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Farbklänge am Bau

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Farbklänge Farbklänge am am Bau Bau

Farbe Farbe Farbe Farbe am am am am Bau Bau Bau Bau interessiert interessiert interessiert interessiert jedermann. jedermann. jedermann. jedermann. Für Für Für Für eine eine eine eine gute gute gute gute Farbgestaltung Farbgestaltung Farbgestaltung Farbgestaltung braucht braucht braucht braucht es es es es nicht nicht nicht nicht nur nur nur nur ein ein ein ein sicheres sicheres sicheres sicheres Gefühl Gefühl Gefühl Gefühl für für für für Harmonie Harmonie Harmonie Harmonie und und und und Spannung Spannung Spannung Spannung

Farbklänge Farbklänge am am Bau Bau

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Farbklänge am Bau

Handbuch für die Praxis

Denkmalpflege im Thurgau CRB Haus der Farbe Zürich 1


Farbklänge am Bau Handbuch für die Praxis

Konzeption und Realisierung: Eva Leuba, Lino Sibillano, Stefanie Wettstein Haus der Farbe – Höhere Fachschule für Farbgestaltung, Zürich Herausgegeben vom Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Schwabe Verlag Basel


Copyright © 2015 Schwabe AG, Verlag, Basel und Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Schriftleitung: Ruedi Elser Redaktion: Beatrice Sendner Gestaltung und Satz : icona basel Fotografien : icona basel, Christoph Gysin Schriften : Berthold Akzidenz Grotesk und Sabon Papiere : PhoeniXmotion Xantur von Scheufelen (Mappe), Claro Gloss von Sappi (Fächer glatt ), Curious Matter von ArjoWiggins (Fächer rauh) Lithos und Druck : Schwabe AG, Muttenz/Basel, Schweiz Buchbinderische Verarbeitung : Bubu AG, Mönchaltorf Printed in Switzerland ISBN 978-3-7965-3512-3 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch


Inhalt Einleitung    7 Farbklänge 11 Fächerteil I Das rote Thurgauer Fachwerk 13 Fächerteil II Eine Kleinstadt mit historischem Kern 17 Fächerteil III Bauen in der Landschaft 21 Sockelfarben 25 Farben mischen 27 Bemusterung 29 Firmen- und Fächerbezeichnungen 30 Literatur 31


Einleitung Farbklänge im Bestand

In der öffentlichen Wertschätzung treten heute neben Burgen, Schlösser, Kirchen und Klöster zunehmend gut erhaltene Altstädte, gepflegte Dörfer und intakte Siedlungen. Was wir als Harmonie empfinden, verdanken sie überwiegend den ökonomischen, technischen und gesellschaftlichen Beschränkungen vergangener Zeiten. Bauten sind nicht nur physisch mit ihrem Standort verbunden. Sie wachsen gewissermassen aus ihrem Untergrund heraus. Bis ins Eisenbahnzeitalter der Bauten stammten deren mineralische Grundmaterialien aus einem Umkreis von wenigen Kilometern, so weit Ochsengespanne an einem Tag kamen. Die Reichweite vergrösserte sich nur im Bereich von schiffbaren Gewässern. Das heisst, dass Bauten in ihrem farblichen Habitus aus ihrer Entstehung heraus mit ihrer Umgebung eins waren: Sicht­ mauerwerk, Einfassungen von Fenstern und Türen aus Haustein, aber auch der Verputzsand stammten aus der Nähe. Pigmente, mit denen man farbige Anstriche zum Schutz oder zur Zierde von Oberflächen gestalten konnte, kamen von weiter her. Ihre Verwendung wurde bestimmt durch kulturelle Vorlieben und Sehgewohnheiten, wobei der Preis sicher eine wichtige Rolle spielte. Was von sehr weit her kam oder selten war, war teuer und besonderen Zwecken oder auserwählten Personen vorbehalten – denken wir nur an Purpur in der Antike oder an Blaupigmente in der Tafelmalerei und an Luxusbauten. Im 20.Jahrhundert hob die Farbchemie mit neuen, industriell hergestellten Pigmenten diese Beschränkung zwar auf. Trotzdem lässt sich feststellen, dass die althergebrachten Farbtraditionen auch mit den neuen Möglichkeiten meist nur leicht verändert weitergeführt wurden. Das lässt sich in einem Kleinstädtchen wie Steckborn feststellen oder bei den Fachwerkbauten von Zihlschlacht. Viele ihrer typischen Farb­akkorde finden sich aber auch in anderen Siedlungen, nicht nur im Schweizer Mittelland. Heute, da weder den technischen Möglichkeiten noch den individu­ ellen Vorlieben Grenzen gesetzt sind, geht es darum, diesen Gleichklang 7


nicht nur durch Rücksichtnahme zu bewahren, sondern auch zeitgemäss fortzuschreiben. Dazu gehören sowohl angemessene Ergänzungsbauten als auch in kaum zu überschätzendem Mass eine adäquate Farbgebung. Die Beratung bei Fassadenrenovationen oder bei der Farbgebung von Neu­bauten in historischen Ortskernen gehört zum Tagesgeschäft der Denkmalpflege. Siedlungen haben nicht nur eine typische Baukultur. Im kleinräumlichen Bereich lässt sich auch eine spezifische Farbkultur ausmachen. Diese im Lauf der Zeit gewachsene Summe von Farbgebungen ist einmalig und typisch. Mit dieser Identität angemessen umzugehen, ist eine Aufgabe, die sorgfältige Beobachtung, Fachwissen und ein geschultes Auge erfordert. Einen befriedigenden Weg zwischen dem berechtigten Wunsch nach Neuem und der gebotenen Rücksicht auf das bereits Vorhandene zu finden, stellt dabei an alle Beteiligten hohe Ansprüche. Hilfestellung kann dabei eine lokale Farbkarte bieten, welche die selbstverständliche Farbverwandtschaft, die durch historische Materialien und an der Tradition orientierte Sehgewohnheiten entstanden ist, aufzeigt. Inspiriert durch die farbliche Bestandesaufnahme der Stadt Zürich beauftragte daher das Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau das Haus der Farbe Zürich mit der Erarbeitung einer Farbkarte für den Thurgau. Anstelle einer flächendeckenden Analyse wurden fünf typische Situationen ausgewählt und untersucht: eine historische Kleinstadt, eine bescheidene ländliche Siedlung, ein von Fachwerkbauten geprägtes Dorf, Bauten in der und am Übergang zur Landschaft sowie eine Gemeinde mit Agglomerationscharakter. Die Thurgauer Farbkarte leistet eine wichtige Vorarbeit für eine Farbgestaltung, die indivi­ duellen Wünschen gerecht wird, ohne den Raum der Gemeinschaft zu ­verletzen oder zu verlassen. Das Resultat wurde 2013 als Band 15 der Reihe «Denkmalpflege im Thurgau» unter dem Titel «Farbkultur im Thurgau pflegen und gestalten» publiziert und hat seitdem in der täglichen Beratung eine wichtige Aufgabe. Die zugehörige, mit Hörspielen angereicherte Wanderausstellung machte bisher an neun Orten Station und lenkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema. Bereits während des Projekts wurden interessierte Fachleute aller Sparten und Kreise eingeladen, ihre Anregungen zu den Zwischenergeb­nis­ 8


sen einzubringen. Dabei war von Anfang an der Wunsch nach einem praxistauglichen Instrument nicht zu überhören. Das nun vorliegende Praxisbuch «Farbklänge am Bau» richtet sich an Architekten, Behörden, Bauherrschaften und Handwerker und zeigt mit 161 Farbkarten in übersichtlicher Art und Weise Farbkombinationen auf. Der Fokus liegt dabei nicht auf dem Einzelmuster, sondern auf dem Zusammenklang. Dazu ­können Fassadenfarben vielfältig mit Akzentfarben kombiniert werden, beispielsweise für Fensterläden, Fachwerk, Türen und Sockel. Mit seinem praktischen Format ist das auch für Liebhaber interessante Buch in erster Linie über den Thurgau hinaus als wertvolles Instrument für alle am Bau Beteiligten gedacht. Es soll dazu beitragen, dass tradierte Farbgebungen im heutigen Bauschaffen angewendet oder zeitgemäss interpretiert werden. Die aus dem Bestand abgeleiteten Farben sind daher nach gängigen Systemen teilweise mehrfach codiert und um Anweisungen für Handmischungen ergänzt. Damit findet das Projekt «Farbkultur im Thurgau» seinen Weg aus den Amtsstuben in die Welt der Baustellen. Beatrice Sendner

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Farbklänge Es gibt raffinierte und langweilige, ungefährliche und gewagte, laute und leise Farbklänge, und das vorliegende Handbuch unterstützt beim Komponieren all dieser Varianten. So stellt sich die Frage, wie man in der zur Verfügung stehenden Auswahl einen raffinierten, vielleicht sogar etwas gewagten und dennoch subtilen Farbklang findet beziehungsweise was ihn ausmacht. Das A und O ist ein geschärfter Blick für Farben, Materialien und Licht. Ein raffinierter Farbklang zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass er im Lauf der Tageszeiten und bei wechselnder Wetterstimmung seine Erscheinung ändert. Er reagiert auf Lichttemperatur, erscheint mal wärmer oder kühler, dann bunter oder fahler. Haupt- und Nebenfarben können sich bei geschickter Auswahl gegenseitig steigern. Dies gilt insbesondere bei komplementären Kombinationen, wie beispielsweise einer leicht rosafarbenen Fassade, die dank grünen Fensterläden oder grünlich gefärbten Leibungen bunter wirkt. Ein ähnlicher Effekt, der Simultankontrast, kann auch negative Folgen haben. Wird beispielsweise eine ockerfarbene Fassade mit einem neutral­ grauen Sockel kombiniert, so wirkt dieser violett. Um dies zu vermeiden, ist dem Grau des Sockels etwas Ocker beizumischen, und der Hell-DunkelKontrast der beiden Farben soll deutlich gewählt werden. Suchen Sie also mit Sorgfalt und genügend Zeit feine Klänge, die Spannung erzeugen und dank ihrem lebendigen Spiel das Ortsbild beleben. Lassen Sie sich dabei von Farbgestalterinnen und Farbgestaltern beraten.

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Fächerteil I Das rote Thurgauer Fachwerk

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Ein tradierter Farbklang nach ungeschriebenem Gesetz Legende zu den drei Farbkarten: Oben: Farben für Fensterläden (Ölfarbe) Mitte: Farben für Fachwerk (Ölfarbe) Unten: Farben für Fassadenfarben (Mineralische Anstriche)

Die Auswahl von Farben zeigt die vielfältigen Kombinationen von Erdrot und gebrochenem Weiss für Fachwerk und Füllung sowie zahlreiche mögliche Grünnuancen für die Fensterläden. Fachwerkhäuser sind gebaute Tradition und Kultur. Die grosse Mehrheit der Bauten wurde im Thurgau seit eh und je durch den Dreiklang rot, weiss, grün ausgezeichnet, und diese Regel blieb über die Jahrhunderte hinweg bestehen. Trotz der Einschränkung entfaltet sich ein beindruckender Farbenreichtum. Die vielfältigen Nuancen von Rot, Weiss und Grün verleihen den Fachwerkhäusern einen unterschiedlichen Charakter. Sie können je nach Wahl der Farben aus dem Dreiklang elegant, bodenständig, lebendig oder auch distanziert und zurückhaltend erscheinen.

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Fächerteil II Eine Kleinstadt mit historischem Kern

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Ein reiches Kolorit mit feinen Nuancierungen Legende zu den beiden Farbkarten: Oben: Akzentfarben für Fensterläden und Türen (Ölfarbe) Unten: Fassadenfarben (Mineralische Anstriche)

Die Auswahl von feinen und dennoch bunten Fassadenfarben kann mit praktisch jedem Farbton aus der Reihe der Akzentfarben kombiniert werden. Je nach gewählter Akzentfarbe wird die Fassadenfarbe in ihrer Buntnuance gesteigert oder eher gedämpft. Nicht empfehlenswert sind Ton-inTon-Kombinationen. Eine Kleinstadt ist immer ein Ensemble, im Ganzen wie auch in denjenigen Teilen, die aus bestimmten Blickwinkeln zusammen sichtbar sind: engstehende Häuserreihen entlang von Strassen, schmale Gassen, kleine und grössere Plätze. Dem Ensemblegedanken ist deshalb bei jeder Gestaltung innerhalb einer historischen Kleinstadt grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Traditionellerweise waren die Häuser verputzt und mit Kalkfarbe gestrichen. Ab ca.1920 kamen vermehrt die keimschen Mineralfarben zum Einsatz, die auch buntere und dunklere Fassaden ermöglichten. Sie fügten sich dank ihrer erdigen und natürlichen Erscheinung stimmig ins zarte Kolorit der Kalkfarben ein. Die feine Buntheit der Fassadenfarben bringt auch die leisen Töne zum Leuchten, so dass sich dennoch ein lebendiges Farbenspiel entfaltet. Die Lautstärke zu dämpfen, um auch die feinen Töne hörbar zu machen, ist entscheidend bei der Farbgestaltung in einer historischen Kleinstadt. Farbakzente setzen die in Öl gestrichenen Bauteile aus Holz (Türen, Fensterläden). Sie bilden eine reiche Palette von Buntfarben, die das ge­ samte Spektrum an Farben abdecken. Doch auch in diesem bunten Kolorit sind keine schreienden und grellen Farben zu finden, die Palette ist vielmehr von leicht gedämpften, in sich reichen Farben geprägt. Bei der Farbgestaltung einer Fassade ist zudem zu beachten, dass die Farben für Tür- und Fensterleibungen sich grundsätzlich an einer Stein­ farbigkeit orientieren und dass Fensterrahmen keinesfalls immer weiss sein müssen.

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