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Für alle! Die Basler Volksschule seit ihren Anfängen

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Der Autor: Der Historiker Pierre Felder wirkte als erster Leiter der Volksschulen im Erziehungsdepartement Basel-Stadt. In seiner Tätigkeit als Deutsch- und Geschichtslehrer, Dozent in der Lehrerausbildung sowie als Autor von Schulbüchern hat er vielfältige Erfahrungen im Schulbereich gesammelt. SCHWABE VERLAG www.schwabeverlag.ch

I S B N 978-3-7965-3907-7

ISBN 978-3-7965-3907-7

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783796 539077

Für alle! Die Basler Volksschule seit ihren Anfängen GGG Neujahrsblatt 197

Die «Volksschule» gibt es im Gesetz erst seit 2008. Faktisch besteht sie seit 1880, als das demokratisch gewordene Basel – fünfzig Jahre nach Zürich – das erste umfassende Schulsystem schuf. Einer der Gründungsväter, der Aufsteiger Wilhelm Klein, hatte seinen Einsatz gegen die alte Standesschule und für gleiche Chancen mit der Abwahl als Regierungsrat zu bezahlen. Die Anfänge der Volksschule reichen weit über 200 Jahre zurück in die Zeit der gnädigen Herren. Damals bestanden in Basel sechs Klassen, von denen nur zwei für Mädchen waren. Die Schulmeister mühten sich, unter der Aufsicht der Pfarrherren, bis zu hundert Kindern neben ein wenig Lesen Gottesfurcht und Gehorsam beizubringen. Das reich bebilderte Buch eröffnet neue Einblicke in den Schulalltag. Es lässt das Spannungsfeld zwischen Reform und Praxis erkennen, beleuchtet etwa den Kampf gegen Seuchen sowie den Umgang mit den neu auftauchenden Fremdsprachigen und schildert die Entwicklung der Pädagogik und der Unterrichtsbedingungen. Dabei wird deutlich, wie eng die Schulgeschichte mit dem Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik verflochten ist.

Pierre Felder Für alle! Die Basler Volksschule seit ihren Anfängen


Pierre Felder Für alle! Die Basler Volksschule seit ihren Anfängen

197. Neujahrsblatt für das Jahr 2019 Herausgegeben von der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel

Schwabe Verlag


Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbi­ b­liothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; de­ taillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2019 Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Ge­ nehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Bildrecherche: Sara Janner, Basel Lektorat/Korrektorat: GGG Neujahrsblattkommission, Basel Umschlaggestaltung: Claudiabasel Layout: Claudiabasel Satz: Claudiabasel Druck: CPI books GmbH, Leck Printed in Germany ISBN Printausgabe 978-3-7965-3907-7 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch Umschlagbild: Max Kämpf, ‹Schulklasse› Ernst und frontal blicken uns die stehenden Knaben und der Lehrer der ‹Schulklasse› entgegen. Ihr Ma­ ler, der Basler Max Kämpf (1912–1982), begann seine Künstlerlaufbahn als Flachmaler. Bild aus dem Schul­ hausarchiv des Thierstein-Schulhauses, Ölgemälde aus den 1960er Jahren, 200 × 160 cm (mit freundlicher Genehmigung Nachlass Max Kämpf, Mar­ grit Gass)

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MIX Papier aus verantwortungsvollen Quellen

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Zu diesem Buch

Einmal mehr hat das GGG Neujahrsblatt, das heisst die Kommission, die sich der Herausgabe dieser aus der Basler Historiografie nicht mehr wegzudenken­ den Reihe widmet, die Freude, eine spannende Arbeit publizieren zu dürfen. Pierre Felder hat sich der Basler Volksschule angenommen, eines Themas, das er aus verschiedenen Funktionen und Perspektiven seines Lebens und seiner beruflichen Laufbahn kennt, angefangen mit seiner eigenen Schulzeit und zum Schluss als Leiter der Volksschulen im Erziehungsdepartement. Da er auch langjähriges Mitglied der Neujahrsblattkommission ist, haben wir die Entstehung dieses Werks über die Jahre begleiten dürfen. Alle wissen viel über die Schule. Für manche bedeutet die Schulzeit die ersten Erinnerungen, die mit der Zeit nicht schwächer, sondern oft noch eindrücklicher präsent sind. Die meisten kommen auch im späteren Leben wieder mit der Schule in Verbindung; als Lehrer, Politikerinnen, Eltern. Jeder und jede hat eine eigene Meinung dazu, was die Schule leisten solle und wo sie sich mehr oder gar nicht einzumischen habe. Argumentiert wird oft damit, dass das immer schon so war, früher besser war, schon lange ganz anders hätte gemacht werden sollen oder angesichts der jetzigen Entwicklungen ganz anders gemacht werden müsse. Ein solches Thema trittsicher zu behandeln, erfordert von den Forschenden grosse Sorgfalt bei der Formulierung wie auch bei der Auswahl der Erzählperspektiven, um die gesteigerten Erwartungen all dieser ‹Spezialisten› zu erfüllen. Schulgeschichte lässt sich nicht linear chronologisch erzählen, weil die verschiedenen Themen, die dabei zur Sprache kommen (Lehrerstatus, Turnen, Fremdsprachen, Mädchenerziehung etc.), sich nicht parallel ent­ wickelt haben. Der Autor hat sich darum bemüht, durch interne Verweise dort Zusammenhänge herzustellen, wo die Chronologie andere Logiken setzt, und mit Tabellen übersichtlich Entwicklungen und Vergleiche zu­ sammenzufügen, wo ein solcher Überblick das Verständnis erleichtert. Schulgeschichte lässt sich auch nicht unabhängig von den Entwick­ lungen des Staatswesens, das die Schulen trägt, erzählen. Wer wie lange zur Schule gehen soll, ob unentgeltlich oder gegen Entgelt, ganz abgesehen von den Lernzielen selbst, ist immer eine höchst politische und auch volkswirt­ schaftliche Frage gewesen. Felder hat es wunderbar verstanden, mit seiner Schulgeschichte auch eine Stadtgeschichte zu erzählen. Schulgeschichte umfasst aber auch die tausend Geschichten der Be­ teiligten selbst; der Kinder, Lehrer, Eltern. Auch diese kommen in Felders Darstellung zu Wort. In durch Kursivschrift ausgezeichneten Kästen finden


wir durch das ganze Buch hindurch Kurzbiografien oder Selbstzeugnisse dieser Akteure, die durch die individuelle Sicht auch die Perspektive der Leser und Leserinnen erweitern. Die grosszügige Gestaltung, die den Bildern optimale Aussagekraft gewährt, hat eine parallele Schulgeschichte in Bildern ermöglicht, während das Sach- und das Personenregister wie auch die chronologische Übersicht, die dem Text vorangestellt ist, einen ersten Schnellzugang erlauben. Es ist der Kommission eine grosse Freude, dieses Buch, das eine wichtige Lücke in der Basler Geschichtsschreibung füllt, der Leserschaft übergeben zu dürfen.

Doris Tranter Präsidentin der Kommission zum GGG Neujahrsblatt


Geleitwort vom Vorsteher des Erziehungsdepartements

Die vorliegende Geschichte der Volksschule wurde vom Erziehungsde­ partement weder geplant noch bestellt; sie ist ein unerwartetes Geschenk, wertvoll, weil Ergebnis sorgfältiger Nachforschungen. Auf die Lektüre war ich darum sehr gespannt. Pierre Felder präsentiert die Entwicklung der Volksschule nicht als Wegstrecken eines mühsamen, aber zielgerichteten Aufstiegs, schon gar nicht als wehmütigen Rückblick auf gute alte Zeiten, vielmehr als Journal einer Berg- und Talfahrt in unüberschaubarem Ge­ lände. Auf mehr als zweihundert Jahren Suche nach der guten Schule wurden Phasen von Konsens in Schulen und Gesellschaft immer wieder durch heftigen Streit unterbrochen. Nach der Entdeckungsreise im Buch hat die Volksschule für mich historische Tiefe erhalten. Auf ihre Gegenwart fällt dadurch ein Licht, das vieles plastisch hervortreten und verständlicher werden lässt. Als Departe­ mentsvorsteher stehe ich gleichsam auf den Schultern von 15 Vorgängern und einer Vorgängerin, die lange Vorgeschichte nicht mitgezählt. Vielleicht sehen auch Sie sich nach der Lektüre als Glied einer langen Kette, sei es als Lehrperson, als (ehemaliges) Schulkind, als Eltern oder in mehreren Rollen. Vieles aus der Vergangenheit kommt Ihnen bekannt vor, etwa das Bemühen um Integration der Heranwachsenden und der Kampf um Bil­ dungschancen für alle, anderes vermutlich äusserst fremd, zum Beispiel die lange Herrschaft der Kirche oder die Strafpraktiken der Schulmeister. Heute ist die Ausstattung der Schule besser als je zuvor, aber der Auftrag, den die Schule zu bewältigen hat, war noch nie so umfassend. Schulgesetz, Pädagogik und Lehrbücher sind wichtig, aber am Schluss zählen vor allem der Unterricht und der gelebte Schulalltag. Damals wie heute geht es um junge Menschen, wie sie uns auf dem Umschlag frontal entgegensehen.

Regierungsrat Conradin Cramer


Inhaltsverzeichnis

13

Einleitung

17

Die Geschichte der Basler Volksschule im Überblick

23

1. Schulmeister und Pfarrer im Ancien Régime (bis 1798)

23 30 34

Gottesfurcht und Gehorsam in den städtischen Gemeindeschulen Obrigkeitliche Schulen und Nebenschulen auf der Landschaft Berechtigte Klagen über die Schule?

39

2. Eine neue Schule im Kopf (1760–1803)

39 42

Reformideen der Aufklärung Bildungspläne der Helvetischen Republik

51 3. Aufbruch und Verweltlichung, kein Durchbruch zur Volksschule (1803–1874) 51 52 54 56 60 62 66 67 71 72 78

Schulreformen im restaurierten Basel Vorbildliche Landschulen Matthias Buser, ein Lehrerleben (1788–1848) Schritte zur Verweltlichung und Systematisierung an den städtischen Schulen Ein Gesetz für die Knabenschulen und eine neue Schule Bildung für Mädchen und Töchter Qualifizierte Lehrer und neue Schulbauten Nach der Kantonstrennung: Stagnation im Stadtkanton Ein fortschrittliches Schulgesetz für den Landkanton Niederlassungsfreiheit im Bundesstaat und Bevölkerungswachstum Erzwungene Entkirchlichung der Schulen

85

4. Die Begründung der Volksschule (1874–1888)

85 86

Die Idee der Volksschule Das Zürcher Vorbild


87 88 91 92 95 96 98 100 104

Wilhelm Klein, Kämpfer für eine Volksschule (1825–1887) Vorgeschichte: verspätete Demokratie in Basel Kleins Überlegungen Öffentlicher Streit um die Volksschule Freisinnige Bruchlandung, Abwahl Kleins Speisers Vermittlungsvorschlag Paul Speiser, der Vermittler (1846–1935) Die Debatte im Grossen Rat Das erste umfassende Schulgesetz aus historischer Distanz

109

5. Immer wieder Streit um Laizismus und Religion (1880–1934)

109 112 114 115

Kulturkampf um die Katholische Schule Kein ‹eidgenössischer› Schulvogt Vom evangelischen Geist durchdrungen Viel Emotionen um Religionsunterricht, Schulgebet und Schulbad

121

6. Auf- und Ausbau der Volksschule (1880–1929)

121 124 134 136 141 144 147 148 154

Die Umsetzung des Schulgesetzes von 1880 Wider Ansteckung, Krankheit, Verwahrlosung ‹Besondere› Kinder zwischen Ausschluss und Ausdifferenzierung Bessergestellt, professionell und standesbewusst Schulsynode – Landsgemeinde für Lehrer und Lehrerinnen Von Kinderbewahranstalten zu staatlichen Kindergärten Lehrlingsausbildung wird staatliche Aufgabe Ansturm auf die Primarschule Schulalltag im Bläsi

161

7. Für eine kindgerechte Pädagogik (ab 1900)

162 164 170 172 176 178

«Im Interesse des Fortschritts» Weniger kopflastig Vorreiter einer Schriftreform Infrage gestellt: die körperliche Züchtigung Weder Paläste noch Kasernen Kinderrechte und ‹Kuschelpädagogik›

185

8. Das Schulgesetz von 1929: Ergänzungen, Klärungen, Korrekturen (1905–1929)

185

«… es war auch ein Leidensweg»


188 190 192 194 196 199

Soziale Verwerfungen und eine neue politische Landkarte Fritz Hauser, tatkräftiger Gestalter (1884–1941) Was tun gegen Schulversagen? Kompromiss oder Kapitulation? Mehr Mitsprache und weitere Neuerungen Das zweite Schulgesetz aus historischer Distanz

203

9. Kriegs- und Krisenzeiten (1914–1945)

203 204 206 209

Einschränkungen und Not während des Ersten Weltkriegs Stellenbeschaffung auf dem Buckel der Lehrerinnen Antifaschistischer Widerstand und nationales Selbstbewusstsein Schulbetrieb im Zweiten Weltkrieg

219

10. Bildungsexpansion und Systempflege in der Nachkriegszeit (1945–1970)

219 220 222 224 230 230 236

Wachstum, Wohlstand, Stabilität Neue Schulbauten in der Stadt, Schulgründungen im Baselbiet Eine Posse um die Aufnahmeprüfung Neue Schulangebote Systempflege, aber keine Totalrevision Veränderungen im Unterricht Koedukation – vom Fall der chinesischen Mauer

243

11. Mittelstufenreform auf der Achterbahn (1970–2003)

243 244 246 248 251 252 253 255 256 258 261 263 264 269 272 274

Reformfreude Sprung in ein neues Schulzeitalter «Keine Experimente mit unseren Kindern!» Innere versus äussere Reform Kleinere Schulklassen Ein zwiespältiger Bericht Ein erneuter Versuch «Das jetzige System ist beizubehalten» Das Umfeld Der Grosse Rat übernimmt Ein unerwarteter Ausgang Die Schulreform von 1988 aus historischer Distanz Rückschläge und Konsolidierung Als Reformschule anerkannt Ein ungeliebtes Reformkind Der Anfang vom Ende


279

12. Sprachbarrieren und kulturelle Heterogenität (seit den 1960er-Jahren)

279 280 284 286 288 290 296

Die italienische Immigration Rückkehr oder Assimilation Wachsender Migrationsanteil in einer schrumpfenden Bevölkerung Sprach- und Integrationsförderung Sprachförderung für Dreijährige Kulturelle Vielfalt und ihre Grenzen Beitrag der Volksschule zur sozialen Kohäsion

301

13. Teilautonome Lern- und Lebensräume (ab 2007)

301 302 303 304 306 308 308 309 312 314

Leitungen gegen Widerstand aus der Lehrerschaft Motive der Reform Königreich Rektorat Das Modell im Detail Kontroverse Reaktionen bei den Stakeholdern Kommunalisierung der Primarschule Ein Röstigraben beim Eglisee Schulversuche ermöglichen Volksschulen mit Betreuungsauftrag Die Auseinandersetzung um das richtige Modell

319

14. Sonderpädagogik zwischen Aussonderung und Integration (ab 1960)

319 319 321 323 324

Worum geht es? Zwei Systeme für Kinder mit besonderen Ansprüchen Wachsende Aussonderung Erste Integrationsversuche gegen Widerstand Unterwegs zur integrativen Schule

335 15. Anschluss an die gesamtschweizerische Entwicklung – Chance für den Neubeginn (ab 1970) 335 337 340 342 344 350 353

Der Bund gibt die Richtung vor Die Kantone üben sich in Kooperation Gleich zwei Fusionen in der Lehrerbildung Auf und ab im Bildungsraum Harmonisierung in Basel, Vehikel für ein ganzes Reformpaket Ein Vernunftentscheid Anschluss an das weltweite Netz


359

Ausblick

363

Dank

365

Anhang

365 373 375 380 381

Sachregister Personenregister Ausgewählte Bibliografie Vorsteher des Erziehungsdepartements Bildnachweis


Einleitung

Anders als in den meisten Kantonen ist im Basler Schulgesetz erst seit 2008 von der Volksschule die Rede. Woher also die Berechtigung, eine Geschichte der Basler Volksschule vorzulegen und mit dieser im 17. Jahr­ hundert einzusetzen? Volksschule heisst zunächst ‹Schule für das Volk› und meint die obligatorische Schule, die alle Kinder erfasst, weil alle ein Recht auf Bildung haben. In diesem Sinne ist Volksschule das Gegenstück zur Standesschule für die Söhne aus besseren Familien. Diese beruht auf Vorrechten und begründet Vorrechte. Volksschule heisst aber auch ‹Schule des Volkes› im Sinne einer Trägerschaft und ist an die demokratischen Mitbestimmungsrechte der Bürger und Bürgerinnen gebunden. In Basels Schulgesetz taucht der Begriff Volksschule – mit fünfzigjähriger Verspä­ tung auf den Vorreiter Zürich – zum ersten Mal in Wilhelm Kleins ge­ scheitertem Entwurf von 1877 auf. Seine Volksschule sollte für alle Pflicht und Gewinn sein und auf Mehrheitsentscheiden beruhen, sofern man vom fehlenden Frauenstimmrecht absieht. Faktisch besteht eine Volksschule im dargestellten zweifachen Sinne seit 1880, auch wenn der Begriff in den Schulgesetzen von 1880 und 1929 nicht verwendet wird, weil nicht eindeutig geklärt ist, welche Schulen über die Primarschule hinaus dazugehören. Die zweite Schulstufe ist über mehr als hundert Jahre Konfliktzone. Die Wurzeln der Basler Volksschule reichen weit hinter das Jahr 1880 zurück bis in die nachreformatorische Zeit, als die Staatskirche obrigkeit­ liche Schulen für Untertanenkinder in Stadt und Land aufzubauen begann, in denen das Lesen und der Gehorsam gegen Gott und Obrigkeit gelehrt wurden. Weitere Etappen auf dem Weg zur Volksschule bildeten die Ideen der Aufklärung, die allmähliche Verweltlichung des Schulprogramms und der Leitung im 19. Jahrhundert, die 1838 eingeführte Schulpflicht und der Verzicht auf das Schulgeld 1880. Seit mehr als 200 Jahren ist ‹Volksschule› Programm, der Versuch, immer neuen Gruppen den Zugang zu einer Bildung zu eröffnen, die immer umfassender wird: den Arbeiterkindern, den Mädchen, den Migrationskindern und jenen, die mit Behinderungen heranwachsen. Wer vom Herkommen weiss, versteht auch die eigene Gegenwart besser. Diese Hoffnung gilt auch im Hinblick auf die Volksschule, und zwar gleichermassen für Lehrpersonen, Schulleitungen, Behörden und Politikangehörige sowie interessierte Eltern und Lernende. Theoretisch betrifft das Thema jede und jeden, weil uns kollektive identitätsstiftende Erfahrungen in der Volksschule verbinden. In Sachen Schule können alle 13


mitreden. Darum wird viel und emotional um die Schule gestritten – im Schulhaus, am Stammtisch und im Rathaus. Gerade in einer Zeit, in der die Schule von einem beispiellosen Wandel ergriffen scheint und den Älteren fremd zu werden droht, könnte der geschichtliche Blick auf Kontinuitäten und Brüche die Orientierung erleichtern. Er hilft uns, Schule von heute als etwas Gewordenes zu verstehen. Generationen von Lehrenden und Lernenden haben dazu beigetragen und der Wandel der Zeiten. Ein Beispiel gefällig? 2008 hat ein strenggläubiges muslimisches Ehepaar sich geweigert, seine beiden Töchter in den gemischtgeschlechtli­ chen Schwimmunterricht der vierjährigen Basler Primarschule zu schicken, weil es sich für die Schamerziehung der Mädchen verantwortlich fühlte. Es wurde von den Schulbehörden wegen Missachtung der Schulpflicht gebüsst. Gerichte bis Strassburg billigten die Sanktion. Ein Beleg da­ für, dass heute Elternrechte weniger gelten? Symptom für fragwürdigen Multikulturalismus? Oder Ausdruck wachsender Intoleranz gegenüber der muslimischen Minderheit angesichts der islamistischen Bedrohung? Der Blick in die Vergangenheit bringt Überraschendes zutage. Der Konflikt ist nicht neu. Vergleichbares hat sich schon 1931 ereignet, als Vertreter des katholischen Klerus und der katholischen Kirchgemeinde den Besuch von Schulklassen im neuen geschlechtergemischten Familienfreibad Eglisee für unzulässig erklärten. Der Vorfall zeigt, dass die Integration der katho­ lischen Zuwanderer noch in der dritten und vierten Generation nicht ab­ geschlossen war. Umgekehrt hatte die evangelische Mehrheit in derselben Zeit Mühe mit der konfessionellen Neutralität einer Schule, in der alle in der Bevölkerung vertretenen Religionen und auch die Religionslosen eine Heimat finden sollten. Nach einer emotionalen Volksabstimmung wurde 1934 das Recht der Lehrpersonen, den Unterricht mit einem Gebet zu eröff­ nen oder abzuschliessen, im Schulgesetz verankert, wo es erst 2008 wieder verschwand. Dieses Schulgebet war eine Kampfansage an den ‹sozialisti­ schen› Erziehungsdirektor und gleichsam ein letztes Wetterleuchten, das an jene ferne Zeit erinnerte, als die Schulmeister Theologen sein mussten und das Beten und das Lesen religiöser Texte den wichtigsten Lernstoff in der Gemeindeschule darstellte. Bis die modernen Fächer an dessen Stelle getreten waren, dauerte es noch bis gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts. Und erst 1870 wurden die reformierten Pfarrer als Schulvorsteher durch staatliche Inspektoren ersetzt. In diesem Licht betrachtet, ist der Konflikt von 2008 das jüngste Glied in einer langen Kette. Die Beispiele zeigen, laufend greifen externe Kräfte in die Schul­ geschichte ein, 2008 die muslimische Einwanderung und die Angst vor islamistischen Anschlägen, in den 30er-Jahren das durch die Achsenmächte aufgeheizte politische Klima in ganz Europa. Schon der kurze Streifzug in die Beziehungsgeschichte zwischen Schule und Religion macht erkenn­ bar, in welchem Ausmass die Institution Schule mit der Stadtgeschichte und der allgemeinen Geschichte verwoben ist. Die Trennung der beiden Basel, die Demokratisierung, Industrialisierung und Immigration, diese 14


und viele andere Ereignisse und Entwicklungen tauchen als wichtige Fak­ toren in der Schulgeschichte auf. Nur vor diesem Hintergrund wird die Schulgeschichte überhaupt verständlich, erst recht, seit der moderne Staat Schule als zentrale Aufgabe ansieht. Dass die Schule scheinbar immer neue Aufgabenfelder entdeckt, etwa Vorbereitung auf die Erwerbswelt, soziale Integration, die Kenntnis der Lokalsprache, Kinderbetreuung in der Freizeit, ist in Wirklichkeit ein Reflex auf die wachsenden Ansprüche, die die Gesellschaft an sie stellt. Epochen des Beharrens und der Stagnation wechseln mit Zeiten beschleunigter Entwicklung. Hektische, konfliktgeladene Jahre werden von Phasen des Konsenses und der Stabilität abgelöst. Auf starkes Kinder­ wachstum folgt ein Zyklus mit schrumpfenden Schülerzahlen. Trotz gleich bleibender Grundkonstellationen: Wer Anfang und Ende dieser Geschichte vergleicht, wird feststellen, wie wenig Schule Wiederkehr des Gleichen ist. Der Weg vom armen Schulmeister, der unter beklagenswerten Verhältnis­ sen Schule geben musste, zu den anerkannten Lehr- und Fachpersonen von heute ist weit. Die Schule hat sich von Grund auf verändert, wenn auch sehr langsam. Mit diesem Buch wird jedoch kein Jubeljahr gefeiert, häufig der Anlass für die Geschichtsschreibung von Schulen. Der Chronist nimmt keinen stillschweigenden Auftrag wahr, die Volksschule von heute als vorläufigen und glücklichen Endpunkt von Etappen zu verstehen, die im Rückblick den Eindruck vermitteln, als wären sie von unsichtbarer Hand gelenkt worden. Manchmal hätte es auch ganz anders kommen können. Ende der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts suchten die Kantone Bern und Basel-Stadt, beide mit vier Jahren Primarschule, ein Schulmodell, das die Kinder nicht schon mit zehn Jahren in verschiedene Bildungswege trennt. Man hatte dieselben Lösungsansätze vor Augen. Aber dann ent­ schied sich Basel-Stadt für eine dreijährige Orientierungsschule und Bern für die sechsjährige Primarschule. Die Nachwirkungen haben uns heute eingeholt. Ob Umwege ihren Sinn haben? Haben die Lehrpersonen an der Basler Reformschule gelernt, besser mit heterogenen Klassen umzugehen? Als Zeitzeuge und Beteiligter hat der Autor als ehemaliger Lehrer, Lehrerbildner und späterer Leiter Volksschulen Insiderkenntnisse. Das erleichterte den Einstieg, hat aber auch seinen Preis. Er musste sich die Distanz erst zu eigen machen. Für die jüngste Vergangenheit potenziert sich das Problem, weil der gelebte Augenblick letztlich im Dunkeln bleibt. Bei allem Bemühen um Objektivität – Erzählen lebt von der persönlichen Wahl von Schwerpunkten und ihrer Verknüpfung zum Narrativ, dabei führt eigenes Erleben und Denken die Hand des Schreibers. Chronologie ist zwar das wichtigste Ordnungsprinzip, aber manchmal gewinnen Verständlich­ keit und Anschaulichkeit, wenn einzelne Themenstränge herauspräpariert und als synchrone Längsschnitte nebeneinander präsentiert werden. Die Menschen damals freilich hatten das volle Programm, kamen nicht in Genuss dieser Komplexitätsreduktion. Die geistig-körperliche Diszipli­ nierung der Zöglinge durch eine ausgeklügelte Schulbank und durch den 15


von der Schulglocke diktierten gleichförmigen Takt von Lektionen und Pausen einerseits, und die reformpädagogische Gegenbewegung mit den Schulkolonien fern von der städtischen Zivilisation, dem allmählichen Wandel der Kleinkinderschule in den Kindergarten und dem als Befreiung begrüssten Handarbeitsunterricht anderseits, gehören als zwei Seiten des beginnenden 20. Jahrhunderts zusammen. Sie entfalteten ihre Wirkung gleichzeitig. Keine Frage, die politische und die rechtlich-administrative Seite der Volksschule ist am besten dokumentiert. Akte der Schulgesetzgebung und der organisatorischen Neuordnung sind die Haupt- und Staatsaktio­ nen der Schule. Manchmal geben sie neue Richtungen vor, wenn auch nie auf einer Tabula rasa, häufiger nehmen sie jedoch gelebte Praxis und Impulse von unten auf. Es dominiert die evolutionäre Entwicklung, häufig ohne Abbildung in den Rechtstexten. Was sich in der Praxis nicht als an­ schlussfähig erweist, verpufft oder wird umgedeutet. Das berichten uns auch Lehrpersonen. Was aber geht im Unterricht wirklich vor? Nur selten gelingt der direkte Blick hinter die Schulzimmertüren, die über lange Zeit verschlossen waren. Wie Lehren und Lernen sich im Alltag abgespielt ha­ ben, wissen wir oft nicht, noch weniger ist es möglich, in Schülerinnen- und Schülerköpfe zu sehen oder in ihre Herzen. Das Wichtigste lässt sich nur ahnen, denn Lernen muss jede und jeder selbst. Hier finden Pädagoginnen und Historiker ihre Grenzen.

16


Die Geschichte der Basler Volksschule im Überblick

17. und 18. Basel ist eine von städtischen Ratsherren beherrschte Republik mit re­ formierter Staatskirche. Der Anteil der Kinder, die in den öffentlichen JahrSchulen das Lesen lernen, nimmt in Stadt und Land langsam, aber stetig hundert zu. Die Schulmeister stehen unter Aufsicht der reformierten Pfarrherren. Wichtigstes Lernziel ist der Gehorsam gegenüber Gott und der Obrig­ keit. In der Stadt gehen die Knaben und die benachteiligten Mädchen in getrennte Schulen. Höhere Bildung ist den Knaben aus privilegierten Familien in der Stadt vorbehalten. 1779

Isaak Iselin, Aufklärer und Gründer der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige, plädiert für eine neunjährige Schulbildung für alle.

1798–1803 Nach der helvetischen Revolution plant die nationale Regierung eine umfassende Volksbildung und ein dreistufiges staatliches Schulwesen. Es bleibt bei den Plänen. ab 1817

Im neu gegründeten Kanton Basel werden Schulführung und Schulstoff weltlicher. Die Lehrer werden besser auf ihre Aufgabe vorbereitet. In der Stadt werden Jahrgangsklassen und eine Mittelstufe eingeführt. Die ersten Lehrerinnen werden angestellt.

1833

Der Streit um die Gleichberechtigung der Landbevölkerung endet mit der Trennung von Stadt und Land. Der konservative Stadtkanton verliert zeitweise den Anschluss an die Modernisierung der Schule in den liberalen Kantonen.

1838

Basel-Stadt führt eine sechsjährige Schulpflicht ein.

1848

Im neu gegründeten schweizerischen Bundesstaat besteht Niederlas­ sungsfreiheit. Die Stadtbevölkerung beginnt zu wachsen, neue Quartiere entstehen.

1869

Eisenbahn und Industrie prägen nach und nach das Stadtbild. Im ersten Basler Fabrikgesetz wird Kinderarbeit während der Schulpflicht verboten.

1870

Die Schule wächst, neue Schulhäuser werden gebaut. Die Aufsicht geht von den Pfarrern an vollamtliche Vorsteher, die späteren Rektoren, über.

17


1875

Das Ratsherrenregiment und die Vorrechte der Stadtbürger fallen. Ba­ sel-Stadt erhält eine demokratische Verfassung mit Gewaltenteilung und vollamtlichen Regierungsräten. Bildung ist aus politischen und wirtschaft­ lichen Gründen wichtig geworden; das Erziehungsdepartement wird geschaffen.

ab 1880

Das erste umfassende und moderne Schulgesetz begründet ein Schul­ system mit vierjähriger Primarschule und anschliessender Aufteilung in Realschule und höhere Schulen. Der Schulbesuch wird unentgeltlich. Je­ des vierte Schulkind ist katholisch. An der Schule gilt die konfessionelle Neutralität, und die katholische Schule wird 1884 per Volksabstimmung geschlossen. Bis 1914 werden 30 palastähnliche Schulhäuser gebaut.

ab 1886

Viele Kinder sind durch Armut und Krankheit gefährdet. Das Schularzt­ amt, die Schulfürsorge und weitere Schuldienste werden aufgebaut.

1888

Es werden erstmals Spezialklassen für Kinder mit Behinderungen einge­ richtet. Migrationsbedingt nimmt die soziale und kulturelle Heterogenität der Schulklassen zu.

1892

Als Partizipationsorgan der Lehrpersonen entsteht die freiwillige Schulsynode.

1895

Aus privaten Kleinkinderanstalten werden staatliche Kindergärten.

ab 1900

Das Jahrhundert des Kindes verlangt eine Pädagogik, die vom Kind aus­ geht. Türöffner für reformpädagogische Innovationen in Basel ist die 1924 geschaffene Schulausstellung als Fortbildungszentrale.

1914–18

Wegen Militärdienst der Lehrer, Truppenbelegung in Schulhäusern, Koh­ lemangels und wegen der Spanischen Grippe fällt der Unterricht oft aus. Von Hunger und Armut bedrohte Kinder erhalten in der Schule Hilfe. In Turnhallen werden Suppenküchen eingerichtet.

1925

Ein Lehrerseminar mit Hochschulcharakter wird gegründet. Vorher wur­ den Lehrpersonen in Kursen ausgebildet. Viele diplomierte Lehrpersonen kamen aber weiterhin aus anderen Kantonen.

1929

Das zweite, bis heute gültige Schulgesetz bringt den Abteilungsunterricht an der Primarschule und als Ergänzung zu Realschule und Gymnasien die Sekundarschule für Kinder mit Grundansprüchen. Ein Aufschub der Aufteilung in die verschiedenen Schultypen misslingt.

18


1939–45

Militärische Evakuierung von Schulhäusern, Vertretungen wegen Mobil­ machung, Kälteferien wegen Kohlemangels und Verdunkelung beeinträch­ tigen den Schulbetrieb. Die Schule stellt sich in den Dienst der Geistigen Landesverteidigung.

1960er- Jahre

In der Zeit des Wirtschaftswunders und eines erneuten starken Bevölke­ rungswachstums werden Begabungsreserven durch neue Schulangebote und den Bau neuer Schulhäuser erschlossen. Der Unterricht wird vielseiti­ ger und die Klassen kleiner. Persönlichkeitsbildung gewinnt an Bedeutung. In diese Zeit fällt auch die Einführung des kantonalen Frauenstimmrechts und der Koedukation.

1960–2008 Über die Invalidenversicherung finanziert der Bund die Schulung von Kin­ dern mit Behinderungen in meist privaten Sonderschulen. Auch wer bis jetzt als ‹bildungsunfähig› galt, wird gefördert. Schülerinnen und Schüler mit Lern- und Sozialproblemen werden in Kleinklassen eingeteilt, die vom Kanton geführt und bezahlt werden. 2004 werden 11 Prozent der Schul­ kinder in Sonderklassen und Sonderschulen ausgesondert. Schon vor der Jahrtausendwende setzt eine integrative Gegenbewegung ein. 1970er- Jahre

Bauwirtschaft und Industrie holen viele Italiener und Italienerinnen nach Basel. Die Überfremdungsinitiative von James Schwarzenbach scheitert nur knapp. Erstmals stellen sich der Volksschule grosse sprachliche Integrationsaufgaben.

1973

Der Gesamtschulversuch ‹Neue Schule› wird an der Urne verworfen. Die Frühselektion bleibt ein Thema.

1988–2003 Gegen den reformskeptischen Regierungsrat setzt sich eine Kommission des Grossrats mit der Einführung einer leistungsgemischten Orientie­ rungsschule vom 5. bis 7. Schuljahr durch. Unterricht, Beurteilung und Elternbeteiligung entwickeln sich. Die Umsetzung im schulpolitisch auf­ geheizten Klima wird nicht von Rückschlägen verschont. An der zweijäh­ rigen Weiterbildungsschule als Fortsetzung der Orientierungsschule und Alternative zum Gymnasium besteht Korrekturbedarf. 1990er- Jahre

19

Schweizer Familien wandern ins Baselbiet ab und Familien aus Spanien, der Türkei und – nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft – aus den Balkanstaaten ziehen zu. Nach der Jahrtausendwende hat jedes zweite Schulkind eine fremde Erstsprache. Die sprachliche und kulturelle Heterogenität fordert die Schule heraus. Viele Lernende scheitern, das zeigen die PISA-Schulleistungstests. Zu den Integrationsmassnahmen gehört seit 2009 die Einführung einer obligatorischen Deutschförderung für Dreijährige mit mangelnden Sprachkenntnissen.


2004

Das Lehrerseminar wird Teil einer Pädagogischen Hochschule der beiden Basel. Diese fusioniert ein Jahr später im Rahmen der Fachhochschule Nordwestschweiz mit den Lehrerseminaren der Kantone Aargau und Solothurn.

2006

Durch Teilrevision der Bundesverfassung werden Bund und Kantone ge­ meinsam für Bildung verantwortlich. Die Volksschule bleibt Aufgabe der Kantone. Diese sind aber zur Zusammenarbeit verpflichtet. Misslingt die Harmonisierung, kann der Bund Vorschriften erlassen.

Der obligatorische Fremdsprachenunterricht setzt mit Französisch im 3. und mit Englisch im 5. Schuljahr ein. Basel-Stadt arbeitet mit den fünf Kantonen an der Grenze zum frankophonen Sprachraum zusammen.

2008

Trotz der Skepsis vieler Lehrpersonen werden an allen Standorten der Volksschule Schulleitungen mit Teilautonomie eingeführt. Im Rahmen der Gesetze und im Dialog mit der neuen Volksschulleitung gestalten die Schulen ihre Entwicklung selbst. Als neue Aufgabe kommt der Aufbau von Tagesstrukturen dazu.

Die Verantwortung für die Sonderpädagogik geht ganz vom Bund an den Kanton. Neu gilt der Vorrang der integrativen Schulung. 2010 tritt Ba­ sel-Stadt dem Sonderpädagogik-Konkordat bei. Lernende mit Einschrän­ kungen werden wenn möglich mit Förderangeboten in Regelklassen ge­ schult, wenn nötig weiterhin in Sonderschulen. Die Integration erweist sich als sehr anspruchsvoll.

2010

Basel-Stadt beteiligt sich am HarmoS-Konkordat der Erziehungsdirek­ torenkonferenz und übernimmt die neue Schulstruktur mit acht Jahren Primarstufe einschliesslich Kindergarten sowie drei Jahren Sekundarstufe I. Die beiden Basel führen beide eine Sekundarschule mit drei Leistungszü­ gen, hoher Durchlässigkeit und gleichzeitigem Übertritt in Berufsbildung und Mittelschulen. Die vier Kantone der Nordwestschweiz versuchen die Harmonisierung gemeinsam anzugehen.

2013–18

Im Rahmen der Umsetzung der neuen Volksschule müssen viele Lehr­ personen die Schule wechseln. In 60 Schulumbau- und Neubauprojekten werden 800 Millionen Franken investiert.

2015

An der Basler Volksschule tritt der von den Deutschschweizer Kantonen geschaffene, stufenübergreifende Lehrplan 21 in Kraft.

20


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Für alle! Die Basler Volksschule seit ihren Anfängen by Schwabe Verlag - Issuu