V E R Ö F F E N T L I C H U N G E N D E R G E S E LL S C H A F T F Ü R U N I V E R S I TÄT S U N D W I S S E N S C H AFT S G E S C H I C HTE ( G U W )
Reformen im Inneren ( zum Selbstverständnis akademischer Forschung, zur Ordnung der Lehrpläne und Prüfungsverfahren sowie zur Struktur des Lehrpersonals ) und von außen ( zu Einflussmöglichkeiten politischer Erwartungen und wirtschaftlicher Erfordernisse ) prägen die Entwicklung der Universität seit ihrer Entstehung. Universitätsgeschichte ist stets Teil gesellschaftlicher Veränderungsprozesse gewesen; sie war und ist ein Spiegel sozialer und kultureller Gegebenheiten. 15 Beiträge von Wissenschaftlern aus Australien, Belgien, Frankreich, Österreich, der Schweiz, Ungarn und Deutschland erschließen das ebenso komplexe wie hochaktuelle Spannungsfeld « Universität – Refor m» in chronologisch wie thematisch breiter und komparativer Perspektive. Die Beitragenden untersuchen exemplarische Felder universitätsgeschichtlicher Entwicklung in ihren jeweils zeitgenössischen Kontexten. Sie beschreiben die Dynamiken und Spannungen zwischen den Interessen der Akteure, die bis heute die Universität als Ort eines Ringens um den verantwortlichen Umgang mit dem Wissen in der Gesellschaft erscheinen lassen. DIE HERAUSGEBER Martin Kintzinger, 1999–2002 Universitätsprofessor an der LMU München ( Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte ), seit 2002 an der Universität Münster ( Mittelalterliche Geschichte ), mit Gastprofessuren an der EHESS Paris 2011 und EPHE Paris 2016. Er forscht über Universitäts- und Wissensgeschichte, Geschichte der Diplomatie und Internationale Beziehungen. Wolfgang Eric Wagner, 1999 an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert, 2009 an der Universität Rostock habilitiert, seit 2012 Universitätsprofessor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Münster. Er forscht zur Erinnerungskultur ( Memoria ) und zur Universitätsgeschichte.
UNIVERSITÄT – REFORM
UNIVERSITÄT – REFORM
UNIVERSITÄT – REFORM Ein Spannungsverhältnis von langer Dauer ( 12. – 21. Jahrhundert )
Herausgegeben von Martin Kintzinger, Wolfgang Eric Wagner und Julia Crispin unter Mitarbeit von Stefan Hynek
Julia Crispin, nach dem Studium der Kunstgeschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Ur-und Frühgeschichte in Münster 2016 promoviert, arbeitet seit 2017 als Koordinatorin im SFB 874 an der Ruhr-Universität Bochum.
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VERÖFFENTLICHUNGEN DER GESELLSCHAFT FÜR UNIVERSITÄTSUND WISSENSCHAFTSGESCHICHTE
In Verbindung mit Rüdiger vom Bruch (†), Notker Hammerstein, Walter Höflechner und Martin Kintzinger Herausgegeben von Rainer Christoph Schwinges Band 14
Universität – Reform Ein Spannungsverhältnis von langer Dauer (12.–21. Jahrhundert)
Herausgegeben von Martin Kintzinger, Wolfgang Eric Wagner und Julia Crispin unter Mitarbeit von Stefan Hynek
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2018 Schwabe Verlag, Schwabe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschließlich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Abbildung Umschlag: Juleum Novum in Helmstedt (de.wikipedia.org/wiki/Juleum#/ media/File:Juleum.jpg) by User Times (commons.wikimedia.org/wiki/User:Times) under CC BY-SA 3.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) Umschlaggestaltung: icona basel gmbh, Basel Satz: Stefan Hynek, Münster Druck: CPI books GmbH, Leck Printed in Germany ISBN Printausgabe 978-3-7965-3793-6 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-3801-8 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch
Inhaltsverzeichnis Vorwort. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII Martin Kintzinger Universität – Reform. Ein Spannungsverhältnis von langer Dauer (12.– 21. Jahrhundert). Eine Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Jacques Verger Pourquoi réformer l’université ? Réflexions sur les principales réformes universitaires en France au Moyen Âge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Frank Rexroth Reformen gegen den disziplinären Eigensinn. Die Pariser Statuten von 1215 und der Konservatismus der frühen Universitätsgeschichte . . . . . . . . 23 Spencer E. Young A Workshop of Wisdom or a Pomp of Satan? Critics and Reform at the Early University of Paris . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Ingo Runde Universitätsreformen in Heidelberg – Überlieferung und Erschließung . .
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Bruno Boute Universitätsreform und Konfessionalisierungspolitik: das Beispiel der Habsburgischen Niederlande und Burgund (Löwen, Douai, Dole) 1590– 1620 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 Ulrich Rasche Innensichten auf Wandel und Reform an deutschen Universitäten des 17. bis 19. Jahrhunderts. Beobachtungen aus (Jenaer) Akten . . . . . . . . . . . . 137 Björn Thomann Reformvorstellungen der Burschenschaften in Breslau und Bonn im Vormärz und in der Revolution 1848/49 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167 Johan Lange Die Reform der akademischen Disziplin durch die Literatur. Briefromane für Studenten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts . . . . . . . . . . . . . . . . 189
VI
Inhaltsverzeichnis
Alois Kernbauer Die Thunsche Universitätsreform und die Restrukturierung der Habsburgermonarchie im Neoabsolutismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215 Harald Lönnecker Studentische Reformvorstellungen nach 1918 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243 Christa-Irene Klein Gerd Tellenbach, ein „Hochschulreformer der ersten Stunde“. Kontinuität und Wandel der universitären Krisenlösungsansätze 1945–1962 . . . . . . . . 261 Sebastian Brändli „Die Schweiz vor unübersichtlichen Mammuthochschulen zu bewahren“. Systembildung und Hochschulreformen in der Schweiz der 1960er Jahre 291 Barbara Wolbring Wissenschaft und Politik. Walter Hallstein und die Reform der Universitäten in den ersten Nachkriegsjahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343 Rainer Christoph Schwinges Universität – Reform. Ein Epilog . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 363 Autorinnen und Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 369 Personenregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 371 Ortsregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 377
Vorwort Vom 18. bis 20. September 2013 fand die neunte internationale Tagung der Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte (GUW) in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel statt. Die auf der Tagung vorgetragenen und diskutierten Beiträge sowie zwei weitere, später hinzugewonnene Artikel werden hier als Band 14 der Veröffentlichungen der GUW publiziert. Grundsätzlich folgen die Tagungen der GUW einem diachronen Ansatz und untersuchen ihre Gegenstände mit weiter chronologischer Perspektive von den mittelalterlichen Anfängen der europäischen Universitätsgeschichte bis zur heutigen Gegenwart. Sie wählen stets Themen mit besonderer Aktualität, die den diachronen wie synchronen Vergleich in der Diskussion erlauben. Daher verstehen sich die Tagungsbände als Beiträge sowohl zur wissenschaftlichen Fachdiskussion in der historischen Erforschung der Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte als auch zum öffentlichen, politischen Diskurs über Bedeutung und Zukunft der Universitäten in der heutigen Gesellschaft. Mit „Akademischen Wissenskulturen“ hatte sich die vorangegangene Tagung am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen befasst, deren Beiträge 2015 publiziert worden sind. Die jüngste Tagung der GUW fand im selben Jahr an der Universität Wien statt und hatte „Universitäre Festkulturen“ zum Gegenstand. In diesem Jahr wird die Tagung im Universitätsarchiv Heidelberg ausgerichtet werden und das Verhältnis von „Hochschule und Politik“ diskutieren. Mit dem Thema der Wolfenbütteler Tagung war ein Gegenstand besonderer Aktualität und Brisanz gewählt worden. Insgesamt 14 Beiträge von Vortragenden aus Australien, Belgien, Frankreich, Österreich, der Schweiz, Ungarn und Deutschland erschlossen das komplexe Thema in chronologisch wie strukturell weiter und komparativer Perspektive. Die Herausgeber danken allen Mitwirkenden – Vortragenden und Diskutanten sowie Moderatoren – für ihre bereitwillige und engagierte Teilnahme. Für die Möglichkeit, in der eindrucksvollen, gelehrten Atmosphäre der Wolfenbütteler Herzog August Bibliothek und der dortigen, repräsentativen Augusteerhalle tagen zu können, danken wir Frau Dr. Jill Bepler und für die organisatorische Betreuung Frau Uta Rohrig. Die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Schwabe Verlag hat die Vorlage des Tagungsbandes in bewährter Qualität erlaubt. Hierfür sei insbesondere Frau Iris Becher unser Dank gesagt. Durch eine großzügig gewährte Förderung hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft ermöglicht, dass die Tagung der GUW in Wolfenbüttel stattfinden und der Tagungsband gedruckt werden konnte.
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Vorwort
Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Münsteraner Teams, die durch sorgfältige Vorbereitung und Begleitung der Tagung vor Ort deren reibungslosen Verlauf garantiert haben, insbesondere Frau Manuela Brück sowie für die redaktionelle Betreuung des Bandes Herrn Stefan Hynek, gilt der besondere Dank der Herausgeber. Münster, im Juni 2017
Martin Kintzinger, Wolfgang Eric Wagner und Julia Crispin
Universität – Reform Ein Spannungsverhältnis von langer Dauer (12.–21. Jahrhundert). Eine Einleitung Martin Kintzinger „Universitas semper reformanda“, so könnte man die Geschichte der Universitäten überschreiben – wenn es dieses Zitat in der Überlieferung gäbe.1 Selbst die Vorlage „ecclesia semper reformanda“ ist bekanntlich erst im 17. Jahrhundert entstanden, um einen Impetus der Reformation des frühen 16. Jahrhunderts zu bezeichnen: Die Rückkehr zu den Ursprüngen als Programm! In dieser Zuschreibung von „reformare“ sind gleich mehrere Spannungen oder sogar Widersprüche ausgedrückt, die für die Analyse historischer Entwicklungen fruchtbar gemacht werden können: In der Vormoderne trug der Begriff der Reform in der Tradition seines lateinischen Ursprungs aus dem Mittelalter – „reformare“ aus re-formare – den Verweis auf die Ursprünge aktueller Zustände. Weil die Zustände sich gegenüber den Ursprüngen verändert hätten, so war die Deutung, sollten sie wieder daran angepasst und darauf zurückgeführt werden. Reformbewegungen in der Kirche des Mittelalters waren daher solche, die zu strengerer Beachtung der Regeln (daher „Observanten“) zurückkehren und sich von den „modernen“ Tendenzen einer Öffnung und Veränderung distanzieren wollten, die sie als Schwäche oder sogar als Säkularisierung verstanden und ablehnten.2 Reform bedeutete also vor allem Rückbesinnung – wer für Reformen eintrat, sah sich als Verteidiger der Tradition. Im heutigen Sprachgebrauch steht der Begriff der Reform hingegen für die positive Wertung des Neuen gegenüber dem Alten und damit für einen vermeintlichen Fortschritt. Reform bedeutet demnach vor allem Neuausrichtung – wer sich heute für Reform einsetzt, sieht sich als Verteidiger der Innovation.
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Winfried Schulze, „Universitas semper reformanda est“. Über die aktuelle Reformperspektive der Universität, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 14 (2011), S. 39–47. Jan Ballweg, Konziliare oder päpstliche Ordensreform (Spätmittelalter und Reformation, N. R. 17), Tübingen 2001; Gert Melville, Die Welt der mittelalterlichen Klöster. Geschichte und Lebensformen, München 2012.
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Martin Kintzinger
Auch universitäre Reformen sind von dieser Spannung gekennzeichnet, wenn sie Bewährtes bewahren oder (und vielfach zugleich) Neues aufnehmen wollen. Sie können als Reformanliegen innerhalb der Universitäten von deren Angehörigen vorgebracht werden, vor allem, wenn sie die Praxis von Forschung und Lehre oder die vielfältigen Formen der organisatorischen Selbstverwaltung betreffen. Ebenso können sie von außen an die Universitäten herangetragen werden, so, wenn es um ihre gesellschaftliche Rolle oder Erwartungen von Nützlichkeit geht. Solche Anliegen müssen nicht immer ausdrücklich als „Reformvorhaben“ benannt sein. Universitätsreformen unter dieser Bezeichnung entstammen vielfach dem Raum des Politischen und können sich auf die Transparenz der inneren Strukturen, auf die Umsetzung von übergreifenden Vorgaben oder auf die Handhabung der finanziellen Ausstattung, Zuwendungen und Drittmittelprogramme richten. Mit politischen Reformanliegen war und ist stets der Versuch einer Einflussnahme von außen auf die innere Struktur und Ausrichtung der Universitäten verbunden. Sie kann sich als direkte Steuerungsabsicht oder als indirekter Eingriff zeigen – etwa über die Etatzuweisungen. Universität und Reform ist insofern zu allen Zeiten ein spannungsreiches Thema gewesen und bleibt es auch weiterhin. Mit Reformforderung war und ist gewöhnlich die Änderung von gegebenen Zuständen angemahnt, nicht notwendigerweise aber auch eine tiefgehende Kritik daran. Mitunter ist die Verwendung des Reformbegriffes sogar von der Vermeidung einer kritischen Bestandsaufnahme geprägt.3 Reform steht vorrangig, wenn nicht ausschließlich, für die Zuschreibung von Fortschrittlichkeit, Zeitgemäßheit, Zukunftsfähigkeit oder Innovativität des eigenen Ansatzes. Der Begriff der Reform bleibt substantiell positiv besetzt und wird daher in semantisch weite Felder geführt. Vielfach genügt es, für Fortschritt oder Innovation einzutreten und selbst diese Bezüge nur implizit herzustellen, um als Reformer zu gelten. Es bedarf des Reformbegriffes nicht zwingend, um Forderungen nach Veränderungen als Reformforderungen kenntlich zu machen und verstehen.4 Im Mittelalter waren beide Deutungen von Reform bereits bekannt – als Rückbesinnung auf die Tradition wie als Ausrichtung auf Innovation – und sie kennzeichneten einen zwischen Gelehrtenparteien an den Universitäten 3 4
Vgl. Frank Liedtke, Martin Wengeler und Karin Böke (Hg.), Begriffe besetzen. Strategien des Sprachgebrauchs in der Politik, Opladen 1991. René John, Reform und Innovation – Entscheidungsmotivationen im Angesicht wahrscheinlichen Scheiterns, in: Scheitern – ein Desiderat der Moderne?, hg. von dems. und Antonia Langhof (Innovation und Gesellschaft), Wiesbaden 2014, S. 215–236; Ludger Helms, Demokratiereformen: Herausforderungen und Agenden, in: Aus Politik und Zeitgeschehen 44/45 (2011), <http://www.bpb.de/apuz/59707/demokratiereformenherausforderungen-und-agenden?p=all> (04. 06. 2017).
Universität – Reform
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ausgetragenen Richtungsstreit.5 Auch dabei arbeitete man seltener mit dem Begriff des „reformare“, als mit denjenigen der „antiqui“ und „moderni“. Im späteren 13. und frühen 14. Jahrhundert – einer der entscheidenden Phasen der Entwicklung der mittelalterlichen Universität und ihrer Wissenschaft in Europa, standen sich Repräsentanten von Tradition und Innovation gegenüber.6 Antiqui konnten Vertreter von Überlieferungen und Positionen der Tradition sein, auf die man sich verpflichtet sah oder von denen man sich gerade ablösen wollte. Moderni waren sowohl jene, die als gegen die Tradition argumentierend kritisiert als auch jene, die als Entdecker neuer Horizonte anerkannt wurden. Selbst- und Fremdzuschreibungen erlaubten entsprechend vieldeutige Verwendungen beider Begriffe. Im Hintergrund stand erkennbar nichts anderes als der Streit um die Reform der Universität und der Wissenschaft, als Rückbesinnung auf Autoritäten und Traditionen oder Öffnung für neue Methoden und Einsichten. Insofern war die gesamte Universität in ihrem Selbstverständnis von diesem Diskurs betroffen.7 In der modernen Gesellschaft haben sich die Referenzfelder von Reformvorhaben und -programmen entscheidend ausdifferenziert. Unter dem Eindruck der Reformation und im konfessionellen Zeitalter waren die Universitäten noch Gegenstand herrschaftspolitischer Reformansätze, später wurden sie zunehmend von disziplinären und methodischen Richtungsstreiten, im 19. Jahrhundert auch zwischen den traditionellen Geisteswissenschaften und den neuen Natur- und Technikwissenschaften, geprägt. Zudem verlor die Universität ihre traditionelle, aus dem Mittelalter überkommene Universalität. Universitäten waren schon in der Frühen Neuzeit zu Prestigeobjekten territorialfürstlicher Politik geworden und wurden nun Instrumente der Repräsentation der entstehenden Nationalstaaten. Auch die Reform Wilhelm von Humboldts im Berlin des frühen 19. Jahrhunderts, bis heute Inbegriff richtungsweisender und wirkmächtiger, humanistisch inspirierter und politisch bewusster Universitätsreform, gehört in diesen Kontext.8 5
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Zuletzt dazu Jan-Hendryk de Boer, Marian Füssel und Jana Madlen Schütte (Hg.), Zwischen Konflikt und Koooperation. Praktiken der europäischen Gelehrtenkultur (12.–17. Jahrhundert) (Historische Forschungen 114), Berlin 2016. Albert Zimmermann (Hg.), Antiqui und moderni. Traditionsbewußtsein und Forschrittsbewußtsein im späten Mittelalter (Miscellanea Mediaevalia 9), Berlin/New York 1974. Tina Maurer, Universitätsreform im Mittelalter. Wesen und Inhalt anhand französischer und deutscher Beispiele, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 13 (2010), S. 11–25. Rainer Christoph Schwinges (Hg.), Humboldt International. Der Export des deutschen Universitätsmodells im 19. und 20. Jahrhundert (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte 3), Basel 2001; Martin Kintzinger, Historiography of the University. A New Field for an Old Topic in German Historical Scholarschip, in: CIAN-Revista de Historia de las Universidades 20 (2017), 44 S. Vgl. Ulrich Rasche, Die deutschen Universitäten zwischen Beharrung und Reform. Über universi-
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Martin Kintzinger
Der Reformbegriff selbst war jetzt kein Streitgegenstand mehr. In der Sache ging es aber genau darum, dass eine Reform nötig wäre und welche Richtung sie einschlagen sollte: Was ist die überkommene Universität; was wird unter den aktuellen Umständen von ihr erwartet; wie muss sie verändert werden, um den heutigen Erwartungen nutzbar zu sein? Es blieb dabei, dass Universitätsreformen mit gesellschaftlichen, auch politischen Reformen zusammengedacht wurden. Hier konnte es zu eigenartigen Konstellationen kommen. Ein Beispiel aus der Zeitgeschichte zeigt die Zusammenhänge: Während die bundesdeutsche Regierung in den 1960er Jahren eine erklärte Politik der gemäßigten Reform umsetzen wollte, entstand am Ende dieser Jahre eine politische Konfliktkonstellation in der Gesellschaft, die sich an den Universitäten als zunächst von grundlegenden Reformforderungen getragenen Revolte artikulierte, in deren Folge schließlich die Struktur der traditionellen Universität zerstört wurde.9 So grundlegend wurde eine Änderung der traditionellen Verhältnisse an der Universität und in der Gesellschaft insgesamt gefordert, dass der Begriff der Reform die aufgebrochene Revolte nicht mehr zureichend beschreibt. Neu war jetzt auch, dass es sich um eine internationale Entwicklung handelte, die in den westeuropäischen Ländern im Rahmen von überaus konfliktreichen Diskursen insgesamt vergleichbar ablief.10 Anders als früher betrafen die Veränderungen jetzt weniger – wenn überhaupt – disziplinäre oder methodische Fragen. Vielmehr ging es einerseits um übergreifende, gesellschaftstheoretische Konstrukte, andererseits um organisatorische Formen. Der Begriff „Reformuniversität“ kann heute für Neuausrichtungen bestehender Universitäten durch die Wissenschaftsmethodik in der Aufklärung oder unter dem Einfluss Wilhelm von Humboldts ebenso wie für gesellschaftspolitisch motivierte Neugründungen mit zeittypischer baulicher Gestaltung in den 1960er und 1970er Jahren stehen. Eine ausdrucksstarke Symbolik fand die Abschaffung traditioneller Zeremonien und Statussymbole einschließlich der aus jahrhundertealter Tradition überkommenden Talare. Während sie im britischen und in dem ihm nachgebildeten US-amerkanischen Collegesystem erhalten geblieben und an vielen
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tätsinterne Berechtigungssysteme und herrschaftliche Finanzierungsstrategien des 16. bis 19. Jahrhunderts, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 10 (2007), S. 13–33. Wolfgang Gödde, Anpassung an Trends oder Einleitung des Wandels? Reformbegriff und Reformpolitik der Großen Koalition 1966–1969 (Politik und Geschichte 7), Berlin u. a. 2010. Ludivine Bantigny, 1968. „Un spectre hante la planète“, in: Histoire mondiale de la France, hg. von Patrick Boucheron, Paris 2017, S. 697–701; Martin Kintzinger, Universität, in: Europäische Erinnerungsorte, Bd. 2: Das Haus Europa, hg. von Pim de Boer, Heinz Duchhardt, Georg Kreis und Wolfgang Schmale, München 2012, S. 307–312.
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traditionsreichen Universitäten in Ostmitteleuropa nach den politischen Veränderungen der 1990er Jahre wieder eingeführt worden sind, bleiben sie an deutschen und französischen Universitäten ein Relikt vergangener Zeiten und der gegen sie gerichteten Reformforderungen. In der heutigen Gegenwart ist der Reformbegriff wieder gebräuchlich geworden. Er bezeichnet aber in aller Regel gerade keinen Streit um Tradition und Innovation mehr, sondern ist mitunter zu einer Etikettierung von alltagsoder parteipolitisch motivierten Programmen geworden. Veränderungen gleich welcher Art und Richtung werden als Reformpolitik ausgewiesen und wahrgenommen. Politische Schlagworte kennzeichnen den Weg des sich wandelnden Reformverständnisses, von der traditionellen Ordinarienuniversität, gegen die sich die Revolte der 1968er Bewegung richtete, zu der daraus entstandenen Gremienuniversität im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts bis zur heutigen hochschulpolitischen Diskussion. Sie ist vielfach von der Kritik an der behördengleich administrierten Gremienuniversität getragen. Die Kritiker sind sich aber in ihren Reformforderungen nicht einig. Während die offizielle Hochschulpolitik dazu tendiert, die Universitäten dem Zwang der Finanzökonomie zu unterwerfen, fordern Universitätsangehörige zunehmend eine Rückbesinnung auf die Ursprünge und Werte der Universität als Ort der selbstbestimmten Kooperation von Lehrenden und Lernenden, der Freiheit der Wissenschaft wie auch der zu gesellschaftspolitischer Verantwortlichkeit anleitenden Verbindung von Forschung und Lehre. Jacques Derridas Eintreten für eine „université sans condition“ von 2001 ist noch immer aktuell.11 Man kann in historischer Perspektive darin das alte Ideal der mittelalterlichen „universitas“ erkennen und der programmatischen Verbindung von Universität und Reform.12 Dann ist das Thema „Universität. Reform“ nicht nur ein Gegenstand historischer Forschung, sondern in seiner unveränderten Aktualität auch Ausdruck einer aus der Erinnerung an die eigene Geschichtlichkeit folgenden Verpflichtung der Universität in ihrer jeweiligen Gegenwart.13
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Jacques Derrida, L’université sans condition, Paris 2001 (dt. Übers.: Die unbedingte Universität, Frankfurt a. M. 2001); Ulrich Beck, Welche Universität wollen wir?, in: Unbedingte Universitäten. Was passiert? Stellungnahmen zur Lage der Universität, Zürich 2010, S. 103–108; Jean-Claude Milner, L’universel en éclats (Court traité politique 3), Paris 2014, S. 87–114; Louis Vogel, L’Université, une chance pour la France, Paris 2010. Konrad Paul Liessmann, Die evaluierte Elite im Bologna-Prozess. Sprache und Geist der Universitätsreform, in: Aptum 4 (2008), S. 107–122. Plinio Prado, Das Prinzip Universität, Zürich 2010.
Pourquoi réformer l’université ? Réflexions sur les principales réformes universitaires en France au Moyen Âge Jacques Verger « Universitas semper reformanda ». L’histoire des universités semble être celle d’une perpétuelle réforme. À s’en tenir aux universités médiévales et plus particulièrement, à titre d’illustration, aux universités françaises du Moyen Âge, l’adage se vérifie parfaitement. Dès les origines, c’est-à-dire dès les premières décennies du XIIIe siècle, les universités n’ont cessé de se doter – ou d’être dotées – de nouveaux statuts, de portée plus ou moins large, ou de modifier ou remplacer les statuts existants.1 Les universitaires médiévaux en étaient d’ailleurs bien conscients et dénonçaient à l’occasion l’effrenata multitudo statutorum, mais les tentatives qu’ils firent parfois pour freiner cette frénésie réglementaire s’avérèrent vains.2 L’aspiration à la réforme est certes commune au Moyen Âge, l’Église et l’État l’ont également connue, mais l’université est peut-être l’institution où la réforme s’est monnayée sous la forme la plus constante et la plus diverse, depuis des statuts extrêmement ponctuels jusqu’aux « réformations générales » les plus ambitieuses, remaniant de fond en comble les structures existantes. On pourrait évidemment s’interroger sur les causes de cette omniprésence de la réforme dans la vie des universités médiévales. Il faudrait sans doute invoquer la multiplicité des parties prenantes, à l’intérieur et à l’extérieur de l’institution elle-même, la diversité des composantes de l’ensemble universitaire, ayant chacune leur existence autonome et leurs statuts propres (facultés, 1
2
Cf. Jacques Verger, Les statuts des universités françaises du Moyen Âge : quelques remarques, in : Dall’università degli studenti all’università degli studi, éd. par Andrea Romano, Messina 1992, p. 43–64 (réimpr. in : Jacques Verger, Les universités françaises au Moyen Âge (Education and Society in the Middle Ages and Renaissance 7), Leiden/New York/Köln 1995, p. 103–121). En 1340, la nation de Picardie de l’université de Paris, pour essayer de freiner la multiplication incontrôlée des nouveaux statuts, eut l’idée, originale mais sans doute inefficace, d’interdire d’en publier en dehors des six mois du « grand ordinaire », i.-e. d’octobre à Pâques (Chartularium Universitatis Parisiensis, Heinrich Denifle et Émile Chatelain (éds.) [désormais abrégé CUP], t. II, Paris 1891, nº 1037).
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Jacques Verger
nations, collèges), l’importance des instances délibératives (assemblées et conseils), la rotation rapide des offices universitaires (recteurs, procureurs), la forte culture dialectique et juridique enfin, accompagnée d’une grande familiarité avec l’écrit, dont étaient porteurs les universitaires eux-mêmes. Quoi qu’il en soit, le constat est patent, mais par sa fréquence même et son caractère multiforme et diffus, la réforme est pour l’historien des universités médiévales un objet difficile à cerner. Vouloir dresser une liste complète des réformes universitaires médiévales, même dans un cadre géographique limité comme le royaume de France, est une entreprise quasiment impossible. On peut certes essayer de distinguer « réformes générales », c’est-à-dire portant sur l’ensemble des structures universitaires – un recensement sommaire en retiendrait une bonne vingtaine entre 1200 et 15003 –, et « réformes partielles », ne concernant que des points particuliers. Mais, à l’usage, cette distinction commode ne s’avère pas pleinement pertinente. Certaines réformations générales (qui ne portent d’ailleurs pas forcément ce titre dans les textes) sont en réalité assez incomplètes4 et, à l’inverse, certaines réformes particulières, surtout lorsqu’elles se multiplient dans un assez court laps de temps, comme à Toulouse entre 1394 et 1425,5 peuvent finir par affecter l’ensemble du système statutaire de l’université. Et surtout, qu’on s’intéresse au contenu objectif des mesures de réforme ou plutôt, comme ce sera notre cas dans le présent exposé, à leur esprit, il y a quelque arbitraire à distinguer réformes générales et réformes particulières, car les unes et les autres témoignaient en définitive de préoccupations analogues. Même si, en pratique, les premières, qui offrent un matériau documentaire plus 3
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À savoir, pour Paris, les réformes de 1215 (CUP, t. I, Paris 1889, nº 20), 1266 (ibidem, nº 409), 1366 (CUP, t. III, Paris 1894, nº 1318–1319) et 1452 (CUP, t. IV, Paris 1897, nº 2690) ; pour Orléans, celles de 1309, 1389 et 1447 (Fournier, Les statuts et privilèges des universités françaises depuis leur fondation jusqu’en 1789 [désormais abrégé Fournier], t. I, Paris 1890, nº 26, 216 et 294) ; pour Angers, celles de 1373, 1398–1410 et 1494 (ibidem, nº 396, 434–436, 449, 492–497) ; pour Montpellier, celles de 1339 à l’université de droit (Fournier, t. II, Paris 1891, nº 946, 947, 947bis ) et de 1340 à l’université de médecine (ibidem, nº 947quater ) ; pour Avignon, celles de 1407, 1441, 1459 et 1503 (ibidem, nº 1279, 1333–1334, 1362, 1420) ; pour Dole, celle de 1490 (Fournier, t. III, Paris 1892, nº 1639) ; pour Caen, celle de 1457 (ibidem, nº 1680) ; pour Poitiers, celle de 1463 (ibidem, nº 1755) ; pour Valence, celle de 1490–1513 (ibidem, nº 1847) ; pour Toulouse, il n’existe pas à proprement parler de textes de « réformation générale », mais on a cependant trois ensembles de textes cohérents, quoique étalés à chaque fois sur une trentaine d’années, qu’on peut assimiler à trois réformations générales, de 1300 environ à 1329 (Fournier I, nº 542–545 et 556–558), de 1394 à 1425 (ibidem, nº 731, 735, 737, 738, 774, 778, 780, 782, 797) et de 1470 à 1499 (ibidem, nº 858, 860, 862, 866–868, 870, 874). Par ex. la réforme parisienne de 1366 (CUP III, nº 1319 – voir infra n. 29). Fournier I, nº 731, 735, 737, 738, 774, 778, 780, 782, 797.
Pourquoi réformer l’université ?
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riche et plus accessible, seront prioritairement mises ici à contribution, il faut garder présent à l’esprit le caractère quasi permanent de la réforme dans les universités médiévales pour en apprécier vraiment la signification et la portée. Que nous apprend à ce propos, à un premier niveau d’analyse, le vocabulaire utilisé dans les documents médiévaux ? Certes, reformare et reformatio (quelquefois au pluriel, reformationes) y sont d’usage courant et semblent même parfois bénéficier d’une sorte de primauté, sinon de monopole, pour désigner l’objet de notre présente réflexion. Mais ils sont souvent aussi remplacés ou accompagnés par d’autres mots, verbes (innovare, de novo facere ou statuere, condere, ordinare, disponere, addere, diminuere, corrigere, emendare, modificare, remedium adhibere, declarare, interpretare, tollere, detrahere, reducere, immutare, supplere, moderare, dispensare, etc.) ou substantifs (nova statuta, novæ promulgationes, constitutiones, ordinationes, decreta et leges, emendationes, suppletiones, additiones, declarationes, avvisamenta, etc.), bref, une riche terminologie, attestée du XIIIe au XVe siècle, qui dessine un champ sémantique nettement plus large et plus complexe que celui de « réformer » et « réforme » en français moderne.6 Naturellement, la réforme ne s’identifie pas à la fondation, elle ne consiste jamais à édifier ex nihilo, elle se réfère toujours à un état de choses préexistant. Parfois, elle se présente comme une volonté de restaurer les statuts anciens, de revenir à une situation primitive réputée idéale, en mettant un terme à des « abus » et « excès » récents et aux conséquences néfastes nées de ceux-ci. Mais cette conception passéiste où la réforme est avant tout restauration, est loin d’être la seule à laquelle renvoie le vocabulaire que nous avons relevé. Ce vocabulaire peut aussi indiquer simplement une modification, soit par addition ou précision, soit par suppression, soit par substitution. Cette modification peut être présentée comme neutre, simple adaptation à une situation nouvelle ou officialisation d’une évolution déjà acquise dans la pratique, mais elle peut aussi être amélioration (reformatio in melius), visant à créer des conditions favorables au progrès, au développement (profectus, augmentum, incrementum) de l’institution concernée.7 En fait, ce qui fait, me semble-t-il, l’unité sémantique du vocabulaire de la réforme, c’est l’idée même de « forme » – dont il est inutile de rappeler ici les connotations philosophiques –, autrement dit de mise en forme, d’arrangement, de disposition, d’ordonnancement, quels qu’aient été par ailleurs les principes adoptés pour cet ordonnancement. Réformer une université, c’était, comme le 6 7
Tout ce vocabulaire est attesté dans les textes cités supra n. 3. J’ai étudié cette diversité du discours réformateur dans Jacques Verger, Passé, présent, futur au miroir de la réforme. À propos de quelques textes universitaires, in : Magali Coumert e. a. (éds.), Rerum gestarum scriptor. Histoire et historiographie au Moyen Âge. Mélanges Michel Sot (Cultures et civilisations médiévales 58), Paris 2012, p. 501–508.
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Jacques Verger
dira Louis XI à propos de l’université de Poitiers en 1463, y apporter « bonne forme, ordre et police »8 , autrement dit, c’était mettre ou remettre en ordre, pour en assurer la pérennité, une institution aux structures encore fragiles ou mal définies ou bien désorganisée par les abus et les conflits internes ou bien encore déséquilibrée par des sollicitations et des contraintes extérieures auxquelles elle était incapable de faire face en l’état. Car, comme disait l’adage déjà cité dans la bulle « Parens scientiarum » du 13 avril 1231, ubi non est ordo, facile repit horror.9 L’analyse historique des cas concrets de réforme confirme-t-elle cette vision large que semble suggérer la terminologie employée dans les documents médiévaux ? J’y ai consacré moi-même plusieurs articles,10 auxquels il faut ajouter celui récemment publié par Tina Maurer.11 Ces études diffèrent sur plusieurs points mais convergent, me semble-t-il, sur l’essentiel. Les exemples, on l’a dit, ne manquent pas et même s’il faut nécessairement faire un choix entre eux, l’impression qui en ressort est en effet celle d’une grande diversité. Diversité d’abord dans les auteurs des réformes. Certaines émanaient des autorités universitaires elles-mêmes (rector et collegium doctorum et procuratorum nationum, comme il est par exemple régulièrement dit en tête des statuts orléanais)12 agissant au nom de la potestas statuendi et reformandi que leur avaient généralement reconnue leurs actes de fondation et privilèges primitifs : c’était évidemment le cas pour les réformes ponctuelles ou de détail, mais certaines réformes générales ont aussi été élaborées par les seules instances universitaires régulières, comme par exemple celles contenues dans les grands statuts toulousains du début du XIVe siècle.13 Mais il pouvait aussi arriver que les universitaires s’en remettent à des arbitres extérieurs à l’université, réputés plus objectifs lorsqu’il s’agissait de régler des conflits internes à celleci, comme le firent les artiens de Toulouse vers 130014 ou les médecins de 8 9 10
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Fournier III, nº 1755. CUP I, nº 79. Jacques Verger, Les universités françaises au XVe siècle : crises et tentative de réforme, in : Cahiers d’histoire 21 (1976), p. 43–66 (réimpr. dans Verger, Les universités françaises (n. 1), p. 228–252), et Jacques Verger, La réforme de l’université dans la France médiévale : acteurs, enjeux, moyens, in : Yves Gingras et Lise Roy (éds.), Les transformations des universités du XIIIe au XXIe siècle, Québec 2006, p. 1–15 ; voir aussi les articles cité aux n. 7, 29 et 45. Tina Maurer, Universitätsreform im Mittelalter. Wesen und Inhalt anhand französischer und deutscher Beispiele, in : Jahrbuch für Universitätsgeschichte 13 (2010), p. 11–25. Fournier I, nº 78, 80, 85, 118, 119, 154, 155, etc. Ibidem, nº 543–545. Les artiens de Toulouse confièrent la rédaction de leurs nouveaux statuts aux lecteurs des couvents toulousains des Dominicains, des Franciscains et des Carmes, réputés