ISAAK ISELIN GESAMMELTE SCHRIFTEN KOMMENTIERTE AUSGABE
1 Schriften zur Politik 2 Schriften zur Ökonomie 3 Schriften zur Pädagogik 4 Schriften zur Geschichte
Wissenschaftliches Kuratorium Prof. Dr. Kaspar von Greyerz (Basel) Prof. Dr. Claudia Opitz-Belakhal (Basel) lic. phil. Esther Baur (Basel) lic. theol. Peter Felber (Basel) Dr. Lucas Marco Gisi (Basel) Prof. Dr. André Holenstein (Bern) Dr. Holger Jacob-Friesen (Karlsruhe) Prof. Dr. Béla Kapossy (Lausanne) Prof. Dr. Thomas Maissen (Paris/Heidelberg) Prof. Dr. Wolfgang Rother (Basel/Zürich) Prof. Dr. Andreas Urs Sommer (Freiburg im Breisgau) Prof. Dr. Danièle Tosato-Rigo (Lausanne) Prof. Dr. Daniel Tröhler (Luxembourg) Prof. Dr. Simone Zurbuchen Pittlik (Lausanne)
Der Basler Philosoph, Jurist, Ratsschreiber und Publizist Isaak Iselin (1728 –1782) ist einer der wichtigsten Vertreter der Schweizer Aufklärung. Mit seinem Haupt werk, der erstmals 1764 erschienenen Geschichte der Menschheit, gehört er zu den Begründern der modernen Geschichtsphilosophie. Die Bandbreite seiner Publi kationen reicht von politischen Reformschriften über Untersuchungen zur Wirt- schaftslehre bis zu pädagogischen Entwürfen. Als Herausgeber der Ephemeriden der Menschheit, als unermüdlicher Rezensent für Friedrich Nicolais Allgemeine deutsche Bibliothek und durch seine vielfältigen Kontakte mit zahlreichen Gelehrten wie auch mit politischen Persönlichkeiten innerhalb und außerhalb der Schweiz – etwa in der von ihm mitgegründeten Helvetischen Gesellschaft – wurde Iselin zu einem wichtigen Vermittler zwischen verschiedenen Strömungen innerhalb der europäischen Aufklärung und zu einem der damals bekanntesten Autoren im deutschsprachigen Raum.
ISAAK ISELIN
ISAAK ISELIN
GESAMMELTE SCHRIFTEN
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KOMMENTIERTE AUSGABE BAND 3
GESAMMELTE SCHRIFTEN SCHRIFTEN ZUR PÄDAGOGIK
SCHRIFTEN ZUR PÄDAGOGIK
Die pädagogischen Texte Iselins, die dieser Band vereinigt, reichen thematisch von Reformgedanken zur öffentlichen Schule über die Propagierung philanthropischer Lehrbücher und Privatschulen bis hin zu Vorschlägen zur Änderung der Basler Uni versitätsordnung. Die Beschäftigung mit pädagogi schen Themen entsprang meist konkreten Projekten und Absichten Iselins, der sich neben der Eliten erziehung schon früh der Volksbildung – darunter auch der Mädchenerziehung – zuwandte. Zwar fehlt bei Iselin eine eigene pädagogische Theorie, doch stellen seine pädagogischen Schriften in ihrer Gesamtheit ein Textkorpus dar, das wegweisende Gedanken zu Erziehung, Bildung, Schule oder Schulwesen umfasst und in seiner Vielfalt überrascht. Der Band enthält neben den bekannteren Einzel schriften wie dem Versuch über die Verbesserung der öffentlichen Erziehung sowohl veröffentlichte Brief wechsel – zum Beispiel mit Johann Kaspar Lavater über Basedows Elementarwerk oder mit Ulysses von Salis über das Philanthropin Marschlins – als auch bislang seltener rezipierte Beiträge aus Iselins Zeitschrift Ephemeriden der Menschheit, wie zum Beispiel den Entwurf einer erlauchten Akademie, für Söhne der Fürsten und der Grossen. Iselins Schriften zur Erziehung stießen bei Zeitgenossen wie Nicolai, Schlosser oder Pestalozzi auf großes Interesse – auch deshalb gilt es, Iselin als Pädagogen der Schweizer Aufklärung neu zu entdecken.
Der Herausgeber Marcel Naas, geb. 1973, studierte Pädagogik, Publi zistik und Philosophie an der Universität Zürich und promovierte an der Universität Luxembourg mit einer Arbeit zum Bild des Kindes in historischen Schweizer Kinderbibeln. Er arbeitet als Dozent an der Pädagogischen Hochschule Zürich.
Schwabe Verlag Basel www.schwabeverlag.ch
ISBN 978-3-7965-3340-2
ISAAK ISELIN
GES AMMELT E SC HRIFTEN KOMMENTIERTE AUSGABE BAND 3
WISSENSCHAFTLICHES KURATORIUM Prof. Dr. Kaspar von Greyerz (Basel) Prof. Dr. Claudia Opitz-Belakhal (Basel) Lic. phil. Esther Baur (Basel) Lic. theol. Peter Felber (Basel) Dr. Lucas Marco Gisi (Basel) Prof. Dr. André Holenstein (Bern) Dr. Holger Jacob-Friesen (Karlsruhe) Prof. Dr. Béla Kapossy (Lausanne) Prof. Dr. Thomas Maissen (Paris/Heidelberg) Prof. Dr. Wolfgang Rother (Basel/Zürich) Prof. Dr. Andreas Urs Sommer (Freiburg im Breisgau) Prof. Dr. Danièle Tosato-Rigo (Lausanne) Prof. Dr. Daniel Tröhler (Luxembourg) Prof. Dr. Simone Zurbuchen Pittlik (Lausanne)
SCHWABE VERLAG BASEL
ISAAK ISELIN
SC H RIF TEN ZUR PÄDAGOGIK HERAUSGEGEBEN VON MARCEL NAAS
SCHWABE VERLAG BASEL
Publiziert mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung Gedruckt mit Unterstützung der Berta Hess-Cohn Stiftung, Basel
Copyright © 2014 Schwabe AG, Verlag, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschließlich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Umschlaggestaltung: Atelier Mühlberg, Basel Gesamtherstellung: Schwabe AG, Basel, Schweiz Printed in Switzerland ISBN 978-3-7965-3340-2 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch
Inhalt Vorwort des Kuratoriums. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Siglen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Hinweise zur Edition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXXIX. Unvorgreifliche Gedanken über die Verbesserung der B---schen hohen Schule (1758) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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29
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Sammlung dem Nutzen und dem Vergnügen der Jugend geheiliget (1768) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vorrede 33. Kurzer Begriff der allgemeinen Geschichte 36.
Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schreiben an die Helvetische Gesellschaft die sich jährlich in
Schinznach versammelt über Herrn Professor Basedows Vorschläge zur Verbesserung des Unterrichtes der Jugend (1769) . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Ueber die Erziehung (in: VS II 1770) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Ueber die Erziehungs-Anstalten (in: VS II 1770) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Einige Briefe über das Basedowsche Elementarwerk von Isaak Iselin und Joh. Casp. Lavater (1771) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . I. II.
Iselin an Lavater 139. Lavater an Iselin 142.
VI
Inhalt III. IV. V. VI. VII.
Iselin an Lavater 146. Lavater an Iselin 148. Iselin an Lavater 152. Iselin an Lavater (1774) 153. Lavater an Iselin (1774) 156.
Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Schreiben an Herrn Ulysses von Salis von Marschlins […] über die Philanthropinen in Dessau und in Graubündten. Nebst der Antwort des Herrn von Salis. Und einem Entwurfe der Ephemeriden der Menschheit (1775) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . An Herrn Ulysses von Salis 183. An Herrn Isaak Iselin 202. Entwurf der Ephemeriden der Menschheit 213. An Cosmopoliten 221.
Kommentar. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . [Briefwechsel mit Schlosser über die Philanthropinen (in: EdM 1776-1778)]. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Herrn Hofrath Schlossers Schreiben an Herrn Rathschreiber Iselin über die Philanthropinen 243. Herrn Rathschreiber Iselins Antwort auf Herrn Hofrath Schlossers Schreiben über die Philanthropinen 253. Herrn Hofrath Schlossers zweytes Schreiben über die Philanthropinen 261. Herrn Hofrath Schlossers drittes Schreiben über die Philanthropinen 271. Herrn Hofrath Schlossers viertes und leztes Schreiben über die Philanthropinen 278.
Kommentar. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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über die Pflanzschulen von Schulleuten (in: EdM 1778). . . . . . . . . . . . . . . .
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Kommentar. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
333
Philologisches Seminarium zu Christian Erlangen. Aussichten
Anweisung für die Lehrer in der auf Unkosten der Aufmunterungs gesellschaft in Basel errichteten Nähschule (1779). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
337
Kommentar. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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351
Versuch eines Bürgers, über die Verbesserung der öffentlichen Erziehung in einer republicanischen Handelsstadt (1779). . . . . . . . . . . . . An eine L. Schulcommißion 355.
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Inhalt Vorbericht 357. Erstes Hauptstück. Absicht der Erziehung und des Unterrichtes 358. Zweytes Hauptstück. Von der Weise und von den Mitteln der Erziehung und des Unterrichtes 361. Drittes Hauptstück. Von der äusserlichen Einrichtung der Schulen 418.
Kommentar. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Schreiben an Herrn ** (in: EdM 1780).. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kommentar. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Schreiben eines Vaters an seinen Sohn, der sich der Handelschaft widmet (in: EdM 1781). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kommentar. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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und der Grossen (in: EdM 1782 ). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
487
Kommentar. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Bibliographie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Namenregister. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Entwurf einer erlauchten Akademie, für Söhne der Fürsten
Vorwort des Kuratoriums Der Basler Philosoph, Jurist, Ratsschreiber und Publizist Isaak Iselin (17281782) ist einer der wichtigsten Vertreter der Schweizer Aufklärung. Mit seinem Hauptwerk, der erstmals 1764 erschienenen Geschichte der Menschheit, gehört er zu den Begründern der modernen Geschichtsphilosophie. Die Bandbreite seiner Publikationen reicht von politischen Reformschriften über Unter suchungen zur Wirtschaftslehre bis zu pädagogischen Entwürfen. Als Herausgeber der Ephemeriden der Menschheit, als unermüdlicher Rezensent für Friedrich Nicolais Allgemeine deutsche Bibliothek und durch seine vielfältigen Kontakte mit zahlreichen Gelehrten wie auch mit politischen Persönlich keiten innerhalb und außerhalb der Schweiz – etwa in der von ihm mitgegründeten Helvetischen Gesellschaft – wurde Iselin zu einem wichtigen Vermittler zwischen verschiedenen Strömungen innerhalb der europäischen Aufklärung und zu einem der damals bekanntesten Autoren im deutschsprachigen Raum. Als Wegbereiter eines republikanischen Patriotismus und als Pionier eines neuen Typus von Geschichtsphilosophie ist Iselin in jüngerer Zeit wieder verstärkt in den Mittelpunkt eines interdisziplinär ausgerichteten Forschungs interesses gerückt. Doch waren seine Schriften bisher in keiner modernen Ausgabe greifbar. Die vorliegende Edition will diesem Mangel abhelfen, indem sie die Hauptschriften Iselins in einer kommentierten Leseausgabe wieder zugänglich macht und damit die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Iselin auf eine verlässliche editorische Grundlage stellt. Jeder Band enthält einen Kommentarteil, der die notwendigen Informa tionen zur Entstehungsgeschichte und zum Verständnis der Texte liefert, eine Einführung sowie ein umfassendes Personenregister. Für den Kommentar wurde insbesondere der im Staatsarchiv Basel-Stadt und in der Universitätsbibliothek Basel aufbewahrte Nachlass Iselins berücksichtigt. Die Edition geht auf eine Initiative namhafter Iselin-Forscher zurück. Sie erscheint im Auftrag eines 2010 von der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften eingesetzten Kuratoriums unter der Leitung von Prof. Dr. Kaspar von Greyerz (ab 2014 Prof. Dr. Claudia Opitz-Belakhal) (beide Basel), das das Konzept der Neuausgabe ausarbeitete und die Editionsarbeit eng begleitete. Ihm gehörten an: lic. phil. Esther Baur (Basel), lic. theol.
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Vorwort des Kuratoriums
Peter Felber (Basel), Dr. Lucas Marco Gisi (Basel), Prof. Dr. André Holenstein (Bern), Dr. Holger Jacob-Friesen (Karlsruhe), Prof. Dr. Béla Kapossy (Lausanne), Prof. Dr. Thomas Maissen (Paris/Heidelberg), Prof. Dr. Wolfgang Rother (Basel/Zürich), Prof. Dr. Andreas Urs Sommer (Freiburg i. Br.), Prof. Dr. Danièle Tosato-Rigo (Lausanne), Prof. Dr. Daniel Tröhler (Luxembourg), Prof. Dr. Simone Zurbuchen Pittlik (Lausanne). Das Kuratorium wurde maßgeblich unterstützt durch das Staatsarchiv Basel-Stadt, die Universitätsbibliothek Basel, die Basler Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige, die Basler Max Geldner-Stifung, die Basler Frei willige Akademische Gesellschaft, die Basler Berta Hess-Cohn Stiftung, die Nachkommen und Angehörigen der Familie Iselin sowie durch den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften. Diesen Institutionen und Stiftungen sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt.
Siglen I. Schriften von Isaak Iselin ALN Anweisung für die Lehrer in der auf Unkosten der Aufmunterungsgesellschaft in Basel errichteten Nähschule (1779) BBE Einige Briefe über das Basedowsche Elementarwerk (1771) Br. Frey Briefwechsel zwischen Isaak Iselin und Johann Rudolf Frey [StABS Iselin 47-56] Br. Hirzel Briefe von Isaak Iselin an Salomon Hirzel [StABS Iselin 57-62] EdM Ephemeriden der Menschheit (1776-1786) FG Freimühtige Gedanken über die Entvölkerung unserer Vaterstadt (21758) GM [1764] Philosophische Muthmassungen über die Geschichte der Menschheit (1764) GM [1768] Über die Geschichte der Menschheit. 2 Bde. (1768) GM [1770] Über die Geschichte der Menschheit. 2 Bde. (1770) GM [1779] Über die Geschichte der Menschheit. 2 Bde. (1779) OHM Observationes historicae miscellaneae (1754) Palämon I Palämon, oder von der Ueppigkeit (1769) Palämon II Der zweyte Palämon, oder von dem Aufwande (1770) Plutus Plutus, oder von den Reichthümern (1762) PPT [1755] Filosofische und patriotische Träume eines Menschenfreundes (1755) PPT [1758] Philosophische und patriotische Träume eines Menschenfreundes (1758) PPT [1762] Philosophische und patriotische Träume eines Menschenfreundes (1762) PPV Philosophische und politische Versuche (1760) SEV Schreiben eines Vaters an seinen Sohn, der sich der Handel schaft widmet (1781) SHGB Schreiben an die Helvetische Gesellschaft […] über Herrn Professor Basedows Vorschläge zur Verbesserung des Unterrichtes der Jugend (1769)
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Siglen
SNVJ [1768] Sammlung dem Nutzen und dem Vergnügen der Jugend geheiliget (1768) SNVJ [1773] Sammlung dem Nutzen und dem Vergnügen der Jugend geheiliget. Zweyte, verbesserte Auflage (1773) StABS Iselin Nachlass Isaak Iselin, Staatsarchiv Basel-Stadt: PA 98 SUVS Schreiben an Herrn Ulysses von Salis von Marschlins […] über die Philanthropinen in Dessau und in Graubündten (1775) Tb Tagebuch Isaak Iselins 1751-1781 [StABS Iselin 1-15] TM Träume eines Menschenfreundes. 2 Bde. (1776) UB BS Iselin Nachlass Isaak Iselin, Universitätsbibliothek Basel: NL 33 UE Ueber die Erziehung (1770) UEA Ueber die Erziehungs-Anstalten (1770) UG Unvorgreifliche Gedanken über die Verbesserung der B---schen hohen Schule (1758) VS Vermischte Schriften. 2 Bde. (1770) VVE Versuch eines Bürgers, über die Verbesserung der öffentlichen Erziehung in einer republicanischen Handelsstadt (1779)
II. Weitere Literatur AdB Allgemeine deutsche Bibliothek (1765-1796) Adelung Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart […]. 4 Bde. Leipzig: Breitkopf, 1793-1801 GGA Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen / Göttingische gelehrte Anzeigen (seit 1739) Im Hof I [1947] Ulrich Im Hof: Isaak Iselin. Sein Leben und die Entwicklung seines Denkens bis zur Abfassung der «Geschichte der Menschheit» von 1764. Bd. 1: Isaak Iselins Leben und Bildungsgang bis 1764 (1947) Im Hof II [1947] Bd. 2: Iselins Stellung in der Geistesgeschichte des XVIII. Jahrhunderts (1947) Im Hof [1967] Ulrich Im Hof: Isaak Iselin und die Spätaufklärung (1967) Zedler Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal lexikon aller Wissenschaften und Künste […]. 64 Bde. Halle, Leipzig: Zedler, 1732-1764
Einleitung 1. Textauswahl – oder Iselin und die Pädagogik Iselin war kein Pädagoge – zumindest nicht, wenn man sein Studium der Juris prudenz, welches er 1751 mit dem Lizenziat und 1755 mit der Promotion abschloss, oder seinen Beruf als Ratsschreiber betrachtet. Er war eigentlich Rechtsgelehrter und visierte eine akademische Karriere an. Zwei Mal bewarb sich Iselin um einen Lehrstuhl (1749 um den juristischen und 1754 um den historischen), wobei er beim Losentscheid über die Vergabe der Professur beide Male Pech hatte. Seine weitere berufliche Karriere war nicht mehr akademischer Art. Iselin wurde 1756 zum Ratsschreiber der Stadt Basel erkoren und behielt dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1782.1 Er war ein Mann der Verwaltung, bisweilen ein engagierter Reformer und politischer Publizist, und durch seine breit rezipierten Schriften wie die Philosophischen und patriotischen Träume (1758) oder die Geschichte der Menscheit (1. Aufl. 1764) wurde er zudem als (Geschichts-)Philosoph wahrgenommen. Daneben verfasste Iselin aber auch zahlreiche, weit weniger bekannte pädagogische Schriften, die im vorliegenden Band in einer Auswahl versammelt werden.2 Ein Blick auf deren Titel reicht, um zu sehen, dass Iselin wie 1
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Für Details zu Iselins Leben und Werk sei auf die hervorragenden Monographien Ulrich Im Hofs verwiesen, deren Wert für die vorliegende Edition und die Iselin-Forschung nicht hoch genug einzuschätzen ist. Vgl. für Iselins Schaffen bis 1764: Im Hof [1947] I und II. Vgl. für die Zeit nach 1764 und vertiefte thematisch geordnete Ausein andersetzungen: Im Hof [1967], wobei sich die Abschnitte zu Iselins Pädagogik auf den Seiten 147-178 befinden. Vgl. für eine kürzer gehaltene Biographie: Im Hof: Isaak Iselin 1728-1782. Eine Sammlung von Iselins pädagogischen Schriften existiert bereits: Vgl. Göring (Hg.): Isaak Iselins Pädagogische Schriften, nebst seinem pädagogischen Briefwechsel mit Johann Caspar Lavater und Johann Georg Schlosser. Die Edition aus dem Jahr 1882 verzichtet allerdings auf jegliche kritische Kommentierung und versteht sich als bloße Textsammlung mit ausführlicher biographischer Einleitung. Die Auswahl der Texte ist hingegen weitgehend identisch mit derjenigen im vorliegenden Band. Neu hinzugekommen sind die Sammlung dem Nutzen und dem Vergnügen der Jugend geheiliget (1768), die Anweisung für die Lehrer in der auf Unkosten der Aufmunterungsgesellschaft in Basel errichteten Nähschule (1779) und ausgewählte Texte aus den
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zahlreiche andere Reformer des 18. Jahrhunderts in pädagogischer Absicht geschrieben und sich mit pädagogisch relevanten Themen wie Schule, Lehrbüchern oder Lehrplänen beschäftigt hat. Während er jedoch bei den geschichtsphilosophischen Schriften mit der Geschichte der Menschheit ein Werk von bleibendem Interesse vorgelegt hat,3 fehlt bei den pädagogischen Texten die eine bedeutende Schrift oder eine als solche gekennzeichnete, eigene pädagogische Theorie.4 Vielmehr machen Iselins Schriften in ihrer Gesamtheit ein Korpus aus, das durchaus mit Recht als «pädagogische Schriften» bezeichnet werden darf, wobei «pädagogisch» nicht nur «erzieherisch» heisst, sondern als «die Erziehung, die Bildung, die Schule oder das Schulwesen betreffend» gelesen werden muss.5 Die oben gemachte Feststellung, Iselin sei kein Pädagoge gewesen, bedarf deshalb einer Relativierung. Zum einen existierte zu Iselins Lebzeit noch kein universitäres Lehrfach «Pädagogik», und auch Iselins Zeitgenossen, die heute als «Pädagogen» bezeichnet werden, hatten meist Philosophie, Theologie oder Rechtswissenschaften studiert. Zudem war es durchaus üblich, dass große Persönlichkeiten jener Zeit als Universalgelehrte auftraten und auch Schriften zu Themenkreisen publizierten, die sie nicht studiert hatten. Zum anderen war Iselin zwar beruflich nie als Pädagoge tätig, da sich sein wiederholt geäußerter Traum einer Lehrtätigkeit nicht erfüllte,6 aber er wurde von
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Ephemeriden der Menschheit, wobei auf die zwei bei Göring enthaltenen EphemeridenArtikel Der geborne Herr (1777) und Über das Erziehungsfieber (1780) verzichtet wird. Die Geschichte der Menschheit (1. Aufl. 1764) und die geschichtsphilosophische Position Iselins sind denn auch in jüngerer Zeit wieder von namhaften Wissenschaftlern verschiedener Fachbereiche untersucht und thematisiert worden. Vgl. Gisi/ Rother (Hg.): Isaak Iselin und die Geschichtsphilosophie der europäischen Aufklärung; Sommer: Geschichte als Trost. Hierin wird Ulrich Im Hof widersprochen, der Iselins Kapitel Ueber die Erziehung und Ueber die Erziehungsanstalten in den Vermischten Schriften (1770) als «pädagogische Theorie» (Im Hof [1967] 147) bezeichnet und schreibt, Iselin sei «als pädagogischer Theoretiker wenn möglich noch bekannter geworden denn als ökonomischer» (ebd., 148). Iselin wurde deshalb später auch wiederholt als Pädagoge bezeichnet. Vgl. Zinck: Iselin als Pädagog; Riedel: Iselin als Pädagog des jungen Bürgertums; Keller: Zur Erinnerung an einen Pädagogen. Vgl. z.B. Iselins Wunsch im Schreiben an Ulysses von Salis (1775): «Ein Traum [die Errichtung einer Akademie von Jünglingen, die aus dem Marschlinser Philanthropin austreten; d.Vf.] erzeuget einen andern oder er erneuert einen solchen. Als wir mit einander über die Philanthropinen redeten, wurde in mir der Wunsch wider rege, der schon viele Jahre mein Lieblingswunsch ist; einige Jahre dem Unterrichte wohlge
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Zeitgenossen durchaus als Mensch beschrieben, der junge Menschen zu begeistern wusste.7 Im Wesentlichen können bei Iselin zwei biographische Beweggründe8 ausgemacht werden, die ihn veranlassten, sich mit pädagogischen Themen auseinanderzusetzen. Einerseits musste er sich als Ratsschreiber von Amtes wegen um Schulfragen kümmern, was dazu führte, dass er Reformschriften zur öffentlichen Schule verfasste, sich aber auch Gedanken über Privatschulen (Eliteakademien und Philanthropine) machte. Anderseits interessierte ihn als Vater von neun Kindern zunehmend die Frage nach der besten Erziehung und der Vermittlung von Wissen, was bei ihm untrennbar mit der Frage nach geeigneter (Kinder-)Lektüre und empfehlenswerten Lehrbüchern zusammenhing. Die hier zusammengestellten pädagogischen Schriften sind aufgrund Iselins verschiedener Perspektiven und der unterschiedlichen Schreibanlässe sowohl inhaltlich als auch formal sehr heterogen – schließlich macht es einen Unterschied, ob Iselin eine Schulreform anregen, einem Freund mit einem öffentlichen Brief helfen oder einen Lehrplan für Mädchen aus armen Verhältnissen verfassen will. Im Folgenden sollen die einzelnen Texte dieses Bandes deshalb zur besseren Übersicht kurz thematisch und zeitlich verortet und die Gründe für deren Auswahl erhellt werden. Da Iselin trotz unglücklich verlaufener akademischer Karriere mit einigen der Basler Universitätsprofessoren freundschaftlich verbunden blieb, wurde ihm 1757 in seiner Funktion als Ratsschreiber aufgetragen, die Frage der Stiftung eines neuen Physiksaals für die Universität Basel zu prüfen. Im Zuge dieser Arbeit begann Iselin im Hinblick auf die 300-Jahr-Feier der Universität Basel im Jahre 1760 mit der Verfassung einer Schrift zur Hochschulreform, den Unvorgreiflichen Gedanken über die Verbesserung der B---schen hohen Schule, die 1758 publiziert wurde und aufgrund der gewählten chronologischen Reihenfolge den vorliegenden Band eröffnet. Das einzige Werk, in welchem sich Iselin als Pädagoge direkt an Kinder wendet, ist die 1768 publizierte Sammlung dem Nutzen und dem Vergnügen der
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arteter Jünglinge mich zu widmen, und mit ihnen die Bahn wieder zu durchlaufen, die ich ehmals mit so vielem Vergnügen allein durchwandert habe.» (SUVS 23-24) Vgl. Im Hof [1967] 148-149. So schrieb Iselin am 4. August 1760 in sein Tagebuch: «Ich muss nun wegen dem Schulwesen überhaupt und wegen meinen Kindlen, was über die Auferziehung geschrieben ist, fleissig lessen.» (Tb 7, 224)
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Jugend geheiliget, die 1773 in einer zweiten überarbeiteten und erweiterten Auflage erschien. Diese von Iselin als Lesebuch herausgegebene Anthologie, die er stets zu seinen wichtigsten Schriften zählte,9 ist für Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren konzipiert, wobei bloß zwei Texte – die «Vorrede»10 und der «Kurze Begriff der allgemeinen Geschichte»11 – aus Iselins Feder stammen. Im weiteren Textkorpus können zwei inhaltliche Schwerpunkte zu den Themenkreisen «Reformgedanken zu Schulen und öffentlichem Schulwesen» und «Unterstützung von philanthropischen Ideen» festgestellt werden. Während das 1769 erschienene Schreiben an die Helvetische Gesellschaft die sich jährlich in Schinznach versammelt über Herrn Professor Basedows Vorschläge zur Verbesserung des Unterrichts der Jugend eine Art Propagandaschrift für die Ideen des Dessauer Theologen und Pädagogen Johann Bernhard Basedow (1724-1790) darstellt, sind die in den Vermischten Schriften von 1770 enthaltenen Kapitel Ueber die Erziehung und Ueber die Erziehungs-Anstalten Ausdruck von Iselins Überlegungen zu Ziel und Form von öffentlicher Erziehung, wie sie im Zuge der Schul reform der 1760er Jahre entstanden waren. Es sei hier erwähnt, dass für die Beschäftigung mit Iselins Reformgedanken zur öffentlichen Schule Basels das Bedenken über die Erziehung und über das Schulwesen in einem demokratischen Staate von 1760 bzw. 1761 sehr aufschlussreich ist. Dennoch findet es in dieser Edition keine Aufnahme, da es nie publiziert wurde und nur in Manuskriptform12 vorhanden ist. Allerdings entwickelte Iselin entscheidende Gedanken aus den Bedenken weiter, die sowohl in den oben erwähnten Kapiteln (UE und UEA) der Vermischten Schriften (1770) als auch insbesondere in der 1779 publizierten Schulreform-Schrift Versuch eines Bürgers, über die Verbesserung der öffentlichen Erziehung in einer republicanischen Handelsstadt ihren Ausdruck finden. In der ersten Hälfte der 1770er Jahre beschäftigte sich Iselin intensiv mit philanthropischer Erziehung und verfolgte aufmerksam, inwiefern Basedow sein Versprechen von der Schaffung eines Elementarbuches würde einlösen können. Iselin setzte sich dabei als einer von Basedows Schweizer Geldsammlern für Pränumerationen und Subskriptionen des Elementarwerks (1774) ein. 9
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Iselin bezeichnete seine zwei Lesebücher (SNVJ [1768]/[1773]) als «das Beste so ich gemacht habe» (Iselin an Nicolai, 9. Juni 1773; Jacob-Friesen: Nicolai-Iselin, 335). Noch 1779 schreibt er: «Ich habe zwo solche Sammlungen gemacht, die ich für die nützlichsten meiner Arbeiten halte.» (VVE 61) SNVJ [1768] III-V. SNVJ [1768] 137-185. Vgl. StABS Iselin 21, 1-743.
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Zudem unterstützte er Basedows Ideen zusammen mit seinem Zürcher Freund Johann Kaspar Lavater (1741-1801) durch einen 1771 unter dem Titel Einige Briefe über das Basedowsche Elementarwerk publizierten öffentlichen Briefwechsel von fünf Briefen, der später durch zwei weitere Briefe ergänzt wurde.13 Iselins anfängliche Begeisterung wich nach Basedows Publikation des Elementarwerks (1774) einer gewissen Ernüchterung, die auch in seiner Rezension in der Allgemeinen deutschen Bibliothek spürbar wird.14 Weder diese noch andere von Iselin verfasste Rezensionen15 werden allerdings im vorliegenden Band ediert, da die thematische Einschränkung auf pädagogische Texte dies zum einen verhindert und zum anderen zeitgenössische Rezensionen oft wenig Originalton der jeweiligen Verfasser enthalten, weil deren Fokus eher auf der Zusammenfassung der rezensierten Werke liegt. Trotz erster Zweifel an der philanthropischen Methode Basedows interessierte sich Iselin Mitte der 1770er Jahre für die Umsetzung philanthropischer Schulen. Jene in Dessau verfolgte er aus der Ferne, die Schule seines Jugendfreundes Ulysses von Salis im schweizerischen Marschlins (Graubünden) aber lag ihm am Herzen, weshalb er ein weiteres Mal in Form eines veröffentlichten Briefwechsels für das Philanthropin warb. Das 1775 publizierte Schreiben an Herrn Ulysses von Salis von Marschlins enthält einige grundsätzliche Gedanken zur philanthropischen Erziehung und Iselins konkrete Anregungen für seinen Freund, dessen Antwort sich zusammen mit einem Entwurf von Iselins Zeitschrift Ephemeriden der Menschheit im gedruckten Briefwechsel befindet. Iselins Ephemeriden erschienen ab 1776 und wurden von ihm mit einjährigem Unterbruch im Jahr 1779 bis zu seinem Tod im Jahr 1782 herausgegeben, wobei er sehr viele Artikel selber schrieb. Die Zeitschrift versammelte insbesondere Artikel und Rezensionen zu ökonomischen und pädagogischen Themen und wurde sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland breit rezipiert. Aus der Fülle von Iselins Beiträgen wurden für den vorliegenden Band zentrale Texte ausgewählt: Der Briefwechsel mit Johann Georg Schlosser «über die Philanthropinen» enthält Schlossers heftige Kritik an der philanthropischen 13
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Die zwei Briefe wurden in den Frankfurter Gelehrten Anzeigen (39. und 40. Stück, Mai 1774) publiziert und später abgedruckt in: Ulrich Weiss (Hg.): Gesammelte Briefe über die Basedowische Erziehungsmethode. Im vorliegenden Band werden sie als Briefe VI und VII ediert. Vgl. AdB 26 (1775), 1. St, 42-102. In Jacob-Friesen: Nicolai-Iselin 587-595 sind sämtliche Rezensionen Iselins in der Allgemeinen deutschen Bibliothek aufgeführt.
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Erziehung im Allgemeinen und an den Schulen von Dessau und Marschlins im Besonderen,16 sodass sich Iselins Antwortschreiben17 als Verteidigung und Veranschaulichung seiner Gedanken liest. Im Artikel Philologisches Seminarium zu Christian Erlangen. Aussichten über die Pflanzschulen von Schulleuten18 äußert sich Iselin für einmal zur Lehrerbildung, was er sonst zugunsten der Beschreibung von Bildungszielen und geeigneter Lehrbücher eher vernachlässigt. Die 1779 erschienene Anweisung für die Lehrer in der auf Unkosten der Aufmunterungsgesellschaft in Basel errichteten Nähschule – ein von Iselin verfasster Lehrplan für die von der Gemeinnützigen Gesellschaft Basel finanzierte Schule – ist der einzige Text Iselins, der explizit der Mädchenbildung gewidmet ist.19 Das Schreiben an Herrn **,20 einen anonymen und wohl fiktiven Adressaten, wurde gewählt, weil Iselin darin über gute Lehrbücher reflektiert und selbst ein Beispiel eines Lehrstücks («Die Reise ins Spittal») gibt. Das Schrei ben eines Vaters an seinen Sohn, der sich der Handelschaft widmet 21 ist sowohl aus biographischer Sicht aufschlussreich – ohne ihn zu erwähnen, richtet sich Iselin in briefähnlicher Form an seinen Sohn Dietrich, der Kaufmann werden wollte – als auch aus theoretischer Perspektive bedeutsam, da sich Iselins physiokratische Denkweise in einem pädagogischen Text niederschlägt. Den Abschluss der edierten pädagogischen Schriften Iselins macht der Entwurf einer erlauchten Akademie, für Söhne der Fürsten und der Grossen22 – die letzte größere Schrift Iselins, die viele seiner schon in anderen Texten geäußerten Gedanken zur Elite-Erziehung, über Philanthropine, Akademien oder auch zur öffent lichen Erziehung nochmals vereinigt und stimmig verbindet.
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1. Brief in: EdM (1776), 1. St., 24-41; 2. Brief in: EdM (1776), 6. St., 246-265; 3. Brief in: EdM (1776), 12. St., 215-227; 4. Brief in: EdM (1778), 1. St., 26-83. EdM (1776), 3. St., 227-242. EdM (1778), 7. St., 110-118. Die Anweisung wurde auch in den Ephemeriden abgedruckt: EdM (1780), Bd. 1, 4. St., 503-512. EdM (1780), Bd. 1, 3. St., 279-298. EdM (1781), Bd. 1, 4. St., 385-425. EdM (1782), Bd. 1, 1. St., 3-36 u. 2. St., 129-162.
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2. Iselins pädagogische ‘Theorie’ Es mag hoch gegriffen sein, von einer «pädagogischen Theorie» Iselins zu sprechen, da sich seine theoretischen Überlegungen zur Pädagogik auf viele Schriften verteilen; dennoch wurde in der Vergangenheit verschiedentlich der Versuch unternommen, Iselins wiederkehrende Erziehungsideale und Leit gedanken zu fassen und thematisch zu ordnen.23 Die Herausgabe von Iselins pädagogischen Schriften verleitet dazu, erneut eine Systematisierung zu wagen, allerdings verbietet sie sich eigentlich genau deshalb, weil Iselin selbst sie nie vorgenommen hat. Seine pädagogischen Texte sind meist ganz pragmatisch. Iselin schrieb, um etwas zu bewirken. Die Arbeit von Martin Schuler, die Iselins Pädagogik unter dem Titel Iselins pädagogisches Wollen und Wirken (1933) zusammenfasst, trifft die ‘Flughöhe’ von Iselins pädagogischen Texten deshalb sehr gut. Iselin äußert seinen Willen beziehungsweise seine Ideen, stützt diese sehr breit auf seiner umfassenden Lektüre ab – wobei sowohl Schuler als auch Zinck von Iselin als «Eklektiker» sprechen24 – und versucht mithilfe dieser Schriften etwas zu verändern, das heißt, konkrete Ziele wie zum Beispiel die Basler Schulreform umzusetzen. Die Texte erschließen sich den Lesenden deshalb oft nur, wenn der historische Kontext geklärt ist – denn ob Iselin nun die Veränderung der Basler Universität,25 die Unterstützung von Basedows Elementarwerk,26 Reformen der öffentlichen Schule27 oder die Beibehaltung von bestehenden Schulen28 im Blick hatte, stets ging es um konkrete Projekte. Das heißt nicht, dass Iselin keine theoretische Basis für seine Argumentationen hatte. Es erklärt aber, weshalb der theoretische Gesamtüberbau fehlt und weshalb der Versuch der Systematisierung, also das Herausarbeiten einer eigenen Erziehungs-Theorie Iselins, auch hier nicht unternommen wird.29
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Vgl. z.B. Schuler: Iselins pädagogisches Wollen und Wirken; Zinck: Isaak Iselin als Pädagog; Gnüchtel: Isaak Iselin und sein Verhältnis zum Philanthropinismus. Vgl. Schuler: Iselins pädagogisches Wollen und Wirken, 87; Zinck: Isaak Iselin als Pädagog, 81. Vgl. UG. Vgl. SHGB oder BBE. Vgl. VVE. Vgl. SUVS. Für eine diesbezügliche Übersicht existieren bereits zwei ausführliche Zusammenstellungen: Schuler: Iselins pädagogisches Wollen und Wirken, 87-147; Zinck: Isaak Iselin als Pädagog, 81-152.
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Vielmehr sollen im Folgenden zentrale Punkte in Iselins pädagogischen Schriften in den Fokus rücken, indem unter anderem auch längsschnittartig auf Veränderungen von Iselins Konzepten eingegangen wird, da diese in den einzelnen edierten Texten und dazugehörigen Kommentaren nicht sichtbar werden können. Ein Blick über alle Texte des Bandes zeigt, dass sich wesent liche pädagogische Grundhaltungen Iselins verändern. Dies widerspiegelt sich beispielsweise im Wandel von Iselins Auffassung von Erziehungsverantwortung und Rollenverteilung zwischen Staat und Eltern. Bereits in Iselins Philosophischen und patriotischen Träumen von 1755 existiert ein Kapitel «Die Auferziehung», welches er in der zweiten Auflage der Träume (1758) dahin gehend ändert, dass die schlechte Erziehung durch die Eltern und die Rolle des Staates, welcher zu wenig für die öffentliche Erziehung besorgt sei, kritisiert werden. Aufgrund der «Saumseligkeit der Eltern» nimmt Iselin nun den Staat in die Erziehungspflicht.30 In den «Anmerkungen und Betrachtungen» im Tagebuch von 1762 beschreibt Iselin die Rollenverteilung zwischen Staat und Hausvater differenzierter: Der Mensch muss in zwen ganz verschiednen Gesichtspuncten in Betrachtung der Erziehung betrachtet werden, wie auch sonst – In so fern er unter der Mänge begriffen ist trachtet ihn der Gesetzgeber zum gemeinen Besten zu bilden so gut er kan – Einen einzigen Menschen hingegen der sich vor allen andern hervorthun soll bilden sein Vater oder ein Hofmeister freylich ganz anders – Wir müssen also zwo Arten von Erziehung mit viler Sorgfalt von einander unterscheiden.31
Diese zwei Arten von Erziehung – die öffentliche und die häusliche – sind in den Vermischten Schriften (1770) noch immer präsent, wobei der Staat sich nun an den Grundsätzen des Hausvaters orientieren soll.32 Im Versuch über die Verbesserung der öffentlichen Erziehung von 1779 ändert Iselin seine Haltung nochmals: «Was die Eltern nicht zu leisten fähig sind, soll der Staat ergänzen.»33 Insgesamt nimmt Iselin den Staat – vielmehr die öffentliche Schule – in die Erziehungspflicht und scheint sich bewusst zu sein, dass aufgrund der zunehmenden Trennung von Haus- und Erwerbsleben auch die Rollen des Haus vaters und der elterlichen Erziehung in Frage gestellt sind. Während Iselin einerseits Ideen zur Unterstützung der elterlichen Erziehungspflicht präsen-
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Vgl. PPT [1758] 276. Tb 9, 580. Vgl. UEA 105. VVE 7.