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Norddeutsches Handwerk 8/2023

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Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Hannover

128. Jahrgang | Nr. 08 | 16. August 2023

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Photovoltaikanlagen boomen, doch nicht jedes Angebot ist verlässlich.

signal-iduna.de/handwerk

Foto: Werner Kaiser

Schulung macht keinen Meister it der Nachfrage nach Photovoltaik wächst die Zahl der Betriebe, die solche Anlagen installieren. Nicht jeder Anbieter scheint dieser Aufgabe gewachsen, wie eine aktuelle Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) zeigt: Rund 60 Prozent der 1.168 teilnehmenden Innungsbetriebe meldeten Reparaturaufträge an von „PV-Monteuren“ verursachten Schäden. „40 Prozent davon betrafen Schäden bei der Abdichtung und über 60 Prozent mussten die Dachdeckung ausbessern“, berichtet ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx. Verursacher der Schäden seien „überwiegend“ Solarunternehmen, die nicht in der Handwerksrolle eingetragen sind und auch nicht mit Meisterbetrieben zusammenarbeiten.

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Kein Papier mehr

Foto: Privat

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„Ein undichtes Dach ist uncool“ Dachdeckermeister Jan Voges aus Lamspringe kennt solche Probleme: „Wir wurden in den vergangenen Monaten zu drei Dächern gerufen, bei denen ein Solarteur die Arbeiten abgebrochen hatte. Da lag nur Schutt auf dem Dach, alles war kurz und klein getreten“, berichtet der Handwerker. Voges hat sich auf energetische Dachsanierungen spezialisiert und kennt deren Herausforderungen: Trägt der Dachstuhl die zusätzliche Last einer PV-Anlage? Hält die Dacheindeckung über die gesamte Nutzungsdauer der Anlage? Wie lassen sich die PV-Paneele so installieren, dass keine undichten Stellen entstehen? „Photovoltaik ist wirklich wichtig für die Klimawende“, sagt Voges, „aber ein undichtes Dach ist uncool. Stellen Sie sich vor, Sie stehen mit einem offenen Dach da und der Solarteur weiß nicht weiter, weil die Statik die Anlage nicht trägt.“

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Solarteur ist kein Ausbildungsberuf Das Problem: Jeder darf Photovoltaik installieren. Außer wenn es um Arbeiten am Dach geht oder um das Stromnetz. Da spreche „das Handwerksrecht eine deutliche Sprache“, sagt Ulrich Marx: „Die Installation einer PV-Anlage erfordert grundsätzlich einen Eingriff in die Dachkonstruktion.“ Daher dürften solche Arbeiten nur in der Handwerksrolle eingetragene Dachdecker, Zimmerer und Klempner ausführen. Auch das Elektrohandwerk vergisst Marx dabei nicht, „denn nur die dürfen die PV-Anlage ans Stromnetz anschließen“. Ob das den Kunden so klar ist, wenn sie zum Beispiel einen „PV-Monteur“, „Solar-Monteur“ oder „Solarteur“ beauftragen? Qualifikation kann in diesem Markt vieles bedeuten: Mal steigen Fachkräfte aufs Dach, mal geschulte Helfer.

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Welches Fachwissen ist nötig, um eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu bringen? Es gehe um die Statik des Dachstuhls und den Zustand der Dachabdeckung, sagt Dachdeckermeister Jan Voges. Wer das nicht beachte, müsse mit Problemen rechnen.

„Es gibt jetzt eine Menge rollender Montagetrupps“, berichtet Jan Voges. „Die müssen auch nicht per se schlecht sein, das hängt immer von der Qualifikation ab.“ Voges geht es dabei nicht nur um die Qualifikation der Helfer: „Es kommt darauf an, wer den Auftrag übernimmt: Ein qualifizierter Meisterbetrieb? Ein Solarunternehmen mit einem angestellten Meister oder mit einem Meisterbetrieb als Subunternehmer? Die machen mir keine Sorgen.“ Problematisch seien eher Anbieter, „die ganz frisch auf dem Markt sind und sich nicht um die Handwerksordnung scheren.“

Qualifizierte „Helfende Hände“ Die Handwerksordnung fest im Blick haben jedenfalls die Handwerksorganisationen in ihren Fortbildungen und Schulungen. So bietet das Handwerk seit mehr als zehn Jahren eine Fortbildung zur „Fachkraft für Solartechnik (HWK)“ an. Die Kurse richten sich an Gesellen des Handwerks. Zudem ist gerade auf Initiative der Landesvereinigung Bauwirtschaft Niedersachsen das VorreiterProjekt „Helfende Hände“ gestartet: Ungelernte werden in sechs Monaten zu qualifizierten Helfern in der Energie- und Gebäudetechnik fortgebildet. Das

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Zusammenarbeit mit Fachhandwerk

Es kommt darauf an, wer den Auftrag übernimmt. Jan Voges, Dachdeckermeister

Gefragt scheint das Fachhandwerk indes auch bei den Solarunternehmen: In der ZVDH-Umfrage berichteten 579 Dachdecker, sie seien schon einmal von einem Solarteur als Subunternehmer angefragt worden. 290 von ihnen hätten „diese Form der Zusammenarbeit auch gewählt“. „Bei uns rufen im Schnitt jede Woche fünf Solarunternehmen an, ob wir Dacharbeiten für sie übernehmen“, bestätigt Voges. Für ihn sei das nichts. Nicht nur, weil er mit seinen energetischen Dachsanierungen gut ausgelastet sei. „Viele PV-Unternehmen arbeiten mit Standards, um Masse schaffen zu können“, sagt Voges. Er habe Zweifel, ob diese Standards halten, was sie versprechen: „Da muss man sich als Dachdecker immer entscheiden, ob man genau hinschaut und bei Bedarf Bedenken anmeldet oder ob man auf den Standard vertraut und das Haftungsrisiko trägt.“ JÖRG WIEBKING W

Niedersächsischer Mittelstandsdialog Handwerkskammer Hannover und IHK laden zu einer Diskussion mit Wirtschaftsminister Olaf Lies ein.

Hier könnte Ihr Name stehen.

E-Mail: vertrieb@schluetersche.de

Ziel: Sie sollen Fachkräfte bei der Klimawende unterstützen. Zugleich soll die von der Arbeitsagentur geförderte Qualifizierung den Teilnehmenden einen Einstieg in das Handwerk ermöglichen – vielleicht auch in eine spätere duale Ausbildung.

Ein Andenken an die Wächter der Deiche Marzipan mit Arrak abgeschmeckt, Sahnenougat mit Haselnusscrisp, umhüllt mit Vollmilchschokolade und verpackt in goldener Folie: Das ist die „Deichgrafkugel“. Erfunden hat sie Konditormeister Jörg Tapper, Inhaber des Cafés ten Cate in Norden. „Zwei Jahre hat die Entwicklung gedauert“, berichtet er. Eine etwas größere Trüffelpraline sollte es werden. Den Arrak (Zuckerrohrmelasse und Reisdestillat) hat schon sein Großvater als Grog getrunken. Bei der Namensfindung wollte der Handwerker die Grafen würdigen, die damals jedem Wetter standhielten. Bekannt sind die Kugeln auch durch die Krimis von Autor Klaus-Peter Wolf. (JA)

Das Ringen um Fachkräfte, der Kampf mit bürokratischen Anforderungen und die Sorge um die Liquidität prägen den unternehmerischen Alltag nicht erst seit gestern. Die stark gestiegenen Stromund Energiepreise infolge des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine haben die Situation noch verschärft. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer haben das Gefühl, dass sich von politischer Seite dringend etwas bewegen muss. Um den direkten Dialog zu ermöglichen, laden die Handwerkskammer Hannover und die IHK zum Mittelstandsdialog am 21. September 2023 in die Handwerkskammer Hannover ein. Hier haben sie die Möglichkeit, mit dem niedersächsischen Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung Olaf Lies zu diskutieren. „Wir freuen uns über viele Anmeldungen von Unternehmerinnen und

Unternehmern sowie Führungskräften aus dem Handwerk. Das ist ganz im Sinne eines fruchtbaren Austauschs zwischen Wirtschaft und Politik“, betont Handwerkskammerpräsident Thomas Gehre. „So können wir dafür sorgen, dass wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen für kleine und mittelständische Unternehmen geschaffen werden, die die Betriebe bei den zentralen Herausforderungen der Transformation unterstützen.“ (NLS/SEE)

Termin: 21. September 2023, 17.30 bis 19.30 Uhr, im Anschluss Get together in der Handwerkskammer Hannover, Berliner Allee 17, 30175 Hannover Anmeldung über: www.hannover. ihk.de/mittelstandstag Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldeschluss 13. September 2023


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