Hans Kunz Werkausgabe Übersicht
ı die anthropologische bedeutung der phantasie Zwei Halbbände
2 die endlichkeit des menschen Sieben Abhandlungen zur philosophischen Anthropologie Zwei Halbbände und ein Supplementband Aus dem Nachlass
3 sinn und wesen des erfahrenden erkennens Schriften ı955– ı975 zu Grundfragen der Psychologie und Philosophie
4 aggressivität, zärtlichkeit und sexualität Phänomenologische und anthropologische Studien zur Psychologie und Psychopathologie 5 zur frage nach der natur des menschen
6 die eine welt und die weisen des in-der-welt-seins Bemerkungen zu den Voraussetzungen der daseinsanalytisch-anthropologischen Interpretationen psychopathologischer Phänomene 7 die wahnhaftigkeit des menschen
und die gewissheit des todes 8 die anthropologische betrachtungsweise
in der psychologie und psychopathologie
Hans
Kunz Der vorliegende fünfte Band von Hans Kunz’ Schriften präsentiert eine Auswahl von Studien, die für dessen Grundlegung der philosophischen Anthropologie wegweisend sind. Darunter finden sich Abhandlungen, insbesondere aus Hans Kunz’ später Schaffensperiode, die sich auf die Frage nach der Natur des Menschen innerhalb der natürlichen Welt konzentrieren. Der Autor begreift «Natur» nicht als das gegenständliche Korrelat der Naturwissenschaften, sondern ursprungsphilosophisch als die Sphäre des aller Vergegenständ lichung und allen Weltbezügen vorausliegenden ontisch Eigenständigen – als das Seiende und Geschehende, welches unabhängig von uns besteht und schon bestanden hat, bevor Menschen da waren. Dieses in der Natur begegnende Seiende in seiner Gesamtheit nennt er «Wirklichkeit». Damit artikuliert sich die Bedeutung der Fak tizität der eigenständigen naturhaften Geschehen im Menschen und dessen Naturzugehörigkeit ohne Rückgriff auf übermenschliche, der Erfahrung unzugängliche, «transzendente Mächte».
Zur Frage nach der Natur des Menschen
Hans Kunz Zur Frage nach der Natur des Menschen
Aufsätze, Nachlasstexte und Rezensionen ı942– ı973
Der Herausgeber Dr. phil. Jörg Singer, geb. ı946, studierte zunächst Mathematik und Physik, dann Philosophie, Psychologie und Psychopathologie in Zürich und Basel, wo er Schüler von Hans Kunz war. Seit ı978 ist er um den wissenschaft lichen Nachlass von Hans Kunz besorgt. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zu Hans Kunz.
9 schriften zur psychoanalyse i Aufsätze zu Sigmund Freud und zur Psychoanalyse (ı928–ı974)
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Hans Kunz (ı904– ı982) war ein profunder Kenner der Phänomenologie und der Anthropologie des 20. Jahrhunderts ebenso wie der psychologischen und psychopathologischen Wissenschaften seiner Zeit. Als Professor für Philoso phische Anthropologie und Theoretische Psychologie an der Universität Basel stand er im kontinuierlichen Dialog mit den bedeutenden Vertretern seines Faches. Kunz befasste sich intensiv mit Denkern wie Edmund Husserl, Ludwig Klages, Max Scheler, Nicolai Hartmann, Karl Jaspers, Martin Heidegger, Helmuth Plessner, Karl Löwith und Hans-Georg Gadamer. Bestimmend für sein Denken waren nicht zuletzt auch die Psychoanalyse Sigmund Freuds sowie die daseinsanalytische Psychiatrie Ludwig Binswangers. Zur eigenständigen Diktion gelangte sein Œuvre vor allem im Versuch einer Neubegründung der philosophischen Anthropologie in seinem ı946 erschienenen Werk Die anthropologische Bedeutung der Phantasie und seiner Nachlassschrift Die Endlichkeit des Menschen. Darüber hinaus war Hans Kunz Autor von Studien zur vergleichenden Verhaltensphysiologie sowie von über zwanzig Abhandlungen zur Botanik.
schriften zur psychoanalyse ii Die philosophische Bedeutung der Psychoanalyse (aus dem Nachlass ı93ı– ı949) mit Beiträgen und Rezensionen zur psychoanalytischen Literatur (ı928–ı974)
ı ı zur phänomenologie des ausdrucks ı2 zur philosophie des 20. jahrhunderts Aufsätze, Rezensionen, Vorträge und Nachlasstexte ı930 –ı977 ı3 philosophie, psychologie und kulturkritik Rezensionen ı4 botanische schriften ı5 zur botanik Aus dem Briefwechsel, mit Illustrationen
Schwabe Verlag www.schwabeverlag.ch
ı6 nachträge und verzeichnisse
Hans-Kunz-Gesellschaft Frauenfeld Schwabe Verlag
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isbn 978-3-7965-3787-5
Hans-Kunz-Gesellschaft Frauenfeld
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Hans Kunz
Gesammelte Schriften in Einzelausgaben In Zusammenarbeit mit der Hans-Kunz-Gesellschaft Frauenfeld herausgegeben von Jรถrg Singer
Band 5
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Hans Kunz
Zur Frage nach der Natur des Menschen Aufsätze, Nachlasstexte und Rezensionen ı942– ı973
Herausgegeben von Jörg Singer Hans-Kunz-Gesellschaft Frauenfeld
Schwabe Verlag
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Die Hans-Kunz-Gesellschaft und der Verlag danken der Dr. Margrit Egnér-Stiftung, Zürich, dem Regierungsrat des Kantons Solothurn, Solothurn-Kultur (Lotteriefonds) und Madame Jacqueline Schindler, Présidente de la fondation Zeno Karl Schindler, Hergiswil für die finanzielle Unterstützung, die die Drucklegung dieses Bandes ermöglicht hat.
Hans Kunz – Gesammelte Schriften in Einzelausgaben Band 5: Zur Frage nach der Natur des Menschen Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
© 20ı9 Schwabe Verlag, Schwabe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Gestaltung und Satz: icona basel gmbh, Basel Druck: Die Medienmacher AG, Muttenz, Schweiz Printed in Switzerland ISBN Printausgabe 978-3-7965-3787-5 ISBN eBook ( PDF ) 978-3-7965-394ı - ı Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights @ schwabe.ch www.schwabeverlag.ch
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Inhalt
Geleitwort und Dank ............................................................................ vii Idee,Wesen und Wirklichkeit des Menschen Bemerkungen zu einem Grundproblem der philosophischen Anthropologie ( ı944 ) ...................................................
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Über biologische Psychologie Bemerkungen zu der gleichnamigen Arbeit von R. Brun ( ı949 ) .................... 27
Zur Frage nach der Natur des Menschen ( ı963/64 ) ........................... 53 Beobachtung und Spekulation in der Anwendung vergleichend-verhaltensphysiologischer Aspekte auf den Menschen (Aus dem Nachlass, ı964 ) ............................................................................ ı03
Zur Frage der Spezifität der vitalen Antriebe beim Menschen (Beitrag aus dem Nachlass, verfasst ca. ı960 – ı963 ) ...................................... 249
Bemerkungen zur Frage nach der Naturzugehörigkeit des Menschen ( ı969 ) ............................................................................... 27 ı Bemerkungen zur Frage nach der Naturzugehörigkeit des Menschen (Aus dem unpublizierten Nachlass, ı967 ) .................................................... 289
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inhalt
Die Frage nach den Wesensunterschieden zwischen Mensch und Tier ( ı968 ) ........................................................ 3ı 9 Rezensionen und Buchnotizen zur vergleichenden Verhaltensforschung, Deszendenzlehre und Paläoanthropologie ( ı942 – ı972 ) .................................................... 357
Anhang
i.
Textgestaltung und Quellentexte ......................................... 405
ii. Textkritische Revisionen ........................................................ 4 ı ı
iii. Anmerkungen des Herausgebers mit Textbeilagen .......... 429
iv. Literaturverzeichnis mit Zitatangleichungen an neuere Ausgaben ................................................................. 472
v. Berichtigungen zu früher erschienenen Bänden ................ 490
vi. Siglen und Sonderzeichen ...................................................... 492
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Geleitwort und Dank
Der hier vorliegende Band präsentiert Abhandlungen, insbesondere aus Hans Kunz’ später Schaffensperiode, die sich auf die Frage nach der Natur des Menschen innerhalb der natürlichen Welt konzentrieren. Der Autor begreift «Natur» nicht als das gegenständliche Korrelat der Naturwissenschaften, sondern ursprungsphilosophisch als die Sphäre des aller Vergegenständlichung und allen Weltbezügen vorausliegenden ontisch Eigenständigen, anders gewendet: als das Seiende und Geschehende, welches unabhängig von uns besteht und schon bestanden hat, bevor Menschen da waren; und er nennt dieses in der Natur begegnende Seiende in seiner Gesamtheit «Wirklichkeit». Damit artikuliert sich, diesseits der gängigen, ausschliesslich verstehenden Hermeneutik, die Bedeutung der Faktizität der eigenständigen naturhaften Geschehen im Menschen und dessen Naturzugehörigkeit. Wird die Naturzugehörigkeit des Menschen nicht ausgeblendet, so können damit – in der Abwehr von Spekulationen und ohne den Anspruch zu erheben, die undurchdringliche Dunkelheit der eigentlichen Menschwerdung im Gang der Natur restlos zu klären – Anleihen bei übermenschlichen, der Erfahrung unzugänglichen, «transzen denten Mächten» vermieden werden. Konsequenterweise kann sich eine Wesensbestimmung des Menschen nicht ausserhalb der Natur entfalten. Doch gilt für Kunz zu beachten, dass die Frage nach der Naturzugehörigkeit sich offensichtlich nicht mit der nach der im Sinne des «Wesens» verstandenen «Natur» des Menschen oder gar nach der «Natürlichkeit» seines Verhaltens deckt. Deshalb lässt sich aus der Antwort auf die erstere keine Wesensbestimmung mensch
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geleitwort und dank
licher Daseinsweisen ableiten. So begrenzt Kunz im hier erstmals publizierten Aufsatz aus dem Nachlass Beobachtung und Spekula tion in der Anwendung vergleichend-verhaltensphysiologischer As pekte auf den Menschen den empirischen Geltungsbereich ethologischer Aussagegehalte. * Zu danken habe ich wiederum meinen Freunden von der Hans-KunzGesellschaft: – Herrn lic. phil. David Bürgi, Herrn Dr. Marco Hüttenmoser, Herrn lic. phil. Rolf Kirsch, Herrn Dr. Jürgen Mohr und Frau lic. phil. Rosmarie Niggli, die mich bei der Textbeurteilung und Textgestaltung mehrfach beraten und bei den Kollationsaufgaben unterstützt haben. – Herrn Hansrudolf Frey, dem Projektleiter der Hans-Kunz-Gesellschaft, für seine von ihm geleisteten administrativen und kommunikativen Aufgaben, die die Realisierung der Edition erleichtert und vereinfacht haben, – Frau Ruth Gisi, der im Mai dieses Jahres zurückgetretenen Präsidentin der Hans-Kunz-Gesellschaft, für die über zehn Jahre währende gute Zusammenarbeit und für die vielfältig wirksam gewordene Unterstützung zugunsten der Edition der Gesammelten Schriften von Hans Kunz, sowie Herrn Prof. Dr. Franz Schultheis für seine Zusage, fortan das Präsidium der Hans-Gesellschaft zu übernehmen. Für die eindrückliche druckgestalterische Präsentation der Texte in diesem Band möchte die Hans-Kunz-Gesellschaft erneut den Dank an Herrn Nicholas Mühlberg weitergeben.
Jörg Singer Wigoltingen, im September 20ı8
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Idee, Wesen und Wirklichkeit des Menschen Bemerkungen zu einem Grundproblem der philosophischen Anthropologie Ĺ 944
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Idee, Wesen und Wirklichkeit des Menschen erschien zunächst ı 944 im Jahrbuch der Schweizerischen Philosophischen Gesellschaft/Annuaire de la Société Suisse de Philosophie, Vol. iv, S. ı 47– ı 69 ( auch verzeichnet unter Studia Philosophica, dem ab Vol. vi, ı 946 neu verliehenen Einheitstitel des zweisprachigen Jahrbuchs ). Ein Neudruck dieses Aufsatzes erfolgte ı 975 in Hans Kunz : Grundfragen der psychoanalytischen Anthropologie. Ausgewählte Abhandlungen, hg. von Heinrich Balmer ( Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen ), S. ı 7 –35. Der Autor hat die Originalhandschrift zu diesem Aufsatz nach der Druck legung nicht zurückbehalten. Textbasis für die vorliegende Neuedition sind die beiden nicht mit Annotationen versehenen Separatdrucke aus dem Privatbesitz des Autors ( Sign. HK CA 28 ). Im laufenden Text sind [ in eckigen Klammern ] die Seitenzahlen der Erstveröffentlichung eingetragen. Paginierungsnachweise zum Neudruck in den ı 975 erschienenen Ausgewählten Abhandlungen finden sich in Anhang ii ( S. 4ı 3 ).
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[ ı 47 ] In seiner Einleitung in die Philosophie der Offenbarung schreibt Schelling einmal, das «An sich, das Wesen, der Begriff, die Natur des Menschen bleibt dieselbe, und wenn es gar keinen Menschen in der Welt gäbe, wie das An sich einer geometrischen Figur dasselbe bleibt, ob sie existiert oder nicht».ı Diese im übrigen nicht weiter ausgeführ te These steht im Zusammenhang der prinzipiellen Unterscheidung der Frage nach dem «Was» der Dinge, die sich an die Vernunft richte und deren Antwort die Einsicht in das «Wesen» gewähre ; und derjeni gen nach dem «Dass» des Seienden, welches «etwas über den blossen Begriff Hinausgehendes» und nur der «Erfahrung» zugänglich sei.2 Sie sprach sich zumal im Hinblick auf den «wirklichen Gott» als «Philo sophie der Offenbarung» aus, die Schelling die «positive» – gele gentlich auch die «geschichtliche»3 – Philosophie nannte. Damit hat er wohl, ineins mit Kierkegaard, dem philosophischen Erkennen eine Dimension eröffnet oder zu eröffnen versucht, welche über die durch Platons Ideenlehre und deren Weiterbildung im mittelalter lichen Universalienstreit gekennzeichnete Problematik hinausführte – eine Problematik, die noch den tragenden Grund des Fragens nach dem «An sich» oder dem «Wesen» des Menschen und der geometri schen Figuren geliefert hatte. Nicht zufällig knüpfte dieser Durch bruch an die in jenem Jesus von Nazareth, dem «Fleisch» geworde
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F. W. J. von Schelling : Sämmtliche Werke, hg. von K. F. A. Schelling, ii. Abt., 3. Band, S. 59. Stuttgart und Augsburg ı 858. A. a. O., S. 58. A. a. O., S.ı 38 Anm.
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nen «Logos», auf singuläre Weise geschehene «Offenbarung» an ; denn bei aller leidenschaftlichen pädagogischen und politischen [ ı 48 ] Ab zweckung sowohl des sokratischen und platonischen Philosophierens wie der Sophistik und der Stoa hat doch erst das Christentum der einzelnen menschlichen «Seele» das ungeheure Gewicht verliehen, obzwar nicht zum Thema des philosophischen Erkennens gemacht. Indessen ist es uns hier nicht um eine Darstellung der Spätphiloso phie Schellings zu tun ; vielmehr soll der flüchtige Hinweis ledig lich den eigentümlichen Reiz vermitteln, den die Erinnerung daran bei der Begegnung mit gewissen modernen theologischen Bemühun gen erwecken kann. Wenn wir etwa – es sind zwei beliebig heraus gegriffene Belege – bei Siegfried lesen, die Theologie könne «nur Analysis der konkreten Existenz, ihrer Implikationen und Voraus setzungen sein», weshalb sie «nichts anderes als ‘Anthropologie’» sei ;4 oder von Brunner vernehmen, die christliche Lehre gebe «die einzige realistische, das heisst, die einzige der Wirklichkeit entspre chende, die einzig richtig verstehende und auslegende Lehre vom Menschen»,5 dann lässt sich nicht verkennen, dass wohl auch der alte Schelling ein wesentliches theologisches Anliegen der Gegenwart vorweggenommen hat – obzwar die Rollen überraschenderweise ver tauscht erscheinen, insofern der Philosoph nach dem «wirklichen Gott» und die beiden Theologen, kurz gesagt, nach dem «wirklichen Menschen» fragen.6 Freilich ist vor allem die sog. dialektische Theo
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Th. Siegfried : Das Wort und die Existenz. ii. Die Theologie der Existenz bei Friedrich Gogarten und Rudolf Bultmann, S. xv. Gotha ı 933. E. Brunner : Der Mensch im Widerspruch, S. ı 05. Berlin ı 937 ; ähnliche For mulierungen Brunners finden sich schon früher, z. B. : Die Frage nach dem «Anknüpfungspunkt» als Problem der Theologie. Zwischen den Zeiten ı 0 ( ı 932 ), S. 506 : «Die Schrift erhebt den Anspruch, auch über die Seinsweise des natürlichen Menschen das Massgebende, das, was unsere natürliche – sei es philosophische oder naive – Selbsterkenntnis erst zur wahren Aussage um formt, zu sagen». Vgl. auch die von Bultmann herausgestellten Differenzen des philosophi schen – «philosophisch» im Sinne der Daseinsanalytik Heideggers verstan den – und theologischen Aspektes des «gleichen» Gegenstandes, d. h. des menschlichen Daseins ; R. Bultmann : Die Geschichtlichkeit des Daseins und der Glaube. Zeitschr. f. Theol. u. Kirche, N. F. ı ı ( ı 930 ), S. 342 f.
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logie in ihrer Abwehr der philosophischen Gotteslehren 7 und insbe sondere des deutschen Idealismus auch am späten Schelling vorbei gegangen, wenngleich Reisner ihr, «unse-[ ı 49 ] rer zeitgenössischen protestantischen Theologie», einmal geraten hat, «sich etwas ein gehender» mit ihm zu beschäftigen.8 Allein auch die mannigfachen, in sich divergenten Bestrebungen, die heute unter den vieldeutigen Titeln «Existenzphilosophie»9 und «philosophische Anthropologie» zusammengefasst zu werden pflegen, könnten sich der Sache nach teilweise auf Schellings Altersintentionen berufen.ı 0 Jedoch mag es sich damit so oder so verhalten : jedenfalls hat sich eine philoso phische Anthropologie, welcher Art sie immer sein möge, mit dem in der eingangs zitierten Behauptung Schellings exponierten Problem auseinanderzusetzen, wenn anders sie sich über den Geltungsbereich ihrer Lehren klar werden will. Und dann stellt sich auch unausweich lich die Frage nach ihrer Beziehung zwar nicht notwendig zum «wirk lichen Gott», wohl aber zum einzelnen, konkreten, hier und jetzt existenten Menschen.
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Vgl. etwa F. K. Schumann : Der Gottesgedanke und der Zerfall der Moderne. Tübingen ı 929. E. Reisner : Das Problem der Geschichtsphilosophie. Zwischen den Zeiten ı 0 ( ı 932 ), S. ı 53 Anm. Reisner hat dabei wohl die kurzen Andeutungen bei E. Brunner : Philosophie und Offenbarung, S. 40 ff. Tübingen ı 925, nicht für ausreichend gehalten. Vgl. dazu die zwei übersichtlichen Darstellungen von W. Andersen : Der Existenzbegriff und das existenzielle Denken in der neueren Philosophie und Theologie. Gütersloh ı 940 ; und O. F. Bollnow : Existenzphilosophie, in : Systematische Philosophie, hrsg. von N. Hartmann, S. 3ı 5 ff. Stuttgart und Berlin ı 942. In beiden Arbeiten bleibt übrigens Rosenzweig unerwähnt, der zwar nicht terminologisch, aber der Sache nach als Mitbegründer der moder nen Existenzphilosophie zu gelten hat ; vgl. F. Rosenzweig : Der Stern der Erlösung. Frankfurt a. M. ı 92ı . Vgl. die Bemerkungen bei K. Jaspers : Die geistige Situation der Zeit. 3. Aufl., S. ı 45 f. Berlin und Leipzig ı 932 ; ferner M. Beck : Kritik der Schelling-JaspersHeideggerschen Ontologie. Philos. Hefte 4 ( ı 933/34 ), S. 97 ff. Auf Schellings späte Zeit bezieht sich auch ausdrücklich Heinrich Barth : Philosophie der Existenz. Jahrb. d. Schweiz. Philos. Gesellschaft 2 ( ı 942 ) , S. 26 f., der die Ahnenreihe der von ihm vertretenen Gestalt der Existenzphilosophie bis auf Sokrates zurückführt.
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Der Nachsatz sowohl : «und wenn es gar keinen Menschen in der Welt gäbe», wie der Vergleich mit dem «An sich einer geometrischen Figur» enthüllen den verborgenen Sinn der Schellingschen These von der Unveränderlichkeit des «An sich», des «Wesens», des «Be griffs» oder der «Natur» des Menschen, und zugleich ihre Fragwürdig keit. Eine greifbare einsichtige Bedeutung gewinnt dieses Diktum überhaupt nur unter der stillschweigenden Annahme wenigstens der einen oder der andern der zwei [ ı 50 ] Voraussetzungen : der «ewigen», «transzendenten» Präexistenz der platonischen «Ideen» oder des vor gängigen «Enthaltenseins» der «Gedanken» ( «Ideen» ) der geschaffe nen Dinge in einem schöpferischen göttlichen «Intellekt». Weder die eine noch die andere Hypothese ist jemals «bewiesen» oder – sei es irgendwie anschaulich an gegebenen Phänomenen oder als Denknot wendigkeit – aufgewiesen worden. Vielmehr handelte und handelt es sich um spekulative Hypostasen, weder in einer Erfahrung noch in einem apriorischen Wissen noch in einer unmittelbaren Evidenz ge gründet, sondern ausgeheckt zur ( scheinbaren ) Erklärung gewisser Sachverhalte und für das Erkennen zuletzt ohne Relevanz. Fallen die beiden Voraussetzungen dahin, dann schlägt die zur Diskussion ste hende Behauptung Schellings mit dem Einbezug des Nachsatzes in eine offensichtliche sachliche Unmöglichkeit um, die durch den von den «zeitlosen» oder «ewigen» idealen mathematischen Gebilden ge borgten ehrwürdigen Glanz nicht an Glaubwürdigkeit gewinnt. Denn wenn es keinen einzelnen existierenden Menschen «in der Welt» gibt oder je gegeben hat, kann es auch von «dem» Menschen überhaupt kein «An sich», kein «Wesen», keinen «Begriff» und keine «Natur» geben – ausgenommen wie gesagt als präexistente «Idee», als «Gedan ke» Gottes oder sonst eines Verstandes, worüber hier kein weiteres Wort zu verlieren ist, da sich über das Ausspinnen denkbarer Mög lichkeiten endlos streiten liesse. Deshalb sehen wir uns zu folgender Festsetzung berechtigt : wenn in irgendeiner Bedeutung vom «We sen», «Begriff», von der «Idee» oder «Natur» «des» Menschen die Rede soll sein können, dann muss wenigstens ein konkreter individu eller Mensch hier und jetzt faktisch leben oder einmal gelebt haben. Damit ist ineins die Entscheidung für Aristoteles gegen Platon – gemäss seiner in diesem Problemzusammenhang üblichen Interpreta tion – gefallen, d. h. für den ontischen Primat des einzelnen «wirkli
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chen» Menschen vor seiner «Idee» : der Mensch im allgemeinen ist zwar der Ursprung, der Anfang, das «Prinzip des Menschen im allge meinen, aber es gibt keinen solchen allgemeinen Menschen ; vielmehr ist Peleus Prinzip des Achilles, Prinzip deiner dein Vater».ı ı Diese Auffassung stellt eine auf den Menschen bezo-[ ı 5ı ]gene Spezifikation des von Aristoteles der «Wirklichkeit» ( Energeia, Aktus ) vor der «Möglichkeit» ( Dynamis, Potenz ) generell zugebilligten seinsmässi gen Vorranges dar, die jedenfalls auf alle Lebewesen zutrifft, hier in dessen nicht eingehender erörtert werden soll.ı 2 In welchem Verhält nis steht nun der einzelne existente Mensch zur «Idee» des Menschen überhaupt ? Schopenhauer schreibt im Hinblick auf den adamitischen Sün denfall, man müsse die «Idee des Menschen» im Auge behalten, um in jenem die «endliche, thierische, sündige Natur des Menschen» dar gestellt zu sehen. Und von der ausdrücklich als «platonisch» bean spruchten Idee des Menschen sagt er, sie verhalte sich zur Menschen reihe «wie die Ewigkeit an sich zu der zur Zeit auseinandergezogenen Ewigkeit ; daher eben die, in der Zeit, zur Menschenreihe ausgedehnte ewige Idee Mensch durch das sie verbindende Band der Zeugung auch wieder in der Zeit als ein Ganzes erscheint».ı 3 Gewiss ist das Recht Schopenhauers, sich für diesen Gebrauch des Ausdrucks «Idee» auf Platon zu berufen, fragwürdig ; aber wenn man die lange, mit Aristoteles beginnende Reihe von «Missverständnissen» überblickt, welche die platonische Ideenlehre erfahren musste, und ihre Wand lungen im Verlaufe des Philosophierens Platons mitberücksichtigt, wird man wohl endgültig darauf verzichten müssen, sich in systema
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Aristoteles : Metaphysik. Übersetzt von E. Rolfes. 3. Aufl., S. 300 ( ı 07ı a ). Leipzig ı 928. Der ontische Primat des konkreten individuellen Seienden gilt aber weder für die idealen Wesen ( mathematische Gebilde, begriff liche Bedeutungseinhei ten ) – auf die die Kategorien des Konkretums und der Individualität über haupt nicht in einem ihr Zentrum treffenden Sinne anwendbar sind – noch für die vom Menschen durch Arbeit herstellbaren Dinge. Beiden mangelt – den letzteren wenigstens in ihrem Ursprung – zugleich die Eigenständig keit, sie sind getragen von den sie konzipierenden einzelnen Menschen. A. Schopenhauer : Die Welt als Wille und Vorstellung. 2. Band, 4. Buch, Kap. 48 ( ed. O. Weiss, Band 2, S. 780. Leipzig ı 9ı 9 ).
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tischer Intention seiner hohen Ahnenschaft versichern zu wollen – um so mehr, als der Terminus auch in sachlicher Hinsicht ausseror dentlich vieldeutig ist.ı 4 Er gehört, schreibt Spiegelberg, «zu denen, die in der Philosophiegeschichte am wenigsten festen Boden gefasst haben und so mehr oder weniger immer Freibeute [ ı 52 ] für jeden neu en Systembegründer gewesen ist. Das lag zum grossen Teil an der Schwierigkeit des Gegenstandes, den Plato, der legitime Entdecker, in der Idee gefunden hatte».ı 5 Demzufolge ist jeder Autor, der sich des Wortes bedienen will, verpflichtet, die ihm beigelegte Bedeutung zu präzisieren, wodurch ein Mitschwingen der anhaftenden historischen Atmosphäre nicht restlos ausgeschaltet werden muss. Wir verstehen hier unter der «Idee des Menschen» das gemeinte Ganze von Merk malen, die das «Mensch» genannte Seiende für unser Erkennen zu dem «machen», was es in sich ist. Mit der Formulierung : es handle sich um ein «gemeintes» Gan zes, soll von vornherein jede Verselbständigung und Substanzialisie rung der Idee abgewehrt werden, wobei unbesehen zugestanden sei, dass sich die vorgeschlagene Begriffsbestimmung sehr an der Ober fläche hält und keinen Abglanz «der» platonischen Idee mehr für sich beanspruchen kann. Ob in die Meinung anschauliche Momente ein gehen, derart, dass sich das gemeinte Ganze auch – also abgesehen vom unanschaulichen Gemeintwerden – der Anschauung in irgendei ner Weise ( z. B. als «innere Schau» ) präsentiert, darüber wird weder im positiven noch negativen Sinne etwas entschieden. Den Fall ge setzt, die menschliche Leibgestalt würde sich als zu jenem Ganzen notwendig gehörend erweisen, dann wären an ihm offenbar anschau liche Züge, die sich nur der Anschauung adäquat erschlössen, mitbe teiligt. Indessen bleibt von dieser Frage der prinzipiell gedankliche Charakter der Idee und damit ihre ontische Unselbständigkeit und Abhängigkeit von einem sie denkenden ( meinenden und anschauen den ) Wesen unberührt – einem Wesen, das gemäss unserem begründ baren Wissen nur ein Mensch sein kann. Die seinsmässige Uneigen
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Vgl. etwa B. Bauch : Die Idee. Leipzig ı 926 ; M. Beck : Ideelle Existenz. Philos. Hefte ı ( ı 928/29 ), S. ı 5ı ff., bes. S. ı 87 ff. ; H. Spiegelberg : Über das Wesen der Idee. Jahrb. f. Philosophie und phänomenologische Forschung ı ı ( ı 930 ), S. ı ff. A. a. O., S. 2.
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ständigkeit verwehrt der Idee zugleich alle autonomen schöpferischen Fähigkeiten. Trotzdem ist sie nicht der unbegrenzten Beliebigkeit des sie konzipierenden Subjektes ausgeliefert. Denn als Idee eines irgend wie zugänglichen und intendierten Seienden, beispielsweise des Men schen, muss sie sich an seine vorgegebenen kennzeichnenden Merk male halten. Allein über diese Merkmale – sowohl hinsichtlich ihres Inhaltes wie der Art ihres Erkanntwerdens – gehen die Meinungen erheblich auseinander ; und zwar betreffen die Divergenzen nicht etwa bloss peri-[ ı 53 ]phere Eigentümlichkeiten, sondern dermassen zentrale Punkte wie die Unsterblichkeit der menschlichen Seele u. a. Das seiende, als intentionaler Gegenstand begegnende bzw. herausge hobene Korrelat der Idee nennen wir das «Wesen» des Menschen. Ihm nun eignet, von seiner gegenständlichen Gestaltung abgesehen, jene oft der Idee zugebilligte ontische Eigenständigkeit und Unabhängig keit vom erkennenden Subjekt ; so zwar, dass das Wesen des Men schen nur in seiner «Verwirklichung» «im» einzelnen existenten Menschen das ist, was und wie es ist.ı 6 Zu diesem und damit also in eins zum Wesen des Menschen überhaupt gehören freilich auch die «wesensmässigen Möglichkeiten» des Menschseins, die der Einzelne unter Umständen faktisch nie realisiert hat und deren Verwirklichung ihm jetzt für immer versagt sein mag. Das Ganze der in einem be stimmten Augenblick aktualisierten wesensmässigen Möglichkeiten des Menschseins einschliesslich der nicht im Wesen verwurzelten «zufälligen» Eigentümlichkeiten heissen wir die «Wirklichkeit» des Menschen, die dem Gesagten zufolge ebenfalls stets eine solche des, bzw. eines individuellen Menschen ist und sein muss. Wir versuchen, die Beziehungen der drei Begriffe etwas genauer zu bestimmen. Fragen wir uns, ob z. B. die helle Hautfarbe zum Wesen des Men schen gehöre, so werden wir uns über die negative Antwort keinen Augenblick im unklaren sein. Daraus ergibt sich jedenfalls zunächst das eine, dass die mit dem Wesensbegriff gemeinten Züge eine Aus
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Wir schliessen uns auch hierin Aristoteles an, der, mit Faust zu reden, dem Eidos «jede unabhängige Realität» abspricht, da es bei ihm im Gegensatz zu Platon «zu einem immanenten Bestandteile des individuellen Sinnendinges» geworden ist ; vgl. A. Faust : Der Möglichkeitsgedanke. ı . Teil, S. 77 f. Heidel berg ı 93ı .
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wahl aus der Gesamtheit der an den konkreten menschlichen Indivi duen begegnenden Merkmale darstellen, wobei es hier gleichgültig bleibt, ob diese Auswahl als «Abstraktion», «Wesensschau» o.a. voll zogen wird. Damit rückt indessen das Wesenı 7 so sehr in die Nähe der Idee, dass Sinn und Recht [ ı 54 ] ihrer Unterscheidung problematisch zu werden scheinen. Trotzdem ist sie von einiger Wichtigkeit, weil nämlich die Intentionsrichtungen der beiden Begriffe verschiedene sind. Das Wesen meint einen in der Art der menschlichen Existenz seienden Merkmalsbestand, der sich als solcher in allen Menschen durchhält und deren Menschsein konstituiert ; oder zutreffender, ob zwar paradox formuliert : der sich in den einzelnen Individuen «ur sprünglich wiederholt». Mit dieser Formel soll zum Ausdruck ge bracht werden, dass einerseits das Wesen des Menschen sich nur in den Einzelnen realisiert und deren Singularität teilt, ausserhalb ihrer jedoch in keinem Sinne «ist» – daher seine «Ursprünglichkeit». Weil es aber als dieses einmalige ursprüngliche Wesen zugleich anderseits die Humanitas aller existenten Menschen und demgemäss das Menschsein schlechthin ontisch konstituiert, deshalb sprechen wir von seiner «Wiederholung» in den Einzelnen. Demgegenüber ist die Idee des Menschen auf dessen Wesen gerichtet ; derart, dass in oder mit ihr für das Erkennen des Wesens ein vorgreifendes Ganzes als Ziel desselben entworfen wird. So bewegt sich das Erkennen, von der Idee geleitet, auf das Wesen zu und käme an sein Ende, wenn ihm in der Ausarbeitung einer philosophischen Anthropologie die Vereinigung oder Deckung der Idee mit dem Wesen gelänge. Dieses steht demge mäss gleichsam «zwischen» jener und der Wirklichkeit des Men schen. Die letztere kann offenbar nicht das Thema einer philosophi schen Anthropologie sein ; sondern sie wird ausschliesslich auf dem Wege des faktischen, sowohl erkennenden wie handelnden Zugehens auf einen einzelnen konkreten Menschen, im Appellieren an ihn, im
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Hinsichtlich der Vieldeutigkeit des Wesensbegriffes vgl. etwa J. Hering : Be merkungen über das Wesen, die Wesenheit und die Idee. Jahrb. f. Philos. u. phänomenolog. Forsch. 4 ( ı 92ı ) , S. 495 ff. ; R. Ingarden : Essentielle Fragen. Ebenda 7 ( ı 925 ), S. ı 24 ff. ; H. Marcuse : Zum Begriff des Wesens. Zeitschr. f. Sozialforsch. 5 ( ı 936 ), S. ı ff. ; W. Pöll : Wesen und Wesenserkenntnis. Mün chen ı 936.
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Gespräch mit ihm oder allenfalls in der Biographie zwar nicht ganz erreicht und umgriffen, wohl jedoch mehr oder weniger getroffen.ı 8 Als Gegenstand einer philosophischen Anthropologie kommt nur das – freilich die Seinsart des Menschen implizierende – Wesen in Be tracht. [ ı 55 ] Dass das Wesen des Menschen dessen Sein – in der ihm eig nenden besonderen, von anderem Seienden unterschiedenen Art – tat sächlich und notwendig in sich begreift, folgt zunächst aus der vorhin formulierten Behauptung, dergemäss es nur «als» die oder «in» den einzelnen existenten Menschen ist. Nun hat allerdings die Scholastik diese unlösbare Einheit von «Dasein», bzw. «Dass-Sein» ( existentia ) und «Was-Sein» oder «Wesen» ( essentia ) Gott vorbehalten.ı 9 Allein schon Feuerbach machte dagegen geltend : «Was die Theologen von Gott sagen, dass in ihm Sein und Wesen identisch sei, das gilt in Wahrheit von der Individualität».20 Wir möchten nicht die auf Gott angewandten Begriffe der «Existenz» und «Essenz» unbesehen auf
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Ob die konkrete Wirklichkeit eines Menschen trotzdem zum Thema einer spezifisch philosophischen Intention, etwa im Sinne von Jaspers’ «Existenz erhellung», werden kann, bleibe hier dahingestellt. Gesetzt, es sei die ge nuine Absicht der philosophischen Ethik – und nicht bloss, wie wir eher glauben möchten, ein entgleisender Missbrauch ihres Sinnes – den mir je gegenwärtigen anderen Menschen anzureden und mir gar die Verantwortung für mein Handeln an ihm abzunehmen, dann trifft Grisebachs eindringliche Kritik zweifellos ins Schwarze : die von der Ethik ausgebildete Begriff lich[ ı 55 ]keit ist schlechterdings unfähig, die «Gegenwart» des Du als dieses wirkliche Du zu fassen. Abgesehen jedoch von der ungerechtfertigten gewalt samen Verengung dieses Andern auf seine ethisch beschränkte «Gegenwart» – so, als gehörte seine gelebte und erinnerte Vergangenheit, sein Träumen usw. nicht zu seiner ( und meiner ) gegenwärtigen Wirklichkeit und als liesse sich das Erkennen aus der augenblicklichen Situation herausbrechen – ab gesehen davon ist es die entscheidende Frage, ob Grisebachs an sich berech tigtes Anliegen sich nicht gegen sich selbst kehrt und sinnlos wird, wenn darüber Bücher geschrieben werden oder wenn die Notwendigkeit des «Ge sprächs» lediglich postuliert statt faktisch geführt wird. Vgl. E. Grisebach : Gegenwart. Halle ( Saale ) ı 928. Vgl. z. B. Thomas von Aquin : Summa theologica, qu.3, art. 4 ( Deutsch-latei nische Ausgabe, Band ı , 2. Aufl., S. 62 ff. Salzburg o. J. ). L. Feuerbach : Sämmtliche Werke, Band 8, S. 433. Leipzig ı 85ı .
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den Menschen übertragen, da sie rücksichtlich seiner eine andere Be deutung erhalten ; aber das in ihm faktisch realisierte und zu Unrecht für Gott reservierte Verhältnis war der tatsächliche, obzwar als sol cher verdeckte Ermöglichungsgrund jener theologischen These. Ge wiss kann man beim Versuch, das Wesen des Menschen zu bestim men, die Weise seines Seiend-seins «einklammern», unberücksichtigt lassen ; man wird jedoch dabei die Erfahrung machen, dass dann die Wesensbestimmung fragmentarisch bleibt – davon abgesehen, dass mit der Nichtbeachtung des Seiend-seins dieses keineswegs vernich tet wird oder sonstwie verschwindet. Andererseits trifft es auch nicht zu, dass, wie Heidegger behauptet, «das ‘Wesen’ des Daseins … in seiner Existenz» liege, «alles So-sein dieses Seienden» ( nämlich des daseienden Menschen, für dessen Art des Seiend-seins Heidegger den Ausdruck [ ı 56 ] «Dasein» gebraucht ) «primär Sein» sei, wenn da mit dem Dasein des Menschen ein Primat vor seinem Wesen zu gesprochen werden soll.2ı Die an ihm herausstellbaren Charaktere sind freilich nicht «vorhandene Eigenschaften» eines «vorhandenen Seienden», so wie Heidegger den Begriff des «Vorhandenseins» fasst ; sondern es sind der Vergegenständlichung fähige «Wesenseigenschaf ten», gleichsam eingesenkt in die Art des Seins, «in» welcher das Wesen des Menschen dieses Wesen ist. Wesen und Dasein – im Sinne Heideggers – bilden eine untrennbare gleichursprüngliche Einheit ; anders gewendet : zum Wesen des Menschen gehört sowohl sein Was-sein wie sein Da-sein.22 Daher hat die philosophische Anthro pologie notwendig einen ontologischen Charakter, d. h. die auf die menschliche Seinsart abzielende Erkenntnisintention gehört als ein genuines Anliegen zu ihr ; und wahrscheinlich legitimiert diese über haupt erst ihren Anspruch, im spezifischen Verstande eine «philo
2ı M. Heidegger : Sein und Zeit. ı . Hälfte, S. 42. Halle ( Saale ) ı 927. 22 Ob dieses Verhältnis auch für das aussermenschliche lebendige Seiende, Pflanzen und Tiere, gilt, die es trotz aller «idealistischen Morphologie» eben falls nur als die einzelnen konkreten Individuen – nicht Arten – gibt, bedürfte der genaueren Untersuchung. Dem flüchtigen Blick stellt sich die Sachlage so dar, dass mindestens vom Wesen «des» Säugetieres, «des» Vogels usw. die Rede sein könne, ohne dass damit notwendig die Seinsart «des» Tieres einbe griffen wäre.
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