128. Jahrgang | Nr. 7 | 9. Juli 2024
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Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Oldenburg
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Noch sind längst nicht alle Ausbildungsplätze besetzt und viele junge Leute auf der Suche. Wie gelingt jetzt noch ein Match?
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Steuerfrei zahlen
Foto: Andre Sobott
Aktiv auf Azubi-Suche as neue Ausbildungsjahr startet am 1. August. Die Vrielmann GmbH ist darauf schon gut vorbereitet: „Ich freue mich, dass wir neun Auszubildende für unseren Betrieb gewinnen konnten“, sagt Geschäftsführer Heiko Ensink. Mit der Suche nach neuen Auszubildenden haben er und sein Team schon im vergangenen Jahr angefangen: „Betriebspraktika sind für uns bei der Rekrutierung besonders wichtig“, sagt Personalreferentin Andrea Schmees. Mehrere junge Leute hätten auch 2023 ein Betriebspraktikum im Elektrobetrieb absolviert. „Dadurch hatten wir zu Jahresanfang schon mehrere Kandidaten im Blick“, berichtet Schmees. „Im Frühjahr haben wir sie noch mal zusammen mit ihren Eltern für einen Nachmittag zu einem Azubi-Insight zu uns eingeladen.“ Zu Ostern sei die Entscheidung gefallen, wer einen Ausbildungsvertrag erhält. „Inzwischen sind alle Verträge unterschrieben“, freut sich Schmees.
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Vielfalt als Chance
Foto: Roland Schmidt - Hannover
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Heiko Ensink freut sich, dass er zum Ausbildungsstart 2024 neun Azubis in seinem Team begrüßen kann.
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Mehr als 170.000 junge Leute suchen noch
Prompten wie die Profis – dann klappt es mit der KI. Malte Stichnoth nutzt sie bereits aktiv. Seite 5
Doch nicht alle Betriebe haben bei der Suche nach Auszubildenden schon so viel Erfolg wie die Vrielmann GmbH in Nordhorn. Von den insgesamt 468.780 gemeldeten Ausbildungsstellen in ganz Deutschland sind laut Bundesagentur für Arbeit aktuell noch 253.600 unbesetzt. Gleichzeitig gebe es noch 171.560 Bewerber, die bislang noch keine Ausbildungsstelle gefunden haben. „Handwerksbetriebe haben deshalb durchaus Chancen, kurz vor dem Start ins neue Ausbildungsjahr noch Azubis zu finden“ betont Goran Miladinovic, der bei der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim den Fachbereich Berufsbildung leitet. Für die Suche hat er einige Last-Minute-Tipps.
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Jackett gegen Schürze Offen im Team kommunizieren
Stephan Weil schaut sich das Friseurhandwerk an. Seite 15
„Die eigenen Mitarbeiter sind bei der Mitarbeitersuche die besten Multiplikatoren“, sagt Miladinovic. Handwerksunternehmern empfiehlt er deshalb, die unbesetzten Ausbildungsplätze im Team offen zu kommunizieren und um Unterstützung zu bitten: „Vielleicht kennt jemand aus Ihrem Team jemanden im Freundes- und Bekanntenkreis oder in der Familie, der noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist“, sagt der Berufsbildungsexperte. Wer möchte, könne gern Anreize für Empfehlungen setzen: „Bieten Sie Ihren Mitarbeitenden zum Beispiel eine kleine Prämie an, wenn sie erfolgreich jemanden vermitteln. “
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Eine weitere Möglichkeit ist laut Miladinovic die Suche über Social Media, da viele junge Menschen Instagram oder Tiktok nutzen. „Diese Kanäle funktionieren aber nicht wie ein schwarzes Brett“, betont der Kammerfachmann. Die Suche per Social-MediaPost eigne sich vor allem für Betriebe, die regelmäßig Inhalte auf Instagram und Tiktok veröffentlichen. „Wenn Sie dort nur etwas posten, wenn Sie gerade etwas brauchen, wird das sicher nicht den gewünschten Erfolg bringen“, so Miladinovic. Für die Postings hat er noch einen Tipp: „Achten Sie darauf, dass Ihr Aufruf authentisch ist und zu Ihrem Betrieb passt.“ Miladinovic rät Handwerksunternehmern zudem das Business-Netzwerk Linkedin für die Azubisuche zu nutzen. „Dort erreichen Sie zwar nicht die jungen Leute, aber deren Eltern“, betont er. Der Berufsbildungsexperte empfiehlt Handwerksunternehmern darüber hinaus, Kontakt mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) aufzunehmen: „Melden Sie dort unbedingt noch die offenen Ausbildungsstellen“. Schließlich wisse die BA, welche Jugendlichen noch einen Ausbildungsplatz suchen. Außerdem gebe es im September regelmäßig Nachvermittlungsaktionen. Hilfe können Betriebe zudem bei ihrer Handwerkskammer bekommen: „Die Ausbildungsberater sind immer gute Ansprechpartner für Themen wie Azubimarketing, Rekruting oder Employer Branding“, sagt Miladinovic. Ein weiteres Angebot der Kammern
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Andrea Schmees, Personalreferentin
Baubranche kritisiert schlechte Zahlungsmoral Öffentlichen Auftraggebern stellen Bauunternehmer ein mieses Zeugnis aus. Den Grund dafür benennen sie klar.
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Die jungen Leute lassen sich oft viel Zeit mit ihrer Entscheidung.
seien die Lehrstellenbörsen: „Melden Sie hier ebenfalls die offenen Ausbildungsstellen“, empfiehlt der Berufsbildungsexperte Unternehmen. Kurzfristige Betriebspraktika können eine weitere Option für die Last-Minute-Suche sein. „Gehen Sie proaktiv auf allgemein- und berufsbildende Schulen zu“, so Miladinovic. Ein Selbstläufer sei das nach Ferienbeginn zwar nicht. Aber bestehende Kontakte zu Lehrern oder Schulsozialarbeitern könnten durchaus noch helfen, Praktikanten und gegebenenfalls Azubis zu finden. In manchen Fällen könnte sich auch Geduld auszahlen: „Viele Jugendliche entscheiden sich nicht für das erstbeste Angebot, sondern wählen oft zwischen mehreren Verträgen aus“, sagt der Berufsbildungsexperte. Eine ähnliche Erfahrung bestätigt Andrea Schmees vom Elektrobetrieb Vrielmann: „Die jungen Berufseinsteiger sind bei der Ausbildungsplatzsuche entspannter, als wir es aus der Vergangenheit kennen. Sie lassen sich oft mehr Zeit mit ihrer Entscheidung beziehungsweise beginnen später mit der Suche.“ Die Personalreferentin kann das durchaus nachvollziehen: „Wegen des Fachkräftemangels haben angehende Azubis heute einfach Auswahlmöglichkeiten.“ Schmees weiß deshalb, dass sich der Elektrobetrieb auch im kommenden Jahr wieder etwas einfallen lassen muss, um neue Azubis zu gewinnen. ANNA-MAJA LEUPOLD W
Hommage an den Großvater Walnuss-Opa-Flocki – so heißt das Sauerteigbrot, das Bäckermeister Kieran Schneider entwickelt hat. „Der Natursauerteig wird mit Waldstaudenroggenvollkornmehl angesetzt, später kommen geröstete Walnüsse und verschiedene Mehle hinzu“, berichtet der Inhaber der Bäckerei Kelber in Ilsenburg. Schneider hat das Brot nach seinem Opa benannt, der früher ebenfalls einen Betrieb hatte. „In der Backstube war ich damals oft“, sagt Schneider. Doch sein Wunsch, Bäcker zu werden, kam erst, als der Opa die Bäckerei schon geschlossen hatte. Schneider eröffnete deshalb eine neue, dort gibt es das Sauerteigbrot jeden Donnerstag zu kaufen. „Ich backe dann bis zu 80 Laibe“, berichtet er. „Die Brote sind bei den Kunden so beliebt, dass abends nie eins übrig bleibt.“ (AML)
Betriebe müssen bei öffentlichen Auftraggebern länger auf ihr Geld warten als bei privaten oder gewerblichen Kunden. Das ergab eine Umfrage des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), an der sich 600 Mitgliedsunternehmen beteiligten. Mehr als ein Viertel der Betriebe schätzt das Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand demnach als schlecht oder sogar sehr schlecht ein. Bei privaten Auftraggebern finden das nur rund fünf Prozent. Die Hälfte aller Baufirmen berichtet, dass öffentliche Auftraggeber Zahlungsfristen um bis zu einen Monat überschreiten. 20 Prozent der Firmen müssen bis zu sechs Monate länger auf ihr Geld warten. Als Hauptgrund nennen die Firmen Personalmangel in den Behörden. ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa kritisiert dieses Zahlungsverhalten scharf: „Manche Behörden
lassen sich besonders lange Zeit und unsere Betriebe haben dann meist das Nachsehen. Wir beklagen die schlechte Zahlungsmoral am Bau, die zusammen mit der Vorleistungspflicht eine erhebliche Liquiditätsbelastung für die Bauunternehmen darstellt.“ Er forderte, dass die derzeit in Arbeit befindliche EU-Zahlungsverzugsrichtlinie den Schutz von Mittelstand und Handwerk vor unverhältnismäßig langen Zahlungsfristen ins Zentrum stellen müsse. Diese Richtlinie sieht nach aktuellem Stand eine grundsätzliche Zahlungsfrist von 30 Tagen für gewerbliche Kunden wie auch für Behörden vor. Nur wenige Ausnahmen sind vorgesehen. Bis sie in Kraft tritt, könnte es allerdings noch etwas dauern: Das gerade gewählte EU-Parlament wird sich erst nach seiner Konstitution damit befassen. (KW) W