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Beyträge zur leichtern Uebersicht des Zustandes der Philosophie beym Anfange des 19. Jahrhunderts

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Kommentierte Ausgabe Herausgegeben von Martin Bondeli Band 1: Versuch einer neuen Theorie des menschlichen Vorstellungsvermögens. Band 2: Briefe über die Kantische Philosophie, 2 Bände. Band 3: Beyträge zur Berichtigung bisheriger Mißverständnisse der Philosophen, 2 Bände. Band 4: Ueber das Fundament des philosophischen Wissens.

Karl Leonhard Reinhold hat ab 1789 die von Fichte, Schelling und Hegel fortgeführte nachkantische Systemphilosophie begründet und in späteren Jahren als sprachphilosophischer Kritiker des spekulativen Idealismus gewirkt. Sein im Anschluss an Kants Vernunftkritik aufgestelltes Programm einer «Philosophie ohne Beynamen» umfasst gleichermaßen Grundlegungen zu einem System des theoretischen und praktischen Wissens wie – dem Bedürfnis nach Freiheit und Glauben entspringende – Reflexionen über die Grenzen systemorientierten Denkens. Zudem zeichnet es sich durch eine profilierte historische und aufklärerische Stoßrichtung aus: Philosophie soll geschichtlich, als Perfektionierung ihrer bisherigen Gestalten und Manifestationsformen, begriffen werden; Philosophie hat sich mit dem Gemeinverstand zu verbinden und dadurch praktisch zu werden.

Band 5: Auswahl vermischter Schriften, 2 Teile. Band 6: Verhandlungen über die Grundbegriffe und Grundsätze der Moralität. – Ueber die Paradoxien der neuesten Philosophie. – Sendschreiben an J. C. Lavater und J. G. Fichte über den Glauben an Gott.

Martin Bondeli, geb. 1954, lehrt als Privatdozent für Philosophie an den Universitäten Bern und Fribourg und ist Verfasser mehrerer Bücher zur Philosophie Kants und des deutschen Idealismus.

Band 7: Beyträge zur leichtern Uebersicht des Zustandes der Philosophie beym Anfange des 19. Jahrhunderts. Hg. von C. L. Reinhold, 2 Bände.

7/1

Reinhold · Gesammelte Schriften

Karl Leonhard Reinhold Gesammelte Schriften

Karl Leonhard Reinhold Gesammelte Schriften Kommentierte Ausgabe Band 7/1 Beyträge zur leichtern Uebersicht des Zustandes der Philosophie beym Anfange des 19. Jahrhunderts

In den sechs hier edierten Heften eines philosophischen Journals, das K. L. Reinhold 1801 bis 1803 herausgegeben hat, dokumentiert sich Reinholds Denkperiode des Logischen Realismus. Mehr als drei Viertel der vierzig Aufsätze stammen von Reinhold selbst. Seine Beiträge betreffen zum einen die Ausarbeitung des Systems des Logischen oder Rationalen Realismus, zum anderen philosophiehistorische Rekonstruktionen und Polemiken gegen Fichte, Schelling, Bouterwek und Hegel. Drei Aufsätze sind von Reinholds Mitstreiter Christoph Gottfried Bardili signiert. Das zweite und dritte Heft enthalten einen Aufsatz Johann Friedrich Köppens, einen Abdruck der 1781 abgefassten und seither lediglich in einem privaten Kreis zirkulierenden «Recension von Kants Critik der reinen Vernunft» aus der Feder Johann Georg Hamanns sowie den Erstabdruck der von Jacobi – unter Mithilfe Köppens – niedergeschriebenen Abhandlung «Ueber das Unternehmen des Kriticismus, die Vernunft zu Verstande zu bringen».

Band 8: Anleitung zur Kenntniß und Beurtheilung der Philosophie in ihren sämmtlichen Lehrgebäuden. – Versuch einer Auflösung der von der philosophischen Classe der königl. Akademie der Wissenschaften in Berlin für 1805 aufgestellten Aufgabe.

Band 10: Das menschliche Erkenntnißvermögen. – Die alte Frage: Was ist die Wahrheit? Band 11: Aufsätze und Rezensionen. – Ausgewählte Freimaurerschriften. Band 12: Vorlesungsnachschriften.

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Band 9: Versuch einer Critik der Logik aus dem Gesichtspunkte der Sprache. – Grundlegung einer Synonymik.

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17.01.20 14:04


K A R L L E ON H A R D R E I N HOL D

GE SA M M E LT E S C H R I F T E N KOM M E N T I E RT E AUS G A BE

H E R AUS G E G E BE N VON M A RT I N B ON DE L I

BA N D 7/1

W I S S E N S C H A F T L IC H E R BE I R AT K A R L A M E R I K S , N O T R E DA M E , I N DI A NA M A N F R E D BAU M , W U PPE RTA L M A R ION H E I N Z , S I E G E N BR IG I T T E H I L M E R , BA S E L S A BI N E ROE H R , N E W J E R S E Y C I T Y, N E W J E R S E Y WOL F G A N G RO T H E R , BA S E L / Z Ü R IC H PI E R LU IG I VA L E N Z A , ROM J E A N- C L AU DE WOL F, F R I B OU RG

S C H WA BE V E R L AG


K A R L L E ON H A R D R E I N HOL D

BE Y T R ÄGE Z U R L E IC H T E R N U E BE R SIC H T DE S Z US TA N DE S DE R PH I L O S OPH I E BE Y M A N FA NGE DE S 19. JA H R H U N DE RT S HG . VON C . L . R E I N HOL D H E R AUS G E G E BE N VON M A RT I N B ON DE L I U N D SI LVA N I M HOF U N T E R M I T W I R K U NG VON F E DE R IC O F E R R AGU T O U N D PI E R LU IGI VA L E N Z A

S C H WA BE V E R L AG


Die Druckvorstufe dieser Publikation wurde vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung unterstützt. Publiziert mit Unterstützung von der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

© 2020 Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschlieβlich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Satz: Schwabe Verlag, Berlin Druck: Hubert & Co., Göttingen Printed in Germany ISBN 978-3-7965-3981-7 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-4159-9 DOI 10.24894/978-3-7965-4159-9 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch


In ha lt Einleitung

.............................................

XIII

1. Zur Entstehung und zu den Kontexten der Beyträge zur leichtern Uebersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Idee und Weg des Publikationsprojekts XVII.

XVII

Debatten und Neuformierungen in der nachkantischen Philosophie um 1800 XXII. Reinholds Übergang zum Rationalen Realismus XXXIV.

2. Zum Inhalt der Beyträge zur leichtern Uebersicht . . . . . . . . . . . . . Das System des Rationalen Realismus XLIII.

XLII

Der Rationale Realismus im Spannungsfeld der neueren und neuesten Philosophie LXI.

3. Zur Wirkung der Beyträge zur leichtern Uebersicht . . . . . . . . . . . LXXIV Hinweise zur Edition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . LXXXV Siglen und Kurztitel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . LXXXVII Schriften und Dokumente Reinholds LXXXVII. Schriften und Dokumente anderer Autoren XC. Zeitschriften XCII. Bibliographische Angaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zu den Beyträgen zur leichtern Uebersicht XCIII. Rezensionen XCIV.

XCIII

Werke und Aufsätze anderer Autoren, die ohne vollständige Angaben zitiert werden XCV. Ohne vollständige Angaben zitierte Sekundärliteratur XCVIII.

Beyträge zur leichtern Uebersicht des Zustandes der Philosophie beym Anfange des 19. Jahrhunderts. Erstes Heft Vorrede. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . N. I.

Die erste Aufgabe der Philosophie, in ihren merkwürdigsten Auflösungen, seit der Wiederherstellung der Wissenschaften. Erste Abtheilung. Von Baco bis auf Kant. . . . . . . . . . . . . . . . .

5

11


VI

Inhalt Einleitung. 11. §. I. Baco von Verulam 14. §. II. Descartes. 16. §. III. Spinoza. 21. §. IV. Leibnitz. 23. §. V. Wolf und die Leibnitzisch-wolfische Schule. 29. §. VI. Locke 33. §. VII. Hume 39. §. VIII. Der teutsche Eklekticismus oder die Popularphilosophie. 42.

N. II. Was heißt philosophiren? was war es, und was soll es seyn?

45

N. III. Vorläufige Zurückführung der Philosophie auf eigentliche Vernunftlehre. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

58

N. IV. Was ist das Denken, als Denken? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wesen des Rechnens, als Rechnens. 64. Wesen des Denkens, als Denkens. 66. N. V.

63

Sendschreiben an den Herrn Professor Fichte über die zweyte Recension von Bardilis Grundriß u. s. w. in der Erlang. Litt. Zeitung N. 214. und 215. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

70

N. VI. Ideen zu einer Heautogonie oder natürlichen Geschichte der reinen Ichheit, genannt, reine, Vernunft. . . . . . . . . . . . . . . . . .

81

N. VII. Beylage zum Sendschreiben an Fichte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Aus einem Briefe Bardilis vom 3. Febr. 1800.) 91. Aus der Antwort. 95. Aus einem Schreiben im darauffolgenden Monat. 99.

91

Inhalt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

101

Beyträge zur leichtern Uebersicht des Zustandes der Philosophie beym Anfange des 19. Jahrhunderts. Zweytes Heft Vorbericht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . N. I.

Die erste Aufgabe der Philosophie in ihren merkwürdigsten Auflösungen. Zweyte Abtheilung. Von 1781. bis 1800. . . . . . §. I. Kant. 110. Critik der reinen Vernunft. 115. Critik der praktischen Vernunft. 119.

107 110


Inhalt

VII

§. II Friedrich Heinrich Jacobi. 123. §. III. Reinholds Elementarphilosophie, Aenesidemus anticritischer, und Salomon Maimons critischer Skepticismus. 127. §. IV. Fichte 131. §. V. Schelling. 140.

N. II. Ueber Bardilis erste – Kants transcendentale – und die bisherige allgemeine – Logik. Ein Sendschreiben Bardilis an den Herausgeber. [C. G. Bardili] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

146

N. III. Ueber die Autonomie als Princip der praktischen Philosophie der Kantischen – und der gesammten Philosophie der Fichtisch-schellingschen Schule. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

163

N. IV. Einige Gedanken über philosophische Systeme überhaupt und insbesondere die Wissenschaftslehre. [J. F. Köppen] . . . . . . .

192

N. V.

Die Elemente des rationalen Realismus oder der philosophischen Analysis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

214

N. VI. Eine zwanzig Jahr alte, aber noch ungedruckte Recension von Kants Critik der reinen Vernunft [J. G. Hamann] . . . . . . . . . .

228

Inhalt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

232

Beyträge zur leichtern Uebersicht des Zustandes der Philosophie beym Anfange des 19. Jahrhunderts. Drittes Heft Vorbericht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . I.

Ueber das Unternehmen des Kriticismus, die Vernunft zu Verstande zu bringen, und der Philosophie überhaupt eine neue Absicht zu geben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vorbericht. [F. H. Jacobi] 242.

237

242

[Ueber das Unternehmen des Kriticismus, die Vernunft zu Verstande zu bringen, und der Philosophie überhaupt eine neue Absicht zu geben.] [F. H. Jacobi, J. F. Köppen] 252.

Ueber das sinkende Ansehen der Philosophie – ein Sendschreiben von Bardili. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

303

III. Neue Darstellung der Elemente des rationalen Realismus. . . . .

312

II.


VIII

Inhalt

IV. Ueber das absolute Identitätssystem, oder den neuesten reinen Rationalismus des Herrn Schelling und dessen Verhältniß zum rationalen Realismus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . V.

330

Ueber das Fichtesche Antwortschreiben auf mein Sendschreiben (N. V. im 1. Hefte.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

341

VI. Die erste Aufgabe der Philosophie in ihren merkwürdigsten Auflösungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

354

§. VI. Bouterwecks Apodiktik. 354.

Inhalt des dritten Heftes. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

368

Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erstes Heft 369. Zweytes Heft 410. Drittes Heft 465.

369


I n ha lt Ba nd 2 Beyträge zur leichtern Uebersicht des Zustandes der Philosophie Beym Anfange des 19. Jahrhunderts. Viertes Heft Vorbericht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . I.

II.

Ueber das Verhältniß des Verstandes zur Rechtschaffenheit. [C. G. Bardili] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erster Brief. 514. Zweyter Brief. 546. Dritter Brief. 556. Vierter Brief. 564.

507 514

Elemente der Phänomenologie oder Erläuterung des rationalen Realismus durch seine Anwendung auf die Erscheinungen. . . .

570

III. Schlüssel zur Philodoxie überhaupt und insbesondere zur sogenannten Spekulativen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

613

IV. Anmerkungen zu Herrn Schellings Gespräche im I. Hefte seines krit. Journals. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erste Anmerkung. 621. Zweyte Anmerkung. 622. Dritte Anmerkung. 625. V.

621

Die Simplicität der Philosophie im Gegensatz mit der Duplicität der Philodoxie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

627

VI. Hat der rationale Realismus mehr als ein Princip? . . . . . . . . . . .

631

Inhalt des vierten Heftes. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

634


X

Inhalt Band 2

Beyträge zur leichtern Uebersicht des Zustandes der Philosophie beym Anfange des 19. Jahrhunderts. Fünftes Heft Ueber den Vertilgungskrieg zwischen der spekulirenden und der denkenden Philosophie. Zugleich auch Vorbericht zum fünften Hefte.

639

N. I.

Populäre Darstellung des rationalen Realismus. . . . . . . . . .

648

N. II.

Rechenschaft über mein Systemwechseln. . . . . . . . . . . . . . .

659

N. III.

Ueber die Verwechslung und die Vereinigung der Natur mit Gott. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

671

N. IV.

N. V.

Briefe an F. H. Jacobi. Ueber das Wesen der Jacobischen, Fichteschen, Schellingschen und Bardilischen Philosophie. Erster Brief. 683. Zweyter Brief. 688. Dritter Brief. 694. Vierter Brief. 699.

683

Die Dogmen des Criticismus, als Entwurf einer Formula Fidei et Concordiae für die philosophischen Recensenten der Jenaischen A. L. Z. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

707

Entwurf einer populären Darstellung aller bisherigen, mit der Verwechslung des Denkens und Vorstellens behafteten, Philosophie. Als Beylage zu Herrn Professor Sochers Grundriß der Geschichte der philosophischen Systeme. . .

713

N. VII. Ueber die apodiktische Verwandlung der Philosophie in eine Glaubenslehre. Veranlaßt durch das erste Heft des Bouterweckschen neuen Musäums. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

724

N. VIII. Ueber den sogenannten praktischen Realismus in der Philosophie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

730

N. VI.

N. IX.

Ueber die Philosophie, welche schon in ihrem Princip Religion ist. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

735

Inhalt des fünften Heftes. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

743


Inhalt Band 2

XI

Beyträge zur leichtern Uebersicht des Zustandes der Philosophie beym Anfange des 19. Jahrhunderts. Sechstes Heft Vorbericht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

749

N. 1.

752

Neue Auflösung der alten Aufgabe der Philosophie. . . . . . . . Erster Abschnitt. Die Philosophie als Aufgabe. 752. Zweyter Abschnitt. Verhältniß dieser Aufgabe zur Logik. 754. Dritter Abschnitt. Von dem an sich Bekannten, und dem an sich Unbekannten in dieser Aufgabe. 756. Vierter Abschnitt. Die Identität, als solche, in ihrem Verhältnisse zur Nichtidentität, als das heuristische Princip unserer Aufgabe. 761. Fünfter Abschnitt. Von dem Widerspruch an sich, und von dem Nichtwiderspruch als Bedingung der Vorstellung, oder Darstellung der Anwendung der Identität. 765. Sechster Abschnitt. Das Denken als Denken in seiner Anwendung. 771. Siebenter Abschnitt. Vorläufige Uebersicht der gesammten Darstellung des Denkens als Denkens in der Anwendung. 775. Achter Abschnitt. Erstes Hauptmoment der Darstellung des Denkens, als Denkens in der Anwendung. Die Wirklichkeit und die Möglichkeit. 779. Neunter Abschnitt. Von der Wirklichkeit, als Veränderung und Ausdehnung, oder, als Form der Materie. 782. Zehnter Abschnitt. Von der Möglichkeit, als der Nichtveränderung und Nichtausdehnung, oder der Form des angewendeten Denkens. 784. Eilfter Abschnitt. Von der Wirklichkeit und der Möglichkeit, als der Objektivität an sich. 787. Zwölfter Abschnitt. Zweytes Hauptmoment der Darstellung des Denkens als Denkens in der Anwendung. Von der durch die Möglichkeit bestimmten Wirklichkeit, und von der Coexistenz, dem Gegensatz, und der Affinität. 789. Dreyzehnter Abschnitt. Von der Vielheit, Mannigfaltigkeit, Einheit, Qualität, Allheit, und Quantität. 794. Vierzehnter Abschnitt. Vom Genus, an sich, oder, dem Multiplikator der Formen, und vom Allgemeinen, Besondern und Individuellen. 796. Fünfzehnter Abschnitt. Das Wesen, das Außerwesentliche, das Princip, die Substanz, die Ursache, der Grund, die Bedingungen, das Endliche und das Unendliche. 798. Sechzehnter Abschnitt. Manifestation des Wesens. Erscheinung und Schein. Dogmatismus und Skepticismus. 803. Siebenzehnter Abschnitt. Organismus und Leben, organische und belebte, anorgische und leblose Erscheinung, Organisation, Composition, Coalition, Körper. 807.


XII

Inhalt Band 2

N. II. Gespräch. Ueber die französische und die teutsche Logik. Auf Veranlassung der, vom Nationalinstitut, aufgestellten Preisaufgabe: über die Zergliederung des Denkvermögens.

813

N. III. Uebersicht der philosophischen Literatur. Von 1801 bis 1803. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

825

1. Grundsätze der allgemeinen Logik. Von Gottlob Ernst Schulze, Hofrath und Professor in Helmstädt. Daselbst bey C. G. Fleckeisen. 1802. 828. 2. Grundriß der Logik von Johann Heinrich Tieftrunk, ordentlichem Professor der Philosophie zu Halle. Daselbst in der Curt. Buchhandl. 1801. 841 3. Lehrbuch der Logik, nebst einer Einleitung zur Philosophie überhaupt und besonders zu der bisherigen Metaphysik, von Christian Weiß, außerordentl. Prof. der Philosophie in Leipzig. Daselbst bey G. J. Göschen 1801. 849. 4. Handbuch der Logik zum Gebrauch akademischer Vorlesungen, herausgegeben von Andräas Metz, der Philosophie und Theologie Doktor, der Logik, Metaphysik und praktischen Philosophie an der Julius-Unversität zu Würzburg öffentlichen, und der Physik und Moralphilosophie am Gymnasium daselbst dieses Jahr öffentlichen, und ordentlichen Lehrer. Würzburg bey Rienner 1802. 853. 5. Versuch einer vollständigen, analytischen, Denklehre, als Vorphilosophie, und im Geiste der Philosophie. Von G. E. A. Mehmel, öffentl. und ordentl. Lehrer der Philosophie. Erlangen bey Walter 1803. 856. 6. Abhandlung über die philosophische Construction, als Einleitung zu Vorlesungen in der Philosophie, von B. C. H. Hoyer. Aus dem Schwedischen. Stockholm bey Silverstolze, und in Commission bey Perthes in Hamburg. 1801. 860. 7. Aphorismen über das Absolute, von einem für diesesmal ungenannten, aber nichts weniger, als unbekannten Verfasser. S. Neues Musäum der Philosophie und Litteratur. Herausg. von Fried. Bouterweck. Ersten Bandes Zweytes Heft. Leipzig bey Martini. 1803. 862.

N. IV. Ueber das Verhältniß des gesunden Verstandes und der philosophirenden Vernunft zum gemeinen Verstande und zur spekulirenden Vernunft. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

868

Inhalt des sechsten Heftes. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

882

Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Viertes Heft 883. Fünftes Heft 908. Sechstes Heft 936.

883

Namenregister

973

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Ein leitu ng

Die hier neu veröffentlichten von 1801 bis 1803 bei Friedrich Perthes in Hamburg erschienenen sechs Hefte der von Karl Leonhard Reinhold herausgegebenen Beyträge zur leichtern Uebersicht des Zustandes der Philosophie beym Anfange des 19. Jahrhunderts1 dokumentieren jene Denkperiode des Herausgebers, in der dieser in Kooperation mit Christoph Gottfried Bardili ein System des «Logischen» oder «Rationalen Realismus»2 ausgearbeitet und fortentwickelt hat. Der weitaus größte Teil, nämlich mehr als drei Viertel, der in den Heften zusammengestellten vierzig Aufsätze stammen von Reinhold selbst. Drei Aufsätze sind von Bardili signiert, von dem der Herausgeber in einem weiteren Einzelbeitrag auch Auszüge aus der im Dezember 1799 beginnenden gemeinsamen Korrespondenz3 aufgenommen hat. Das zweite und dritte Heft enthalten, gleichsam als Zeichen der Übereinstimmung mit Friedrich Heinrich Jacobis Absage an einen erklärtermaßen auf die Philosophie Kants zurückführbaren subjektiven und formalen Idealismus, einen Aufsatz Johann Friedrich Köppens, einen Abdruck der 1781 abgefassten und seither lediglich in einem privaten Kreis zirkulierenden «Recension von Kants Critik der reinen Ver-

1

2

3

Die Hefte 1 und 2 sind auf 1801, die Hefte 3 und 4 auf 1802, die Hefte 5 und 6 auf 1803 datiert. Die Vorberichte tragen bei Heft 1 das Datum November 1800 bzw. 3. Januar 1801, bei Heft 2 30. März 1801, bei Heft 3 16. September 1801, bei Heft 4 21. März 1802, bei Heft 5 13. Januar 1803 (bei der Angabe «1802» handelt es sich offensichtlich um einen Druckfehler), bei Heft 6 12. September 1803. Alle Hefte sind offenbar kurze Zeit nach Abschluss des Vorberichts erschienen. Das erste Heft war spätestens Ende Februar 1801 in Umlauf. Das auf das Jahr 1802 datierte Heft 3 erschien schon Ende 1801 und konnte deshalb in der Rezension Friedrich Bouterweks vom 26. Dezember 1801 schon mitbesprochen werden. Beide Ausdrücke werden von Bardili und Reinhold verwendet. Reinhold spricht häufiger von «Rationalem Realismus», sodass wir uns in der Folge auf diesen Terminus beschränken. Siehe C. L. Reinhold (Hg.): C. G. Bardilis und C. L. Reinholds Briefwechsel über das Wesen der Philosophie und das Unwesen der Spekulation. München 1804.


XIV

Einleitung

nunft» aus der Feder Johann Georg Hamanns4 sowie den Erstabdruck der von Jacobi – unter Mithilfe Köppens – niedergeschriebenen Abhandlung «Ueber das Unternehmen des Kriticismus, die Vernunft zu Verstande zu bringen». Der Schlussaufsatz des sechsten Heftes, in dem Reinhold seine seit 1792 behandelte Frage nach dem Verhältnis von gesundem Verstand und philosophierender Vernunft erneut aufgreift, ist gleichzeitig in einer separaten Schrift dem Publikum zugänglich gemacht worden. Reinhold hat sich mit seiner Ausarbeitung eines Systems des Rationalen Realismus, die auf der Basis einer Aneignung der Prinzipien- und Systemidee aus Bardilis Grundriß der Ersten Logik5 erfolgt, zum wiederholten Male innerhalb seines alles in allem wandlungs- und erfahrungsreichen Denkweges neu orientiert. Im vorliegenden Fall handelt es sich um seine wohl radikalste Wendung, wird doch ausgehend von der erreichten neuen Position mit der kantischen und nachkantischen Philosophie, die inzwischen als egoistischer Subjektivismus und realitätsferner Idealismus gebrandmarkt wird, hart ins Gericht gegangen und damit auch mit dem eigenen, seit Mitte der 1780er Jahre an Kant und seit Ende 1796 an Fichte orientierten Denken schonungslos abgerechnet. Treu bleibt Reinhold sich allerdings darin, dass er, wie zuvor besonders in seiner kantischen Phase der Elementarphilosophie, seine dem System gewidmeten Beiträge durch philosophiegeschichtliche Einlassungen ergänzt und legitimiert, in ausführlicher Auseinandersetzung mit Mitstreitern und Kritikern verteidigt und bei Bedarf revidiert. In diesem Sinne lassen sich denn auch die Aufsätze der sechs Hefte der Beyträge zur leichtern Uebersicht thematisch in drei Hauptrichtungen gliedern. Wie sich diversen, über alle sechs Hefte verstreuten Aufsätzen entnehmen lässt, erarbeitet Reinhold Schritt für Schritt die Grundlegungen, wesentlichen Teilsysteme und methodischen Bestimmungen des auf einem Prinzip des «Denkens als Denkens» beruhenden Systems des Rationalen Realismus und verbessert dabei wie üblich seine ersten Fassungen in rascher Folge. Zugleich stellt er, so zentral in den beiden ersten Heften, eine am Ideal des realen erkennenden Denkens gemessene Geschichte der Philosophie von Baco von Verulam bis Kant 4

5

Das Original sowie eine Abschrift dieser Rezension durch Georg Heinrich Nicolovius wurde Reinhold durch Jacobi übermittelt (siehe Jacobi an Reinhold. 4. November 1800, in: Karl Leonhard Reinhold’s Leben und litterarisches Wirken, 257f.). Der Grundriß der Ersten Logik ist auf 1800 datiert, nachweislich aber bereits zur Michaelismesse 1799 erschienen.

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Einleitung

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sowie von Kant bis zu den neuesten Systemgestalten der nachkantischen Spekulation zur Diskussion. Wie eine beträchtliche Anzahl von Aufsätzen belegt, hält Reinhold es schließlich für unabdingbar, seine Neuausrichtung gegenüber dem Publikum zu rechtfertigen, gegen Fehldeutungen seines neuen Systems vorzugehen und sich gegen harte Polemiken zur Wehr zu setzen. Zu entgegnen gilt es klarerweise auf Fichte, der nach anfänglichem Zögern Reinholds neueste Denkhaltung scharf verurteilt. Noch entschiedener muss gegen Schelling polemisiert werden, für den Reinholds Übergang zum Rationalen Realismus eine erhebliche Provokation darstellt und der den einst geschätzten Begründer der Elementarphilosophie auf einer persönlichen Ebene attackiert. Aber auch Friedrich Bouterwek, um 1800 bekannt als Verfasser eines nachkantischen Systems der «Apodiktik»,6 sowie die orthodoxen Kantianer der Allgemeinen LiteraturZeitung nötigen, da sie Reinholds neuestes Vorgehen lautstark missbilligen, zu Repliken. Da er mit den Beyträgen zur leichtern Uebersicht neben der Darstellung seines neuen Systems ebenfalls der Aufgabe eines kritischen philosophischen Journals gerecht werden möchte, nimmt Reinhold neben diesem harten Kern von Kontrahenten schließlich eine ganze Reihe weiterer damals bekannter Autoren kritisch in den Blick. Im letzten Heft liefert er eine Besprechung neuerer Lehrbücher der Logik, wobei er sich die Gelegenheit nicht entgehen lässt, jenes von Gottlob Ernst Schulze, dem skeptizistischen Antipoden aus früheren Tagen, einer vernichtenden Beurteilung zu unterziehen. Mit dem sechsten und letzten Heft von 1803 ist die Phase, die Reinhold mit der Ausarbeitung und Verteidigung des Systems des Rationalen Realismus verbringt, nicht zu Ende. Sie wird bis ungefähr Anfang 1806 dauern. Danach folgen Publikationen, die man seiner letzten und zeitlich gesehen längsten Periode zuzuordnen hat, die sich durch einen sprachkritischen und sprachtheoretischen sowie wahrheitstheoretischen Fokus auszeichnet.7 Im Rahmen der sechs Hefte präsentiert Reinhold nahezu zehn Aufsätze eigens zum System des Rationalen Realis-

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Bouterwek, zunächst ein Anhänger Kants, findet gegen 1800 zu einem eigenen System, das er in dem zweibändigen Werk Idee einer Apodiktik (Halle 1799) sowie in Anfangsgründe der speculativen Philosophie (Göttingen 1800) zur Darstellung bringt. Zum Wirken Friedrich Bouterweks um 1800 siehe U. Dierse: Bouterweks Idee einer Apodiktik. Zu diesem Wechsel sowie zur Periodisierung von Reinholds sogenannter sprachphilosophischer Phase siehe M. Gerten: Sprache und System. Zu K. L. Reinholds viertem, sprachphilosophischem Systemwechsel.


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Einleitung

mus, wobei sich neben begrifflichen Präzisierungen auch konzeptionelle Veränderungen abzeichnen. So wird nach ersten Ausführungen der Systemgedanke nicht mehr hauptsächlich ausgehend von einem Identitätsprinzip des bloßen Denkens, sondern von einem als «Analysis» bezeichneten Prinzip des angewandten Denkens generiert. Das methodische Theorem der Analysis steht denn auch – zusammen mit einer Erörterung zur Natur und eigentlichen Bedeutung des Widerspruchsprinzips – ganz im Zentrum der Untersuchungen zum Rationalen Realismus, die Reinhold unmittelbar nach 1803 angestellt hat.8 Seiner Natur nach soll das System des Rationalen Realismus als eine Einheit von Logik und Metaphysik begriffen werden und in dieser Form als eine Vernunftlehre, in die sich sowohl eine Wesenslehre oder Ontologie wie auch eine Verstandeslehre und damit neben der neuen Logik auch die herkömmliche allgemeine Logik integrieren lässt.9 Zudem plant Reinhold mit dem Rationalen Realismus, wie schon im Falle seiner Elementarphilosophie, ein Gesamtsystem der Philosophie, wobei nun aber nicht mehr die Unterscheidung in einen theoretischen und einen praktischen Teil, sondern jene in natur- und geistphilosophische Bereiche die tragende Rolle spielt. Umgesetzt wird dieser Plan insoweit, als nach Beiträgen teils zum Systemfundament, teils zu allgemeineren Ausgestaltungen des Gesamtsystems im vierten Heft unter dem Titel «Phänomenologie des rationalen Realismus» ein naturphilosophischer Systemteil unterbreitet wird. Vorgesehen ist auch, diesen durch eine «Anthropologie» zu ergänzen und auf diese Weise dem Publikum einen Einblick in

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Zu beachten sind Etwas über den Widerspruch. Hamburg 1804; sowie die Preisschrift zur Frage der Analysis Versuch einer Auflösung der von der philosophischen Classe der königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin für 1805 aufgestellten Aufgabe: «Die Natur der Analysis und der analytischen Methode in der Philosophie genau anzugeben, und zu untersuchen: ob und was es für Mittel gebe, ihren Gebrauch sicherer, leichter und nützlicher zu machen». München 1805. Siehe C. G. Bardilis und C. L. Reinholds Briefwechsel, 173, sowie Grundriß der Ersten Logik, 5. – Auch in seiner an den Rationalen Realismus anschließenden letzten Phase wird Reinhold von dessen Grundannahme einer Einheit von Vernunft- oder Denklehre und Metaphysik oder Wesenlehre ausgehen. In der Synonymik (236f.) ist die «reine» Logik «reine Denklehre und Wesenlehre zugleich». Die reine Logik ist die «reine Philosophie als Wissenschaft», von der sowohl die unter ihr stehende «empirische» als auch die «allgemeine» oder «formale» Logik zu unterscheiden sind. Letztere lehnt Reinhold als «dialektisches Blendwerk» ab.

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«das Ganze des rationalen Realismus» zu vermitteln.10 In Bezug auf diesen Folgeschritt bleibt es allerdings bei der Ankündigung. Trotz seiner nach relativ kurzer Zeit folgenden und sich nach 1810 im Projekt einer «Synonymik» niederschlagenden Zuwendung zu sprachphilosophischen und wahrheitstheoretischen Fragen verliert das System des Rationalen Realismus für Reinhold nicht an Bedeutung. Denn in diesem Fall ist der Bruch keineswegs derart gravierend wie noch beim Übertritt von der Wissenschaftslehre zum Rationalen Realismus. Reinhold wird zwar ein anderes Verständnis einer ersten Philosophie vertreten und eine neue Aufgabenstellung der Philosophie in den Mittelpunkt rücken. Doch soweit es dabei erneut zu einer Systementfaltung kommt, bleiben das begriffliche Grundgerüst und das systematologische Profil des Rationalen Realismus maßgebend. Was die Wirkung auf damalige Mitstreiter oder kommende philosophische Strömungen betrifft, gilt es hervorzuheben, dass der Rationale Realismus auffällige Verwandtschaften mit der damaligen Identitätsphilosophie Schellings und Hegels aufweist und dass dies, da man sich als Konkurrenten versteht, zu einer ausufernden Polemik führt. Allerdings zeigen sich bei genauer Betrachtung auch beachtenswerte Anregungszusammenhänge, so vor allem im Blick auf das Verhältnis von Reinhold und Hegel, die beide vergleichbare Vorstellungen über eine Einheit von Logik und Metaphysik sowie über eine mit der Idee des Zurücklaufens in den Grund operierende Methodik der Begründung wahren Wissens entwickeln. Gleichzeitig bestehen aber gerade auch hier, so vor allem hinsichtlich der Auffassung von Widerspruch und Strukturen des begrifflichen Fortschreitens, signifikante Unterschiede, die den Schluss zulassen, dass Reinholds rational-realistisches Logikverständnis letztlich eher einem anti-dialektischen Logikverständnis, wie es Friedrich Adolf Trendelenburg ab 1840 geltend machen wird, vorarbeitet.

1. Zur Entstehung und zu den Kontexten der Beyträge zur leichtern Uebersicht 30

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Idee und Weg des Publikationsprojekts Den Plan zur Publikation der Beyträge zur leichtern Uebersicht hat Reinhold eigenen Aussagen zufolge schon vor seiner Anfang November 1799 einsetzenden Lektüre von Bardilis Grundriß der Ersten Logik und dem darauf folgenden Übergang zum Rationalen Realismus gefasst. Im Brief an Bardili vom 17. März 10

Siehe Beiträge Übersicht H 4, V.


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Einleitung

1800 schreibt Reinhold: «Schon lange trage ich die Idee zu Bemerkungen eines Zuschauers über den Zustand der deutschen Philosophie am Eingange des neunzehnten Jahrhunderts mit mir herum.»11 Und er macht dabei deutlich, dass dieses Vorhaben durch die unterdessen erfolgte Entdeckung und Aneignung von Bardilis Philosophie «eine ganz andere Beschaffenheit und Richtung angenommen» hat.12 Offenbar hatte Reinhold zunächst vor, das Publikationsprojekt ganz auf die philosophiegeschichtliche Fragestellung auszurichten und so gleichsam eine Fortsetzung zu einer in der erweiterten Preisschrift von 179713 behandelten Thematik zu liefern. Die Zuwendung zu Bardili und der Übergang zum Rationalen Realismus haben aber dazu geführt, dass die Darstellung und Verteidigung des neuen Systems dringend geworden sind und die Ausrichtung sich entsprechend differenziert hat. Aus dem Brief Reinholds an Bardili vom 17. März 1800 ist ebenfalls zu erfahren, dass Reinhold um diese Zeit «das Ganze allmählig in vier Heften erscheinen» lassen will. Ferner wird man darüber in Kenntnis gesetzt, dass Jacobi, mit dem Reinhold zuvor in Eutin über die 1799 bei Perthes erschienenen Schreiben an Fichte14 und andere gemeinsame Vorhaben diskutiert hat, zu den projektierten Heften bereits «Beyträge versprochen» hat.15 Reinhold lädt selbstverständlich nun auch Bardili, zu dessen Grundriß der Ersten Logik er soeben eine Rezension abgeschlossen und an die Redaktion der Allgemeinen Literatur-Zeitung geschickt hat,16 zur Abfassung geeigneter Aufsätze ein und bittet als erstes um die Erlaubnis, «einen Auszug des Wissenschaftlichen unserer Correspondenz» abdrucken zu können.17 Auch Fichte soll offenbar für eine Zusammenarbeit gewonnen werden. Jedenfalls ist Reinhold, trotz seiner nicht verhehlten Vorbehalte gegenüber dem übertriebenen Subjektivismus der bisherigen Fassungen der Wissenschaftslehre und bestärkt durch die neuere, einem philosophischen 11 12 13

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Siehe C. G. Bardilis und C. L. Reinholds Briefwechsel, 141. Siehe ebd. «Ueber den gegenwärtigen Zustand der Metaphysik und der transcendentalen Philosophie überhaupt» (Vermischte Schriften II. RGS 5/2, 9–140). [F. H. Jacobi]: Jacobi an Fichte. Hamburg 1799; K. L. Reinhold: Sendschreiben an J. C. Lavater und J. G. Fichte über den Glauben an Gott. Hamburg 1799. Siehe C. G. Bardilis und C. L. Reinholds Briefwechsel, 141. Diese erschien in ALZ 1800. Nr. 127–129. 5. bis 7. Mai, 273–279, 281–287, 289–292. Siehe C. G. Bardilis und C. L. Reinholds Briefwechsel, 141. – In größerem Umfang gibt Reinhold seinen wissenschaftlichen Briefwechsel mit Bardili, abgesehen von einem kleinen Auszug (siehe Anm. 22), dann 1804 bei Leutner in München heraus.

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Glauben das Wort redende Haltung in Fichtes Bestimmung des Menschen, von diesem Ansinnen bis zum Spätherbst des Jahres 1800 immer noch angetan, bevor dieses sich dann radikal und endgültig zerschlägt. Ab März 1800 wird sich Reinholds Publikationsvorhaben, dem sich neben Jacobi dann tatsächlich auch Bardili ganz anschließt, so weit konkretisieren, dass er eine auf den 29. Oktober datierte Anzeige an den Neuen Teutschen Merkur senden kann, die dort in der Dezemberausgabe abgedruckt wird.18 Dieser Anzeige zufolge soll bei Perthes in Hamburg bald ein «Erstes Heft» der «Beiträge zur leichtern Uebersicht des Zustandes der Filosofie beim Schlusse des 18. Jahrhunderts» herauskommen. Der weitere Anzeigetext beinhaltet eine Vorfassung des auf November 1800 datierten ersten Teils der Vorrede des ersten Heftes der Beyträge zur leichtern Uebersicht. Es wird bekannt gegeben, dass die philosophische Revolution, an deren Anfang die kantische Philosophie steht, an ihr Ende gelangt ist und dass demnach ein grundlegend neuer Weg eingeschlagen werden muss. Erwähnt wird zudem, dass es in eigener Sache zur Entdeckung einer neuen, jenseits von Materialismus und Idealismus, Dogmatismus und Skeptizismus zu verortenden realistischen Philosophie gekommen ist, einer realistischen Philosophie, deren Wurzeln vor allem bei Platon und dem echten, nicht durch die Philosophie Wolffs entstellten, Leibniz zu suchen sind. Im Vergleich mit dem ersten Teil der Vorrede wird in der Anzeige allerdings der Gedanke, wonach es die Entdeckung einer neuen Logik ist, die zum Verlassen des bisherigen Denkwegs und zur jetzigen Darstellung des Rationalen Realismus führt, noch kaum angeschnitten. Was die weitere Phase bis zum Erscheinen des ersten Heftes im Frühjahr 1801 betrifft, kommt es augenscheinlich während des Prozesses der Drucklegung zu einer Verzögerung. Am 4. November ist der erste Teil der Vorrede des ersten Heftes in den Händen Jacobis, der ihn nach der Lektüre umgehend an den Verleger Perthes zu schicken verspricht.19 Mit großer Wahrscheinlichkeit wäre in der Folge das erste Heft Ende November oder jedenfalls noch im letzten Monat des Jahres 1800 erschienen, wenn nicht die angedeutete Reaktion Fichtes auf die Avancen Reinholds dazwischengekommen wäre. Wie dem zweiten, auf den 3. Januar 1801 datierten Teil der Vorrede des ersten Heftes zu entnehmen ist, erhält Reinhold im November davon Kunde, dass sich in der Er18 19

Siehe Neuer Teutscher Merkur. 1800. 12. Stück. Dezember, 318–322. «Deine Vorrede übersende ich Perthes mit erster Post.» (Jacobi an Reinhold. Eutin 4. November 1800; Karl Leonhard Reinhold’s Leben und litterarisches Wirken, 258)


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langer Litteratur-Zeitung eine vernichtende Rezension Fichtes zu Bardilis Grundriß der Ersten Logik findet.20 Reinhold sieht in diesem Text Fichtes eine eigentliche Gegenrezension zu einer eigenen Rezension aus der Allgemeinen Literatur-Zeitung von Anfang Mai 1800. Spätestens jetzt wird ihm klar, dass jedes weitere Bemühen, Fichte von der neu eingeschlagenen realistischen Richtung zu überzeugen, vergeblich ist. Reinhold greift deshalb umgehend zur Feder und verfasst im Laufe des Novembers ein geharnischtes «Sendschreiben an den Herrn Professor Fichte über die zweyte Rezension von Bardilis Grundriß u. s. w.». Dieses Schreiben, das Ende November von Jacobi lektoriert wird,21 wird sodann, zusammen mit einer die Korrespondenz zwischen Reinhold und Bardili in Sachen Fichte betreffenden «Beylage zum Sendeschreiben an Fichte», noch ins erste Heft aufgenommen.22 Reinhold hält es zudem für nötig, da und dort seine Polemik gegen die neuere Philosophie der Subjektivität zu verschärfen und gegen die gesamte Kantische und Fichte-Schelling’sche Philosophie zu richten. Da das Heft dadurch erst im neuen Jahrhundert erscheinen kann, lässt sich nachvollziehen, weshalb im Titel des ersten Heftes der Beyträge zur leichtern Uebersicht schließlich von einem Zustand der Philosophie nicht mehr «beim Schlusse des 18. Jahrhunderts», sondern, wie dann auch bei den folgenden Heften, «beym Anfange des 19. Jahrhunderts» die Rede ist. Über die Planung der weiteren Hefte der Beyträge zur leichtern Uebersicht und über mögliche konzeptionelle oder den Umfang betreffende Veränderungen des Gesamtplanes hat Reinhold sich in der Folge nur spärlich geäußert. Einiges Kopfzerbrechen hat ihm der Aufsatz von Jacobi bereitet, der wegen einer Krankheit des Autors zuerst noch durch Köppen beendet und deswegen auf das dritte Heft verschoben werden musste. Generell ist zu konstatieren, dass mit Beginn des dritten Heftes nicht mehr das philosophiegeschichtliche Arbeitsfeld, sondern die von Reinhold nach 1800 vehement vorangetriebene Darstellung und Verteidigung des Rationalen Realismus im Zentrum steht. Zudem

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Es handelt sich um die sogenannte zweite Erlanger-Rezension zu Bardilis Grundriß der Ersten Logik. Sie war am 30. und 31. Oktober 1800 in der Erlanger LitteraturZeitung erschienen (siehe GA I/6, 427–450). Zuvor war im selben Organ bereits eine sehr kritische Rezension zum Grundriß der Ersten Logik erschienen, die offenbar von Johann Heinrich Abicht stammt. Man beachte dazu den Brief Jacobis an Reinhold vom 28. November 1800 (Karl Leonhard Reinhold’s Leben und litterarisches Wirken, 259f.). Siehe die Aufsätze V und VII in Beiträge Übersicht H 1.

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