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Schweizerisches Idiotikon, XVII, Heft 224

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Schweizerisches Idiotikon

Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache

Schweizerisches Wörterbuch Idiotikon der schweizerdeutschen Sprache

Das Schweizerdeutsche Wörterbuch, das grösste Regionalwörterbuch des Deutschen, ist aus einem Idiotikon schweizerdeutscher Wörter längst zu einem umfassenden Wörterbuch des Schweizerdeutschen geworden, ja in gewissem Grad zu einem Reallexikon oder Thesaurus (wie die drei andern nationalen Wörterbücher der Schweiz). Es erschliesst sowohl den Wortschatz der zum Teil sehr altertümlichen Dialekte der deutschen Schweiz (samt den Walsermundarten Oberitaliens) als auch die schriftliche Überlieferung dieses Gebiets seit dem 12.Jahrhundert, besonders gründlich die des 15. und 16. Jahrhunderts; dabei sind namentlich Landwirtschaft, Jagd, Fischerei und Gewerbe, Sachkultur und Volksleben, Recht und Dichtung berücksichtigt, auch Volkslieder, Kinderreime, Bauernregeln usw., sodann die Sondersprachen der Schüler, Studenten, Soldaten und Fahrenden.

Gesammelt auf Veranstaltung der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich unter Beihülfe aus allen Kreisen des Schweizervolkes Herausgegeben mit Unterstützung des Bundes und der Kantone Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler und fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger, Hans Wanner, Peter Dalcher, Peter Ott und Hans-Peter Schifferle

Die einzelnen Wörter sind zufolge der lautlichen Vielfalt gemäss dem Schmellerschen System (auf dem Umschlag jeder Lieferung erklärt) in erster Linie nach der Herkunft angeordnet (die Zusammensetzungen undAbleitungen beim Grundwort) und semantisch aufeinander bezogen; dadurch werden nicht nur die Bedeutungsentwicklung jedes Wortes, sondern auch dessen Stellenwert und Leistung innerhalb der Wortsippe sichtbar. Vielfache Verweisungen auf Synonyme und begriffsnahe Wörter erschliessen Wortfelder der Gegenwart oder früherer Zeit. Wo möglich sind die Wörter im Satzzusammenhang geboten; daher ist auch Phraseologie und Idiomatik berücksichtigt. Den Appellativen sind in reichem Masse entsprechende lebende und urkundliche Namen (Personen- und Lokalnamen) angeschlossen.

Bearbeitet von Hans-Peter Schifferle, Niklaus Bigler, Andreas Burri, Christoph Landolt, Hans Bickel, Martin H. Graf, Claudia Schmid, This Fetzer

Bis jetzt sind die Bände I–XVI erschienen und können gebunden bezogen werden. Band XVII erscheint laufend in Form von einzelnen Heften. Band

Spalten

I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV XV XVI

A bis F G bis H J bis L M bis B (P) Bl (Pl) bis Q R S Sch Schl bis Schw Sf bis St-ck St-l bis Str D (T) bis D-m (T-m) D-n (T-n) bis D-z (T-z) Dch (Tch) bis Dw (Tw) W bis W-m W-n bis X

XVII

Bisher 384 Spalten (Z bis An-zeigung)

1344 1840 1574 2038 1318 1938 1786 1760 2280 1846 2470 1951 2316 1862 1768 2429

Erscheinungsjahr 1881 1885 1895 1901 1905 1909 1913 1920 1929 1939 1952 1961 1973 1987 1999 2012

224. Heft Band XVII, Spalten 257– 384

enthaltend die Gruppen Zacht – zucht, Zad – zud, Zaf – zuf, Zaft – zuft, Zag – zug (Un-Zucht bis An-zeigung)

2016

Schwabe Verlag Basel

Preis Fr. 525.–/Euro 525.– pro Band Preis Fr. 33.–/Euro 33.– pro Heft Quellen- und Abkürzungsverzeichnis Preis Fr. 49.–/Euro 49.– Alphabetisches Wörterverzeichnis zu den Bänden I–XI Preis Fr. 210.–/Euro 210.–

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Die Arbeit am Wörterbuch wird unterstützt von der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften den Deutschschweizer Kantonen

© Copyright 2016 Schwabe AG, Verlag, Basel Das Werk einschliesslich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung in elektronische Systeme. Gesamtherstellung: Schwabe AG, Druckerei, Muttenz/Basel Printed in Switzerland ISBN: 978-3-7965-3669-4 Alle Rechte vorbehalten rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch

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Zacht, zecht, zicht, zocht, zucht: Un-Zucht B2

2. Unartigkeit, auch Unschicklichkeit, Unfug. U., mala creanza PAl. (Giord. 1891). a) Versehen. ,Min her, ich hab üch ein unworheit gseit, doch unwisent . . . Drüm, min her, verzicht mir die unzücht. Ich het nit kenenn schlofenn, wo ich mich nit . . . verantwürt het.‘ 1545/6, Amerbach-Korr. 6, 232. — b) ausgelassenes Verhalten, Mutwillen, bes. von Jugendlichen. ,Am hochen dornstag zuo nacht [war im Grossmünster ein Vorfall mit Steinwürfen]. Es kemend ouch iro vil und prechten plyen pfiffen von der orgel, und syend der knaben vil gewesen, die er nit bekannte. [Des N.] sun, derselb seß aber still, zunte die kertzli an und bruchte kein u.‘ 1507, ZStdt. ,Es ist ein badermeister oder scherer uber dises [sc. Bad] verordnet, welcher der knaben u. stillen und guote ordnung darinnen erhalten solle.‘ HPant. 1578, 72. ,[Am Kinderumzug sollen auch ,Butzen‘ teilnehmen, aber] ohne Rollen [wohl Bed. 7aγ, Bd VI 871] und U.‘ 1606, MReimann 1914, 165. S. noch Bd X 82 o. (Bs Schulordn. 1589). 1784 u. (1626, Z); XI 1203 M. (1625, Z); XIII 889 o. (1606, B); XVI 1236 o. (HBull. 1572). Neben Sinnverwandtem. S. Bd IV 937/8 (1573, Bs Rq.); VI 1579 M. (JHaller 1550/ 73). — c) Masslosigkeit, bes. im Essen und Trinken, Prasserei. ,N. der u. halb sins trinkens umb 10 lb straffen nach der satzung.‘ 1529, B Ref. 1034. ,[Zuletzt kam Attila] in Hungern, alda er der U. und Überfluß deß Lebens sich ergeben.‘ RCys. (JSchmid 1969) 114. ,Weliche von Rhäten oder Burgeren im Jahr mit Wyn oder Spyß sich überfüllen, [sollen] von Stund an entsetzt sein, [wobei] die Entsatz- oder andere Abstraffung dergleichen excedierender Persohnen je nach Beschaffenheit und Wichtigkeit deß Fählers oder begehender U. zue eines ehrsammen, wysen Rhats Erkandtnuß heimgestelt sein sölle.‘ 1642, B StR. 5, 272. ,Zu denen vielfaltigen Ohnzuchten ein großer Theil Volk erhitzet und gereitzet werde durch das in verderbliche Gewohnheit gekommene übermäßige Trinken gebränter Waßeren.‘ 1710, ZAnd. S. noch Bd IX 718 u. (1582, AaRh. StR.); XII 1798 u. (Ruef 1550); XIII 844 u. (1606, B). — d) Ungebührlichkeit in einer Gesellschaft. ,Wen ouch brot oder win uff dem tisch stat, und einer ein u., es wäre mit koppen, fürtzen oder andrem began wurde, der sol ouch zuo buoss geben 2 mass wins.‘ 1537, Arg. 33, 54 (AaZof. Zunftordn. der Metzger); s. auch Bd X 1834 u. ,Weliche persohn ein u. begaht, es seye mit färtzen, koppen laßen oder anderen groben üppikeiten, dieselbige persohn soll gestraft werden umb ein maß wein.‘ 1552/85, BKonolf. Rq. 223 (Badordn. Enggistein; j. Abschr.). ,Uff das ist vogt Russy je lenger je unzüchtiger und gar voll worden und hat . . . den hindren gägem metzger kert, ein u. bim thisch gelassen, und das zum dritten mal gethan.‘ 1562/5, B. ,[N. ist] angeklagt einer nit geringen Ungebühr und U., die er im Wirthshauss begangen, indem [er] in Abschlagung synes Wassers dasselbe unzüchtiger Wys an die Leuth sol gereiset haben.‘ 1684, BGsteig b/Sa. Chorg. S. noch Bd VI 1221 u. (1485, BNid.); XI 2086 o. (1496, AaBr. StR.). — e) verhüllend für Erbrechen; vgl. ,unzüchtige däuwung‘ (Bd XIII 2237 o.). ,[Der Verwalter des Predigerklosters habe in Gesellschaft] zuo nacht gässen und sich dermass mit spis und tranck ersettiget und überladen, dass er die nit hab mogen by im behalten, sonders im ein u. begegnet.‘ 1527, B Ref. 466. ,[Auf dem Truppentransport von La Spezia nach Neapel galten besondere Verbote.] Demnach ob ainer wunSchweiz. Idiotikon XVII

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den, martter, liden und sacrament schweren[d] were, den wurde man auch in das mer duncken, ain mal oder drü . . . Ob aber ainer ain onz. in das schiff thett oder für in dem schiff umbtrüeg on gewonlicher fürstatt, die werden auch an den segelbom gestelt nach erkannttnus der öberesten.‘ 1536, Vad. Br. 5, 280; wohl hieher. ,[Der ,kürsener vonn Zofigenn‘ wurde] mitt gwaltt gezwungen zuo drinckenn, das im uf dem heiwäg ein unnzuchtt ist widerfaren.‘ 1596, LWill. Rq. 1994, 264. ,N. [wird vorgeladen] wegen einer U., so er begangen. Weil es aber an einem Abort beschehen und niemand geergeret worden, ist er umb 5 Pf. Bues . . . kommen.‘ 1654, BGsteig b/Sa. Chorg. ,N. wegen einer U., so er an [einer] Hochzeit begangen. Man habe ihme Saltz in den Wein gethan, welches ihme die U. verursachet.‘ ebd. S. noch Bd XI 2114 M. (1558, B RM.); XIII 1536 u. (B Mand. 1587). 1905 o. (1587, B StR.); XIV 487 o. (1644, AaErl. Chorgerichtsprot.); XVI 144 o. (1574, Gl Rq.). 1817 u. (1672, BLeiss. Chr.). 3. Missetat, Straftat. ,Swer mit sinen unzüchten den ander ān schulde in schaden wiset, das er in . . . in ellü ende davon wise und gar unschadhaft machen.‘ 1301, Aar. StR. 11. ,[Das Zepter des Königs bedeutet] das er denne hete gewalt ze strafen, die da sint ungehorsam und die man vint also, das si unzuht begant.‘ Schachzabelb. 1979. ,[Beim Spielen verunglückte ein Kind. Der kleine Jesus wurde als Missetäter beschuldigt, aber] Maria wiste vil wol, das ir kint daran unschuldig was und och kain u. nie begieng.‘ Wernher ML. 4892. ,Wär ouch, das dheiner der unsern . . . dekein u. tädind . . . und die denn hinder die vorgenanten von Glarus flüchtig wurdent . . . so denn söllend si uns den oder die . . . herwidrumb antwurten.‘ 1419, Gl Urk. 1, 524. ,Wär, das ieman dehain unzuht in dem rathus tät ald begieng, das man den zwürent als vil bessren und straffen sol, als er suss gebüetzt wurd, ob er es anderswa getan und begangen hetti, und sol ain rat das rihten, es werd klegt oder nit.‘ um 1430, G Rq. 1995, 157. ,[Die Eidgenossen] lagent do etwas zites und hieltent sich mit iederman gar früntlich und tatent nieman kein u., weder frowen noch mannen, und bezalten ouch güetlich, was sie verzarten.‘ DSchilling B. 2, 5. ,[Wegen eines Sturmes verzögerte sich die Rückfahrt eines Schiffes. Da eine junge Frau fror, begab man sich in ein Haus. Da] hetten sy sich ein kleine wyl inns höw glegt, ir aber wer kein u. von inen beschechen, und demnach, als der wind glägen, mit einanderen hinweg gfaren.‘ 1554, Z Eheger.; vgl. 4. S. noch Bd XII 1089 o. (1375, Sch StB.); XIII 2022 u. (G RS. XIV./XV.; 1404, BInt. Rq.); XIV 1821 M. (XIII./XIV., Aa Rh. StR.). Neben Syn. ,[Wenn jemand] von u-e, frevel oder missetat wegen verschulte, das es in ünser hant lip und guot vervallen sin sölt‘ usw. 1397/8, BSa. Rq. 22. ,[Bei der Stationierung der eidgenössischen Truppen in Genf ] ward niemand kein leid noch die geringest u. bewißen, ußgenommen ettlichen thuomherren hat man wyn und brot uß iren kellern und kasten uff guot borg abgezecht und an die wand geschribenn.‘ JStumpf 1536, 2, 105. S. noch Bd VI 393 M. (1398, Bs Rq.). — Spez. a) Respektlosigkeit, (verbale) Beleidigung, Bedrohung „LE.“ (St.2 ). „Der Kerl hat mir eine U. angethan, hat mich beschimpft, gescholten.“ ,[Der Graf von Savoyen wurde] von dem von Kyburg nit wol empfangen, won der von Kyburg erzöugte sin hofart und beleib sitzende und wolt gegen den von Safoy nit 9 (2016)


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Zacht, zecht, zicht, zocht, zucht: Un-Zucht B3a

ufstan. [Beim nächsten Treffen] kam der graf von Safoy so stark und so mechtig, daz er ouch stille saz und gegen dem von Kyburg nit ufstuont, und galt ime die u., die er im des ersten getan hat.‘ Just. 18/9. ,[Wenn] ain burger den andern burger beschalkoti mit wunden oder ān wunden, das ist verbotten, das der, der beschalkot ist, [Selbstjustiz übt gegen] den oder die, die die unzuht getan hand.‘ um 1430, G Rq. 1995, 154. ,[Als] der fryweibel Brunner von Copingen . . . zuo Soloturn gsin, habind etlich in ab der gassen heißen gan, daran wir nun nit klein beduren [haben. Sollte einem von S] hiegegen etwas u. by uns begegnen, das uns doch leid wär, könntend wir im nützid tuon.‘ 1532, Strickler 4, 555. ,Wär iemants vor vor geschrybnen räthen unnd grichten sagt also: du lügst oder du sagst nit war oder es ist erlogen . . . so soll er von der u. wegen leysten 1 monat und 10 s d ze eynung geben.‘ B StSatzg 1539, 331. ,Das man kein volck . . . gar nienen well kein u. hütt mit worten im spyl erzeigen nütt.‘ Ruef 1550, V. 2843 (Prolog). ,[Die Bauern] klagend sich, man habe den Spanier hye nit wol gehalten; in dem thuond sy der statt unrächt, dan man hatt im alle zucht und eer anthon. [Später:] Legati responderunt, zuo Cur habe man im khein u. bewisen.‘ 1565, QSG. 24, 570. S. noch Bd V 390 M. (1348, Z Stadtb.); XII 1858 M. (ThFrickart 1470); Sp. 255 u. (1532, AaF.). Neben S i n n v e r w a n d t e m . ,Do wart inen vil gespötz und u. enpotten [sc. den Verhafteten] und sunderlich dem bekümpreten Waldmann.‘ E. XV., Waldm. 2, 435. ,Und da geschach eimm von bilgeren ein u. von eim heiden. Also ward er von stundt an verklagt vor dem herren [worauf ihn dieser auspeitschte]. Sy tattent uns sust nitt fil zuo leid [allenfalls] gabentz eim ein backenstreich mitt flacher hand . . . und zuon zitten hattent sy eim den ars dar und liessent ein furcz gegen eim . . . Aber wenn die rechten gleiczherren by uns noch warent, so tattent sy niemen kein leid noch kein u.‘ Stulz 1519, 241. ,[Wir klagen über] die u. und schmach, so her N. unserm löuffer . . . zuogfüegt hat [indem er ihn] gefragt, was er gloubte, und als er geantwurt: nüt anders, dann wir ze glouben, het er . . . tratzlich und mit unwürse geredt, so gloubte er nit wie ein guoter christ.‘ 1531, B Ref. 1351 (B an Obw). S. noch Bd V 722 M. (Ansh.); IX 826 o. (PvMolsheim); XIII 159 u. (1345, Z StB.). ,U. b i e t e n ‘ uä.; s. schon o. ,Da ein usman louffet in eis burgers hus older in eis seldeners hus und imme da inne u. bütet [wird er bestraft mit] cehen phunt und zwei iar vur d stat.‘ XIII./ XIV., AaRh. StR. 12. ,[N.] sölle umb söliche u., so er im erbotten habe, gebüest und gestrafft werden.‘ 1466, Z RB.; s. das Vorangeh. Bd XII 38 M. ,Wer den andern vor gericht beschalket mit hochen, bösen worten und semlich unfuor trib [wird bestraft] darumb, das niemand dem andern u. erbüt vor gericht.‘ 1469, G Rq. 1906, 79. S. noch Bd IV 1868 u. (Val.Tschudi 1533). 1869/70 (GrVDörf. 1692); VIII 681 o. (1470, Z RB.). — b) Tätlichkeit, Übergriff. ,[Wer jemanden mit Stichwaffen] anlouffet oder wundet ald ze tode slat, da sol mangelich . . . die dabi sint, zuorüeffen und die heften, die die u. hant getan.‘ Z RBr. 38/9. ,Wirt aber ein burger usserthalb der stat von einem usman geiaget old verwundet, und der burger daz het geklaget . . . und darüber der usman, der ime die u. tet, in die stat gat und vath in der burger old er in erslahet, so sol er dem gerichte nit buozzen.‘ B Handf. 15/6. ,[Wer] ze Lucern

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dehein lantman von den vorgenennten drin waltstetten . . . sluoge, roufte, wurffi, stiessi, wundeti, bluotruns oder ertfellig machte [wird bestraft] und sol ouch dem, dem er die u. getan het, ouch bessren mit fünf phunden.‘ 1380, Gfd 46, 302. ,[Ich klage gegen N.] daz er mich angreiff und ansprach, ich hetti im 27 guldin gnomen . . . und er mich darum greiff in min houptloch und mich fuortt für gevangen . . . und bott mir gross u. und sluog mich und stiess mich als ein böswicht.‘ um 1420, BHa. Rq. 76. ,[N.] seit im, Heini Schmid suochte und wartete uff inn mit einer agx, und warnot inn und förchte, daß er im ein u. täte.‘ 1427, Z RB. S. noch Bd XIV 268 u. (XV., Bs Rq.). Neben Sinnverwandtem. ,Wer der were . . . dem dehein u. oder unlust von jemand bescheche und das er geseret würde‘ usw. 1412, S Rq. 1949, 323. ,Were aber, das deheinr die trostung abseite und an ieman deheinen frävel oder u. täte, der sol darumb zuo glicher wise leisten und gebüesset werden als ein trostungbrecher.‘ 1. H. XV., B StR. 1, 47; ähnl. ebd. 340. ,Welher ainem vogtherrn sine botten und amptlüt mißhandlette, was u. oder frävel an den begangen wurd, die söllent umb zwifalt buoß gestrafft werden.‘ um 1475, G Rq. 1906, 97. 4. näher bei der nhd. Bed., Sittlichkeits-, Sexualvergehen; Syn. Ketzer-Wërch b (Bd XVI 1220); vgl. NōtZ. ,Die lychtfertigkeit by vilen wybspersonen, die sich ettwan der u. ergebent und usserhalb der ee schwängern lassent, das sy on alle forcht Gottes und desselbigen unfälbarer straff . . . nitt allein nitt bekennen wöllent, wär deß kinds vatter, sonder ouch den unschuldigen ernamsent.‘ 1596, L StR. 2012, 408. ,[N. habe] mit einer Zytkue unchristenliche U. gebrucht, indem er dieselbig schandtlicherwyß und mit ungebürlichen Worten under den Schweiff geküßt, jedoch . . . Wyteres nit verrichtet [und daher] synes Läbens gefristet.‘ 1614, Z RB. ,Es sollen auch alle Haußvätter und Haußmütteren wol vermahnt seyn, männliches und weibliches Geschlecht ihrer erwachsenen Kinderen [und Dienstboten] in absönderliche Gemach zu legen, alle Ergernuß, Schand und U., so im Gegentheil erfolgen kan, zu vermeiden.‘ 1634, B StR. 6, 741. ,Huererey, Ehebruch oder U.‘ 1653, Zg Rq. 975. ,Wann ein Weibsbildt sich mit einem außländischen, fremden Handtwercksgesellen wider ihrer Eltern, Vögten und Verwanndten Wüssen und Willen . . . ehelichen verlobte [so kann das von den Angehörigen annulliert werden]. Im Fahl aber sich eine mit einem solchen Gesellen in U. vertiefft hette, solle sie hierdurch ihr Burgerrecht verwürckht haben.‘ G StB. 1673, 124. ,Wofehren sie derglichen in obgehörtem Laster der U. verfellte Persohnen betretten . . . daß sie dieselbigen ohne alles Verschonen mit einem streuinen Kranz und Rueten in der Hand umb beyde Brünnen in der Merktgassen mit einem Trumpetenschall füehren und darüberhin uf 2 Johr lang von alhiesiger Statt verbantisieren werdind.‘ 1678, AaBremg. StR. 178. ,Die Chorrichter schweerend [ua.] auf Hurey und Ehebruch, Kuplerey und alle andere Unzuchten . . . fleissig Achtung zu geben.‘ 1700, BSi. Rq. 1912, 261. ,[Eine Prostituierte sagt, N.] habe 3 Mahl mit ihro tentirt, U. zu treiben, dass erste aussert dem Sternen an einem Hag . . . das andere am Gatter beim Muggenbühl . . . und das 3te aufem Banck alda; er seye allwegen mit seinem männlichen Glid in ihrem Leib gewesen, aber niemahlen den Zweck erreichen oder sein Saamen loosschiessen können.‘ 1723, ZStdt.


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Zacht, zecht, zicht, zocht, zucht: Un-Zucht B4

S. noch Bd VII 469 u. (1701, Z); IX 1142/3 (Bs Rq.); XII 400 u. (Z Mand. 1652); XVI 238 u. (1650, Z). 5. mit verschobenem Bezug. a) Basler Behörde für die als ,Unzucht‘ strafbaren Vergehen; vgl. Un-züchter. ,Dwyl man alle jor uff unsers herren Gotz tag dryzehenn man zum hymmel ze tragenn in die clein stat schicket unnd vonn altar har uß der büchs der u. gnomen, das die selbigen verzert habenn, unnd aber selbig unzuchtgelt mine herren an sich gzogenn‘ usw. 1520, Bs Ref. 1, 14. ,Denn herrenn an der u.‘ 1526/7, BHarms 1913, 368. ,[Es soll] ein ratschriber die u. uff die gewonliche gerichtstag selbs versehen, besitzen‘ usw. 1546, Bs Rq. 1, 388. ,An der u., den unzüchten sitzen.‘ ,Man sol ouch den, so an den unzüchten sitzent, in den eit geben, das si nieman dehein u. [Bed. 3, 4] varen lassen, rat und meister heissent es denne.‘ XIV., Bs Rq. 1, 26/7; s. auch Bd VI 388 u. — b) Strafgeld, das aufgrund von ,Unzucht‘ erhoben wird; Synn. Frëvel 4 (Bd I 1287); Un-zucht-Buess (Bd IV 1753). ,Welher unser burger der stett friden verbrichet mit slahen, messerzucken und in ander wise [der wird für zwei Jahre verbannt und muss] die jareinung geben zuo der u., die er geben muos und verschuldet hat.‘ um 1450, Bs Rq. 1, 142; s. auch Bd XI 1602 u. (1494, ebd.). S. noch Bd XV 253 M. (1388/9, BHarms 1909); XVI 1367 u. (1331, AaRh. StR.). Neben Sinnverwandtem. ,Unsere amptlüt [sind zuständig für] alle sachen, so für gericht komen, es sye umb eigen oder erbe, kouf oder verkouf, schulden und gegenschulden, unzüchten, buossen, frevel und besserungen biß an das bluot.‘ 1534, Bs Rq. 1, 294. S. noch Bd XV 1663 u. (1487, JBalzer 1952). — Amhd. unzuht; vgl. Gr. WB. XI 3, 2306; ChSchmidt 1901, 384; Jutz II 1491; Schm.2 II 1108; Fischer VI 285.

u n - z u c h t e n , ,-züchten‘: 1. entspr. U. 2. ,[Die Wirte] söllen auch einiche Frässer, Säufer, Spihler nit dulden und sonderlich auf die, so unzuchten, fluchen und lästern und andere Unfugen anfahen . . . jedermäniglich verzeigen.‘ 1700, BSi. Rq. 1912, 260. Subst.: ,[Die ersten Täufer] fuortend dannethin ir läben under einem schyn eines gar geistlichen wandels, schultend übel den gyt, die hochfart, das schweeren, das wüest reden und u. der wält, das zuotrincken und frässen.‘ HBull. 1561, 16 r. — 2. entspr. U. 3. a) zu a, beleidigen. ,[Wer] ein houptrichter, stadhalter oder wyschen oder andren gerichtsverwaltern, diewyl sy in uobung des gerichts, unzichten welte, sy schmachte von handt oder mundt, dieselbigen sullen gestraft werden.‘ 1548, W Rq. 373. — b) zu b, misshandeln. ,Die unseren zuo Vigen und Urnavas [(Vigevano, Ornavasso) wurden wiederholt] nidergeworfen, ber[o]ubt, geschlagen, unzicht und unbracht; wöll söllich schmach ein landschaft Wallis nit liden.‘ 1529, W Absch. 2, 318; s. die Forts. Bd XIV 1112 u. ,[Eine ,botschafft‘ des Herzogs von Mailand] hat nun den eltern amman Wolleben von Ursern, der . . . zuo unschulden vor und bi zwei jaren ist etwas geunzuchtet worden [nach Bellenz eingeladen] in meinung, sölich stöss ze richtende.‘ Aeg.Tschudi Chr. 13, 314. — Vgl. Fischer VI 286. U n - z ü c h t e r m.: städtischer Beamter, Polizei-, Bussenrichter, Einzieher; Syn. Buessner (Bd IV 1755). ,[Wir vom Kloster Beinwil werden] von des vorgedachten ünseres burgrechtes wegen geben zwen guot rinsch guldin [und diese jährlich] irem segkelmeyster oder irem unzüchtern richten und weren.‘ 1415, S Rq. 1949,

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347. ,[Es wird beschlossen, dass man] fünff erber man zuo unzüchteren setzen und haben sol, und der sollent sin einer von räten und von yegklicher zunffte einer und der stettschriber, [welche] alle unzücht, eynig, buossen und besserungen, so da gefallent, ufheben . . . und darumb rechnung geben.‘ 1440, AaRh. StR. 57. ,Daz min herren allt und jung rät söllent daz gericht besetzen, namlich einen dargeben vom allten rat und einen von dem jungen rat und darzuo den u., und von dem grossen rat fünff . . . man.‘ 1488, S Rq. 1987, 84. ,[Wer] da frävel verfallen [muss schwören] unserem u. in acht tagen zuo unnser statt handen zuo bezahlen oder pfand ze geben, daran der u. benüegklich sye [sonst muss er die Stadt verlassen].‘ um 1540, BBurgd. Rq. 61. ,Das ein jetlicher, der ein buoß verfalt . . . der sol die also bahr erlegen oder die den umzüchteren uff die bestimt zyt, wann sy sytzen, mit gelt oder pfanden . . . zefriden stellen.‘ 1595, AaZof. StR. 245. ,Dem U., wegen er [2 Männer] an die Marter gschlagen, 1 Pf.‘ 1617/8, BTh. (Amtsrechn.). S. noch Bd XI 912 u. (1498, Z Anz.). Als Teil der Basler Behörden. ,Es ist by uns ze Basel gewonheit, das man drie setzet ze untzüchtern von den räten, daz ist mit nammen ein ritter und zwen von den achtburgern.‘ XV., Bs Rq. 1, 26; s. auch Bd I 896 M. (1450, ebd.); IV 321 u. (1369, ebd.); VI 844 M. (1509, ebd.); IX 1551 o. (1546, ebd.). 2143 M. (1457, ebd.). — Vgl. Gr. WB. XI 3, 2311. u n - z ü c h t i g e n : beleidigen, misshandeln; Syn. un-zuchten 2. ,Also wirt man schuldig criminis laesae maiestatis am fürsten, so man sinen legaten . . . unzüchtiget, unnd rüert denocht den fürsten nit an.‘ Zwingli 6, 2, 78. ,[Nach einem Vorfall in Varese hat] Hans zum Brunnen dem obgerüerten herren von Meiland ein vientschafft zuogeschriben one ünser wüssen, und in sölichem sich begeben hat, das er einen des hertzogen man gewundet hat, das üns in trüwen leid ist gesin. [Wir schrieben dem Herzog, dass] wann nun einer der sinen von dem ünsern geunzüchtiget sige, das sig üns leid.‘ Aeg.Tschudi Chr. 13, 313. — Vgl. Gr. WB. XI 3, 2313.

U n - z ü c h t l e r m.: wer andere unzüchtig belästigt B. E n z’säme ng’würfleti G’sellschaft: e n Tōtschleger in Undersuechi ngshaft . . . e n Brandstifter, en U. USchmid 1984, 99. Ü nsen U. isch t also weder agressiv no ch-ne n Blüttler, Besprechung zwischen Polizisten BStdt. V ë h - Vëch-, Vēh-Zucht, in GrPr. (Bed. 2) -Sucht: 1. entspr. A, wie nhd. Viehzucht; allg. ,[Ein Berg bei Damaskus] hatt ouch ein treffenlich schöne vychz.‘ JvLaufen 1583/4, 126. ,[Der Fürstabt von G rügt die von Altenrhein, dass sie ua.] die Güetere verwüesten und verwilden lassen, kain Vichz. nit gepflantzet.‘ 1639, G Rq. 1903, 110/1. S. noch Bd XI 1237 M. (1789, Bärnd. 1908); XVI 1146 o. (LE. Manifest 1653). RA.: Öppis vo n de r V. verstō n uä., sich auskennen L. Sō vil verstōn i ch de nn doch au ch no ch vo n der V.! Fritschi 1900. — 2. = Zucht A4b (Sp. 252) ApK. (T.); GrPr., Rh., Val.; TB. (Gerstner); U (Aschw.-Clauss); oW.; Syn. V.Zeichen 1 (Sp. 180). — Vgl. Gr. WB. XII 2, 103; Ochs WB. II 145; Jutz I 921; Fischer II 1492; VI 1911.

F ë l d - : militärische Disziplin im Krieg und deren Überwachung; Syn. Kriegs-Z. ,Obwol die Kriegs- und Regimentsordnung und F. an ir selbs streng gnueg.‘ RCys. (JSchmid 1969) 308; s. die Forts. Bd XIV 1486 M. F a l k e n - : Ort, wo Falken zur Jagd abgerichtet werden; vgl. Habch-, Sperwer-Z. ,[Ich, N., vergabe


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Zacht, zecht, zicht, zocht, zucht: Falken-Zucht

dem Kloster Interlaken ua.] als daz recht, daz ich hatta an der v. ze Spirenwalt.‘ 1281, Fontes 3, 299. F i s c h - : Betrieb, wo Fische gezüchtet werden; verbr. [Den früher so idyllischen Bach hat] dänn de r Herr N. verbreiteret und e n F. ī ng’richtet ZOpfikon. F r o u w e n - : Tugend der Frau. ,[Die Reisläuferei bringt ungute Einflüsse] also das ze besorgen ist, lasse man nit von frömden herren, man werde noch schädlichere laster mit der zyt erlernen. Es würt ouch alle frowenz. deß schwecher und unfrömmer.‘ Zwingli 1, 183; s. die Forts. Bd XVI 643 o. Als Verkörperung in der bürgerlichen Gesellschaft: ,[In GStdt] ist ouch ein schön und wolgezogne frowenz. mit schönem und sauberm wandel und erbarlich bekleit und guoter sitten, zuo allerlei arbeit geschikt und geneigt.‘ Vad. 2, 423. — Vgl. Fischer II 1715; DRWb. III 680. G a s s u n - : entspr. A3c, Gassenkind PGr. H a b c h - : Ort, wo Habichte zur Jagd abgerichtet werden; vgl. Falken-Z. ,[Das Kloster Einsiedeln klagt gegen Schwyz und Steinen] das si . . . des gotshus knechte vrevenlich viengen in der h. an Regenegge, dü in des gotshus getwinge und bane was und noch ist.‘ 1311, QW. 1, 2, 290. — Als Name: Habsucht LFlühli (Hof; schon: ,under Habkz.‘ 1433, L NB. 1; ,die Habsucht.‘ 1574, ebd.). PN.: ,Der pur, der da hieß Antscho (Anthoni) an der Habtz.‘ ThPlatter 1572.

H o f - : Titel eines Buches oder Textes für Schulkinder. S. Bd XII 506/7 (1715, GStdt Schülerverz.). — Vgl. Gr. WB. IV 2, 1704; ChSchmidt 1901, 174; Fischer III 1757; DRWb. V 1384. Urspr. Titel verschiedener mhd. Versdichtungen.

H ū s - : 1. Hausgeflügel. ,Der wy . . . ist seer röubig und frässig. Er geläbt deß fleischs und ist den haußzuchten aufsetzig, fürauß den jungen hüeneren und gänsen.‘ Vogelb. 1557, 260v. — 2. sittengerechte Ordnung im Haus. ,[N., in dessen Haus ein Kiltabend abgehalten wurde] versprache Besserung und bessere Hausz.‘ 1745, B Blätter 9, 215. S. noch Bd IV 1184 u. (um 1590, ARyff ). — Vgl. Gr. WB. IV 2, 700; DRWb. V 489. J u n g - : Jungvieh GrHint. (Frehner); Syn. Fardel I (Bd I 995); vgl. Rind 2a (Bd VI 1027). C h i n d e r - : Kindererziehung. E n Ch. wie Schwin GrMu. ,Belangend die kindernz. wellend wir gehept haben, das die juget . . . nach besag unsers deßhalb vor ußgangen mandats gelärt, underwysen und ufferzogen werde.‘ 1536, B StR. 6, 534. ,[Die Gründung der Schule erfolgt im Bewusstsein] das das ganz übrig läben an rechter k. hange, und wo da gefält, alles vergäbens wäre.‘ F Schulordn. 1577, 21. ,Von ihrer K. [sc. der Juden von Avignon].‘ ThPlatter 1604/5, 294; s. die Forts. Bd XVI 111 o. ,[Witwe N. wird vor das Chorgericht zitiert] wegen schlechter K. . . . und dass die so schlecht ihren Sohn zur Schul halte.‘ 1731, BLau. S. noch Bd XII 1456 o. (Sintem. 1759); XIV 1281 M. (1781, HPest.). I. S. v. Religionsunterricht; s. Bd XV 1448 u. (1533, B RM.). — Vgl. Gr. WB. V 755; Martin-Lienh. II 893; Fischer VI 2297.

K i r c h e n - : Massnahmen zur Aufrechterhaltung der kirchl. Ordnung und Lehre. ,Alle fälbaren und ergerlichen Gmeindsgenoßen, welche umb ihrer Sünden willen abgestrafft und durch die K. zur wahren Beßerung gewysen worden.‘ 1655, HBuchm. 1911, 75. ,Die Personen, an welchen die K. . . . ausgeübt werden solle, sind [u. a.] folgende: 1. Diejenige, die mit Religionsirthümern behaftet sind und sich unterstünden, selbige

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auszubreiten . . . 2. Diejenige, welche in grober Unwißenheit in Religionssachen steken, den öfentlichen Gottesdienst nicht besuchen und den Gebrauch des heiligen Abendmahls unterlaßen.‘ 1784, G Rq. 1996, 202. ,Die catholische Geistlichkeit samt allem, was ihren Gottsdienst und K. betrifft.‘ 1712, Aa Rq. 2006, 7. — Vgl. Gr. WB. V 815; Fischer IV 402; DRWb. VII 956.

K r i e g s - : = Fëld-Z. (Sp. 262). ,Reglement vor die Landmiliz loblichen Standts Zug, worinn enthalten . . . das Exercitium, die discipline oder Kr.‘ 1757, Zg Rq. 457. ,Zu Handhabung der erforderlichen Kr. und Gleichförmigkeit in dem Dienst [wird eine neue Ordnung erlassen].‘ 1762, B StR. 11, 158. S. noch Bd VI 397 o. (Lindinner 1733). — Vgl. Gr. WB. V 2302; DRWb. VII 1577.

M a n n ( s ) - : 1. a) sittengerechtes Verhalten, oft mit charakterisierendem Attr. ,Es was des selben mals nitt guot manz. noch maisterschafft Zürch . . . won man getorst nieman gestraffen.‘ Klingenb. Chr. 276. ,Bott und verbott um mannzüchten.‘ 1546, Kriess. 155. ,[Falls] jemand unfüeg anfienge . . . ob es schon nit eerüerig, malefitzisch sachen werind, und aber dardurch fromb biderblüt geunrüewiget würdint und ergernus und böse mansz. brächte, dieselbigen mag ein vogt . . . wol züchtigen mit gfänknus ald anderer straf.‘ 1564, G Rq. 1951, 49. S. noch Bd XIII 852 u. (Z Mand. 1520). — b) die entspr. Rechtsordnung. ,[Die Vögte der Grafschaft Sargans] habendt alda die Manz., so vormaln in gemelter Landtschaft gesetzt ist, von Stuckh zue Stuckh, eigentlich verhörth, unnd wan aber die Landtschafft in ettlichen Stuckhen der selbenn Manz. beschwert gewässen ist, und daruff mit wolbedachten einheyligen Rathe die Manz. geordnet und gesetzt . . . unnd dem ist allso wie harnach stath. Item des Ersten, wellicher den anderen heisst liegen, der verfalt 10 lb Haller [Busse]‘ usw. 1634, Zurlaubiana 146, 138. ,Die so genante Mannz., auf weliche die Landtschafft Sarganß einem jeweiligen Landtvogt schweren mueß.‘ 1674, G Rq. 2013, 941. S. noch Bd XIII 1118 o. (GSaL. Mand. 1695). — c) Vergehen gegen die sittlichen Normen. ,Kretzen und byßen ist für ein manz. ze achten.‘ 1580, Z. — 2. a) militärische Disziplin. ,Unsere Truppen seyndt mehr allss willig . . . die Herren Commandanten und Officier lobl. Standtss Underwalden . . . halten ebenmässig guthe Mannssz.‘ 1755, U Neuj. 1955/6, 48. — b) militärische Ertüchtigung, Übung. ,Als ouch kuglenwärffen, ballen[-] und kuglenschlachen ein lybsüebung und mansz. ist [wird dieses Spiel erlaubt].‘ 1548/50, B StR. 6, 831. ,[Den Büchsenschützen von Fiez wird ein Fähnchen bewilligt] guoter hoffnung, sy ein lust derselben mannsz. gewinnen werdind.‘ 1579, Absch. 4, 2, 1407. — Vgl. Gr. WB. VI 1585; Fischer VI 2522; DRWb. IX 172; Frühnhd. WB. IX 1, 1825.

N ō t - : wie nhd. ,Was keiserliche recht für ein straff . . . dem eebruch oder auch der n. . . . statuirn oder setzen.‘ 1547, Amerbach-Korr. 6, 611. S. noch Bd VII 227 u. (1459, JGöldi 1897). — Vgl. Gr. WB. VII 962; Ochs WB. IV 87; Fischer IV 2077; DRWb. X 19.

B u e s s - . ,[Statt ihre Diebereien zu bestrafen, wollte der Burgermeister] die Fuhrleut ernsthaft erinnern lassen. Dieses müsse nach den Stufen der christlichen Bußz. der Strafe vorgehen.‘ ChJetzler 1770, 205. B ë t t l e r - : entspr. A2, Bettlergeschlecht, -pack; Syn. Bëttel-War 2 (Bd XVI 891). S. Bd X 1709 M. (JMurer 1567).


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Zacht, zecht, zicht, zocht, zucht: Regel-Zucht

R e g e l - : Durchsetzung der Ordensregel. ,Ist abir . . . daz dheine diz gebot dir heiligun regule ubirgat, der sol der stranchun regilzuhte und rache werdin undirtan.‘ UwE. Benediktinerr. XIII., 47. R o s s - : entspr. A. S. Bd VI 1429 M. (Fris.; Mal.). S c h ā f f - : entspr. A1. ,Die vielen Krankheiten, denen dieses Thier ausgesezt ist . . . halten sie von der Äufnung der Schafz. ab.‘ RHolzer 1779, 104. — Vgl. Gr. WB. VIII 2054; Ochs WB. IV 476.

S c h u e l - : 1. enstpr. A3c, Schulkind FJ.; PGr. D’ Schuelzucht hein d ’brūcht liggi Tafele n un d fer z’ schrībe n . . . de n Griffelstei n. Augusta 1993, 9 (PGr.). — 2. entspr. B, Disziplin, (Art der) Erziehung der Schulkinder. ,Es soll der rector gymnasii aller Classen guete Sorg tragen [damit] die Sch. erhalten werde.‘ G StB. 1673, 399. ,Etwas mehr Strenge in der Sch. wäre sehr nötig, aber dazu hat [Schulmeister N.] zu viel Milch im Blut.‘ 1776, ZO. ,Es solle gute, christliche Sch. gehalten‘ werden. 1788, ApSpeicher. S. noch Bd V 1231/2 (Bs Schulordn. 1597). — Vgl. Gr. WB. IX 1995; DRWb. XII 1445.

S p e r w e r - : Ort, wo Sperber zur Jagd abgerichtet werden; vgl. Falken-Z. ,[A. verleiht B. ua.] das gemeys by der Platteg [Blattig] und die sp.‘ 1419, Gfd 62, 181. Tu g e n d - : entspr. B1. ,Die Jugendt sein jene Pflenzli, welche durch fleissige Tugentz. embsig sollen geartet und zue sollich fruchtragenden Beumen auffgebracht werden.‘ 1698, LWill. Rq. 1994, 499. — Vgl. Gr. WB. XI 1, 2, 1688.

T i s c h - : richtiges Benehmen beim Essen. ,Laß sy [die Kinder] ouch zuo tisch dienen, zeig inen darby, was t. oder unzucht sye.‘ HBull. 1540, M6r. ,T.‘, Titel eines Neujahrsblattes; s. Tischzucht 1645. — Vgl. Gr. WB. XI 1, 1, 521; Fischer II 228.

z u c h t e n (bzw. -u n ) GrMu.; SchSt. (Sulg.) und lt Kirchh.; W, sonst (und daneben j. auch) z ü c h t e n (bzw. -i-), Ptz. Prät. -et: 1. entspr. Zucht A, hervorbringen, aufziehen, wachsen lassen, vermehren; allg. ,Züchten, pflantzen, auffbringen, nutrire, alere.‘ Mal. ,[Noahs Söhne] züchtetend kinder nach dem sündtfluß.‘ 1525/31, Gen. 10, 1; ,inen wurden geboren kinder.‘ 1589/2007. ,Semina limus habet virides generantia ranas, das muor des erdtrichs züchtet vil fröschen.‘ Fris. ,[Uns als Obrigkeit ist daran gelegen] ein fromms erbars wäsen, ouch guot christenlich sitten by den unsern ze züchten.‘ HBull. 1572, 2, 277 (Mandat 1530). ,[1603 war es so mild] das ettliche Sorten Gfügels wider allen Louff der Natur diß Jars zweymal Junge gezüchtet.‘ RCys. (JSchmid 1969) 903. S. noch Bd V 139 o. (HBull. 1531); XI 2458 u. (1795, Z). Refl., von einer S u m m e , anwachsen, sich belaufen. ,Wenn dü sach [beim Schultheissengericht erledigt ist] so sol ietweder teil von iedem pfunt, als sich dü summa des guotes an liegendem oder an varendem gezüchtet, darumb deweder teil den andern des ersten angesprochen hat, als vil der ansprach ist, der statt zwen pfennig geben.‘ 1336/60, Z StB. 1, 233. ,[N. verspricht die Rückzahlung einer Schuld] nach marchzal, als sich inen denne gezüchtet, ungevarlichen.‘ 1406, BTh. Urk. 146. — Insbes. mit Bezug auf a) Pflanzen. ,Wer wölle guet Reben züchten, der soll den Samen im Nüwen ußseyen.‘ ZElgg Arzneib. um 1650. ,[Die Anstösser verpflichten sich] widerumb einen Grüenhag hinder dem todten [Hag] den Marchen nach ze züchten.‘ 1666, ZHorg. S. noch Bd VIII 1540 u. (1559, Z Rq. 1910); XII 401 u. (Mal.);

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XV 1478 u. (RCys.). Reben. ,Räben in ein baum züchten oder pflantzen, maritare arborem.‘ Mal. ,[Da die Liegenschaftsbesitzer] an der Musegk innwendig der Ringkmur gegen der Statt Wynräben gezüchtet ghept‘ usw. RCys. (JSchmid 1969) 216. S. noch Bd XVI 164 M. (JHabermacher 1606). In der Waldwirtschaft, ,holz z.‘ ,Wen einer schon holtz inschlüegi und das züchten und pflantzen welti, solti er das nit lenger den drü jar inhaben.‘ 1533, Z Rq. 1910, 344. ,[Ein Einschlag im Hochwald wird gemacht, weil] man holtz ze züchten ynfryde und vor dem vych ze verhüeten.‘ 1582, Aa Rq. 1923, 480. S. noch Bd VIII 1295 u. (1546, ZAnd.); IX 1695 M. (1637, Z). — b) Haustiere. Veh z.; verbr. Ši tiend nid z., halten keine Schweine W (GAWehrli). I n der Ziti ng [lese er] vo n de n G’stüt, dört, wo si Ross züchte n. WMarti 2001, 383. Ei ns [von zwei jungen Schweinen] ist es Mȫrli g’sī n . . . und do sind si rȫtig worde n, das Mȫrli z’ b’halte n und mit em z’ z. Aa. ,Wer die selbe wis inne hat, der soll der stat ze Büllach haben einen eber ze z. die swin.‘ 1405, Z. S. noch Bd XVI 766 o. (1562, BSi. Rq. 1914). Subst.: Der Pfar rer sīg nid grad der schēnst, aber si bruichi nd e n ja nid zum Z. Imfeld. — c) menschliches Haar. ,Haar züchten, alere capellum.‘ Mal. ,Das Haar züchten, alere, nutrire.‘ Hosp. ,Und so ander lüt iren kinden hübschs langs haar züchtetend, damit sy dester mer ansehens by der welt hettind, hieß er disen jünglingen ires abscheren.‘ Diogenes 1550, H8r. ,[Die Venezianerinnen] züchtend falbes Haar meertheils, welliches sy gantz artig durcheinanderen flechten.‘ Z Gesandtschaftsreise 1608, 62. — 2. entspr. Zucht B1, bestrafen. ,[N. wurde eingesperrt] umb das er sin alten vatter, der in von syner unbescheydenen, thrunkenen wyß züchten und strafen wellen, fräfenlich geschlagen.‘ 1540, Z RB. ,Ein jeder wirt seiner Laster halb gezüchtet werden.‘ Anhorn 1603/29, 106. — Ahd. zuhtōn, mhd. zuhten bzw. ahd. zuhten, mhd. zühten; vgl. Gr. WB. XVI 264; Jutz II 1740; Schm.2 II 1108; Fischer VI 1287.

ū f - : entspr. 1a. ,Und in wellichem how eichen, tannen, foren oder bärend boüm stond, die soll niemand abhowen, sonders ston lassen und ufzüchten.‘ 1562, Z Rq. 1915, 197. Z u c h t e r m.: = (bubensprachl. Verkürzung von) Zucht-Hūs (Bd II 1738) B (Sammlung RRis). — Vgl. etwa Blofer ’Bleistift’, Züger ’Zeugnis’; zur Bildung auch WHodler 1911, 101.

Z u c h t e r i n ,GrHe., Rh., sG.‘ (Tsch., von einer Kuh), Züchtere n BE. — f.: weibliches Nutztier, das zur Vermehrung geeignet ist oder gehalten wird; aaOO.; Syn. Züchtlen. En ūsbund gueti Z. Tsch. E n gueti Züchtere n. Z u c h t e r n e n f.: ,erwachsenes‘, nach and. Angabe ,kleines‘ Mädchen WZerm. (ä. Angaben); Syn. Zucht A3c. Z u c h t e t e n f.: Art des Züchtens GrsG. (Tsch.). Mit dër Z. bin i ch nid ī nverstande n. G e - z ü c h t (bzw. -i-) n.: Gesindel, Sippschaft, ,eine unordentliche Familienvereinigung‘ Ndw. ,[Ein naives Mädchen] glaubt, die meinen es am besten mit ihm, die ihm hinten und vornen scharwenzeln, es rühmen von den Züpfen bis zu den Zwicken, alles gescheut finden, was es sagt, alles schön, was es macht [usw. Aber später gehen ihm die Augen auf ] und zu dem hässlichen G-e sagt es: Huss use!, bis es von dannen stiebt.‘ Gotth. (Hunz.-Bl.) 1, 280/1. — Vgl. Gr. WB. IV 1, 7208;


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Zacht, zecht, zicht, zocht, zucht: Ge-zücht

Fischer III 464. Kaum hieher die Form ,gezicht‘ neben (syn.?) ,gesücht‘; s. Bd VII 287 u. (Zg Arzneib. 1588).

N ā t e r - : Schlangenbrut, als Schimpfwort; vgl. N.G(e)-schlüecht (Bd IX 81). ,Wolan, erfüllend ouch ir die maß üwerer vätter, ir schlangen, ir natreng. Wie wöllend ir entrünnen der hellischen verdamnus?‘ 1524/ 1931, Matth. 23, 33; ,Schlangenbrut.‘ 2007. ,Ir natterzüchtt‘ usw. 1571, L Ostersp. (HWyss) 1, 247. — Vgl. Gr. WB. VII 428; Fischer IV 1970. Luthers ,ottergezicht‘ glossiert APetri mit ,ottergeschlecht‘.

z ü c h t ( e ) l e n : = zuchten 1b (Sp. 266) BU.; wohl weiterhin. ,Vieh zum Metzge n und zum Züchtle n.‘ Bärnd. 1914, 192. [Die einen] hätte n lieber g’ha n, es gǟb gar kener so missfärbigi, nid e nmāl tōtni [näml. Kälber; die andern] hätte n sẹ lieber no ch vil schützliger ’tschägget g’ha n, aber de nn lëbig . . . wëg dem Zuelān u nd Züchtle n. JBürki 1916, 53. S. noch Bd XVI 867 u. (Loosli 1921). — Vgl. Fischer VI 1290. Z ü c h t e r m.: wer Pflanzen oder Haustiere hält und vermehrt, „einer, der gern junges Vieh aufzieht“ (St.2 ); allg. — Vgl. Gr. WB. XVI 265; Schm.2 II 1108; Fischer VI 1287.

B ī e n - , Bīnli- usw.: 1. Imker; j. verbr.; Syn. Beijeler (Bd IV 911), auch B.-Vater (Bd I 1130, wo weitere). — 2. Zuhälter Z (Slängikon). — Vgl. Gr. WB. I 1820. H u e r e n - Z ü c h t e r i n f.: Schimpfw., ,Mutter einer Hure‘ GrHald. (Tsch.). z ü c h t i g , in PAl. (un-)zuchtig: 1. angemessen, vernünftig. ,Z., bescheiden und alwäg eines wäsens und verstands, moderatus aequabilisque habitus.‘ Mal. ,[NN.] syend ouch mit iren wortten und werken z. gewesen.‘ 1449, Z RB. ,Ob aber yeman der räten oder hunderten ützit notwendigs meinte anzebringen, der sol daz . . . uff den nechsten ratztagen mit z-en worten anbringen und ein rat damit handlen lassen.‘ 1485, L StR. 2005, 273/4. ,[Bei einer Disputation ,von der lutterschen sach wägen‘ hat SMeyer] allwäg z-e, güetige andtwurt uss der heiligen geschrift geben.‘ 1523, B Ref. 56. ,[Mein Bote ist] ein seer stiller, z-er, geschickter junger [der] sich seer wol by mir gehalten.‘ 1551, Amerbach-Korr. 8, 139. — Deutlicher a) ehrerbietig. ,[B] an die von Zürich, die irn syen ietz in bottschaft hie vor minen hern gewesen und haben mit langer und doch z-er red angebracht, das‘ usw. 1489, Waldm. 2, 22. ,Bis z., ler, wie man eerenlütten zucht und eer mit worten und werken sölle erbietten, luog, wie ander eerenlüt . . . duont, so kanstus mit der zit ouch, wen du anderschwohin kumpst.‘ 1551, ThPlatter Br. 2/3. S. noch Bd XIV 368 o. (ThPlatter 1604/5). — b) anständig, sittsam. ,[Mein Vater hat sich um eine Braut für mich bemüht und] riembt mir die Dochter, wie ein eerliche, wolkönnende und z-e Dochter sy sye.‘ FPlatter 1612, 215. ,Man sol [vor dem ,Grossen Gebett‘] ein Kilchenrueff thuen [damit] die, so an das Gebett oder darvon gand, sich ouch z., bescheiden und still hallten.‘ RCys. (JSchmid 1969) 710. S. noch Bd VII 1429 M. (HPest. 1783). 1601 u. (1541, Z); VIII 957 o. (1560, Brief ); XI 1599 u. (um 1500, Bs); XIII 14 u. (Zwingli); XIV 461 o. (B Schulordn. 1548). ,Z-er wandel‘; s. Bd XVI 461 o. ,vor z-en ōren‘; vgl. Zucht B4. ,[2 Frauen haben] verjähen, das sy mitteinander in sodomitischen sachen vil büebery getriben, so vor z-en ohren nitt zuo melden.‘ 1594, JSchacher 1947, 97. S. noch Bd XVI 2176 o. (1619, B StR.). — c) massvoll, bescheiden, zurückhaltend AaJonen; B; weiterhin, aber †; vgl. zimp-

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fer. Die Schäube n het e n z-i Farb B. Z-i, wīssi Umhäng hei n mit der frivōlen Usse nwëlt o ch d’ Septëmbersunne n sorgfältig fërng’halte n. RvTavel 1904, 167. I ch bi n gar nǖt z., ich ziere mich nicht. AvRütte. [Ein Mädchen] wa so z. ang’lī 2t ist. Bärnd. 1911, 419. Mach ’s z., übertreibs nicht. Füglistaller. S. noch Bd X 1439 u. (RGrieb 1911). — 2. verblassend, adv., sehr, gut; Syn. zünftig. E n z. grōsse r Chueche n BBe. [Einer der Hochzeitsgäste] mueß is de eis z Donz geigä, und där Br[ueder N.] birzlä; är kas gor grislig z. und de so gschwind wien ä Ankäliräkibel. Talhochz. 1781, 11. — Ahd. zuhtīg, mhd. zühtec; vgl. Gr. WB. XVI 268; Jutz II 1740; Fischer VI 1289.

u n - : 1. unangemessen, ungehörig. ,Das aber uff dem land und in der statt etlich u-er, dann sich gezimpt, redend von der meß und von den münchen, gfalt mir nit.‘ Zwingli 2, 739. ,Die von Soloturn schwanktend fast und warend under inen selber vast u-s und widerspennigs wesens.‘ Vad. 3, 448. — Deutlicher a) unbescheiden, frech. ,Hie muoß ich ouch gnuog thuon eim u-en predigermünch . . . Der hat vor gar einem ersamen volk frävenlich gdören reden, die wort consecrationis, das ist der heligung diser spys, die syind zemengebletzt wie ein bätlermantel.‘ Zwingli 2, 153. ,Die Niderlennder fienngent schon ann miteinander rüemen, wyevyll hunndert kronen jeder hett die reyß gwunnen. [Wenn] einer sy hatt gestrafft um ir u. lebenn unnd ermant, daz sy pilger werendt, gabents antwortt, sy . . . welltent lieber kaufflüth . . . genemptt werden.‘ PVillinger 1565/8, 297. ,A. hat mit B. an der Fastnacht ein u. Wesen angfangen . . . auch gheißen ein Mahl im Wirtshaus rüsten, auf den Abend gheißen die Eier geben.‘ 1605, ZAlt. S. noch Bd IV 1444 M. (1528, Egli, Akt.). — b) anmassend, beleidigend PAl. (GPapanti 1875, 694). [Eine Frau ist] schandlich behandelt g’worde n von šumi bȫši und unzuchtige n Manne n; dos hed ira g’machud es grōss Leid. ,[Es gebe Leute, die] ettwa den priestern . . . inn ir red unnd predig mit ungeschickten, u-enn wordtenn fallind.‘ 1529, Täuferakt. 1952, 306; s. das Vorangeh. Bd XIII 815 o. ,[Zwingli] habe so ein u-e, schantliche meynung von dem fronlichnamm gepredyett, das ich die nit sagen wil [damit] die fromen cristelichen härtzen nit verletzt werdend.‘ Salat, Ref.-Chr. 183. ,Welcher einem in gächem, zornigem muoth ehrverletzliche, u-e wort zuoredt und darumb wandel thuot, ist verfallen 1½ lb.‘ 1550, BKonolf. Rq. 203. S. noch Bd VIII 685 o. (1438, AaB. Urk.). — c) ausgelassen, lärmig. ,Damit [der Schulmeister] mög vernemen der schuoleren wol[-] und übeltuon, sol von im für und für ein lupus heimlich gesetzt und dem bevolhen werden, die cavillantes oder u-en . . . uffzuomercken.‘ um 1505, AaBr. ,[Die Jugend ist vom Chorgericht] von irem u-en nächtlichen schreyen uff der gassen, unflättigen gumpens und tantzens abgemanet worden.‘ 1592, BLeiss. Chr. 2, 91. ,Es soll auch ein Censor gsezt werden, uff die u-en Knaben Achtung ze geben.‘ 1622, MReimann 1914, 62. S. noch Bd X 1259/60 (Zwingli). ,U. wësen‘ uä.; vgl. Wësen 5a (Bd XVI 1865). ,Die stattknecht . . . sollend ouch ernstlich unnd flyßig uffsechen haben uff daz u. wäsen uff der gaßen ann fyhrabenden unnd hochen festen.‘ XVI., L StR. 2012, 368. S. noch Bd VII 1201 M. (1496, Z RM.). — d) schamlos, unsittlich. ,Das nieman nach dem, so man fürgloggen gelüt, vor kainem hus unzühteklich gebaren sol mit worten noch mit werken, noch


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Zacht, zecht, zicht, zocht, zucht: un-züchtig 1d

mit kainen unz-en dingen. Es sol ouch nieman kain unsuber lied singen.‘ um 1355, G Rq. 1995, 13. ,[N. wird beschuldigt, dass er] mit etlichen maitlin u. sich benommen habe, mit griffen und sonst.‘ 1560, CMoser-Nef 19511 , 445. ,Die wiber [auf Kreta] sindt nit allein an geberttenn u., sunders einer unerbarlicher bekleidung, sitzent uff der gassenn mit wyttenn ermlenn, das einer ire arm an den lyb mag sächen, so sy hanndt iren brüst nackent emplöst, glich als hettendt sy sych ouch selbs feyl.‘ PVillinger 1565/8, 323a. ,Nach abschaffunng deß gmeinen unzuchthuses [hat] das u. metzengsind sich nütt destominder nach und nach inn und umb die statt hin und wider sehen laßen, [und ,erbare lütt‘ sollen] verordnet sin . . . uff söllche metzen und u. gsind uffsehen ze haben.‘ 1576, L StR. 2012, 278. ,[Der Teufel als Kilter] seie zu ihro unter die Decke gelegen. [Dann habe] er sie . . . ohnz. betastet, und sie ihn an seinem Ding . . . angerührt. Dies sein Ding habe er in ihres Ding hineingestossen, welches ihro sehr weh getan.‘ Wast. Proz. 1701, 79. S. noch Bd VIII 324 u. (1541/3, Z Eheger.); XII 407 o. (BEnggistein Badordn. 1552/85); XIII 351 M. (Zwingli). 1523 u. (1597, Z Eheger.). 2013 o. (1653, BGsteig Chorg.). 2018 o. (1653, ebd.); Sp. 257 u. (1684, ebd.). ,U-e wīber‘, P r o s t i t u i e r t e bzw. Konkubinen. ,[Als Pfarrer verpflichte ich mich] min liebe muoter zuo einer hushalterin zuo mir ze nemen, sol ich mich wyter mit keiner andern hushalterin versechen und mich sonst ouch mit keinen unzuchtigen wybern beladen.‘ 1554, G Rq. 1951, 514. ,[Bei der Zitadelle von Antwerpen] sinndt ettliche Gassen . . . darinnen allein die u-en Weiber ihr Wohnung haben; werden ungestraft, den Spangeren unndt anderen Soldaten ze gefallen, da geduldet.‘ ThPlatter 1604/5, 681; s. auch Bd XIV 386 u. — 2. in der Fügung ,u-er knëcht‘, Scharfrichter (von B); Syn. Züchtiger. ,Daruf wir üch unsers willens berichten [näml.] dass wir unsern u-en knecht, den man nennt nachrichter, hinuf [nach BO.] vertigen werden.‘ 1528, B Ref. 913. ,Üwer u-er knecht ist noch nit by uns; wellend den ilends harab [nach Lenzburg] schicken.‘ 1531, ebd. 1427. — Ahd. unzuhtīg, mhd. unzühtec; vgl. Gr. WB. XI 3, 2311; ChSchmidt 1901, 385; Schm.2 II 1108; Fischer VI 286. Von hier geht wohl die hybride Lehnbildung surselv. malzihti ,unkeusch‘ aus, dazu malzihtidad ,Unkeuschheit‘ (Decurtins 2012).

z ü c h t i g e n zichtigu n: = zuchten (Sp. 265). 1. zu 1, wachsen lassen, vermehren uä. ,Der wynzenden von den nüwen räben am Stouffberg, so kürtzlich allda gepflantzt und gezüchtiget sind worden oder harnachmals gezüchtiget werden möchten.‘ 1562, B RM. 3, 135. ,Barbam submittere, seinen bart z. und lassen wachsen.‘ Fris. ,Die schützen [sollen] widerumb geufnet unnd getzüchtiget‘ werden. 1569, FMarti 1898, 48. S. noch Bd VI 1832 M. (1560, ZStdt). In der Waldwirtschaft. ,[Ein Schiedsgericht hat geregelt] wie man die höltzer z. und die höw ußtheylen sölle.‘ 1562, Z Rq. 1915, 71. ,Was sy also ushowen und schwenden, sollen sy widerumb inschlachen und zuo holz z. und pflanzen.‘ 1565, AaWett. Arch. 1129. ,Es habents myn gnedig Herren gern, wenn man Höuw und Holzwachs züchtige.‘ 1606, ZEgl. S. noch Bd VIII 103 M. (1563, AaB.); X 1569 M. (1544, Z RB.). — 2. zu 2, bestrafen, streng erziehen PAl. (Giord.). Z., castigare, disciplinare, correggere. ,Swer wider den friden tuot [zwischen ZStdt und ZWth.] das man den an libe und guote z.

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und besserren sol.‘ 1342, Z StB. 1, 166. ,Dez gotzhus eigenman sol nieman z. umb sin ungenosse wan das gotzhus.‘ 1351, Aa Rq. 1926, 14. ,Mit dem predicanten zuo Mammern ist geredt, daz er seine haußfrauw und jugend z. lerne, namlich das die frauw mit uberflüssigen klaidungen dem nebenmenschen ein ergernus gebe . . . und nit schnabellres seye.‘ 1530, Th Beitr. 18, 52. ,[Der Anna N.] hat man fürgehalten, wie daz sy ihren Kinderen gar zue vil nachlasse, sy nicht züchtige und straffe.‘ 1616, BHind. Chorg. ,Daß Gott die Seinigen wegen der Sünden züchtige, bekennen wir auß Heiliger Schrifft gar gern.‘ Hott. 1666, 104. S. noch Bd VIII 895 u. (1606, Z RB.); XIV 1471 o. (Zwingli). Mit Angaben zur A r t d e r B e s t r a f u n g ; vgl. Stud 3bβ1 (Bd X 1374; s. schon d., mehrere Belege). ,[Falls jemand] sich nit welte lassen z. weder mit guoten worten noch mit streichen‘ usw. 1506, AaB. StR. 147. ,Ess ist ein ungleubliche antzal hexen by unss funden, darby wir sehend, dass der zorn Gottes billich über unss erbrunnen ist . . . das er unss durch dise hellische plag gezüchtiget hatt.‘ Wickiana 188. ,[Der] Knab Adam soll wegen Diebstälen vom Vatter mit der Ruetten im Thurn züchtiget werden.‘ 1633, BGsteig b/Sa. Chorg. S. noch Bd XI 2082 o. (B Landschulordn. 1700); XIII 176 u. (ThFr. StR. 1331). 774 M. (1574, B); XIV 125 o. (Z Mand. 1708). — Mhd. zühtegen; vgl. Gr. WB. XVI 269; Fischer VI 1289.

ū f - : entspr. 1. ,Weynräben, die an den böumen aufzüchtiget und gepflantzet sind.‘ Mal. ,Wann dann der N. sin guott widerumb . . . zuo holtzwachs ynschlacht und ze holtz laßt werden und uffzüchtiget‘ usw. 1579, Z. n ō t - : nötigen. Bs Stud. 1910. — Vgl. Gr. WB. VII 962; Fischer IV 2077; DRWb. X 21.

b e - : bestrafen. ,[Bekanntlich ist] von Gott, dem Almächtigen, die Boshaftigkeit, Sünt und Laster zu b. und die Rächt und Wolthaten und die Fromen zu beschützen ein Oberkeit ingesetzt.‘ 1702, Schmid u. Sprecher 1919, 194. ,Das Gesindel mit Stockschlägen b.‘ 1760, GStdt (Mandat des Abtes gegen Diebe). — B e z ü c h t i g u n g f.: Bestrafung. ,[Wer wegen Opposition gegen den erwähnten Vertrag angezeigt und überführt wird, soll] mit äußerster und strengster B. ohne einige Vermilterung abgebüest werden.‘ 1677, Zg Rq. 694. Z ü c h t i g e r m.: 1. Sittenwächter. ,Das inn ieder gmeind oder kilchhöre uffs wenigest zwen oder dry uffseher oder zuchtiger mitsampt dem pfarer verordnet werdind, die alle unzuchtigen beruofftind, inen ir laster underseyttind . . . und zuo besserung manind.‘ Sch Synodaleingaben um 1540, 156. — 2. „Scharfrichter †“ (St.2 ). ,Und wo einer . . . übertrette und etwan schaden täthe, derselbig ist verfallen ein glid von seinem leib und leben, und dem z. übergeben, waß todt er verschuldet hab, soll bey erkantnuß rechtens gesetzt werden.‘ 1592, PFoffa 1864, 196. — Vgl. Gr. WB. XVI 271; Schm.2 II 1108; Fischer VI 1289.

z ü c h t i g l i c h , ,züchten(k)lich‘, ,züchtlich‘: = züchtig 1 (Sp. 267). ,[Der Schulmeister soll weiter angestellt bleiben] wannt er doch ein semlich man were, der unsri kint also züchtlich, erberlich und wol züch und ler alz deheiner, den wir ie gehept hättent.‘ 1431, L StR. 2004, 133. ,Doch dass sölichs [sc. die Beseitigung der Altarbilder] züchtiklich, ordenlich und āne unfuor zuogange.‘ 1524, EEgli Act. 237. ,[In der Synode wird ua. vermerkt] das die todten nit zichtencklich zuo der


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Zacht – zucht: züchtiglich / Zad – zud

erd gestatten, die todten corpell nit tief gnuog begraben werden.‘ 1532, Bs Ref. 6, 82. ,[Es sollen] sich die pfaffen der weltlichen sachen . . . nützit beladen, sunder das gotzwort züchtigklich und cristenlich, darzuo sy geordnet sind, verkünden.‘ BSprüngli 1532, 47. S. noch Bd XIV 99 u. (Wernher ML.); XVI 1882 u. (um 1500, Z). — Deutlicher a) zu a, ehrerbietig. ,Hab ich dem fürsten z. angezeigt, waz sich ob dem nachtessen für reden zuogetragen und waz der panerherr versprochen.‘ HPant. 1578, 80. — b) zu b, anständig, sittsam. ,Das nieman sol nach der fürgloggen gan in der stat wan züchtklich und mit eim liechte, bi 6 s.‘ XIV., L StR. 1998, 33. ,[Die Zürcher, die nach Strassburg ans Schützenfest reisen, erhalten je] zwen gulden, doch das sy sich erbarlich, z. und früntlich under inen selbs und gegen andern lütten haltind.‘ JStumpf 1536, 1, 357. S. noch Bd V 1082 M. (um 1525, Z Mand.); XIII 850 u. (1492, Z RM.). — Mhd. zühteclich, -līche; vgl. Gr.

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HBossh. 1810, 183. ,Die Roheit der niedersten Tiefe umgab mich wie einen Z., der unter dem Abschaum der Menschen eingespert lebt.‘ HPest. 21, 358. ,[Der Verwalter soll den beim Strassenbau] arbeitenden Züchtlingen Wein und Brot aus dem Studentenamt verabfolgen‘ lassen. 1777, Hotz 1865, 2, 73. — 2. ,ein junger Stier ApH.‘ (T.); vgl. Züchtlen. — Vgl. Gr. WB. XVI 274; Fischer VI 3498.

Z ü c h t u n g f.: entspr. zuchten 1a, Anbau. ,[Also] habend wir . . . zuo uffnung und z. jungen holtzes sölich gmeine ordnung gethan.‘ 1592, B StR. 9, 350. S. noch Bd VII 1721 u. (1697, Z Rq. 1910); IX 222 M. (1606, AaMell. StR.). In okkas. Zss.: ,[Wald, den man] gerütet oder nüw ufbrochen [hat, ist nach drei Ernten] wäder zuo holtzz. noch weidgang tauglich.‘ 1592, B StR. 9, 349. — Vgl. Gr. WB. XVI 279.

WB. XVI 271.

u n - : = un-züchtig 1 (Sp. 268). a) anmassend, beleidigend. ,[Wenn jemand] in dehainem rat unzühteklich gebarti ald wurbi mit rede oder mit werken, das da ain burgermaister oder ain reder den für sich dar sol haissen ussgan, und sol dann der selb rat sich erkennen, ob er buosswirdig sie.‘ 2. H. XIV., G Rq. 1995, 58. ,Als sich A. gegen B. über den statfriden, der im durch C. gebotten ist, unzuchticlich bewißt hat‘ usw. 1470, AaRh. — b) schamlos, unsittlich. S. Sp. 268/9 (um 1355, G Rq. 1995). — Mhd. unzühteclich, -līchen; vgl. Gr. WB. XI 3, 2313.

Z ü c h t i g u n g f.: 1. Aufzucht. S. Bd XV 265 o. (1567, Z RM.). — 2. Bestrafung. ,Castigatio, ein straaff oder besserung, z.‘ Fris. ,Din z. hab ich angenommen wie ein ungezämt kalb.‘ 1525/1707, Jerem. 31, 18; ,gezüchtigt.‘ 1868. 1931; ,zurechtgewiesen.‘ 2007. ,Daß er uns unsere vilfaltige Sünden [verzeihen], seine wolverdiente Straffen und Züchtigungen von uns fehrner abwenden . . . wolle.‘ 1694, Z (Bettagsmandat). S. noch Bd VIII 1557 u. (HBull. 1597); XII 845/6 (1670, B Blätter 1907); XIII 1701 M. (FWyss 1672); XIV 378 u. (ebd. 1673). — Insbes. a) in der Schule. ,Von der Z. Darzu soll niemalen ein Stecklein gebrauchet, nur mit der spitzen . . . Ruten und auch hiemit selten gefitzt werden.‘ 1744, Bund S. 1944, 20. Febr. S. noch Bd III 1561 u. (Z Landschulordn. 1719); XII 417 o. (Mal. 1593). — b) in der Justiz. ,Sölte er zuo einer z. diser ungeschickten reden über nacht im thurn ligen.‘ 1567, Z RM. ,[N. soll] bis jetzt frytag im nüwen thurn zur z. synes unguoten mundts liggen.‘ 1580, ebd. ,[Den Bergwerkbetreibern wird] ouch zuogelaßen die strafen und züchtigungen aller gemeinen burgerlichen frävlen und muotwillens in iren hüseren, höfen . . . begangen, söliche nach bergwerchrecht ze strafen.‘ 1589, B StR. 9, 325. S. noch Bd VII 1312 o. (1598, Z RM.); XII 133 u. (Z Mand. 1627); XVI 1251 M. (1638, Z Eheger.). — Mhd. zühtegunge; vgl. Gr. WB. XVI 272; Fischer VI 1289.

Z ü c h t l e n B; LE., Z ü c h t l e r e n F — f.: = Zuchterin (Sp. 266), „Bruthenne F, Muttersau B; LE.“ ,Ein Züchtleren mit 9 Färlinen.‘ 1638/9, BInt. (Amtsrechn.). Z ü c h t l i n g m.: 1. Sträfling im Zuchthaus Z †; vgl. Zucht-Hǖsler (Bd II 1738). ,Im Heumonat wurde verordnet, daß die alten und jungen Züchtlinge männlichen Geschlechts in der Sihl baden müßten . . . allein, ich wäre um alles nicht in meinem Züchtlingskleide mit dieser Karavane in die Sihl hinaus gewandert.‘

Zad, zed, zid, zod, zud Vgl. die Gruppe z-t(t)

Z a d ë l l e n s. Zidëllen. Zader GrNuf. (Trepp), Pr. (JCasal 1991), Z ä d e r GrFid.; W, so Vt. — m., Z a d e r e n GrHe., Pr., Sch., UVaz, Valz.; GOberr., Zādre n GrChur, Z ä d e r e n GBalg. — f., Pl. Zadere n GrSch., Zādere n GrMu., Zadre n GrD., Zädere n GrFid., Rh., Schs, Dim. Zäderli Gr, so He., L., Valz.; GNessl.: 1. a) schmaler Stoffstreifen, Fetzen GrD., Mu., Rh., Tuchstück WZerm.; Syn. Zoder 1; vgl. Huder 1 (Bd II 999). Dinna hed [die Hausfrau] Hudre n zerschrenzt für en Hudrendechi, und di f īnre n Zadre n sin au ch allein uf es Hǖffeli cho n; van denen hed ’s de nn sölle n Söck gën. HValär 1955, 47. — b) (Dim.) kleine Fransen GNessl. (JFeurer). — c) (Pl.) aneinanderhängendes Wurzel- und Mooswerk Gr Mu. — d) ,ungeformtes kleines Fleischstück‘ GrNuf. (Trepp). — 2. Faden von zähen Flüssigkeiten, zB. Käse GrD., Rh., Schleimbänder, die brünstigen Kühen aus der Scheide hängen GrRh.; Syn. Trom 4cα (Bd XIV 1008). ,Anzeichen der Brunst [ist ua.] Schleimabsonderung . . . wobei der Schleim oft ganze Bänder, Zädere n, Schlīmskëlle n bildet.‘ CLorez 1943, 170. — 3. a) Dolde, Traube, Büschel mit Früchten, zB. Holunder GrChur, He., Pr., Sch., UVaz; Syn. Rapp III a (Bd VI 1182, wo Weiteres), auch Zaslen, Zatteren. E n volli Z. GrChur (PZinsli). Dëre n Zadere n mid ere n ganze n Tschuppe n Chriesi dran. ABüchli 1958, 499 (GrMolinis). [Kirschendiebe wurden durch Zauber gebannt.] Di Zadere n Chriesi heind š’ g’hebt in der Hand . . . aber ësse n heind š’ keini chönne n. ebd. 621 (GrPraden). — Insbes. α) Weintraube übh. ,GrLüen, Malad., StPeter‘ (SDS.); Syn. Trūb 1a (Bd XIV 190). — β) verkümmerte, wenig Beeren tragende Weintraube Gr Chur, He., Pr., Sch.; GBalg.; Syn. Tschänter (Bd XIV 1754); vgl. zaderen a. — b) ,Wiesenspierstaude‘, wohl Ulmenblättriger Spierstrauch, Spiraea chamaedryfolia L. GOberr. — 4. vernachlässigter Mann, armer Kerl WVt. und lt Grichting; Syn. Zädri, auch Zoder 2, Zūdler b, Züttel. Er ist e n rëchte r Z. WVt. — Vgl. Gr. WB. XV 20 (,Zadel 2‘); Fischer VI 3449; Unger-Khull 641. Die Angaben zum Sg. sind (ausser bei Bed. 4) selten und eher zweifelhaft; lt BSG. XIX kommt dieser übh. nicht vor.


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Zad, zed, zid, zod, zud: Holder-Zader

H o l d e r - : entspr. 3a GrHe., L., Sch., Valz. Z’letst heind düe no ch d’ Spatze n die dürre n H.-zadere n g’lērd. ChrPatt. T r ū b e n - : entspr. 3aα ,GrCont., Malad.‘ (SDS.); Syn. das Folg. G e - z a d e r n. Nur T r ū b e n - ’Zader: = dem Vor. ,GrFid., Furna‘ (SDS.). z a d e r a c h t zāderecht: = dem Folg. a GW. E n z-i Trūbe n. — Vgl. (in and. Bed.) Fischer VI 1024. z a d e r e n . Nur Ptz. Prät. (ge-)zader(e)t (bzw. -ā-): a) mit wenig Beeren behangen, von einer Weintraube GrChur, Furna, Mai., Mal.; GAu, Bern., Wl., W., Vilt.; Syn. das Vor., vgl. dazu unter Trūb (Bd XIV 193 M.; s. schon d.). Die Trūbe n sind gezaderet GrFurna. — b) (Früchte) mit dichtem Behang GrPr. (JCasal 1991, 127). Grad gezaderet Öpfel hed ’s g’han, die Äpfel hingen so dicht wie die Beeren des Holunders. v e r - : a) im Part. Prät. = dem Vor. a GrHe. — b) zerzausen GrSeew. (JCasal 1991). z e r - : a) (zu Fasern) zertrennen GrD. — b) verstreuen GrS. (PZinsli); Syn. ver-zauderen, auch zatten. Im Spruch des Wildmannlis: ,Je mehr du zerzadrest, je weniger du hattest.‘ — z e r - z a d e r e t , in BBr. -zädret: a) zerzaust, flockenartig GrPr. Z-i Schnēhilbi. MKuoni 1884, 77. — b) verstreut. Zerzädret, tschuppelliwīs und pärliwīs . . . chlëbed jungi Rusti ng [die jüngeren Zuschauer wīter uehi n im Umkreis des Schwingplatzes]. AStreich 1948, 48 (BBr.). Z a d e r e t e n (bzw. -ā-), in GrD. Zadrete n f.: a) Menge, Gewirr von Fasern GrD. (Schmid-Issler). — b) Anhäufung von kleinen Weintrauben GrIg. (Tsch.). Es ist nu n e n Z. — Vgl. ,Jutz II 1672; Allgäuer 1765‘ (-ä-). z a d e r i g (bzw. -ā-): = ge-zaderet a (s. o.) GrChur, He., vPr., Valz.; GW. G e - z ä d e r ’Zǟder n.: Nervenstränge im Fleisch GGr. (Eggenberger-Schäpper); Syn. Ge-ǟder 1 (Bd I 88). z ä d e r l e n -ǟ-: Trauben nachlesen GSev.; Synn. nāch-süechlen (Bd VII 236); spiglen (Bd X 59). z ä d e r l o c h t : zerfranst oä. ,Umb die großen kappen und zederlocht zerhouwen gewand ist kain ban.‘ Sch StB. 1385, 96 (Schneiderordnung). Z ä d r i m.: = Zader 4 (Sp. 272) W (Grichting). zauderen I (bzw. -ou-, -ai- usw.), in LSurs.; SchwE.; Obw, so E.; WLö., Zerm. z ū d ( e ) r e (bzw. -ǖ-, -öi-, -ui-; -u n ): 1. wie nhd. zaudern; j. verbr., aber nicht bodenständig; Syn. zūdlen 3, auch zāggen. Wa n de r Papa ine n g’fragt hät, was er wel li lēre n, hät er nit ’zouderet. Schmutz-Haas (FBrünisried). Es tüed numme n i lso z., richtig machu n chann ’s nix. Julen (WZerm.). — 2. flackern, von der Kerze WLö., Zerm. Nimm ëbe n d’ Cherza vam Pfeistersims, ši tüed a nfāh n z. Julen. — Nhd. zaudern; vgl. Gr. WB. XV 394. Neben den einem mhd. ou entspr. Formen kommen auch hyperkorrekte vor, die mhd. ū entsprechen. In okk. Abl.: ,[Eine Ehrensalve ist] sehr zaudericht heraußgekommen.‘ 1766, Af V.

Z a u d e r e r Zǖdrer m.: wie nhd. W, so Zerm. Es ist numme n en Z. Julen. Z a u d e r i (bzw. -ai-) m.: = dem Vor. AaF., Ke.; Obw; weiterhin. zauderen II SchwTugg. (ver-z.), -äu- Ap: streuen, verstreuen Ap (Sonderegger-Gadmer); Synn. zatteren, züttere n. v e r - : verstreuen, verschleudern ApK. (T.) und lt

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Sonderegger-Gadmer; SchwTugg.; Syn. zer-zaderen b (Sp. 273). ,[Beim Füttern wird das Heu] durch den Bare n verzauderet‘ SchwTugg. (Mat. SDS.). Z ä u d e r e t e n f.: was verstreut herumliegt, ,eine Sauerei‘ Ap (Sonderegger-Gadmer). T ǖ c h e l - Zäuderen f.: ,langer Holzstab zum Ausstossen von Wasserleitungen‘ Ap (Sonderegger-Gadmer); Syn. T.-Rueten (Bd VI 1838), auch T.-Zäuter. Zēdere n, ,Zeder‘ f., Pl. unver.: Zeder, Cedrus (libani); verbr. Uf dem Libanon gi bt ’s Bäum, die wërdi nd mē a ls zwöitūsi ng Jōr alt, die heissi nd Cēdere n, mit C g’schribe n, das s me n si nid mit Lǖte n verwëchslet, wo Zeder zum G’schlëcht hend. Vaterland 1899, Nr 40 (JLBrandst.). ,Der gerecht wird . . . zuonemmen wie eyn ceder auff Libanon.‘ 1525. 1530. 1868/2007, Ps. 92, 13; ,die cedern in dem Lybano.‘ 1531/89; ,ein cederbaum.‘ 1596/1707. S. noch Bd XIII 894 M. (Zwingli). — Mhd. cēder, z-; vgl. Gr. WB. II 610; XV 439, ferner Marzell DPfl. I 870.

ī n - zedieren: ( jmden) hereinbitten GrS. (Walservolch 1974, 56). Es arms Buebi [kam beim Ziegenhüten zum Stein, wo ein Wildmannli hauste]. D’s wilt Mannli ist fründlichs g’sī n mid em und het ’s ī nzediert in d’ Höli und ’ma Gemšchǟs z’ ësse n g’gën. Zedonia (xx́xx) Zede n Gr, so Pr.; GW. † (Gabath.), Dim. Zedeli GrHe., Pr. und lt St., Zedi GrPr.: Sidonia, weibl. Vorname; aaOO.; s. schon Sidonia (Bd VII 310). Sō wīt ’brunge n hed ’s ünši Zede n. MKuoni 1884, 10. S. noch Bd IX 508 u. (Schwzd.). — Vgl. Fischer VI 3462. Zëdel (bzw. gedehnt), in AaBb., Othm.; Bs; B -e-, in GRh. -eẹ-, in BoAa., E., Gals, Gamp.; S, so L., Schw. -ö- — m., in AaRued. auch n., Pl. unver. Aa; Bs; GW.; ZKn., Stdt, in B; FSs.; GrD., ObS., V.; SchwE.; TB.; Ndw Zëdlẹ, Dim. Zëdeli (bzw. -ili), in BFrut. (MLauber) Zedi, in PGr.; TB. Zëdelti: (einzelnes, beschriebenes oder bedrucktes) Blatt, Schriftstück; allg. Insbes. nach der Verwendung 1. a) (persönliche) Notiz, Erinnerungshilfe b) Blatt des Abreisskalenders c) (persönliche) kurze Mitteilung d) Kennzeichen, Etikette uä. e) als bildliche Darstellung oder Bühnenrequisit 2. Aufstellung, Liste, Verzeichnis Spez. a) Arbeitsrapport, Rechnung b) Fremdenliste oä. 3. Bekanntmachung, (behördliche) Anweisung. a) intern, Zirkular zwischen Ämtern und Instanzen b) öffentliche Bekanntmachung Spez. α) als Anschlag, bes. an Rathaus oder Kirchentür ) in der Kirche verlesen 4. Urkunde, formelle schriftliche Bestätigung eines Ausstellers Spez. a) amtliche Bewilligung, Ermächtigung b) Zeugnis, Beglaubigung c) α) Schuldschein, Wechsel β) Pfandverschreibung 5. a) Los, Gutschein udgl.


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Zad, zed, zid, zod, zud: Zëdel

b) Wahl-, Stimmzettel c) im Spiel d) für magische Zwecke 6. a) Schreibvorlage in der Schule b) (Dim.) das Osterpensum zum Hersagen für Kinder 7. mit Spottversen bedrucktes Flugblatt

Wa s isch t da s für e n Z.? AaF. De r Z. mit de r Telifonnumere n druf. LGehrig-Grob 2007, 33. I n mi ner Buebe nzit ist an’n Breitlou wenen mengs Jār min Ätti Pfander g’sīn. Di lösten Mëssbūren hei n ’mu den n alben im Herbst d’s Mëssbüechli aha r ’brācht, un d er hed si ch [zur Verteilung des Alpnutzens] hinder d’s Rëchne n g’macht . . . Mier hed Drätti g’seid, i ch chönn a nfahn u nd Zedelleni schrīben. Es Bīgelli hed er scho n vorhër z’wëgg’machts g’häben: Uf jedem Zedelli der Name n von em Būr, wa-n-an’n Breitlou wenen hed b’setzt. Uf en es jedes Papīrli han i ch jetz no ch müesse n schrīben: ‹Käse› u nd drunder ‹Ziger›. HHäsler 2001, 30/1. ,Besonders beliebt waren auch die Feuersteine, welche Zëdeli, dh. Papierzettelchen mit Liebesverschen, enthielten.‘ AfV. 6, 119 (AaF., Ke.). ,Und daamitt ir ettlichen gegenwürfen [d]ester baß möchtind begegnen, hatt er mir disen hye bygelegten z. überantwortet . . . hyeneben ist syn bitt an üch, ir wöllind disen z. by üwern handen bhalten.‘ 1558, QSG. 24, 48/9 (Fabr. an Bull.). Antwort ebd. 53: ,Dann der yngelegt zädel . . . den zädel hab ich uff üwern wytern bescheid behallten.‘ ,Den jüngsthin Hrn Schirmschryber Waßer überschickten ohngrymbten Zeddel.‘ 1678, Z. S. noch Bd XI 1392 u. (1646, Z). 1621 M. (1563, UMeyer Chr. 1540/73). Neben S y n . bzw. andern Formen der Aufzeichnung oder Mitteilung. Wo-n-i ch i n d’ Chuchi gōn, ligt dörten e n Brief vo n der Regula [die bei mir übernachtet hatte], also eige ntlech ke n richtige r Brief, mē so-n-e n Z. PLenz 2010, 105. S. noch Bd XV 742 o. (Walservolch 1974). ,Die erkanntnuß zwüschen den meisteren der zymmerlüten zunfft und dem Sprossen [soll] uff der statt buoch geschriben und den parthyen das zedeli und nit versigelt brief geben werden.‘ 1491, Z RM. ,Ich hatt üch vil ze schryben, aber ich wolt nit durch zädel unnd dinten, sunder ich hoff . . . mundtlich mit üch ze reden.‘ 1524/96, Joh. II 12; ,papyr.‘ 1596/2007. ,Istss üch müglich, so lond mich etwan durch ein zedlin uf min anbringen ein antwürt wisenn, oder gefaltss üch, so megent irss dem schuolherenn sagenn, wan er ungeverd an üch stost.‘ um 1544, Amerbach-Korr. 9, LVI. ,Daß kheinner der buochbinnderen, so die zunnfft zun kremeren nitt hatt, näbent den büecheren nützit annders dann dinten, fäderen, bappyr, schrybzüg, colennder, gemaalet unnd patroniert tafelen, zädell unnd schrifften feill haben unnd ynkouffen sölle.‘ 1576, QZZ. 351. ,Diewyl . . . ein nüwe, unzueläßliche Wyß und Formb ynryßen . . . wollen, namblich wa man ettwan gegen einanderen inn Spään gerathen, dieselben nit nach hergebrachtem, loblichem Bruch unserer frommen Vorderen fründtlich hinzueleggen oder mit Recht ustragen zue lasßen, sonder das . . . ein Parthy die andere us Raachgyrigkeit durch überschickte Zedell oder Schrifft an gwüße Orth bescheyden und den Duell uff Lyb unnd Leben ankünndt und erforderet‘ usw. 1646, L StR. 2012, 75. ,[Die Säumer sollen dem Simmentaler Aufseher] die Anzahl der bey sich habenden Pferdten angeben, darfür gegen Bezahlung zweyer Crüzer einen Schein oder Z. nemmen und sel-

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bigen [in Bern] dem Waagmeister und Inspectoren der Anckenwag übergeben. [Dieser ist angewiesen,] die von den Säumeren empfahenden Zedel auffzubehalten und in ein besonder Buch einschreiben.‘ 1739, B StR. 8, 73. ,[Dass der] vorderste gegenwärtige Vorgesetzte des Ohrts solches durch einen jungen, fruetigen und darby verständigen Mann gleich ohnverweilt eintweder mundtlichen oder noch beßer, wenn es möglich, durch ein Zedelin dem Vogt . . . berichten solle.‘ 1743, ZAnd. ,Ein Bote, der eilends fort will und nicht Zeit hat zu warten auf einen langen Brief, ja kaum auf ein kleines Zedelin.‘ JCMör. 1874, 44 (JJBreit.). S. noch Bd XVI 1449 u. (Spleiss 1667). Mit Angaben zum M a t e r i a l . Ei n Morge n [lag da] e n Bitz vom Packpapīr, wo d’ Mueter d’s Hemm dli het drī ng’līret g’ha n. Druf si n par merkwürdig Buechstabe n g’stange n . . . mi n het dë n Z. dänne n ’tā n. EBaumgartner 1991, 84. S. noch Bd XI 87/8 (HZulliger 1924). ,[Ein Kontrahent legt ua. vor] einen papirin z., darinn warden etlich artikel begriffen‘ usw. 1430, Zg UB. 381. ,Die artickel [der Wundärzte und Bader], so dann vergriffen sind in dem permentin zedell.‘ 1529, Z Ant. Mitt. 1931, 123. S. noch Bd IV 1565 M. (Fris.; Mal.); IX 865 u. (PvMolsheim). Insbes. nach der Verwendung. 1. a) (persönliche) Notiz, Erinnerungshilfe. I ch mues s g’schwind uf dem Zedeli luege n. RSuter. Rëchts in erẹ chlīnere n Schublade n het ’s . . . Bleistift und Zëdeli zum Z’säme nzelle n g’ha n. RFrutig-Leutwyler 33. Mir hei n i n si nem Outo e n Z. mit öi wer Adrësse n g’funge n BE. Uf emẹ Zedeli het es no ch es par Kom missiōne n ufg’schribe n g’ha n, aber es het nǖt mē möge n chouffe n. EBalmer 1925, 43. De r Wächter . . . nimmt e n wīsse n, verchrüglete n Z. us der Täsche n. Er macht e n glatt mit der Hand . . . und rüeft de nn langsam und tǖtli ch ūs: Wer schȫnes, junges Chuefleisch chauffe n will [usw.]. RStäger 1952, 37. ,Es solt ouch . . . allen erloupt syn zuo reden . . . ouch eynander zuo ratten, inblaßen, mit zedlen beholffen syn, wie es jedem wol keme, doch das alweg nun eyner redte.‘ JStumpf 1536, 1, 363 (Disputation 1528). ,Du wellest zuo doctor Bastion gon und im anzeigen, wie mich . . . der stuolgang angestoßen . . . um fürsorg willen so bitt in, das er mit ettwas an ein zedell verzeichne, so es wyder infiel, was ich gebruchen darzuo solle.‘ 1539, Amerbach-Korr. 5, 182. ,Zum andern wöllend wir auch . . . daß sy auch ihre predigen dermassen studierend und in kopf fassend, das sy die selben nit müessend vor der gmeynd uß dem z. läsen, das spöttlich ist anzesehen.‘ 1587, B StR. 6, 574 (Predikantenordnung). S. noch Bd XIII 359 M. (1511, ZElgg). In okkas. Zs.: E n so-n-es Fotzelzedeli mit erẹ Adrësse n druff. EBalmer 1923, 57. — b) Blatt des Abreisskalenders. [N. fürchtete sich derart vor dem Zahnarzttermin] dass er . . . am Morgen am liebste n grad zwöi Zedeli ab’zupft hätt vom Abrīsskalënder. UHafner 1991, 83. De n Z. (’s Zëdili) lëse n, nach dem Essen den Spruch des Kalenderzettels vorlesen, in ausgeprägt religiösen Familien SchSchl., Stdt (HWanner). — c) (persönliche) kurze Mitteilung; s. schon o. Brūchsch t nume n mi nem Güeterbueb es Zödeli mitz’gë n; er bringt ja all Tag zwuri d’ Milch i n d’ Chǟshütte n. Loosli 19101 , 73. Der Z. het es ērst lang nachhër g’funden und sech du e der Chopf zerbroche n, warum der Fritz Gatschet nid e n chlin es süberers Papīrli g’funde n heigi für si ns Message. RvTavel 1924, 156. ,So wir ab dem berg komen sind an die ebeny, do [wurden wir von einem


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Zad, zed, zid, zod, zud: Zëdel 1c

Geleitzug des Landvogts empfangen] dann wir im ein z. geschickt hatten, er solt uns siner knechten nit me dann zwen schicken, dann wir vorchtend den nebel.‘ 1474, Festschr. Welti 118. ,Der pfarrer [N.] und ander unser kirchen meßpriester . . . sind etlich monat fürgefaren, biß hernach eegenanntem pfarrer die meß durch ain zedeli, darinn an warnung gestanden, sam im etwas gefar begegnen möcht, abgeschreckt worden, und demnach die andren meßpfaffen . . . vorzuo ainer dem anderen nach darvon krochen.‘ Kessl. 205. ,Ich habe diesen Tag von Herrn Stenglin 2 Zedul empfangen, dorin er berichtet, daß mein Sach von den Herren Französischen Plenipotentiariis nach meinem Begehren bewilligt.‘ JRWettstein 1646/7, 220. ,[Dem Gefangenen sind] Mitel gegeben worden, das er ein heimlichs kleines Zedelli hat können nur mit Bleywiß mit wenig Worten seinen Fründen schriben, das sy kein Gelt mehr schickhen sollen.‘ M. XVII., Th Beitr. 13, 64. ,[In StGallen dachte ich mir, ich möchte] die schönen Gegenden am Bodensee und des schönen Rheinthals noch einmahl sehen und meine lieben Freunde dortherum besuchen . . . frisch ein Zedelchen heim gesandt, das mein Weibchen ohne Sorge sey.‘ 1794, UBrägg. GA. 3, 530/1. — d) Kennzeichen, Etikette uä.; vgl. Prīs-Z. [Wenn ein Postsack eintraf ] dinn isch t es immer glīch g’sī n: der Lëdergurt vum Sagg öffne n, d’s Zëdeli mit d em Stimpfel vum Taldorf e nwëg ni n . . . ūsleire n. HBHobi 1988, 19. U nd de nn hätt i ch allergatti ng g’ha n z’ chrǟmere n. [Ich schaute mir zunächst die Auslagen der Geschäfte an.] Heitere nfanen abenangere n, was dörffe n die uf d’ Zödeli schrībe n! SGfeller 1921, 57. Bim Silberzǖg [das der Verstorbene hinterliess] si n Zedeli, dir wërdet g’seh n, für wën es isch t. RIscher 1903, 158. S. noch Bd XIII 1779 o. (Alpenr. 1872). ,[Die Schätzer sollen] die Wahren [bei der Ankunft] schetzen [und] den Inhalt der Schatzung uff jede Stuck und wie es der Wahren Glegenheyt ervorderet, durch ein ufgehefftes Zedelin, daruff ein Bär getruckt und das Wärt der Wahren geschryben syn soll, jedermencklich offenbar und kunstbar machen . . . damit die Wahren nit thürer geben werdint, dan die Schatzung vermag.‘ 1616, B StR. 8, 582. ,Vieh-Theriak [ist zugelassen unter der Bedingung] daß solcher mit einem auf die Geschirr zu hefften[-] oder truckenden Zedul verwahret oder bezeichnet werde, daß solcher nur für das Vieh zu gebrauchen seie.‘ 1742, Z Ant. Mitt. 1927, 95. — e) als bildliche Darstellung oder Bühnenrequisit. ,Gabriel hat den z. des gruoß am scepter allein, so er Mariae verkündt, sonst nit.‘ L Bühnenr. 1583, 326. ,Ulrich der Stiffter [des Klosters von Schuls] steht auf dem Grab in Gestalt eines Kriegers abgemahlt und helt in seiner Hand ein Zädelein, darinnen volgende Reimen auf Latein geläsen werden‘ usw. Guler 1616, 126r. 2. Aufstellung, Liste, Verzeichnis. De r Boss . . . ziehd es Zëdeli füre n. Der Äschme nn cha nn ’s nöd lëse n, aber er g’seht, das s es en Ūfstel li ng isch t: jedi Zile n fangt mit emẹ Strichli a n. VSchobinger. S. noch Bd XVI 1465 M. (JKuratli 1958). ,[Wahl des Kleinen Rates:] Daruff so geben die venner einem stattschryber den z. der uffgeschrybnen rhätten, und lißt man die, und hat man uff ieglichen ein besonder frag . . . und wellicher die mere hand hat, der ist erwellt.‘ 1527, B StR. 5, 95. ,Ordnung der stattknechten. Sy söllent ouch uff alle sachen, so . . . verbotten werdent, mercken, und so sy jemanden unghorsam sehent oder vernement,

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den selbigen leiden, und alle bsatzungtag, wann man sy wider bsetzt, jeder sinen z., was er desselben halben jars geleidet, für rat legen, damitt man iren flyß sehen möge.‘ XVI., L StR. 2012, 368/9. ,Basilius Amerbachius schreib mir [1558] von Burges, begert von mir den Z. meiner Reiß [von 1557].‘ FPlatter 1612, 347; s. Platters Brief in Amerbach-Korr. 10, 683ff. ,[Wenn jemand] solcher und anderer Bueßen halben abgestroft und die nit erlegt, darumb dan jederzeit ein Undervogt ein Z. haben wirt, so soll im ein ersam Gricht, wan er Ankleger, zue richten nit schuldig sin, er habe dan zuevor die uferlegte Bueß richtig gemacht.‘ 1623/34, Zg Rq. 776. ,[Künftig solle jeder] wan er sein Roß oder Vich an Berg schickt, schuldig und verbunden sein, ein Z. damit dahin zue schicken, darin verschriben seige, uf welche Beillen er sein Vich tribe und besetze, und selbige den Bärgvögten inhändigen.‘ 1654, BSa. Rq. 324; ähnl. ebd. 389. S. noch Bd IV 1864 o. (F Schulordn. 1577); XIII 440 M. (1500, Ap). 2060/1 (1662, Z); XV 432/3 (1510, B StR.). Neben Syn.; s. Bd IV 1883 u. (Z Ratschreiberordn. 1761). — Spez. a) Arbeitsrapport, Rechnung. Mit dem Stǖre n und Zeise n [hed ’s] immer schwēr g’ha n; de r G’meindamme n isch t vo n Zīt zu Zīt mit emẹ Z. gäg dem Hūs zue g’lauffe n. ALGassmann 19082 , 2. ,Daran hat A. verzert 10 s. dn., als man den B. berechtett, nach ains z-s.‘ 1455, Gr Jahresber. 1905, 25. ,[Wenn Fremde] ir rechnung handeln, so sol man inen die mal und suß nit ußrichten anders, denn so si in gschäfft der stifft hie sind, und sol inen der schaffner daz zedelli höuschen.‘ 1489, B StR. 6, 283. ,Wytter so schick ich . . . fur her Lienharten 2 lott guot wurtz, 1 lott ungeferbt würtz . . . Was die specery her Lienharten zuogehörig koste, findt er an disem zedelin von stuck z stuck verzeihnet.‘ 1539, Amerbach-Korr. 5, 211. ,Unnd also der kouff umb hundert unnd achtzig guldin beschlossen, daran sy ime uff darnach zechen guldin unnd das übrig sunst bezalen söltind, wie es die uffgerichten zädel mit wytern gedynngenn zuogebind, usswysind unnd vermöchtind.‘ 1560, UStutz 1912, 69. ,[Die] schlosser, wagner und seiler söllen alle wuchen, was sy zuo der statt handen gemacht oder geben, in einem z. ir rechnung einem buwmeister überanttwortten . . . damitt ein buwmeister sähe, ob das der statt ghöre oder das nottwendig sige.‘ 1571, L StR. 2012, 465. ,Meister N., der schärrer, hat diß jars an etlichem armen volckh sonderbar ze artznen abverdienet luth zedelß 15 lb.‘ 1596/7, B Blätter 1914, 9. ,Wann man dem Underbauwmeister und Hüttenmeister ihre Zedel übersicht, solle fürohin niemand anders darbey sein alß der Ober- und Underbaumeister sambt dem Bauwzahler und Hüttenmeister.‘ G StB. 1673, 365. S. noch Bd VIII 586/7 (1610, Z RB.); IX 839 u. (1598/9, Z Seckelamtsrechn.); XI 2193 o. (1556, ebd.); XIII 772/3 (SchwE. Kanzleikal. 1620); XIV 135 o. (Z Mand. 1694). 243 M. (1588, B). — b) Fremdenliste oä.; vgl. NachtZ. ,Der Wirt zum Affenwagen zeigt an, er habe jetzt 4 Tag lang 2 Brettigoüwer z Herbrig . . . Er schicke alle Nacht syn Zädel uffs Rathhuß.‘ 1622, Z. 3. Bekanntmachung, (behördliche) Anweisung. a) intern, Zirkular zwischen Ämtern und Instanzen. Der Schultheiss het dem Stātsschriber N. befolen, es Billiē z’ mache n [mit der Instruktion, dem Überbringer auf der Militärdirektion Schiesspulver auszuhändigen. Dort wird er barsch empfangen]. U nd de nn han i ch no chn-es Zedeli, seit der Chrǟje nbüel . . . Dë r Schrīber ist uf


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Zad, zed, zid, zod, zud: Zëdel 3a

der Stell ganz tūch worde n. EGünter 1908, 3/4. ,Die selben zwen zedel wisent und sagent gelich dero von Zug kilchgnossen und der lütkilchen daselbs rechtung und gewonheiten, das ein kilchherr . . . gebunden ist, ze tuon und ze halten.‘ 1435, Zg UB. 420. ,Herrn tächan ein zedeli, sin gestrig schryben sye vinster. Das er nochmals beid parthyen noch einest für sich berüeffen und dannenthin m. h. luter berichten, ob‘ usw. 1525, B Ref. 210 (B RM.). ,Ein z. an undersiechenmeister, verpietten, das si khein win verkouffend.‘ 1540, B RM. 3, 127. ,[Die ,wynzüger‘ sollen] ouch kein fass mitt wyn yemandem ze huß füeren, sy habend dann einen z. vom obersinner.‘ XVI., L StR. 2012, 382. ,Z. an schuolmeister der knaben halb, so in der cappellen bim cor ein wüest wäsen hand.‘ 1559, B Arch. 16, 646. ,Zedell an H. Aman uffem Rhadthuss, das er den zerströuwten Stattcroniken mit Flyss nachfragen und zuo Handen zuchen, ouch behalten solle.‘ 1613, B Anz. 1908, 285/6. ,[An alle Amtleute, vier Städte im Aargau, Freiweibel und Ammann, sowie] per Z. an die Umbgeltnercammer.‘ 1706, B StR. 8, 245; s. die Forts. Bd XIV 59 o. S. noch Bd IX 781 u. (1579, B); XI 2017 o. (1525, B RM.); XII 868 u. (1586, B Arch.); XIII 490 u. (1548, ebd.). — b) öffentliche Bekanntmachung. [In der Schule hat einmal] d’ Jumpferen e n Plakat an d’ Dire n g’hänggt und het g’sait: Maitli, ’s gi bt e n neji Ortograf ī, dō stōt ’s, wie me n vo n jetz a n muess schrībe n [und ich bin] in der Freizit an dë n Z. ane n g’standen und ha n die neji Ortograf ī g’studiert. AOehler 1912, 26. S. noch Bd XIV 749 M. (ABächtold 1940). ,Das N. gerett hette, wir tättind dem z. und dem eid, so der stattschriber gemacht hett, kum gnuog.‘ 1444, Z RB. ,Ir sollent ouch vonn keynem fürstenn oder herrenn pensionn oder schenckenen nemmen . . . sunder üch der zedel haltenn, wy dy deshalben vor jaren in alle zunfft gebenn sind.‘ um 1521, Bs Ref. 1, 32. ,[Am] 6. Martii Nachts circa 10 kam d Post von Wangen, weckt den Weibel auf mit Befelck, man solle angsichts diss Z-s sich fertig machen und mit der Fahnen auf Langenthal zue ziehen. Man schickte angentz in die nächste Dörfer und zoge fort circa 2 nach Mitternacht.‘ 1653, JB. des Oberaargaus 1960, 167. ,[Der Landvogt] ertheilt, wann die Schuld unstreitig . . . das dritte und acht Tag hernach auf gleiche Weis das vierte Bott durch gedruckte Zedul.‘ 1742, Aa Rq. 1922, 359. ,Seüchen, vielicht anstekente Krankheiten üsseren sich auch schon hie und da; vom Rheinthal her komen gedrukte Zedel auch hie her, wie mann sich in dergleichen Fählen verhalten solle; alles recht und gut, aber ich glaube, die Sache werde so gar übel nicht sein.‘ 1797, UBrägg. GA. 3, 669. S. noch Bd VII 1495 M. (1557, B RM.); IX 364 M. (Fris.; Mal.). ,Z. ūf die stuben‘; vgl. Stub 1bε (Bd X 1116). ,Z. uff die stuben [dass] sy daz almuosen in obern spittal schickend den varenden bättlern und jede stube ir tagwachtgelt dem buwhern schicke.‘ 1542, B RM. 1, 216. ,Z. an cantzel alhie und uff d stuben, verkhünden lassen.‘ 1564, ebd. 61; s. die Forts. Bd XI 1425 o. S. noch Bd V 401 u. (1546, B Ratsman.). — Spez. α) als A n s c h l a g , bes. an Rathaus oder Kirche. ,Als er zuo dem rathus komen sye, sye er alda gestanden und habe einen z., so an der thüren stüende, gelesen, da habint sich die zwen . . . für inn gestelt.‘ 1470, Z RB. ,Do schluog Oporinus [dem ich versprochen hatte, etwas Hebräisch beizubringen] an die kilchen an, es weri einer, der welte rudimenta

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linguae hebraicae läsen. [Zu meiner Überraschung stellten sich zur abgemachten Zeit 18 Burschen ein] dan ich hatt den zedell an der kilchentüren nit gesächen.‘ ThPlatter 1572, 81. ,Wan fürters [jemand] allhie ein ligend guot hat zue verkaufen, und so es ein haus ist, solle er ein zetel daran schlagen und feil bieten; wan denn zwen monat oder acht wuchen fürüber und [die] so den zug darzue hätten, ihme nit abzuekaufen begehrt [darf er es anderweitig verkaufen].‘ 1580, AaLauf. StR. 218. ,Er soll sich vom Wein enthalten, widrigenfahls ihme das Wihrt- und andere Wein- und Brandtenweinhäuser mit Anschlagung eines Z-s formalisch laut oberkeitl. Satzung verbotten werden solle.‘ 1727, BLau. Chorg.; vgl. Trink-Z. S. noch Bd IX 364 M. (Fris.; Mal.). In okkas. Zss.: Vor Taschendieben wird gewarnt [stand beim Bahnhof ]. Uf d em Schiff isch t wǟger wider so-n-e n Schelme nz. g’sīn. RIscher 1903, 273. — β) in der Kirche (vom Pfarrer oder Weibel) v e r l e s e n ; vgl. Chilchen-Rueff (Bd VI 686). ,In disem Monat wirdt ze Pfeffikhen der Vogtßkindern Rechnung gehalten undt am Sonn- old Feyrtag zuevor in den Kirchen Freyenbach und Feusisberg verkünt, lauth der Zedlen, welche auß hiesiger Cantzley hinaußgeschikht werden.‘ SchwE. Kanzleikal. 1620, 8. ,Weilen ungescheucht in den Wälden hin und wider Brönholtz gehauwen wirt, [wird verfügt] daß ein jeder sich bey MH. anmelde; zue dem End sol ein Z. in der Kirchen verlesen werden.‘ 1664, WMerz 1922, 73. ,Z. an (ūf ) [d] kanzel‘; s. schon o. ,Zedell uff cantzell: MH. wellen . . . nit mer gestatten.‘ 1537, B RM. 2, 97; s. den Zshang Bd XI 2103 u. ,Zedell an cantzel, das der hundtschlacher hie ist.‘ 1547, ebd. 2, 102; s. auch Bd XI 2115 M. (1559, ebd.); XIII 591 o. (1556, ebd.). 1979 u. (1585, ebd.); XIV 555 u. (1559, ebd.); XV 1737 o. (ebd.). Im engeren Rahmen des Gottesdienstes. ,So ferkü[n]t der prior den z., und wen der z. us ist, so fach an [sc. der Abt] die heren strafen.‘ Sch Allerh. Liturg. um 1480, 150. Sprw.; s. Bd III 377 u. (Sprww. 1824). 4. Urkunde, formelle schriftliche Bestätigung eines Ausstellers; Syn. Schīn 2c (Bd VIII 801). [Während der Versammlung] isch t der Undervogt g’gangen und het der Gränzbrief füre ng’no n und a nfoh n lëse n . . . Die Manne n si n chūm us dem Hūs g’sī n, isch t d’ Undervögti n ūfg’stande n . . . nimmt der Z. [und lässt ihn beseitigen]. EFischer 1922, 57; s. auch Bd IX 1261 o. ,[Ich, N.] hoffmeister . . . des conventz des gotzhus zuo Töss [habe am Gerichtstag] an einem z. verlesen derselben miner gnädigen frouwen von Töss und des dorffs gerechtikeit. Und als solich offnung beschach, fragt ich die richter des gerichtz, ob die offnung des frävels also sechs pfunt haller wäre, inmaßen der z. verlesen daz ußwysete.‘ 1454, Z Rq. 1915, 306. ,Nachdem er . . . des N. tochter zur ee gnommen und mit derselben zuo Utzistorf z kilchen gangen, lut sins z-s, so der predicant daselbst im deshalb geben‘ usw. 1555, B Turmb. ,[Die Äbtissin von Schänis habe denen von GG. verheissen] daz nach irem Dodt sye inen noch ein Fründtstuck durch ein Zedelin, was iro letster Will sye, bewysen welle.‘ 1611, G Rq. 1951, 257. ,So ein Knab von einem ehrenden Handtwercke uffgedingt wirt, so soll solliches alsbald in ein sonderbar Buech yngeschriben werden . . . in Bedencken, daß die Zedel, so hievor in Bruch und Üebung gsin, lychtlich mögen verlegt und verloren werden.‘ 1631, B StR. 8, 603. ,Ich bin eingedenk, das


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du über mich gredt hast an deines Vatters Ufal, du heiest mir 100 Guldi geben, da heige ich dir ein Z. geben, das ich dreuhundert Pfd empfangen habe, aber du bist gwüß ein fulen Landsverreter.‘ 1657, ZWall. [Der Premierminister] git mer es Zedeli, dass i chönn i dr ganze Stadt gastfrei sy. Da bin i gange ga z Mittag esse, wo-n-i ha welle. NBlauner 1783, 43. ,[Als Pfarrer habe ich] der Trämelbeth einen Zedul an den Seckelmeister unterschrieben, um 1 Paar Schuhe für sie anzuschaffen.‘ 1791, B Blätter 1911, 148. S. noch Bd VII 312 M. (Tyrolersp. 1743); XIII 512 o. (1615, Z Anz. 1919). 1662 u. (1523/40, Aa Rq. 1927). Mit Bezug auf die Herstellung z w e i e r g l e i c h l a u t e n d e r Dokumente (aus einem Blatt); vgl. Kërb-, Beil-, Spān-Z. ,Die selben zwen zedel wisent und sagent gelich dero von Zug kilchgnossen und der lütkilchen daselbs rechtung und gewonheiten, das ein kilchherr . . . pflichtig und gebunden ist, ze ton und ze halten.‘ 1435, Zg UB. 420. ,Zuo urkund so sind diser zedel zwen glich gemacht und ußeinandern geschnitten uff sant Frenen tag‘ usw. 1490, G Rq. 2013, 354. ,So han wir zwen glichlutend zeddel und brief gegen einandern lassen schriben und useinanderen geschnitten; wedere teil sin verlürt, so sol der ander disserem glouben, der sin noch vorhanden hat.‘ 1511, ZErl. ,Zuo urkund sind diser zedel zwen von wort zuo wort glichluttende ußeinander geschnitten harumb gemacht und geben yeder parthy einer.‘ 1518, AaRh. StUrk. 187. ,[Vor Gericht sagt A., es seien] 2 zädel gemacht worden beim kauf, sein zädel sei in einer brunst verbrunnen, man solle den zädel des B. verlesen.‘ 1536, ZGreif. ,Deßen zue wahrem Urkund so seind diser Zädlen zween gleichlautend gemacht, mit einer Hand geschrieben, außeinanderen geschnitten, damit, so der ein verlorn, dem anderen nüt desto weniger Glauben geben werden solle.‘ Guler 1624/5. Mit Hinweis auf einen Beweis der Zsgehörigkeit; vgl. Beil-Brief (Bd V 470). ,Des alles zuo worem urkund sind diser zedlen zwen glich an den wortten und mit disen ziechen [l.: ,-ei-‘] abgerissen und jeden teil einer geben.‘ 1518, Z Anz. 1978, 179. ,[Dieser Vertrag wird ausgestellt in] zedlen, zwen glich von wort zuo wort lutend gemacht, mit sametfüeglichen zeichen ußeinandern geschnitten.‘ 1524, WMerz 19311 , 48. ,Ūsgeschnittener z.‘; s. schon ūs-ge-schnitten c (Bd IX 1112) sowie die Abb. in Z TB. 1972, 72/3. ,Ich . . . han ein ussgeschnittnen zädel funden, wie min herren von Zürich mit N. ferkomen sind.‘ 1428, ZGreif. ,Der zoll zuo Liechtenstaig mit siner zuogehört . . . ist die nechsten zehen jar Stoffeln Müllern also verlychen lut zwayer usgeschnitten zedel; darnach mag man den aber verlychen.‘ 1495, G Rq. 1906, 278. ,[Der Betreiber eines Wässerungsgrabens durch ein fremdes Grundstück erklärt, man habe] sömliche gerechtigkeit [von N.] so domaln vermelte hofwisen ingehept, nach vermög zweiger ußgeschnittner zedlen, darumb ufgericht, erkoufft.‘ 1559, Z Rq. 1996, 174. ,Daß sie keinerley Brief, es seyen . . . Kerb- und außgeschnitten Zedel . . . und in summa was Brief oder Schriften es joch immer wöllen, durch ein andern Schreiber dann iederzeiten einen Stattschreiber zue Liechtstall machen . . . lassend.‘ 1603, Bs Rq. 2, 102. ,Des zue warem Urkunt so lassend wir, beid Teil . . . zwen glichlutend usgeschniten Zädel gägen einandern machen, und wan schon der ein verleit oder verlorn würde, der ander vorhanden sin und . . . bliben söle.‘ 1641, ZThalh. —

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Spez. a) amtliche Bewilligung, Ermächtigung. ,Gib gewalt Walker, vogt ze Entlibuoch, daz er ze Ruswil in dem ampt verkünd und gebiet [usw., mit dem Schlussvermerk:] Gib Walker des 2 zedilli.‘ 1427, L StR. 2004, 35/6. ,[Es soll, wer] sich hußhäblich in der statt Bern setzen will, anfangs vor schultheißen und rat erschinen und sy pittlich ankeeren . . . ine für einen hinder- oder ingesäßnen anzenemmen; wenn im dann . . . dasselbige erloupt und darumb ein z. geben wird‘ usw. 1544, B StR. 5, 139. ,[Geistliche dürfen niemanden verheiraten] er bringe ime dan von sinem venner einen z. und schin, wie er empfangen worden sye oder das ers ime erloupt hab.‘ 1550, F Gbl. 40, 77. ,[Der Verhörende bedrängte den Gefangenen, er] solte doch bekennen . . . wann und wievil Schwedischen er Baßzedel geben. Dann sy einen in Handen, zoch auch etliche Zedellin herfür und laß einen.‘ 1633, Th Beitr. 13, 61. ,[Auf den Pässen werden Inspektoren eingesetzt, die] gehalten seyn sollen, über die ein- und außführende Waaren die erforderlichen Zedlen einzuhändigen, damit selbige bey der Ein- und Außfuhr . . . gebührend controlliert werden können.‘ 1745, BInt. Rq. 600. S. noch Bd XI 1332 u. (Z Almosenordn. 1762). — b) Zeugnis, Beglaubigung; Syn. Wort-Zeichen 2b (Sp. 200). S. Bd XIII 386 u. (RMohr 1909). ,In einem särchli [hat man] einen ganzen, doch verwäsnen razen funden, darby ein geschriben zädelin, das diser ratz by 50 oder 60 particule [Hostien] gefressen . . . derhalb man in also wol vermacht und yngeschlossen hab.‘ Wickiana 90. ,[N. sagt vor Chorgericht, er] gehe anderstwo an Sonntagen z Predig [da er oft auswärts sei.] Ist erkent, man wüsse nit, ob sinen Worten ze glauben; er sölle, wo er z Kilchen gänge, dessen ein Zedeli etwan von einem trewen Menschen, der davon weiss, bringen und solchs inskünftig scheinbar machen.‘ 1669, BLeiss. Chr. 2, 124. I. S. v. Ge-sundheit-Z. (Sp. 305). ,[Bei der Abreise] haben wier ein (biliet) zedelin wegen der pestilentzischen Sucht von dem Stattnotario genommen.‘ ThPlatter 1604/5, 248. ,Den 4. Junij haben wier ein (bouletin) Zedelin, daß guter Luft zu Avinion seye, genommen, also lautendt‘ ebd. 256; s. die Forts. Bd XVI 4 o. — c) α) Schuldschein, Wechsel, ,kleine Obligation, Schuldanerkennung‘ B (Zyro); vgl. unter Wëchsel 1c (Bd XV 337 M.). Vgl.: I zeigen ihm [dem Banquier] my Wechsel, und da chunt e Commis, dä luegt uf ’s Zedeli und seit: c’est une bagatelle pour payer! NBlauner 1783, 32. ,Han ich im uff Martine ain z. gen an N., tuot 50 lb.‘ 1468, HCPeyer 1959, 185. ,An obgestelte [Schuld von] 99 Kr. hab ich ime geben 39 Kr. an Gelt und ein Z. um 60 Kr. auf Castlan B. Perrig. Also ist er bar zalt und ganzlich ausgewisen.‘ 1651, KJvStockalper 2, 228. ,Also blüb ich im schuldig 23 Pistolen . . . Dorauf hab ich im ein Z. geben an Herrn Castlan Jo. Perrig, der im zalt hat obgestelte 23 Pistolen. Also blyben wür mutuo quittantes.‘ ebd. 260/1. ,Den 26. Juny 1653 hab ich im ein Z. an Herrn Burlamac um 30 Pistolen geben. Die hat er empfangen.‘ 1653, ebd. 186. S. noch Bd XI 140 o. (Z Ratschreiberordn. 1761). 257 M. (1605, Z). — β) Hypothek, Grundpfandtitel mit festem Zinssatz Ap; Synn. Gült II 1 (Bd II 286); Zins-Brief (Bd V 498); vgl. Gülten-, Güeter-, Hūs-, Haupt-manns-, Boden-, Ver-sicherungs-, Sack-, Schwanz-, Stock-, Lībding-, Tërmīn-, Hand-wëchsel-Z. ,Zettel, Capitalbrief.‘ Ap Id. 1788, 336. Wër nüd vermag of de n Ze ns z’


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warte n, söll g rad ke n Z. chauffe n. ATobler 1902, 151. [Kauf interessenten gab es wohl,] aber di meiste n hand z’ lützel Gëld ūf’brōcht für d’ Anzali ng. Er häd schier ka n Z. mē g’ha n uf dem Hūs. ETobler 1986, 18. I ch ha n ’s ond vermag ’s, du chöndst-mer kän Z. ūf, cha nnst mi ch nüd plōgen ond fuxe n, sagt der Prahler. ATobler 1905, 199. Denn chond denn ëbe n das Pūrli . . . zome n Zëdeljüdli ond treit em dë n Z. a n [worauf es an andere Händler verwiesen wird, die ihm auch kein rechtes Angebot machen, so] das s er ëbe n . . . das Zëdeli mues s fare n lō n om 90, 80, 70, 60 oder no ch billiger. ebd. 1909, 81. S. noch Bd XI 1000 u. (ApA. Verf. 1854). ,Glegen guott: [dazu gehören auch] zinßbrieff, zedel unnd schulden, die den zinß gwünend, anglegt gelt, waß zinß unnd nutz gwünt.‘ Ap LB. 1585/1828, 156; s. auch Bd V 435 u. ,[Falls] auff einem Guett 2, 3 oder mehr Zedel stüendind, und es wurde der 1., 2. oder 3. Brieff oder Z. abgelöst, und einer wollte widerumb Brieff oder Zedel in des abgelösten Luckhen setzen, daselbe soll gäntzlich verbotten sein, sonder, so er mehr zedlen wollte, soll ers den anderen Zedlen nach setzen und aufrichten lasen mögen.‘ 1655, Ap Rq. 2009, 375/6. Luog da, das ischt ä Hypedek . . . Das ischt ä Verschreibig, ä Zädel, i dem sind mim Großätti sälig zwelfdousig Guldi auf . . . vor fifzg Jahrä versicherät wordä, und uf denä . . . hani noh fo vilä Gieterä und Alpä scheni Zisä. Talhochz. 1781, 17. S. noch Bd II 346 M. (Monatsbl. Heiden 1837); VI 783 u. (XVII./ XVIII., ApI. LB.). Uneig.: Das sönd denn mǟn-i ch no ch göltig Zëdel, das, näml. die erhaltenen Geldscheine. AHalder, Ch.-U. In fester a t t r. F ü g u n g . Ei nfache r Z. ,Ein einfacher Z. ist ein solcher, welcher nicht doppeltes Unterpfand hat; zB. auf das genannte Gut von achttausend Gulden ist das vierzigste Hundert noch ein Hauptmannszedel, das einundvierzigste Hundert hingegen giebt nur einen einfachen Z., weil er nicht mehr die Hälfte des Gutes zum Unterpfand hat, indessen ist er immer noch ein guter Pfandbrief.‘ Ebel 1798, 235. ,Alle Hypothekenscheine, welche man Hauptmannszedel, einfache Zedel und fliegende Zedel nennt, werden beim Kaufen und Verkaufen allgemein im Lande angenommen, nemlich ein solcher Z. von 100 Gulden nur für 80 oder 70 Gulden.‘ ebd. 126. Zweifache r Z.; s. unter Güeter-Z. 2, Stock-Z. ,Fliegender Z.‘; s. unter Haupt-manns-Z.; über-zëdlen. Guete r Z.; s. Bd II 538 o. Ledige r Z. S. Bd III 1207 M. (1865, ApSpeicher). ,Derjenige Pfandbrief, welcher der erste auf ein Gut, also der älteste ist, heißt ein lediger Z.; ihm gehen keine frühere Pfandbriefe vorher, und der erste Zedel ist immer, wie man sagt, ledig und loos.‘ Ebel 1798, 235. Ligende r Z., Hypothek, die vom Gläubiger nicht gekündigt werden kann; s. auch u. S. Bd III 1207 M. (mehrere Belege). Landrëchtliche r Z.; s. schon Bd VI 289 u. ,Zedelgant in Urnäsch . . . Fr. 990, liegend, landrechtlich, zu 90 Rp., auf N.‘ ApUrn. (Ins. 1878). Willige r Z.; s. Bd XV 1308 (willig e). Abzinsige r Z., Hypothek, die von Anfang an zu verzinsen ist; Gegs. landrëchtliche r Z. ,Seit Oktober 1860 werden nur abzinsige liegende Zedel errichtet, dh. solche, die von Anfang an zu verzinsen und mit 100% abzahlbar sind‘ ApA. ,Zedelgant in Urnäsch . . . Fr. 1240, liegend, abzinsig zu 100 Rp., auf N.‘ ApUrn. (Ins. 1878). Hinderschribne r Z.; s. Bd IX 1518 u. 5. a) Los, Gutschein udgl.; vgl. Lōs-Z. ’s Hauptbändigungsmittel [der Lehrerin, um 1890] sind 32 Zë-

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deli g’sī n, wo jedi Schüeleri n am Anfang vom Quartal übercho n hät. Für jedi Sünd hät me n ei ns mües se n abgën. Wänn ’s mē als sëchsi g’sī n sind im Vierteljār, hät ’s im Zügnis kei n gueti Nōte n me g’gë n im Betrage n [Später: Der N.] händ 32 Zëdeli im Vierteljār nüd immer g’langet ZStdt. Zëdulti werden heute anstelle der Tesseln verwendet, wenn man auslost, wer wann hüten muss TB.; vgl. Tässlen I 1 (Bd XIII 1752). ,Daß man [die Verteilung des Holzes] fürohin also vornemmen solle, daß vorderst die Haußgerächtigkeiten gezehlt, demnach so vil Zedeli als Klaffter erforderlich gemacht, numeriert, geloßet und jeder Haußgerächtigkeit das ihro, synem Zedeli nach zugefallene Holtz gezeiget.‘ 1708, Z Rq. 1915, 482. S. noch Sp. 200 u. (1526, EEgli Act.). Zëdeli zieh n, beim Auslosen; verbr.; Syn. Stëckli zieh n. Bei einer L o t t e r i e ; vgl. LotterīZ. Der G’mischt Chor vo n N. het no ch e n Tombola arangschiert . . . D’s Marī u nd der Ruedi hei n önmel o chn-es par Zedeli g’chouft. EBalmer 1925, 214. ,[Da trotz dem Verbot] viele Leuth sich unterstehen dörffen . . . Lottereyen oder Glükshäffen . . . anzurichten und offentlich darzu Zedelin anzubiethen‘ usw. 1732, B StR. 6, 973. S. noch Bd II 1012 u. (1472, Z Schiessen); IX 295 u. (1465, Z). — b) Wahl-, Stimmzettel; Synn. Stimm-, Wal-Z. I ch stimm dë n Z., wo ’s ‹Liberale Partei› druf haisst. HSchneider 1924, 12. ,[Zur Abkürzung der Wahlprozeduren solle künftig] durch Mittel des Loß Entscheid beschechen . . . uff die Form, wie man ansechen wirt, es sye mit geschribnen oder ungeschribnen Zedelin oder vergülten und versilberten Kügelin, wie zue Venedig brucht wirt.‘ 1614, B StR. 5, 193. ,[Es] sollen alle die, so in die Wahl kommen . . . iglichem seinen Nahmen auf ein Zedely geschriben, zusammen gerolet und in ein Sack gethan, gemischlet und sodan eines härauß gezogen‘ usw. 1740, BLaup. StR. 312. S. noch Bd IX 707/8 (1625, AaMell. StR.); XIV 325 o. (A. XVIII., B StR.). 634 u. (1641, ebd.); XV 1133 M. (Leu Lex.). — c) im Spiel. Er hettid sölle n di së lbe n Zëdeli lëse n, wo mer dō z’sämme ng’schrebe n hend, näml. beim Zëdelispil. Ap Kal. 1922. Zëdeli ūfrüere n; s. Af V. 22, 105 (AaWohl.). — d) für magische Zwecke; vgl. LukasZ. S. Bd XI 87/8 (HZulliger 1924). ,Die Segensprecher schreiben sonderbare Wort auf Zedul, naglen dieselben in den Häuseren an eine Wand oder Thür, winden sie an einen Steken oder henken sie, in seiden Bendeln eingewiklet, an den Hals; die sollen auch Krafft haben, Wunder zu thun.‘ Anhorn 1674, 787; s. auch Bd IX 756/7. ,[Einvernahme] wegen einiger verdächtig[er] und abergläubischer Sachen und Zeduln, so unter . . . des verstorbenen Hirtzenwürthes Verlassenschafft gefunden worden . . . 4 oder 5 wüste Zedul, darin lateinische Buchstaben und zu dreyen Buchstaben alwegen ein Creutzlin sich befunden.‘ 1705, AfV. 3, 129. ,Indeßen wurden bei dem Kloster Fischingen in einem Wäldlein etlich 100 Schweitzerbrügel, auch Doppelhaken und kleine Stuck in verborgenen Orten entdeckt, auch gar viel Zettulein funden, darauf dise Wort gestanden: Verbum caro factum est.‘ XVIII., Z. Ich ha selber au ein Zädeli by mir gha und ein Bätt drinn gschriben wider alle lutherische Find, es häd aber nüt wellen helffen. Ich kan zwar nit läsen; aber mä häd mir gseit, wänns einen nu im Sack träge, seigs scho gnug. Aber ich mey, ich heys erfahren, daß mir ein Schutz in den Arsbacken gangen ist. Ich glaub, es wäre besser gsy, ich hätt gar keis Zädeli gha. Gespr. (A.)


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Zad, zed, zid, zod, zud: Zëdel 5d

1712 (TTobler 1869) 67. ,[Die Berner haben den Gegnern] die zauberschen Zedel aus Wamsel und Hossen geklopft.‘ 1714, Lied. ,[N. habe] einer gewißen Gemeind . . . Raht und That samt einem gewißen Zedul gegeben, wie sie ihre verlohrne und bestohlene Gemeindslaad . . . widerumb bekommen könten.‘ 1739, ABärtschi 330/1. ,Ich weiß noch gar wohl, das ich in meiner frühen Jugent manchen Vorsatz gemacht, eine Schwachheit abzulegen, die mir Sünd düchte; da alles nicht helffen wolte, schrieb ich mein Vorsatz auf ein Zedelchen, hengte es an einem Faden an den Hals, das es mir auf die Brust hing wie ein Scapulier; aber s half auch nicht.‘ 1787, UBrägg. GA. 2, 553. S. noch Bd IX 1924 u. (RGwerb 1646); XII 853/4, (1701, Z); XVI 1672 M. (BSa. Arzneib. 1766). ,Gesëgnete Zëdel.‘ S. Bd VII 461 M. (Gwerb 1646; 1656, AaVillm. JzB.). Zum S c h l u c k e n . Gros smüeti wo lt scho n der dritt Tag dem Ching Brei choche n . . . Es schribt uf enes wīsses Zödeli mit Bleistift d’s ABC u nd schnätzlet ’s i n’ n Brei u nd verrüert ’s: D’s Buebli muess einist g’lirnigs wërde n u nd d’s Lēre n muess im ring gā n i n der Schuel. EBaumgartner 1991, 88. ,So nim unnd schrib drü zedeli unnd uff ein iettlichs zedeli dise wort: mimor + simor + mifar + sifar + unnd gibs dem roß inn in drey möcklinen brott . . . unnd bätt 5 patter noster unnd 5 ave maria, so gatt es hinweg [näml. ,die würm‘].‘ Rossarzneib. 1575, 122. Wie [ein Priester es] dena arma messischa Bura gmacht heige. Er heigena neimis gschriebna Zädeli z schlucka und den z glauba gä, si syget gfrora wie Isa und Stachel, und den händ si die arma Lüt daruff verlo und eusere Lüt tüfeli agriffa . . . Die Zädeli heigind nüd gnützet . . . es heige der Gfrörniß nüd gholffa, si sygind vo de eusriga all z todt gschossa worda, das sygind si. Göldi 1712, 43. S. noch Bd IV 661 o. (Gwerb 1646). In pejorativer Zs.: Ob es nüd meh Würkung häd, wenn ma d Lüt uß Gotts Wort stärcket und tröstet, as aber wie s ei Theil vo üwera Geistlicha gmacht händ, da si de Lüta asa dera Dräckzädeli z schlucka gä händ. Göldi 1712, 55. 6. a) (vom Lehrer hergestellte) Schreibvorlage in der Schule AaSt.; Synn. Vor-, Schuel-Z., auch Schrift 2aα (Bd IX 1579); vgl. Ā-bē-cē-Z. ,Mithin soll der Schulmeister die Zedel und andre Vorschriften außer den Schulstunden fertig machen.‘ 1778, Z Ges. 1779, 5, 137. S. noch Bd IV 997 o. (1719, Z Landschulordn.); IX 1585 M. (Z Landschulordn. 1637). — b) (Dim.) ,ehemals das Osternpensum zum Hersagen für Kinder. Darum so genannt, weil der Schulmeister die Aufgabe auf ein Oktavblättchen schrieb‘ ApTrogen (T.). 7. mit satirischen Versen bedrucktes (schmales, buntes) Flugblatt, das an der Fasnacht verteilt wird Bs, so Stdt; Syn. Fast-nacht-Z. Imenẹ Z. lōt men epper am Sail abe n . . . me n stellt eppis uf ’s Schäftli . . . Aber ai nfach eppis verzelle n, nai n, i ch glaub nit. Fir das isch t der Z. nit dō. Bs Natztg 1970, 21. Febr. (RBChrist). Dë r Z. isch t der brait Wëg ’druggt; so basst ’s zem Zircherg’frǟss. Fir ain, wo alls uff ’s Mōl verschluggt, het er grad ’s Schnur remëss! BsStdt (Kleinbasel 1925). Zumenẹ Z. vom N. gi bt ’s e n glatti Bigëbe nhait. Der Z. vo n annẹ 1953 . . . Der Entwurf isch t, wie das so iblig g’si n isch t, an d’ Bolizei g’schiggt worden und vo n dert mit Stämpel und Unterschrift, dass er in Ordni ng isch t, z’rugg ko n. Denn het men en in d’ Druggerei Wilhëlm g’schiggt, und vo n dert isch t er mit folgendem Biglaitbrief z’rugg ko n: ,Den mir . . . übergebenen Fasnacht-

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zettel sende ich Ihnen in der Beilage zurück, mit der Bitte, denselben irgendwo anders drucken zu lassen. . . . ich habe wirklich keine Lust, mich ein zweitesmal vor Gericht zitieren zu lassen‘ BsStdt (Chronik der Herremättli-Clique). Mhd. zëdel(e), -e-; vgl. Gr. WB. XV 814; Martin-Lienh. II 916; Jutz II 1704; Allgäuer 1781; Schm.2 II 1160; Fischer VI 1159. 3476. Der Stammvokal entspricht mehrheitlich mhd. ë, in Aa (tw.); Bs; B; S jedoch dem Primärumlaut. S. noch VALTS I 130 (mit Angaben für GRh.). Zur Entlehnung ins Rätorom. (cedel) s. WB. Rätorom. 169.

Ā - b ē - c ē - : Blatt für die Grundschüler mit einer Aufstellung aller Schriftzeichen L; Ndw (Matthys). ,Man klebte uns beiden den ABC-Zettel auf ein Brett, damit er länger darhalte.‘ HIneichen. A b e n t ǖ r - : entspr. 5a, Los; vgl. Aventǖr 5 (Bd I 103), zur Verlosung Bd II 1012 u. (1472, Z Schiessen). ,[Bei der Verlosung am Zofinger Ulrichstag werden] die a.-zedel [alle herausgelesen].‘ 1484, Arg. 33, 21. E i d - : (Schriftstück mit der) Eidesformel der Untertanen. ,Eydzädel miner herren lybeygnen lüthen zuo Warthouw. Erstlich wärdennd ir schweeren minen gnädigen herren lanndtamman unnd rath, ouch ganntzer gmeind zuo Glaruß alß ire lybeygne lüth unnd iren frommen, nutz unnd ehr zuo fürdern unnd iro schadenn zuo warnen unnd zuo wännden, ouch ir ampt zuo behalttenn nach bestem vermügen zuo jeder zyth.‘ XVI., G Rq. 2013, 384. ,[Wir von der Tagsatzung haben] unserm lanndtvogt im Thurgöw ernnstlich befolhen, das er verschaffe, daz es inn den e. im Thurgöw geschriben unnd den edlen gerichtzherren und gemeinen unnderthanen im Thurgöw allwegen zuo zweyen jarren, wann sy einem lanndtvogt schweren, heitter vorgelesen werde, das ein jeder sin herrschafft unnd sitz keinem frömbden ußlenndischen herren nit zuo kouffen geben one vorwüssenn, gunst unnd bewilligung unnser herren der Siben Ordten.‘ 1557, Th. — Vgl. Fischer VI 1802; DRWb. II 1320.

A g a t e n - , Agẹde n: Blatt mit (lateinischem) Segensspruch, aufgehängt als Schutz vor Feuer oder (Vieh-) Krankheiten; kath. Schweiz; vgl. A.-Brōt (V 953), -Sëgen (Bd VII 451); z. Sache s. EStrübin 1991, 63, mit Abb. An der Türe n [des Stalls] hanget gäng ne n A. mit lätīnische n Sprüche n. JHofst. 1865, 33. Wo [d’] bi-ni ns furt bisch t, han-i ch der öppis vergësse n z’ gë n, lue g dō, der christlig Hūssëge n, wo-n-ig am Frau we ntag im Augste n vo n Mariastei n mit mer hei m ’brōcht ha n, und dō no ch-n-e n hȫchg’sëgnete n Agẹde nz., dë n . . . men a n d’ Stallstür chleibt. Schild 1885, 214/5. ,Wir hatten noch daheim im Stall einen Agathazettel imenẹ Rämli.‘ EStrübin 1991, 63 (BsPfeff.). ,Agẹde nzëdel machte man im Stall auf, in jedem Geisse nstal l. Ich früher auch, aber jetzt nicht mehr: Me n het sẹ nimmi bicho n, und die Junge n wei n nit mē wisse n vo n dëm Zīg. ebd. (BsEtt.). ,Gedruckte Agathenzettel mit dem Bildniss dieser Heiligen enthalten die Worte: Sancta Agatha, ora pro nobis, Mentem sanctam spontaneam, honorem Deo, et patriae liberationem. Sic in nobis sit. Omnis spiritus laudet Dominum. Psalm 150. [Diese Worte findet man auch an Türen] als unverstandene Beschwörungsformel, und zwar in der sinnlosesten Verstümmelung.‘ ABirrcher 1859, 21. ,Gedruckte Agathazettel sind wenig verbreitet. Sie werden in der Pfarrei Cham, der wohl einzigen in der ganzen Innerschweiz, während des Gottesdienstes abgegeben und über den


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Zad, zed, zid, zod, zud: Agate n-Zëdel

Eingängen zu Wohn- und Wirtschaftsgebäuden befestigt. Im Kloster Frauenthal schreiben die Schwestern ihren eigenen Agathazettel.‘ Wasser und Feuer (Cham 1988), 29, mit 2 Abb. ,Je ein geweihtes A.-zedeli, zwei Glücksruten und eine geweihte Kerze‘ gehörten zur Ausrüstung zweier Schatzgräber. EStauber 1915/7, 34. Zum Skeptizismus vgl.: ,Viele glauben in ihrer Dummgläubigkeit, wenn sie deutsche oder lateinische Sprüche an ihre Stallthüren kleben, Gott schütze hernach ihre Unvorsichtigkeit‘ beim Umgang mit Feuer. Schweizerb. 1823, 19. — Vgl. Martin-Lienh. II 916; Ochs WB. I 26; Fischer VI 1503. In AaNeuenhof notierte JLFrei den verstümmelten Wortlaut eines solchen Zettels: ,Montem + Sanctam Spondanium + Honoram deo et patria + Lieberatianem Sancta Agatha ora pronobis 1871.‘

I n f e l - : Inschrift betr. den Delinquenten am Pranger, urspr. auf einer papierenen Mitra (Infelen 2c, Bd I 327) angebracht; vgl. (mit weiteren Belegen) B Blätter 1929, 34/8. ,Ursules uß dem Emmental i. . . . Dise aberglöubige büebin [hat behauptet] sy füere mit frouw Sellden und dem Wüetisher, dadurch sy allerley heimligkeit moge wüssen.‘ 1519, B StR. 7, 533. ,[Des N.] i. . . . Diser lotter und buob [hat] biderben lütten das iro ingezogen . . . in sinen nutz bekert und vertan.‘ 1521, ebd. E i n - m ā l - e i n s - : Multiplikationstabelle, wie sie oft in Volkskalendern abgedruckt sind, zB. ,Das grosse Einmal-Eins.‘ B Hink. Bot 1913. Mi n Sach gī 2t langsam [näml. das Berechnen des verkauften Tuches], i ch nime n de nn morn der E. z’ Hülf. ELeuthold 1913, 48 (BG.). Ō s t e r - : = (verkürzt aus) Ō.-bīcht-Z. (Sp. 299) FSs.; vgl. Ōsteren 2 (Bd I 583). [Nach Ostern ist der Pfarrer] zue-n-i ns hī 2m choẹ n, cho n de n Stal l g’së gne n u nd d’ Oẹ.zedlen ī nzieh n. PBoschung 1986, 139. D’ Schwǟgeri n het albe n nit lugg g’lān, bis er o ch an Oẹ. abg’gë n het. Si isch t ’mu nie druf choẹ n, dass er as par Māl ī 2na hī 2m’brācht het, wa ’mu nit der Pfar rer g’gë n het. Er het drum denn ī 2na b’chennt [der mehrmals beichtete] u nd na hi n het er siner fürige n Oẹ.-zedlẹ dene n vergremplet, wa ’mu eppis z’ sūffe n ’zalt hī 2 n. ebd. 1991, 24. Ë x a m e n - : Probeschrift der älteren Schüler zum Abschluss des Schuljahres B; Syn. Ōsteren-Schrift (Bd IX 1584); Beispiele s. B Arch. 1986, Abb. 6 ff. Stunge nlang wird a n de n E.-zedlen ume ng’gäggelet un d ume ng’chribelet, mängist vor n a ng’fange n u nd nid lugg g’lā n, bis d’s hingerst Tüpfli bolzg’rad uf dem Ī steit u nd de nn äntlige n rīff isch t zum Abgë n. Me n weiss drum, dass me n na ch der G’schrift o ch dëme ntsprëche nt ī ng’schetzt wird. Grunder 1941, 54. ,Wenn nur das älteste Kind einen E.-zettel machen konnte, auf dem Buchstaben einen halben Zoll lang waren . . . so waren die Leute [mit dem Lehrer] zufrieden.‘ Gotth. (Hunz.-Bl.) 3, 346. ,So lang das Schulhaus stehe, sei es nicht erhört gewesen, daß e n sellige r wie ich [näml. der Sohn eines armen Webers] schreiben oder gar rechnen gelernt . . . ich müsse ihm versprechen, keinen E.-zettel machen zu wollen, es mache dann minder.‘ ebd. 2, 65. Vo g t ( s ) - : Vormundschaftsverfügung. ,Vogtsz. für [A., mit Gebühren für Stempel, Siegel, Ausfertigung, Weibel] Bz. 12. Auf eingelangten Gemeinds-Vorschlag hat [B., der] Oberamtsmann von Signau, der Wittwe des C. sel. von Signau, wohnhaft im Drexlerhaus bey Lauperswil, zum Vogt verordnet den A.‘ BSign. (1819). ,Dem Herrn Landtvogt soll fürthin von einem Vogtzedell oder Byständery ze erlauben ein Mass Wyn be-

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zallt werden.‘ 1652, LWill. Rq. 2002, 566. ,Ist anbei erkänt, daz alle Bevogtungen in der Kirchen verrüeft und denen Vögten die Vogtszädel geben werden.‘ 1764, G Rq. 1951, 479. ,Vogtsrechnung . . . Diese Vogtey nahme ihren Anfang, da Anna Käser [des] Hans Ulrichs Käsers sel. Witwe zur Tannen, sich wiederum verehelicht und es also um eine Theilung zu thun war, und ward den 3 Töchteren zum Vogt gesetzt Ulrich Morgenthaler zu Urwyl, laut Vogtz-s vom 14ten und 15ten Hornung 1792.‘ 1795, BLeimiswil. — Vgl. Fischer II 1618. Ū f - f a l l s - : Ankündigung bzw. Anschlag von bevorstehenden Konkursen; vgl. Ūf-fall 2 (Bd I 737); Ū.Rueff (Bd VI 685). ,[Es ist zu veranlassen] daß die Uffahls- ald Feilrüffzedel angedütem unserem Rahtschryber in der Wuchen auch by guter Zyt übermachet werdind, damit er hernach fehrners mit dem offentlichen Anschlag und Verkündigung derselben gebührend wyters fürfahren könne.‘ Z Auffallsordn. 1660, 15/6; s. das Vorangeh. Bd VI 685 M. ,Es beharret noch immerdar die Klag über das öffentliche Verläsen der Auffahlszädlen an h. Sonntagen morgens in der Kirchen nach verrichtetem Gottesdienst, da erst neulich 28 Auffähl uff 1 Mahl seigend verläßen worden, worüber jederman sein Gelächter ghan.‘ 1683, ZWth. ,[Einer] deme der Rathschreiber und Schuldenbott auch vast niemahlen von Haus kommet, ja, der nicht selten selber im Auffahlsz. angeschlagen stehet.‘ JJUlr. 1718, 80. B e - f ë l c h ( s ) - : amtlicher Erlass; vgl. B.-Brief (Bd V 450), -Schīn (Bd VIII 808). ,Alle Befelchzedel und Citationen an die Paursamme [werden von den beiden Weibeln] gestelt und geschriben.‘ 1727, LWill. Rq. 2002, 774. ,Accidentalia hat ein Großweibel . . . von einer Citation 10 β, von einem Befelchz. 5 β.‘ ebd. 787. ,[Einnahmen der Landschreiberei AaoF.] in dem Herbstgricht zu Auw und Mury . . . ein Befelchszedul 10 β.‘ 1722, Zurlaubiana 107/74. — Vgl. DRWb. I 1383. Vo r - : Vorlageblatt. a) in der Schule, = Z. 6a (Sp. 285) „Ap; Sch; Z“, so Kn., W.; Syn. auch Für-Schrift 1 (Bd IX 1585). ,Im vierten Jahre mußten wir den Katechismus und Psalmen auswendig lernen, Vorzedel abschreiben, singen und ein wenig rechnen.‘ 1770, Ap Kal. 1860. ,[Im Schreibunterricht werden den Kindern] Vorzädel von einem Spruche aus der h. Schrift oder einem geistlichen Lied gegeben.‘ um 1770, Z. ,Dass die Vorzedel künftig von den Hhen Pfarrern angegeben und solche Stücke gewählt werden, die dem Kind der Werth seyen, die Schrift sein Lebtag aufzubehalten und davon es im religiosen und bürgerlichen Leben Gebrauch machen könne.‘ um 1770, ZKyb. ,Mann giebt denen Kinderen anfänglich zu lesen des Schulmeisters schöne Handtschrifft, das sind die sogenannten Vorzedel oder Vorschrifften, die er meistens [aus einem best.] biblischen Historienbuch copieret.‘ 1771/2, ThBerl. ,Vorschrifften oder Vorzedel werden nur den Anfängeren zu dem Schreiben gegeben.‘ 1799, ThAml. ,Der Schulmeister schreibt den Kindern vor, Buchstaben, Wörter, ganze Linien, oder macht ihnen Vorzedel, welche aus dem Psalter und Felix Weisen Büchly oder sonst aus andern lehrreichen Bücheren gemacht werden.‘ 1799, ThKümm. — b) bei Wahlen. ,[Es war des Kandidaten] Geschäftskasse für jeden eine Hülfskasse, der nach dem Vorzettel zu stimmen versprach [da er ihnen Kredit gab].‘ AHartm. 1855, 89 (S). — Vgl. Gr. WB. XII 2, 2001 (mit schweiz. Belegen).


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Zad, zed, zid, zod, zud: Furier-Zëdel

F u r i e r - : Unterkunftsliste; vgl. Quartier-Z. sowie īn-furieren (Bd I 940). ,Unnd befandt sich auß den F.-zedlen die Anzal der Personen, so zue diser Hochzeit erscheinen sindt.‘ FPlatter 1612, 488. In okkas. Zssen: ,Summa summarum der Personen unnd Pferden, so vil man spetzificieren kennen auß den Privatf.-zedelen, thuet in Personen 819, in Pferden 746 . . . auß dem Generalf.‘ usw. FPlatter 1612, 492. — Vgl. Gr. WB. IV 1, 1, 753.

F u e r - : Dokument über die Beförderung von Gütern; Syn. Lad-Z; vgl. F.-Zeichen (Sp. 182). ,Wann dann der Wein ankomt [soll der ,Weinfuhrverwalter zu Murten‘] die Gattung und Quantitet desselbigen . . . gegen den Iferthischen Fuhrzedlen oder Attestationen examinieren, folgends samt der Zeit der Ankunfft [und dem Besitzer] in ein Buch oder Rodel geflissenlich verzeichnen.‘ 1685, BLaup. Rq. 155. ,Die Schiffleuth [dürfen] keine Kaufmanswaaren zur Wegfuhr einladen, sy habind dan zuvor einen aufrichtigen, getreuwen Fuhrz. mit Beysetzung deß Nahmens deßen, der sie wegführen last, der Gewicht und Qualitet der Waar in daß Kaufhauß eingegeben und die Gebühr davon bezahlt.‘ 1713, B StR. 9, 724. Im Zshang mit Reisegepäck: ,[Am 16. August] nachdem wier ein Fuhrz., für unsere Sachen fortzubringen, zu Amiens, wie man es pflegt ze thun, genommen, sindt wier‘ in Richtung Arras abgereist. ThPlatter 1604/5, 638. — Vgl. DRWb. III 1058. F a r b - : Anweisung zum Färben von Seidenstoffen Z (,im Innern des doppelten Streifens wird ein Müsterchen der gewünschten Farbe aufgeklebt‘); vgl. HDolder 1851, 13, mit Beispielen S. 80. ,Die rohe Seide wird nach dem Gewicht in einzelne Posten vereinigt . . . und mit F. versehen in die Färberei gegeben.‘ F a s s - : Lebensmittelbestellung an den Alpvogt. Nu n ei n Chrueg Kaffi langet halt nid [für die Gäste auf der Alp]. Der Alpmeister söll jō nid reklimiere n, wänn i ch widrum Kaffi uf dem F. ha n GrUVaz. — Wohl entspr. der militär. Verwendung von fasse n (Ausrüstung, Essen zugewiesen bekommen, übernehmen).

F u e t e r - : Vertrag zur Überwinterung fremden Viehs; vgl. F.-Schīn (Bd VIII 809). ,Die Verträge zwischen Küher und Bauer, genannt Heukauf, Futterrechnung oder Futterzettel, werden [im XVIII.] meist im Herbst geschlossen.‘ RRamseyer 1961, 47. ,Futterz. 1773. Ich [A.] habe dem [,Küeir‘ B.] Futer über Haupt verkaufft . . . diser Kauff ist ergangen um 260 Kronen.‘ 1773, ebd. 49. — Vgl. DRWb. III 1122. F l ī s s - : Zettel als Belohnung der Schüler für eine gute Leistung AaWürenlos; BFrut.; SchwMuo., Reich.; Uw; Zg. ,Auf dem Fl. war ein Engelbildchen und der Text ‹Dem fleissigen Kinde›‘ SchwReich. (um 1940). ,Gute Arbeit wurde [um 1936] mit einem Fl. belohnt, und für 10 Zettel erhielt man eine Schokolade. [Damit es dafür reichte] legten wir Knaben unsere einzelnen Zettel zusammen . . . Wir teilten die Schokolade untereinander auf.‘ Würenloser Blätter 2006, 35. ,Die Fleisszettel waren für mich ein hervorragendes Motivationsmittel [um 1976. Vorher:] Zwei Zettel bewahre ich bis heute . . . auf. Die übrigen habe ich umgetauscht in Modellbastelbögen von historischen Schweizer Gebäuden.‘ ebd. 36. [In der] Sunntigschuel . . . het ’s undermālen og es Fl.-zedi g’gë n, es Bildi. Es liepligs Blüemi ist druff g’sin [oder] es Vögi. MLauber 1950, 101. — Vgl. Ochs WB. II 176; Jutz I 947; Allgäuer 571. F r a c h t - : entspr. 2, Aufstellung transportierter Schweiz. Idiotikon XVII

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Waren (mit Angabe von Gewicht, Herkunft udgl.); Syn. Lad-Z.; vgl Fr.-Brief (Bd V 452). ,[Den Fuhrleuten von Ragaz wird gestattet] solche Ryßfäßer an dem Rhynufer aufzuladen und von da gradehin nach Wallenstadt abzuführen und sie hierzu mit Fr.- zedeln von dem Factor zu Ragaz versehen werden sollen.‘ 1794, G Rq. 2013, 1217. F r i d - : viell. = Fr.-Brief 2 (Bd V 453); vgl. Friden 2a (Bd I 1276). ,Es sölle ouch der lanndtvogt [von GT.] kuntschafft innemen und verhören . . . unnd sunst nieman gwallt haben kuntschafft inzuonemen, was den hochen gerichten zuostadt luth des fridzedells, wie das von allter har gebrucht worden.‘ 1540, G. — Vgl. DRWb. III 948.

F r ë s s - : kleines (improvisiertes) Stück Notizpapier, „Fetzen Papier, um darauf zu schreiben“; allg.; Syn. Fötzel-Bapīr (Bd IV 1416); vgl. Wisch 6 (Bd XVI 2121). Hesch t mer e n Fr.? LSurs. (Hüppi). Er hät sini di ganz Buechhalti ng nu n uf Fr.-zëdel g’ha n GW. (Gabath.). [Vor dem Briefkasten liegen] Fr.-zedeli vo n Fründe n, wo ei nem hei n welle n b’sueche n B. ,Der Brieff de anno 1602 [der die Ansprüche der Burger beweisen soll] ist eintweders ein einseithiges Scriptum oder Freßzettel eines Privatburgers, wie mehrere andere . . . allegierte Brieffschafften, oder hat der Concipist disen Brieff hinter den Ohren hervorgenommen. Er ist Schelms genug dazu.‘ ZRhein. 1747, 83/4. — Vgl. Ochs WB. II 228; Allgäuer I 589; Schm.2 II 1160; Fischer II 1746; VI 1950. Viell. bezieht sich das W. auf die ehemaligen, angeblich heilkräftigen Ess- oder Schluckbilder; vgl. dazu RWeiss 1946, 307; WB. Abergl. II 1055/9; IX 2, 351. 353.

F r a t z e n - : unansehnliches Zettelchen, Papierfetzen Ndw. Ve r - g i c h t - : Verhörprotokoll; vgl. Ver-gicht 1 (Bd II 109); V.-Brief (Bd V 454). S. Bd XIII 2031 o. (1471, BKonolf. Rq.). — Vgl. Fischer VI 1880. G ä g e n - : entspr. 4. a) = G.-Brief (Bd V 454). ,Item es ist ze wüssen mit disem gegenbrieff, daz wir schwestren in dem samlung hand meister N. [und dessen] dochterman ferdinget, unser 2 hüser uff dem kilchoff ze machen . . . und deß het er ouch ein gegenz. oder [-]brieff.‘ 1474, WMerz 1915, 197. ,Ein seevogtt zuo Sempach soll mit den vischeren uff den seew fahren unnd alle die visch, so sy fachendt, balchen oder bündelin, zellen, ann beylen und in sinen g., den er gegen den vischeren haben soll lut selbiger ordnung, ynschryben.‘ 1593, L StR. 2012, 397. S. noch Bd II 1253 u. (1719, Bs Rq.). — b) Urkunde, die eine andere ungültig macht. ,G.-zädel, so den anderen tödt und abthuot, antapocha.‘ Fris.; Mal. — Vgl. Gr. WB. IV 1, 2305; Fischer III 182; DRWb. III 1471.

G ë l d - : Banknote PGr. (WB.); Syn. Bank-Z., auch Brief-Gëld (PPo.). G ü l t e n - : entspr. 4cβ, ,von den Kreditoren auf ein schlechtes Unterpfand gesetzt und zu ihren Handen geschrieben‘ (Schäfer 1810). ,G.-zedel darf man nicht ohne Vorwissen aller Schuldgläubiger machen, bey Straf ihrer Annullation oder Erkennung in die Masse.‘ 1789, Schäfer 1810, 208. — Vgl. (in anderer Bed.) DRWb. IV 1272.

G a n t - : Ankündigung einer Versteigerung; Syn. Steigerungs-Z.; vgl. G.-Brief (Bd V 456). ,Die Gandtund Rumbbrief wie auch die Gandtzedel bliben in altem Tax, jedes 17 Kr.‘ 1601/3, G Rq. 1995, 311. ,Daß drite Pott zur Gandt . . . gaht also zue: deß Klägers 10 (2016)


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Zad, zed, zid, zod, zud: Gant-Zëdel

Fürsprech [beantragt die Zwangsversteigerung, und wenn der Antrag angenommen wird, ergeht das Urteil] das die Gandt an daß Rahthauß offentlich angeschlagen werde und da hange vier Wochen und drey Tag . . . Da verfasset dann der Grichtsschreiber solches auff einen Zedel, so der G. genennt wirt, volgenden Inhalts‘ usw. G StB. 1673, 38. ,Welcher einen Gandtz. erlangt und denselben innert der bestimbten Zeit nit last aufhencken [Titel; später:] sol hernach sein Gandtz. kein Krafft mehr haben [und er ist verpflichtet] wider fornnen anzufangen.‘ ebd. 43. ,G.-zedul in alle Zünfft, Gesellschaften, Collegium und Klöster zu vertragen‘ [kostet] β 18.‘ Bs TOrdn. 1722, 13. — Vgl. DRWb. III 1167.

G ö t t i - : älter für Tauff-Z. (s. u.) BsL.; B (Zyro). G ü e t e r - : 1. entspr. 2, als Instrument der Grundbuchämter. ,Bei den Begriffen Güterzettel, Flächenverzeichnis und Liegenschaftsbeschrieb handelt es sich um in der Praxis je nach Gemeinde und Zeitpunkt uneinheitlich verwendete, vom Entstehungshintergrund und Bedeutungsinhalt her aber weitgehend synonyme Begriffe. Allesamt stehen sie im Zusammenhang mit der öffentlichen Auflage eines neuen Grundbuchplans (Auflageplan) in einer Gemeinde. Im Rahmen der Ersterhebung wurden an die Grundeigentümer so genannte Güterzettel abgegeben. Sie dienten der Abklärung der Richtigkeit des Grenzverlaufs bzw. der Eigentumsverhältnisse. Die Grundstückbesitzer wurden [aufgefordert], Einsicht in die aufgelegten Pläne zu nehmen, das dem Güterzettel beigelegte Flächenverzeichnis zu kontrollieren und im Falle des Einverständnisses zu unterzeichnen‘ G (Erläuterung zu den Beständen des Staatsarchivs). ,Jeder Grundeigentümer erhält . . . ein Verzeichnis seiner Grundstücke . . . Diese Güterzettel sind an Grundbuchgeometer [N.] zurückzusenden‘ ZRegensb. (um 1930). — 2. entspr. 4cβ ApA. ,Die Zedel auf Güter erhalten vom Gemeinderat je nach dem Wert des Unterpfandes den Titel zweifach, einfach oder selbstgenüglich . . . Hauszedel erhalten die gleiche Benennung wie die letzte Klasse der Güterzedel, nämlich selbstgenüglich‘ ApA. (Zedelgesetz 1882, Art. 6). H o l z - : Zuteilungsschein für Fällholz. ,[Zur besseren Kontrolle der Waldnutzung] werden die Waldbannwart Holtzzedel austheilen oder das Los darum ziechen lassen.‘ 1729, UwE. Talr. 132. — Vgl. Gr. WB. IV 2, 1785; Ochs WB. II 765; Fischer III 1798; DRWb. V 1535.

H u n d s - : Mandat gegen freilaufende Hunde? S. Sp. 218 o. (1561, B RM.). — Vgl. DRWb. VI 97, wo unser Beleg mit ,Verzeichnis der städtischen Hunde‘ definiert wird.

B e - h ȫ r - : Konfirmationsurkunde SchR. (Meyer); Syn. Er-laubnis-Z; vgl. B.-Spruch (Bd X 840). Min B. hanget al liwīl a n der Wand. H ū s - : entspr. 4cβ, auf ein Gebäude ausgestellt Ap (auch lt St., T.); Gegs. Güeter-Z. 2, Boden-Z. ,[Es] werden bey Hauszedeln ebenfalls zwey Zinse geschüzt. Das Sprichwort nennt sie ein Viertel Asche werth, da beym Brand des nicht assekurirten Hauses . . . wenig oder gar keine Entschädigung dafür zu erwarten ist.‘ Schäfer 1810, 205. ,Die Hauszedel . . . werden ja oft um den halben Geldwert gekauft, die Zedelleute dürfen also eben so gut in der Gefahr sein, etwas zu verlieren, als die, die mit vieler Mühe und großen Sorgen kaum den Zins zu erschwingen, geschweige noch die Lasten der Assekuranz zu tragen vermögen.‘ Ap Volksbl. 1832, 57. S. noch o. unter Güeter-Z. 2.

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H e i s c h Höusch-: ,Mahnzeddel, die Schulden, die Steuern zu bezahlen‘ ZHörnli; Syn. H.-Brief 1 (Bd V 459). C h u c h i - : a) Speiseplan. D’ Mama beistet alli Tag, wänn si mue ss de n Ch. mache n, und sā gt, da s sei ’s widerwërtigst G’schäft vo n der ganze n Hushalterei. ANeher 1906, 13 (Sch). ,Küchenzettel für den Monat August . . . 1. Einfacher Tisch. Sonntag: Suppe mit Blumenkohl, Rindsbraten mit Nudeln und Salat, Himbeerkuchen. Montag: Nudelsuppe, Bratwürste . . . Dienstag: Brodsuppe, Pfütteli . . . 2. Bürgerlicher Tisch. Sonntag: Klöschensuppe, Ochsenfleisch mit Morchelnsauce, Gebackene Brieschen mit Blumenkohl, Johannisbeertorte‘ usw. Z (Hausfrauenzeitschrift 1903). Mit Bezug auf den Staatshaushalt: Hinger u nd vor müesse n si luege n u nd däiche n [die Bundesräte], müesse n ja a nfe n no ch der Ch. mache n u nd [die Finanzen gerecht] abteile n. Emmentalerbl. 1917, 3. März. — b) Speisefolge. ,Ihre Hausmutter in Zürich schlägt Ihnen für diese zahlreiche Gesellschaft folgenden Küchenzettel vor: 1. Erbsensuppe. 2. gesottenes Rindfleisch. 3. gesottene Erdäpfel oder Erdäpfel in der Mundur . . . 4. eine wohlgenährte Hamme mit SalaIntelligt . . . 5. verbratene Kugeln‘ Z (1831, Brief von Alfred Escher). [B.:] Sägä märs, was stelled er de uf? Mochä mär au umständli där Kuchizädel. [F.:] Ä großi Wirmlisuppä . . . de kund ä Blottä Rindfleisch [usw.] Talhochz. 1781, 12. — Vgl. Gr. WB. V 2511; Fischer IV 816. Auch als Übername des Berner Intelligenzblattes ,wegen des naturgemäss ordinären Inhalts seiner vielen Inserate und des oft magern redaktionellen Teils‘ B (EFriedli).

K a u f - : Kaufvertrag; Syn. Ch.-Brief (Bd V 459). ,Diewyl ir ufgerichter kouffz. heyter uffwyse und vermoge, was wyterer zinsen und stüren uff dem verkoufften hof stannden.‘ 1564, Z Ratsman. ,[Die Unrechtmässigkeit eines Verkaufs] wird bewisen [ua.] mit dem K.-zädel selbs.‘ 1674, ZStdt. S. noch Bd IV 1165 u. (1755/79, Z Ges.); VII 1583 M. (1531, ZStäfa); XIV 458 u. (GG. Landsmand. 1734/6). — Vgl. Gr. WB. V 347; Fischer VI 2280; DRWb. VII 671.

Ī n - c h a u f s - : Einkaufsliste; j. verbr.; Synn. Kommissiōnen-, Posti-Z. C h i l c h e n - LG., Kirche n- BsStdt: Aufstellung der Gottesdienste und weiterer Veranstaltungen der Kirche; verbr.; vgl. Predig-Z. ,Kirchenzettel. Gottesdienste auf einen Blick‘ BsStdt (Internet). ,Der neue Kirchenzettel wird jeweils mittwochs aufgeschaltet‘ AaBrittn. [Eine herumziehende Frau, die von gelegentlichem Singen an Feiertagen lebte] ist sogar i n d’ Pfarrhöf i ne n go n d’ Ch.-zëdel guene n. L Landb. 1917, 23. Okt. (LH.). — Vgl. Gr. WB. V 815.

K o m m i s s i ō n e n - : Einkaufsliste BsStdt; B, so E.; Synn. Īn-chaufs-, Posti-Z. [A.:] Was für nẹ Zedel? [B.:] He dänk, wo d’s Zǖg ūfg’schriben isch t. [A.:] Ā, du meinsch t der K. B. — Vgl. Ochs WB. III 216. Ū s - c h ü n d - ,Auskünd-, Auskündungs-‘: ,Auskündigungsschein.‘ Spreng; vgl. ūs-chünden (Bd III 357) sowie Ūf-falls-Z. ,Sintemahlen . . . durch Verarmung der Underthanen oftmahlige Fallimenta entstanden, dahero nöhtig, daß auch wegen der Außkündungszeduln und Collocationen ein gewisser Tax gemacht werde . . . als solle [dem Stadtschreiber] für die Außkündungszedul, welche in der Statt auf alle Ehrenzünft und Gesellschaften und auf der Landschaft in alle Kirchhörinen gegeben werden, mehrers nicht als zwey


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Zad, zed, zid, zod, zud: Ūs-chünd-Zëdel

Pfund Gelts . . . bezahlt werden.‘ 1683, Bs Rq. 2, 215; s. auch Bd III 357/8 (1757, ebd.). Ve r - c h ü n d - : Anzeige von Trauungen bzw. Todesfällen; verbr.; Syn. V.-Schīn (Bd VIII 810); vgl. verchünden (Bd III 358). [Braut:] Am Samstig gienge n mer de nn z’ Gränche n [am Wohnort des Bräutigams] zum Herr, ’s Hōchzit go n a ngë n . . . am angere n Sun ndig se ltt es de nn z’ Lostorf nide n [am Wohnort der Braut] g’scheh n, vo n wō mer müesse n der V. ha n, gëb mer chönne n hürōte n. Schild 1885, 36 (SL.). ,[Im Rahmen des Gottesdienstes werden ua. die] Namen derjenigen verlesen, die in den letzten Tagen in andern Gemeinden gestorben sind und für die man Verkündzeddel eingesendet.‘ AKüchler (Obw, Brief 1892). Bei einem Nachtbubenstreich: Ī 2na r va n dene n junge n Purste n het der Uftrag uberchoẹn, der V. ga n z’ schrībe n. [Später:] Der Stempful vam Ziwilstandsamt fēlt. Das isch t also gar aki 2n justi Anzī 2g. Das isch t a n Jux. GKolly 1990, 21/4 (FSs.). — Vgl. Gr. WB. XII 1, 701; Fischer II 1204. C o n s i g n e - : Deklaration für den Warentransit; vgl. Ge-leits-, Zoll-Z. sowie Kunsīne (Bd III 366). ,[Der Waagmeister soll] die durch oberkeitliche Verordnungen verbottene Contrebandewaaren, wann selbige nicht mit Patente und C.-zedeln begleitet sind . . . anhalten‘ usw. 1786, BTh. Rq. 457. ,C. nach Losanen. Vorweiser diß, Hr Daniel Madter, hat heute in hiesigem Zollbureau nachbenamsete zur Fuhr habende Contrebandewaaren consignirt, welche von Zurzach kommen und nach Losanen destinirt sind, dessen zum Beweis ihme gegenwärtiger C. ertheilt worden, welcher bey allen Zollstätten auf der Route vorgewiesen und sodann im Bureau zu Losanen alsobald bey Ankunft der Waar zu gebührender Controlle und Einschreibung abgelegt werden soll . . . Peau de Chevreau . . . ficelle.‘ 1795, AaBr. C h o r - : Dispensation von der Eheverkündigung. ,Burger von den Annonces liberirt. [Es sind wie bisher] selbige nur pflichtig, wann sie heuwrahten wollen, ohne Verkündigung, Ch.-zedell . . . außzuwürken.‘ 1743, B StR. 6, 780. ,Bey Hochzeiten werden wenig Umstände gemacht. Wenn man wegen der Eheversprechung in Ordnung ist, so holt man beym Ehegericht einen Ch.-zettel, reiset aufs Land, läßt sich kopuliren . . . und kehrt sodann in die Stadt zurück.‘ JGHeinzmann 1796, 173/4. ,Die Verwaltungskammer [des Kantons Léman] hat erkennt, daß keine sogenannte Ch.-zettel oder Dispensationen der Verkündigung sollen ertheilt werden.‘ Eidgenössische Nachrichten 1798, 123. K ë r b - , ,Kërf-‘: = Beil-Z. (s. u.); Syn. auch SpānZ. ,[N. soll] den costen . . . lut und inhalt der kerfzedeln, anfengklich von unserm landvogt und im ufgericht, on unsern schaden bezalen.‘ 1509, AaRh. StUrk. 178. ,Zuo urkhundth disen kerffz-s unnd schryfft, deren zwenn an wortenn glich luten, ußeinanderenn geschnittenn, verfertigt, der eine dem lutpriester, der annder unns pflegerenn gegeben‘ usw. 1526, Bs Ref. 2, 256. ,Ein kerbzedell zwüschen [A. und B.] uffgrichtt.‘ 1545, Bs Ztschr. 14, 329. S. noch Bd II 1253 u. (1719, Bs Rq.); XIV 416 M. (1495, Gfd); Sp. 281 u. (1603, Bs Rq.). — Vgl. Gr. WB. V 566; Fischer IV 338; DRWb. VII 765.

K o r n - : amtliche Aufstellung der am Kornmarkt verkauften Getreidemengen (nach Sorten) und der erzielten (Mindest-, Höchst-) Preise G. ,K.-zettel, enthal-

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tend die Ergebnisse des Getreidemarkts in Rorschach, Donnerstag, den 29. Dezember 1864‘ (Druckblatt, ausgestellt von der Kornhausverwaltung; angefügt: ,Mehlund Brod-Schatzung‘). — Vgl. (in anderer Bed.) DRWb. VII 1344.

K a s s e n - : Kassenquittung; allg. Wenn me n gar an erẹ Lade nkasse n ’s K.-zedeli haischt, wo d’ Registrierkassen alle nwīl fir e n Beleg ūse nspeit [denken sich die Leute:] fir was brūcht dë r Dubel ’s K.-zedeli? Bs Natztg 1970, 31. Dez. Wo d’ Serwiertochter [mit der Rechnung] chunnt, luegt der N. der K. a n u nd list use n, was ër wöll zale n B. — Vgl. DRWb. VII 506. K o s t e n - : entspr. 2, Spesenaufstellung uä. ,C.zeddel [,da der Mallefitztag gehalten worden‘]. An dem Imbiß, Abendeßen, Schlaftrunk sechß gsteckt Tisch voll.‘ 1633, ZAnd., wo auch erweitert ,Umbkostenzedell‘. ,16 K.-zedel über die Huldigungseinnahmen zu Wiedikon und Altstetten ab anno 1595–1691.‘ XVII., Z. Die Kosten eines Prozesses zwischen zwei Gemeinden sind in einem ,C.‘ ausgewiesen. 1642, Z Rq. 1910, 413. — Vgl. Gr. WB. V 1872.

K l a g - : schriftliche Klage; vgl. Klagd-Schrift (Bd IX 1588). ,Unser gnädiger her von Sannt Gallen vermeint, das siner gnaden lanndtvogt söllent angeben all frävell, damit er klagzedell stellen könne wie von allter har, es sy im Turtall oder anderschwo.‘ 1540, G. — Vgl. Gr. WB. V 934.

E r - l a u b n i s - : a) Konf irmationsurkunde BE. (SGfeller 1940, 53); Syn. Be-hȫr-Z., auch AdmissionsSpruch (Bd X 834 u.); vgl. Nacht-māls-Schīn (Bd VIII 810). Rēsli het bi der Admission e nmel e n ganz e n schȫne n Bibelspruch uf si n E. ubercho n. — b) Passierschein; Syn. Pass-Z. ,Dass sie diejenigen, so rechtmässige Erlaubnißzedel vorzuweisen haben, werden paßieren laßen.‘ B Kriegsordn. 1764. — Vgl. DRWb. III 236. L ā c h s n e r - : entspr. 5d; Syn. Malefiz-Z.; vgl. Lāchsner 1 (Bd III 1045) sowie Bd IX 1757 M. (1662, Z). ,Verhörung [des A., Lehrling bei B.] dem Balbierer, dessen Söhnlein er ein schandtliches Lachßnerzedelin . . . gegeben und bekandt, habe selbiges von C., Schuhmachern von Nänikon, bekommen.‘ 1670, Z. ,[Im Haus von N., der zauberischer Machenschaften verdächtigt wurde, fand man] eine ganze Anzahl L.-zeddel.‘ 1690, GBinder 1922, 173. ,Diser Gattung Zauberey machen sich theilhaftig die, welche allerhand Lachßnerzedul an dem Leib tragen, etwann St Johannis Evangelium an den Hals henken.‘ Zauberei 1704, 43. L a d - Z . I: = Fracht-Z. (Sp. 289), „Facktur oder vielmehr Frachtbrief“; vgl. laden I 2 (Bd III 1059). ,Inscriptum, ein kurtzer zädel, den die stattvögt den kauffleuten gebend, die whar ze fergken, ein ladzädel.‘ Fris. ,Die Sustmeister von Wallenstadt und Weesen . . . sind gehalten, bei Abgang oder Ankunft eines Schiffes mit Waaren sich von den betreffenden Schiffleuten die Ladzedel vorweisen und nach Erwahrung der Ladung sich den dafür schuldigen Zoll von dem Schiffer entrichten zu lassen‘ G (Ratsbeschluss v. 29. März 1825). S. noch Bd I 1004 M. (Republikaner 1801). ,Das die kouflüt, factoren, gred- und wagmeister den fuorlüten von allen waren, so sy allhar schigken, einen ladzeddel an den wagmeister geben und ime schryben, wohin ald wem die waren dienend, ouch wievil derselben sygen.‘ 1567, Z. ,Die Wirth [sind verpflichtet] ihrem Herrn Obervogt mit glaubwürdigen Ladzeddeln von den Verkäufern darzuthun, daß es in unserm Land


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