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Norddeutsches Handwerk 06/2024

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www.hwk-oldenburg.de | Einzelpreis 1,50 €

Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Oldenburg

128. Jahrgang | Nr. 6 | 14. Juni 2024

Wir sind der Versicherungspartner fürs Handwerk.

Weil eine Hildesheimer Tischlerei ihre Prozesse digitalisiert hat, haben die Handwerker jetzt mehr Zeit für ihre Kunden.

signal-iduna.de/handwerk

Foto: Malek Fenster & Türen GmbH

Schluss mit dem Suchen Kein Mehraufwand erschwundene Stundenzettel, unleserliche Baustellendokumentationen oder Zettelchaos im Büro gibt es bei der Malek Fenster & Türen GmbH nicht mehr: „Wir haben mittlerweile ein komplett papierloses Büro“, berichtet Geschäftsführer Simon Malek, der den Betrieb zusammen mit seinem Vater Raimund führt. Vor mehr als einem Jahr haben die Tischler ihre gesamte Auftragsabwicklung digitalisiert – vom Anlegen der Aufträge bis hin zur Schlussrechnung. „Wir mussten einfach die Notbremse ziehen, weil uns im Büro zunehmend der Überblick fehlte“, sagt Simon Malek. Wegen der gestiegenen Nachfrage häuften sich die Zettel im Büro und das 15-köpfige Team verbrachte zunehmend Zeit damit, Unterlagen zu suchen. Malek suchte deshalb nach einer Möglichkeit, um Ordnung zu schaffen. „Ich wollte ein Tool und nicht viele verschiedene Apps“, berichtet der 32-Jährige. Schließlich fand er eine Software-Lösung von Hero, die seine Wünsche erfüllte. 2022 fing er an, die Prozesse in seinem Betrieb neu zu digitalisieren: „Wir haben mit der Arbeitszeiterfassung angefangen, um das Team an das Thema heranzuführen“, sagt der Tischler. Nach anfänglichen Vorbehalten erwies sich die Abschaffung der Stundenzettel schnell als Vorteil: „Es kommt nichts mehr weg und die Mitarbeitenden können selbst nachsehen, wann und wie viel sie gearbeitet haben“, sagt Malek. Als Nächstes digitalisierte der Unternehmer die komplette Auftragsabwicklung. Dafür rüstete er alle Handwerker mit einem iPad aus: „Bei Kundenterminen dokumentieren sie damit alle Arbeiten und unser Büro kann auf die Daten jederzeit zugreifen“, berichtet der Unternehmer. Das brachte die gewünschte Entlastung: „Durch die Digitalisierung unserer Prozesse konnten wir die Suchzeiten deutlich reduzieren, sodass uns jetzt mehr Zeit für die Kunden und die handwerkliche Arbeit bleibt“, freut sich Malek.

Die eAU bereitet vielen Betrieben weiterhin Kopfzerbrechen. Nicht so diesem Betrieb. Seite 2

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60 Euro reichen nicht!

Foto: HW Hannover Dachbau GmbH

Solo-Selbstständige aufgepasst: Wer die Vollkosten nicht kennt, belügt sich selbst – Rechnung gefällig? Seite 3

Hilfe, ein Praktikant kommt? Wer so denkt, verschenkt Chancen in der Azubi-Gewinnung, weiß Zimmermeister Bastian Westmann. Seite 6

Drohen Nachweispflichten? Was kommt mit dem EU-Lieferkettengesetz auf die Betriebe zu? Ein erster Überblick. Seite 8

Mode, die Azubis begeistert Teambildung mit Berufskleidung: Zwei Azubis verraten, was sie bei der Arbeit am liebsten tragen. Seite 10

Konjunktur bleibt robust Konjunkturumfrage zeigt eine weiterhin solide Geschäftslage. Seite 14

INFOKANÄLE

Treiber für Digitalisierung im Handwerk Für Handwerksbetriebe ist der Wunsch nach effizienteren Geschäftsabläufen häufig ein Grund zu digitalisieren. Das zeigt ein aktueller Forschungsbericht des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk in Göttingen (IFH). Auch der Fachkräftemangel sei demnach ein Treiber der Digitalisierung. Schließlich könnten Betriebe dadurch Kapazitäten für handwerkliche Tätigkeiten

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Tischler Simon Malek hat in seinem Betrieb nicht nur die komplette Auftragsabwicklung digitalisiert.

schaffen und unbesetzte Stellen bedingt kompensieren, schreibt das IFH. Der Forschungsbericht zeigt noch andere Gründe, warum Handwerksbetriebe digitalisieren. Dazu zählen: ɓ die demografische Entwicklung, ɓ Imagegründe, ɓ die technologische Entwicklung des Umfelds, ɓ die Anforderungen der Kundschaft, ɓ der Wunsch nach mehr Work-Life-Balance und ɓ staatliche Vorgaben. Unternehmer Simon Malek ist mit seinem Betrieb inzwischen digital gut aufgestellt. Er weiß, dass er damit auch für gesetzliche Vorgaben gerüstet ist, die auf seinen Betrieb zukommen – zum Beispiel die Pflicht zur E-Rechnung. „Das ist ein schöner Randeffekt“, meint der Tischler. Viel mehr freut er sich aber über etwas anderes: „Digitale Rechnungen sind viel schneller beim Kunden und dadurch erhalten wir mitunter auch unser Geld schneller.“

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Dachsanierung statt Dachfensterreparatur Foto: Privat

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Eigentlich hatte sich die Kundin nur wegen eines undichten Dachfensters gemeldet. Doch für die Zimmermänner aus Spelle wurde es ein größerer Auftrag: „Vor Ort haben wir festgestellt, dass auch Dach und Schornstein der denkmalgeschützten Villa in keinem guten Zustand waren“, sagt René Achteresch, der den Betrieb mit Swen Nordhoff führt. Die Kundin habe sich deshalb für eine Dachsanierung entschieden. Innerhalb von knapp fünf Wochen doppelten die Zimmermänner den Dachstuhl auf, dämmten das Dach, montierten gusseiserne Dachfenster und deckten das Dach neu. Bei der Sanierung achteten sie auf Nachhaltigkeit: „Die Kupferdachrinnen haben wir zum Beispiel abgebaut, eingelagert und wiederverwendet.“ (AML)

Digitale Rechnungen sind viel schneller beim Kunden. Simon Malek, Betriebsinhaber

Geld hat auch im Digitalisierungsprozess eine große Rolle gespielt, schließlich musste Malek in Tablets für die Mitarbeiter und in Software-Lizenzen investieren: „Das war teuer. Aber es hat mich zum Glück nicht von meinem Vorhaben abgehalten“, sagt der Unternehmer. Selbstverständlich ist das nicht: Laut dem IFH-Bericht sind die Kosten oft ein Hemmnis für Digitalisierungsmaßnahmen im Handwerk. Auch der Fachkräftemangel halte Betriebe davon ab, weil ihr Fokus wegen des Mangels an Beschäftigten auf dem Kerngeschäft liege. Zudem täten sich Betriebe mit Digitalisierungsmaßnahmen schwer, die bislang wenig Erfahrung damit haben. Auch für Malek war die Umstellung nicht einfach: „Es ist eine Herausforderung, sich neben dem Tagesgeschäft mit der Digitalisierung zu beschäftigen.“ Bei ihm und seinem Team sei der Leidensdruck irgendwann so hoch gewesen, dass er etwas ändern wollte. Davon profitieren jetzt alle: „Wir sind jetzt viel effizienter und sparen auch noch Papier. Die Mühe und die Investition haben sich wirklich gelohnt.“ ANNA-MAJA LEUPOLD W

Fehlerhaftes Material vom Lieferanten: Was gilt dann? Gewährleistungsfälle bedeuten Mehraufwand – diese Regeln gelten für Ein- und Ausbaukosten. Nicht immer ist fehlerhaftes Material auf Anhieb zu erkennen. Manchmal stellt sich erst nach dem Einbau heraus, dass Fenster oder Fliesen wieder ausgebaut werden müssen. In einer neuen Broschüre weist der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) darauf hin, dass Betriebe von handwerksfreundlichen Haftungsregeln profitieren, wenn sie das Material von einem Händler bezogen haben. Schließlich hätten sie in solchen Fällen nicht nur Anspruch auf Materialersatz, Betriebe hätten zudem einen sogenannten Aufwendungsersatzanspruch hinsichtlich der Ein- und Ausbaukosten gegen den Händler. Voraussetzung dafür sei, dass das gekaufte Material mangelhaft ist. Zudem müsse es in eine andere Sache eingebaut, an eine andere Sache angebracht oder im Rahmen eines Vorfertigungsprozesses bearbeitet worden

sein. Eingebautes Material könnten beispielsweise Bodenfliesen, Fenster oder Hauselektrik sein. Dachrinnen, Lampen, Lacke oder Farben seien Beispiele für angebrachte Materialien.

Ausschluss per AGB unzulässig Der Aufwendungsersatzanspruch umfasst laut ZDH unter anderem: ɓ die Anfahrtskosten, ɓ die Fehlersuche zur Verifizierung des Mangels, ɓ den Ausbau der Sache, ɓ die Abwicklung des Umtauschs, ɓ die erneute Zurichtung und Parametrierung sowie ɓ den Wiedereinbau. Dass Materialhändler diese Ansprüche per AGB ausschließen, sei in der Regel unzulässig. (AML) Weitere Infos: svg.to/material


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