon». . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 4. Kapitel. Das mehr oder weniger aufmerksam gegenständlich Erlebte und das urbewusste (durchlebte) mehr oder weniger aufmerksame Erleben als das Original. Es kann nur ein Original geben . . . . . . . . . . . . . 110 5. Kapitel. Zusammenhänge des aktuell Erlebten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 6. Kapitel. Einbeziehung der Vergegenwärtigungen, vor allem der Erinnerung. Das Problem der personalen Identität . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 7. Kapitel. Schluss: Unterscheidung zwischen zwei verschiedenartigen Prinzipien der Bewusstseinseinheit und der personalen Identität: einerseits ein Zusammenhang von Erlebnissen, der ein «mehr oder weniger» erlaubt, andererseits der Charakter des Erlebtseins im Urmodus (Original), der entweder vorhanden ist oder nicht, bei dem ein «alles oder nichts» besteht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129 Dritte Studie: Reflexion und Intersubjektivität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133

1. Kapitel. Warum schreibe ich über Reflexion? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 2. Kapitel. Reflektieren ist kein inneres Wahrnehmen gegenwärtiger intentionaler Erlebnisse und in diesem Sinne keine Introspektion. Zwei Gründe, warum Reflektieren kein inneres Wahrnehmen sein kann . . . . 136 a) Erster Grund, warum Reflektieren kein inneres Wahrnehmen gegenwärtiger intentionaler Akte sein kann . 137

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Inhalt

b)

Zweiter Grund, warum Reflektieren kein inneres Wahrnehmen gegenwärtiger intentionaler Akte sein kann. Selbst wenn das Reflektieren ein inneres sinnliches Wahrnehmen der eigenen intentionalen Akte des Wahrnehmens von etwas, Denkens von etwas, Sich-Erinnerns von etwas, des Phantasierens von etwas usw. wäre, könnten wir nicht gleichzeitig z. B. etwas Äusseres vor uns im Raum aufmerksam wahrnehmen und auch noch dieses intentionale Wahrnehmen innerlich aufmerksam wahrnehmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138

3. Kapitel. Ist die Frage nach dem Grund der Unmöglichkeit, gleichzeitig einen intentionalen Akt zu vollziehen, z. B. Wahrnehmen von etwas, und auf diesen Akt zu reflektieren, ein Problem der Aufmerksamkeit? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 4. Kapitel. Ist die Frage nach dem Grund der Unmöglichkeit, gleichzeitig einen intentionalen Akt zu vollziehen, z. B. Wahrnehmen von etwas, und auf diesen Akt zu reflektieren, ein Problem verschiedener Ebenen oder Dimensionen unseres gegenständlichen Verstehens? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 a) Ist die Frage nach dem Grund, warum es nicht möglich ist, gleichzeitig einen intentionalen Akt zu vollziehen und auf diesen Akt zu reflektieren analog zum Verhältnis bei der Tatsache, dass wir uns nicht gleichzeitig für einen sprachlichen Ausdruck und für die Bedeutung dieses Ausdrucks interessieren können? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 b) Ist die Frage nach dem Grund, warum es nicht möglich ist, gleichzeitig einen intentionalen Akt zu vollziehen und auf diesen Akt zu reflektieren, analog zur Tatsache, dass ich mich nicht gleichzeitig interessieren kann für die physischen Eigenschaften eines Bildes, beispielsweise für die Eigenschaften der Leinwand eines Ölbildes, des Holzgestells, auf das die Leinwand gespannt ist usw. einerseits und andererseits für das in diesem Bild Dargestellte? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142


Inhalt

c)

d)

Ist die Frage nach dem Grund, warum es nicht möglich ist, gleichzeitig einen intentionalen Akt zu vollziehen und auf diesen Akt zu reflektieren analog zur Tatsache, dass wir uns nicht gleichzeitig dem Anschauen der vom Maler im Bild dargestellten Frühlingslandschaft widmen und uns aufmerksam an dieselbe Landschaft zur selben Jahreszeit erinnern können, so wie wir sie vor einigen Jahren selbst gesehen haben, als wir uns selbst im Frühling oder in einer anderen Jahreszeit in ihr aufhielten, so wie wir sie selbst auch später wieder sehen können und so wie der Künstler sie gesehen hat, als er sich in ihr aufgehalten hat, als er sein Ölbild malte oder einen Entwurf dafür skizzierte? . . . . . . . . 143 Antwort auf die in den drei obigen Abschnitten a), b) und c) gestellten Fragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143

5. Kapitel. Reflexion auf intentionale Erlebnisse ist nur aufgrund von Vergegenwärtigungen möglich, z. B. aufgrund von Erinnerungen an Vergangenes, Vorstellen von Künftigem, Phantasieren von Möglichem, Einfühlen in andere erlebende Wesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145 6. Kapitel. Einwand: Es gibt Reflexion auf gegenwärtige intentionale Erlebnisse, denn das Wissen um nur Scheinbares im gesehenen Gegenwärtigen enthält Reflexion auf unser gegenwärtiges Sehen. Antwort auf diesen Einwand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 7. Kapitel. Nicht nur auf eigene intentionale Erlebnisse können wir reflektieren, sondern in der vergegenwärtigenden Einfühlung in andere erlebende Wesen auch auf deren intentionale Erlebnisse. Diese Reflexion ist «Vergegenwärtigung» in einem doppelten Sinn. . . . . . . . . . 152 8. Kapitel. Was motiviert uns, auf die eigenen und die fremden intentionalen Erlebnisse zu reflektieren? Erst durch die Reflexion auf eigene und auf fremde Erlebnisse gewinnen wir die Erkenntnis des subjektiv bedingten Charakters unserer Erfahrung und erst durch die Reflexion in der Einfühlung gewinnen wir die volle Intersubjektivität . . 155 Zitierte Schriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159

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Vorwort

Die erste der drei in diesem Buch vorgelegten Studien geht auf einen Vortrag zurück, den ich im Rahmen des Symposions über «Gedächtnis und Voraussicht / Mémoire et projet» der Schweizerischen Philosophischen Gesellschaft am 11.–13. Mai 2000 in Mendrisio unter dem Titel «Die besondere Wirklichkeit der Vergangenheit» gehalten habe und der in der Jahreszeitschrift dieser Gesellschaft, in den Studia philosophica, veröffentlich wurde (Vol. 60 (2002), S. 13–32). Diesen Text habe ich danach grundlegend und aufgrund in ihm noch nicht gestellter Fragen überarbeitet und weitergeführt und lege ihn nun in dieser sehr erweiterten Fassung zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor. Die zweite Studie, «Personale Einheit und Identität. Zwei Prinzipien der Bewusstseinseinheit: Erlebtsein und Zusammenhang der Erlebnisse», schrieb ich für eine Festschrift meines Freundes und Kollegen, Prof. Guido Küng, Universität Fribourg/Freiburg. Diese Festschrift wurde dann aber von ihren zwei Initianten nicht veröffentlicht, sodass ich meinen Beitrag in der mittlerweile eingegangenen Zeitschrift des Philosophischen Institutes der Universität Bern unterbrachte: Facta Philosophica 2, 2000, S. 51–74, Verlag Peter Lang, Schweiz. Auch ihn habe ich für die Aufnahme in dieses Buch Philosophische Studien überarbeitet, aber nicht im selben Ausmasse wie die erste Studie. Die dritte Studie, «Reflexion und Intersubjektivität», habe ich zuerst im Januar 2003 als Vortrag gehalten, der als Grundlage für eine Diskussion in einer Veranstaltung zu meinem Abschied als Professor am Philosophischen Institut der Universität Bern diente. Denn ich dachte, Reflektieren ist die eigentliche Arbeit des Philosophierenden, nicht irgendein Reflektieren, sondern primär ein Reflektieren über sich selbst als Selbsterkenntnis. Frau Prof. Martine Nida-Rümelin (Universität Fribourg), Herr Prof. Ullrich Melle (Universität Leuven) und Herr Prof. Emil Anghern (Universität Basel) ha-


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Vorwort

ben dazu in Korreferaten Stellung genommen. Ich bin diesen Korreferenten zu grossem Dank verpflichtet, denn ich habe aus ihren Beiträgen wertvolle Anregungen empfangen. Ein Teil von diesen hat in der hier vorliegenden Fassung dieser Studie Ausdruck gefunden. Sie wird hier nach einer Überarbeitung, abgesehen von einer chinesischen Übersetzung,1 zum ersten Mal veröffentlicht. Diese drei Studien hängen eng miteinander zusammen, sowohl zeitlich als auch, was wichtiger ist, inhaltlich, sachlich gesehen. Der zeitliche Zusammenhang ist aus der obigen Angabe der Jahre ihrer ersten Publikation ersichtlich, auch wenn ihre damalige Fassung nur mehr oder weniger derjenigen in diesem Buch entsprach. Ihre ersten Fassungen habe ich innerhalb von ungefähr drei Jahren geschrieben. Was ihren sachlichen Zusammenhang betrifft, so ist die erste Studie über Erinnerung eine philosophische Voraussetzung für die zweite über personale Einheit und Identität. Denn das Problem der personalen Einheit und Identität kann sich nur für ein Wesen stellen, das sich an vergangenes eigenes Erleben und Handeln, an seine vergangenen Überzeugungen und Entschlüsse erinnern kann und sich fragt, inwiefern es in seinen Handelns- und Erlebensweisen, in seinen Überzeugungen verschiedenster Art und in seinen Entschlüssen eine Einheit bildet und bildete und inwiefern es in seinem vergangenen Erleben und Handeln dasselbe und inwiefern es nicht dasselbe geblieben ist. Ein solches Befragen der eigenen Einheit und der Geschichte des eigenen Erlebens und Handelns, der eigenen Überzeugungen und Entschlüsse ist nur möglich durch Reflexion über diese subjektive Geschichte. Der Charakter und die Möglichkeiten einer solchen Reflexion (Rückwendung) ist der Gegenstand der dritten Studie. In ihr ist auch von Intersubjektivität die Rede, weil das Reflektieren sich nicht nur auf die eigene subjektive Geschichte, sondern aufgrund der Einfühlung auch auf die subjektive Geschichte anderer richten kann. Erst aufgrund dieser Reflexion in der Einfühlung kommt die Subjektivität anderer und ihrer subjektiven Beziehungen zum Reflektieren-

心的現象.耿寧現象學研究文集 (Das Phänomen des Geistes. Sammlung phänomenologischer Aufsätze von Iso Kern), Commercial Press, Beijing 2012, pp. 381–401.

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Vorwort

den und der Beziehungen des Reflektierenden zur anderen einfühlenden Subjektivität zur klaren Geltung.

Dank Ich möchte meinem Freund und ehemaligem Kollegen an der Universität Bern, Prof. em. Eduard Marbach herzlich danken, dass er die erste der drei Studien, diejenige über Erinnerung und die besondere Wirklichkeit der Vergangenheit, kritisch gelesen und mit mir diskutiert hat. Dadurch vermochte ich diese Studie wesentlich zu verbessern. Zu Dank verpflichtet bin ich auch Frau Prof. Martine Nida-Rümelin, Universität Fribourg/Freiburg. Nachdem ich im Januar 2003 eine Vorfassung der dritten Studie als Vortrag gehalten hatte, nahm sie in einem Korreferat dazu kritisch Stellung. Daraus habe ich für meine in diesem Buch vorgelegte dritte Studie, für diejenige über Reflexion, gelernt.

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