Band 36 R. Schneider-Sliwa, E. Gloor, R. Gonzalez, C. Griebel, C. Saalfrank, N. Sliwa Schutzgebühr Fr. 35.– ISBN 978-3-7965-3267-2
Schwabe Verlag Basel www.schwabe.ch
Image und Identität von Basler Stadtquartieren
Basler Stadt- und Regionalforschung Herausgeberin der Reihe: Prof. Dr. Rita Schneider-Sliwa Departement Umweltwissenschaften, Universität Basel
Image und Identität von Basler Stadtquartieren Rita Schneider-Sliwa, Esther Gloor, Ramon Gonzalez, Christine Griebel, Claudia Saalfrank, Nadezhda Sliwa
Basler Stadt- und Regionalforschung, Departement Umweltwissenschaften, Universität Basel, 2012
Band 36
Image und Identität von Basler Stadtquartieren Rita Schneider-Sliwa, Esther Gloor, Ramon Gonzalez, Christine Griebel, Claudia Saalfrank, Nadezhda Sliwa
und Simone Allemann, Verena Baumgartner, Jessica Brenzikofer, Nicole Eggenschwiler, Remo Furger, Alain Gander, Lucy Hindermann, Alexandra Kuhn, Silvan Künzli, Jonas Maienfisch, Christoph Mani, Thomas Mani, Lukas Merz, Jonas Mundwiler, Elise Perrin, Leonhard Rothenberger, Mauro Sana, Daniel Schaffner, Thomas Simonsen, Fabian Stöckli, Gisela Strässle, Silvio Suter, Jonna Tschannen, Matthias Zwicky
Schwabe Verlag Basel Departement Umweltwissenschaften Forschungsgruppe Schneider-Sliwa; Humangeographie, Stadt- und Regionalforschung Universität Basel 2012
Basler Stadt- und Regionalforschung
Departement Umweltwissenschaften Forschungsgruppe Schneider-Sliwa; Humangeographie, Stadt- und Regionalforschung, Universität Basel
Datenbankmanagement, SPSS-Supervision: C. Griebel, C. Saalfrank Redaktion: R. Gonzalez, R. Schneider-Sliwa Redaktionsassistenz: E. Gloor, N. Sliwa Layout: Veronika Frei, Reto Bürgin Kartographie: Leena Baumann Fotos: Daniel Schaffner Foto Titelseite: Blick über Basel, Sara Koller Herstellung/Verlag: Schwabe AG, 2012 ISBN 978-3-7965-3267-2
Band 36, 2012 Image und Identität von Basler Stadtquartieren
Der Druck wurde mitfinanziert durch die Freiwillige Akademische Gesellschaft.
Herausgeberin der Reihe: Prof. Dr. Rita Schneider-Sliwa
R. Schneider-Sliwa, E. Gloor, R. Gonzalez, C. Griebel, C. Saalfrank, N. Sliwa
© R. Schneider-Sliwa, E. Gloor, R. Gonzalez, C. Griebel, C. Saalfrank, N. Sliwa 2012, Departement Umweltwissenschaften, Forschungsgruppe Schneider-Sliwa; Humangeographie, Stadt- und Regionalforschung, Universität Basel, alle Rechte vorbehalten Im gesamten Text gelten personenbezogene Begriffe als geschlechtsneutral.
I
Image und Identität von Basler Stadtquartieren
Inhaltsverzeichnis Tabellenverzeichnis .................................................................................................................................................................................... III Abbildungsverzeichnis .............................................................................................................................................................................. IV
Executive Summary – Zusammenfassung für den eiligen Leser .................................................................................... V
Teil I – Einleitung ...............................................................................................................................................................................1 1 Hintergrund ............................................................................................................................................................................................. 3 1.1 Zielsetzungen......................................................................................................................................................................................... 3 1.2 Methodik................................................................................................................................................................................................. 4 1.3 Die Befragungsstandorte im Überblick............................................................................................................................................ 4 2 Stichprobe .............................................................................................................................................................................................. 11 2.1 Rücklauf ................................................................................................................................................................................................ 11 2.2 Merkmale der Stichprobe ................................................................................................................................................................. 11 2.3 Zwischenfazit zur Stichprobe ........................................................................................................................................................... 13
Teil II – Der Bezug zum Quartier .......................................................................................................................................15 3 Quartiersbezeichnungen................................................................................................................................................................... 17 3.1 Zwischenfazit zu den Quartiersbezeichnungen...........................................................................................................................19 4 Zugehörigkeitsgefühl ..........................................................................................................................................................................20 4.1 Zugehörigkeitsgefühl der Anwohner zum eigenen Quartier.................................................................................................... 20 4.2 Zugehörigkeitsgefühl nach ausgewählten personenbezogenen Angaben............................................................................ 20 4.3 Zwischenfazit zum Zugehörigkeitsgefühl ...................................................................................................................................... 23 5 Spontanassoziationen zum eigenen Quartier ............................................................................................................................24 5.1 Quartiersübergreifende Ergebnisse ...............................................................................................................................................25 5.2 Ausgewählte Ergebnisse in den einzelnen Quartieren .............................................................................................................. 27 5.3 Zwischenfazit zu den Spontanassoziationen................................................................................................................................30 6 Besuche aus anderen Quartieren ..................................................................................................................................................34 6.1 Zwischenfazit zu den Besuchen aus anderen Quartieren ........................................................................................................35
Teil III – Das Eigen- und Fremdimage der Quartiere ........................................................................................ 37 7 Bewertung der Lebensqualität in den einzelnen Quartieren ................................................................................................39 7.1 Günstiger Wohnraum........................................................................................................................................................................39 7.2 Verkehrsanbindung (mit ÖV/Auto) ................................................................................................................................................39 7.3 Kinderfreundlichkeit .........................................................................................................................................................................40 7.4 Grünflächen, Grünanlagen ............................................................................................................................................................... 41
II
7.5 Soziales Umfeld, Nachbarschaft ...................................................................................................................................................... 41 7.6 Einkaufs- und Dienstleistungsangebot ..........................................................................................................................................44 7.7 Kultur, Gastronomie ..........................................................................................................................................................................45 7.8 Öffentliche Einrichtungen .................................................................................................................................................................45 7.9 Freizeit-/Naherholungsmöglichkeiten............................................................................................................................................46 7.10 Bauliches Erscheinungsbild............................................................................................................................................................46 7.11 Umweltqualität.................................................................................................................................................................................. 47 7.12 Image/Ruf .......................................................................................................................................................................................... 47 7.13 Zwischenfazit zur Lebensqualität .................................................................................................................................................. 47 8 Bewertung der Problemfelder......................................................................................................................................................... 52 8.1 Unsichere Orte.................................................................................................................................................................................... 52 8.2 „Drogenproblematik“ ....................................................................................................................................................................... 52 8.3 Mangelnde Integration ..................................................................................................................................................................... 53 8.4 Soziale Konflikte .................................................................................................................................................................................54 8.5 Kriminalität...........................................................................................................................................................................................55 8.6 Sichtbare Armut ..................................................................................................................................................................................55 8.7 Zwischenfazit zu den Problemfeldern ........................................................................................................................................... 57 9 Vergleich zwischen Eigen- und Fremdimage der untersuchten Quartiere .......................................................................58 9.1 Eigenimage der Lebensqualitätsfaktoren und Problemfelder in den untersuchten Quartieren ......................................58 9.2 Fremdimage der Lebensqualitätsfaktoren und Problemfelder in den untersuchten Quartieren ....................................59 9.3 Fremdimage der Lebensqualitätsfaktoren und Problemfelder aus der Sicht der Befragten der untersuchten Grossbasler Quartiere .............................................................................................................................................60 9.4 Fremdimage der Lebensqualitätsfaktoren und Problemfelder aus der Sicht der Befragten untersuchten Kleinbasler Quartiere ............................................................................................................................................... 62 9.5 Zur Nichteinschätzung von Lebensqualitätsfaktoren ................................................................................................................. 63 9.6 Zwischenfazit zum Eigen- und Fremdimage der Quartiere...................................................................................................... 63
Teil IV – Diskussion und Fazit............................................................................................................................................... 67 Diskussion und Fazit ..............................................................................................................................................................................69 Quellenverzeichnis .................................................................................................................................................................................74 Zeitungsartikel ............................................................................................................................................................................................74 Internet-Quellen ........................................................................................................................................................................................74
III
Tabellenverzeichnis Teil I – Einleitung Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab.
1.1 1.2 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5
Statistische Kurzbeschreibung der Quartiere......................................................................................................................7 Linien des öffentlichen Verkehrsnetzes .............................................................................................................................. 8 Rücklauf .....................................................................................................................................................................................11 Geschlechts- und Altersverteilung des Rücklaufs, nach Quartier ................................................................................ 12 Verteilung der Nationalitäten im Rücklauf, nach Quartier ............................................................................................ 12 Andere Nationalitäten ........................................................................................................................................................... 13 Wohnstatus, Haushalte, Bildungsabschluss und Erwerbstätigkeit im Sample, nach Quartier..............................14
Teil II – Der Bezug zum Quartier Tab. 3.1 Tab. 4.1 Tab. 4.2 Tab. 4.3 Tab. 5.1 Tab. 5.2 Tab. 5.3 Tab. 5.4 Tab. 5.5 Tab. 5.6 Tab. 5.7 Tab. 5.7 Tab. 5.8 Tab. 5.9 Tab. 5.10 Tab. 6.1 Tab. 6.2 Tab. 6.3
Quartiersbezeichnungen ......................................................................................................................................................18 Zugehörigkeitsgefühl, nach Quartier..................................................................................................................................20 Zugehörigkeitsgefühl, nach personenbezogenen Angaben ..........................................................................................21 Zugehörigkeitsgefühl, nach Einschätzung des Umfelds ................................................................................................ 22 Positive und negative Äusserungen zu den untersuchten Quartieren ......................................................................24 Gesamtheit der positiven Aussagen, nach Quartieren .................................................................................................. 25 Gesamtheit der negativen Aussagen, nach Quartieren.................................................................................................26 Gesamtheit der positiven Aussagen, nach Geschlecht .................................................................................................. 27 Aussagen zum Iselinquartier, nach Nationalität ..............................................................................................................28 Aussagen zum Gotthelfquartier, nach Geschlecht .........................................................................................................29 Aussagen zum Quartier Am Ring, nach Bildungsabschluss .........................................................................................30 Aussagen zum Quartier am Ring, nach Bildungsabschluss (Fortsetzung).................................................................31 Aussagen zum Matthäusquartier, nach Geschlecht ....................................................................................................... 32 Negative Aussagen zum Claraquartier, nach Geschlecht ............................................................................................. 33 Negative Aussagen zum Rosentalquartier, nach Wohndauer ..................................................................................... 33 Letzter Quartiersbesuch der befragten Grossbasler, nach Quartier ...........................................................................36 Letzter Quartiersbesuch der befragten Kleinbasler, nach Quartier ............................................................................36 Letzter Quartiersbesuch der befragten Basler, nach Quartier .....................................................................................36
Teil III – Das Eigen- und Fremdimage der Quartiere Tab. 7.1 Tab. 7.2 Tab. 7.3 Tab. 7.4 Tab. 7.5 Tab. 7.6 Tab. 7.7 Tab. 7.8 Tab. 7.9 Tab. 7.10 Tab. 7.11 Tab. 7.12 Tab. 7.13
Einschätzung der Preisgünstigkeit von Wohnraum, nach Quartier ............................................................................ 42 Einschätzung der Verkehrsanbindung (ÖV/Auto), nach Quartier .............................................................................. 42 Einschätzung der Kinderfreundlichkeit, nach Quartier .................................................................................................. 42 Einschätzung der Grünflächen, Grünanlagen, nach Quartier ...................................................................................... 42 Einschätzung des sozialen Umfelds, Nachbarschaft, nach Quartier...........................................................................48 Einschätzung des Einkaufs- und Dienstleistungsangebots, nach Quartier ...............................................................48 Einschätzung der Kultur, Gastronomie, nach Quartieren .............................................................................................48 Einschätzung der öffentlichen Einrichtungen (z.B. Schulen), nach Quartier ...........................................................48 Einschätzung der Freizeit-/Naherholungsmöglichkeiten, nach Quartier ...................................................................49 Einschätzung des baulichen Erscheinungsbilds, nach Quartier ..................................................................................49 Einschätzung der Umweltqualität, nach Quartier ...........................................................................................................49 Einschätzung des Images/Rufs, nach Quartier ................................................................................................................49 Qualitative Zusammenfassung der Resultate zu Lebensqualitätsindikatoren ..........................................................50
IV
Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab.
8.1 8.2 8.3 8.4 8.5 8.6 8.7 9.1
Tab. 9.2 Tab. 9.3 Tab. 9.4 Tab. 9.5
Einschätzung der unsicheren Orte, nach Quartier..........................................................................................................54 Einschätzung der „Drogenproblematik“, nach Quartier................................................................................................54 Einschätzung der mangelnden Integration, nach Quartier...........................................................................................54 Einschätzung der sozialen Konflikte, nach Quartier........................................................................................................56 Einschätzung der Kriminalität, nach Quartier...................................................................................................................56 Einschätzung der sichtbaren Armut, nach Quartier........................................................................................................56 Zusammenfassung der Resultate der Problemfelder...................................................................................................... 57 Eigenimage der Quartiere in Bezug auf ausgewählte Lebensqualitätsfaktoren und Problemfelder.................................................................................................................................................................60 Fremdimage der Lebensqualitätsfaktoren und Problemfelder in den untersuchten Quartieren..........................61 Fremdimage der Lebensqualitätsfaktoren und Problemfelder aus der Sicht der Befragtem der untersuchten Grossbasler Quartiere...................................................................................................................................61 Fremdimage der Lebensqualitätsfaktoren und Problemfelder aus der Sicht der Befragten der untersuchten Kleinbasler Quartiere.....................................................................................................................................61 Nichteinschätzung von Lebensqualitätsfaktoren, nach Quartier........................................................................... 64, 65
Abbildungsverzeichnis Teil I – Einleitung Abb. 1.1 Abb. 1.2 Abb. 1.3 Abb. 1.4
Lage der Quartiere innerhalb Basel, in denen die Befragung stattfand........................................................................ 5 Verteilung der Bevölkerungsdichte im Rosental und angrenzenden Kleinbasler Quartieren...................................7 Mietpreisraster für die Quartiere des Kantons Basel-Stadt............................................................................................... 9 Durchschnittlicher Quadratmeter-Nettomietpreis in Franken pro Monat auf Blockebene im Kanton Basel-Stadt (2000)...............................................................................................................................................10
Teil III – Das Eigen- und Fremdimage der Quartiere Abb. 7.1 Einschätzung der Grünflächen im Rosentalquartier, nach Altersklassen..................................................................... 43
Image und Identität von Basler Stadtquartieren
V
Executive Summary – Zusammenfassung für den eiligen Leser
Ausgangslage. Quartieren kommt im Zuge des globalen Standortwettbewerbs eine besondere Bedeutung für die Markenentwicklung von Städten zu, sie selbst sind Wirtschaftsstandorte. Sie prägen das Image einer Stadt wesentlich mit und vermitteln Vertrautheit, Lebensqualität und stiften Identität. Wie in anderen Städten haben in den letzten Jahrzehnten auch in Basel gesamtgesellschaftliche Veränderungen stattgefunden (z.B. durch Migrationsphänomene), was sich auf den Raum, die diesem Raum innewohnende Bevölkerung und folglich auch auf das Eigen- und Fremdimage von Quartieren sowie die Quartiersidentität und -entwicklung ausgewirkt hat.
migen Umbau von Quartieren (z.B. Rückbau, Gentrification oder Überbauung ehemaliger Industriezonen) verursacht werden; wie weit die historischen Wurzeln der Quartiere deren heutiges Image mitdefinieren.
Von 10’470 in sieben Basler Quartieren (Grossbasel: Iselin, Gotthelf, Am Ring; Kleinbasel: Matthäus, Clara, Rosental, Altstadt Kleinbasel) im Frühjahr 2012 verteilten Fragebögen wurden 1’840 zurückgeschickt, was einer Rücklaufquote von 17.6% entspricht. 60.0% der Teilnehmer waren Frauen und die am stärksten vertretene Altersgruppe sind die über 65-Jährigen. Der Fragebogen wurde überdurchschnittlich häufig (84.5%) von Schweizern ausEs stellt sich in diesem Kontext vor allem die Frage des gefüllt. Mehr als die Hälfte der sich beteiligenden Ausländer Images und der Identität von Quartieren als (Stand-) Orte, waren Deutsche. Die meisten der teilnehmenden Bewohin denen Menschen leben, sich wohlfühlen und in denen ner leben in Mietwohnungen. Die Hälfte der Befragten lebt die Wirtschaft gedeihen kann, und die gleichzeitig als Bau- alleine, ein weiteres knappes Drittel zu zweit. Etwas mehr steine der Stadt als Ganzes wirken. Können Quartiere auf als die Hälfte der Befragten hat einen Universitäts-/Fachdem Reissbrett entstehen oder erwachsen sie aus dem hochschulabschluss. 40.3% der Befragten waren Vollzeit Zusammenleben und dem Zusammengehörigkeitsgefühl erwerbstätig und 30.6% Rentner. ihrer Bewohner? Welche Faktoren prägen Quartiersidentität, Zufriedenheit und Zugehörigkeit mit dem Quartier Ausgewählte Ergebnisse und wie können sich diese entwickeln? Welche Probleme entstehen im Zusammenhang mit der Identität aus dem Während sich die befragten Bewohner der Quartiere Umbau von brachliegendem Gelände und Phänomenen Grossbasels für die Quartiersbezeichnung oft auf spezider „Gentrification“, der Inbesitznahme durch eth- fische (geographische) Referenzpunkte beziehen, betrachnische, kulturelle und wirtschaftliche Subgruppierungen, ten sich viele befragte Bewohner auf der Kleinbasler den Alterungsphänomenen, der Bausubstanz oder der Rheinseite eher als Kleinbasler, als dass sie sich mit speBewohnerstruktur? zifischen Quartiersnamen assoziieren. Vermehrt kommen Die Studie. Vor diesem Hintergrund steht in der vorliegenden Studie das Image und die wahrgenommene Identität von ausgewählten Quartieren der Stadt Basel im Fokus. Analysiert wurden im Einzelnen, wie befragte Quartierbewohner ihr eigenes Quartier bezeichnen, wie sehr sie sich zum Quartier zugehörig fühlen, was für spontane Assoziationen sie zum Quartier haben, wie oft sie andere Quartiere besuchen, wie sie die Lebensqualität bewerten und welche Problemfelder im eigenen und in anderen Quartieren wahrgenommen werden. Die Daten sollen Hinweise darauf geben, inwiefern Bewohner selbst auf relativ kleinem Raum ein Zugehörigkeitsgefühl auf mehreren Ebenen (Ethnie, Quartier, Stadtteil) entwickeln; wie Wohnquartiere im Kontrast zu Einkaufs- und Unterhaltungszentren erlebt werden und welchen Einfluss dies auf das Image der Quartiere hat; welche Entwicklungen durch Überalterung, Zuzug von Ausländern und den grossräu-
auch Bezeichnungen mit sozialer Referenz vor, die auf die soziokulturelle Herkunft bzw. Bevölkerungszusammensetzung hinweisen. Die Betrachtung der Zugehörigkeit auf Quartiersebene ergab, dass bei den Anwohnern der Quartiere Gotthelf, Matthäus und Altstadt Kleinbasel ein hohes Zugehörigkeitsgefühl zu verzeichnen ist. Niedrig ist die Zugehörigkeit im Rosentalquartier. Je länger die Wohndauer, desto höher ist das Zugehörigkeitsgefühl der Anwohner einzustufen. Eine hohe Verbundenheit konnte ebenfalls bei Hausmietern und -eigentümern festgestellt werden. In Bezug auf Spontanassoziationen konnte festgestellt werden, dass in fast allen Quartieren Sauberkeit und Lärmpegel am häufigsten kritisiert wurden. Negativ bewertet wurde das hohe Verkehrsaufkommen und die damit verbundene Luftverschmutzung, vor allem in den Quartie-
VI
Executive Summary – Zusammenfassung für den eiligen Leser
Während in Grossbasel alle Problemfelder als kleines oder gar nicht vorhandenes Übel bewertet werden, besteht in Kleinbasel die Meinung, dass die meisten Problemfelder in ihrem Ausmass als mittel bis gross zu bewerten sind. Problemfelder werden mit zunehmender Wohndauer eher wahrgenommen. Ausländer bewerteten die ProbleAlle untersuchten Quartiere weisen eine mehr oder weni- matik von unsicheren Orten geringer als Schweizer. Rentger häufige Frequentierung durch Bewohner der anderen ner nehmen Probleme eher wahr als jüngere Befragte. Quartiere auf. Im Allgemeinen wird ein Quartier häufiger von Bewohnern besucht, die in benachbarten Quartieren Vergleich zwischen Eigen- und Fremdimage. Allgemein wohnen. Das Quartier Am Ring wird als Durchgangsquar- wird die Lebensqualität im Eigenimage (das Bild, das die tier und wegen seiner Nähe zu wichtigen Knotenpunkten befragten Einwohner von ihrem eigenen Quartier haben) (Johanniterbrücke, Universitätsspital Basel, Bahnhof SBB) meist positiv bewertet. Die Grossbasler Quartiere werden und die Quartiere Clara und Altstadt Kleinbasel werden als eher als Wohnviertel bevorzugt und haben ein positiveres traditionelle Einkaufs- und Unterhaltungsquartiere häufiger Erscheinungsbild und Image. In der Wahrnehmung der frequentiert. Der Rhein stellt eine wichtige geographische befragten Klein- und Grossbasler brillieren die Kleinbasler Schwelle dar: Auf der anderen Seite des Flusses liegende Quartiere in den Sparten Einkauf, Gastronomie und Unterhaltung. Geschätzt wird aber auch das Aussehen der AltQuartiere werden seltener besucht. stadt Kleinbasel mit ihren pittoresken Altbauten und ihren In Bezug auf die Lebensqualität wurde vor allem die Ver- Einkaufspalästen aus der Gründerzeit. Das Fremdimage kehrsanbindung, das Einkaufs- und Dienstleistungsange- (was sie über andere Quartiere denken) entspricht dem bot überall positiv bewertet. Eher kritisch steht man der Eigenimage in etwa, jedoch in abgeschwächter Form. Im baulichen Erscheinung und der Umweltqualität gegenüber. Allgemeinen haben die befragten Basler ein kritischeres Gross- und Kleinbasel werden im Allgemeinen deutlich Bild von anderen Quartieren als vom eigenen. Dies trifft unterschiedlich bewertet, wobei die Grossbasler Quartiere vor allem auf das Fremdimage in Bezug auf die KleinIselin, Gotthelf und Am Ring besser abschneiden. Auf der basler Quartiere zu, insbesondere das Rosentalquartier. Kleinbasler Seite zeigen sich teilweise deutliche Differen- Dieses Quartier ist nur auf einem kleinen Teil seiner Fläche zierungen, aber auch Gemeinsamkeiten. So steht man bewohnt und bietet sonst unpersönliche Messehallen, dem Zustand der Grünflächen und Grünanlagen, dem vielbefahrene Strassen und grossräumige Brachen und sozialen Umfeld und der Nachbarschaft, den Freizeit-/ Altlasten, die teilweise als Provisorien genutzt werden. Es Naherholungsmöglichkeiten, der baulichen Erscheinung, ist ein Quartier im Umbruch. Sowohl der jetzige status quo der Umweltqualität und dem Image/Ruf der Quartiere als auch die Neustrukturierung werden von den Befragten kritisch gegenüber. Mit zunehmender Wohndauer wurden möglicherweise auch als beeinträchtigend empfunden. in allen Quartieren tendenziell Kriterien der LebensquaIn der Bewertung der Problemfelder zeigt sich eine noch lität besser bewertet. Befragte Frauen bewerten in vielen deutlichere Differenzierung zwischen Eigenimage und Fällen Kriterien der Lebensqualität kritischer als Männer. Fremdimage: Das Eigenimage der Problemfelder ist zum Auch Rentner differenzieren sich in ihrer Bewertung der grossen Teil deutlich besser als das Fremdimage, da die Lebensqualität in den Quartieren von anderen Gruppen. Bewohner ihre Quartiere besser kennen. Im Eigenimage So stufen sie zum Beispiel die Kinderfreundlichkeit oftmals sind die untersuchten Grossbasler Quartiere und insbepositiver ein als andere Gruppen. Auch die Meinungen sondere das Matthäusquartier wenig problematisch. Im von Schweizern/Doppelbürgern und Ausländern zeigen Fremdimage erscheint der Rhein als klare Trennlinie zwisowohl deutliche Unterschiede (z.B. in Bezug auf die schen einem Grossbasler Stadtteil mit geringen Problemen Kultur und Gastronomie) als auch Übereinstimmungen und einem Kleinbasel mit grossen wahrgenommenen (z.B. in Bezug auf das bauliche Erscheinungsbild oder Problemen. Kleinbasler bewerten ihren eigenen Stadtteil die Verkehrsanbindung). Insbesondere hinsichtlich des (und vor allem das Rosentalquartier) weitaus positiver, günstigen Wohnraums empfinden Familien mit Kindern enthalten sich aber in Bezug auf eine Äusserung zu den in vielen Fällen den Wohnraum eher als teuer. Studenten Grossbasler Quartieren. suchen sich bewusst Quartiere mit billigen Wohnungen oder leben günstig in Wohngemeinschaften und kategorisieren den Wohnraum dann auch entsprechend. Synthese ren Iselin, Am Ring und Matthäus. Hohe Kriminalität und ein Mangel an Sicherheit wurden vor allem in den Kleinbasler Quartieren Clara, Altstadt Kleinbasel und Matthäus empfunden. Positiv wurde in den meisten Quartieren der Anschluss an den öffentlichen Verkehr gewertet.
Hinsichtlich der Problemfelder unterscheiden sich die Die traditionell schon in historischer Zeit angelegte soziale Meinungen bezüglich Gross- und Kleinbasel deutlich. und kulturelle Bruchlinie in der Wahrnehmung zwischen
Image und Identität von Basler Stadtquartieren
Grossbasel und dem „minderen Basel“ (Kleinbasel) zeigt sich auch in den Ergebnissen dieser Studie. Die befragten Grossbasler zeigen ein wenig differenziertes Bild von den Kleinbasler Quartieren. Einzelne Aspekte der Lebensqualität und Problemzonen werden für den gesamten Kleinbasler Stadtteil pauschalisiert. So bezeichnen die befragten Grossbasler das „Drogenproblem“ in allen untersuchten Kleinbasler Quartieren als mittel bis gross und in den untersuchten Grossbasler Quartieren durchweg als nicht existent bis gering. Die befragten Kleinbasler haben jedoch ein weit differenzierteres Bild über ihre eigenen Quartiere. Hier nimmt das Quartier Rosental in mancher Hinsicht (z.B. in der Bewertung der Kultur/Gastronomie und der Einkaufsmöglichkeiten) fast schon die Rolle eines suburbanen Aussenquartiers ein. Befragte Kleinbasler gaben öfter keine Antwort, wenn sie über die Grossbasler Quartiere befragt wurden. Dies mag wohl auch damit zu tun haben, dass befragte Kleinbasler eher keinen Grund haben, die Grossbasler Seite zu besuchen, denn es gibt im Kleinbasler Stadtteil ausreichende Möglichkeiten hinsichtlich Einkaufen, Gastronomie und Kultur. Bewohner, die länger in einem Quartier wohnen, sind tendenziell zufriedener und haben ein höheres Zugehörigkeitsgefühl, aber sie sehen auch häufiger Problemzonen. Eine zufriedene Bevölkerung mit stabilem Wohnort ist indirekt auch ein Garant für ein stabiles Staatseinkommen. In diesem Sinne ist es auch wichtig, die Vielfalt der Basler Stadtviertel zu erhalten und zu pflegen. Wie die vorliegende Arbeit zeigt, besuchen die allermeisten Grossbasler aus den typischen suburbanen Wohnquartieren regelmässig das lebendige Kleinbasel, sei es zum Einkaufen, um essen zu gehen oder sich unterhalten zu lassen. Das lebendige Kleinbasel ist also nicht – wie man aus den Resultaten über die Problemfelder deuten könnte – ein Dorn in den Augen der Grossbasler, sondern ein wichtiger Bestandteil. Nebst den offiziellen und semi-offiziellen Quartiersbezeichnungen (d.h. solche, die veraltet sind oder sich im Volksmund eingebürgert haben) finden sich in der Auswertung der Quartiersbezeichnungen – vor allem auf der Kleinbasler Seite – eine ganze Serie von ethnisch angehauchten Quartiersbezeichnungen. Diese sind nicht negativ zu interpretieren, sondern widerspiegeln eine kulturelle Realität. Es ist dies auch als eine Art von Identitätsfindung zu betrachten, als Entstehung von etwas Neuem aus der Mischung vieler Kulturen (bezeichnenderweise wurde hier als Quartiersbezeichnung in den Umfrageergebnissen auch der Ausdruck „melting pot“ genannt).
VII
Die Quartiere im Einzelnen Während das Claraquartier in den Lebensqualitätsindikatoren durchaus im Durchschnitt der Kleinbasler Bewertungen liegt, schneidet es in praktisch allen Kategorien der Problemfaktoren (ausser den sozialen Konflikten und der sichbaren Armut) in der Eigenbewertung schlecht ab. Auch in der Fremdbewertung zeigt sich Ähnliches: Während die Lebensqualität durchaus gut bewertet wird, befindet sich das Claraquartier in allen Bereichen der Problemfelder jeweils unter den am negativsten bewerteten Quartieren. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass das Claraquartier von den befragten Bewohnern Kleinbasels praktisch täglich frequentiert wird und sie es relativ gut kennen. Ein anderer aber mag sein, dass das Quartier hie und da negativ in den Schlagzeilen auftaucht. So wächst über die Jahre ein Bewusstsein, dass das Claraquartier problematisch sei und mit Drogen, Kriminalität und Prostitution zu kämpfen habe. Dies steht im Kontrast zur wahrgenommenen Attraktivität des Quartiers in vielen Punkten der Lebensqualität und der durchaus im Durchschnitt liegenden Bewertung durch die befragten Bewohner. Sowohl das Matthäus- als auch das Rosentalquartier heben sich von den anderen untersuchten Quartieren dadurch ab, dass sich in beiden das Eigenimage stark vom Fremdimage unterscheidet. Befragte des Matthäusquartiers bewerten dieses in vielerlei Hinsicht als positiv. Nur bei der Frage des Rufs und des Images geben die befragten Bewohner des Matthäusquartiers an, er sei „schlecht“. Ganz im Gegensatz dazu erscheint das Fremdimage. Das Matthäusquartier wird von den quartiersfremden Befragten durch Assoziation mit den anderen Kleinbasler Quartieren generell in einem relativ schlechten Licht gesehen. Nicht nur die Grossbasler, sondern auch die Kleinbasler bewerten dieses Quartier kritisch. Man mag sich hier fragen, inwieweit die negative Berichterstattung durch die Medien über das Kleinbasel insgesamt eine Rolle spielt. Die Befragten des Rosentalquartiers haben ein durchweg negatives Eigenimage. Gründe dafür liegen darin, dass das Quartier nur zu einem geringen Teil als Wohnquartier (mit relativ schlechter Wohnsubstanz) genutzt wird, und dass es aktuell einen grossräumigen Umbau erlebt. In der Fremdbewertung wird das Rosentalquartier im Kontrast weitaus besser bewertet als von den eigenen Bewohnern. Interessant ist, dass sowohl im Matthäus- als auch im Rosentalquartier im Verhältnis deutlich mehr Ausländer den Fragebogen beantworteten als in den anderen Quartieren (es sind auch dies die beiden Quartiere mit der höchsten Ausländerquote in Basel).
VIII
Obwohl Teile des Iselin- sowie des Gotthelfquartiers fast zeitgleich entstanden, waren beide im Ursprung durchaus verschieden. So war das Gotthelfquartier eher ein Wohnort der Mittelschicht, während das Iselinquartier als Arbeiterviertel konzipiert wurde. Diese Wurzeln der Quartiere sind auch aus den Daten dieser Erhebung ersichtlich. Gründe dafür sind wohl die gehobenere Bausubstanz des Gotthelfquartiers im Kontrast zur etwas niedrigeren Gebäudequalität im Iselinquartier. Auch ziehen Bewohner tendenziell dorthin, wo sie sich wohl fühlen. Dies beinhaltet auch eine Nachbarschaft von Gleichgesinnten und Ausgebildeten, was bis zu einem gewissen Punkt auch zu einer Kontinuität der Bevölkerungsschichten führt, die diese Quartiere bewohnen. Dies zeigt sich bei den Daten vor allem in der kritischeren Bewertung bezüglich der mangelnden Integration und der sozialen Konflikte im Iselinquartier verglichen mit den anderen Grossbasler Quartieren, sowohl im Eigenimage als auch im Fremdimage.
Executive Summary – Zusammenfassung für den eiligen Leser
rungen widerspiegelt. Hier sollte die Quartiersidentität gestärkt werden. Das Quartier zeigt eine positive Wanderungsbilanz von ausländischen Bewohnern (meistens mit einem Hochschul- oder Universitätsabschluss), Schweizer Bürger wandern eher ab. Dass diese internationalen Fachkräfte sich zu einem grossen Teil im Quartier Am Ring niederlassen ist kein Zufall, bieten doch vor allem die Spitäler und auch die Universität reichlich Arbeitsplätze.
Die Altstadt Kleinbasel bietet sowohl den Charme einer verträumten Altstadt, als auch den Trubel einer modernen Grossstadt auf der Hauptachse der Greifengasse. Viele der aus dem Mittelalter stammenden Häuser sind renoviert und befinden sich an attraktiven Wohnlagen. Eine Menge der Indikatoren fällt positiver aus als in den anderen Kleinbasler Quartieren. Das Quartier hat mit nur 31.7% Ausländern einen weitaus geringeren Anteil als die anderen Kleinbasler Quartiere. Dass das Quartier als „Ausländerquartier“ empfunden wird, ist nicht nur durch die im Quartier wohnhaften Auffällig im Quartier Am Ring ist, dass dessen Bewohner Ausländer bedingt, sondern auch durch all jene, die vor den offiziellen Quartiersnamen „Am Ring“ erst an drit- allem die Einkaufszentren an der Greifengasse besuchen. ter Stelle nennen. Ein Grund dafür ist wohl, dass dieses Der Rest des Quartiers ist durch eine traditionelle Basler Quartier durch seine Lage zwischen Innenstadt und Bevölkerung geprägt, was in den Fragebögen dadurch Aussenquartieren äusserst heterogen ist. Dies zeigt sich zum Ausdruck kommt, dass nur für die Altstadt Kleinbasel auch in den Resultaten zum Eigen- und Fremdimage: Die sich der Quartiername im Dialekt wiederfindet. Es zeigt Werte weisen mit denen der anderen Grossbasler Quar- sich ein scheinbar doppelter Charakter eines zutiefst bastiere grosse Ähnlichkeit auf, fallen im Detail gegenüber lerischen Quartiers mit (leicht) gehobenem Niveau, das diesen jedoch ab. Das Quartier hat den Charakter eines durch und durch multikulturelle Ausprägungen aufweist. Durchgangsquartiers, was sich auch in den Frequentie-
Image und Identität von Basler Stadtquartieren 1
Teil I – Einleitung
2
Foto oben links: Clara, Claramatte (Foto: Daniel Schaffner) Foto oben rechts: Am Ring, Socinstrasse (Foto: Daniel Schaffner) Foto unten: Gotthelf, Wielandplatz (Foto: Daniel Schaffner)
Hintergrund
Image und Identität von Basler Stadtquartieren
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1 Hintergrund Im Zuge des globalen Standortwettbewerbs wird die Markenentwicklung von Städten und Stadtteilen immer wichtiger. Quartieren kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, sind sie doch zentrale Bausteine von Städten. Quartiere selbst sind Wirtschaftsstandorte. Sie prägen das Image einer Stadt wesentlich mit und stellen Lebensumfeld und Erfahrungsraum dar. Sie vermitteln Vertrautheit, Lebensqualität und stiften Identität. Wie in anderen Städten haben in den letzten Jahrzehnten auch in Basel gesamtgesellschaftliche Veränderungen stattgefunden (z.B. durch Migrationsphänomene, Umnutzung von Grossarealen), was sich auf den Raum und die diesen Raum bewohnende Bevölkerung und folglich auch auf Eigen- und Fremdimages von Quartieren sowie die Quartiersidentität und -entwicklung ausgewirkt hat.
(Gellert = gelichtete Hard, also ein Wäldchen) vom Waldgebiet, das sich im Mittelalter in diesem Gebiet erstreckte. Offiziell ist das Gellert aber lediglich ein Quartierteil und gehört zum St. Albanquartier (St. Albanquartier in Quartierporträts des statistischen amts Basel-stadt 2012a; vgl. auch http://www.altbasel.ch/fragen/gellert.html).
Es stellt sich vor allem die Frage der Identität von Quartieren als (Stand-) Orte, in denen Menschen leben und sich wohl fühlen, in denen die Wirtschaft gedeihen kann und die gleichzeitig als Bausteine der Stadt als Ganzes wirken. Welche Probleme entstehen im Zusammenhang mit der Identität aus dem Umbau von brachliegendemGelände und Phänomenen der „Gentrification“, der Inbesitznahme durch ethnische, kulturelle und wirtschaftliche Subgruppierungen (vgl. Beer 2011; farwick 2008; schnur Die Stadt Basel besteht aus 19 Quartieren, alle mit einem & markus 2010) oder Alterungsphänomenen, sowohl der sehr eigenen Charakter (vgl. Quartierporträts des statisti- Bausubstanz als auch der Bewohner (vgl. z.B. vater & zachschen amts Basel-stadt 2012a). Während der Stadtkern um raj 2008)? die Altstadt Grossbasels nachgewiesenermassen auf eine mindestens 3000-jährige Geschichte zurückblickt (archäologische Bodenforschung Basel-stadt 2012), sind viele der 1.1 Zielsetzungen äusseren Viertel erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts nach dem Schleifen der Stadtmauern entstanden. Der Vor diesem Hintergrund steht in der vorliegenden Studie Rhein, als wichtiges geographisches Hindernis, spaltet die die Identität von ausgewählten Quartieren der Stadt Basel Stadt in zwei Stadtteile mit sehr unterschiedlicher Prägung: im Fokus. Ziel der Studie ist die Untersuchung des EigenGross- und Kleinbasel. Diese beiden Teile waren – obwohl und Fremdimages der befragten Bewohner in Bezug auf Kleinbasel sich vermutlich bereits ab dem 8. Jahrhundert verschiedene Faktoren der Lebensqualität einerseits und entwickelte (wackernagel 1907) und die Rheinbrücke die Wahrnehmung und Bewertung von Problemfeldern bereits 1225 gebaut wurde (vgl. mosimann & graf 1962) andererseits. Analysiert werden im Einzelnen, wie Befragte – bis 1392 separate politische Entitäten. In diesem Jahr ihr eigenes Quartier bezeichnen, wie sehr sie sich zum erwarb die Stadt Basel Kleinbasel für 29’800 Gulden vom Quartier zugehörig fühlen, welche spontane Assoziationen sie zum Quartier haben, wie oft sie andere Quartiere besuBistum Strassburg (meyer 1992; wackernagel 1907). chen und wie sie die Lebensqualität und Problemfelder der eigenen und anderer Quartiere bewerten. Die ErgebVor allem seit Ende des 19. Jahrhunderts entstanden Quartiere nicht mehr allmählich als organische Einheiten auf nisse, bezogen auf sozioökonomische Merkmale und der Basis eines früheren Dorfkerns, sondern in grösseren, Wohndauer der Befragten, sollen Hinweise darauf geben, geplanten Einheiten. In diesen schnell gewachsenen Entitäten war mehrfach eine Neuziehung von Quartiersgren- • inwiefern Bewohner selbst auf relativ kleinem Raum ein Zugehörigkeitsgefühl auf mehreren Ebenen (Ethnie, zen aus Gründen der Stadtplanung und Verwaltung notQuartier, Stadtteil) entwickeln, wendig. So wurde 1904 im Zuge einer Neueinteilung der Stadtsektoren das ehemalige Spalenquartier im Westen • wie reine Wohnquartiere im Kontrast zu Wohnquartieren mit Einkaufs- und Unterhaltungszentren erlebt werden, Basels neu teilweise den Quartieren Iselin, Gotthelf und und welchen Einfluss dies auf das Image der Quartiere Am Ring zugeordnet (Iselinquartier in Quartierporträts des hat, statistischen amts Basel-stadt 2012a). Der Name Spalenquartier ist allerdings bis heute in Teilen der Bevölkerung • wie Entwicklungen durch Überalterung, Zuzug von Ausländern und den grossräumigen Umbau von Quartieren noch in Gebrauch. Andere (vermeintliche) Quartiersbe(z.B. Rückbau, Gentrification oder Überbauung ehemazeichnungen sind aus dem historischen Kontext erwachliger Industriezonen) gesehen werden, sen. So kommt der weitverbreitete Name Gellertquartier
4
• inwiefern möglicherweise historische Wurzeln oder Medien auf das Image von Quartieren einwirken. Wissenschaftlich interessant ist Basel vor allem auch in Bezug auf die Tatsache, dass die Stadt in zwei Stadtteile beidseits des Rheins geteilt ist und dass die Stadt einen hohen positiven Migrationsfluss aufweist. Sie kann somit stellvertretend als Fallstudie für ähnliche Städte betrachtet werden.
1.2 Methodik
Hintergrund
Iselin. Das heutzutage unter dem Namen Iselin geführte Quartier liegt im Westen Basels und grenzt dort sowohl an die Gemeinde Allschwil (BL) als auch an Frankreich. Benachbarte Basler Quartiere sind St. Johann, Am Ring und Gotthelf. Ursprünglich gehörte es mit Teilen der Quartiere Gotthelf und Am Ring zum Spalenquartier. Das Erscheinungsbild ist uneinheitlich, die früheste flächendeckende Bebauung stammt aus den 1870er Jahren. Ab 1904 erhielt es den Namen Hegenheimerviertel. Es war damals nur teilweise bebaut, wurde als Arbeiterviertel charakterisiert und hatte viele italienische Bewohner. Seit 1932 ist – nach dem hier gelegenen Isaak Iselin-Schulhaus – der Name Iselinquartier dokumentiert. Ab den 1950er Jahren gilt das Quartier als vollständig bebaut. Das Quartier wird durch den stark befahrenen Wasgen- und Luzernerring zweigeteilt. Diese und andere radial angelegte Hauptstrassen (Burgfelder-, Hegenheimer- und Allschwilerstrasse) sind vor allem durch den Pendlerverkehr stark belastet. Im Westen des Quartiers befinden sich weitläufige Wohnsiedlungen, in denen es kaum Läden gibt. Auf der stadtwärts gelegenen östlichen Seite und entlang der Hauptstrassen ist das Angebot besser. Das Iselinquartier hat vor allem im westlichen Teil eine aufgelockerte Baustruktur, mit vielen Grünflächen. Es grenzt an das beliebte Gartenbad Bachgraben. Nennenswert sind auch der israelitische Friedhof, das Felix Platter-Spital und der Robinsonspielplatz Bachgraben.
Als Erhebungsinstrument diente ein Fragebogen, der im Frühjahr 2012 in sieben Basler Quartieren an 10’470 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Bewohner verteilt wurde und auch Online ausgefüllt werden konnte. Die Anzahl der Fragebögen wurde in Absprache mit dem Statistischen Amt des Kantons Basel-Stadt ermittelt, welches für jedes Quartier den Umfang einer repräsentativen Stichprobe berechnete. Ausgehend von einem 25% Rücklauf wurden dann viermal so viele Fragebogen pro Quartier ausgegeben, wie für eine repräsentative Stichprobe nötig gewesen wäre. Bei den ausgewählten – vom Statistischen Amt zur Untersuchung vorgeschlagenen – Quartieren handelt es sich um drei Grossbasler Quartiere (Iselin, Gotthelf und Am Ring) und vier Kleinbasler Quartiere (Matthäus, Clara, Rosental, Altstadt Kleinbasel), die sich aufgrund ihrer Bevölkerung und Quartiersstrukturen deutlich unterscheiden und in früheren Studien noch nicht sehr häufig unter- Gotthelf. Das Gotthelfquartier liegt, wie das Iselinquarsucht worden sind. tier, im Westen Basels und grenzt dort an die Gemeinde Allschwil (BL). Angrenzende Basler Quartiere sind die Quartiere Iselin, Am Ring und Bachletten. Seit den 1870er 1.3 Die Befragungsstandorte im Überblick Jahren entstand im östlichen Teil des heutigen GotthelfAusser dem Quartier Altstadt Kleinbasel liegen alle für quartiers ein mittelständisches Wohnviertel. Auch dieses diese Befragung behandelten Quartiere ausserhalb der Quartier hat seinen Namen von einem Schulhaus: dem ehemaligen im Jahre 1870 abgetragenen Stadtmauern Gotthelf-Schulhaus. Das Quartier wird von einer in einem (Abb. 1.1). Drei davon (Iselin, Gotthelf und Am Ring) Graben angelegten Eisenbahnlinie sowie dem stark befahliegen im westlichen Teil Grossbasels und können als renen Morgartenring (der Fortsetzung des im Iselinquarteilweise bürgerliche Wohngebiete am Stadtrand charak- tiers gelegenen Wasgenrings) zweigeteilt. Ab etwa 1920 terisiert werden, mit entsprechend wenig Nachtleben und wurde auch der westliche Teil des Quartiers mit Reiheneinem allgemein begrenzten kulturellen Angebot. Die häusern bebaut. Die Versorgung des Quartiers wird durch vier untersuchten Kleinbasler Quartiere (Matthäus, Clara, die Allschwilerstrasse und den Spalenring gewährleistet. Rosental, Altstadt Kleinbasel) sind im Gegensatz dazu eher Dadurch, dass, mit Ausnahme des Morgartenrings, alle multikulturell geprägt, liegen näher am resp. im Stadtzen- Hauptverkehrsachsen das Quartier begrenzen, wirkt das trum, werden mit der Nähe zum Rhein mehr frequentiert durch Vorgärten und Alleen geprägte Innere des Quartiers sehr ruhig. Nennenswert sind das privat geführte Merian und mögen damit lauter und lebendiger erscheinen. Iselin-Spital und der direkt neben dem Quartier (im Bachlettenquartier) liegende Schützenmattpark sowie der 1.3.1 Charakterisierung der Quartiere Sportplatz Schützenmatte. Die folgenden Beschreibungen basieren alle auf den Quar- Am Ring. Das Quartier Am Ring liegt gürtelartig westlich statistischen amts Basel-stadt und eigenen ausserhalb der ehemaligen Stadtmauer. Es wird begrenzt durch die Quartiere St. Johann, Iselin, Gotthelf, Bachletten, Beobachtungen.
tierporträts des
Image und Identität von Basler Stadtquartieren
F
5
Kleinhüningen
D
Klybeck
Riehen
St. Johann Matthäus
Rosental
Kanton Basel-Stadt
Clara Iselin Gotthelf
Bettingen
Hirzbrunnen
Altstadt Kleinbasel Wettstein Altstadt Grossbasel Breite Am Ring Vorstädte
D
Bachletten St. Alban Gundeldingen
CH/BL
CH/BL Bruderholz
Legende
N
0
Grenzen:
1
2 km
Wohngebiete:
Staat
Agglomeration
Kanton
Kanton Basel-Stadt
Quartier
bearbeitete Quartiere
Abb. 1.1 Lage der Quartiere innerhalb Basel, in denen die Befragung stattfand Kartographie: L. Baumann
Gundeldingen, St. Alban und die Vorstädte. Das Quartier wurde grösstenteils nach der Schleifung der Stadtmauer zwischen 1870 und 1900 erbaut. Durch die langgezogene Form zeigt das Viertel einen eher heterogenen Baucharakter. Geprägt war das Quartier ehemals durch gediegene Reihenhäuser, die zu einem grossen Teil durch Wohnblocks ersetzt wurden. In der Nähe des Bahnhofs charakterisieren grössere Bauten den Baustil. Deutlich geprägt wird das Viertel auch durch grössere stark befahrene Verkehrsachsen, insbesondere das Heuwaageviadukt, den Steinen- und Schützengraben, die Klingelberg- und Schanzenstrasse, die Missionstrasse sowie den Spalen- und Steinenring. Allerdings macht das Viertel in den – teilweise
recht grünen – Häuserblöcken zwischen diesen Verkehrsachsen einen relativ ruhigen Eindruck. Grünflächen gibt es nur wenige, zum Beispiel den St. Johanns-Platz, den dem Universitäts-Kinderspital beider Basel vorgelagerten Tschudi-Park oder das Nachtigallenwäldchen am Birsigufer. Angrenzend an das Viertel befinden sich allerdings auch der beliebte Schützenmattpark, der Zoo Basel und der St. Johanns-Park. Das neue Universitäts-Kinderspital beider Basel, die Grosse Synagoge (Ecke Euler- und Leimenstrasse) und die Markthalle prägen das Quartier. Es enthält vor allem in der Nähe des Bahnhofs eine Reihe von Restaurants. Vor allem entlang der Hauptverkehrsachsen ist die Versorgung der Bevölkerung gewährleistet.
6
Matthäus. Das nach einer Kirche benannte und relativ kleine Wohnviertel Matthäus liegt in Kleinbasel. Es grenzt im Westen an den Rhein und im Osten an die Quartiere Klybeck, Rosental, Clara und Altstadt Kleinbasel. Ab etwa 1870 wurde das ehemals von Weiden und Ackerland geprägte Gebiet des Arbeiterviertels, ausgehend von den älteren Häusern entlang der Klybeck- und Hammerstrasse, innerhalb von etwa 30 Jahren überbaut. Das ehemals relativ einheitliche und durch viele Läden geprägte Erscheinungsbild des Viertels wurde ab den 1960er Jahren zunehmend durch Neubauten verändert. Das Viertel ist durch die dichte Überbauung und den Mangel an Parks und Grünanlagen geprägt. Ausnahmen sind die Dreirosenanlage und die Grünflächen um die Matthäuskirche. Der Nordteil wurde durch den Bau der Nordtangente (Autobahn) restrukturiert; Versuche wurden gemacht, diesen Teil zu begrünen. Das Viertel wird auch sonst von zahlreichen, stark befahrenen Verkehrsachsen durchzogen (Feldbergstrasse, Klybeckstrasse und Riehenring). Erwähnenswert ist der Untere Rheinweg, der Möglichkeiten zum Flanieren und Entspannen bietet. Clara. Auch das Claraquartier gehört zu den kleinsten Basler Quartieren. Es ist umgeben von den Kleinbasler Quartieren Matthäus, Rosental, Wettstein und Altstadt Kleinbasel. Während das Gebiet vor den Stadtmauern vor 1870 nur entlang einiger Verbindungsstrassen bebaut war, setzte hier nach dem Schleifen der Stadtmauern eine rege Bautätigkeit ein. Ähnlich dem Matthäusquartier war auch hier die Fläche bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts fast lückenlos bebaut. Im Gegensatz dazu enthält das Claraquartier jedoch eine in neuster Zeit aufgewertete Grünanlage. Ausserdem grenzt das Clara-Viertel im Westen unmittelbar an das Kultur- und Freizeitareal der Kaserne. An der Versorgung im Claraquartier mangelt es nicht: nebst vielen ethnischen Läden befindet sich hier auch die Clarastrasse. Dabei handelt es sich um eine belebte und in ganz Basel beliebte Geschäftsstrasse. Ausserdem gibt es im Quartier eine Vielzahl von Restaurants, besonders am Riehenring, der an das Messegelände angrenzt. Rosental. Das Rosentalquartier liegt im östlichen Teil Kleinbasels und grenzt an die Quartiere Klybeck, Hirzbrunnen, Wettstein, Clara und Matthäus. Die Begrenzung zum Hirzbrunnenquartier wird durch den Badischen Bahnhof dominiert, zu dem auch der ehemalige Güterbahnhof auf dem Gelände des Rosentalquartiers zählte. Dieses Gelände liegt zurzeit brach und wird als Kulturareal (NTAreal) zwischengenutzt. Geplant ist hier das „lebendige Stadtquartier Erlenmatt mit rund 700 Wohnungen, 2’000 Arbeitsplätzen, einem Einkaufszentrum, zwei Stadtplätzen und zwei grossen Stadtparks“ (kanton Basel-stadt 2012a).
Hintergrund
Gegenüber dem Badischen Bahnhof liegt der Hauptsitz des Agrokonzerns Syngenta, einer Ausgründung der Novartis AG. Dem Claraquartier zugewandt liegen ausgedehnte Messegebäude sowie das Musical Theater Basel. Ein Teil des Messegeländes ist seit Herbst 2010 eine Grossbaustelle, auf der neue Messehallen entstehen (MCH group 2012). Als Konsequenz ist das Rosentalquartier nur an zwei Orten wirklich bewohnt (und bildet somit eine Ausnahme unter den untersuchten Quartieren): im von der Erlen- und Maulbeerstrasse gebildeten Streifen und in einer Zeile südlich der Rosentalstrasse (Abb. 1.2). Im Norden des Viertels befindet sich eine stark befahrene Verkehrsachse (Autobahn-Ost- und Nordtangente). Dies kontrastiert vor allem mit dem sehr dicht bewohnten Matthäusquartier. Altstadt Kleinbasel. Das Quartier Altstadt Kleinbasel wird im Südwesten durch den Rhein und auf der Kleinbasler Landseite durch die Quartiere Matthäus, Clara und Wettstein begrenzt. Der heute als Quartier Altstadt Kleinbasel bezeichnete Stadtteil findet seine Anfänge bereits im frühen Mittelalter. Entwickelt hat er sich insbesondere seit dem Bau der mittleren Rheinbrücke im Jahre 1225. So ist denn auch ein Grossteil des Quartiers noch heute von mittelalterlichen Bauten gekennzeichnet, obwohl diese im Verlauf des 20. Jahrhunderts entlang der Hauptverkehrsachsen durch grössere Geschäfts- und Wohnhäuser ersetzt wurden. Das Stadtviertel zeichnet sich durch eine Reihe entlang der Greifengasse und Rebgasse gelegenen Geschäfte aus sowie zahlreichen im Quartier gelegenen Restaurants. Hier findet sich auch die Kulturwerkstatt Kaserne, ein Gebäudekomplex, der sich in den letzten 40 Jahren als eines der kulturellen Zentren Basels etabliert hat. Der das Quartier teilweise begrenzende Rheinweg bietet einen idealen Platz für die Einwohner Basels, um sich in den Sommermonaten zu erholen. Erwähnt werden sollte schliesslich auch noch der vor allem zwischen der Greifengasse und der Kaserne gelegene „Rotlichtbezirk“, der das Image dieses Stadtteils mit prägt.
1.3.2 Statistischer Überblick der Quartiere Von den Quartieren, in denen die Befragung stattfand, sind die Quartiere Iselin und Am Ring die grössten, Clara und Altstadt Kleinbasel die kleinsten (Tab. 1.1). Das grösste Quartier (Iselin) ist 4.69 mal grösser als das kleinste (Clara). Die geringste Bevölkerungsdichte in den untersuchten Quartieren findet man im Rosentalquartier mit 145.8 Pers./ha, die höchste im Matthäusquartier mit 393.2 Pers./ ha (beide Angaben bezogen auf das gesamte Quartier). Im Rosentalquartier ist allerdings nur etwa die Hälfte des
Image und Identität von Basler Stadtquartieren
7
Abb. 1.2 Verteilung der Bevölkerungsdichte im Rosental und angrenzenden Kleinbasler Quartieren Quelle: Bevölkerungsdienste und Statistisches Amt des Kantons Basel-Stadt 2011; Kartographie: R. gonzalez & l. Baumann
Tab. 1.1 Statistische Kurzbeschreibung der Quartiere Quartier
Iselin
Gotthelf
Am Ring
Matthäus
Clara
Rosental
Altstadt Kleinbasel
Fläche (in ha)
109.05
48.62
91.06
59.05
23.24
64.35
24.33
Einwohner
15 972
6 761
10 386
15 763
3 983
5 179
2 287
283.6
227.6
175.6
393.2
290.4
145.8
174.0
Einwohner pro Wohnung3
1.8
1.7
1.7
1.9
1.8
1.9
1.5
Wohnfläche pro Einwohner (in m2)3
39
44
49
35
39
35
47
33.9
25.8
30.7
50.4
45.4
54
31.7
Daten 1
Dichte (in Pers./ha)2
Ausländeranteil (in %)
1
Stand Ende 2010, Statistisches Jahrbuch Kanton Basel-Stadt 2011; 2Einwohner pro Hektare Wohnzone Stand Ende 2010, Statistisches Jahrbuch Kanton Basel-Stadt 2011; 3Volks- und Wohnungszählung 2000 Quelle: departement umweltwissenschaften, humangeographie / stadt- und regionalforschung, universität Basel; schriftliche Befragung Februar 2012
1
8
Hintergrund
Gebiets bewohnt und die bewohnten Strassenzüge haben eine relativ hohe Bevölkerungsdichte. Ebenfalls niedrig ist die Bevölkerungsdichte in der Altstadt Kleinbasel, wo viel Raum durch Geschäfte eingenommen wird (Abb. 1.2). In allen Quartieren ist die durchschnittliche Anzahl Einwohner pro Wohnung zwischen 1.7 und 1.9 Einwohnern, mit Ausnahme der Altstadt Kleinbasel, wo lediglich 1.5 Einwohner pro Wohnung leben. Hier liegt auch die Wohnfläche pro Einwohner mit 47 m2 im oberen Bereich. Ähnlich hoch liegt diese in den Quartieren Gotthelf und Am Ring (hier mit 49 m2 pro Einwohner die höchste Fläche pro Einwohner in den untersuchten Quartieren). Relativ niedriger, mit 35-39 m2 pro Einwohner liegen die Quartiere Iselin, Matthäus, Clara und Rosental. Der durchschnittliche Ausländeranteil im Kanton Basel-Stadt lag im April 2012 bei 33.4% (Bestand der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung nach Wohnkanton und Ausländergruppe Ende April 2012; Bundesamt für migration (BFM). Abgerufen am 4. Juli 2012). Der Ausländeranteil der untersuchten Quartiere ist im Quartier Gotthelf mit 25.8% am geringsten. Die Quartiere Iselin, Am Ring und die Altstadt Kleinbasel liegen etwa im Durchschnitt. Hohe Ausländeranteile verbuchen die Quartiere Matthäus, Clara und Rosental. In den Quartieren Matthäus und Rosental sind mehr als die Hälfte der Einwohner Ausländer.
auch durch die Strassenführung an das Strassennetz für Privatfahrzeuge. Durch ihre Nähe zu Autobahnanschlüssen und Ausfallstrassen sind die Verkehrsanbindungen für den privaten Verkehr der Quartiere Am Ring (Schützengraben, Steinengraben, Spalen- und Steinenring, Viaduktstrasse), Matthäus und Rosental (Nordtangente, Riehenring) besonders gut. Ebenfalls gute Privatverkehrsverbindungen sind in den Quartieren Iselin und Gotthelf durch den Luzerner-, Wasgen- und Morgartenring gegeben. Das Quartier Clara besitzt mit dem Riehenring eine geeignete Verbindung. Das Quartier Altstadt Kleinbasel verfügt lediglich mit dem Claragraben und der Wettsteinstrasse über einigermassen gute Anbindungen für den Privatverkehr.
Das öffentliche Verkehrsnetz ist in Basel ziemlich dicht (Tab. 1.2). Die meisten Trams und Busse fahren in den Stosszeiten in einem Takt von etwa 7 Minuten. Von den bearbeiteten Quartieren hat das Quartier Am Ring die höchste und das Quartier Rosental die niedrigste Haltestellendichte. Beachtet man allerdings, dass grosse Teile des Quartiers Rosental unbewohnt sind, weisen die Quartiere Gotthelf und Clara die niedrigste Haltestellendichte auf. Selbst von den Quartieren Iselin und Gotthelf ist es mit dem Tram nicht weiter als ca. 10-15 Minuten bis zum Stadtzentrum (Gotthelf: Station Burgfelden Grenze, Tram 3: 10 Minuten bis Barfüsserplatz; Iselin: Station Morgartenring, Tram 6: 11 Minuten bis Marktplatz). Die Quartiere Rosental und Am Ring 1.3.3 Verkehrsanbindung liegen in unmittelbarer Nähe zu Bahnhöfen. Der EuroAirAlle Quartiere verfügen über eine geeignete Verkehrs- port Basel Mulhouse Freiburg ist vor allem von den Grossanbindung, sowohl an das öffentliche Verkehrsnetz als basler Quartieren aus in nur wenigen Minuten erreichbar.
Tab. 1.2 Linien des öffentlichen Verkehrsnetzes Verkehrsmittel Tram
Bus
Quartier Iselin
1, 3, 6
31, 36, 38, 48, 64
Gotthelf
1, 6
Am Ring
Anzahl Haltestellen im Quartier* insgesamt
Haltestellendichte (Anzahl pro ha)
Bemerkungen
16
0.147
Busse 48, 64 nur Endstation
33, 36, 48, 50
6
0.123
Bus 48 nur zu Stosszeiten; Bus 50 Flughafen
1, 3, 6, 8, 10, 11, E11, 17
30, 31, 33, 34, 36, 38, 48, 50, 604
17
0.187
Ostzipfel im Süden durch Bahnhof SBB begrenzt; Tram E11 sporadisch; Bus 48 zu Stosszeiten; Bus 50 zum Flughafen; Bus 604 nach Frankreich
30
Matthäus
1, 8, 14, 17, 21
Clara
2, 6, 8, 14, 15, 21 31, 38, 55
8
0.135
3
0.129
Bus 55 nach Deutschland
Rosental
2, 6, 14, 15, 21
30, 36, 55, 7300, 7301
7
0.108
Badischer Bahnhof am Rand des Quartiers; Busse 55, 7300, 7301 nach Deutschland
Altstadt Kleinbasel
2, 6, 8, 14, 15
30, 31, 34, 38, 55
4
0.164
Bus 55 nach Deutschland
*Haltestellenzahl inklusive Haltestellen entlang Quartiersgrenze Quelle: eigene Berechnungen aufgrund von geoviewer, Basler verkehrsBetrieBe (2012)
Image und Identität von Basler Stadtquartieren
9
1.3.4 Mietpreise
auf der Kleinbasler Seite 0.6 % bis 5.0 % billiger als die auf Der Kanton Basel-Stadt veröffentlicht viermal im Jahr der Grossbasler Seite des Rheins, mit Ausnahme des Quareinen Mietpreisraster als Grundlage zur Abschätzung tiers Altstadt Kleinbasel, das leicht über dem Durchschnitt von Orts- und Quartiersüblichkeit von Quartiersmieten liegt. Am teuersten von allen bearbeiteten Quartieren ist (kemeny & lauBe 2012). Hierin wird mittels eines Regressi- das Wohnviertel Am Ring, das mit 5.1 bis 10.0% teurer onsmodells und einem Vergleich mit tatsächlichen Mieten ist als das Referenzquartier Iselin. Abb. 1.4 gibt die durchdie Netto-Miete pro m2 geschätzt. Zusätzlich schätzt der schnittlichen Netto-Mietpreise pro Quadratmeter pro Kanton, um wie viel die Mieten pro Quartier in % von Monat auf Blockebene wieder. Hohe Mietpreise finden einem Durchschnittswert abweichen (Abb. 1.3). Als Refe- sich vor allem in der Altstadt Grossbasel und in Teilen der renzwohnviertel wird das Quartier Iselin benutzt. Von den anschliessenden Quartiere, in Teilen des Quartiers Bruderin dieser Arbeit betrachteten Quartieren sind die Quartiere holz sowie den Gemeinden Riehen und Bettingen.
Kleinhüningen Riehen Klybeck St. Johann
Bettingen
Hirzbrunnen Matthäus Rosental Clara Altstadt Wettstein KB
Iselin
Gotthelf
Am Ring
Altstadt GB
Rhe
in
Breite
Vorstädte
Bachletten Gundeldingen
St.Alban
Durchschnittliche Abweichung vom Referenzwohnviertel Iselin in % -8,0 bis -5,1 -5,0 bis -0,6
N
Bruderholz
-0,5 bis 0,5 0,6 bis 5,0 5,1 bis 10,0
0
1
2 km
Abb. 1.3 Mietpreisraster für die Quartiere des Kantons Basel-Stadt, 2012 Quelle: kemeny & lauBe 2012; Kartographie: L. Baumann
10,1 bis 26.0
10 Hintergrund
Durchschnittlicher m2-Nettomietpreis in Franken
N
ďƒ™
Abb. 1.4 Durchschnittlicher Quadratmeter-Nettomietpreis in Franken pro Monat auf Blockebene im Kanton Basel-Stadt (2000) Quelle: Eisenring 2008