Wer seinen Betrieb attraktiv für die Nachfolge machen möchte, sollte auf wichtige Punkte achten.
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Übergabe dank guter Planung
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n die ersten Verhandlungen mit seinem Vorgänger kann sich Kfz-Meister Theis Janssen noch gut erinnern: „Wir haben viele Gespräche geführt und waren uns beim Kaufpreis nicht gleich einig“, sagt der Inhaber von Eisenhauer Kraftfahrzeuge in Esens. Den Namen des Betriebs hat der 25-Jährige beibehalten. „Die Werkstatt ist bekannt und hat einen großen Kundenstamm“, sagt Janssen, der unbedingt einen Betrieb in seinem Heimatort finden wollte. Bei der Schätzung des Wertes haben Handwerkskammer und Immobilienfachleute geholfen. „Das war eine gute Grundlage für unsere Verhandlungen“, berichtet der junge Unternehmer. Auch der Blick in die BWAs der vergangenen Jahre sei hilfreich gewesen.
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Grundlage: Kostenstruktur und Kaufpreis So reibungslos wie bei Theis Janssen laufen nicht alle Übergaben im Handwerk. Nur etwa jeder siebte Betrieb findet derzeit einen Nachfolger. Neben dem demografischen Wandel sei besonders die Risikobereitschaft, einen Betrieb zu übernehmen, gesunken. „Hinzu kommt die Prägung aus dem Elternhaus. Viele Eltern meinen, dass ihre Kinder besser studieren sollten, und wissen nicht, wie gut im Handwerk verdient werden kann“, sagt Daniel Harms, Abteilungsleiter Betriebs- und Gründungsberatung der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Umso wichtiger sei es, dass der Inhaber das Interesse an einer Übernahme weckt. „Dazu gehört die Bilanz: Was ist das Unternehmen wert, was erwirtschaftet es an Gewinn? Nachfolger interessieren sich in erster Linie für die Kostenstrukturen“, präzisiert Harms. Nicht zuletzt sei der Kaufpreis entscheidend: „Er sollte dem Wert des Unternehmens entsprechen!“ Ein guter Ruf des Unternehmens steigert die Erfolgsaussichten auf eine geglückte Betriebsübergabe.
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Investition in Mitarbeiter und Infrastruktur Um den eigenen Betrieb attraktiv für die Nachfolge zu gestalten, sind Investitionen sowohl in Mitarbeitende als auch in die Infrastruktur sinnvoll, weiß der Nachfolgeberater. In kleinen Betrieben bleibe es oftmals bei branchenspezifischen Weiterbildungen. Grundsätzlich seien auch Schulungen im Bereich Digitalisierung empfehlenswert. Dazu zählt neben IT und Software auch der Bereich Digitales Marketing mit den Themen SEO und Social Media. Bei Investitionen in die Infrastruktur rät Harms zu einer Fokussierung auf moderne IT-Infrastruktur,
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Eineinhalb Jahre nach dem Inhaberwechsel zieht Theis Janssen eine positive Bilanz – auch dank guter Vorbereitung von Vorbesitzer und Nachfolger.
Automatisierungslösungen und auf digitale Marketingstrategien. Auch die Nutzung erneuerbarer Energien und energieeffizienter Maschinen sei sinnvoll.
Update bei Digitalisierung und Datenschutz Harms betont die Notwendigkeit für den übergebenden Betrieb, sich mit neuen digitalen Technologien auseinanderzusetzen. „In vielen Betrieben wird noch mit Papier und Stift gearbeitet – junge Nachfolger wollen aber digital unterwegs sein.“ Dazu gehörten eine moderne Branchensoftware sowie IT-Sicherheit.
Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt.
Nachhaltigkeit steigert Attraktivität
Theis Janssen, Inhaber Eisenhauer Kraftfahrzeuge
Wie nachhaltig der Betrieb aufgestellt ist, spiele bei den jungen Nachfolgern ebenfalls eine immer größere Rolle. Dazu zählten nachhaltige Geschäftsmodelle, ein effizientes Ressourcenmanagement sowie umweltfreundliche Produktionsstandards.
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Als Kfz-Meister Janssen übernahm, hat auch sein Vorgänger Aufträge noch auf Papier notiert. Doch ohne Digitalisierung wollte der neue Inhaber den Betrieb nicht führen. „Ich habe zuerst Computer angeschafft und ein passendes Werkstattprogramm“, sagt er. Auch eine Website mit dazugehörigen Social-Media-Kanälen hat er eingerichtet. „Wir sind in einer Touristenregion und wollen im Netz gefunden werden“, betont Janssen. Äußerlich hat der Betrieb nicht nur einen neuen Anstrich erhalten: Schon vor Übernahme der Werkstatt wusste der Käufer, dass das Dach erneuert und gedämmt werden musste. Eine PV-Anlage sei für dieses Jahr geplant. In den Hallen hat Janssen Wände so versetzt, dass eine neue Hebebühne eingebaut und ein moderner zusätzlicher Arbeitsplatz geschaffen werden konnte. Das Team sei mittlerweile auf sieben Personen gewachsen. „Der Betrieb entwickelt sich stetig weiter. Wir blicken positiv in die Zukunft“, resümiert Theis Janssen. MARTINA JAHN UND SONJA STEINER W
Heizungsförderung jetzt auch für Betriebe Nun können auch Betriebe den Tausch ihrer Heizung gegen ein klimafreundliches Modell fördern lassen.
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Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Oldenburg
128. Jahrgang | Nr. 9 | 16. September 2024
Ein Hauch von Sizilien Eis essen ist im Italienurlaub ein absolutes Muss: In Palermo war Konditormeisterin Harika Mahn deshalb in einer kleinen Eismanufaktur. „Ich habe dort unglaublich leckeres Mandarineneis gegessen. Für mich war klar, dass ich diese Sorte auch anbieten möchte“, sagt die Inhaberin der Calluna Eispatisserie in Lüneburg. Das Problem war nur: Das Eis schmeckte nicht einfach nur nach Mandarine, sondern enthielt noch eine Zutat, die Mahn nicht auf Anhieb identifizieren konnte. Sie recherchierte und experimentierte, nach Wochen löste die Konditormeisterin schließlich das Rätsel. Heute hat sie die Eissorte in ihrem Sortiment, „Sizilianische Mandarine“ heißt sie. „Gerade an heißen Tagen ist die Sorte ein absoluter Renner. Sie schmeckt einfach nach Sonne und Urlaub“, sagt Mahn. (AML)
Seit dem 27. August können nun alle Immobilienbesitzer eine staatliche Förderung für den Austausch ihrer alten Heizungen beantragen. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilt, wurde der Kreis der Anspruchsberechtigten um Unternehmen, Eigentümer vermieteter Einfamilienhäuser und Wohneigentümergemeinschaften (WEG) erweitert. Den Heizungstausch fördert der Bund durch Investitionszuschüsse. Beantragt werden können die von Immobilienbesitzern, die eine klimafreundliche Heizungsanlage einbauen lassen oder ihr Gebäude an ein Wärmeoder Gebäudenetz anschließen lassen. Details zur Förderung für Unternehmen hat die Förderbank KfW auf ihrer Website veröffentlicht. Demnach ist die Förderung sowohl für Nichtwohngebäude als auch für Wohngebäude möglich. Der Zuschuss beträgt jeweils bis zu 35 Prozent der förderfähigen Kosten.
Die KfW weist darauf hin, dass Betriebe die Förderung über ihren Finanzierungspartner beantragen können. Wie setzt sich der Investitionszuschuss zusammen? Laut Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) könne die Grundförderung bis 30 Prozent der förderfähigen Investitionskosten betragen. Zudem könne der Effizienz-Bonus für besonders effiziente Wärmepumpen in Höhe von 5 Prozent hinzukommen – insgesamt also bis zu 35 Prozent Förderung. Beim Einbau einer besonders effizienten Biomasse-Heizung hingegen gebe es einen Emissionsminderungszuschlag von pauschal 2.500 Euro. Die Mittel für die Heizungsförderung kommen laut BMWK aus dem Klima- und Transformationsfond. Die Förderbank KfW geht aktuell davon aus, dass Antragstellern ausreichend Bundesmittel für die Förderung zur Verfügung stehen. (AML) W