Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim
130. Jahrgang | Nr. 6 | 16. Juni 2025
Die neue Bauministerin will einen Wohnungsbau-Turbo starten. Doch was muss der beinhalten, damit mehr und schneller gebaut wird? Wir haben bei Handwerkern nachgefragt.
Handwerkskunden können mit dem Steuerbonus ihre Steuern senken. Was gilt es zu beachten? Seite 2
Gesetz zur KI-Nutzung Die EU-Verordnung zur Verwendung von künstlicher Intelligenz hat auch Auswirkungen auf Betriebe. Seite 4
erena Hubertz führt seit Anfang Mai das Bundesbauministerium und hat ihre Agenda für die ersten Wochen im Amt vorgestellt. „Ich möchte ein ambitioniertes Tempo angehen“, sagte sie im Bundestag. Schon in den ersten 100 Tagen solle ein Gesetzentwurf vorgelegt werden. „Wir starten mit dem Wohnungsbau-Turbo“, versprach sie. Genau das steht auch im Koalitionsvertrag, auf den sich Union und SPD für diese Legislaturperiode verständigt haben. Allerdings enthält das Papier noch keine konkreten Maßnahmen. Deshalb haben wir bei Unternehmern nachgefragt, was sich ändern muss, damit in Deutschland wieder mehr und auch schneller gebaut wird. Hier sind acht Vorschläge.
Foto: Denny Gille
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Acht Ideen für den Bau-Turbo
Steuerbonus sinnvoll nutzen
V
Bürokratie verringern
Foto: Emre Haustechnik
Betriebe wurden für eine Studie befragt. Daraus ergeben sich konkrete Vorschläge. Seite 6
Gute Stimmung im Betrieb
1. Kosten für Energie senken
Enes Emre, Geschäftsführer eines SHK-Betriebs, hat für sein Team immer ein offenes Ohr. Seite 7
Die Preise für Baumaterialien sind in den vergangenen Jahren zum Teil deutlich gestiegen. Zurückzuführen war das zunächst auf die Lieferengpässe infolge der Corona-Pandemie, anschließend auf den Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Energiepreissteigerung. „Inzwischen haben sich die Preise zwar normalisiert, sind aber nicht mehr auf das alte Niveau zurückgefallen“, sagt Matthias Schöning , der das Bauunternehmen Theo Schöning im niedersächsischen Bösel führt. Damit das Bauen wieder bezahlbarer wird, sieht er die Politik gefordert, für niedrigere Energiepreise zu sorgen: „Wenn die Energiepreise sinken, wird sich das positiv auf die Preise für Baumaterialien auswirken“, ist er sich sicher.
Väter in Eltern- und Teilzeit Familien unterstützen, flexible Modelle finden – wie Handwerksbetriebe punkten können. Seite 9
FORUM mobility & work Veranstaltungsreihe beleuchtet moderne betriebliche Mobilität von vielen Seiten. Seite 10
Messe zur Berufsorientierung 2. Ranking mit Genehmigungszeiten
24 Gewerke präsentierten sich auf der Kompass-Messe, um Schülerinnen und Schüler zu begeistern. Seite 15
„Bei manchen Ämtern dauert es lange, bis eine Baugenehmigung da ist“, berichtet Karsten Wiebe, Inhaber vom Bauunternehmen Heinrich Wiebe in Wietze und Präsident des Baugewerbe-Verbandes Niedersachsen (BVN). Er wünscht sich deshalb ein bundesweites Ranking mit den Baugenehmigungszeiten – geclustert nach Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern. „Für Behörden wäre das ein Anreiz, die internen Prozesse zu optimieren“, meint der Unternehmer. „Kein Landrat will bei dem Ranking den letzten Platz belegen.“
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3. Lohnnebenkosten senken Ein weiteres Hemmnis beim Bauen sieht Wiebe in den hohen Lohnnebenkosten: „Das Handwerk ist sehr
Damit wieder mehr gebaut wird, braucht es laut Handwerksunternehmer Matthias Schöning mehr Planungssicherheit.
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Damit wieder mehr gebaut wird, ist für Bauunternehmer Matthias Schöning Planungssicherheit besonders wichtig. „Wenn Förderungen kurzfristig wegbrechen, wie es 2022 passiert ist, sorgt das für Verunsicherung und Kunden schieben Bauprojekte erstmal auf.“ Seine Forderung an die Politik: „Wenn Förderprogramme aufgelegt werden, müssen sie auch mehrere Jahre laufen, damit Bauherren Planungssicherheit haben.“
4. Senkung der Grunderwerbsteuer Ein weiterer Kostenfaktor ist die Grunderwerbsteuer, die beim Kauf einer Immobilie zu entrichten ist. Je nach Bundesland liegt sie aktuell zwischen 3,5 und 6 Prozent. Wiebe plädiert dafür, diese Ungleichheit zu beseitigen und die Grunderwerbsteuer bundesweit auf niedrigem Niveau festzusetzen – zum Beispiel bei 2,5 Prozent. Dem Unternehmer ist bewusst, dass diese Steuer den Bundesländern viel Geld in die Kassen spült. „Die Absenkung der Grunderwerbsteuer erfordert deshalb Mut“, meint Wiebe. Allerdings verweist der BVN-Präsident auf eine Studie, die mehrere Bauverbände 2024 in Auftrag gegeben haben. Demnach würde eine Reduzierung der Grunderwerbsteuersätze um 50 Prozent die Zahl der Baugenehmigungen um 9 Prozent steigern.
5. Bauordnungen angleichen Einheitliche Regeln für das Bauen von Norden bis Süden? Die gibt es in Deutschland nicht, schließlich gibt es in jedem Bundesland eine andere Landesbauordnung. „Das macht das Bauen für Betriebe umständlich, wenn sie Aufträge aus verschiedenen Bundesländern annehmen“, sagt der BVN-Präsident. „Hier wäre eine Angleichung wünschenswert.“
Fugenlos glücklich Foto: Lisa Wermuth
6. Planungssicherheit für Bauherren
lohnintensiv. Steigende Sozialversicherungsbeiträge verteuern Handwerkerleistungen und somit auch das Bauen“, sagt der Unternehmer. Er fordert deshalb, dass die Politik die Lohnnebenkosten zumindest wieder unter die 40-Prozent-Grenze bringen müsse.
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Ein vollwertiges Bad auf 2 Meter mal 1,80 Meter unterbringen: Das war die Aufgabe für Raumausstatterin Lisa Wermuth aus Westerholt. Besonders freute sie: Es gab keine Vorgaben in der Visualisierung. Die Kunden wünschten sich ein barrierefreies Bad ohne Fliesen. Wermuth empfahl ein fugenloses Design, das den Raum größer wirken lässt. Zuerst erstellte sie eine digitale 3D-Visualisierung. Wichtig war ihr ein besonderes Element – denn ein fugenloser Raum könne schnell steril wirken. Handgetöpferte Lampen sorgen hier für einen wohnlichen Stilbruch. „Was mich begeistert hat, ist, dass das Endergebnis exakt so aussah wie in dem 3D-Modell“, sagt Lisa Wermuth. Aus einem kleinen, dunklen Zimmer wurde ein helles Wohlfühlbad. (JTE)
Wenn Förderungen kurzfristig wegbrechen, sorgt das für Verunsicherung.
7. Keine Überförderung
Matthias Schöning, Bauunternehmer
8. Einfache Ausweisung von Bauprojekten
Förderungen sind aus Sicht von Schöning gut, allerdings hält er zu hohe Förderungen für kontraproduktiv: „Betriebe erhalten dann mehr Kundenanfragen, als sie abarbeiten können, weil die Kunden die Gelder abgreifen wollen“, sagt der Unternehmer. Das führe letztlich zu Preissteigerungen und das Bauen werde teurer. „Wichtig ist deshalb, dass der WohnungsbauTurbo nicht mit einer Überförderung einhergeht“, sagt Schöning.
Erst wird ein Baugebiet ausgewiesen und dann wird geprüft, was dort gebaut werden kann? „Das ist nicht optimal“, meint Schöning. „Aktuell wird sehr individuell gebaut, um das Optimale aus den Baugrundstücken herauszuholen, das macht das Bauen teuer“, sagt er. Deshalb wünscht er sich, dass der Prozess auch anders organisiert werden kann – also dass erst Wohngebäude geplant und dann die passenden Baugrundstücke gesucht werden. ANNA-MAJA LEUPOLD W
Wärmewende: 13 Verbände fordern „klare Regeln“ Das angekündigte Aus des Heizungsgesetzes sorgt für Verunsicherung. Die Verbände erheben vier Forderungen. Die Bundesregierung muss rasch für Klarheit in der Wärmewendepolitik sorgen und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Das fordern 13 Wirtschaftsverbände – darunter auch der Zentralverband Sanitär Heizung Klima und der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke – von der neuen Bundesregierung. Nur so könne der Gebäudesektor dauerhaft zur Erreichung der Klimaziele beitragen, schreiben sie. Hintergrund des Verbände-Appells ist eine Formulierung im Koalitionsvertrag: Dort haben Union und SPD angekündigt, dass sie das sogenannte „Heizungsgesetz“ abschaffen und ein neues Gebäudeenergiegesetz (GEG) einführen wollen. Den 13 Verbänden zufolge habe diese Ankündigung „im Markt für erhebliche Verunsicherung gesorgt“ – und zwar sowohl bei Bürgern als auch bei Unternehmen.
„Um das Vertrauen in den Transformationsprozess zu sichern und Investitionen anzustoßen, sind jetzt konkrete Entscheidungen und eine langfristig stabile Förderpolitik erforderlich“, betonen sie und fordern: 1 Die Modernisierung des Heizungsbestands müsse auf Basis erneuerbarer und klimaneutraler Energien weitergeführt werden. 2 Das Gebäudeenergiegesetz müsse praxisgerecht novelliert und die EU-Gebäuderichtlinie 1:1 in nationales Recht umgesetzt werden. 3 Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und für effiziente Wärmenetze (BEW) müsse nachhaltig ausgestaltet werden. 4 Das Gebäudeenergie- und das Wärmeplanungsgesetz müssten eng verzahnt werden, um Synergien zu nutzen und die Umsetzung effizient zu gestalten. (AML) W