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Norddeutsches Handwerk 12/2025

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Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim

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Frohe Festtage!

Foto: handwerk.de

Foto: Olga Yastremska, New Africa stock.adobe.com

130. Jahrgang | Nr. 12 | 15. Dezember 2025

Herausgeber und Redaktion wünschen Ihnen besinnliche Weihnachten und ein gutes Jahr 2026.

Veggie-Schnitzel-Debatte Was sagt das Fleischerhandwerk zu der umstrittenen Entscheidung des EU-Parlaments? Seite 3

Ein herausforderndes Jahr geht zu Ende. Es ist Zeit, Energie für das zu tanken, was das neue Jahr bringen wird. Zwei Neuerungen haben wir für Sie: Das Norddeutsche Handwerk erscheint ab 2026 im Magazinformat. Und das dazugehörige E-Paper bekommt ab Januar einen frischen Anstrich – mit vielen neuen Funktionen. So liest eine Künstliche Intelligenz Texte vor und fasst sie zusammen. Neu ist auch eine Archiv-Suche. Klicken Sie rein unter norddeutsches-handwerk.de.(JA)

Helfer für den digitalen Alltag Das Forschungsprojekt „Kinchi“ soll Software-Tools vernetzen und Digitalisierung erleichtern. Seite 4

Was ist neu in 2026?

Foto: Jasmin Möser

Mindestlohn, Führerschein, Tarifverträge – welche Änderungen betreffen Handwerker? Seite 6

Entlastung für Wenige

Zeit zum Durchatmen Unternehmensberaterin Jasmin Möser gibt fünf Anregungen für die Zeit zwischen den Jahren. Seite 8

Verschlüsselung von E-Mails Nach gehackten Rechnungen: Was fordern Gerichte und was ist für Betriebe realistisch? Seite 9

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ie Spitzen der Koalition haben sich darauf geeinigt, für drei Jahre einen Industriestrompreis in Deutschland einzuführen.

Was die Regierung ab 2026 plant Laut Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) soll der Industriestrompreis zum 1. Januar 2026 eingeführt und rückwirkend ausbezahlt werden. Das Antrags- und Auszahlungsverfahren soll – ebenso wie bei der Strompreiskompensation – nachjährig erfolgen. Das heißt: 2027 sollen beispielsweise die Beihilfen für das Jahr 2026 beantragt und ausgezahlt werden, erläutert das BMWE. Dem Ministerium zufolge verfolgt die Regierung mit der geplanten Maßnahme mehrere Ziele: So sollen die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hersteller gestärkt, Standortverlagerungen verhindert und Wertschöpfungs- und Beschäftigungsstrukturen in strategisch wichtigen Branchen gesichert werden. Das Handwerk sieht das Vorhaben der Regierung kritisch: Ein Industriestrompreis, der nur für ausgewählte Branchen gilt, schafft laut Zentralverband des Deutschen Hand-

Altersvorsorge nicht schieben Warum Sie sich frühzeitig um Ihre Vorsorge kümmern sollten und welche Formen es gibt. Seite 10

Kritik von Nünemann Präsident stellt der Regierung ein vernichtendes Zeugnis aus. Seite 15

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werks (ZDH) „neue Ungleichgewichte“. Anstatt die Stromkosten für die gesamte Wirtschaft zu senken, verschärfe ein solcher Ansatz die Wettbewerbsnachteile kleiner und mittlerer Handwerksbetriebe. Einen fairen Wettbewerb zwischen Handwerk und Industrie wünscht sich auch Bäckermeister Christian Brück aus Delmenhorst. Der Inhaber von Bäcker Becker mit zehn Mitarbeitenden verstehe zwar, dass riesige Industriebetriebe höhere Kosten als kleine Handwerksbetriebe hätten. „Prozentual auf das fertige Produkt gerechnet, sind sie in der Industrie aber wesentlich geringer“, gibt Brück zu bedenken. Er habe in den vergangenen Jahren viel investiert, um die Stromkosten in seinem Betrieb zu senken. Doch unterm Strich habe sich das nicht bemerkbar gemacht. „Am Ende schließen durch die Belastungen immer mehr kleine Betriebe, weil die Kunden, wie in unserem Fall, sich das Brot vom handwerklichen Bäcker nicht mehr leisten können“, fürchtet der Unternehmer.

Energiepreise: Was das Handwerk fordert Dem ZDH zufolge ist die Industrie „ein zentraler Pfeiler“ der Volkswirtschaft. Das

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Fotos: Marklein-Paas / Franz Fender

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Am Ende schließen durch die Belastungen immer mehr kleine Betriebe. Christian Brück, Bäckermeister

Handwerk hingegen sei das „Fundament der deutschen Wirtschaft“, das Ausbildung, Beschäftigung und regionale Stabilität sichere. „Eine nachhaltige Energiepolitik muss beide Bereiche gleichermaßen stärken, damit Wachstum und wirtschaftliche Erholung wieder möglich werden“, fordert der ZDH. Er liefert auch einen Vorschlag, wie die Politik genau dafür sorgen könnte: „Eine allgemeine Stromsteuer wäre das schnellste und wirksamste Signal, gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und zusätzliche Bürokratie zu vermeiden.“ In der Bäckerei von Christian Brück macht sich der Bürokratieaufwand seit Jahren bemerkbar: „Wenn ich allen Vorgaben zu 100 Prozent nachkommen würde, hätte ich nicht eine Stunde Zeit in der Woche für meine eigentliche Arbeit“, sagt er. Sein Fazit: „Wir müssen aufpassen, dass wir als mittelständische Unternehmer überhaupt noch Geld verdienen, wenn sich nichts ändert.“ Endgültig beschlossen ist der Industriestrompreis noch nicht. Laut BMWE wird erst noch eine Förderrichtlinie erarbeitet, die die Europäische Union anschließend noch genehmigen muss. MARTINA JAHN UND ANNA-MAJA LEUPOLD W

ZDH-Präsident Jörg Dittrich im Amt bestätigt Einstimmig wurde Jörg Dittrich für weitere drei Jahre zum ZDH-Präsidenten gewählt.

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Foto: Martina Jahn

Mit dem Industriestrompreis sollen Unternehmen der energieintensiven Industrie ab 2026 entlastet werden. Das Handwerk fürchtet ein neues Ungleichgewicht.

Ein Ehrenring mit Symbolkraft Gut 22 Gramm schwer und 12 Millimeter breit: Goldschmiedemeisterin Petra Marklein-Paas hat diesen Ring zu Ehren von Stephan Weil, Niedersächsischer Ministerpräsident a.D., angefertigt. Die vier Symbole – die Rose, das Kleeblatt, der Berg und das Puzzleteil – charakterisieren Weil aus Sicht der Handwerkerin. Alle Symbole hat sie per Hand ausgesägt. „Das war mir für diesen Auftrag besonders wichig“, sagt Marklein-Paas. Bewusst gewählt hat sie zudem einen Diamanten, der Stärke und Klarheit symobilisiere. Der Rubin stehe für Herzblut, das Weil in sein Wirken eingebracht habe. Der größte Moment sei gewesen, dass der Ring bei der Übergabe auch passte. Denn eine Anprobe habe es nicht gegeben. (JA)

Zu Tränen gerührt zeigte sich Jörg Dittrich nach der Wiederwahl zum Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Stehende Ovationen gab es für ihn auf dem Deutschen Handwerkstag in Frankfurt am Main von den rund 300 Vertretern aus Handwerkskammern und Verbänden. Der Dachdeckermeister aus Dresden wurde einstimmig gewählt und wird damit auch in den kommenden drei Jahren an der Spitze des ZDHs stehen. „Ich habe tierisch Bock“, sagte Dittrich nach der Wiederwahl. Zuvor hatte er über seine erste Amtszeit berichtet: „Mit Ihrer Unterstützung fühle ich mich in meinem Amt angekommen. Wir haben in den vergangenen drei Jahren viele Dinge angestoßen – die müssen und sollen weiter

vorangetrieben werden.“ Die 100-Prozent-Zustimmung wertete er als Einigkeit des Handwerks und den Willen, mit einer Stimme zu sprechen, um die Interessen des Handwerks voranzutreiben. „Mein Ziel bleibt es, die Einheit des Handwerks zu sichern. Denn mehr denn je braucht es in einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft eine starke gemeinsame Stimme, um Gehör bei der Politik zu finden und für mehr unternehmerische Freiheit, weniger Bürokratie und mittelstandsfaire Rahmenbedingungen zu kämpfen“, betonte er. Laut Satzung ist Dittrich damit auch weiterhin Präsident der Unternehmerverbände des Deutschen Handwerks (UDH) und des Deutschen Handwerkskammertages (DHKT). (JA) W


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