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Handschriften im Mittelalter

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Martin Steinmann, 1940 in Aarau geboren, hat in Basel das Gymnasium besucht und anschliessend Geschichte, Germanistik und lateinische Philologie studiert. 1966 doktorierte er über den Buchdrucker Johannes Oporinus. Nach einem Jahr Mitarbeit am Mittellateinischen Wörterbuch in München wurde er Adjunkt in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Basel, 1976 rückte er dort zum Vorsteher nach. An der Universität las er als Extraordinarius über Paläographie und Bibliotheks wissenschaft . Er war Mitglied des Comité International de Paléographie Latine, Gründer und langjähriger Präsident des Kuratoriums ‹Katalogisierung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften der Schweiz› und von 1973 bis 1998 Redaktor der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. Er ist Autor zahlreicher Aufsätze zur Paläographie und zur Basler Geschichte sowie von Publikationen von kleineren Texten vor allem des Mittelalters und des 16. Jahrhunderts.

Martin Steinmann

Texte aus dem Mittelalter, die von Handschriften, ihrer Herstellung, Verwendung und Aufbewahrung handeln, sind nicht häufig. Sie berichten über Schreiben und Lesen lernen; Schreiben und Schreibwerkzeuge (auch Schreiben bei Licht und im Winter), Verfassen von Texten, erster Niederschrift auf Wachstafeln, Zensur, ‹Publikation› und nicht autorisierten Abschriften; Auft räge an Schreiber, Kosten, Preise und Wert von Handschriften; Zugänglichkeit von Büchern; Ausleihe, Transport und Verbreitung; Umgang mit Büchern; Bibliotheksordnungen, Beschaff ung und Reparatur von Büchern; Buchstaben, allegorische Ausdeutung von Schrift und Schreiben; Legenden und Wundergeschichten und vieles andere. Solche Nachrichten fi nden sich verstreut in den verschiedensten Dokumenten, in Chroniken, Biographien, Dichtungen, Urkunden und Akten aller Art. Seit Wilhelm Wattenbachs Schrift wesen im Mittelalter (3. Auflage, Leipzig 1896), in dem sehr viele Stellen nachgewiesen und oft auch zitiert sind, ist eine Übersicht ein Desiderat. Die neue Sammlung vereinigt Texte in Latein und den Volkssprachen (deutsch, französisch, englisch, dazu auch italienische, irische und spanische Stücke). Grundlage der Publikation bilden die jeweils besten Ausgaben, wo nötig und möglich wurden die Handschriften verglichen. Die Texte sind chronologisch geordnet, eine deutsche Übersetzung erleichtert Lektüre und Verständnis, und Register, vor allem ein ausführliches Sachregister, ermöglichen eine gezielte Suche.

Handschriften im Mittelalter

Martin Steinmann

Handschriften im Mittelalter Eine Quellensammlung

I S B N 978-3-7965-2890-3

Schwabe Verlag Basel www.schwabeverlag.ch

U_Quellensammlung_K3.indd 1

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783796 528903

29.06.2013 16:26:08


Martin Steinmann

Handschriften im Mittelalter Eine Quellensammlung

Schwabe Verlag Basel


Publiziert mit grosszügiger Unterstützung der Berta Hess-Cohn Stiftung, Basel, sowie der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft, Basel

Abbildung auf Umschlag und Frontispiz: Aristoteles im Königsportal der Kathedrale Notre Dame von Chartres

Copyright © 2013 Schwabe AG, Verlag, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Layout und Satz: post scriptum, www.post-scriptum.biz Gesamtherstellung: Schwabe AG, Druckerei, Basel/Muttenz, Schweiz Printed in Switzerland ISBN 978-3-7965-2890-3 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch


Inhalt

Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Zur Textgestaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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AbkĂźrzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Quellen Antike (bis 500 n. Chr.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6.–7. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

15 38 68 99 157 175 240 332 464 610 841

Register Autoren und Werktitel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Initien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Handschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Namen und Sachen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

855 869 871 881 885


Einleitung

Was wir über Lesen und Schreiben im Mittelalter wissen können, kommt von ganz verschiedenen Seiten zusammen: Am ergiebigsten sind die Handschriften selber in Form und Inhalt. Eine zweite Quelle bilden schriftliche Berichte und Angaben. In einem dritten Komplex schliesslich möchten wir alle weiteren Informationen zusammenfassen, bildliche Darstellungen, erhaltene Objekte wie etwa Griffel, Tintenfässer oder Bibliothekseinrichtungen, Traditionen und praktische Erfahrungen von Schreibern und anderen Handwerkern, Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung von Tinte, Farben und Schriftträgern usw. Unsere Quellensammlung bezieht sich auf die zweite Gruppe und beschränkt sich auf Zeugnisse in und zu lateinischer Schrift. Hebräisch, Griechisch, Arabisch und Kyrillisch bleiben bei Seite ebenso wie Runen und Ogham. Aus umfangreichen Traktaten werden höchstens geringe Teile geboten (etwa Richard de Burys ‹Philobiblon› ganz abzudrucken, konnte nicht in Frage kommen), und auf manche Texte wird verzichtet, weil sie anderswo gesammelt und publiziert sind, weil sie in ihrer Kürze wenig besagen, ohne ausführliche Kommentierung oder Illustrationen unverständlich bleiben oder schlicht allzu zahlreich sind. Dazu gehören etwa Schreibereinträge, -verse und -sprüche, Schenkungs-, Besitz- und Kaufvermerke, Musterblätter von Schreibmeistern, Tinten- und Farbrezepte, Bücher- und Bibliotheksverzeichnisse, Testamente und Inventare, Listen der Exemplare von Stationarii oder Einträge in Vokabularien. Ausnahmen hat sich der Herausgeber aber durchaus erlaubt: Die einzige bekannte Beschreibung einer Buchattrappe etwa, ein Stück Holz, welches die Brüder Limburg kunstvoll bearbeitet und bemalt haben (Nr. 696), sollte nicht wegbleiben, nur weil sie in den Inventaren des Duc de Berry steht. Die meisten unserer Texte stammen aus den zentralen Gebieten des Abendlandes, aus dem deutschen, französischen, italienischen und englischen Bereich. Dass die Randregionen des Abendlandes schwächer vertreten sind, liegt an den Sprachkenntnissen des Bearbeiters und den Beständen der Bibliothek, in welcher er vor allem gearbeitet hat; die spanische Kultur im Westen oder die alten Universitäten von Prag und Krakau im Osten hätten gewiss einen reicheren Beitrag liefern können. Mit Absicht ziemlich vernachlässigt wurde dagegen Italien im 15. Jahrhundert: Das Buchwesen der Renaissance ist derart reich bezeugt, dass eine auch nur halbwegs repräsentative Auswahl den Rahmen dieser Sammlung gesprengt hätte. Die Ordnung der Texte ist chronologisch, wobei von Zeiträumen der Endpunkt angesetzt wird: Das 9. Jahrhundert etwa wird man unmittelbar vor dem Jahr 900 eingereiht finden. Wenn allerdings vom selben Autor mehrere Texte vorliegen, werden sie zusammengeführt und unter dessen Todesdatum angesetzt. Problematisch ist die zeitliche Einordnung dort, wo von lange zurückliegenden Ereignissen erzählt wird, etwa in späten Heiligenviten (z. B. Nr. 256: Mitte


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Einleitung

11. Jahrhundert zum 7. Jahrhundert, oder Nr. 905: 1532 zur irischen Frühzeit), doch wird der Leser in solchen Fällen ohnehin prüfen müssen, ob und wie weit Vorstellungen aus der Zeit der Niederschrift in den Text eingeflossen sind. Damit haben wir den Bereich der historischen Kritik berührt. Unsere Texte stammen zwar aus dem Mittelalter, nicht alle spiegeln aber eine Realität. Manche ausgefeilte Bibliotheksordnung etwa mag hochgemuter Theorie entsprungen und nie wirklich praktiziert worden sein. Noch offensichtlicher ist der Vorbehalt bei den Stücken, welche im Register unter ‹Geschichten, Exempel, Wundergeschichten› zusammengefasst sind. Ob und wo in ihnen ein ‹wahrer Kern› steckt, muss der Leser entscheiden, gewiss zeigen sie, was zu ihrer Zeit als denkbar galt, und nicht zu übersehen ist, dass der Herausgeber an ihnen seine Freude hatte. Mit der Übersetzung soll dem Leser erstens eine bequeme Lektüre und ein rascherer Überblick ermöglicht werden, zweitens will sie das Verständnis des Originaltextes erleichtern. Nicht immer kann sie beide Aufgaben erfüllen: Beim Versuch, syntaktisch schwierige Sätze auf deutsch nachzubilden, müssten oft komplizierte, kaum verständliche Monster entstehen, doch jede Vereinfachung führt weiter von der Vorlage weg. Dass der Übersetzer in einer zweisprachigen Ausgabe jedes Missverständnis und jeden Fehler blosslegt, ist ihm sehr bewusst, und zuweilen muss er für die deutsche Version auch Entscheide treffen, welche der Originaltext offen lässt. Für Missgriffe bittet er um Verständnis. Wo der Leser zweifelt, steht ihm dafür der bequeme Weg zum Originaltext offen. Einem speziellen Problem weicht die Übersetzung aus: Geldwert wurde seit Karl dem Grossen in Pfund (‹libra›), Schilling (‹solidus›, 20 auf das Pfund) und Pfennig (‹denarius›, 12 auf den Schilling) gerechnet. Diese Bezeichnungen haben sich bis in die Neuzeit hinein erhalten und sind dabei zu Namen von Kleinmünzen geworden. In einem Text aus Frankreich müsste man ‹solidus› sprachlich korrekt als ‹sou› übersetzen, doch damit verbindet der Leser ebenso wenig eine angemessene Vorstellung des Wertes wie mit dem italienischen ‹lire› für Pfund. Die drei Begriffe werden deshalb nicht übersetzt, sondern erscheinen mit ihren Abkürzungen als ‹lb.›, ‹s.› und ‹d.› Die Sammlung lädt zum Blättern ein. Wer einen bestimmten Text oder ein Thema sucht, wird den Zugang über die Register wählen. Etwas unbehaglich ist dem Verfasser beim Glossar: Neben wenigen Fachbegriffen, welche hier aufgeführt werden, enthält es eine bunte Sammlung von ungewohnten und seltenen Wörtern und Wortformen, und es ist ihm nicht immer klar, ob ‹echte› Wörter vorliegen oder etwa Verschreibungen, falsche Lesungen oder gar Druckfehler. Der Leser sei also gewarnt. Kollegen und Freunde haben mich zuweilen gefragt, ob diese Sammlung jetzt ‹fertig› sei. Ganz gewiss fehlen darin noch viele, darunter auch bedeutsame Texte. Als aber die Suche immer langwieriger wurde und die Funde immer seltener neue Aspekte aufzeigten, der Umfang aber das Mass eines ordentlichen Buches zu sprengen drohte, habe ich die Erfassung abgebrochen. Die Mitteilung zusätz-


Einleitung

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licher Texte wie auch von Fehlern und Versehen im Bestehenden wird mir aber stets willkommen sein. Endlich habe ich zu danken: Zuerst all jenen Gelehrten seit dem 17. Jahrhundert, welche einschlägige Texte gefunden, notiert und publiziert haben und auf deren Arbeit diese Sammlung aufbaut. Sodann haben sich zahlreiche Kollegen und Freunde für mein Projekt interessiert und mit Hinweisen und Bemerkungen dazu beigetragen. Martin Germann hat Korrektur gelesen. Meine Frau musste viel Geduld aufbringen, wenn ich wieder über den Büchern oder hinter dem Laptop sass. Der Schwabe Verlag hat das Buch unter seine Fittiche genommen, Stefan Krauss seine Seiten sorgfältig, aufmerksam und kritisch gestaltet, und ohne die finanziellen Beiträge der Berta Hess-Cohn Stiftung und der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft, beide in Basel, hätte es nicht erscheinen können. Jetzt liegt es vor und wünscht sich interessierte Leser. Martin Steinmann


Zur Textgestaltung

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In spitzen Klammern stehen Buchstaben und Wörter, welche im Text fehlen, aber nach Meinung des Herausgebers nötig sind. In geschweifte Klammern sind Buchstaben und Wörter gesetzt, welche im Text stehen, aber nach Meinung des Herausgebers dort nicht hingehören. Zwischen Schrägstriche werden spätere Zusätze im Text gesetzt. Drei Punkte in eckigen Klammern weisen auf Textteile hin, welche durch äussere Schäden weggefallen sind und nicht erschlossen werden können. In eckigen Klammern stehen Zusätze und Erklärungen des Herausgebers, welche nicht Bestandteile des Textes sind, z. B. Seitenzahlen oder Nachweise von Bibelzitaten.

Abkürzungen werden stillschweigend aufgelöst, wenn der Wortlaut eindeutig ist. Zu den Texten wird nur eine Ausgabe, möglichst die beste, genannt, in seltenen Fällen sind es zwei. Unser Abdruck folgt dieser Publikation, Abweichungen werden angegeben. Stillschweigend geändert wurden, wo das angezeigt schien, Gross- und Kleinschreibung, der Gebrauch von u (vokalisch) und v (konsonantisch), die Interpunktion sowie offensichtliche Druckfehler. Ist ein Text an seiner Handschrift überprüft worden, wird das durch  vor deren Standort markiert. In diesen Fällen folgt der Text dem Manuskript und kann von der angeführten Publikation abweichen, ohne dass das eigens vermerkt ist. Falls die Kollation auf einem Faksimile oder einer anderen gedruckten Abbildung beruht, wird diese angegeben, andere Grundlagen (z. B. Konsultation des Originals, Mikrofilm oder Publikation im Internet) sind nicht vermerkt.


Abkürzungen

Abs. add. Bd., Bde. Bl., -bl. cap. CC CC Cont. Med. CCM cf. CLA CMD

cod. col. CSEL d.

d. h. ders., dies. ebd. ed. et al. etc. Faks. gr. Hg., hg. Hs., Hss. lb.

Absatz, Paragraph fügt hinzu (in textkritischen Anmerkungen) Band, Bände (auch für ‹tome› und Ähnliches verwendet) Blatt capitulum, Kapitel Corpus Christianorum, Series Latina Corpus Christianorum, Continuatio Mediaevalis Corpus Consuetudinum Monasticarum confer, vergleiche (bei Zitaten im lateinischen Text) Codices latini antiquiores Catalogue des manuscrits datés (und anderssprachige Titel dieses internationalen Unternehmens; es folgen Länderkennzeichen und Bandnummer, also z.B. CMD-CH 1 = B. M. von Scarpatetti et al.: Katalog der datierten Handschriften in der Schweiz, 1, DietikonZürich 1977) codex, Handschrift columna, Spalte Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum denarius und entsprechende Bezeichnungen (denier, penny, Pfennig usw.), auch in der Übersetzung das heisst derselbe, dieselbe (in bibliografischen Angaben) ebenda, am vorher angeführten Ort Ausgabe (in textkritische Anmerkungen) und andere (bei Autoren u. a.); und anderswo (bei Verlagsorten) et cetera, usw. Faksimile (jede lesbare Abbildung einer Handschrift, unabhängig von Massstab und Qualität) Gros, Groschen Herausgeber(in), herausgegeben (von) Handschrift(en) libra, Pfund und entsprechende Bezeichnungen (lire, livre usw.), auch in der Übersetzung


12 MGH Auct. ant. Briefe d. dt. Kaiserzeit Capit. Capit. episc. Conc. Dipl. Epist. Epist. sel. Lib. lit. Poetae Script. Script. rer. Germ. Script. rer. Merov. Migne PL N. F., N. S. n. st. om. Rd. S. s. SB München

s. d. s. v. Taf. u. u. a. usw. vgl. vs. Z.

Abkürzungen

Auctores antiquissimi Die Briefe der deutschen Kaiserzeit Capitularia regum Francorum Capitularia episcoporum Concilia Diplomata Epistolae (in Quart) Epistolae selectae Libelli de lite imperatorum et pontificum Poetae Latini medii aevi Scriptores (in Folio) Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi Scriptores rerum Merovingicarum J.-P. Migne: Patrologia latina Neue Folge; Nova series, Nuova serie und dergleichen bei Jahrzahlen: neuen Stils, d. h. das neue Jahr ab 1. Januar gerechnet lässt weg (in textkritischen Anmerkungen) Rand Seite siehe; solidus und entsprechende Bezeichnungen (Schilling, sou usw.), auch in der Übersetzung Sitzungsberichte der bayerischen Akademie der Wissenschaften (Die Sitzungsberichte anderer Akademien werden in entsprechender Weise zitiert. Gemeint ist stets die philosophisch-historische oder entsprechende Klasse) sine dato, undatiert sub voce, unter dem betreffenden Stichwort Tafel(n) und und andere, unter anderem und so weiter vergleiche versus, Vers(e) Zeile


QUELLEN


1

Marcus Tullius Cicero: De natura deorum, 2, 93 45/44 v. Chr. Cicero: De natura deorum, Academica, with an english translation by H. Rackham (Loeb Classical Library), London 1961, S. 212.

Hoc qui existimat fieri potuisse, non intellego cur non idem putet, si innumerabiles unius et viginti formae litterarum, vel aureae vel qualeslibet, aliquo coiciantur, posse ex iis in terram excussis annales Ennii, ut deinceps legi possint, effici; quod nescio an ne in uno quidem versu possit tantum valere fortuna. Wenn jemand das für möglich hält 1, so verstehe ich nicht, weshalb derselbe nicht auch glaubt, wenn zahllose Exemplare der einundzwanzig Buchstaben, aus Gold oder irgend einem Material, durcheinander geworfen und auf den Boden geschüttet werden, dann könnten aus ihnen die Geschichtsbücher des Ennius entstehen, so dass man sie lesen könnte; und doch weiss ich nicht, ob der Zufall solches auch nur an einem einzigen Vers zu bewirken vermöchte.

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Lucius Annaeus Seneca: Epistulae morales ad Lucilium, 94, 51 bis 65 Seneca: Lettere morali a Lucilio, hg. F. Solinas (Classici greci e latini, 81), 2, Milano 1995, S. 734.

Pueri ad praescriptum discunt. Digiti illorum tenentur et aliena manu per litterarum simulacra ducuntur, deinde imitari iubentur proposita et ad illa reformare chirographum. Die Knaben lernen nach einer Musterschrift. Ihre Finger werden gehalten und von einer anderen Hand dem Bild der Buchstaben entlang geführt, dann müssen sie die Vorlage kopieren und ihr entsprechend das Schriftstück nachbilden.

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Lucius Annaeus Seneca: De tranquillitate animi, IX, 4–7 bis 65: ca. 60 L. Annaeus Seneca: Philosophische Schriften lateinisch und deutsch, 2, hg. M. Rosenbach, Darmstadt 1971, S. 138–140.

Studiorum quoque, quae liberalissima impensa est, tamdiu rationem habet quamdiu modum. Quo innumerabiles libros et bibliothecas, quarum dominus vix tota vita indices perlegit? Onerat discentem turba, non instruit, multoque satius est paucis te auctoribus tradere quam errare per multos. [5] Quadraginta milia librorum Alexandriae arserunt. Pulcherrimum regiae opulentiae monumentum alius laudaverit, sicut et Livius, qui elegantiae regum curaeque egregium id opus ait

1

Dass sich nämlich die sichtbare Welt zufällig aus den Atomen gebildet habe.


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Quellen

fuisse. Non fuit elegantia illud aut cura, sed studiosa luxuria, immo ne studiosa quidem, quoniam non in studium, sed in spectaculum comparaverant, sicut plerisque ignaris etiam puerilium litterarum libri non studiorum instrumenta, sed cenationum ornamenta sunt. Paretur itaque librorum quantum satis sit, nihil in apparatum. [6] Honestius, inquis, huc se impensae quam in Corinthia pictasque tabulas effuderint. Vitiosum est ubique quod nimium est. Quid habes cur ignoscas homini armaria e citro atque ebore captanti, corpora conquirenti aut ignotorum auctorum aut improbatorum et inter tot milia librorum oscitanti, cui voluminum suorum frontes maxime placent titulique? [7] Apud desidiosissimos ergo videbis quicquid orationum historiarumque est, tecto tenus exstructa loculamenta: iam enim inter balnearia et thermas bibliotheca quoque ut necessarium domus ornamentum expolitur. Ignoscerem plane, si studiorum nimia cupidine erraretur; nunc ista conquisita, cum imaginibus suis discripta, sacrorum opera ingeniorum in speciem et cultum parietum comparantur. Auch die Wissenschaft, eines freien Menschen würdigste Beschäftigung, ist nur so lange sinnvoll, als sie Mass hält. Wozu unzählige Bücher und ganze Bibliotheken, von welchen der Besitzer in seinem ganzen Leben kaum die Verzeichnisse lesen kann? Wer lernen will, den hindert die Masse mehr als dass sie ihn fördert, und es ist viel besser, sich an wenige Autoren zu halten als unter vielen zu irren. [5] Vierzigtausend Bücher sind in Alexandrien verbrannt. Die könnte man als ein prächtiges Beispiel königlichen Mäzenatentums loben, wie Livius, welcher sie als hervorragendes Beispiel von Geschmack und Engagement der Herrscher bezeichnet hat. Doch von Geschmack und Engagement kann keine Rede sein: Wissenschaftliche Grossmannsucht war es, und nicht einmal wissenschaftliche, denn nicht um der Wissenschaft willen haben sie die Bücher zusammengebracht, sondern zur Repräsentation. Nicht anders sind für viele Leute, welchen die elementarste Bildung fremd ist, Bücher nicht Mittel zum Studium, sondern Dekoration für das Esszimmer. Man soll sich also ausreichend Bücher verschaffen, aber keine, um sie zur Schau zu stellen. [6] Es ist immer noch besser, meinst du, das Geld dafür auszugeben als für korinthisches Silber und gemalte Bilder. Doch allzu viel ist überall von Übel. Mit welchen Argumenten willst du denjenigen entschuldigen, welcher Bücherschränke aus Zitrusholz und Elfenbein haben muss, der die sämtlichen Werke von obskuren und zweitrangigen Autoren sammelt und mit tausenden von Büchern sich langweilt, dem vor allem die Stirnseite seiner Rollen gefällt und die Etiketten? Bei den Uninteressiertesten also wirst du alle Redner und Historiker finden, die es gibt, und Büchergestelle bis unters Dach. Denn wie Bad und Thermen gehört bereits auch eine gepflegte Bibliothek zum gediegenen Heim. Verständnis könnte ich dafür aufbringen, wenn man aus übergrossem Bedürfnis nach Bildung das Falsche täte. Aber da werden die herrlichsten, mit Autorenbildern geschmückten Ausgaben erhabener Autoren zur Verschönerung und Dekoration der Wände zusammengekauft.

4

Martialis: Epigrammata, I, 2 um 84–86 oder später M. Valerius Martialis: Epigrammaton liber primus, hg. M. Citroni, Firenze 1975, S. 19.


Antike (bis 500 n. Chr.)

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Qui tecum cupis esse meos ubicumque libellos Et comites longae quaeris habere viae, Hos eme, quos artat brevibus membrana tabellis: Scrinia da magnis, me manus una capit. Ne tamen ignores ubi sim venalis et erres Urbe vagus tota, me duce certus eris: Libertum docti Lucensis quaere Secundum Limina post Pacis Palladiumque forum. Wenn du meine Büchlein überall bei dir haben willst, und sie dich auf langen Reisen begleiten sollen, so kaufe diejenigen, welche auf Pergament in einen kleinen Band gepackt sind. In Schränken musst du grosse [Rollen] versorgen, mich umfasst eine einzelne Hand. Damit du aber weisst, wo man mich kaufen kann, und nicht ziellos durch die ganze Stadt irrst, lass dich von mir sicher führen: Frag nach Secundus, dem Freigelassenen des gelehrten Lucensis, hinter dem Eingang zum Friedenstempel und dem Nerva-Forum.

5.1

Marcus Fabius Quintilianus: Institutio oratoria, 1, 1, 26–28 ca. 96 Quintilien: Institution oratoire, 1, hg. J. Cousin, Paris 1975, S. 63.

Non excludo autem, id quod est notum irritandae ad discendum infantiae gratia, eburneas etiam litterarum formas in lusum offerre, vel si quid aliud quo magis illa aetas gaudeat inveniri potest, quod tractare, intueri, nominare iucundum sit. [27] Cum vero iam ductus sequi coeperit, non inutile erit eos tabellae quam optime insculpi, ut per illos velut sulcos ducatur stilus. Nam neque errabit quemadmodum in ceris; continebitur enim utrimque marginibus neque extra praescriptum egredi poterit, et celerius ac saepius sequendo certa vestigia formabit articulos, neque egebit adiutorio manum suam manu super imposita regentis. [28] Non est aliena res, quae fere ab honestis neglegi solet, cura bene ac velociter scribendi. Nam cum sit in studiis praecipuum, quoque solo verus ille profectus et altis radicibus nixus paretur, scribere ipsum, tardior stilus cogitationem moratur, rudis et confusus intellectu caret, unde sequitur alter dictandi quae transferenda sunt labor. Ich schliesse aber nicht aus, womit man bekanntlich in den Kindern die Lust zum Lernen weckt, dass man ihnen Buchstaben aus Elfenbein zum Spielen gibt, oder wenn man etwas anderes sich ausdenken kann, woran sie sich in diesem Alter noch mehr freuen und womit sie gerne spielen, es ansehen und benennen. Sobald sie aber der Form zu folgen beginnen, wird es nicht unnütz sein, diese möglichst gut in eine Tafel einzutiefen, damit der Griffel wie in einer Furche geführt wird. So wird der Schüler nicht fehlgehen wie im Wachs, sondern auf beiden Seiten durch die Ränder geführt, nicht über das Vorgeschriebene hinausfahren können,


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Quellen

und indem er rascher und öfter einem klaren Pfad folgt, die Züge formen, ohne dass er Hilfe durch jemand benötigt, welcher die Hand auf seine Hand legt und ihn so leitet. Es ist keine abwegige Sache, wenn sich auch die Hochgestellten wenig darum bemühen, eine gute und rasche Schrift anzustreben. Ist nämlich bei der Ausbildung eine Hauptsache die Schreibfertigkeit an sich – nur auf ihr kann ein wahrer, fest eingewurzelter Fortschritt aufbauen –, so hemmt langsames Schreiben die Gedanken, und ohne Form und Disziplin wird es unverständlich, daraus ergibt sich der zusätzliche Aufwand, dass man diktieren muss, was festgehalten werden soll.

5.2

Marcus Fabius Quintilianus: Institutio oratoria, 1, 1, 34 ca. 96 Quintilien: Institution oratoire, 1, hg. J. Cousin, Paris 1975, S. 64.

Nam prospicere in dextrum, quod omnes praecipiunt, et providere non rationis modo sed usus quoque est, quoniam sequentia intuenti priora dicenda sunt, et, quod difficillimum est, dividenda intentio animi, ut aliud voce aliud oculis agatur. Denn [beim Lesen] nach rechts zu blicken, wie es alle vorschreiben, und zu sehen, was kommt, das ist nicht nur vernünftig, sondern auch üblich, denn während man schon auf das Folgende sieht, muss man das Vorangehende aussprechen, und es ist sehr schwierig, die Aufmerksamkeit zu teilen, das eine mit der Stimme, das andere mit den Augen zu tun.

5.3

Marcus Fabius Quintilianus: Institutio oratoria, 10, 3, 31–33 ca. 96 Quintilien: Institution oratoire, 6, hg. J. Cousin, Paris 1979, S. 123 f.

Illa quoque minora (sed nihil in studiis parvum est) non sunt transeunda: scribi optime ceris, in quibus facillima est ratio delendi, nisi forte visus infirmior membranarum potius usum exiget, quae ut iuvant aciem, ita crebra relatione, quoad intinguntur calami, morantur manum et cogitationis impetum frangunt. [32] Relinquendae autem in utrolibet genere contra erunt vacuae tabellae, in quibus libera adiciendi sit excursio. Nam interim pigritiam emendandi angustiae faciunt, aut certe novorum interpositione priora confundant. Ne latas quidem ultra modum esse ceras velim, expertus iuvenem studiosum alioqui praelongos habuisse sermones quia illos numero versuum metiebatur, idque [S. 124] vitium, quod frequenti admonitione corrigi non potuerat, mutatis codicibus esse sublatum. [33] Debet vacare etiam locus, in quo notentur quae scribentibus solent extra ordinem, id est ex aliis quam qui sunt in manibus loci, occurrere. Inrumpunt enim optimi nonnumquam sensus, quos neque inserere oportet neque differre tutum est, quia interim elabuntur, interim memoriae sui intentos ab alia inventione declinant, ideoque optime sunt in deposito.


Antike (bis 500 n. Chr.)

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Auch diese Nebensachen – doch nichts ist beim Lernen nebensächlich – dürfen nicht übersehen werden: Am besten schreibt man auf Wachstafeln – dort kann die Schrift am leichtesten wieder gelöscht werden – , wenn nicht geschwächte Sehkraft die Verwendung von Pergament erfordert, welches zwar den Augen hilft, aber durch das häufige Absetzen, wenn das Schreibrohr eingetunkt werden muss, die Hand aufhält und den Fluss der Gedanken unterbricht. In beiden Fällen aber sollen die gegenüberliegenden Seiten frei gelassen werden, damit man für Zusätze dorthin ausweichen kann. Denn zuweilen hat Platzmangel zur Folge, dass man mit Verbesserungen zögert, und jedenfalls wird durch Zusätze der ursprüngliche Text unübersichtlich. Auch sollen die Tafeln nicht übermässig breit sein: Ich hatte einen im übrigen fleissigen Schüler, dessen Vorträge überlang waren, weil er sie an der Zahl der Zeilen mass, und dieser Fehler liess sich durch wiederholte Mahnungen nicht beseitigen, verschwand aber, als die Tafeln gewechselt wurden. Auch muss ein Ort frei bleiben, wo notiert werden kann, was dem Schreiber ausser dem Zusammenhang einfällt, d. h. nicht zu den Themen, an welchen er gerade ist. Zuweilen kommen einem nämlich ausgezeichnete Gedanken, die sich nicht einfügen lassen und die wegzulassen doch unvorsichtig wäre, weil sie einem wieder entgleiten oder, wenn man sie zu behalten versucht, vom fortlaufenden Formulieren ablenken, deshalb setzt man sie am besten in Vorrat.

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Gaius Suetonius Tranquillus: Iulius, 56, 6 1. Hälfte 2. Jh C. Suetonius Tranquillus: De vita Caesarum libri VIII, hg. M. Ihm, Leipzig 1907, S. 30.

Epistolae quoque eius ad senatum extant, quas primum videtur ad paginas et formam memorialis libelli convertisse, cum antea consules et duces non nisi transversa charta scriptas mitterent. Auch Briefe von ihm [Caesar] an den Senat sind erhalten, und er als erster scheint diese in die Form einer Denkschrift gebracht zu haben, während vorher Konsuln und Heerführer sie stets quer auf das Blatt geschrieben 1 verschickt hatten.

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Corpus iuris civilis: Digesta, 32, 52 (Ulpianus) bis 228 Corpus iuris civilis: Digesta Iustiniani Augusti, hg. Th. Mommsen/P. Krueger, 2, Berlin 1870, S. 88 f.

Ulpianus libro vicesimo quarto ad Sabinum. Librorum appellatione continentur omnia volumina, sive in charta sive in membrana sint sive in quavis alia materia;

1

Nicht wie in der horizontal gehaltenen Buchrolle in Spalten abgeteilt, sondern quer dazu und ungeteilt.


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Quellen

sed et si in philyra aut in tilia (ut nonnulli conficiunt) aut in quo alio corio, idem erit dicendum. Quod si in codicibus sint membraneis vel chartaceis vel etiam eboreis vel alterius materiae vel in ceratis codicillis, an debeantur, videamus. Et Gaius Cassius scribit deberi et membranas libris legatis; consequenter igitur cetera quoque debebuntur, si non adversetur voluntas testatoris. [1] Si cui centum libri sint legati, centum volumina ei dabimus, non centum, quae quis ingenio suo metitus est, qui ad libri scripturam sufficerent; ut puta cum haberet Homerum totum in uno volumine, non quadraginta octo libros computamus, sed unum Homeri volumen pro libro accipiendum est. [2] Si Homeri corpus sit legatum et non sit plenum, quantaecumque rhapsodiae inveniantur, debentur. [3] Libris autem legatis bibliothecas non contineri Sabinus scribit; idem et Cassius, ait enim membranas [S. 89] quae scriptae sint contineri, deinde adiecit neque armaria neque scrinia neque cetera, in quibus libri conduntur, deberi. [4] Quod tamen Cassius de membranis puris scripsit, verum est, nam nec chartae purae debentur libris legatis nec chartis legatis libri debebuntur, nisi forte et hic nos urserit voluntas, ut puta si quis forte chartas sic reliquerit ‹chartas meas universas›, qui nihil aliud quam libros habebat, studiosus studioso; nemo enim dubitabit libros deberi, nam et in usu plerique libros chartas appellant. Quid ergo, si quis chartas legaverit puras? Membranae non continebuntur neque ceterae ad scribendum materiae, sed nec coepti scribi libri. [5] Unde non male quaeritur, si libri legati sint, an contineantur nondum perscripti. Et non puto contineri, non magis quam vestis appellatione nondum detexta continetur. Sed perscripti libri nondum malleati vel ornati continebuntur, proinde et nondum conglutinati vel emendati continebuntur, sed et membranae nondum consutae continebuntur. [6] Chartis legatis neque papyrum ad chartas paratum neque chartae nondum perfectae continebuntur. [7] Sed si bibliothecam legaverit, utrum armarium solum vel armaria continebuntur an vero libri quoque contineantur, quaeritur. Et eleganter Nerva ait interesse id quod testator senserit, nam et locum significari bibliothecam eo ‹alias armarium›, sicuti dicimus ‹eboream bibliothecam emit›, alias libros, sicuti dicimus ‹bibliothecam emisse›. [7a] Quod igitur scribit Sabinus libros bibliothecam non sequi, non per omnia verum est, nam interdum armaria quoque debentur, quae plerique bibliothecas appellant. Plane si mihi proponas adhaerentia esse membro armaria vel adfixa, sine dubio non debebuntur, cum aedificii portio sint. [8] Quod in bibliotheca tractavimus, idem Pomponius libro sexto ex Sabino in dactyliotheca legata tractat, et ait anulos quoque contineri, non solum thecam, quae anulorum causa parata sit; hoc autem ex eo coniectat, quod ita proponitur quis legasse: ‹dactyliothecam meam et si quos praeterea anulos habeo›, et ita Labeonem quoque existimasse ait. [9] Sunt tamen quaedam, quae omnimodo legatum sequuntur, ut lectum legatum contineat et fulctra et armariis et loculis claustra et claves cedunt.


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