Skip to main content

Basler Polizei

Page 1

Der Autor Robert Heuss, geb. 1945, promovierter Jurist, trat nach seinem Studium in Basel im Jahre 1970 ein Volontariat beim Polizeikommando an. 1973 wurde er zum Polizeihauptmann gewählt, war Abteilungsleiter und ab 1981 Stabschef. Nach 23 Jahren Polizeidienst – zuletzt als Stellvertreter des Polizeikommandanten – wurde er zum Staatsschreiber gewählt und damit zum Bindeglied zwischen Regierung, Parlament und Verwaltung. Er ist seit 2009 pensioniert.

Schwabe Verlag Basel www.schwabeverlag.ch

Schwabe

Basler POLIZEI

Nebst der Darstellung der Verantwortlichen an der Spitze der Polizei – ­politisch wie polizeilich – werden auch die Entwicklung von Uniformen, Waffen, Fahrzeugen, Geräten und Einsatzmaterial sowie die sozialen ­Fortschritte der letzten 200 Jahre beleuchtet.

Basler POLIZEI 1816–2016

1856 übernahm die Kantonspolizei endgültig die Aufgaben der aufgelösten Standestruppe, insbesondere den Dienst unter den sieben Stadttoren. Die Bevölkerungszunahme in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die dadurch notwendige «Entfestigung» der Stadt verlangte nach Sicherheit, auch in den Aussenquartieren. Zwischen 1847 und 1866 wurden 13 neue Polizeiposten eingerichtet. Parallel zur Bevölkerungsentwicklung nahm auch der Personalbestand bei der Polizei zu. Bis heute gab es aber immer zu wenig Polizisten, weshalb laufend nach Lösungen gesucht ­werden musste, die stets grösser werdenden Aufgaben in Einklang mit dem Personalbestand zu bringen. Dies erfolgte durch vielfältige organi­ satorische Massnahmen, unter anderem durch die Anstellung von Schutzmännern (zwischen 1863 und 1935), welche zur Aufbesserung ihres kärg­ lichen Auskommens den Nachtdienst der Polizei verstärkten. In den letzten 25 Jahren ist eine Entwicklung weg von der Dezentralisierung hin zur ­Spezialisierung und Professionalisierung der Polizeiarbeit zu verzeichnen.

Robert Heuss

Nach der Französischen Revolution haben sich die Kantone neu ­orga­ni­­­siert und vor allem auf dem Gebiet der Sicherheit neu strukturiert und verstärkt. So wurden ab 1803 in allen Kantonen unter ­einheitlicher Führung Kantonspolizeien aufgestellt, um den Kampf gegen V ­ aganten, Gauner- und Bettlerbanden aufzunehmen. Basel war der letzte Kanton, der 1816 eine neue Polizeiorganisation einführte. An die Spitze der Kantonspolizei wurde ein mit weitgehenden Kompetenzen ausgestatteter Polizeidirektor gestellt. Bis 1832 wurden in der Stadt zwei P ­ olizeiposten mit 14 Landjägern, in den Landbezirken 19 Posten mit 27 Landjägern ein­ gerichtet. Die Kantonstrennung im Jahre 1833 war für die Basler Polizei ein traumatisches Erlebnis, die Landjäger mussten in die Stadt flüchten, Polizeidirektor und Polizeichef wurden von den Anfeindungen krank und starben. Ein völliger Neuaufbau der Polizei wurde notwendig.

1816–2016

Robert Heuss Herausgegeben von der Kantonspolizei Basel-Stadt

Schwabe


Robert Heuss

Basler POLIZEI 1816–2016 Herausgegeben von der Kantonspolizei Basel-Stadt

Schwabe Verlag Basel


Publiziert mit freundlicher Unterstützung des St. Jakobs- und Winkelried-Fonds sowie des Swisslos-Fonds Basel-Stadt.

Umschlagfoto: Alarmpikett Foto: Roland Schweizer, Photo Basilisk, Basel

Copyright © 2016 Schwabe AG, Verlag, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Projektleitung: Rolf Meyer, Kantonspolizei Basel Redaktion und Bildredaktion: Robert Heuss, Basel; Daniel Vogt, Polizeimuseum Basel-Stadt, daniel.vogt@jsd.bs.ch Lektorat: Matthias Zehnder, MatthiasZehnder.ch AG, Basel Projektkoordination: Michel A. Kilchherr, Julia Grütter Binkert, Schwabe Kontakt für Nachfragen zum Inhalt: Robert Heuss, robert.heuss@balcab.ch Gestaltung: Thomas Lutz, Schwabe Satz: Manuel Kaufmann, Schwabe Gesamtherstellung: Schwabe AG, Muttenz/Basel, Schweiz Printed in Switzerland ISBN 978-3-7965-3545-1 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch


Inhalt

38

Tod von Polizeidirektor Johannes Wieland und des Chefs des Landjägerkorps, Johann Meyer-Merian (1832)

38

Richard Landerer wird Polizeidirektor, Markus Rohner Chef des Polizeikorps (1832)

41

Neuorganisation nach der Kantonstrennung

42

Verkleinerung des Landjägerkorps (1833/34)

42

Ausfall von Nachtpatrouillen (1833)

42

Dienst unter den Stadttoren: Die Landjäger ersetzen die Standessoldaten, die Stänzler (1833)

Entstehen der Kantonspolizeien zu Beginn des 19. Jahrhunderts

43

Die Standeskompanie wird zur Standestruppe (1834)

23

Einmarsch der alliierten Truppen in Basel (1813)

43

23

Eine neue Verfassung für den Kanton ­Basel (1814)

Das Dienstreglement wird den neuen ­Verhältnissen angepasst (1836)

24

Basel gerät erneut ins Kriegsgeschehen, das Ende der Festung Hüningen (1815)

43

Bestandserhöhung (1841–1850)

49

Besoldungserhöhung (1843)

26

Erweiterung des Kantons durch den Wiener Kongress (1815)

49

Geteilte polizeiliche Aufgaben in der Stadt, der Kanton setzt sich durch:­ Landjäger und Polizeimänner (1844)

27

Die wechselvolle Entwicklung zu einer modernen ­Polizei

50

Wechsel an der Spitze des Landjägerkorps (1848)

28

Reform des Polizeiwesens (1816)

50

Badische Revolution und ihre Auswirkungen auf Basel (1848)

28

Einsetzung eines Zentralpolizeidirektors (1816)

55

Bewältigung der Flüchtlingsströme 1849–1851

28

Aufgaben des Polizeidirektors (1816)

55

Übernahme des Zolldienstes vom Bund (1850)

28

Provisorische Besetzung der Stelle mit Oberstleutnant Johannes Wieland (1816)

63

Grade und Gradabzeichen bei der Kantonspolizei Basel-Stadt

29

Gründliche Vorbereitung des neuen Sicherheitsdienstes (11. Dezember 1816)

64

Erneuter Wechsel an der Spitze des Landjägerkorps (1852)

32

Der Zentralpolizei-Direktor und Statthalter des Bezirks Basel nimmt seinen Dienst auf (1. Januar 1817)

64

Die äusseren Umstände erfordern eine neue Polizeiorganisation (1848–1887)

32

Der Übergang vom Harschierer- zum Landjägerkorps (1. Februar 1817)

67

Aufhebung der Standestruppe in zwei Schritten – 1852 und 1856

35

Neuordnung des Kriminalrechts und der ­Strafrechtsorganisation (1821)

68

Razzien gegen Landstreicher (1854)

36

Die schwierigen Jahre der Kantonstrennung (1830–1833)

69

Die Stadt wächst – und die Polizei mit ihr

70

38

Rivalität zwischen Standeskompanie und Landjägerkorps während den Trennungswirren (1831)

Neuorganisation des Sicherheitsdienstes und der Polizei (1856)

70

Vergrösserung des Korps, Verbreiterung der Spitze (1856)

17

Die Sicherheitsdienste im Kanton Basel bis 1816

18

Sicherheit – ein menschliches Grundbedürfnis

18

Kernstadt und Landschaft

18

Verkehrsdrehscheibe und Hüter wichtiger Juraübergänge

18

Sicherheitsdienst auf der Landschaft

19

Basler Stadtgarnison (1621–1799)

20

Harschiererkorps (1744–1817)

21

Veränderungen durch die Französische Revolution

23


96 Von der Flösserei zur Rheinpolizei

70

Entlastung des Korpschefs durch weitere Offiziere und Vakuum an der Spitze des Polizeikorps (1856)

70

Erweiterung der Kompetenzen des Polizeidirektors (1856)

103 Einführung beständiger Nachtwachen auf sämtlichen Posten und Intensivierung der Nachtpatrouillen (1887)

70

Militarisierung der Polizei? (1856)

104 Neuorganisation der Polizei (1885–1893)

72

Übernahme der Blömleinkaserne von der Standes­truppe (1856)

73

Die Erweiterung der Stadt (1860–1914)

106 Pensionsgesetz für die Staatsbeamten (1888), Stärkung der Witwen- und Waisenkasse des Polizeikorps (1893)

75

Aufhebung des Dienstes unter den Stadttoren (1861)

107 Verkürzung des Nachtdienstes, Intensivierung der Patrouillen (1893)

75

Die Organisation der Strafverfolgung nach der Strafprozessordnung von 1862

107 Kautionspflicht für Polizeioffiziere (1894) 108 Arbeiteraufstände (1895)

75

Aufstellung von bürgerlichen Hilfs- oder Schutz­wächtern für den Nachtdienst (1863–1935)

109 Erlass eines neuen Reglements für das Polizeikorps (1897)

79

Polizeidienst = Patrouillendienst (1864)

109 Gründung der Polizeivereine (ab 1897)

79

Aufgaben der Polizeioffiziere (1864)

110 Tee und Rum im Nachtdienst (1897)

79

Polnische Flüchtlinge in Basel (1864)

110 Personelle Turbulenzen (1895–1909)

82

Eingreifen der Polizei beim ersten grösseren ­Arbeitskonflikt (1868)

82

Deutsch-Französischer Krieg 1870/71

85

Spezialisierung und soziale Verbesserungen bei der Polizei, Modernisierung von Regierung und Verwaltung

86

Reorganisation der Polizei 1871: Anfänge der Kriminalpolizei

113 Organisatorischer Wandel – personeller Wechsel 114 Streiks, politische Unruhen, Einführung des ­Parteienproporzes, Einzug der Sozialdemokraten in die Regierung (1903–1907) 114 Ein Organisationsgesetz für das Polizei­ departement (1906) 114 Gesetzgebungsprozess 1906–1909: Ein einheitliches Beamten- und ein einheitliches Besoldungsgesetz für Arbeiter, Angestellte und Beamte aller Departemente

87

Korpsbestand (1871)

88

Personelle Veränderungen nach der Polizei­reorganisation von 1871

88

Modernisierung der Strafgesetzgebung (1872)

115 Kostenlose Gesundheitspflege für das Polizeikorps (1816–1971)

88

Reglement betr. Befugnisse der Polizei­ mannschaft (1872, 1910, 1932, 1969 und 1977)

116 Vermehrte Ruhe- und Urlaubstage: Erstmals Ferien! (1908/1909)

89

Vermehrte Ausbildung (1873)

116 Streiks halten an (1908)

89

Gründung einer Witwenkasse für die Polizei (1873)

89

Schaffung der Bürgergemeinde (1875)

116 Ablehnung der Nummernschilder für die Polizei (1908), Einführung des Namensschildes (1999)

90

Verdrängung des Polizeidirektors durch die Einführung des Departementalsystems (1875)

121 Personelle Veränderungen an der Spitze des Polizeikorps (1908/1909)

92

Besoldungsverbesserungen beim Polizeikorps (1877)

93

Umgang mit Vaganten, Bettlern und liederlichen Dirnen – vom Signalementsbuch zum elektronischen Fahndungssystem (1879)

121 Schaffung des Polizeiinspektorats, administrative Entlastung der Polizeioffiziere durch Verschiebung von Aufgaben zur Administrativabteilung (1909)

96

Neuordnung des Strafverfahrens 1881 – Bildung einer selbstständigen Kriminalpolizei

125 Wohnsitzpflicht im Kanton (1909) 133 Polizeihundeführer (1910, ab 1945) 154 Auszug der Polizeileitung aus dem Lohnhof (1911/1927)


154 Von der ersten Polizeischule (1912) bis zur Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch (ab 2007)

190 Freiheit oder Disziplin für die kasernierte Mannschaft? (1924)

155 Fasnachtszensur (1912–1970)

191 Krawall an der Falknerstrasse, Anschaffung von Gummiknüppeln (1925)

156 Färberstreik (1913)

193 Hochmut kommt vor dem Fall (1925)

158 Trinkgelder und Prämien, Annahme von Geschenken

196 Beamten- und Besoldungsgesetz von 1926: mehr Ferien, besserer Lohn

160 Regierungsrat Hermann Blocher wechselt ins Departement des Innern und übergibt Dr. Rudolf Miescher das Departement (1914)

196 Die Krux der Statistik: Vergleich der Polizeikorps (1926)

161 Grosse Heraus­forderungen für die Polizei 162 Der Erste Weltkrieg (1914–1918) 164 Teuerungsdemonstrationen und ihre Folgen (20.–23. Juni 1918) 167 Der schweizerische Landesstreik (11.–14. November 1918) 168 Politische Turbulenzen nach dem Landesstreik (1919)

197 Arbeiter-Protestdemonstration für die beiden in Amerika zum Tode verurteilten italienischen Anarchisten Sacco und Vanzetti (10. August 1927) 197 Anschlussdemonstration der Jungburschen (10. August 1927) 198 Bombenanschlag auf dem Barfüsserplatz (10. August 1927) 200 Diffamierung der Polizei durch die Arbeiter­zeitung (Dezember 1927)

168 Der Basler Generalstreik – Fünf Tote durch Militär­einsatz (31. Juli bis 8. August 1919)

201 Wahl von Lorenz Brülhart als Nachfolger von Josef Benz (1928), Wahl zum Kommandanten der Freiburger Polizei (1932)

171 Armeematerial für die Polizei (1919)

202 Getrennte Kundgebung (1. Mai 1928)

173 Waffengebrauchsbestimmungen der Armee auch für die Polizei? Handgranaten als Polizeiwaffen (1919)

203 Der «Polizei- und Niederhauserkomplex» der Linken – tiefe Missstimmung im Polizeikorps (1928)

185 Der Grosse Rat lehnt Abbaumassnahmen bei der Polizei ab (1920)

204 Der Café Spitz-Krawall (10./11. November 1928)

185 Fürsorge des Staats bei Krankheit und Unfall ­sowie für Witwen- und Waisen des Basler Staatspersonal (1919), Verbandssterbekasse (1909) 186 Neues Gesetz über die Organisation der Polizei (1920)

205 Verstärkung des Polizeikorps für die Aussenquartiere? (1929) 206 Internationale antifaschistische Kundgebung und kommunistische Demonstrationen, Verbot des «Roten Treffens» (24. März 1929)

186 Erhöhung der Zahl der Offiziere und Tod von Oberleutnant Alfred Binder (1920)

209 Unabsichtliche Schussabgabe beim Entladen einer Maschinenpistole (MP) durch Leutnant Bloch (1929)

186 Ein schrecklicher Schiessunfall (21. März 1921) – Tod von ­Polizeimann Ernst Isenegger

212 Streik beim Allgemeinen Consum Verein (ACV) (23.–29. Oktober 1929)

187 Die Spaltung der Linken (1921)

217 Die internationalen 1. August-Demonstrationen in den 1930er Jahren

188 Nachbeben auf die Streikunruhen im Grossen Rat (1921–1924) 189 Das polizeiliche Geschehen schlägt sich im Budget nieder (1923) 189 Unterstützung der Polizei durch Grenzwächter? (1923) 190 Interkantonale polizeiliche Zusammenarbeit – 1923 und heute

217 Streik bei Affolter, Christen & Cie. AG im ­­St. Johann (2. Januar–28. Februar 1930) 229 Der Maurerstreik – eine Kraftprobe zwischen Kommunisten und Sozialisten, Razzia im Restaurant Bläsitor (April 1930) 229 Verhinderung einer kommunistischen Kundgebung in Baden/AG (17./18. Mai 1930)


231 Das Kommunistische Pfingsttreffen in Basel (7. bis 9. Juni 1930)

263 Massnahmen zur Verbesserung der Verbrechensbekämpfung (1934)

232 Bürgerliche Reaktion auf die umstürzlerischen Umtriebe der Kommunisten (12. Juni 1930)

264 Plantonkanzeln – ein Stück verschwundenes Stadtbild (1934–2007)

232 Die Provokationen halten an (12. Juni 1930)

266 Bekämpfung der «Spitzeltätigkeit» (März 1935)

233 Die Bürgerlichen haben genug! (13. Juni–2. Juli 1930) 233 Gesetzgeberische Massnahmen gegen unerlaubte Veranstaltungen und gegen die Kommunisten (Juni 1930) 236 «Die Polizeifestung im Horburgquartier» (November 1930) 236 Bau der ersten Polizeiturnhalle in der Polizei­ kaserne (Oktober 1930), Einführung des ­obligatorischen Turnunterrichtes (November 1932)

269 Mentalitätswandel durch das Rote Basel – vom Landjäger zum Polizisten 270 Vollständiger Bruch mit der Vergangenheit, das Rote Basel setzt Zeichen 270 Demission von Oberleutnant Emil Sydler und Poli­zeiinspektor Victor Müller, Wahl von Emil Bloch zum Polizeiinspektor (April/Mai 1935) 270 Wahl von zwei Polizeileutnants Dr. Otto Altenbach und Dr. Paul Boettcher (1935)

236 Wechsel an der Departementsspitze, von Niederhauser zu Ludwig (1. Dezember 1930)

270 Wahl von Adolf Ramseyer zum 6. Polizeioffizier (1936)

236 Schwächung der Polizei durch Reorganisation des Polizeiwesens? (Februar 1931)

272 Die Arbeitslosen – eine Herausforderung (1936)

238 Erhöhung der Besoldungen für die Polizeioffiziere (Mai 1931)

272 Leutnant Rüdeger Brüstlein wechselt zur Basler Strassenbahn, Wahl von Peter Flisch (1937)

238 Ausbauvorhaben für Polizeiposten (Juli 1931)

273 Entstehung der Abteilung Jugendanwaltschaft (1938)

242 Neue Strafprozessordnung: Kriminalkommissariat (Oktober 1931)

273 Die Verhältnisse erfordern eine politische Polizei (1938–1946)

247 Neuorganisation des Polizeikorps (15. November 1931)

276 Umgang mit Flüchtlingen (1938–1945)

248 Dringender Bedarf nach einem Polizeiverwaltungsgebäude (1931–1940) 252 Demonstrationsverbote (1932/1933) 253 Lorenz Brülhart wird Kommandant der Freiburger Polizei, Dr. Rüdeger Brüstlein sein Nachfolger (1932) 253 Unzufriedene Polizei – Forderungen von allen Seiten: Mehr Offiziere, neue Dienstgrade (Oktober 1929–1936) 254 Folgen der «Blutnacht von Genf» in Basel (12. November 1932) 255 Demonstration wegen der Hakenkreuzflagge am Badischen Bahnhof (14. März 1933) 257 Abwehr der nationalsozialistischen Bedrohung durch die Verschärfung des Waffenrechtes (Juni 1933) 258 Diskussion um die seit 1918 bestehenden Bürgerwehren (1933) 258 Bankräuber im Blutrausch (5.–22. Januar 1934)

279 Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und die Massnahmen zur sozialen Linderung der kriegsbedingten Not (1939) 280 Hauptmann Werner Sommer übernimmt die Ortsleitung des Luftschutzes und das Kommando des baselstädtischen Luftschutzbatallions (1939) 282 Die Schweiz im Krieg – Bombenabwürfe auch in Basel (1940–1945) 286 Sitzen oder Stehen – das Verhältnis zwischen oben und unten (1940–1943) 289 Ruchloser Doppelmord an Polizeimann Walter Schluep und Mineur Rudolf Hostettler (10./11. Januar 1941) 296 Ausscheiden von Oberleutnant Paul Boettcher (1942) 296 Schwere Kritik an Major Emil Bloch (1943–1946) 301 Weiterführung der Politischen Polizei als Teil der Kantonspolizei – der Spezialdienst (1946–1989) 303 Die Auflösung des Spezialdienstes (1990–1993)


317 Ungelöste Mordfälle – Grenzen der Justiz, ­Verunsicherung in der Bevölkerung (1942–1975)

367 Von der offenen Drogenszene zum gesetzlich verankerten Viersäulenprinzip (1970)

320 Ein Kindsmord erschüttert die Stadt (19. August 1942)

370 Polizeiturnhalle, Schiesskeller und Judohalle (1971)

321 Mord im Milieu – der «Glettyyse-Mord» an der Rheingasse (6. Februar 1943)

372 Baumfällaktion und Flugzeugabsturz von Hochwald (10. April 1973)

322 Der Mordfall Elisabeth Wirs in Riehen (3. März 1952) 324 Der Mordfall Erna Keller-Schmid an der Marktgasse (31. Januar 1953)

373 Polizeiliche Rezepte gegen Terrorismus, Geisel­ nahmen und Schwerkriminalität: AntiterrorGruppen, Observation, Schutzüberwachung, Nahschutz und Fliegende Einsatzleiter (1974)

324 Der Raubmord an Emma Filss-Haubensak (2. Juni 1953)

386 Spar- und Effizienzsteigerungsprogramme auch für die Polizei (1974–2016)

325 Der Sandoz-Mord (16. Juli 1968)

387 Umbenennung von Polizeiinspektorat zu Polizeikommando (1975) und zu Kantonspolizei (1991)

326 Der Mordfall Markus Zimmermann (12. November 1975) 327 Verunsicherung in der Bevölkerung 328 Das Kriminalmuseum (1950–1982) 329 Das Polizeimuseum (2000–2016) 331 Die verkehrs­polizeilichen Probleme treten in den Vordergrund 332 Der Greifengasse-Krawall (16./17. Januar 1954) 333 Die Fussballweltmeisterschaft von 1954 in der Schweiz (16. Juni–4. Juli 1954) 334 Vergrösserung des Polizeikorps (1955) 336 Die Öffentlichkeitsarbeit wird immer wichtiger und aufwändiger (ab 1955–2016) 338 Protestdemonstration gegen das Theaterstück «Der Stellvertreter» von Rolf Hochhuth (23. September 1963) 340 Die Fahrzeugexperten der Verkehrsabteilung (1963–2016) 340 Direkte Bussenerhebung durch die Polizei (1966) 341 Vom Polizeigehilfen zur Sicherheitsassistentin (1967–2016) 349 1968 – Veränderungen mit Langzeitwirkung 350 Das Polizeikorps wird neu aufgestellt, die Spitze personell verstärkt (1968–1973) 354 Demonstrationen und Jugendunruhen (1968–1988) 365 Die schwierigen 1970er und 1980er-Jahre: Neue, unbekannte Herausforderungen 365 Sicherheitsmassnahmen im Luftverkehr (ab 1970)

387 Kunst im öffentlichen Raum oder Verschandelung des Stadtbildes? (1975) 390 Polizeieinsatz im Jura – ein kleiner Basler Beitrag zur Gründung des Kantons Jura (1975–1977) 391 Entstehung des Büros für Kleinkriminalität (1977) 391 Halali auf der Autobahn (Dezember 1977) 391 Aufbau einer professionellen Katastrophenorganisation (ab 1979) 393 Vom Bereitschaftszug (1. Oktober 1980) zum Einsatzzug (30. September 2007) 397 Bankraub mit Geiselnahme in Freiburg i.Br., ­polizeilicher Zugriff auf dem Flughafen Basel-Mulhouse (12. März 1980) 400 Besuch der Englischen Königin Elisabeth II in der Grün 80 (1. Mai 1980) 405 Weiterbildung im Polizeikorps (1981) 405 Fussballspiele in St. Jakob: Nicht nur eitel Freude (1980 bis heute) 409 Neue Aufstiegschancen aus dem Korps (1981) 409 Openair-Konzerte im Joggeli bzw. im St. Jakobs-Park (ab 1982) 410 Strukturüberprüfung Anapol (1982) 411 Verfolgungsfahrten – ein zu grosses Risiko? (1966, 1984, 1986, 1996, 2001) 414 EDV für Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft (1985/86) 415 Raubüberfälle am Spalenberg (1985 und 1986), Geiselnahme durch einen «Santiglaus» (1992) 416 Tragischer Unfalltod von Polizeimann Urs Brotschi (12. August 1986)


417 Die Chemiekatastrophe von Schweizerhalle (1. November 1986)

447 Anti-WEF-Demo vom 26. Januar 2008

419 Intensivierung des Basler Lachsprojektes 1982 durch «Schweizerhalle»

450 Europäische Fussballmeisterschaft 2008 (Euro 08) – ein Grossanlass der besonderen Klasse (7.–29. Juni 2008)

419 Grosseinsatz gegen Schimpansen (25. November 1987)

451 Gefreiter Nicolas Monard Opfer eines Spreng­unfalles (25. April 2009)

420 Regio-Gipfel – auch eine polizeiliche Herausforderung (15. Dezember 1989)

452 Entstehung des Kontrollorgans Staatsschutz (21. September 2010)

420 Das Projekt «Brückenschlag» scheitert (1989/1990)

453 Aufstockung des Polizeikorps um 45 Stellen (2012–2015)

421 Die Polizeispitze wird verstärkt

453 Einsatzelemente Brennpunkte (22. Mai 2013)

422 «Beförderungsschub wie noch nie» (1989–1992)

454 Für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa – Ministerkonferenz der OSZE in Basel (4. und 5. Dezember 2014)

424 Übergang des Staatsschutzes an die Fachgruppe 9 der Staatsanwaltschaft (1993) 424 Mobbing- und andere Vorwürfe gegen die Polizeileitung (1994–2001) 428 Das Konzept 4 plus (1995) 428 Community Policing (1996) 429 Nach 180 Jahren ein neues P ­ olizei­gesetz: Schritt in die Zukunft 430 Das Gesetz über die Kantonspolizei (1996) 432 Jubiläum des ersten Zionistenkongresses in Basel (25. – 31. August 1997) 433 Bike Patrol – City Patrol (1997) 434 Mysteriöser Unfalltod von Oberstleutnant Ronald Patzold (26. März 1998) 434 Der Basler Justizskandal – ein Sturm im Wasserglas? (November 1998) 436 Hochwasser in Basel (Mai 1999) 438 Die Jubiläumsinitiativen – engere Zusammen­ arbeit mit dem Nachbarkanton chancenlos (2001)

456 Führungskrise nach gewalttätiger Demonstration gegen die Armeeübung Conex-15 (19. September 2015) 457 Neue Postenorganisation (2. November 2015) 457 Volksinitiative zur Verhinderung der Nacht­ schliessung des Polizeipostens Riehen (2015) 458 Spontane grenzüberschreitende Hilfeleistung in Weil a/Rh (8. November 2015) 458 Das Projekt Kapo2016 459 Gespräch mit Polizeikommandant Gerhard Lips 463 Mitarbeitende in Bildern 2016 489 Anhang 490 Entwicklung des Personalbestands im Vergleich mit der Bevölkerungsentwicklung 1817–2016 490 Stammbaum der Kantonspolizeien BS + BL

438 Kompetenzübertragung an das Grenzwachtkorps (1. März 2001)

491 Departementsvorsteher und Polizeioffiziere seit 1817

439 Den Rechtsstaat ad absurdum geführt – Personen­ kontrolle bei einer konspirativen rechtsextremen Versammlung (29. Juni 2002)

495 Organigramme Kantonspolizei Basel-Stadt per 1. März 2016

440 Der Schwarze Block schlägt zu (2003–2015)

498b Polizeidirektoren und Polizeichefs/Polizeiposten und -wachen Kanton Basel/Basel-Stadt 1817

442 Eine ungewöhnliche Serie von Bluttaten (März bis Juni 2004)

499 Basler Polizeidirektoren und Polizeioffiziere 1817–2016

442 Wachtmeister René Kohler wird bei einer Requisition erschossen (8. Juni 2004)

502 Personenverzeichnis

445 Absturz des Experimentalflugzeuges «Spirit of St. Louis» auf vier Wohnhäuser an der Roggenburgstrasse (23. Juli 2007)

505 Quellenverzeichnis 511 Literaturverzeichnis 517 Bildnachweis


Persönlichkeiten der Basler Polizei 1816–2016; Uniformen, Fahrzeuge, Material und Ausrüstung; besondere Geschichten  21

Major Nicolaus Miville (1718–1791)

25

Staatsbesuch auf höchster Ebene (1814)

30

Johannes Wieland-Bischoff (1791–1832)

34

Johann Meyer-Merian (1783–1832)

38

Markus Rohner-Im Hof (1807–1872)

39

Eine nächtliche Polizeipatrouille in unruhigen Zeiten (29./30. November 1832)

39

Richard Landerer (1781–????)

46

169

Dr. iur. Rudolf Niederhauser-Freivogel (1881–1966)

172

Schutzausrüstung für Einsätze gegen Gewaltverbrecher und für den unfriedlichen Ordnungsdienst (1919–2016)

175

Grenzkontrollen – eidgenössisch oder kantonal? – Die Geschichte der Basler Grenzpolizei

195

Tödlicher Irrtum – Die Rheinweg-Affäre (22. Oktober 1926)

Die Polizei breitet sich aus (1840)

213

51

Die Entwicklung der Kopfbedeckungen – vom Tschako zur Baseballmütze

Die Arbeitszeitmodelle dokumentieren den ­sozialen Fortschritt

219

56

Kleider machen Leute

Der aufkommende Motorfahrzeugverkehr wird zum Problem (1930–2016)

66

Dr. iur. Gottlieb Bischoff (1820–1885)

237

68

Rudolf Hoffmann-Nestel (1820–1887)

Prof. Dr. iur. Carl Ludwig-Sprecher von Bernegg (1889–1967)

71

Major Johannes Krapf von Reding (1818–1906)

245

75

Dr. iur. Johann Jakob Wirz (1816–1880)

Polizeiliche Medienarbeit – Kommunikation (seit Februar 1931)

80

Die sozialen Verhältnisse im 19. Jahrhundert

271

Fritz Brechbühl-Gross (1897–1963)

90

Dr. iur. Karl Burckhardt-Iselin (1830–1893)

272

Emil Bloch-Labhart (1882–1954)

92

Das Basler Gastgewerbe – Teil des öffentlichen Lebens

273

Die Basler Polizeilöwen

285

Das «Hauptquartier»der Basler Polizei

94

Alkohol im Polizeidienst

289

95

Aufruf des Polizeidepartments betr. Verletzung des Amtsgeheimnisses vom 1. Juni 1880

Die «Hauptwache» der Basler Polizei: Rebleuten-Zunft – Lohnhof – Spiegelhof (1817–2007)

102

Alexander Mangold-Grillo (1846–1915)

291

Die Geschichte der Polizeikaserne (1918–2016)

107

Dr. iur. Isaak Iselin-Sarasin (1851–1930)

299

Dr. rer. pol. Otto Altenbach-Lerch (1902–1974)

108

Einzug der Schreibmaschine ab 1893

305

109

Dr. iur. Richard Zutt-Krayer (1849–1911)

Übermittlung und Einsatzleitung – Grundlagen polizeilichen Erfolges (1871–2016)

110

Ein Beispiel für viele: Musische Begabung im Polizeikorps – Der «Maler der neuen Sachlichkeit» Emanuel Schöttli (1895–1926)

339

Franz Hauser-Grieder (1915–1986)

347

Adolf Ramseyer-Christen (1913–1969)

351

Dr. iur. Fritz Meyer-Graf (1916–2005)

Dr. iur. Heinrich David-Grossmann (1856–1935)

352

Die Autobahnpolizei

117

Regierungskrise durch Unregelmässigkeiten bei der Polizei (1908)

364

Erinnerungen eines Fahnders als Demo-Observant in den Jahren 1979–1981

122

Victor Müller-Leu (1872–1947)

378

127

Dr. rer. pol. Hermann Blocher-Olsson (1872–1942)

Vom Packpapier zum Werbetram – 40 Jahre Nachwuchswerbung (1975–2016)

128

Die persönliche Ausrüstung der Polizei

383

Karl Schnyder-Seiler (1931–2016)

129

Die Waffen der Kantonspolizei

388

132

Basler Polizei – Hoch zu Ross?

Die «Alfa-Bande» schlägt auch in Basel zu (September/November 1978, Oktober 1985)

134

Durchfahrt des Deutschen Kaisers durch Basel (1911)

394

Dr. iur. Markus Mohler (*1941)

135

Grenzverletzung durch Basler Landjäger – der Bundesrat fürchtet Reaktionen (1911)

403

Frauen bei der Polizei – der lange Weg

422

lic. iur. Jörg Schild-Degen (*1946)

136

Auffinden eines eingeschneiten Menschen

443

Dr. iur. Roberto Zalunardo-Walser (*1955)

137

Mobilität bei der Basler Polizei

448

Hanspeter Gass-Bein (*1955)

160

Dr. iur. Rudolf Miescher (1880–1945)

111


Geleitwort des Vorstehers des Justizund Sicherheitsdepartementes Basel-Stadt Seit 200 Jahren im Dienst Die Polizei! Oder «d Schuggerei», «d Polänte», «d Schmiir», «d Schroterei» und was es an weiteren Bezeichnungen ­geben mag: Es gibt kaum eine andere Organisation, kaum eine andere Berufsgattung, die sogleich bei allen Menschen etwas auslöst. Jeder und jede hatte schon mit einer Polizistin oder einem Polizisten zu tun. Man vergisst den Moment nie, als die Patrouille spätabends den Einbruch aufgenommen hat und man, immer noch unter Schock, Red und Antwort stand. Man erinnert sich an den Verkehrspolizisten im Kindergarten, mit Leuchtweste, vielleicht mit Schnauz, «warte, luege, loose, laufe!» – als wärs gestern gewesen. Man begegnet den Uniformierten zu Fuss im Quartier und schaut erschrocken bis fasziniert der Alarmfahrt mit Blaulicht und Horn hinterher. Man ärgert sich über den Bussenzettel an der Windschutzscheibe. Und man ist froh, sich im Notfall immer und überall aufs «117» verlassen zu können. Seit genau 200 Jahren ist die Kantonspolizei für uns Baslerinnen und Basler da – sofern man das «Gesetz ­wegen Einrichtung einer Kantonspolizey» vom 21. Juni 1816 als ihren Geburtstag nimmt. Die Polizei ist damit älter als die meisten Basler Stadtquartiere, älter als das Kanalisations-, das Schienen- und das Elektrizitätsnetz, älter als der Schweizerische Bundesstaat und auch älter als der Kanton Basel-Landschaft, dessen heutiges Territorium (ausser dem Laufental) bis 1833 ebenfalls zum Einsatzgebiet der Basler Polizei zählte. Sie hat – ohne ­organisatorischen Bruch – alle demografischen Um­ wälzungen, alle technischen Neuerungen und alle politischen Wirren überlebt. «Es ist nichts so politisch wie die Polizei», sagt ein Bonmot. Es ist ja auch das gleiche Wort: «Polis», die Stadt. Und noch heute gibt die Kantonspolizei in der Öffentlichkeit laut und kontrovers zu diskutieren, wie ein Blick in den lokalen Blätterwald oder auf die Liste der grossrätlichen Interpellationen und der alljährlichen Fasnachtssujets zeigt. Gleichzeitig ist sich die breite Politik seit Jahrhunderten sehr einig: Die staatlich organisierte Ordnungsmacht als solche wird letztlich so wenig in Frage gestellt wie der Staat an sich. Die Basler Polizei, seit bald zwei Millionen Stunden im Einsatz, vermochte sich dabei immer wieder neu auszurichten. Selten abrupt, zumeist kontinuierlich, operativ und taktisch, organisatorisch und technisch. Davon berichtet dieses Buch. Die akribisch recherchierte und packend erzählte Geschichte der Basler Polizei bietet weit über die Polizei hinaus einen Einblick in die gesellschaftlichen und politischen Realitäten und deren

|Nr. 1| Regierungsrat Baschi Dürr, (*1977, Vorsteher des Justiz- und Sicher­heitsdepartements seit 2013)

­ andel seit 1816. Schliesslich lag und liegt der Erfolg der W Basler Polizei immer in der Nähe zu Land und Leuten. Das hat sich bis heute nicht verändert – im Gegenteil: Nicht nur konnte der Kanton die Hoheit über seine ­Polizei und damit die Sicherheit seiner Bürgerinnen und ­Bürger vor dem Zugriff des Bundesstaats immer wieder verteidigen. Das Polizeikorps repräsentiert heute wie noch nie in seiner Geschichte die ganze Breite einer ­immer vielfältiger gewordenen Bevölkerung. Zu den fast tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ­Basler ­Kantonspolizei zählen Frauen und Teilzeiter genauso selbstverständlich wie Menschen aller Nationa­ litäten und Religionen. Und auch schwarz oder schwul sind keine Schimpfwörter mehr, sondern heute im ­ ealität. Als Abbild der ganzen Gesellschaft ist Korps R denn auch das Vertrauen in die Polizei hoch, wie etwa die jüngste Kunden­umfrage oder die Akzeptanz im Grossen Rat z­ eigen. Eben hat das Kantonsparlament ohne ­Gegenstimme (!) der Bewaffnung von Sicherheitsassistenten zugestimmt. Auf so viel Verständnis konnten meine 18 Vorgänger als Basler Polizeidirektoren nicht immer zählen… Mit dem Vertrauen wächst aber auch die öffentliche Erwartungs- bis Anspruchshaltung. Nach einer Wachstumsphase ist die Kantonspolizei deshalb daran, ihr ­Jahresbudget von gegen 150 Millionen Franken noch effizienter einzusetzen. Das Grossprojekt Kapo2016 er­ möglicht mit den Technologien des Informationszeit­ alters und – damit verbunden – neuen Prozessen den wichtigsten Entwicklungsschritt seit Jahren. Nicht zuletzt soll so die in über 200 Jahren angewachsene Bürokratie auf den Posten halbiert und dafür die Arbeit im Einsatz, die Präsenz auf der Strasse weiter gestärkt werden. Ein späteres Jubiläumsbuch wird darüber berichten, ob ­dieses ambitionierte Ziel hat erreicht werden können.

13


Dass der Projektname «Kapo2016» ans diesjährige J­ ubiläum erinnert, ist gewollt. So soll sich neben der Rückschau auch der Blick nach vorn öffnen. Und dieser wiederum wäre nicht möglich, wenn wir nicht wüssten, woher wir kommen. Mein herzlicher Dank geht deshalb an den Autor dieser umfassenden Jubiläumsschrift, den ehemaligen Basler Staatsschreiber und vormaligen Polizeioffizier Robert Heuss, und an seinen Co-Autor, den Polizeiwachtmeister und Kurator des Polizeimuseums Daniel Vogt. Und schliesslich geht mein ganz grosser Dank an alle Polizistinnen und Polizisten, die sich seit 1816 für Ordnung und Sicherheit in der Region, im Kanton und in der Stadt Basel eingesetzt haben. Und das auch in Zukunft tun werden. Seit 200 Jahren im Dienst, ist und bleibt unsere «Schuggerei» das Rückgrat der öffentlichen Gesellschaftsordnung. Regierungsrat Baschi Dürr

14


Vorwort und Dank des Autors Die Geschichte der Basler Kantonspolizei ist bisher nie ­systematisch erfasst worden, im Gegensatz zu jener der 1882 gegründeten Feuerwehr. Hauptmann Adolf Ramseyer verfasste 1955 zum 50-Jahr-Jubiläum des Polizei­ beamtenverbandes verdienstvollerweise ein wertvolles Buch zur Geschichte der Basler Polizei. Es waren aber – wie er seine Geschichtliche Entwicklung der Basler Polizei selbst bezeichnete – bloss Fragmente. Zum 175-jährigen Bestehen kam 1991 zwar ein Jubiläumsbuch heraus, es ­bestand aber polizeigeschichtlich ebenfalls nur aus ­Bruchstücken. Von privater Seite sind zusätzliche Fragmente zur Basler Polizeigeschichte beigesteuert worden. So hat der Polizeibeamtenverband zu seinem 50., 75. und 100. Geburtstag jeweils eine Jubiläumsschrift mit­ Angaben zur Polizei­geschichte herausgegeben. Eine ­entsprechende Tradition haben auch die meisten Poli­zei­vereine mit Jubiläumsschriften, -broschüren und ­-büchern gepflegt. Im Hinblick auf das 200-Jahr-Jubiläum des Bestehens der Kantonspolizei im Jahr 2016 fragte im April 2012 Oberstleutnant Rolf Meyer den Autor an, ob er Zeit und Lust hätte, eine etwas umfassendere Geschichte über die ersten 200 Jahre der Basler Kantonspolizei zu schreiben, eine ebenso ehrenvolle wie erfüllende Aufgabe für einen ehemaligen Polizeioffizier, der 23 Jahre lang direkt am Geschehen beteiligt war. Bei der Zusage wurde allerdings der Aufwand erheblich unterschätzt! Insbesondere wurde nicht bedacht, dass für die ersten 100 Jahre nur wenig ­gedrucktes Material vorhanden war. Stattdessen mussten Aktenstücke aus dem Staatsarchiv aus altdeutscher, uns nicht mehr geläufiger Schrift abgeschrieben werden. Für die Zeiten nach Einführung der Schreibmaschine um 1900 wurde die Forschungsarbeit dann einfacher. Es war das Bestreben des Autors, möglichst viele ­Facetten der Basler Polizei festzuhalten und in die oft schwierigen Zeitumstände einzubetten. Das Buch erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Wis­ senschaftlichkeit. Fussnoten dienen deshalb der Erklärung und nicht dem Quellennachweis. Dafür findet sich im Anhang ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis. Damit später an der Polizeigeschichte Interessierte auf das Material des Autors zurückgreifen können, ist es in Form einer Chronologie auf der Homepage der Basler Polizei bzw. im Archiv des Polizeimuseums in ­elektronischer Form greifbar. Die braun umrahmten Texte gehören nicht unbedingt zur Pflichtlektüre. Sie richten sich eher an ein ­Fachpublikum, das punkto Uniformierung, Bewaffnung und Ausrüstung umfassend und detailgetreu die Entwicklung der letzten 200 Jahre nachvollziehen möchte.

|Nr. 2| Robert Heuss (*1945), 1970–1972 juristischer Mitarbeiter Polizei­ kommando, 1973–1981 Leiter der Verwaltungsabteilung als Polizeihauptmann, 1982–1992 Stabschef, 1992–1993 stellvertretender Polizeikommandant als Oberstleutnant, 1994–2008 Staatsschreiber.

Betont sei, dass Sie eine Geschichte der letzten 200 Jahre der Basler Polizei in Händen halten und nicht eine Dokumentation der heutigen Polizei, was sich insbesondere bei der Fotoauswahl ausgewirkt hat. Ohne das von Wachtmeister Daniel Vogt in den letzten 25 Jahren zusammengetragene und im Polizei­ museum aufbewahrte Material (Uniformen, Waffen, Fahrzeuge, Funkgeräte, kurz: alles, was im Polizeidienst Verwendung fand, aber auch Karteien, Tagesbefehle und Schriftstücke des Polizeialltags) hätte dieses Buch nicht geschrieben werden können. Daniel Vogt hat den Autor nicht nur angeregt, beraten und mit Material beliefert, er hat sich auch mit allen Texten kritisch auseinander­ gesetzt, sie hinterfragt und Verbesserungen angeregt. So kam eine äusserst fruchtbare vierjährige Zusammenarbeit zu Stande. Möglich war dies nur dank dem Ent­ gegenkommen der Polizeileitung, die Daniel Vogt die für die Unterstützung notwendige Zeit zur Verfügung stellte. Oberstleutnant Rolf Meyer und Wachtmeister Daniel Vogt danke ich herzlich für die äusserst angenehme Zusammen­arbeit. Den Mitgliedern der Begleitgruppe danke ich für viele Anregungen und das Mittragen des Vorhabens. Es waren dies neben Oberstleutnant Rolf Meyer und Wachtmeister Daniel Vogt, Dr. phil. Franz Egger vom Historischen Museum, Dr. phil. Martin Schütz, stellvertretender Leiter Kommunikation des Justiz- und Sicherheitsdepartements, Hauptmann Franziska Schwitter, Betriebspsychologin

15


der Kantonspolizei, sowie Dr. phil. Hermann Wichers, Leiter Informationsvermittlung beim Staatsarchiv. In der Schlussphase ist mir Ruedi Messerli, vor vielen Jahren Lokalchef der Basler Zeitung, mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Mit seiner journalistischen Erfahrung hat er den Rotstift angesetzt, so dass der Text gestrafft und auf das zulässige Mass reduziert werden konnte. Uniformen und die dazugehörige Ausrüstung sind wichtige Requisiten des polizeilichen Alltags. Dem Kenner erlauben sie auch, Fotos zu datieren. Die absolute schweizerische Autorität auf diesem Gebiet, Jürg Burlet, Kurator für Uniformen und Fahnen am Schweizerischen Nationalmuseum, ist für dieses Buch mit Rat und Tat zur Verfügung gestanden. Ihm gebührt grosser Dank und ­Anerkennung. Roland Schweizer hat die Vorgabe, alle Korpsange­ hörigen in ihrem beruflichen Umfeld zu fotografieren, auf treffliche Weise umgesetzt. Er hat auch zur hohen Qualität der Bilder dieses Buches wesentlich beigetragen, wofür ihm grosser Dank ausgesprochen sei. Meine Frau, Dr. iur. Christine Heuss-Lüdin, hat nicht nur meine handschriftlichen Texte in die Tastatur gehauen, sondern diese auch kritisch begleitet und zu­ weilen verbessert. Sie hat es zudem hingenommen, dass das Familienleben über lange Zeit in den Hintergrund ­treten musste. Die Texte sind Ende 2015 abgeschlossen worden. Dr. iur. Robert Heuss Februar 2016

16


Die Sicherheitsdienste im Kanton Basel bis 1816

17


Sicherheit – ein menschliches Grundbedürfnis Seit der Geschichte von Kain und Abel aus dem Alten Testament wissen wir, dass es Verbrechen schon immer gegeben hat. Sich davor zu schützen ist ein Urbedürfnis. Meist überforderte dies die Kraft des Einzelnen, also musste er sich zusammentun mit anderen, in der Fa­ milie oder in der Dorfgemeinschaft. Später waren es die Mächtigen im Land, die ihren Untertanen Schutz boten, die Landesherren, Ritter, Grafen, Herzöge und Könige. Sie konnten Verbrechen zwar meistens nicht verhindern, sie boten aber doch Gerechtigkeit und Ausgleich des erlittenen Schadens, indem sie eine Gerichtsbarkeit unterhielten. Es kann nicht Sache dieser Darstellung der vor 200 Jahren geschaffenen Polizei des Kantons Basel-Stadt sein, das Polizeiwesen seit den Römern darzustellen.1 Dennoch ist es für das Verständnis der ab 1816 entstandenen Institutionen nützlich, auf das frühere Polizeiwesen hier kurz einzugehen.

und Bankenstadt und gelangte zu beachtlichem Aufschwung. Dazu trug auch die Öffnung des Weges über den Gotthard bei: In den Jahren 1220 (Twerrenbrücke) und 1230 (Teufelsbrücke) wurden in der Schöllenenschlucht Brücken über die Reuss geschlagen. Sie bildeten die Voraussetzung für Personen- und Warenverkehr über den Gotthard, die kürzeste Verbindung zwischen Nord und Süd. Für Basel galt es, nicht nur den Bewohnern der Stadt Sicherheit zu gewährleisten, sondern auch die weit verstreute Bevölkerung auf der Landschaft und insbesondere auch die Handelswege ins Mittelland über die beiden Hauensteinpässe zu sichern. Denn Überfälle auf Handelszüge mit ihren wertvollen Gütern bildeten eine grosse Gefahr, ganz zu schweigen von den Raubrittern und Landstreichern, Zigeunerbanden, Wegelagerern und Vaganten2, von den Ehr- und Rechtlosen, die sich umhertrieben und für Reisende wie Sesshafte eine ständige Bedrohung darstellten.

Kernstadt und Landschaft Zum Schutz der Stadt und der Bürgerschaft vor äusseren Feinden, also vor feindlichen Armeen, aber auch vor Landstreichern und fremdem Gesindel, vor Bettlern und Vaganten wurden bereits im 11. Jahrhundert Befestigungsanlagen gebaut: Bischof Burchard von Hasenburg liess die damals offene und wegen der allgemein einsetzenden Landflucht stark gewachsene Stadt mit einem Mauerwerk von der Freien Strasse bis an den Birsig versehen. An diesem Festungswerk wurde auf beiden Seiten des Rheins während etwa 350 Jahren gebaut. Als es 1398 vollendet war, umfasste es nicht nur Mauern und Gräben, sondern auch 44 Türme und 1’499 Zinnen. Sieben mit Toren ausgestattete Türme (zwei im Kleinbasel: Bläsi- und Riehentor; fünf im Grossbasel: Alban-, ­Aeschen-, Steinen-, Spalen- und St. Johanntor) waren die einzige Möglichkeit, die Stadt zu betreten und zu verlassen. Von freiem Personenverkehr konnte also keine Rede sein. Dieses mittelalterliche Stadtbild, wie es ­Matthäus Merian auf seinem Stadtplan von 1615 festhielt, blieb bis 1860 ohne grosse Veränderungen erhalten.

Sicherheitsdienst auf der Landschaft Wie der spätere Polizeikommandant Adolf Ramseyer in seiner Geschichte über die Basler Polizei ausführt, seien die Basler Ratsbücher voll von Klagen, «dass die Fuhrleute um ihre Rosse und Wagen, die Krämer um ihre Ballen und die Metzger um ihr Vieh kämen». Zur Abwehr dieser Unsicherheiten auf den Landstrassen bildeten sich verschiedene Bündnisse, die alle zum Ziel hatten, den Landfrieden zu schützen und ungerechtfertigte Zölle abzuwehren. 1254 schlossen sich über 60 der bedeutendsten Städte am Rhein zum Rheinischen Städtebund zusammen. Sie beschworen den Bund, dem auch Basel beitrat, auf zehn Jahre und gelobten sich, Ruhestörer mit vereinten Kräften niederzuzwingen. 1301 schloss Basel ein ähnliches Bündnis mit den Mächtigen im Elsass, 1303 mit Bern, Solothurn, den Grafen von Habsburg sowie mit der Herrschaft Österreich. 1327 kamen mit einem weiteren Bündnis Speyer, Worms, Mainz, ­Zürich, St. Gallen, Konstanz, Überlingen sowie Lindau und etwas später auch die Urkantone dazu. Diesen Vereinbarungen lag stets das Bestreben zugrunde, gegen Landfriedensbrüche vorzugehen und sich bei nötigen Strafexpeditionen gegen Räuberbanden gegenseitig Hilfe zu leisten und mit Rat und Tat beizustehen. Die Bündnispartner verfügten über Soldaten, Pferde und Waffen. Sie mussten sich verpflichten, eine im Voraus festgelegte Zahl Bewaffneter zu stellen, wenn sie um

Verkehrsdrehscheibe und Hüter wichtiger Juraübergänge 1225 liess Fürstbischof Heinrich von Thun in Basel eine Brücke über den Rhein bauen, die Mittlere Brücke. Durch sie wurde Basel zu einer bedeutenden Handels1

18

Siehe dazu: Ramseyer Adolf, Basels Polizei im Wandel der Zeiten, Fragmente zur geschichtlichen Entwicklung des Basler Polizeiwesens, in: Polizeibeamten-Verband Basel-Stadt 1905– 1955, Basel 1955.

2 Ursprünglich (im Mittelalter) umherziehender Sänger, Musikant oder Spielmann, was später dem Vagabunden (Landstreicher, Nichtsesshafter, Obdachloser) nachempfunden zu einem polizeilichen Schimpfwort wurde.


Unterstützung angegangen wurden. Dadurch konnten Kräfte gebündelt und organisierte Banden von Wege­ lagerern und Räuberbanden zerschlagen werden. Burgen von Raubrittern wurden belagert, erobert, geschleift und die Verbrecher hingerichtet. Eine andere Art, die Handelswege zu schützen, waren Geleitzüge. Bewaffnete Schutztruppen sorgten für die ­Sicherheit der Kaufmannszüge und der Reisenden. Gegen Entrichtung eines Geleitgeldes war der Geleitherr – meist der Landesherr – verpflichtet, «allen Schaden, der einem Reisenden in seinem Gebiet widerfuhr, zu ersetzen». Der Reisende erhielt einen Geleitbrief, ein Vorläufer unseres heutigen Reisepasses, in dem ihm Schutz garantiert wurde. Der Landesherr hatte so alles Interesse daran, den Landfrieden aufrecht zu erhalten. Basel hatte das Recht, Durchreisende mit einem eigenen Geleit zu beschützen, bereits 1372 von Kaiser Karl IV. erworben. Für diese Aufgabe wurden von Basel Söldner (unter ihnen auch Edelleute) eingesetzt. Sie waren die Vorläufer der späteren Landstrassenpolizei. Vom 15. Jahrhundert an nahm auf dem Land das­ ­Bandenwesen zu. Mit harten Massnahmen ging die ­Obrigkeit dagegen vor. Es wurden regelrechte Treib­ jagden gegen das Gaunervolk organisiert und Massen­ untersuchungen durchgeführt – heute würde man von ­Razzien sprechen. Auf Dauer waren diese Massnahmen indes wenig erfolgreich. Die Bandenmitglieder, die aus­ serhalb der Gesellschaft standen, wurden vollends ­heimatlos und hatten keine Möglichkeit mehr, auf anständige Weise ihr Brot zu verdienen. Durch die polizeilichen Massnahmen wurden sie von Ort zu Ort getrieben und waren überall unerwünscht. Am schlimmsten wüteten die Gauner- und Räuberbanden während und nach dem Dreissigjährigen Krieg (1618–1648). Auch Basel war davon stark betroffen. 1628 wurde beschlossen, «sechs oder acht rechtschaffene, redliche und tapfere Bürger von Basel, Liestal oder Waldenburg als Profosen»3 anzustellen. Sie hatten das ihnen zugeteilte Gebiet täglich zu bereisen, die Landstreicher abzumahnen und auszuschaffen, Widerspenstige oder grösserer Taten Verdächtigte festzunehmen und examinieren zu lassen. Auch damit konnte die Unsicherheit auf den Landstrassen nicht beseitigt werden. So wurde 1634 mit der Anwerbung eines besonderen Reiterkorps begonnen, das vorerst aus 45 Mann bestand. In drei Rotten aufgeteilt, hatten die Mitglieder dieses Korps die Umgebung

3

Wikipedia vom 20.01.14: Profos (Militär) «Der Profos war im 16. Jahrhundert ein mit der Regimentspolizei beauftragter Militärbeamter, der sich in seinem Regiment um die Durchsetzung und Einhaltung der Feldordnung unter den Landsknechten zu kümmern hatte …».

der Stadt zu durchstreifen und die Strassen vor Räubern zu sichern. Obwohl das Korps später auf zehn Mann reduziert wurde, scheint es gute Dienste geleistet zu haben. Den durchschlagenden Erfolg brachte aber auch diese Truppe nicht. Den Landvögten, den von der Kantonsregierung eingesetzten Statthaltern in den Bezirken auf der Landschaft, die für die Ordnung verantwortlich waren, standen nur wenige Knechte oder Weibel zur Verfügung. Deshalb war es primär Aufgabe der Gemeinden, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, was sie mit sogenannten Dorfwächtern erledigten. Diese Dorfwächter hielten das Strolchengesindel von den Dörfern fern, beseitigen ­konnten sie es aber nicht. Basler Stadtgarnison (1621–1799) Im Gegensatz zum benachbarten Breisgau und zum ­Elsass, die im Dreissigjährigen Krieg schrecklich in Mitleidenschaft gezogen wurden, blieb Basel seiner Neu­ tralität wegen vom Krieg verschont. Da die Basler Stadtbehörden aber nicht wissen konnten, ob ihre Neutralität respektiert würde, rekrutierten sie 1621 mehrere hundert Söldner, um sich gegen die zahlreichen fremden Kriegsscharen in der Stadt zu wappnen. Daraus entstand die Stadtgarnison. Bereits 1622 erreichte ihr Bestand 750 Mann – bei einer Stadtbevölkerung von etwa 13’000 Menschen eine grosse Zahl. Auf Dauer war eine so grosse militärische Truppe finanziell nicht verkraftbar. Die Stadt passte deshalb den Bestand laufend der jeweiligen Gefahrenlage an. Das Korps setzte sich nur aus ausländischen Soldaten zusammen, denn es durften weder Bürger noch Untertanen angeworben werden. Die Stadtgarnison war in Kompanien aufgeteilt, wobei die erste und stärkste unter dem Befehl des Stadtleutnants stand, während die andern durch Hauptleute geführt wurden. Während des Dreissigjährigen Krieges suchten viele Menschen in Basel Zuflucht. Die damit verbundenen, prekären sanitären Verhältnisse hatten eine Pestepidemie zur Folge. Sie forderte im Jahre 1628 2’600 Opfer – einen Fünftel der Stadtbevölkerung! Nach dem Dreissigjährigen Krieg und der Wiederkehr des Landfriedens war es möglich, die meisten der Söldner zu entlassen. Etwa 100 der Tüchtigsten wurden behalten, vor allem zur Besorgung der Wachtdienste unter den Toren, so dass die Bürgerwachen, die ihren Dienst nur schlecht und recht versahen, reduziert werden konnten. Ende des 17. Jahrhunderts wurden die ­Soldaten der Stadtgarnison auch zu nächtlichen Patrouillengängen vor den Toren Spalen, Steinen und­ St. Johann beigezogen. Aus Anlass der Verfassungswirren von 1691 – ein eigentlicher Bürgerkrieg, bei dem es um die Verteilung der politischen Ämter ging – wurde

19


die Stadtgarnison nochmals auf 350 Mann erhöht. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Soldaten noch bei den Bürgern einquartiert, nun entschloss man sich, sie zu kasernieren: Im «Blömlein», einem Gebäude des ehemaligen Steinenklosters,4 im Kloster Klingental (von 1804 bis zur Auflösung 1856 der Standort der Standeskom­ panie bzw. ab 1834 der Standestruppe) und im Predigerkloster (bis ca. 1750). Auch wenn die Stadtgarnison im 18. Jahrhundert auf 75 Mann reduziert wurde, übernahm sie immer mehr polizeiliche Funktionen wie das Stellen von Wachtposten an den Stadttoren, Kontrolle der Wirtschaften und Märkte, Rathauswache, Patrouillen, Begleitung von Verurteilten zur Richtstätte oder Transport von Gefangenen. Harschiererkorps (1744–1817) Auf dem Land gelang es den Dorfwachen derweil immer weniger, dem herumstreifenden «Gesindel» beizukommen. Nachdem 1744 eine Landstreicherbande das Dorf Bottmingen in Brand gesteckt hatte, beauftragte der Rat vier Soldaten der Stadtgarnison mit der Vertreibung des Strolchengesindels aus der Landschaft. Sie wurden zuerst Archers, schon bald aber Harschierer genannt.5 1752 wurde ihr Bestand auf sieben Mann erhöht. Sie hatten den eigentlichen Polizeidienst zu Stadt und Land zu besorgen. Da aber die Sicherheit auf der Landschaft immer mehr zu wünschen übrig liess, beauftragte der Rat von Basel Major Nicolaus Miville, ein Projekt zur ­Bekämpfung des Strolchenwesens in der Stadt und auf der Landschaft auszuarbeiten. Dieser Plan war weg­ weisend für den späteren Ausbau des Polizeiwesens auf der Landschaft. Er wurde 1760 vom Rat zu Basel genehmigt, nicht zuletzt, weil er aufzeigte, dass die entstehenden Kosten den Gemeinden auferlegt werden konnten. Nur die Ausrüstung sollte von der Obrigkeit abge­geben werden. Der Rat übertrug daraufhin Miville die Leitung des gesamten Polizeiwesens mit der Aufsicht über das Gefangenenwesen. Das Korps bestand nun aus 21 Mann, wobei neun in der Stadt, vier im Amt Farnsburg, drei im Amt Waldenburg, je zwei in den Ä ­ mtern Liestal und Münchenstein sowie einer im Amt Homburg eingesetzt wurden. Aufgaben der Harschierer waren der Wacht- und Patrouillendienst sowie das A ­ ufspüren von Straf­tätern.

4 Heute steht da der Tinguelybrunnen. 5 Der «arciero» bezeichnete auf Italienisch wie der «archer» im Französischen den Bogenschützen». Daraus wurde der «Artschirre», die Bezeichnung für Diener von Berittenen. Im späten 18. Jahrhundert wurden die Polizeisoldaten vor allem auf dem Land als «Harschierer» bezeichnet: Harschier, Landjäger, Polizist – 200 Jahre Kantonspolizei Nidwalden, Stans 2008.

20

Unter Mivilles straffer Führung konnten die Harschierer schon bald die Sicherheit wesentlich verbessern. Mit dem Tod Nicolaus Mivilles 1791 hatte das Harschiererkorps seinen Höhepunkt erreicht. Unter seinen Nach­ folgern verlor es zusehends an Disziplin. 1796 bestand es aus acht Stadt- und 20 Land-Harschierern sowie drei Profosen, total 31 Mann. Ende 1798 waren es in der Stadt 26 Harschierer und vier Profosen, auf dem Land 18 Harschierer. Von diesen 44 Harschierern waren aber je einer 86, 79, 76, 75, 74, 66 und 62 Jahre alt. Da es keine Pensionsgelder gab, musste man sie, um sie und ihre Familien nicht verhungern zu lassen, im Dienst belassen. In einem Bericht an den Bürgermeister über seine Tätigkeit beklagte sich Anfang 1798 Polizeileutnant ­Johann Heinrich Zäslin bitter über die Verschlechterung der Sicherheit und das Nachlassen der Disziplin in seinem Korps. Die Zahl der Harschierer sei viel zu gering, unter den Toren halte niemand mehr Wache, verdächtige Leute in den Gasthöfen und Kosthäusern kontrolliere niemand mehr. Anfang März 1798 ersuchte Zäslin seine vorgesetzte Stelle seiner zerrütteten Gesundheit wegen um Entlassung. Im April 1798 wurde Bürgerwachtmeister Johann Jakob Wolleb zum neuen Polizeileutnant ernannt. Der aber scheint faul und seiner Aufgabe nicht gewachsen gewesen zu sein, so dass er bereits 1799 nicht mehr im Amt war. Da die Staatsfinanzen in einem erbärmlichen Zustand waren, wurde mehrmals erwogen, das Harschiererkorps, das jetzt unter napoleonischem Einfluss auch Maréchaussée genannt wurde, aufzulösen. Dem Polizeileutnant wurde das Gehalt schon mal von 75 auf 40 Louis d’Or 6 gekürzt. Die Neubesetzung der Stelle des Polizeileutnants stiess deshalb auf Schwierigkeiten. Schliesslich setzte der Kriegsminister der Helvetischen Republik, der in Luzern residierte, 1799 Christian Bemler als neuen Polizeileutnant ein. Sein Titel lautete: Polizei-Lieutenant und Commandant der Maréchaussée und der Häscher des Cantons Basel. Aber auch dem Lieutenant war keine lange Polizeilaufbahn beschieden: mit der Mediation im Jahre 1803, die das Ende der zentralistischen Helvetischen Republik zur Folge hatte und den alten Föderalismus wieder einführte, verschwand er von der Bildfläche. Nun wurde Leutnant Ludwig Beck mit dem Amt betraut. Schon im August 1805 wurde er wegen

6

Der Louis d’or (neuf) wurde von 1773 bis 1798 auf 160 Batzen Basler Währung taxiert und jeder (Rechnungs-) Batzen entsprach 20 Stäbler oder Pfennig, so dass er insgesamt 3’200 Stäbler oder 13 Pfund, 6 Schilling, 8 Pfennig/Stäbler entsprach. Er sollte 7,01 g Feingold enthalten, hatte aber in der Regel 6,78 g. Bei einem derzeitigen Goldpreis von knapp 39 Fr. pro Gramm Feingold kommt man heute auf einen Goldwert um 270 Franken.


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Basler Polizei by Schwabe Verlag - Issuu