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Norddeutsches Handwerk 2/2025

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Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim

130. Jahrgang | Nr. 2 | 18. Februar 2025

In der Wirtschaft herrscht Krisenstimmung: Hier sind fünf Tipps, was Betriebe jetzt selbst tun können, um gut durch die nächsten ­Monate zu kommen.

Was bei Freistellungsbescheinigungen des Finanzamtes beachtet werden muss. Seite 2

Fotos: Erfolgsmeisterei | Martina Jahn

Foto: Kadmy-stock.adobe.com

Raus aus dem Krisenmodus!

Gültigkeit prüfen

Mindestlohnkommission

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D

Neue Amtszeit, neue Geschäftsordnung: Beratungen, Beschlüsse und Signale an die Politik Seite 3

Nachhaltigkeitsbericht

Foto: SHK eG

Betriebe sind über Lieferketten häufig betroffen. Wer ist berichtspflichtig und welche Hilfen gibt es? Seite 4

ie deutsche Wirtschaft befindet sich seit zwei Jahren in einer Rezession und auch für 2025 sind die Aussichten bislang eher trübe. Bis eine neue Bundesregierung im Amt ist und sich um tiefgreifende Reformen zum Wohl der Wirtschaft kümmern kann, dürfte noch einige Zeit vergehen. „Betriebe können jederzeit selbst viel dafür tun, damit sie gut durch die nächsten Monate kommen“, sagt Uwe Engelhardt, Handwerksberater von der Erfolgsmeisterei. Er gibt fünf Tipps.

Tipp 1: Zeit für Führungsaufgaben

„Gerade jetzt ist es besonders wichtig, dass sich Chefs im Handwerk genügend Zeit für Führungsaufgaben nehmen“, sagt Engelhardt. Er empfiehlt Unternehmern, mindestens einmal pro Woche einen Termin zu blocken, um sich mit dem (Gesundheits-)Zustand des Betriebs zu beschäftigen. Aus Erfahrung weiß der Berater, dass Unternehmen oft von Krisen überrascht werden. „Doch eine Zahlungsunfähigkeit kommt selten von heute auf morgen, das kündigt sich in der Regel über einen längeren Zeitraum an“, betont er.

Hilfe vom Chatbot

Steffen Döbler, Inhaber eines SHK-­ Betriebs, nutzt KI für wiederkehrende Kundenanfragen. Seite 7

Entlastung von Bürokratie

Tipp 2: Geldflüsse im Blick haben

Ein neues Gesetz soll den vollständig digitalen Arbeitsvertrag ermöglichen. Wer profitiert davon? Seite 8

Zu den Führungsaufgaben gehört für Engelhardt deshalb vor allem, dass Unternehmer die Geldflüsse im Blick haben. Neben der üblichen Jahresplanung empfiehlt er, eine dynamische Liquiditätsplanung zu machen. „Sie sollten immer wissen, von wem sie in der kommenden Woche voraussichtlich Geld erhalten und welche Zahlungen anstehen“, erläutert er. Anhand der dynamischen Liquiditätsplanung lasse sich ablesen, wie lange der Betrieb zahlungsfähig ist. Für Zahntechnikermeister Markus Friedrich vom Duderstädter Dental-Labor ist der Blick in die Zahlen Routine: „Ich merke sofort, wenn etwas nicht nach Plan läuft und die Zahlen nicht gut sind.“ In solchen Fällen setzt sich Friedrich mit seinem Führungsteam zusammen. „Wir überlegen dann gemeinsam, welche Maßnahmen wir ergreifen.“ Der Unternehmer ist überzeugt: „Ich bin mit meinem Betrieb nicht erfolgreich, weil ich selbst alles kann, sondern weil ich ein gutes Team um mich habe.“

Website ohne Hürden

Die digitale Welt wird barrierefrei. Neues Gesetz wirft Fragen auf – hier finden Sie Antworten. Seite 10

Mit gebündelten Kräften

Neuer Verein „Ausbildungsregion Osnabrück e.V.“ gegründet Seite 14

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Tipp 3: Team einbinden

Ebenso wie Friedrich ist auch Engelhardt der Meinung, dass Unternehmer ihr Team aktiv in die

Setzt auf den Austausch mit seinem Team: Zahntechnikermeister Markus Friedrich.

Weiterentwicklung des Betriebs einbinden sollten. „Fragen Sie die Mitarbeitenden zum Beispiel, welche Ideen sie haben, oder bilden Sie ein Krisenteam, bei dem jeder sein Wissen einbringen kann“, sagt der Berater. Er verweist zudem darauf, dass Chefs nicht alles selbst machen müssen, sondern ­delegieren können: „Es gibt Aufgaben, die Ihre Mitarbeitenden viel besser und schneller erledigen können.“

Tipp 4: Auftragsvorlauf kennen

Unternehmer sollten laut Handwerksberater ­Engelhardt auch wissen, wie groß das Auftrags­ polster des Betriebs ist. Für die aktuelle wirtschaftliche Situation hat er einen weiteren Tipp: „Überlegen Sie, wie sicher die ­vereinbarten Aufträge wirklich sind oder ob es Sinn macht, neue Aufträge zu akquirieren.“ Wichtig sei das vor allem

MEIN LIEBLINGSPROJEKT

Kunst auf Klinkern

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Fotos: Marina Lattermann

E-Mail: vertrieb@schluetersche.de

Malermeisterin Marina Lattermann bietet ihren Kunden außergewöhnliche Wandmalereien. Die naturgetreuen Tiermotive der Inhaberin von emotion-Art in Delmenhorst kommen gut an – wie zum Beispiel ein Tiger in Originalgröße, der „durch“ die Wand läuft. Auch die Fassade ihres eigenen Hauses verwandelte sie in ein Kunstwerk. Die einst weißen Klinker leuchten jetzt in hellrotem Terracotta, die Fugen grau abgesetzt. „Ich wollte immer ein Haus mit roten Steinen“, sagt die Handwerkerin. So ging sie ans Werk. „Der Zeitaufwand war nicht ohne“, gesteht die Unternehmerin. Nach dem Grundieren trug sie zweimal rote Fassadenfarbe auf, erzeugte per Pinsel mit Rottönen einen Changier-Effekt und zog alle Fugen nach. (BG)

bei Projekten, bei denen es anfangs Probleme mit der Finanzierung gab oder für die Materialpreis­ steigerungen zu erwarten sind.

Tipp 5: Produktivität prüfen

Uwe Engelhardt, Handwerksberater

In manchen Betrieben haben sich über die Jahre Prozesse eingeschlichen, die unproduktiv sind. Engelhardt empfiehlt deshalb: „Prüfen Sie, ob sich die Zahl der produktiven Stunden durch Prozess­ optimierungen erhöhen lässt.“ Genau das macht auch Zahntechnikermeister Friedrich: „Ich schaue meinen Mitarbeitenden regelmäßig über die Schulter und frage sie, was sie im Arbeitsalltag ausbremst.“ Der Unternehmer ist überzeugt, dass sich Prozesse nur so optimieren lassen. „Es ist nie gut, den Mit­arbeitenden neue Prozesse einfach überzustülpen. Mir ist es deshalb wichtig, alle mitzunehmen.“ ANNA-MAJA LEUPOLD W

Steigende Sozialbeiträge belasten das Handwerk Das Handwerk drängt auf eine Gesundheitsreform und will sich mit konkreten Lösungsansätzen einbringen. Die Sozialversicherungsbeiträge stei­ gen immer weiter: Allein zum 1. Januar 2025 ist der Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung im Schnitt um 0,8 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent gestiegen. Laut dem Zentral­verband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist das lohnintensive Handwerk besonders belastet. „Die steigenden Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung sind ein massiver Druckfaktor für die Betriebe“, betont ZDH-Präsident Jörg Dittrich. Der Anstieg des Zusatzbeitrags zum Jahreswechsel sei ein weiteres Alarmzeichen, dass „wir dringend eine Reform der gesetzlichen Kranken­ versicherung (GKV) brauchen, die den Anforderungen der Zukunft gerecht wird“. Das Handwerk will sich konstruktiv und mit konkreten Lösungsansätzen einbringen. Das ZDH-Präsidium hat

dazu ein Positionspapier beschlossen – „Perspektiven in der Gesundheitspolitik“ heißt es. Als zentraler Reformpunkt wird in dem Papier die Notwendigkeit genannt, den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung auf das unbedingt Notwendige zu beschränken.

Dittrich: „System ist am Limit“

„Das aktuelle Umlagesystem ist am Limit“, sagt Dittrich. Das liege nicht nur an der demografischen Entwicklung, sondern auch an verschiedenen Fehlentwicklungen auf der Ein- und Ausgabenseite. Der ZDH-Präsident fordert deshalb: „Es muss endlich eine Reform kommen, die das System langfristig stabilisiert.“ Das bisherige alleinige Lohnkostenmodell trage den Veränderungen in der Arbeitswelt nicht mehr ausreichend Rechnung, begründet er. (AML) W


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