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Hans Kunz. Schriften zur Psychoanalyse II

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Hans Kunz Schriften zur Psychoanalyse II

Frühe Beiträge zur Psychoanalyse (ı928 – ı940 ) und ausgewählte Rezensionen zur psychoanalytischen Literatur Herausgegeben von Jörg Singer

Hans-Kunz-Gesellschaft Frauenfeld


Hans Kunz

Gesammelte Schriften in Einzelausgaben In Zusammenarbeit mit der Hans-Kunz-Gesellschaft Frauenfeld herausgegeben von JĂśrg Singer

Band Äą0


Hans Kunz

Schriften zur Psychoanalyse ii Frühe Beiträge zur Psychoanalyse (ı928– ı940 ) und ausgewählte Rezensionen zur psychoanalytischen Literatur

Herausgegeben von Jörg Singer Hans-Kunz-Gesellschaft Frauenfeld

Schwabe Verlag


Die Hans-Kunz-Gesellschaft und der Verlag danken der Dr. Margrit Egnér-Stiftung, Zürich, dem Regierungsrat des Kantons Solothurn, Solothurn-Kultur (Lotteriefonds) und Madame Jacqueline Schindler, Présidente de la fondation Zeno Karl Schindler, Hergiswil für die finanzielle Unterstützung, die die Drucklegung dieses Bandes ermöglicht hat.

Hans Kunz – Gesammelte Schriften in Einzelausgaben Band ı0 : Psychoanalyse ii Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie ; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

© 202ı Schwabe Verlag, Schwabe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Gestaltung und Satz: icona basel gmbh, Basel Druck: Hubert & Co., Göttingen Printed in Germany ISBN Printausgabe 978-3-7965-4ı27-8 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-4272-5 DOI ı0.24894 / 978-3-7965-4272-5 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights @ schwabe.ch www.schwabe.ch


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Inhalt

Zu diesem Band ......................................................................................

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ı. Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse .........................

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Nachgelassene Entwürfe zu einem Buch aus den ı930er-Jahren Einleitung

Die Notwendigkeit einer philosophischen Interpretation der Psychoanalyse in der gegenwärtigen Situation ................................... 3 i. Kapitel Die philosophische Relevanz der Psychologie ............. ı3 ii. Kapitel Die analytische Situation und die Grenzen ihrer genuinen Bedeutung .......................................... ı6 iii. Kapitel Die psychoanalytische Anthropologie als Grund und Horizont der konkreten Deutungen ..................... 95 iv. Kapitel Das Problem des Todes und die Leugnung des Geistes in der Psychoanalyse .................................................. ı23 Anmerkungen des Herausgebers zu den in HK A 200 angekündigten Kapiteln: Die Psychoanalyse als Symptom einer Wandlung im Selbstverständnis des Menschen und zu Die Rolle der Psychoanalyse in der gegenwärtigen Anthropologie ............................................................ ı29

2. Das Widerstandsargument in der Psychoanalyse. Zur Auseinandersetzung mit Siegfried Bernfeld (ı93ı) .................. ı3ı


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inhalt

3. Über die Einschätzung der Sexualität als Grundpfeiler der psychoanalytischen Theorie ......................................................... ı57 4. Zur psychoanalytischen Literatur – ausgewählte Rezensionen .................................................................... 2ı7 i. ii.

Referate und Buchnotizen ı928– ı946 ..................................... 2ı9 Referate und Buchnotizen ı947– ı976 ..................................... 303

5. Zur grundsätzlichen Kritik der Individualpsychologie Adlers ..... 329 Einleitung .................................................................................... i. Kritik der Grundbegriffe ........................................................ ı. Organminderwertigkeit, Minderwertigkeitsgefühle und Selbstwerthaltung (337) 2. Kompensation und Überkompensation, Machttrieb, Geltungsverlangen und «Wille» zur Macht (352 ) 3. Das «Gemeinschaftsgefühl» (365) ii. Kritik des individualpsychologischen Persönlichkeitsaufbaus .......................................................... ı. Künkels Kritik des Ambivalenzbegriffs (372) 2. Wexbergs Angsttheorie (374) 3. Neurosen und Perversionen (377) 4. Psychosen (380 ) 5. Charakter (384) iii. Kritik der individualpsychologischen Erkenntniskategorie ..... ı. Ursprung und Wesen des Kausal- und Finalnexus (396) 2. Die teleologische Erkenntniskategorie und ihre Hypostasierung (407) iv. Zur Psychologie der individualpsychologischen «Weltanschauung» ................................................................. v. Zusammenfassung .................................................................

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370

393

4ı 5 420


inhalt

6. Erwiderungen auf Arthur Kronfelds: «Zur Theorie der Individualpsychologie» (ı929) ............................. 423 7. Ausgewählte Rezensionen .................................................................... 433 i.

ii.

Individualpychologie Zu Schriften von Alfred Adler und zur individualpsychologischen Literatur ......................... 435 Analytische Psychologie Zu Schriften von C. G. Jung und zu Jungs analytischer Psychologie ................................... 457

Anhang i.

Textgestaltung und Quellentexte ........................................... 475

ii.

Textkritische Revisionen ....................................................... 484

iii.

Textbeilagen .......................................................................... 497

iv.

Literaturverzeichnis .............................................................. 557

v.

Berichtigungen zu den bereits veröffentlichten Bänden .......... 580

vi.

Siglen und Sonderzeichen ...................................................... 582

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Zu diesem Band

Die gewählte Zusammenstellung und Anordnung der von Hans Kunz’ nachgelassenen, zwischen ı930 und ı94ı entstandenen Entwürfe und Aufzeichnungen zur Psychoanalyse in den besonders gewichteten Teilen des vorliegenden ı0.Bandes seiner Gesammelten Schriften hat zumindest gleichviel editorisch-technische wie innere, sachliche Beweggründe. Diese nicht als abgeschlossenes Ganzes zu betrachtenden frühen, aus Hans Kunz’ Handschriften transkribierten Beiträge in einem als Einzelausgabe deklarierten Band zu veröffentlichen, wäre zweifellos unangemessen und nicht zu legitimieren, würde infolge einer hier getroffenen editorischen Entscheidung der sachliche Konnex der wiedergegebenen, nicht abgeschlossenen Studien mit Kunz’ publizierten Schriften zur Psychoanalyse (vollumfänglich 20ı6 im 9. Band: Schriften zur Psychoanalyse i erschienen) aufgebrochen. Die von Hans Kunz nicht für den Druck ausgearbeiteten, im Provisorium sich haltenden Entwürfe in die Gesamtedition seiner Schriften zu integrieren, schien dennoch angezeigt, weil sie in prägnanten Umrissen die Grundlinien seiner langjährigen Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse vorzeichnen. Sie eröffnen – darin erweist sich ihre sachliche Bedeutung – ein Verständnis für das klar konturierte innere Programm, das Hans Kunz am Leitfaden ihm unausweichlich scheinender Ausgangsfragen und Thematiken herausgearbeitet hat. Es legt die sachlichen Voraussetzungen frei im Hinblick auf eine konkret zu leistende Aufgabe, die Kunz am Ende seines Nachrufs für Sigmund Freud ins Wort fasst, dass es darauf ankomme, die Fackel, die Freud angezündet hat, hochzuhalten und weiterzugeben, ohne sich von ihr die Hände verbrennen zu lassen. So ist denn auch be-


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zu diesem band

zeichnend für die in diesem Band präsentierten Texte – vor allem in den weiter ausgearbeiteten Passagen –, dass sie in kritisch-differenzierten Abwägungen die Verfehlungen, Unzulänglichkeiten und ausbleibende Revisionsbereitschaft aufdecken, die in die Auseinandersetzungen mit Freud und der von ihm ausgehenden Psychoanalyse einfliessen. Doch die im Dialog mit der psychoanalytischen Literatur durchgeführte Kritik artikuliert Kunz nicht primär in polemischer Absicht; ihr sachliches Gewicht erweist sich erst im Rückbezug auf das von ihm avisierte, positiv formulierte innere Programm, die Grundlagen und die Spannweite seiner eigenständigen FreudRezeption darzulegen. Die im ı. Abschnitt des vorliegenden Bandes erstmals veröffentlichten, in den Jahren ı930 bis ı934 entstandenen Arbeiten gehören zur Schrift Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse, die ehemals von Hans Kunz selbst in den Abhandlungen Die existenzielle Bedeutung der Psychoanalyse in ihrer Konsequenz für deren Kritik von ı930 und in Die Psychoanalyse als Symptom einer Wandlung im Selbstverständnis des Menschen (beide neu abgedruckt in Bd. 9: Schriften zur Psychoanalyse i ) angekündigt worden ist. Bereits im Aufsatz Psychologie der psychoanalytischen Weltanschauung (ı928), den Kunz selbst aufgrund der allzu restriktiven thematischen Eingrenzung für unzulänglich hielt, deutet er an, dass zur Erhellung der unausdrücklich gebliebenen Fundamente der Psychoanalyse «auch die wissenschafts-, speziell erkenntnistheoretischen (und in diesem Sinne ‘metaphysischen’) Voraussetzungen der Psychoanalyse» zu diskutieren wären, um schliesslich «eine genauer begründete, eingehendere Darstellung der Freudschen Einsichten zu einer umfassenden Anthropologie» geben zu können (vgl. Band 9, S. ı7 f.). Die in diesem Band wiedergegebenen Textstücke zu Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse dokumentieren die ı928 vorbereitete Intention: Hans Kunz exponiert – mitten in die damaligen Debatten um die Anerkennung der Freud’schen Psychoanalyse eingreifend und dadurch auch einen vertieften Einblick in die Geschichte der psychoanalytischen Bewegung vermittelnd – jene Frageansätze, die auch leitend geblieben sind in den späteren, weiter ausgebau-


zu diesem band

ten theoretischen Schriften zur Psychoanalyse. Der Nachweis der Faktizität, dass der Psychoanalyse als «Theorie» und «Praxis» ein nicht auszublendender latenter «philosophischer Gehalt» zugrunde liegt, der – wie Kunz ausführt – sich als solcher zwar nicht unmittelbar manifestiert, sondern in der verborgenen Bestimmung und Begrenzung der empirischen Forschung, dieser Nachweis begründet den Versuch einer Interpretation, die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse und deren Stellung in einer umfassenden Anthropologie zu klären. Das adäquate Verstehen und Deuten der von der Psychoanalyse entdeckten empirischen Befunde muss sich der kritischen Aufgabe stellen, die latenten anthropologischen Implikationen der in der Theorie vergegenständlichten psychoanalytischen Anthropologie aufzuweisen, um deren wirklichkeitserschliessende und -verdeckende Kraft, d.h. deren Funktion in der analytischen Empirie zu klären. Insbesondere im 2.Kapitel der Schrift expliziert Kunz diese Aufgabe auf dem Hintergrund eines praktisch-therapeutischen empirischen Befundes. Das Kerngeschehen der zwischen Arzt und Patient sich abspielenden Übertragung in der analytischen Situation, das meines Wissens von Kunz in den späteren Arbeiten nicht mehr in vergleichbar eindringlicher Durchführung erhellt wird, wird hier zum Dreh- und Angelpunkt, die anthropologischen Voraussetzungen der psychoanalytischen Theorie aufzuspüren. Kunz schreibt (S. 95) : «In der Ausschliesslichkeit, mit welcher der Analytiker das Verhalten des Patienten als offene oder verdeckte Übertragung anspricht, dokumentiert sich der eigentümliche zweideutige Charakter der darin realisierten ursprünglichen Erfahrungsweise; das verstehende Wahrnehmen als solches ist schon in einem gewissen Sinne Deutung, und die Deutung ihrerseits setzt jeweils an einem unbestreitbaren empirischen Befund an, so, dass sich das konkrete Erfahren zwischen den beiden denkbaren polaren Grenzmöglichkeiten der ‘reinen Wahrnehmung’ und der völlig ‘erfahrungsfremden Konstruktion’ bewegt … die Aufgabe stellt sich, die Verwurzelung dieses konkreten Erfahrens in jenem Bezirke aufzuweisen, den wir die psychoanalytische Anthropologie nennen. Das am ehesten zugängliche Stück ihres Gehaltes hat sich in der Theorie vergegenständlicht. Daher handelt es sich zunächst darum, die wirklichkeitserschliessende und -verdeckende Kraft der Theorie zu erhellen.»

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Hans Kunz’ einschlägige Notizen zum Inhalt und Aufbau der angekündigten Abhandlung (vgl. Anmerkungen des Herausgebers, in diesem Band, S. ı29 / ı30) geben den Hinweis, dass er plante, Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse zu einem sechs Kapitel umfassenden Buch auszuarbeiten und – wie autobiographische Aufzeichnungen über seine Studienjahre in Basel (vgl. Selbstdarstellung, neu in Hans Kunz: Erwartung, Bildwelt und Phantasie, S.96 f.) vermuten lassen – ursprünglich als Dissertation einzureichen. Die Vermutung, dass es sich bei dieser geplanten Arbeit zu Sigmund Freuds Psychoanalyse um eine vom Autor zurückgezogene Dissertation handelt, ist naheliegend, weil Kunz in den Jahren vor seinem Studienabschluss ı935 nachweislich kein anderes, derart breit angelegtes Werk in Arbeit hatte. Differenzen mit seinem «Doktorvater» Paul Häberlin führten offenbar dazu, dass Hans Kunz sich – trotz seiner weit gediehenen Arbeiten zur Psychoanalyse – entschloss, eine Dissertation zu einem ausdruckspsychologischen Thema zu schreiben. Er berichtet: Häberlins «der Spekulation den Primat vor dem Erfahren einräumenden Konzeption war meine eigene Haltung diametral entgegengesetzt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass ich drei Dissertationen schrieb. Die erste und zweite zog ich zurück, weil Häberlin jeweils inhaltliche Änderungen verlangte, die mit seinen Auffassungen übereinstimmen sollten, ich mich aber nicht zu derartigen mir unaufrichtig scheinenden Zugeständnissen entschliessen konnte und wollte. In der dritten Arbeit (Zur Phänomenologie und Analyse des Ausdrucks) liessen sich dann dergleichen Konzessionen vermeiden.» In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass Hans Kunz eine ursprüngliche Fassung der Einleitung zu Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse (vgl. Textbeilage in Anhang iii dieses Bandes, S. 497 ff.) umgeschrieben und – wie oben vermerkt – vermutlich auch im Hinblick auf eine zweite Ausarbeitung seiner Dissertation auch Veränderungen in der Kapitelfolge der als Buch angelegten Schrift vorgenommen hat. Zwar finden sich in den handschriftlichen Materialien keine Anzeichen dafür, dass Kunz während dieser späteren Arbeitsphase auch die Absicht hatte, eine von der inhaltlichen Grundkonzeption abweichende, sachlich motivierte Neufassung anzugehen; doch nach ı93ı ist ein auf den Umfang des geplanten Buches sich auswirkender Neuaufbau unumgänglich


zu diesem band

geworden, denn in diesem Jahr erschien das damals fertiggestellte, ursprünglich von Kunz vorgesehene iv. Kapitel: Die Psychoanalyse als Symptom einer Wandlung im Selbstverständnis des Menschen (vgl. «Inhaltsübersicht», S. ı29) als Einzelabhandlung in vier Folgen im Zentralblatt für Psychotherapie und ihre Grenzgebiete. Wohl Indiz dafür, dass Kunz nicht daran festhalten wollte, diese veröffentlichte Abhandlung weiter in das Buchprojekt einzubinden, ist sein offensichtlicher Verzicht, die Publikation selbst als Teilstück der hier angekündigten Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse auszuweisen. Im Blick auf das Werkganze stand für Kunz (im Sinne der Ankündigung ) im Mittelpunkt, die Weiterbearbeitung der unfertigen, nicht für eine Veröffentlichung bereitgestellten Teile des geplanten Buches Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse voranzutreiben. Aufgrund dieser Vorgabe des Autors hat der Herausgeber entschieden, für die Präsentation der in dieser Arbeitsphase entstandenen Entwürfe und Aufzeichnungen im vorliegenden Band ausschliesslich unveröffentlichte Quellentexte zu berücksichtigen. Auch die im 3. Abschnitt dieses Bandes erstmals erscheinende Schrift unter dem vom Herausgeber gekennzeichneten Titel Über die Einschätzung der Sexualität als Grundpfeiler der psychoanalytischen Theorie hat Kunz als iii.Stück seiner Beiträge zur Kritik der psychoanalytischen Erkenntnisse ı93ı in der vorhin mehrfach zitierten Abhandlung Die Psychoanalyse als Symptom einer Wandlung im Selbstverständnis des Menschen angekündigt. Im Begleittext zur Anzeige verlautet Kunz (vgl. Band 9, S. ı3ı): «Das unerschütterliche, jedenfalls in der Psychoanalyse nie ernstlich ins Wanken geratene Fundament bildet die Sexualität. Die sachhaltigen Probleme, die sie auferlegt, sind hier nicht in extenso auseinanderzufalten; wir werden dies im iii. Stück unserer Beiträge zur Kritik der psychoanalytischen Erkenntnisse tun. Dort wird auch eingehend gezeigt, dass und warum die Sexualität in der menschlichen Psychologie die gewichtigste Rolle aller Triebe spielt.» Aufgrund der Einleitungssätze in einer Vorstudie zu diesem Beitrag (vgl. Textbeilagen in Anhang iii dieses Bandes, S. 529) wissen wir, dass Hans Kunz das bereits ı93ı angekündigte iii. Stück der Beiträge zur Kritik der psychoanalytischen Erkenntnisse erst nach Sigmund Freuds Tod, in den

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Jahren ı940 /ı94ı, niedergeschrieben hat (vgl. Bericht des Herausgebers, S. ı58). Abgesehen von der im vorliegenden Band wiedergegebenen Schrift findet sich unter Kunz’ nachgelassenen schriftlichen Dokumenten keine weitere Textquelle, die darauf hindeutet, dass dieser Text ein zusätzliches Teilstück der angekündigten «Beiträge» ist. Da ferner auch keine autorisierten Hinweise Aufschlüsse geben über den Aufbau und den thematischen Umriss der unter dem Sammeltitel «Beiträge» geplanten Schriften, hat sich der Herausgeber entschlossen, die hier veröffentlichte Schrift – der Anzeige des Autors folgend – zwar als Einzelstudie, nicht aber – wie die Quellenlage der nachgelassenen Dokumentationen aufgrund fehlender Vergleichstexte dies nahelegt – als «iii.Teilstück» der anonym gebliebenen Beiträge zur Kritik der psychoanalytischen Erkenntnisse zu präsentieren. Der die Studie kennzeichnende Titel Über die Einschätzung der Sexualität als Grundpfeiler der psychoanalytischen Theorie schien ihm unverfänglicher zu sein. Die Neudrucke der zunächst verstreut in verschiedenen Fachorganen und Zeitschriften erschienenen Beiträge von Hans Kunz nehmen in diesem Band den breitesten Raum ein. Sie ergänzen und vervollständigen sein im Vorgängerband (Schriften zur Psychoanalyse i ) wiederveröffentlichtes publizistisches Werk zur Psychoanalyse. Im Zentrum steht die Auswahl von Kunz’ zahlreichen, in den Jahren ı928 – ı976 verfassten Rezensionen zur psychoanalytischen Literatur, die seinen stets hochgehaltenen Diskurs mit der von Freud ausgehenden Psychoanalyse dokumentieren. Ausgehend von der Wiederveröffentlichung von Hans Kunz’ extensiv ausgearbeiteten Frühschrift Zur grundsätzlichen Kritik der Individualpsychologie Adlers aus dem Jahr ı928 werden dann in den letzten Abschnitten des Bandes die kritischen Publikationen (vor allem Rezensionen) zur Adler’schen Individualpsychologie sowie die bei Hans Kunz immer randständig gebliebenen öffentlichen Auseinandersetzungen mit der analytischen Psychologie C.G. Jungs aufgegriffen. *


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Zu danken habe ich wiederum meinen Freunden von der Hans-KunzGesellschaft, denen ich jederzeit die textgestalterischen und inhaltlichen Vorarbeiten zur Diskussion und Approbation unterbreiten durfte und die mir auch die Mithilfe bei den aufwendigen Kollationsarbeiten und Korrekturen der Druckproben angeboten haben: – Herrn lic. phil. David Bürgi, Herrn Dr. phil. Marco Hüttenmoser, Herrn lic. phil. Rolf Kirsch, Herrn Dr. phil. Jürgen Mohr, Frau lic. phil. Rosmarie Niggli und Herrn Prof. em., Dr. phil. Franz Schultheis, dem Präsidenten der Hans-Kunz-Gesellschaft. Für die umsichtigen administrativen und kommunikativen Dienste, die die Realisierung der Edition erleichtert haben: – Herrn Stefan Bürgi, dem Quästor, und Herrn Hansrudolf Frey, dem Projektleiter der Hans-Kunz-Gesellschaft, und für die inspirierenden Gespräche, die meine Arbeiten begleiten und fördern: – Herrn Prof. em., Dr. med. Michael Schmidt-Degenhard. Gleichfalls geht mein Dank an Herrn PD Dr.Christian Barth, dem Programmleiter Philosophie, und Frau MA Ruth Vachek, Projektmanagement Lektorat Philosophie des Schwabe-Verlags, für die gute Zusammenarbeit; und für die beeindruckende druckgestalterische grafische Präsentation der Schriften sei auch im Namen der HansKunz-Gesellschaft der Dank an Herrn Nicholas Mühlberg weitergegeben. Jörg Singer

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Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse Nachgelassene EntwĂźrfe zu einem Buch aus den Äą 930er-Jahren


Die in der Zentralbibliothek Solothurn unter den Signaturen HK A ı 85 bis HK 203 archivierten umfangreichen Originalhandschriften von Hans Kunz vermitteln – zusätzlich zu seinen publizierten frühen Beiträgen zu Sigmund Freud – weitere Aspekte von Fragemotiven in seiner forschenden Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse der ı 930er-Jahre. Unter den vom Autor in einer Sammelmappe gebündelten Schriftstücken finden sich sub Sign. HK A ı 96 –A ı 99 zahlreiche Arbeitsmaterialien und ( sub HK A 200 und A 202 ) teils weiter ausgearbeitete Textentwürfe zur Schrift Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse, die Hans Kunz bereits zuvor in den beiden veröffentlichten Aufsätzen Die existentielle Bedeutung der Psychoanalyse in ihrer Konsequenz für deren Kritik ( ı930 ) und Die Psychoanalyse als Symptom einer Wandlung im Selbstverständnis des Menschen ( ı93ı ) angekündigt hatte ( vgl. Hans Kunz : Schriften zur Psychoanalyse i, Gesammelte Schriften, Band 9, S. 59, Anm. ı ı und S. 78, Anm. ı , Basel : Schwabe 20ı 6 ). Der Originalhandschrift HK A 200 ( als Textbeilage wiedergegeben im Anhang dieses Bandes, S. 497 ), die den mit Psa ı – Psa ı ı paginierten geschlossenen Text einer ersten, später in HK A 202 umgearbeiteten Fassung der Einleitung zu Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse präsentiert, ist zu entnehmen, dass Hans Kunz offensichtlich die Absicht hatte, die angekündigte Schrift zu einem Buch, möglicherweise – wie der Herausgeber im Vorbericht ( S. xii ) vermerkt – als Dissertation, auszuarbeiten. Auf der Rückseite des Titelblattes ( Psa ı ), das als Zusatz zum Haupttitel Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse den Untertitel Versuch einer Interpretation ( Zugleich ein Beitrag zum Problem der Gegenwart ) beifügt, gibt Kunz eine Inhaltsübersicht über die Kapitel des geplanten Buches ( vgl. die Wiedergabe sub : Anmerkungen des Herausgebers, S.ı29 im Haupttext dieses Bandes und die Kommentare in Anhang iii, S. 497 ). Die unter der Signatur HK A 202 gesammelten Handschriften – die Basistexte für die vorliegende Erstveröffentlichung – umfassen in vier Kapiteln letzte, unterschiedlich weit ausgearbeitete Entwürfe zur vom Autor angekündigten Schrift Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse. Um die literarische Entstehungsgeschichte und die Stellung dieser teils ganz Fragment gebliebenen Aufzeichnungen in Hans Kunz ’ Schrifttum zur Psychoanalyse anzudeuten, hat der Herausgeber im gedruckten laufenden Text einige Anmerkungen eingeschoben, die vor allem auf die Weiterentwicklung der in Autograph A 202 vorläufig exponierten Themen in Kunz ’ Schriften zur Psychoanalyse hinweisen. Die Paginierung der im vorliegenden Druck unverändert wiedergegebenen Originalmanuskripte wird im laufenden Text mit Ziffern in eckigen Klammern angezeigt.


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