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Vorwort Das vorliegende Lexikon ist eine umfassend aktualisierte Neuauflage des Riemann Musiklexikons, erarbeitet auf der Basis des von Carl Dahlhaus und Hans Heinrich Eggebrecht 1978 herausgegebenen und 1995 ergänzten Brockhaus Riemann Musiklexikons. Letzteres war eine komprimierte Fassung der auf zwei Personenbände (I: 1959, II: 1961), zwei ebenso umfangreiche Ergänzungsbände (I: 1972, II: 1975) und einen separaten Sachteil (1967) stark angewachsenen 12. Auflage des Riemann. Der jetzige Fünfbänder ist das Ergebnis eines intendierten Kompromisses: Im Hinblick auf die Vorgänger stellt er sowohl eine gestraffte Revision als auch eine substanzielle Erweiterung in Umfang und Inhalt dar. Die lange, 130-jährige Tradition des Riemann war dabei Verpflichtung, einem möglichst breiten Kreis von Benutzern ein bequem zu handhabendes Nachschlagewerk zu allen Sachfragen und Grundbegriffen der Musikpraxis und Musiktheorie zu bieten und auf knappstem Raum möglichst genaue Informationen über Personen aus den Bereichen der Komposition, der nachschöpferischen Interpretation und der Fachwissenschaft zu vermitteln. Auf opulente Bebilderung wurde verzichtet, nicht jedoch auf erklärende Notenbeispiele, Tabellen und Zeichnungen von Instrumenten. Wert wurde gelegt auf die übersichtliche Anlage und Verständlichkeit der Darstellung und auf Zuverlässigkeit und Aktualität der Angaben. Das Lexikon richtet sich ebenso an Musik- und Theaterliebhaber wie an Fachmusiker, Wissenschaftler und Studierende. Selbstverständlich zu beachten war der heutige Stand des Wissens über Musik einschließlich der jüngsten, weltweiten Entwicklungen in der musikalischen Hoch- und Popularkultur, der Medientechnologie und in musikrelevanten Forschungsgebieten. Hierfür sprechen Stichwörter wie Ambient, Exilforschung, Gender Studies, Klangkomposition, Klangsynthese, Lautpoesie, Musikarchäologie, New Musicology, New Wave, Postmoderne, Psychoakustik, Psychodelic Rock, Raumkomposition, Outlaw Music, Set Theory, Sprachkomposition, Szenische Kammermusik, Wahrnehmung, Weltmusik. Neu sind mehr als 30 umfangreichere Übersichtsartikel über die Musik einzelner europäischer Länder oder von Großregionen der Erde, die in einem universell ausgerichteten Lexikon heute
berücksichtigt werden müssen. Zusätzlich aufgenommen wurden fast eintausend Namen von Komponisten, Interpreten, Ensembles und Bühnenschaffenden, die in den letzten Jahrzehnten größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Grundlegende Sachartikel der Vorgängerwerke von unveränderter Relevanz wurden weitgehend beibehalten. Die in den vergangenen Dezennien sich enorm ausweitende Literatur wurde nach Möglichkeit berücksichtigt; der vorgesehene Umfang des Lexikons setzte der bibliographischen Auswahl enge Grenzen und erlaubte nur in Ausnahmen die Nennung von Aufsätzen aus Fachperiodica oder Sammelschriften. Die Autoren neuer und größerer Sachartikel sind über ein Kürzel festzustellen; Artikel ohne Kürzel oder mit der Angabe Sl wurden von der Schriftleitung oder von den nachstehend genannten Spezialisten erarbeitet; Letzteres gilt auch für die generell ungezeichneten Personenartikel. Von den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Artikelgruppen betreut haben, seien erwähnt: Dr. Martin Albrecht-Hohmaier (Verlagswesen), Stephan Blaut M. A. (Tasteninstrumente, Harmonik, Orgelmusik), Dr. Pietro Cavalotti (Musik in Südeuropa und Südamerika), Dr. Annette van Dyck-Hemming (Musik in Nordamerika), Prof. Dr. Kathrin Eberl-Ruf (Musikinstrumente, Akustik), Prof. Dr. Golo Föllmer (Klangkunst, Multimedia), Dr. Christiane Hausmann (Filmmusik, italienische Musik), Prof. Dr. Jan Hemming (systematische Musikwissenschaft), PD Dr. Rainer Heyink (italienische Musik), Dr. Simone Hohmaier (Musik in Südost- und Nordeuropa), PD Dr. Juliane Riepe (italienische Musik), Hagen Jahn M. A. (Schriftsteller, Tänze), PD Dr. Stefan Keym (französische und polnische Musik), Prof. Dr. Matthias Kruse (Musikpädagogik), Gerhard Menzel M. A. (Instrumentalinterpreten), Olaf Parusel M. A. (populäre Musik), Dr. Regina Randhofer (Musik der Antike, christliche und jüdische Liturgie, Musik in Osteuropa und Afrika), Prof. Dr. Clemens Risi (Gesangsinterpreten, Regisseure), Tobias Richtsteig M. A. (Jazz), Dr. Margret Zuther-Scharrer (französische Musik), Prof. Dr. Gretel Schwörer-Kohl (Musikethnologie), Joachim Seibt M. A. (Komponisten), Robert Sollich M. A. (Gesangsinterpreten, Regisseure), Dr. Kendra Stepputat (Musikethnologie), Dr. Gilbert Stöck (Fachterminologie, Musik-
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Vorwort
forscher, deutsche und รถsterreichische Musik), Dr. Katrin Stรถck (Musiktheater, Tanz, Gesang, Musik in der DDR, russische Musik), Cordula Timm-Hartmann M. A. (protestantische Kirchenmusik), Franziska Thron M. A. (Interpreten), Dr. Undine Wagner (Instrumentalinterpreten, tschechische Musik). Gedankt sei allen Personen, die an dem Lexikon mitgewirkt haben, den Autorinnen und Autoren, den Bearbeitern, dem Redaktionsstab in Halle, besonders Frau Dr. Stรถck und Herrn Blaut M. A., sowie den Mitarbeitern des Verlags, Frau Dr. Astrid Bernicke, Frau Elke Dรถrr und Frau
Dr. Hildegard Hogen. Zu Dank verpflichtet sind wir Herrn Dr. Rainer Mohrs, der das Projekt angeregt hat, und ganz besonders Herrn Dr. Peter Hanser-Strecker, der als Verleger den Mut bewiesen hat, in der heutigen digitalen Zeit ein solch umfangreiches Lexikon in Buchform zu verantworten und der Fachwelt und interessierten ร ffentlichkeit vorzulegen. Halle/Saale im Herbst 2012 Wolfgang Ruf Annette van Dyck-Hemming
A
A, 1) Ton-Name: In der mittelalterlichen → Buchstaben-Tonschrift begann die Reihe meist mit A, das im System der → Kirchentöne Confinalis des Dorischen ist. Glareanus (1547) fügte auf A den Aeolius hinzu. Seit Zarlino (1571) ist der Ionius auf C primo modo; dadurch rückte der Anfangsbuchstabe des Alphabets an die 6. Stelle (C D E F G A H). Bei den romanischen Völkern hat die Solmisationssilbe La den Buchstaben verdrängt. Die Erniedrigung um einen Halbton heißt As (engl. A flat; frz. la bémol; ital. la bemolle), um zwei Halbtöne Asas (engl. A double flat; frz. la double bémol; ital. la doppio bemolle), die Erhöhung um einen Halbton Ais (engl. A sharp; frz. la dièse; ital. la diesis), um zwei Halbtöne Aisis (engl. A double sharp; frz. la double dièse; ital. la doppio diesis). 2) → Stimmton, → Kammerton. 3) Akkord- und Tonartbezeichnung: A = A-Dur, a = aMoll. In der neueren Musik meint ein Titel wie Serenade in A (Strawinsky) erweiterte Tonalität mit Terzfreiheit. 4) Abk. für Altus (Alt), auch für Antiphon. Aaron, auch Aron, Pietro, * um 1489 Florenz, † nach 1545 Venedig oder Florenz (?); ital. Musiktheoretiker, um 1523 in Venedig und daneben Kanonikus in Rimini, später (1536) Mönch im Kloster S. Leonardo zu Bergamo, dann in Padua, zuletzt in Venedig. Er schrieb: Libri tres de institutione harmonica (Bologna 1516, ital., ins Lat. übers. von G. A. Flaminio); Thoscanello de la musica (Venedig 1523, weitere Aufl. bis 1562 unter dem Titel Toscanello in musica); Trattato della natura et cognitione di tutti gli tuoni di canto figurato … (ebd. 1525); Lucidario in musica di alcune oppe nioni antiche et moderne (ebd. 1545); Compendiolo di molti dubbi, segreti et sentenze intorno al canto fermo, et figurato … (Ml. nach 1545). Ausgaben Libri tres de institutione harmonica, Faks., = Bibl. musica Bononiensis II, 8, Bologna 1970 || Trattato della natura …, Faks., hrsg. v. W. ELDERS, = Musica revindicata o. Nr., Utrecht 1966 | dass., Faks., = Bibl. musica Bononiensis II, 9, Bologna 1970 || Toscanello in musica, Faks. d. Ausg. ²1529, ebd. II, 10, 1969 | dass., Faks. d. Ausg. 31539, hrsg. v. G. FREY, = DMl I, 29, Kassel 1970 || Lucidario in musica, Faks., = Bibl. musica Bononiensis II, 12, Bologna 1969. Literatur P. BERGQUIST JR.: The Theoretical Writings of P. A., Diss. Columbia Univ., N. Y., 1964 | H. POWERS: Is Mode Real? P. A., the Octonary System, and Polyphony, in: Basler Jb. f. hist. Musikpraxis XVI, 1992 | M. BENT: Accidentals, Counterpoint and Notation in A.’s »Aggiunta« to the »Toscanello in musica«, in: Journal of Musicology XII, 1994 | C. C. JUDD: Reading Aron Reading Petrucci: The Music Examples of the Trattato della natura …, in: Early Music Hist. XIV, 1995.
Abaco, Evaristo Felice dall’A., → Dall’Abaco, E. F. a battu̱ ta [ital.], → Battuta.
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ABBA, schwedische Popgruppe, bestehend aus Göran Bror Benny Andersson, * 16. 12. 1946 Stockholm, Agnetha Åse Fältskog, * 5. 4. 1950 Jönköping, Anni-Frid Synni Lyngstad, * 15. 11. 1945 Ballangen (Norwegen), und Björn Kristian Ulvaeus, * 25. 4. 1945 Göteborg. Drei Jahre nach ihrer Gründung gewann die Gruppe als »ABBA«, einem Akronym der Vornamen ihrer Mitglieder, den Grand Prix d’Eurovision de la Chanson 1974 mit dem Lied Waterloo. Bis zu ihrer Auflösung 1982 komponierten Andersson und Ulvaeus viele international erfolgreiche Hits wie Ring, Ring (1973), Mama Mia (1975), Fernando (1976), Dancing Queen (1977), Knowing Me Knowing You (1977), Money, Money, Money (1977), Take a Chance on Me (1978), Super Trouper (1980), zum Teil zu Worten des Texters Stig Anderson, der gleichzeitig der Manager von A. war. Obwohl die Lieder harmonisch oft nur auf wenigen Akkorden beruhen und melodisch-rhythmisch einfach konzipiert sind, gelang es A. zusammen mit ihrem Toningenieur Michael B. Tretow, einen wiedererkennbaren, tanzbaren Popsound zu schaffen, der neue Standards setzte und zugleich vielseitig genug war, dass A.s Musik auch zu Beginn des 21. Jh. populär blieb. Literatur B. C. PEMBETON: The A. Phenomenon, Stafford 1977 | J. TOBLER: A. Gold. The Complete Story, NY 1983 | A. FÄLTSKOG: As I am: Abba Before & Beyond, Ldn 1997 | C. M. PALM: Bright Lights, Dark Shadows. The Real Story of A., Ldn 2001, dt. Bln 2002 | PH. TAGG: Fernando the Flute: Analysis of Affect in an A. Number, NY 2001 | J.-M. POTIEZ: A. La Légende, Paris 2001, engl. Ldn 2003.
Abba̱ do, Claudio, * 26. 6. 1933 Mailand; Dirigent und Pianist, ausgebildet von Enzo Calace (Klavier), Br. Bettinelli und G. Paribeni (Kompos.) am Cons. di Musica G. Verdi in Mailand, gewann 1963 den 1. Preis des Internationalen Wettbewerbs D. Mitropoulos. A. war 1977–79 künstlerischer Direktor, 1968–86 leitender Dirigent der Mailänder Scala, 1979–88 Chefdirigent des London Symphony Orchestra, 1986–91 Musikdirektor der Wiener Staatsoper, wurde 1987 GMD der Stadt Wien. 1989–2002 war A. als Nachfolger H. v. Karajans Künstlerischer Leiter des Berliner Philharmonischen Orchesters. A. ist Gründer und Musikdirektor des European Community Orchestra (1978) und des Gustav-Mahler-Jugend-Orchesters (1986), ferner Künstlerischer Berater des Chamber Orchestra of Europe (1981), Initiator und Künstlerischer Leiter von »Wien Modern«, Festival zeitgenössischer Kunst (1988), und von »Berliner Begegnungen«, Kammermusikfestival (1992), sowie des Wiener Internationalen Kompositionswettbewerbs (1991). 1994–2002 war A. Künstlerischer Leiter der Salzburger Osterfestspiele und wurde 2003 Chefdirigent des Luzern Festival Orchestra. Er setzt sich für neue mus. Aufführungsformen und zeitgenössische Musik ein. A. schrieb La casa dei suoni (Ml. 1986, dt. Würzburg 1995) und Musica sopra Berlino (Ml. 1998, dt. Ffm. 2001).
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Abbatini
Literatur FR. HAGER: Cl. A. Die Anderen in der Stille hören, Ffm. 2000 | CHR. FÖRSCH: Cl. A. Die Magie d. Zusammenklangs, Bln 2001 | U. ECKHARDT: Cl. A. Dirigent, Bln 2003.
Abbati̱ ni, Antonio Maria, * 26. 1. 1595 oder um 1600 Città di Castello (Umbrien), † 1679 ebd.; Komp., hatte bedeutende Ämter als Kpm. in Rom (u. a. an S. Giovanni in Laterano, S. Maria Maggiore) und an den Domen von Orvieto und Città di Castello inne. – Er schrieb geistliche Werke im mehrchörigen Kolossalstil, eine 16st. Messe, Vokalkonzerte, Motetten und Kantaten, ferner die heiteren Opern Dal male il bene (Rom 1664, 2. Akt von M. Marazzoli, Text von G. Rospigliosi) und La comica del cielo ò vero la Baltasara (Rom 1668) sowie die Huldigungsoper Ione zur Hochzeit Kaiser Leopolds I. (1666 Wien?). Literatur G. CILIBERTI: A. M. A. e la musica del suo tempo (1595–1679), Perugia 1986 | A. K. ANDRAE: Ein römischer Kpm. im 17. Jh.: A. M. A. (ca. 1600–1679). Studien zu Leben u. Werk, Herzberg (Harz) 1986.
Abblasen, vom Turm abeblasen, herabblasen (e turri tibiis canere, WaltherL) zu bestimmten Stunden und Anlässen. Es gehörte – wie auch das → Anblasen – zu den Obliegenheiten des Türmers oder Hausmanns, später zu den Pflichten der → Stadtpfeifer und Ratsmusiker, so für Halle (Saale) 1571: Des Mittages umb 11 Ohr, des Abendts umb 7, und frue Morgens umb drei schlege sollen sie wie von alters her alzeit Breuchlich gewest … uffm Rathause sein und alle vier daselbst vom gange herab blasen (Serauky, S. 282). Das A. diente zur Probe der Wachsamkeit und Verkündung der Stunden, ferner zu beßrer Zierde der Stadt bey denen Frembden (Zeitz 1701, bei Werner, S. 51) und zur Erweckung christlicher Andacht (J. Kuhnau 1700). Von den Türmen der Stadttore, der Plattform des Kirchen-, Rathaus- oder Schlossturmes (»Bläserturm« des Stiftes St. Florian, »Schmetterhaus« am Stadtturm in Troppau) bliesen die Musiker Fanfaren und Signale, Choralsätze und »Abblase-Stückgen« (Tanzsätze, »Turmsonaten«) in ihre pfeifen, krumhörner, zincken oder schalmeien (Trier 1593/94), mit Posaunen und Zincken … Cornetten und Trombonen (Lpz. 1670 u. 1694), wofür seit Mitte des 16. Jh. eigenständige → Turmmusik überliefert ist. Ununterbrochene Tradition des A. bestand teilweise bis ins 19. Jh. (Beleg für Zeitz 1836 bei Werner, S. 53). In neuerer Zeit erfuhr das Turmblasen eine Wiederbelebung, bes. als Weihnachts- und Neujahrsblasen. Literatur J. KUHNAU: Der Mus. Quack-Salber, Dresden 1700, hrsg. v. K. Benndorf, = Dt. Literaturdenkmale, N. F. XXXIII bis XXXVIII, Bln 1900, Nachdr. NY 1966 | A. ABER: Die Pflege d. Musik unter d. Wettinern u. wettinischen Ernestinern, = Veröff. d. Fürstlichen Inst. f. mw. Forschung zu Bückeburg IV, 1, Bückeburg u. Lpz. 1921 | A. WERNER: Städtische u. fürstliche Musikpflege in Zeitz bis zum Anfang d. 19. Jh., ebd. IV, 2, 1922 | A. SCHERING: Mg. Lpz. II, Lpz. 1926, III, Lpz. 1941 | W. SERAUKY: Mg. d. Stadt Halle I, = Beitr. zur Musikforschung I, Halle (Saale) 1935, Nachdr. Hildesheim 1971.
Abbreviatu̱ ren [lat.], Abk. im Rahmen der Notenschr., auch für die Vortrags- und Instrumentenbezeichnungen (Wort-A.). Die gebräuchlichsten A. der Notenschr. sind: 1) die Wiederholungszeichen: → Reprise, → da capo, → dal segno, → primo; Wiederholung kann gefordert werden auch durch die Bez. bis oder due volte (zweimal) sowie → come sopra. 2) das Zeichen für die Wiederholung eines halben oder ganzen Taktes bzw. einer Figur:
wofür meist folgendes Zeichen (scherzhaft »Faulenzer« genannt) verwandt wird:
3) das Zeichen für die Tonrepetition, wobei die Abbreviatur anzeigt, in welche Notenwerte die längeren Noten (als Trommelfigur) aufgelöst werden, z. B.
4) die Zeichen für den fortgesetzten Wechsel verschiedener Töne (tremolando; → Tremolo). Die Anzahl der die beiden Noten verbindenden Querbalken bezeichnet die Notenwerte der Ausführung (→ Brillenbässe):
5) Bes. in älterer Musik wurde die Fortsetzung einer Form der Akkordbrechung durch die Beischrift segue (→ segue 2) oder simile, auch → Arpeggio verlangt:
6) Für das Glissando werden nur Anfangs- und Zielton notiert und die Zwischentöne durch einen Strich ersetzt:
Abel
7) In ähnlicher Weise wird die Fortsetzung einer Passage oder Figuration durch A. bezeichnet:
8) das Oktavzeichen:
ma
Seltener ist 16 (alta oder bassa; richtigerweise auch 15) für die Versetzung um zwei Oktaven. Die Bez. c. 8va … (über oder unter einzelnen Noten auch bloß 8) bedeutet con (coll’)ottava oder con ottava bassa, anstatt ausgeschriebener Oktaven. 9) In Partituren erspart man das Ausschreiben gekoppelter Stimmen durch Anweisungen wie: flauto col violino in 8va; fagotto col basso (»mit dem Bass«, d. h. dieselben Noten wie dieser); Oboe IIdo col Imo (→ due). In Orchester- oder Chorstimmen wird eine längere Folge von → Pausen durch besondere Zeichen vermerkt. Die wichtigsten Wort-A. sind (auch → A, → B, → C usw.):
Acc., acc. accel., acc. Accomp. Ad° ad lib., ad libid. All° arc. arp., arpegg. a t. B. c. C. f. conc. Cont. c. p. cres., cresc. Dal S., D. S., Dal Seg. D. C. decr., decresc. dim., dimin.
= Accompagnamento ( Begleitung), Accompagnato accelerando = Accompagnamento ( Begleitung), Accompagnato Adagio ad libitum Allegro = coll’arco ( arco) arpeggio a tempo Basso continuo concertato, concertant = Continuo ( Basso continuo) colla parte crescendo dal segno da capo decrescendo diminuendo
div. espr., espress. , , Flag. gliss. G. P. l. H. marc. M. M. mod. m. v. obbl., obl. op. (posth.) , , Ped., P. pizz. princ., pr. rall., rallent. , , rinf. r. H. rip. rit., ritard. rit., riten. seg. , smorz. sord. sost., sosten. spicc. stacc. string. s. v. ten. , trem. T. S., t. s. unis. v. s.
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divisi espressivo forte, fortissimo, forte fortissimo forzatissimo ( sforzato) Flageolett 3) fortepiano ( forte) forzato ( sforzato) glissando Generalpause linke Hand marcato mezzoforte ( forte) Metronom Mälzel moderato mezzopiano ( piano) mezza voce obligat, obbligato, obligé Opus (post[h]umum) piano, pianissimo, piano pianissimo Pedal 1) poco forte; 2) più forte ( forte) pizzicato principale rallentando rinforzando rechte Hand ripieno ritardando ritenuto segue sforzato sforzato piano ( sforzato) smorzando ( morendo) con sordino sostenuto spiccato staccato stringendo sotto voce tenuto Triller tremolo, tremolando Tasto solo unisono volti subito
Literatur R. SCHAAL: Abk. in d. Musikterminologie, = Taschenbücher zur Mw. I, Wilhelmshaven 1969.
Abel, Carl Friedrich, * 22. 12. 1723 Köthen, † 20. 6. 1787 London; Gambist und Komp., angeblich Schüler der Thomasschule in Leipzig, 1746–58 Mitglied der
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Abel-Struth
Dresdner Hofkapelle, ab 1759 in London, wurde dort Kammermusikus der Königin Charlotte und leitete mit J. Chr. Bach 1765–82 die Abonnementskonzerte (BachAbel-Concerts). Er schrieb zahlreiche Sinfonien im Stil der Mannheimer Schule, auch eine Sinfonia concertante für 12 St., Klavierkonzerte, Streichquartette, Triosonaten, Klaviersonaten und Violinsonaten mit obligatem Kl. (op. 5, 13, 18) sowie zahlreiche Gambenstücke. Ausgaben GA, hrsg. v. W. KNAPE, 16 Bde., Cuxhaven 1958–76. Literatur S. F. HELM: C. Fr. A., Symphonist, Diss. Univ. of Michigan 1953 | GW. BEECHEY: C. Fr. A.’s Six Symph., Op. 14, ML LI, 1970 | W. KNAPE: K. Fr. A., Bremen 1973 (mit Werkverz.) | DERS.: K. Fr. A., ein Wegbereiter Mozarts u. Haydns, in: Acta Mozartiana XXXIV, 1987.
Abel-Struth, Sigrid, * 24. 7. 1924 Breitscheid (LahnDill-Kreis), † 2. 2. 1987 Bad Soden; Musikpädagogin, promovierte 1949 in Mainz mit der Diss. Das weihnachtliche Hirtenlied, redigierte 1949–56 die Zeitschrift »Musik im Unterricht« und habilitierte sich 1971 in Köln mit einer Arbeit über Materialien zur Entwicklung der Musikpädagogik als Wissenschaft (Mainz 1970). Ab 1974 war sie Prof. für Musikpädagogik an der Univ. Frankfurt am Main. S. A.-Str. gab die Reihe Musikpädagogik. Forschung und Lehre (Mainz 1970 ff.) heraus und schrieb Ziele des Musiklernens (2 Bde., Mainz 1978/79) sowie Grundriß der Musikpädagogik (Mainz und Darmstadt 1985). Abendmusik, im 17. und 18. Jh. Zyklus öffentlicher Konzerte, die die Organisten der Lübecker Marienkirche regelmäßig an den beiden letzten Trinitatissonntagen und dem 2. bis 4. Adventssonntag im Anschluss an den Nachmittagsgottesdienst veranstalteten, sowie die an diesen fünf Sonntagen aufgeführte zusammenhängende, oratorienartige Kompos. Ihren Ursprung soll die A. in Orgelkonzerten haben, die die Lübecker Organisten vor Eröffnung der auf dem offenen Markt gehaltenen Börse veranstalteten. Schon Fr. Tunder zog für sein »Abendspielen« Hilfskräfte heran. Buxtehude begründete während seiner Amtszeit (1668–1707) den Ruhm der A., die bis 1789 vom Organisten selbst komponiert wurde. Statt Eintrittsgeld zu erheben, versandte dieser die gedruckten Textbücher und erhielt dafür freiwillige Spenden; einen festen Betrag stellte die Kaufmannschaft zur Verfügung. Buxtehude hat noch nicht immer eine zusammenhängende, sich über die fünf Sonntage erstreckende A. aufgeführt, wie es unter den Amtsnachfolgern J. Chr. Schieferdecker, J. P. und A. C. Kunzen und C. v. Königslöw zur Regel wurde, sondern gelegentlich auch gemischte Programme mit Kantaten und Chören geboten. Außer dem in Uppsala aufgefundenen, ihm zugeschriebenen »Jüngsten Gericht« (dessen Bestimmung als A. umstritten ist), sind von den A. Buxtehudes nur wenige Textbücher erhalten (1678 und 1700), ferner solche von zwei als »extraordinäre A.« bezeichneten Gelegenheitskompositionen für Wochen-
tage. Die A. wurde 1789 zum letzten Mal in der Kirche aufgeführt; 1810 endeten auch die Aufführungen im Konzertsaal. Literatur W. STAHL: Die Lübecker A.n im 17. u. 18. Jh., Lübeck 1937 | O. SÖHNGEN: Die Lübecker A.n als kirchengesch. u. theologisches Problem, MuK XXVII, 1957 | G. KARSTÄDT: Die »Extraordinären« A.n D. Buxtehudes, = Veröff. d. Stadtbibl. Lübeck, Neue Reihe XV, Lübeck 1962 | DERS.: Die Instr. in d. Kantaten u. A.n D. Buxtehudes. in: Fs. K. Gudewill, Wolfenbüttel 1978 | K. J. SNYDER: Lübecker A.n, in: Studien zur Mg. der Hansestadt Lübeck, hrsg. v. A. Edler u. H. W. Schwab, = Kieler Schriften zur Mw. XXXI, Kassel 1989 | G. FLAHERTY: Literary Perspectives on the Text of Buxtehude’s A.n, in: Church, Stage, and Studio: Music in its Contexts in 17th-Cent. Germany, hrsg. v. P. Walker, Ann Arbor, Mich., 1990.
Abendroth, Fedor Georg Walter, * 29. 5. 1896 Hannover, † 30. 9. 1973 Fischbachau; Musikschriftsteller und Komp., wirkte als Musikkritiker vorwiegend in Köln, Hamburg und Berlin, wo er, nationalistischen Tendenzen der 1930er und 40er Jahre folgend, der mus. Avantgarde kritisch begegnete. – Schriften: H. Pfitzner (Mchn 1935); Kleine Gesch. der Musik (Ffm. 1959; NA als Kurze Gesch. der Musik, Kassel 1988). Literatur W. MOHR: Erinnerungen an W. A., in: Mitt. d. H.Pfitzner-Ges. XXXV, 1976 | J. ALLENDE-BLIN: Verlust d. Tradition als Ausgrenzung d. Fremden, in: Musiktradition im Exil. Zurück aus d. Vergessen, hrsg. v. dems., Köln 1993.
Abendroth, Hermann, * 19. 1. 1883 Frankfurt am Main, † 29. 5. 1956 Jena; Dirigent, Schüler von L. Thuille und F. Mottl, wurde 1915 Leiter der GürzenichKonzerte und Direktor des Kons. in Köln (Nachfolger von Fr. Steinbach), 1918 Städtischer GMD, 1922 Leiter des Niederrheinischen Musikfestes, war 1934–45 Gewandhauskapellmeister in Leipzig und wirkte gleichzeitig am Kons. 1945 wurde er mus. Oberleiter in Weimar, 1949 auch Dirigent des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters in Leipzig und 1953 des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters in Berlin (Ost). Als Gastdirigent im In- und Ausland gelangte A. zu internationalem Ruf. a bene placito [aˈbɛːneˈplaːtʃito, ital.], nach Belieben, frei im Vortrag; → ad libitum 1). Abert, 1) Anna Amalie, Tochter von Hermann A., * 19. 9. 1906 Halle (Saale), † 4. 1. 1996 Kiel; Musikforscherin, promovierte 1934 in Berlin mit der Diss. Die stilistischen Voraussetzungen der »Cantiones sacrae« von H. Schütz (= Kieler Beitr. zur Mw. II, Wolfenbüttel 1935; Nachdr. = Kieler Schr. zur Mw. XXIX, Kassel 1986) und habilitierte sich 1943 in Kiel mit der Schr. Cl. Monteverdi und das mus. Drama (Lippstadt 1954). Sie war 1962–71 Prof. an der Univ. Kiel, auch Mitarbeiterin an der Gluck-Ausg. und an der Neuen MozartAusg. – Schriften: Chr. W. Gluck (Mchn 1959, Zürich 1960); Die Opern Mozarts (Wolfenbüttel 1970); R. Strauss: Die Opern (Velber bei Hannover 1972); Gesch.
Abraham
d. Oper (Kassel 1994). Zum 65. Geburtstag wurde ihr die Fs. Opernstudien (Tutzing 1975) gewidmet, zum 85. Geburtstag die Fs. Traditionen-Neuansätze (ebd. 1997, beide hrsg. v. K. Hortschansky). 2) Hermann, Sohn von Joseph A., * 25. 3. 1871 Stuttgart, † 13. 8. 1927 ebd.; Musikforscher, studierte klassische Philologie und promovierte 1897 in Tübingen, veröffentlichte die Schr. Die Lehre vom Ethos in der griech. Musik (= Breitkopf & Härtels Slg mw. Arbeiten II, Lpz. 1899, Nachdr. Tutzing 1968) und habilitierte sich 1902 in Halle (Saale) mit der Studie Die ästhetischen Grundsätze der mittelalterlichen Melodiebildung. 1909 wurde er ordentlicher Honorarprof. in Halle (Saale), 1918 Prof., folgte 1920 einem Ruf als Nachfolger H. Riemanns nach Leipzig und 1923 als Nachfolger H. Kretzschmars an die Univ. Berlin. Als erste seiner Arbeiten auf dem Gebiete der Biographie erschien 1903 sein Buch über R. Schumann. Es folgten die Studie Die Musikanschauung des Mittelalters und ihre Grundlagen (Halle/Saale 1905, Nachdr. Tutzing 1964) und N. Jomelli als Opernkomp. (Halle/Saale 1908, Nachdr. Tutzing 1991). Nach dem Tode seines Vaters schrieb er dessen Biographie (J. J. Abert, Lpz. 1916; neu hrsg. v. A. A. Abert, = Beitr. zur Mg. d. Sudetendeutschen I, Bad Neustadt a. d. Saale 1983). Sein Hauptwerk, W. A. Mozart (2 Bde., Lpz. 1919–21 u. ö., Register-Bd. v. E. Kapst 1966 u. ö.), erschien als 5. Aufl. der Mozart-Biographie von O. Jahn, ist aber ein neues, nach wie vor grundlegendes Werk. Literatur H. A., Gesammelte Schr. u. Vorträge, hrsg. v. Fr. Blume, Halle (Saale) 1929, Nachdr. Tutzing 1968 | Gedenkschr. f. H. A., hrsg. v. dems., Halle 1928, Nachdr. Tutzing 1974 | A. A. ABERT: H. A.s Weg zur Mw., DJbMw IX, 1964, auch in: Musa – Mens – Musici, Gedenkschr. W. Vetter, Lpz. 1969 | H. A. BROCKHAUS: H. A.s Konzeption d. mus. Historiographie, Habil.-Schr. Bln (HU) 1966 | K. J. FUNK: H. A., Musiker, Musikwissenschaftler, Musikpädagoge, Stg. 1994 | W. RUF: H. A. u. die Händel-Renaissance, in: Händel-Jb. XLVIII, 2002.
3) Johann Joseph, Vater von Hermann A., * 20. 9. 1832 Kochowitz (Böhmen), † 1. 4. 1915 Stuttgart; Komp. und Kpm., erhielt seine mus. Ausbildung als Schüler von J. Fr. Kittl und A. W. Ambros am Prager Kons., wurde 1853 als Kontrabassist in die Stuttgarter Hofkapelle aufgenommen und war 1867–88 dort Hofkpm. – Er schrieb eine Symph. c-Moll (1854), eine programmatische Symph. Columbus (1864), eine Frühlingssinfonie C-Dur (1894) sowie die Opern Anna von Landskron (Stg. 1858), König Enzio (Stg. 1862, 2. Fass. als Enzio von Hohenstaufen, Stg. 1875), Astorga (1866), Ekkehard (Bln 1878) und Die Almohaden (Lpz. 1890). Literatur H. ABERT: J. J. A., Lpz. 1916, Neudr. Bad Neustadt a. d. Saale 1983 (= Beitr. zur Mg. d. Sudetendt. I) | A. A. ABERT: Ein Circumpolarer zw. Tradition u. Forschritt, in: Fs. H. Becker, Laaber 1982 | W. HADER: J. J. A.: Zur Renaissance eines dt.-böhmischen Komp., in: Ethnonationale Wechselbezie-
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hungen in der mitteleurop. Musik, Kgr.-Ber. Brno 1991, hrsg. v. P. Macek, Brno 1994.
Abgesang, → Bar. Ablinger, Peter, * 15. 3. 1959 in Schwanenstadt (Oberösterreich); Komp., 1974–82 Studien von Grafik, JazzKlavier (Musikhochschule Graz) und Kompos. (privat bei G. Neuwirth und R. Haubenstock-Ramati). Die installativ-konzeptionelle Werkreihe weiss/weisslich (1980 ff.) beschränkt sich auf die Auswahl einer mus. Situation. In der Reihe Quadraturen (1995 ff.) überträgt A. Geräuschspektren auf Partituren für Instrumentalensemble. Experimente mit Eintonstücken und Rauschen (Zyklus Instrumente und ElektroAkustisch Ortsbezogene Verdichtung, 1995–2000) zielen auf eine Konzentration der Zeit im Augenblick. – Schriften: Weiss/Weisslich 11 a, Geräuschheft, 1984–86, Saarbrücken 2001. Literatur S. SANIO: Portrait P. A., NZfM, CLIX/1, 1998 | F. KAWOHL: Jenseits des Werkbegriffs, in: Gesch. d. Musik im 20. Jh.: 1975–2000, = Hdb. d. Musik im 20. Jh., Bd. 4, hrsg. v. H. de la Motte-Haber, Laaber 2000.
Abraham [ˈeɪbrəhæm], Gerald Ernest Heal, * 9. 3. 1904 Newport (Insel Wight), † 18. 3. 1988 Ebernoe Petworth; Musikforscher, war 1935–47 und 1962–67 bei der BBC in London tätig, wirkte 1947–62 als Prof. für Musik an der Univ. in Liverpool. – Schriften: Studies in Russ. Music (Ldn 1935 u. ö.); Masters of Russ. Music (Ldn 1936, gemeinsam mit M. D. Calvocoressi); A Hundred Years of Music (Ldn 1938 u. ö.); On Russ. Music (Ldn 1939, Nachdr. NY 1970); Chopin’s Mus. Style (Ldn 1939, ²1960); Beethoven’s Second-Period Quartets (Ldn 1942); Eight Soviet Comp. (Ldn 1943, Nachdr. Westport, Conn., 1970), The Concise Oxford History of Music (Ldn 1979 u. ö., dt. als Geschichte der Musik, 2 Bde., = Das große Lexikon d. Musik, hrsg. v. M. Honegger u. G. Massenkeil, Bd. IX/X, Freiburg i. Br. 1983). Außerdem gab er die Bände III, IV, VI, VIII und IX der New Oxford History of Music und die diese Reihe ergänzende Schallplatten-Beispielsammlung The History of Music in Sound heraus. Aufsätze sind in Slavonic and Romantic Music (Ldn 1968) gesammelt. Ihm wurde die Fs. Slavonic and Western Music (Ann Arbor, Mich., 1985) gewidmet. A̱ braham, Lars Ulrich, * 25. 4. 1922 Pförten (Niederlausitz), † 21. 2. 2003 Berlin; Musikforscher und Musikpädagoge, promovierte 1960 an der Freien Univ. Berlin mit der Diss. Der Generalbaß im Schaffen des M. Praetorius und seine harmonischen Voraussetzungen (= Berliner Studien zur Mw. III, Bln 1961). 1969–82 war A. Prof. an der Musikhochschule in Freiburg im Breisgau. Er veröffentlichte: Harmonielehre (2 Bde., Köln 1965– 69); Musik als Schulfach (mit H. Segler, Braunschweig 1966); Einführung in die Notenschr. (Köln 1969), Melodielehre (mit C. Dahlhaus, ebd. 1972).
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Abraham
Abraham, Max, C. F. P. → Peters. A̱ braham, Paul, eigentlich Pál Ábrahám, * 2. 11. 1892 Apatin (Südungarn), † 6. 5. 1960 Hamburg; Komp., Schüler der Musikakademie in Budapest, schrieb zahlreiche Operetten und Musicals und mehr als 30 Filmmusiken. Seine Hauptwerke sind Victoria und ihr Husar (Budapest 1930), Blume von Hawaii (Lpz. 1931) und Ball im Savoy (Bln 1932). A. emigrierte 1933 nach Paris und siedelte 1938 in die USA über, konnte sich dort jedoch nicht etablieren. Von 1956 an lebte er in einem Nervensanatorium in Hamburg.
H. Chr. Koch (1802) beschreibt sie als Abbrechen des Satzes an ungewöhnlichem Ort, z. B. wenn nach Subdominante und Dominante eine Generalpause folgt, ehe die Tonika erscheint. Die A. ist verwandt mit der → Ellipsis.
Literatur G. SEBESTYÉN: P. A., Wien 1987.
Absetzen, auch → intavolieren, Terminus für die Übertragung eines Vokalstückes in die → Tabulatur 1).
A̱ brahamsen, Hans, * 23. 12. 1952 Kopenhagen; Komp., studierte 1969–71 am Kongelige Danske Musikkons. in seiner Heimatstadt, dann an der Musikakademie in Århus und bei P. Nørgård. 1995 wurde A. Prof. für Komp. und Musiktheorie am Kongelige Danske Musikkonservatorium. – In seine rhythmisch und dynamisch kontrastreichen Kompos. bezieht er sowohl Elemente der romantischen Musiksprache als auch der skandinavischen Folklore ein.
Absịl, Jean, * 23. 10. 1893 Bonsecours (Hennegau), † 2. 2. 1974 Brüssel; belg. Komp. und Musikpädagoge, leitete 1923–58 die Musikakademie Etterbeek und bekleidete daneben eine Professur am Brüsseler Kons. A. war Direktor der Classe des Beaux-Arts der Académie Royale de Belgique (1968 Präsident). Sein Stil ist von polytonalen und polyrhythmischen Verlaufsformen bestimmt.
Werke Orchesterwerke: Symfoni i C (1972); Nacht und Trompeten (1981); Märchenbilder für 14 Spieler (1984); Aarhus Ragtime (1990); Klavierkonzert (2000); Fünf Stücke für Orch. (2004), Schnee für Kammerorch. (2006). – Kammermusik: Streichquartett Nr. 1: 10 Praeludier (1973, rev. 1976) und Nr. 2 (1981); Winternacht für 7 Instr. (1987); Storm og stille (1988) und Hymn (1990) für Vc. solo; Storm og stille med hymne og capriccio bagateller für V., Va. und Vc. (1994); Cellosonate (1999); Three Little Nocturnes für Streichquartett (2005). Literatur ST. KLEIBERG: H. A. musikk, poetisk billedkraft i mus. form, in: Studia musicologica norvegica XIV, 1988 | S. MØLLER SØRENSEN: Ny musik, men ikke modernisme. To unge komponister i de danske 1970ere – K. A. Rasmussen og H. A., in: Dansk arbog for musikforskning XXVI, 1998 | P. E. RASMUSSEN: Lydbilleder. En introduktion til H. A.s musik, in: Dansk musiktidsskrift LXXXIII, 2009.
Abrụptio [lat. »das Abreißen«], in der Kompositionslehre des 17. und 18. Jh. eine mus. Figur, deren allgemeines Merkmal das unerwartete Abbrechen oder Zerreißen des mus. Kontextes ist. Im Stylus recitativus ist die A. nach Chr. Bernhard (um 1650) und J. G. Walther (1732) gegeben, wenn die Singstimme in der Quarte endet und der Bass die Kadenz allein zu Ende führt:
oder (nach Bernhard) wenn statt eines Verlängerungspunktes eine Pause gesetzt wird:
Werke Opern Peau d’âne op. 26 (Rom 1942), Fansou ou le chapeau chinois op. 64 (Brüssel 1947) und Les voix de la mer op. 75 (ebd. 1954); Ballette Le miracle de Pan op. 71 (1949), Epouvantail op. 74 (1950) und Les météores op. 77 (Monte Carlo 1951); zahlreiche Quartette, Bläserquintette, Symph., symphon. Dichtungen, Solokonzerte und Chormusik. Literatur R. DE GUIDE: J. A., Tournai 1965.
Absolute Musik, als ästhetische Kategorie besonders des 19. Jh. die »reine« Musik, die in Form und Gehalt als absolut gilt im Sinne von »losgelöst« von »außermus.« Vorlagen (Texten, Szenarien, Überschriften, Sujets, Programmen) und vor allem als Instrumentalmusik in Erscheinung tritt. Während sich der ihr verwandte Begriff → Autonome Musik primär auf die Zweckfreiheit und gegen die »funktionale Musik« richtet, dreht sich der Diskurs über A. M. um den intendierten mus. → Ausdruck 1) und den Gegenbegriff → Programmmusik. Wohl als erster verwendete Wagner den Begriff A. M. (1846/1851), indem er ihn (analog zu Ludwig Feuerbachs an Hegel gerichtetem Vorwurf einer »absoluten« Philosophie) negativ bestimmte als Verabsolutierung der von Sprache und Tanz losgelösten Musik in der klass. Symphonie und – auf Kosten des Dramas – in der ital. Oper namentlich Rossinis. Dabei knüpfte er an eine weit ins 18. Jh. zurückreichende frz. Operndebatte an, bei der die ital. Arie von ihren Anhängern zum Paradigma rein mus., selbstzweckhafter Schönheit erhoben worden war (François-Jean de Chastellux; Piccinnisten; Madame de Staël). Hanslick wendete den Begriff A. M. 1854 mit Bezug auf die Wiener Klassik ins Positive: Nur die Instrumen-
Absorption
talmusik sei reine, absolute Tonkunst im Sinne jenes spezifisch Musikalisch-Schönen, das einzig in den Tönen und ihrer künstlerischen Verbindung liegt. Hanslick war der Hauptvertreter der – bereits bei Adam Smith und Christian Friedrich Michaelis vorgeprägten – klassizistisch-formalistischen Richtung der Idee der A. M., für die Musik primär ein geist- und phantasievolles Formenspiel darstellt. Von ihr ist die romantisch-metaphysische Richtung zu unterscheiden, die, ohne den Begriff A. M. zu verwenden, maßgeblich zur Anerkennung der Musik als nur durch sich selbst begründete Kunst beitrug. Die retrospektive Verwendung des Begriffs mit Bezug auf die romantische Musikanschauung gewinnt eine weitere Bedeutungsebene dadurch, dass die Romantiker die von der Nachahmungsästhetik bemängelte gehaltliche Unbestimmtheit der Musik positiv deuteten als Ausdruck des »Unendlichen« im Sinne des Absoluten. Begründer dieser »Metaphysik der Instrumentalmusik« (Carl Dahlhaus) waren W. H. Wackenroder und L. Tieck, der 1799 über die Instrumentalmusik äußerte, in ihr sei die Kunst unabhängig und frei, sie schreibt sich nur selbst ihre Gesetze vor, sie phantasiert spielend und ohne Zweck, und doch erfüllt und erreicht sie den höchsten […] und drückt das Tiefste, das Wunderbarste mit ihren Tändeleien aus. Mit Bezug auf Beethoven identifizierte E.T.A. Hoffmann 1810 die Musik als selbständige Kunst mit der Instrumentalmusik (als der romantischsten aller Künste), die das eigentümliche, nur in ihr zu erkennende Wesen dieser Kunst rein ausspricht und die dem Menschen ein Geisterreich aufschließt, das nichts gemein hat mit der äußern Sinnenwelt und in dem er alle bestimmten Gefühle zurückläßt, um sich einer unaussprechlichen Sehnsucht hinzugeben. Die Idee der A. M. dominierte in der dt. bürgerlichen Musikästhetik des 19. Jh. und wirkte weit ins 20. Jh. hinein. Neue Akzente erhielt sie in der metaphysischen Richtung u. a. durch die Bruckner-Deutungen von August Halm und Ernst Kurth, in der formalistischen Richtung durch die Bestimmung der Musik als Zeitkunst im Kreis um Strawinsky. Literatur FR.-J. DE CHASTELLUX: Essai sur l’union de la poésie et de la mus., Paris 1765, Nachdr. Genf 1970 | A. SMITH: Of the Nature of that Imitation which takes Place in what are called the Imitative Arts (nach 1777), Mth XV, 2000 | Querelle des Gluckistes et Piccinnistes. Texte des pamphlets, Paris 1781, Nachdr. Genf 1984 | W. H. WACKENRODER u. L. TIECK: Phantasien über d. Kunst, Hbg 1799 u. ö. | E. T. A. HOFFMANN: Rezension v. Beethovens 5. Symphonie (1810), in ders.: Schriften zur Musik, Berlin 1988 | R. WAGNER: Beethovens 9. Symph. Programm (1846), in ders.: Ges. Dichtungen u. Schriften, Bd. II, Lpz. ²1887 | DERS.: Oper u. Drama (1851), dass., Bd. III–IV, ebd. | E. HANSLICK: Vom Mus.-Schönen, Lpz. 1854 | E. KURTH: Bruckner, Bln 1925 | I. STRAWINSKY: Mus. Poetik (1939/40), dt. Mainz 1949 | G. BRELET: Le temps mus., Paris 1949 | A. HALM: Von Form u. Sinn d. Musik, hrsg. v. S. Schmalzriedt, Wiesbaden 1978 | CHR. FR. MICHAELIS: Ueber d. Geist d. Tonkunst u. a. Schriften, hrsg. v. L. Schmidt, Chemnitz 1997 | C. DAHL-
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Die Idee d. a. M., Kassel 1978, ²1987 | DERS.: Klass. u. romantische Musikästhetik, Laaber 1988 | J. NEUBAUER: The Emancipation of Music from Language, New Haven u. Ldn 1986 | A. V. MASSOW: A. M., HmT (1994) | Musik u. Religion, hrsg. v. H. DE LA MOTTE-HABER, Laaber 1995 | M. BRZOSKA: Die Idee d. Gesamtkunstwerks in d. Musiknovellistik d. Julimonarchie, Laaber 1995 | B. KLOSE: Die erste Ästhetik d. a. M. Adam Smith u. sein Essay über d. sogenannten imitativen Künste, Diss. Marburg 1996 | D. K. L. CHUA: Absolute Music and the Construction of Meaning, Cambridge 1999 | U. TADDAY: Das schöne Unendliche. Ästhetik, Kritik, Gesch. d. romantischen Musikanschauung, Stg. 1999 | B. HOECKER: Programming the Absolute. 19th-Cent. German Music and the Hermeneutics of the Moment, Princeton, NJ, 2002 | P. KIVY: Antithetical Arts. On the Ancient Quarrel between Literature and Music, Oxford 2009 | S. PEDERSON: Defining the Term »absolute music« historically, ML XC, 2009. HHE/StKy HAUS:
Absolutes Gehör, die Fähigkeit, erklingende Töne einer bestimmten Frequenz ohne Anhaltspunkte und Hilfsmittel (Vergleichstöne) eindeutig zu erkennen; sie ist im mittleren Hörbereich am sichersten entwickelt. Das A. G. ist nur teilweise erbbedingt, tritt relativ selten auf und kann nicht als Beweis für hohe mus. → Begabung angesehen werden. Zugleich muss das A. G. nicht notwendig mit einem gleichermaßen ausgeprägten, → Relativen Gehör einhergehen. Während eines bestimmten Zeitraums der kindlichen Entwicklung kann sich das A. G. bevorzugt entwickeln und ausbilden (»imprinting theory«), es wird aber auch von späterer Erlernbarkeit berichtet. Das Potenzial zum Erwerb des A. G. ist daher größer, als allgemein angenommen wird. Es wird vermutet, dass die in der Musikausbildung normalerweise angestrebte Verbesserung des relativen Gehörs eine mögliche Entwicklung des A. G. beeinträchtigt. Musiker und Sänger sind durch Übung und Vertrautheit mit ihrem Instrument häufig in der Lage, bestimmte Töne zu erkennen. Dieses Standardtongehör ist nicht mit dem A. G. gleichzusetzen. Literatur O. ABRAHAM: Das absolute Tonbewußtsein, SIMG III, 1901/02 u. VIII, 1906/07 | H. RIEMANN: Tonhöhenbewußtsein u. Intervallurteil, ZIMG XIII, 1911/12 | G. RÉVÉSZ: Über d. beiden Arten d. a. G., ZIMG XIV, 1912/13 | A. WELLEK: Das a. G. u. seine Typen, = Zs. f. angewandte Psychologie u. Charakterkunde, Beih. LXXXIII, Lpz. 1938, Bern 1970 | C. CHIN: The development of absolute pitch, in: Third triennial ESCOM conference, Kgr.-Ber., Uppsala 1997 | W. D. WARD: Absolute pitch, in: The Psychology of music, hrsg. v. D. DEUTSCH, San Diego ²1999 | N. TANEDA: Erziehung zum absoluten Gehör, Mainz 1993 | K. B. SCHLEMMER: Absolutes u. nichtabsolutes Hören, Diss. Bln 2005 | D. J. LEVITIN u. S. E. ROGERS: Absolute Pitch. Perception, Coding, and Controversies, in: Trends in Cognitive Sciences IX/ H. 9, 2005.
Absorptio̱ n [von lat. absorbere »verschlucken«], die Schwächung der Intensität von Strahlungen beim Durchgang durch Materie, wobei ein Teil der Strahlungsenergie in andere Energieformen umgewandelt wird. Bei Schall-A. wird im Wesentlichen Schallenergie durch Reibung in Wärme umgewandelt. Die A. an Be-
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Abstrich
grenzungsflächen lässt sich aus dem Verhältnis von reflektierter zu einfallender Schallenergie errechnen. Abstrich , Aufstrich [frz. tiré, poussé; engl. downstroke, upstroke; ital. in giù, in su], beim Streichinstrumentenspiel die Bogenbewegung vom Frosch zur Spitze (A.) und umgekehrt (Aufstrich). Bei Bogenführung mit Untergriff (Viola da gamba) werden betonte Töne und gehaltene Akkorde mit Aufstrich, bei modernen Instrumenten mit Obergriffhaltung (wie der Violine) mit A. gespielt; hier eignet sich der Aufstrich bes. zur Ausführung der Stricharten → staccato, → portato u. a. Abt, Franz, * 22. 12. 1819 Eilenburg, † 31. 3. 1885 Wiesbaden; Liederkomp. und Dirigent, besuchte die Thomasschule in Leipzig. 1845 wurde er Dirigent der Allgemeinen Musikgesellschaft in Zürich, 1852 ging er nach Braunschweig, wo er 1855 Hofkpm. wurde, und blieb dort bis zu seiner Pensionierung 1882. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Wiesbaden. A.s Lieder und Männerquartette waren sehr beliebt und erlangten volksliedartige Verbreitung, u. a.: Waldandacht, Wenn die Schwalben heimwärts zieh’n, Gute Nacht, du mein herziges Kind und O Schwarzwald, o Heimat. Literatur Verz. sämmtlicher Lieder u. Gesänge v. Fr. A., Lpz. 1873 | B. ROST: Vom Meister d. volkstümlichen dt. Liedes Fr. A., Chemnitz 1924 | R. BOESTFLEISCH: Fr. A., Braunschweig 1996.
Abzug, 1) im 16./17. Jh., bes. auf der Laute, die einfachste Art der → Scordatura, nämlich das Herabstimmen (Herabziehen) des tiefsten Chores um einen Ganzton. Eine so umgestimmte Laute »steht im Abzug« (ital. liuto descordato; frz. luth à corde avalée). 2) eine Spielmanier, wenn eine simple leise Note nach einem Vorschlag folgt (Bach Versuch). a cappẹlla [ital., früher auch a oder alla capella], seit Anfang des 17. Jh. ein Musikstil in der Tradition der franko-flämischen Vokalpolyphonie und im Unterschied zu den in der zweiten Hälfte des 16. Jh. neu aufkommenden Kompositionsweisen wie → Mehrchörigkeit, → Seconda pratica, Stile recitativo und concertirender Stil. Gegenüber den neueren Musikarten galt die A-c.-Kunst als Grundlage des kompositorischen Wissens. Der Klang ist der des Vokalchors, d. h. mit mehrfacher Besetzung jeder Stimme; Instrumente können (colla parte) hinzutreten. Der Satz ist imitierend und nimmt bes. auf Sangbarkeit und melodische Selbstständigkeit aller Stimmen Rücksicht; bis in die neuere Zeit bleibt er wesentlich diatonisch mit sparsamem Einsatz von Dissonanzen und an die Kirchentöne gebunden. Als angemessene Notation gelten große Notenwerte mit Vorzeichnung des A-c.-Taktes (→ Allabreve). Der A-c.-Stil wurde als alt, und somit als traditionsreich (stilus antiquus), würdevoll (stilus gravis)
und kirchlich (stilus ecclesiaticus) angesehen. Seit G. Gabrieli (1592) wurde die Bez. a c. (oder Capella) auch als bloße Besetzungsvorschrift verwendet; sie zeigt nach solistischen Partien den Eintritt des vollen Chores an, bei dem die Instrumente mitgehen. Erst seit dem 19. Jh. schließt die Angabe a c., die nun auch in weltlichen Werken aufscheint, jede Begleitung durch Instrumente aus. – Die kirchenmus. Reformbewegungen des 19. Jh., bes. der → Caecilianismus, erhoben die an Palestrina orientierte A-c.-Musik weithin zum Ideal kirchlicher Tonkunst. Literatur TH. KROYER: A c. oder Conserto, in: Fs. H. Kretzschmar, Lpz. 1918 | DERS.: Das a c.-Ideal, AMl VI, 1934 | K. G. FELLERER: Der Palestrinastil …, Augsburg 1929 | FR. MILZ: A-c.-Theorie u. mus. Humanismus bei A. E. Grell, = Kölner Beitr. zur Musikforschung LXXXIV, Rbg 1976.
Accạrdo, Salvatore, * 26. 9. 1941 Turin; Violinist und Dirigent, studierte in Neapel und Siena, wurde Preisträger u. a. beim Concours international d’exécution mus. in Genf (1956) und beim Concorso internazionale di violino »N. Paganini« in Genua (1958). 1972–77 war er Primarius des Kammerorchesters I Musici di Roma und lehrte 1973–80 an der Accademia Chigiana in Siena. Sein umfangreiches Repertoire erstreckt sich von A.Vivaldi und J. S. Bach über N. Paganini bis zu zeitgenössischer Musik. A. tritt auch als Dirigent hervor. Er veröffentlichte: L’arte del violino (hrsg. v. M. Delogu, Ml. 1987). accelerạndo [attʃe-, ital.], Abk.: accel., beschleunigend, wie → stringendo. Literatur KL. W. NIEMÖLLER: Das komponierte A., in: Fs. Fr. Krautwurst, Tutzing 1989.
Accentus [akˈtsɛn-, lat.], → Akzent. Acciaccatura [at-tʃak-kaˈtuːra, ital.; von lat. acciaccare »zerdrücken«; frz. pincé étouffé; engl. crushed oder simultaneous appoggiatura], der seit dem frühen 18. Jh. (Fr. Gasparini, 1708) belegte Name einer dem → Mordent und dem kurzen → Vorschlag ähnlichen Verzierung auf Tasteninstrumenten. Bei der A. wird mit der Hauptnote gleichzeitig deren untere Nebennote angeschlagen und sofort wieder losgelassen, während die Hauptnote in ihrem notierten Wert erklingt:
Als gebrochene A. wird das Anschlagen eines oder mehrerer akkordfremder Töne (deren Tasten sofort wieder losgelassen werden) in einem → Arpeggio bezeichnet:
Adagio
Angezeigt wird die A. durch eine kleine Note mit durchgestrichenem Hals (einstimmig) oder durch einen schrägen Strich auf der betreffenden Notenlinie (akkordisch). In der Musik für Tasteninstrumente des 17. und 18. Jh. war die A. eine beliebte Verzierung. Literatur P. WILLIAMS: The Harpsichord A. Theory and Practice in Harmony 1650–1750, MQ LIV, 1968.
Accompagnamento [ak-kompaɲaˈmento, ital.], Accompagnement, → Begleitung. Accompagnato [ak-kompaˈɲaːto, ital. »begleitet«], Abk.: Acc. oder Accomp., das mit ausgearbeiteter (in Stimmen notierter) Begleitung versehene → Rezitativ mit oftmals starkem Affektgehalt, im Gegensatz zum Seccorezitativ, das nur einen bezifferten Bass kennt. Das erste Beispiel des A. im 4. Akt von Monteverdis Orfeo (1607) blieb zunächst vereinzelt. Erst 30 Jahre später führten die Venezianer (Cavalli) das A. (ausgehaltene Streicherklänge) für → Ombra-Szenen ein. Aber noch im späten 17. Jh. war das (ausgearbeitete) A. selten; es fand seinen Höhepunkt in den Bühnenwerken des 18. Jahrhunderts. Accordatu̱ ra [ital.], die reguläre Stimmung der Saiteninstrumente; die Abweichung von den Einstimmungsnormen (Umstimmung) heißt → Scordatura. AC/DC [eısiːdıːsi; engl. Abk. für Alternating Current/ Direct Current, dt. »Wechselstrom/Gleichstrom«], 1973/74 in Sydney gegr. australische Hardrockband um den Gitarristen Angus Young (* 31. 3. 1955, Glasgow) und den Sänger Ronald Belfold »Bon« Scott (* 9. 7. 1946, Kirriemuir/Schottland, † 20. 2. 1980, Ldn). Nach Scotts Tod wurde er durch Brian Johnson (5. 10. 1947, Newcastle) ersetzt. AC/DC nahmen Einflüsse aus Rock’n’Roll, Blues, Boogie und anderer Hardrockbands auf und verbanden diese zu mus. und inhaltlich einfach aufgebauten, jedoch sehr erfolgreichen Songs (Highway to Hell, 1979). Literatur T. HOLMES: AC/DC, NY 1986 | M. HUXLEY: AC/ DC. The World’s Heaviest Rock, NY 1996, dt. St. Andrä-Wördern 1996.
Achtelnote [ital. croma; frz. croche; engl. quaver; in den USA auch eighth note]: ; Pause (frz. demi-soupir): , ältere Form: . Acid [ˈæsɪd], auch Acid House, Ableger des → House sowie stilistischer Vorläufer des → Techno. In Chicago entstanden, verbreitete sich A. ab 1987 auch schnell in Europa. Stilprägende Elemente sind der Sound des Bass-Synthesizer TB 303 der Firma Roland sowie der Gebrauch von Sprachsamples. Ab 1990 verlor er an Bedeutung. – Der Acid Jazz entstand in London gegen Ende der 1980er Jahre in begrifflicher Anlehnung an den A., um dessen kommerziellen Erfolg zu nutzen. Als
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Leiter der Labels »A. J.« und (ab 1990) »Talkin’ Loud« baute Gilles Peterson diese auch in Deutschland (»MoJo-Club« Hamburg) rezipierte Richtung aus. A. Jazz unterscheidet sich substantiell vom A. House und ist auch keine Stilistik des Jazz, sondern des → Dance Floor. Bekannte Melodien und Rhythmen des Jazz werden als Samples mit live dargebotenen gesanglichen und instrumentalen Elementen aus → Rap, → Funk, → Soul, → Reggae und → Hip Hop verbunden. Bekanntester Vertreter des A. Jazz ist die Gruppe Jamiroquai (1992 gegr. um den Sänger Jason Kay). Literatur M. COLLIN u. J. GODFREY: Im Rausch d. Sinne. Ecstasy Kultur u. Acid House, Mchn 1998 | Techno, hrsg. v. P. Anz u. P. Walder, Reinbek 1999.
Acker, Dieter, * 3. 11. 1940 Hermannstadt (Rumänien), † 27. 5. 2006 München; Komp., kam 1969 in die BRD, unterrichtete ab 1972 an der Musikhochschule in München, 1976–2006 als Prof. für Kompos. Er bediente sich serieller Techniken genauso wie der Aleatorik und elektronischer Kompositionsverfahren. Werke Orchesterwerke: texturae I (1968) und II (für Kammerorch., 1972); 4 Symph. (1977–98); Konzerte für Fag. (1979/80), V. (1981 u. 1994/95) und Kl. (1984 u. 1998) mit Orch.; Konzert für Streichorch. (1984); Musiktheater Odysseus (2002); Kammermusik, Klavier-, Orgelwerke, Chöre und Lieder. Literatur Chr. Brödel: D. A., = Komp. in Bayern XLVIII, Tutzing 2007.
Ạctus [lat.], im 17. Jh. feierliche Handlung (Taufe, Königskrönung u. a.), dann auch Bez. für Festdarbietungen. Deren mus. Ausgestaltung führte zur Übertragung der Bez. A. auf kantatenhafte oder oratorische Kompositionen: A. Fromm, A. musicus De divite et Lazaro (1649); G. Oesterreich, A. funebris Plötzlich müssen alle Menschen sterben; J. S. Bach, A. tragicus BWV 106. Literatur B. BASELT: A. musicus u. Historie um 1700 in Mitteldeutschland, in: Wiss. Beitr. d. Martin-Luther-Univ. HalleWittenberg, GVIII/1, 1968.
Adagio [aˈda:dʒo, ital.; Abk.: Ad°], bequem, gemächlich, auch behutsam, hat aber als Tempovorschrift den Sinn von langsam erhalten (WaltherL, Mozart Versuch). Im 17. Jh. bezeichnet A. einerseits eine (geringe) Verlangsamung des gewöhnlichen, durch die Taktart oder den Tanztypus bestimmten Zeitmaßes (Tempo ordinario), andererseits einen Wechsel der Zählzeit, den Übergang zu einem längeren Notenwert als Schlagzeit (A. statt Allegro ). – Die Vorstellung, dass ein Largo langsamer als ein A. sei, wurde zwar schon von Brossard (1703) als Regel formuliert, konnte sich jedoch als allgemein verbindliches Prinzip nicht überall durchsetzen. A. wurde ab dem 18. Jh. als Satzbez. in zyklischen Formen (Sonate, Symphonie) verwendet. – A. assai und A. molto bedeuten sehr langsam, un poco A. ein wenig