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musikschule )) DIREKT 02/2015

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Tabus und No-Gos im Berufsleben Wegweisendes Urteil in NRW Unternehmensgründung

musikschule )) DIREKT Hauptstadt ohne Musikschulen? Das Land Berlin hat im Doppelhaushalt 2014/15 jährlich 2,5 Millionen Euro mehr Geld für seine Musikschulen eingestellt. Das sind statistisch betrachtet pro Musikschule jährlich knapp 210 000 Euro, ein hübsches Sümmchen. Dieses Geld allerdings kommt den Musikschullehrkräften höchstens indirekt zugute, denn davon soll zwar der Versorgungsgrad der Bevölkerung mit Musikunterricht erhöht werden, doch nicht die Honorare, die sich in einigen Bereichen in unterirdischen Regionen bewegen. Auch mehr Festanstellungen für die 1 800, zu über 90 Prozent als Honorarkräfte beschäftigten Berliner Lehrkräfte wurden nur in verschwindend geringem Umfang geschaffen und sind zudem auf das Jahr 2015 befristet. Immerhin hat ein erhöhter Versorgungsgrad der Bevölkerung zur Folge, dass zumindest die Stundendeputate der Lehrkräfte erhöht werden können. Denkt man. Doch ereilte im Januar 2015 das Kollegium der Musikschule Steglitz-Zehlendorf die Hiobsbotschaft, dass der Bezirk eine Haushaltssperre erlassen hat, da im Bezirk noch mehr gespart werden müsse. Für die Lehrkräfte bedeutet das: Aufnahmestopp – bis auf Weiteres keine neuen Vertragsabschlüsse, trotz Wartelisten. Genauso ergeht es den Lehrkräften der bezirklichen Musikschule Pankow. Für die ohnehin schon von verspäteten Honorarzahlungen wegen nicht funktionsfähiger Verwaltungssoftware gebeutelten Berliner Lehrkräfte ist das eine Katastrophe, denn sie können selbst im Fall von Schülerkündigungen keine neuen Schüler aufnehmen. Bereits jetzt weichen viele Eltern, verunsichert und genervt von Wartelisten und Aufnahmestopps, auf private Musikschulen aus. An privaten Musikschulen jedoch verdienen die Lehrkräfte meist noch weniger als an öffentlichen. Die Berliner Musikschulen haben inzwischen einen Zustand erreicht, bei dem man sich fragen muss, ob es nicht ehrlicher wäre, dass das Land Berlin sich von seinen Musikschulen gänzlich verabschiedet, Denn man kann nicht etwas haben und gleichzeitig nicht haben wollen. Für die Lehrkräfte wird es indes wieder mal Zeit für den Zusatz-Job an der Supermarktkasse. Wie wäre es mit einer bundesweiten solidarischen Aktion aller am Tag der Musik 2015 Beteiligten zugunsten der Musikschullehrerinnen und -lehrer aus SteglitzZehlendorf und Pankow? Denn in der Hauptstadt kann künftig wohl weder wirklich kulturelles Erbe geschützt noch musikalische Vielfalt gelebt und erst recht keine Zukunft gebaut werden. Franziska Kreutzer

Die VG Musikedition und der Verband deutscher Musikschulen haben mit Wirkung zum 1. Januar 2015 einen Gesamtvertrag über das Fotokopieren von Noten in Musikschulen unterzeichnet. Die Administration hinsichtlich der Lizenzierung wird dabei von der GEMA übernommen. Vor dem Hintergrund des gesetzlich verankerten Kopierverbots für geschützte Noten ist es für die Musikschulen im VdM nun möglich, Notenkopien (und Kopien von Liedtexten) in bestimmtem Umfang herzustellen und diese im Unterricht und bei Aufführungen zu verwenden. Christian Krauß, Geschäftsführer der VG Musikedition: „Wir freuen uns, dass es gelungen ist, diesen für Rechteinhaber und Musikschulen gleichermaßen wichtigen Vertrag zu unterzeichnen.“ www.vg-musikedition.de

) Sie haben Fragen, Anregungen, Tipps oder Hinweise für die Redaktion? ) Sie möchten sich kritisch äußern zu unseren Themen und Beiträgen oder haben Vorschläge für neue Themen? Schreiben Sie uns: info@musikschule-direkt.de


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Tabus und No-Gos im Instrumentalpädagogikberuf – ein Preisausschreiben für InstrumentalpädagogInnen

Was sich nicht gehört

Wie fit sind Sie in Themen Ihres Berufs, über die häufig nicht oder nur ungern gesprochen wird? Die offiziell als Thema gar nicht vorkommen (sollen)? Überprüfen Sie Ihre Einstellungen und gewinnen Sie mit Ihrer Teilnahme an unserem Preisausschreiben.

)) Kreuzen Sie zu den folgenden Beispielen die Antwortvorschläge an, von denen Sie denken, so sollte man sich als guter Musikpädagoge verhalten. Ziehen Sie in Betracht, dass es im menschlichen Leben wie auch im Berufsleben von MusikpädagogInnen möglicherweise manchmal kein „richtig oder falsch“ gibt, dass manchmal mehrere Antworten und manchmal vielleicht auch keine Antwort passt. In diesem Fall ergänzen Sie eine eigene Antwort! 1. Sie hören mehrfach, dass im Nebenraum eine Kollegin in ihrem JeKi-Keyboardunterricht die Kinder anschreit und beschämt. a) Ich versetze mich in die Kinder hinein und überlege, was ich mir als Kind von meinem Musiklehrer wünschen würde, und reflektiere meinen eigenen Unterrichtsstil. b) Insgeheim bewundere ich die Kollegin dafür, dass sie ihre Gefühle offen zeigt. c) Ich spreche die Kollegin verständnisvoll und wohlwollend an. Je nach Reaktion schlage ich ihr vor, dass wir uns zukünftig gegenseitig fachlich unterstützen könnten. 2. Sie lieben es, Ihr Mittagessen häufig und reichlich mit Knoblauch (oder anderen Gewürzen mit ähnlich intensiver Geruchs-

wirkung) zu würzen und sehen wirklich kein Problem darin, anschließend zu unterrichten. a) Ich verweise im Kollegium darauf, dass ich nun mal gern Knoblauch esse und nicht ständig Rücksicht auf die SchülerInnen nehmen kann. b) Ich bitte gelegentlich eine mit mir befreundete Kollegin um eine ehrliche Rückmeldung über einen eventuell unangenehmen Geruch und verändere meine Würzgewohnheiten entsprechend. c) Ich überdecke den Geruch mit Kaugummi oder einem nicht zu teuren Parfüm. 3. Es fällt Ihnen deutlich leichter, nach dem Genuss von zwei bis drei Flaschen Bier oder einer Flasche Wein zu unterrichten und dies mehrmals pro Woche. Darauf von einer Kollegin angesprochen, … a) … verweise ich auf meine hohe Unterrichtsqualität und die erfolgreichen SchülerInnen. b) … wird mir bewusst, dass ich ein ernsthaftes Problem habe, und suche mir professionelle Hilfe. c) … biete ich ihr auch etwas zu trinken an. 4. Eine Schülerin sagt kurzfristig ihre Unterrichtsstunde ab und Sie könnten die nun freien 45 Minuten zum Üben für eine anstehende Mugge nutzen. a) Ich übe grundsätzlich nicht in der Musikschule, weil ich meine KollegInnen bei zukünftigen Lehrerkonzerten weiterhin mit meinen Fähigkeiten überraschen will. b) Im Kollegium weiß sowieso jeder, was die anderen „draufhaben“. Außerdem stehe ich zu dem, was ich (nicht) kann, da finde

Bernd Dahlhaus

ich es einfach clever, gerade unter diesen Bedingungen die Zeit zum Üben zu nutzen. c) Ich nutze die Freistunde sinnvoll, indem ich im Lehrerzimmer am Computer meinen nächsten Urlaub im Internet recherchiere. 5. Ein Saxofonlehrer sagt als Musikschulhonorarkraft vertragswidrig eigenmächtig Unterrichtsstunden mit der erfundenen Begründung ab, er sei krank, und lässt sich diese Stunden bezahlen. a) Ich finde das richtig so, wir müssen alle sehen, wo wir bleiben! b) Ich überlege, aus welchem tieferliegenden Bedürfnis heraus der Kollege so handelt. c) Für mich ist klar: Der Kollege ist für die Musikschule untragbar und muss sofort gekündigt werden! 6. Als Instrumentalpädagoge im besten Alter entwickeln Sie heftige erotische Fantasien bezüglich einer 16-jährigen (oder je nach Geschmack einer 52-jährigen verheirateten) Schülerin und es könnte sein, dass irgendetwas in Ihnen die Fantasien sogar Wirklichkeit werden lassen will. a) Ich lasse es drauf ankommen. b) Ich stelle mir ausführlich vor, welche Folgen das für die Schülerin und für mich haben wird. c) Ich übernehme Selbstverantwortung, hinterfrage meinen Bedürfnishaushalt und spreche mit einer Vertrauensperson darüber. 7. Sie bemerken als Anfang fünfzigjähriger Geiger, dass Ihre körperlichen und


© Cordula Heuberg

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Anregungen und Mut zur Veränderung Unsere neue Reihe „Den Instrumentalpädagogikberuf gestalten“ will in den folgenden Ausgaben Anregungen geben und Mut machen zur Veränderung und Weiterentwicklung des Selbstbilds von InstrumentalpädagogInnen.

Sie lieben es, Ihr Mittagessen häufig und reichlich mit Knoblauch (oder anderen Gewürzen mit ähnlich intensiver Geruchswirkung) zu würzen und sehen wirklich kein Problem darin, anschließend zu unterrichten …

mentalen Kräfte beim Musizieren in den vergangenen fünf Jahren deutlich hörbar abgenommen haben. a) Ich weiß aus Erfahrung, dass der Musikschulleiter immer ein offenes Ohr hat, dass Vertrauen im Team für ihn das Wichtigste ist. Deshalb bitte ich ihn um ein Gespräch, seine Einschätzung und Ideen für mögliche Lösungsansätze. b) Ich überlege mir, was meine weiteren Stärken sind, und suche mir hierfür entsprechende Einsatzgebiete in der Musikschularbeit. c) Ich überlege, wie ich meine Fähigkeiten wieder reaktivieren kann, wo ich neuen Input bekommen könnte, nehme vielleicht sogar wieder Unterricht. 8. Eine Querflötenlehrerin verlässt häufig die Unterrichtsstunden zum angeblich dringenden Telefonieren, Notenkopieren, Händewaschen. a) Das sind alles wichtige Tätigkeiten, die zur professionellen Ausübung des Instrumentallehrerberufs gehören. b) Ich vermute, die Kollegin hält es eben manchmal mit den SchülerInnen nicht mehr aus. Wahrscheinlich fühlt sie sich dann entweder genervt, unter- oder überfordert und als Lehrerin vom Schüler nicht ernst genommen und muss dann einfach raus, um runterzufahren und auf andere Gedanken zu kommen. c) Wann sollen wir Instrumentallehrer das sonst machen? Wären die Arbeitsbedingungen besser, bräuchten wir diese Dinge nicht während des Unterrichts zu tun und könnten die ganze Unterrichtsstunde über für die SchülerInnen da sein.

9. Sie finden als hübsche Geigenlehrerin Anfang 30 ihren begabten Schüler Anfang 20 sehr attraktiv („richtig süß“) und flirten absichtlich und heftig mit ihm im Unterricht. a) Na ja, ich find’s schon toll, wenn ich solche Wirkung auf Männer habe, das tut einfach gut. b) Zu einer wirklich künstlerischen Ausbildung des Schülers gehören diese zwischenmenschlichen Lernerfahrungen ganz wesentlich dazu. c) Ich frage mich in einer ruhigen Minute, warum ich eigentlich so bedürftig bin, was mir eigentlich fehlt (Anerkennung, begehrenswert sein …). 10. Sie erfahren, dass ein Schüler einer Honorarkraft aus Ihrem Kollegium den Musikschulunterricht gekündigt hat und nun bei demselben Lehrer in derselben Stadt Privatunterricht nimmt. a) Ich vermute und kann verstehen, dass der Kollege lieber zu einem höheren Honorar unterrichten möchte. b) Ich schwärze den Kollegen für die Abwerbung bei der Musikschulleitung an. c) Ich biete meinen Musikschulschülern auch Privatunterricht an. 11. Ein Blechbläserkollege schlägt Ihnen vor, mit einigen Kollegen eine methodischdidaktische Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen, und fragt, ob er in diesem Zusammenhang auch in Ihrem Unterricht hospitieren dürfe. a) Ich lehne die Anfrage ab wahlweise mit der Begründung, die Schülereltern seien mit fremden Personen im Unterricht nicht

einverstanden oder der Begründung, das sei wegen einer wichtigen Vorspielvorbereitung momentan ganz ungünstig. b) Ich freue mich ehrlich über die Gelegenheit, mich kollegial über meinen Unterricht und bestimmte („Problem“-)SchülerInnen oder „schwierige“ Gruppen auszutauschen und neue Anregungen zu bekommen. c) Ich sage zu, schlafe anschließend mehrere Nächte schlecht und melde mich am Tag des Unterrichtsbesuchs krank. 12. Im Musikschulkollegium sind bestimmte Pflichtversäumnisse und Probleme von Lehrkräften allgemein bekannt, trotzdem ist nicht erkennbar, dass der Musikschulleiter seiner Personalfürsorgepflicht bzw. seiner Personalführungsverantwortung nachkommt. a) Ich nutze die Passivität des Leiters und lege meine Mitarbeiterpflichten flexibel aus, beispielsweise bei meiner Konferenzanwesenheit oder bei meinem sonstigen Engagement in der Musikschularbeit. b) Weil sich der Leiter sowieso nicht wirklich für die Mitarbeiter interessiert oder gerade bei schwierigen Themen persönlich für sie einsetzt und weil sich im Team sowieso jeder selbst der nächste ist, überführe ich Musikschulmaterialien wie beispielsweise Notenständer, Kopierpapier oder den Papierlocher in mein privates Eigentum. c) Ich tausche mich mit anderen KollegInnen aus, bitte gemeinsam mit einem Kollegen oder einer Kollegin um ein Gespräch mit der Leitung und erkunde aus einer dialogischen Haltung heraus die Hintergründe.


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Sie mit n e h c a M erem bei uns ! hreiben c s s u a s Prei

So können Sie gewinnen! Mit Ihrer Teilnahme können Sie einen Preis gewinnen! Allerdings nicht für die Einsendung der „richtigen“ Antworten, sondern für Ihre Meinung:

) Entweder zum Thema unseres Artikels: Welche Erfahrungen, Gedanken oder Ideen zum Umgang mit Tabus und No-Gos in Ihrem Beruf haben Sie? ) Oder Sie schreiben uns Ihre Ideen, Anregungen oder Wünsche zu unserer neuen Reihe „Den Instrumentalpädagogikberuf gestalten“: Welche Themen wünschen Sie sich und warum? Welche Erfahrungen haben Sie damit, Ihren Beruf zu gestalten? Unter allen EinsenderInnen verlosen wir je eines der folgenden Bücher:

13. In einer Pause auf einer Fortbildungsveranstaltung kommen Sie im Austausch mit KollegInnen auf das Thema „Tabus und No-Gos im Instrumentalunterricht“ zu sprechen. a) Ich weise entrüstet von mir, dass es so etwas in meinem Arbeitsumfeld gibt. b) Ich werbe für eine wertschätzende Haltung im Miteinander, dafür, solche Themen achtsam, mehrperspektivisch und ohne vorschnelle und einseitige Bewertungen zu besprechen. c) Nach anfänglicher Zurückhaltung beteilige ich mich intensiv am Gespräch mit Geschichten über Schwächen, Eitelkeiten und Animositäten meiner KollegInnen. 14. In musikschule )) DIREKT lesen Sie ein Preisausschreiben zum Thema „Tabus und No-Gos im Instrumentalpädagogikberuf“. a) Ich bin hin- und hergerissen zwischen Schmunzeln und Entsetzen – dann vergesse ich den Text möglichst schnell. b) Ich denke in nächster Zeit über meine Sichtweise zu den Themen genauer nach. c) Ich pinne den Artikel an das Schwarze Brett im Lehrerzimmer, gebe so den KollegInnen auch die Chance, am Preisausschreiben teilzunehmen, und trage vielleicht durch die entstehende Diskussion im Team zur Verbesserung des Betriebsklimas und (dadurch) zur Verbesserung meiner eigenen Berufszufriedenheit bei. ))

Bernd Dahlhaus ist Musikpädagoge und Coach. Er leitet die Agentur für Musikpädagogik musikbäume. www.musikbaeume.de

A Maja Storch: Machen Sie doch, was Sie wollen! Wie ein Strudelwurm den Weg zu Zufriedenheit und Freiheit zeigt Um mit Tabus und No-Gos gut umgehen zu können, ist es hilfreich, sich selbst (besser) zu verstehen und gut mit sich umzugehen. Maja Storch zeigt dies auf amüsante Weise.

B Gerald Hüther: Was wir sind und was wir sein könnten. Ein neurobiologischer Mutmacher Der Autor fordert den Wechsel von einer Gesellschaft der Ressourcennutzung zu einer Gesellschaft der Potenzialentfaltung und Weiterentwicklung, mit mehr Raum und Zeit für das Wesentliche.

C Irmtraud Tarr: Leben macht Sinn. Was uns bewegt und weiterbringt Die Konzertorganistin, Musik- und Psychotherapeutin Irmtraud Tarr schreibt über einen zentralen Aspekt guten Lebens. Mit der Brille des Instrumentalpädagogen gelesen, ergeben sich viele Einsichten für unseren Beruf.

Bitte mailen Sie Ihre Zuschrift bis zum 31. Mai 2015 unter Angabe Ihrer Adresse und Ihres Buchwunschs (A, B oder C) an info@musikschule-direkt.de Die Gewinner werden unter allen Einsendungen ausgelost und von der Redaktion benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.


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Musikschullehrerin aus Nordrhein-Westfalen errang vor Gericht Festanstellung

Wegweisendes Urteil )) Helene H. ist mit Leib und Seele Musikschullehrerin. „Schon als kleines Mädchen war das mein Wunschberuf.“ Seit mehr als einem Jahrzehnt unterrichtet sie an der zwischen Bonn und Köln liegenden Musikschule Niederkassel Flöte und Klavier im Gruppen- und Einzelunterricht, kümmert sich um musikalische Früherziehung und den Musikpavillon. Sie absolviert das ganze Programm einer hochqualifizierten Musikschullehrkraft, leistet die gleiche Arbeit wie ihre fest angestellten Kolleginnen und Kollegen. Allerdings bislang auf eigenes Risiko per Honorarvertrag als Freie – schlechter entlohnt, schlechter abgesichert, ohne gesetzliche Sozialversicherung, ohne bezahlten Urlaub und Krankheit. Das sei offenbar bundesweit Usus, erklärt Helene H., die auch die Auseinandersetzungen in Berlin verfolgt. Um Kosten zu sparen, würden ausscheidende festangestellte Lehrkräfte durch Freie ersetzt – bei ihr an der Schule bereits 2003. Ins Rollen kam für Helene H. alles mit einer Statusfeststellung zur Scheinselbstständigkeit über die Künstlersozialkasse und die Rentenversicherung: Bei der Musiklehrerin läge eine versicherungspflichtige Tätigkeit und damit ein „richtiges“ Arbeitsverhältnis anstelle einer freien Mitwirkung vor. Die Musikschule und mit ihr die Stadt als Vertragspartnerin für die Honorarkräfte bestritten das. Sie argumentierten, dass Helene H. keinen Weisungen hinsichtlich Zeit, Ort, Art und Weise der Tätigkeit unterliege, die Teilnahme an Konferenzen und Vorspielen freiwillig sei. Sie sei nicht fest angestellt, unterliege demzufolge auch keiner Versicherungspflicht. Die Sache entwickelte sich zu einer komplizierten gerichtlichen Auseinandersetzung, landete in erster und zweiter Instanz vor dem Sozialgericht Köln und dem Landessozialgericht NRW in Essen, zudem

vorm Arbeitsgericht Siegburg. Helene H. klagte mit Hilfe des Kölner Büros der DGB Rechtsschutz GmbH, für das Berufungsverfahren wurde ver.di-Hilfe vom Landesbezirk NRW in Düsseldorf in Anspruch genommen. Übereinstimmend befanden die Richter bei Prüfung des Vertrags, der für alle Lehrkräfte verbindlichen Schulordnung und der schulischen Praxis, dass bei Helene H. von einem Arbeitsverhältnis anstatt einer freien Tätigkeit auszugehen sei. Denn sie unterliege dem Weisungsrecht des Arbeitgebers und sei von ihm in einem hohen Maß persönlich abhängig. Der Arbeitsort sei nicht frei wählbar, die Bedingungen wären vorgegeben. Demzufolge sei sie als abhängig Beschäftigte einzustufen. Ulrike Komp, Teamleiterin bei der Kölner DGB Rechtsschutz GmbH, deren Rechtssekretärin die Musiklehrerin vor dem Arbeitsgericht Siegburg vertrat, kommentiert die Entscheidung: „Nach meiner Ansicht ist die Direktorin des Arbeitsgerichts Siegburg von der herrschenden Meinung in Literatur und Rechtsprechung ausgegangen. Sie hat zutreffend die Voraussetzungen für das Vorliegen einer Arbeitnehmerschaft im Gegensatz zur Honorarkraft ausgeführt und hat – da wir gemeinsam mit der Klägerin die entsprechenden Angaben machen konnten – festgestellt, dass die Klägerin Arbeitnehmerin und nicht Honorarkraft ist.“ Richtigerweise sei das Gericht vom tatsächlichen Sachverhalt und nicht etwa von der vertraglichen Regelung ausgegangen – jedenfalls dann, wenn sich Vertrag und tatsächliches Praktizieren nicht deckten. „Für die Frage eines freien Mitarbeitervertrags oder eines Arbeitsverhältnisses ist wesentlich“, erläutert Komp, „wie intensiv die Beschäftigte in den Unterrichtsbetrieb des Arbeitgebers eingebunden ist, inwie-

Bettina Erdmann

weit sie Unterrichtsinhalt und -erteilung, ihre Arbeitszeit und die weiteren Umstände der Dienstleistung mitgestalten kann oder nicht. Tatsächlich widersprachen sich sogar der Arbeitsvertrag und die darin in Bezug genommene Musikschulordnung.“ Das Gericht habe hierzu argumentiert, dass die Klägerin „den Ort der Arbeitsleistung nicht verhandeln kann, wenn sie tatsächlich keinen Verhandlungsspielraum hat.“ Weitere entscheidende Gesichtspunkte wie Zuweisung der Schüler an die Musikschullehrer, Unterrichtsdauer, Unterrichtshäufigkeit, Bindung an die Lehrpläne des Verbands deutscher Musikschulen, Teilnahme an Vorspielen, Musikveranstaltungen und anderes sprachen alle zugunsten der Klägerin. „Somit bejahte das Arbeitsgericht die Eingliederung von Frau H. in den Betrieb der Musikschule.“ Helene H. ist erleichtert, nun auch die gerichtliche Einigung hinter sich zu haben. Die Stadt hat in zweiter Instanz eingelenkt. Die Musiklehrerin bekommt rückwirkend zum 1.9.2003 einen festen Vertrag mit einer Nachzahlung, wird künftig nach Tarif Öffentlicher Dienst entlohnt. ))

Urteile: Arbeitsgericht Siegburg, 13.3.2014: Ca 2618/13, Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, 27.11.2013, L 8 R 148/12

Bettina Erdmann arbeitet als freiberufliche Journalistin in Berlin. Sie betreut die Redaktion der ver.di-Zeitschrift „Sprachrohr“ für den Fachbereich Medien, Kunst und Industrie im Landesbezirk Berlin-Brandenburg, in der dieser Beitrag erschienen ist (Erstveröffentlichung: „Sprachrohr“ 5/2014).


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Der Musikschulkongress 2015 findet vom 8. bis 10. Mai in Münster statt

MusikLeben – Erbe. Vielfalt. Zukunft Tagungsort Messe und Congress Centrum Halle Münsterland GmbH Albersloher Weg 32 48155 Münster Tel. 02 51/66 00-0 Fax 02 51/66 00-121 www.mcc-halle-muensterland.de Anmeldung Sie können sich auf der Website des VdM unter www.musikschulen.de online für den Musikschulkongress anmelden. Anmeldeschluss ist der 30. April 2015. Teilnehmergebühr Kongressausweis (gültig von Freitag bis Sonntag): 130,– Euro Studierende 060,– Euro (bis 27 Jahre, bitte Studienbescheinigung vorlegen) Tageskarten: Freitag: Samstag: Sonntag:

075,– Euro 080,– Euro 055,– Euro

In der Teilnehmergebühr sind enthalten: Kongressausweis für alle Veranstaltungen im Messe und Congress Centrum Halle Münsterland, Tagungsmappe mit Programmbuch (bzw. Tageskarte für alle Veranstaltungen des jeweiligen Kongresstags).

Das dreifach besetzte Motto zum Bundeskongress des VdM vom 8. bis 10. Mai in Münster lädt ein zur spannenden Auseinandersetzung mit einer großen Themenvielfalt: der Faszination des Neuen, dem Reichtum des Anderen, der überraschenden Neu-Erfahrung und vertieften Entdeckung von vermeintlich Bekanntem.

)) Das Kongressmotto greift die Themen der UNESCO-Konvention Kulturelle Vielfalt auf. Die einzelnen Bestandteile werden das Fortbildungsprogramm prägen, etwa, wenn es um den Umgang mit anderen Kulturen geht, um das zentrale Thema Inklusion oder auch um zeitgenössische Musik. Aber auch in der Eröffnungsveranstaltung wird die Trilogie des Titels thematisiert: Anstelle einer Festrede werden die einzelnen Aspekte in drei Kurzvorträgen beleuchtet. Natürlich werden diese Themen im Fortbildungsprogramm eine wichtige Rolle spielen – in Workshops, Podiumsgesprächen und Diskussionen. Ein vielfältiges Musikprogramm in gewohnt hoher Qualität und der Begegnungsabend des Landesverbands Nordrhein-Westfalen runden das Kongressprogramm ab. Dass dieser Kongress so stattfinden kann, ist der Unterstützung vieler engagierter Kräfte und Förderer zu danken. Hier gilt der Dank vor allem den öffentlichen Förderern: der gastgebenden Stadt Münster,

dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Viele Menschen kennen von Münster vor allem die historischen Monumente in der Innenstadt: Prinzipalmarkt, Giebelhäuser, den Schlossplatz oder das historische Rathaus. Aber es gibt auch einen anderen Part der westfälischen Stadt: Jenseits des Bahnhofs, im Hafenviertel, treffen sich die Kreativen, die Jungen: Wer Lust hat, kann sowohl das historische Münster des Westfälischen Friedens als auch das neue Münster kennen lernen. Das neue Kongresszentrum, die Halle Münsterland, ist Ort des Geschehens: Hier werden sich etwa 1 500 MusikpädagogInnen drei Tage lang fortbilden, sich mit KollegInnen austauschen, voneinander lernen und sich über aktuelle Entwicklungen des Fachs informieren können. Es wird Raum und Gelegenheit genug geben, sich zu streiten, etwas zu lernen und zu erleben, sich zu begegnen, sich Frust und Visionen um Augen und Ohren zu schlagen – und hoffentlich am Ende genug Stoff, um mit Freude und Neugier wieder Alltagsarbeit zu wagen. ))


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Durchstarten …

Mario Müller

Machen Sie Ihre Musikschule fit für die Zukunft Die Musikschullandschaft ist im Umbruch: Schülerzahlen, die stagnieren bzw. rückläufig sind, Konkurrenzdruck durch andere Freizeitangebote, die bei Kindern und Jugendlichen mehr im Trend liegen, und nicht zuletzt Musikalisierungsprogramme durch die Landesregierungen bzw. Kommunen, bei denen die Honorare der Musikschulen an der unteren Grenze der Kalkulation liegen, machen den Schulen zu schaffen.

)) Zusammen führen diese Faktoren dazu, dass ein Musikschulleiter ein guter Manager in den verschiedensten Themenbereichen sein muss. Ich betreibe seit 26 Jahren eine private Musikschule und habe in dieser Zeit einen großen Wandel unserer Branche erlebt. Für Musikschulinhaber gibt es einige Themenbereiche, die man sich genau anschauen sollte, um seine Schule fit für die Zukunft zu machen. Wer seine Musikschule für die Zukunft neu ausrichten möchte, sollte diese Themen in Seminaren oder Workshops oder gar durch externe Berater vertiefen. So bietet z. B. der Bundesverband deutscher Privatmusikschulen (bdpm) hierfür eine große Zahl von Workshops an (Informationen unter www.bdpm.de).

Personalmanagement Da Musikschulen Dienstleistungsunternehmen sind, sind die MitarbeiterInnen einer der wichtigsten Bausteine. Dabei ist es egal, ob es sich um Aushilfen, freie oder festangestellte MitarbeiterInnen handelt. Grundsätzlich sollte eine Unternehmenskultur aufgebaut werden, bei der die Kommunikation und die Weiterentwicklung eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin im Vordergrund steht. Regelmäßige Mitarbeitergespräche können hier zu einem gu-

ten Klima in der Musikschule beitragen. Jedoch sollte ein Mitarbeitergespräch vom Schulleiter gut vorbereitet sein. Themen für ein solches Gespräch könnten Zielvereinbarungen, die Weiterentwicklung des Mitarbeiters oder das Ziehen eines Jahresresümees sein, in dem sowohl Positives als auch Negatives zur Sprache kommen kann. Am Ende eines solchen Gesprächs kann natürlich auch eine Prämie für den Mitarbeiter stehen. Diese sollte jedoch für alle MitarbeiterInnen nachvollziehbaren Kriterien entsprechen, da man als Schulleiter davon ausgehen sollte, dass MitarbeiterInnen über ihre Entlohnung in einer Schule sprechen und hier schnell ungewollte Diskussionen auftreten können. Selbstverständlich sind mit allen MitarbeiterInnen Arbeitsverträge abzuschließen. Der bdpm hat zusammen mit dem Deutschen Tonkünstlerverband (DTKV) einen Musterhonorarvertrag erarbeitet, der eine gute Grundlage für eine Zusammenarbeit bietet.

Öffentlichkeitsarbeit Die Öffentlichkeitsarbeit ist ein Bereich, der für eine Schule und deren Außenwirkung am wichtigsten ist, jedoch meist auch aus Geldmangel vernachlässigt wird. Hierzu gehören ein einheitliches Design, eine professionelle Webseite, die Pflege sozialer Netzwerke, Marketingaktionen in Kindergärten und Schulen und natürlich Schülerkonzerte bzw. öffentliche Auftritte von SchülerInnen und Lehrkräften. Für den Entwurf eines Schuldesigns bzw. eines einheitlichen modernen Erscheinungsbildes gibt es Online-Portale, auf denen man für wenig Geld ein Logo anfertigen lassen kann. Allerdings kann es Sinn machen, ein wenig mehr zu investieren und einen Grafiker zu beauftragen, der Ih-

nen ein Design erstellt, welches Sie dann in der Öffentlichkeit nutzen können. Eine Webseite kann man fast kostenlos z. B. in Wordpress erstellen. Wordpress hat sich mittlerweile zu einem Standard für Webauftritte gemausert und ist leicht zu bedienen. Zu diesem Thema werden z. B. beim bdpm Workshops angeboten, in denen Sie für Ihre Musikschule eine komplett neue Seite erstellen können. Eine solche Webseite kann man dann mit diversen sozialen Netzwerken verknüpfen, sodass man seine Nachrichten nur an einer Stelle „posten“ muss, um sie an mehreren Stellen im Internet zu platzieren. Unerlässlich in der Öffentlichkeitsarbeit sind das Erstellen eines Musikschulprospekts bzw. Flyers und eine Präsentationsmappe der Musikschule, die man an Kindergärten und Schulen versenden kann. Hier sind professioneller Inhalt und hochwertiges Aussehen entscheidend. Heben Sie sowohl im Flyer als auch in der Präsentationsmappe Ihre Alleinstellungsmerkmale hervor, dadurch können Sie Ihre Musikschule gegenüber den Mitbewerbern interessanter machen. Mögliche Alleinstellungsmerkmale sind z. B. die Zertifizierung durch den bdpm, ein internationales Prüfprogramm oder ein eigenes Unterrichtskonzept.

Projektmanagement Ein weiteres Thema ist die Projektplanung. Zu Projekten gehören unter anderem Schülerkonzerte, Auftritte bei Straßenfesten oder verkaufsoffenen Sonntagen, aber auch Probenwochenenden mit Schülerbands. All diese Projekte sollten frühzeitig in einen zeitlichen Ablauf gebracht werden. Oft passiert es, dass z. B. vor den Sommerferien so viele Projekte gleichzeitig anstehen, dass man einige Aufgaben


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vergisst und so die Außenwirkung der Musikschule nicht professionell wirkt. Sie sollten sich auch von der Meinung verabschieden, dass man Projekte immer alleine stemmen kann. Beziehen Sie Ihr gesamtes Team in die Planung mit ein. Auch für die DozentInnen sind Auftritte von SchülerInnen wichtig, da sie sich so einem Publikum präsentieren können mit der Chance, mehr SchülerInnen für sich zu akquirieren. Bei der Teamarbeit sollte man Wert darauf legen, dass die Aufgaben frühzeitig verteilt werden. Als Schulleiter gibt man jeder Aufgabe eine Erledigungsfrist und muss darauf achten, dass diese Fristen von allen eingehalten werden. Wenn dieses Zusammenspiel funktioniert, ist es auch in einer kleinen Musikschule möglich, viel Öffentlichkeitsarbeit durch Auftritte bei Veranstaltungen in der Stadt zu machen.

Verwaltung und Controlling Der aufwendigste Bereich sind die Verwaltung und das Controlling einer Musikschule. Die Verwaltung sollte von vornherein so aufgebaut und organisiert sein, dass man die Arbeit gut delegieren kann. Die Hauptverwaltungsthemen sind Schülerverwaltung, Stundenplanung und Inkasso. Die meisten LeiterInnen einer privaten Musikschule haben eine abgeschlossene musikalische Ausbildung. Somit ist es für einen Musikschulleiter wirtschaftlicher zu unterrichten, als das Tagesgeschäft in der Musikschulverwaltung zu verbringen. Für diese Tätigkeiten kann man entweder Aushilfen oder eine Teilzeitkraft einstellen. Die Voraussetzung ist jedoch, dass die Verwaltung eine klare Organisationsstruktur hat und sämtliche Verwaltungsprozesse schriftlich dokumentiert sind, damit der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin die Arbeiten nachvollziehen kann.

Als Grundlage für eine gute und effektive Musikschulverwaltung kann man eine fertige Softwarelösung für Musikschulen verwenden. Mittlerweile gibt es dort sehr gute Programme, die entweder als Cloudlösung oder offline auf dem Rechner laufen. Das Inkasso und die Buchhaltung kann man an einen Steuerberater abgeben. Dies sollte man in Monatsintervallen tun, damit man möglichst aktuell eine Auswertung über die finanzielle Seite der Musikschule erhält. Das ist wichtig, um auf Veränderungen bei den Einnahmen und Ausgaben der Schule zeitnah reagieren zu können. Damit die Musikschule wirtschaftlich funktioniert, muss man auch die Kostenseite im Blick haben. Bei den Fixkosten schlagen Miete inklusive Nebenkosten, Strom, Versicherungen (Glas- und Inventar-, Rechtsschutz- und Haftpflichtversicherung), Telefonkosten, Kontoführung, Kredite bzw. Leasing, Homepage und GEZ zu Buche. Die wichtigsten flexiblen Kosten einer Musikschule sind Honorare, Lohnkosten, KSK-Beitrag, Büromaterialien, KFZ-Kosten, Werbekosten (Flyer, Anzeigen) und Steuerberater. Ein letzter Teil der Kosten sind die kalkulatorischen Kosten, für die man immer eine Rückstellung bilden sollte. Dies sind die Abschreibung für Büroausstattung und Musikinstrumente und ein Kostenanteil für die regelmäßige Instandhaltung der Musikschule. Die einzelnen Positionen sollte man im Jahresabstand überprüfen. Oft gibt es z. B. bei Versicherungen, Telefongesellschaften oder Banken erhebliche Einsparpotenziale.

Zeitgemäßes Design und gepflegte Räumlichkeiten sind eine Voraussetzung für wirtschaftlich erfolgreiche Musikschularbeit. Im Bild: Mario’s Musikschule in Bonn

Öffentlichkeit. Ein Vorspiel ist für SchülerInnen eine wichtige Erfahrung, um das Erlernte der Familie und Freunden präsentieren zu können. Allerdings: Der Anteil der Konzertbesucher, die nicht zur Familie eines Schülers oder einer Schülerin gehören – und daher potenzielle neue Kunden sein könnten –, beträgt meist weniger als fünf Prozent! Daher meine Empfehlung: Gehen Sie mit Ihren SchülerInnen raus und präsentieren Sie Ihre Musikschule in Einkaufspassagen, in der Innenstadt und an anderen öffentlichen Orten. 2. Eine private Musikschule hat die besten Chancen, wenn sie sich im Premiumsegment ansiedelt, das heißt mit einem guten, modernen Unterrichtskonzept, einem zeitgemäßen Design, mit qualifizierten und motivierten Lehrkräften, mit gepflegten Räumlichkeiten und modernen Instrumenten. Gerade Erwachsene, die mittlerweile eine sehr wichtige Säule im Schülerstamm einer Musikschule sind, achten auf die Einrichtung und den Service, den eine Musikschule bietet. Zum Service gehören auch flexible Vertragsmodelle, mit denen man Unterrichtseinheiten auch zu verschiedenen Terminen flexibel buchen kann, und ein Angebot an Bands bzw. kleinen Orchestern, damit das Musizieren zum Hobby wird. ))

Zwei persönliche Empfehlungen 1. Viele Musikschulleiter legen größten Wert auf Schülerkonzert oder Klassenvorspiel, vernachlässigen aber Auftritte in der

Mario Müller ist Leiter einer privaten Musikschule in Bonn und Vorsitzender des Bundesverbands deutscher Privatmusikschulen (bdpm).


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© 77SG – fotolia

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)) Es ist nicht einfach, eine private Musikschule zu gründen und erfolgreich zu betreiben. Einerseits gibt es viel Konkurrenz sowohl von öffentlichen und privaten Musikschulen als auch von privaten InstrumentallehrerInnen, aber auch von kirchlichen Musikkreisen, Spielmannszügen und ähnlichen Einrichtungen. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Angebote wird dabei ehrenamtlich oder mit öffentlichen Mitteln betrieben und hat damit ganz andere finanzielle Voraussetzungen als eine private Musikschule. Auf der anderen Seite wird es nicht zuletzt durch die immer weitere Ausbreitung der Ganztagsschule zunehmend schwieriger, passende Unterrichtszeiten für die SchülerInnen zu finden, denn es macht wenig Sinn, eine Musikschule nur von 17 bis 20 Uhr zu betreiben. Wer eine private Musikschule aufbauen möchte, muss sich bereits im Vorfeld Gedanken über diese und viele weitere potenzielle Probleme machen.

GründerInnen Der Schritt in die Selbstständigkeit ist eine Entscheidung, die das Leben aller Beteiligten erheblich beeinflusst. Er sollte keinesfalls eine Notlösung sein, sondern bewusst und aus Überzeugung gegangen werden. Jeder muss sich im Klaren darüber sein, dass gerade in der Anfangszeit einer Unternehmensgründung eine große Menge an Arbeit und Ausdauer erforderlich ist. Das kann man nur durchhalten, wenn man von der eigenen Idee überzeugt ist und die Unterstützung durch das Umfeld, Freunde und Partner stimmt. Auch über die finanzielle Seite sollte sich niemand Illusionen machen. Selbst bei einer besonders guten und neuartigen Geschäftsidee dauert es in der Regel eine ganze Weile,

bis man sich ein ordentliches Gehalt genehmigen kann. Doch auch die eigene Person und die Persönlichkeit spielen eine wichtige Rolle. Wer Angst vor finanziellen Risiken hat oder sich auch bei kleinen Auseinandersetzungen nicht durchsetzen kann, sollte sich ernsthaft fragen, ob die Selbstständigkeit der richtige Weg ist. Auch die eigene Gesundheit sollte stabil genug sein, um die anstrengende Gründungsphase gut zu überstehen. Wer häufig wegen – möglicherweise chronischer – Krankheiten ausfällt, kann sich während dieser Zeiten natürlich nicht optimal um die eigene Neugründung kümmern. Hier kann es hilfreich sein, einen der im Internet meist kostenlos verfügbaren Tests durchzuführen (z. B. www.existenzgruender.de/selbstaendigkeit/entscheidung/qualifikation/06348/ index.php). Vor allem aber fallen in der Selbstständigkeit Arbeiten in den unterschiedlichsten Bereichen an, die gerade bei kleinen Neugründungen auch aus finanziellen Überlegungen heraus von den GründerInnen selbst erledigt werden müssen. Das betrifft eine mögliche Renovierung der neuen Unterrichtsräume ebenso wie die Gänge zu Behörden und Banken, die Organisation der erforderlichen Versicherungen und nicht zuletzt auch die Klärung der unterschiedlichsten steuerlichen und rechtlichen Fragen. Wer sich für solche Tätigkeiten gar nicht erwärmen kann, sollte sich mit jemandem zusammentun, der ein Händchen für solche Arbeiten hat.

Marktanalyse Vor allen anderen Überlegungen sollte immer eine gründliche Analyse des Umfelds stehen. Dazu muss zunächst das schon existierende Angebot ermittelt werden.

Gibt es eine kommunale Musikschule? Welche Angebote macht diese Musikschule und zu welchen Preisen? Welche Instrumente werden angeboten und vor allem welche nicht? Was bietet die Musikschule außer dem reinen Unterricht an? Gibt es Kammermusikgruppen, Orchester und Nebenfachunterricht, wie sieht es mit Korrepetition aus? Werden regelmäßig Klassenvorspiele, Schüler- und Lehrerkonzerte veranstaltet? Von ganz besonderer Bedeutung ist aber die Frage, ob es eine Warteliste gibt und wie lang diese Liste für die einzelnen Angebote der Musikschule ist. Mit der gleichen Sorgfalt müssen auch alle anderen Einrichtungen analysiert werden, die im eigenen Einzugsgebiet musikalische Angebote machen. Während dies bei privaten Musikschulen in der Regel recht einfach ist, weil diese Wert darauf legen, dass ihre Angebote bekannt sind, und dementsprechend dafür werben, ist es bei Vereinen und kirchlichen Angeboten oft schwieriger. Besonders schwer zu ermitteln sind naturgemäß die Angebote von PrivatlehrerInnen. Um sich in diesem Bereich einen Überblick zu verschaffen, gibt es aber auch einige Möglichkeiten. Die Kleinanzeigen der örtlichen Tageszeitung, aber auch die kostenlosen Anzeigenblättchen, die fast überall verteilt werden, sollten dazu ebenso zu Rate gezogen werden wie die in vielen Supermärkten vorhandenen Aushangtafeln für private Nachrichten und die Informationskästen von Kirchen und Vereinen. Als nächstes muss ermittelt werden, welche potenziellen Besucher für die Musikschule vorhanden sind. Dabei muss unbedingt auch die soziale Struktur in der Umgebung mit einbezogen werden, denn die Angebote müssen auch auf die vorhandene Bevölkerungsstruktur ausgerichtet werden. In einem wohlhabenden, bildungs-


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Kunst oder Kommerz?

Jürgen Simon

Für die Gründung einer privaten Musikschule ist das Geschäftsmodell entscheidend bürgerlichen Bezirk werden andere Angebote benötigt als in einem Bezirk, in dem vor allem ärmere oder bildungsferne Bevölkerungsschichten zuhause sind. Aus dem Abgleich der vorhandenen Angebote mit den Informationen über die Bevölkerung lässt sich ein Bild dessen erstellen, was möglicherweise noch fehlt, wo es noch Marktlücken gibt und wo bereits ein Überangebot vorhanden ist.

Geld verdienen ist nicht falsch! Das Bild vom armen Künstler hat sich so in den Köpfen festgesetzt, dass viel zu oft die Frage „Kunst oder Kommerz?“ gestellt wird. Nur mit Kunst und Kommerz jedoch kann eine private Musikschule zum Erfolg werden. Allerdings sollte dabei auch die Kunst nicht auf der Strecke bleiben. Das Rezept, mit möglichst preiswerten Lehrkräften möglichst große Gruppen von SchülerInnen in möglichst wenigen verschiedenen, am besten einfach zu erlernenden Instrumenten zu unterrichten, ist in einem nicht unerheblichen Maß für den im Vergleich zu öffentlichen Musikschulen teilweise schlechten Ruf privater Musikschulen verantwortlich. Andererseits ist es schwierig zu versuchen, die öffentlichen Musikschulen zu kopieren, da deren Konzept in der Regel auf eine große Institution mit einem sehr breiten Spektrum an Instrumenten und einem relativ hohen Anteil an teurem Einzelunterricht ausgelegt ist.

Das Geschäftsmodell Bei der Gründung einer Musikschule muss sich jeder bewusst machen, dass es sich tatsächlich um eine Unternehmensgründung handelt. Und wie bei jeder Unternehmensgründung ist das Wichtigste dabei

ein wirklich gutes, tragfähiges Geschäftsmodell. Dazu müssen die Erkenntnisse aus der Marktanalyse mit den eigenen Kompetenzen und Interessen abgeglichen werden, denn die Qualität des Geschäftsmodells ist der entscheidende Faktor bei der Existenzgründung. Aber genau hier liegt auch die Chance, ein Angebot zu entwickeln, das so einzigartig und interessant ist, dass die Kunden kommen, obwohl es bereits andere musikalische Bildungsangebote in der Umgebung gibt. Wer es schafft, nicht nur die Vermittlung von Fertigkeiten auf einem Instrument anzubieten, sondern seinen Kunden einen Lern- und Lebensraum zu schaffen, kann dort erfolgreich sein, wo z. B. eine weitere Gitarrenschule keine Überlebenschance hätte. Wie wäre es zum Beispiel, sich vom so oft bewunderten „El Sistema“ inspirieren zu lassen? Wie wäre es mit einem Institut, in dem die Kinder nach der Schule nicht einfach nur Instrumentalunterricht erhalten, sondern auch miteinander in Gruppen ihre eigene musikalische Kreativität entwickeln können und dabei nicht nur von den Lehrern der Musikschule angeleitet werden, sondern sich auch gegenseitig unterstützen und das im Unterricht Gelernte an Jüngere weitergeben? Ein solches Konzept könnte durchaus wirtschaftlich sein, da die Verbindung von kostspieligem Einzel- und Kleingruppenunterricht mit der Arbeit in großen Gruppen zu einem günstigeren Durchschnittspreis führen kann. Und möglicherweise sind Eltern bereit, etwas mehr für das gesamte Angebot zu bezahlen, wenn sie wissen, dass ihre Kinder in der Musikschule einen Ort haben, an dem sie ihre Freizeit sicher und mit guter Betreuung sinnvoll gestalten können. Doch kann nicht oft genug betont werden, dass sich auch das beste Angebot rechnen

muss. Die MitarbeiterInnen müssen angemessen bezahlt werden und auch Sie selbst müssen – spätestens nach einer gewissen Anlaufphase – einen angemessenen Gewinn erzielen. Denn wenn ein noch so gutes Angebot wirtschaftlich nicht tragfähig ist, wird es über kurz oder lang trotz hoher Nachfrage wieder vom Markt verschwinden. In diesem Fall ist es auch uninteressant, mögliche Schuldige zu benennen. Selbstverständlich haben öffentlich geförderte Musikschulen andere Rahmenbedingungen, doch ist dies das Ergebnis einer politischen Willensbildung. Und diese Tatsache muss von vornherein mit in die Entwicklung des Geschäftsmodells einbezogen werden.

Allein oder gemeinsam? Bereits während der Planungsphase muss man die eigenen Fähigkeiten auf den Prüfstand stellen und dabei möglichst ehrlich zu sich selbst sein. Eine Musikschule ist in der Regel kein Einpersonenunternehmen und die Fragen: „Wer passt zu mir?“ und „Wer ergänzt meine eigenen Kompetenzen optimal?“, sind zentral für das Gelingen einer Existenzgründung. Ein guter Instrumentalpädagoge ist nicht zwangsläufig auch ein guter und geschickter Geschäftsmann. Eine private Musikschule benötigt jemanden, der nicht nur in der Lage ist, sich mit den wirtschaftlichen, rechtlichen und geschäftlichen Belangen zu befassen, sondern der dies auch gerne tut. Jemand, der während der Büroarbeit ständig daran denkt, dass er jetzt eigentlich viel lieber mit den SchülerInnen arbeiten möchte, ist nicht die ideale Wahl für diesen Posten. Gerade der Verwaltungsbereich darf in der heutigen Zeit keinesfalls unterschätzt werden.


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musikschule )) DIREKT 2.2015

Es gibt Unterstützung Wer ein Unternehmen gründen will, kann auf die verschiedensten Unterstützungsangebote zugreifen. Bereits vor der Existenzgründung können Unternehmens- und Existenzgründungsberater helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Bei solchen Beratungen wird auch eine erste Begutachtung des Geschäftsmodells stattfinden, und nicht selten kann ein guter Berater auch helfen, Schwachstellen in einem Konzept zu erkennen und zu beheben. Kostenlose Beratung für Existenzgründer bieten die Arbeitsagenturen: www.arbeitsagentur.de/web/ content/DE/BuergerinnenUndBuerger/ ArbeitundBeruf/Existenzgruendung Auch Gewerkschaften bieten Seminare zur Existenzgründung an, z. B.: http://dju-berlinbb.verdi.de/aktuell/ veranstaltungen/++co++08dcccda35ee-11e4-a411-525400a933ef Diese Seminare sind häufig auch für Nichtmitglieder zugänglich. Besonders hilfreich sind auch die Industrie- und Handelskammern (IHK). Diese bieten in der Regel kostenfreie Gründerseminare an und stellen im Anschluss an diese Seminare gegebenenfalls eine finanzielle Unterstützung für die Gründungsberatung oder auch für ein betriebswirtschaftliches Coaching zur Verfügung. Als Einstieg bietet sich die Internetseite des Deutschen Industrie- und Handelskammertags an. Hier ist vor allem der IHK-FINDER interessant, der die jeweils zuständige IHK und die nächstgelegene Zweigstelle anzeigt. www.dihk.de Für den Einstieg in das Thema Selbstständigkeit ist die Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sehr hilfreich. Insbesondere das Expertenforum ist eine interessante Informationsquelle, zumal hier jeder seine Fragen direkt an die Experten aus dem Ministerium stellen kann. www.existenzgruender.de

musikschule )) DIREKT erscheint

alle zwei Monate als Supplement zu üben & musizieren

„Viel zu oft wird die Frage ,Kunst oder Kommerz?‘ gestellt. Nur mit Kunst und Kommerz jedoch kann eine private Musikschule zum Erfolg werden.“ Aber auch bei der Entwicklung des Geschäftsmodells kann es hilfreich sein, wenn sich mehrere GründerInnen gemeinsam Gedanken über die Angebote machen und dabei ihre unterschiedlichen Vorstellungen zu einem breiteren Angebot vereinigen. Nicht zuletzt ist es natürlich auch einfacher, die nötigen Anfangsinvestitionen auf mehrere MitstreiterInnen zu verteilen. Und womöglich kann gerade jemand, der auf den ersten Blick gar nicht so recht zu einer Musikschule zu passen scheint, dem Konzept eine besondere Wendung geben. Jemand mit guten EDV-Kenntnissen kann nämlich nicht nur die Internetseite betreuen, er könnte zum Beispiel auch Computerkurse anbieten und damit womöglich die musikalisch weniger interessierten Geschwister einer Schülerin ebenfalls als Kunden gewinnen. Aber auch ganz andere Kombinationen sind denkbar. So könnte in einer Zeit, in der Kinder häufig an Bewegungsmangel leiden, ein Bewegungs- oder Tanztherapeut eine Bereicherung für das Musikschulteam sein.

Die Situation an den öffentlichen Musikschulen hat sich durch die Sparzwänge in den vergangenen Jahren drastisch verschlechtert. Immer häufiger werden nur noch schlecht bezahlte Honorarverträge angeboten und auch die Ausstattung der Musikschulen spiegelt inzwischen den Mangel an Mitteln wieder. Dies alles führt zu Unterrichts- und Arbeitsbedingungen, die nicht nur für die SchülerInnen, sondern auch für die Lehrkräfte unbefriedigend sind. Hier kann es eine echte Befreiung sein, mit Gleichgesinnten selbst zu bestimmen, wie und unter welchen Bedingungen man arbeiten und lehren möchte. ))

Nur Mut Wer wirklich von seiner Idee überzeugt ist, sollte sich nicht von den Schwierigkeiten, die eine Existenzgründung mit sich bringt, abschrecken lassen. Es kann eine sehr befriedigende Erfahrung sein, endlich die eigenen Ideen umsetzen zu können und nicht mehr nur nach fremden Konzepten zu arbeiten.

Jürgen Simon ist Cellist im Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt (Oder). Er entwickelte ein Orchesterverwaltungsprogramm für sein Orchester.

Redaktion: Anja Bossen und Rüdiger Behschnitt Ständige Mitarbeiter: Jürgen Simon und Bernd Dahlhaus Layout: Rüdiger Behschnitt Grafik: Nele Engler


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