Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim
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130. Jahrgang | Nr. 7 | 11. Juli 2025
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Auf der Website dieses Betriebs grüßt der Chef als digitaler Kundenberater. Welche Chancen bieten solche Angebote?
Achtung Steuerfalle Neue Mitwirkungspflicht nach der Betriebsprüfung – wer nun Steuererklärungen berichtigen muss Seite 2
Foto: Zimmerei Diedrich
Digitale Beratung gelingt
Wohnungsbau-Turbo Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung und was sagt das Baugewerbe zum Entwurf? Seite 3
uf der Website der Zimmerei Diedrich trifft man den Chef persönlich. Als digitaler Kundenberater, erzeugt per KI, grüßt ein Klon von Zimmerermeister Thilo Diedrich im Video. Die Kunden des auf Holzhäuser spezialisierten Betriebs können wählen: Haben sie Fragen zum Thema Bauen mit Holz? Interessieren sie Mythen über Holzhäuser? Oder wollen sie sich ein Angebot inklusive erster Kostenschätzung erstellen lassen? Der KI-Klon erledigt alles zuverlässig rund um die Uhr, ohne dass Thilo Diedrich selbst mit den Kunden spricht.
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Mindestlohnerhöhung
Foto: Karin Beier
Kommission empfiehlt zweischrittige Erhöhung. Infos und Stimmen zum Beschluss Seite 4
„Wir erfahren, was Kunden interessiert“ Seit einem halben Jahr ist der digitale Kundenberater online, und die Zimmerei hochzufrieden mit dem Problemlöser: „Kunden, die Bauen mit Holz nicht kennen, kommen meist mit den gleichen Fragen: Brennt so ein Holzhaus nicht schnell, wie ist es mit Schallschutz und wie hoch sind die Kosten?“, sagt Gabi Diedrich, kaufmännische Leiterin des Betriebs. Diese Fragen beantwortet nun der Klon, so dass die Kunden erfahren, ob ein Haus aus Holz für sie in Frage kommt. Ähnlich ist es mit dem Budget: Die Kostenschätzung gibt eine Orientierung der Möglichkeiten. „Eine echte Entlastung für den Chef“, sagt seine Frau. Und das Angebot mache neugierig: „Laut den Zugriffszahlen schauen sich mehr als 40 Prozent der Website-Besucher die Videos an“, berichtet sie. Gleichzeitig arbeitet der KI-Klon unabhängig von Öffnungszeiten. „Wer sich abends oder am Wochenende informieren möchte, kann online einen Termin buchen“, sagt Gabi Diedrich. Manche Kunden ließen sich testweise mehrere Angebot erstellen. Die Auswertung der Daten liefere Infos darüber, was im Markt los ist und wofür sich Kunden interessieren.
Frauen im Handwerk In Karin Beiers Landbäckerei arbeiten nur Frauen. Für mehr Sichtbarkeit und gegen Klischees Seite 7
Mit vier Prinzipien zum Erfolg Das Konzept New Work – der Schlüssel zur langfristigen Mitarbeiterbindung? Seite 8
FORUM mobility & work Veranstaltung in Hannover lockt mit praxisorientierten Vorträgen, Workshops und vielem mehr Seite 11
Festschrift zum Jubiläum Reise durch die 125-jährige Geschichte der Handwerkskammer – Chronik veröffentlicht Seite 14
INFOKANÄLE App „Handwerk“
Chancen der digitalen Kundenbetreuung
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Da Kundenbetreuung im Handwerk zeitaufwändig ist, können Betriebe mit digitalen Angeboten Zeit sparen und ihre Kunden begeistern. „Vier Dinge sind dem Kunden besonders wichtig: Informationen, Preise, Vertrauen in einen Betrieb und ein schneller
Für Zimmermeister Thilo Diedrich und seine Frau Gabi ist der KI-Klon eine echte Entlastung in der Kundenberatung.
Kontakt“, sagt Jörg Mosler, Dachdeckermeister und Inhaber einer Digital-Agentur. „Genau an diesen Punkten müssen wir ansetzen, um Angebotsprozesse und Kundenbetreuung digital so effektiv wie möglich zu gestalten.“ Eine Beratung im Videoformat mit Preiskonfigurator oder einer Terminvereinbarung sei ein toller Service. Einige Betriebe würden solche Angebote erfolgreich nutzen. Aus seiner Beratungspraxis weiß Mosler jedoch, dass die Meisten ihre Prozesse noch nicht so weit digitalisiert haben. Er rät Handwerkern, einen umfassenden Frage-Antwort-Bereich (FAQ) prominent auf der Website zu platzieren. Die wichtigsten Fragen zu ihren Dienstleistungen könnten Unternehmer aus ihren letzten Kundenberatungen zusammentragen. Die Antworten sollten sie ausführlich formulieren und sich dabei auch von KI unterstützen lassen. Der nächste Schritt könnten Erklärvideos zu beliebten Themen sein. Oder eine Art Entscheidungsbaum mit dem Avatar des Betriebsinhabers, wie bei den Diedrichs.
Dreharbeiten anders als erwartet Auf die Idee mit dem digitalen Kundenberater ist der Betrieb über einen Softwareanbieter gekommen. „Wir haben die Werbung gesehen und fanden die Idee spannend“, erinnert sich Gabi Diedrich. Die Dreharbeiten für den
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Foto: Jakob Prößdorf - FeuerQuell Fotografie
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Gabi Diedrich, kaufmännische Leiterin
Mischung aus Nachhaltigkeit und Technik Nach Live-Schaltung des KI-Klon kamen erste Reaktionen von Kollegen. Das Echo war geteilt. „Lohnt sich der Unsinn?“, hätten einige gefragt. Andere seien interessiert gewesen. Die Kunden reagierten überwiegend positiv. Die Verbindung von Nachhaltigkeit und moderner Technik spreche vor allem jüngere Leute an, so Diedrich. „KI ist die Zukunft“, ist sie überzeugt. Allerdings sei KI nur ein Hilfsmittel: „Das persönliche Gespräch kann die moderne Technik nicht ersetzen. Aber sie erspart uns viel Zeit, die wir für bessere Beratung nutzen.“ MARTINA JAHN UND KATHARINA WOLF W
Regierung kippt allgemeine Stromsteuersenkung Dauerhafte Entlastung soll nur für Betriebe des produzierenden Gewerbes kommen. ZDH kritisiert die Pläne scharf.
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„Das persönliche Gespräch kann die moderne Technik nicht ersetzen. Aber sie erspart uns viel Zeit, die wir für bessere Beratung nutzen.“
Klon hätten nur 15 Minuten gedauert. „Wir meinten, mein Mann müsse im Video über Fachliches reden“, sagt Diedrich. Doch für die spätere KI-Stimme habe es gereicht, etwas Alltägliches zu erzählen. Aus den Stimmdaten und den Videos wurde der KI-Klon entwickelt. Mehr Zeit als für den Dreh investierten Agentur und Betrieb in die Vorbereitung: Inhalte identifizieren, Texte schreiben und Verträge über die Nutzung der Daten, der Stimme und der Bilder schließen. Mit Absicht wirkt die Stimme nicht natürlich: „Sie klingt anders als die natürliche Stimme“, sagt Diedrich. Dadurch sollen Kunden erkennen, dass sie mit einem Klon kommunizieren.
Imagefotos in elektrisierender Höhe Für den Fotografen Jakob Prößdorf aus Leer war dieses Shooting mehr als ein Routineeinsatz. Beim Eröffnungsfest eines Windparks dokumentierte er das Miteinander von Technik und Nachbarschaft. Anschließend startete er die Drohne: So entstanden Porträts der Parkwarte bei ihrer Arbeit hoch oben auf den Windkraftanlagen. „Gerne wäre ich auch mit hochgestiegen“, erzählt Prößdorf abenteuerlustig. Übernachtet hat er im ausgebauten Van direkt zwischen den Anlagen. „So sind wir in den magischsten Momenten vor Ort – etwa im Windpark bei Sonnenuntergang. (JOH)
Die Stromsteuerentlastung kommt nun doch nicht für alle Handwerksbetriebe. Nach den Plänen der Bundesregierung soll die Absenkung lediglich für Industrie, Land- und Forstwirtschaft „verstetigt werden“. Betriebe, die nicht zum produzierenden Gewerbe gehören, würden weiterhin 2,05 Cent pro Kilowattstunde zahlen – und damit deutlich mehr als den europäischen Mindestsatz für Unternehmen von 0,05 Cent pro Kilowattstunde. Im Koalitionsvertrag hatten SPD und CDU eigentlich festgelegt, die Stromsteuer für alle Unternehmen und Verbraucher zu senken. Nun ist davon keine Rede mehr. Entlastung für alle soll es an anderer Stelle geben: ● Die Gasspeicherumlage, die seit dem 1. Juli 0,289 pro
Kilowattstunde beträgt, soll künftig aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) anstatt von den Gaskunden bezahlt werden. ● Die Bundesregierung will sich verstärkt an den Ausbaukosten des Stromnetzes beteiligen und so die Netzentgelte für Kunden senken. Scharfe Kritik kam vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). ZDH-Präsident Jörg Dittrich nannte die Pläne einen „Schlag ins Kontor für den Mittelstand“ und forderte die Regierung auf, zu ihrem Wort zu stehen. Das Haushaltsgesetz 2025 muss noch vom Bundestag beschlossen werden und soll laut Finanzministerium im Oktober dieses JahW res in Kraft treten. (KW)