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Polenjournal.de (#4/2018)

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woiwodschaft schlesien  1


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woiwodschaft schlesien  3

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4  im heft

#Stories 6 “Made in Poland” ist “in” 12 Das schlesische Limonaden-Geschäft 18 Polnischer Cider 20 Die süßesten Kühe der Welt 24 Gesichter der Volksrepublik Polen 30 Warschau im Neonlicht 38 Pinball-Museum in Krakau – der perfekte Ort um Spaß zu haben 42 Harry Potter und der Wawel-Drache 50 Der Hexer und seine Welt 64 Łęczyca - die Stadt, wo der Teufel zu Hause ist 68 Kloster Wiese-Pauliner 72 Pyramide in Rapa - Fakten und Mythen 78 In Szczebrzeszyn tönt der Käfer im Schilfrohr

"Made in Poland" ist "In" Viele einheimische Produkte bleiben in Sache Qualität nicht hinter den ausländischen, manchmal übertreffen sie sie sogar. Die sogenannte ,Mode auf das Polnische’ zwang in gewissem Maße die Produzenten, die Qualität der Produkte zu verbessern. - joanna Ziembińska-uzar kupujepolskieprodukty.pl S. 6

84 Lidzbark Warmiński - die Perle Ermlands 86 Zu Besuch in polnischen Venedig 88 Zalipie - ein traumhaft malerisches Dorf 92 Industrielle Sehenswürdigkeiten in Polen 98 Wie schmeckt der polnische Glühwein? 100 #WirKochen: Germknödel

The Witcher und seine Welt Seitdem Netflix die Entstehung einer Serie auf der Basis der HexerSaga von Andrzej Sapkowski angekündigt hat, sorgt die Frage, wie sie aussehen soll, für viel Wirbel unter den Fans des weißhaarigen Monsterjägers. Neben der Hautfarbe der Schauspieler, Geschlecht der Schöpfer und vermeintlicher Historizität des Universums, greifen die Diskutierende nach den Argumenten über “das Slavische” in der von Sapkowski kreierten Welt. Doch ist es überhaupt ein Thema? S. 50


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Polnischer Cider 2013 als der Cider in Polen in Mode kam, wurde dem Getränk ein spektakulärer Erfolg vorausgesagt. Viele glaubten, dass der Trunk gar zur Nationalspezialität wird. Heute ist wiederum die Rede von nachlassender Produktion und Verkauf. Warum ist es so gekommen? Welche Zukunft erwartet den polnischen Cider? S. 18

Die süßesten Kühe der Welt Die Bewohner Polens naschen diese Süßigkeit schon seit Jahren, und Menschen aus dem Ausland überzeugen sich zu dem sich ziehendem Bonbon immer schneller. Die Rede ist natürlich von der polnischen Leckerei, Krówki, die jeder probieren sollte. S. 20

Warschau im Neonlicht

Pinball-Museum in Krakau – der perfekte Ort um Spaß zu haben Funkelnde Lichter, charakteristischer Klang der Kugel, die von den Flipperhebeln geschossen wird, und riesiger Spaß. Das kann man nur im Interaktiven Pinball-Museum in Krakau erleben. Besucher begeben sich hier auf eine nostalgische Zeitreise. Ältere werden sich bestimmt an ihre Kindheit erinnern und Jüngere bekommen eine neue Art von spielerischen Emotionen geliefert, die man kaum vor dem PC oder der Konsole erleben kann. S.38

Die Geschichte der neonanlagen kann man in Kamionek ergründen - einen Teil des Bezirks Praga Wschodnia. Dort finden wir das Neonmuseum - eine der besten “Instagram-Locations” der Stadt. S. 30

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6  #Stories

“Made in Poland” ist “in”

von Emanuela Janda Einkaufen - für einige die größte Freude, für andere der schrecklichste Albtraum und die schlimmste Pflicht, die sie nur allzu gerne loswerden würden. In den Geschäften herrscht nicht selten Gedränge, von der Farbenvielfalt kann einem schwindlig werden. Der Alltag eben. man hat sich daran gewöhnt. Wofür sollte man sich entscheiden? Die Produkte kommen ein nach dem anderen in den Einkaufskorb. “Produziert in Polen”, heißt es auf der Verpackung. Umso besser, das nehmen wir. Letzte Haltestelle die Kasse. Wir bezahlen und gehen raus.

Foto: Agnieszka Werecha-Osińska

Abenteuer in sicht! Es geht aber auch anders. “Ich kann nicht, normal’ einkaufen”, gibt Justyna Ziembińska-Uzar, die seit sechs Jahren den Blog Ku-

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puję Polskie Produkty führt, zu. Dort stellt sie nicht nur polnische Unternehmen vor, sondern gibt auch zahlreiche Ratschläge für alle Interessierte. “Vielleicht klingt es ein wenig humoristisch, aber jeder Besuch in einem Laden ist für mich ein großes Abenteuer. Das Entde-

cken neuer polnischer Produkte und die Möglichkeit, neue Funde mit meinen Lesern zu teilen, macht mir viel Spaß. Ich bleibe sehr oft an Regalen stehen, sehe mir die Etiketten an, mache Fotos und Notizen im Smartphone. Ich denke, dass ich ein ziemlich gutes


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Auge habe. Ich kenne mich so gut z.B. mit Lebensmitteln, Kosmetika und Chemieprodukten aus, dass ich gleich die Neuheiten erkenne”. Wie sich herausstellt, gibt es mehrere solcher Menschen.

Konsumenten und Patrioten “Made in Poland” macht eine immer größere Karriere unter den Polen, die von Jahr zu Jahr bewusster ihre Entscheidungen treffen und nicht selten nach polnischen Produkten greifen. Immer öfter hört man über “die Mode auf das Polnische” oder die Begriffe “Verbraucherpatriotismus” und “Wirtschaftspatriotismus”, was noch vor einigen Jahren sehr exotisch klang. Die heutigen Daten sprechen für sich. Aus dem Bericht, der im Rahmen des Projekts “Konsument 2016” von TNS Polska vorbereitet wurde, geht hervor, dass für 9 von 10 Polen, die polnische Herkunft des Produktes eine ausreichende Kaufmotivation darstellt. Von Bedeutung ist außerdem, ob die Ware in einem lokalen Unternehmen, einem Familienunternehmen und aus ökologischen Stoffen hergestellt worden ist. In diesem Duell haben die Produkte von bekannten internationalen Marken und diejenige, die in der EU produziert werden, nicht so gute Chancen. Die Herkunft ermuntert nur die Hälfte der Befragten zum Kauf. Früher war es gar nicht denkbar. Justyna Ziembińska-Uzar erinnert sich, dass ihr Mann der erste Wirtschaftspatriot war, den sie kennengelernt hat. Früher war ihr der Begriff völlig unbekannt. “Mein Mann, damals noch Verlobter, machte die Einkäufe sehr bewusst. Am Anfang unseres gemeinsamen Lebens haben wir begonnen zusammen hiesige Produkte zu suchen. Es fing mit Haushaltschemie und Kosmetika an. Ich dachte mir, dass es vielleicht mehr Personen gibt, die auf der Suche nach polnischen Produkten und Informationen über polnische Un-

Justyna Ziembińska-uzar, Foto: Agnieszka Werecha-Osińska

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Viele einheimische Produkte bleiben in Sache Qualität nicht hinter den ausländischen, manchmal übertreffen sie sie sogar. Die so genannte ,Mode auf das Polnische’ zwang in gewissem Maße die Produzenten, die Qualität der Produkte zu verbessern. - joanna Ziembińska-uzar kupujepolskieprodukty.pl

ternehmen sind. Darüber war vor sechs Jahren noch nicht unbedingt viel im Internet”, erzählt die Bloggerin. “Am Anfang sollte der Blog nur eine Art Tagebuch sein, wo ich zeigen konnte, was es Neues in meinem Schrank oder in meiner Kosmetiktasche gibt. Schnell habe ich begriffen, dass meine Leser an fast allen Produktgruppen interessiert sind - auch solchen, die nicht schnell rotieren. Zurzeit poste ich nicht nur Produktrezensionen und Verzeichnisse polnischer Unternehmen in den unterschiedlichsten Kategorien, sondern auch Texte, die den Lesern polnische Firmen näherbringen, wie Interviews mit den Markengründern und Fotoreportagen. Ich habe noch viele Ideen und hoffe, dass sich der Blog weiter rasch entwickeln wird. Ich will interessante polnische Produkte zeigen und den Menschen bewusst machen, dass sie die Wahl haben. Wenn jemand unbedingt z.

B. eine polnische Zahnpasta kaufen möchte, findet er sie auch”.

Antriebskraft für die Unternehmer Die Auswahl ist wirklich enorm. Immer mehr polnische Unternehmen lassen sich durch die Kundennachfrage führen und versuchen ihre Kräfte auf den unterschiedlichsten Feldern. Schlüsselbegriffe sind Qualität und der Kontakt mit dem Kunden. Die Produktion in Polen ist nicht mehr etwas, was man nicht unbedingt gerne zugeben möchte. Zurzeit wird es eher als Vorzug betrachtet. Die Bestätigung dieser Umwandlung wird auf den Verpackungen sichtbar. Es fällt nicht schwer in den Geschäften die polnische Fahne und Bezeichnungen “wyprodukowano w Polsce” (dt. “Produziert in Polen”), “jes-


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Man nimmt an, dass der Strichcode eines polnischen Produktes mit 590 beginnt, aber dies kann irreführen, weil es nichts über die Firma sagt. - joanna Ziembińska-uzar kupujepolskieprodukty.pl

tem z Polski” (dt. Ich komme aus Polen”) oder “produkt polski” (dt. “Polnisches Produkt”) zu finden. Zeugt das wachsende Interesse für die polnischen Produkte von ihrer Einzigartigkeit? “Viele einheimische Produkte bleiben in Sache Qualität nicht hinter den ausländischen, manchmal übertreffen sie sie sogar. Die sogenannte, Mode auf das Polnische’ zwang in gewissem Maße die Produzenten, die Qualität der Produkte zu verbessern. Sie wollen jetzt mit den ausländischen Herstellern nicht nur mit dem Preis, sondern auch mit der Qualität konkurrieren. Ich will niemanden dazu überreden, nur polnische Waren zu kaufen, auch wenn sie von schlechterer Qualität sind. Ich will nur klar machen, dass wir die Wahl haben, dass wir in der Lage sind, sehr gute polnische Äquivalente ausländischer Produkte zu finden”. Diese Meinung vertreten 75% der Befragten, wie TNS informiert. Mehr als die Hälfte denkt sogar, dass Polen ein selbstgenügsames Land sei, obwohl der Verzicht auf ausländische Waren für sie nicht denkbar wäre. Welche Produktgruppen überzeugen die Polen am meisten? Ohne Zweifel polnische Lebensmittel, die für gesünder und von besserer Qualität sind (90% der Befragten im Bericht “Mode auf das Polnische” von TNS). Sind die Preise gleich, entscheiden sich die Kunden für polnische Produkte. Von gutem Ruf erfreut sich auch die einheimische Kleidung. Drei von vier Personen würden sich für ein polnisches Produkt entscheiden, und nicht für ein ausländisches beim selben Preis. Über die bessere Qualität dieser Waren-

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gruppe sind 60% der Befragten überzeugt. Angesagt sind auch die Kosmetika, die billiger und umweltfreundlicher in den Augen der Polen sind. Weniger Personen sind aber der Meinung, dass sie von besserer Qualität sind, als die ausländischen. Die Polen misstrauen aber der einheimischen Elektronik. Die ausländischen Produkte aus dieser Sparte halten sie für besser, obwohl sie teurer sind. Aus dem Bericht geht auch hervor, dass die polnischen Kunden bereit sind, mehr für gute Qualität zu bezahlen.

Welches Produkt ist polnisch? Mehr als die Hälfte der polnischen Konsumenten prüft die Herkunft des Produktes. Für die Mehrheit ist die Herkunft ausschlaggebend - als polnische Ware gilt solche, die im Land an der Weichsel und von einem Unternehmen mit polnischem Kapital und welches polnische Steuer zahlt, hergestellt wird. Viele der Produkte locken die Kunden mit der Information “Polnisches Produkt” an, doch dies ist viel zu wenig, um sich sicher zu sein. Diese Bezeichnung wird auch von Firmen mit ausländischem Kapital verwendet. Wir fragen deshalb Justyna Ziembińska-Uzar, wie man auf Nummer sicher gehen kann? “Ich würde sehr gerne zeigen, wie man schnell und einfach ein polnisches Produkt erkennt, aber es ist leider kompliziert. Das EU-Recht definiert das polnische Produkt anhand seiner Herkunft oder der Herkunft der Stoffe, aus denen es hergestellt wird. Für eine Menge Konsumenten bedeutet ein

Foto: Agnieszka Werecha-Osińska

polnisches etwas anderes - eine Ware, die in Polen von einem Unternehmen mit Großteiles polnischem Kapital produziert wird. Man nimmt an, dass der Strichcode eines polnischen Produktes mit 590 beginnt, aber dies kann irreführen, weil es nichts über die Firma sagt. Hilfreich sind die polnischen Apps: z.B. Pola, Polskie Marki, WspieramyRynek.pl.”, erklärt die Bloggerin. Aus diesen Gründen suchen viele Menschen Hilfe im Internet. Es scheint, als ob die Unternehmen die Problemstellen erkannt haben und deshalb bereit sind, um Zertifikate, die die Herkunft der Produkte bestätigen, zu kämpfen. Das Programm “Polski Ślad” ist sehr bekannt unter ihnen. Mit dem Zertifikat bekommt das Unternehmen auch das Recht das


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die “frischen Kosmetika”. Immer öfter werden kleine Produktmengen von Manufakturen hergestellt, die durch Profis mit Erfahrung in Biochemie und Pflanzenheilkunde gegründet werden. Eben diese kleinen Firmen klopfen oft an die Tür von Justyna Ziembińska-Uzar mit dem Wunsch, den Kunden auf eine andere Art und Weise näherzukommen, als die großen Konzerne. Mit Hilfe von Social Media sind sie in der Lage außerordentliche Kontakte mit den Kunden zu knüpfen - Kunden, die nicht nur dies, aber vor allem die Qualität und die mit ihr Hand in Hand gehende Ästhetik, zu schätzen wissen.

Aktionslogo zu benutzen.

Jeder kann ein Entdecker werden Die Beobachtung des polnischen Marktes kann interessanter sein, als man sich am Anfang denken könnte. Justyna Ziembińska-Uzar hat daraus ihre Leidenschaft gemacht: “Ich bin kein Soziologe oder Ökonom, also beobachte ich den Markt aus der Sicht eines Konsumenten - vielleicht eines tiefgründigeren. Natürlich bin ich nicht in der Lage jeder Sparte auf der Ferse zu sein. Es gibt Branchen, die ich besser kenne. Grund dafür sind meine eigenen Bedürfnisse oder Interessen (z. B. die polnischen Kosmetika, vor allem die natürlichen, Damen- und Kinderkleidung, Spielzeuge und Haus-

haltschemie). Es gibt Branchen, mit denen ich weniger vertraut bin (z. B. Männerkleidung). Meine Leser und neue Bedürfnisse veranlassen mich dazu, diese Sparten, die bisher als schwarze Löcher in meiner Interessenlandkarte galten, zu erforschen. So ist es zum Beispiel mit der Möbel- und Einrichtungsbranche, die ich zurzeit genauer unter die Lupe nehme.” Die Entdeckung neuer Produkte kann zum Mittel des Kennenlernens seines eigenen Landes werden - so kann man seine Möglichkeiten und Flexibilität prüfen. In dem Fall Polen kann man zum Beispiel entdecken, dass sich die Möbel und Fahrradsparte sehr rasch entwickeln und unter Kosmetika nicht nur Ziaja und Dr Irena Eris ein Name ist, sondern Innovationen eingeführt werden, wie z. B.

Wir fragen, ob im Laufe der Jahre, in denen Justyna Ziembińska-Uzar den Blog führt, sie Augenzeuge einer interessanten Unternehmensentwicklung oder Produktentstehung war? “Wieder fällt es mir schwer kurz zu antworten”, gibt die Bloggerin zu und entscheidet sich, auf zwei Beispiele zu begrenzen. “Ich erinnere mich an die Anfänge der Marke Lullalove (Kinderaccessoires), die von zwei Schwestern Anna Stankiewicz und Joanna Piątkiewicz 2013 gegründet wurde. Ich beobachte die Entwicklung des Unternehmens sehr gern. Ihr erstes Hitprodukt war eine Teddybär-Wärmflasche in Kontrastarben. 2013 fehlte es an solchen Spielzeugen für die Kleinen auf dem polnischen Markt. Kurz danach folgten weitere Produkte, welche nicht nur die Herzen der Polinnen erobert haben. Ich habe sogar gehört, dass die Chinesen manche Entwürfe nachgemacht haben und als eigene verkaufen. Viel Freude bereiten mir auch Erfolge der Danziger Kleidungsgesellschaft LPP, die schwierige Zeiten überstanden hat und auf ihre polnische Herkunft zu setzen beschlossen hat. Reserved, die Parademarke von LPP, soll laut den Vorstandsvorsitzenden eine globale Marke werden. Zurzeit ist sie schon in Europa und im Nahen Osten bekannt, es wartet der asiatische Markt. Seit ungefähr zwei Jahren vergrößert das Unter-


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nehmen die Kleidungsproduktion in Polen und markiert es auf den Etiketten, was mich sehr freut, denn wenn wir uns schon in den Kettengeschäften kleiden, können wir es auch in polnischen machen”.

Wie wird es weitergehen? “Made in Poland” wird immer populärer unter den Polen, die offener auf Neuheiten werden und - paradoxerweise - dabei auch ihre eigene vier Wände besser kennenlernen. Hat der Trend Chancen, fortzuleben? “Auf jeden Fall. Von Jahr zu Jahr spricht man immer mehr über den Verbraucherpatriotismus und über den Einfluss dieses Trends auf die polnische Wirtschaft. Von Jahr zu Jahr suchen immer mehr Men-

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schen auf eigene Faust Infos über polnische Marken und Produkte. Die Hersteller selbst haben diese Umwandlung auch bemerkt und versuchen sie auf unterschiedliche Art und Weise zu nutzen, z. B. durch Etiketten und die Änderung der Kommunikationsweise, indem sie überall unterstreichen, dass sie polnische Unternehmen sind, in Polen die Waren herstellen und neue Arbeitsplätze schaffen. Oftmals wird auch hervorgehoben, dass es sich um ein Familienunternehmen handelt”. Dabei muss man auch zugeben, dass diese Herangehensweise von Vorteil für ausländische Touristen ist. So haben sie bessere Chancen polnische Produkte zu finden und sie zu kaufen, wenn sie sich für einen Aufenthalt an der Weichsel entscheiden.

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Von Jahr zu Jahr suchen immer mehr Menschen auf eigene Faust Infos über polnische Marken und Produkte. Die Hersteller selbst haben diese Umwandlung auch bemerkt und suchen sie auf unterschiedliche Art und Weise zu nutzen. - joanna Ziembińska-uzar kupujepolskieprodukty.pl


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Das schlesische Limonaden-Geschäft

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von Piotr Piela Am Anfang hatte jeder von ihnen nur 500 Zloty in der Tasche. Heute exportieren sie ihre Limonade in 14 Länder. Kann man mit Limonade Kohle machen? Wird On Lemon zur polnischen Coca-Cola?

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#Stories 13

foto: On lemon

foto: On lemon

foto: On lemon

Die Firma aus Katowice / Kattowitz lieferte Schlagzeilen durch den Rechtsstreit mit der Witwe von John Lennon, doch ihre Getränke sorgten schon viel früher für Aufsehen. Wie wurde die Limonade von On Lemon zum echten Phänomen? Die Antwort auf diese Frage führte mich in die Hauptstadt der Woiwodschaft Schlesien, wo sich

an der Porcelanowa-Straße der Firmensitz befindet. Früher war hier die Giesche-Porzellanfabrik und später die Schlesische Porzellanfabrik (Fabryka Porcelany Śląskiej). Ein Platz, der für Aufsehen und Interesse sorgt, genauso wie die Geschichte der Firma von Daniel Hozumbek und Robert Orszulak.


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Von der Idee zum Erfolg Alles begann noch in der Zeit, als der polnische Getränkemarkt durch große Getränkeunternehmen monopolisiert war. “Bei einem Festival, haben wir ein Alternativgetränk bemerkt. Die sprichwörtliche Glühbirne ging an und dann ging es schon sehr schnell,” erinnert sich Daniel Hozumbek. Für den Erfolg musste er zusammen mit seinem Geschäftspartner einige Jahre arbeiten. Die ersten Sporen verdienten sie sich mit dem Vertrieb von Fritz-Kola auf dem polnischen Markt. “Wir wollten damals den Markt kennenlernen, denn weder ich, noch mein Geschäftspartner hatten früher Erfahrungen oder Kontakte in

diesem Bereich gesammelt” - fügt er hinzu. Mit der eigenen Marke gelang der Durchbruch bereits 2012. Damals wurde Yerbata auf dem Markt gebracht. “2013 gab es bereits die Rhabarber-Limonade John Lemon, später haben wir unser Angebot nur ausgebaut,” so Robert Orszulak. Wie ist es den Unternehmern gelungen, die Konsumenten für sich zu gewinnen? Anfangs knüpften die Limonadensorten an… alten schlesischen Kompotts an. “Wir hatten die Idee, dass wir die alten, ein wenig in Vergessenheit geratenen Geschmäcke unter junge Leute verbreiten. Oftmals ist es so, dass die Jugend diese nicht kennt,” so Daniel Hozumbek. “Alles begann mit Rhabarber. Das war unsere erste Obst-Sorte. Nun gibt es auch Pflaumen- und Johan-

nisbeerlimonade und seit kurzem auch Stachelbeerlimonade. Wir sind jedoch offen auch gegenüber neuen Sorten und Geschmackserfahrungen,” fügt Robert Orszulak hinzu. Nicht ohne Grund, denn bekanntlich bringt der Markt alles auf den Prüfstein und gar erzwingt das eine oder andere. “Unser Kunde ist ein bewusster Konsument und dieser greift gerne auch nach Klassikern. So haben wir auch Kola in der Produktpalette. Früher hatten wir sie nicht, weshalb wir immer etwas auf die Ohren gekriegt haben,” erklärt Hozumbek. So wurden ins Angebot neben alten Kompott-Sorten auch solche, wie Limette, Apfelsine oder die angesprochene Kola aufgenommen. Was haben sie jedoch gemeinsam? “Es mag ein wenig nach einer egoistischen Herangehensweise klingen, aber

foto: On lemon

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Wir können reinen Gewissens sagen, dass wir unsere Getränke tagtäglich trinken können und dies keinen Einfluss auf unsere Gesundheit nimmt. Wenn wir jemanden anderen darauf ansprechen, dann bekommen wir entweder keine Antwort oder ein langes Nachdenken und Zaudern. - Robert Orszulak

foto: On lemon


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alle Rezepturen machen wir nach unserem Geschmack. Wir haben keine Testpersonen, wir machen auch keine Marktforschung. Wenn mir etwas schmeckt, wenn etwas Robert schmeckt, dann treffen wir auf dieser Grundlage Entscheidungen” - verrät Hozumbek. Die Geschäftsführer arbeiteten nicht nur an neuen Sorten, sie nehmen auch aktiv am Produktionsprozess teil. “Wir wählen die Früchte oder das Gemüse, beobachten die Produktion, kommen aufs Lager. Wir beteiligen uns auch am Verkauf und an Events” - zählt Orszulak auf und fügt gleich hinzu, dass neue Sorten und eine neue Produktionslinie bereits vorbereitet werden.

Kostbare Qualität Auf der Flasche, die mit dem On Lemon-Logo signiert ist, finden wir die Information, dass die Limonade glutenfrei und vegan sei. Noch interessanter ist die Tatsache, dass alle Materialien, die durch das Unternehmen genutzt werden also Glas, Papier und Karton umweltfreundlich sind und recycelt werden können. Daniel Hozumbek und Robert Orszulak versichern, dass dies von Anfang an die Idee war. “Es war nicht so, dass uns der Markt dazu gezwungen hat. Nein. Wir haben uns gleich am Anfang gesagt, dass wir zu dieser Bewegung, diesem Trend angehören wollen. Das hat meiner Meinung nach einen hohen Wert. Ich schätze Unternehmen, die authentisch und ehrlich sind. Unbescheiden muss ich sagen, dass wir auch so eine Firma sein wollen und alles dafür tun”, erklärt Daniel Hozumbek. Dazu passend ist auch die Herangehensweise zum Marketing, denn für Werbung wird in der Firma kein Geld ausgegeben. “Wir wollen eine etwas andere Beziehung mit dem Kunden, eine partnerschaftliche Beziehung. Wir wollen nur bei coolen Events dabei sein, dabei handeln wir sehr zielgerichtet. Wir wollen nicht überall hineindrängen und in jedem Lokal präsent sein”, sagt Hozumbek. “On

foto: On lemon Lemon soll dort sein, wo auch die Qualität ist. Unsere Limonaden sind von der Qualität hochwertig, deswegen kommt immer die Frage nach dem Preis. Wir sind jedoch überzeugt, dass man für ein gutes Produkt auch eine entsprechende Summe zahlen muss. Klar - man kann mit einem Mercedes oder einen alten Trabbi fahren, beides sind Autos, aber es gibt trotzdem einen Unterschied,” fügt er hinzu. Mit der Herangehensweise zum Geschäft hat On Lemon ins sprichwörtliche Schwarze getroffen. Das bestätigt auch die Tatsache, dass das Kattowitzer Unternehmen für viele eine Inspiration war. Interessant - am Beispiel von On Lemon versuchen mit Limonade und breit aufgefassten Getränken nicht nur kleine Firmen Geld zu verdienen, sondern auch die ganz großen Player auf dem Markt. “Große Konzerne betrachten uns als Konkurrenz, was einfach falsch ist. Wir sind nur eine Alternative zu ihren Produkten und nie und nimmer wollten wir mit ihnen zum Wettkampf antreten” - bemerkt Daniel Hozumbek und fügt gleich hinzu, dass der Kunde immer

selbst entscheiden kann, ob er ein bekanntes Getränk von einem internationalen Konzern nimmt oder sich doch für ein Produkt einer kleineren, wenig bekannten Firma entscheidet. Das muss auch nicht immer On Lemon sein, denn “früher war die Auswahl stark eingeschränkt und heute ist sie wiederum sehr breit”, wie Robert Orszulak zugibt. Die aktuell auf dem Getränkemarkt geltenden Trends werden von den Unternehmern mit der sog. Bierrevolution verglichen, die den Biermarkt nicht nur in Polen, sondern auf der ganzen Welt, neu definierte. Neben großen Konzernen tauchten plötzlich Kleinbrauereien auf, die etwas Neues und Unbekanntes bieten. “Die Leute wollen es trinken, denn es ist eine ganz andere Qualität. Der Preis ist auch ganz anders und trotzdem werden diese Craftbiere getrunken”, sagt Daniel Hozumbek und ergänzt, dass es seiner Meinung nach ähnlich mit haus- oder handwerklich gemachten Limonaden ist. Die steigende Konkurrenz wird jedoch von den Geschäftsführern von On Lemon keinesfalls als etwas Schlechtes betrachtet, ganz im Gegenteil. “Früher konnte


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man von einem Monopol sprechen, nun gibt es eine Unzahl von Unternehmen. Für uns ist dies eine zusätzliche Motivation, um etwas mehr und besser als bislang zu machen”, so Hozumbek. “Wir entwickeln uns die ganze Zeit, setzen neue Trends, schaffen neue Wege, die dann auch von anderen genutzt werden. Es ist aber immer schön, wenn dich eine große und bekannte Firma beobachtet. Dann hat man auch das Gefühl, dass man auf dem richtigen Weg ist und etwas gut gemacht hat”, fügt Orszulak hinzu.

Yoko Ono Interessanterweise beobachtet nicht nur die Konkurrenz die Tätigkeit der Firma aus Katowice/ Kattowitz. Der frühere Name John Lemon, wurde auch von der Witwe von John Lennon bemerkt. Per Post bekam die Firma eine Klageschrift wegen Verletzung von Persönlichkeits- und Markenrechten des verstorbenen Künstlers. Die Sache endete letztendlich mit einem Vergleich und einer Namensänderung. So wurde von John Lemon - On Lemon und so entstand auch das Hauptmotiv der Rebrandingaktion - “John is On”. Heute wollen die Unternehmer nicht mehr zu dieser Geschichte zurückkehren. “Das ist alles Vergangenheit. Wir mussten uns damit abfinden und einfach weiter unser Ding machen”, sagt Robert Orszulak. Paradoxerweise hat die ganze Welt durch den Rechtsstreit von der Limonade On Lemon erfahren. “In all dem, was geschah, war dies wahrscheinlich das beste aber das wollten wir nicht. Wir hatten und haben weiterhin unsere eigenen Ideen, wie wir die Leute und Kunden erreichen wollen”, unterstreicht Daniel Hozumbek. Davon zeugt auch die Tatsache, dass die Namensänderung und der Wechsel von John Lemon auf On Lemon reibungslos vollendet wurde. “Der Kunde ist mit uns geblieben, hat uns verteidigt und hat sich mit uns identifiziert”, fügt Orszulak hinzu. Die Unternehmer sind sich auch einig, dass es

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ihnen nicht nur gelungen ist, eine Marke aufzubauen, sondern auch ein positives Bild und eine positive Atmosphäre um ihr Unternehmen. “Es scheint, dass die Leute uns mit hervorragenden Events, toller Musik und einem guten künstlerischen Eindruck gleichsetzen. Eher

Das Unternehmen ist offen gegenüber Limonadeliebhabern nicht nur während der Events. Während der Öffnungszeiten kann jeder die PorcelanowaStraße in Katowice/ Kattowitz besuchen, Limonade kaufen, sich hinsetzen und mit den Leuten sprechen.

foto: On lemon

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nicht mit Ramsch und Plunder. Für uns ist dies sehr wertvoll, dass wir in einer so kurzen Zeit so viel erreichen konnten und dass entgegen dem, was die Leute sagen und glauben, ohne einen hohen Kapitalaufwand. Ich wiederhole das wie Mantra, als wir das Unternehmen gegründet haben, beide


#Stories 17

nur jeweils 500 Zloty in der Tasche hatteb. Das war unser Budget”.

Limonade ein Hiptstergetränk? Die Frage, ob Limonade ein Hipstergetränk ist, beantworten die beiden mit einem breiten Lächeln. “Wir haben uns niemals dort rein-

gedrängt und uns niemals damit identifiziert. Wir wurden da hineingeworfen, ohne dass wir gefragt wurden. Jemand hat sich gedacht, dass teure Getränke müssen Hipstergetränke sein”, sagt Hozumbek und führt weiter aus, dass er niemals eine Antwort auf die Frage „was ist eigentlich diese Hiptsterkultur“ bekommen hat. Die Geschäftsführer von On Lemon sind der Auffassung, dass man ihre Tä-

foto: On lemon

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tigkeit eher in der Kategorie der Subkultur des aufgeklärten Kundens betrachten sollte. “Es ist klar, dass wir dies nicht wohltätig machen, aber auch gleichzeitig nicht nur für uns selbst. Wir machen das vor allem für unsere Kunden und für die Leute”, erklärt Daniel Hozumbek. “Das Herz schlägt höher, wenn wir Kinder sehen, die unseren Brand kennen. Es ist oft so, dass wir auf einem Festival sind und die 7- oder 8-Jährige nicht nur On Lemon trinken wollen, sondern sie wollen ihn auch verkaufen! Es gibt also eine Verbindung. Unsere Arbeit, unser Engagement wird weitergegeben. Das freut uns”, fügt Hozumbek hinzu.

On Lemon die polnische Coca-Cola? “Sky is the limit”, antwortet mit einem Lächeln Robert Orszulak auf die Frage nach den Zielen für die Zukunft. “Heute sind wir ein kleines Familienunternehmen. Man weiß ja nie, was die Zukunft bringen wird und wo uns der Markt hintreibt” - fügt Daniel Hozumbek hinzu und erinnert gleichzeitig, dass ursprünglich die Limonade On Lemon nur in der Gastronomie und später nur in lokalen Geschäften zugänglich sein sollte. Nun kann man die Limonaden aus Katowice/ Kattowitz sogar auf ausgewählten Tankstellen und das nicht nur in Polen, sondern auch im Ausland finden. Für Daniel Hozumbek und Robert Orszulak, die immer wieder ihre Beziehung zu der Stadt unterstreichen und sich selbst als ”Lokalpatrioten” bezeichnen, ist dies ein weiterer ein wenig unerwarteter Grund zur Freude. “Wir haben hier nichts erzwungen, auf nichts gedrängt. Es war immer so, dass jemand unser Produkt in Polen gefunden hat. Später kam ein Anruf und dann ging es los”, erklärt Robert Orszulak und unterstreicht gleichzeitig, dass der Vertrieb in Polen organisiert wird und der Export eher als Mehrwert, als Selbstzweck betrachtet wird. Wenn man mit Daniel Hozumbek und Robert Orszulak spricht, gewinnt man den Eindruck, dass trotz einiger Jahre ihrer Tätigkeit das Geschäft weiter nicht an erster Stelle steht. Es ist die Leidenschaft etwas für jemanden anderen zu tun und das mit Herz, mit Offenheit gegenüber dem Kunden und das alles gleichzeitig mit entsprechender Qualität, die sehr geschätzt wird. Jeder, der nicht nur die Limonade genießen will aber auch die Leidenschaft der Geschäftsführer, sollte eine Flasche aufmachen und On Lemon sein.


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Polnischer Cider

von piotr piela

Heute ein Getränk für Kenner, morgen für die Massen? 2013 als der Cider in Polen in Mode kam, wurde dem Getränk ein spektakulärer Erfolg vorausgesagt. Viele glaubten, dass der Trunk gar zur Nationalspezialität wird. Heute ist wiederum die Rede von nachlassender Produktion und Verkauf. Warum ist es so gekommen? Welche Zukunft erwartet den polnischen Cider?

Geschichte, die Spuren hinterlassen hat Die Geschichte des Ciders reicht bis in die Zeit des Römischen Reichs, welches die Herstellung des Getränks von den keltischen Völkern übernahm, nachdem es von den Römern bezwungen wurde. Laut den historischen Überlieferungen der Crescentier werden erste Versuche den Trunk in Polen herzustellen, auf das Jahr 1571 datiert. Interessanterweise begann die Massenproduktion viel später, denn erst im 19. Jahrhundert. Bis dahin galt der Cider als ein Getränk der niedrig geborenen Plebejer. Dies ist insofern erstaunlich, dass in vielen Regionen Europas der Apfelwein immer beliebter wurde. Durch verschiedene histo-

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rische Bedingtheiten probierte man die Produktion an der Weichsel erst in den 80er Jahren in Gang zu setzen. Dies kann man jedoch kaum damit vergleichen, was im 21. Jahrhundert geschah. “2011 wurde eine Cider-Definition in die nationalen Regelungen aufgenommen. 2013 kam wiederum ein echter Impuls, der durch die Entscheidung über die Anwendung eines ermäßigten Verbrauchsteuersatzes den heimischen Produzenten erst richtig die Herstellung ermöglichte”, erklärt Magdalena Zielińska, die Vorstandsvorsitzende des Polnischen Weinrates.

Geltende Rechtsvorschriften als Heil und Fluch zugleich


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Polen gilt als eine führende Kraft beim Obstbau in Europa. So könnte man zum Entschluss kommen, dass man an der Weichsel alles hat, um das enorme Potenzial des Ciders auszuschöpfen. Die ursprünglichen Einschätzungen und die Entwicklung der Branche vermittelten den Eindruck, dass dies tatsächlich eintreffen könnte. “In den ersten Jahren nach dem Wendepunkt 2013, wuchs der Markt sehr dynamisch. 2016 konnten wir eine Stockung beobachten und 2017 sogar Produktionsrückgänge”, sagt Madgalena Zielińska. Das Mess- und Datenanalyse-Unternehmen Nielsen schätzt wiederum, dass allein im ersten Halbjahr 2018 der Ciderverkauf um 7% zurückgegangen ist. Was sind die Gründe für diese Entwicklung? Mit Sicherheit die geltenden Rechtsvorschriften. Einerseits gewährleisten sie eine hohe Qualität des Getränks, aber andererseits sind sie fast mit einer Handbremse gleichzusetzen, die die Entwicklung dieser Alkoholsparte hemmt. “Das polnische Gesetz wurde so ausgearbeitet, dass als Cider nur Erzeugnisse der höchsten Qualität bezeichnet werden können, um eine Kategorie zu schaffen, auf die man stolz sein kann und die sich mit der Zeit zum Nationalgetränk entwickelt. Das Problem ist aber die Untersagung der Werbung dieser Produkte. Für Cider kann im Gegensatz zum Bier in Polen nicht geworben werden, was das Erreichen der Kunden entscheidend erschwert”, erklärt die Vorstandsvorsitzende des Polnischen Weinrates. Diese Tatsache wurde auch von großen Firmen bemerkt, die in der Alkoholbranche tätig sind, wie etwa der Gruppe Żywiec oder Kompania Piwowarska. Beide verzichteten vor mehr als einem Jahr auf die Ciderproduktion zugunsten ciderähnlichen Biere. “Auf diese Weise haben sie einen wichtigen Teil des Marktes übernommen und erheblich die Entwicklung der Cider-Kategorien in Polen erschwert”, fügt Magdalena Zielińska hinzu und verweist gleichzeitig auf die Tatsache, dass eine der führenden Cider-Marken - Somersby - in Polen als ein Biergetränk mit Apfelgeschmack auf dem Markt präsent ist.

Nische für aufgeklärte Kunden Paradoxerweise könnte sich herausstellen, dass der im Schatten des Bieres stehende Cider, auf einem fruchtbaren Boden getroffen ist. “Das demografische Profil der Cider-Trinker verändert sich zusammen mit dem globalen Trend, der sich durch die Suche nach Produkten hoher Qualität auszeichnet. Nach dem Cider greifen vor allem reife und wohlhabende Verbraucher (30+), die nach Produkten höchster Qualität, regionalen und Bioprodukten suchen. Gleichzeitig sind sie auch Wein-Konsumenten. Entscheidend ist für sie also nicht der Preis, sondern die Qualität aber auch die Natürlichkeit und die authentische Herkunft des Produkts”, meint Agata Domaradzka, die Direktorin der Marketingabteilung bei der Firma Ambra S.A., die sich mit der Produktion, dem Import und dem Vertrieb von alkoholischen Getränken beschäftigt. Die angesprochene Premiumisierung könnte sich als rettend erweisen. “Zugang zu den Ressourcen, die Äpfel darstellen,

zusammen mit moderner Infrastruktur, bewirken, dass Polen hervorragende Voraussetzungen hat, um ihre Position auf dem europäischen Markt zu steigern. In den letzten Jahren haben die polnischen Weinbetriebe aufgerüstet, viel investiert und greifen nach modernsten Technologien und arbeiten mit größter Sorgfalt an ihren Cider-Marken. Zusätzlich ist Cider eine der sich global am schnellsten entwickelnden Kategorien der Alkoholgetränke, was eine hervorragende Chance für polnische Produzenten darstellt ”, sagt Magdalena Zielińska. Trotz der Rückgänge bei der Produktion und dem Verkauf, könnte man dementsprechend alles andere behaupten, als das die Branche die Suche nach neuen Wegen, um die Kunden zu erreichen, aufgegeben hat. Die Hersteller experimentieren beispielsweise die ganze Zeit mit neuen Geschmacksvarianten. “Kunden, die nach Abwechslung und neuen Produkten suchten, wurden in den letzten zwei Jahren mithilfe von ungefilterten, Einzel-Sorten Cider oder Perry angesprochen. Gleichzeitig kann man aber prinzipiell von einer Einteilung in zwei Kategorien sprechen. Einerseits sind auf dem Markt hochqualitative Produkte erschienen, die vor allem die Premium-Kunden anziehen, aber andererseits auch neue ökonomische Cidermarken, die sparsame Kunden ansprechen”, erklärt Agata Domaradzka, die Direktorin der Marketingabteilung bei der Firma Ambra S.A. Eine Frage bleibt noch zu beantworten, nämlich welcher Cider eindeutig mit Polen assoziiert wird? Laut den Daten, die von Nielsen publiziert wurden, ist vor allem neben dem Apfel-Cider, der Perry sowie Erdbeer-Cider, die an Beliebtheit gewinnen.

Zum Erfolg verdammt Momentan liegt der Cider in Konsumranking der Alkoholgetränke in Polen weit zurück und bleibt im Schatten von Bier und Spirituosen. Wenn man aber das Potenzial, das in den Äpfelressourcen sowie der modernen Weinproduktionstechnik und der Infrastruktur zusammen mit aktuellen Trends, denen Cider scheinbar entgegenkommt, zusammennimmt, kann man behaupten, dass der Trunk schon fast zum Erfolg verdammt ist. Wann gelingt der endgültige Durchbruch und ob Cider ein beliebtes, gar Nationalgetränk wird, ist schwer zu sagen. “Er braucht Zeit, damit er sich in der polnischen Kultur einwurzelt. Ein durchschnittlicher Pole trinkt fast 100 Liter Bier pro Jahr. Bei allen Getränken, die in die Kategorie Wein fallen (Wein, Fruchtwein, Honigwein und Cider), sind es wiederum gerade mal 6 Liter. Die Disproportion zwischen Bier und Cider ist zu diesem Zeitpunkt riesig. Solch einen Rivalen vom Thron zu stürzen, wird keine einfache Aufgabe. Die polnischen Konsumenten stellen aber immer höhere Anforderungen und treffen Kaufentscheidungen bewusster. Hier sehen wir auch eine Chance, für eine dynamische Weiterentwicklung der Cider-Kategorie”, resümiert Magdalena Zielińska.


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Die süßesten Kühe der Welt von Paulina Kuc

Die Bewohner Polens naschen diese Süßigkeit schon seit Jahren, und Menschen aus dem Ausland überzeugen sich zu dem sich ziehendem Bonbon immer schneller. Die Rede ist natürlich von der polnischen Leckerei, Krówki, die jeder probieren sollte.

Die Geschichte der Süßigkeit Krówki wurden von ganzen Generationen von Polen gegessen. Vielen Menschen erlauben die kleinen Bonbons für einen kurzen Moment, in die Vergangenheit zurückzukehren, was dank der formbeständigen Rezeptur möglich ist. Krówki sind nämlich Süßigkeiten, die aus Milch, Zucker und Butter gemacht werden. Diese simple Rezeptur ermöglichte die Produktion der Bonbons sogar in schwierigen Zeiten, mit den fast die ganze Geschichte der Kuhbonbons verbunden ist. Ihr „Vater“ war Feliks Pomorski - das zehnte Kind in der Familie, weswegen es für ihn zu Hause öfters keine Arbeit gab. Auf Einladung

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seines Onkels fuhr er also nach Schytomyr/Żytomierz, wo er die Zuckerbäckerkunst erlernte. Er war jedoch nicht der Erfinder der von uns geliebten Süßigkeit. Pomorski lernte Krówki vor Ort kennen. Die Rezeptur selbst kommt aus dem Osten. Als er alles Nötige gelernt hatte, starb sein Onkel und er erbte sein Miethaus, das er verkaufte und dann nach Posen/ Poznań zurückkam. Dort eröffnete Pomorski im Jahr 1921 eine Süßigkeitenfirma, in der man fast 200 Bonbonsorten produzierte. Das Kuhbonbon hatte jedoch immer einen festen Platz im Angebot von Pomorski. Von Anfang an befand sich auf der Verpackung der Leckerei eine Kuh, weil die Hauptzutat Milch ist. Bereits nach kurzer Zeit fing man an, die Bonbons Krówki, also Kühe zu nennen, was bis

heute unverändert blieb. Die Firma entwickelte sich immer schneller und beschäftigte ungefähr 40 Menschen. Mit dem Anfang des Zweiten Weltkrieges, kamen jedoch Nazis nach Posen/ Poznań, die der Pomorski-Familie befohlen haben, die Fabrik zu verlassen. Einige Zeit suchten sie einen Platz, wo sie weiterleben konnten und schließlich zogen sie nach Milanówek bei Warszawa/ Warschau um. Hier produzierte Pomorski seine Kuhbonbons weiter. Weil es jedoch an Produkten fehlte, war dies die einzige Süßigkeit, die er herstellte. Denn Milch und Zucker konnte man fast immer besorgen. In den 40er Jahren fiel auf die Familie jedoch ein weiteres Un-


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glück - in der Fabrik brach Feuer aus. Nach dem Kriegsende hat die Regierung Pomorski jedoch versprochen, wenn er die Fabrik wieder aufbaut und Arbeitsplätze schafft, die Firma nicht verstaatlicht wird. Dieses Versprechen hat die Regierung jedoch nicht gehalten und schließlich im Jahr 1952 wurde das Familienunternehmen verstaatlicht. Für Feliks Pomorski war es eine wahre Tragödie. Als er die traurige Neuigkeit hörte, hat er angeblich nur seinen Gehstock genommen und ist nach Hause gegangen. Doch der Vater der Kuhbonbons hat nicht aufgegeben und produzierte die Leckereien weiter in einem Schrebergarten, den er für seine Frau kaufte. Seine Krówki waren ein wahrer Verkaufshit, weil sie einfach besser schmeckten, als die in dem verstaatlichten Unternehmen massenweise produzierten Süßigkeiten. Im Jahr 1963 starb Feliks Pomorski, das Familienunternehmen übernahm dann sein Sohn Leszek, der auch die Zuckerbäckerkunst

foto: krówka z milanówka

erlernte. Leszek hat die Firma immer weiterentwickelt, er war jedoch so sehr an alles in der Fabrik gebunden, dass die Einführung jeglicher Veränderungen für seine Ehefrau und Stieftochter, Konstancja Dołęga-Dołęgowska sehr schwierig war. Sehr interessant ist auch, dass Leszek Pomorski zwar die Kuhbonbons produzierte, doch er selbst aß sie nicht. Nach einiger Zeit erlaubte er Schulausflüge in der Fabrik zu organisieren. Während dieser Führungen konnten die Kinder den Prozess der Produktion der berühmten Süßigkeit hautnah erleben. Solche Ausflüge finden in der Firma von Konstancja Dołęga-Dołęgowska immer noch statt. Nach dem Tod von Leszek Pomorski übernahm sein Sohn, Piotr Pomorski und die Stieftochter das Unternehmen. Ihre Wege haben sich jedoch im Jahr 2007 getrennt. Piotr führt das Familienunternehmen immer noch, während Konstancja ihre eigene Firma gründete, wo die Kuhbonbons immer

noch nach derselben Rezeptur hergestellt werden. Ihr Unternehmen ist jedoch hauptsächlich auf Werbebonbons konzentriert.

Kuhbonbons ideale Werbung für alle Werbekuhbonbons waren die Idee von Konstancja Dołęga-Dołęgowska. Schon immer wollte sie die Verpackungen der Süßigkeiten farbiger und zum Kauf anregender gestalten, doch ihr Stiefvater wollte nichts verändern. Die Produktion der Leckerei für andere Firmen ermöglichte ihr also die Erfüllung ihrer Träume. Alles fing mit ein paar Pharmaunternehmen an, und aktuell kann man Krówki von Dołęga-Dołegowska in vielen Unternehmen finden oder sogar einige für die eigene Feier bestellen. Sie musste auch nicht nach Kunden suchen, nach kurzer Zeit


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meldeten sie sich von alleine. Werbekuhbonbons sind ein Bereich, der sich in Polen sehr schnell entwickelt, er wird nämlich mit einer guten Form der Werbung assoziiert. Viele Unternehmen entscheiden sich für den Kauf dieser Süßigkeit, von kleinen Firmen angefangen bis zu großen Autokonzernen. Sogar manche Kirchen verteilen Kuhbonbons mit dem Abbild von verschiedenen Heiligen auf der Verpackung. Dieser Sektor entwickelte sich so stark, dass man aktuell viele verschiedene Unternehmen finden kann, die Werbekuhbonbons nicht nur für Firmen, sondern auch für verschiedene Anlässe, wie Hochzeiten verkaufen. Jeder kann sich Krówki mit dem eigenen Verpackungsprojekt bestellen. Man kann sich fragen, wer hier die bessere Werbung hat. Das Unternehmen, das die Kuhbonbons kauft oder die Firma, die sie verkauft? Dołęga-Dołęgowska überzeugt, dass die Firma, deren Logo auf der Verpackung zu sehen ist, den größten Nutzen davon hat. Die Kunden schätzen nämlich die nette Geste und die gute Qualität der Süßigkeiten. In den meisten Unternehmen werden die Kuhbonbons jedoch nicht von Hand produziert, sondern maschinell. Man gibt auch viele unnötige Zutaten dazu, wie z.B. Geschmacksverstärker. Die Qualität der Süßigkeit lässt sich einfach prüfen. Erstens sollte man die Zahl der Bestandteile auf dem Etikett beachten. Zweitens ist die Farbe und Konsistenz der Kuhbonbons wichtig. Je dunkler die Süßigkeit, desto besser. Das heißt, dass die Masse lange gekocht wurde. Wenn Krówki an den Rändern durchsichtig werden, haben sie zu viel Zucker. Über die Ziehbarkeit der Süßigkeit zeugen das Herstellungsdatum und die Aufbewahrungsweise. Die Kuhbonbons kann man bis zu 3 Monaten aufbewahren. Natürlich sind sie am Anfang noch sehr ziehend, erst mit der Zeit fängt der Zucker sich zu kristallisieren, weswegen die

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foto: krówka z milanówka Süßigkeit außen mürbe und innen fast flüssig wird. Laut Konstancja Dołęga-Dołęgowska entsteht das ideale Kuhbonbon aus Produkten höchster Qualität im Prozess, während dessen die Masse in einer bestimmten Temperatur genug lang gekocht wird. Ihr Unternehmen arbeitet seit Jahren mit Zulieferern zusammen, die geprüfte Produkte anbieten. Um also auf keinen Ramsch zu treffen, sollte man Krówki von Unternehmen kaufen, die auf die Qualität und nicht Quantität setzen. Der Preis wird zwar etwas höher sein, doch die Süßigkeit umso leckerer. Heutzutage kann man sogar sagen, dass die Kuhbonbons zur Nationalsüßigkeit Polens ernannt wurden. Hin und wieder bestellt das Verteidigungsministerium der Republik Polen ungeheuer große

Mengen an Werbekuhbonbons. Sie werden im Ausland an Gäste verschenkt, um für das Land zu werben oder zum Anlass von Nationalfeiertagen. Ein Teil der produzierten Süßigkeiten wird auch exportiert. Die Unternehmen senden Krówki nicht nur nach Europa, auch in arabischen Ländern gewinnen sie immer mehr an Popularität. Die Firma Wawel hat sich sogar bemüht, das Halal-Zertifikat zu bekommen. Krówki sorgen also fast auf der ganzen Welt für Furore. Nur in Indien haben Produzenten der Süßigkeit Probleme mit der Vermarktung. Der Name des Bonbons und die Kuh auf der Verpackung entmutigen die Bewohner Indiens vom Kauf. Im Land ist die Kuh mit besonderer Hochachtung umgeben, weswegen ihre Darstellung auf Bonbonverpackungen nicht gut von den Indern angenommen wird. Obwohl die Süßig-


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von der sich ziehenden Süßigkeit bestimmt begeistert sein. Bei Betrieben sieht die Produktion ähnlich aus, nur die Skala verändert sich. Alle Zutaten werden in einen riesigen Kessel eingeschüttet und dann mehrere Stunden gekocht. Wenn die Masse dann fertig ist, wird sie auf ein großes Blech ausgegossen, wo sie abkühlt und verdichten muss. Am Ende wird sie maschinell oder per Hand geschnitten. Wenn es auf die erste Weise erfolgt, sind die Kuhbonbons härter und mürber. Das manuelle Schneiden und Verpacken versichert die berühmte Ziehbarkeit der Kuhbonbons.

keit so populär in anderen Ländern ist, werden die meisten Kuhbonbons in Polen verkauft.

Krówki zum selbermachen Weil die originelle Rezeptur aus so wenigen Zutaten besteht, entscheiden sich manche Menschen die fertigen Bonbons nicht zu kaufen, sondern selber zu machen. Kondensmilch (300 ml), Zucker (¾ Glas), Butter (80 g) und Vanillezucker (1 Löffel) soll man in einen Topf schütten und mindestens eine Stunde kochen. Die Masse muss immer wieder umgerührt werden. Wenn sie sich verdichtet, wird sie auf ein eingefettetes Blech ausgegossen. Die verhärtete Masse kann man in Stücke schneiden und den Gästen servieren. Sie werden

Obwohl viele Polen die Süßigkeit lieben, können die Unternehmen nicht mehr davon produzieren. Kleine Firmen, die auf die Qualität ihrer Produkte achten, verpacken die Bonbons von Hand, doch kaum jemand will dies heutzutage machen. Die Unternehmen produzieren also so wenig, weil es keine Möglichkeit gibt, die Zahl der verpackten Krówki zu steigern, ohne einen Qualitätsrückgang zu riskieren. Dazu kommt noch die Konkurrenz auf dem Kuhbonbonmarkt. Dołęga-Dołęgowska glaubt jedoch, dass Konsumenten Produkte besserer Qualität wählen. Ihr Bewusstsein über die Produktionsprozesse und Zutatenzahl wächst nämlich von Jahr zu Jahr.

Neue Versionen der Kuhbonbons Trotz allem geht’s den Kuhbonbons in Polen gut und Produzenten fangen an, neue Geschmackssorten zu erfinden. Nicht viele Unternehmen produzieren nur die klassische Version der Süßigkeit. In traditionellen Geschäften und im Internet kann man also Schokoladen-, Rum-, Chili-, Backobst mit Nüssen-, Moosbeeren-, Mintschokoladen-Krówki und viele andere finden. Es werden auch immer neuere Sorten auf den Markt gebracht, doch im Angebot bleiben nur die, die den Kunden

schmecken. Obwohl die Unternehmen sehr kreativ bei dem Ausdenken neuer Geschmackssorten sind, erfreuen sich die traditionellen Kuhbonbons der größten Beliebtheit. Die Molkereigenossenschaft OSM Opatów veranstaltet sogar seit 2013 den alljährlichen Krówki-Feiertag (Święto Krówki Opatowskiej). Während der Feierlichkeiten kann jeder hautnah erleben, wie die Kuhbonbons geschnitten und verpackt werden, sowie auch an verschiedenen Wettbewerben teilnehmen. Natürlich fehlt es nicht an vielen anderen Süßigkeiten zum Probieren. Während der Veranstaltung warten auf die Besucher viele Attraktionen und Auftritte. Krówki aus Opatów, wie auch aus Szczecin, haben es sogar ins Register der Traditionellen Lebensmittel des Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung geschafft.

Beste Kuhbonbons Die Polen sind verrückt nach Krówki und das ist auch nicht gerade überraschend. Gemäß Dołęga-Dołęgowska kehrten die Konsumenten zu den Kuhbonbons zurück, nachdem sie sich in den 90er Jahren für bunte Süßigkeitsverpackungen begeisterten. Leider fällt es nicht schwer versehentlich Krówki zu kaufen, die mit der originellen Rezeptur nicht viel zu tun haben. Es lohnt sich also zu prüfen, wie und woraus die Bonbons produziert wurden. Maschinell produzierte Kuhbonbons sind sehr oft eine schwache Imitation von echten Krówki, die einen charakteristischen Geschmack haben. Die Besten sind von außen mürbe und innen haben sie einen fast flüssigen Tropfen. Leider kann man nicht immer anhand der Verpackung einschätzen, ob das Kuhbonbon so ist, wie er sein soll. Sicher ist jedoch, dass man in Polen kaum jemanden finden kann, der die ausdehnbare Süßigkeit nicht liebt. Das Land an der Weichsel hat mit Sicherheit die süßesten Kühe der Welt.


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Gesichter der Volksrepublik Polen von Emanuela Janda

Warteschlangen vor den Geschäften, leere Regale, Grau, Braun und Grün, Lichtwerbung, Orangenduft, Polonez, Fiat 126p und Syrenka, und Zeichentrickfilme - “Miś Uszatek”, “Bolek i Lolek” und “Reksio” - so lauten die Konnotationen der Polen, wenn man sie nach der Volksrepublik fragt. Selbst diese Worte bringen ein inkohärentes Bild dieser Zeit. Schauen wir uns das faszinierende Erinnerungsmosaik genauerer an.

Foto: Museum Czar Prl

Jede Medaille hat zwei Seiten Oktober 2018

Die Zeitspanne zwischen 1952 und 1989 hat sich unterschiedlich im Bewusstsein der Polen eingeschrieben - genau so verschieden sind die heutigen Meinungen zu diesem

Thema, wovon zum Beispiel die stets von Neuem angefangene Diskussionen über das Abreißen des Kulturpalastes - “Gabe der sowjetischen Nation an die polnische


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Foto: Museum Czar Prl Nation” - zeugen. Es ist unmöglich über die Volksrepublik Polen zu sprechen, ohne die Ereignisse in Betracht zu ziehen, die die vergangenen Jahrzehnte geprägt haben, und ohne sich Gedanken über das alltägliche Leben jeden Einzelnen zu machen. Kann man überhaupt über einer Epoche sagen, dass sie eindeutig gut oder schlecht war? Bei vielen Menschen handelt es sich hier, um ihre Jugendzeit, die positive Erinnerungen hervorruft. Es reicht sich heute in Warschau ein wenig umzuschauen, um festzustellen, dass die Zeiten der Volksrepublik Polen kein Tabuthema sind. Während eines Spaziergangs durch die Stadt kann man sowohl die sozialistische Architektur bewundern, wie auch neue Plätze finden, die von diesen Zeiten inspiriert sind. Man findet Versuche, die damalige Ästhetik aufzugreifen und die charakteristische Atmosphäre wiederzugeben, damit jeder der Lust hat, sich an die alten Zeiten erinnern kann,

und junge Menschen, wie auch ausländische Touristen verstehen können, wie damals das Leben ausgesehen hat - mit seinen guten und schlechten Augenblicken.

“Der Zauber ist nicht immer gut” Zu solchen Plätzen gehört das Museum Czar PRL. “Zeiten des Kommunismus berührten jede polnische Familie, im größtenteils negativ. Repressionen wurden angewendet, die Freiheit der Bürger wurde eingeschränkt”, erzählt Katarzyna Andrzejewska. “Trotz Einführung der sozialistischen Ideologie, waren die sozialen Unterschiede sehr groß. Daher die Idee für das Museum. Wir wollten einen Dialog beginnen, um uns gemeinsam zu erinnern und Andenken vor Zerstörung zu schützen. PRL, trotz der schmerzhaften Er-

eignisse, ist eine Epoche, die man nicht aus der Geschichte wegradieren kann”. Kann man wirklich über einen “Zauber” dieser Zeit sprechen, so wie der Name des Museums es andeutet? (pl. Czar, dt. Zauber). “Ein Zauber ist nicht immer gut, deshalb zeigen wir sowohl die positiven, wie auch die negativen Seiten der Epoche. Man muss aber bedenken, dass in diese Zeitspanne, die Kinder- oder Jugendzeit vieler von uns fällt - erste Liebe, Freundschaften, Sommerferien, viele fröhliche Erinnerungen. Damals gab es noch keine Smartphones, die Menschen haben viel Zeit miteinander verbracht - mit der Familie, Freunden, Nachbarn. Das ist der Grund, wieso sich so viele Menschen mit Schwermut an diese Zeiten erinnern und sie sogar vermissen.“ Wie ich erfahre, veranstaltete die Institution am Anfang Ausflüge mit alten Nysa durch die Hauptstadt Polens, aber so eine Rundfahrt


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Foto: Pijalnia Wódki i Piwa reichte nicht, um den Touristen genau zu zeigen, was die Volksrepublik Polen, auf Polnisch zu PRL abgekürzt, bedeutet. “Das Museum entstand dank einer privaten Initiative. Wir brauchten eben einen solchen Ort und haben uns entschieden, ihn zu gründen. Außerdem sind wir der Meinung, dass man sich um die Vergangenheit und Geschichte kümmern soll. Die Sammlung entstand am Anfang aus unseren privaten Gegenstän-

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den. Als die Menschen von unserem Museum erfuhren, brachten sie ihre eigenen Sachen und Sammlungen, die sie oftmals geerbt oder beim Aufräumen gefunden haben. Sie wollten, dass wir sie vor Vergessenheit bewahren.” Beim Anblick der Ausstellung wird die Vergangenheit greifbar und das Bild, welches man sich aus Büchern oder dem Internet gemacht hat, vollkommener. Als ob alle im Museum gesammelten Gegenstän-

de wie fehlenden Mosaikelemente wären. Auf einmal stehen wir in einer Wohnung, die wie aus der vergangenen Zeit rausgenommen scheint und die Einrichtung lässt keine Zweifel zu. Dank dem Museumsführer und der Ausstellung werden die Geschichten über Geld, Lebensmittelmarken und die Bürgermiliz (MO) lebendig. “Wir werden von Menschen aus aller Welt besucht, die an der Geschichte der Volksrepublik Polen


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Foto: Pijalnia Wódki i Piwa interessiert sind. Die Einstellung der älteren und jüngeren Gäste ist unterschiedlich. Die ältere Generation kommt hauptsächlich, um zurück zu denken, die jüngere, um etwas zu lernen”, erklärt Katarzyna Andrzejewska. “Der Mehrheit der ausländischen Gäste fällt es schwer sich vorzustellen, dass man in so kleinen Wohnungen leben, seine Kleider selbst nähen konnte und stundenlang in Warteschlangen stehen musste,

um etwas zu essen zu bekommen. Geschichten und Gegenstände, die man in unserem Museum hört und sieht, sind für manche Personen wie nicht aus dieser Welt”.

PRL - Retro und aktuell Das Interesse an vergangenen

Zeiten - auch an diese nicht sehr entfernten - ist ein altes Phänomen. Es gibt Sammler von alten Käfern, dem Symbol des deutschen Wirtschaftswunders, und es gibt Personen, die das Internet durchsuchen, um das ideale Kleid im Stil der 50er zu finden. Wie steht es mit PRL? “Die Mode kommt zurück und wir können auch über Mode und die Gegenstände aus der Zeit der Volksrepublik Polen sprechen”, gibt Katar-


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Foto: lamperia zyna Andrzejewska zu. Dahinter versteckt sich wohl der Grund, weshalb das Museum manche Elemente seiner Sammlung ausleiht. “Kleidung, Brillen, Möbel und Autos sind zurückgekommen. Möbel aus dieser Zeit kosten viel Geld und unser alter guter Maluch wird für Unsummen verkauft. Geschirr, dass früher in jedem Haushalt zu sehen war und für nichts Besonderes gehalten wurde, nimmt einen Ehrenplatz in manchen Wohnungen ein. Omas große Sonnenbrille ist nicht mehr eine totale Blamage!” Tatsächlich, die findet man jetzt an jeder Ecke. Die Rückkehr in Räumlichkeiten aus Zeiten des PRL machen auch Bars und Restaurants möglich. In Warschau findet man einige davon. Woher kam aber die Idee? “Wir sind in eine andere Richtung gegangen und haben nicht den Trend auf moderne bunte Räume, wo man exotische Drinks aus mehreren Komponenten serviert, befolgt”, erzählt Paweł Kuberski, Spezialist für Marketing der Bar-

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kette Pijalnia Wódki i Piwa. “Unsere Motivation war der Wunsch, die alten Bars aus Zeiten der Volksrepublik Polen, also der 70er Jahre - mit typischem schnellen Konsumangebot - im modernen Geist wiederzubeleben. Das Menü ist eigentlich an alle gerichtet, aber es sollte vor allem junge Menschen ansprechen, für welche dies eine kulinarische Zeitreise in eine Epoche ist, die sie nur aus Erzählungen kennen. Pijalnia Wódki i Piwa ist keine treue Kopie solcher Bars, sondern eine stilistische Anknüpfung, die sich in den Trend von Bars und Restaurants platziert, die schon bei der Eröffnung so aussehen, als ob sie benutzt wurden. Ein bisschen Vintage mit modernen Standards, wie Klimaanlage und Elektronik, die gut in alten Radios und Fernsehern, in der Küche und anderen Elementen der Einrichtung aus den 70er versteckt ist”, erklärt weiter Paweł Kuberski und gibt zu, dass das Interesse mit der ersten Bar, die 2011 in Krakau eröffnet wurde, seine Erwartungen übertroffen hat.

Das Restaurant in Warschau ist eins von vielen in Polen.

Der Teufel steckt im Detail Die Liebe zum Detail in Pijalnia Wódki i Piwa ist beeindruckend. Die Wände sind mit Zeitungen aus den 70er ausgelegt, hier und dort entdecken wir Alltagsgegenstände - alte Flaschen, Spielzeug, Zigarettenschachteln, Arbeiterschilder oder Motoposter und auf dem Bildschirm des Fernsehers werden alte Filme gezeigt. Aus den Lautsprechern erklimmen Hits der 80er Jahre. Hier kann man schnell etwas bei der Bar essen, oftmals stehend. “Wir wollten Erinnerungen an Orte und Plätze wecken, wo damals Gäste auf einen ,schnellen’ Wodka und Imbiss vorbeikamen, mit Freunden bei einem Glas Bier plauderten, einfach an Restaurants aus der vergangenen Epoche, für welche alle viel Sympathie haben”, erzählt Paweł Kuberski. Hier finden wir auch andere Speisen dieser Zeit - “zimne


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Foto: lamperia nóżki”, “śledzik” oder Tatar. “Diese Speisen waren unsere Inspiration für das Menü - einfache Rezepte, die die Zeit beim Wodka oder Bier verherrlichen.” Einzigartige Stimmung finden wir auch in Lamperia, wo - gemäß des Namens - die Wände mit Lamperie bedeckt und mit Tüpfelfarn und Postern dekoriert sind. Man kann hier sogar eins von vielen Kult-Büchern lesen. “Wir wollten zu den alten Zeiten zurückkehren - als das Essen noch einfach war, hausgemacht, frisch und aus polnischen Zutaten”, sagt Agnieszka Brodziuk aus Lamperia, und zählt als typische Speisen der Volksrepublik Polen, wie etwa Quarkklöße, Kartoffelpuffer, Pausbacken, Rote-Rüben-Suppe und litauischen Borschtsch auf. “In unserem Menü sind klassische polnische Speisen zu finden. Es gibt Schabowy (Schweinekotelett), Sauermilch mit Eiern, Leber, Buletten… Natürlich haben wir auch die Quarkklöße. Alles wird mit Leidenschaft vorbereitet”, versichert Agnieszka Brodziuk.

Betonstadt Warschau Man hört ab und zu, dass die Hauptstadt Polens grau und aus Beton sei, was sie der Regierung der Volksrepublik Polens zu verdanken hat. Katarzyna Andrzejewska bestreitet diese Feststellung. Man muss aber in Erwägung ziehen, dass die Volksrepublik Polen 40 Jahre bestand - eine Zeitspanne, in der viel geschah und Warschau, genau wie das ganze Land, erbaut wurde, ein Wirtschaftswunder erlebte und auch eine Krise erlitt. “Warschau war nie eine graue sozialistische Betonstadt und sie war auch nicht hässlich”, sagt Andrzejewska und es fällt schwer ihr nicht Recht zu geben, wenn man die Fotos aus den 70er sieht. “Hier war ständig etwas los. Die Stadt lebte und erstrahlte mit vielen Farben. Die Menschen besorgten sich die ersten Fernseher, die am Abend leuchteten”, malt Andrzejewska die damalige Zeit

vor meinen Augen. “SuperSam, der Kultur- und Wissenschaftspalast, Märkte, Milchbars, Restaurants und Kneipen - das waren die Highlights des Kommunismus. Wir haben keinen Grund uns zu schämen.” Diese bunte - oder eher kontrastvolle - Stadt kann man während der Ausflüge im Museum Czar PRL erleben. “Unsere größte Attraktion ist die Rundfahrt ,Warschauer Abenteuer’ (pl. ,Warszawska Przygoda’). Wir zeigen den Gästen Orte, die sie nicht in allen Reiseführern finden werden. Jüdisches Warschau, der Stadtbezirk Praga… und dann gibt es Mittagessen in einer Milchbar - so bleibt die Zeit stehen.” Zeiten der Volksrepublik Polen spalten noch heute die Meinungen. Die Epoche wird aber aufs Neue entdeckt. Das Echo der vergangenen Zeit ist im ganzen Land zu hören, aber Warschau ist der beste Ort, um sie zu verstehen und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.


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Warschau im Neonlicht von emanuela Janda

Lichtwerbung erinnert viele Personen an die Zeiten der Volksrepublik Polen. Wenn man heute Warschau/Warszawa besichtigt, kann man die alten Neonanlagen noch hier und dort finden. Dies ist nur ein kleiner Bruchteil, der übrig geblieben ist. Dazu kommen noch die gegenwärtigen Anlagen. Die Geschichte der Lichtröhre kann man in Kamionek ergründen - einen Teil des Bezirks Praga Wschodnia. Dort finden wir das Neonmuseum - eine der besten “Instagram-Locations” der Stadt. Die Tatsache, dass junge Menschen bereit sind, das Stadtzentrum zu verlassen um ein perfektes Foto für soziale Medien zu schießen, zeugt davon, dass sie vor allem die ästhetischen Aspekte der Lichtwerbung - in diesem Fall, der Neonanlagen schätzen. Witold Urbanowicz aus dem Neonmuseum stimmt mir zu. “Erstaunlicherweise, wecken die Neonanlagen keine negativen Konnotationen mit dem Kommunismus,” stellt Urbanowicz fest. “Viele Bewohner der polnischen Städte erinnern sich sehr gerne an die Lichtwerbeanlagen. Man vermisst Werbungen, die vor Jahrzehnten verschwunden sind. Wir werden oft nach konkreten Anlagen gefragt - was geschah mit der blinkenden Kuh aus der Milchbar an der Krucza-Straße? Die junge Generation kennt natürlich diese Lichtwerbungen nicht. Sie schätzt aber sehr ihre ästhetische Seite,

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also etwas, was die gegenwärtigen Werbungen nicht haben - besonders heute, wenn die Städte mit ihnen überflutet werden. Außerdem ist das Neonlicht irgendwie aufregend.”

Von einem hellen Schein zu Packards Neonanlagen Die Geschichten über ein buntes Warschau, das mit Neonlicht leuchtete, wecken das Interesse an der Vergangenheit dieser Werbungsform. Irgendwie scheint sie sowohl den Glanz als auch den Schatten der Volksrepublik Polen wiederzugeben. Machen wir uns auf eine Reise zu den Ursprüngen der Lichtreklame, genauer gesagt - der Neonanlagen.

alte postkarte aus warschau, Foto: sammlung de 1675 beobachtet der französische Astronom Jean Picard einen leichten Schein über den Quecksilberspiegel in dem gerade entdeckten Toricelli-Barometer. Ab diesem Augenblick ist es noch ein langer Weg bis zu den uns bekannten Neonanlagen. Im 18. Jahrhundert waren die Vorführungen mit


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es Neonmuseums leuchtenden Kugeln in Europa sehr beliebt, aber erst 1857 gelingt es dem deutschen Physiker und Glasbläser Heinrich Geissler, die erste dichte gläserne Niederdruck-Gasentladungsröhre zu konstruieren. Ein halbes Jahrhundert wird es dauern, bis der französische Chemiker und Erfinder Georges

Claude zusammen mit dem deutschen Gelehrten Carl von Linde die Generierungsmethode des Flüssigsauerstoffs erfinden. Noch bevor es dazu kommt, arbeiten Sir William Ramsay, Lord Rayleigh und Morris W. Travers an der Ausgliederung von Argon und Helium und entdecken Neon, Krypton und Xe-

non. In dem von Claude und von Linde entwickelten Prozess werden nämlich Gase abgestürzt, die das Leuchten der Röhre ermöglichen. Die Experimente von Claude mündeten in der Erfindung neuer Beleuchtungen - der Neonlampe, deren Einsatz in der Werbungsindustrie schnell ausprobiert wurde.


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und bald die leuchtenden Röhren solche Metropolen wie Las Vegas und Chicago erhellen werden.

alte postkarte aus warschau, Foto: sammlung des Neonmuseums

Nach dem Krieg greift zuerst die Künstlerin Sonja Delaunay nach der Neonanlage und schöpft in Frankreich den legendären “Zig-Zag”. In kurzer Zeit werden viele große europäische Städte mit Lichtwerbung überflutet, darunter zum Beispiel Berlin. Der Trend erreicht schließlich auch Warschau - eine damals zerstörte und armselige Stadt, wo mit der wirtschaftlichen Entwicklung am Anfang nur die Anzahl von kitschigen Werbeschildern wuchs. Auf die erste Neonwerbeanlage musste man bis 1926 warten. “Neon” von Philips erleuchtete die Ecke der Straßen Marszałkowska und Aleje Jerozolimskie. Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erkrankte auch Warschau an dem Neon-Fieber, welches sich eher im Stadtzentrum ausgebreitet hat. Die Neonanlagen waren damals selbst schlicht gehalten. Die damalige Presse lobt die Lichtreklame und kritisiert das Lichtchaos zugleich, die Einführung konkreter Maßnahmen fördernd. Während der Verdunkelungsaktion 1939 werden alle Lichter der Stadt erloschen und erst nach sechs Jahren wieder aufleuchten.

Neonlicht in den Trümmern

alte postkarte aus warschau, Foto: sammlung des Neonmuseums Die Verwendung anderer Gase als Neon, der die Rühre orangen-rot aufleuchten ließ, eröffnete neue Möglichkeiten. Die erste Neonanlage wurde in Frankreich, Paris, über einen Friseursalon an der Avenue de Champs Elysees montiert. Die Aufschrift “Cinzano” erleuchtete

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die Dunkelheit. Der Erste Weltkrieg beendet die Entwicklung der Neonanlagen auf dem Alten Kontinent. Claude macht sich auf den Weg nach Amerika, wo zwei Zwillingswerbeanlagen für Packard entstehen

Damit sind wir an jenen Augenblick in der Geschichte angekommen, der uns eigentlich am meisten interessiert - die Nachkriegszeit und die Zeiten der Volksrepublik Polen. Kurz nach dem Krieg und trotz der Vernichtung der Stadt, leuchteten die Neonanlagen der kleinen Geschäfte, die sich im Erdgeschoss befanden. Es gab noch keine Stadtbeleuchtung also mussten die Neonanlagen, wie kleine Lichtinseln ausgesehen haben. Die kommunistische Regierung bremste die Entwicklung jeglicher Werbungsformen, denn diese wurden für reaktionär und bürgerlich gehalten. Außerdem war Werbung in der Zentralverwal-


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tungswirtschaft unnötig. Die Neonanlagen wurden zum Dekor oder Informationsträger, obwohl sie nicht zu der monumentalen sozialistischen Architektur passten. Das Interesse an den Neonanlage erwacht erst nach dem Tod von Stalin. Es entsteht die berühmteste Lichtwerbung Warschaus - die Mehrfarbige Anlage des Einkaufszentrums Dom Towarowy (jetziger Smyk), die von den Deutschen im Gegendienst für die Bereitstellung von Ausstellungsflächen angefertigt wurde. Die Werbung erleuchtete den Raum zwischen den Straßen Marszałkowska und Nowy Świat. In den 50er Jahren war Lichtwerbung sehr populär, was die Stadt im größten Teil der Presse zu verdanken hatte, die darauf bestand, die neuesten Trends aus Hamburg, Paris oder Kopenhagen zu präsentieren. Die Redaktion von “Stolica” wagte es, eine Umfrage durchzuführen, in der die Bewohner zeigen sollten, welche ausländische Lösungen sie gerne in Warschau sehen würden. Der Publizist Artur Hojniczy gab öffentlich zu, dass die Hauptstadt wunderschön aussehen könnte und dass ohne großen Arbeitsaufwand. Andere Zeitungen stimmten der Idee zu und die Regierung, die die Lüge aufrechterhalten wollte, dass die Wünsche und Nöte der Gesellschaft erhört werden, musste nachgeben. Warschau sah außerdem schlechter aus als zum Beispiel Katowice, wo die Regierung mit der Wirtschaft eng zusammengearbeitet hat und die dazu bereit war, viel Geld in die Beleuchtung der Stadt zu investieren. Schon bald konnte man in Warschau alle möglichen Arten der Neonanlagen finden. Zu den häufigsten zählten Schilder mit Blockoder Handschrift aus Blech, dessen Konturen durch Lichtröhren beleuchtet wurden. Es gab auch Schilder aus durchsichtigem Kunststoff mit Buchstaben die nicht leuchteten, aber durch die Röhren beleuchtet wurden, und solche, wo die Elemente aus den Lichtröhren auf durchsichtigen Flächen montiert

alte postkarte aus warschau, Foto: sammlung des Neonmuseums wurden. Zu den interessantesten gehören aber die Neonanlagen, die nur aus Lichtröhren bestanden. Diese Spitzenkompositionen wurden von den Künstlern zur Kunst erhoben.

Neonanlage und die Lichtwerbung Es fällt schwer die Funktion von Neonanlagen zu präzisieren - dem Werkzeug des Konkurrenzkamp-

fes, der in der zentral verwalteten Güterdistribution nicht vorkam. Dies führte dazu, dass zwischen der Bezeichnung “Neonanlage”, hinter welcher sich das graphische Zeichen verbarg, und “Lichtwerbung” nicht mehr das Gleichheitszeichen gestellt werden konnte, was für den Westen ein Rätsel darstellte und bestimmt für die heutige Generation schwer zu begreifen ist. Witold Urbanowicz versucht zu helfen und erklärt: “Die Neonanlagen hatten nach dem Krieg keinen kommerziellen Charakter. Sie sol-


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Foto: neonmuseum lten nicht für etwas werben, ihre Funktion war das Beleuchten und Verschönern der Stadt - sie sollten informieren, ausbilden und unterhalten.” Diese Einsicht befolgte die Regierung auch, wenn sie die Neonisierungsaktionen Warschaus durchgeführt hatte. “Oft wurden Entschlüsse getroffen, über die Neonisierung eines ganzen Bezirks oder der gesamten Straße. Neonanlagen bekamen dann alle Geschäfte, egal ob sie gebraucht wurden oder nicht: Reinigungen, öffentliche Bibliotheken, Kiosks, Nähwerkstätte usw.”, erklärt weiter Urbanowicz. “Es entstanden soziale Werbungen, wie PKO Twoim bankiem’ (de. ,PKO - Deine Bank’), ,Książeczka PKP drogą do własnego mieszkania’ (de. ,Das PKP-Buch - Weg zu eigener Wohnung’), ,Zwiedzajcie ZOO’ (de. ,Besuchen Sie das Zoo’). Es wurde für Produkte geworben, die der durchschnittliche Kunde nicht gebraucht hat (Werkzeugmaschinen, Buchungsmaschinen aus der DDR) und es gab Lifestyle-Werbungen, wie wir sie heute nennen würden, die für nichts geworben haben.”

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Präziser Mechanismus Der Weg vom Entwurf zur Realisation war lang, bestand aus mehreren Etappen und dauerte manchmal von zwei bis drei Jahren. Die Kontrolle verhinderte aber den Neonchaos und ermöglichte, richtige Kunstwerke zu schaffen. Die Mehrheit der Neonanlagen in der Volksrepublik Polen wurde durch das von der Stadt berufene Unternehmen für Werbungsdienste “Reklama” (P.U.R.) angefertigt. Gleichzeitig funktionierten auch zwei kleinere Genossenschaften “Lumen” und “Spójnia”, die aber keine große Karriere machten. Die Künstler, die die Neonanlagen entworfen haben, waren in große Werkstätten zusammengeschlossen. Trotz der Kontrolle seitens der Regierung, kann man von einer wahrhaft polnischen Stilistik der Projekte sprechen. “Heute kann jeder Werbung selbst entwerfen. Nach Ergebnissen muss man nicht lange suchen. Damals war der Entstehungsprozess der Werbungen sehr geordnet. Gleichzeitig zeugten die Neonanlagen von großer Kreativität,” präzisiert Witold Urbanowicz. “Drei Etagen hohe

Neonblumen hangen über den Blumengeschäften, ein Elefant mit Klee lud dazu ein, am Gewinnspiel teilzunehmen, und eine blinkende Kuh aus der Flasche begrüßte die Kunden einer Milchbar.” Ein solches Warschau machte bestimmt einen guten Eindruck und so hat es sich im Bewusstsein vieler Polen eingeschrieben. Neben den positiven Stimmen sind aber auch negative zu hören. Die heutigen Veröffentlichungen über die Neonanlagen der damaligen Zeit deuten oftmals darauf hin, dass es sich um einen “von damaligen Spielfilmen kreierten Mythos handelte, denn für die Produktion wurden immer die besten Stadtteile ausgewählt - mit prächtigen Neonanlagen und Schaufenstern”. Die Bemühung um die Verschönerung der Stadt wird hingegen als Schaffen von “Imitation der Lebensprozesse, die typisch für Großstädte sind”, genannt, die aus der Hauptstadt Polens eine “geschminkte Leiche” machten, anstatt einen “lebendigen großstädtischen Organismus”.


#Stories 35

Foto: neonmuseum

Das Ende der Scheinpracht In den 70er Jahren näherte sich Polen dem Westen an und in Warschau entstanden kleine private Unternehmen, dessen Neonanlagen nach dem kapitalistischen Muster entworfen wurden. Die Regierung verlor langsam die Kontrolle über das System der Entstehung von Lichtwerbung. Das bürokratische Chaos zusammen mit weniger engagierten Künstlern, trug zur Anfertigung schlechterer Neonanlagen bei - betroffen waren sowohl der Inhalt, wie auch die Form. Auch die energetisch-ökonomische Krise wurde langsam spürbar. “Wenn der Staat nach Ersparnissen suchte, wurden die Neonanlagen zuerst ausgelöscht. Nicht konservierte und nicht funktionierende Werbungen verfielen ganz schnell. Dazu kamen noch die gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Veränderungen. Nach dem Fall des Kommunismus entstanden neue Geschäfte usw.” präzisiert Urbanowicz. Nicht alle

Neonanlagen gingen aber verloren. “Zu den interessantesten, die erhalten geblieben sind, gehören die Volleyballspielerin und das Männchen mit der Presse auf dem Plac Konstytucji, der Globus an der Kreuzung der Straßen Aleje Jerozolimskie und Bracka, Mit Neonlicht erleuchten auch die Eingänge im Kulturpalast. Besonders interessant ist die Typografie der Neonanlage von der Buchhandlung Stefan Żeromski an der Straße Aleje ,Solidarności’, ,Tkanina’ von Wilson-Platz und ‘Szafir’ aus der Wolska-Straße. Die goldene Zeit haben die Neonanlagen schon hinter sich, aber das Interesse an ihnen wächst. Die Entstehung des Neonmuseums zeugt davon, dass man einen solchen Ort braucht. Wie startete die Initiative? “Alles fing mit Berlin an und war reiner Zufall”, beginnt Witold Urbanowicz zu erzählen. “Fotografin Ilona Karwińska, die in London wohnt, kam 2005 nach Polen zusammen mit einem befreundeten Grafiker - ,David Hill’. Als sie die Świętokrzyska-Straße entlang gefahren sind, bemerkte er die verwahrloste Neonanlage ,Dancing’ und sagte zu Ilona: ,Wow!

Du musst ein Bild davon machen!’ Als Grafiker kennt David unterschiedliche Schriftformen, aber die alten aus den Neonanlagen waren ihm unbekannt. Und so hat es begonnen.”

Wieder zum leuchten erweckt “Am Anfang sollte es ein kurzes Projekt sein”, führt Urbanowicz fort. “Wir haben eine Liste der Neonanlagen zusammengestellt, die fotografiert werden sollten. Darunter war auch das rot leuchtende Berlin. Die Neonanlage kommt aus dem Jahr 1974 und hing ursprünglich über einem Textil- und Kleidungsgeschäft, später über einem Geschäft mit Elektronik. Als Ilona mit dem Fotoapparat zurückgekommen ist, wurde die Neonanlage schon abgenommen, obwohl sie ein paar Tage davor noch prächtig geleuchtet hatte. Ohne viel nachzudenken, kontaktierte Ilona die Eigentümer, die zugegeben haben, dass sie die Neonanlage wegwerfen wollen, da sie von


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von den Tauben beschmutzt und alt ist. Auf diese Art und Weise vergrößerte sich die Anzahl der von uns geretteten Lichtwerbungen. Fotoausstellungen und später auch Veröffentlichungen sind sehr gut angekommen und erfreuten sich großem Interesse, weswegen wir festgestellt haben, dass wir die Neonanlagen an einen Ort zeigen wollen - vor allem aufgrund ihrer Größe und Zerbrechlichkeit. Die Rede ist doch vom Glas. Die Idee für die Gründung des Museums kam 2010 während der Nacht der Museen in Breslau (Wrocław), wo wir zu Gast waren. Die Neonanlagen wurden auf der Terrasse von Ilonas Schwester und im Lagerraum von ihren Bekannten aufbewahrt. Dies war aber nur eine vorübergehende Lösung. Es dauerte ein wenig bis wir den richtigen Platz gefunden haben. Glücklicherweise sind wir auf großes Interesse seitens der Besitzer von Soho Factory im Warschauer Kamionek, in der Nähe des Bahnhof Warschau Ost (Warszawa Wschodnia) gestoßen. Wir öffneten die Tür für die Besucher im Mai 2012 während der Museumsnacht,” so Urbanowicz. Das Museum beschäftigt sich mit der Rettung alter Neonanlagen, die nicht mehr in ihrer alten Lokalisation hängen durften. “Wir führen eine Art Neon-Notdienst und so gelangen ungewollte, aber wertvolle Anlagen zu uns,” verrät mein Gesprächspartner. “Wir führen auch die Aktion ,Akcja Renowacja’ durch, in dessen Rahmen wir die alten Neonanlagen erneuern auch in der Stadt. Wir haben viele Lichtwerbungen erneuert oder an der Erneuerung teilgenommen – z.B. die Neonanlage ,Mydła Farby’ aus der Nowolipki-Straße, ,Księgarnia im. Stefana Żeromskiego’. Wir wirkten auch bei der Rekonstruktion der Anlage vom Cafe Jaś i Małgosia an der Straße Al. Jana Pawła II. mit. In unserem Museum sind auch Werbungen zu finden, die im Rahmen dieser Aktion erneuert wurden.”

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Foto: neonmuseum

B wie Berlin Im Neonmuseum kann man sich schnell von dieser Werbungsform überzeugen lassen. Die komplizierten Konstruktionen sind wahre Kunststücke und erinnern gar nicht an die heute bekannten Werbeformen. Zurzeit befinden sich in der Sammlung über 100 Neonanlagen. Die meisten stammen aus Warschau, aber es gibt auch andere - “wir haben auch Ausstellungsstücke aus anderen Städten. Seit kurzer Zeit sind wir im Besitz

von Anlagen aus dem Ausland, genauer gesagt aus der ehemaligen Tschechoslowakei, Ungarn und Deutschland.” Ich bitte Witold Urbanowicz, die interessantesten Neonanlagen der Sammlung zu zeigen. “Zu den interessantesten Anlagen zählt ,Berlin’ mit der Schriftform, die an Zirkusse oder Western erinnert. Ein wahres Juwel in unserer Sammlung ist das Symbol der Warschauer Bibliotheken, eine Meerjungfrau, die auf einem Buch sitzt. Erwähnenswert sind auch die Blumen unterschiedlicher Art aus einem Warschauer Blumengeschäft oder das Cocktailglas mit Strohhalm. Wir haben noch andere interessante Neonanlagen


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dass die neuen Neonanlagen nicht nur ein bloßes Firmenlogo sind, sondern mit genau durchdachter und kreativer Form begeistern. Viele Interessierte bitten uns um Hilfe bei der Gestaltung und Anfertigung einer Neonanlage.” “Erwähnenswert ist auch der Wettbewerb ,Nowy Neon dla Warszawy’ (de. ,Neue Neonanlage für Warschau’), der uns helfen sollte, ein Neonsymbol für die Hauptstadt zu finden. Die Form wurde nicht festgelegt, genau wie der Ausstellungsort. Die Bewohner von Warschau haben sich für die Neonanlage ,Miło Cię Widzieć’ (de. ,Schön dich zu sehen’) von Michał Lewczyk entschieden. Sie wurde an einem ungewöhnlichen Ort aufgehangen, nämlich auf der Brücke Most Gdański.” Es sieht danach aus, dass die Neonanlagen nie vollkommen erloschen werden - trotz aller Widrigkeiten des Schicksals und großer Konkurrenz. Es wird ständig Menschen geben, für die ihr Licht etwas Besonderes ist - in manchen Personen weckt es Erinnerungen, für andere steht es für Spaß und gute Stimmung. In dem Licht der Neonanlagen gewinnt der graue Alltag an Farbe.

- z. B. die wunderschöne Aufschrift ,Bajeczny’, wo die Neonröhre keine Unterlage hat, oder ,Syrena’ aus dem Kino in Elbląg (Elbing), die in Teile zerschnitten aufgefunden und von uns zusammengesetzt wurde.”

Anspruchsvolle Werbung Wenn man die Entstehung neuer Restaurants, Klubs und Bars, manchmal sogar Kulturinstitutionen, beobachtet, fällt ins Auge, dass die Neonanlagen langsam wiederentdeckt werden, denn sie passen sehr gut zum Trend der stimmun-

gsvollen Räumlichkeiten. Kann man aber von einer Renaissance der Neonkunst sprechen? “Auf jeden Fall! Ich finde auch, dass wir einen recht großen Anteil daran haben. Die Neonanlagen sind aber keine Form der Massenwerbung vielmehr ist es eine Werbungsform für Kenner. In Neonanlagen investieren Plätze - Restaurants, Geschäfte, Bäckereien, Konditoreien und Cafés - die sich auszeichnen wollen”, erklärt Witold Urbanowicz. “Obwohl die Neonanlagen teurer sind und konserviert werden müssen, sind sie eine lohnende Werbungsform - ausdrucksstark, aber trotzdem angenehm für die Augen. Uns freut die Tatsache,

Neon Muzeum Gebäude 55 soho factory ul. Mińska 25 03-808 warszawa


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Pinball-Museum in Krakau – der perfekte Ort, um Spaß zu haben von Robert Dethloff Funkelnde Lichter, charakteristischer Klang der Kugel, die von den Flipperhebeln geschossen wird, und riesiger Spaß. Das kann man nur im Interaktiven Pinball-Museum in Krakau erleben. Besucher begeben sich hier auf eine nostalgische Zeitreise. Ältere werden sich bestimmt an ihre Kindheit erinnern und Jüngere bekommen eine neue Art von spielerischen Emotionen geliefert, die man kaum vor dem PC oder der Konsole erleben kann.

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An der Stradomska-Straße 15 in Krakau in einem schön restaurierten Keller befindet sich das Pinball-Museum. Auf rund 300 Quadratmetern sind hier Flipper oder anders Pinballs gleich neben alten Arcade-Automaten aufgestellt, die dank der Leidenschaft von Marcin Moszczyński und Maciej Olesiak ein zweites Leben bekamen. “Zurzeit haben wir 60 Flipper und 15 alte Arcade-Automaten mit solchen Klassikern, wie Pacman oder Galaga”, sagt Marcin Moszczyński. Wie kamen Moszczyński und Olesiak auf die Idee ein Pinball-Museum zu gründen? “Alles begann damit einen Traum aus der Kindheit umzusetzen und eine solche Maschine zu Hause zu haben. Der Traum wurde erfüllt, aber irgendwann wurde mir das Gerät langweilig. Ich kaufte das Nächste und das Nächste. Auf eine ähnliche Art sammelte auch mein Kollege. Als sich dann auf die Sammlung mehr als ein Dutzend Maschinen zusammensetzten, haben wir uns entschlossen, die Flipper dem breiten Publikum zugänglich zu machen. So gründeten wir in einem alten Pub das Pinball-Museum”, erklärt Moszczyński und fügt noch hinzu “Es ist ein wenig so, dass man die besten, die interessantesten und anspruchsvollsten Spiele haben will. So ist auch unsere Sammlung, denn diese 60 Maschinen sind unserer Meinung nach, die interessantesten, die jeweils produziert wurden. Sie garantieren Spaß und Spielvergnügen”.

Foto: Pinball-Museum

krakow pinball museum Stradomska 15, 33-332 Kraków

Das goldene FlipperZeitalter Viele junge Leute haben heute nicht die geringste Ahnung, was ein Flipper ist, schließlich leben sie in einer Zeit, die vor allem durch Computer- und Konsolenspiele geprägt ist. So ist ein Flipper ein Geschicklichkeits-Spielautomat mit zwei Flipperhebeln, die eine polierte Stahlkugel durch das Spielfeld schießen. Das Spielfeld leuchtet mit bunten Lichtern und ist reich mit verschiedenen Elementen wie

etwa Rampen, Holes und Kickers sowie sog. Slingshots verziert. “Jeder Tisch wird so entworfen, um die Spieler stundenlang zu unterhalten. Eine hohe Punktzahl erfordert viel Übung, Technik und Gefühl aber wenn man eine bestimmte Punktzahl erreicht, gibt es auch die Möglichkeit, die Gewinner-Initiale einzutippen, das macht unheimlich viel Spaß”, versichert Moszczyński. Noch in den frühen 40er, bis zum Jahr 1976 wurden Flipper durch den Geldeinsatz dem Glücksspiel zugeordnet. In Sachen Form und Geschichte muss man auch erwähnen, dass die Maschinen noch damals zwischen sechs bis acht Hebel hatten. Der Wendepunkt kam 1948 als Steve Kordek - ein US-Amerikaner mit polnischen Wurzeln aus Geldmangel einen Tisch mit nur zwei Hebeln entwarf. Wie es sich später zeigte, war dies eine revolutionäre Veränderung, die dem Flipper-Wahnsinn den Anfang gab. Anfangs waren die Automaten vor allem in ihrer Wiege also den USA beliebt, doch schnell erlangte ihre Popularität ein globales Ausmaß. Dass Flipper Millionen von Herzen eroberten ist noch gelinde gesagt! Die Hersteller entwickelten im Laufe der Zeit immer interessantere und technisch fortgeschrittenere Spielautomaten, die dort eingerichtet wurden, wo die Leute ihre Freizeit verbrachten - Bars, Hotels, Klubräume etc. Man warf eine Münze hinein und spielte so lange, bis man die nächste und die nächste einwerfen musste. Bei einer ist es fast niemals geblieben. Flipper dienten nicht nur dem Spielvergnügen, sondern auch der Vermarktung. Die Motive, die das Innere verzierten, waren dementsprechend oft z.B. an Filmpremieren gebunden, wie etwa “Terminator”, “Jurassic Park” oder “Dracula”. Es sind so viele, dass man sie gar nicht alle aufzählen kann. In den 80er verloren Flipper an Popularität vor allem zugunsten von Arcade-Automaten. Später kamen noch die ersten PCs und


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Konsolen und so bedeckte die Flipper eine dicke Staubdecke.

Zurück im Rampenlicht / Das große Comeback Zum Glück sind Flipper nicht lange auf dem Abstellgleis geblieben. Dies ist vor allem ein Verdienst solcher Sammler, wie Marcin Moszczyński und Maciej Olesiak, die alte, manchmal fast zerstörte Spielautomaten aufspüren und ihnen ein zweites Leben geben. Im Pinball-Museum werden den Besuchern restaurierte und spielbare Antiquitäten bereitgestellt. Wo werden diese aufgesucht? “In ganz Europa. Das Herkunftsland kann man anhand der Münzeinwürfe erkennen, wie etwa Gulden, Lira, griechische Drachme oder die Deutsche Mark”, sagt Moszczyński. Er und sein Geschäftspartner basteln persönlich, renovieren und übernehmen die alles andere als einfache Wartung der Maschinen. “Der Großteil der Maschinen bedarf einer Rundumerneuerung, die wir dann hier vor Ort machen. Maciej ist ein echter Flippermacher und kann alles reparieren und erneuern. Die Maschinen gehen Tag für Tag kaputt, denn die meisten sind mehr als 20 oder 30 Jahre alt. Der älteste Flipper stammt aus dem Jahr 1967 und ist vollkommen spielbar trotz seiner 50 Jahre. Er hat auch eine Glasseite und so kann man auch beobachten, wie die Mechanismen während des Spiels arbeiten”, sagt Moszczyński.

Erinnerungen werden wach Das Pinball-Museum ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Im Gegensatz zu vielen anderen Museen, kann man hier alles berühren und selbst erproben, wie es funktioniert. Das Spielvergnügen verbindet Generationen. Veteranen erinnern sich an ihre Kindheit und Junge Leute können eine Alternative zu PCund Konsolenspielen kennenler-

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Foto: Pinball-Museum

Foto: Pinball-Museum

nen. “Viele verlassen das Museum mit Begeisterung im Gesicht. Es ist eine Zeitreise mit Nostalgie und Sehnsucht nach den alten Zeiten”, erklärt Moszczyński und fügt gleich hinzu “Man muss hier keine Überzeugungsarbeit leisten. Die Älteren kennen das Thema. Kinder kommen hier mit großer Neugier und manchmal ohne jegliche Flipper-Erfahrung hin. Nach ein paar Stunden kommen sie raus und sagen «Wow! Papa du hattest eine tolle Kindheit!»“

Einmal Zahlen und uneingeschränkt spielen Die Geschäftsführer sorgten auch dafür, dass niemand seine Ersparnisse verspielt, denn Flipper sind eine Art von Unterhaltung, die einen schnell abhängig machen kann. So zahlt man nur den Eintritt. Dieser beträgt 40 Zloty für Erwachsene und 20 Zloty ermäßigt für Kinder und Studenten. Mit


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Foto: Pinball-Museum

Foto: Pinball-Museum

einem Ticket kann man von der Eröffnung bis zur Schließung des Museums spielen. “Münzeinwerfer sind im Museum nicht erforderlich, denn mit dem Eintritt muss man kein Geld bei jedem Automaten einwerfen. Alle Maschinen sind free to play zugänglich, ohne Einschränkungen und im Preis inklusive. Das Ticket hat eine Armbandform, so wie etwa bei All-Inklusive-Paketen in Hotels. Das Armband gilt für den jeweiligen Tag, also man kann die ganze Zeit Spielen aber auch das Museum verlassen, um was zu essen und

wieder am Abend zurückzukommen”, versichert Moszczyński.

Das Flipper-Phänomen

Das bedeutet jedoch nicht, dass hier keine Regeln gelten. Spieler dürfen vor allem kein Bier auf die Flipper stellen, Rauchen ist ebenfalls streng verboten, wie auch das Kippen der Spielautomaten um die Stahlkugel zu bewegen.

Man könnte sich fragen, warum gerade Flipper so beliebt sind und was unterscheidet sie von anderen Spielen? Warum haben sie sich nicht der Zeit gebeugt und ziehen sowohl Ältere als auch Junge an? “Eine Interaktion mit einer Maschine die 100 Kilo wiegt, klirrt, leuchtet mit Birnen und Flashern, ist ein Erlebnis, dass kein Tablet oder PC liefern kann. Das muss man einfach ausprobieren!”, überzeugt Moszczyński.


42  #Stories

Harry Potter

von emanuela janda und Paulina kuc

und der Wawel-Drache? Nein, es ist nicht der Titel eines neuen Buches aus der Serie über den jungen Zauberer, der Tausende Herzen eroberte. Es stellt sich aber heraus, dass Harry Potter doch etwas mit der Hauptstadt Kleinpolens zu tun hat. Krakau (Kraków) ist voller magischer Plätze, aber einem Ort sollte man besondere Aufmerksamkeit schenken. Im historischen Keller an der Grodzka-Straße wird sich jede Hexe und jeder Zauberer zu Hause fühlen. Die Grodzka-Straße ist eine der ältesten in Krakau (Kraków). Erste Erwähnungen stammen bereits aus dem 13. Jahrhundert. Als Teil der Königsroute wurde sie von den polnischen Herrschern befahren. Heute ist sie voller Touristen, die sich von dem Ring in Richtung Wawel-Schloss begeben und umgekehrt. Hier befindet sich die Jesuitenkirche, Andreaskirche und die ehemalige Werkstatt des Bildhauers und -schnitzers Veit Stoß, der vor allem für den Krakauer Hochaltar bekannt ist. Menschen kaufen Souvenirs in den

Foto: PolenJournal.de

bunten Läden, erholen sich auf den Bänken und ihre Gespräche mischen sich mit den Melodien der Straßenmusiker zusammen. Von Zeit zu Zeit ist eine elegante Kutsche zu sehen. Wenn man an den Buchläden und dann an den Musikläden vorbei geht, entdeckt man Käfige mit Eulen und das Namensschild “Dziórawy Kocioł” (dt. “Zum tropfenden Kessel”). Wer mal von den Abenteuern von Harry Potter gehört hat, weiß ganz genau, was das bedeutet. Nachdem man in das Mietshaus hineingeht, findet man in der Mitte des Korridors an der linken Seite eine Treppe, die in den Keller führt. Über dem Eingang ist das Wappen von Hogwarts, der Schu-

Foto: PolenJournal.de

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le für Hexerei und Zauberei zu sehen. Warmes Licht


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"

Wieso habe ich mich für die Magie entschieden? Weil sie uns sehr nah ist. Eigentlich mag jeder Magie. Jede Frau mag, sich magisch zu fühlen, Kinder mögen es auch… Und wer ist jetzt die Ikone der Magie? - Przemysław Hus, Besitzer von Dziórawy Kocioł

erhellt den dunklen Innenraum des Cafés. Über die von Büchern umgebende Bar hängen Briefumschläge, auf dem Ladentisch liegen bunte Socken der vier Häuser. Ein Mann hinter der Bar eilt mit der Menü-

karte: “Suchen Sie sich einen Platz aus, merken sich den Zauberer oder die Hexe und dann kommen Sie mit ihrer Bestellung zurück”, sagt er und weist in die Richtung von zwei Räume hin. Der erste von ihnen ist geräumig mit einem Dutzend Tischen. Gegenüber der Tür wurde auf einem Gemälde die Große Halle dargestellt, aus dem bogenartigen Gewölbe hängen Fahnen der Häuser herunter, auf den Wänden sind Bildnisse der Harry-Potter-Figuren zu sehen und in der Ecke wartet ein äußerst harmloser Dementor. Wir nehmen Platz an einem der Tische zusammen mit dem Besitzer von Dziórawy Kocioł - Przemysław Hus, der mit einem Lächeln im Gesicht über den zweiten Saal erzählt: “Es erinnert mehr an den Gemeinschaftsraum der Gryf-


44  #Stories

Foto: PolenJournal.de findors, denn es gibt dort einen Kamin und es ist viel

Namen zu etwas verpflich-

dunkler. Manchmal kann man sogar Geister sehen”.

tet. Nein. Das Café sollte

In der Tat - es ist fast dunkel. Die meisten Plätze sind

magisch sein, das war der

belegt. “Der Raum ist vor allem für Paare sehr beliebt,

Leitgedanke. Damit er

denn sie fühlen sich hier sehr romantisch”, erklärt Hus.

Assoziationen mit Magie weckt, musste es entspre-

Die Atmosphäre wirkt magisch - auch wenn man ge-

chend benannt werden.

rade die Abenteuer von Harry Potter durch und durch

“Magisches Café” wäre zu

nicht kennt. Woher kam die Idee für ein solches Café?

wenig. Dziórawy Kocioł ist

“In Polen gibt es keine Themencafés”, eilt der Besit-

perfekt”.

zer mit der Antwort. “Im Gegensatz zum Ausland, vor allem Japan, wo man eine Unmenge davon findet.

Bleiben wir ein Moment

In Polen gibt es zum Beispiel ein Restaurant Mamma

bei dem Namen stehen.

Mia, dessen Name aber mit nichts verbunden ist. Mir

Dziórawy Kocioł heißt in

lag viel daran, sich einem Thema zu wenden. Wieso

der deutschen Fassung

habe ich mich für die Magie entschieden? Weil sie uns

des Buches Zum trop-

sehr nah ist. Eigentlich mag jeder die Magie. Jede

fenden Kessel (in Polen

Frau mag sich magisch zu fühlen, Kinder mögen es

ist es der “Löchrige Kessel”). Die korrekte Schreibung

auch… Und wer ist jetzt die Ikone der Magie? Pano-

des Wortes “dziurawy” (dt. “löchrig”) ist mit “u” und

ramix sagt keinem mehr etwas. Merlin? Merlin wird

nicht “ó”. Woher also der Strich in dem Namen des

mit der Onlinebuchhandlung verbunden. Harry Potter

Cafés? Im Internet sind zahlreiche Gerüchte darüber

ist jetzt die Ikone der Magie. Deshalb heißt das Lokal

zu finden. Einige Menschen sind sich sicher, dass die

Dziórawy Kocioł. Wir fühlen uns aber nicht durch den

Urheberrechte da eine Rolle spielten, andere hingegen

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Foto: PolenJournal.de


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Ich sage immer, dass es keinen Sinn hat, sich mit den Muggels zu streiten. Sie fühlen hier keine Magie. Aber es gibt viele Fans, unsere Stammgäste, die uns regelmäßig besuchen. - Przemysław Hus, Besitzer von Dziórawy Kocioł

Wir fragten uns, ob der Besitzer ein Harry-Potter-Fan ist. “Ich mag Fantasy, weil ich auch mag, mich magisch zu fühlen. Ich denke, dass jeder heranwachsende Junge sich mal wünschte, mit einem Drachen zu kämpfen und ein Zauberer zu sein. Ich habe die Bücher gelesen und mir die Filme angesehen. Der Roman ist sehr gut geschrieben. Ich bin ein ausgebildeter Pädagoge, also weiß ich die Kunst zu schätzen. Das Buch liest sich sehr leicht und es lohnt sich, nach ihm

behaupten, es sei ein Streich der Wichtel. Przemysław

zu greifen. Der Film wird nie in der Lage sein, alles

Hus erklärt, dass der Grund ganz einfach ist und kein

wiederzugeben. Ich habe also die Buchreihe gelesen

Zauberwesen damit zu tun hatte: “Es gibt schon ein

und mir die Filme angeschaut. Aber ob ich ein Fan bin?

Restaurant Dziurawy Kocioł in Krakau, das überhaupt

Man könnte so sagen. Bestimmt bin ich es in einem

nicht mit Magie verbunden ist. Jemand hatte einfach

bestimmten Ausmaß”, gibt Przemysław Hus zu. “Aber es waren die Fans mit einem großes ,F’, die mir klar gemacht haben, dass ich mit der Lage von Dziórawy Kocioł ins Schwarze getroffen habe. Ich habe vergessen, dass sich der Pub im Buch auch neben einem Buchladen und Musikladen befand”. Die Harry-Potter-Serie ist auf der ganzen Welt bekannt, aber neben den Fans, finden sich immer auch Anti-Fans. Der Besitzer von Dziórawy Kocioł erklärt aber, dass die Hater dem Café nach der Eröffnung zu schaffen machten, jetzt ist es schon besser. “Solche Menschen sind einfach Muggels. Hater kommen immer vor, vor allem in Polen” - meint Hus. Es stellt sich heraus, dass nicht nur Antis manchmal Sorgen bereiten. “Wir werden oft von ausländischen Gästen besucht, am häufigsten aus Deutschland. Ich habe noch nie etwas Negatives von ihrer Seite gehört. ,It’s amazing’, ,Wow’, auch wenn es hier manchmal schwül wird oder bei uns etwas passiert und wir es mit Geistergeburtstag zu vertu-

die Idee, so sein Lokal zu nennen. Wir wollten nicht

schen versuchen. Ihnen macht es keinen Unterschied.

denselben Namen tragen also dachten wir, dass es

Aber die Polen… Wir lieben es zu meckern, das ist

ein guter Scherz sein würde. Viele Menschen fragen

wohl unsere nationale Eigenschaft. Ich höre sehr oft,

uns, wieso wir das “ó” im Namen haben. Wieso denn

dass etwas anders sein könnte’. Menschen begreifen

nicht?”

es einfach nicht und fragen, wieso das Gewölbe nicht verändert wurde? Weil es verboten ist. Der Keller


46  #Stories

Foto: PolenJournal.de ist 800 Jahre alt und zählt zu historischen Denkmälern. Man darf hier nicht mal einen Nagel in die Wand einschlagen ohne die Genehmigung des Konservators, aber die Menschen verstehen es trotzdem nicht. Jeder hat seine Vorstellung. Es freut uns, wenn jemand uns seine Meinung sagt, aber wenn wir jedem Wunsch folgen sollten, müssten wir jeden Tag etwas verändern. Die Hater… Ich sage immer, dass es keinen Sinn hat, sich mit den Muggels zu streiten. Sie fühlen hier keine Magie. Aber es gibt viele Fans, unsere Stammgäste, die uns regelmäßig besuchen. Ich könnte nicht Butterbier zwei Mal pro Woche trinken”, gibt er zu und führt weiter fort: “Zuletzt habe ich es vor einem Jahr getrunken. Es gibt aber Personen, die hier seit der Eröffnung zweimal pro Woche herkommen und immer Butterbier bestellen. Es müssen wahre Zauberer und

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Ich sage immer, dass es keinen Sinn hat, sich mit den Muggels zu streiten. Sie fühlen hier keine Magie. Aber es gibt viele Fans, unsere Stammgäste, die uns regelmäßig besuchen. - Przemysław Hus, Besitzer von Dziórawy Kocioł

Hexen sein”. Inzwischen wurde das Butterbier auch für uns serviert. Mit Schlagsahne dekoriert sieht es köstlich aus und schmeckt auch so - nach Milch, Zimt und Kuchen. Es stört auch nicht, dass es eigentlich zu heiß draußen


#Stories 47

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Am meisten werden wir von Menschen unter 30 besucht, die mit Harry Potter aufgewachsen sind. Es kommen aber auch ältere Personen, was uns immer wieder viel Freude bereitet”. - Przemysław Hus, Besitzer von Dziórawy Kocioł

Foto: PolenJournal.de für solche Getränke ist. Przemysław Hus versichert

Der Dementor hinter uns, die Fahnen oder das Gemäl-

aber, dass es am besten im Herbst schmeckt, wenn

de der Großen Halle - das alles sind Geschenke von

es kälter wird, und verrät, dass das Rezept aus sieben

unseren Gästen. Wir sind natürlich nicht in der Lage,

Zutaten besteht. Uns gelingt es, nur drei davon zu

alle zu präsentieren - aus unterschiedlichen Gründen -

erraten. “Ich scherze immer, dass das Geheimnis das

aber wir freuen uns immer, wenn wir sie bekommen.”

Herz des Barkeepers ist, denn jeder Barkeeper bereitet

In der Menükarte stehen interessante Namen, die

die Getränke mit viel Liebe vor. Eines Tages besuchte

kreativ an das von J.K. Rowling kreierte Universum an-

uns ein zehnjähriger Junge, der auf die Schnelle sechs

knöpfen. Neben der Gryffindor-, Slytherin-, Hufflepuff-

Zutaten erkannte! Ich war geschockt. Zum Glück kam

und Ravenclaw-Limonade gibt es - selbstverständlich

er nicht auf die letzte…”

- das Butterbier und z.B. den Käsekuchen - SerNick (Käsekuchen heißt auf Polnisch ,sernik’). Was steckt

Das Café kann sich mit einem warmen Verhältnis zu

dahinter? “Ich habe selbst ein paar Bezeichnungen

seinen Gästen rühmen, die sogar die Einrichtung des

ausgedacht, aber viele sind unseren Mitarbeitern zu

Innenraums, wie auch die Menükarte beeinflussen dür-

verdanken. Es kommt auch vor, dass Gäste uns ihre

fen. “Wir bekommen sehr viele Sachen von den Gäs-

Idee vorstellen.”

ten geschenkt. Wir mussten nicht mal sehr viel tun.

Das Team von Dziórawy Kocioł macht den Eindruck


48  #Stories

einer engen Familie. Kein Wunder, dass während der

aber auch ältere Personen, was uns immer wieder viel

Sommerferien die Jugendlichen hier Arbeit suchen.

Freude bereitet”. Seine Worte bestätigt ein Ehepaar

“Manche wollen einfach die Atmosphäre spüren”, er-

im mittleren Alter, das gerade den Raum betreten hat.

klärt Przemysław Hus. “Ich kann unbescheiden sagen,

Während des Gesprächs verraten die Gäste, dass sie

dass wir ein tolles Team haben. Es kommt sogar vor,

aus Warschau gekommen sind. Bevor ihr Butterbier

dass der Manager die Mitarbeiter nach Hause schicken

serviert wurde, bestehen sie den Test, indem sie ohne

muss, weil sie so gerne länger bleiben. Sie mögen

Probleme alle Zaubererbildnisse perfekt erkennen.

hier ihre Zeit zu verbringen, was mich sehr freut. Die

“Manchmal besuchen uns Gäste aus Gdingen, Danzig

Arbeit im Hinterzimmer ist nicht gerade magisch. Das

und Zoppot und sagen, dass sie nicht wegen Wawel

Geschirr spült sich nicht von selbst”. Somit hat der

gekommen sind, sondern um bei uns vorbeizuschauen.

Besitzer unsere Hoffnung auf das Kennenlernen der

Das Schloss besichtigen sie nebenbei… Es ist immer

Hauselfen zunichtegemacht. “Nein, wir verzichten auf

schön sowas zu hören”, erzählt Przemysław Hus.

die Arbeit der Hauselfen und anderen Zauberwesen”, versichert Hus. Hermine wäre sehr glücklich darüber.

“Wir werden oftmals von einer Großmutter und ihren Enkelkindern besucht. Sie kommt immer als Hexe

Sachen, die direkt mit einem ausgedachten Univer-

verkleidet - langes schwarzes Gewand, lange Fin-

sum verbunden sind, funktionieren oftmals so lange,

gernägel… Als ich sie zum ersten mal gesehen habe,

wie lange der Fandom existiert. Der erste Teil der

klappte mir die Kinnlade herunter. Die Jungs fragen

Harry-Potter-Serie erblickte das Tageslicht 1997. Es

immer, ob sie Bier bestellen dürfen und die Groß-

"

mutter stimmt immer zu: ,Klar, Butterbier’. Es freut

Es gibt Butterbier, das eigentlich Bestandteil jeder Bestellung ist. Nur wenige trinken keins. Die Menschen kommen wegen des Klimas und sympathischer Atmosphäre her und nicht wegen konkreter Events. - Przemysław Hus, Besitzer von Dziórawy Kocioł

fällt nicht schwer festzustellen, dass die größte Begeisterung für den Zauberer mit der runden Brille schon vorbei ist und dass er eher eine schöne Erinnerung für schon erwachsene Personen ist. Wir fragen deshalb, ob dies einen Einfluss auf die Zukunft von Dziórawy Kocioł haben könnte. Kann es dazu kommen, dass das Interesse am Universum von J.K. Rowling komplett verschwindet? “Ich denke nicht. Das Thema ist originell und die von ihr geschaffene Welt sehr vielseitig. Wir geben uns Mühe, immer neue Sachen einzuführen, damit unsere Stammgäste sich nicht langweilen. Es kommen auch neue Sachen heraus, vielleicht werden wir etwas hinzufügen… Ich habe keine Angst und denke nicht daran. Jetzt sind wir in diesem Punkt und damit zufrieden. Was die Gäste angeht… Am meisten werden wir von Menschen unter 30 Jahren besucht, die mit Harry Potter aufgewachsen sind. Es kommen

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mich, dass es noch solche Menschen gibt und solche Geschichten…” - erzählt der Besitzer und fügt hinzu: “Ich liebe es mit Menschen zu arbeiten. Immer wenn ich Zeit habe, stehe ich hinter der Kasse und bediene, denn ich schätze sehr den direkten Kontakt. Vor allem, wenn Kinder kommen. Es macht mir umso mehr Spaß, da ich ein ausgebildeter Pädagoge bin. Ich mache das, was ich wirklich liebe. Und wenn ich dann noch höre, dass unser Butterbier besser ist als das Original…” Interessanter Weise kann man in Dziórawy Kocioł nicht nur seinen Geburtstag feiern oder zu einer Filmprojektion kommen, sondern auch am Magie- und Zauberunterricht teilnehmen. Dieses Angebot ist an Kinder gerichtet. Wie wir erfahren, entstand die Idee zufällig. “Wir arbeiten mit einer Frau zusammen, die zur Lehrerin des Jahres Kleinpolens gekürt wurde. Sie gab den Anreiz, um hier so einen Unterricht zu veranstalten. Eines Tages besuchte sie uns mit der zweiten oder dritten Grundschulklasse. Die Kinder tranken Butterbier und auf einmal höre ich den Vorschlag von der Lehrerin, dass sie in zwei Wochen wiederkommt, aber diesmal sollen wir einen Unterricht vorbereiten. Wir stellten uns der Herausforderung und tatsächlich kam sie mit den Kindern zu uns. Danach folgte der nächste Unterricht - wir mussten uns etwas Neues ausdenken. Paar Monate später, wurde die Lehrerin zur Lehrerin Kleinpolens 2017” gekürt, verrät Przemysław Hus.


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die Harry-Potter-Thematik ein. Wir wollen nicht, dass alles mit der Serie verbunden ist und halten Distanz - könnte man sagen. Es gibt Butterbier, das eigentlich Bestandteil jeder Bestellung ist. Nur wenige trinken keins. Die Menschen kommen wegen des Klimas und sympathischer Atmosphäre her und nicht wegen konkreter Events.” Man kann sich vorstellen, dass bestimmt viele leidenschaftliche Fans von dieser Einstellung enttäuscht sind. Man muss aber unterstreichen, dass das Café voller magischer Atmosphäre ist, auch wenn hier nicht alle Events, die mit der Buchserie von J.K. Rowling verbunden sind, gefeiert werden. Dziórawy Kocioł passt einfach zu Krakau - einer Stadt, wo vor Jahrhunderten der Wawel-Drache für Angst und Panik sorgte. Doch von welcher Gattung war eigentlich das Krakauer Reptil? “Hm, da hier Österreich-Ungarn eine Weile herrschte, finde ich das es der ungarische Hornschwanz sein könnte”, antwortet Przemysław Hus lachend. Wir haben noch einen kleinen Tipp, der den Besuch in Dziórawy Kocioł unvergesslich machen wird. Es lohnt sich, ein Souvenir zu kaufen - am besten Socken. “Die Socken sind der absolute Kracher”, gibt der Besitzer zu. “Natürlich sind es verzauberte Socken, deshalb muss man sie nicht

Foto: PolenJournal.de

waschen. Mit der Zeit werden sie ein bisschen steif, aber wen würde das stören…?”

“Damit ist noch eine andere Geschichte verbunden. Der Wettbewerb wurde von Dziennik Polski organisiert und zwei Monate später fand ein anderer statt. Diesmal suchten sie die beste Nonne Kleinpolens. Es fügt sich so, dass uns auch eine Nonne besucht, sie ist meine gute Bekannte. Ich scherze immer, dass wenn man Erfolg in Kleinpolen haben will, muss man zu uns kommen.” Im Herbst feiert in den polnischen Kinos der zweite Teil der Abenteuer von Newt Scamander "Fantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen” seine Premiere. Die Handlung findet in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts statt, vor den Ereignissen aus der Harry-Potter-Serie. Przemysł Hus gibt aber zu, er habe diesbezüglich keine Pläne. “Wir dringen nicht so tief in

Dziórawy Kocioł

ul. Grodzka 50/1 31-044 kraków


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Der Hexer und seine welt von Katarzyna Kalinowska (übersetzt von Emanuela Janda)

Seitdem Netflix die Entstehung einer Serie auf der Basis der Hexer-Saga von Andrzej Sapkowski angekündigt hat, sorgt die Frage, wie sie aussehen soll, für viel Wirbel unter den Fans des weißhaarigen Monsterjägers. Neben der Hautfarbe der Schauspieler, Geschlecht der Schöpfer und vermeintlicher Historizität des Universums, greifen die Diskutierende nach den Argumenten über “das Slavische” in der von Sapkowski kreierten Welt. Doch ist es überhaupt ein Thema?

Woher kam der Hexer? Bei “Dem Hexer” handelt es sich um das literarische Debüt von Andrzej Sapkowski - eine Erzählung, die für den Wettbewerb des Magazins “Fantastyka” im Jahr 1986 entstanden ist und den dritten Platz ergatterte. Der Text wurde in der Dezember-Ausgabe veröffentlicht und begeisterte die Leser so sehr, dass der Autor langsam an weiteren Erzählungen arbeitete, bis 1994 der erste Band der Hexer-Saga auf den Bücherregalen erschien. Ursprünglich zählte die Serie zwei Erzählungsbände und zwei zum Universum gehörende Erzählungen aus der Anthologie “Etwas endet, etwas beginnt". Nach mehreren Jahren entstand eine weitere Geschichte, die unterschiedlich bei den Fans ankam.

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Foto: Cd Projekt Red, pressematerialien


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Sapkowski selbst ist eine kontroverse Persönlichkeit. Einerseits kann man ihm Talent und Gelehrsamkeit nicht absprechen, andererseits erregen seine Äußerungen Widerwillen und Verlegenheit. Viele Fans sind aber bereit, das Auge zuzudrücken, denn die Exzesse sind harmlos für die Gesellschaft und abgesehen davon, ist hier die Rede von einem Stück guter Literatur. Noch vor der Premiere des ersten Videospiels wurde die Hexer-Saga außerhalb Polen veröffentlicht. Ende der 90er entstanden die ersten Übersetzungen, darunter auch ins Deutsche. Zur Ehre des Schaffens von Sapkowski wurden anlässlich seines 30. Debütjubiläums zwei Anthologien - die russisch-ukrainische “Opowieści ze świata wiedźmina” (2013) und polnische "Szpony i kły" (2017) - herausgegeben. Die Saga inspirierte auch andere Autoren. Ein Paradebeispiel dafür ist "Wiedźmin z Wielkiego Kijowa" (1999) von Wladimir Wasiljew. Es reicht sich ein wenig mit den Trends in der polnischen Fantastik vertraut zu machen, um Sapkowskis Einfluss auf seine Berufskollegen zu bemerken. Er war derjenige, der die Mode auf zynische Antihelden - die sich am Rande der Gesellschaft befanden, aber sie trotzdem moralisch und intellektuell übertreffen wie auch auf die unterschiedlichsten Reinterpretationen von Märchen, Dekonstruktionen bekannter Motive und durch Probleme unseres Alltages inspirierte Handlung, angefangen hat.

Inhalt Worüber handelt die Hexer-Saga? Über den Hexer Geralt, seine geliebte Zauberin Yennefer und den Überraschungskind Ciri. Wer ist der Hexer? Mitglied der Zunft von professionellen Monsterjägern, die von klein auf in Fechten und Magie trainiert werden, und die im Verlauf diversen Mutationen und der Kräuterprobe übermenschliche Kräfte bekommen. Wie sind aber die Monster? Gute Frage… Wer sich wenigstens ein bisschen im Hexer-Universum auskennt, weiß genau, dass die Hauptthemen der Serie die Ausgrenzung, Einsamkeit, Sittlichkeit in der durch Konflikte geplagten Welt, wie auch Natur des Bösens und die Verantwortung des Individuums ihm gegenüber sind. Als Mutant wird Geralt für ein Monster gehalten, das notwendige Übel. Die Menschen verachten ihn, nutzen aber - obwohl ungern - seine Dienste. Aus der Perspektive des Lesers ist aber Geralt der moralische Protagonist. Geralt versteckt sich hinter dem Hexer-Kodex, weil es bequem ist, gibt aber selbst zu, dass die Gesetze aus der Luft gegriffen sind - er tötet nicht, wenn es nicht notwendig ist, er löst die Flüche, wenn er nur in der Lage dazu ist, und versucht sich nicht in Angelegenheiten anderer einzumischen. Das zuletzt Erwähnte ist leider nicht seine Stärke und er entdeckt nur allzu oft, dass das Schlimmste der Welt nicht eine wilde Bestie ist, sondern Verachtung, Hass, Intoleranz, Rassismus,


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Gier und menschliche Gemeinheit. Der Hexer versucht die Schwächeren auch vor menschlichen Monstern zu beschützen… Obwohl er dafür nicht mit Dankbarkeit belohnt wird. Die Elfen kämpfen um ihr eigenes Land, die Unmenschen leben in Gettos. Minderheiten, frustriert durch Diskrimination und Verfolgungen, hegen ihren Hass gegen ihre Henker. Die im Brokilon Wald lebende Dryaden müssen ständig ihren Staat vor den Menschen verteidigen. Monster, die aus ihrer natürlichen Umgebung verjagt werden, suchen für sich einen neuen Platz in der Welt, wodurch sie aggressiv und unvorhersehbar werden. Regierende nützen Idealisten und Kämpfer für eigene Zwecke, und die Politik hält nichts von der Sittlichkeit. Vorurteile und religiöser Fanatismus führen zu Tragödien, und die einzigen positiven Vertreter des Klerus sind die Priesterinnen der Melitele mit Mutter Nenneke an der Spitze. Die Frauenrolle im Hexer-Universum ist etwas Einzigartiges. Natürlich befinden wir uns im Quasi-Mittelalter und die Welt wird von Männern regiert, aber die wenigen Frauen, die in der Saga auftauchen, erweisen sich als keine Papierfiguren ohne Charakter, als schwache Damen in Bedrängnis oder Schmuck der ihnen folgenden Männer. Ciri braucht zwar Hilfe, aber sie ist erstens ein Kind, später Jugendliche, hinter der Menschenhorden (und nicht nur) auf der Jagd sind. Yennefer ist diejenige, die ihr das Leben beibringt - die unabhängige und charakterstarke Geliebte Geralts, die ihren eigenen Gesetzen treu bleibt und sich von niemanden einschüchtern und unterdrücken lässt. Man muss auch zugeben, dass auch anderen Frauen des Hexer-Universums an Kompetenzen nicht fehlt. Da gibt es Königinnen, Adelige, Zauberinnen, Dryaden, Kämpferinnen und Banditinnen, manche greifen zum Schwert, andere bedienen sich der Magie, noch andere verlassen sich auf ihren Verstand. Der Einfluss jeder einzelner auf die Zukunft der Welt ist gleich wie der Männer - wenn nicht größer. In dieser Welt voller Hass, Verachtung und Gemeinheit kämpfen die Hauptprotagonisten, die nicht ohne Schwächen sind, ums Überleben und alles, was für sie wichtig ist. Dank ihnen und ihren Freunden, wie auch mit Humor gefärbter Erzählweise des Verfassers, ist die ganze Geschichte nicht so düster, wie es aus der obigen Beschreibung hervorgehen mag.

Videospiele Mit den Hexer-Videospielen war es so: In den 90er Jahren plante das heute nicht mehr existierende Metropolis Software die Herausgabe eines Actionspiels, dessen Handlung in dem Hexer-Universum stattfinden sollte. Das Projekt wurde annulliert. 2001 veröffentlichte der Verleger MAG ein Papier-RPG-Spiel - "Wiedźmin: Gra Wyobraźni" - und brachte sogar ein Paar Erweiterungspacks heraus, aber erst das 2007 an die Welt ge-

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Screenshot aus The Witcher 3: Wild hunt: Hearts of stone; Cd Projekt Red, pressemateriali brachte Spiel “The Witcher” von CD Projekt Red verlieh der Serie ein neues Leben. Es entstand die Basis-Trilogie: "The Witcher", "The Witcher 2: Assassins of Kings" und "The Witcher: Wild Hunt", woraus der letzte Teil zwei Erweiterungen bekommen hat - "Hearts of Stone" und "Blood and Wine”. Man muss noch erwähnen, dass abgesehen davon "The Witcher: Versus" für den Browser und "The Witcher Adventure Game" für PC entstanden sind, und ab 2017 die arbeiten an "Gwent: The Witcher Card Game” laufen, wobei es sich hier um die Erweiterung eines Minispiels aus dem dritten Teil handelt und Erhebung dessen zum Status eines selbstständigen Spiels, welches man sowohl allein meistern kann, wie auch mit anderen Spielern - was zu seinen größten Vorzügen zählt.


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ien Die Handlung der Trilogie findet Jahre nach “Die Dame vom See”, den letzten Sagateil, statt. Geralt verliert seine Erinnerungen, was das Spielen ohne Kenntnisse über die Originalvorlage ermöglicht. Mit jedem weiteren Teil tauchen aber immer mehr Motive und Figuren aus den Büchern auf, bis endlich im vierten Teil die Handlung zu diesem Moment führt, wo Geralt Yennefer und Ciri zurückbekommt.

Inspirationen Wenn man sich auf die Suche im Internet nach Artikeln über slavische Elemente im Hexer-Zyklus macht, fällt die Dualität des Fandoms ins Auge. Einige sind der Meinung, dass es stimmt, es gebe viele

slavische Motive. Andere finden, dass nicht unbedingt, vor allem, wenn man über die Bücher spricht. Die von Netflix angekündigte Serie weckt die Fantasie und viele Emotionen, was zu zahlreichen, oftmals unangenehmen Diskussionen führt. Wie es so im Internet üblich ist. Die Hexer-Erzählungen waren am Anfang von Märchen inspiriert. Wir haben einen den Flaschengeist, eine Liebesaffäre zwischen der Schönen und dem Biest, eine verzauberte Prinzessin, einen verfluchten Prinzen, einen Zauber, der um Mitternacht seine Gültigkeit verliert, in einen Menschen verliebte Meerjungfrau, einen in Kormoran verwandelten Baron, Schneewittchen und die sieben Zwerge. Die meisten polnischen Akzente sind in "Die Grenze des Möglichen" zu finden, wo während der Drachenjagd die Bauern unter der Leitung von


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Schuhmacher Kozejed, den Reptil ein mit Teer, Schwefel und Waldbeeren ausgestopftes Lamm aussetzen, was nur allzu sehr an die Legende vom Krakauer Wawel-Drachen erinnert. Dies verändert aber nicht die Tatsache, dass Sapkowski ein polnischer Schriftsteller ist und auf Polnisch schreibt. In "Der Rand der Welt" greift er sehr geschickt nach der polnischen Redensart "tam, gdzie diabeł mówi dobranoc" (wörtliche Übersetzung: “Da, wo der Teufel Gute Nacht sagt”), womit ein weit entfernter Platz, fern von der Zivilisation, gemeint ist. Der Teufel ist Silvan, der in der polnischen Fassung als “Rokita” bezeichnet wird (in der deutschen als Bocksbein). Rokita zählt zu den polnischen Volksteufeln und sollte die Kaufleute berauben und später die armen Bauern beschenken. In "Der Schwalbenturm" wendet sich Rittersporn (pl. Jaskier) zu der Tochter des Beutners mit den Worten: "Daj, ać ja pobruszę, a ty skocz do piwnicy po piwo", welche an den ältesten niedergeschriebenen Satz im Altpolnisch verweisen, der 1270 in “Księga Henrykowska” (“Liber fundationis claustri sanctae Mariae Virginis in Heinrichow”) niedergeschrieben wurde ("Daj, ać ja pobruszę, a ty poczywaj"). In “Das Ewige Feuer” wird hingegen die Ballade über Prinzessin Vanda erwähnt, die im Fluss ertrank, weil sie keiner wollte, was eine Anspielung auf die Krakauer Legende über Wanda ist.

finden kann. Ciri und ihre Suche erinnern an die Suche nach dem Gral. Geralt ist nach Percival nachempfunden - durch seine Mutter zu einem einfachen Mann der Artusritter erzogen, der sich unter den Adeligen nicht zurechtfinden könnte, obwohl er mehr erreicht hatte, als sie. Und endlich treten im letzten Band ein paar Figuren auf, deren Erscheinung Sapkowski zwar angekündigt hatte (zum Beispiel in der Erzählung über die Hochzeit von Geralt und Yennefer), aber die trotzdem die Mehrheit der Leser aus dem Konzept gebracht hatte. Darunter auch die unten Unterschriebene, die die Intention des Autors in solchem und nicht anderem Ende der Saga versteht, aber trotzdem die recht allgemeine Meinung teilt, dass man es besser schreiben konnte.

Kleine Besonderheiten dieser Art kommen zahlreich in der ganzen Saga vor, was aber weder einem besonderen Element der Geschichte ausmacht, noch als wichtigeres Motiv oder Inspiration angesehen werden sein darf. Das “Slavische” in polnischer Fantastik wurde außerdem mehrmals von Sapkowski ausgelacht. Ob zurecht? Ja und nein. Man darf nicht vergessen, das der polnische Schriftsteller 1948 geboren wurde und sein Debüt vor seinen 40. Geburtstag stattfand. Beiträge, auf die sich gerne die Befürworter der Theorie, dass in der Hexer-Saga nichts Slavisches zu finden ist, berufen, entstanden in den 90er Jahren. Sapkowski ist zwar ein belesener Mensch, und es fällt schwer seinen Argumenten nicht Recht zu geben, aber wir alle wissen, wie es mit der Meinung so ist - jeder hat seine eigene. Es gibt aber Inspirationen, die Sapkowski nicht leugnen kann oder die er offen zugibt. Zu den offensichtlichsten und am lautesten von ihm kommentierten ist natürlich die Artuslegende. Es reicht nicht, dass der letzte Teil der Saga den Titel “Die Dame vom See” trägt; 1995 erschien auf dem polnischen Markt "Świat króla Artura. Maladie", geschrieben von Sapkowski. In der Veröffentlichung ist ein Essay zum Thema der Artuslegende zu finden, ebenfalls wie eine kurze Erzählung über die Nebenfiguren von “Tristan und Isolde. Im Essay beweist Sapkowski unter anderen, dass der Gral eine Frau war. Die Artuslegende gilt als Archetypus der westlichen Fantasyliteratur und ist durch ein paar Elemente gekennzeichnet, die man schnell in der Hexer-Saga

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Screenschot aus The Witcher 3: wild hunt, Cd Projekt Red, pressematerialien Und das ist nicht mal der Anfang der Liste! Beim dortigen Äquivalent des Lateinischen, der älteren Mundart und in den unterschiedlichen Dialekten der Elfen, Dryaden, des Königreichs und der Inselbewohner handelt es sich um eine Mischung von der irischen, walisischen, italienischen und schwedischen Sprache. Die Elfen selbst werden in zwei Gruppen geteilt - Aen Seidhe und Aen Elle, das Hügelvolk und das Erlenvolk. Das Hügelvolk trägt den Namen der irischen Fabelwesen aos sí (aes sídhe). Über das Erlenvolk herrscht Auberon, auch Erlkönig genannt (in der deutschen Fassung “König der Älteren”). Auberon ist die französische Form von Oberon, der Figur aus dem “Sommernachtstraum”,


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von Shakespeare aber der Chanson de geste "Huon z Bordeaux" entnommen. Der “Erlkönig” stammte wahrscheinlich von Goethe, der sich wiederum von der dänischen Ballade “Elveskud” inspirieren lassen ließ. Nicht genug? Die Protagonisten feiern irische und germanische Feiertage: Yule (germanisches Yule) und Belleteyn (keltisches Beltane), Imbaelk (keltisches Imnolc) oder Lammas (christianisierte Bezeichnung des keltischen Lughnasadh). Die Figurennamen sind auch auf gar keinem Fall slawisch… Sogar der Barde Rittersporn hieß in Wirklichkeit Julian… Sapkowski ließ sich wirklich inspirieren, aber von der Literatur und Mythologie des Westens. Polni-

Die Wirklichkeit ist wirklich anders, auch wenn einige das nicht zugeben wollen. Computerspiele sind nicht mehr eine Nischenunterhaltung für Freaks, aber ein sich schnell entwickelndes Geschäft. Und mit den Spielen ist es genauso, wie mit Literatur und Film - unter schlechtem und mittelmäßigem Angebot findet man ab und zu richtige Schätze. Die Tatsache, dass wir über ein recht junges Medium sprechen, welches Interesse hauptsächlich bei jüngeren Personen findet, bedeutet nicht, dass - wie es Sapkowski in Worte fasste - Spiele eine Unterhaltungsart sind, die von intelligenten Menschen gemieden wird. Hier das genaue Zitat: “Ich kenne ein paar Personen, die das Spiel spielten, aber nicht viele, denn ich verkehre in Kreisen intelligenter Menschen”. Im Falle von Videospielen kann man kaum von der Unterscheidung in hohe und niedrigere Kunst sprechen, wie es in andere Bereichen üblich ist. Grund dafür könnte die Interaktivität der Spiele sein, was aber nicht bedeutet, dass wir hier über Unterschiede auf künstlerischem Niveau nicht sprechen können. Die Hexer-Spiele erinnern an ihre literarische Basis vor allem durch die Rezipientengruppe. Es handelt sich um ausgebaute Geschichten, die nicht nur visuell (vor allem die späteren Teile) und musikalisch gut ankommen sollten, aber auch mit Leidenschaft und zugleich verständlich für die Mehrheit rübergebracht werden. Deswegen verliert Geralt seine Erinnerungen und der Spieler erfährt schrittweise über seine Vergangenheit und das Universum. CD Projekt Red wählt nicht den Weg des geringsten Widerstandes und versuchte nicht die literarische Basis ins Spiel umzuwandeln. Es entstand eine Fortführung, die zum Lesen anregt, statt mit der Vision einer langen Lektüre zu erschrecken. “Wenn dir unsere Geschichte gefallen hat, kannst du nach den Büchern greifen”, scheint die Spieltrilogie zu sagen. “Du musst aber nichts lesen, um zu spielen und Spaß haben. Wenn du aber die Bücher gelesen hast, wirst du viele Kleinigkeiten entdecken, die du sonst übersehen würdest!”

sche und slawische Elemente sind Kleinigkeiten, die der Autor hier und dort, wo es ihm passte, hinzugefügt hat.

Die Spiele - hier wird es kompliziert Ein wenig anders sieht es mit den Videospielen aus. Die Hexer-Saga entstand in der Zeitspanne 19861999. “Zeit des Sturms” von 2013 funktioniert außer dem Ganzen, so wie Sapkowski selbst, denn ich kann den Eindruck nicht loswerden, dass er sich in der neuen Wirklichkeit nicht wiedergefunden hat.

Beim Konstruieren der Spiele gingen die Spielmacher in eine andere Richtung als Sapkowski. Sie setzten auf das Slawische und das nicht nur deshalb, weil sie eine polnische Gesellschaft sind, aber weil sie auf der Suche nach Abwechslung auf dem Fantasymarkt waren. Das Slawische wurde auf drei Ebenen erreicht - der inhaltlichen, musikalischen und visuellen, wobei die Akzente unterschiedlich ausgelegt wurden. Der erste “The Witcher” ist ein sehr intimes Spiel. Der zweite ähnelt am meisten den westlichen Fantasyspielen, zeigt aber noch nur einen Ausschnitt des großen Universums. Der Dritte nimmt den Spieler auf eine Abenteuerreise durch unterschiedliche Gebiete und gleichzeitig wird sehr viel Wert auf die Volkstümlichkeit und Folk gelegt. Das bedeutet aber nicht, das die Spielmacher nicht aus anderen Inspirationsquellen geschöpft haben - wir finden hier auch Anspielungen an Märchen, die


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Screenschot aus The Witcher 3: wild hunt, Cd Projekt Red, pressematerialien Artuslegenden und an nordische Mythologie. Die Proportion ist aber anders. Die REDs haben nicht nur das Beste aus den Büchern genommen, sie kreierten auch auf ihrer Basis etwas viel mehr Entwickelndes und Bereicherndes als das Original. Und Sapkowski mag sich ärgern, soviel er will, aber meiner Meinung nach (und auch der Meinung von Dimitrij Głuchowski, des russischen Schriftstellers, dessen Romane auch zur Basis hervorragender Spielserie wurden), sollte er sich freuen, dass jemand sein Schaffen so gut ausgebaut hat. Ich bin letztens auf eine Umfrage eines großen polnischen Spielportals gestoßen. Die Frage lautete: “Welcher The Witcher war besser - erster oder dritter?” Für die Mehrheit der Spieler war die Antwort einfach und sie wiesen auf den dritten Teil hin, aber viele Personen nannten den ersten Teil aufgrund der Atmosphäre. In der Diskussion erwähnte keiner den zweiten Teil, was mir persönlich zu denken gab. “Assassins of Kings” ist ein sehr gutes Spiel mit interessanter Story, Aufteilung in zwei Wege, welche die Handlung ziemlich fest verändern (dabei handelt es sich nicht nur um unterschiedliche Endungen; ein ganzer Akt ist in zwei vollkommen andere Varianten gegliedert), und mit wunderbaren Dialogen und Protagonisten. Wenn man aber darüber genauer nachdenkt… Vielleicht machte das Spiel keinen großen Eindruck. Der erste Teil war eine positive Überraschung, der dritte überwältigte mit ausgebautem Universum. Der zweite Teil war einfach sehr gut.

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Bestiarium Um auf das Slawische zurückzukommen - fangen wir mit der einfachsten und offensichtlichsten Sache an, also mit Flora und Fauna des Hexer-Universums an. Manche Monster wurden im Buch beschrieben, andere entstanden für das Spiel und viele andere wurden nur erwähnt. Es fällt schwer sie zusammenzuzählen, zumal mehrere Arten eines Geschöpfs vorkommen. Man kann aber von ca. hundert Kreaturen sprechen, die nur in den Spielen vorkommen. Ein Dutzend von ihnen ist slawisch, obwohl unterschiedlich behandelt. Bevor die slawischen Monster aufgezählt werden, ein kleiner Hinweis - das heutige Wissen über das heidnische Glauben der Slaven ist sehr gering, voller Behauptungen und Ungenauigkeiten, und bei Mangel an Schriftquellen ist es schwer, etwas genau festzustellen. Der Basilisk wurde zwar zum ersten Mal von Plinius den Älteren in “Naturgeschichte” beschrieben, aber wurde schließlich in ganz Europa bekannt. Warschau (Warszawa) hat ihre eigene Legende über den Basilisk, der im Untergrund der Stadt lebte, die Schätze bewachte und durch einen Jungen mit einem Spiegel getötet wurde. Nehmen wir an, dass dies auf unsere Liste passt. Golem hingegen ist Teil der jüdischen Folklore, aber die berühmteste Legende erzählt über die Schöpfung des Golems durch einen Prager Rabbiner Judah Löw, der in Posen (Poznań) geboren wurde und ein Teil seines Lebens in Polen verbracht hatte.


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Vampire und Werwölfe sind theoretisch slawisch, obwohl die ersten auf mehr exklusiver Art und Weise, denn im europäischen Bewusstsein etablierten sie sich erst im 17. Jahrhundert. Werwölfe hingegen waren in der Fantasiewelt unterschiedlicher Kulturen von Anfang an präsent. Ein interessantes Wesen ist der Verwandte des Vampires - die Striege (pl. Strzyga weiblich, Strzygoń - männlich), die von den römischen “striges” stamm. Die Slawen glaubten, dass manchmal Menschen mit zwei Seelen, zwei Herzen und doppelten Zähnen geboren werden (dazu zählten auch Kinder, die mit Zähnen auf die Welt kamen). Nach dem ersten Tod kamen sie zurück als Wesen, die sich mit Blut und Eingeweide ernährten und für das ihnen angetane Leid rächten. Die christianisierte Striege bekam eine weitere Erklärung. Man glaubte, dass während der Taufe nur eine der Seelen das Sakrament erhielt, die Zweite, nicht getaufte, konnte nach dem Tod nicht ruhen und die Erde verlassen, weshalb sie sich in ein Monster verwandelte. Interessanterweise findet man in den Legenden der Bergbewohner um den Weiberberg (Babia Góra) die Gestalt einer Striege-Gräfin, die in der Kirche, in welcher sie bestattet wurde, herumirrt. Man konnte sie nur besiegen, wenn man mit Kreide einen Kreis um einen Sarg herum gezeichnet hatte und danach in diesen Sarg die Nacht verbrachte - genauer gesagt, bis zum Sonnenaufgang, zum dritten Schrei des Hahns. Genau so befreit Geralt in “The Witcher” Adda vom Zauber. Blut trank auch die Nachtalb (pl. zmora), anders Mahr (pl. mara), geboren aus der Seele einer Sünderin oder einer Person, die ohne Beichte gestorben ist bzw. der während des Lebens Unrecht getan wurde. Im zentralen Teil Polens glaubt man, dass Personen zur Nachtalb werden, wenn der Pfarrer während der Taufe sich verspricht und anstatt “Zdrowaś Mario” “Zmoraś Mario” sagt (de. “Gegrüßet seist du, Maria”). Die Nachtalb würgt Menschen im Schlaf, verursacht Schlafparalyse, quält Tiere (besonders Pferde, auf dessen Rücken sie in Mondlicht galoppiert) und nimmt Tiergestalt an. Um sich vor ihr zu hüten, sollte man umgekehrt im Bett liegen und über den Eingang zum Pferdestall eine tote Elster oder einen Spiegel anschlagen. Die Nachtalb sollte so hässlich gewesen sein, dass sie von ihrem Spiegelbild weglief. Die slawische Dämonologie kennt auch die Mittagserscheinungen (pl. południce) und Nachterscheinungen (pl. północnice). Im Spiel hat man aus ihnen Zwillinge gemacht, aber die Sache ist viel komplizierter. Die Nachterscheinungen gehören zu eher wenig bekannten Dämonen. Sie quälten Säuglinge, indem sie sie nachts aufgeweckt hatten. Anders sieht es mit den Mittagserscheinungen aus, die im polnischen, tschechischen, slowakischen, sorbischen und russischen Glauben auftreten und eigentlich als Äquivalent der südslawischen Wila gelten. Sie sollten von Seelen der Frauen geboren sein, die bevor, während oder kurz nach der Eheschließung gestorben sind. Sie entführten Kinder, erzählten Rätsel und griffen Bauern an, die mittags auf dem Feld gearbeitet hatten. Mittagserscheinungen

wurden auch mit kleinen Luftwirbeln gleichgesetzt, die auf den Feldern in heißen Sommertagen entstanden. Die Pestmaid (pl. morowa dziewica, in der Mythologie auch als Pestmagd oder Pestjungfer bekannt), die Personifikation des Todes, besuchte Dörfer und Städte und indem sie mit einem blutbefleckten Tuch winkte, brachte sie die Seuche. Im Gebet “Vor Pesthauch, Hunger, Feuer und Krieg erlöse uns, o Herr!” steht sie auf dem ersten Platz, denn davor hatten die Menschen die größte Angst. Man kämpfte gegen die Pestjungfer mit magischen Ritualen. Einige von ihnen waren äußerst grausam. 1831 in Polesien wurde eine Frau lebendig mit einem Hahn begraben, um so die Bewohner vor der Pest zu schützen. Eine weitere schreckliche Frauengestalt ist das Gruftweib (pl. Baba Cmentarna), die aus der Gegend von der polnischen Stadt Radom kommt, die Gräber derjenigen zerwühlt, die plötzlich gestorben sind, Knochen verstreut und lebendige Menschen in die Gräber hineinzieht. Ein lokales Ungeheuer ist auch Glumaar, der ursprünglich Scharley (pl. Szarlej) in der deutschen Sprachversion heißen sollte. Szarlej ist der älteste Stadtbezirk von Piekary Śląskie (Deutsch Piekar) und seine Bezeichnung sollte ihre Wurzeln in Szarlej/Szarlen haben, den Herrscher über diese Gegend, der Rache auf den Bergarbeitern nahm und auch als Schatzmeister bekannt wurde. Interessanterweise trägt diesen Namen der Hauptprotagonist von “Die Narrentum-Trilogie” einer anderen Saga von Sapkowski. Der Koschtschei (pl. kościej), der sowohl im Spiel, wie auch in der Erzählung von Sapkowski, als eine durch Magie entstandene Kreatur vorkommt, ist in Wirklichkeit ein böser Zauberer aus russischen Sagen und Märchen. Es ist nicht das einzige Ungeheuer, von dem nur der Name übrig geblieben ist. Zwar wird die Kikimora erwähnt, nie wird sie aber genau beschrieben. In "Rękopis znaleziony w smoczej jaskini" (dt. Manuskript gefunden in einer Drachenhöhle, nicht übersetzt), einem Fantasyhandbuch von Sapkowski, kann man mehr Informationen über die Herkunft dieses Wesens finden. Die aus den russischen Legenden stammende Kikimora ist eine kleine, manchmal unsichtbare Frau von Domovoy, die aber nicht so freundlich war, wie er. Kikimoren verwirrten das Garn, weckten die Kinder auf, verursachten viele Schaden. Selbst mochten sie das Weben und die Spinnerei, aber der Klang ihrer Spindel war ein schlechtes Zeichen. Kikimora kommt in zwei Spielen vor (dem ersten Teil und der Spielerweiterung, wo sie als ein Insekt dargestellt ist, die in Kolonien lebt, die der Ameisenwelt ähneln). Der russische Schutzgeist des Hauses Domovoy kommt in der Hexer-Saga nicht vor. Stattdessen treten in dem dritten Teil des Spiels zwei andere Geister dieser Art vor - die Göttlinge (pl. bożątko). Diese Wesen bilden das altpolnische Äquivalent für Domovoy. Auch sie


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stammen von den Geistern der Vorfahren und bringen Wohlstand ins Haus. Im Videospiel ähneln die schelmischen aber guten Wesen paar Jahre alten Kindern. Neben den Göttlingen werden zwei andere Wesen aufgezählt - Jaroszek und Mamuna. Jaroszek ist ein schlesischer Dämon, der sich auf den Feldern aufhält und sich oft in Fasane, Rebhühner und Hasen verwandelt, um Jäger auf die Sumpfgebiete zu locken, wo sie dann ertranken. Gelang aber die Jagd und wurde ein Jaroszek gefangen, verwandelte er sich in einen weiteren hilfreichen Hausdämon. Mamuna ist in der Mythologie die Seele einer verstorbenen schwangeren Frau oder einer Frau, die während der Entbindung starb. Sie wurde als eine pelzige tierähnliche alte Frau dargestellt, die Schwangere und Hebammen ärgert und Kinder entführt oder sie umtauscht. Man glaubte, dass Behinderte solche umgetauschte Kinder sind. Um die Entführung zu verhindern, band man den Kleinen rote Schleifen oder Fäden um das Handgelenk, was man noch heute in Schlesien beobachten kann. Man bindet rote Schleifen an die Kinderwagen oder zieht den Kindern rote Mützen an. Mit Mamuna ist Dziwożyna verwandt - die hässlichen und buckeligen Frauengestalten umtauschten ebenfalls die Kinder. Wenn man sein eigenes Kind wiedergewinnen wollte, musste man das vertauschte hochwerfen. Als Dziwożyna das Weinen von ihrem Nachwuchs hörte, nahm sie es und gab das menschliche Kind zurück. Im Hexer-Universum ist es eine andere Bezeichnung für Dryaden (ursprünglich einer Waldnixe). In der Saga haben die Dryaden ebenfalls menschliche Kinder zu sich genommen und als eigene erzogen. Höchste Zeit, den Waldschrat zu erwähnen (pl. Leszy) - Herrscher des Waldes und alle seiner Bewohner, der auch “Borowy”, “Laskowiec” oder “Boruta” genannt wurde. Als ein bleicher Mann dargestellt, hoch, wie die ihn umgebende Bäume, nahm er auch die Gestalt der Tiere oder des Windes an. Die Menschen behandelte er nach ihrem Verhältnis zu seinem Königreich. Haben sie den Wald geschätzt, half ihnen Leszy den Weg nach Hause zu finden und schützte sie vor Räubern und wilden Tieren. Denjenigen, die es wagten, ihn zu beleidigen, erschwerte er die Rückkehr. Das Wesen überlebte im Volksglauben bis zum 19. Jahrhundert - Bohdan Baranowski zitiert eine Sage, in welcher Leszy einem Fahnenflüchtiger in der Flucht aus der zarischen Armee hilft. Die Taufe Polens brachte dem Wesen eine neue Gestalt - er wurde zum Teufel Boruta, den berühmteren Verwandten von Rokita, der das Symbol des Lenczyca Landes ist (Ziemia Łęczycka). Boruta wurde als ein Adliger in Kontusz und mit Schnurrbart dargestellt, der trotz seines teuflischen Ursprung der Armen und Leidenden zu Hilfe stand. Am meisten bleibt aber Fehlgeborene (pl. Poroniec) im Gedächtnis haften, der in der dritten Teil des Spiels auftaucht. Der mächtige Dämon, feindlich gegenüber den Menschen, wurde aus Seelen nicht ge-

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Screenschot aus The Witcher 3: wild hunt, Cd Projekt Red, pressematerialien borener Kinder - sei es bei der Fehlgeburt oder Abortion - oder Kinder, die tot zur Welt gekommen sind, verstorben sind oder von der Mutter ermordet und nicht gerecht bestatten wurden, geboren. Der Glaube war mit vielen Verboten bezüglich der Schwangerschaft und Entbindung verbunden. Erst sechswöchige Säuglinge bekamen einen Namen und wurden als Menschen angesehen. Der Geburt von einem Poroniec konnte man vorbeugen, indem man die Leiche unter der Türschwelle des Hauses versteckt hatte. Das Kind verwandelte sich dann in Kłobuk, ein Wesen, welches sich um den Haushalt sorgte (auch wenn es die Nachbarn bestahl). Dieselben Annahmen und dasselbe Ritual kommen auch im Spiel vor. Der Glaube in Kobłuk war in Ermland und Masuren, vor allem in den polnischsprachigen Regionen Ostpreußens, bekannt. Im jedem Spiel kommen Ertrunkene (pl. Utopce) vor, die zu den Sumpfkreaturen zählen. Der Glaube an sie war in ganzen slawischen Raum verbreitet, am meisten aber in der Nähe vom Wasser. Manchmal wurden sie mit Wassermännern (pl. Wodnik) gleichgesetzt.


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Diese Schutzgeister des Wassers treten aber in den Videospielen nicht auf. Topielce wurden aus den Seelen der Ertrunkenen geboren - so geht es aus dem Volksglauben hervor. Sie ertranken Menschen und Tiere und überschwemmten die Felder und Wiesen. Im Spiel sind sie Aasfresser. Das Wasserweib war Partnerin eines Ertrunkenen, die Seele einer Frau, die jemand ertränkte oder sie es selbst aus Trauer und Kummer getan hat.

unter anderen in “Sintflut” von Henryk Sienkiewicz und “Die Hochzeit” von Stanisław Wyspiański erwähnt.

Es gibt noch die Teufel - außer dem schon erwähnten Silvan gibt es noch in “The Witcher 3: Wild Hunt” den Tschart (pl. czart) und Bies (pl. bies). Bies ist ein bisschen älter und bekannter, Czart hingegen russisch. Nach der Christianisierung wurden sie zum Synonym des Teufels, denn auch bei ihnen handelt es sich um böse, menschenfeindliche Geister. Z. B. Czart überredete die Menschen zum Selbstmord.

Stimmung

Zu guter Letzt paar Worte über die Wilde Jagd, die großteils mit den nordischen und keltischen Legenden verbunden ist. Die Sage kam aber auch nach Mitteleuropa. Das Motiv einer grauenhaften Jagd wird

Dieses Bestiarium, obwohl um andere in der Fantastik verbreitete Wesen mit unterschiedlicher kultureller Herkunft (Greife, Ghule) erweitert, erwies sich nicht nur als originell; es ergänzte und hob die mehr feine Art und Weise des Baus slawischer Spiele hervor.

Ich empfehle jedem, sich den Soundtrack zu jeden Teil des Spiels anzuhören. An Musik zu den ersten zwei Teilen von “The Witcher” arbeitete Adam Skorupa - zuerst mit Paweł Błaszczak, dann mit Krzysztof Wierzynkiewicz. Mit dem Soundtrack zum ersten Teil kommt eine Kompilation mit Songs unterschiedlicher polnischer Bands, u. a. der geschätzten Death-Metal-Band Vader. Die Musik zu “The Witcher 3: Wild Hunt” entstand in Zusammenarbeit von Marcin Przybyłowicz und


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Screenschot aus The Witcher 3: wild hunt, Blood and wine; Cd Projekt Red, pressematerialien

der 1999 gegründeten Band Percival (bekannt auch als Percival Schuttenbach), dessen Name von einer der Figuren der Hexer-Saga stammt. Die Gruppe befasst sich sowohl mit Folk Metal, wie auch historischer Rekonstruktion. Bei den Aufnahmen wurden viele rare Instrumente, wie Lyra, Laute oder Davul verwendet. Die Musik, inspiriert durch polnischen, russischen, ukrainischen, schottische, keltischen und skandinavischen Folk, wie auch den Soundtrack aus vorherigen Teilen, ist wirklich einzigartig. Wichtig sind auch die visuellen Aspekte. “The Witcher” ist ein sehr intimes Spiel. Neben der verfallenen Festung der Hexer, besuchen wir Vizima und erkunden ihre Umgebung. Ein Teil der Lokationen ist sehr grau und regnerisch, was für eine spezifische Stimmung sorgte. Auch dort, wo die Sonne schien, mangelte es an Gebäuden und dichterer Bebauung. Umland erwies sich als ein unauffälliges Dorf, die Bauten in beiden Stadtbezirken waren nicht gerade beeindruckend. In dem ärmeren Stadtteil waren es kleine Mietshäuser, hässliche Kanäle und dem Wirtshaus umgebende Slums. Im

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reicheren Teil waren Blumen, gepflegte Fassaden und Straßen zu sehen, aber es war nichts Beeindruckendes. Grau und wild waren die Sumpfgebiete und das ein bisschen mehr farbenreiche und sonnige Dorf von Trübwasser machte den falschen Eindruck eines friedlichen Ortes. Die melancholische Musik passte sehr gut zu solcher Szenerie. Im zweiten Teil erinnern die Landschaften an Westeuropa. Die monumentale Belagerung am Anfang des Spiels mit den enormen Maschinen und Burgen stimmt mit lassischer Fantasy überein. Alles schön und gut, wenn wir uns nicht im selben Jahr befinden würden. Im ersten Teil war die Hauptstadt Temerien noch klein und verwahrlost, und auf einmal hat der König genug Geld für den Unterhalt einer großen Armee und die Burg der rebellierenden Familie ist größer als das ganze vorherige Spiel? Wahrhaft überwältigend erwies sich der dritte Teil des Spiels. “Wild Hunt” nimmt uns auf eine Reise durch mehrere Regionen. Wieder haben wir die He-


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Story Ich habe den Fehlgeborenen, die Wilde Jagd, Striegen und Göttlinge erwähnt, die in wichtigen Momenten der Handlung im Spiel auftreten, aber das ist nicht das Ende der Inspirationsquelle von CD Project Red. Es ist unmöglich alles aufzulisten - ich bin mir nicht mal sicher, ob ich in der Lage bin, jede Kleinigkeit zu finden, aber ich würde noch gerne über vier Spielabschnitte sprechen, die meiner Meinung nach bemerkenswert und eindeutig polnisch sind. Der erste von ihnen kommt aus dem ersten Teil des Spiels. Im vierten Akt gelang Geralt ins Dorf von Trübwasser, wo Vorbereitungen zur Hochzeit der Tochter des Bürgermeisters Alina und des reichen Kaufmanns Julian stattfinden. Alina wird vom Vater bevorzugt auf Kosten ihrer älteren Schwester Celina. Es gibt noch Adam, der in Alina verliebt ist. Man kann vermuten, dass dies kein gutes Ende haben wird.

xer-Festung Kaer Morhen, das Dorf bei Vizima und die Burg des Königs, aber Geralt wandert außerdem durch das durch Krieg vernichtete Niemandsland, die schöne Stadt Novigrad und seine Umgebung, die (schottisch-nordische) Skellige-Inseln und das märchenhafte (französische) Toussaint (Erweiterung “Blood and Wine”). Wieder kommt das Slawische zum Vorschein, eben in Velen und in der Gegend um Novigrad, aber auch in Weißgarten, wo die Dörfer und ihre Bewohner nur allzu sehr den polnischen Spieler an Besuche in Freilichtmuseen, Geschäfte mit Folklore und Auftritte von Volksbands erinnern. Wenn man unbedingt gemein sein will, kann man feststellen, dass das Slawische immer wieder Konnotationen mit dem Dorf hervorruft. Die polnische Wirtschaft basierte sehr lange auf der Landwirtschaft und der polnische Adel machte viel Geld mit Getreideexport, weshalb die Urbanisationsprozesse bis zu den 20. Jahrhundert langsamer vorangingen als im Westen.

Der polnische Spieler musste gar nicht lange nachdenken, denn “Balladyna” von Juliusz Słowacki wird in den Schulen analysiert. Im Spiel wird die Geschichte verkürzt und vereinfacht, und aus einer Geschichte von Machtgier und fortschreitender Degeneration des Mörders im Geiste von Macbeth, entwickelt sich die Geschichte von zwei Schwestern eher zu einer tragischen und traurigen, obwohl nicht ausgebauter Geschichte über Eifersucht und Rache… Das Team von Studio Red hat sich den Lob verdient, da es nicht nur diesen Klassiker der polnischen Romantik ins Spiel eingeflochten hat, aber auch noch die Figur Adams dazugegeben hat, die wiederum an den Konflikt von Słowacki mit einem anderen großen polnischen Schriftsteller - Adam Mickiewicz - erinnert. Kaum ein Polonist in der Schule übergeht diesen Konflikt stillschweigend. Im dritten Teil des Spiels, wenn Geralt das durch Krieg zerstörte Velen bereist, trifft er eine bekannte Zauberin, die ihm eine Aufgabe gibt. Geralt soll sich auf die Reuseninsel begeben, wo der Magier Alexander in seinem Turm über eine gefährliche Seuche forscht. Die Experimente werden auf Ratten durchgeführt, die von herzlosen und feigen Graf Vserad geliefert werden. Als die Truppen des Feindes sich näherten, kam der Graf mit seiner Familie in den Turm, wo aufgrund einer Tragödie alle ums Leben gekommen sind. Geralt soll die Sache ermitteln und herausfinden, was passierte, Notizen des Magiers aufsuchen und den Fluch der Insel aufheben. Grundlage für die Aufgabe auf der Reuseninsel ist die Legende über Popiel, der von den Mäusen gefressen wurde. Anders als bei “Balladyna” wurde die Geschichte zwar nur ein wenig verändert, aber bemerkenswert ausgebaut und durch Handlungsmotive und Figuren erweitert, wie auch tragischer gestaltet. Ich will


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hier nicht die Einzelheiten verraten, denn das gehört sich nicht, aber ich kann sagen, dass Popiel sich sein Ende verdient hat. Im Falle von Reuseninsel bricht sogar das beste Ende der Geschichte das Herz. Nachdem der Fluch aufgehoben wurde, bietet Waideler (pl. Guślarz - slawischer Schamane, Magier, Hellseher) Geralt um Unterstützung bei Ahnenfest (pl. Dziady). Bei Dziady handelt es sich um einen Brauch, der den Lebenden den Kontakt zu ihren Vorfahren ermöglicht hatte. Die Bezeichnung ist russischer Herkunft, aber ähnliche Bräuche gab es im ganzen slawischen Raum. Dziady sind den polnischen Spieler gut bekannt, denn unter diesem Titel entstanden vier Dramen von schon erwähnten Adam Mickiewicz, die ebenfalls in der Schule besprochen werden. Die Aufgabe ist recht kurz, aber die Kombination von magischen Sprüchen des Waidelers, dem Gesang des Chors und der Musik bleiben lange in der Erinnerung.

“Hearts of Stone” In der ersten Erweiterung zum dritten Teil des Spiels wird das Polnische besonders hervorgehoben. Alles beginnt damit, dass Geralt den Auftrag von Olgierd von Everec annimmt. Auf dem ersten Blick mag es wie jede andere Aufgabe aussehen, sie entwickelt sich aber in eine lange Geschichte, in welcher wir über die Vergangenheit und Sünde von Olgierd erfahren - und wir bestimmen können, wie seine Erlösung durchgeführt werden soll. “Hearts of Stone” beruht auf zwei Pfeilern - auf dem Roman “Sintflut” von Henryk Sienkiewicz und Pan Twardowski, der Figur aus polnischen Legenden und Märchen, die der “polnische Faust” genannt wird. Man muss zugeben, dass Twardowski an vielen Stellen an Faust erinnert. Beide sind durch historische Figuren inspiriert. Jan Twardowski war einer der Schwarzkünstler auf dem Hof von dem polnischen König Sigismund II. August. Der Legende nach sollte er den Geist der verstorbenen Ehefrau des Herrschers Barbara Radziwiłłówna beschwören. Twardowski schloss einen Pakt mit dem Teufel und verkaufte die Seele für Wissen und magische Kenntnisse. Der Teufel durfte seine Seele nur aus Rom holen, wo sich aber der kluge Magier nicht begab. Der Teufel schnappte sich ihn aber in einem Wirtshaus unter den Namen “Rom”. Twardowski gelang aber die Flucht und er befindet sich jetzt auf dem Mond, woher er bis heute die Erde beobachtet. In “Hearts of Stone” haben wir sowohl einen adeligen Magier, einen Pakt mit dem Teufel, wie auch den Mond. Was fehlt, ist Rom und statt des christlichen Teufels, der bei den Sarmaten sowieso schelmischer und drolliger war als furchterregend (manchmal sogar freundlich, wie in manchen Legenden über Boruta und Rokita), bekamen wir einen wahrhaft angsteinjagenden Gaunter o'Dim. Selbst bei seinem Sinn für Humor

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laufen die Schauer über den Rücken. Es reicht, wenn der Dämon auf der Hochzeit einen Ausschnitt aus einer Werbung von einer bekannten Supermarktkette deklamiert - es die furchterregendste Anweisung, wie man Pfannkuchen bäckt, die ich je gehört habe. Die Legende über Twardowski passt sehr zu “Sintflut”, denn beide stützen sich auf sarmatische Realien. Der historische Roman “Sintflut”, dessen Handlung ins 17. Jahrhundert versetzt ist, gehört auch zum obligatorischen Schullektüren (und man muss zugeben, das Buch ist richtig dick), und ist ein Teil der Trilogie von Sienkiewicz, deren gelungene Verfilmungen den Polen - und nicht nur - sehr bekannt sind. Kontusz, Säbeln, rasierte Köpfe und Schnurrbart, dazu noch der Stolz auf seine Herkunft und Liebe zur Freiheit - der polnische Spieler weiß gleich, wer Olgierd und seine Bande sind. Und als sie zu toben beginnen, wissen wir auch, dass es sich um Kmicic handelt, dessen Fall und Erlösung Sienkiewicz in “Sintflut” beschrieben hat. Olgierds Frau, Iris, kommt aus der Familie Biletitz - die Geliebte von Kminic hieß mit ihren Nachnahmen Billewicz. Sowohl Kminic, wie auch Panna Alexandra waren Litauer - Olgierd und seine Familie tragen den Namen der litauer Herrscher (Kenstut und Witold). Zwar kommen sie aus einer früheren Epoche (14./15. Jahrhundert), aber es ist den Polen aus dem Geschichtsunterricht gut bekannt. Noch zu wenig? Olgierd zitiert und paraphrasiert Kmicic! Der Kampf mit ihm ist auch voller Anspielungen an das Duell von Kmicic und der Romanfigur Wolodyjowski. Selbst die Narbe auf dem Kopf weckt Konnotationen. Zu guter Letzt wird noch das Hemdzerreißen an der Türschwelle erwähnt (damit gelangen wir in das 18. Jahrhundert). Vielleicht erinnern sich nicht alle, wieso Reytan sein Hemd zerrissen hatte, aber das Gemälde von Jan Matejko („Reytan – der Fall Polens“, 1866), das dieses Ereignis darstellt, illustriert in vielen Geschichtsbüchern die Kapitel, die der Teilung Polens gewidmet sind.

Zukunft einer Marke Dank den Spielen, wurde das Hexer-Universum zu einer internationalen Marke. Die kommende Serie von Netflix (mit Henry Cavill in der Hauptrolle) kann dazu beitragen, dass die Anzahl von Geralt-Fans noch steigen wird. Vielleicht werden wir mit einem Phänomen zu tun haben, wie “The Game of Thrones”? CD Projekt Red denkt nicht mal daran, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Weiterhin wird an “Gwent” gearbeitet und das Studio hat schon ein selbstständiges Spiel "Thronebreaker: The Witcher Tales" angekündigt - eine Verbindung von einem RPG- und Kartenspiel. Die Premiere ist für den 23. Oktober geplant. Im polnischen Internet brodelt es die ganze Zeit. Jeden Tag werden neue Gerüchte über die Serie in Umlauf gesetzt und jegliche Infos über die Besetzung


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Screenshot aus The Witcher 3: wild hunt, Hearts of stone; Cd Projekt Red, pressematerialien der Rolle von Ciri durch eine nicht weiße Person, raubt den Schlaf einiger Fans. Manche kommen mit den Argumenten über die Historizität des Hexer-Universums, das überhaupt nicht historisch ist. Sapkowski selbst liebt Anachronismen und die Themen seiner Werke sind sehr aktuell. In letzten Tagen machte der Verfasser selbst viel Wind um sich herum, als ob seine kontroversen Äußerungen und Benehmen schon nicht die Fans polarisieren würden. Sapkowski verkaufte vor Jahren die Rechte für die Spiele für eine festgelegte Summe (ca. 40 Tausend Zloty), denn er glaubte nicht, dass die Spiele erfolgreich werden. Er verzichtete auf den Verkaufszins. Jetzt versucht er sich auf das polnische Urheberrecht zu berufen und verlangt von dem Studio 60 Mio. Zloty. Schwer zu sagen, wie der Streit enden wird. Das Beharren auf die Meinung, dass die Hexer-Saga slawisch ist, ist übertrieben. Die Bücher schöpfen hier und dort aus der slawischen Mythologie, aber es handelt sich nur um ein paar episodische Auftritte und nichts mehr. CD Projekt Red reichte tiefer in die slawische Wurzeln, besonders in der Erweiterung zum dritten Teil des Spiels, jedoch trotzdem bleibt die Hexer-Serie ein Fantasy-Spiel im Stil des Westens. Neben den Striegen und Waldschrat haben wir auch Greife, Harpyien und Zyklopen. Man darf aber nicht vergessen, dass Andrzej Sapkowski ein Pole ist, die Hexer-Saga auf Polnisch geschrieben worden ist und dass CD Projekt Red ein polnisches Studio ist. Man kann das Gestammel über die

Historizität des Universums auslachen oder sich über die Empörung über eine dunkelhäutige Ciri ärgern, aber man darf nicht vergessen, dass die Polen sich wie eine Minderheit in der internationalen Popkultur fühlen eine Minderheit, die ausgelacht, verachtet und ignoriert wird. Dies zeugt von einer Überempfindlichkeit, aber es fällt schwer sich nicht zu ärgern, wenn man wieder einen polnischen Schauspieler in der Rolle eines bösen Russen sieht, oder wenn man sich wieder eine amerikanische Interpretation des dummen Poles in genauso dummer Komödie anschaut. Für Unruhe unter den polnischen Fans sorgte die Information, dass Tomasz Bagiński, der laut ersten Bekanntmachungen an Regie wenigstens einer Folge pro Staffel beteiligt werden sollte, nicht auf der Liste der Regisseure der ersten Staffel zu finden ist. Aus diesen Gründen, obwohl ich mit meinem ganzen Herzen für das gesamte Team der Netflix-Serie schon jetzt stehe, drücke ich die Daumen für einen polnischen Akzent. Ich will daran glauben, dass man aus der Hexer-Saga eine vollberechtigte internationale Marke machen kann, ohne dabei ihre Wurzeln zu vergessen. Das ist für die Polen sehr wichtig - nicht nur für die Fans, aber auch für diejenigen, die sich die Serie ansehen werden. Und was daraus herauskommt? Das werden wir wahrscheinlich erst 2019 oder 2020 erfahren, denn erst dann können wir mit der Premiere rechnen.


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Łęczyca -

die Stadt, wo der zu Hause ist von ramona nocoń

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Teufel


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Die Legenden und Geschichten ranken sich um die Gestalt des Teufels Boruta. Sein Name stammt von der alten Bezeichnung der Kiefer, und im vorchristlichen Polen ist er der Schutzgeist des Wal-

Sumpfige Wiesen und Wälder, umhüllt von Nebel - waren seit Jahrhunderten Stoff, aus dem Geschichten entstanden sind. Nicht anders ist es in der Stadt Łęczyca (dt. Lenczyca) gewesen, wo bis heute unter dem Schloss der Teufel über seine Schätze wacht.

des gewesen. Besonders haben ihn die Jäger geehrt, auch lange noch nach der Christianisierung des Landes. In den vergangenen Jahrhunderten verwandelte sich der Geist des Waldes in den Teufel Boruta, der zwar gefährlich werden kann, meistens jedoch an Tänzen mit schönen Frauen und Wein interessiert ist. Heute soll er den Schatz unter dem Schloss bewachen.

Schloss und Museum Das Schloss in Łęczyca (dt. Lenczyca) wurde zu Zeiten des Kasimir des Großen erbaut. In seinen Mauern beherbergte es oft polnische Könige, die in der Gegend auf Durchreise gewesen sind. Im 14 Jh. brannte ein großer Teil des Schlosses nieder und erst in der zweiten Hälfte des 16 Jh. wurde es renoviert. In den folgenden Jahrhunderten verlor das Schloß immer mehr an Bedeutung. Während der Dreiteilung Polens lag Łęczyca in Preußen und wurde zu einer modernen Festung. 1831

Altstadt in Łęczyca Foto: Mietek Ł, Wikimedia Commons


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begann der Abbruch des Schlosses durch die Stadtbewohner, da man Ziegel benötigte. In einer sehr bescheidenen Form überdauerte es bis 1918. Erst nach dem 2. Weltkrieg hat man es gründlich renoviert und seitdem befindet sich dort das Museum des Landes Leczyca. Im Museum gibt es u. a. eine einzigartige Ausstellung von Teufelsfiguren, von ganz kleinen bis zu zwei Meter hohen Exemplaren. Außerdem gibt es viele interessante Exponate rund um die Geschichte der Region. Ende August findet immer ein Ritterturnier statt.

Die Kirchen Neben dem Schloss und Museum kann man noch die St. Andreas Kirche besuchen. Ebenfalls im Mittelalter erbaut, wurde sie durch den Deutschritterorden zweifach niedergebrannt, aber immer wieder aufgebaut. Sie wurde das letzte Mal im Jahr 1425 geweiht. Anfangs ist sie eine rein gotische Basilika gewesen, verlor aber im Laufe der Jahrhunderte ihren gotischen Charakter, vor allem im Innenraum, zugunsten des Barock und im 19 Jh. wurde das Gewölbe durch flache Decken ersetzt. Bis heute kann man aber den ursprünglichen Baustil erkennen, vor allem im Presbyterium und von außen. In der Kirche gibt es einen alten barocken Altar und Figuren der Heiligen, auch Polychromien sind zu finden. Der Glockenturm, der neben der Kirche steht, ist ein

schloss in Łęczyca, Foto: www.fotowojcik.pl

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Überbleibsel der Stadtmauern und


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zählt auch zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die St. Andreas Kirche ist nicht die einzige Kirche in der Stadt, die einen Blick wert ist. Nicht weit, nur fünf Minuten zu Fuß entfernt, ist die Bernhardinerkirche. Ein barocker Bau im Klosteranwesen der Bernhardiner. Im 17. Jh. erbaut, bekam die Kirche ihr heutiges Aussehen nach der schwedischen Sintflut. Der Innenraum ist reich verziert, mit vielen versilberten und vergoldeten Figuren. Das Gewölbe präsentiert sich prächtig mit vielen Fresken, die Geschichten aus der Bibel und dem Leben der Heiligen erzählen.

das 20. internationale ritterturnier in Łęczyca, Foto: www.sowiweb.com Nach der Besichtigung kann man noch einen Rundgang durch die Stadt, vor allem durch den Ring mit seinen bunten Altbauten machen. Wer noch nicht von Besichtigen genug hat, kann in das nicht weit entfernte Dorf Tum fahren (15 Min. Spaziergang), wo eine der am besten erhaltenen Kollegiatstiften Polens steht. Aus dem 12. Jh. stammend, ist sie ein hervorragendes Beispiel für die Architektur der Romanik in Polen und ein must see für jeden Mittelalter-Fan. Der örtlichen Überlieferungen zufolge, wollte der Teufel Boruta um jeden Preis den Bau der Kirche verhindern und die Türme zerstören. Bis heute kann man an einem der Türme seine Fingerabdrücke

das 20. internationale ritterturnier in Łęczyca, Foto: www.sowiweb.com

sehen.


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Kloster Wiese-Pauliner Auf den Wiesen nahe der Stadt Oberglogau (poln. Głogówek) in Oberschlesien, direkt an einem Arm des Hotzenplotzflusses, steht bis heute eine hübsche neobarocke Kirche. Quer an den Kirchturm ist ein altes Klostergebäude angebaut. Ein Kirchhof mit großen Lindenbäumen umgibt das Ensemble, das über eine 600jährige Geschichte verfügt, das Paulinerkloster zur Heiligen Dreifaltigkeit auf den Wiesen, in der Neuzeit auch Kloster Wiese-Pauliner (poln. Mochów Pauliny) genannt, das einzige Kloster des aus Ungarn stammenden Paulinerordens auf schlesischem Boden.

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Nachdem Herzog Wladislaus II. von Oppeln das berühmte Paulinerkloster Jasna Góra bei Tschenstochau gestiftet hatte, gründete er 1388 auch eine kleinere Klosteranlage dieses Ordens in seinem Oppelner Herzogtum und widmete sie der Heiligen Dreifaltigkeit. Die Klosteranlage „auf den Wiesen“ bei Oberglogau wurde in den folgenden Jahren auch tatsächlich angelegt und mit sechs Mönchen des Paulinerordens besetzt. Zentrale Aufgabe der Mönche sollte sein, nach dem Tod des Herzogs für sein Seelenheil und das seiner Familienangehörigen zu beten. Dafür stattete dieser das Kloster mit Ländereien, Mühlen und dem Bauerndorf Olbersdorf bei Zülz aus. Allerdings wurde das Kloster bereits 1428 im Zuge der Hussitenkriege zerstört.

In der frühen Neuzeit wurde das Kloster Wiese aus Tschenstochau wiedererrichtet und im Jahre 1578 erneut eingeweiht. Das Kloster erwarb ein weiteres Dorf und gründete mehrere Gärtnersiedlungen. So konnten erneut sechs Mönche, die zumeist aus Polen stammten, im Kloster ernährt werden. Nachdem das Kloster im Dreißigjährigen Krieg wieder gelitten hatte, wurde es im Jahre 1655 berühmt, als der polnische König Johann Kasimir im polnisch-schwedischen Krieg in das benachbarte Oberglogau floh und die Muttergottes-Ikone aus Tschenstochau für mehrere Monate im benachbarten Kloster Wiese unterbringen lies. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden dann Kloster und Klosterkirche in barockem Stil erneut aufge-


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baut. Nach der Eroberung Schlesiens durch Preußen wurde das 1810 im Rahmen der Säkularisation wie alle anderen Klöster in Schlesien auch aufgehoben und der Besitz verstaatlicht. Erst 1844 wurde die ehemalige Klosterkirche zur Pfarrkirche für die neue Pfarrei Wiese-Pauliner gemacht. Im ehemaligen Klostergebäude wurde eine Krankenheilanstalt der Borromäerinnen eingerichtet. Die Borromäerinnen wirkten hier bis 1998. Dann wurde auch das Klostergebäude dem Paulinerorden übergeben, welcher bereits 1972 die Pfarrei übernommen hatte. Damit sind heute sowohl Kirche als auch Kloster wieder im Besitz des Paulinerordens. Die Pfarrkirche in Wiese-Pauliner stammt aus dem 17. Jahrhundert, wurde aber in den Jahren 1910/11 neobarock erweitert und umgebaut. Von der alten Kirche haben sich lediglich der Turm mit Zwiebelhaube und Laterne sowie dem Durchgang zum Kloster und zwei Kapellen erhalten. Im Hauptaltar befindet sich seit den 1980er Jahren eine Kopie der Muttergottes

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von Tschenstochau. Das Klostergebäude entstand um 1668. Es zeigt einen Karnies-Giebel und hat zwei Stockwerke. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude zur Krankenheilanstalt umgebaut, so dass sich von der Struktur aus der Zeit des Paulinerordens wenig erhalten hat. Eine einmalige Ausnahme ist die Ausmalung des Gewölbes im Refektorium aus den Jahren 1738/39. Diese 17 Bilder gehen auf Vorlagen aus dem Buch „Zierd der Einsamkeit…“ von Mathias Fuhrmann aus dem Jahre 1732 zurück und stellen verschiedene Szenen aus dem Leben des heiligen Paulus dar. Das Deckengemälde zeigt zusätzlich die heilige Dreifaltigkeit. Die Bilder wurden vermutlich von Ignatz Depée, der auch Gemälde in Rauden und Troppau malte, angefertigt. Das Refektorium im Kloster kann auf Anfrage besichtigt werden, wird aber von den Mönchen heute wieder als Speisesaal genutzt.

von Prof. dr. ralph Wrobel


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Pyramide in Rapa Fakten und Mythen von Robert Dethloff

Mitten im Wald in der Nähe einer kleinen masurischen Ortschaft namens Rapa / Angerapp, rund zwei Kilometer von der russischen Grenze entfernt, steht eine Pyramide. Seit Jahren sorgt sie für Neugier und regt die Fantasie an. Die ewige Frage, was sie verbirgt versuchten schon Viele zu beantworten - beginnend bei Schatzsuchern bis zu Forschern, die hier komplexe Untersuchungen durchführten. Pikanterie verleiht der Geschichte auch die Tatsache, dass im Inneren kopflose mumifizierte Leichen ruhen... Foto: Tomasz Łaskowski

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Im Laufe der Zeit sind viele Legenden und faszinierende Geschichten rund um die Pyramide in Rapa / Angerapp entstanden. Viele von ihnen darf man nicht ernst nehmen, denn entweder fehlen dafür die Beweise oder sie wurden einfach ausgedacht. Je mehr wir in das Thema und die Geschichte des Mausoleums eintauchen, desto mehr Fragen entstehen. Zahlreiche Rätsel konnten bereits Marta Bura und Janusz Janowski - Spezialisten aus dem Institut für Archäologie an der Universität Warschau auflösen. 2015 hat man eine Forschungsreise mit Archäologen, Historikern aber auch Ethnographen, Anthropologen und Forstwirten durchgeführt. Dank den Forschungsarbeiten, die mithilfe neuester Technologien durchgeführt wurden, konnte man einige Mythen fallen lassen aber gleichzeitig hat man auch einige neue und interessante Hypothesen aufgestellt.

Wer war der Auftraggeber? Wer war der Architekt? Laut den Forschern der Warschauer Universität und dem Museum der Volkskultur in Węgorzewo / Angerburg wurde die Pyramide höchstwahrscheinlich zwischen 1792 und 1795 erbaut und nicht 1811, wie man früher angenommen hatte. Der Auftraggeber war der Besitzer des Gutshofs in Rapa (früher Klein Angerapp) - Johann Friedrich Wilhelm von Fahrenheid, der damals als der reichste Mensch von Ostpreußen galt. “Die Pyramide in Rapa erinnert stark an den Eiskeller aus dem Neuen Garten in Potsdam, der zwischen 1791 und 1792 erbaut wurde. Der Auftraggeber der Pyramide also Johann Friedrich Wilhelm von Fahrenheid, war ein guter Bekannter von Friedrich Wilhelm II., dem König von Preußen. Nur drei Wochen nach dem Herrschaftsantritt von Friedrich Wilhelm II. bekam Fahrenheid den Adelstitel. Die beiden teilten auch dieselben religiösen und philosophischen Anschauungen, beide waren auch Freimaurer. Das Bauwerk von Angerapp wurde auch auf der Schroetterschen Landesaufnahme mit der Bezeichnung «Bergäbniss» erfasst”, sagte Dr. Jerzy Łapo, der auch bestätigte, dass J.F.W. von Fahrenheid mit dem aus Gdańsk/Danzig stammenden Daniel Gabriel Fahrenheit dem Erfinder von Messinstrumenten, verwandt war. Von wem der Entwurf der Pyramide war, weiß man bis heute nicht. Anfangs wurde dies dem bekannten Bildhauer Bertel Thorvaldsen zugeschrieben, doch dies waren nur Vermutungen. “Die Legende von Bertel Thorvaldsen entstand anhand von mehreren Irrtümern. Dieser außerordentliche Künstler schaffte die Statue der Hoffnung, die an dem Begräbnis von Ulrich von Salpius in Uljanowskoje (früher Klein Beynuhnen) auf einer hohen Säule stand. Salpius war der Freund von Fritz von Fahrenheit, dem Enkel von Johann. 1888 wurde der Leichnam von Fritz neben seinem Liebhaber und im Schatten der Statue der Hoffnung begraben. Die Pyramide von Angerapp könnte dieselbe Person entworfen haben, wie die, die den Eiskeller in Potsdam entworfen hat. Das Bauwerk wurde aber von den örtlichen Maurern erbaut”, erklärt Łapo.


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Foto: Tomasz Łaskowski

Ein Eiskeller oder ein Gruß an die Freimaurer? Die Entstehungsgeschichte des Mausoleums sorgte und sorgt immer noch für viele Zweifel und Bedenken. Jahrelang glaubte man, dass das Bauwerk wegen der Ägyptomanie von Johann von Fahrenheid erbaut wurde und eine Nachbildung der Cheops-Pyramide darstellt. Die wohl älteste Legende besagt, dass ein Familiendrama der Grund für die Entstehung des Bauwerks war. Im Alter von drei Jahren verstarb wegen Scharlach die Tochter des Barons von Frahrenheid - Ninette. Das

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Mädchen soll erkrankt sein, nachdem es die goldene Statue von Anubis aus der Kollektion ihres Vaters berührt hatte. Dieser galt als ein leidenschaftlicher Sammler aller Art von Kunst, als Weltbummler und als ein Bewunderer des Alten Ägyptens. Diese beiden Mythen werden von der Forschung widerlegt. Spezialisten aus dem Institut für Archäologie an der Universität Warschau haben einen 3D-Scan durchgeführt und bestätigten, dass die Winkel in Angerapp nicht dem Winkel aus dem Alten Ägypten entsprechen. “Bis zum Jahr 1802 ist nur eine Person in der Familie Fahrenheid gestorben. Das war Fridericke, die Frau von Johann, die 1795 verstarb. Ich glaube, dass damals die Pyramide bereits fertig gebaut war. Sie sollte als ein Eiskel-


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ler dienen, der am Sumpf gleich am kleinen See stand. Sie wurde jedoch zu einer exzentrischen Grabstätte“, so Dr. Łapo. Eine andere These besagt, dass die Pyramide mit den Freimaurern in Verbindung steht. Johann von Fahrenheid war der Finanzberater der königlichen Freimaurerloge “Zu den drei Kronen”, dementsprechend kann man hier nichts ausschließen. Welche These liegt der Wahrheit am nächsten? “Die erste steht nicht im Widerspruch zu der zweiten. Die Aufklärungsbewegung der zweiten Hälfte des 18. Jh. harmonierte mit der Entwicklung der Freimaurer. Damals griffen die Eliten in ganz Europa rege nach dem Erbe der Antike. Das betraf auch die Parkanlagen und deren Infrastruktur. Alltägliche Bauten wie Gartenlauben, Orangerien, Eiskeller etc. bekamen oft eine Form oder eine Verzierung, die an die Antike knüpfte. Zum Altertum, vor allem in Bezug auf Ägypten, griffen gerne auch Freimaurer. So entstanden Eiskeller in Form von Pyramiden, wie etwa im französischen Chambourcy”, sagt Dr. Łapo und fügt gleich hinzu “Die Hypothesen, die ich aufgestellt habe, brauchen noch eine Bestätigung und müssen weiter erforscht werden, vor allem in deutschen Archiven. Das ist die Zukunft. Bislang hat man sich darauf konzentriert, die Pyramide zu sichern und zu renovieren”.

Mumien aus Angerapp Eine weitere der vielen Legenden rund um das Mausoleum endet ebenfalls mit keinem Happy End. Diese besagt, dass der älteste Sohn des Barons sich in die Tochter eines Kaufmanns aus Königsberg verliebt hat. Leider wollte ein Teil der Familie die Beziehung nicht akzeptieren. Jegliche Versuche sie umzustimmen scheiterten und so kam der junge von Fahrenheid auf die teuflische Idee diese Familienmitglieder, die seiner

Beziehung widersprachen auf ein Mittagessen einzuladen, um sie mit Pilzen zu vergiften. Das Unglück wollte es, dass die Mahlzeit ein Tag früher serviert wurde und infolgedessen sieben Familienmitglieder ums Leben kamen. Nicht aber der Fahrenheid Senior, der sich auf einer Reise befand. Nach seiner Rückkehr fand er sieben Leichen, die er später im Mausoleum bestatten ließ. Anthropologische Forschungen bestätigten, dass in der Grabstätte tatsächlich fünf Erwachsene und zwei Kinder ruhen. Man weiß jedoch nicht, wer das zweite Kind ist. Dieser Frage versucht Dr. Jerzy Łapo nachzukommen. “Noch konnte man das zweite Kind nicht identifizieren. Ich habe auch immer größeren Zweifel, ob es uns gelingt die Personalien aller hier begrabenen Leute festzulegen. Kirchenbücher wären hier sehr hilfreich, aber diese sind anscheinend nicht erhalten geblieben. In der Pyramide wurden wahrscheinlich nicht nur die Särge der Familie Fahrenheid, sondern auch anderer Personen des Stammes bestattet, wie Bujack und Altenstadt. Diese Familien verwalteten Angerapp und Klein Beynuhnen nach 1888. Das verstorbene Kind könnte Teil dieser Familien gewesen sein”. Ungewöhnlich und überraschend ist auch die Tatsache, dass die Leichen einer Mumifikation unterlagen. So werfen sich die Fragen auf, warum und wie so etwas passieren konnte. Waren dafür spezifische Bedingungen in der Pyramide verantwortlich? Eine Antwort hat auch diesmal Dr. Łapo parat: “Die Leichen, die in der Pyramide ruhen, unterlagen einer natürlichen Konservierung, die auf der Austrocknung des Weichteilgewebes beruht. Nach dem Krieg wurden die Kanäle, die die Luftzirkulation erzwungen haben, zugeschüttet, was das Mikroklima im Inneren der Pyramide veränderte. Andere Feuchtigkeits- und Lüftungsbedingungen zusammen mit ständigem Öffnen der Särge hat dazu geführt, dass Pilze und Schimmel auf den Mumien zu finden sind”.

“Fluch des Pharaoss” auch in Angerapp? Mit Sicherheit hat jeder etwas von dem “Fluch des Pharaos” gehört. Der Legende nach wird jeder Eindringling, der die ewige Ruhe des Pharaos stört, um sein Leben kommen. Ein neues Leben verpassten diesem Aberglauben die Medien auf der ganzen Welt nachdem 1922 Howard Carter und George Carnarvon das Grab von Tutanchamun gefunden haben. 1923 schnitt sich Lord Carnarvon beim Rasieren versehentlich eine Wunde nach einen Moskitostich auf. Es folgte eine Blutvergiftung, Erysipel (Wundrose) und eine Lungenentzündung, die zum Tod des Lords führte. Eine der Theorien besagt, dass hinter dem Todesfall ein gefährlicher Schimmelpilz aus dem Grab des Pharaos stand. Interessanterweise gab es eine täuschend ähnliche


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Legende auch in Angerapp, mit dem Unterschied, dass sie sich auf die ewige Ruhe der Familie von Fahrenheid bezogen hat. Einheimische glaubten, dass jeder der ins Mausoleum eindringt, mit fürchterlichen Konsequenzen rechnen muss. Zusätzlich fanden Forscher heraus, dass die Skelettüberreste eine krebserregende Substanz beinhalten. Wie viel hat das Ganze mit der Wahrheit zu tun? “Der Fluch ist ein eigentümlicher Mythos. Eine vor Jahren ausgedachte Geschichte, die nur der Sensation und Geheimnistuerei diente, die ihr eigenes Leben lebt, vor allem in Sachen Popkultur. Tatsache ist aber, dass der Aufenthalt in verschimmelten Räumen niemals der Gesundheit diente. «Verdienste» haben die Fahrenheids hier also keine “, versichert Dr. Łapo.

Strahlung aus der Erde und aus dem Weltall

Foto: Tomasz Łaskowski

Ein Geheimnis aber auch eine Tatsache ist die geografische Lage der Pyramide, die laut Radiästhesisten auf einer sogenannten Ley-Linie liegt. Auf die Grabstätte soll angeblich die Erde- und Weltallenergie strahlen. Zusätzlich befindet sich das Bauwerk auf derselben Route, wie etwa die Wolfsschanze, also das einstige Hitlerquartier. Kann man im Inneren des Mausoleums die kosmische Strahlung fühlen? “Dieser Platz sorgt für viele Emotionen und Empfindungen, aber ich merke in Angerapp keine außergewöhnliche Energie. Wie soll man diese auch messen? Die Strahlung, die von manchen in Bovis-Einheiten ausgedrückt wird, ist wissenschaftlich nicht zu verifizieren”, erklärt Dr. Łapo.

Kopflose Mumien Schockierend ist die Tatsache, dass jemand ins Mausoleum eingedrungen ist und den Leichen die Köpfe abgetrennt hat. Jahrelang fragte man sich, wer hinter dieser Tat stand. Auch hier gibt es eine Legende. Eines Tages wurde das ganze Vieh in der Umgebung von der Pest umgebracht. Jemand verbreitete ein Gerücht, dass für die Seuche die Leichen im Mausoleum verantwortlich sind, denn diese seien angeblich böse Mahren. Einheimische haben schnell die Geschichte aufgegriffen und suchten nach einem Weg, wie man die Mahren loswerden könnte. Jemand hatte die Idee, dass die Abtrennung der Köpfe die Sache erledigen würde… Mit aller Sicherheit ist dies eine der unwahrscheinlichsten Legenden, die jemals rund um die Pyramide entstanden sind. Ihre Quelle ist auf einen belletristischen Roman aus den Anfängen des vergangenen Jahrhunderts zurückzuführen.

Foto: Tomasz Łaskowski

Andererseits ist es kein großes Geheimnis, dass während des I. und II. Weltkriegs das Mausoleum mehrmals Entweihungen ausgesetzt war. Soldaten der Kaiserlich Russischen Armee und der Roten Armee

Foto: Tomasz Łaskowski

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plünderten das Bauwerk. Ihren Beitrag leisteten auch die Einwohner der nahen gelegenen Ortschaften und Schatzsucher. “1977 wurden die Köpfe abgetrennt und die Leichen zum ersten Mal entehrt. Junge Männer in «Uniformen» (vielleicht aus den Corps für freiwillige Arbeit), die eingereist sind, um auf den Feldern Staatlicher Landwirtschaftsbetriebe auszuhelfen. Die letzten Schädelüberreste sollten in den 90er Jahren des 20. Jh. in der Pyramide gesichtet worden sein”, erklärt Dr. Łapo.

Rettung der Pyramide Die Forscher stellten auch eine beunruhigende Tatsache fest. Der Zustand des Bauwerks war dermaßen durch Vandalen beeinträchtigt, dass es vom Einsturz bedroht war. Zum Glück wurde die Baute vom Forstamt Czerwony Dwór (Rothebude) übernommen, das alles Mögliche tat, um das Bauwerk zu retten. “Wir konnten ein umfangreiches Netzwerk aufbauen, das die Forschung, die Architektur, den Denkmalschutz sowie die Verwaltung und das Forstamt zusammenbrachte. So konnten wir uns für diese Aufgabe gut vorbereiten. Die Dokumentation wurde vorbereitet und wir haben entsprechende Genehmigungen erhalten, aber aus von dem Forstamt unabhängigen Gründen, konnten wir keine externen Finanzmittel für die Rettung des Denkmals gewinnen. Da wir die Kosten für die Renovierungsarbeiten selbst übernehmen mussten, ist es uns gelungen, die Entscheidungsträger zu überzeugen, das Projekt aus den Mitteln der Staatswälder zu finanzieren. Die Gesamtmittel für das Projekt überschreiten 1. Mio. Złoty. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass die Kosten nochmal steigen könnten und wir wieder nach Finanzierungsquellen suchen müssen”, informiert Tomasz Łaskowski, der Sekretär des Forstamtes. Nach umfangreichen Vorbereitungen begannen die Renovierungs- und Konservierungsarbeiten am 17. Juli 2018 und sollen bis Ende Oktober umgesetzt werden. Dies ist eine hervorragende Nachricht, denn es ist nur schwer vorstellbar, dass ein solches einzigartiges Denkmal verschwindet. Andererseits bleiben immer noch viele Fragen offen, und viele Rätsel warten darauf, gelöst zu werden.

Foto: Tomasz Łaskowski


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In Szczebrzeszyn tönt der Käfer im Schilfrohr von Paulina Kuc

„W Szczebrzeszynie chrząszcz brzmi w trzcinie.” Dieser polnische Zungenbrecher ist ein wahrer Albtraum aller Ausländer die Polen besuchen. Kann die Stadt am Fluss Wieprz jedoch mehr bieten als nur eine kurze Erwähnung in dem Kindergedicht von Jan Brzechwa? Auf jeden Fall.

St. Katharina Kirche, Foto: Janusz kapecki

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Touristen aus aller Welt sind vor allem von dem Namen der Ortschaft fasziniert. Diese wird auch sehr oft in verschiedenen Werbespots benutzt. Für Furore sorgt aktuell eine Tafel auf dem Münchner Flughafen, auf der steht: „Szczebrzeszyn. Hard to say, easy to visit.“ Viele Menschen finden, dass es eine grandiose und sehr originelle Stadtmarketingidee ist. Jedoch nicht nur der Name Szczebrzeszyn fasziniert, auch seine Herkunft ist für viele ein Rätsel. Janusz Kapecki, Reiseleiter und Regionalist beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte der Stadt und auf die Namenherkunftsfrage hat er ohne groß nachzudenken gleich ein paar Antworten parat. Der einzigartige Name Szczebrzeszyn könnte von „szczebrzuchy“ kommen, der ehemaligen Bezeichnung eines Speers oder eines Pfeils oder möglicherweise von „szczebrzychi“, also Werkzeugen. Mit „Szczebrzesze“ bezeichnete man hingegen Menschen, die als Handwerker arbeiteten. Eine der Legenden besagt, dass der Name von der Struktur des Geländes kommt. Die Stadt befindet sich nämlich in einer Hochland- und Hügelregion, was „szczeverszyny“ bedeuten sollte. Eine andere Sage besagt, dass die Bewohner von Szczebrzeszyn sehr lügnerisch und falsch waren. Man sagte zu ihnen deshalb „szcze breszysz“. Wenn sie hingegen etwas nachlässig gemacht haben, meinte man, dass sie „szczebrzuszą“, wovon auch der Ortsname kommen könnte. Eine der Überlieferungen besagt, dass in der Zeit als noch nicht alles auf der Welt einen Namen hatte, Gott einen Engel auf die Erde sandte, um einen Auftrag zu erledigen. Er packte also sein Zubehör, zog sich ein weißes Gewand an und begab sich zum angewiesenen Platz. Als er auf der Erde seine Arbeit erledigt hatte und wieder in den Himmel zurückkehren wollte, bemerkte er die ihn umgebende Schönheit. Der Ort war voll mit grünen Pflanzen, Waldbeeren, Pilzen, Waldtieren, Wasserquellen, Schluchten, Wäldern und

Wiesen. Man hörte dort auch das Singen der Vögel, das Brummen der Käfer und die Gelächter der Menschen. Es sah fast wie ein Paradies aus. Der Engel fragte also einen Imker den er traf, wie dieser Ort hieß. Dieser sah jedoch zum ersten Mal im Leben einen echten Engel und war so erschrocken, dass er kein einziges Wort aus sich herausbringen konnte. Das gute und ruhige Lächeln des Engels gab ihm jedoch etwas Mut und er sagte leise „szcze werszyna sut.“ Wahrscheinlich bedeutete es „letzte Hochebene“. Der Engel erkannte, dass er keine weiteren Informationen erhalten würde, also kehrte er in den Himmel zurück. Dort erzählte er begeistert Gott über den Ort. Er bat ihn, den Bewohnern dieser Ortschaft eine Begabung zu geben, damit sie die sie umgebende Schönheit erkennen und festhalten konnten. Als Gott die Bitte des Engels erfüllen wollte, fragte er nach dem Namen der Ortschaft. Der Engel verdrehte etwas die Worte des Imkers und sagte „Szczebrzeszyn“. Seine Bitte wurde also erfüllt und von dem Moment an konnten alle Stadtbewohner die Schönheit des Ortes erkennen. Manche bekamen auch ein künstlerisches Talent, um die Gegend festzuhalten und späteren Generationen zu zeigen. Deswegen ist Szczebrzeszyn die Heimatstadt vieler Maler, Bildhauer, Poeten und Schriftsteller. Eine der interessantesten Legenden über den Namen Szczebrzeszyn ist zweifellos die Geschichte über den Gründer der Stadt, Szczebrzesz oder Szczebrzuch. An der Wende des 10. und 11. Jahrhunderts reiste er durch das Gelände der heutigen Stadt. Auf einmal ist jedoch seine Kutsche umgekippt, weswegen er seine Reise nicht fortsetzen konnte. Die umliegende Gegend gefiel ihm jedoch so gut, dass er sich entschied, dort zu bleiben und zu leben. Das Dorf von Szczebrzech entwickelte sich sehr schnell, und weil er selbst sehr gebildet und reich war, entschied er sich, den Bewohnern etwas zu helfen. Er beschloss eine Brücke zu bauen, um Einheimischen und

Chrząszcz Jan Brzechwa W Szczebrzeszynie chrząszcz brzmi w trzcinie I Szczebrzeszyn z tego słynie. Wół go pyta: „Panie chrząszczu, Po co pan tak brzęczy w gąszczu?” „Jak to - po co? To jest praca, Każda praca się opłaca”. „A cóż za to pan dostaje?” „Też pytanie! Wszystkie gaje, Wszystkie trzciny po wsze czasy, Łąki, pola oraz lasy, Nawet rzeczki, nawet zdroje, Wszystko to jest właśnie moje!” Wół pomyślał: „Znakomicie, Też rozpocznę takie życie”. Wrócił do dom i wesoło Zaczął brzęczeć pod stodołą Po wolemu, tęgim basem. A tu Maciek szedł tymczasem. Jak nie wrzaśnie: „Cóż to znaczy? Czemu to się wół próżniaczy?!” „Jak to? Czyż ja nic nie robię? Przecież właśnie brzęczę sobie!” „Ja ci tu pobrzęczę, wole, Dosyć tego! Jazda w pole!” I dał taką mu robotę, Że się wół oblewał potem. Po robocie pobiegł w gąszcze. „Już ja to na chrząszczu pomszczę!” Lecz nie zastał chrząszcza w trzcinie, Bo chrząszcz właśnie brzęczał w Pszczynie.


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Denkmal des Käfers, Foto: Janusz kapecki Reisenden die Überquerung des Flusses zu erleichtern. Leider war die Brückenbauerfahrung einfacher Menschen sehr gering, weswegen die Arbeit viele Schwierigkeiten mit sich brachte. Nach einiger Zeit haben manche sogar angefangen am Brückenbau zu zweifeln und

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wollten nicht mehr weiterarbeiten. Szczebrzech sagte jedoch, dass „auch wenn er den Teufel selbst um Hilfe bitten müsste, wird er die Brücke zu Ende bauen“. Gleich, nachdem er den Satz ausgesprochen hatte, bemerkten sie eine Gestalt, die sich ihnen näherte.

Der Reisende trug eine Mütze, zu große Schuhe und einen schwarzen, deutlich zu großen Anzug. Er bot seine Hilfe an, die die Bewohner gleich annahmen. Von diesem Moment an begannen sich die Arbeiten unheimlich schnell voranzutreiben. Dann merkte Szczebrzech, der ein frommer Christ war, dass der Reisende in Wirklichkeit der Teufel war, der unter der zu großen Kleidung seine Hörner, den Schwanz und die Hufen versteckte. Er fragte ihn also, was er für die Hilfe als Gegenleistung verlange. Der Teufel stellte fest, dass es ihm an nichts fehlt, außer an Gesellschaft, weil er sich manchmal einsam fühle. Nach dem Ende der Arbeiten wollte er also die erste Seele mitnehmen, die die Brücke überqueren würde. Der Bau lief weiter und Szczebrzech vergaß nach einiger Zeit seine Vereinbarung mit dem Teufel. Auf der feierlichen Eröffnung der Brücke sollte er dann als Hauptkonstrukteur als Erster den Fluss überqueren. Bevor er dies jedoch tat, dankte er erstmals Gott für seine Hilfe. Und als er dann die Brücke betreten wollte, hörte er eine Stimme, die ihm sagte, dass er dies nicht tun soll. In dem Moment erinnerte er sich wieder an seine Vereinbarung mit dem Teufel. Anstatt also selber als erster die Brücke zu überqueren, ließ er einen Eber vor ihm laufen. Der betrogene Teufel schlug ein Loch in die Brücke, in das das Tier reinfiel. Seit diesem Ereignis nannte man den Fluss Wieprz (deutsch Eber) und nach einiger Zeit begann man den Ort als die Burg von Szczebrzech und später Szczebrzeszyn zu bezeichnen. Viele polnische Ortsnamen entstanden nämlich auf der Basis eines Namens, zu dem man das Suffix „–yn“ hinzufügte. In historischen Quellen wurde jedoch nirgendwo den Name Szczebrzech erwähnt. Es gibt auch keine andere Ortschaft, die den wortbildenden Teil „Szczebrzech“ hat. Alle Geschichten, die also mit der Herkunft des Namens Szczebrzeszyn zu tun haben, sind nur Legenden, keine von ihnen hat nämlich einen ausreichenden, historischen Hintergrund. Der bekannte Lin-


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Ring in Szczebrzeszyn, Foto: Janusz kapecki guist aus Lublin, Stefan Warchoł vermutet, dass sich der Name aufgrund „der kulturell-ethnischen russischen Basis entwickelt hat, was auf dem Gelände, das früher zu Rotruthenien gehörte, sehr möglich war“. Eine andere Legende besagt, dass vor hunderten von Jahren eine Gruppe von Angreifern in die Stadt, die heute Szczebrzeszyn heißt, kam. Die Männer suchten den Ort auf einer Karte, doch weil sie den Namen der Ortschaft nicht kannten, konnten sie sie auch nicht finden. Sie wollten einen der Bewohner fragen, doch alle haben sich aus Angst versteckt. Als sie endlich einen alten Juden gefunden haben, brachten sie ihn zu ihrem Anführer. Der fragte den Mann nach dem Namen der Stadt, doch der Jude war so erschrocken, dass er kein Wort aus sich herausbringen konnte. Nachdem der Anführer ihn dann ein paar

Mal das selbe gefragt hatte und er immer noch nicht antwortete, bekam er einen Schlag ins Gesicht. Dieser war so stark, dass der Mann einen Zahn verlor. Als er ihn dann aufhob, sagte er leise in Hebräisch „szeber szin“, was ausgeschlagener Zahn bedeutete. Darauf ruft der Mann „Endlich!“ und schrieb den Namen der Stadt auf seine Karte. So wurde dieser zum offiziellen Ortsnamen. Die im 20. Jahrhundert vom Archäologieinstitut der Maria-Skłodowska-Curie-Universität in Lublin durchgeführten Ausgrabungen beweisen, dass das Gelände bereits vor 5 Tsd. Jahren von Menschen bewohnt war. Diese haben jedoch nach einiger Zeit die Gegend verlassen und die erneute Besiedlung des Terrains fand erst im 13. Jahrhundert nach Christus statt. Die heutige Stadt Szczebrzeszyn lag nämlich auf einem Handelsweg, der das arabische Gebiet mit

Westeuropa verbunden hat. Dieser wichtige Punkt auf der Handelskarte entwickelte sich also immer schneller, weswegen das damalige Polen und das damalige Russland oft um dieses Terrain kämpften. Zudem wurde die Stadt sehr oft von Tataren angegriffen. Erste Erwähnungen von Szczebrzeszyn kommen aus dem Jahr 1352, als König Kasimir der Große mit seiner Armee dort ein Lager aufschlug. In einem der Dokumente bezeichnete er Szczebrzeszyn als eine Stadt. In den 70. Jahren des 14. Jahrhunderts hat König Ludwig der Große als Gegenleistung für die Hilfe im Kriegszug gegen die Litauer Dimitri aus Goraj, Szczebrzeszyn und den ganzen umliegenden Kreis geschenkt. Nach dem Tod des Königs half Dimitri Wladyslaw II. Jagiełło bei der Heirat mit Hedwig von Anjou. Im Gegenzug hat Jagiełło die Entscheidung von Ludwig dem Gro-


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ßen befestigt und gab Dimitri die Judikative. Das war die Zeit, in der sich Szczebrzeszyn am schnellsten entwickelte. Nach dem Tod von Dimitri erbten seine Neffen Szczebrzeszyn. Es regierte der Älteste von ihnen, Prokop. Bis zum Jahr 1593 wechselte die Burg ständig ihre Besitzer, bis sie schließlich etwas länger in den Händen von Jan Zamoyski blieb. Dieser fokussierte sich jedoch hauptsächlich auf Zamość und vergaß Szczebrzeszyn. Die Stadt verfiel also mit den Jahren und wurde oft zur Beute der Kosaken, Schweden, Türken und Tataren. Nach der ersten Teilung Polens gelangte sie in österreichische Hände. Erst 1807 befreite die Armee des Herzogtums Warschau die Stadt, die bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges friedvoll existierte. Anfang September 1939 haben Nazis Szczebrzeszyn bombardiert und am 13.09.1939 die Stadt besetzt. Dank dem Einmarschieren der russischen Armee konnte Szczebrzeszyn Ende des Monats befreit werden, doch knapp eineinhalb Wochen später nahmen die Nazis Szczebrzeszyn wieder ein und sie blieben dort bis zum Ende des Krieges. In dieser Zeit wurden fast

St. Nikolaus Kirche, Foto: Janusz kapecki

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alle in der Stadt lebenden Juden ermordet oder in ein Arbeits- oder Konzentrationslager gebracht. Die Polen hat man hingegen ausgesiedelt. Am 25. Juli 1944 haben Truppen der polnischen Heimatarmee die Stadt befreit. Im Laufe der Jahre war Szczebrzeszyn ein multikultureller Ort, der von Bekennern verschiedener Glauben bewohnt war. In der Stadt kann man nicht nur katholische Kirchen, sondern auch eine Synagoge und eine orthodoxe Kirche finden. Seit der Entstehung der Stadt bildeten Katholiken die Hälfte der Gesellschaft, doch während der Reformation war Szczebrzeszyn ein Zufluchtsort vieler verfolgter Calvinisten. In der Stadt lebten auch viele Juden, die älteste Erwähnung über sie stammt aus dem Jahr 1507. In demselben Jahrhundert entstand auch ein jüdischer Friedhof. Im Jahr 1913 lebten in Szczebrzeszyn 48,2% Katholiken, 47,6% Juden, 4,2% Anhänger der orthodoxen Kirche und ein Protestant. Um die Multikulturalität der Stadt zu honorieren, werden in Szczebrzeszyn seit ein paar Jahren die Tage der katholischen, jüdischen und orthodoxen Kultur veranstaltet.

Janusz Kapecki ist überzeugt, dass der Poet Jan Brzechwa zu der großen Berühmtheit der Stadt geführt hat, deren Name zum Symbol der polnischen Sprache wurde. Der aus Szczebrzeszyn stammende Kulturmanager, Piotr Duda kam sogar auf eine Idee, ein Festival der Hauptstadt der polnischen Sprache zu veranstalten, zu dem alljährlich viele Schriftsteller, Musiker und Künstler eingeladen werden. Während einer Augustwoche kommen zahlreiche Fans der polnischen Literatur und der Sprache selbst nach Szczebrzeszyn. Sie haben die Möglichkeit an Autorenlesungen, Workshops, Konzerten und Spaziergängen auf den Spuren vieler Künstler teilzunehmen. Das Festival beweist, dass die hohe Kultur Menschen immer noch interessiert und sie magisch anzieht. Während der Veranstaltung gibt es auch etwas für Kinder, sie können an Workshops teilnehmen, die von Kinderautoren durchgeführt werden. Für sie organisiert man auch einen speziellen Bücherbasar. Im Rahmen des Festivals veranstaltet man auch viele Ausflüge und Führungen, während der man die Stadt und die umliegenden Schluchten besichtigen kann.

Synagoge, Foto: Janusz kapecki


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Das Festival und das ganze Phänomen von Szczebrzeszyn verdankt die Stadt dem bekannten Käfer. Der hat sogar ein eigenes Denkmal. Über die erste Skulptur eines Käfers schrieben sogar Zeitungen aus den USA. Im Jahr 2002 haben die Schüler des Lyzeums der bildenden Künste in Szczebrzeszyn mit Professor Zygmunt Jarmuł ein hölzernes Denkmal des auf einer Geige spielenden Insekten geschaffen. Weil man den Käfer nicht in solch einer Position darstellen konnte, ist das spielende Insekt in Wirklichkeit ein Grashüpfer. Für die Stadtbewohner und Touristen stellt die Skulptur jedoch den symbolischen Käfer dar. Gleich sieht die Situation im Falle des zweiten Denkmals aus, das auch wie ein Grashüpfer anstatt eines Käfers aussieht. Dieses ist im Jahr 2011 entstanden und der Autor des Denkmals aus Bronze ist wiedermal Professor Zygmunt Jarmuł. Der Käfer, der in Wirklichkeit ein Grashüpfer ist, steht vor dem Rathaus in Szczbrzeszyn und ist öfters auf Bildern mit Touristen anwesend. Janusz Kapecki überzeugt jedoch, dass die Stadt außer dem Namen und dem Käfer noch viel mehr zu bieten hat. Vor allem die magische Atmosphäre, die von

der faszinierenden Geschichte, wunderschönen Natur und freundlichen Bewohnern geschaffen wird. Der Zungenbrecher, mit dem Polen unter Ausländern so gerne prallen, ist die beste Werbung der Stadt. Doch bis heute weiß man nicht, wieso der Autor des berühmten Kindergedichtes, Jan Brzechwa, sich genau für diese Stadt entschieden hat. Janusz Kapecki ist der Meinung, dass sein Interesse an Szczebrzeszyn wahrscheinlich daran lag, dass er der Cousin des Poeten, Bolesław Leśmian war, der mit dem nahe liegendem Hrubieszów verbunden war. Sicher ist, dass Szczebrzeszyn nicht nur wegen des berühmten Käfers eine Reise wert ist. Auf Besichtigungen laden nicht nur die alte Kirche, die orthodoxe Kirche und die Synagoge ein, sondern auch die umliegenden Lössschluchten und der Landschaftsschutzpark Szczebrzeszyn. Auf Fans der aktiven Freizeitbeschäftigungen warten viele Fahrrad- und Wanderrouten. Besonders lohnt es sich den Entdeckungspfad Szczebrzeszyn-Kawęczynek entlang zu gehen. Kunstliebhaber können hingegen die Kunstgalerien

die orthodoxe Kirche, Foto: Janusz kapecki

Roztocze und Szczebrzeszyn besuchen. Janusz Kapecki empfiehlt besonders das Labyrinthnetz der Lössschluchten, welches man als die Hölle von Szczebrzeszyn kennt und den Besuch im Nationalpark Roztocze. Es lohnt sich also das Plakat auf dem Münchner Flughafen „Szczebrzeszyn. Hard to say, easy to visit“, also „Szczebrzeszyn. Schwer auszusprechen, leicht zu besuchen” zu Herzen zu nehmen und mit eigenen Augen das Haus des berühmten Käfers zu sehen.


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Lidzbark Warmiński - die Perle Ermlands von ramona Nocoń Das im Ermland gelegene Städtchen Lidzbark Warmiński (dt. Heilsberg) hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Heute begeistert es die Besucher mit mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten und naturnaher Umgebung. In seiner Vergangenheit war Lidzbark Warmiński (dt. Heilsberg) eine preußische Siedlung, Bischofssitz und kulturelles Zentrum des Ermlandes. Es beherbergte in seinen Mauern Nikolaus Kopernikus, Ignacy Krasicki und den zukünftigen Papst Pius II. Mit der Zeit wurde Lidzbark zu einer der bedeutsamsten Städte Ermlands. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs die Stadt an wunderschönen Bauten und besaß eine idyllische Altstadt, die man noch heute auf alten Bildern bewundern kann. Doch der Krieg ließ die Stadt nicht unberührt; 1945 wurden mehr als 80% der Bebauung zerstört. In den darauffolgenden Jahren wurden die Ruinen nicht aufgebaut

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sankt Peter und PAul Kirche, Foto: Touristikportal für ermland und die masuren und es folgten weitere Zerstö-

Lidzbarks ist das Bischofsschloss,

rungen in der Struktur der Alt-

welches im größten Teil im origi-

stadt - viele der durch den Krieg

nellen Zustand erhalten ist. Das

verschonten, aus Ziegel erbauten

Schloss ist eine Perle der Gotik,

Altbauten wurden abgerissen. An

der Wawel des Nordens und eine

ihrer Stelle entstanden Großwohn-

der prachtvollsten Gotikbauten

siedlungen.

in Polen, die nie in die Hände des Deutschordenstaates fiel. In

Das heißt jedoch nicht, dass die

seinen Mauern lebten die großen

Stadt eine triste, mit Großsied-

Persönlichkeiten ihrer Zeit: Krasi-

lungen bebaute Landschaft ist.

cki, Nikolaus Kopernikus und der

Heilsberg kann sich mit Sehens-

zukünftige Papst Pius II. Zusam-

würdigkeiten von einem sehr ho-

menfassend ist das Schloss ein

hen kulturellen Wert rühmen und

kulturelles Zentrum des Ermlandes

die grüne Umgebung und die Nähe

gewesen.

zur Natur lassen keinen Zweifel zu, dass die Stadt zu der Region ge-

Heute beherbergt es die Museums-

hört, die als "Grüne Lunge Polens"

filiale des Museums für das Erm-

bezeichnet wird.

land und die Masuren. Im Museum befinden sich Ausstellungen zu der

Neben den erhaltenen Sehens-

Geschichte des Schlosses und der

würdigkeiten kann man sich zum

Region, Sammlungen der alten

Beispiel in den Thermen vergnü-

Kunst aus dem Ermland und Preu-

gen. Außerdem finden in der Stadt

ßen und Werke polnischer Malerei

jedes Jahr zahlreiche kulturelle

aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Veranstaltungen statt, u.a. Kaba-

Für alle Gotik- und Architektur-

retts, Workshops und Ausstellun-

liebhaber ist dies ein Muss. Neben

gen.

dem Museum befindet sich im Schloss auch ein fünf Sterne Hotel.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit


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hat einen neogotischen Charakter; mehrere Sehenswürdigkeiten aus den vorherigen Epochen, u.a. Altare und Statuen blieben aber erhalten. Das Schloss und die Peter und Paul Kirche sind nicht die einzigen Sehenswürdigkeiten in der Stadt; man kann sich u.a. das Stadttor, die Stadtmauern und das Rathaus ansehen. Lidzbark liegt in einer ländlichen Gegend und neben den Besichtigungen kann man seine Freizeit in der Natur genießen, indem man Ausflüge in die nah gelegen Ortschaften und Wälder macht.

das Stadttor in lidzbark, Foto: Touristikportal für ermland und die masuren Neben dem Schloss und Museum ist die Kirche unter dem Patrozinium des Heiligen Peter und Paul und des Erzengels Michael sehenswert. Die Kirche wurde im Stil der Spätgotik in der zweiten Hälfte des 14 Jh. erbaut, im Laufe der Jahrhunderte mehrfach abgebrannt und immer wieder aufgebaut worden. Deswegen befinden sich in der Kirche auch Elemente aus der Renaissance und aus dem Barock. Am Ende des 19. Jh. wurde eine Regotisierung durchgeführt und ein neogotisches Presbyterium dazu gebaut. Der Innenraum

das Bischofsschloss in lidzbark, Foto: Touristikportal für ermland und die masuren

das Bischofsschloss in lidzbark, Foto: Touristikportal für ermland und die masuren


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Wenecja (dt.: Venedig) - nicht die berühmte Stadt an der Adria mit ihren Gondeln und Brücken, sondern eine kleine Ortschaft (deutscher Name - Venetia) im Herzen Polens. In der Region Pałuki, in der sie liegt, trifft man zwischen den Seen auf Spuren alter Siedlun-

Zu Besuch in polnischen Venedig

von ramona nocoń

Pałuki - eine Region Tausender Seen, alter Geschichten und Geheimnissen.

gen, auf Legenden aus den Zeiten, als sich der polnische Staat zu formen begann und begibt sich auf eine Reise mit einer alten Schmalspurbahn… Der Ort Wenecja soll seinen Namen einem ihrer Besitzer, dem Venezianischen Teufel (pl.: Diabel Wenecki) zu verdanken haben. Der Venezianische Teufel Mikołaj Chwałowic hat in seiner Jugend in der italienischen Stadt studiert und wurde aufgrund seiner Rücksichtslosigkeit - vor allem bei politischen Gegnern - als Teufel bezeichnet. Bis heute soll sein unruhiger Geist in den Schlossruinen sein Unwesen treiben. Das Schloss Nałęczów, wie es genannt wird, wurde Ende des 14. Jh. im gotischen Stil errichtet. Es ist das erste private polnische Schloss gewesen. Sein Erbauer war kein anderer als der Venezianische Teufel selbst. Nachdem Polen aber Frieden mit dem Deutschen Orden geschlossen hat, verlor es an Bedeutung und wurde am Anfang des 15 Jh. verlassen. Heute befindet sich am Fuß des Schlosses eine der größten Belagerungsgeräteausstellungen in Polen. Nicht weit von den Schlossruinen entfernt, befindet sich das Schmalspureisenbahnmuseum (poln. Muzeum Kolei Wąskotorowej). Es lohnt sich vor allem eine nächtliche Besichtigung mit einem Ton - und Lichtspektakel zwischen den alten Loks und Waggons und mit jeder Menge Wasserdampf. Wem die Museumsbesichtigung nicht ausreicht, der kann am nächsten Tag mit einer in Betrieb bleibenden Schmalspureisenbahn nach Biskupin fahren - pittoreske Aussichten inklusive. Biskupin ist eine der ältesten Siedlungen in Polen; die Siedlung stammte aus dem 7. Jahrhundert vor Christus, wurde aber erst im letzten Jahrhundert entdeckt. Man rechnet sie zu der spätbronzezeitlichen Lausitzer-Kultur hinzu. Sie ist heute nicht nur ein Freilichtmuseum, man kann auch ganz in der Nähe übernachten. Es werden viele Ausstellungen und einige Feste veranstaltet, wie das Archäologische Fest (poln. Festiwal Archeologiczny) im September. Auch eine kleine Schifffahrt auf dem See ist zu empfehlen.

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#Stories 87

Biskupin Foto: aus dem Bästenden von K-POT

Schloss Nałęczów Foto: aus dem Bästenden von K-POT

Schmallspureisenbahnmuseum Foto: aus dem Bästenden von K-POT


88  #Stories

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#Stories 89

Zalipie ein traumhaft malerisches Dorf von ramona Nocoń

Zalipie, eine kleine Ortschaft in Kleinpolen mit tausenden Blumen in den erstaunlichsten Formen an jeder Ecke.

Foto: Gemeinde-Kulturzentrum in olesno mit dem sitz in zalipie


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Fotos: Gemeinde-Kulturzentrum in olesno mit dem sitz in zalipie Zalipie ist ca. 100 km von Krakau entfernt und ganz

wände, eigentlich alles, was man für gut genug für das

einfach mit der Schnellstraße zu erreichen. Es ist wohl

Anmalen gehalten hat.

das bunteste Dorf im ganzen Land. Mit bunten Blumenmustern ist hier alles verzieht, was man sich nur

Die örtliche Folklore machte Felicja Curylowa Polen-

vorstellen kann; Brunnen, Bäume, Hundehütten, Häu-

weit bekannt. Sie malte mit anderen Künstlerinnen die

ser, Esslöffel, Wände, Decken sogar Öfen und zahlrei-

Häuser bunt an und engagierte sich für die Verbreitung

che Objekte in der Dorfkirche.

der lokalen Kunst. Heute ist Zalipie weltweit als das bunteste polnische Dorf bekannt.

Alles fing vor 100 Jahren an, als man die von den Öfen verqualmten Plätze in den Häusern weiß anstrich.

Obwohl es jetzt eine gewisse Popularität genießt, hat

Von ganz schlichten weißen Plätzen wurden im Laufe

es seinen ursprünglichen Charakter nicht verloren; im

der Jahre bunte Meisterwerke der Volkskunst. Zuerst

Dorf findet man keinen auf Touristen ausgerichteten

bemalte man nur die Innenräume, später die Außen-

Kitsch, wie in anderen Ortschaften. Das hat aber auch

Oktober 2018


#Stories 91

seinen Preis - es gibt praktisch keine touristische Inf-

ten, dass nicht alle Häuser bunt angemalt sind; einige

rastruktur, wie Bars oder Hotels.

haben nur ein paar bunte Akzente oder sind nicht angemalt. Deshalb sollte man sich ein bisschen Zeit neh-

In Zalipie sollte man vor allem das Haus der Malerin-

men, wenn man die schön verzierten Häuser sehen

nen (poln. Dom Malarek) sehen, welches einMuseum

will. Zu beachten ist auch, dass nicht jeder Besitzer

und Kulturzentrum zugleich ist. Ein Treffpunkt, an dem

sich wünscht, dass man sein Haus fotografiert.

das Herz der örtlichen Malerei schlägt. Dort kann man jede Menge über Zalipie und seine Kunst erfahren, Accessoires kaufen und natürlich die bunten Blumen bestaunen. Man sollte auch unbedingt die Dorfkirche und ihren bunten Innenraum sehen. Natürlich muss man beach-


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Industrielle Sehenswürdigkeiten in Polen von Ramona Nocoń

Polen ist weit aus mehr als nur wunderschöne Seen, zauberhafte Landschaften und alte Schlösser. Das Land besitzt auch erstklassige industrielle Sehenswürdigkeiten. Eine subjektive Auswahl.

Bahnbetriebswerk Wolsztyn / Parowozownia Wolsztyn Das Bahnbetriebswerk Wolsztyn ist eine Rarität und ein absolutes Muss für jeden Eisenbahnfan. Es ist nicht nur polenweit, sondern auch europaweit eine einzigartige Besonderheit. Die bis heute hervorragend erhaltenen Dampfloks dienten noch bis 2014 zur Passagierbeförderung. Im Bahnbetriebswerk kann man u. a. die Ok-1-359 aus dem Jahr 1917 bewundern, die noch bis vor kurzem die älteste Lok war, die auf den polnischen Schienen reiste. Ein wahrer Schatz ist aber die schöne Helena aus dem Jahr 1937, die in Chorzów (Königshütte) produziert wurde und die schnellste Lok ihrer Zeit war. Außerdem gibt es viele mit der Bahn verbundenen Sachen und Geräte. Jedes Jahr findet im April auch eine Parade der Dampfloks statt.

Foto: Mohylek, Wikimedia Commons

Oktober 2018


#Stories 93

Foto: Joanna Barton, Wikimedia Commons

Oberländischer Kanal / Kanał Elbląski Der oberländische Kanal wurde Mitte des 19. Jh. von Jacob Steenke entworfen. Er verbindet die Seen Druzno (Drausensee) und Jeziorak (Geserich See) und führt durch die Städte Iława (Eylau), Ostróda (Osterode) und Elbląg (Elbing). Eine Klasse für sich. 130 km mit vier Schleusen und fünf Rollbergen, mit Hilfe derer die Schiffe die Höhenunterschiede von über 20 m bewältigen. Der Kanal sollte ursprünglich die Verbindung zwischen Ostpreußen und der Ostsee verbessern. Man hat u. a. Holz für den Schiffsbau an die Ostsee transportiert. 1912 wurde er auch den Touristen geöffnet. In den 70er wurde der Kanal als Sehenswürdigkeit anerkannt. Im letzten Jahrzehnt gründlich modernisiert.


94  #Stories

Stańczyki-Viadukt Nicht weit von der russischen Grenze entfernt, hinter der beliebten masurischen Seenplatte und am Rande der Rominter Heide (Puszcza Romicka) befinden sich zwei gleich aussehende Viadukte. Von einem Italiener entworfen, entstand die erste der beiden Eisenbahnbrücken zwischen 1912 und 1917. Die zweite nördliche wurde wiederum zwischen 1923 und 1926 erbaut. Heute sind die Brücken Teil einer schon unbenutzten Eisenbahnstrecke zwischen Gołdap (Goldap) und Żytkiejmy (Szittkehmen). Sie werden Aufgrund ihres Aussehens auch Aquädukte der Rominter Heide genannt. 40 Meter hoch und 180 Meter lang sind sie ein prachtvolles Bauwerk. Züge kursierten hier seit 1927. Sowohl der Personenals auch Warenverkehr fand auf der Südbrücke statt. Die nördliche wurde hingegen nie benutzt. Heute befinden sie sich im Privatbesitz, können jedoch besichtigt werden.

Foto: Sebastian Klorek Oktober 2018


#Stories 95

Die Lindleyschen Filter in Warschau Die Lindleyschen Filter wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jh. von William Lindley entworfen. Sie sind aus der Initiative des Stadtpräsidenten Sokrates Starynkiewicz entstanden, der die sanitäre Lage der Stadt verbessern wollte. Das Filtersystem bestand vor allem aus einer Flusspump- und Filterstation mit Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung. Der Bau wurde durch William Heerlein Lindley, den Sohn William Lindleys abgeschlossen. Dabei benutzte man nur die besten Materialien, die einer akribischen Kontrolle unterzogen wurden. Dazu gehörten feuchtigkeitsbeständige und weiß glasierte Ziegel, die speziell gebrannt wurden, auch Granit und Marmor wurde verwendet. 1886 endete der Bau und seit dem wurden die Wasserleitungen ausgebaut. Seit 1973 sind die Filter eine Sehenswürdigkeit und touristische Attraktion. Man kann sie an Samstagen im Juli und August besichtigen. Sie sind bis heute in Betrieb.

Foto: Krzysztof Kobus TravelPhoto.pl


96  #Stories

Museum der Öl- und Gasindustrie in Bóbrka In der kleinen Ortschaft Bóbrka befindet sich die erste und immer noch im Betrieb bleibende Untertagebau-Erdölförderung. Zu deren Gründern gehörte Ignacy Łukasiewicz - der Erfinder der Petroleumlampe. Zwischen 1854 und 1880 waren hier rund 60 Bohrlöcher in Betrieb. Heute ist Bóbrka vor allem für das Museum der Öl- und Gasindustrie (Muzeum Przemysłu Naftowego i Gazownictwa) bekannt. Im Freilichtmuseum kann man viele Exponate aus den Anfängen der Mine bestaunen, wie etwa Bohreinrichtungen oder handbetriebene Fördereinrichtungen. Touristen können auch alte, historische Schächte “Franek” und “Janina” besichtigen. “Franek” ist 150 Meter tief und wurde noch Anfangs mit Menschenhand gegraben. “Janina” ist 280 Meter tief und wird die ganze Zeit gefördert. In dem Museum kann man auch das Haus von Łukasiewicz sehen. Drinnen befinden sich eine pharmazeutische und eine geologische Ausstellung, Petroleumlampen und alte Dokumente aus Zeiten, wo die Öl- und Gasindustrie noch in den Kinderschuhen stand.

Foto: uzeum Bóbrka Oktober 2018

Foto: Muzeum Bóbrka


#Stories 97

Bergwerk Guido in Zabrze (Hindenburg) Das Bergwerk Guido ist eine der bekanntesten Gruben in Polen und die einzige, die Touristen bis auf 335 Meter Tiefe besichtigen können. Das große Abenteuer fängt mit einer Seilfahrt an. In der Grube befinden sich viele Attrak-

tionen u. a. die aus dem 19. Jh. stammende St. Barbara Kapelle samt origineller Ausstattung und Werkzeugen. Auf 320 Metern Tiefe, neben den Fördermaschinen und dunklen Gängen befindet sich der tiefgelegenste Pub in Europa, wo man hausgemachtes Bier, Żurek und Bigos probieren kann. Außerdem besteht die Möglichkeit einen Tag aus dem Leben eines Bergmanns an seiner eigenen Haut zu erleben.


98  #Stories

Wie schmeckt der polnische Glühwein? von Anna Rosenthal

Wenn es draußen immer kälter und früher dunkel wird, kommt der Herbst. Und das ist die perfekte Zeit, um sich mit der polnischen Version des Glühweins etwas aufzuwärmen. Ob zu Hause oder beim Lagerfeuer. An kalten Tagen trinken den Glühwein fast alle. Die meist bekannte, polnische Version des Trunkes, Grzaniec Galicyjski hat Fans im ganzen Land. Er hat nämlich auch viele gesundheitliche Vorteile. Gewürze, Honig und Obst haben nämlich einen positiven Einfluss auf den menschlichen Körper. Honig hilft bei Schnupfen und beschleunigt den Stoffwechsel. Zimt hat eine antidepressive Wirkung und der Wein selbst regt den Kreislauf an und verringert den Cholesterinspiegel. Ingwer und Gewürznelken bekämpfen den unangenehmen Mundgeruch. Der Trunk war bereits in der Antike Teil des menschlichen Lebens. Jahrzehnte lang konnte sich der Grzaniec einer enormen Beliebtheit erfreuen und in vielen Ländern wurden eigene Versionen des Getränkes erschaffen. Doch wie kann man den perfekten Grzaniec vorbereiten? Es gibt doch tausende Rezepte mit verschiedenen Zutaten und Vorbereitungsweisen.

Oktober 2018

Das Rezept kann man selber gestalten. Es genügt einen trockenen oder halbtrockenen Wein zu kaufen, mit verschiedenen Gewürzen, Honig oder Zucker, Obst und eventuell mit einem etwas stärkeren Alkohol zu kochen. Das ideale Kochrezept entsteht nur anhand der Versuch-Irrtum-Methode. Wichtig ist, dass man den Trunk nicht zum Kochen bringt. Für einen intensiveren Geschmack lohnt es sich, die Gewürze vor dem Erwärmen etwas zu zerdrücken. Das Obst muss man hingegen sieden und reinigen. Wer hingegen dafür keine Zeit hat und bereits jetzt ein geprüftes Rezept sucht, kann unser schnell nachmachen.


#Stories 99

Zutaten:

2 Gläser Wasser 1 Zimtstange 10 Gewürznelken 3 Pimentkugeln 10 dünne Scheiben frischen Ingwer 2 Sternanis ½ Trinkglas Honig 1 Flasche trockenen Rotwein Zitronenschale einer halben Zitrone 1 Orange

Zubereitung:

Wasser in einen Topf eingießen. Alle Zutaten außer Wein dazugeben. So lange kochen, bis die Hälfte des Wassers verdunstet ist. Den Rotwein eingießen und bei geringer Hitze bis zu 60-80 Grad C aufwärmen. Das Ganze filtern, in ein erhitztes Glas einschenken und den Trunk genießen.


100  #wirkochen

#WirKochen: Germknödel von patrycja urban Germknödel, auf Polnisch Buchty genannt, ist ein schlesisches Gericht, dass man süß z.B. mit Marmelade oder auch mit einer Fleischsoße essen kann. Womit es gegessen wird, hängt sowohl von der Region als auch von unseren Vorlieben ab.

Zutaten:

Zubereitung:

30g Hefe

paar Löffel Mehl dazugeben und die Hefe darin einrühren.

1 Glas Milch

2. Das Ganze mit einem Tuch zudecken und an einen warmen Ort stellen,

2 Eier

damit es wächst.

3 Löffel Butter

3. Mehl und Eier zum Sauerteig dazugeben und so lange kneten, bis der

1 Löffel Zucker

Teig nicht mehr an den Fingern kleben bleibt.

Salz

4. Butter schmelzen lassen und dann zusammen mit dem Salz zum Teig

500g Weizenmehl

1. Milch leicht aufwärmen und in eine Schüssel schütten, Zucker und ein

dazugeben und weiter kneten.

Guten Appetit! Oktober 2018

5. Den fertigen Teig zum Wachsen wegstellen. 6. Danach kleine Kugeln formen und auf ein bemehltes Brett legen. 7. Die Knödel auf ein Tuch, das auf einem breiten Topf mit kochendem Wasser liegt, legen. 8. Das Ganze mit einem Deckel zudecken und warten bis die Knödel gegart sind. 9. Die fertigen Knödel auf einen Teller legen, Kirschgelee drauf tun und genießen.


Wirtschaftskammer „Schlesien” Viele Möglichkeiten für das Unternehmertum

Die Wirtschaftskammer „Schlesien” ist eine Organisation der wirtschaftlichen Selbstverwaltung, die Initiativen unterstützt und an Tätigkeiten teilnimmt, die mit der Entwicklung des Unternehmertums in Schlesien verbunden sind. • Schulungen, Workshops, Konferenzen, Beratungen • Kooperationsbörsen • Messen und Ausstellungen • • Zusammenarbeit mit den Wirtschaftskammern aus der Bundesrepublik Deutschland und aus der Tschechischen Republik

Kontakt Wirtschaftskammer „Schlesien” 45-310 Opole / Oppeln • ul. Ozimska 184 • Tel./Fax: +48 77 4538484 • E-Mail: info@igsilesia.pl • www.igsilesia.pl


102  woiwodschaft schlesien

märz 2018


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