Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim
128. Jahrgang | Nr. 03 | 15. März 2023
Auf gefährliche Kundenwünsche lässt sich Handwerksmeister Michael Günther nicht ein. Aus gutem Grund: Es geht um Geld und Leben.
signal-iduna.de/handwerk
Die Fallen der Prämie
Als Chef haben Sie bei der Inflationsprämie viele Freiheiten. Doch es gibt auch teure Stolperfallen. Seite 2
Foto: Theo Kruse
Haftungsfreistellung nützt nichts
Für Ihr Handwerk bieten wir traditionelle und digitale Lösungen!
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Bastian Strauß hat‘s getestet: Lohnt sich der Einsatz des Chatbots oder dominieren die Grenzen? Seite 3
Erfahrung im Betrieb halten
Was Sie beachten müssen, wenn Sie Frührentner länger im Unternehmen behalten wollen. Seite 4
Preisstrategie in der Inflation
Kein Schutz bei Gefahren
Steigende Preise – was tun? Alle einfach weitergeben? Hier kommen bessere Vorschläge. Seite 6
Und wenn Kunden sich nicht auf sichere Alternati ven einlassen? „Dann bin ich raus, solche Aufträge übernehme ich nicht“, sagt Günther. Eine Haltung, die Frank Niemann vom Landesverband Metall Nie dersachsen/Bremen zur Nachahmung empfiehlt. Pauschale Haftungsfreistellungen würden bei Pri vatpersonen nicht greifen, wenn die handwerkliche Leistung zu Gefahren für Leib und Leben von Dritten führt, warnt der Jurist. „Dritte“ können zum Beispiel Kleinkinder sein, die zu Besuch kommen, oder später vielleicht ein Käufer oder Mieter der Wohnung. Egal, wann und wem ein Unfall passiert: Ein Hand werker sei im Einzelfall nicht vor Schadensersatz forderungen oder Strafverfolgung wegen Körper verletzung geschützt. „Die Unterschrift des Kunden hilft dann nicht, denn ich kann keinen Vertrag zu Lasten Dritter abschließen – da drückt kein Richter ein Auge zu“, warnt Niemann.
Danke sagen
Warum Mitarbeitende manchmal mehr brauchen als „nur“ ihren Lohn. Und was Sie tun können. Seite 9
Peter Voss verstorben
Handwerk im Kammerbezirk trauert um ehemaligen Präsidenten. Seite 15
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Der Jurist empfiehlt, sich von Kundenwünschen nicht verunsichern zu lassen. „Ob Gefahren für Leib und Leben bestehen, können Handwerker sehr gut ein
Wenn Kundenwünsche gegen DIN-Normen und Verkehrssicherungspflichten verstoßen, verzichtet Metallbaumeister Michael Günther auf den Auftrag.
schätzen“, betont Niemann. „Das ist Teil ihrer Gesel len- und Meisterausbildung, sie sind die Experten.“ Zudem sei das Recht auf ihrer Seite: In privaten Wohnräumen ließen DIN-Vorschriften und Landes bauordnungen zwar etwas Gestaltungsspielraum. Doch die jeweiligen Landesbauordnungen verlangten auch, dass die Anlagen verkehrssicher sein müssen und den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Dies zu gewährleisten, obliegt in jedem Fall auch dem Hand werker. „Daher würde ich mich auf nichts einlassen, was ich aufgrund meines Wissens und meiner Erfahrung nicht guten Gewissens vertreten kann“, rät Niemann. Das gilt nicht nur für das Metallhandwerk. Verkehrssi cherungspflichten finden sich in allen Landesbauord nungen, betreffen alle Bau- und Ausbaugewerke und sagen im Wesentlichen alle das Gleiche: Bauliche Anla gen und öffentlich zugängliche Flächen von bebauten Grundstücken müssen verkehrssicher sein. Das bedeutet: „Was ich als Handwerker in den Verkehr bringe, muss sicher sein. Erkennbare Gefährdungen der Verkehrssicherheit darf ich nicht umsetzen. Ich darf keine Gefährdungsquellen schaffen“, betont die Juristin Cornelia Höltkemeier von der Landesvereinigung Bauwirtschaft Nieder sachsen. Höltkemeier empfiehlt Handwerkern bei gefährlichen Kundenwünschen ein klares Vorgehen:
Foto: Keven Göhr
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Frank Niemann, LV Metall Niedersachsen/Bremen
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Ob Gefahren für Leib und Leben bestehen, können Handwerker sehr gut einschätzen.
1 Melden Sie Ihre Bedenken schriftlich an, damit der Bauherr zur Kenntnis nimmt, warum der Auftrag so nicht umsetzbar ist. Weisen Sie auf Ihre Verkehrssicherungspflichten hin und beschreiben Sie, worum es geht. 2 Unterschreiben Sie keine Haftungsfreistel lungsklausel, wenn Sie Gefahren für Leib und Leben vermuten. Dann ist das Schriftstück nicht nur nutzlos, sondern erhöht Ihr Haf tungsrisiko. Wenn Sie Bedenken anmelden und den Auftrag dennoch mit einer Freistel lung ausführen, könnte das nach einem Unfall nicht nur als grob fahrlässige Körperverlet zung, sondern sogar als Körperverletzung mit bedingtem Vorsatz gesehen werden. „Denn der Handwerker hat das Risiko gesehen, dennoch die Treppe ohne Geländer gebaut und damit einen Unfall in Kauf genommen“, warnt Höltkemeier. 3 Schlagen Sie alternative Lösungen vor. Viele Kunden sind sich der Gefahren nicht bewusst. Von ihren Vorstellungen lassen sie sich leichter abbringen, wenn Sie ihnen eine Alternative bieten, die ihren Wünschen nahekommt. 4 Lehnen Sie den Auftrag ab, wenn sich der Kunde nicht umstimmen lässt. JÖRG WIEBKING W
Bulli mit maßgefertigtem Innenausbau Vom Transporter zum Wohnmobil: Kfz-Meister Keven Göhr hat einem Bulli ein neues Innen leben verpasst. „Die Kunden haben sich eine Küchenzeile mit Waschbecken, eine ausziehbare Kompressorkühlbox, einen luftigen Schrank und ein Sofa samt schwenkbarem Tisch gewünscht“, berichtet der Inhaber von handmadeVan in Garbsen. Genau das habe er umgesetzt: „Die Möbel sind individuell gefertigt und bestehen aus einer Unterkonstruktion aus Alunutprofilen, die mit Holz verkleidet wurden“, berichtet der Meister. Den 55 Liter großen Frischwassertank habe er unter dem Fahrzeug verbaut. (AML)
Mit dabei sind zum Beispiel Tischler Thorsten Hein und Konditorin Pri yanka Balamohan. Sie sind zusammen auf einem der neuen Kampagnen motive abgebildet. Wer von beiden arbeitet mehr mit dem Kopf – so lau tet die Frage auf dem Plakat. Beide, so die Antwort. Denn beide arbeiten im Handwerk. Nach diesem Prinzip funktionieren auch die anderen Motive: Es werden immer zwei Protagonisten zu einem Thema gegenübergestellt. Dabei spielt die Kampagne mit Vorurteilen und zeigt, wie viel Potenzial im Handwerk steckt.
Auf vielen Kanälen sichtbar
Anzeigen mit den neuen Kampagnen motiven werden im Jahresverlauf in reichweitenstarken überregionalen Tageszeitungen, Nachrichtenmaga zinen und Zeitschriften abgedruckt.
Online und im TV werden zudem zwei kurze Spots zu sehen sein. (AML) Weitere Infos: www.handwerk.de
Foto: handwerk.de / Deutscher Handwerkskammertag
Foto: Privat
reppen ohne Handlauf, Emporen ohne Geländer, Lichtschächte ohne Abde ckung? Das kann gut aussehen – und ist gefährlich. Wie kommen Auftraggeber auf solche Ideen? „Ich habe immer wieder Kunden mit gefährlichen Wünschen“, sagt Michael Günther. „Sie lassen sich von Einrichtungsmagazinen inspi rieren oder habe es im Fernsehen gesehen“, erzählt der Metallbaumeister aus Wittmund. Gerade erst musste Günther einem Kunden erklären, warum er ihm nicht so ein Geländer bauen wird, wie er es in einem „Tatort“ gesehen hatte: „Der Kunde wollte nur die tragenden Pfosten und den Handlauf, aber keine Geländerstäbe. Da ist die Gefahr für kleine Kinder viel zu groß.“ Der Kunde bot eine Haftungsfreistellung an, Günther ließ sich nicht darauf ein: „Die Haftungs freistellung nützt mir nichts, wenn ich etwas baue, das eine Gefahr für Leib und Leben bedeutet“, weiß der Handwerker. Diesen speziellen Kunden konnte er schließlich von einer anderen Lösung überzeugen: einem Ganz-Glas-Geländer mit 17 Millimeter dicken Sicherheitsgläsern statt Geländerstäben.
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