Aus Angst davor, dass sie wegen Mitarbeitermangels Kunden verliert, hat Malermeisterin Jessica Hansen die Vier-Tage-Woche eingeführt. Nun wächst der Betrieb.
signal-iduna.de/handwerk
Gut vorbereitet ins Gespräch Viele Banken sind im Krisenmodus. Um so wichtiger ist die Vorbereitung aufs nächste Bankgespräch. Seite 2
Foto: Privat
„Die Bewerber stehen Schlange“
Für Ihr Handwerk bieten wir traditionelle und digitale Lösungen!
ch hatte massive Angst, meine Stammkunden zu verlieren“, erinnert sich Malermeisterin Jessica Hansen. Im Frühjahr noch musste sie ihre Kunden ein halbes Jahr vertrösten, bis sie neue Aufträge annehmen konnte. Denn ihr fehlten Leute im Team, um der Nachfrage gerecht zu werden. Doch die herkömmliche Suche nach Mitarbeitenden fruchtete nicht. Stattdessen wuchs ihre Angst: „Ich wollte einfach nicht, dass Kunden wechseln – auch Neukunden, die gerade hinzugekommen waren“, sagt Hansen. Die Handwerksmeisterin sah sich im Zugzwang. „Reden half da nicht mehr viel, ich musste mir sofort etwas einfallen lassen.“ Bei der Suche nach einer Lösung habe sie sich vorgestellt, was sie sich als Angestellte mit Kindern wünschen würde. Die Antwort kam prompt: „Mehr Work-Life-Balance.“ Also setzte die Unternehmerin das um, was ihr schon seit Jahren vorschwebte. Sie führte die Vier-Tage-Woche für die vier Gesellen ein, die sie bis zu dem Zeitpunkt hatte. Sie arbeiten jetzt wahlweise Montag bis Donnerstag oder Dienstag bis Freitag. „Jeder kann entscheiden, an wie vielen Tagen er seine Wochenstunden arbeitet“, betont Hansen. Manche Mitarbeitende hätten 40 und andere 37,5 Stunden pro Woche im Vertrag stehen. Doch nicht jeder im Team nutze die Möglichkeit zur Vier-Tage-Woche.
I
Mit Vorfreude gestartet
Foto: ZDH/Sascha Schneider
Diese Handwerker nennen Gründe, warum sie das neue Jahr erwartungsvoll begrüßt haben. Seite 3
Start mit viel Rückenwind Jörg Dittrich (r.) löst Hans Peter Wollseifer als ZDH-Präsident ab. Wer ist er und wofür steht er? Seite 4
Preisbremsen? So geht‘s! Ab März gelten Preisbremsen für Gas, Strom und Co. – davon profitieren auch Betriebe. Aber wie? Seite 5
Achten Sie auf Ihr Image Ein mieser Ruf kann teuer werden. Diese Warnzeichen zeigen Ihnen, ob Ihr Image in Gefahr ist. Seite 9
Aufruf in sozialen Netzwerken Aber das neue Arbeitszeitmodell war nicht alles, was die Chefin änderte. „Ich habe begonnen, meinem Team die Wege von den Baustellen in den Betrieb und zurück zu bezahlen.“ Das sei auch Arbeitszeit und sie wollte nicht mehr verlangen, dass ihre Mitarbeitenden die Zeit hinten dranhängen. In ihrer Region sei ihr bisher kein Betrieb bekannt, der das auch so handhabe. „Die Leute sollen wieder Lust am Handwerk haben“, begründet die Unternehmerin diesen Schritt. Mit dieser neuen Ausrichtung ihres Betriebs im schleswig-holsteinischen Osterby hat die Malermeisterin in den sozialen Netzwerken geworben und nach Mitarbeitenden gesucht. „Die Telefone liefen heiß“, sagt Hansen. Ihr Mut sei belohnt worden, innerhalb kurzer Zeit habe sie neue Leute eingestellt: Jetzt zählt ihr Unternehmen 20 Mitarbeitende und „das
Schöne Zeitreise Geschichte des Friseurhandwerks im Heimatmuseum Wiefelstede. Seite 15
INFOKANÄLE App „Handwerk“ Die Welt des Handwerks bewegt sich natürlich auch nach dem Redaktionsschluss weiter. Mit unserer App bleiben Sie auf dem Laufenden. Kostenlos zu haben ist sie im App Store oder bei Google Play.
Mit diesem Bewerberansturm hat Malermeisterin Jessica Hansen nicht gerechnet: Statt 4 hat sie jetzt 20 Mitarbeitende. Weitere qualifizierte Bewerber warten noch auf einen Job bei ihr.
Betriebsklima stimmt“. Die Entscheidung, wen sie auswählt, fälle sie meist aus dem Bauch heraus – das habe sich bewährt.
„Ich kann nicht alle sofort beschäftigen“ Im neuen Jahr will sie nach und nach weitere Handwerker einstellen. „Ich habe alle 30 Bewerber kennengelernt, aber ich kann nicht alle sofort beschäftigen“, sagt Hansen. Aus Fehlern in ihren zehn Jahren Selbstständigkeit habe sie gelernt und sie gibt jedem neuen Mitarbeitenden eine Art Eingewöhnungszeit. „Die Kollegen lernen sich untereinander kennen und finden in den Betriebsablauf, das möchte ich jedem zugestehen“, sagt die Unternehmerin. „Es ist wie ein Lottogewinn für die Firma, wenn sich alle verstehen und Spaß an der Arbeit haben.“
MEIN LIEBLINGSPROJEKT
Hier könnte Ihr Name stehen. Abonnieren Sie das „Norddeutsche Handwerk“. Sie erreichen uns unter Telefon: 0511 85 50-24 22 Telefax: 0511 85 50-24 05 E-Mail: vertrieb@schluetersche.de Internet: www.norddeutscheshandwerk.de
Mit neuem Hut zum Pferderennen Foto: Pierre Heinemann
Wir sind auch online unter www.hwk-oldenburg.de und auf Facebook, Instagram und per Newsletter für Sie da.
www.hwk-oldenburg.de | Einzelpreis 1,50 €
Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Oldenburg
127. Jahrgang | Nr. 01 | 25. Januar 2023
Als das Model Olya Alessandra einen neuen Hut bei Modistin Magret Porwoll bestellte, hatte es nur einen Wunsch: Er sollte farbig sein. Daraufhin kreierte die Handwerkerin einen großen, aber filigranen Kopfschmuck. „Das passt gut zum feinen Gesicht von Olya“, erläutert Porwoll, die einen Betrieb in Braunschweig führt. Mit dem knallig roten Hut sowie einem farblich passenden Kleid ging das Model zum Ascot-Renntag in Hannover. Bei dem Pferderennen werden traditionell die schönsten Hüte prämiert. Der rote Hut überzeugte die Jury um den DJ Mousse T. zwar nicht. Doch Porwoll nimmt das sportlich: „Dabei sein ist alles, bei der Veranstaltung standen die Models im Fokus und nicht die Arbeit der Modisten.“ (AML)
Es muss sich was tun im Handwerk. Jessica Hansen, Malermeisterin
Was Jessica Hansen aus ihrer mutigen Entscheidung gelernt hat? „Es muss sich was tun im Handwerk. Wenn die Leute Spaß haben sollen, brauchen sie attraktive Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung“, betont sie. Aus Erfahrungen mit Praktikanten weiß sie aber, dass gerade die jungen Menschen nicht immer alleine entscheiden, wie ihr Berufsweg verläuft. „Man muss auch die Eltern kriegen“, ist Hansen sich sicher. Und wenn ihr Modell Schule macht, vielleicht überzeugt das ja noch mehr Menschen und Kollegen. Hansen jedenfalls hat jetzt ausreichend Personal, um alle Aufträge abzuarbeiten. Ihre Nächte seien wieder ruhiger und auch sie arbeite nicht mehr sieben Tage die Woche von früh bis spät. Das täte auch ihrer Work-Life-Balance gut, sagt sie. MARTINA JAHN W
Zahlungsmoral hat sich weiter verschlechtert Creditreform meldet: Baugewerbebetriebe in Nordrhein-Westfalen zahlen am schlechtesten. 10,5 Tage – so viel Zahlungsverzug mussten deutsche Unternehmen bei B2B-Geschäften im dritten Quartal 2022 durchschnittlich hinnehmen. Das meldet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Im dritten Quartal 2021 lag er noch bei 9,4 Tagen. „Trotz Corona haben die Unternehmen in den letzten zwei Jahren verlässlich und relativ pünktlich ihre Rechnungen bezahlt“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. Nun entwickle sich die Zahlungsmoral „zunehmend negativ“, während die Zahlen bei den Insolvenzen, der Überschuldung und dem Arbeitsmarkt weiter positiv seien. Die Wirtschaftsauskunftei geht davon aus, „dass die Liquidität vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sukzessive aufgezehrt wird“. Sie wagt allerdings keine Prognose, in welche Richtung sich das Zahlungs-
verhalten entwickeln wird. Das liege daran, dass es aktuell nicht nur Unternehmen gebe, die sehr unter den derzeitigen Bedingungen leiden. Es gebe auch viele, „die sehr gut durch den harten Winter kommen“. Zwischen den einzelnen Branchen gibt es deutliche Unterschiede bei der Zahlungsmoral, wie die Zahlen der Creditreform zeigen. Im Baugewerbe zahlen die Unternehmen demnach mit Abstand am schlechtesten. Deren Zahlungsverzug hat sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,4 Tage verschlechtert, sodass sie jetzt im Schnitt auf 14 Tage kommen. Auch zwischen den Bundesländern gibt es deutliche Unterschiede bei der Zahlungsmoral. Branchenübergreifend zahlten Betriebe in Bayern am schnellsten (8,9 Tage). Am anderen Ende der Skala rangiert Nordrhein-Westfalen mit 12,3 Tagen. (AML)