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Buchkritik als Kulturkritik

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JACOB BURCKHARDT-GESPRÄCHE AU F CAST E L E N 28

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Michael Hagner

Buchkritik als Kulturkritik

S C H WA B E V E R L A G B A S E L


JACOB BURCKHARDT-GESPRÄCHE AU F CAST E L E N 28

Michael Hagner

Buchkritik als Kulturkritik

S C H WA B E V E R L A G B A S E L


Die Jacob Burckhardt-Gespräche auf Castelen wurden im Rahmen der Römer-Stiftung Dr. René Clavel begründet von Dr. iur. Dr. phil. h. c. Jacob Frey-Clavel. Direktorium: Prof. Dr. Gottfried Boehm · Prof. Dr. Andreas Cesana Prof. Dr. Kurt Seelmann

Copyright © 2014 Direktorium der Jacob Burckhardt-Gespräche auf Castelen, Universität Basel, und Schwabe AG, Verlag, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliess­ lich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Direktoriums der Jacob Burckhardt-Gespräche und des Verlags in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Gesamtherstellung: Schwabe AG, Muttenz/Basel ISBN 978-3-7965-3315-0 www.schwabeverlag.ch


EINLEITUNG Es ist nicht so, dass allgemeine Lesefähigkeit und Bildung stets das Wohlgefallen frühzeitig pensionierter Philologieprofessoren gefunden hätten. «Noch ein Jahrhundert Leser – und der Geist selber wird stinken. Dass jedermann lesen lernen darf, verdirbt auf die Dauer nicht allein das Schreiben, sondern auch das Denken.»1 Mit diesen oft zitierten Sätzen aus Also sprach Zarathustra hat Nietzsche seine vielfach variierten Attacken gegen die Verwässerung der Bildung und gegen breite Zirkulation des Wissens zum Problem der geistigen Produktivität selbst gemacht. Schlechte Leser in Legion, so die Befürchtung, haben einen Rückkopplungseffekt auf diejenigen, die das geistige Leben gestalten, und das führt zum Erlahmen von eigenständigem Denken, Kreativität und Urteilskraft. Nietzsches grimmige Prognose aus dem 1883 veröffentlichten ersten Teil des Zarathustra ist nicht seine erste Wortmeldung zur Misere des gelehrten Schreibens und Denkens. Zehn Jahre zuvor, noch im Basler Professorenamt, nimmt er sich in der zweiten Unzeitgemäßen Betrachtung jenen Missbrauch von Geschichte «als kostbaren Erkenntniss-Ueberfluss und Luxus» vor, der eine ganze Kultur mit der «historischen Krankheit» infiziert.2 Die Gegenwart krankt aber nicht bloß an einer Übersättigung mit Geschichte. Orientiert an seinem Vorbild Schopenhauer, der die zunehmend spezialisierten Wissenschaften direkt in den Hafen des Fachidiotentums einfahren sah,3 lenkt Nietzsche den Blick auch auf die allgemeinere Frage, welchen 1 2 3

Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, in: Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe (KSA), Bd. 4. München/Berlin 1980, S. 48. Ders., Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben, in: KSA, Bd. 1, S. 245, 329. Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena. Bd. 2, in: ders., Sämtliche Werke, Bd. 5. München 1913, S. 528.

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Nutzen oder Nachteil Wissenschaft und Gelehrsamkeit für das Leben haben, insbesondere in einer Situation, da sie sich besonderer Pflege und Förderung erfreuen. Die Diagnose fällt ebenso deprimierend aus wie die Prognose: «Die gediegene Mittelmässigkeit wird immer mittelmässiger, die Wissenschaft im ökonomischen Sinne immer nutzbarer. [...] Gut, die Wissenschaft ist in den letzten Jahrzehnten erstaunlich schnell gefördert worden; aber seht euch nun auch die Gelehrten, die erschöpften Hennen an. [...] gackern können sie mehr als je, weil sie öfter Eier legen: freilich sind auch die Eier immer kleiner (obgleich die Bücher immer dicker) geworden.»4 Bevor der Geist selbst anfängt, unangenehm zu riechen, werden die Erkenntnisse bei gleichzeitigem Anschwellen der Bücher immer dürftiger. Damit ist das Buch selbst zum Indikator für den Gesundheitszustand des wissenschaftlichen Lebens geworden, das ausgerechnet in der Phase üppigster staatlicher Zuwendungen in geistiger Adipositas zu erstarren droht. Schuld daran sind aber nicht nur die allzu verwöhnten Gelehrten, sondern auch die Popularisierung der Wissenschaft, «das berüchtigte Zuschneiden des Rockes der Wissenschaft auf den Leib des ‹gemischten Publicums›». Aus diesem Publikum rekrutieren sich die Leser, die das Buch mehr oder weniger ruinieren. In den nachgelassenen Entwürfen für die Unzeitgemässen Betrachtungen heißt es flankierend: «Jetzt weiß kein Mensch, wie ein gutes Buch aussieht, man muß es vormachen: sie verstehen die Composition nicht. Die Presse ruiniert dazu immer mehr das Gefühl.»5 Man braucht keine weiteren Zitate aus Nietzsches zahl­ reichen kritischen Einwürfen in die Bildungsdebatte heran­ 4 5

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Nietzsche, Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben, in: KSA, Bd. 1, S. 301. Ders., Nachgelassene Fragmente 1869–1874, in: KSA, Bd. 7. S. 423.


zuziehen, um zu sehen, dass er die verlorene Qualität wis­ senschaftlicher Bücher als Indikator für die Verderbtheit des intellektuellen juste milieu ansieht. Anders als Schopenhauer, für den unabhängig von der jeweiligen historischen Situation nur ein Bruchteil der geistigen Produktion Anspruch auf Originalität erheben kann – in diesem Sinne spricht er von einer «Unzahl schlechter Bücher»6 – blickt Nietzsche mit Argusaugen auf die geistigen, materiellen und institutionellen Entwicklungen, an denen er selbst teilnimmt. Sein Interesse richtet sich nicht auf das Buch als solches, sondern auf dessen historische Standortbestimmung, bei der ganz unterschied­ liche Aspekte zusammenkommen: der durch die Universität vermittelte Hang zu lebensferner Gelehrsamkeit; übertriebene staatliche Wissenschaftsförderung; durch äußere Anforderungen über die Maßen in Anspruch genommene Gelehrte; ungeübte und verbildete Leser, grassierende Populärwis­ senschaft und das Regime einer von Journalisten geprägten «Pseudokultur der Gegenwart».7 Wer seiner Zeit ein so schlechtes Zeugnis ausstellt, kann auch der Buchkultur keine gute Note erteilen, denn wenn die Leser immer schlechter werden, werden die Bücher es auch. Und umgekehrt. Auch wenn Nietzsches diagnostischer Scharfsinn und sein Gespür für Fehlentwicklungen nicht zu trennen sind von einem pathosanfälligen kulturkritischen Gestus, mit dem er seine Gefechte führt, ist es verführerisch, seine These, wonach guten Büchern zwischen unlesbaren Traktaten und allzu lesbaren Textmischungen die Luft abgedrückt wird, als Ausgangspunkt für eine Analyse zu nehmen, die sich mit dem gegenwärtig so häufig beschworenen Untergang einer bedroh6 7

Schopenhauer, Parerga und Paralipomena. Bd. 2, in: ders., Sämtliche Werke, Bd. 5. München 1913, S. 616–617. Nietzsche, Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten, Vortrag 5, in: KSA, Bd. 1, S. 746.

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ten Spezies namens gedrucktes Buch befasst. Zwar wird man nicht im Ernst argumentieren wollen, dass es nach Nietzsches Tod kaum noch gute Bücher gegeben habe, doch immerhin benennt er drei miteinander verwobene, allerdings unabhängig voneinander zu identifizierende Aspekte – ­Medienrivalität zwischen gedrucktem Buch und Tagespresse, Änderung der Lesekompetenzen und immanente Probleme in den Wissenschaften selbst –, die den Blick auf unsere Gegenwart strukturieren könnten. Medienhistorisch gesprochen, ließe sich ein Teil von Nietzsches Befund darauf reduzieren, dass er das Medium Buch durch das Medium Zeitung bedroht sieht. Es ist ein in der Medien- und Technikgeschichte nur zu bekannter Gestus, dass es bei Einführung eines neuen Mediums größerer Reichweite zu Irrelevanz- oder gar Verlustängsten der Anhänger des alten Mediums kommt: Die Fotografie bedroht die Malerei, der Film die Fotografie, das Fernsehen wiederum den Film und das Internet schließlich das Fernsehen. Davon ist das gedruckte Buch nicht ausgenommen. «Print is dead» – lautet der Titel eines 2007 erschienenen Buches, dessen zentrale Aussage seitdem viele Male wiederholt worden ist. Wie um die Irrelevanz des Buchdrucks zu bekräftigen, hat der Autor dieser Schrift – Jeff Gomez – in einer nur im Netz publizierten Vorrede zur zweiten Auflage dieses Pamphlets die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg in einem Akt patriotischer Amerika-Fixierung auf das Jahr 1492 datiert.8 Wohl hat solche hyperfreudianische Komik Einmaligkeitsstatus, aber auch differenzierter argumentierende Zeitgenossen stellen dem Buchdruck in allen gängigen Foren – im Netz, in der Zei8

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Jeff Gomez, Print is dead: Books in Our Digital Age, New York: 2007. Die nicht gedruckte Einleitung zur 2. Auflage kann als PDF-File heruntergeladen werden unter: http://www.dontcallhome.com/?p=6. ­ Dort findet sich die entsprechende Datierung auf S. 6.


tung und auch im gedruckten Buch – einen Totenschein nach dem anderen aus. Da geht es um veränderte Lesegewohnheiten, insbesondere um Ungeduld und fehlende Zeit, sich mit längeren Texten auseinanderzusetzen; um das Einsparen von Papier und andere, effektivere Speicherformen; um neue kulturelle Distinktionsmerkmale, die eine gefüllte Bibliothek nicht mehr als Symbol von Bildung, sondern als verstaubte Skurrilität erscheinen lassen; um neue Textformen, die Texte nicht mehr nur um Fußnoten, sondern um sogleich abrufbare Metadaten bereichern – Daten, die neben Texten auch Bilder, Filme oder Musikstücke enthalten können; oder auch um neue Schreibformen, bei denen Texte in direkter Interaktion mit Lesern entstehen.9 Diese Aufzählung ist unvollständig, aber man sieht, es ist nicht schwer, sich zu der Annahme verleiten zu lassen, das gedruckte Buch werde in ein paar Jahrzehnten vielleicht ­ nicht ganz verschwunden sein wie Schreibmaschine, Ma­ gnettonband und Polaroidkamera, aber doch nicht mehr als eine exklusive Nischenexistenz führen wie heutzutage vielleicht Produkte aus dem Manufactum-Katalog, der einer auf Distinktion bedachten Käuferschaft die guten Dinge näherbringt. Mag sein, dass es dahin kommen wird. Oder auch nicht. Ein einziger Besuch bei der Frankfurter Buchmesse genügt, um zweierlei festzustellen: erstens gibt jeder in der Buchbran9

Eine gute Zusammenfassung der verschiedenen Aspekte, die für einen allgemeinen Mentalitätenwechsel im Umgang mit dem gedruckten Buch sprechen sollen, findet sich bei Kathrin Passig. Siehe Kathrin Passig, Das Buch als Geldbäumchen, in: dies., Standardsituationen der Technologiekritik, Berlin 2013, S. 41–54; dies., Öffentlicher schreiben, privater lesen. Neue Techniken und Praktiken, in: Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Jahrbuch 2012, Göttingen 2013, S. 101–108; dies., Dank E-Books lese ich mehr und kaufe weniger, in: Die ZEIT, 6. Mai 2013 (http://www.zeit.de/digital/internet/2013-05/ebook-­readerleseverhalten-passig).

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che bereitwillig zu, dass niemand weiß, was in den nächsten Jahren passieren wird; zweitens ist die Anzahl an produzierten Büchern – und darunter auch etliche herausragende – so groß, dass es mit dem gedruckten Buch kaum so schnell vorbei sein dürfte. Auch die Tatsache, dass die magische Marke von 100 000 Neuerscheinungen pro Jahr in Deutschland – Erstund Neuauflagen zusammengerechnet – womöglich nicht erreicht wird, die Zahlen 2012 sogar etwas rückläufig sind, dürfte wohl eher mit Erleichterung als mit Sorge zur Kenntnis genommen werden.10 Aus der Geschichte weiß man, dass technologische Innovation allein nicht zum Untergang von Kulturtechniken und Dingen führt. Das Aufkommen der Massenmedien und ihre Ausbreitung, die ja erst nach Nietzsches Tod so richtig einsetzte, hat ebenso wenig wie die Einführung des preiswerten Taschenbuchs, das in vergleichbarer Weise für die Massen konzipiert war, zum Aussterben wichtiger und schöner Bücher und der Buchkultur überhaupt geführt. Das hat bislang auch die globale Durchsetzung des Digitalen inklusive einer im Dunkeln liegenden Anzahl von legalen oder illegalen Downloads nicht vermocht. Wie steht es dann mit dem «stinkenden Geist», mit den unliebsamen Auswirkungen der Popularisierung und des Medienwechsels, die die Buchkultur nachhaltig beschädigen? Handelt es sich vielleicht doch nur, wieder einmal, um Kulturkritik? Nietzsche war für solche Temperaturerhöhungen mehr als anfällig, aber man wird seine Intuitio­ nen nicht so schnell beiseite schieben, wenn man sich vergegenwärtigt, dass er nicht bloß das Publikum und die Medien im Visier hat, sondern auch Lesegewohnheiten und imma10 Siehe den Überblick für 2012 im Börsenblatt des Deutschen Buch­ handels, Buch und Buchhandel in Zahlen, 1. August 2013 (http://www. boersenblatt.net/373296/template/bb_tpl_branchenzahlen/).

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nente Probleme der Wissenschaften selbst, und die haben allerdings erhebliche Auswirkungen auf die Formen und Foren des Publizierens. Im Folgenden geht es mir um eine Aktualisierung von Nietzsches Frage: Wie sieht es mit Gegenwart und Zukunft des geisteswissenschaftlichen Buches aus? So betrüblich, wie Nietzsche glaubte? An ernstzunehmenden kritischen Dia­ gnosen aus unterschiedlichen Perspektiven fehlt es nicht. Jürgen Kaube listet eine ganze Reihe von bedeutenden wissenschaftlichen Büchern der sechziger und siebziger Jahre auf, um die bange Frage anzuschließen, ob man aus der Produktion der letzten Jahre auch nur auf 20 Bücher wette, dass sie in 50 Jahren noch bekannt seien. Und er benennt auch Gründe für diese Entwicklung: «Bedenklich ist weniger, dass 2012 nicht annähernd so viele Werke von Rang und Folgenreichtum vorgelegt werden wie 1962, als dass der Betrieb keine Begriffe und Maßstäbe dafür hat. Er misst in verausgabten Forschungsmitteln, in amtlich bestätigter Exzellenz und in Titelzahlen.»11 Kathrin Passig hat gegen die übliche Länge von Büchern Einwände, die Nietzsche-Lesern nicht ganz fremd vorkommen: Sachbuchautoren füllen «viele Seiten mit Zusammenfassungen anderer Texte, auf denen ihre eigene Argumentation aufbaut», während die «Ideenmenge in einem handelsüblichen Sachbuch» ungefähr «drei bis zehn Blogbeiträgen» entspreche.12 Und der Kunsthistoriker Hubertus Kohle scheint im Hinblick auf die bestehenden Publikationsbedingungen wissenschaftlicher Bücher völlig zu resignieren: «Die allermeisten 11 Jürgen Kaube, Denken zwischen Mülltrennung und Notaufnahme. Über das wissenschaftliche Sachbuch, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. März 2012 (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/ueber-daswissenschaftliche-sachbuch-denken-zwischen-muelltrennung-undnotaufnahme-11675841.html). 12 Passig, Das Buch als Geldbäumchen, a. a. O., S. 48.

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wissenschaftlichen Publikationen bringen außer Renommee (oder Verriss) gar nichts oder müssen sogar durch Zahlung eines zusätzlichen Geldbetrages («Druckkostenzuschuss») überhaupt erst druckfähig gemacht werden. Viele meiner Kunsthistoriker-Kollegen haben leidvoll erfahren, dass ein solcher Zuschuss durchaus einmal einen Betrag erreichen kann, für den man auch einen gebrauchten Ferrari kaufen könnte.»13 Bevor man mit Kaube in eine Diskussion darüber tritt, ob es 1962 wirklich Begriffe und Maßstäbe gab, die den aktuellen und künftigen Rang eines Werkes wie etwa Das wilde Denken von Claude Lévi-Strauss bestimmt hätten, an Passig die Frage richtet, ob sie immer die richtigen Bücher gelesen hat und Kohle daran erinnert, dass Wert und Bedeutung eines ­Buches sich nicht an zahlreichen (und kostspieligen) Hochglanzabbildungen festmachen lassen, sondern nur an seiner argumentativen und narrativen Qualität, die sich auch NichtSpezialisten erschließt – bevor man all diese ernstzunehmenden Fragen anspricht, möchte ich zunächst einige Faktoren identifizieren, die zur gegenwärtigen Lage des wissenschaftlichen Buches beigetragen haben. Ich bin, trotz der gegenwärtig oft als unversöhnlich erscheinenden Gegenüberstellung von Papier und Bildschirm sowie der deutlichen Anzeichen für massive Veränderungen in der Geschichte des gedruckten Buches, nicht der Ansicht, dass sich diese Lage mit dem ausschließlichen Verweis auf einen Me­ dienwechsel oder auf phänomenale technologische Innovatio­ nen hinreichend beschreiben lässt. Auch wenn das Internet beunruhigende Konsequenzen mit sich bringt, so stellt es umgekehrt fabelhafte, bislang ungekannte Möglichkeiten zur Ver13 Hubertus Kohle, Für Open Access in den Geisteswissenschaften, in: Perlentaucher, 16. September 2013 (http://www.perlentaucher.de/essay/ fuer-open-access-in-den-geisteswissenschaften.html).

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fügung. Die Alltagspraxis der Geisteswissenschaftler ist längst von digitalen Recherche- und Kommunikationsformen durchsetzt, und wer wollte schon – Google Books hin oder her – auf die Bequemlichkeit verzichten, Bücher aus dem 18. oder 19. Jahrhundert online zu durchmustern, um dann zu entscheiden, ob man sie gründlich durcharbeitet, sei es im Sonderlesesaal der Bibliothek oder – immerhin – als Fotokopie? Die Möglichkeiten der digitalen Technologien wenden sich allerdings in dem Moment gegen ihre Anwender, da diese irrtümlich glauben, dass die Vereinfachungen bei der Literaturrecherche auch Abkürzungen des Forschungsprozesses bedeuten. Solche Abkürzungen bis hin zu Betrügereien sind, wie die aufgedeckten Plagiate der jüngeren, prädigitalen Vergangenheit zeigen, nicht auf das Zeitalter des Internets beschränkt. Doch wie man liest, welche Ausgaben herangezogen und zitiert werden, wie man zitiert, was Gegenstand und Form eines wissenschaftlichen oder gelehrten Textes sein soll und was überhaupt einen Text charakterisiert, der für geeignet gehalten wird, ihn anderen Lesern vorzulegen – das sind Fragen, die nicht im Codex einer imaginären Gelehrtenrepublik ein für alle Mal festgeschrieben werden, sondern historischen Wandlungen unterliegen, deren Antriebskräfte keineswegs auf die digitale Technologie zu reduzieren sind. Hartmut Rosa hat im Zusammenhang seiner Überlegungen zur sozialen Beschleunigung argumentiert, dass diese ­keineswegs das zwangsläufige Ergebnis technologischer Beschleunigung darstellt.14 Niemand zwingt uns, so viel E-MailVerkehr zu unterhalten und so ausgiebig im Netz zu surfen, von Social Media einmal ganz abgesehen. Offensichtlich ist die Technologie das Futter, das unseren Appetit befriedigt und – selbstverständlich – durch Geschmacksverstärker diesen 14 Hartmut Rosa, Beschleunigung und Entfremdung, Berlin 2013, S. 34.

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Appetit noch steigert. Doch die Bedürfnisse selbst sind primär an anderen Orten zu suchen. Auf unseren Zusammenhang übertragen heißt das: Das gedruckte wissenschaftliche Buch mag unter Druck gekommen sein, andere Forschungsmethoden und Artikulationsformen mögen sich in den Vordergrund drängen, doch das Netz ist allenfalls Katalysator und nicht Ursache dieser Veränderungen. Insofern geht es um spezifische Entwicklungen und Realitäten in den Geisteswissenschaften selbst, die auf die Frage hinauslaufen, welche Rolle sie in der gegenwärtigen und künftigen Welt des Wissens einnehmen wollen, und welche Art von Wissen überhaupt favorisiert wird. In einer Welt der Beschleunigung, wie Rosa sie beschreibt, wirkt ein geisteswissenschaftliches Zeitregime, das wenigstens in Teilen an Büchern orientiert ist, ziemlich anachronistisch. Zur Problematik der Beschleunigung kommt diejenige des Wachstums hinzu. Immer wieder wird behauptet, dass wir, im Gegensatz zu anderen Zeiten und Gesellschaften, in einer Wissensgesellschaft leben, doch das verstellt in unserem Zusammenhang eher den Blick für die wichtigen Fragen. Denn nichts wäre verfehlter, als davon auszugehen, dass die Wissensgesellschaft in ihrem Selbstverständnis ein Eldorado für Bücher, Bildung und profundes Wissen darstellt. Unsere Zeit ist dadurch charakterisiert, dass zumindest das öffentlich geförderte Wissen in erster Linie als ökonomische Ressource betrachtet wird, die wirtschaftliche Zirkulation und Profitsteigerung befördern soll. Wachstum, so hat es zumindest den Anschein, ist auf Geschwindigkeit noch mehr angewiesen als auf Wissen. Oder anders: so viel Wissen wie nötig und so viel Geschwindigkeit wie möglich. Welche Rolle in einem solchen, von satten Gewinnmargen und Wachstumsforderungen, Managern und Spekulanten dominierten Wissensregime ein in der Entstehung aufwendiges, komplexes, mit gewissen Mühen zu rezipierendes Buch haben soll, ist ungewiss. Auch in der Vergangenheit war 14


es nicht gerade ein überwältigend attraktives Geschäftsmodell, wenn Autoren keinen oder höchstens einen verschwindend geringen Stundenlohn für ihre Arbeit erhielten und Verlage kaum sinnlich machendem Reichtum mit geisteswissenschaftlichen Büchern anhäufen konnten. An dieser Situation hat sich nur insofern etwas geändert, als die ökonomischen Rahmenbedingungen noch ungünstiger geworden sind. Unter dem Eindruck der Wucht von realitätsstiftenden Werten wie Beschleunigung und Wachstum kann man leicht zu einer ungünstigen Prognose für das Buch gelangen. Selbst wenn man – wie ich – zu der Ansicht tendiert, dass gedruckte Bücher auf absehbare Zeit noch so selbstverständlich sein werden wie Zahnbürsten, Tische und Lampen, bleibt die Frage, die in den nächsten Jahren virulent ist: Wird es noch monographische Darstellungen geben, oder werden die Geisteswissenschaften auf den Pfaden der Naturwissenschaften wandeln, wo der Zeitschriftenaufsatz, der Blog oder der Text als Prozess alles und das Buch als Werk nichts ist? In den westlichen Gesellschaften hat das gedruckte Buch in den letzten 550 Jahren eine Art Leitgestirn des Wissens dargestellt; ihre Repositorien, die Bibliotheken, galten als Schatzhäuser des Wissens. Daraus folgt nicht mit automatischer Selbstverständlichkeit, dass das für alle Zeiten so bleiben muss. Neben den erwähnten Aspekten kommt nämlich auch noch eine kulturkritische Dimension hinzu, die sich vor allem in Zweifeln artikuliert – siehe Passig –, ob ein gedrucktes Buch überhaupt noch den Bedürfnissen und Notwendigkeiten von Autoren und Lesern entspricht, die einer anderen Zeitökonomie unterliegen als ihre Vorgänger. Wenn das gedruckte Buch nicht mehr als geeignetes Erkenntnisinstrument und Wissensspeicher und vor allem nicht mehr als haptisch und visuell attraktiver Gegenstand angesehen wird, dann ist es naheliegend, darauf zu verzichten. Ob 15


die Tauglichkeit des Buches wirklich so schlecht ist, wird sich zeigen, aber zumindest wird das mit großem Gestus behauptet. An diesem Punkt muss der Begriff der Kulturkritik, wie er hier benutzt wird, kurz geklärt werden. Bekanntlich dient der Begriff im Netz häufig als Allzweckwaffe, um netzkritische Positionen oder Apologien des gedruckten Buches ungeachtet ihrer Argumente zu stigmatisieren. Was mit solchen Charakterisierungen gemeint ist, lässt sich ganz einfach auf den Punkt bringen: technophobe Attitüden der Ewiggestrigen. Meine zentrale These hingegen läuft darauf hinaus, dass die Kritik am Buch – nicht nur in unserer Zeit – als Ausdruck eines kulturkritischen Gestus zu verstehen ist. Was ist also Kulturkritik? Zweifellos hat dieser Begriff eine ansehnliche Geschichte vorzuweisen, der sich eine ganze Reihe bedenkenswerter Ober- und Untertöne ablauschen lassen.15 Aber auch wenn in der historischen Entwicklung Kulturkritik als durchaus legitimer Kommentar zum historischen Geschehen erkennbar wird, geht es mir in diesem Zusammenhang um etwas viel Simpleres. Ich verstehe Kulturkritik hier als Haltung, die sich erstens nicht an diesem oder jenem Aspekt ihres Gegenstands aufhält, sondern auf das Große und Ganze zielt und die Phänomene, auf die sie es abgesehen hat, als Kollektivsingular behandelt. Zweitens: Kulturkritik ist apodiktisch. Sie kennt keine Selbstzweifel, ist sich ihrer Sache gewiss, teilt alle Diskursteilnehmer in ein duales FreundFeind-Schema ein und deutet gegenteilige Ansichten und Argumente nicht selten im Sinne eines Verschwörungsszenarios, welches ihre eigene kritische Haltung nur bestärkt. Kulturkritik lässt, so gesehen, nicht mit sich reden, und sie will dasje15 Siehe Georg Bollenbeck, Eine Geschichte der Kulturkritik. Von Rousseau bis Günther Anders, München 2007. Siehe auch Ralf Konersmann, Kulturkritik, Frankfurt a. M. 2008.

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nige, das ihr ein Dorn im Auge ist, so schnell wie möglich unter Kontrolle bringen oder kleinkriegen. Drittens schließlich muss Kulturkritik keineswegs rückwärtsgewandt sein und sich nach einer guten alten Zeit sehnen. Nichts wäre falscher, als Kulturkritik nur unter den Ewiggestrigen auszumachen. Ihre Kritik am Bestehenden kann sich ebenso gut mit einem erwartungsvollen Blick in die Zukunft paaren. Aus diesen drei Kriterien, die keineswegs immer im Gleichschritt voll zur Geltung kommen müssen, folgt naheliegenderweise, dass der Gestus der Kulturkritik sowohl Netzkritikern als auch Buchkritikern eigen sein kann. Insofern wäre es durchaus reizvoll, die gegenwärtigen Kombattanten für oder wider das gedruckte Buch einer vergleichenden Analyse zu unterziehen. Tatsächlich wird von beiden die Rede sein, aber den Schwerpunkt werde ich doch auf die Kritik des Buches legen, und zwar aus zwei Gründen: zum einen besteht ein Hauptziel dieses Essays darin, eine Kontinuität der Buchkritik aufzuzeigen, die weit hinter die Zeit des Internets zurückreicht. Zum anderen scheint mir die gegen das Buch gerichtete Kulturkritik ein bislang viel zu wenig beachtetes Symptom unserer Zeit zu sein, während die apodiktische Netzkritik nach meinem Eindruck immer mehr ins Abseits gerät. Ohne Zweifel befinden wir uns in einer Phase von kultureller Unübersichtlichkeit und Desorientierung, und in solchen Phasen werden gerne grundsätzliche Standpunkte favorisiert, die sich entweder in einer pessimistischen Geschichtsphilosophie oder in einer medialen Heilserwartung entladen. Im Hinblick auf die Kritik des Buches ist die heutige Lage durch eine enge Verschränkung von Kulturkritik und Heilserwartung bestimmt.

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DER UNTERGANG DES BUCHES NACH DEM ­ERSTEN WELTKRIEG Die Sottise vom stinkenden Geist ist nicht nur häufig, sie ist auch falsch zitiert worden. Reichlich 50 Jahre nach dem Zarathustra, 1932, führt Theodor Lessing seinen Säulenheiligen Nietzsche an: «Noch ein Jahrhundert Buchdruck und der Geist selber wird stinken.» Das ist ein kleiner, kaum zufälliger Lesefehler, der Nietzsches Satz eine ziemlich andere Wendung gibt. Nicht mehr der Leser wird dem Geist gefährlich, sondern eine ganze Kultur/Technik steht unter Generalverdacht. «Untergang des Buches», das ist die Überschrift im Feuilleton des Prager Tagblatts, einem Massenmedium, und Lessing meint es genau so. Zunächst konstatiert er einen fundamentalen Wandel der Bedeutung des Buches seit dem 19. Jahrhundert: Während noch bis hin zu Schopenhauer Bücher unter dem Eindruck einer Unsterblichkeitsnorm geschrieben wurden, die darauf baute, dass erst die Nachwelt das eigentliche Anliegen des Buches verstehen würde, verlagerte sich seitdem die Produktion immer mehr auf das Hier und Jetzt. Bücher dienen pragma­ tischen Bedürfnissen wie Unterhaltung und Belehrung, Entspannung und Spaß, allesamt Symptome einer westlichen Demokratisierung und Sozialisierung, die das Besondere und Einmalige zurückdrängen, um das Austauschbare und das Reproduzierbare aufs Podest zu heben. Kein Wunder, dass Lessing Stefan George und seinen Kreis als Widerstandsnest aufruft, in dem das Esoterische der handschriftlichen Artikulation gegen die Gefahr der inflationären, kompromittierenden Publizität schützen soll. Auch da, wo Bücher die «anspruchsvolle Geistigkeit» erhöhen, erdrücken sie Unmittelbarkeit, Lebendigkeit und das Gefühl für den Augenblick, was gerade nicht mit einem aktuellen Faszinationserlebnis zu verwechseln ist, 18


sondern als authentische und schöpferische Beschäftigung der Seele gilt. Entsprechend sind «schöpferische Menschen schlechte Leser», sie «fürchten das Buch».16 Hier kommen zwei Punkte zusammen, die im Prinzip unvereinbar miteinander sind. Zunächst einmal variiert Lessing Nietzsches Kulturkritik: Das Buch als Medium für Trivialitäten, Unterhaltung und Popularisierung ist an die Stelle von Belehrung, Originalität und Form getreten. Letztlich geht es ihm aber nicht darum, eine Fortsetzung des Kulturverfalls seit dem späten 19. Jahrhundert zu konstatieren, sondern einen Generalvorwurf gegen das Buch als Repräsentanten der neuzeitlichen Kultur zu erheben. Deswegen sollen die seit dem Buchdruck etablierten Methoden, Praktiken und Resultate der Gelehrsamkeit grundsätzlich in Zweifel gezogen werden. Bei Lessing taucht ein neues Element der Kulturkritik auf, das nichts mehr mit der Klage zu tun hat, der Siegeszug des Journalismus und des Massenmediums Zeitung habe das Buch verdorben. Im Gegenteil: Gute Tageszeitungen – Lessing schreibt seit 1922 regelmäßig für das Prager Tagblatt – garantieren eine lebendige und anregende Lektüre. Die Kalamitäten mit dem Buch liegen im Medium selbst begründet, beginnend mit dem Buchdruck, der im Großen und Ganzen nur Elend über die Menschheit gebracht hat: Buchdruck, das ist neben dem Schießpulver die «teuflischste Erfindung des Menschengeistes. [...] Die Waffen der Fäuste wie der Gehirne sind eine schwere Last geworden.»17 Dass Schießpulver und Buchdruck in einem Atemzug genannt werden, ist alles andere als Zufall, denn das reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Damals haben einige Humanisten 16 Theodor Lessing, Untergang des Buches, in: Prager Tagblatt, 1.10.1932, S. 1. Wiederabdruck in: ders., Wortmeldungen eines Unerschrockenen. Publizistik aus drei Jahrzehnten. Leipzig/Weimar 1987, S. 271–274. 17 Theodor Lessing, Untergang des Buches, in: a. a. O.

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beide Erfindungen mit Stolz auf das Konto der deutschen Nation verbucht.18 Schießpulver und Buchdruck stehen auch am Beginn der neuzeitlichen Wissenschaft und Fortschrittsgläubigkeit, zumindest für Francis Bacon, der diesen beiden Erfindungen den größten Einfluss auf die Menschheitsentwicklung zuschreibt und in diesem Zusammenhang den berühmten Satz formuliert, der gesündeste und ehrwürdigste Ehrgeiz des Menschen bestehe darin, sich die ganze Natur untertan zu machen.19 Wenn Bacon Krieg und Wissenschaft bzw. Gelehrsamkeit unter dem Gesichtspunkt Machttechnologien zusammen denkt, dann gilt das, mit entgegengesetzter Bewertung, auch für seine Kritiker, die am Vorabend der nationalsozialistischen Barbarei schreiben. Tatsächlich stand Lessing seit 1914, seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, unter einem anhaltenden zivilisatorischen Schock, der ihn zu einer schonungslosen Abrechnung mit der abendländischen Kultur der Neuzeit führte. Wenn man bedenkt, wie rückhaltlos sich die große Mehrheit der deutschen Professoren 1914 in das Heer der Kriegstrunkenen einreihte, wird Lessings Bitterkeit über die Unzuverlässigkeit der Kultur zumindest nachvollziehbar.20 Das erste Resultat seiner Auseinandersetzung war die 1918 unter dem Titel Europa und Asien in Franz Pfemferts Politische Aktions-Bibliothek publizierte Streitschrift, die bis 1930 in mehreren Auflagen zu einer 18 Es sei aber auch nicht verschwiegen, dass andere Autoren damals sich nur für den Buchdruck erwärmten und das Schießpulver ablehnten. Siehe hierzu Caspar Hirschi, Wettkampf der Nationen. Konstruktionen einer deutschen Ehrgemeinschaft an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, Göttingen 2005, S. 282–286. 19 Francis Bacon, Neues Organon, Bd. 1, Aph. 129, Hamburg 1990, S. 271. Der Vollständigkeit halber sei hinzugefügt, dass Bacon als dritte bedeutende Erfindung den Kompass nennt. 20 Siehe z.B. Kurt Flasch, Die geistige Mobilmachung. Die deutschen Intellektuellen und der Erste Weltkrieg. Ein Versuch. Berlin 2000.

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