S T U D I A P H I LO S O P H I C A
Vol. 73/2014
Philosophie und Lebensführung Philosophie et conduite de la vie
Redaktion: Anton Hügli Rédaction: Janette Friedrich
Schwabe
STUDIA PHILOSOPHICA VOL. 73/2014 JA H R BUCH DER SCH W EI ZER ISCH EN PH I LOSOPH ISCH EN GESELLSCH A F T A N N UA I R E DE LA SOCI ÉT É SU ISSE DE PH I LOSOPH I E
SCH WA BE VER LAG BASEL
PHILOSOPHIE UND LEBENSFÜHRUNG PHILOSOPHIE ET CONDUITE DE LA VIE REDAKTION / RÉDACTION ANTON HÜGLI / JANETTE FRIEDRICH
SCH WA BE VER LAG BASEL
Publiziert mit Unterstützung der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften Publié avec l’aide de l’Académie suisse des sciences humaines et sociales
Copyright © 2014 Schwabe AG, Verlag, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschließlich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Gesamtherstellung: Schwabe AG, Muttenz/Basel, Schweiz Printed in Switzerland ISBN Printausgabe 978-3-7965-3316-7 ISSN Printausgabe 0081-6825 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-3317-4 ISSN eBook (PDF) 2296-2883 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch
Inhalt / Table des matières
Philosophie und Lebensführung Philosophie et conduite de la vie Vorwort / Préface ........................................................................... 7/12 Lebensführung und die Frage nach dem richtigen Leben Conduite de la vie et la question de la vie bonne Annemarie Pieper: Das Leben als Kunstwerk? ............................. 19 Markus Wild: «Badly wrong» – Der Existenzialismus und J. M. Coetzees The Lives of Animals ................................. 33 Glück und Glückssuche Bonheur et recherche du bonheur Sebastian Hüsch: Revolte statt divertissement? Das Glückskonzept des Mythos von Sisyphos und die «Erlebnisgesellschaft» ........ 55 Tilo Wesche: Formen des guten Lebens Skizze über die aktuelle Glücksforschung ............................... 71 Handlungsgründe, ethische Entscheidungen und moralische Kommunikation Raisons d’agir, décisions éthiques et communication morale Georg Kohler: Die Entscheidung und der Zufall Warum wir werden, was wir (nicht) sind ................................. 91 Peter Schaber: Dient die Ethik einem öffentlichen Interesse? ....... 107 Daniel Schulthess: Humour, éthique et communication indirecte: Réflexions à partir de S. Kierkegaard ...................................... 119 Zeit, Zeitlichkeit und Hoffnung Temps, temporalité et espoir Gottfried Gabriel: Zeit, Zeitlichkeit und Ewigkeit – philosophisch betrachtet .................................................................................. 135 Jean-Claude Wolf: Argumente für und gegen die Hoffnung .......... 149
Inhalt / Table des matières
Existenzphilosophische Motive in der antiken Philosophie, in Lebens philosophie und Phänomenologie – Motivations existentielles en philosophie antique, en philosophie de la vie et en phénoménologie Rafael Ferber: «Alle Menschen streben von Natur nach Wissen» . 167 Anthony Feneuil: «Plus de force pour agir et pour vivre» Vie, intelligence et intuition dans L’Évolution créatrice de Henri Bergson ...................................................................... 185 Emil Angehrn: «Zum Sinn verurteilt» Hermeneutische Spuren der Phänomenologie .......................... 201 Selbstverhältnisse und metaphysische Selbstvergewisserung Rapports à soi et confirmation métaphysique de soi Gunnar Hindrichs: In-sich-sein und In-anderem-sein .................... 223 Buchbesprechungen / Comptes rendus Gottfried Gabriel: Erkenntnis in den Wissenschaften und der Literatur, in: Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Jg. 2013, Nr. 2; Gottfried Gabriel: Logik und Rhetorik der Erkenntnis. Zum Verhältnis von wissenschaftlicher und ästhetischer Weltauffassung, Münster: mentis Verlag 2013 (Susanne Schmetkamp) .............. 233 Nathalie Maillard: Faut-il être minimaliste en éthique? Le libéralisme, la morale et le rapport à soi, Genève: Labor & Fides, 2014 (Bernard Baertschi) ................................................................... 240 Adolf Portmann: La Forme animale, préface de Jacques Dewitte, traduction de Georges Rémy revue par Jacques Dewitte, Paris: Éditions La Bibliothèque, 2013 (Florence Burgat) ......... 243 Gunnar Hindrichs: Die Autonomie des Klangs. Eine Philosophie der Musik, Berlin: Suhrkamp 2014 (Alexander Becker) .......... 246 Kevin Mulligan: Wittgenstein et la philosophie austro-allemande, Paris: Librairie Philosophique J. Vrin, 2012 (Guillaume Fréchette) .............................................................. 253
Adressen der Autoren /Adresses des auteurs ................................. 257 Redaktion / Rédaction .................................................................... 258
Studia philosophica 73/2014
Philosophie und Lebensführung Vorwort Vor 200 Jahren, um genau zu sein: am 5. Mai 1813, wurde Søren Kierke gaard geboren. Er hat die Philosophie des 20. Jahrhunderts über weite Strecken bestimmt: mit seinem Nachdruck auf dem existierenden Denker, der keine philosophischen Lehren verkündet, sondern sein Leben philosophisch zu durchdringen sucht. Schweizer Philosophen und in der Schweiz lehrende Philosophen wie Eberhard Grisebach, Heinrich Barth und Karl Jaspers waren wichtige Exponenten des an Kierkegaard anknüpfenden existenzphilosophischen Denkens. Heute gelten Existenzphilosophie und ihr französischer Gegenpart, der Existentialismus, als obsolet; existenzbezogenes Denken aber ist keineswegs tot. Es zeigt sich in neuer Gestalt: so etwa in Pierre Hadots und Michel Foucaults Wiederentdeckung des für das antike Denken zentralen Begriffs der Selbstsorge oder in dem in der Moralphilosophie in den letzten zwei Jahrzehnten neu erwachten Interesse an der Ethik im engeren Sinne, der Frage, wie zu leben für uns als Einzelne und für uns als Menschen gut sei. Selbst im Umkreis der analytischen Philosophie sind existenzphilosophische Impulse nicht zu übersehen. Dies zeigt sich nicht nur im Rückblick, etwa in Wittgensteins besonderer Affinität zu Kierkegaard, sondern auch in den philosophischen Ansätzen heutiger Philosophen wie Thomas Nagel, Harry Frankfurt, Charles Taylor oder – uns gerade am nächsten – Peter Bieri. Mit diesem Band der Studia philosophica wollen wir – mit den heute in der Schweiz lehrenden oder aus der Schweiz kommenden Philosophen – die Probe aufs Exempel machen: In welchem Ausmaß sind auch sie noch von existenzphilosophischen Motiven bestimmt? Inwiefern kommen existenzphilosophische Motive in der Art und Weise, wie sie Philosophie verstehen und Philosophie betreiben, zum Ausdruck? Die Form, in der die Antwort auf diese Fragen erfolgen könnte, haben wir bewusst offen gelassen: ob als Selbstdarstellung oder philosophische Autobiografie, als Essay zur Frage, was Philosophie sein kann und sein soll, als Aufsatz zu einem gerade in Arbeit befindlichen existenzbezogenen Thema oder zu einer Konzeption des guten Lebens, als metaphilosophische Reflexion über das den eigenen Arbeitsinteressen zugrundeliegende existentielle Motiv, oder wie auch immer.
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Überraschend für uns war das unerwartet große Echo, das unsere Einladung zur Mitwirkung an diesem Band vor allem in der deutschsprachigen Schweiz gefunden hat. Und nicht weniger überraschend ist das Ergebnis: in welchem Ausmaß jene, die uns einen Beitrag zur Verfügung stellten, auch bei höchst unterschiedlicher Provenienz, existenzphilosophische Motive mit ihrem Verständnis von Philosophie verbinden, und dass nicht wenige es wagen, existentielle Fragen zum Gegenstand ihres Denkens zu machen. Die Frage, wie zu leben gut sei und welche Ansprüche ein philosophisches Leben an den Einzelnen stellt, ist das Thema der ersten beiden Beiträge. Annemarie Pieper sieht in der Metapher vom Leben als Kunstwerk ein durch die abendländische Kultur hindurchgehendes Leitbild für eine ganzheitliche Selbstverwirklichung. Ihre Vergegenwärtigung der unterschiedlichen historischen Ausprägungen dieses Leitgedankens ist implizit ein Plädoyer für einen Lebenskünstler, der die sinnlichen und geistigen Antriebsvermögen des Menschen nicht gegeneinander ausspielt, sondern in ihrer spannungsvollen Gegensätzlichkeit produktiv werden lässt, in einem Wettbewerb um ein im Ganzen geglücktes Dasein. Mit aller Entschiedenheit und seltener Konsequenz stellt Markus Wild an jeden Einzelnen schlechthin und an einen Philosophierenden insbesondere die Forderung, Leben und Denken in Einklang zu bringen. Wie schwer es uns fällt, dieser Forderung nachzukommen, zu unserer Verantwortung zu stehen und gegebenenfalls unser Leben zu ändern, zeigt er am Beispiel unseres Umgangs mit Tieren, allerdings nicht direkt, sondern – in der Annahme, dass existenzphilosophische Themen nur im Zusammenspiel von philosophischer Reflexion und literarischer Gestaltung erörtert werden können – in Form einer Interpretation von J. M. Coetzees Buch The Lives of Animals, dessen Hauptfigur, die sich für das Tier einsetzende Elizabeth Costello, mit der Aggressivität und Unaufrichtigkeit ihrer Zuhörer und Leser konfrontiert wird, wenn sie darlegen will, dass etwas in den Beziehungen zwischen Menschen und Tieren «badly wrong» ist. Sebastian Hüsch und Tilo Wesche legen den Fokus auf das Ziel, dem – nach Aristoteles – letztlich jedes menschliche Streben gilt: das Glück. Sebastian Hüschs Ausgangspunkt ist das von Camus postulierte Glück des Dennoch, das Glück im Angesicht der Absurdität des Daseins, das – wie Hüsch dies interpretiert – zugleich auch die Antwort sei auf die Vergeblichkeit des zum Wesenszug der Moderne gewordenen permanenten Glücksstrebens – eine Antwort allerdings, die nach Hüsch zwar eine anerkennenswerte Haltung ausdrückt, aber philosophisch letztlich unbefriedigend bleibt. Tilo Wesche analysiert und kritisiert den Glücksbegriff, mit dem empirische Un-
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tersuchungen operieren, um Aussagen über das Glücksbefinden unterschiedlicher Bevölkerungskreise zu machen. Er zeigt die Fragwürdigkeit dieses Glücksbegriffs auf, der sich als verallgemeinerbar und objektiv ausgibt, aber ein wesentliches Moment von Glück, das der Sinnhaftigkeit des Lebens – sei es in moralischer Hinsicht oder im Hinblick auf den Grad der erreichten Autonomie – unterschlägt, und deshalb auch empirische Glückserhebungen als inadäquat erscheinen lässt. Existenz als bewusstes Selbstverhältnis ist, wie Georg Kohler mit Recht betont, stets auch Wahl: Entscheidung für eine unter verschiedenen Möglichkeiten, sein Leben zu führen. Er macht es sich zur Aufgabe, das Begriffs inventar, mit dessen Hilfe der Vollzug des je eigenen Lebens beschrieben wird, etwas genauer zu analysieren und mit Blick auf das Ideal menschlicher Autonomie kritisch zu prüfen. Im Focus stehen Kategorien wie Handlungsfreiheit, Sich-zu-sich-Verhalten, Handeln-aus-Gründen, ebenso aber auch Zufall und Kontingenz, und, im Kontext des aktuellen Naturalismus, der Gegensatz von Gehirn und Geist. Wie weit, so Peter Schabers fundamentale Frage, kann Moralphilosophie dem Einzelnen oder der Öffentlichkeit helfen, moralisch richtige Entscheidungen fällen zu können? Er verwirft die Idee, dass Moralphilosophen den Anspruch erheben können, objektiv richtige Antworten auf moralische Fragen zu geben, denn nicht ihren Antworten sei zu folgen, sondern dem, was man selber als richtig einsieht. Moralphilosophie könne uns jedoch helfen, besser zu verstehen, worum es in moralischen Fragen geht. Daniel Schulthess macht auf eine besondere Form moralischer Kommunikation aufmerksam, der Kommunikation im Medium von Ironie und Humor (in Form sogenannt «erbaulicher Witze»), die er – in Anlehnung an Kierkegaard – als indirekte, an die Selbsttätigkeit des Einzelnen appellierende Kommunikation interpretiert und als im positiven Sinn moralisch beurteilt. Ein Wesensmerkmal menschlicher Existenz ist ihre spezifische Form der Zeitlichkeit. Gottfried Gabriel geht in seinem Beitrag der Frage nach, was Zeit und Zeitlichkeit – im Kontrast zu naturphilosophischen Konzeptionen von Zeit und Zeitmessung – philosophisch und existentiell bedeuten und auf welche Weise der Umgang mit Zeit sowohl unsere Lebensform als auch unser Glück bestimmt. Jean-Claude Wolf thematisiert eine spezifische Form des Umgangs mit Zeit: die Hoffnung. Er preist sie, im Verein mit Vertrauen und Geduld, als eine besondere Quelle von Lebenssinn – auch für nicht gläubige Menschen –, und verteidigt die Tugend der Hoffnung gegen den Vorwurf, sie sei egoistisch, illusionär und eine bequeme Flucht vor der Gegenwart.
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Die eher philosophiehistorisch orientierten Kollegen suchen nach den existenzphilosophischen Motiven in der antiken Philosophie, der Lebensphilosophie und der Phänomenologie. Rafael Ferber geht der viel zitierten aristotelischen Formel nach, der Mensch suche von Natur nach Wissen, schält heraus, wie dieser Satz bei Aristoteles überhaupt zu verstehen sei, und zeigt die entscheidende Differenz auf zwischen dem aristotelischen und dem platonischen Verständnis von Wissen: bei Aristoteles als ein kontinuierlicher Prozess von den Sinnesempfindungen zu den höchsten Abstraktionen, bei Platon als eine (auch existentiell zu verstehende) Umkehr im Sinne einer Abwendung von der sinnlichen Erkenntnis und einer Zuwendung zur rein begrifflichen, noumenalen Welt der Ideen. Es ist dieser Philosophiebegriff, dem er sich selbst verpflichtet weiß. Anthony Feneuil nimmt diesen Faden auf, indem er die Rolle untersucht, die im Denken Bergsons der Intuition zukommt. Er zeigt auf, inwieweit die Intuition auch für die auf wahre Aussagen ausgerichtete Intelligenz unabdingbar ist, und dass wir nur durch sie die Zeit als gelebte und damit den Ort, von dem her der Mensch spricht, also sein Sein in der Welt, erfassen können. Ohne die Intuition verfiele der Mensch dem Intellektualismus oder der «intellektua listischen Indifferenz»; die Intuition macht klar, dass Wahrheit ohne Engagement in der eigenen Existenz nicht zu haben ist. Indirekt wird dadurch deutlich, warum die Lebensphilosophie von Bergson zu einer Inspirationsquelle für die späteren existenzorientierten und existentialistischen Denker werden konnte. Emil Angehrn wählt als Ausgangspunkt seiner Untersuchungen Merleau-Pontys Diktum, dass wir «zum Sinn verurteilt sind», ein Diktum, das auf eine unhintergehbare Bedingung menschlicher Existenz hinweist: Menschen leben so, dass sie sich immer interpretierend auf die Welt, auf andere Menschen und auf das eigene Leben beziehen. Sein Aufsatz geht den Spuren dieses Gedankens, der die sogenannte «hermeneutische Wende» in der Phänomenologie einleitet, im Werk von Husserl, Heidegger, Merleau-Ponty, Ricoeur und Derrida nach und arbeitet zugleich einen Grundzug des Hermeneutischen heraus: dass Sinn immer im Spannungsverhältnis zum Sinnentzug steht, Verstehen sich in Auseinandersetzung mit den Grenzen des Verstehens vollzieht. Eine Selbstvergewisserung der besonderen Art versucht Gunnar Hindrichs in seinem Beitrag. Mit Hilfe des scholastischen Begriffspaares «In-sich-sein» und «In-anderem-sein», dem Selbständigen und dem Unselbständigen, zeigt er den Wandel auf, den der Begriff des Subjekts mit der kopernikanischen Wende Kants erfährt und thematisiert die Zerrissenheit des transzendentalen Subjekts zwischen dem In-sich-sein und dem In-anderem-sein, indem es – in
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seiner Autonomie – stets an die Grenzen des ganz Anderen stößt, das es in seiner Unerklärbarkeit hinzunehmen hat – eine metaphysische Meditation gleichsam, die uns bewusst machen kann, dass wir gerade dort, wo wir am autonomsten zu sein glauben, die höchste Abhängigkeit erfahren. Anton Hügli (Basel), Janette Friedrich (Genf)
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Philosophie et conduite de la vie Préface1 Il y a 200 ans, plus précisément: le 5 mai 1813, naissait Søren Kierkegaard. Il a fortement influencé la philosophie du 20ème siècle: par son insistance sur le penseur en tant qu’existant, qui ne déclame pas des doctrines philosophiques, mais qui cherche à vivre sa vie philosophiquement. Des philosophes suisses et des philosophes enseignant en Suisse, comme Eberhard Grisebach, Heinrich Barth et Karl Jaspers, étaient d’importants représentants de la pensée philosophique existentielle d’inspiration kierkegaardienne. Aujourd’hui, la philosophie existentielle et sa contrepartie française, l’existentialisme, sont considérées comme obsolètes; mais la pensée prenant l’existence pour thème n’est aucunement morte. Elle se manifeste sous une forme nouvelle: par exemple, dans la redécouverte par Pierre Hadot et Michel Foucault du souci de soi, concept central de la pensée antique, ou dans l’intérêt nouvellement pris par la philosophie morale, durant les deux dernières décennies, à l’éthique au sens strict, à la question de savoir quelle manière de vivre est la bonne pour nous en tant qu’individus et pour nous en tant qu’êtres humains. Même au sein de la philosophie analytique, les impulsions philosophiques existentielles ne doivent pas être négligées. Elles ne sont pas uniquement identifiables dans le passé, par exemple dans l’affinité particulière de Wittgenstein pour Kierkegaard, mais aussi dans les approches philosophiques de philosophes contemporains comme Thomas Nagel, Harry Frankfurt, Charles Taylor ou – tout près de nous – Peter Bieri. Avec ce volume des Studia philosophica, nous souhaitons – avec les philosophes enseignant aujourd’hui en Suisse ou originaires de Suisse – procéder à une mise à l’épreuve: À quel point sont-ils eux aussi encore guidés par des motivations philosophiques existentielles? Dans quelle mesure est-ce que des motivations philosophiques existentielles apparaissent dans leur manière de comprendre la philosophie et d’en faire? Nous avons consciemment laissé ouverte la forme sous laquelle la réponse à cette question pouvait s’effectuer: que ce soit sous la forme d’une présentation personnelle ou d’une autobiographie philosophique, d’un essai portant sur la question de savoir ce que la philosophie peut et doit être, d’un exposé sur un thème lié à l’existence et dont l’auteur s’occupe actuellement ou d’un exposé sur une concep1
Traduit par Hamid Taieb (Genève, Lausanne).
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tion de la vie bonne, d’une réflexion métaphilosophique sur la motivation existentielle à la base de ses propres intérêts de travail, ou de quelque autre manière que ce soit. Nous avons été surpris par l’important écho que notre invitation à participer au volume a reçu, avant tout en Suisse germanophone. Et nous ne sommes pas moins surpris par le résultat: à quel point ceux qui nous ont fourni une contribution, malgré leurs provenances très distinctes, rattachent des motivations philosophiques existentielles à leur compréhension de la philosophie, et le fait que nombre d’entre eux osent prendre pour objet de leur réflexion des questions existentielles. La question de savoir quelle manière de vivre est la bonne et quelles exigences une vie philosophique impose aux individus est le thème des deux premières contributions. Annemarie Pieper voit dans la métaphore de la vie comme œuvre d’art l’image directrice, traversant la culture occidentale, de la réalisation intégrale de soi. Sa présentation des différentes manifestations historiques de cette pensée directrice est implicitement un plaidoyer pour un artiste de la vie, qui ne joue pas les facultés motivationnelles sensitive et spirituelle de l’être humain l’une contre l’autre, mais qui les laisse devenir productives dans leur opposition faite de tensions, en une compétition pour une existence accomplie dans son intégralité. Avec une grande détermination et une cohérence remarquable, Markus Wild exige de chaque individu, et en particulier de celui qui philosophe, de faire se correspondre sa vie et sa pensée. À quel point il nous est difficile de satisfaire à cette exigence, de faire face à cette responsabilité et, le cas échéant, de modifier notre vie, il le montre par l’exemple de notre rapport aux animaux, non pas directement, mais – supposant que les thèmes philosophiques existentiels ne peuvent être discutés que dans une interaction entre réflexion philosophique et production littéraire – par l’intermédiaire d’une interprétation du livre The Lives of Animals de J. M. Coetzee, livre dont le personnage principal, Elizabeth Costello, investi dans la défense des animaux, est confronté à l’agressivité et à l’hypocrisie de ses auditeurs et lecteurs lorsqu’il souhaite montrer que quelque chose est «badly wrong» dans les rapports entre les êtres humains et les animaux. Sebastian Hüsch et Tilo Wesche se focalisent sur le but vers lequel – selon Aristote – toute aspiration humaine tend en fin de compte: le bonheur. Le point de départ de Sebastian Hüsch est le bonheur du «Et pourtant» postulé par Camus, le bonheur face à l’absurdité de l’existence, lequel – tel que Hüsch l’interprète – est en même temps la réponse à la vanité de cette permanente aspiration au bonheur devenue caractéristique de la modernité; une
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réponse toutefois qui, selon Hüsch, bien qu’elle exprime une posture digne de reconnaissance, reste au final philosophiquement insatisfaisante. Tilo Wesche analyse et critique le concept de bonheur utilisé dans les recherches empiriques sur le sentiment de bonheur des différents groupes de population. Il révèle le caractère discutable de ce concept de bonheur, qui se présente comme généralisable et objectif, mais qui omet un aspect essentiel du bonheur, celui de la dimension sensée de la vie – que ce soit sous l’angle moral ou eu égard au degré d’autonomie atteinte –, et laisse de ce fait apparaître le caractère inadéquat des enquêtes empiriques sur le bonheur. L’existence comme rapport conscient à soi est, comme le soutient à juste titre Georg Kohler, constamment aussi un choix: décision pour une possibilité parmi d’autres de mener sa vie. Il se donne pour tâche d’analyser plus précisément l’inventaire conceptuel à l’aide duquel l’accomplissement de chaque vie propre est décrit et d’évaluer cet inventaire de manière critique en regard de l’idéal de l’autonomie humaine. L’attention se porte sur des catégories comme liberté d’action, rapport de soi à soi, action sur la base de raisons, mais aussi hasard et contingence, ainsi qu’opposition, dans le contexte du naturalisme actuel, entre cerveau et esprit. Dans quelle mesure, c’est la question fondamentale de Peter Schaber, la philosophie morale peutelle aider les individus ou les institutions publiques à prendre des décisions moralement correctes? Il rejette l’idée que les philosophes moraux puissent prétendre donner des réponses objectivement correctes à des questions morales, car ce ne sont pas leurs réponses qui doivent être suivies, mais ce que l’on considère soi-même comme correct. La philosophie morale peut toutefois nous aider à mieux comprendre de quoi il en retourne dans les questions morales. Daniel Schulthess rend attentif à une forme particulière de communication morale, la communication au moyen de l’ironie et de l’humour (sous forme de ce que l’on nomme «blagues édifiantes»), qu’il interprète – en référence à Kierkegaard – comme communication indirecte, qui fait appel à l’indépendance des individus, et qu’il considère comme étant morale au sens positif. Une marque essentielle de l’existence humaine est sa forme spécifique de temporalité. Gottfried Gabriel, dans sa contribution, se demande ce que le temps et la temporalité – par contraste avec les conceptions du temps et de la mesure du temps en philosophie de la nature – signifient philosophiquement et existentiellement, et de quelle manière le rapport au temps détermine notre forme de vie ainsi que notre bonheur. Jean-Claude Wolf thématise une forme spécifique du rapport au temps: l’espoir. Il la loue, avec la confiance et la patience, comme l’une des sources du sens de la vie – même
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pour les êtres humains qui ne sont pas croyants – et défend la vertu de l’espoir contre le reproche qui lui est fait d’être égoïste, illusoire et d’être une fuite confortable face au présent. Les collègues ayant davantage d’intérêt pour l’histoire de la philosophie enquêtent sur les motivations philosophiques existentielles en philosophie antique, en philosophie de la vie et en phénoménologie. Rafael Ferber traite de la formule aristotélicienne fréquemment citée disant que l’être humain recherche le savoir par nature, détermine en quel sens elle doit véritablement être comprise chez Aristote, et met en évidence la différence décisive entre les compréhensions aristotélicienne et platonicienne du savoir: chez Aristote en tant que processus continu allant des sensations aux abstractions les plus élevées, chez Platon en tant que retournement (à comprendre également de manière existentielle) compris comme acte de se détourner de la connaissance sensitive et de se tourner vers le monde purement conceptuel, nouménal, des idées. C’est à l’égard de ce concept de philosophie qu’il se sent lui-même aussi obligé. Anthony Feneuil reprend le flambeau en examinant le rôle qui revient à l’intuition dans la pensée de Bergson. Il montre à quel point l’intuition est également indispensable à l’intelligence dans sa recherche des énoncés vrais, et que ce n’est qu’à travers elle que le temps en tant que vécu, et donc le lieu depuis lequel l’être humain parle, de même que son être dans le monde sont saisis. Sans l’intuition, l’être humain tomberait dans l’intellectualisme ou «l’indifférence intellectualiste»; l’intuition rend manifeste qu’il n’y a pas de vérité sans engagement dans notre propre existence. Indirectement, cela met en lumière les raisons pour lesquelles la philosophie de la vie de Bergson a pu devenir une source d’inspiration pour les penseurs plus tardifs qui s’intéressaient à l’existence ou étaient existentialistes. Emil Angehrn choisit comme point de départ de sa recherche la formule de Merleau-Ponty disant que nous «sommes condamnés au sens», une formule qui pointe vers une condition incontournable de l’existence humaine: les êtres humains vivent de manière telle que c’est toujours en interprétant qu’ils se rapportent au monde, aux autres êtres humains et à leur propre vie. Son exposé suit les traces de cette pensée – qui ouvre sur ce que l’on appelle le «tournant herméneutique» de la phénoménologie – dans l’œuvre de Husserl, Heidegger, Merleau-Ponty, Ricœur et Derrida, et met en évidence, par la même occasion, une caractéristique de l’herméneutique: le fait que le sens est toujours dans un rapport de tension avec le retrait de sens, que la compréhension s’accomplit dans une confrontation avec les limites de la compréhension.
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Gunnar Hindrichs, dans sa contribution, tente une confirmation de soi d’un genre particulier. À l’aide de la paire de concepts scolastiques «êtreen-soi» et «être-en-un-autre», de l’indépendant et du dépendant, il montre le changement que subit le concept de sujet avec le tournant copernicien de Kant et thématise le déchirement du sujet transcendantal entre être-ensoi et être-en-un-autre, en ceci que ce sujet bute constamment – en son autonomie – contre les frontières du tout à fait autre, qu’il doit accepter dans sa dimension inexplicable – il s’agit, pour ainsi dire, d’une méditation métaphysique, qui peut nous rendre conscients du fait que nous faisons l’expérience de la plus grande dépendance précisément là où nous croyons être le plus autonome. Anton Hügli (Bâle), Janette Friedrich (Genève)
LebensfĂźhrung und die Frage nach dem richtigen Leben Conduite de la vie et la question de la vie bonne
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Annemarie Pieper
Das Leben als Kunstwerk? The metaphor of life as an artwork arises from an aesthetic perspective on the crea tive force of human freedom. This does not at all entail the bracketing of moral and cognitive aspects. They do, however, lose their exclusive claim to validity. The artist of life (Lebenskünstler) does not play out against each other the human abilities to be sensually and intellectually driven. Instead, in a competition with each other, she spurns on their productivity so as to achieve an existence that is successful as a whole. In Western culture, models for such holistic self-realisation are the Biblical creator god (Schelling); the search for meaning of mythological gods such as Dionysus and Sisyphus (Nietzsche, Camus); and the playful self-creation of the artist (Schiller).
Die Metapher der künstlerischen Selbstproduktion ist schon alt. Unabhängig davon, ob mehr der handwerkliche, der ethische oder der ästhetische Aspekt bei der Ausführung des individuellen Lebensentwurfs im Vordergrund stand, galt die Selbstgestaltung als ein Privileg mündiger Menschen, die imstande sind, eigene Ziele zu verfolgen und mittels dieser Ziele sich selbst zu verwirklichen. Als Gegenbild fungierte der Sklave, der seine Lebensform nicht selbst wählen konnte und im Dienst eines Herrn lebenslang dessen Anordnungen zu befolgen hatte. Dem Sklaven qua Fremdbestimmtem war es verwehrt, mit seinen Fähigkeiten zu experimentieren, um sein Potential auszuloten. Damit war er unter den Menschen am weitesten entfernt von der göttlichen Lebensform. Die Götter Griechenlands konnten sich beliebig verwandeln, in einen Menschen oder auch in ein Tier oder eine Pflanze, um auf diese Weise ein angestrebtes Ziel zügig zu erreichen. Die freien Bürger, angesiedelt zwischen den Göttern und den Sklaven, versuchten die Götter nachzuahmen, doch waren ihren Anstrengungen Grenzen gesetzt. Gebunden an ihre biologisch vorgegebenen Körper, konnten sie diese nicht willkürlich verändern oder gar in andere Körper schlüpfen. Immerhin vermochten sie an ihrem äußeren Erscheinungsbild und an ihren körperlichen Ausdrucksformen zu arbeiten – nach Maßgabe eines Idealbildes, das sie entsprechend ihren Vorstellungen vom Göttlichen für sich entwickelten und in sich hinein zu bilden trachteten. Die Seele übernahm die Aufgabe, den Körper nach ihren Vorstellungen zu formen, jedenfalls während der Zeitspanne, in der sie zu einem irdischen Dasein gezwungen war und sich als Vernunftinstanz zu bewähren hatte, um nach dem Tod des Körpers auf die
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Inseln der Seligen zum Uranos oberhalb des Himmels gelangen zu können, wo sie sich materiell unbeschwert ganz ihren geistigen Interessen hingeben durfte. Davon berichtet jedenfalls Platon im Schlussmythos der Politeia.1 So lange die Götter als Vorbild für die Sterblichen dienten, konnten diese die künstlerische Selbstgestaltung ihres Lebens am Beispiel der göttlichen ausrichten. Erst das Bilderverbot, mit dem der jüdische Gott belegt wurde, blendete den körperlichen Aspekt der individuellen Lebensformung aus und rückte das Körperlose, rein Geistige als das Nachzuahmende in den Blick. Die mit der Verachtung alles Materiellen verbundene Abwertung, ja Verabscheuung der Leibgebundenheit des Menschen führte dazu, dass die Vernunft zum alleinigen Leitfaden für die Lebensführung erhoben wurde, während mit den emotionalen und den affektiven Antriebskräften auch Phantasie und Vorstellungsvermögen ins Abseits gestellt wurden. Bestand Lebenskunst in der Antike darin, das wilde, ungebärdige Ross – wie es Platon im Phaidros- Mythos schildert2 – durch den Lenker so in das Gespann zu integrieren, dass es das Richtung gebende Seelen-Ross nicht ausbremst, sondern sich von diesem in seinem Vorwärtsdrang unterstützen lässt, wurde in der jüdisch-christlichen Tradition die körperliche Lebenslust mitsamt den diese fördernden Genussmitteln weitgehend unterdrückt, um zu verhindern, dass physische Anreize den geistigen Interessen in die Quere kommen. Dies änderte sich allerdings mit der Gestalt des Gottmenschen. Durch Jesus bekam der Körper wieder Gewicht und wurde einbezogen in die Lebensführung, auch wenn am Ende der geistig-seelische Anteil über das leidende Fleisch triumphiert und der verklärte Körper zum Immateriell-Göttlichen zurückkehrt. Dieser Sieg wurde philosophisch nicht ästhetisch, sondern ethisch gedeutet als Sieg des Guten über das Böse. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling ging sogar so weit zu behaupten, dass bereits der Gott des Alten Testaments, wie er in der Genesis als schaffender Urkünstler schlechthin beschrieben wird, nicht von Ewigkeit her gleichsam fertig war, sondern im Vollzug der Schöpfung sich allererst als Gott herstellte. Die ursprünglichste Schöpfung war daher die Selbstschöpfung, in der Gott sich als Gott hervorbrachte. Die Rekonstruktion dieses Prozesses der göttlichen Selbsterschaffung ist für die Menschen nur möglich, weil sie als Geschöpfe Gottes, die Gott ausdrücklich als sein Ebenbild vorgesehen hat, mit Gott fundamentale Voraussetzungen teilen. Die wesentliche Voraussetzung für eine schöpferische Tätigkeit 1
Vgl. Platon: Politeia, 613e–621d, in: Platon. Sämtliche Werke in sechs Bänden (Rowohlt: Reinbek 1957ff.), Bd. III. 2 Vgl. Platon: Phaidros 246a–246d, in: op. cit., Bd. IV.