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PolenJournal.de (#1/2017)

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Wirtschaftskammer „Schlesien” Viele Möglichkeiten für das Unternehmertum

Die Wirtschaftskammer „Schlesien” ist eine Organisation der wirtschaftlichen Selbstverwaltung, die Initiativen unterstützt und an Tätigkeiten teilnimmt, die mit der Entwicklung des Unternehmertums in Schlesien verbunden sind. • Schulungen, Workshops, Konferenzen, Beratungen • Kooperationsbörsen • Messen und Ausstellungen • • Zusammenarbeit mit den Wirtschaftskammern aus der Bundesrepublik Deutschland und aus der Tschechischen Republik

Kontakt Wirtschaftskammer „Schlesien” 45-310 Opole / Oppeln • ul. Ozimska 184 • Tel./Fax: +48 77 4538484 • E-Mail: info@igsilesia.pl • www.igsilesia.pl


Im Heft  3

Wirtschaft

Kultur & Lifestyle

4 | Polen: El Dorado für Immobilieninvestoren

22 | #Geheimtipp: Wein aus Polen

4 | Investitionen in Polen: Lage und Ausblick

23 | Neuer Gault&Millau für Polen

Von allen mittelosteuropäischen Ländern wird Polen am häufigsten von Investoren gewählt, die ihr Geld in Immobilien anlegen. Die größten ausländischen Investoren die hierzulande investieren, kommen aus Deutschland, Frankreich und den USA

6 | Geschäftsklima ist weiterhin gut

Es gehört sich nun mal einen guten einheimischen Wein auf dem Tisch zu haben. Besonders wenn dieser einzigartig ist Der neue Star der polnischen Kochszene heißt Andrea Camastra

24 | Stettiner Museum ist Gebäude des Jahres

97% der ausländischen Investoren freuen sich, dass sie auf den polnischen Markt eingetreten sind

Das neue Museum "Centrum Dialogu Przełomy" (Dialogzentrum Umbrüche) in Szczecin (Stettin) wurde kürzlich als "Gebäude des Jahres 2016" auf dem Welt-Architektur-Festival in Berlin ausgezeichnet

7 | Steuerfreibetrag in Polen und Europa - ein

26 | Polen haben ihren eigenen Edeka-Opa!

Vergleich

Zwischen dem Spitzenreiter Zypern und Polen herrscht eine gewaltige Kluft

8 | Drohnen boomen in Polen

Der polnische UAV-Binnenmarkt ist über 200 Mio. Zloty wert – Um 25% mehr als vor einem Jahr

10 | Polnische Audio-Geräte erobern die Welt

Musikanlagen, die von polnischen Produzenten hergestellt, werden verkaufen sich auf der ganzen Welt

11 | Wirtschaftsministerium will Start Ups aus Drittstaaten nach Polen holen

Im kommenden Jahr startet das Projekt Polska Prize mit dem Ziel Start Ups und vielversprechende Unternehmen außerhalb der EU an die Weichsel zu locken

12 | Wie viel ist der polnische Gaming-Markt wert?

Spektakuläre Erfolge der polnischen Gaming-Industrie werden gefeiert

13 | Deutsche Bank glaubt nicht an die Wachstumsprognose der polnischen Regierung

Analytiker der Deutschen Bank gehen davon aus, dass die polnische Wirtschaft 2016 um 2,8% wachsen wird

14 | Arbeitslosigkeit im Verlauf des Jahres

2016 sank die Zahl der Arbeitslosen in Polen um 14,7% (knapp 230 Tsd. Personen) im Vergleich zum Vorjahr

Politik 15 | Das Krisenprotokoll: Protest und Streit im Parlament

Opposition und KOD geben nicht auf und protestieren gegen das Handeln der polnischen Regierung

19 | Präsident Duda unterzeichnet das Haushaltsgesetz 2017

Das umstrittene Haushaltsgesetz kann nun in Kraft treten – Andrzej Duda meldete keine Einwände zum Inhalt und dem Verlauf der Abstimmung und unterzeichnete das Dokument

20 | Das Verfassungstribunal hat eine neue Präsidentin

Julia Przyłębska folgt auf Andrzej Rzeplinski, dessen Amtszeit zu Ende ging

21 | Wahlumfrage: PiS stabil, Einbruch bei der Bürgerplattform

Das Meinungsinstitut Pollster hat eine erste Wahlumfrage im neuen Jahr durchgeführt

21 | Morawiecki: Es wird keine einheitliche Steuerabrechnung geben

Der Finanz- und Wirtschaftsminister bestätigte, dass die Regierung auf diese Idee verzichten wird

Vor knapp einem Jahr ging der rührende Werbespot von Edeka um die Welt. Nun versucht auf ähnliche Art und Weise die Auktionsplattform Kunden anzusprechen

26 | Europäischer Filmpreis: Toni Erdmann der große Gewinner

Bei der Gala in Breslau gab es für Malgorzata Szumowska auch was zu feiern

28 | #WirKochen: Bigos

Bigos ist ein traditionelles polnisches Gericht aus Sauerkraut und Fleisch

Tourismus 30 | Polens modernster Bahnhof eröffnet

Nach rund fünfjährigen Bauarbeiten wurde im zentralpolnischen Łódź (Lodsch) Polens modernster Bahnhof eröffnet

31 | Besser mit der Bahn ins Hirschberger Schlösserland

Die Bahnverbindungen zwischen Görlitz und der niederschlesischen Stadt Jelenia Góra (Hirschberg) wurden mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 ausgebaut

Wissenschaft & Technologie 32 | Ein Elektrofilter aus Schlesien könnte Polens Smog-Problem lösen Heizen mit Kohle kann auch Öko sein

33 | Der polnische Ferrari kommt angefahren

Arrinera HussaryaGT - der erste Rennwagen, der von den Polen in Polen gebaut wurde ist fertig

34 | Englischkenntnisse der Polen auf einem hohen Niveau

Wie aus dem neuesten EF EPI Rapport hervorgeht, befindet sich Polen unter der Top 10 der Nationen mit den besten Englischkenntnissen

Meinung 35 | Polen: Aktuelle Sorgen, langfristige Vorteile - von W. M. Orłowski

I n seiner wirtschaftlichen Geschichte der letzten 25 Jahre hat Polen verschiedene Zeiten erlebt

36 | Leserpost

Diese Frage hörte ich in den letzten Tagen und Wochen einige Male auf verschiedenen Business-Meetings

Interview 38 | #Klartext: Interview mit Georg Smuda „Es war ein Volltreffer”

Auf 48,5 Milliarden Euro beliefen sich im Jahr 2015 die polnischen Exporte nach Deutschland und die Importe aus diesem Land auf 40 Milliarden Euro!


4  Wirtschaft

Polen: El Dorado für Immobilieninvestoren Von allen mittelosteuropäischen Ländern wird Polen am häufigsten von Investoren gewählt, die ihr Geld in Immobilien anlegen. Investitionen in diesem Sektor werden vor allem durch polnische Banken finanziert – das geht aus dem Bericht von KPMG hervor.

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aut Property Lending Barometer 2016 floss insgesamt 40% des Transaktionsvolumens in das Immobilienwesen in Mittelosteuropa Richtung Polen und in den polnischen Markt. Der Umsatz hat dabei 2 Mrd. Euro überschritten – berichtet die Zeitung Rzeczpospolita. Die Autoren des Berichts unterstreichen, dass Polen weiterhin ein attraktiver und ein Standort mit Zukunft für Immobilieninvestoren sei, was sich auch in den Förderungen der Wohnbauprojekte wiederspiegelt. Die Finanzierung von Immobilien wird ununterbrochen von Banken unterstützt. Finanzinstitutionen investieren vor allem in Geschäftsimmobilien, die fast die Hälfte aller Investitionen darstellen (1,02 Mrd. Euro) aber auch in Büro- oder Industrieimmobilien (786 Mio. Euro und 261 Mio. Euro). Polnische Banken unterstützen weiterhin die Finanzierung von Immobilieninvestitionen. Strategisch

gesehen, hat die Finanzierung der Investitionen unter allen untersuchten Ländern, nur in Großbritannien und Deutschland einen größeren Wert – sagte Steven Baxted von KPMG, zitiert von RP. Zwar ist der Investitionswert auf dem europäischen Markt im ersten Halbjahr 2016 um 30% zurückgegangen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, doch Investitionen in der Region rund um Polen schossen um 50% nach oben – so Baxted, der noch hinzufügte, dass Polen Investoren anlocken kann, die noch nie an der Weichsel Geld angelegt haben. Die Autoren des Barometers sprechen von einem guten Zustand des polnischen Immobilienmarktes. Zu verdanken sei das den günstigen und stabilen Finanzierungsbedingungen und der Konkurrenz unter den Banken.

Investitionen in Polen: Lage und Ausblick Die größten ausländischen Investoren die hierzulande investieren, kommen aus Deutschland, Frankreich und den USA. Laut der Polnischen Agentur für Information und Auslandsinvestitionen (PAIiIZ) flossen in den vergangenen 16 Jahren, in Form von Auslandsinvestitionen, 10 Mrd. Zloty Richtung Polen. 2015 wurden Investitionsprojekte realisiert, die einen Wert von 766,9 Mio. Euro haben.

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nternehmen investieren dort, wo sie die Möglichkeit zur Weiterentwicklung und einen finanziellen Profit sehen. Solche Möglichkeiten gibt es in Polen und diese werden sowohl von Investoren, die erst auf den polnischen Markt eintreten, als auch von Investoren, die bereits seit Jahren hier vertreten sind, gesehen. Ein Beispiel dafür ist Telekom Orange, welches seit 11 Jahren in Polen investiert - sagte gegenüber Interia.pl Cezary Kaźmierczak, der Vorsitzende

des polnischen Verbandes der Unternehmer und Arbeitgeber. Laut PAIiIZ wird das meiste Geld von der Branche der modernen Dienstleistungen investiert. In den kommenden Jahren könnten in Polen sogar 70 Shared Service Center (kurz SSC) und Business Process Outsourcing-Zentren entstehen, die Dienstleistungen aus dem Bereich Buchhaltung und IT für ausländische Körperschaften übernehmen.

Cezary Kaźmierczak wies auch darauf hin, dass in Polen viele moderne Fabriken gebaut werden, was auf mehrere Faktoren zurückzuführen ist. Laut Kaźmierczak zählt der Zugang zu Arbeitskräften und eine gute Verkehrsinfrastruktur auf europäischem Niveau dazu. Auf der anderen Seite ist das Steuersystem undurchsichtig, aber Probleme damit bekommen nur Kleine und Mittlere Unternehmen, denn für große Körperschaften stellen die Misstände


Wirtschaft 5

im Steuersystem keine größeren Probleme dar. Ein weiterer Vorteil ist die geografische Lage - die Nähe zu unseren Hauptgeschäftspartnern, also Deutschland – nannte der Vorsitzende des Verbandes der Unternehmer und Arbeitgeber. Der Schlüsselfaktor der die Attraktivität Polens für Investoren steigen lässt, bleibt jedoch weiterhin Zugang zu Fachkräften und relativ niedrige Arbeitskosten. Unternehmen suchen überall nach qualifizierten Arbeitnehmern und Arbeitsressourcen. Diese Ressourcen sind in Polen weiterhin aufgrund geburtenstarker Jahrgänge und des Zustroms der Immigranten aus der Ukraine den wir gerade beobachten, sehr gut. Heutzutage ist die Verfügbarkeit der Arbeitskräfte ein wichtiger Faktor, der die Unternehmen in das gegebene Land anzieht. Im 19. Jahrhundert

richtete sich die Arbeit nach dem Kapital, heute ist es umgekehrt - das Kapital kommt der Arbeit nach - so Kaźmierczak. Doch aus dem Bericht des Warschauer Thinktank WEI geht hervor, dass das Klima und die Bedingungen, die den ausländischen Unternehmen angeboten werden, einen enormen Einfluss auf die Investitionen haben. Das Handeln der Regierung sorgt nicht gerade für das Wohlwollen der Investoren - so die Autoren des Berichts. Auch zusätzliche Faktoren wie der Kurseinbruch des polnischen Zlotys oder die Stagnation auf der Börse, Ankündigungen über die Repolonisierung der Banken, sowie die geplante Handelssteuer können den Investoren Sorgen bereiten und den Ruf Polens, als Land in dem es sich lohnt zu investieren, schädigen. Deswegen fordern die WEI-Experten,

dass man das Steuersystem und die Richtlinien im öffentlichen Auftragswesen einfach und durchsichtig gestaltet. Ein anderer Vorschlag wäre, die Berufung eines Rates der Ausländischen Investoren, welcher ein Forum darstellen sollte in dem man sich Austauschen könnte und den guten Ruf Polens als Investitionsstandort bewahren könnte.

Impressum PolenJournal.de Chefredakteur: Piotr Piela Grafik & Design: Emanuela Janda Textkorrektur: Kathrin Gorzela facebook.com/polenjournal twitter.com/PolenJournal Herausgeber: sc.media ul. Wrocławska 133 46-057 Opole /Polen www.sc.media


6  Wirtschaft

Polen: Geschäftsklima ist weiterhin gut 97% der ausländischen Investoren freuen sich, dass sie auf den polnischen Markt eingetreten sind und wollen weiter hierzulande investieren - das geht aus dem neuesten Bericht von PAIiIZ, Grand Thornton und HSBC hervor. Investoren erheben jedoch einige Klagen.

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aut dem neuesten Bericht zum Investitions- und Geschäftsklima, bewerten Investoren den Standort Polen so gut wie nie zuvor. Mit 3,72 Punkten unter 5 möglichen konnte man das Vorjahresergebnis nochmal um 0,02 Punkte toppen.

Qualität des Wirtschaftsrechts und das undurchsichtige und komplizierte Steuersystem. Die Schlussfolgerungen decken sich in dieser Hinsicht mit der Vorjahresausgabe. 47% der Unternehmen mit auslän-

97% der befragten Investoren würde erneut in Polen Investieren. Am besten wird der Investitionsstandort Polen von Geschäftsleuten aus Belgien, Österreich und Frankreich bewertet. Nicht besonders gut kommt Polen bei den Dänen an. Aus dem Bericht geht auch hervor, dass der größte Vorteil Polens in makroökonomischen Faktoren, also der Größe und der Stabilität des Marktes liegt. Ein weiterer Vorzug gegenüber anderen Wirtschaften sind qualifizierte Arbeitskräfte, die als fleißiges, loyales und hochgebildetes Personal bezeichnet werden. Weitere Argumente, die für Polen sprechen, sind laut den Befragten – die immer moderner werdende Infrastruktur, leichter Zugang zu Rohstoffen sowie die Qualität der Investitionsböden. Am schlechtesten bewerten die in Polen tätigen ausländischen Unternehmen, die enorme Bürokratie, die Anzeige

dischem Kapital wollen im kommenden Jahr ihre Investitionsausgaben steigern. Nur 11% will sie senken. Ähnlich ist es bei der Einstellung neuer Mitarbeiter – 58% der Umfrageteilnehmer deklarierte die Belegschaft auszubauen. 6% rechnet mit einem Job-Abbau im Unternehmen. Die hohe und andauernde Zufriedenheit unter den Investoren in Bezug auf Investitionen in Polen zeugt davon, dass die polnische Wirtschaft für das ausländische Kapital ein attraktiver

Standort ist, der eine relativ hohe Kapitalrendite bietet. Makroökonomische sowie Institutionelle Faktoren stellen kein potenzielles Hindernis bei der Anlockung von noch mehr ausländischem Kapital dar. Vielmehr ist es die Veranlagung der Investoren Polen nicht als potenziellen Investitionsstandort zu berücksichtigen – lesen wir im Bericht. Die Autoren des Berichts fragten auch nach der Bewertung des Plans zur wirtschaftlichen Entwicklung (auch Morawieckis Plan genannt). Zwar hatte 28% angegeben, dass sie unzureichendes Wissen über die Regierungsvorschläge hätten, doch 39% geht davon aus, dass sich durch diese Maßnahmen für ihre Unternehmen neue Möglichkeiten öffnen. Einer anderen Meinung war 11% der Befragten. Der Bericht wurde anhand einer Umfrage von Grant Thornton im Auftrag der Polnischen Agentur für Information und Auslandsinvestitionen (PAIiIZ), anhand einer Gruppe von 103 Unternehmen mit ausländischer Beteiligung zwischen dem 12. Oktober und 4. November 2016 erstellt.


Wirtschaft 7

Steuerfreibetrag in Polen und Europa ein Vergleich Zwischen dem Spitzenreiter Zypern und Polen herrscht eine gewaltige Kluft.

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m November wurde der Steuerfreibetrag für Geringverdiener neu aufgestellt. Laut dem neuen Gesetz, dass bereits ab dem 1. Januar 2017 gilt, wird der Steuerfreibetrag von 3.091 Zloty auf 6,6 Tsd. Zloty angehoben, aber nur für Geringverdiener deren Jahreseinkommen diese Summe nicht überschreitet. Das Finanzministerium errechnete, dass die Neuregelung Vorteile für ca. 3 Mio. Steuerzahler bringen wird. Benachteiligt können sich wiederum 650 Tsd. Spitzenverdiener fühlen. Für die meisten (21 Mio. Steuerzahler) wird sich jedoch nichts ändern. Und dass trotz der Tatsache, dass Polen einen der niedrigsten Steuerfreibeträge in Europa hat. Laut einer Studie von PwC beträgt der Steuerfreibetrag in Polen umgerechnet 750 Euro. Zwar wird sich der Steuerfreibetrag ab jetzt progressiv nach dem Einkommen richten, doch für Personen mit einem Jahreseinkommen zwischen 11 Tsd. und 85.528 Zloty bleibt er unverändert bei 3.091 Zloty (750 Euro). Zu dieser Gruppe zählen die meisten Steuerzahler. Polen ist in dieser Hinsicht somit Europas Schlusslicht. Im Vergleich zu anderen Ländern schneidet Polen sehr schlecht ab. In Zypern gilt Beispielsweise ein Freibetrag in Höhe von umgerechnet 19.500 Euro. 11.000 Euro sind es in Österreich und 8.652 in Deutschland. Anzeige


8  Wirtschaft

Drohnen boomen Der polnische UAV-Binnenmarkt ist über 200 Mio. Zloty wert – Um 25% mehr als vor einem Jahr. Die Branche reibt sich die Hände. Nicht ohne Grund.

Ü

ber Polen fliegen bereits jetzt 100 Tsd. Drohnen. Bis 2020 könnten es doppelt so viele sein – berichtet das Mikromakro-Institut, welches diesen Markt erfor-

scht. Die Nachfrage nach Drohnen und Leistungen, die mit deren Hilfe erbracht werden können, wächst rasant. Allein in diesem Jahr stiegen die Anschaffungsausgaben für die Luftfahrzeuge um 23% - umgerechnet 37 Mio. Zloty. Wundern kann man sich kaum, denn die Unternehmen an der Weichsel machen daraus kein Geheimnis – das Drohnen-Business blüht so richtig auf. Laut dem Bericht

von Mikromakro erreichte der Drohnenverkauf und die Dienstleistungen 201 Mio. Zloty. Vor einem Jahr waren es noch 164 Mio. Die Rechtslage und Wissensressourcen fördern die Anwendung von Drohnen. Unternehmen greifen auch deswegen immer öfters auf diese Technologie zurück. Die polnische Bahn oder mehrere Unternehmen


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in Polen aus der Baubranche sind dafür tolle Beispiele. Zusätzlich sorgen Drohnen für Furore unter den Filmemachern. Immer öfter tauchen auch bei Hochzeitsvideos Aufnahmen aus der Luft auf. Der boomende Markt spiegelt sich auch in der Zahl der ausgestellten Lizenzen wieder. Vor einem Jahr konnten 1,7 Tsd. Menschen so eine erlan-

gen. Mittlerweile wuchs die Zahl der ausgestellten Genehmigungen auf 3,6 Tsd. – das sind die meisten in Europa und das drittbeste Ergebnis auf der Welt, hinter Japan und den USA. Doch der Hype wird nicht ewig dauern. Experten gehen davon aus, dass der polnische Markt in 10 Jahren gesättigt wird. Die Branche wird spätesten dann neue Impul-

se brauchen, diese könnten seitens der Armee kommen. Heute generiert die Armee keine Einnahmen in der heimischen UAV-Branche. Für die Entwicklung sind vor allem Bestellungen aus dem privatem Sektor zuständig – sagte gegenüber der Zeitung Rzeczpospolita - Sławomir Kosieliński, der Vorsitzender von Mikromakro.


10  Wirtschaft

Polnische Audio-Geräte erobern die Welt Musikanlagen die von polnischen Produzenten hergestellt werden verkaufen sich auf der ganzen Welt. Im Ausland werden die Audio-Geräte sogar mehr als im Inland geschätzt.

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ür 67% der Produzenten aus Polen stellen die Ausfuhren mehr als die Hälfte der Einnahmen dar. Die Branche entwickelt sich gut und 72% der Unternehmen erwarten, dass sie in den kommenden 3 Jahren noch mehr verdienen werden. Der polnische Produzenten-Markt ist relativ groß. Die Rede ist von etwa

80 Unternehmen, die mit ihren Produkten Kunden im Ausland erreichen – lesen wir auf dem Internetportal Interia.pl. Polnische Musikanlagen werden vor allem nach Deutschland (78% der Firmen), Großbritannien (72%), China (56%), USA (50%) und nach Frankreich (50%) geschickt und dort verkauft. Laut einer Umfrage (Polnischer Markt der Audio-Produzenten 2016) haben polnische Hersteller vor allem mit hohen Arbeitskosten (56%) und Zugang zu qualifizierten Fachkräften (33%) und einer übermäßigen Bürokratie zu kämpfen. Doch diese

Probleme machen auch Unternehmen aus anderen Branchen und Sektoren zu schaffen und hindern sie an der Weiterentwicklung. Polnische Hersteller spezialisieren sich vor allem auf die Produktion von Verstärkern (31%), Netz-und Signalkabeln (28%) sowie Lautsprecherboxen (17%). Polnische Produkte sind durch hohe Qualität und Fertigung gekennzeichnet – sagen Experten. Deswegen können die Hersteller auch mit der Konkurrenz Weltweit mithalten und teilweise sogar die Oberhand behalten.


Wirtschaft 11

Wirtschaftsministerium will Start-ups aus Drittstaaten nach Polen holen Im kommenden Jahr startet das Projekt Polska Prize mit dem Ziel Start Ups und vielversprechende Unternehmen außerhalb der EU an die Weichsel zu locken – informierte die stellvertretende Wirtschaftsministerin Jadwiga Emilewicz.

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as Förderungsprogramm soll an Unternehmer adressiert sein, die eine Firma in Polen gründen wollen, also für Unternehmen und Start Ups, die sich an der Weichsel entwickeln wollen. Die Ministerin sprach auch von einer vereinfachten, schnelleren Bewilligungsprozedur für die Firmengründung und Geschäfteabwicklung in Polen. Polska Prize soll einen Pilotcharakter haben. Beansprucht werden vor allem Unternehmen aus Osteuropa, vor allem Weißrussland und aus der Ukraine. Denn in dieser

Region wird Polen mit Interesse wahrgenommen. Auch Start-ups aus anderen Regionen der Welt können bei Interesse dieses Förderprogramm

beeinspruchen – so Jadwiga Emilewicz. Im kommenden Jahr wird es noch ein recht kleines Programm, gewidmet an 60 solcher Wirtschaftssubjekte. Wir hoffen, dass mit einem guten Verlauf auch in den nächsten Jahren das Programm eröffnet wird – fügte sie hinzu. Termine stehen noch nicht fest, denn das Wirtschaftsressort arbeitet noch daran. Polska Prize soll ein Teil des größten Start Up-Förderprogramms in Mittelosteuropa - Start in Poland sein.


12  Wirtschaft

Wie viel ist der polnische Gaming-Markt wert? Spektakuläre Erfolge der polnischen Gaming-Industrie werden gefeiert. Über Reinfälle wird jedoch eher wenig berichtet. Verwunderns wert, da es in letzter Zeit viele von solchen Reinfällen gab. Die Konkurrenz ist jedoch groß.

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er polnische Gaming-Markt ist laut Angaben von Newzoo bereits jetzt 431 Mio. US-Dollar wert. Sein Wert wächst zwar ständig, doch die Lage in der Branche ist alles andere als einfach. Der Markt ist sehr attraktiv, vor allem mit Blick auf den digitalen Vertrieb, also niedrigere Kosten und Zugang zu Kunden auf der ganzen Welt. Doch gleichzeitig ist dieser Markt sehr Wettbewerbsfähig - sagte Michał Czerwiński von Trigon DM der Zeitung Rzeczpospolita. So dürfte es niemanden wundern, dass Spieleproduzenten die Warschauer Börse immer öfters ins Visier nehmen. Der Börsengang bedeutet nicht nur neues frisches Geld für die Weiterentwicklung, sondern auch gewisses Ansehen und Ruhm. Die kleineren Studios und Entwickler erproben jedoch meistens erst den NewConnect. Dieser Handelsplatz wird seit 2007 von der Warschauer Wertpapierbörse betrieben und ist an kleine, junge, sich dynamisch entwickelnde Gesellschaften z. B. aus der High-Tech-Branche gerichtet. Größere Produzenten überspringen diesen Schritt und debütieren gleich am Hauptmarkt der Warschauer Börse. Zurzeit sind dort sechs Gaming-Unternehmen gelistet. Ihre Aktien stiegen durchschnittlich um

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35%. Der klare Spitzenreiter ist hier CD Projekt (+131%) und die rote Laterne - Vivid Games (-22 %). Die Gaming-Branche hat ihre eigene Spezifik. Anleger auf dem polnischen Markt müssen diese erst kennenlernen. Sie reagieren emotional auf Verschiebungen von Spielpremieren. Aber kann man sich da wundern? Von ihren Erfolgen hängen die Ergebnisse der Unternehmen ab. Auf der anderen Seite, damit der Release auch gelingt, muss Geld ins Marketing und in die Werbung fließen. Bestes Beispiel CI Games, dass neulich nach neuen Finanzmitteln greifen musste, was wiederum einen Kursabsturz und Angst um die Liquidität des Unternehmens bedeutete. Jetzt wartet der Markt gespannt auf die Premiere von

Sniper: Ghost Warrior 3. Das Erfolgsrezept liegt in der Thematik und der Qualität des Spiels - sagen Experten. Nur dann kann man zumindest auf gute Absatz-Ergebnisse hoffen. Eine Erfolgsgarantie gibt es in dieser Branche nicht, denn Menschen kaufen Spiele und werden das auch in Zukunft tun, aber der Tag hat nur 24 Stunden und die Auswahl ist sehr groß. So wachsen auch die Anforderungen unter den Kunden.


Wirtschaft 13

Deutsche Bank glaubt nicht an die Wachstumsprognose der polnischen Regierung Analytiker der Deutschen Bank gehen davon aus, dass die polnische Wirtschaft 2016 um 2,8% wachsen wird. Damit schlossen sie sich der Gruppe von Ökonomen an, die nicht an die Wachstumsprognose der Regierung glauben – diese hält weiterhin zu ihren Schätzungen die ein Wachstum von 3,4% vorsehen.

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ie Deutsche Bank ist nicht die erste Institution, die darauf hinweist, dass das Wirtschaftswachstum in Polen heuer nicht die 3% Marke überschreiten wird. Zuvor senkte u.a. die OECD ihre Prognose für Polen von 3 auf 2,6%. Die Ökonomen von BZ WBK prognostizieren ein Wachstum von 2,5 % und warnen, dass vor allem das letzte Vierteljahr sehr schwach ausfallen wird. Trotzdem halten Regierungs-

vertreter zu ihren Prognosen. Im November sagte der polnische Finanzminister Mateusz Morawiecki, dass er keinen Grund für die Änderung der Wirtschaftsprognosen sehe. Trotz der trüben Prognosen soll laut der Deutschen Bank Polens Wachstum in diesem Jahr über den EU-Durchschnitt liegen. Für die Euro-Zone prognostizieren die Analytiker ein Wirtschaftswachstum von 1,7%.

Foto: Nordenfan (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Etwas mehr optimistischer ist man wenn es um das nächste Jahr geht. 2017 soll die polnische Wirtschaft um etwa 3,2% wachsen und 2018 sogar um 3,4%. Experten erklären, dass der Optimismus auf den steigenden Konsum, die niedrige Arbeitslosigkeit und niedrige Zinsen zurückzuführen sei. Zusätzlich nehmen die Analytiker an, dass Investitionen die Wirtschaft zusätzlich ankurbeln werden.


14  Wirtschaft

Arbeitslosigkeit im Verlauf des Jahres 2016 sank die Zahl der Arbeitslosen in Polen um 14,7% (knapp 230 Tsd. Personen) im Vergleich zum Vorjahr. Arbeitgeber meldeten insgesamt in den Arbeitsämtern 1,5 Mio. freie Stellen – so viel gab es zuletzt im Jahr 1993 – vermeldete das Ministerium für Arbeit, Familie und Soziales.

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nde Dezember erreichte die Arbeitslosigkeit in Polen 8,3%, was einen leichten Anstieg (+0,1%) im Vergleich zum Vormonat und einen Rückgang um 1,4% im Vergleich zu Dezember 2015 bedeutet. Nach Arbeit suchten im letzten Kalendermonat insgesamt 1,3 Mio. Arbeitslose, um 1,5% mehr als im November. Die Arbeitslosenrate blieb in fünf Woiwodschaften im Vergleich zum Vormonat unverändert. Zurückgegangen ist die Zahl der Arbeitssuchenden nur in Podlachien (-0,2%) – berichtet das Ministerium auf seiner Homepage. In allen elf verbleibenden Woiwodschaften stieg die Arbeitslosenrate nach nationaler Definition zwischen 0,1% und 0,4%. "Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist weiterhin sehr gut, jedoch regional differenziert. Im Register haben wir mehr als 1,3 Mio. Arbeitslosen eingetragen. Es sind oft Personen, die ihre Probleme mit der Jobsuche haben, also Langzeitarbeitslose. Das ist

wiederum eine große Herausforderung für die Arbeitsämter in Bezug auf die Arbeitsmarkt-Aktivierungsmaßnahmen" – sagte Ministerin Elzbieta Rafalska. Im Dezember erreichte die Zahl der gemeldeten Jobangebote 88,7 Tsd. und toppte somit das Ergebnis von Dezember 2016 um 12,9%. Die Arbeitslosigkeit ging im Dezember 2016 um 1,4% im Vergleich zu Dezember 2014 zurück. Mit einer Arbeitslosenrate von 8,3% im letzten Kalendermonat, vermeldete das Ministerium von Elzbieta Rafalska das beste Ergebnis seit 1991. Die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt überraschte sogar die Ministerin selbst, die im Oktober noch von 8,9% am Ende des Jahres ausge-

gangen sei. Im Haushaltsplan wurde sogar noch eine höhere Arbeitslosigkeit eingeplant – 9,8%. Als Gründe für die gute Lage am Arbeitsmarkt werden vom Ministerium u.a. der Wirtschaftsaufschwung zusammen mit dem Wirtschaftswachstum genannt.


Wirtschaft 15

Das Krisenprotokoll: Protest und Streit im Parlament Opposition und KOD und protestieren gegen das Handeln der polnischen Regierung. Auf den Straßen demonstrierten auch die Anhänger der Regierungspartei. Die Lage ist jedoch weniger dramatisch, als sie dargestellt wird.

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uslösepunkt für den heftigen Streit waren die Pläne des Sejmmarschalls zur Parlamentsberichterstattung. Die Situation eskalierte nachdem ein Oppositionspolitiker als Protest ein A4-Blatt mit dem Wort "#Medienfreiheit" in die Kameras gehalten hatte, und Marschall Kuchcinski ihn dafür aufgefordert hatte, den Saal zu verlassen. Oppositionspolitiker blockieren seitdem das Rednerpult im Sejm. Proteste gab es durch das ganze Wochenende lang auch vor dem Sejm und auf den Straßen, wo u.a. das Komitee zur Verteidigung der Demokratie demonstrierte. Gerüchten zufolge, waren die massiven Proteste kein Zufall, sondern eine durchdachte Aktion. Bereits am Freitag konnte man sich schnell organisieren und vor dem Parlament mit Lautsprecheranlagen und eine Rednerbühne lautstark demonstrieren

- für manche zu schnell. Zusätzlich hatte ein Abgeordneter der Volkspartei bereits am Morgen angedeutet, dass es zu politischer Chuzpe, Rangelei und Kampf kommen würde. Er fügte noch hinzu, dass er Angst habe, dass es zu Handgreiflichkeiten noch in dieser Legislaturperiode kommt.

Spekulationen zurück – Wir haben ein Auto mit einer Lautsprecheranlage und die regionale KOD-Stelle hat wahrscheinlich einen Protest schon früher geplant und nur in letzter Minute die Thematik geändert – sagte Radomir Szumełda gegenüber dem Blatt Rzeczpospolita.

Wenige Stunden später bewahrheitete sich die Prophezeiung. Politiker der Opposition blockierten den Plenarsaal, es gab lautstarke Schreie und nach Mitternacht prügelte sich ein PiS- mit einem PO-Abgeordneten.

Freitagabend wurde das Sejmge-

Laut Piotr Marzec (Kukiz 15) wurden am Freitag, noch vor dem Streit, 1.000 Sandwiches zum Sejm geliefert, was seiner Meinung nach offenbar davon zeugt, dass jemand einen längeren Aufenthalt im Parlament plante. Ob an den beiden Verschwörungstheorien was tatsächlich dran ist, bleibt unklar. KOD wies die

16. Dezember bäude von der Polizei umkreist, damit keiner der Demonstranten zum Inneren gelangen könnte aber auch um die PiS-Abgeordneten, die das Parlament verlassen wollten, zu schützen. Demonstranten schrien u.a. Ihr kommt bis Heiligabend nicht raus! oder Komm raus du Feigling! – gemeint war Jaroslaw Kaczynski, der Parteivorsitzender. Polizeibeamte

mussten

die


16  Politik Demonstranten sogar wegziehen, denn sie schmissen sich unter fahrende Autos. Berühmt wurde ein Mann, der sich auf den Boden legte und vortäuschte, dass er verwunden sei. Wenige Minuten später ist er aufgestanden und weitergegangen. Später erklärte er, dass er die wegfahrenden Autos blockieren wollte. In verschiedenen Medien wurde auch eine Falschmeldung, dass die Polizei Tränengas nutzen musste, verbreitet. Diese wurde schnell widerlegt, dennoch erreichte das Dementi keine breite Wellen. Am Samstag (17. Dezember) protestierte KOD vor dem Präsidentenpalast und forderte Andrzej Duda, zu intervenieren. Mateusz Kijowski von KOD sagte, dass Proteste weiterhin stattfinden werden. Zwar war der Anlass der Heftigen Proteste die Medienfreiheit, doch Reporter der öffentlichen Medien wurden von den Demonstranten attackiert und ihre Arbeit bis an die Grenzen der Vernunft erschwert. Am Sonntag (18. Dezember) fanden weitere Proteste statt: Erst vor dem Verfassungstribunal und später vor dem Sejm. Koksofen wurden ausgestellt, damit die Demonstranten weiter gegen die Regierung protestieren können. Am Sonntag gingen ebenfalls auch die Anhänger der Regierung auf die Straßen. Zwischenzeitlich sprach Präsident Duda mit allen Fraktionsvorsitzenden und stellte sich bereit als Schlichter einzugreifen. Die Abgeordneten der Bürgerplattform wollen, dass der Sejmmarschall seines Amtes enthoben wird, die Abstimmungen, die am Freitag ohne Oppositionsabgeordnete stattgefunden haben, als ungültig erklärt werden und die Arbeit der Medien nicht eingeschränkt wird. Erst dann wird der Protest beendet. Ob die Regierung sich darauf einlassen wird, bleibt unklar. Am Montag (19. Dezember) traf sich der Präsident Duda mit Jaroslaw Kaczynski und dem Sejmmarschall Kuchcinski.

20. Dezember

Präsident Duda: PiS hat alle seine Vorschläge zur Medienarbeit im Sejm aufgegeben

Presse, dass sich bis zum 6. Januar nichts ändern wird. Dann will er auch neue Vorschläge zur Medienarbeit im Sejm vorlegen.

22. Dezember

Das polnische Staatsoberhaupt bestätigte im öffentlichen Fernsehen, dass es (vorerst) keine neuen Regelungen der Medienarbeit im Sejm geben wird. Die Regierungspartei habe auf alle Vorschläge, die Auslösepunkt des Konflikts waren, verzichtet.

PiS auf Friedenskurs

Andrzej Duda sagte, dass er am Montagmorgen den Senatsmarschall Stanislaw Karczewski gebeten hatte, die neuen Regelungen und jegliche vorläufige Projekte zu dieser Angelegenheit, zurückzuziehen. Dennoch unterstrich der Präsident, dass die vom Sejmnmarschall Kuchcinski vorgestellten Ideen nur erste Voraussetzungen waren, und keine feste Grundsätze.

Anlass der Pressekonferenz war die Krise im Sejm. Kaczynski erinnerte zwar, dass die Abgeordneten, die im Sejm protestieren gegen das Recht verstoßen verwies aber gleich auf seinen Vorschlag zur Stärkung der Opposition. Vor kurzem sagte der Vorsitzende von Recht und Gerechtigkeit, dass der Oppositionschef einen gleichen Status wie der stellvertretender Premierminister und u.a. Einfluss auf die Tagesordnung im Sejm haben sollte.

Auf diesen Appell antwortete Marschall Karczewski mit strikter Entschlossenheit. Er gab eine Erklärung ab, in welcher er eindeutig sagte - Es gibt keine neue Regelung, wir setzen uns zusammen, und wenn sich etwas ändern soll, was den Journalisten ihre Arbeit erleichtert, dann machen wir das zusammen mit den Redaktionsvertretern am selben Tisch, damit die Berichterstattung einfacher wird - so der Präsident. In anderen Worten kann man so sagen - PiS hat ihren Vorschlag, der sich zum Konfliktherd im Sejm entwickelte, aufgegeben - erklärte Duda. Gefragt nach dem, ob die Regierungspartei einen Fehler machte, antwortete er: PiS hatte gute Absichten, wollte den Medien ihre Arbeit leichter machen und ein bisschen Ordnung ins Parlament bringen, das sagten mir heute Jaroslaw Kaczynski und Marek Kuchcinski. Am Dienstagmorgen informierte der Präsident via Twitter, dass Journalisten wieder frei den Sejm betreten und normal arbeiten können. Inzwischen traf sich auch der Senatsmarschall Karczewski mit Medienvertretern und sagte anschließend der

Am Mittwoch (21. Dezember) hielt der PiS-Chef eine gemeinsame Pressekonferenz zusammen mit Premierministerin Szydlo sowie dem Sejmmarschall Kuchcinski und dem Senatsmarschall Karczewski.

Kaczynski sprach von einer weihnachtlichen Stimmung und unterstrich, dass die Regierungspartei der Opposition die Hand reichen will. Für den Chef von PiS sind politische Auseinandersetzungen im demokratischen System üblich. Gegenseitige Feindseligkeit und Ausbruch einer politischen Krise sind jedoch was ganz Anderes. Kaczynski appellierte deswegen mal wieder um Besinnung und Ende der Proteste im Parlament. Einen Dialog will man aber erst dann beginnen, wen die Abgeordneten den Plenarsaal verlassen. Die Premierministerin sprach wiederum über die Erfolge, die ihre Regierung feiern konnte und über die wirtschaftlich gute Lage im Land. Nach der Regierungschefin gab Marek Kuchcinski ein Statement ab. Der Sejmmarschall erklärte, warum die Parlamentssitzung und die Abstimmungen im anderen Saal stattgefunden haben. Beide Abstimmungen (über den Haushaltsplan und Pensionen für ehemalige Mitarbeiter der Staatssicherheit) seien laut Kuchcinski verfassungsgemäß durchgeführt worden.


Politik 17 Der Senatsmarschall Stanislaw Karczewski wiederholte, dass was er am Montag (19. Dezember) sagte – PiS wollte die Arbeit der Medien im Sejm nicht einschränken, sondern sie leichter machen. Karczewski unterstrich, dass sich für Journalisten zumindest bis zum 6. Januar nichts ändern wird. Dann will er eigene Vorschläge zur Medienarbeit im Parlament vorlegen. Die Oppositionsparteien, die im Sejm protestieren, halten von den Aussagen der Regierungspolitiker eher wenig. Grzegorz Schetyna unterstrich, dass die Bürgerplattform über Weihnachten hinaus auch bis zum 11. Januar protestieren wird. Die Situation bezeichnete er jedoch als dynamisch.

28. Dezember

Weihnachten im Parlament und ein Dekalog der Freiheit Seit dem 16. Dezember protestieren die Abgeordneten zwei Oppositionsparteien ununterbrochen im polnischen Sejm. Auch an Heiligabend blockierten die Parlamentariar das Rednerpult. Unterstützung gab es auch auf der Straße, wo ein Weihnachtsbaum und ein Tisch mit Essen aufgestellt wurden. So solidarisierten sich spontan gekommene Warschauer mit den Abgeordneten, mit denen sie Weihnachtswünsche ausgetauscht und Oblate gebrochen haben. Bis zum 11. Januar, also bis zur nächsten Parlamentssitzung will die Opposition protestieren. Am Heiligabend stellten die Abgeordneten der Bürgerplattform auch einen sog. Dekalog der Freiheit vor. Auf den Bildern, die durch soziale Netzwerke verbreitet wurden, stand, dass die Regierung u.a. die Pressefreiheit, die Freiheit im Internet, die Wirtschaftsfreiheit, die Kulturfreiheit sowie die Freiheit im Parlament und Verfassungstribunal nicht einschränken kann. Wir warten im Plenarsaal bis die Parlamentssitzung, die am Freitag abgebrochen wurde, wieder aufgenommen wird - sagte der Chef der Bürgerplattform, Grzegorz Schetyna. Zur Erinnerung - die Proteste der

Opposition richten sich gegen die umstrittene Neuregulierung der Medienarbeit im Sejm (mittlerweile hat man sich mit dieser Sache zurückgezogen) sowie die Abstimmungen, die in einem anderen Saal durchgeführt wurden und die von der Opposition als illegal bezeichnet werden (Haushaltsplan für 2017 und Pensionen für ehemalige Mitarbeiter der Staatssicherheit). Regierungsvertreter betonen, dass beide Abstimmungen verfassungsgemäß und regelkonform abgelaufen sind.

09. Januar

Sejmkrise: Spaltung in der Opposition Petru sucht nach einem Ausweg aus der Krise und macht PiS einen Vorschlag. Verwundert darüber zeigte sich der Vorsitzende der Bürgerplattform – Grzegorz Schetyna. Der Chef von .Nowoczesna hat vorgeschlagen, dass die Senatoren von Recht und Gerechtigkeit Änderungsvorschläge der Opposition zum Haushaltsgesetz im Senat melden, so dass das umstrittene Gesetz wieder im Sejm landet und eine erneute Abstimmung stattfinden kann. Sollten diese Änderungsvorschläge gemeldet werden, hätten wir die Möglichkeit diese Vorschläge bei der nächsten Parlamentssitzung am 11. Januar zu überprüfen. Eine Haushaltsdebatte könnte dann auch stattfinden – sagte Petru, der gleichzeitig unterstrich, dass so eine Geste seitens der Regierung ein Signal wäre, dass man nach Verständigung und nach einem Ausweg aus der Krise sucht. Sollte es nicht dazu kommen, könnte sich die Situation weiter verschärfen und die Chancen auf eine Übereinkunft schrumpfen. Den Vorschlag Petrus kommentierte Grzegorz Schetyna, Chef der Bürgerplattform, die zusammen mit Nowoczesna im Sejm protestiert. Ich habe kein Verständnis für diesen Vorschlag und einen solchen Apell. Ich weiß nicht warum sie mit den PiS-Senatoren zusammenarbeiten wollen – so der Ex-Außenminister. Ich bin damit nicht einverstanden, dass die Änderungsvorschläge der Bürgerplattform von PiS-Senatoren gemeldet werden – unterstrich der Chef von PO.

Der Senat, also die zweite Kammer des polnischen Parlaments, wird sich mit dem umstrittenen Haushaltsgesetz zwischen dem 11. und 13. Januar auseinandersetzen.

10. Januar

Opposition spricht mit der Regierung. Bürgerplattform weiterhin auf Konfliktkurs Am Montag (09. Januar) folgten alle Fraktionsvorsitzende der Einladung von Senatsmarschall Karczewski und setzten sich zusammen um die Lage im Sejm zu besprechen. Nur einer war nicht dabei – Grzegorz Schetyna. Zwar brachte das Treffen der Opposition mit der Regierungskoalition keinen Durchbruch, aber an den Aussagen der Beteiligten merkte man, dass ein Kompromiss nahe sei. An den Gesprächen haben seitens der Opposition Ryszard Petru (.Nowoczesna), Pawel Kukiz (Kukiz 15) und Wladyslaw Kosiniak-Kamysz (PSL) teilgenommen. Eine Einladung hat auch Grzegorz Schetyna (PO) bekommen, doch er wies sie zurück. "Das ist kein Problem, mit dem sich der Senatsmarschall auseinandersetzen sollte. Ich erwarte von dem Sejmmarschall Kuchcinski, dass er dieses Problem löst" – sagte der Ex-Außenminister und unterstrich, dass er entweder an einem Treffen teilnehmen würde, dass Präsident Duda mit den Oppositionsparteien organisieren könnte oder an einem Treffen aller Parteivorsitzender. Neues Licht auf die Aussage Schetynas, warf auch der Abgeordnete Nitras, der erklärte, dass seine Partei eine Verständigung auf Rechtsgrund und nicht auf der Basis der Gespräche mit Jaroslaw Kaczynski im einen abgesperrten, dunklem Raum, wo die Verfassung niedergetreten wird, anstrebt. Doch die Beteiligten haben anscheinend Schetyna noch eine Chance gegeben und ihn zum zweiten Treffen am Dienstag (10. Januar) eingeladen. Ob der Vorsitzende der Bürgerplattform erscheinen wird, soll sich nach dem Parteivorstand herausstellen. Die Bürgerplattform ist mächtig unter


18  Politik Druck, denn laut Jaroslaw Kaczynski haben alle Fraktionsvorsitzende sich geeinigt, dass sie das Rednerpult im Plenarsaal am 11. Januar nicht blockieren werden. Darunter auch .Nowoczesna, die zusammen mit PO im Sejm protestiert. Kaczynski fügte noch hinzu, dass eine der Parteien darauf hingewiesen hat, dass sie das Haushaltsgesetz von dem Verfassungs-tribunal untersuchen lassen will. Rein technisch soll die Krise nach dem Vorschlag von Pawel Kukiz gelöst werden. Änderungsvorschläge der Opposition werden im Senat von Marschall Karczewski vorgestellt und zurück zur Debatte im Sejm gestellt. Diese Idee unterstützt neben Kukiz '15 auch Nowoczesna und die Volkspartei PSL. In Bezug auf die Medienarbeit im Sejm, gab Sejmmarschall Karczewski am Montag bekannt, dass man sich aus allen Vorschlägen zurückzieht und die alten Regeln weiterhin gelten werden.

12. Januar

Regierung und Opposition können sich nicht einigen Noch am Montag (09. Januar) deutet alles auf einen Konsens. Am Dienstag änderte .Nowoczesna seine Meinung und der Deal mit der Regierung platzte. Gestern eröffnete Marschall Kuchcinski die nächste Parlamentssitzung, doch trotz stundenlanger Beratungen und Gespräche wird der Protest fortgesetzt. Am späten Abend begann die 34. Parlamentssitzung dieser Legislaturperiode. Nach dem sie eröffnet wurde, hat Sejmmarschall Kuchcinski die Sitzung unterbrochen. Ein erneuter Versuch die Parlamentssitzung normal aufzunehmen soll am 12. Januar gegen 12 Uhr unternommen werden. Die Oppositionspartei PO (dt. Bürgerplattform) wird zumindest bis dann das Rednerpult weiterhin blockieren. Die Vertagung der Sitzung war ein krönender Abschluss eines Tages mit vielen unerwarteten Wendungen. Die wohl wichtigste kam gegen 17 Uhr, als die zweite Parlamentskammer

das Haushaltsgesetz ohne weitere Änderungsvorschläge verabschiedete. Nun muss nur noch Präsident Andrzej Duda das Haushaltsgesetz unterschreiben.

Journalisten aus dem Plenarsaal berichten dürfen. Seine Fraktion ist jedoch bereit, den Protest wieder aufzunehmen wenn PiS weiter gegen das Recht und Verfassung verstößt.

Dabei war noch am selben Tag, am Morgen, ein durch die Bürgerplattform vorgeschlagener Beschluss, laut dem das Haushaltsgesetz erneut im Sejm besprochen werden sollte, das größte Thema. Die Parlamentarier sollten im Anschluss erneut über das Gesetz abstimmen. Doch die Opposition konnte sich nicht auf die Änderungsvorschläge im Gesetz einigen und die Lösung des Konflikts verpuffte erneut.

Die Bürgerplattform hat auch einen Antrag auf die Abberufung von Marschall Kuchcinski gestellt, den die Politiker für die Krise verantwortlich machen. Ryszard Petru und seine Partei .Nowoczesna wollen hingegen das umstrittene Haushaltsgesetz vom Verfassungstribunal untersuchen lassen. Für PO ist dies zurzeit kein Thema – so Schetyna aber man wolle noch andere Schritte prüfen, was Borys Budka bestätigte. Das Verfassungstribunal ist in den Händen der PiS-Richter. Ich wette, dass sie entscheiden, dass alles mit dem Haushaltsgesetz in Ordnung ist – sagte Pawel Kukiz, der den Erfolg einer solchen Aktion sichtlich bezweifelt.

Was kann am Donnerstag passieren? Sowohl die Bürgerplattform als auch Nowoczesna sprechen Klartext – das Haushaltsgesetz wurde illegal beschlossen. Die Bürgerplattform will weiterhin den Plenarsaal des Parlaments besetzen. Nowoczesna hat sich von dem Protest zurückgezogen, bleibt jedoch kritisch gegenüber dem Handeln der Regierung. Andere Oppositionsfraktionen appellieren, den Protest zu beenden – sowohl die Volkspartei PSL als auch Kukiz 15 wollen wieder ihre parlamentarische Arbeit normal ausüben. Zusätzlich fordern die Abgeordneten der Bewegung von Pawel Kukiz, höchste finanzielle Strafen für Abgeordnete, die den Plenarsaal besetzen. Sicher ist nur eines – Journalisten wurde der Zugang zum Plenarsaal wieder gewährt, so können sie die Geschehnisse im Parlament wieder beobachten, was ihnen ab den 16. Dezember verweigert wurde. Alles andere, zusammen mit der Lösung des Konflikts, bliebt weiterhin ein großes Fragezeichen.

12. Januar

Opposition beendet (vorerst) den Protest im Parlament Die Abgeordneten der Oppositionspartei Bürgerplattform haben den Protest (vorerst) beendet. Die Politiker rund um Grzegorz Schetyna sagten gegenüber der Presse, dass sie ihr Ziel erreicht hätten, in dem

Auch Jaroslaw Kaczynski, Vorsitzender von Recht und Gerechtigkeit (PiS), kommentierte die Lage im Sejm und sagte – Gut, dass die Besetzung des Sejms ein Ende hat, wir müssen aus dieser Situation Schlüsse ziehen und das Reglement so umbauen, dass solche Aktionen erschwert werden. Trotz dessen, dass der Protest ein Ende genommen hat, wurde die 34. Sitzung bis auf weiteres vertagt. Sejm Marschall Kuchcinski verkündete, dass das Parlament seine Arbeit erst am 25. Januar aufnehmen wird. Wir brauchen eine vertiefte Analyse dessen, was sich in den vergangenen Wochen im Sejm abgespielt hat – erklärte er seine Entscheidung. Spekulationen zufolge will die Regierungspartei verantwortliche Abgeordnete in die Konsequenzen ziehen. Demnach könnte sowohl Sejmmarschallin Malgorzata Kidawa-Blonska (PO) sowie Sejmmarschallin Barbara Dolniak (.Nowoczesna) von ihren Posten abberufen werden. Grzegorz Schetyna könnte wiederum seinen Vorsitz im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten verlieren. Ob an den Spekulationen was dran ist, bleibt bis zur nächsten Parlamentssitzung abzuwarten.


Politik 19

Präsident Duda unterzeichnet das Haushaltsgesetz 2017 Das umstrittene Haushaltsgesetz kann nun in Kraft treten – Andrzej Duda meldete keine Einwände zum Inhalt und dem Verlauf der Abstimmung und unterzeichnete das Dokument.

D

er Haushaltsplan für 2017 wurde vom polnischen Sejm bereits am 16. Dezember verabschiedet. Am 11. Januar meldete die zweite Parlamentskammer keine weiteren Änderungsvorschläge. Dieser Beschluss wurde mit den Stimmen aller PiS-Senatoren durchgebracht. An der Abstimmung im Senat haben 32 von 33 PO-Senatoren nicht teilgenommen und behaupteten, dass das Haushaltsgesetz gar nicht existiere. Die Verabschiedung des Gesetzes durch das polnische Parlament wird von der Opposition in Frage gestellt. Die Oppositionspolitiker

werfen der Regierung vor, dass das nötige Quorum nicht an der Abstimmung teilgenommen hat und einem Teil der Oppositionsabgeordneten der Zugang zum Nebensaal verwehrt wurde. Zur Erinnerung – der Sejm Marschall hat wegen der Parlamentsblockade die Sitzung in andere Räumlichkeiten (Nebensaal im Parlament) verlegt. Die Regierung und der Sejm Marschall weisen diese Vorwürfe zurück und unterstreichen, dass alles Verfassungsgemäß und Regelkonform abgelaufen ist. Keine Einwände zum Inhalt und dem Verlauf der Abstimmungen hatte auch das polnische Staatsoberhaupt

Andrzej Duda und unterzeichnete das Gesetz, was von dem Pressesprecher Marek Magierowski bestätigt wurde. Laut dem beschlossenen Gesetz werden die Staatseinnahmen 2017 - 325 Mrd. Zloty und die Staatsausgaben 384 Mrd. Zloty erreichen. Das Haushaltsdefizit soll 59 Mrd. 345 Mio. 500 Tsd. Zloty nicht übersteigen. Regierungsannahmen zufolge soll das BIP 2017 real um 3,6% wachsen und die jährliche Inflationsrate soll 1,3% erreichen. Nominallöhne sollen um 5% wachsen und die Beschäftigung um 0,7%. Der private Verbrauch soll wiederum um 5,5% steigen – berichtet dziennik.pl

Der Präsident Andrzej Duda (Foto: Oficjalna strona Prezydenta Rzeczypospolitej Polskiej prezydent.pl


20  Politik

Das Verfassungstribunal (Foto: Adrian Grycuk (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 pl], Wikimedia Commons)

Das Verfassungstribunal hat eine neue Präsidentin Julia Przylebska folgt auf Andrzej Rzeplinski, dessen Amtszeit zu Ende ging. Regierung sieht die Krise als beendet, EU-Kommission bleibt jedoch kritisch.

A

m Dienstag, den 20. Dezember wurde Julia Przyłębska von der Generalversammlung als neue Präsidentin des Verfassungsgerichtshofes gewählt. Sie ist die erste, die für die kommenden 6 Jahre das Amt ausüben wird. An der Abstimmung bei der Generalversammlung haben die von der Bürgerplattform empfohlenen Richter nicht teilgenommen. Grund war die rasche Berufung der Generalversammlung, was die Anwesenheit eines der PO-Richters der im

Urlaub war, unmöglich machte. Eine spezielle Regelung machte jedoch die Wahl möglich. Der Vizepräsident des Tribunals wies die Spekulationen der Presse zurück und sagte, dass es keinen Widerstand seitens der Richter, die noch von der vorherigen Regierung nominiert wurden geben wird. Gleichzeitig bezweifelte der Vizepräsident ob die neuen Gesetze zur Arbeit des Gerichtshofes die Lage stabilisieren und beruhigen werden, doch rein formell wurden Grundlagen für das

Funktionieren des Verfassungstribunals gegeben - so Stanislaw Biernat. Die neuen Gesetze zum Verfassungstribunal gewähren dem Präsidenten erweiterte Befugnisse und Kompetenzen. Auch disziplinäre Verfahren gegen Verfassungsrichter werden neu geregelt. Seit knapp einem Jahr ist Polen und die Warschauer Regierung wie auf dem Präsentierteller. Die EU-Kommission zusammen mit Frans Timmermans betont immer wieder ihre Sorgen um die Rechtsstaatlichkeit


Politik 21

Wahlumfrage: PiS stabil, Einbruch bei der Bürgerplattform Das Meinungsinstitut Pollster hat eine erste Wahlumfrage im neuen Jahr durchgeführt. Würde die Wahl am kommenden Sonntag stattfinden, würde PiS mit 31% der Stimmen gewinnen. Die stärkste Oppositionspartei wäre .Nowoczesna.

F

ür die Partei von Ryszard Petru würde 24% der Befragten stimmen. Die dritte Kraft im polnischen Parlament wäre die Bewegung von Pawel Kukiz (Kukiz 15) mit 15% der Stimmen. Erstmals landete PO (dt. Bürgerplattform) hinter dem Treppchen. Für Grzegorz Schetyna und Co. hätte 11% gestimmt. Zufrieden mit der Wahlumfrage dürften die Linksparteien sein. Das Bündnis der Demokratischen Linken (SLD) überzeugte 8% der Wähler und die Partei Zusammen (poln. Razem) 5% der Wähler. Im Parlament wäre die Volkspartei PSL nicht vertreten, die nur 2% der Wählerstimmen bekam.

an der Weichsel. Nach den neuesten Ereignissen und Protesten wurde die Regierungspartei des Abbaus wichtiger politischer Rechte beschuldigt. Die EU-Kommissare richteten weitere Empfehlungen an die Regierung, denn ihrer Ansicht nach bleibt die Verfassungskrise weiterhin ungelöst. Die Brüsseler Behörde setzte den Polen eine Frist von zwei Monaten und droht mit weiteren Schritten, die letztlich zum Entzug des Stimmrechts Polens in der EU führen könnten. Dafür bräuchte man allerdings die Zustimmung des EU-Parlaments und der Mitgliedstaaten, was Experten eher für unwahrscheinlich halten. Die polnische Regierung zeigte sich gelassen. Der Regierungssprecher Rafal Bochenek, sagte das mit der Wahl von Julia Przyłębska das Problem gelöst worden sei. Antworten will man den Kommissaren aber trotzdem.

Die Umfrage wurde zwischen dem 2. und 3. Januar im Auftrag von Super Express und TVN auf einer repräsentativen Gruppe von 1047 Bürgern durchgeführt. Der letzten Wahlumfrage aus dem Jahr 2016 zufolge, war Recht und Gerechtigkeit (poln. PiS) mit 35% der Stimmen die stärkste Fraktion im Sejm, vor der Partei von Ryszard Petru. Die Moderne (poln. Nowoczesna) kam damals auf 24%. Für die Bürgerplattform (PO) hätten 15% der Wähler gestimmt und 6% der Wähler hätten Kukiz 15 gewählt. Im Sejm war mit 5% der Stimmen auch die Volkspartei PSL vertreten. Andere Parteien lagen unter der Fünfprozenthürde.

Morawiecki: Es wird keine einheitliche Steuerabrechnung geben Der Finanz- und Wirtschaftsminister bestätigte, dass die Regierung auf diese Idee verzichten wird.

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ach sachlichen Konsultationen und einer umfassenden Analyse der Vor- und Nachteile haben wird entschieden, dass die einheitliche Steuerabrechnung nicht ins polnische Steuersystem eingeführt wird – informierte Morawiecki. Mateusz Morawiecki erklärte, dass auf diese Entscheidung auch Argumente Einfluss hatten, die von Sozialpartnern und seitens der Wirtschaft kamen. Einmal mehr unterstrich der Superminister, dass sich

die Regierung nach den Interessen der Unternehmer richtet und deshalb hat man sich nach der Analyse der Folgen, die eine einheitliche Steuer mit sich bringen könnte, schlussendlich gegen diese Idee entschieden. Zur Erinnerung bei der einheitlichen Steuer handelte es sich um eine Steuerabrechnung, die Rentenabgaben sowie die Beiträge für das Gesundheitssystem miteinander kombinieren sollte.


22  Kultur

#Geheimtipp: Wein aus Polen Es gehört sich nun mal einen guten einheimischen Wein auf dem Tisch zu haben. Besonders wenn dieser einzigartig ist.

P

olen hat nach dem II. Weltkrieg Grünberg und die darum liegenden Weinberge zurückbekommen. Leider wurden sie in den 60er Jahren von der kommunistischen Regierung vernachlässigt und ihren eigenem Schicksal überlassen. Im Rahmen des damaligen Rates der Gegenseitigen Wirtschaftshilfe sind die Staaten Ungarn, Rumänien, Bulgarien und

Georgien für den Anbau zuständig gewesen. Die letzten Jahre sind in Polen eine echte Renaissance des Weinanbaus. Vor drei Jahren gab es ca. 35 Winzer und 2016 gibt es bereits 150 Weinberge. Laut Angaben der International Organization of Vine and Wine (OIV), wurden in Polen 2016 etwa 7.000 Hektoliter Wein hergestellt. In dieser Zeit haben Italien und Frankreich folgend 49 und 42 Millionen Wein produziert. Deutschland hat dagegen 2016 8,4 Millionen Hektoliter Wein gefertigt und verzeichnet damit ein Rückgang von 4% zum Vorjahr. Die polnische Weinqualität wächst ununterbrochen. Im Land werden zwar alle Weingattungen produziert, aber die besten Ergebnisse erzielt man in der Herstellung von Rosé- und Weißweinen, für die man

schon mehrmals in den internationalen Wettbewerben Preise gewonnen hat. Nicht immer ist dies der Fall gewesen. In den Archiven der Stadt Grünberg haben Historiker eine ganz brisante Bemerkung gefunden. Als eines Tages die Ratsherren Geld an einer Hinrichtung sparen wollten, haben sie den verurteilte Räuber mit Wein betränkt statt einen Henker anzuheuern um ihn zu erwürgen. Seitdem hat sich jedoch vieles geändert. In Polen befinden sich die meisten

Weinberge in den südlich gelegten Woiwodschaften Karpatenvorland und Kleinpolen und in der an Deutschland grenzenden Woiwodschaft Lebus. Eines muss man jedoch klarstellen die polnischen Weine sind nicht die billigsten - eine Flasche des roten Trunks kostet um die 50 - 60 Zloty. Der Preis ist so hoch, da die Produktionskosten aufgrund der schwierigeren (als im Süden Europas) klimatischen Bedingungen höher sind. Außerdem muss man in Polen erst, anders als in Westeuropa, neue Weinberge anlegen. Die polnischen Winzer sind dementsprechend Pioniere auf diesem Gebiet. Für dieses Vergnügen müssen sie aber tief in die Tasche greifen; große Investitionen tragen, das geeignete Grundstück kaufen. Sie müssen sich auch die nötigen Maschinen und die Setzlinge kaufen. Laut dem polnischen Institut

für Wein und Weinreben kostet die Inbetriebnahme eines kleinen, kommerziell ausgerichteten Weinberges - der im Jahr ca. 15 000 Flaschen produziert - eine Million Zloty. Mit solchen Investitionen wird Polen in den nächsten Jahren die neuesten Entwicklungswege im europäischen Weinbau bestimmen. Im Gegensatz zu den “alten Weinländern” kann sich Polen erlauben, die Anzahl verwendeter Pflanzenschutzmittel zu senken. Das macht die Weine zunehmend gesünder. Auch die Klimaerwärmung

scheint da mitzuspielen. In manchen Jahren ist es in Südeuropa viel zu heiß um trockene Weine herzustellen, ohne die vorgegebenen Alkoholwerte zu übersteigen - sagte Ewa Wawro, die Vorsitzende der Fundacja Galicja Vitis (Galicja Vitis Foundation), im Interview mit Rzeczpospolita. Die polnischen Winzer nehmen sich ein Beispiel an Tschechien, der Slowakei und Österreich, wo man Wein in ähnlichen Bedingungen wie in Polen herstellt. Die Weine aus Polen sind bei den südlichen Nachbarländern mittlerweile bekannt. Im diesjährigen Cuvée 2016 Wettbewerb im tschechischen Vatice wurde der polnische Weißwein Passage Cuvée ausgezeichnet. Der trockene Wein wird in den Weinberg Equus im polnischen Mierzecin hergestellt.


Wirtschaft 23

Neuer Gault&Millau für Polen Der neue Star der polnischen Kochszene heißt Andrea Camastra. Nachdem er in diesem Jahr erstmals mit seinem Restaurant "Senses" in Warszawa (Warschau) einen Michelin-Stern erkochte, wurde er jetzt im neuen Restaurantführer von Gault&Millau für Polen 2017 zum Chefkoch des Jahres gekürt. Insgesamt 460 Restaurants führt die dritte Ausgabe des renommierten Gourmetführers von Gault&Millau für Polen auf. Das sind 220 Adressen mehr als im Erstlingswerk für 2015.

A

ndrea Camastra, in Bari als Sohn einer französisch-italienischen Familie geboren, arbeitete bereits in mehreren hochkarätigen Sternerestaurants in Luxemburg und England bevor er seine Liebe für Polen und polnische Produkte entdeckte. In seinem Warschauer Restaurant verbindet er polnische und internationale Traditionen mit moderner Küchentechnik. Einige der Zutaten kommen aus einer eigenen Biofarm in Polen. Im neuen Gault&Millau erreichte der Liebhaber von Jazz und brasilianischer Musik 18 von 20 Punkten und vier Hauben. Gegenüber dem letzten Jahr legte er einen Punkt zu und setzte sich damit vor Wojciech Modest Amaro an die Spitze der Liste. Amaro erreichte wie im vergangenen Jahr 17,5 Punkte und ist damit der zweite Koch mit vier Hauben in Polen. Er erkochte sich in seinem Warschauer Atelier Amaro vor drei Jahren den ersten polnischen Michelin-Stern. Amaro setzt auf alte polnische Rezepte, die er modern interpretiert. Zum traditionellen Chefkoch des Jahres wurde Andrzej Polan von der "Mała Polana Smaków“ in Warschau ernannt. Der bekannte Fernsehkoch schöpft in seinem nahe dem Łazien-

ki-Park gelegenen Restaurant die Möglichkeiten traditioneller polnischer Küche voll aus und treibt sie bis zur modernen Vollendung. In die derzeitige Kulturhauptstadt Wrocław (Breslau) gingen gleich zwei Auszeichnungen. So erhielt Łukasz Budzik von der "Mennicza Fusion" den Titel Junges Talent. Katarzyna Daniłowicz vom "Olszewskiego 128" wurde zur Chefköchin des Jahres gekürt. Der gebürtige Breslauer Budzik realisiert im Restaurant des zentral gelegenen Luxushotels The Granary eine innovative Mischung aus den erlesensten Speisen der europäischen Küche und den Geschmäckern seiner Heimat Niederschlesien. In der Küche von Katarzyna Daniłowicz verbinden sich aus Sicht der Juroren frische Zutaten, professionelles Können sowie die nötigen Portion Leidenschaft und Experimentierfreude. Ernest Jagodziński hat den Titel "Chefkoch der Zukunft" in diesem Jahr in die großpolnische Hauptstadt Poznań (Posen) geholt. Er ist seit 2012 Chefkoch der "Cucina 88" im Hotel- und Appartementkomplex City Park Poznań. Kernidee seiner Philosophie ist die jahreszeitliche Küche verbunden mit Spontaneität und dem intensiven Austausch mit

seinen Feinschmeckergästen. Die "Cucina 88" ist eines von 13 Restaurants im ganzen Land, die mit drei Hauben ausgezeichnet wurden. Dazu gehören auch die ebenfalls in Poznań befindlichen "A Nóż Widelec" und "Muga". Drei Hauben gab es auch für die Warschauer Restaurants "Concept13", "La Rotisserie", "l'Enfant Terrible", "Nolita i Salto" sowie das "Aruana" im nahe gelegenen Serock. In Kraków (Krakau) gingen drei Hauben an die beiden Hotelrestaurants "Copernicus" und "Trzy Rybki", in der Ostseemetropole Gdańsk (Danzig) konnten die Restaurants "Mercato" und "Metamorfoza" diese verteidigen. Die polnisch- und englischsprachige Ausgabe des Gault&Millau für 2017 führt neben den 460 Restaurants auch 120 Hotels und 160 regionale Produkte im ganzen Land auf. Infos zum Restaurant Senses unter www.sensesrestaurant.pl, zum Atelier Amaro unter www.atelieramaro. pl. Allgemeine Informationen zum Reisen nach Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt, www.polen. travel


24  Kultur

Stettiner Museum ist Gebäude des Jahres Das neue Museum "Centrum Dialogu Przełomy" (Dialogzentrum Umbrüche) in Szczecin (Stettin) wurde kürzlich als "Gebäude des Jahres 2016" auf dem Welt-Architektur-Festival in Berlin ausgezeichnet. Der Bau des polnischen Architekten Robert Konieczny und seines Büros KWK Promes setzte sich zugleich in der Kategorie "Kultur" gegen starke Konkurrenten aus vielen Teilen der Welt durch.

Foto: Michał Wojtarowicz MNS

Foto: Michał Wojtarowicz MNS


Kultur 25

I

n die Endrunde in dieser Kategorie schafften es auch das neue Schlesische Museum in Katowice (Kattowitz), ein Entwurf des österreichischen Büros Riegler Riewe, sowie das Kulturzentrum Jordanki in Toruń (Thorn), das vom spanischen Architekten Fernando Menis entworfen wurde. Robert Konieczny war in der Endrunde des renommierten Architekturpreises auch mit zwei spektakulären Entwürfen in der Kategorie "Häuser" vertreten. Das Dialogzentrum, das sich als Außenstelle des Stettiner Nationalmuseums der jüngeren Geschichte der Stadt widmet, entstand am zentralen plac Solidarności. Sanft steigt dort der granitene Boden des Platzes an, um schließlich auf der anderen Seite die Eingangsfront des größtenteils unterirdisch gelegenen Museums freizugeben. Das Anfang 2016 eröffnete Zentrum ist in fünf Teile gegliedert. "Genese – Der Fremde unter seinesgleichen“ ist der erste Teil der Ausstellung überschrieben, der sich mit der Zeit nach 1945 befasst. Themen sind der fast vollständige Bevölkerungsaustausch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die Situation der Neuankömmlinge an der neuen deutsch-polnischen Grenze und die erste Zeit der Volksrepublik mit der Entwicklung der Stadt zum bedeutenden Werftstandort und der Propaganda der damaligen Zeit. "Dezember 1970/Januar 1971 – Die ungehörige Stadt“ ist der Titel des zweiten Ausstellungsteils, der sich den Streiks und politischen Protesten der damaligen Zeit widmet. "August 1980/Dezember 1981 – Der Weg in die Freiheit“ lautet das dritte Kapitel, das die Streiks der damaligen Zeit zum Thema hat. Diese führten zum Erstarken der Gewerkschaft Solidarność und zur Verhängung des Kriegsrechts. "August 1988/Juni 1989 – Anfang und Ende“ beleuchtet den Prozess der politischen Wende in Polen, an dessen Ende der Zusammenbruch des gesamten Systems der Warschauer Blockstaaten stand. Der fünfte Teil bietet Platz für wechselnde Ausstellungen. Gleich neben dem Dialogzentrum erhebt sich der markante Bau der neuen Stettiner Philharmonie, die bereits mit dem renommierten Mies-van-der-Rohe-Preis der Europäischen Union als bestes Bauwerk des Jahres 2015 ausgezeichnet worden war. Infos zu dem Museum unter www.przelomy.muzeum. szczecin.pl Allgemeine Informationen über Reisen nach Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt unter www.polen.travel


26  Kultur

Polen haben ihren eigenen Edeka-Opa! Vor knapp einem Jahr ging der rührende Werbespot von Edeka um die Welt. Nun versucht auf ähnliche Art und Weise die Auktionsplattform Kunden anzusprechen. Geht die Werbung auch viral?

A

llegro – die beliebteste Auktionsplattform in Polen hat einen rührenden Werbespot zu Weihnachten veröffentlicht. In knapp 3 Minuten wird eine Geschichte von einem älteren Mann, der unbedingt Englisch lernen will erzählt. Es ist gleichzeitig auch ein klares Statement, dass bestimmte Dinge und

alles was wir machen einem tieferen Zweck dienen.

QR-Code scannen und den Spot ansehen:

Wir beobachten den älteren Polen beim Lernen der neuen Sprache, grinsen und fragen uns, wozu macht er das eigentlich? Wozu diese Mühe? Die Antwort auf PolenJournal.de.

Europäischer Filmpreis: Toni Erdmann der große Gewinner Bei der Gala in Breslau gab es für polnische Filmemacher auch was zu feiern.

T

oni Erdmann von der Berliner Filmemacherin Maren Ade, gewann in allen fünf Kategorien in denen er nominiert wurde - bestes Drehbuch, bester Schauspieler, beste Schauspielerin, beste Regie und zum Schluss - bester Europäischer Film. Das Werk von Maren Ade wurde bereits vor der Ver-

leihung als eines der Favoriten gesehen, doch Preise wurden auch u.a. dem kämpferischen Sozialdrama von Ken Loach („Ich, Daniel Blake”) zugetraut. Posthum wurde der Verstorbene Star-Regisseur Andrzej Wajda geehrt. Wenn es einen gibt, der heute Abend schmerzlich vermisst wird, ist es Andrzej Wajda, sagte Akademie-Präsident Wim Wenders. Wajda der u.a. durch „Das Massaker von Katyn” oder „Pan Tadeusz” bekannt wurde, verstarb im Oktober im Alter von 90. Jahren. Ein bisschen Glamour und Hollywood war bei der Ehrung von Pierce Brosnan zu spüren. Der Ex-James-Bond-Darsteller wurde für seinen Beitrag zum Welt Kino geehrt. Einen Preis für sein Lebenswerk bekam außerdem der französische Drehbuchautor Jean-Claude Carrière. Als bester Animationsfilm wurde „Mein Leben als Zucchini (Ma vie de Courgette)” unter der Regie von Claude Barras gekrönt. In der Kategorie bester Kurzfilm gewann wiederum „9 Days – From My Window” in Aleppo. Die Jury wählte „Hymyilevä mies” von Juho Kuosmanen zum besten europäischen Spielfilmdebüt. Als bester Dokumentarfilm wurde wiederum „Seefeuer (Fuocoammare)” von Gianfranco Rosi geehrt. Polnische Preisträger gab es zwei - Malgorzata Szumowska bekam den Publikumspreis für „Body/Cialo” und Radoslaw Ochnio wurde für das beste Sounddesign für „11 Minuten (11 minut)” geehrt.

Maren Ade (Foto: 9EkieraM1 [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Die 29. Verleihung des Europäischen Filmpreises fand am 10. Dezember 2016 im Nationalen Forum für Musik in Breslau statt. Die Auszeichnungen, die bereits seit 1988 verliehen werden, werden auch als europäische Oscars bezeichnet.


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28  Wirtschaft

#WirKochen: Bigos Bigos ist ein traditionelles polnisches Gericht aus Sauerkraut und Fleisch. Aus historischen Gründen kann man es auch in Litauen, Weißrussland und in der Ukraine finden. Einige meinen, dass die Bezeichnung von dem deutschen Wort „begießen“ abgeleitet worden ist, andere hingegen sind der Meinung, dass der Ursprung in der lateinischen Sprache zu suchen ist. „Bi“ steht für „doppelt“ und „gos“ weißt auf das Wort „Geschmack“ hin. Diese zwei Geschmäcker sind Sauerkraut und frischer Weißkraut.

B

igos wird nicht um sonst als Nationalgericht der Polen bezeichnet – es wird zuerst im 15. Jahrhundert erwähnt, obwohl seine Geschichte bestimmt länger ist. Außerdem kommt Bigos auch in dem wichtigsten Buch der Polen vor – in „Pan Tadeusz“ von Adam Mickiewicz. Es gibt mehrere Möglichkeiten das Gericht vorzubereiten. Hier eine von #Wirkochen!

Zutaten:

Zubereitung

- 1,5 kg Sauerkraut

1. Die Pilze einen Tag vor der Zubereitung im Wasser

- 1,5 kg Weißkraut

2. Sauerkraut durchseihen. Weißkraut hacken, weich-

- 600 kg Schweineschulter-

3. Das Fleisch zusammen mit Nelkenpfeffer und einer

fleisch

einweichen.

kochen und danach auch durchseihen. gehackten Zwiebel braten.

- 600 kg Wurst

4. Die Wurst in Würfel schneiden und in einer Pfanne

- 200 ml Tomatenmark

5. Sauer-und Weißkraut in einen großen Topf geben,

braten.

- 100 g Waldpilze

Wurst, Lorbeerblätter und in Würfel geschnittenes Fleisch dazu geben. Dann mit den Pilzen und Tomatenmark vermischen und dünsten bis die Zutaten weich werden. Würzen mit Pfeffer und Salz. Das Gericht ist fertig.

- 1 Zwiebel

Guten Appetit!

- 3 Lorbeerblätter - 10 Stück Nelkenpfeffer,


Wirtschaft 29


30  Wirtschaft

Foto: Adam Rędzikowski (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Polens modernster Bahnhof eröffnet N

ach rund fünfjährigen Bauarbeiten wurde im zentralpolnischen Łódź (Lodsch) Polens modernster Bahnhof eröffnet. Die Station Łódź Fabryczna bildet einen zentralen Knotenpunkt im landesweiten Hochgeschwindigkeitsnetz. Zwar wird er erst nach der Fertigstellung des rund 500 Millionen Euro teuren innerstädtischen Schienentunnels zur westlich gelegenen Station Łódź Kaliska voll leistungsfähig. Doch bereits jetzt verkürzt sich die Fahrtzeit in die polnische Hauptstadt Warszawa von rund 110 auf 70 Minuten. Der neue Bahnhof entstand anstelle eines 1870 gebauten Kopfbahnhofs. Markantestes Element des dreigeschossigen Neubaus sind die oberirdischen Zugangshallen. Die geschwungene Form der transparenten Dächer erinnert einerseits

an historische Bahnhofsarchitektur, imitiert andererseits aber auch organische Formen. Die östliche Eingangshalle entstand als Replik des historischen Bahnhofsgebäudes, in dem nun eine Ladenpassage untergebracht ist. Die komplett verglaste Dachfläche im Mittelteil ermöglicht dem Sonnenlicht einen ungehinderten Zugang zu den 16 Meter tiefer gelegenen Bahnsteigen im zweiten Stockwerk. Die gesamte Anlage erforderte einen massiven Umbau der Umgebung. So wurden Straßen verlegt und komplett entfernt, unterirdische Parkmöglichkeiten geschaffen, der Busbahnhof neu gebaut und Straßenbahnhaltestellen erneuert. Łódź Fabryczna ist somit zum zentralen Verkehrsknotenpunkt der einstigen Textilmetropole avanciert. Der innerstädtische

Tunnel soll spätestens 2022 fertiggestellt sein. Für dieses Jahr hat sich Łódź als Ort für die Weltausstellung EXPO zum Thema Stadterneuerung beworben. Die Entscheidung darüber fällt im November 2017 auf der Generalversammlung des Internationalen Büros für Ausstellungen. QR-Code scannen und den Artikel auf PolenJournal.de lesen:


Tourismus 31

Besser mit der Bahn ins Hirschberger Schlösserland

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ie Bahnverbindungen zwischen Görlitz und der niederschlesischen Stadt Jelenia Góra (Hirschberg) werden mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 ausgebaut. Künftig gibt es täglich fünf Direktverbindungen in beide Richtungen. Damit sind auch die Ferienzentren im Riesengebirge sowie das Hirschberger Tal der Schlösser und Gärten besser mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Erst vor einem Jahr wurde die direkte Bahnverbindung zwischen Görlitz und Jelenia Góra aufgenommen. Bis dahin war für die Züge der niederschlesischen Gesellschaft Koleje Dolnośląskie in Zgorzelec am östlichen Neiße-Ufer Schluss. Mir einer Sondergenehmigung dürfen die Züge seitdem über die Neiße-Brücke weiter in den Grenzbahnhof Görlitz rollen. Nun kommen mit dem Fahrplanwechsel täglich zwei Direktverbindungen hinzu. Zudem können Fahrgäste in beide Richtungen eine weitere Verbindung mit kurzen Umsteigezeiten in Zgorzelec nützen. So gibt es tagsüber fast einen Zwei-Stunden-Takt. Die Fahrtzeit zwischen den beiden Kreisstädten beträgt gut anderthalb Stunden. Aufgrund kurzer Umsteigezeiten in Görlitz ist die Verbindung per Bahn auch für Urlauber interessant, die aus dem Raum Berlin oder Dresden nach Jelenia Góra, in den Kurort Cieplice (Bad Warmbrunn), ins Hirschberger Tal oder ins Riesengebirge reisen möchten. In Jelenia Góra gibt es gute Anschlussverbindungen in den Ferienort Szklarska Poręba (Schreiberhau). Die Schlosshotels im Hirschberger Tal holen ihre Gäste auf Wunsch auch am Bahnhof in Jelenia Góra ab. Weitere Informationen zum Hirschberger Tal der Schlösser und Gärten unter www.talderschloesser.de

Foto: Südstädter (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons Anzeige


32  Wissenschaft & Technologie

Ein Elektrofilter aus Schlesien könnte Polens Smog-Problem lösen Heizen mit Kohle kann auch Öko sein: Elektrofilter die auf der Schlesischen Technischen Universität entworfen wurden, können die Verschmutzung bis zu 90% reduzieren.

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r sieht wie ein ganz bescheidenes Rohr aus und ist knapp ein Meter hoch - doch nach Angaben des Entwicklers könnte er eins der größten Probleme Polens lösen. Er ist zwar unauffällig, aber er kann die Luftschadstoffemission nach der Emissionsquelle um 50% bis auf 90% reduzieren - sagte gegenüber Rzeczpospolita, Dr Robert Kubica, der Entwickler des Elektrofilters. Der Brennstoff selbst ist nicht das Problem. Die Verbrennungstechnik ist hier wichtig - erklärt Kubica. Die Luftverschmutzung ist eines der größten Probleme Polens. Vor allem schlesische Gemeinden und Bewohner sind ihrer Wirkungen ausgesetzt. Seit Ende der 90er sind IndustrieAnzeige

werke (z.B. Kokereien und Industriehütten) nicht mehr die größten Umweltsünder, sondern Haushalte mit veralteten Kohlekesseln, in dem fast alles verbrannt wird. Die städtischen Selbstverwaltungen investieren hunderte von Millionen Zloty in Themomodernisierung, fördern den Austausch der alten auf neue Öko-Heizkessel, doch es ist immer noch zu wenig. Der Elektrofilter erscheint hier als eine gute und vor allem billigere Alternative. Zusätzlich lässt er sich leicht montieren und ist mit einer Selbstreinigungsanlage ausgestattet. Bislang wurden ähnliche Geräte für Heizungsräume entwickelt. Der Elektrofilter der Technischen Uni-

versität wird wiederum an Schornsteinen angebracht und ist für die Besitzer von Kaminen und Kachelöfen vorgesehen. Für den Markt ist der Elektrofilter ein langersehntes Produkt. In Polen gibt es 3,5 Mio. Kohlekessel, so ist der Bedarf und ein potenzieller Absatzmarkt groß - sagte der Geschäftsführer von Grupa CZH - Adam Gorszanów, gegenüber Rzeczpospolita. Die ersten Gemeinden haben sich bereits jetzt bereit erklärt, den Elektrofilter zu testen. Für die Testphase sind 50 Geräte vorgesehen. Wenn alles nach Plan läuft wird eine Serienproduktion aufgenommen.


Wissenschaft & Technologie  33

Der polnische Ferrari kommt angefahren Arrinera HussaryaGT - der erste Rennwagen, der von den Polen in Polen gebaut wurde ist fertig. Der Preis liegt bei etwa 229 Tsd. US-Dollar.

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rei Tage lang wurden in Warschau zwei neue Exemplare des polnischen Supersportwagens Arrinera HussaryaGT präsentiert. Eine weitere wichtige Etappe haben die Gründer von Arrinera hinter sich. Das Fahrzeug hat alle erforderlichen Tests bestanden. Nun kann ein fertiges Produkt auf den Sportwagenmarkt kommen. Laut Angaben des Produzenten kann man das polnische Super-Auto bereits bestellen. Ende 2017 soll noch zusätzlich ein Track-Day-Modell mit Straßenzulassung vorgestellt werden. Später wollen sich die Autobauer einem luxuriösen Superauto zuwenden. Das Unternehmen Arrinera S.A wurde von zwei Brüdern - Łukasz i Marek Tomkiewicz im Jahr 2008 gegründet. Zuerst erforschte man den Markt, später kam die Idee ein erstes Sportauto in Polen zu bauen. Benannt nach der schweren polnischen Kavallerie Hussaria präsentierte man stolz 2011 einen ersten Prototyp. Danach kamen weitere Testmodelle bis schließlich im Januar 2016 der erste Supersportwagen auf der Internationalen Motorsportmesse in Birmingham öffentlich präsentiert wurde. Ein halbes Jahr später nahm Arrinera HussaryaGT als erstes polnisches Auto überhaupt am Goodwood Festival of Speed in der Kategorie Supersportwagen teil. Die polnische Rennmaschine wurde mit einem von GM stammenden 7-Liter-V8-Motor der Serie LS7 ausgestattet. Mit rund 505 PS ist HussaryaGT ein echter Renner. Dabei wiegt der Rennwagen nur 1250 Kilogramm. Der Basispreis liegt zwar bei 229 Tsd. US-Dollar, doch mit dem obligatorischen Ersatzteil-Paket muss man noch weitere 69 Tsd. Dollar drauflegen. QR-Code scannen und das Video auf PolenJournal.de sehen:

Fotos: arrinera.com


34  Wissenschaft & Technologie

Englischkenntnisse der Polen auf einem hohen Niveau Wie aus dem neuesten EF EPI Rapport hervorgeht, befindet sich Polen unter der Top 10 der Nationen mit den besten Englischkenntnissen. Die Untersuchung der 72 Länder ergab, dass die Sprachkenntnisse mit der Höhe des Lebensstandards, des Einkommens und den Innovationen in Zusammenhang steht.

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er diesjährige EF Englisch Proficiency Index wurde schon zum sechsten Mal ermittelt. Diesmal nahmen an der Untersuchung 950 000 Erwachsene aus 72 Ländern teil. Polen hat den 10. Platz eingenommen und befindet sich somit hinter den skandinavischen Ländern, Singapur, Luxemburg, Deutschland, Österreich und den erstplatzierten Niederlanden. Die Staaten mit den schwächsten Englischkenntnissen hingegen sind der Irak, Laos und Libyen. Englische Sprache in Polen und auf der Welt Die besten Englischkenntnisse besitzen die Europäer, während Nordafrika und der Mittlere Osten die letzten Plätze des Rankings belegen. Die Staaten mit den größten Fortschritten sind Frankreich, Katar und Singapur. Im Irak, Japan und Peru ging die sprachliche Kompetenz zurück. Wer spricht am besten? Die Gruppe, die die besten Englischkenntnisse besitzt, sind die 18-25-Jährigen, obwohl dies auch von Land zu Land variiert. In fast allen Staaten sprechen Frauen besser Englisch als Männer. Die Kenntnis der englischen Sprache ist immer noch der wichtigste wirtschaftliche Konkurrenzfaktor sowohl auf individuellem als auch nationalem Niveau. Die bessere Sprachkenntnisse sind mit höheren Einkommen, höheren Lebensniveau, besserer Kommunikation und dynamischer Arbeitsumgebung verbunden. Polen ist immer noch unter den Staaten mit den besten Sprachkenntnissen des Englischen, aber im Vergleich zum Vorjahr ist man um einen Platz nach unten gerutscht. Innerhalb von zwei Jahren ist Polen von Platz 6 auf 4 gefallen. „Wenn

Polen weiterhin ein hohes Sprachniveau behalten möchte, sollte man sich ein Beispiel von den skandinavischen Ländern nehmen, welche laut den EF EPI Nachforschungen seit Jahren erste Positionen belegen. Dort wird im Vergleich zum polnischen Schulsystem, vor allen auf die kommunikativen Fähigkeiten gesetzt. Das Erlernen der Grammatik steht nicht im Mittelpunkt, wie es in Polen der Fall ist. Die englische Sprache begleitet die Skandinavier Tag täglich, das beste Beispiel dafür sind Filme; sie besitzen nämlich kein Dubbing sondern Untertitel.

Diese Lösung ermöglicht sich an die Sprache seit den jüngsten Jahren zu gewöhnen und die Sprachfähigkeiten zu verbessern“ - erklärt die aus Schweden stammende EF Education First Sales Managerin, Madeleine Celander. In Polen lernt man im Schnitt 12 Jahre lang Englisch. Die besten Sprachkompetenzen besitzen die 18bis 30-Jährigen in Breslau. Business English Die englische Sprache wird zunehmend zu einer Basiskompetenz wie Lesen, Schreiben oder Mathekenntnisse. Das was vor Jahren noch ein Privileg des Adelstandes war, ist heute eine der Grundlagen der Informationsgesellschaft. Für viele bedeutet die Kenntnis der englischen Sprache neue Entwicklungsmöglichkeiten, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und Selbstentwicklung.

Was zeichnet die Staaten mit besseren Englischkompetenz aus? Vor allem fordern sie ihre Forschung im Bereich der neuen Technologien und besitzen eine hohe Zahl an Ingenieuren und Wissenschaftlern. Diese Länder zeichnet auch ein reger Wissensaustausch aus. Viele internationale Unternehmen wie Renault oder Samsung haben Englisch als ihre Arbeitssprache eingeführt. Englisch ist auch eine wichtige Sprache im Internet – die 10 wichtigsten Programmiersprachen sind auf der Basis des Englischen aufgebaut. Was für Faktoren bedingen diese Unterschiede? Der EF EPI for Companies Repport - der eine globale Evaluierung sprachlicher Kompetenzen der Arbeitnehmer angibt zeigt, dass Personen auf hohen Posten Andere, in Hinsicht auf die Sprachkenntnisse des Englischen, überholen. Die detaillierten Ergebnisse in den einzelnen Ländern unterscheiden sich in Bezug auf solche Indikatoren wie globale Innovation, Transparenz der Regierung und Führung einer Wirtschaftstätigkeit. „Die Kenntnis der englischen Sprache ist in der instabilen Weltwirtschaftslage eine der wenigen Fähigkeiten mit bewährter Fertigkeit zu Generierung neuer Chancen und Stärkung der Beschäftigung. Das Führen einer Firma oder eines Landes erfordert viel Anstrengung und viele Investitionen, wenn wir in Zukunft Arbeiter mit guten Englischfertigkeiten haben wollen. EF EPI thematisiert diese Probleme und fordert eine globale Diskussion im Bereich der besten Methoden wenn es um die Spracherlernung geht“ - fast Piotr Majdan Country Manager der Education First in Polen zusammen.


Meinung 35

Polen: Aktuelle Sorgen, langfristige Vorteile Zum Autor: Witold M. Orłowski ist Wirtschaftswissenschaftler und Rektor an der Vistula University

I

n seiner wirtschaftlichen Geschichte der letzten 25 Jahre hat Polen verschiedene Zeiten erlebt. Bessere und schlechtere, mit schnellerem und langsamerem Wachstum, mit besserem und schlechterem Image bei weltweiten Investoren. Es gab mehrjährige Wachstumszeiten mit einem jährlichen BIP-Wachstum von 6 bis 7 Prozent und es gab auch Perioden mit einem wesentlich langsameren Wachstum von nur 3 bis 4 Prozent im Jahr. Es gab Zeiten, da rangierte Polen ganz oben unter den begehrtesten Investitionsstandorten in Europa, um Längen vor Russland, Frankreich und Spanien. Es gab aber auch Zeiten, da entschieden sich Investoren eher für das viel kleinere Tschechien als für Polen. Zurzeit hat sich Polens Entwicklung etwas abgeschwächt. Das Wirtschaftswachstum oszilliert um die 3 Prozent und die Investoren beäugen das Land zurückhaltend in ihrer Überzeugung, dass es in Mittelosteuropa auch andere gute Orte für neue Fabriken und Entwicklungszentren gibt. Auf den Märkten herrscht eine beträchtliche Ungewissheit, die Ratingagenturen sehen sich den polnischen Staatshaushalt aufmerksam an. Innenpolitisch gibt es viel Durcheinander, was den Investoren stets missfällt. Kurzum: Es hat bessere Tage gegeben... Aber wir sollten auch nicht übertreiben.. Erstens hängen die Probleme, mit denen die polnische Wirtschaft heute konfrontiert wird, vor allem mit der weltweiten Unsicherheit zusammen und nicht mit irgendwelchen besonders schlechten Nachrichten aus dem Inland. Die polnische Wirtschaft ist heute so stark in die europäische und die Weltwirtschaft integriert,

dass sie auf jede Verschlechterung der globalen Stimmungslage sofort reagiert. Wenn der Złoty gegenüber dem US-Dollar schwächer wird, dann geschieht dies aufgrund der Ungewissheit über die Politik, die der neue Präsident der USA betreiben wird. Wenn das Tempo des BIP-Wachstums relativ gering ist, so liegt die Hauptursache für gewöhnlich in der schwächer gewordenen Wirtschaftsleistung Westeuropas. Zweitens hat Polen noch immer ein enormes Entwicklungspotenzial. In den beiden vergangenen Jahrzehnten war es die sich am schnellsten entwickelnde Volkswirtschaft in Europa, die seit Beginn der 1990er Jahre nicht einmal ein Quartal mit sinkendem BIP erlebt hat – nicht einmal beim Ausbruch der globalen Finanzkrise, als der gesamte Rest Europas in eine tiefe Rezession fiel. Ein BIP-Wachstum von ca. 3 Prozent, das für 2017 erwartet wird, kann im Rückblick auf die Leistungen der Vergangenheit zwar nicht beeindrucken, für die europäischen Verhältnisse aber ist dieses Wachstum durchaus solide. Drittens hat Polen nach wie vor eine starke Konkurrenzstellung inne. Als Mitglied der Europäischen Union hat es den vollen Zugang zum gesamten europäischen Markt und bietet den Investoren dabei gut ausgebildete Arbeitskräfte für ein Viertel des Verdienstes in Deutschland an. Der relativ schwache Złoty macht diesen Konkurrenzvorsprung nur noch größer. Viertens kann Polen nicht nur mit den Arbeitskosten, sondern auch mit der Arbeitsqualität konkurrieren. Das Land investiert intensiv in sein menschliches Kapital und ist dabei bemüht, das Potenzial an In-

novationskraft und Unternehmergeist seiner Bürger voll und ganz zu nutzen. Es bemüht sich darum, inländische Firmen und die Zusammenarbeit zwischen der Geschäftswelt und dem mittlerweile ganz passabel entwickelten Wissenschaftssektor zu fördern, wobei es allerdings ständig sein Wohlwollen gegenüber ausländischen Investoren bekundet. Fünftens nehmen sich Polens Finanzen recht solide aus. Das Land hat einen Handelsüberschuss und eine leicht defizitäre Leistungsbilanz. Das Haushaltsdefizit bleibt in dem im Maastrichter Vertrag festgesetzten Rahmen und die öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP ist deutlich geringer als in den meisten Ländern Europas. Die Währung bleibt trotz globaler Schwankungen relativ stabil und es gibt auch keine Spuren von Inflation. Sechstens sind die Investitionsvoraussetzungen nicht schlecht. Obwohl wir alle gern über Bürokratie klagen, befindet sich Polen in einem von der Weltbank geführten Ranking, das die geschäftlichen Voraussetzungen definiert, auf dem 24. Platz in der Welt, ganz deutlich über dem EU-weiten Durchschnitt. Deutschland liegt in diesem Ranking auf Platz 17, Tschechien, Ungarn und Slowakei weit hinter Polen, Spanien auf Rang 32, Russland auf dem 40. und China auf dem 78 Platz. Kurzum, es ist gar nicht so schlecht um Polen bestellt. Die Politik mag natürlich immer eine Quelle von Irritationen sein, aber diese bleiben meist nur zeitweilig. Polen verfügt über hervorragende Entwicklungsstärken und hat gute Entwicklungsaussichten. Das ist es, was die Investoren zuallererst im Blick haben dürften.


36  Meinung

#Leserpost: Wie sich mein Leben unter PiS veränderte Das Ende des Jahres ist ein guter Zeitpunkt, um ein Resümee über die Regierung zu ziehen. Was hat sich in Polen für einen durchschnittlichen Bürger geändert? Ist es wirklich so schlimm, wie es dargestellt wird?

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ines muss ich ganz klar am Anfang klarstellen - ich habe weder für PiS noch für die Bürgerplattform bei den Wahlen 2015 gestimmt. Eine Stimme habe ich abgegeben, aber ich bin wohl einer der wenigen, die nicht gegen eine Partei stimmte, sondern für Veränderungen oder eine andere Generation. Abgesehen davon beobachte ich das politische Geschehen in Polen mit großem Interesse. Schließlich hat das Handeln der PiS-Regierung einen direkten Einfluss auf mein Leben, oder? Neulich machte ich mir Gedanken darüber, was hat sich eigentlich für mich nach dem Sieg von Recht und Gerechtigkeit also der Partei von Jaroslaw Kaczynski verändert hat. Ich musste fest stellen - (noch) nichts. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Regierung auf seinen Lorbeeren ausruht. Im Gegenteil - das Tempo in dem neue Gesetze verabschiedet werden ist erschreckend schnell. Fast zu schnell. Guido Vreuls schrieb in seinem Kommentar, dass dieses Tempo für Unruhe unter den Geschäftsleuten sorgt. Nun ja, unter normalen, durchschnittlichen Bürgern auch. Die zwei Amtszeiten der PiS-Vorgänger haben die Bürger daran gewöhnt, dass das Parlament eher wenig tut. Oder wenn schon, dann kommen Umbrüche nicht unerwartet. Man muss aber auch feststellen, dass die Kaczynski-Partei nicht ohne Grund an die Macht gekommen ist. Die acht Jahre unter Tusk und später Ewa Kopacz waren überschattet von Affären und Skandalen. Es musste sich was verändern und so ist es auch gekommen. Manche behaupten, dass PiS sich die Wählergunst mit dem Kindergeld

und der Senkung des Rentenalters kaufte. Meiner Meinung nach musste sich bei den Sozialleistungen etwas ändern. Doch der Weg den Kaczynski und Co. gegangen sind, war nicht der richtige. Fast ein unmoralisches Angebot sind jene 500 Zloty, die man für jedes zweite und weitere Kind beantragen kann. Kein Wunder, dass viele Mütter ihren Job kündigen und sich der Familie widmen wollen. Grund? Niedrige Löhne und Verdienste. Bei Kinderreichtum lohnt es sich

einer durchschnittlichen Familie, zumindest einem Elternteil zu Hause zu bleiben. Für mich als durchschnittlichen, kinderlosen Bürger änderte sich durch das Kindergeld - nichts. Entgegen der globalen Trends senkte das Kabinett von Beata Szydlo das Rentenalter. Besser gesagt, stellte die alte Altersgrenze zurück, die von Tusk und Co. gegen den Willen der Bürger angehoben wurde. Doch auch die Unzufriedenen müssen einsehen - relativ niedrige Geburtenraten, der Fachkräftemangel der sich bemerkbar macht sind nur einige gute Gründe, die Leute zu bitten länger zu arbeiten. Für mich persönlich bedeutet dieser Beschluss rein gar nichts. Ich bin noch zu jung um mich damit zu befassen und bis es soweit ist wird in Polen wahrscheinlich nicht bis 67, sondern 70 oder mehr gearbeitet.

Wenn wir schon beim Thema Arbeit sind. Der Mindestlohn steigt ja ab 2017 auf 2.000 Zloty monatlich. Und wieder - zu spüren bekommt dies ein durchschnittlicher Bürger wie ich es kaum. Ein paar hundert Zloty mehr auf dem Gehaltszettel und schon hat man das Gefühl, dass nur andere davon profitieren. Hoffnungen legte man auf die Anhebung des Steuerfreibetrags. Tatsächlich hat die Regierung dies durchgebracht, doch erneut - für einen Durchschnittsbürger ändert sich in dieser Hinsicht nichts. Fakt ist, dass Polen einen der niedrigsten Steuerfreibeträge in Europa hat. Es musste sich etwas bewegen, doch die Regierung spielte Robin Hood - mehr versteuern müssen Reiche, weniger die Armen. Und die dazwischen? Für die ändert sich erneut - nichts. Ein heikles Thema ist immer wieder die Pressefreiheit in Polen. Die öffentlichen Medien sollten grundsätzlich immer objektiv und neutral bleiben. In Polen haben wir jedoch mit einer Situation zu tun, in der sich diese zum Spielplatz der Regierung entwickelt haben. Obwohl ich den Versuch, die Medienarbeit im Sejm zu ordnen eher kritisch beurteile, würde ich nicht behaupten, dass hier in Polen die Pressefreiheit eingeschränkt wird. Ich würde mir aber trotzdem wünschen, dass die öffentlichen Medien ihre neutrale Rolle wieder zurückgewinnen, schließlich zahle ich und jeder durchschnittliche Bürger eine Rundfunkgebühr. Eine Alternative wäre für mich, die Idee aufzugreifen, die in der Schweiz vor kurzem diskutiert wurde - die öffentlichen Medien zu privatisieren. Hier müsste man eine klare Linie durchziehen - die vierte Macht sollte weder der Opposition noch der Regierung unterlegen sein.


Meinung 37 Ausführlich berichtet die ausländische Presse über die Krise im Verfassungsgerichtshof. Wenn man mit den Leuten spricht, vor allem mit der jungen Generation, hat man das Gefühl, dass diese verärgert ist, durch das ewige hin und her in diesem Streit. Schließlich dauert der Pat schon eine Weile und so richtig hat sich nichts außer dem Präsidenten des Gerichtshofs verändert. Trotzdem ist es für mich, den Durchschnittsbürger traurig, dass die einzigen die noch um ein unabhängiges Verfassungstribunal kämpfen, die EU-Kommissare sind. Meiner Meinung nach verstehen die Bürger die Rolle dieser Institution nicht und sehen sie im Moment als Gegenstand einer politischen Auseinandersetzung. Dabei ist der Verfassungsgerichtshof die letzte Instanz, die Einfluss auf Veränderungen, die grundsätzlich schlecht für die Bürger sind, nehmen und von ihnen bewahren kann. Durch die Lähmung

des Tribunals hat sich die Denkweise verändert, leider war es eine Wende zum Schlechteren. Nur wenig wird dagegen im Ausland darüber berichtet, was die Regierung für die Unternehmer und für die Wirtschaft tut und tun will. Ich habe das Gefühl, dass die Machthaber gemerkt haben, dass der einzige Weg ihre Pläne zu finanzieren, die Förderung der Wirtschaft ist. Wir hören von Elektroautos, von der Businessverfassung, von Erleichterungen in Sachen Steuern oder Verwaltungsprozessen und der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit 25 Jahren. Ich weiß nicht ob die Schlange im Arbeitsamt kürzer ist oder auch nicht, aber alles andere bekam ich noch nicht zu spüren. Für mich änderte sich also mal wieder - nichts. In dieser Hinsicht ist die Lage hierzulande kurios. Eigentlich sollte

sich so viel verändern. Wahlversprechen, Pläne usw. Doch wie man sieht änderten sich für einen durchschnittlichen Polen nur die Gesichter im Regierungskabinett und dem Sejm. Überhaupt haben wir Polen ein politisches Problem, denn unsere Politiker sind wie Fahnen - dreht sich der Wind, dreht sich die Fahne. Stabilität - Fehlanzeige. Ob PO, PiS oder andere - ich habe das Gefühl, dass allen eine Zukunftsvision, ein weit ausgreifender Plan, der über eine Legislaturperiode reicht, fehlt. So kann sich nichts verändern und so wird sich auch nichts verändern, nicht für einen durchschnittlichen Bürger, für niemanden. Das bedeutet aber lange nicht, dass man in Ruhe warten kann bis dann endlich die Wende kommt. Dann kann es schon zu spät sein. Denn wer sagt, dass es eine #DobraZmiana (dt. #GuteVeränderung) wird?

Die von den einzelnen Autoren veröffentlichten Texte und Artikel geben nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion macht sich die Ansichten der Autoren nur insoweit zu eigen oder teilt diese, als dies ausdrücklich bei dem jeweiligen Text geltend gemacht ist.

#Leserpost Schreiben Sie gerne? Interes-

sieren Sie sich für Polen? Dann sind Sie bei uns genau richtig! Wir heißen alle herzlich willkommen, die sich zum Thema

polnischer Wirtschaft, Politik, Kultur, Sport oder Tourismus äußern wollen.

ZÖGERN SIE NICHT, TRAUEN SIE SICH UND SCHICKEN SIE UNS IHREN TEXT! redaktion@polenjournal.de


38  Interview

#Klartext: Interview mit Georg Smuda

„Es war ein Volltreffer” Auf 48,5 Milliarden Euro beliefen sich im Jahr 2015 die polnischen Exporte nach Deutschland und die Importe aus diesem Land auf 40 Milliarden Euro! Damit hat der gesamte Handelsumsatz zwischen den beiden Ländern ein Rekordniveau von 88,5 Milliarden Euro erreicht! Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum lag der Gesamtwert der polnischen Exporte in die USA bei nur 5 Milliarden Euro. Diese Daten wirken im Unterbewussten nach und wir haben sie in unserem Gespräch mit Georg Smuda, Inhaber der Firma Smuda Consulting, analysiert. D ie angeführten Zahlen bestätigen, dass die Entscheidung, die Sie 2006 gemeinsam mit Ihrer Gattin Kornelia getroffen haben, die Firma Smuda Consulting zu gründen, um polnische Kleinund Mittelunternehmen in Deutschland sowie deutsche Firmen in Polen zu unterstützen, offenbar richtig war. Deutschland bleibt für Polen seit den frühen 1990er-Jahren der größte Handelspartner und Polen rangiert auf dem hohen siebten Platz unter den größten Handelspartnern der Bundesrepublik. Ich war mir u.a. aufgrund dieser Erkenntnis im Klaren, was ich tat und was ich erreichen wollte. Und ich kann heute aus Sicht der vergangenen zehn Jahre sagen: Es war ein Volltreffer! Dies umso mehr, als die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland sich in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren meines Erachtens zum dynamischsten Punkt auf der wirtschaftlichen Landkarte Europas entwickeln werden, natürlich wenn nicht irgendwelche bösen Geister sie dann gewaltsam zerstören wollen. Ich stütze meine Prognose darauf, dass in der letzten Zeit ein stark zunehmendes Interesse deutscher Firmen an Kooperationen mit polnischen Subunternehmen erkennbar geworden ist. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die deutsche Wirtschaft ein hohes Tempo erreicht hat und in Deutschland inzwischen ein Defizit an Fachunternehmen herrscht.

Ihre Firma hat das auch in die andere Richtung genutzt, indem sie auch Erwartungen polnischer Unternehmer erfüllt, die auf dem deutschen Markt präsent sein wollen. Das stimmt. Und wir haben, um polnischen Unternehmen entgegenzukommen, die Aufträge in Deutschland ausführen, ein

umfassendes Spektrum an Dienstleistungen konzipiert bezüglich der Vorbereitung aller notwendigen Papiere und Unterlagen, die es ermöglichen, mit Arbeiten in Deutschland zu beginnen. Auch ihnen stehen wir zur Verfügung und unterstützen sie bei der Abwicklung von Projekten innerhalb der Bundesrepublik Deutschland. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass polnische Firmen jetzt zunehmend selbstbewusst auch Großprojekte in Deutschland übernehmen, beispielsweise den Bau von

großen Industrieanlagen. Hierbei ist die Dauer der Arbeiten natürlich viel länger. In manchen Fällen müssen diese Firmen – nicht in Polen, sondern in Deutschland! – zum Beispiel die Einkommenssteuer für ihre Mitarbeiter und die Körperschaftssteuer der Firma zahlen oder Sozialversicherungsbeiträge für ihre Mitarbeiter abführen. Auch für solche Fälle und diese Bereiche haben wir ganz konkrete Lösungen parat: Wir helfen unter anderem bei der Verrechnung der Löhne von Arbeitnehmern, die nach Deutschland entsandt werden, und wenn das A1 für Arbeitnehmer fehlt, berechnen wir die Sozialbeiträge und führen diese an Sozialkassen in der Bundesrepublik ab. Wir beobachten derzeit verstärkte Bewegungen polnischer Firmen in Deutschland. Bedeutet dies, dass hiesige Unternehmer zumindest die Grundregeln, nach denen sich der deutsche Markt richtet, verstanden haben? Leider nicht. Ein krasses Beispiel ist die Urlaubskasse SOKA-BAU. Es ist eine Institution, in der auch polnische Baufirmen ihre Mitarbeiter anmelden können. Soka-Bau ist auch diejenige Institution in Deutschland, der die Kontrolle der Mindestentlohnung von Arbeitnehmern in dieser Branche obliegt. Der aktuelle Mindestlohn gilt natürlich auch für polnische Unternehmen, die in Deutschland tätig sind, und wir helfen ihnen umfassend auch in diesem Bereich. Unsere Unterstützung ist hierbei


Interview 39 umso wichtiger, als viele polnische Firmen diese Regeln nicht beachten, und das, so muss ich mit Bedauern feststellen, endet immer öfter in riesigen Geldstrafen, die nicht selten zum finanziellen Ruin der betroffenen Unternehmen führen! Dennoch ist nicht zu übersehen, dass Firmen aus Polen sich zunehmend sicher auf dem – außerordentlich herausfordernden – deutschen Markt bewegen und gewinnen dort immer häufiger öffentliche Ausschreibungen. Und von hier ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Gründung eines eigenen Unternehmens in Deutschland. Genau – auch hier ist die Firma Smuda Consulting überaus hilfreich und in manchen Fällen

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sogar unentbehrlich, indem sie polnischen Unternehmen in diesem Prozess hilft. Wie sieht das in der Praxis aus? Beginnen wir damit, dass dies vor allem deshalb so ist, weil wir eine genaue Kenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge in Deutschland und der für Deutschland spezifischen Marktbedingungen erworben haben. Mit dieser Grundlage können wir Unternehmen bei allen Aspekten in Verbindung mit der Gründung einer Firma sowie bei deren umfassender Betreuung professionell unterstützen. Natürlich helfen wir bei der Gründung von großen GmbHs, aber auch – was uns ganz besonders am Herzen liegt – bei der Gründung

kleiner Gewerbefirmen, die, wie wir in den letzten Jahren beobachtet haben, es immer wieder schaffen, sich in Deutschland in kurzer Zeit eine sehr starke und stabile Position zu erarbeiten. Aber auch deutsche, österreichische und Schweizer Investoren werden von uns nicht vernachlässigt und sie eröffnen zunehmend gern ihre Unternehmen in Polen. Für sie haben wir ebenfalls umfassende Lösungen vorbereitet, ähnlich denen, die wir polnischen Firmen in Deutschland anbieten. Und in der nächsten Zeit wollen wir unseren Service für Firmen/Investoren aus den deutschsprachigen Ländern noch um weitere interessante Punkte erweitern!


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