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Norddeutsches Handwerk 10/2024

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Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Oldenburg

128. Jahrgang | Nr. 10 | 15. Oktober 2024

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Um das Bauen einfacher zu machen, hat Niedersachsen seine Bauordnung novelliert – dafür erhält das Land aktuell viel Lob. Was sagen Handwerker zu den neuen Regeln?

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Fördermittel nutzen Ab 2025 müssen Unternehmen die E-Rechnung akzeptieren. Die Einführung spart Zeit und Geld. Seite 2

iedersachsen hat zum 1. Juli 2024 die Landesbauordnung novelliert. Seither wird das Bundesland oft als Positivbeispiel genannt, wenn es um einfachere Regeln für das Bauen geht. „Niedersachsen hat eine echte Blaupause für andere Länder vorgelegt“, sagt Felix Pakleppa vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) zu den Neuerungen. Laut dem ZDB-Hauptgeschäftsführer sind Landesbauordnungen „das schärfste Schwert, um das Bauen zu vereinfachen“. Doch welche neuen Regeln gelten in Niedersachsen seit dem Sommer und wie bewertet das Bauhandwerk die novellierte Landesbauordnung?

Foto: Ansgar Schwarz

Niedersachsen als Vorbild?

Foto: Denny Gille

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Neue Gefahrstoffverordnung Firmenchef Jens Nordmann sieht für seine Zimmerei im Vergleich zum Status quo eine Verbesserung. Seite 3

„Das ist eine gute Entwicklung.“ Bauunternehmer Gerrit Terfehr lobt die neue Landesbauordnung in Niedersachsen und hofft, dass sie sich auch in der Praxis bewährt.

Das sagt das Bauhandwerk „Das ist eine gute Entwicklung“, findet Gerrit Terfehr von der Günter Terfehr Bautechniker GmbH & Co. KG im niedersächsischen Rhede. Der Geschäftsführer ist davon überzeugt, dass die neuen Regeln ein höheres Bauvolumen in Niedersachsen ermöglichen. Allerdings findet er, dass es für ein erstes Zwischenfazit noch zu früh ist: „Die neue Landesbauordnung ist erst seit wenigen Wochen in Kraft, sie muss jetzt von allen Beteiligten richtig umgesetzt werden.“ Ähnlich sieht es Michael Driesner vom Baugewerbe-Verband Niedersachsen (BVN): „Wir sind sehr zufrieden mit dem Beschluss.“ Für den Abteilungsleiter Technik stellt die Novelle einen Paradigmenwechsel dar: „Das Land hat die Bauordnung an einigen Stellen deutlich entbürokratisiert.“ Das ermögliche es den Betrieben, schneller und auch günstiger zu bauen. Der Umfang des vom Wirtschaftsministerium Niedersachsen veröffentlichten FAQ-Katalogs zeige aber auch zum Teil kritische Diskussionen über die Inhalte der Novelle.

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Die wichtigsten Neuerungen

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Positiv sieht Driesner vor allem diese fünf Neuerungen: 1 Parkplätze: Es entfällt die Nachweispflicht, wie viele Parkplätze pro Wohnung geschaffen werden müssen. „Es wird dem Markt überlassen, eine bedarfsgerechte Anzahl für das jeweilige Projekt einzuplanen“, erläutert der gelernte Maurer und Architekt. Bisher seien beim Wohnungsbau 1,5 Parkplätze pro Wohnung nachzuweisen und nur in Ausnahmen war eine

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Unterschreitung möglich. Das habe zum Teil hohe Kosten verursacht. 2 Bauen im Bestand: Die Errichtung von Gauben und Ausbauten im Dachgeschoss ist laut Driesner nun ohne Genehmigung möglich. Voraussetzung sei, dass die geplanten Maßnahmen nicht gegen das Bauplanungsrecht verstoßen. Zudem müssten Standsicherheit und Wärmeschutz im Bestand gewährleistet sein und die Maßnahme nur noch der Behörde angezeigt werden. 3 Ertüchtigung des Bestandsgebäudes: Ändert sich bei der baulichen Veränderung zum Beispiel durch Aufstockung die Gebäudeklasse, so müssen die bestehenden Bauteile nicht auf die höhere Anforderung ertüchtigt werden. So könne etwa die bestehende Holztreppe in unteren Geschossen bleiben und in gleicher Qualität bis in das Dachgeschoss geführt werden. 4 Reduzierte Grenzabstände: Zwischen Wohngebäuden ist nun ein Grenzabstand von 0,4 H erlaubt (H steht für Höhe des Punktes über der Geländeoberfläche), allerdings muss der Abstand weiterhin mindestens drei Meter betragen. „Im Wohnungsbau sind dadurch nun ein paar Quadratmeter mehr Wohnfläche möglich“, erläutert der Architekt. 5 Änderung bei Fluchtwegen: Die novellierte Bauordnung gehe davon aus, dass in Mehrfamilienhäusern 30 Personen pro Geschoss von der Feuerwehr auch ohne zweiten Fluchtweg gerettet

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Das Land hat die Bauordnung an einigen Stellen deutlich entbürokratisiert. Michael Driesner, Baugewerbe-Verband Niedersachsen

Zieht Sachsen-Anhalt nach? Diese Neuerungen in Niedersachsen kennt auch der Baugewerbe-Verband Sachsen-Anhalt. Präsident Peter Nitschke sieht die novellierte Landesbauordnung im Nachbarbundesland als Positivbeispiel – insbesondere was Grenzabstände, Autostellplätze und die Möglichkeiten im Dachgeschossausbau angeht. Das Land Sachsen-Anhalt stellt gerade seine Landesbauordnung auf den Prüfstand. Der BaugewerbeVerband tauscht sich dazu mit dem Infrastrukturministerium (MID) aus und hat Verbesserungsvorschläge eingereicht. Wann einfachere Regeln für Bauhandwerker in Sachsen-Anhalt kommen, sei noch unklar. Laut MID ist der Gesetzgebungsprozess für 2025 avisiert. Klar ist indes, in welche Richtung die Änderungen gehen dürften: „Um den Wohnungsbau zu unterstützen und das Umbauen zu erleichtern, sollen die Hürden für Ausbauten von Dachgeschossen oder Umnutzungen zu Wohnzwecken abgebaut werden“, teilt das Ministerium auf Anfrage mit. Zudem solle der Gebäudetyp E gesetzlich verankert werden. ANNA-MAJA LEUPOLD W

Die neuen Motive der Imagekampagne sind da Unter dem Motto „Zeit zu machen“ setzt das Handwerk die Imagekampagne fort.

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werden können. Bislang hätte bei Bauprojekten ab 10 Personen pro Geschoss geprüft werden müssen, ob ein zweiter Fluchtweg erforderlich ist. „Jetzt gibt es klare Regeln und Fluchtwege sind nicht mehr Auslegungssache“, erläutert Driesner. Er weist zudem darauf hin, dass die Neuerung auch Kostenvorteile birgt, da ein zweiter Fluchtweg in vielen Fällen nicht mehr nötig ist.

Das Leuchten des Alters Fotograf Johannes Bichmann liebt es, ausgewählte gesellschaftliche Gruppen durch möglichst authentische Bilder sichtbarer zu machen. So fotografiert der 38-Jährige seit 2011 Bewohner von Seniorenheimen. „Aus jedem dieser Menschen möchte ich im Shooting Facetten herauskitzeln, die ihre Gesichter leuchten lassen“, beschreibt der Unternehmer aus Bad Zwischenahn. „Ich ermutige meine Protagonisten zum Beispiel, an etwas Schönes zu denken und dann zu lächeln oder sie sollen einfach eine lustige Fratze machen.“ Von seinen Kunden hört er regelmäßig, dass durch seine empathisch-humorvolle Art Aufnahmen entstünden, die den unverwechselbaren Charakter eines jeden widerspiegeln. (BG)

Ab sofort sind die neuen Motive der Imagekampagne an mehr als 8.000 Standorten in Deutschland zu finden. Anhand von authentischen Bildern zeigt sie, welchen Beitrag das Handwerk für Wirtschaft und Gesellschaft leistet. Sie soll aber auch verdeutlichen, welche Perspektiven und Ausbildungsmöglichkeiten das Handwerk für all jene bietet, die mit anpacken wollen. Luisa Lüttig ist eine der vier neuen Kampagnenbotschafter. „Was man mit den Händen macht, passiert vorher im Kopf“, ist auf dem Plakatmotiv zu lesen, das die Steinmetzin und Steinbildhauerin in der Werkstatt zeigt. Denn bevor die 25-Jährige ein Werkstück bearbeitet, muss sie viel Kopfarbeit leisten. Beispielsweise muss sie Material auswählen, Kosten kalkulieren, Kundenwünsche berücksichtigen und einen Entwurf des Werkstücks skizzieren. Der Steinmetzin und Steinbildhauerin

ist wichtig, dass Handwerker „keine Dummerchen“ sind. „Ich hab meinen Meister, bin Bachelor Professional – ganz ohne Studienbank“, sagt sie. Eine weitere Kampagnenbotschafterin ist Katja-Lilu Melder. „Manche sagen, früher war alles besser. Wir machen lieber die Zukunft richtig gut“, meint die Metallbauerin und Bauwerksmechanikerin. Mit ihrem Betrieb hat sie sich auf Abbrucharbeiten und Gefahrstoffsanierung spezialisiert. Melder findet, dass noch mehr alte Bausubstanz saniert werden muss. Denn so entstehe nicht nur neuer Wohnraum, auch das Klima werde geschützt. Weitere Gesichter der Imagekampagne sind Maksim Kuzmitsch (Metallbauer) und Zoë Weinberger (Stuckateurin in Ausbildung). (AML) W Weitere Infos zur Kampagne: handwerk.de.


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