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Norddeutsches Handwerk 01/2025

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130. Jahrgang | Nr. 1 | 27. Januar 2025

www.hwk-oldenburg.de | Einzelpreis 1,50 €

Foto: Tobias Arhelger - stock.adobe.com

Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Oldenburg

Nur wenige Wochen bis zur Wahl: ZDH und Betriebe haben klare Vorstellungen, was sich ändern muss.

Umsatzsteuerbefreiung 2025 Wer sich unter welchen Bedingungen von der Umsatzsteuer befreien lassen kann Seite 2

Foto: Urte Boesche

Das fordert das Handwerk n seinem „Wahlcheck 25 für 25“ erwartet der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) von allen Kandidatinnen und Kandidaten zur bevorstehenden Bundestagswahl, sich für die Belange des Handwerks einzusetzen und konkrete Lösungen anzubieten. „Der Veränderungsnotstand in Deutschland muss ein Ende haben. Das Handwerk fordert ein entschlossenes Handeln der Politik, um die Weichen für eine zukunftsfähige Wirtschaftspolitik zu stellen und den Standort zu stärken“, sagt ZDH-Präsident Jörg Dittrich. Der Wahlcheck besteht aus 25 Forderungen, die auf fünf Handlungsfelder aufgeteilt sind. „Die Handwerksbetriebe und ihre Beschäftigten brauchen klare Signale der Entlastung, des Aufbruchs und der Stabilität“, so Dittrich weiter.

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Umgang mit Asbest

Foto: Privat

Regelungen der neuen Gefahrstoffverordnung und Hilfsangebote für Betriebe Seite 4

Kundenkommunikation Fünf Themenbereiche mit Forderungen

Martina Radtke, Geschäftsführerin eines Elektrofachbetriebs, bevorzugt das persönliche Gespräch. Seite 5

Die folgenden fünf Handlungsfelder, zu denen jeweils fünf konkrete Forderungen formuliert wurden, stehen im Fokus des ZDH-Wahlchecks: ɓ Freiräume schaffen, Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. ɓ Wieder Lust auf Unternehmertum machen. ɓ Potenziale zur Sicherung von Fachkräften ausschöpfen. ɓ Bildungsstrukturen des Handwerks stärken. ɓ In Städten und ländlichen Räumen das Handwerk weiter fest verankern.

Suche nach Arbeit mit Sinn Generation Alpha betritt den Arbeitsmarkt. Wie kann das Handwerk sie für sich gewinnen? Seite 6

Neuerungen in 2025 Was neu ist in Bezug auf Mindestlohn, E-Rechnung, Grundsteuer, Insolvenzgeld, Barrierefreiheit usw. Seite 8

„Bürokratie wurmt und lähmt uns“

Kreditverhandlungen

In der Kategorie „Wieder Lust auf Unternehmertum machen“ fordert der ZDH: „Die Belastung des Handwerks mit Bürokratie wird deutlich reduziert. Unverhältnismäßige Berichts- und Dokumentationspflichten werden systematisch abgebaut, ohne notwendige Schutzstandards für Beschäftigte einzuschränken. Die Verwaltung wird schlank und digital aufgestellt.“ Bauunternehmer Daniel Keding aus Lehrte hat von den vielen Vorschriften und Pflichten die Nase voll. „Die Bürokratie wurmt und lähmt mich“, sagt er. Seit der Übernahme des Betriebs mit 30 Mitarbeitenden von seinem Vater seien Jahr für Jahr mehr bürokratische Anforderungen auf ihn zugekommen. Daher fordert er echte Reformen von einer neuen Regierung. „Doch die Bretter, die da gebohrt werden müssten, sind sehr dick“, weiß Keding. Wenn er noch mehr Personen in der Verwaltung beschäftigen würde, wäre er gezwungen, auch diese Mehrkosten an seine Kunden weiterzugeben. „Andererseits sollen

Nachhaltigkeit wird zum Kriterium bei der Kreditvergabe. Wie können Sie Ihren Score verbessern? Seite 10

#handwerkistweiblich Netzwerk-Veranstaltung für Unternehmer-Frauen im Handwerk Seite 15

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Daniel Keding fordert echte Veränderungen von einer neuen Bundesregierung. Sie sollte sich vor allem für den Bürokratieabbau einsetzen.

die Baukosten gesenkt werden – das passt für mich nicht zusammen“, betont der Bauunternehmer. Was ihn besonders ärgert: „Deutschland hat immer den Ansporn, die EU-Vorgaben zu 250 Prozent zu erfüllen. Manche sind sicher sinnvoll, aber es wird zu viel! Das mündet in einem Apparat an Vorschriften, den niemand mehr überblicken kann“, sagt Keding.

„Die Abgaben- und Steuerlast demotiviert“ Der 42-Jährige sieht noch ein weiteres dringendes Handlungsfeld: „Arbeiten muss sich wieder lohnen, sonst kommen wir am Standort Deutschland nicht voran und werden weiter abgehängt.“ Die Abgabenlast bei den Beschäftigten von Keding Bau und anderen Betrieben sei mittlerweile so hoch, dass bei ihnen am Ende des Monats kaum noch etwas übrig bleibe. „Für diejenigen, die wirklich Lust auf ihren Job haben und arbeiten wollen, ist das demotivierend“, sagt Keding, der auch Vorsitzender des Arbeitskreises Junger Bauunternehmer in Niedersachsen ist. Seine Einschätzung passt zu der ZDH-Forderung „Betriebe und Beschäftigte werden bei Steuern und

MEIN LIEBLINGSPROJEKT

Hier könnte Ihr Name stehen. Abonnieren Sie das „Norddeutsche Handwerk“. Sie erreichen uns unter Telefon: 0511 85 50-24 22 Telefax: 0511 85 50-24 05 E-Mail: vertrieb@schluetersche.de Internet: www.norddeutscheshandwerk.de

Torten-Träume werden wahr Foto: Privat

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Schoko, Früchte oder Buttercreme? Konditoreimeisterin Sarah Schweerke stellt köstliche Fragen, wenn sie die Torten-Bestellungen ihrer Kunden aufnimmt. „Es gibt nichts, was wir nicht umsetzen“, sagt die Inhaberin der Konditorei Moorgold in Walle, die sie mit ihrer Schwester führt. Oft sind es Hochzeitstorten mit tollen Blüten oder individuelle Kreationen mit Caketoppern zum Geburtstag oder Jubiläum. Aber sie erfüllt auch ganz spezielle Wünsche, wie ein Buttercreme-Kunstwerk zum ersten Zahn. Ihr Einsatz pro Torte: durchschnittlich acht Stunden, verteilt über drei Tage. „Zunächst mache ich den Boden“, verrät sie. „Am zweiten Tag fülle ich die Torte. Zum Schluss setze ich die Stockwerke aufeinander.“ BG

Abgaben spürbar entlastet. Dadurch können im Handwerk Impulse für Beschäftigung, Investitionen und Kaufkraft gesetzt werden“. Eine Abgabenbremse soll laut ZDH zudem dafür sorgen, dass die Beitragslast für Betriebe und Beschäftigte bei unter 40 Prozent stabilisiert wird.

Ohne Reformen wird Deutschland immer weiter abgehängt. Daniel Keding, Bauunternehmer

„Die Energiewende muss bezahlbar sein“ In Sachen Energiewende stört den Handwerksmeister besonders, dass es weder für Kunden noch für Betriebe langfristige Planbarkeit gibt. „Wenn Kunden ein Vorhaben planen, wissen sie derzeit nicht genau, ob sie die Förderung, die es momentan gibt, auch noch erhalten, wenn sie antragsberechtigt sind“, ärgert sich Keding. Zudem seien die Anforderungen an die Gebäudesanierung mittlerweile so hoch, dass Kunden die Kosten gar nicht mehr tragen wollen und können. Er plädiert deshalb für realistische Anforderungen an die Sanierung im Bestand. W BIRGIT GREUNER UND MARTINA JAHN Zum Wahlcheck: www.zdh.de/25fuer25/

Bauproduktenverordnung: Was sich ab 2025 ändert Am 7. Januar trat die neue EU-Bauproduktenverordnung in Kraft. Der Übergang erfolgt gestaffelt. Die neue EU-Bauproduktenverordnung ist in Kraft. Das teilt das Bundesbauministerium (BMWSB) mit. Die neue Verordnung sei Teil des sogenannten europäischen „Green Deal” und lege einen stärkeren Fokus auf Umweltund Nachhaltigkeitsaspekte, Produktsicherheit sowie die Kreislaufwirtschaft in der Baubranche. „Mit der neuen Verordnung wird ein digitaler Pass für Bauprodukte eingeführt, der alle Angaben über Leistung und Eigenschaften des Produkts bündelt“, erklärt Bundesbauministerin Klara Geywitz. Verbraucher, die zum Beispiel ein Haus bauen wollen, können somit zukünftig auf einen Blick sehen, wie nachhaltig ihre Baumaterialien sind und wo die Produkte herkommen. Zudem weist das Ministerium darauf hin, dass Normungsprozesse mit den neuen Vorgaben erleichtert und beschleunigt werden.

Die neuen Regeln der EU-Bauproduktenverordnung treten laut Bundesbauministerium gestaffelt in drei Schritten in Kraft: ɓ Schritt 1: Alle Artikel der neuen Verordnung, die sich auf die Entwicklung von harmonisierten Normen und Produktanforderungen beziehen, gelten unmittelbar mit dem Inkrafttreten. ɓ Schritt 2: Alle anderen Artikel gelten ab dem 8. Januar 2026. ɓ Schritt 3: Nur für Artikel 92 gibt es eine Ausnahmeregelung, denn die neuen Regeln für Sanktionen finden erst zwei Jahre nach Inkrafttreten Anwendung – also ab Anfang 2027. AML W Die neue EU-Bauproduktenverordnung im Volltext finden Sie im Amtsblatt der Europäischen Union: svg.to/bauprovo


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