4.2016
Berufswunsch Superstar: Castingshows JeKi Hamburg: ein Exportschlager InstrumentalpÀdagogik im Jahr 2030
musikschule )) DIREKT Wie die EZB bei der Abschaffung musikalischer Bildung hilft Seit Beginn der Wirtschaftskrise hat die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) zum wiederholten Mal den Leitzins gesenkt â bei der jĂŒngsten Senkung so stark, dass er sich mittlerweile im Negativbereich befindet. Banken, die ihr Geld bei der EZB parken, mĂŒssen nun dafĂŒr âStrafeâ zahlen. Infolgedessen bekommen auch Anleger, die ihr Geld bei Banken gewinnbringend anlegen möchten, keine Zinsen. Doch was hat das mit MusikpĂ€dagogik zu tun? In Deutschland tummeln sich, nachdem sich der Staat mehr und mehr von der Finanzierung von Bildung und Forschung verabschiedet, immer mehr private Stiftungen auf diesen Spielfeldern. Die StiftungsgrĂŒnder verbinden in vielen FĂ€llen die Möglichkeit, sich als wohltĂ€tige MĂ€zene darzustellen, die der Gesellschaft etwas Gutes tun (meist Kindern und Jugendlichen und gern unter dem Stichwort der âChancengerechtigkeitâ), mit einer fĂŒr sie lukrativen Steuerersparnis durch die StiftungsgrĂŒndung. Private Stifter statt demokratisch gewĂ€hlter EntscheidungstrĂ€ger bestimmen zunehmend, wer, was, wie, wie lange und wo gefördert wird. Knapp 23 000 Stiftungen gibt es zurzeit in Deutschland, davon im Bereich Musik 563, an die sich finanziell notleidende Institutionen, PĂ€dagogen und KĂŒnstler wenden und um UnterstĂŒtzung von Vorhaben buhlen können. UniversitĂ€ten und Musikhochschulen wĂ€ren ohne Drittmittel aus Stiftungen zumindest im Bereich der Forschung ĂŒberhaupt nicht mehr arbeitsfĂ€hig. Viele Stiftungen finanzieren sich primĂ€r aus den ErtrĂ€gen, die sie aus ihrem Stiftungskapital erwirtschaften. Auch viele Unternehmen, die bisher als Sponsoren musikalischer Projekte tĂ€tig waren, stehen zurzeit wirtschaftlich nicht besonders gut da. Schon jetzt sind erste Auswirkungen der EZB-Politik zu spĂŒren: Das finanzielle Stiftungsengagement bei der UnterstĂŒtzung von Projekten wird mancherorts bereits eingeschrĂ€nkt, wodurch natĂŒrlich auch Arbeitsmöglichkeiten fĂŒr MusikpĂ€dagogen wegfallen. WĂŒrden musikalische Bildung und musikpĂ€dagogische Forschung in dem Umfang staatlich finanziert, in dem sie ihren AuftrĂ€gen auch nachkommen können, könnte der Staat in wirtschaftlich schlechten Zeiten antizyklisch gegensteuern. So aber ist absehbar, dass durch die politisch verordnete Armut des Staates zusammen mit der Wirtschaft auch musikalische Bildung und musikpĂ€dagogische Forschung in weiten Teilen einbrechen werden. Anja Bossen
Geplante Absenkung des KĂŒnstlersozialabgabesatzes Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) begrĂŒĂt die geplante Absenkung des KĂŒnstlersozialabgabesatzes: âAngesichts der prekĂ€ren Einkommenslage vieler freier KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler war dieser Schritt ĂŒberfĂ€lligâ, so Gerald Mertens, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der DOV. Zum 1. Januar 2017 soll die Abgabe von 5,2 auf 4,8 Prozent sinken. Das entlastet KĂŒnstler und beitragspflichtige Unternehmen. Die DOV vertritt auch die Interessen freier Musiker und Lehrbeauftragter an Musikhochschulen. âUnter den freien KĂŒnstlern sind auch viele Musiker. Allein durch die zunehmende Digitalisierung sind Teile ihres Einkommens aus der Wahrnehmung von Leistungsschutzrechten bislang ersatzlos weggebrochen. Unter diesen UmstĂ€nden ist ihre soziale Absicherung wichtiger denn je.â
) Sie haben Fragen, Anregungen, Tipps oder Hinweise fĂŒr die Redaktion? ) Sie möchten sich kritisch Ă€uĂern zu unseren Themen und BeitrĂ€gen oder haben VorschlĂ€ge fĂŒr neue Themen? Schreiben Sie uns: info@musikschule-direkt.de