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Norddeutsches Handwerk 08/2025

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Neue Pfändungsfreigrenzen Änderung seit Juli: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Lohnpfändung. Seite 2

Bilanz zur Meisterpflicht er Ton wird rauer im Land, ergibt eine Umfrage der Forsa im Auftrag der DAK: 61 Prozent der Deutschen empfinden das soziale Miteinander im Land als „eher schlecht“ oder „sehr schlecht“. Beleidigungen und Aggressivität hätten zugenommen, sagen jeweils 77 Prozent der 1.003 Befragten. Das betreffe das Internet ebenso wie den öffentlichen Raum. Ein Trend, den auch Martin Wels (37) kennt: Sein Betrieb in Osnabrück wirbt mit dem Slogan „Ihre freundlichen Dachdecker“. Doch das schützt das 25-köpfige Team nicht immer vor Unfreundlichkeit. „Sobald etwas nicht so läuft, wie sie sich das vorstellen, werden manche Kunden laut oder beleidigend“, sagt der Bauingenieur.

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Was brauchen Azubis? Damit die Zusammenarbeit funktioniert, braucht es vor allem Sicherheit, Feedback und Vorbilder. Seite 5

Digitaler Assistent

Foto: Reinigungsservice Blitzblank

ChatGPT 4.1 kann auch mit umfangreichen Leistungsverzeichnissen umgehen. Hilfreiche Tricks auf Seite 9

Nicht alles persönlich nehmen

Gestaltet, geprüft, gemeistert

Wels und sein Team lassen sich von Aggressionen nicht provozieren. Meist genüge es, wenn Kunden ihren Frust loswerden, um sich zu beruhigen. „Ich höre mir erst alles an und stelle dann den Sachverhalt dar.“ Genügt das nicht, tritt Wels auf die Bremse: „Manchmal muss ich einem Kunden ganz klar sagen, dass wir über alles reden können, aber bitte in einem normalen Ton.“ Wie schafft er es, in angespannten Situationen freundlich zu bleiben? „Freundlichkeit ist für mich eine Grundvoraussetzung im Leben, um alles Weitere zu schaffen“, sagt Wels. „Ich bin mit Herzblut Handwerker, aber in solchen Situationen ist es nur ein Job für mich.“

Zehn neue Meisterinnen und Meister bei den Raumausstattern. Seite 14

Mit Kritik gelassen umgehen

Zeit sparen durch Software Zissis Baxewanidis setzt in seinem Reinigungsservice auf eine cloudbasierte Software-Lösung. Seite 10

Management von Fehlzeiten Überblick schaffen, Krankenzeiten vorbeugen und nebenbei das Arbeitsklima verbessern. Seite 11

Doch warum reagieren wir auf negative Kritik oft zuerst mit Ärger oder Wut? „Soziale Wesen, haben das Bedürfnis, wertgeschätzt zu werden“, erklärt Mareen Ilgner, Trainerin bei der Kölner Agentur für Freundlichkeit. „Je stärker sich der Kritisierte mit der kritisierten Leistung identifiziert, desto stärker wird negative Kritik als Abwertung empfunden.“ Ihre Tipps, wie Unternehmer trotzdem gelassen bleiben: Tipp 1: Abstand gewinnen und durchatmen: Der erste Impuls nach Kritik ist häufig Zurückschlagen. „Es bringt aber nichts, in

INFOKANÄLE App „Handwerk“ Die Welt des Handwerks bewegt sich natürlich auch nach dem Redaktionsschluss weiter. Mit unserer App bleiben Sie auf dem Laufenden. Kostenlos zu haben ist sie im App Store oder bei Google Play.

Fotos: Martin Paplinski / www.creativcube.de | Jörg Sänger

Foto: Stockfotos-MG - stock.adobe.com

Die Ruhe bewahren Schlechte Stimmung nimmt zu, Kunden werden aggressiver. Wie es gelingt, in solchen Momenten ruhig zu bleiben.

Fünf Jahre seit der Wiedereinführung der Meisterpflicht – ein Fazit der Verbände. Seite 4

Meistens schafft es Firmeninhaber Martin Wels, ruhig zu bleiben. Doch wenn es drauf ankommt, zeigt er Kunden gegenüber klare Kante.

einen Kampf ums Rechthaben zu ziehen“, sagt Ilgner. „Selbst wenn Sie diesen Kampf gewinnen – Ihren Kunden haben Sie verloren.“ Besser sei es, durchzuatmen und Abstand zwischen sich und die zu Kritik bringen. Tipp 2: Was wurde warum kritisiert? „Es hilft, sich konkrete Fragen zu stellen, um einen Schritt zurückzutreten: Was wurde genau kritisiert? Eine Handlung, ein Vorfall oder ich persönlich?“, so Ilgner. Ebenfalls wichtig: Warum kritisiert mich diese Person? Ist wirklich etwas schief gegangen? Oder ist der Kunde ohnehin der aggressive Typ, der schnell übertreibt? „Wer aus der Situation zurücktritt, erkennt oft, was dahinter steckt“, meint die Expertin. Tipp 3: Mit Transparenz Verständnis erzeugen: Wenn Sie geklärt haben, was kritisiert wurde und warum, können Sie in Ruhe antworten. „Begegnen Sie dem Kunden auf Augenhöhe. Wenn ein Fehler passiert ist, räumen Sie ihn ein“, so Ilgner. Wenn sich der Kunde das Ergebnis Ihrer Arbeit anders vorgestellt hat, zeigen Sie Verständnis und schaffen Transparenz. „Da hilft es, Dinge zu erklären – nicht von oben herab, sondern so, dass sich der Kunde ernst genommen fühlt.“

Klare Grenzen setzen Martin Wels kommt manchmal auch mit Freundlichkeit nicht weiter. Zum Beispiel

Foto: Privat

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bei jenem Kunden, der sich ein Jahr nach einem Auftrag über einen Schaden an seinem Reihenhaus beschwerte. „Damals war der Bedarf nicht zu erkennen, aber das hat den Kunden nicht interessiert.“ Der Auftraggeber ging sehr unter die Gürtellinie. „Da ist mir dann doch mal die Hutschnur geplatzt. Ich habe ihm gesagt, was er mit seinem Auftrag machen kann und aufgelegt.“ Über seine eigene Reaktion auf den pampigen Anrufer habe er sich erschrocken. „Ich kenne mich so nicht, aber das ging einfach zu weit.“ Um den verlorenen Auftrag tut es ihm hingegen nicht leid.

Es bringt nichts, in einen Kampf ums Recht­ haben zu ziehen. Mareen Ilgner, Agentur für Freundlichkeit

Freundlichkeit vorleben Solche Erlebnisse seien die Ausnahme. Meistens könne sein Team Konflikte selbst lösen. Das liege zum einen daran, dass sie bei Neueinstellungen darauf achten, ob jemand ins Team passt. „Wenn es menschlich nicht passt, sollte man sich lieber schnell wieder trennen, sonst schlägt sich das auf die Stimmung nieder.“ Zum anderen sei es Sache der Chefs, diese Freundlichkeit gegenüber ihrem Team vorzuleben. „Das hat auch etwas mit gegenseitigem Respekt zu tun“, sagt Martin Wels. „Diesen Respekt müssen wir vorleben und weitergeben.“ JÖRG WIEBKING UND KATHARINA WOLF W

Dittrich: Haushalt 2026 enttäuscht das Handwerk Der ZDH sieht im Beschluss des Bundeshaushalts feh­ lende Steuerentlastungen für das Handwerk. Der Verband fordert ein klares Signal für Erneuerung und Wachstum.

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Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Oldenburg

130. Jahrgang | Nr. 8 | 18. August 2025

Mit viel traditioneller Handarbeit Bootsbaumeister Andreas Krause wurde 2023 beauftragt, ein Museumsschiff im Deutschen Museum München für eine Renovierung vorzubereiten. Der Finkenwerder Fischewer war in den 1950er-Jahren in fünf Teile zersägt worden und stand nun auf einem Boden, der saniert werden musste. Das Schiff sollte dafür drei Meter angehoben werden. Krause und sein Team sollten den Ewer mit sieben Meter langen Decksbalken verstärken und mit Stützen befestigen. Auch die Planken an der Bünn sollten erneuert werden. Dabei war traditionelle Handarbeit gefragt, denn an dem aus 1881 stammenden Exponat durfte kaum etwas verändert werden. „Vor der Maria habe ich schon mit zehn Jahren gestanden und gestaunt“, berichtet Krause. Es sei eine Ehre gewesen, an dem Schiff zu arbeiten. (JTE)

Das Bundeskabinett hat den Bundeshaushalt 2026 und die Finanzplanung bis 2029 beschlossen. Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), sieht Nachbesserungsbedarf. Zwar begrüßte Dittrich die notwendigen Investitionen in den Standort Deutschland, jedoch fehlten die versprochenen Entlastungen für die kleinen und mittleren Betriebe. So seien weder die angekündigte Senkung der Stromsteuer für alle Betriebe noch die im Koalitionsvertrag versprochene Entlastung bei der Einkommensteuer berücksichtigt worden. Betriebe und Beschäftigte des Handwerks hofften weiterhin auf die Entlastung bei der Einkommenssteuer für kleine und

mittlere Einkommen, die zur Mitte der Legislaturperiode versprochen wurde. „Hier muss die Koalition dringend nacharbeiten“, betont der ZDH-Präsident. Auch bei den „dringend nötigen Strukturreformen“ sieht Dittrich Nachholbedarf. Es fehle an konkreten Schritten für Strukturreformen im Steuer- und Abgabensystem, bei den Lohnzusatzkosten, im Sozialversicherungssystem sowie der Bürokratieentlastung. „Es krankt an Freiräumen für Wachstum. Auch, um langfristig den Schuldenberg bewältigen zu können“, warnt Dittrich. Sein Appell: „Der Bundeshaushalt 2026 darf kein Steinbruch sein, er muss ein Signal des Aufbruchs und Erneuerung setzen.“ W (JTE)


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