Denkmalpflege im Thurgau 14
Herausgegeben vom Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Schriftleitung: Beatrice Sendner Redaktion: Felicitas Meile
Der 14. Band stellt das Werden und Wirken der Denkmal Stiftung Thurgau näher vor. Die Stiftung hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens Erstaunliches geleistet. Sie wurde mit dem Ziel gegründet, wichtige historische Bauten insbesondere dort zu erhalten und zu restaurieren, wo die Möglichkeiten von öffentlichen und privaten Institutio nen nicht ausreichen. In diesem Sinne hat die Stiftung in Romanshorn zwei gefährdete «Fischerhäuser» erworben, nach strikt denkmalpflegerischen Grundsätzen restauriert und als Ferienwohnungen nutzbar gemacht. Als zweites Standbein führt die Denkmal Stiftung Thurgau in Schönenberg ein Lager für historische Baumaterialien, von dem rege Gebrauch gemacht wird. Der zweite Teil des Bandes berichtet aus der Tätigkeit im Bereich der Gebäude inventare und über deren Neuerungen. Im Kapitel «Blick in die Kunstdenkmäler forschung» erfährt man Überraschendes aus der bisherigen Archivrecherche. Weiter werden die wichtigsten Restaurierungen vorgestellt, die 2011 im Thurgau abgeschlos sen wurden, und Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger berichten aus ihrem oft
Helen Bachmann, Gebäudeinventarisatorin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Christian Coradi, Leiter Gebäudeinventarisation im Amt für Denkmalpflege des Kan tons Thurgau Ruedi Elser, Denkmalpfleger im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Peter Erni, Kunstdenkmälerautor im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Urs Fankhauser, Denkmalpfleger im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Beat Haag, Chef des Amtes für Raumplanung des Kantons Thurgau von 1986 bis 2006, Stettfurt Bettina Hedinger, Denkmalpflegerin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Denise Hug, Gebäudeinventarisatorin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Birgit Seidenfuss, Gebäudeinventarisatorin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Beatrice Sendner, Chefin des Amtes für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Valeria Sia, Verwaltungsökonomin, Schönenberg an der Thur Monika Zutter, Denkmalpflegerin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau
Bisher erschienen: Denkmalpflege im Thurgau 1 : Kloster Fischingen. Die Restaurierung der barocken Prälatur, 2000 Denkmalpflege im Thurgau 2 : Scheunen ungenutzt – umgenutzt, 2001 Denkmalpflege im Thurgau 3 : Kartause Ittingen – von einst zu jetzt, 2002 Denkmalpflege im Thurgau 4 : Ein Blick ins Paradies. Bau- und Restaurierungsgeschichte der Klosterkirche St. Michael in Paradies, 2003 Denkmalpflege im Thurgau 5 : Albert Knoepfli – erster Denkmalpfleger des Kantons Thurgau, 2003 Denkmalpflege im Thurgau 6 : Sie bauten den Thurgau: Die Architekten Brenner, 2004 Denkmalpflege im Thurgau 7 : Bauerngärten im Thurgau, 2005 Denkmalpflege im Thurgau 8 : Glanzstücke. Gold- und Silberschmiedekunst aus Thurgauer Werkstätten, 2006 Denkmalpflege im Thurgau 9 : Die Alte Thurbrücke von Bischofszell und ihre Instandsetzung 1999 bis 2006, 2007 Denkmalpflege im Thurgau 10 : Neues Licht auf Fischingen. Die Restaurierung der Klosterkirche 2000 bis 2008, 2008 Denkmalpflege im Thurgau 11 : wie bist du so schön. 50 Jahre Thurgauer Siedlung und Landschaft im Wandel, 2010 Denkmalpflege im Thurgau 12 : Max Burkhardt. Vom Dekorationsmaler zum Fotograf, 2010 Denkmalpflege im Thurgau 13 : Höher bauen im Thurgau. Ein Blick für die Zukunft, 2011
wechselvollen Alltag.
Restaurierungen: Aadorf, Sulzerhof Amriswil, Alpenstrasse 7 Amriswil, Schloss Hagenwil BasadingenSchlattingen, altes Schulhaus in Basadingen Erlen, Buchackernstrasse 2 Ermatingen, Untere Seestrasse 57 Frauenfeld, «Zum Licht» Frauenfeld, «Ochsen» Gachnang, Gachnangerstrasse 5 in Islikon Gottlieben, «Drachenburg» Horn, Primarschulhaus Kreuzlingen, Polizeigebäude Kreuzlingen, Konstanzerstrasse 3 Kreuzlingen, Schmittenstrasse 3 Münsterlingen, Abdankungshalle
Münsterlingen, Schulstrasse 10 in Landschlacht Roggwil, «Kreuzegg» Romanshorn, Neuhofstrasse 67 Salenstein, «Dependance» Schloss Arenenberg Steckborn, evangelische Kirche Wagenhausen, «Schlössli» ZihlschlachtSitterdorf, evangelische Kirche in Sitterdorf Aus dem wechselvollen denkmal pflegerischen Alltag : Arbon, «Breitehof» Arbon, Fotoatelier und Wirtschaft Locher Kreuzlingen, «Löwen» Tägerwilen, Egelbachstrasse 3
ISBN 9783796528873
Schwabe Verlag Basel
DPTG_14_Umschlag.indd 1
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Denkmalpflege im Thurgau 14
Ein Fall für … Die Denkmal Stiftung Thurgau
Denkmalpflege im Thurgau 14
Erhalt und Pflege historischer Bauten ist eine Aufgabe, an der nicht nur staatliche Stellen und private Vereine mitwirken. An erster Stelle steht der Eigentümer. Doch es gibt Fälle, in denen ein privater Eigentümer überfordert ist. In England und in Deutschland bewähren sich in dieser Situation seit Jahrzehnten der National Trust und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Nun hat auch der Thurgau eine vergleich bare Institution, deren Zweck es ist, wichtige historische Bauten insbesondere dort zu erhalten und zu restaurieren, wo die Möglichkeiten von öffentlichen und privaten Institutionen nicht ausreichen. Obwohl erst 2004 gegründet, hat die Denkmal Stif tung Thurgau ihre Feuerprobe bereits bestanden. Sie hat in Romanshorn zwei vom Abbruch bedrohte Fischerhäuser erworben und nach strikt denkmalpflegerischen Grundsätzen restauriert. Die beiden Häuser sind über die Stiftung Ferien im Baudenk mal in kurzer Zeit zu einem wichtigen Aushängeschild für den Tourismus am Boden see geworden. Schweizweit eine Besonderheit ist das Lager für historische Baumaterialien, wel ches die Denkmal Stiftung Thurgau an zentraler Lage in Schönenberg führt. Sie über nahm die bislang unbewirtschaftete Materialsammlung des Amtes für Denkmalpflege, ordnete die Bestände und ergänzt sie seitdem durch überwiegend anonymes Baumate rial, das aus Abbrüchen geborgen wird. Allmählich entstand so ein Sortiment, das rege nachgefragt wird und dessen Verwendung denkmalpflegerischen Kriterien entspricht. Das Bauteillager ist heute Anlaufstelle für alle Architekten, Handwerker und Bauher ren, die für die Restaurierung historischer Bauten fehlende Einzelteile suchen. So ist die unabhängige Denkmal Stiftung Thurgau innert weniger Jahre zu einem wichtigen Partner bei der Erhaltung des kulturellen Erbes geworden.
Denkmalpflege im Thurgau 14
Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes
Ein Fall für… Die Denkmalpflege Thurgau
Denkmalpflege im Thurgau 14
Schwabe Verlag Basel
03.09.12 14:52
Denkmalpflege im Thurgau 14
Herausgegeben vom Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Schriftleitung: Beatrice Sendner Redaktion: Felicitas Meile
Der 14. Band stellt das Werden und Wirken der Denkmal Stiftung Thurgau näher vor. Die Stiftung hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens Erstaunliches geleistet. Sie wurde mit dem Ziel gegründet, wichtige historische Bauten insbesondere dort zu erhalten und zu restaurieren, wo die Möglichkeiten von öffentlichen und privaten Institutio nen nicht ausreichen. In diesem Sinne hat die Stiftung in Romanshorn zwei gefährdete «Fischerhäuser» erworben, nach strikt denkmalpflegerischen Grundsätzen restauriert und als Ferienwohnungen nutzbar gemacht. Als zweites Standbein führt die Denkmal Stiftung Thurgau in Schönenberg ein Lager für historische Baumaterialien, von dem rege Gebrauch gemacht wird. Der zweite Teil des Bandes berichtet aus der Tätigkeit im Bereich der Gebäude inventare und über deren Neuerungen. Im Kapitel «Blick in die Kunstdenkmäler forschung» erfährt man Überraschendes aus der bisherigen Archivrecherche. Weiter werden die wichtigsten Restaurierungen vorgestellt, die 2011 im Thurgau abgeschlos sen wurden, und Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger berichten aus ihrem oft
Helen Bachmann, Gebäudeinventarisatorin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Christian Coradi, Leiter Gebäudeinventarisation im Amt für Denkmalpflege des Kan tons Thurgau Ruedi Elser, Denkmalpfleger im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Peter Erni, Kunstdenkmälerautor im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Urs Fankhauser, Denkmalpfleger im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Beat Haag, Chef des Amtes für Raumplanung des Kantons Thurgau von 1986 bis 2006, Stettfurt Bettina Hedinger, Denkmalpflegerin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Denise Hug, Gebäudeinventarisatorin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Birgit Seidenfuss, Gebäudeinventarisatorin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Beatrice Sendner, Chefin des Amtes für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Valeria Sia, Verwaltungsökonomin, Schönenberg an der Thur Monika Zutter, Denkmalpflegerin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau
Bisher erschienen: Denkmalpflege im Thurgau 1 : Kloster Fischingen. Die Restaurierung der barocken Prälatur, 2000 Denkmalpflege im Thurgau 2 : Scheunen ungenutzt – umgenutzt, 2001 Denkmalpflege im Thurgau 3 : Kartause Ittingen – von einst zu jetzt, 2002 Denkmalpflege im Thurgau 4 : Ein Blick ins Paradies. Bau- und Restaurierungsgeschichte der Klosterkirche St. Michael in Paradies, 2003 Denkmalpflege im Thurgau 5 : Albert Knoepfli – erster Denkmalpfleger des Kantons Thurgau, 2003 Denkmalpflege im Thurgau 6 : Sie bauten den Thurgau: Die Architekten Brenner, 2004 Denkmalpflege im Thurgau 7 : Bauerngärten im Thurgau, 2005 Denkmalpflege im Thurgau 8 : Glanzstücke. Gold- und Silberschmiedekunst aus Thurgauer Werkstätten, 2006 Denkmalpflege im Thurgau 9 : Die Alte Thurbrücke von Bischofszell und ihre Instandsetzung 1999 bis 2006, 2007 Denkmalpflege im Thurgau 10 : Neues Licht auf Fischingen. Die Restaurierung der Klosterkirche 2000 bis 2008, 2008 Denkmalpflege im Thurgau 11 : wie bist du so schön. 50 Jahre Thurgauer Siedlung und Landschaft im Wandel, 2010 Denkmalpflege im Thurgau 12 : Max Burkhardt. Vom Dekorationsmaler zum Fotograf, 2010 Denkmalpflege im Thurgau 13 : Höher bauen im Thurgau. Ein Blick für die Zukunft, 2011
wechselvollen Alltag.
Restaurierungen: Aadorf, Sulzerhof Amriswil, Alpenstrasse 7 Amriswil, Schloss Hagenwil BasadingenSchlattingen, altes Schulhaus in Basadingen Erlen, Buchackernstrasse 2 Ermatingen, Untere Seestrasse 57 Frauenfeld, «Zum Licht» Frauenfeld, «Ochsen» Gachnang, Gachnangerstrasse 5 in Islikon Gottlieben, «Drachenburg» Horn, Primarschulhaus Kreuzlingen, Polizeigebäude Kreuzlingen, Konstanzerstrasse 3 Kreuzlingen, Schmittenstrasse 3 Münsterlingen, Abdankungshalle
Münsterlingen, Schulstrasse 10 in Landschlacht Roggwil, «Kreuzegg» Romanshorn, Neuhofstrasse 67 Salenstein, «Dependance» Schloss Arenenberg Steckborn, evangelische Kirche Wagenhausen, «Schlössli» ZihlschlachtSitterdorf, evangelische Kirche in Sitterdorf Aus dem wechselvollen denkmal pflegerischen Alltag : Arbon, «Breitehof» Arbon, Fotoatelier und Wirtschaft Locher Kreuzlingen, «Löwen» Tägerwilen, Egelbachstrasse 3
ISBN 9783796528873
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Denkmalpflege im Thurgau 14
Ein Fall für … Die Denkmal Stiftung Thurgau
Denkmalpflege im Thurgau 14
Erhalt und Pflege historischer Bauten ist eine Aufgabe, an der nicht nur staatliche Stellen und private Vereine mitwirken. An erster Stelle steht der Eigentümer. Doch es gibt Fälle, in denen ein privater Eigentümer überfordert ist. In England und in Deutschland bewähren sich in dieser Situation seit Jahrzehnten der National Trust und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Nun hat auch der Thurgau eine vergleich bare Institution, deren Zweck es ist, wichtige historische Bauten insbesondere dort zu erhalten und zu restaurieren, wo die Möglichkeiten von öffentlichen und privaten Institutionen nicht ausreichen. Obwohl erst 2004 gegründet, hat die Denkmal Stif tung Thurgau ihre Feuerprobe bereits bestanden. Sie hat in Romanshorn zwei vom Abbruch bedrohte Fischerhäuser erworben und nach strikt denkmalpflegerischen Grundsätzen restauriert. Die beiden Häuser sind über die Stiftung Ferien im Baudenk mal in kurzer Zeit zu einem wichtigen Aushängeschild für den Tourismus am Boden see geworden. Schweizweit eine Besonderheit ist das Lager für historische Baumaterialien, wel ches die Denkmal Stiftung Thurgau an zentraler Lage in Schönenberg führt. Sie über nahm die bislang unbewirtschaftete Materialsammlung des Amtes für Denkmalpflege, ordnete die Bestände und ergänzt sie seitdem durch überwiegend anonymes Baumate rial, das aus Abbrüchen geborgen wird. Allmählich entstand so ein Sortiment, das rege nachgefragt wird und dessen Verwendung denkmalpflegerischen Kriterien entspricht. Das Bauteillager ist heute Anlaufstelle für alle Architekten, Handwerker und Bauher ren, die für die Restaurierung historischer Bauten fehlende Einzelteile suchen. So ist die unabhängige Denkmal Stiftung Thurgau innert weniger Jahre zu einem wichtigen Partner bei der Erhaltung des kulturellen Erbes geworden.
Denkmalpflege im Thurgau 14
Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes
Ein Fall für… Die Denkmalpflege Thurgau
Denkmalpflege im Thurgau 14
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Denkmalpflege im Thurgau | 14
Ein Fall für … Die Denkmal Stiftung Thurgau
Herausgegeben vom Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau
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Die Publikation dieses Buches wurde unterstützt durch: Dr. Heinrich Mezger-Stiftung TKB Jubiläums-Stiftung Denkmal Stiftung Thurgau Gemeinde Kradolf-Schönenberg Gemeinde Romanshorn Doris Warger, Frauenfeld STUTZ AG Bauunternehmungen St.Gallen / Frauenfeld / Hatswil Martin Vock AG, Weinfelden Curau AG, Weinfelden Bischof Partner Architektur AG, Romanshorn Vreni Scheible, Romanshorn
Copyright © 2012 Schwabe AG, Verlag, Basel, Schweiz, und Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau. Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Schriftleitung: Beatrice Sendner Redaktion und Lektorat: Felicitas Meile Titelbild: Lukas Fleischer, Weinfelden Gestaltung und Satz: Atelier Mühlberg, Basel Schriften: Berthold Akzidenz Grotesk und Sabon Papier: PhoeniXmotion Xantur mattgestrichen naturweiss 135 gr., Papierfabrik Scheufelen, D-Lenningen Lithos: Schwabe AG, Muttenz Gesamtherstellung: Schwabe AG, Muttenz/Basel, Schweiz Printed in Switzerland ISBN 978-3-7965-2887-3 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch
5 Inhaltsverzeichnis
Vorwort . ... ........ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
9
Jakob Stark Ein Fall für … Die Denkmal Stiftung Thurgau Beat Haag Bettina Hedinger Beatrice Sendner Valeria Sia Die Denkmal Stiftung Thurgau .........................................................
Denkmäler erkennen und pflegen ................................................. Was ist überhaupt ein Denkmal? .............................................. Die gesetzlichen Grundlagen .................................................. Das Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau und seine Aufgaben ............................................................ Der Thurgauer Heimatschutz – seit über 100 Jahren im Dienst ............ Die Denkmal Stiftung Thurgau – von der Idee bis heute ....................... Die Gründung der Denkmal Stiftung Thurgau ............................... Von Anfang an Hand in Hand ................................................ Vom Aufbau zum Betrieb ...................................................... Die Seele des Betriebs .......................................................... Dem baulichen Erbe eine Zukunft geben ........................................
13 13 13 13 14 14 15 16 17 18 24 24
Zwei Probleme – eine Lösung: das Lager für historische Baumaterialien der Denkmal Stiftung Thurgau .........................................................
Die Bauteillager des Amtes für Denkmalpflege .................................. Historische Baumaterialien im Thurgau ......................................... Erfahrungen aus dem Betrieb des Lagers für historische Baumaterialien ...... Denkmalethische Fragen .......................................................... Ziele, Wünsche und Visionen ..................................................... Die Restaurierung der «Fischerhäuser» in Romanshorn .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Romanshorn vor der Eisenbahn .................................................. Ein kleines Fischerdorf ......................................................... Siedlungsstruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bildquellen zur Romanshorner Baukultur .................................... Bautypologie: Bohlenständerbau .............................................. Erkenntnisse zu den Baudaten .................................................
26 26 30 32 34 35 38 38 38 39 40 41 42
6 Ein Fall für… Die Denkmal Stiftung Thurgau
Die Häuser des Schiffmanns Jakob Züllig und des August Zeller .............. Quartiermikrostruktur ......................................................... Beschreibung des ursprünglichen Doppelhauses ............................. Beschreibung der Rislenstrasse 4 .............................................. Beschreibung der Mittleren Gasse 11 .......................................... Weitere Baugeschichte .......................................................... Besitzer- und Nutzungsgeschichte ............................................. Wechselvolles Schicksal ............................................................ Handänderungen und Projekte seit den 1970er-Jahren ..................... Inventare und gesetzlicher Schutz ............................................. Private Initiativen .............................................................. Rettung durch die Denkmal Stiftung Thurgau ............................... Restaurierung ....................................................................... Bauliches Konzept .............................................................. Umsetzung .................................. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Farbkonzept ..................................................................... Didaktische Einblicke .......................................................... Möblierung ..................................................................... Neue Nutzung ..................................................................... Sommergäste ................................ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Winterpause .................................................................... Fazit ................................................................................. Beteiligte Unternehmer ............................................................ Finanzielle Unterstützung .........................................................
43 43 45 47 49 50 51 52 52 52 53 54 55 55 55 58 60 61 62 62 63 63 64 64
Literaturverzeichnis . ....................................................................
65
Aus der Denkmalkultur des Thurgaus Ergebnisse der Inventarisation
Helen Bachmann Christian Coradi Peter Erni Denise Hug Birgit Seidenfuss Hinweisinventar 2011 ............................................................. Ausserordentliche Überprüfung von Gebäudeeinstufungen .................... Die Denkmaldatenbank geht ins Internet – eine Schweizer Premiere .......... Blick in die Kunstdenkmälerforschung ...........................................
70 72 76 78
7 Inhaltsverzeichnis
Im Jahr 2011 abgeschlossene Restaurierungen
Ruedi Elser Urs Fankhauser Bettina Hedinger Monika Zutter
Aadorf, Sulzerhof . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 Amriswil, Alpenstrasse 7 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Amriswil, Schloss Hagenwil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 Basadingen-Schlattingen, altes Schulhaus in Basadingen . . . . . . . . . .............. 88 Erlen, Buchackernstrasse 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 Ermatingen, Untere Seestrasse 57 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 Frauenfeld, «Zum Licht» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 Frauenfeld, «Ochsen» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 Gachnang, Gachnangerstrasse 5 in Islikon . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Gottlieben, «Drachenburg» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 Horn, Primarschulhaus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101 Kreuzlingen, Polizeigebäude . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 Kreuzlingen, Konstanzerstrasse 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Kreuzlingen, Schmittenstrasse 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 Münsterlingen, Abdankungshalle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Münsterlingen, Schulstrasse 10 in Landschlacht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ............. 109 Roggwil, «Kreuzegg» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 Romanshorn, Neuhofstrasse 67 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 Salenstein, «Dependance» Schloss Arenenberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ............. 114 Steckborn, evangelische Kirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Wagenhausen, «Schlössli» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Zihlschlacht-Sitterdorf, evangelische Kirche in Sitterdorf . . . . . . . . .............. 120
Aus dem wechselvollen denkmalpflegerischen Alltag
Urs Fankhauser Bettina Hedinger
Arbon, «Breitehof» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Arbon, Fotoatelier und Wirtschaft Locher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kreuzlingen, «Löwen» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tägerwilen, Egelbachstrasse 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
122 124 128 130
Bildnachweis ...... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132
9 Ein Fall für… Die Denkmal Stiftung Thurgau
Ein Fall für … Die Denkmal Stiftung Thurgau Der Titel dieser Publikation sagt es: Es gibt Fälle, die kann in unserem Kanton nur eine lösen – die Rede ist von der Denkmal Stiftung Thurgau. 2004 gegründet, ist diese zum Erhalt und zur Pflege von historischem Baumaterial und von historischen Bauten im Thurgau unabdingbar geworden. Sie ergänzt die Tätigkeiten des kantonalen Amtes für Denkmalpflege dort, wo diesem die personellen und finanziellen Ressourcen fehlen oder wo kein Privater die Möglichkeit hat oder bereit ist, die Verantwortung für das historische Erbe zu tragen. Der Titel «Ein Fall für …» weckt sofort auch die Assoziationen «es wird schwierig» und «es wird spannend». Genau dies trifft auf die Aufgaben und Herausforderungen der Denkmal Stiftung Thurgau zu, welche die Stiftung bisher hervorragend bewältigt hat. Das gibt Zuversicht und Mut, auch die zukünftigen «Fälle» anzupacken und zu lösen. «Werte erkennen. Substanz pflegen. Zukunft schaffen.» So umschreibt der Stiftungsrat sein Wirken selber. Ein höchst erfreuliches Beispiel dafür ist die Restaurierung der «Fischerhäuser» in Romanshorn. Wer hätte sich noch vor wenigen Jahren ausgemalt, dass aus den unbewohnten, verwahrlosten Häusern mit Leckstellen im Dach und Brombeerranken, die durch die Fenster in die Räume wuchsen, das wird, was es heute ist: eine schweizweit gefragte Adresse für Ferien im Baudenkmal. Möglich wurde dies dank dem Engagement zahlreicher Personen und dank Spenden im Umfang von rund einer halben Million Franken. Weiter widmet sich die Denkmal Stiftung Thurgau der Fülle von kulturhistorisch wertvollem Baumaterial, das bei Abbrüchen und Umbauten verloren zu gehen droht: Zu nennen sind hier nicht nur die schönen Kachelöfen und Türbeschläge, sondern auch Biberschwanzziegel oder Eichenbalken und vieles andere mehr. Die Denkmal Stiftung Thurgau hat mit ihrem Lager für historisches Baumaterial, das inzwischen bereits zwei grosse, stattliche Scheunen in Schönenberg füllt, zwei unverzichtbare Angebote geschaffen. Erstens das Angebot an alle, die Gebäude mit historischer Bausubstanz abbrechen, die wertvollen Baumaterialien ans Bauteillager abzugeben. Dies kommt immer häufiger vor, und es ist zu wünschen, dass es bald keine Gemeinde mehr gibt, welche in ihren Abbruchbewilligungen nicht auf das historische Bauteillager der Denkmal Stiftung Thurgau hinweist. Zweitens das Angebot an alle, die historische Bauteile wiederverwenden möchten, im Bauteillager in Schönenberg nachzusehen und einzukaufen. In diesem Sinne ist in Schönenberg ein moderner «Fachmarkt für historische Bauteile» entstanden, der sich ausserordentlich gut entwickelt hat und dem es gelingt, positive Abschlüsse zu erwirtschaften. Band 14 in der Reihe «Denkmalpflege im Thurgau» widmet sich auf den folgenden Seiten dem Entstehen und Wirken der Denkmal Stiftung Thurgau und insbesondere
10 Vorwort
auch der Geschichte und Gegenwart der «Fischerhäuser» in Romanshorn. An dieser Stelle gilt mein Dank allen, die zur Entstehung und positiven Entwicklung der Denkmal Stiftung Thurgau beigetragen haben und weiter beitragen. Namentlich erwähnen möchte ich deren Präsident, Beat Haag, die kantonale Denkmalpflegerin, Beatrice Sendner, sowie den Generalsekretär des Departementes für Bau und Umwelt, Marco Sacchetti. Für den erfolgreichen Betrieb des Bauteillagers sei zudem Betriebsleiter Josef Kesseli herzlich gedankt sowie der Standortgemeinde Kradolf-Schönenberg unter der Leitung von Gemeindeammann Walter Schönholzer für die gute und grosszügige Zusammenarbeit. Als Chef des Departementes für Bau und Umwelt bin ich gespannt, wenn es das nächste Mal heisst: «Ein Fall für … Die Denkmal Stiftung Thurgau». Jakob Stark Regierungsrat, Chef Departement für Bau und Umwelt
Ein Fall fßr ‌ Die Denkmal Stiftung Thurgau
Beat Haag Bettina Hedinger Beatrice Sendner Valeria Sia
13 Ein Fall für… Die Denkmal Stiftung Thurgau
Valeria Sia
Die Denkmal Stiftung Thurgau
Beat Haag
Die Denkmal Stiftung Thurgau hilft mit, historisches Erbe im Kanton zu bewahren. Kulturhistorisch wertvolles Baumaterial birgt sie bei Abbrüchen und Umbauten historischer Liegenschaften und bereitet diese zur denkmalgerechten Wiederverwendung auf. Mit den «Fischerhäusern» in Romanshorn hat sie ein gefährdetes historisches Gebäude erfolgreich restauriert und eine denkmalgerechte Nutzung ermöglicht. Die Denkmal Stiftung Thurgau ergänzt die Tätigkeiten des kantonalen Amtes für Denkmalpflege und des Thurgauer Heimatschutzes. Alle gemeinsam sorgen dafür, dass kulturelles Erbe des Kantons Thurgau an die nächste Generation weitergegeben werden kann. Denkmäler erkennen und pflegen
Um kulturelles Erbe erhalten und weitergeben zu können, muss es als Denkmal erkannt, geschützt und gepflegt werden. Es ist eine Aufgabe des Staates, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit engagierte private Personen und Organisationen in der Erhaltung des kulturellen Erbes beraten und unterstützt werden können. Was ist überhaupt ein Denkmal? Als Erstes muss die Gesellschaft den besonderen Wert eines meist ortsgebundenen Objektes aus der Vergangenheit erkennen. Ein Denkmal verfügt über einen landschaftlichen Stellenwert, eine gestalterische, handwerklich-technische oder wissenschaftliche Bedeutung und einen geschichtlichen Zeugniswert. Ein Denkmal soll auch eigene Tradition und Geschichte weiterhin lebendig und authentisch bezeugen. Abbildung 1 Die denkmalpflegerische Arbeit folgt deshalb international erarbeiteten Grundsätzen, die in Charten und Konventionen von ICOMOS ( International Council on Monuments and Sites) festgehalten wurden. Dem 1964 entstandenen Grundsatzpapier über die Erhaltung und Restaurierung von Denkmälern und Denkmalgebieten, der Charta von Venedig, folgten weitere, die sich mit der Denkmalpflege historischer Gärten und Landschaften sowie historischer Städte, mit dem Schutz und der Pflege des archäologischen Erbes, mit internationalem Kulturtourismus, historischen Holzkonstruktionen sowie mit Idiomen befassen. Die gesetzlichen Grundlagen Auf Bundesebene sind die Bereiche Heimatschutz und Denkmalpflege hauptsächlich in der Bundesverfassung, im Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz und in der einschlägigen Verordnung geregelt. Laut Art. 78 der Bundesverfassung sind die Kantone für den Natur- und Heimatschutz zuständig. Im Kanton Thurgau regelt die Verfassung in § 76, dass der Kanton und die Gemeinden «den Menschen und seine natürliche Umwelt vor schädlichen und lästigen Einwirkungen» schützen und sich für die Erhaltung der Ortsbilder sowie die Eigenart der
14 Ein Fall für… Die Denkmal Stiftung Thurgau
Der Wert eines historischen Baudenkmals muss immer wieder hervorgehoben werden. Oft geht es darum, um seine Existenz zu kämpfen. Um ein Haar hätte das für die Landesgeschichte des Thurgaus bedeutsame Gasthaus «Trauben» in Weinfelden 1959 einem modernen Geschäftsblock Platz machen müssen. Ein privates Komitee startete eine Rettungsaktion, so dass es das Haus kaufen und renovieren konnte.
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Landschaft» einsetzen. Schutz und Pflege der Natur, der Landschaft und des kulturgeschichtlichen Erbes sind im kantonalen Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Natur und der Heimat aus dem Jahr 1994 sowie in der dazugehörigen Verordnung des Regierungsrates detaillierter ausgeführt. Abbildung 2 Das Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau und seine Aufgaben Wenn es um Belange der Denkmalpflege geht, ist das Amt für Denkmalpflege, das zum Departement für Bau und Umwelt gehört, zuständige kantonale Fachstelle. Im Rahmen des Leistungsauftrags des Departementes inventarisieren und beraten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes, sie begleiten Restaurierungen und leisten Öffentlichkeitsarbeit. Beraten werden Bauherren, Planende und Behörden im Umgang mit alter Bausubstanz. Im Zusammenhang mit der Revision der Ortsplanung werden die Gemeinden bei der Umsetzung des «Hinweisinventars» von der kantonalen Denkmalpflege unterstützt und beraten. Der Thurgauer Heimatschutz – seit über 100 Jahren im Dienst Der Thurgauer Heimatschutz besteht als Verein seit 1907 und ist eine von insgesamt 25 Sektionen des Schweizer Heimatschutzes. Er sorgt dafür, dass wertvolle Baukultur erhalten und zeitgemässe, gute Architektur gefördert wird. Dank seinem Einsatz wurden
Die Thurgauer Stimmbürger haben das Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Natur und der Heimat am 21. Juni 1992 deutlich angenommen. Vor allem die Stimmberechtigen der Stadtgemeinden Arbon, Frauenfeld, Kreuzlingen und Weinfelden hiessen die Vorlage mit über 60 % gut. Seit diesem Erfolg stehen Heimatschutz und Denkmalpflege auf einer rechtlich soliden Basis. 2
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nicht wenige historische Bauten im Thurgau vor dem Abbruch bewahrt und mustergültig restauriert. Abbildung 3 Um die Bevölkerung für seine Ziele zu sensibilisieren, verleiht er seit 1992 den Thurgauer Heimatschutzpreis an Personen, die für den Erhalt historischer Bauten etwas Besonderes geleistet haben. Im Bereich des Natur- und Heimatschutzgesetzes ist der Thurgauer Heimatschutz einspracheberechtigte Organisation. Die Denkmal Stiftung Thurgau – von der Idee bis heute
3 Als privater Verein rettete der Thurgauer Heimatschutz Schloss Roggwil 1976 vor dem drohenden Abbruch, indem er es für den symbolischen Preis von einem Franken kaufte. Zusammen mit einer Roggwiler Arbeitsgruppe wurde das Schloss vorbildlich restauriert und ist seit 1978 Eigentum der Stiftung Schloss Roggwil.
Noch ist kein neues Leben in die Komturei Tobel eingekehrt. Das 1744–47 von Johann Caspar Bagnato erbaute Hauptgebäude ist das repräsentativste Bauwerk der Komturei. Aber auch für die Nebengebäude samt ihrem Umfeld müssen denkmalgerechte Nutzungen gefunden werden. 4
Erhalt und Pflege historischer Bauten ist eine Aufgabe, an der nicht nur staatliche Stellen und private Vereine mitwirken. An erster Stelle steht der Eigentümer. Doch nicht immer ist eine Privatperson in der Lage, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Für solche Probleme gibt es im Ausland gut funktionierende Stiftungen, die eine beachtliche Leistungsbilanz aufzuweisen haben, beispielsweise The National Trust in England und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Vor dem Hintergrund der offenen Zukunft der Komturei Tobel Abbildung 4 , eines grossen historischen Komplexes, für den der Kanton Thurgau als Eigentümer keine Nutzung mehr sah, verfolgte Beatrice Sendner, die Leiterin des Amtes für Denkmalpflege, seit 1999 die Idee, eine ähnliche Stiftung für den Thurgau zu schaffen. Diese Stiftung sollte den Erhalt und die Pflege historischer Bauten im Kanton Thurgau fördern, insbesondere dort, wo die Möglichkeiten von öffentlichen und privaten Institutionen nicht ausreichten. Beatrice Sendner erinnert sich, wie sie Generalsekretär Marco Sacchetti vom Departement für Bau und Umwelt anrief und sagte : «I have a dream!» Generalsekretär Sacchetti sicherte seine Unterstützung zu, und so legte Beatrice Sendner im März 2001 einen ersten Entwurf für die Stiftungsurkunde vor. Dabei galt es vor allem zu beachten, dass das Tätigkeitsfeld der zu gründenden
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5 Bereits 2002 zeichnete sich ab, dass die Hälfte der an sechs dezentralen Standorten geführten Bauteillager des Amtes für Denkmalpflege in absehbarer Zeit geräumt werden mussten. Eine gute Gelegenheit, das historische Baumaterial und dessen Bewirtschaftung der auf Beatrice Sendners Initiative hin zu gründenden Stiftung zu übertragen. Seit 2004 betreibt die Denkmal Stiftung Thurgau ihr historisches Bauteillager in der Scheune der Mühle Schönenberg.
Stiftung sich nicht mit den Aufgaben des Amtes für Denkmalpflege überschneidet und auch nicht in Konkurrenz zum Thurgauer Heimatschutz tritt. Zur gleichen Zeit wurde immer deutlicher, dass im Bereich der historischen Baumaterialien, die das Amt für Denkmalpflege über Jahrzehnte gesammelt hatte, dringender Handlungsbedarf bestand. Das Material war auf sechs Lager im ganzen Kanton verteilt, die jedoch aus personellen Gründen nicht bewirtschaftet werden konnten, so dass die Bauteile bei Bedarf nicht zur Verfügung standen. Es bot sich an, das historische Baumaterial als Teil eines Stiftungskapitals der zu gründenden Stiftung zu übereignen, die sich dann dieser Aufgabe annehmen könnte. Abbildung 5 Unterdessen zeichnete sich im Rahmen der Restaurierung der Liegenschaft «Mühle» in Kradolf-Schönenberg (vgl. Denkmalpflege im Thurgau 7, S.180 f.) ab, dass deren riesige Scheune sich als Lager für die historischen Bauteile hervorragend eignen würde – ein glückliches Zusammentreffen. Die Eigentümer waren interessiert und bereit, die Scheune entsprechend den Bedürfnissen eines solchen Lagers auszubauen. Die Gründung der Denkmal Stiftung Thurgau Am 16. März 2004 war es endlich so weit: Nachdem die kritischen Fragen betreffend der zukünftigen Finanzierung zur Zufriedenheit beantwortet waren, beschloss der Regierungsrat des Kantons Thurgau mit RRB Nr. 260, der zu gründenden Stiftung einen Betrag von 200 000 Franken als Stiftungskapital zur Verfügung zu stellen sowie der Übertragung des Eigentums an historischen Bauteilen aus den Beständen des Amtes für Denkmalpflege zuzustimmen. Er ernannte die Mitglieder des ersten Stiftungsrates unter dem Präsidium von Marco Sacchetti. Mit der Stiftungsurkunde vom 14. Dezember 2004 errichtete der Kanton Thurgau, vertreten durch Beatrice Sendner, unter dem Namen Denkmal Stiftung Thurgau eine
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selbständige Stiftung im Sinne von Art. 80 f. des schweizerischen Zivilgesetzbuches mit Sitz in Schönenberg. Mit Entscheid vom 10. August 2006 bewilligte das Departement für Finanzen und Soziales schliesslich auch das Gesuch der Denkmal Stiftung Thurgau um Steuerbefreiung im Sinne von § 75 Abs.1 Ziff. 7 StG für die Staats- und Gemeindesteuern sowie Art.56 lit. g DBG für die direkte Bundessteuer. Dieser Entscheid war für die Stiftung im Hinblick auf spätere Spendensammlungen von grosser Bedeutung.
Stiftungszweck gemäss Stiftungsurkunde «Die Denkmal Stiftung Thurgau fördert den Erhalt und die Pflege historischer Bauten im Kanton Thurgau. Die Stiftung erhält und restauriert wichtige historische Bauten, insbesondere dort, wo die Möglichkeiten von öffentlichen und privaten Institutionen nicht ausreichen. Sie fördert das Verständnis breiter Kreise der Bevölkerung für die Pflege des gebauten Erbes. Sie richtet ihre Tätigkeit strikt nach denkmalpflegerischen Grundsätzen aus. Die Stiftung kann insbesondere: – restaurierte historische Bauten übernehmen, die der Stiftung zur Sicherung einer zukünftigen denkmalgerechten Nutzung übertragen werden, – gefährdete historische Bauten von besonderer Bedeutung restaurieren, – ausserordentlich aufwendige Restaurierungen in Ergänzung zu den Beiträgen der öffentlichen Hand unterstützen, – Institutionen mit ähnlicher Zielsetzung unterstützen und vernetzen, – Öffentlichkeitsarbeit durch Publikationen und Anlässe betreiben, – Preise für besondere Leistungen in Erhalt und Pflege historischer Bauten verleihen, – historisches Baumaterial zur denkmalgerechten Wiederverwertung bergen und – Liegenschaften erwerben, Personal anstellen und Verträge abschliessen.»
Von Anfang an Hand in Hand Bereits am 24. März 2004 konnte eine schriftliche Vereinbarung zwischen der Denkmal Stiftung Thurgau in Gründung sowie den gegenwärtigen bzw. zukünftigen Eigentümern der als Standort des Bauteillagers vorgesehenen Scheune der Mühle Schönenberg, Stiftung Mühle Schönenberg und Arnold Produkte AG, unterzeichnet werden. Damit stellte man sicher, dass die Scheune entsprechend den Bedürfnissen der Denkmal Stiftung Thurgau renoviert und umgebaut wurde. Im Gegenzug verpflichtete sich die Denkmal Stiftung Thurgau, die Scheune samt drei Büroräumen im Hauptgebäude für die feste Dauer von fünf Jahren zu mieten. Gegen einen einmaligen Investitionsbetrag erhielt die Denkmal Stiftung Thurgau ein betraglich fixiertes und grundbuchlich gesichertes Kaufrecht an der Scheune. Zusätzlich erliess ihr die Stiftung Mühle Schönenberg die Mietkosten für das erste Halbjahr. Für die politische Gemeinde Kradolf-Schönenberg war ab diesem Zeitpunkt klar, dass damit ein weiterer wichtiger Schritt in der Rettung der Liegenschaft «Mühle» getan war. Die Gemeinde verdeutlichte ihr Interesse und die Wertschätzung gegenüber der Denkmal Stiftung Thurgau, indem sie die Mietkosten der Scheune für das zweite Halbjahr übernahm.
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Am 28. Januar 2005 fand die konstituierende Sitzung des Stiftungsrates statt. Der damalige Gemeindeammann von Kradolf-Schönenberg und heutige Chef des kantonalen Departementes für Bau und Umwelt, Jakob Stark, wurde zum Vizepräsidenten gewählt. Für das erste Geschäftsjahr nahm man sich die zweckmässige Strukturierung der Stiftungstätigkeit und die Zusammenführung der sechs dezentralen Lager der Denkmalpflege vor. Mit Josef Kesseli konnte sofort ein bestens qualifizierter Betriebsleiter des Lagers für historisches Baumaterial gewonnen werden. Weiter glaubte man, dass zusätzlich eine eigentliche Geschäftsführung erforderlich sei, um die Administration, die laufenden Geschäfte der Stiftung und insbesondere die Öffentlichkeitsarbeit zu besorgen. Eine für diese Aufgabe geeignete Person sollte gesucht werden, sobald das Bauteillager eingerichtet und die konkreten Bedürfnisse klar waren. In der Geschäftsentwicklung sah der Stiftungsrat drei Phasen vor : eine Aufbauphase in den Jahren 2005/2006, eine «Marketingphase» im Jahr 2007 und den Normalbetrieb ab dem Jahr 2008.
Zusammensetzung des Stiftungsrates bei der Gründung 2004 – Marco Sacchetti, lic. iur., Generalsekretär Departement für Bau und Umwelt, Frauenfeld ( Präsident ) – Jakob Stark, Dr. phil. I, Gemeindeammann, Kradolf-Schönenberg ( Vizepräsident ) – Claudia Mathias, Frauenfeld ( Rechnungsführerin ) – Samuel Rutishauser, Dr. phil. I, kantonaler Denkmalpfleger, Solothurn – Christoph Tobler, Dr. oec., Unternehmensberater, Arbon ( Protokollführung ) – Doris Warger, Restauratorin SKR, Frauenfeld
Vom Auf bau zum Betrieb Auf den 1. März 2005 stand die Scheune in Schönenberg als Lager zur Verfügung. Gemeinsam mit der Denkmalpflege erstellte der Stiftungsrat ein Konzept, wie das Lager eingerichtet und die bisherigen Lager der Denkmalpflege zusammengeführt werden sollten. Abbildungen 6 bis 10 Gleichzeitig wurde das eigentliche Betriebskonzept erarbeitet. Bereits am 5.Juli 2005 konnte das Lager offiziell eröffnet werden. Die erste Betriebszeit zeigte rasch, dass die Wege zwischen dem Betriebsleiter und dem Stiftungsrat zu lang waren. Da eine eigentliche Geschäftsführung noch fehlte, wurde der Vizepräsident mit der Aufgabe beauftragt, einen Entwurf für das weitere Vorgehen zu erarbeiten. Einer der wichtigsten Eckpunkte war die Bestimmung eines Leitungsausschusses, welchem die operative Führung oblag. Diesem Ausschuss gehörten der Vizepräsident, der Leiter des Lagers und die kantonale Denkmalpflegerin an. Die Jahresrechnung für das erste Geschäftsjahr schloss mit Einnahmen von 21 840 Franken und Ausgaben von 208 545 Franken, woraus sich ein Reinverlust von 186 705 Franken ergab. Das Stiftungskapital war damit auf 37 295 Franken zusammengeschrumpft. Dieses Ergebnis zeigte, dass der Aufwand für den Aufbau eines erfolgreichen
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In den vormals sechs dezentralen Lagern des Amtes für Denkmalpflege konnte das historische Material nicht sachgerecht gelagert, geschweige denn ein Überblick behalten werden. Zusätzliches Material zu sammeln war undenkbar. Ein Einblick in die damalige Lagersituation: Wappenreliefsteine im Kornhaus 6 bis 10
des ehemaligen Klosters St. Katharinental in Diessenhofen ( oben links), kirchliche Ausstattungsbestandteile im ehemaligen Werkhof der Stadt Frauenfeld ( oben rechts ), historische Fenster im Schopf hinter dem Restaurant Winkelried an der Spannerstrasse 33 in Frauenfeld (unten links ), Treppen, Portalflügel und Täferteile
in der Scheune einer privaten Liegenschaft in Kesswil (unten Mitte ). Der Keller der Villa Sonnenberg in Frauenfeld, der Sitz des Amtes ( unten rechts ) sowie das ehemalige Verbandstofflager in Tobel ( Abbildung 14 ) dienten ebenfalls als Bautteillager.
Betriebs grösser war, als anfänglich gedacht, und dass die Möglichkeiten, in dieser Aufbauphase Ertrag zu erzielen, noch beschränkt waren. Aufgrund seiner Wahl zum Regierungsrat trat Vizepräsident Jakob Stark Anfang 2006 zurück. Wie vorgesehen gab Gründungspräsident Marco Sacchetti sein Amt nach der intensiven Anfangsphase ab und gehört bis heute dem Stiftungsrat an. An der Stiftungsratssitzung vom 22. Mai 2006 wurde als Ersatz für den Vizepräsidenten sein Nachfolger im Amt des Gemeindeammanns von Kradolf-Schönenberg, Walter Schönholzer, und zur Verstärkung des Stiftungsrates Jürg Ganz, ehemaliger kantonaler Denkmal-