1879 hat die GGG (Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige) in Basel die erste Frauenarbeitsschule (FAS) der Schweiz gegründet. Anfangs war die zunächst Frauen vorbehaltene FAS eine reine Hauswirtschaftsschule, doch schon bald weitete sich die Unterrichtstätigkeit auf weitere als weiblich geltende Berufsbereiche aus. Das Fraueli, wie die FAS vom Volksmund später genannt wurde, war damit eine der frühen Weiterbildungsmöglichkeiten für Frauen nach der obligatorischen Schulzeit. Die FAS heisst heute Berufsfachschule Basel (BFS Basel) und ist längst zu einer modernen Berufsschule geworden, die beiden Geschlechtern offensteht. Das reich illustrierte Buch zeichnet die 130-jährige Entwicklung der Schule von der Anfangszeit im 19. Jahrhundert bis 2009 nach. Zudem werden verschiedene Aspekte der Gender-Thematik aufgegriffen. Beispielsweise wird die ambivalente Rolle der FAS beleuchtet, die zwar mit der Ausbildung von Frauen einen wichtigen Beitrag zur Emanzipation leistete, gleichzeitig aber Frauen dem häuslichen Bereich zuordnete, wie es der Philosophie des bürgerlichen Rollenmodells entsprach.
Eine Schule macht Schule In 130 Jahren von der Frauenarbeitsschule zur Berufsfachschule Basel
2013
2013
Oliver Hungerbühler
Oliver Hungerbühler, geboren 1975 in Basel, studierte Geschichte und Germanistik in Basel und Berlin. 2005 schloss er das Studium mit dem Lizentiat ab, danach erfolgte die Ausbildung für das Höhere Lehramt (HLA) in Basel. Seit 2006 unterrichtet er an der BFS Basel.
Oliver Hungerbühler
Eine Schule macht Schule. In 130 Jahren von der Frauenarbeitsschule zur BFS Basel
191
Schwabe Verlag Basel www.schwabeverlag.ch
2013 2013
Oliver Hungerbühler
Eine Schule macht Schule In 130 Jahren von der Frauenarbeitsschule zur Berufsfachschule Basel Mit einem Beitrag von Elfriede Belleville Wiss
191. Neujahrsblatt Herausgegeben von der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel
Schwabe Verlag Basel
Abbildung Umschlag: Hemdenbügeln in einem Kurs der Frauenarbeitsschule, undatierte Aufnahme. Copyright © 2012 Schwabe AG, Verlag, Basel Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Copyright © 2012 Fotografien/Abbildungen: vgl. Abbildungsnachweis Lektorat: Marianne Wackernagel, Schwabe Umschlaggestaltung: Thomas Lutz, Schwabe Schriften: Frutiger, Aldus Papier: Profibulk, 135 g/m2, Invercote, 280 g/m2
Gesamtherstellung: Schwabe AG, Muttenz/Basel, Schweiz Printed in Switzerland ISBN 978-3-7965-2889-7 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch
Inhalt Grusswort der Präsidentin der Kommission zum Neujahrsblatt der GGG. . . . . . . . .
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Grusswort des Direktors der Berufsfachschule Basel .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Grusswort des Vorstehers des Erziehungsdepartements des Kantons Basel-Stadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Vorwort und Dank des Autors .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Eine «Nähschule für arme Mägdlein» (1779–1842) Elfriede Belleville Wiss
Eine Schule macht Schule. In 130 Jahren von der Frauenarbeitsschule zur Berufsfachschule Basel Oliver Hungerbühler
Teil 1: 130 Jahre Schulgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 1879–1894: «Segen ist der Mühe Preis» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 1895–1913: «Schnelles Wachstum und fröhliches Gedeihen» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 1914–1919: «Angewöhnung an die (…) überaus schwierige Zeitlage» . . . . . . . . . . . . . 39 1919–1938: «Lehrjahre sind Wehrjahre» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 1939–1945: «Am Alten kann man das Neue sparen» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 1946–1963: «Beifall und Blumen» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 1964–1989: «Erfreulicherweise (…) noch in Ruhe und Ordnung unterrichten» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 1990–1999: «Könnte der heutige Standort (…) nicht aufgehoben werden?» . . . . 75 2000–2009: «Da im Bildungsbereich zur Zeit sehr viel in Bewegung ist» . . . . . . . . . 79
Frauenarbeitsschule / BFS Basel – 130 Jahre in Bildern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
Teil 2: Emanzipation und die Frauenarbeitsschule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 Gleichberechtigung, «Hausfrauisierung» und Sozial-Disziplinierung .. . . . . . . . . . . . . . 107 Die «Hausfrau» wird verberuflicht und rationalisiert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 Gleichberechtigung, Fräuleins und Männer an der Frauenschule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 Von Vorstehern und Direktorinnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127
Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135 FAS / BFS Basel – eine Chronologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137 Vorsteher, Direktoren und Direktorinnen .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144 Anmerkungen .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145 Bibliographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 Abkürzungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 Abbildungsnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157
Grusswort der Präsidentin der Kommission zum Neujahrsblatt der GGG Schulgeschichte / Schulgeschichten sind ein attraktives Thema. Mindestens seit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht können alle mitreden. Zudem bedient die Geschichte der eigenen Schule eine doppelte Nostalgie; ob schöne Freundschaften, originelle Lehrer, ungenügende Noten, langweilige Stunden: Wir erinnern uns nicht ungern – schliesslich waren wir jung. Doch Schulgeschichte bietet mehr als das. Schauen wir einmal zwei Lehrpläne an: A) (…) um arme Weibspersonen vorzubereiten, damit sie dereinst brauchbare und nützliche Dienstboten ihrer begüterten Mitmenschen (…) werden. (…) B) (…) Vorrangiges Ziel des allgemeinbildenden Unterrichts an der BFS ist die Erweiterung und Vertiefung der Sachkompetenz in Verbindung mit sprachlichen, persönlichen und sozialen Kompetenzen (…) Dank der exotischen Direktheit des ersten Textes (die Exotik des zweiten Textes werden erst unsere Nachfahren entdecken) wird klar, dass dieser Lehrplan die (männlichen) Vorstellungen der damaligen bestimmenden Gesellschaftsschicht über die ideale junge Frau widerspiegelt. Moralisch-ökonomisch wertvoll sollen sie sein, die jungen Weibspersonen. Lehrpläne sagen viel aus über Zeitgeist und politische Strömungen. Grössere gesellschaftliche Veränderungen sind nur über die nächsten Generationen machbar, und diesbezügliche Wünsche schlagen sich eben in der Pädagogik der Zeit nieder. Was Experiment bleibt und was endlich angekommen ist, beantwortet nur die Zukunft. An der Schulgeschichte lassen sich also zum Beispiel auch politische Geschichte und Mentalitätsgeschichte ablesen. Was für Bürger und Bürgerinnen will unser Staat? Bildungsvorstellungen brauchen aber Zeit, bis sie durch Reformen des Schulsystems politisch umgesetzt sind, dazwischen liegt Spannung, und das kann unseren Blick schärfen. Die Geschichte der BFS Basel und ihrer Vorgängerinstitutionen zeigt die Veränderungen in der Gesellschaft über die letzten 200 Jahre auf. Einmal mehr nützt der Blick in die Vergangenheit für eine reflektierte Positionierung in der Gegenwart. Ob wir den nächsten Reformen nun gelassener, abgeneigter oder enthusiastischer entgegensehen, sei dahingestellt, sicherlich wirft die Lektüre der sorgfältig recherchierten und illustrierten Arbeit von Oliver Hunger bühler und des kleinen, aber wichtigen Ausflugs in die Frühgeschichte von Elfriede Belleville Wiss einen unterhaltsamen und erhellenden Blick auf das Werden einer Schule, die aus Basel nicht wegzudenken ist. Dafür gebührt den Autoren wie auch den Institutionen, die Oliver Hungerbühler die Forschung erst ermöglichten – dem Erziehungsdepartement unter Dr. Christoph Eymann und der Berufsfachschule unter Direktor Felix Dreier –, unser herzlicher Dank. Doris Tranter
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Grusswort des Direktors der Berufsfachschule Basel Als die Basler Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) im Jahre 1879 die erste Frauenarbeitsschule (FAS) der Schweiz ins Leben rief, war das eine Pioniertat: Frauen aller sozialen Schichten konnten eine freiwillige hauswirtschaftliche Grundschulung und Weiterbildung absolvieren. In der Folge entwickelte sich die FAS immer mehr zu einer Berufsfachschule für beide Geschlechter. Dies führte 1963 zu einer Neuorientierung und zur neuen Bezeichnung: Berufs- und Frauenfachschule (BFS). Mit der Einführung des neuen Bundesgesetzes über die Berufsbildung im Jahre 2004 wurde das schweizerische Berufsbildungssystem grundlegend verändert, und auch die BFS musste sich den neuen Rahmenbedingungen anpassen; sie heisst seit 2005 Berufsfachschule Basel (BFS Basel). Im 191. Neujahrsblatt der GGG wird die wechselvolle Geschichte der BFS Basel von Oliver Hungerbühler, Historiker und Lehrer an der BFS Basel, ausführlich dar gestellt. Er beschreibt umsichtig und sachkundig die über 130-jährige Geschichte der Schule, die durch mehrere Konstanten geprägt ist: die Gender-Thematik, den Pioniergeist und die Wandlungsfähigkeit. So war die FAS eine der ersten Bildungsstätten der Schweiz, an der Frauen eine Berufsausbildung absolvieren konnten. Sie gab ihnen so die Möglichkeit, eigenes Geld zu verdienen und damit ein Stück Unabhängigkeit zu erlangen. Mit der vorliegenden Schrift soll die Bedeutung der BFS Basel für die G eschichte der Frauenbildung und für die Entwicklung der frauenspezifischen Berufsbildung der Region Basel unterstrichen und breiter bekanntgemacht werden. Im Namen unserer Schule bedanke ich mich sehr herzlich bei Oliver Hungerbühler, der die Entwicklung der BFS Basel sorgfältig und mit viel Herzblut nach gezeichnet hat. Unser Dank gilt natürlich auch der Kommission zum Neujahrsblatt der GGG, der Gründerinstitution unserer Schule, welche die Veröffentlichung dieser Geschichte erst ermöglich hat. Dank gebührt auch dem Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt für die wirkungsvolle Unterstützung. Die BFS Basel ist längst zu einer Berufsfachschule geworden, die beiden Geschlechtern gleichberechtigt offensteht. Sie ist eine moderne, wandlungsfähige Bildungsinstitution an fünf Schulstandorten mit einem attraktiven Lernangebot für Jung und Alt. Auch in der Zukunft wird sich die BFS Basel für eine hohe Qualität der Berufsbildung und für das lebenslange Lernen aller Menschen engagieren und den Pioniergeist der Gründergeneration weitertragen. Felix Dreier
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Grusswort des Vorstehers des Erziehungs departements des Kantons Basel-Stadt Basel im Jahr 1879. Der Realschülerturnverein und heutige Handballclub «RTV 1879 Basel» wird gegründet; in Anlehnung an die GGG-Neujahrsblätter erscheint das erste «Basler Jahrbuch», das seit 1960 den Titel «Basler Stadtbuch» trägt. Und: Die Frauen arbeitsschule – inzwischen heisst sie Berufsfachschule (BFS) Basel – wird ins Leben gerufen und nimmt mit drei Klassen den Unterricht auf. Sport, Geschichtsschreibung, Bildung – Basel verfügt über vielfältige und langjährige Traditionen, visionäre Innovationen und Institutionen mit viel Pioniergeist. Das «Fraueli», wie die Berufsfachschule Basel zuweilen auch heute noch liebevoll g enannt wird, war denn auch die erste Frauenarbeitsschule der Schweiz. Und auch die Tatsache, dass die Schülerinnen schon früh die Art und die Anzahl ihrer Fächer selbst bestimmen konnten, stand ganz im Zeichen des BFS-Pioniergeistes. Längst sind auch Männer in der BFS Basel willkommen. Doch es bedarf noch immer besonderer Anstrengungen, um Frauen in Bildungswesen und Beruf gleiche Chancen zu eröffnen wie Männern. Die BFS Basel ist sich dessen nicht nur bewusst, sondern sie setzt hier als Pionierin auch Akzente. Es ist deshalb kein Zufall, dass das Erziehungsdepartement 2009 mit dem Lehrgang «Frühe sprachliche Förderung – Schwerpunkt Deutsch» an der BFS Basel eine neue berufsbegleitende Weiterbildung geschaffen hat, die sich vor allem an Frauen richtet. Den in Spielgruppen und Tagesheimen tätigen Fachpersonen bietet sich so die Möglichkeit, sich in der Sprachförderung von Kindern bis vier Jahren zusätzlich zu qualifizieren. Damit knüpft die Berufsfachschule Basel nicht zuletzt auch an die langjährige Tradition einer praxisnahen Ausbildung von Lehrpersonen an. Und sie zeigt auf eindrückliche Weise, dass sie auch im nicht mehr so jugendlichen Alter von 130 Jahren anpassungsfähig ist und sich den Herausforderungen der Gegenwart stellt. Denn mit gezielter, professioneller Sprachförderung in Spielgruppen und Tagesheimen begegnet die jubilierende basel-städtische Schule einer demografischen Entwicklung des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts: Nicht alle Kinder sprechen zu Hause Deutsch. Alle Kinder sollen jedoch mit ausreichenden Kompetenzen in der deutschen Sprache in ihre Kindergarten- bzw. Schulkarriere starten und unter optimalen Voraussetzungen eine erfolgreiche schulische und berufliche Laufbahn beginnen können. Das Fördern von Deutschkenntnissen ist an der BFS Basel kein Novum: 1905 war für angehende Lehrerinnen neben Kunstpflege auch das Fach Deutsch eingeführt worden – was nicht nur auf Begeisterung stiess, wie im Basler Stadtbuch 1979 anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Schule in einem Bericht nachzulesen ist: «Man betrachtete damals die Vorbildung auf diesen Gebieten als ungenügend; die sprachliche Ausbildung hatte allerdings Proteste der vorbereitenden Schulen zur Folge.»
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In seiner nunmehr 130-jährigen Geschichte war die Berufsfachschule Basel mit dem Wandel der Zeit und dessen Herausforderungen konfrontiert. Das prägt nicht nur, sondern es macht auch beweglich und stark. Eine Schule, die sich über eine so lange Zeit den sich wandelnden gesellschaftlichen Ansprüchen zu stellen und den Pioniergeist der Anfänge am Leben zu erhalten vermochte, hat gute Chancen, sich auch in Zukunft in der Bildungslandschaft behaupten zu können. Regierungsrat Dr. Christoph Eymann
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Vorwort und Dank des Autors 1879 wurde die Frauenarbeitsschule Basel (FAS) gegründet. Sie war die erste Frauen arbeitsschule der Schweiz und bot als eine der ersten Institutionen Frauen die Chance, eine berufliche Ausbildung zu absolvieren. Im Verlauf vieler Jahre wandelte sich die FAS von der ursprünglichen Hauswirtschaftsschule in eine moderne Berufsschule, die heutige Berufsfachschule Basel (BFS Basel). Die FAS war ursprünglich Frauen vorbehalten, und auch als Männer längst zugelassen waren, behielt die Schule die Bezeichnung Frauen im Namen. Diese verschwand erst 2005. Demnach ist die Geschichte der Schule eng verknüpft mit Themen rund um die Geschlechterrollen. Anlässlich des 130-Jahr-Jubiläums 2009 untersuchte ich bereits einige Aspekte der Schulgeschichte und stellte diese in der Broschüre «Aus Altem Neues» – Schlaglichter auf 130 Jahre BFS Basel dar. Daraus entstand die Idee, eine umfassendere Geschichte der BFS Basel zu schreiben und im Rahmen der Neujahrsblätter der GGG zu veröffentlichen. Bei der Recherche zu dieser Arbeit wurde mein Interesse als His toriker immer mehr geweckt. Ausserdem war es spannend, als Lehrer der heutigen BFS Basel die Geschichte der eigenen Schule zu erforschen. Selbstverständlich habe ich mich trotzdem bemüht, die vergangenen Ereignisse nicht aus der Sicht des aktuell Involvierten, sondern mit der kritischen Distanz des Historikers zu untersuchen. Der Text gliedert sich in zwei Teile. Vorangestellt ist ein Exkurs von Elfriede Belleville über Nähschulen, welche die GGG lange vor der Gründung der Frauenarbeitsschule betrieben hatte. In Teil 1 werden dann 130 Jahre Schulgeschichte von der Gründung bis 2009 in chronologischer Reihenfolge beleuchtet. Die Kapitel sind so konzipiert, dass sie auch unabhängig voneinander gelesen werden können. Daher ergeben sich einzelne Überschneidungen. Teil 2 besteht aus vier unabhängigen Kapiteln, die allerdings thematisch miteinander verknüpft sind. Roter Faden ist hier die Gender-Thematik. Ein Thema, das sich bei der ersten Frauenarbeitsschule der Schweiz aufdrängt. Im Anhang schliesslich finden sich eine tabellarische Chrono logie sowie eine Liste der Vorsteher, Direktoren und Direktorinnen. Die vorliegende Geschichte der BFS Basel basiert auf verschiedenen Quellen. Zu einem grossen Teil handelt es sich dabei um Dokumente, welche die Schule selber «produziert» hat, zum Beispiel Jahresberichte, Sitzungsprotokolle der Schulinspektion bzw. -kommission und Korrespondenz mit anderen Schulen oder mit dem Erziehungsdepartement. Die neueren Quellen befinden sich im Archiv der BFS Basel, die älteren werden im Staatsarchiv Basel-Stadt (StABS) und teilweise im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv Basel (SWA) aufbewahrt. Die Fotografien be finden sich grösstenteils im Archiv der BFS Basel. Es fällt auf, dass es viele Schwarzweiss-Fotografien in guter Qualität und einer beeindruckenden Ästhetik aus den ersten Jahrzehnten der Schulgeschichte gibt. Als Fotografieren für die Allgemeinheit erschwinglich wurde, ging offenbar gleichzeitig ein Qualitätsbewusstsein verloren. Zumindest gibt es während einer Phase von mehreren Jahrzehnten kaum brauchbare Bilder der BFS. Erst in der jüngeren Vergangenheit wird wieder Wert auf eine pro-
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fessionelle Fotografie gelegt. Bei den meisten Fotografien fehlen Angaben zu Inhalt und Datierung. Dies macht es schwierig, das Abgebildete richtig einzuordnen. An dieser Stelle sei dem Fotografen Felix Heiber herzlich gedankt, der die alten Fotografien mit viel Aufwand und einer spürbaren Leidenschaft digitalisiert hat. Weiter möchte ich Sabine Gysin für ihre Beratung und Unterstützung danken sowie Alfred Ziltener für eine kritische Lektüre. Dank gebührt auch der Kommission zum Neujahrsblatt der GGG, insbesondere Doris Tranter, der Schulleitung der BFS Basel, vor allem Felix Dreier, sowie dem Schwabe Verlag, speziell Marianne Wackernagel, welche diese P ublikation ermöglicht haben. Bedanken möchte ich mich auch bei all denen, die mich mit einem offenen Ohr und mit Anregungen bei der Entstehung dieses Buches unterstützt haben. Oliver Hungerbühler
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Eine «Nähschule für arme Mägdlein» (1779–1842) Elfriede Belleville Wiss Genau hundert Jahre vor der Eröffnung der Frauenarbeitsschule gründete die GGG eine erste Nähschule. Wenn man von der 1778 geschaffenen, aber bereits nach einem Jahr aufgegebenen Unterrichtsanstalt für das Wollespinnen absieht, war diese Nähschule die älteste Bildungsinstitution, die von der «Gesellschaft zu Beförderung und Aufmunterung des Guten und Gemeinnützigen» (kurz «Aufmunterungsgesellschaft», das Kürzel GGG war noch nicht üblich) ins Leben gerufen wurde. Zwar hatte Jakob Sarasin schon 1777 – also im Gründungsjahr der GGG – die Einrichtung einer Töchterschule nach Zürcher Vorbild angeregt, doch 1779 kam man zum Schluss, dass «ein ähnliches Institut bey unseren jetzigen Umständen noch nicht tunlich […] wäre, auch die Kräffte der Gesellschaft weit übersteigen würde». Stattdessen eröffnete die GGG im April 1779 eine unentgeltliche Nähschule für zwölf arme Mädchen ab neun bis zwölf Jahren – auf Empfehlung der Pfarrherren wurden je drei pro Kirchgemeinde (Münster, St. Peter, St. Leonhard, St. Theodor) aufgenommen. Bei einer Frau Scherbin in der Weissen Gasse erlernten sie das Weiss nähen. Zusätzlich wurden sie von Herrn Märklin während wöchentlich vier Stunden im Lesen, Schreiben und Rechnen sowie durch den «Candidaten [der Theologie] Johannes Frey älter» während drei Stunden in der christlichen Moral unterrichtet. Isaak Iselin persönlich verfasste eine vierzehnseitige «Anweisung für die Lehrer in der auf Unkosten der Aufmunterungsgesellschaft in Basel errichteten Nähschule» (siehe S. 14f.). Ziel der Schule war es, die Mädchen darauf vorzubereiten, dass sie «dereinst brauchbare und nützliche Dienstboten ihrer begüterten Mitmenschen und rechtschaffene Ehegattinnen und Hausmütter solcher Familien werden, welche ihren Unterhalt einzig und allein durch ihre Handarbeit gewinnen müssen». Schon im Jahr danach wurde im Kleinbasel eine zweite Nähschule und 1783 eine dritte – nun wiederum im Grossbasel – errichtet; von 1790 bis 1796 unterhielt die GGG sogar vier Nähschulen. Weniger florierte die 1796 angegliederte Flickschule; obwohl das Angebot, sich im Anschluss an die Nähschule noch ein halbes Jahr im Flicken weiterzubilden, meist nur wenig genutzt wurde, blieb es bestehen – die Eltern wollten nach der zweijährigen Lernzeit nicht noch länger auf die Arbeitskraft ihrer Töchter verzichten. Die Bedeutung der Nähschulen als Bildungsinstitution wird deutlich, wenn man sich vor Augen hält, wie schlecht es um das öffentliche Schulwesen in der zweiten Hälfte das 18. Jahrhunderts bestellt war. Elementarunterricht wurde für Knaben in vier, für Mädchen in zwei (Pfarr-)Gemeindeschulen erteilt. Es gab nur zwei Klassenstufen, die von einem Provisor (Unterlehrer) und dem Schulmeister unterrichtet wurden – oft im gleichen Raum, mit bis zu hundert Schülern. (In der Mädchenschule im Kleinbasel gab es sogar nur einen Lehrer.) Da der Lohn der Lehrer wesentlich vom Schulgeld abhing, klagten diese nie über die hohe Schülerzahl. Für Kinder, die in Fabriken arbeiteten, gab es noch die obrigkeitlichen Armen- und Freischulen mit
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Die GGG legte seit ihrem Gründungsjahr 1777 gedruckte Jahresberichte vor. Diese erschienen bis 1965 unter dem Titel «Geschichte der Gesellschaft zu Beförderung des Guten und Gemeinnützigen im Jahr …». Dem Jahres bericht für 1780 ist die hier in verkleinerter Form wiedergegebene «An weisung für die Lehrer in der auf Unkosten der Aufmunterungsgesellschaft in Basel errichteten Nähschule» entnommen. Vergeblich sucht man auf diesen 14 Seiten allerdings den Namens des Autors, Isaak Iselin. Dass der Gründer der GGG aber tatsächlich die Anweisung verfasst hat, geht aus dem Jahresbericht für das Jahr 1779 hervor, in dem im Zusammenhang mit der ersten Nähschule auch die «gedruckte Anweisung von Herr Dr. Raths schreiber Iselin für die Lehrer dieser Schule» erwähnt wird.
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täglich einer Stunde Unterricht (im Sommer von sechs bis sieben Uhr morgens vor Arbeitsbeginn, in der übrigen Zeit während der Mittagspause). Eine höhere Schule gab es nur für Knaben: das sechsjährige Gymnasium. Obwohl die Nähschulen eine der bedeutendsten jährlichen Ausgaben der GGG ausmachten, blieb ihr Nutzen jahrzehntelang unbestritten. In den Jahresberichten dominieren die Erfolgsmeldungen, auch wenn gelegentlich geklagt wird, den Schülerinnen mangle es an Fleiss und Lernbegierde und die Eltern würden sie unter nich tigem Vorwand zu Hause behalten und nicht zu Gehorsam und Anstand erziehen. Erst im Zusammenhang mit der Ausarbeitung des Mädchenschulgesetzes von 1822 diskutierte die GGG in mehreren Sitzungen, ob die Nähschulen in ihrem gegenwärtigen Zustand noch zeitgemäss seien. Man beschloss aber, die Auswirkungen der verbesserten Mädchenbildung (u.a. vier Schuljahre) auf die Nähschulen abzuwarten. 1828 wurde dann die Anweisung von Isaak Iselin durch eine neue, detaillierte Ordnung ersetzt, wobei man an der Zielsetzung, nützliche Dienstboten und rechtschaffene Hausmütter heranzubilden, wortwörtlich festhielt. Am Grundkonzept der Nähschulen wurde nichts geändert, doch trug man der verbesserten Vorbildung der Mädchen insofern Rechnung, als man fortgeschrittenen Schülerinnen die Verkürzung der Lernzeit von zwei Jahren Nähschule auf eineinhalb Jahre oder ein Jahr, ergänzt durch ein halbes Jahr Flickschule, ermöglichte. Um zu gewährleisten, dass die Eltern ihre Töchter nicht vorzeitig aus der Schule nahmen, war eine Kaution von acht Franken zu hinterlegen. Der «wissenschaftliche Unterricht» wurde für alle vier Nähschulen zusammen in ein separates Lokal verlegt und ausgebaut, das heisst, die Schülerinnen erhielten insgesamt sechs Stunden Lesen, Schreiben und Rechnen, und zwar aufgeteilt in zwei Klassen mit unterschiedlichem Leistungsniveau. Fest verankert wurde in der Ordnung schliesslich eine Neuerung, die sich 1817 eingebürgert hatte: die Beaufsichtigung der Nähschulen durch Frauenvereine. Sinkende Schülerinnenzahlen machten aber bereits 1831 die Reduktion auf zwei Nähschulen notwendig, und 1842 hob man sie gänzlich auf, da sie nur noch von vier Schülerinnen besucht wurden. Als Hauptgrund für den Rückgang ortete die zuständige GGG-Kommission schon 1838 die «Verlockung des Fabriklohns für die Eltern und des Fabriklebens für die Töchter»; dadurch würden die Hoffnungen, in den Nähschulen gute, brave Hausmütter und tüchtige Arbeiterinnen zu bilden, radikal zerstört. Fabrikmädchen würden weder das eine noch das andere, die Sittlichkeit gehe grossenteils unter. Weiter verwies die Kommission auf das Gesetz von 1838, das die Eltern verpflichtete, ihre Kinder vom sechsten bis zum zwölften Lebensjahr in die Schule zu schicken. «Vor fernern 21/2 Jahren in die Nähschule graut den Blinden, die nur auf den Augenblick der Gegenwart schauen.» Aus objektiver Sicht kann man festhalten, dass die Nähschulen keinem Bedürfnis mehr entsprachen, was einerseits auf die Verbesserung der öffentlichen Mädchenbildung zurückgeführt werden kann und andrerseits darauf, dass das Hauptziel der Nähschulen, die Heranbildung von Dienstboten, überholt war. 37 Jahre später sollte die Ausbildung in weiblichen Arbeiten dann wieder zum Thema für die GGG werden, wenn auch nicht mehr für «arme Mägdlein», sondern für «Töchter aus mittleren Ständen» im Alter von 17 bis 22 Jahren.
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Teil 1: 130 Jahre Schulgeschichte
Abb. S. 17: Ein Kurs fßr angehende Kochlehrerinnen findet im Garten des Hauptgebäudes statt.
1879–1894: «Segen ist der Mühe Preis»1 Basel befand sich inmitten eines starken Veränderungsprozesses, als 1879 die Frauen arbeitsschule (FAS) gegründet wurde. Durch Einwanderung war die Stadt in den vorausgehenden zehn Jahren um fast ein Drittel auf 60 000 Einwohner gewachsen, um 1900 betrug die Bevölkerungszahl bereits über 100 000.2 Diese Entwicklung hatte Einfluss auf verschiedene gesellschaftliche Bereiche. Der öffentliche Verkehr beispielsweise wurde 1879 noch mit Kutschen bestritten, in den folgenden Jahren wurden diese jedoch durch einen Tramomnibus, der von Pferden gezogen wurde, und durch ein elektrisches Oberleitungstram ergänzt. Die erste Tramlinie führte vom Centralbahnhof, dem heutigen Bahnhof SBB, über die Mittlere Brücke bis zum Badischen Bahnhof. Es wurde auch um ein Kanalisationsgesetz gestritten, denn Abwässer wurden zum grossen Teil in den Birsig geleitet, der noch offen durch die Stadt floss. Da die Bevölkerung und demnach auch die Menge an Abwässern stark zugenommen hatten, war der kleine Fluss immer wieder zu einem Seuchenherd geworden.3 Auch im Bildungsbereich fand eine markante Entwicklung statt: 1880 trat ein neues Schulgesetz in Kraft, das als Beginn des modernen Basler Bildungswesens gilt.4 Mit dem Gesetz wurde unter anderem eine achtjährige Schulpflicht festgelegt sowie die Unentgeltlichkeit für alle Schulen garantiert. In diese Zeit der wachsenden Staatsaufgaben fiel die Gründung der FAS. Im Gegensatz zu diversen anderen Projekten ging dieses jedoch nicht auf staatliche, sondern auf private Initiative zurück. Eine erste Anregung an die Adresse der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) ging von der Zeichen- und Modellierschule aus, da sich bei ihr mehr und mehr Frauen «zur Unterweisung in weiblichen Arbeiten» gemeldet hatten.5 Die Zeichen- und Modellierschule, sozu sagen das Pendant zur FAS für die typischen Männerberufe, war bereits von der GGG gegründet worden. Mit der Verstaatlichung von 1886 wurde sie zur Allgemeinen Gewerbeschule (AGS). Kurze Zeit später wandte sich Carl Schmid-Linder, Lehrer an der Mädchen sekundarschule, ebenfalls mit der Anregung, eine Frauenarbeitsschule zu gründen, an die GGG. Diese nahm das Anliegen auf, passte es doch bestens in das eigene Selbstverständnis. Bei ihrer Gründung 1777 hatte sie sich dazu verpflichtet, Lücken im öffentlichen Schulwesen auszufüllen, und solche Lücken bestanden vor allem in der Mädchenbildung.6 In Basel gab es damals nur zwei öffentliche Mädchenschulen – St. Martin und Lindenberg –, beide mit einem schlechten Ruf. Sie wurden meist nur von armen Mädchen besucht. Zudem gab es unentgeltliche Armenschulen, in denen Mädchen, die in Fabriken arbeiteten, täglich eine Stunde unterrichtet wurden. Töchter aus reichen Familien oder des Mittelstandes wurden zuhause von Gouvernanten, Privatlehrern oder in Privatinstituten ausgebildet. Vermutlich gab es im 18. Jahrhundert in Basel schon verschiedene private Arbeitsschulen.7 Die GGG ihrerseits gründete unentgeltliche Nähschulen, in denen Töchter armer Eltern eine praktische Vorbereitung auf die spätere Tätigkeit als Hausfrau oder Dienstmagd erhielten (vgl. Beitrag Belleville Wiss in diesem Band). 1781 war
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Abb. 1: Carl Schmid-Linder (1826–1911), Gründer und erster Vorsteher der FAS (1879–1904).
ereits eine Töchterschule gegründet worden, nach zwei Jahren musste der Versuch b jedoch abgebrochen werden. Und eine französische Nähschule, die 1787 entstand, existierte sogar nur ein Jahr. 1812 schliesslich wurde zum zweiten Mal eine Töchterschule gegründet, die dann auch Bestand hatte. Nun wollte die GGG einen weiteren wichtigen Schritt in der Mädchenbildung unterstützen. Sie berief also eine Kommission ein, welche die Gründung der Frauenarbeitsschule vorbereiten und die Schule danach begleiten sollte. Präsident dieser Kommission wurde Carl Schmid-Linder. Dies war eine logische Wahl, denn einerseits war der unmittelbare Anstoss zur Gründung der FAS von ihm ausgegangen, andererseits kannte er Frauenarbeitsschulen aus seiner deutschen Heimat Württemberg, wo diese bereits verbreitet w aren. Schmid-Linder wurde auch die pädagogische Leitung der Schule übertragen. Er unterrichtete zwar weiterhin an der Mädchensekundarschule, wurde aber auch erster Vorsteher der Frauenarbeitsschule. In einem Rückblick auf die ersten 15 Jahre der Schule würdigt er die Kommissionsmitglieder. Es sei «der Erfahrung, dem Ansehen und dem Gewicht jener Männer zuzuschreiben, dass die Kommission überall offene Türen fand, dass ihre Vorschläge überall mit Wohl wollen aufgenommen und die Geldmittel zur Ausführung gefunden wurden».8 Neben Schmid-Linder waren dies Dr. Carl Felix Burckhardt, Mitglied des Er ziehungsrats, Herr Hoffmann-Burckhardt, Vorsteher der Zeichenschule, Herr Sarasin-Thiersch und Herr Weissbrod, dessen Rat beim Zeichenunterricht wirken sollte.9
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