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Für die Unabhängigkeit Polens!

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Piotr Bednarz ist polnischer Historiker. Er leitet den Lehrstuhl für Geschichte des 19. Jahrhunderts und Osteuropas am Historischen Institut der Maria Curie-Skłodowska Universität in Lublin. Darüber hinaus fungierte er dort als Adjunkt und Leiter der Internationalen Zusammenarbeit. Er war Stipendiat der Eidgenössischen Stipendienkommission für ausländische Studierende.

www.schwabeverlag.ch

BBG

187

Das Buch analysiert die Behandlung der polnischen Frage in der schweizerischen Publizistik während des Ersten Weltkrieges im Kontext der kulturellen Teilung der Schweiz zwischen französisch- und deutschsprachigem Raum. Grundlage der Untersuchung sind umfassende Auswertungen der Quellen sowie der polnischen und schweizerischen Geschichtsschreibung. Die damalige Presse unterstützte – ganz im Sinne schweizerischer Werte – einhellig die Freiheit und Unabhängigkeit Polens, unterschied sich aber in ihrer Berichterstattung je nach ihrer Nähe zu den Alliierten oder den Mittelmächten. Das Buch vermittelt neue und spannende Einsichten in die polnisch-schweizerischen Beziehungen während des Ersten Weltkriegs.

PIOTR BEDNARZ

FÜR DIE UNABHÄNGIGKEIT POLENS !

FÜR DIE UNABHÄNGIGKEIT POLENS !

BASLER BEITRÄGE ZUR GESCHICHTSWISSENSCHAFT

BASLER BEITRÄGE ZUR GESCHICHTSWISSENSCHAFT

187

PIOTR BEDNARZ

FÜR DIE UNABHÄNGIGKEIT POLENS  ! Berichte und Standpunkte der Schweizer Presse im Ersten Weltkrieg


Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft

Begründet von E. Bonjour, W. Kaegi, F. Staehelin Weitergeführt von F. Graus, K. v. Greyerz, H. R. Guggisberg, H. Haumann, G. Kreis, H. Lüthy, M. Mattmüller, W. Meyer, J. Mooser, A. v. Müller, M. Schaffner und R. Wecker Herausgegeben von C. Arni, S. Burghartz, L. Burkart, M. Lengwiler, C. Opitz-Belakhal, J. Rüdiger, F. B. Schenk und J. Tischler

Band 187

Studia Polono-Helvetica VII Begründet durch eine Vereinbarung zwischen den Rektoren der JagiellonenUniversität Krakau und der Universität Basel (Band I ist als BBG 157 erschienen, Band II im Verlag der Jagiellonen-Universität Krakau als Heft 113 der Historischen Arbeiten in der Reihe «Zeszyty Naukowe Uniwersytetu Jagiellońskiego», Band III als BBG 169, Band IV als BBG 174, Band V im Verlag Peter Lang als Band 16 der Reihe «Menschen und Strukturen» und Band VI als BBG 185.)


Piotr Bednarz

Fßr die Unabhängigkeit Polens! Berichte und Standpunkte der Schweizer Presse im Ersten Weltkrieg

Schwabe Verlag


Gedruckt mit Unterstützung der Berta Hess-Cohn Stiftung, Basel. Die Publikation wurde zudem gefördert durch die Polnische Kulturstiftung Libertas, Rapperswil.

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2019 Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Abbildung Umschlag: Die polnische Armee in Frankreich. Heerschau vor dem Abmarsch an die Front 1918 (Narodowe Archiwum Cyfrowe, 1-H-263-3) Redaktion: Prof. em. Dr. Heiko Haumann, Basel/Elzach-Yach Umschlaggestaltung: icona basel gmbh, Basel Layout: icona basel gmbh, Basel Satz: 3w+p, Rimpar Druck: CPI books GmbH, Leck Printed in Germany ISBN Printausgabe 978-3-7965-3899-5 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-4038-7 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch


Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

9

Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

13

Kapitel I: Geteilte Presse in einer geteilten Gesellschaft . . . . . . . . .

25

1

Die Konfliktparteien und die Sympathien der Schweizer . . . . . . . .

25

2

Der Einfluss des Krieges auf die Funktionsweise der helvetischen Presse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

36

3

Die politische Einteilung der schweizerischen Presse . . . . . . . . . . .

42

4

Ausländische Einflüsse und die Pressekontrolle . . . . . . . . . . . . . . .

64

Kapitel II: Die Eröffnung, August 1914–April 1915 . . . . . . . . . . . . . . .

75

1

Die polnische Frage in der schweizerischen Presse in den ersten Tagen des Krieges . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

75

2

Schweizer Stimmen zum österreichisch-deutschen Aufruf an die Polen und zur Erklärung des Grossfürsten Nikolai Nikolajewitsch Romanow . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109

3

Die Forderung nach der Unabhängigkeit Polens in der Presse der französisch- und der deutschsprachigen Schweiz . . . . . . . . . . . . . . 136

4

Die ersten humanitären Aktionen zugunsten der Polen . . . . . . . . . 151

Kapitel III: Zwischen Front und Politik, Mai 1915–Oktober 1916 . . . 165

1

Nachrichten von der Ostfront. Evakuierung der Bevölkerung . . . . 165


6

Inhalt

2

Der Fall von Warschau. Deutschland und die Regelung der polnischen Frage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184

3

Die österreichisch-ungarische Besatzungszone und Galizien. Wiens Dilemma . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202

4

Das polnische politische Leben unter der Besatzung . . . . . . . . . . . 215

5

«Polen links der Weichsel» und die polnische Armee . . . . . . . . . . 221

6

Die Abkehr der öffentlichen Meinung am Genfer See von der russophilen Haltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 233

7

Reaktionen auf die österreichisch-deutschen Verhandlungen über die polnische Frage 1915/1916 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246

Kapitel IV: Das deutsch-österreichische Königreich Polen, November 1916–Februar 1917 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259

1

Berichte über den Verlauf der Proklamation vom 5. November 1916 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259

2

Die Proklamation vom 5. November 1916 in der deutschsprachigen Presse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.1 Die Grenzen des neuen Staates . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2 Die Stimmen der deutschen politischen Bühne . . . . . . . . . . 2.3 Reaktionen polnischer Politiker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.4 Mutmassungen der deutschsprachigen Presse über den Akt vom 5. November . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5 Kommentare der europäischen Presse . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.6 Der polnische König und die Zukunft des Königreichs Polen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

3

Der Akt vom 5. November in der französischsprachigen Presse . . 3.1 Die polnische Reaktion auf die österreichisch-deutsche Massnahme im Lichte der welschschweizerischen Zeitschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.2 Die negative Propaganda am Genfer See . . . . . . . . . . . . . . . . 3.3 Ausländische Kommentare in der französischsprachigen Presse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

264 264 269 274 278 293 299 306

311 317 321


Inhalt

Kapitel V: Im Lager der Alliierten, März–Oktober 1917 . . . . . . . . . . . 325

1

Die Februarrevolution und die propolnische Propaganda in der schweizerischen Presse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 325

2

Reaktionen auf die Aufrufe der Provisorischen Regierung in Russland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 334

3

Die Idee der polnisch-litauisch-ukrainischen Föderation . . . . . . . . 346

4

Abwendung der Polen von der aktivistischen Strömung . . . . . . . . 352

5

Das Ende der Legionen und die polnische Armee an der Seite der Alliierten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 364

6

Pressekommentare zu den österreichisch-deutschen Verhandlungen über die polnische Frage während der Legionenkrise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 380

7

Die schweizerischen Zeitungen über die Berufung des Regentschaftsrates . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 385

8

Der hundertste Todestag von Tadeusz Kościuszko in der Schweiz 397

Kapitel VI: Die Unabhängigkeit auf den Trümmern. Das Jahr 1918 . 403

1

Die Oktoberrevolution . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 403

2

Ein erneuter Schwerpunkt: die karitative Aktion . . . . . . . . . . . . . . 405

3

Die Reaktion der schweizerischen öffentlichen Meinung auf den Friedensvertrag von Brest-Litowsk. Die ukrainische Frage . . . . . . 409

4

Die polnisch-litauische Frage in der Presse am Genfer See . . . . . . 437

5

Die Schweizer Presse über die polnische politische Klasse nach Brest-Litowsk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 446

6

Die Wiedergeburt der polnischen staatlichen Strukturen . . . . . . . . 468

7

Die Unabhängigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 488

8

Die Frage der Judenpogrome in der Schweizer Presse . . . . . . . . . . 503

9

Schweizer Stimmen zum wiedergeborenen Polen . . . . . . . . . . . . . . 512

7


8

Inhalt

Resümee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 521 Abkürzungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 535 Quellen- und Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 537

I

Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 537 1 Schweizer Presse 1914–1918 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 537 2 Sonstige Presse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 538

II

Handschriftliche Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 539

III

Gedruckte Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 540

IV

Zeitgenössische Bücher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 540

V

Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 542 1 Enzyklopädien und Wörterbücher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 542 2 Monografien und Aufsätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 542

Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 553 Personenregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 555


Vorwort

Die Beziehungen zwischen Polen und der Schweiz sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Geschichte beider Länder. Für diese wechselseitige Verbundenheit seien nur wenige Stichworte genannt. Viele Schweizer nahmen Anteil am Schicksal Polens während des Aufstandes von 1794 gegen die drei Teilungsmächte. Dies drückte sich dann auch zwischen 1815 und 1817 beim Aufenthalt Tadeusz Kościuszkos, der den Aufstand geleitet hatte, in der Schweiz aus. Weiterhin unterstützten Schweizerinnen und Schweizer die polnischen Aufstände von 1830/31 und 1863. Auch nahmen sie zahlreiche polnische Emigranten nach der Niederschlagung dieser Aufstände auf. Die Gründung des Polenmuseums in Rapperswil 1870 gehört in diese Traditionslinie. Nach Wiedererlangung der Staatlichkeit Polens 1918 erwies die Eidgenossenschaft Beistand etwa durch die Tätigkeit schweizerischer Völkerbundskommisare in Danzig (Gdańsk) und Oberschlesien (Ślą sk). Der von der Schweiz geduldeten diplomatischen Vertretung der Exilregierung Polens in Bern während des Zweiten Weltkrieges gelang es nicht zuletzt, zahlreichen polnischen Juden das Leben zu retten. Polnische Heeresverbände, die aufseiten Frankreichs gegen die deutschen Truppen gekämpft hatten, konnten 1940 interniert werden. Während der Zeit des Kriegsrechts in Polen zwischen 1981 und 1983 zeigten viele Schweizer ihre Solidarität durch Hilfsleistungen. Das polnische Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit entsprach dem Selbstverständnis der Schweiz. Zugleich regten die staatliche Ordnung und der politische Gang der Schweiz die polnische Seite immer wieder zu eigenen Konzeptionen an. Die Schweiz – oft stark idealisiert – galt nicht nur als «Sehnsuchtsland» für freies Leben in schöner Natur, sondern auch als Vorbild für die zukünftige politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung. Eine Schlüsselrolle spielte dabei der Erste Weltkrieg. Polnische Emigranten und Organisationen in der Schweiz entfalteten hier eine entscheidende


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Vorwort

Wirksamkeit, um die staatliche Selbstständigkeit nach Kriegsende zu erreichen. Nicht weniger wichtig war ihr Einsatz für humanitäre Hilfe zugunsten der Menschen in Polen, die unter dem Krieg leiden mussten. Schweizerinnen und Schweizer schlossen sich diesen Hilfsmassnahmen an, und die Neutralität der Schweiz ermöglichte gleichzeitig politische Initiativen zugunsten Polens. Halina Florkowska-Franč ić, Professorin an der Jagiellonen-Universität in Krakau, hat 2014 in ihrem Buch «Die Freiheit ist eine grosse Sache» die Aktivitäten polnischer Patrioten in der Schweiz während des Ersten Weltkrieges rekonstruiert und interpretiert. Sie analysierte die Spannungen zwischen den in Polen vertretenen Nationalitäten ebenso wie Meinungsverschiedenheiten zwischen den polnischen Politikern über die Frage, auf welche Weise und mit welchen Bündnispartnern die Autonomie oder gar staatliche Unabhängigkeit Polens zu erreichen sei. Über dieses Ziel war man sich allerdings grundlegend einig. Dr. habil. Piotr Bednarz, Leiter des Lehrstuhls für Geschichte des 19. Jahrhunderts und Osteuropas am Historischen Institut der Maria-CurieSkłodowska-Universität in Lublin, legt nun eine Studie darüber vor, wie während des Ersten Weltkrieges die polnische Frage in der schweizerischen Publizistik behandelt wurde. Dabei analysiert er die Nachrichten zu den Ereignissen an den Fronten ebenso wie politische Erklärungen der kriegführenden Regierungen und Massnahmen der jeweiligen Besatzungsmächte in Polen, über die berichtet wird, sowie Diskussionen zur Zukunft Polens innerhalb der Schweiz. Präzise untersucht Piotr Bednarz, wie die Meinungsbildung innerhalb der Schweizer Presse zustande kam und wie sich Einflüsse seitens der Alliierten und der Mittelmächte auswirkten. Dabei kann er zeigen, dass die Schweizer Zeitungen einhellig für die Freiheit Polens eintraten, zugleich aber unterschiedlichen Bewertungen zuneigten: Die deutschschweizerische Presse befürwortete eine Anlehnung des zukünftigen polnischen Staates an Deutschland und Österreich-Ungarn, sie begrüsste infolgedessen beispielsweise die Proklamation des Königreichs Polen am 5. November 1916 durch die Mittelmächte. Die französischsprachige Presse stand hingegen eher auf der Seite der Alliierten, war aber selbst gespalten in Zustimmung und Ablehnung der russischen Politik und reagierte auch keineswegs einheitlich auf das französische Vorgehen in der polnischen Frage. Unterschiedlich wur-


Vorwort

den weiterhin die polnischen politischen Parteien und Gruppierungen beurteilt, gerade auch diejenigen, die in der Schweiz tätig waren. Sehr differenziert behandelt Piotr Bednarz die Berichterstattung nach der Februar- und Oktoberrevolution 1917 in Russland, die neue Möglichkeiten für die Unabhängigkeit Polens schufen und auch die Positionen innerhalb der Schweiz einander annäherten. Eindrucksvoll führt er vor Augen, dass bei allen Unterschieden zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Presse alle Zeitungen in der Bedeutung, die sie Menschenrechten, der föderalen Struktur und humanitären Fragen zumassen, übereinstimmten. So wurde allgemein darauf geachtet, welche Rechte die verschiedenen Minderheiten – nicht zuletzt die Juden, aber auch die Deutschen, Litauer und Ukrainer – im zukünftigen Staat einnehmen sollten. Weiterführend ist die These des Autors, dass die Schweizer Presse die polnische Frage auch benutzte, um die jeweilige eigene politische Position zu begründen. Dabei ging es stellvertretend um die Zukunft der Schweiz nach Kriegsende. Die Studie ist damit nicht nur ein grundlegendes Werk über die Auseinandersetzung mit der polnischen Frage während des Ersten Weltkrieges, die einen wesentlichen Beitrag zur Erringung der staatlichen Unabhängigkeit leistete. Sie weist zugleich auf wichtige innerschweizerische Entwicklungen hin. Das Manuskript ist von dem Lubliner Germanisten Dr. Wieńczysław Niemirowski übersetzt worden.1 Frau Gabriele Grütter hat die Übersetzung noch einmal sprachlich überarbeitet. Eine abschliessende Durchsicht habe ich selbst vorgenommen. Nicht zufällig erscheint das Werk in den «Basler Beiträgen zur Geschichtswissenschaft» und zugleich als Band VII der Reihe «Studia Polono-Helvetica». Piotr Bednarz’ Untersuchung ist Teil einer langjährigen Partnerschaft zwischen Historischen Instituten in Polen und dem Departement Geschichte der Universität Basel. Neben gemeinsamen Forschungsprojekten, studentischen Exkursionen sowie einem Austausch von Gastvorträgen und Dozenturen kam es zu mehreren Publikationen.2 Es ist zu

Vgl. Wieńczysław Niemirowski: Für Führer, Volk und Reich: Schriftsteller und Literaturpolitik im nationalsozialistischen Deutschland. Lublin 2015. 2 Erwähnt sei der Sammelband zur Erinnerung an den Aufstand von 1794, der zugleich die Verbundenheit zwischen Polen und der Schweiz zum Ausdruck bringen sollte («Der letzte Ritter und erste Bürger im Osten Europas». Kościuszko, das aufständische Reformpolen und die Verbundenheit zwischen Polen und der Schweiz. Hg. von Heiko 1

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Vorwort

hoffen, dass diese fruchtbare Beziehung zwischen polnischen und schweizerischen Historikerinnen und Historikern fortgesetzt wird. Der Druck der vorliegenden Untersuchung wurde durch eine grosszügige Unterstützung der Berta Hess-Cohn Stiftung ermöglicht. Übersetzung und Publikation förderten ausserdem das Polenmuseum in Rapperswil und die dortige Libertas-Stiftung. Julia Grütter Binkert, Lena Gfeller und Sara Steffen vom Schwabe Verlag haben die Publikation sorgfältig betreut. Allen, die zur Veröffentlichung beigetragen haben, sei von Herzen gedankt. Dem Buch wünsche ich eine gute Resonanz. Es kann dazu beitragen, unsere Kenntnisse der polnisch-schweizerischen Verbindung zu vertiefen. Weitere Forschungen zur Geschichte Polens und der Schweiz mögen darauf aufbauen. Heiko Haumann

Haumann und Jerzy Skowronek. Basel 1996, 2. Aufl. 2000). Er erschien 1996 als Band 169 der «Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft» und zugleich als Band III der «Studia Polono-Helvetica», deren erster Band 1989 publiziert worden war (Studia Polono-Helvetica. Hg. von Helena Madurowicz-Urbańska und Markus Mattmüller. Basel 1989, zugleich Band 157 der «Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft»). 2002 wurde als Band 174 der «Basler Beiträge» und Band IV der «Studia Polono-Helvetica» Marek Andrzejewskis Schrift «Schweizer in Polen. Spuren der Geschichte eines Brückenschlages» veröffentlicht. 2014 folgte als Band 185 der «Basler Beiträge» und Band VI der «Studia Polono-Helvetica» das erwähnte Buch von Halina Florkowska-Franč ić.


Einführung

Eine der vielen Fragen, die der Erste Weltkrieg mit sich brachte, war die Zukunft der Völker, die ihre Unabhängigkeit erlangen wollten. Insofern kann man auch von einem «Krieg um die Freiheit der Völker» sprechen. In der Propaganda der kämpfenden Parteien tauchte diese Frage ausserordentlich häufig auf. Die Idee der Freiheit wurde besonders von der Entente im Munde geführt, etwas geringeren Nachdruck verlieh ihr die Propaganda aus Deutschland oder Österreich-Ungarn, aber auch dort war sie nicht fremd.1 Auf beiden Seiten der Front betrachtete man den Krieg als eine Verteidigung eigener Werte, welche die jeweils andere Seite angeblich bedrohte. Die Empfänger dieser Botschaft waren die Einwohner der Länder, die am Konflikt beteiligt waren. Sie mussten die schrecklichen Konsequenzen militärischer, ökonomischer und moralischer Art tragen. Für Paris und London war es ebenso wie für Berlin und Wien eine absolute Notwendigkeit, die öffentliche Meinung für die Überzeugung zu gewinnen, dass die Idee, für die man angeblich kämpfte, richtig sei. Die Schweizer starben in der Regel nicht an den Fronten. Das Recht der Eidgenossenschaft verbot den Dienst in fremden Armeen,2 wenngleich sich nicht alle danach richteten. Die Teilnahme mancher Schweizer am Kampf als Freiwillige in den Reihen der französischen, der deutschen oder der österreichisch-ungarischen Armee ändert nichts daran, dass die Schweizer als Volk

1 Cf. A. Szuber, Walka o przewagę duchową . Kampania propagandowa koalicji 1914– 1918, Warszawa 1933. 2 L. E. Straessle, Die Entwicklung der schweizerischen Neutralität, Freiburg 1951, S. 144–145.


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Einführung

nicht in den Konflikt verwickelt waren.3 Hingegen war die öffentliche Meinung dieses Landes am Propagandakrieg kaum weniger beteiligt als die französische oder die deutsche öffentliche Meinung. Insbesondere die Presse geisselte – je nach politischen Sympathien – die «barbarischen Hunnen», «die Republik der Freimaurer» oder den «britischen Imperialismus». Allerdings gab es auch neutrale Zeitungen, die zu «Besinnung», «Solidarität» oder «gegenseitiger Anerkennung der kulturellen Besonderheit» aufriefen. Ausserdem wurden sozialistische Appelle verkündet, die von «kapitalistischem Krieg» und «internationalistischer Revolution» sprachen. Die Frage der Unabhängigkeit Polens hing im Jahr 1914 mit den politischen oder ökonomischen Interessen des eigenen Staates nicht direkt zusammen. Doch anders als an der Front, wo man sein Leben riskierte und deshalb von der Idee, für die man kämpfte, überzeugt sein musste, konnte man im Propagandakrieg auch bei einem «fremden» Interesse wie der Unabhängigkeit Polens zur Feder greifen. Man brachte seine Urteile aufs Papier in der Hoffnung, dass sie gleich den Kugeln an der Front die Gegner nicht verfehlen würden. Im Mittelpunkt des vorliegenden Buches steht die Behandlung der polnischen Frage in der schweizerischen Publizistik während des Ersten Weltkrieges im Kontext der kulturellen Teilung der Schweiz. Es geht darum, die Pressepublikationen zu analysieren, um zu ermitteln, in welcher Weise in der Schweiz über die polnische Frage geschrieben wurde und wie die Schweizer zu ihr standen. Die polnische Frage war einem durchschnittlichen Schweizer gänzlich fremd. Wie also nahm die Bevölkerung am Propagandakrieg teil? Als Hauptthese dieses Buches kann gesagt werden, dass die öffentliche Meinung dieses kleinen Landes trotz ihrer tiefgehenden Polarität eine ideologische Gemeinschaft bildete. Diese rührte nicht aus der Unterstützung der einen und der Verurteilung der anderen Seite des Konflikts her. In dieser Hinsicht vertraten die Schweizer bei Weitem keinen einhelligen Standpunkt, im Gegenteil. Diese Gemeinschaft bestand stattdessen darin, dass die Presse aller Richtungen freiheitliche Losungen verbreitete. Diese waren von ganz

3 Es waren keine vereinzelten Fälle. Allein in der französischen Fremdenlegion dienten im Ersten Weltkrieg über 10 000 Schweizer. Dictionnaire Historique et Biographique de la Suisse, Bd. VI, Neuchâtel 1932, S. 171.


Einführung

verschiedenen Positionen abgeleitet – humanistischen, politischen, humanitären, religiösen, idealistischen oder pragmatischen. Gerade die polnische Frage war ein vorzügliches Feld für entsprechende Diskussionen – und die vorliegende Publikation ist bemüht, auf diese Erscheinung genauer einzugehen. Auffällig ist die Diskrepanz zwischen der welsch- und der deutschschweizerischen Sicht auf die Vorgänge. In Genf oder Lausanne sprach man ein wenig pathetisch über die Unabhängigkeit oder die Rechte der Völker, in Basel, Bern oder Zürich konzentrierte man sich eher auf die Erörterung von Möglichkeiten, konkrete Probleme zu beheben, die die Realisierung dieser Idee erschwerten. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, die Pressekommentare zu Wort kommen zu lassen. Dies wiederum bewirkte, dass die Ausführungen manchmal sehr detailliert und spezifisch ausfallen mussten. Der Verfasser will den Leserinnen und Lesern keineswegs bestimmte Interpretationen aufzwingen. Er lässt eher die Quellen zu Wort kommen, indem er Urteile über bestimmte Themen zitiert, die in der Presse zu finden waren. Ich wollte auch keine Chronik verfassen. Notwendig war aber manchmal eine ausführliche Betrachtung der Thematik und ihrer Darstellung durch die schweizerischen Journalisten. Dies war eine Bedingung sine qua non, um zu verstehen, wie ein Journalist oder ein Zeitungsleser die Frage der polnischen Unabhängigkeit wahrnahm. Die Lektüre des Buches soll es ermöglichen, sich in die Situation des damaligen Lesers zu versetzen und sich mit den Informationen, Kommentaren und Urteilen bekannt zu machen, deren Adressat er war. Aus der kulturellen Teilung der Schweiz folgte eine weitere Besonderheit. Im deutschsprachigen Gebiet lehnte man die Versuche ab, die dortigen Schweizer mit dem Deutschtum zu identifizieren. So waren die deutschen Kriegsverbrechen ein Anlass, um zu betonen, dass nicht jeder deutschsprachige Mensch ein Preusse und nicht jeder Preusse ein Verbrecher sei. In Genf wurde man wiederum nicht müde hervorzuheben, dass nicht jeder französischsprachige Bürger ein über Polen blumig sprechender Heuchler sei, der nach Anordnungen von Petersburg handele, und im Übrigen auch nicht jeder Franzose eine russophile Gesinnung habe. Diese Aussagen dienten aber weniger der Erörterung des polnischen Problems als der Darstellung des jeweiligen Selbstverständnisses. Die vorliegende Abhandlung behandelt nicht die polnische Frage während des Ersten Weltkrieges, sondern die schweizerischen Urteile über sie.

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Einführung

Die Hoffnungen des Verfassers wären erfüllt, wenn die Leserinnen und Leser nach der Lektüre des Buches zur Überzeugung gelangten, dass die Schweiz ein günstiger Ort für politische Diskussionen über unbequeme und politisch unkorrekte Probleme war, die sich aber gut dazu eigneten, die eigene Besonderheit zu manifestieren und die eigene freiheitliche Ideologie – in zwei etwas voneinander abweichenden Fassungen – zu präsentieren. Der Begriff der öffentlichen Meinung, der von mehreren wissenschaftlichen Disziplinen – Soziologie, Politologie, Zeitungswissenschaft oder Geschichte – thematisiert wird,4 bezieht sich im vorliegenden Buch auf einen Komplex von Vorstellungen und Urteilen, die es über die polnische Unabhängigkeit mit allen ihren Aspekten in der schweizerischen Gesellschaft während des Ersten Weltkrieges gab. Dabei habe ich mich für mein Verständnis des Begriffs der öffentlichen Meinung insbesondere an den Arbeiten von W. Śladkowski5 und K. Dunin-Wą sowicz orientiert.6 Der chronologische Rahmen der Arbeit bietet sich von selbst an. Unser Interesse gilt dem ganzen Weltkrieg, von den ersten bis zu den letzten Tagen. Allerdings ist das Kriegsende im November 1918 keine eindeutige Zäsur. Vom schweizerischen Standpunkt aus geschah damals nämlich in der polnischen Frage nichts Entscheidendes. Nach vielen Urteilen existierte der polnische Staat bereits seit 1916. Nach Meinung der frankophilen Presse markierte hingegen die Erklärung des Regentschaftsrates Anfang Oktobers 1918 den Beginn der Unabhängigkeit. Die ausbrechenden Konflikte mit den Ukrainern, Juden oder Bolschewiki zeigten an, dass die Situation an der Weichsel nicht stabil war, daran änderte der November nicht viel. In dieser Arbeit wird daher die Endzäsur ein wenig hinausgeschoben, indem mehrere Aussagen vom Dezember 1918 angeführt werden, die sich auf die polnisch-jüdi-

4 Cf. J. Łojek, Studia nad prasą i opinią publiczną w Królestwie Polskim, Warszawa 1966; R. Demoulin, O wpływie opinii publicznej na politykę zagraniczną w wieku XIX, «Historyka», 1973, Bd. III; S. Kuśmierski, Świadomość społeczna, opinia publiczna, propaganda, Warszawa 1987. 5 W. Śladkowski, Opinia publiczna we Francji wobec sprawy polskiej w latach 1914– 1918, Wrocław 1976, S. 3–7. 6 K. Dunin-Wą sowicz, Francuska opinia publiczna wobec sprawy polskiej i Polaków w latach 1885–1894, Warszawa-Wrocław 1987.


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schen Probleme beziehen. Diese bilden nämlich das Ende eines bestimmten Abschnitts in der Entwicklung der polnischen Frage. Der Forschungsstand in der polnischen Historiografie für das Thema dieses Buches ist aussergewöhnlich bescheiden. Für die Geschichte der Schweiz besteht ein verhältnismässig geringes Interesse. Einen ganzheitlichen Grundriss publizierte bisher lediglich J. Wojtowicz.7 Ein wenig besser stellt sich die Situation für die polnisch-schweizerischen Verbindungen dar, insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert. Das ist in erster Linie den Publikationen von H. Florkowska-Franč ić zu verdanken.8 Für dieses Buch waren ihre

J. Wojtowicz, Historia Szwajcarii, Wrocław 1989. Im Kapitel über den Ersten Weltkrieg finden wir einige Bemerkungen über die propolnische Kampagne und das Verhältnis der dortigen öffentlichen Meinung zur polnischen Frage, es sind aber sehr allgemeine Formulierungen. 8 Unter den zahlreichen Publikationen von H. Florkowska-Franč ić über die polnischschweizerischen Themen wollen wir nur diese nennen, die für unser Buch am wichtigsten sind: Między Lozanną , Fryburgiem i Vevey. Z dziejów polskich organizacji w Szwajcarii w latach 1914–1917, Kraków – Nomos 1997 (erweitert deutsch: «Die Freiheit ist eine grosse Sache». Aktivitäten polnischer Patrioten in der Schweiz während des Ersten Weltkriegs, Basel 2014); Eadem, L’Influence des Polonais sur l’opinion publique en Suisse pendant la première guerre mondiale, [in:] Asyl und Aufenthalt. Die Schweiz als Zuflucht und Wirkungsstätte von Slaven im 19. und 20. Jahrhundert, [Hg.:] M. Bankowski, P. Brang, C. Goehrke, W. G. Zimmermann, Basel; Frankfurt am Main 1994; Eadem, La presse des émigrés Polonais en Suisse à partir de 1864 et son attitude envers le pays d’asile, [in:] Asyl und Aufenthalt, [Hg.:] M. Bankowski u. a., Basel; Frankfurt am Main, 1994, S. 69–79; Eadem, Veveyskie lata Henryka Sienkiewicza. Między dobroczynnością i polityką , «Ruch Literacki» 1996, H. 4; Eadem, Polacy w Szwajcarii po powstaniu styczniowym wobec kraju azylu, «Przeglą d Polonijny», 1992, H. 3, S. 33–42; Eadem, Polacy w Szwajcarii w czasie I wojny światowej, Kraków 1979; Eadem, Kościuszko-Feierlichkeiten in der Schweiz zwischen 1817 und 1917, [in:] «Der letzte Ritter und erste Bürger im Osten Europas», Kościuszko, das aufständische Reformpolen und die Verbundenheit zwischen Polen und der Schweiz, [Hg.:] H. Haumann, J. Skowronek, Basel 1996, S. 319–330; Eadem, Od akcji propagandowej do dyplomatycznej: Zabiegi o uznanie przez Szwajcarię państwa polskiegow latach 1918–1919, [in:] Polska i Polacy w XIX-XX wieku: studia ofiarowane Profesorowi Mariuszowi Kulczykowskiemu w 70. rocznicę Jego urodzin, [Hg.:] K. Ślusarek, S. 193–209; Eadem, Tradycje kościuszkowskie na emigracji w latach 1817–1917, [in:] Powstanie kościuszkowskie i jego Naczelnik: historia i tradycja, [Hg.:] Teresa Kulak i Mirosław Franč ić, Kraków 1996, S. 171–183. 7

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Arbeiten von grosser Bedeutung, obwohl in deren Mittelpunkt die polnische Perspektive steht, nicht die Sichtweise der Schweizer. J. Pajewski untersuchte die Bedingungen für die Herausbildung des polnischen freiheitlichen Gedankens im Westen Europas und lieferte wertvolle Informationen über die Aktivität der Polen am Genfer See.9 M. Andrzejewski verfolgte polnische Spuren in der Schweiz und behandelte dabei auch polnisch-schweizerische Beziehungen.10 W. Śladkowski zeigte in seinem erwähnten Buch über die französische öffentliche Meinung deren Wirkung auf die Schweizer Presse – Paris strahlte auf Genf aus.11 Darüber hinaus erinnerte er an die in Polen mittlerweile vergessene Gestalt des Genfer Journalisten Edmond Privat.12 D. Płygawko untersuchte die Wirksamkeit von Sienkiewicz in der Schweiz und die humanitäre Aktion des Vevey-Komitees. Auch ihre Arbeit über Papst Benedikt XV. war für dieses Buch wichtig.13 Zurückgreifen konnte der Verfasser

9 J. Pajewski, Wokół sprawy polskiej. Paryż-Lozanna-Londyn, Poznań 1970; Idem, Odbudowa państwa polskiego 1914–1918, Warszawa 1985. Manche seiner Thesen wurden von H. Florkowska-Franč ić ein wenig korrigiert, etwa die Zahl von Polen, die sich während des Krieges in der Schweiz aufhielten: J. Pajewski, op. cit., S. 130; H. FlorkowskaFranč ić: Między Lozanną , Fryburgiem i Vevey…, S. 70. 10 M. Andrzejewski, «Ta Szwajcaria to raj ziemski». Obraz Szwajcarii w polskiej publicystyce, wspomnieniach i beletrystyce (1870–1918), Gdańsk 2007; Idem, Schweizer in Polen. Spuren der Geschichte enes Brückenschlages, Basel 2002. 11 Häufig sah man auf Frankreich durch das Prisma seiner Hauptstadt. Cf. M. Nossowska, Świadectwo i tendencja. Korespondenci prasy warszawskiej o III Republice Francuskiej (1875–1914), Lublin 2001, S. 229–230. 12 W. Śladkowski, Edmond Privat i jego działalność we Francji i Szwajcarii podczas pierwszej wojny światowej, Ann. Univ. Mariae-Curie-Skłodowska, Sectio F, Vol. XXIII/ XXIV, 1968/1969, S. 113–148; Idem, L’opinion occiedentale et la causa de l’indépendance de la Pologne pendant la première guerre mondiale: L’activité d’Edmond Privat, Acta Poloniae Historica, 27, 1973, S. 105–137; Idem, Sprawa polska na kongresie narodowości w Lozannie (27–29 VI 1916), [in:] Polska, Niemcy, Europa. Studia z dziejów myśli politycznej i stosunków międzynarodowych, [Hg.:] A. Czubiński, Poznań 1977. Vgl. dazu neben Schriften von H. Florkowska-Franč ić auch K. Dunin-Wą sowicz, Francuzi w Polsce. Podróże do kraju pod zaborami, Warszawa 2000. 13 D. Płygawko, Sienkiewicz w Szwajcarii. Z dziejów akcji ratunkowej dla Polski w czasie pierwszej wojny światowej, Poznań 1986; Eadem, Benedykt XV dla Polski. 90-lecie papieskiej kolekty 21 listopada 1915, Poznań 2005.


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weiter auf die Beiträge von J. Lewandowski14, K. Dą browski15 und A. Lewak16, auf einen Sammelband, der die wechselseitigen polnisch-schweizerischen Beziehungen im Laufe der Jahrhunderte bespricht,17 sowie auf einen Artikel von A. Bronarski.18 Gewiss gibt es noch zahlreiche polnische Forscher, die sich mit der schweizerischen Thematik beschäftigt haben. Doch diese lag eher am Rande ihres wissenschaftlichen Interesses. Die schweizerische Historiografie, die sich mit der öffentlichen Meinung und der Geschichte des Ersten Weltkrieges in der Schweiz auseinandergesetzt hat, ist hingegen sehr reichhaltig. Es ist nicht möglich, alle Verfasser und deren Arbeiten zu nennen. Die polnische Frage spielt bei ihnen keine zentrale Rolle. Ich beschränke mich deshalb darauf, die für mich wichtigsten Titel summarisch aufzuzählen.19

J. Lewandowski, Polacy w Szwajcarii, Lublin 1981. K. Dą browski, Polacy nad Lemanem w XIX wieku, Warszawa 1995; Idem, Wielki Polak w Szwajcarii: programy i głosy prasy o koncertach I. J. Paderewskiego: 1889–1938, Warszawa 2001; Idem, Szkice o Polakach i polonikach szwajcarskich, Warszawa 2003. 16 A. Lewak, Od Zwią zków Węglarskich do Młodej Polski: dzieje emigracji i legjonu polskiego w Szwajcarji w r. 1833–1834, Warszawa 1923. 17 Échanges entre la Pologne et la Suisse du XIV au XIX siècle. Choses – Hommes – Idées. Études de A. Gieysztor, H. C. Peyer, S. Stellin-Michaud, H. Barycz, E. Rostworowski et M. Vuilleumer, Genève 1964. 18 A. Bronarski, Stosunki intelektualne polsko-szwajcarskie w cią gu wieków, «Przeglą d Współczesny», Bd. XXXVIII, S. 342–368. 19 A. Clavien, Les Helvétistes. Intellectuels et politique en Suisse romande au début du siècle, Lausanne 1993; Histoire de revues (bearbeitet von A. Clavien), Lausanne 1993; Idem, Histoire de la «Gazette de Lausanne», Lausanne 1997; Idem, Histoire de la «Gazette de Lausanne». Le temps du colonel 1874–1917, Vevey 1997; Idem, Grandeurs et misères de la presse politique, le match «Gazette de Laussane» – «Journal de Genève», Lausanne 2010; E. Bollinger, La presse Suisse. Les faits et les opinions, Lausanne 1986; J. Senarclens, Un journal temoin de son temps. Histoire illustrée du «Journal de Genève» 1826–1998, Genève 1999; J. P. Chaud, Des journaux et des hommes. Aspects de l’histoire de l’evolution de la presse en Suisse Romande, Morges 1993; J. P. Chenaux, La presse d’opinion en Suisse romande ou la bataille des idées, Genève 1983; P. Grellet, Refletts de cent cinquante années. La «Gazette de Lausanne» de 1798 á 1948, Lausanne 1948; T. Meissen, Die Geschichte der NZZ 1780–2005. 225 Jahre der NZZ, Zürich 2005; A. Thommen, Die Schweizer Presse in der modernen Gesellschaft, Zürich 1967; F. Blaser, Bibliographie der Schweizer Presse, Bd. 14 15

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Das vorliegende Buch stützt sich auf Primärquellen, namentlich auf die schweizerische Presse in der besprochenen Periode. Da es damals keine anderen Massenmedien gab, sind diese Quellen eine natürliche Erkenntnisgrundlage und ihre Anwendung bedarf keiner zusätzlichen Begründung.20 Zwar drückten sich bestimmte Anschauungen auch in anderen Formen aus, etwa in Erklärungen, Vorträgen oder Jubiläumsfeierlichkeiten. Doch in der Regel erfuhr der Leser davon aus der Presse. Er las die Artikel, die meist mit einer ihm ganz fremden Thematik zusammenhingen, und eignete sich häufig die in der Zeitung gedruckten Urteile an. Für ein Gesamturteil über die schweizerische öffentliche Meinung müssten eigentlich sämtliche Presseartikel, zumindest aus den wichtigsten Zeitungen, ausgewertet werden. Das war aber nicht möglich. Ohnehin publizierte man identische Artikel (oder ihre gekürzten Fassungen) vielfach in verschiedenen Zeitungen, nicht selten unter denselben Titeln. In der Arbeit zitiere ich nur diejenigen, die am wichtigsten, am längsten, am interessantesten waren oder als erste publiziert wurden. Um einen geografischen und sprach-

II, Basel 1958 (diese Arbeit war für meine Auswahl der Zeitungen und Presseartikel besonders wichtig); E. Bonjour, Geschichte der schweizerischen Neutralität. Vier Jahrhunderte eidgenössischer Aussenpolitik, Basel 1965; L. E. Straessle, Die Entwicklung der schweizerischen Neutralität, Freiburg 1951; D. Fahrni, Schweizer Geschichte, Zürich 1994; M. Mittler, Der Weg zum Ersten Weltkrieg: Wie neutral war die Schweiz? Kleinstaat und europäischer Imperialismus, Zürich 2003; T. Kästli, Die Schweiz. Eine Republik in Europa. Geschichte des Nationalstaats seit 1798, Zürich 1998; J.-J. Langendorf, Face á la guerre. L’armée et le peuple Suisse 1914–1918/1939–1945, Gollion 2007; Idem, Histoire de la neutralité. Une perspective, Gollion 2007. Siehe auch die aktuelle und ergänzte Edition des Dictionaire Historique et Biographique de la Suisse, Neuchâtel 1932. Es erscheinen jetzt die letzten Bände unter dem Titel Dictionnaire Historique de la Suisse. Auf die Presse und die öffentliche Meinung geht ebenfalls die neue Gesamtdarstellung ein: G. Kreis, Insel der unsicheren Geborgenheit. Die Schweiz in den Kriegsjahren 1914–1918, Zürich 2013. Siehe auch Die Schweiz und der Grosse Krieg, [Hg.:] R. Rossfeld, Th. Buomberger, P. Kury, Baden 2014. 20 Bei der Analyse der Inhalte von Zeitungen waren mir Hinweise behilflich, die ich in den Arbeiten zur Zeitungswissenschaft entdeckte: M. Kafel, Prasoznawstwo. Wstęp do problematyki, Warszawa 1966; Metody i techniki badania w prasoznawstwie, Bd. I-III, [Hg.:] M. Kafel, Warszawa 1969–1971; W. Pisarek, Analiza zawartości prasy, Kraków 1983.


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