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Dezember 2020
www.netecs.eu
INDUSTRIEVENTILATORENHERSTELLER +48 34 35 05 339 | INFO@NETECS.PL | UL. KOLEJOWA 2, STARE OLESNO | 46-300 OLESNO
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TO i FO sk G ow LA nk H Fra SC j M drze n U
CHEFREDAKTEUR
Piotr Piela
GRAFIK & DESIGN
Maximilian Broy, Robert Dethloff, Krystiana Janda, Paulina Kuc, Estera Olszok, Piotr Piela, Patrycja Urban
sc.media ul. Wrocławska 133 45-837 Opole /Polen www.sc.media
AUTOREN
HERAUSGEBER:
Maximilian Broy
Quartalschrift
TEXTKORREKTUR
ERSCHEINUNGSWEISE
Emanuela Janda
IMPRESSUM
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Ze D Ch ie t rb re W ris rad ch au eih tb iti ße na au on lic m e rg ch k ll he ew ts u a öh fes gel n d Sc nl t s n v er hö ic ch e W he o rle e nh n n s ih ich e Ch e en se ar it J d l b it ak ah em em te re al r. n te ei n ne n s rt lt, e de füh wi un an der uf rh ich O ? A um ah s s n? egt ert . J e e rde wi itt . 21 , wi we ng m R al yn es legt n zu üstu zu tion ter, ętrz r d ber age e R gen rna eis /K tte s ü hl ich Fra te M urg Ri mal gesc terl ere e In tion enb l n h a t Ei r je xt ela and ac der Ras A t ff h 16 bt i iner mit iele fün t Fe aus a a e v r H it e in d de b lis m el e e un tet Com kie vi s or al asz e di tw iev W an d in e M arc M
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6 Zerbrechliche Schönheit 10 In Meisters Klecks Märchen 16 Ein Ritter des 21. Jahrhunderts 20 Die stürmische Geschichte des Schlosses Kamenz 28 Zuhause hat viele Namen 32 Mein Leben bei den Nachbarn. Eine Reportage aus meiner neuen Heimat
IM HEFT
38 Essgewohnheiten im Bigos-Land
28 Zuhause hat viele Namen Das Schloss in Preußisch Krawarn/Krowiarki kann für die meisten nur eines von vielen Gebäuden dieser Art in Polen sein. Ein weiteres Schloss, das im Stich gelassen wurde und nur darauf wartet, um einzustürzen. Kaum jemand ist sich jedoch bewusst, dass dieser Prachtbau als einer der wenigen die Chance auf eine glänzende Zukunft hat.
42 Des Teufels Sandkasten 48 Der Müller ist des Teufels Freund 54 Die Geheimnisse polnischer Friedhöfe 62 Wer den Weg nach Swinemünde/ Świnoujście nicht weiß, gehe nur den Inseln nach 66 Die Kolberger Schätze 72 Der jahrhundertalte Kurort
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Dezember 2020
Zerbrechliche Schönheit von Patrycja Urban
Weihnachten steht schon vor der Tür, somit ist die Suche nach geeigneten Geschenken und Dekorationen in vollem Gange. Auch dieses Jahr dürfen Christbaumkugeln am Weihnachtsbaum nicht fehlen. Diese bunten Dekorationen kann man in Geschäften auf der ganzen Welt kaufen. Dennoch wissen nur die Wenigsten, dass ein Teil dieser Kugeln in Polen entstanden ist. Die traditionell an der Weichsel bemalten Christbaumkugeln verleihen dem Weihnachtsfest schon seit Jahren einen außergewöhnlichen Charakter.
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as Knirschen des Schnees unter den Füßen, der Geruch des Weihnachtsbaums, der sich mit dem süßen Duft der Kekse vermischt, das Stimmengewirr der Familie, eine Menge an Dekorationen, Lichtern und dazu bunt eingepackte Geschenke. Das sind die ersten Gedanken, die durch den Kopf gehen, wenn man das Wort Weihnachten hört. Und obwohl das Fest jedes Jahr stattfindet, ist es jedes Mal anders. Auf den Tisch wird eine neue Tischdecke gelegt, die Mama bereitet anders den Fisch vor oder an den Weihnachtsbaum werden neue Dekoration aufgehängt. Genau. Weihnachtskugel! Es ist ein untrennbares Weihnachtselement, welches beinahe in jedem Haus vorkommt. Sie sind klein, groß, gold, rot, blau, rund, in Form eines Sterns oder einer Träne und vielen anderen Gestalten, welche es unmöglich machen, sie alle aufzulisten. Diese bescheidene Dekoration, die sowohl das Auge als auch das Herz erfreut, symbolisiert seit Jahren die magische Weihnachtszeit.
Not macht erfinderisch Fangen wir erst einmal von vorne an. Im 19. Jahrhundert gab es zwar noch keine Christbaumkugeln, dennoch wurden die Bäumchen geschmückt. Steinharte Nüsse, Äpfel, die nach einem Obstgarten dufteten oder farbenfrohe Süßigkeiten wurden in der Weihnachtszeit an den frischen, noch mit Waldgeruch bedeckten Tannenbaum aufgehängt. Und obwohl heutzutage jeder diese Sachen problemlos kaufen kann, war das früher eine enormer Aufwand, die ganzen Familien den Schlaf raubte. Nicht anders war es bei Hans Greiner. Während die Vorbereitungen für Weihnachten schon im vollen Gange waren, konnte sich der Glaser keine traditionellen Christbaumdekorationen leisten. Um jedoch den Genuss der Weihnachtszeit zu spüren, beschloss Greiner die erste Glaskugel zu machen. Und so
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nahm die Geschichte der Christbaumkugeln ihren Lauf. Die Glaskugeln verzückten auch andere Menschen und gewannen schnell an Beliebtheit. In den Folgejahren wurden sie schon in andere Länder exportiert, wo die Menschen sehnsüchtig auf die glänzenden Meisterwerke warteten. Und obwohl die Christbaumkugeln ihren Ursprung in Deutschland haben, ist heute Polen einer der größten und meist angesehenen Herstellern. Bereits in der Nachkriegszeit setzten sich polnische Weihnachtskugeln gegen die Konkurrenz durch und eroberten den Markt. In den 50er und 60er Jahren transportierten riesige Schiffe Weihnachtsdekorationen in die weit entfernten USA. Den polnischen Weihnachtsschmuck hat man aber auch auf dem europäischen Markt geschätzt und die schwer beladenen Waggons fuhren kreuz und quer über den ganzen Kontinent. “Unsere Christbaumkugeln werden auf der ganzen Welt wegen der hohen Qualität und originellem Design geschätzt, aber auch, oder vor allem wegen der jahrelangen Tradition und allen Konsequenzen, die damit verbunden sind, d.h. ausgezeichnete Kenntnisse der Produktionstechnologie oder die von Generation zu Generation
weitergegebenen Fähigkeiten, handgemachte Dekorationen zu fertigen", erzählt Zbigniew Bartuzi, Geschäftsführer der Firma Szkło-Dekor, die sich seit über 60 Jahren mit der Produktion von Christbaumkugeln beschäftigt.
Vom Blasen zum Malen Die einzigartige Dezemberzeit ist an jeder Ecke mit Liebe überfüllt, mit Wärme und Herzlichkeit, die von den Menschen ausstrahlen. Ein untrennbares Weihnachtselement ist der mit verschiedenen Leckereien gedeckte Tisch, das Beisein der Familie, Geschenke, der Weihnachtsbaum und dazwischen eine kleine bezaubernde Kugel, die allem einen weihnachtlichen Glanz verleiht. Und obwohl alle sie bewundern, fragen sich nur die wenigsten, wie sie entstanden ist. Es stellt sich heraus, dass der Produktionsprozess nicht nur aus anstrengendem Blasen und präzisem Bemalen des Glases besteht. Die Kugelproduktion ist ein facettenreicher Prozess, der von der Größe, der Form und dem Schwierigkeitsgrad der Verziertechnik abhängt. Machen wir aber erst einmal einen
Schritt zurück und fangen beim Anfang an. Alles beginnt mit dem Erhitzen auf fast höllische Temperaturen des Glasröhrchens, dank welchem das Glas die entsprechende Form annimmt. Der nächste Schritt ist das Versilbern der ausgeblasenen Form, damit sie einen Spiegeleffekt erhält. Danach werden die Kugeln lackiert und so begeben sie sich zur vorletzten Haltestelle, welche die Dekorationsabteilung ist. Hier entstehen richtige Wunder! Die riesige, wie vom Regenbogen heruntergebrachte Farbpalette, funkelnder Glitzer, zahlreiche Cremes, Steine und andere Rohstoffe verleihen jeder Christbaumkugel einzigartigen Charme. Das alles braucht natürlich chirurgische Präzision und außergewöhnlicher Fähigkeiten. Auf der letzten Etappe werden Haken angebracht. Die fertigen Dekorationen werden verpackt und das Abenteuer kann beginnen. Vom Produzenten mit dem Auto, Zug, Flugzeug oder Schiff bis zum Geschäft und letztendlich in die Hände der glücklichen Kunden. Der Weg der Kugel bis zum Weihnachtsbaum ist sehr lang. Damit an allen Weihnachtsbäumen die atemberaubenden Dekorationen hängen können, beginnt die Herstellung bereits viele Monate vor Weihnachten, genauer gesagt im Herbst… des Vorjahres.
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Fotos: Szkło-Dekor
Verschiedene Länder, verschiedene Motive Das ausgeblasene Glas ist ein unzertrennlicher Teil von Weihnachten. Hört man das Wort Christbaumkugel, hat jeder ein anderes Motiv oder Erinnerungen vor Augen. Für einige wird es eine kleine rote Kugel, für andere ein Smaragdeiszapfen und für noch andere wird es eine Kindheitserinnerung sein. Jedes Jahr ändert sich die Mode nicht nur unter der Kleidung, sondern auch bei Christbaumkugeln. Ihre Farbe und Form hängt vor allem vom Land ab, wo die Dekoration sich später befinden wird, oder von den Vorlieben des jeweiligen Kunden. Schon seit Langem weiß man, dass jeder in irgendeiner Art und Weise originell sein möchte. “Jeder Markt hat seine Besonderheit. Wenn es um deutschsprachige Länder geht, sind hier die Geschmäcker ziemlich ähnlich. Es dominieren kleine, runde und einfache Formen sowie elegante Verzierungen“, erzählt Zbigniew Bartuzi. Die einzigartigen Gemälde, die unser Auge so erfreuen, sind die harte Arbeit vieler Menschen, nicht von Maschinen.
Jede Person, die an dem Schaffen einer Kugel beteiligt ist, hat einen langen Lernprozess hinter sich. Und obwohl es so erscheinen mag, als ob das Dekorieren, Lackieren oder Blasen der Christbaumkugeln nicht schwer sei, ist es in Wirklichkeit ganz anders! Um in dieser Branche in Erscheinung zu treten, muss man entsprechende Veranlagungen haben. Zeichnerische Begabung, Präzision und entsprechendes Arbeitstempo sind das A und O in diesem Gebiet.
Der weite Weg polnischer Weihnachtskugeln Die langjährige Tradition, handgemachte Ausführung und Genauigkeit sind Vorzüge der polnischen Christbaumkugeln, welche auf der ganzen Welt geschätzt werden. “ Der entfernteste Winkel, wo unsere Produkte bisher eingetroffen sind, ist in unserem Fall Neuseeland. Der Kunde kaufte dieses Jahr barocke, reichlich verzierte Kugeln und Weihnachtskugeln in Form von Eiern“, schildert der Geschäftsführer von Szkło-Dekor.
Die Weihnachtszeit ist zwar kurz, dafür aber reich an Liebe, Wärme und vor allem in eine große Menge an Dekorationen gepackt. “Made in Poland“ erobert jedes Jahr Tausende Kundenherzen, sowohl der mehr als auch der weniger bekannten. Polnische Weihnachtskugeln hingen bereits u.a. bei Papst Johannes Paul II. und sogar bei Barack Obama im Weißen Haus. Darüber hinaus kann man die Werke von Szkło Dekor in solchen exklusiven Geschäften wie z.B. Neimann Marcus in den USA, Harrods in London, oder Bon Marche in Paris kaufen. Somit ist es ziemlich Wahrscheinlich, dass diese Weihnachtskugeln auch in den Häusern von Promis aufgehängt werden. Zu der besonderen Weihnachtszeit gehören sowohl fröhliche Momente am Familientisch sowie Erinnerungen an diejenigen, die an diesem Tisch fehlen. Zahlreiche Dekorationen, die das Auge erfreuen, bewirken, dass jeder von uns zumindest für einen Moment die Weihnachtsmagie spüren kann. Außer Geschenken oder Weihnachtsliedern dürfen auch Weihnachtskugeln in dieser Zeit nicht fehlen. Die bereits berühmten polnischen Glaskugeln erobern die Welt und geben jedem Baum einen einzigartigen Charakter.
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IN MEISTERS KLECKS MÄRCHEN VON PAULINA KUC
“DIE AKADEMIE DES MEISTERS KLECKS” IST WAHRSCHEINLICH JEDEM DERZEITIGEN UND EHEMALIGEN POLNISCHEN SCHÜLER BEKANNT. DER AUSSERGEWÖHNLICHE LEHRER MIT EINEM KOPF VOLLER VERRÜCKTER IDEEN, BUNTEN HAAREN UND SOMMERSPROSSEN AUF DEM GANZEN GESICHT, NAHM IN DER ERZÄHLUNG SEINE SCHÜLER AUF AUFREGENDE ABENTEUER MIT UND LEHRTE SIE DABEI DIE NÜTZLICHSTEN DINGE IM LEBEN. DIESES ZIEL VERFOLGT AUCH BAJKA PANA KLEKSA (DT. DAS MÄRCHEN MEISTERS KLECKS), EIN ORT IN KATTOWITZ/KATOWICE, WO KINDERN ETWAS VERSTAND EINGEREDET WIRD.
“Die Akademie des Meisters Klecks” ist eine der Lieblingslektüren in Polen. Obwohl sie im Ausland nicht wirklich bekannt ist, hat sie hierzulande jeder gelesen. Das Buch, das von dem bekannten polnischen Kinderbuchautor Jan Brzechwa geschrieben wurde, zeigt, dass im Leben nicht nur Buchwissen wichtig ist, sondern vor allem die Praxis. Mit der Hilfe der Vorstellungskraft kann jeder seinen Willen durchsetzen. In der Akademie des Herrn Klecks können die Jungen in jedes jemals ausgedachtes Märchen reisen, die Produktion von Löchern beobachten oder ins Hundeparadies
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Spaß für ganze Familien versichert. Besucher können auch auf die Gesellschaft des legendären Meisters Klecks zählen, wie auch auf wissenschaftliche Experimente des Doktors Paj-ChiWo und des Großen Elektronikers. Die Einrichtung ist an 7 Tagen in der Woche geöffnet”, erklärt Jadwiga Maciejewska, die Managerin des Objektes. Alle Zonen, wie auch die Personen, die man dort antreffen kann, kommen natürlich aus dem Märchen über Meister Klecks.
EIN POLNISCHER SUPERHELD IM POLNISCHEN DISNEYLAND
fliegen. Alles ist möglich. Es ist ein Ort, wo Schüler nicht den langweiligen Unterricht meiden, sondern mit einem Lächeln auf dem Gesicht nur warten, mit was Meister Klecks sie wieder überraschen wird. Und das tat er jeden Tag. “Jungs vergesst nicht, dass ich euch das Einmaleins, Grammatik oder Kalligrafie nicht beibringen werde, wie auch keine der Wissenschaften, die normalerweise in Schulen gelehrt werden. Ich werde euch einfach die Köpfe öffnen und etwas Verstand einreden.” Dieses Zitat aus dem Buch “Akademie
des Meisters Klecks” zeigt, was das Ziel des verrückten Lehrers Ambrosius Klecks war. Das ist auch das Motto der in Kattowitz/Katowice in der ehemaligen Porzellanfabrik funktionierenden Einrichtung “Bajka Pana Kleksa-Wytwórnia Nauki, Kultury i Zabawy”. Es ist ein Ort, wo Kinder gemeinsam mit Eltern auf eine außergewöhnliche Weise ihre Zeit mit Wissen und Spaß verbringen können. Bajka Pana Kleksa ist der einzige Ort dieser Art in ganz Polen. Auf die Kleinen und ihre Eltern warten 1000 m2 Rätsel und Experimente, 8 Zonen und eine interaktive Ausstellung, die ungeheuer viel
Woher kam jedoch die Idee für einen solchen Ort? Und wieso genau dieser Name? “Der Gründer von Bajka Panan Kleksa - Grzegorz Pietraszewski - träumte schon lange von einem polnischen Disneyland. Nach mehreren Jahren der Führung der Leasingfirma Aureus kam die Zeit, um seine Träume zu verwirklichen und einen Ort mit einer Mission zu schaffen. Die Mission war es, Kinder von den Smartphones abzuwenden und ihre Leidenschaften und Interessen zu formen und entfalten. Meister Klecks ist in der Meinung des Gründers der Einrichtung ein polnischer Superheld. Die Werte, die er lehrte, sind universell und sie sollten gefördert werden. Dank der Vision und dem Glauben an den Wert der Idee fand Grzegorz Menschen, die begeistert die Herausforderung der Schaffung dieses Ortes angenommen haben”, kommentiert Maciejewska, die zugibt, dass das Buch von Jan Brzechwa zu einem großen und wichtigen Teil des Lebens des ganzen Teams wurde. Ein anderer Name wurde also nicht mal in Betracht gezogen. Kultur und Bildung, die Kindern durch Spaß beigebracht wird, ist nämlich das, was auch Ambrosius Klecks machte.
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Jan Brzechwa, der Autor der “Akademie des Meisters Klecks”, wie auch die Schöpfer des Films mit demselben Titel haben eine Welt geschaffen, die andere interessiert und anzieht. Das Objekt in Kattowitz/Katowice, das auf der Kulterzählung basiert, hat dasselbe Ziel, wie der verrückte Lehrer auf eine spielerische und interessante Weise Kindern Wissen zu übermitteln. Zusätzlich setzt man in Bajka Pana Kleksa auf Familien. Das heißt, dass Eltern nicht einfach so ihre Kinder in der Einrichtung lassen und dann auf einen Kaffee oder Shoppen gehen können. Es ist kein typisches Kinderspielhaus. Die Kleinen werden nicht fähig sein, ohne die Hilfe ihrer Eltern die Rätsel und Aufgaben zu lösen. Die Schaffung dieses Ortes war jedoch nicht so leicht. Pietraszewski musste erstmals die Anforderungen seiner zukünftigen Gäste kennenlernen und die Attraktionen an das Alter und Interessen der Kinder anpassen. Dabei halfen ihm seine zwei treuesten Fans, die Töchter Blanka und Maja. “Bevor Bajka Pana Kleksa geschaffen wurde, brauchte man viel Zeit, um die Bedürfnisse der zukünftigen Gäste kennenzulernen. Zusammen mit seinen zwei Töchtern besuchte Grzegorz Pietraszewski die meisten damals angesagten
Wissenschaftszentren. Er hörte auf die Meinungen der Mädchen, die doch die besten Kritiker solcher Orte waren. Was blieb, war die Suche nach einer geeigneten Lokalität. Die ehemalige Porzellanfabrik in Kattowitz/Katowice war der perfekte Ort dafür. Ein großer industrieller Raum, sehr stark in der Geschichte Schlesiens präsent, nahe am Zentrum. Die Zufahrt zu Bajka Pana Kleksa ist sehr leicht für Personen, die im Schlesischen Ballungszentrum leben, aber auch von Krakau/ Kraków und ganz Kleinpolen anreisen. Wir haben auch Parkplätze für Busse.” Als die Idee gut durchdacht und auch der Raum dafür gefunden war, blieb nur eins übrig, das geeignete Personal zu finden. Doch auch dies gehörte nicht zu den leichteren Aufgaben. In Bajka Pana Kleksa arbeiten nämlich nur Menschen mit einer Leidenschaft voller Begeisterung, welche die Kinder lehren und inspirieren möchten. Es finden hier auch Workshops statt und nebenan funktioniert Akademia Pana Kleksa (dt. die Akademie des Meisters Klecks). Ihr Ziel ist es, die Bildungswelt zu verändern, den Kindern zu zeigen, dass Lernen nicht langweilig sein muss. Es ist ein Ort, wo ihr Bedürfnis nach Wissen entfaltet wird. “Der Unterricht wird in Form von Workshops
geführt. In seiner Führung engagierten sich Wissenschaftler, Künstler, Wissenspopularisatoren und Spezialisten der schlesischen Hochschulen. Wir arbeiten mit der Schlesischen Technischen Universität, der Akademie der Bildenden Künste Kattowitz, der Schlesischen Medizinischen Universität Kattowitz, der Musikakademie Katowice und der Wirtschaftsuniversität Kattowitz zusammen”, erklärt Maciejewska.
“ICH WERDE EUCH EINFACH DIE KÖPFE ÖFFNEN UND ETWAS VERSTAND EINREDEN.” Natürlich kann bei einem Besuch in Bajka Pana Kleksa, ein Ausflug in die Welt von Jan Brzechwa nicht fehlen.
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Im Objekt gibt es thematische Zonen, die natürlich auch im Buch zu finden sind. “Im Ostatni Rezerwat Przyrody (dt. das letzte Naturschutzgebiet) lernen die Kinder Tiergattungen kennen, in Kraina Szpaka Mateusza (dt. die Welt des Stars Mattheus) erfahren etwas sie über Klecksografie und Farbmischung. In Kuchnia Pana Kleksa (dt. die Küche des Meisters Klecks) treffen sie die zwei Wissenschaftler Dr. Paj Chi Wo und den Großen Elektroniker in faszinierenden Workshops. Psi Raj (dt. das Hundeparadies) ist ein Ort, wo Kinder sowohl auf einer Hindernisbahn spielen können, wie auch sich ausruhen und Brettspiele spielen und Märchen anhören können, die von Piotr Fronczewski, dem Meister Klecks aus dem Film, vorgelesen werden. In Królestwo Bajdocji (dt. das Bajdocja-Königreich) lernen die Kinder, wie man eine Karte und einen Kompass benutzt, das Królestwo Abecji (dt. das Abecja-Königreich) lädt zum Erkunden der Wassertierwelt ein, und Planeta Fantazja (dt. der Fantasieplanet) ist ein äußerst interaktiver Bereich, wo die Kleinen das Sonnensystem kennenlernen. Wie man sehen kann, ist die Vielfalt riesig. Das Finale der Erkundung von Bajka Pana Kleksa lehrt sie das, was am wichtigsten im Alltagsleben ist - Złomowisko Robotów (dt. der
Roboterschrottplatz) ist eine außergewöhnliche Zone, wo Kinder alles über den Umweltschutz erfahren. Dieser Ort wartet auf jeden, unabhängig vom Alter oder Grad der Bewegungsaktivität”, erzählt die Managerin. Während des Besuches in Bajka Pana Kleksa lernen die Kinder mit ihren Eltern die sie umgebende Welt besser kennen. Maciejewska betont, dass man im Objekt auf unkonventionelle Lehrveranstaltungen setzt, die sich von dem Schulunterricht sehr unterscheiden. Die Kinder lernen praktisch und nicht theoretisch. Dank dem synpraktischen Lehrmodell zeigen die Angestellten, dass man seine Freizeit auch ohne Computer, Handy oder TV verbringen kann. Die meisten Eltern können ihren Kindern nicht erklären, wie der Wasserbau funktioniert oder die Grundlagen der Wirtschaft zeigen, was im Objekt tagtäglich gelehrt wird. “Alles hängt davon ab, wie das Wissen übermittelt wird. Wenn Kinder die Möglichkeit haben, etwas zu erfahren und nicht nur zuzuhören, saugen sie das Wissen wie ein Schwamm auf und lassen sich inspirieren. Wie Professor Klecks, öffnen die Angestellten von Bajka Pana Kleksa und Akademia Pana Kleksa den Kindern die Köpfe und reden etwas Verstand hinein.”
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“LASST UNS JETZT EIN PAAR SOMMERSPROSSEN EINNEHMEN…” Charakteristisch für Meister Klecks waren die Sommersprossen. Für ihn war es ein Gesichtsschmuck, für die Kinder ein Preis. Die Sommersprossen waren auch der Lieblingssnack des Stars Mattheus, eines Prinzen, der in einen Vogel verwandelt wurde und Meister Klecks und die Schüler der Akademie immer begleitete. In der Meinung des Lehrers, der an jedem Sonntag und Feiertag sich eine Sommersprosse an die Nase klebte, wirkten sie sehr gut auf den Verstand und beschützten vor Schnupfen. Sie waren ein untrennbares Element der Akademie und eine große Ehre für alle Jungen, die sie bekamen. Kein Wunder also, dass auch in Bajka Pana Kleksa in Kattowitz/Katowice dieses Element nicht fehlen konnte. “Die Sommersprossen sind eine Belohnung für jeden, der drei
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Gegenstände findet, die von Bebok versteckt wurden. Der Besuch in unserem Objekt basiert nämlich auf einem speziell geschriebenen Drehbuch. Außer dem Bildungselement steht vor unseren Gästen die ganze Zeit die Aufgabe der Lösung der Rätseln. Das stellt auf jeden Fall eine zusätzliche Motivation dar”, erklärt Maciejewska.
wurden. Unsere Angestellten sind jedoch auf ausländische Gruppen vorbereitet. Wenn nötig, führen sie gern auch Personen in Bajka Pana Kleksa herum, die kein Polnisch verstehen. Unsere multimediale Ausstellung stellt keine Sprachbarriere dar”, betont Maciejewska und ermuntert zum Besuch auch ausländische Touristen.
Bebok, der in Bajka Pana Kleksa seinen Unfug treibt, kommt nicht aus dem Märchen von Jan Brzechwa. Er ist jedoch eine bekannte Figur der schlesischen Erzählungen und Legenden. Obwohl Meister Klecks in Kattowitz/ Katowice mit dem Schlingel in guten Verhältnissen lebt, spielt er trotzdem manchmal kleine Streiche. Um die vermissten Gegenstände also zu finden, wird die Hilfe der Kinder gebraucht. Sie können dabei sogar Meister Klecks persönlich treffen. Er lebt nämlich im Objekt und spaziert oft durch sein Haus. Um 14.00 Uhr und 17.15 Uhr führt er die Gäste sogar selber herum. Zusätzlich führt die Stimme von Piotr Fronczewski die Besucher durchs Bajka Panan Kleksa. “In jeder der Zonen kann man viele Informationen erfahren, die in der polnischen Sprache aufgenommen
WILLKOMMEN IN UNSEREM MÄRCHEN! Wie in dem Lied der Band Wesołe Nutki, begrüßen die Angestellten des Objektes die Gäste in ihren außergewöhnlichen Märchen und laden zum Erleben eines Abenteuers ein. Denn wo anders haben die Kinder die Möglichkeit, auf so eine aufregende Weise zu lernen und zu spielen und gleichzeitig die Geschichte von Ambrosius Klecks kennenzulernen? Mit Sicherheit kann man sagen, dass es ein einzigartiger Ort auf der Karte Polens ist. Es sticht nicht nur
mit seiner kreativen Idee hervor, sondern vor allem wegen der Absicht, den Kinder etwas Verstand mit Hilfe von den Eltern einzureden. “Die Kinder begeistert die Vielfalt von Bajka Pana Kleksa. Das es so bunt und überraschend ist. Beim Besuch lernen sie durch Spiel und Spaß und beim ganzen Abenteuer sind ihre Eltern und die Helden aus dem Buch dabei. Die Zeit, die zusammen verbracht wird, ist doch am wichtigsten”, fasst Maciejewska zusammen. Nach einem Besuch in Bajka Pana Kleksa werden nämlich nicht Ambrosius Klecks oder Star Mattheus zum Helden der Kinder, sondern ihre Eltern. Mama und Papa, die ihre Zeit gewidmet haben, um zusammen die Rätsel zu lösen und Sommersprossen zu sammeln, werden zu den wichtigsten Personen in Bajka Pana Kleksa, wie auch im Alltagsleben der Kleinen. Alles, was man tun muss, ist nur der Fantasie freien Lauf lassen und so wird die Welt von Jan Brzechwa zumindest für einen Moment zu unserer Welt werden.
*Alle Buchzitate wurden von der Autorin übersetzt.
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Entdecken Sie Polen mit uns!
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Ein Ritter des 21. Jahrhunderts Foto: Andrzej Frankowski
von Robert Dethloff
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Habt ihr jemals überlegt, wie es sich anfühlt, mit einer Axt geschlagen zu werden? Oder wie viel eine mittelalterliche Rüstung wiegt? Auf diese und viele andere Fragen zum Rittertum antwortet der fünffache International Medieval Combat Federation Meister, Marcin Waszkielis aus Rastenburg/Kętrzyn. Robert Dethloff, PolenJournal.de: Was brachte dich dazu, Ritter zu werden? Wie sahen deine Anfänge aus? Marcin Waszkielis: Ich interessierte mich schon immer für Geschichte. In meiner Heimatstadt, Rastenburg/ Kętrzyn ist eine Mittelalterliebhabergruppe tätig. Ich wollte sehen, was sie so machen und wie das alles aussieht. Und so hat es eigentlich begonnen. Wer brachte dir die Fechtkunst bei? Am Anfang lernten wir in Rastenburg/ Kętrzyn unter uns. Ernstere Trainings begannen, als ich nach Thorn/Toruń für mein Studium fuhr. Dort traf ich eine Gruppe, in der wir zielgerichtet für Turniere und Wettstreite trainiert haben. Früher war es nur Spiel und Spaß. Hast du ein Vorbild oder jemanden, den du dir zum Maßstab genommen hast? Mein Vorbild waren schon immer die besten Kämpfer in Polen, mit denen ich später auch die Chance hatte zu trainieren. Dann waren es ausländische Ritter, hauptsächlich aus Russland und Weißrussland. Sie inspirierten mich dazu, immer besser zu werden, um langsam ihr Niveau zu erreichen. Woraus besteht die Ausrüstung eines modernen Ritters? Die ganze Rüstung besteht aus vielen Elementen. Als erstes kommt die weiche Schicht, sowas wie eine Jacke, an der Metallelemente der Rüstung befestigt sind, also die Schützer. Dann zieht man einen Körperschutz und die
Metallelemente an den Beinen und manchmal auch an den Füssen an. Zum Schluss kommen die Handschuhe und der Helm. Je nach Wettbewerb nutzt man zum Kampf ein Schwert oder andere Waffen. Das ist ziemlich viel. Sicherlich ist es nicht leicht, sich in der Rüstung zu bewegen. Ist es schwer, so gekleidet zu kämpfen? Man muss damit rechnen, dass die Rüstung von 20 bis sogar 30 kg wiegt. Es ist eine große Belastung und der Mensch wird darin schneller erschöpft. Auch die Atmung ist etwas beschränkt. Wegen des Gewichtes ist es auch eine große Belastung für die Gelenke. Wie ertragen Ritter die Duelle im Sommer, wenn es richtig heiß ist? Man muss sich daran gewöhnen. Es ist heiß und dagegen kann man nichts tun. Du hast schon über deine Ausrüstung und die Belastung, die mit dem Tragen der Rüstung und dem Kampf verbunden sind, gesprochen. Kannst du das Geheimnis lüften und mir sagen, wie deine Vorbereitungen vor den Ritterkämpfen aussehen? Ich trainiere das ganze Jahr. Die meisten Turniere finden im Sommer statt, aber Veranstaltungen werden über das ganze Kalenderjahr hin organisiert. Ich trainiere und nehme ständig an Wettbewerben teil. Vor Meisterschaften oder anderen wichtigen Kämpfen intensiviere ich etwas meine Trainingsbelastung. Dazu kommt natürlich auch die physische Vorbereitung im Fitnesscenter hinzu, wie auch das Ausüben anderer Sportarten.
Wie fühlt es sich an, einen Schlag mit einer Axt oder einem Luzerner Hammer zu bekommen? Man sagt, dass die Schlagkraft hierbei sogar 700 kg betragen kann. Ist das eine Sportart, die mit vielen Kontusionen verbunden ist? Wenn es um Mann-gegen-Mann-Duelle geht, dann kämpft man normalerweise mit Einhandschwertern oder zweihänder Waffen. Die Schläge sind stark, aber sie kommen nicht ohne Vorwarnung von hinten. Der Panzer ist da und die Rüstung ist gut darauf vorbereitet, aber trotzdem fühlt man manchmal etwas Schmerz, es kommt auch zu Verletzungen. Die größte Gefahr und Schlagkraft kommt in den Gruppenkämpfen vor. Dort kann man nämlich oft von mehreren Gegnern von verschiedenen Seiten getroffen werden. Wenn man in schlechter geschützte Stellen geschlagen wird, kann es zu ernsthaften Quetschungen und Brüchen kommen, wie z. B. zu Knieverletzungen, Bänderrissen und vieles weitere. Aber trotz allen Anscheins kommen keine ausgesprochen schwerwiegenden Verletzungen vor. Du hast die Kämpfe und ihre Form erwähnt. Bevorzugst du Mann-gegen-Mann-Duelle oder eher Gruppenkämpfe? Ich nehme vor allem an Duellen teil. In Gruppenkämpfen bin ich meistens auf lokalen, kleineren Turnieren dabei. Das mache ist eher zum Spaß als wegen der Rivalität. Die heutigen Kämpfe unterscheiden sich von den Auseinandersetzungen, die wir aus Legenden oder Erzählungen kennen. Kannst du dir vorstellen, an einem wahren, mit-
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telalterlichen Duell teilzunehmen?
Charakter gestaltet?
Ich denke, dass es auf jeden Fall was anderes wäre. Heute ist es eher eine moderne Sportart, die von mittelalterlichen Duellen inspiriert wurde. Mit Rüstung und Waffen, die Rekonstruktionen der Kampfgeräte aus dieser Zeit sind. Doch die Form des Kampfes ist definitiv modernisiert worden. Es ist also schwer zu sagen, ob irgendjemand von uns sich in einem mittelalterlichen Turnier oder einer Schlacht hineinfinden könnte. Das ist schwer zu vergleichen.
Von klein an habe ich verschiedene Sportarten betrieben. Ich trainierte hart, also war mein Charakter in dieser Hinsicht schon gestaltet. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt. Das beeinflusste mein Leben und natürlich meinen Charakter. Trainings und Wettbewerbe in dieser, wie auch in anderen Sportarten, stärken den Geist, gewöhnen an die Anstrengung. Aber wie ich bereits gesagt habe - ich trainierte verschiedene Sportarten, also wurde mein Charakter nicht unbedingt vom Rittersein gestärkt.
Und wenn ein Vertragsangebot von einer seriösen MMA-Organisation für die Teilnahme an Kämpfen in Rüstung kommen wurde? In Russland erfreuen sich solche Gefechte an großer Beliebtheit. An solchen Kämpfen fehlt es sowohl in Russland, wie auch in Polen nicht. Es nehmen daran wirklich sehr viele Menschen teil, manchmal auch ich. Sehr selten, aber es kommt vor, dass ich dabei bin. In Russland war ich noch nie, obwohl dort die Kämpfe ihren Anfang haben. Außer mir gibt es viele Wettkampfteilnehmer in Polen, die sich besser darauf spezialisiert haben und durch ganz Europa und auch nach Russland reisen. Ich denke, dass im Moment die Polen und Russen den ganzen Wettbewerb dominiert haben. Hältst du dich an die Ritterlichkeit? Ich denke, dass die Ritterlichkeit eher ein literarisches Erzeugnis ist und es in unseren Zeiten viele andere Vorbilder gibt, die sich überlappen. Aus Erfahrung weiß ich, dass Menschen, die sehr mit ihrer Ritterlichkeit prahlen, sich nicht unbedingt an sie halten. Dabei spreche ich nur über die Ritterlichkeit selbst, und nicht die Regeln des gemeinsamen Lebens in einer Gesellschaft. Ich denke, dass es ausreicht, wenn man ein guter Mensch ist und sich an die allgemein angenommenen Regeln hält. Man muss nicht unbedingt mit der Ritterlichkeit oder etwas anderem prunken. Wie haben die Ritterkämpfe deinen
An welchen Moment in deiner Karriere erinnerst du dich am liebsten? Vor allem sind es meine Anfänge, erste gewonnene Turniere. Damals schien alles so aufregend zu sein, weil man erstens jünger war, zweitens es noch ziemlich neu für einen war. Ich denke gern an einzelne Turniere zurück, die an interessanten Orten oder in einer tollen Atmosphäre stattgefunden haben. Auf jeden Fall erinnere ich mich mit großer Sympathie an die Schlacht bei Tannenberg, an der ich seit dem Jahr 2002 teilnehme, zurück. Als ich meine ersten Schritte in meinem Abenteuer als Ritter gemacht habe, war es eine Veranstaltung, auf die man ungeduldig wartete. Oftmals fanden dort würdige, sehr gute Turniere statt. Heute bist du ein kampferfahrener Ritter. Wovon träumt der fünffache Weltmeister in Ritterkämpfen? Ich weiß nicht, ob ich irgendwelche konkreten Träume habe. Ich mag es, ein interessantes Leben zu führen, und grundsätzlich mache ich das, wovon ich träume. Ich habe meine Ziele, aber ich weiß nicht, ob man sie als große Träume betrachten kann… Ich glaube nicht wirklich. Meiner Meinung nach sind manche Träume ein Ziel, das nie erfüllt werden kann, deswegen versuche ich sie nicht so zu benennen. Wofür interessierst du dich außer dem Rittertum? Ich reise sehr viel, egal ob in Verbindung
Foto: Andrzej Frankowski
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mit dem Rittertum, oder nicht. Ich unternahm ein paar Fahrradtouren, z. B. um Island herum oder vom norwegischen Norkap bis nach Rastenburg/ Kętrzyn (2850 km). Ich besteige auch gerne die Berge, ich war in Georgien auf dem Kasbek-Berg (5047 m u. d. M.), Mont Blanc (4810 m u. d. M.). Ein paar Mal wöchentlich spiele ich Basketball. Das sind meine Hauptinteressen. Ich bin auch ein sehr großer Katzenliebhaber. Angeblich hast du auch den Giewont-Berg in der Ritterrüstung bestiegen. Kannst du etwas davon erzählen? Eines Tages habe ich mit einem Freund von mir festgestellt, dass es super wäre den Giewont-Berg, der als “der schlafende Ritter” bezeichnet wird, in voller Rüstung zu besteigen. Wir wollten uns selber und unsere Rüstung unter solchen Umständen testen. Das war im Mai. Das Wetter war ziemlich schlecht, die Sichtbarkeit tragisch, also haben wir aus dem Nebel hervorkommend in der Regel alle Touristen, denen wir dort begegnet sind, überrascht. Es war wirklich eine interessante Erfahrung und ich denke, dass sie auch ein wenig symbolisch war. Schließlich ist es der Giewont-Berg, der schlafende Ritter. Und Ritter in ihrer Rüstung haben ihn bestiegen. Möchtest du in der Zukunft junge Ritteradepte schulen? In Wirklichkeit mache ich es die ganze Zeit. Ich führe Trainings in Polen, unter anderem in Rastenburg/Kętrzyn durch, aber ich habe es auch in verschiedenen europäischen und afrikanischen Ländern gemacht, auch in den Vereinigten Staaten und im Norden Kanadas. Vielleicht war es keine Jugend, sonder etwas ältere Personen oder in einem ähnlichen Alter wie meins. In Rastenburg/ Kętrzyn führt der Verein Masuria (Stowarzyszenie Masuria) Projekte durch, deren Ziel die Aktivierung, die Schaffung von Freizeitvertreibsmöglichkeiten, Kämpfe mit nicht so gefährlichen Waffen, Trainingsmöglichkeiten und vor allem Spaß ist.
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Die stürmische Geschichte des Schlosses Kamenz von Robert Dethloff
In Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki in Niederschlesien befindet sich ein neugotisches Schloss. Beeindruckend, mysteriös und in vieler Hinsicht außergewöhnlich. Mit einer faszinierenden Geschichte über eine verbotene Liebe, die sich für einen Roman oder ein Drehbuch eines Netflix-Filmes eignet. Jahrelang vergessen und verkommen. Jetzt hat es die Chance auf eine bessere Zukunft.
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
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amenz/Kamieniec Ząbkowicki ist eine kleine Ortschaft im Glatzer Kessel. Reich an Fauna und Flora. Mit einer wunderschönen Aussicht auf die Sudeten-Landschaft. Voll mit interessanten Denkmälern und mit einer Sehenswürdigkeit, von der andere Regionen nur träumen können. Ein neugotisches Schloss aus dem 19. Jahrhundert, dass das Interesse von jedem weckt, der es mit eigenen Augen gesehen hat. “Das Schloss in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki ist der größte Bau des Endes der Romantik in Europa. Seine Fläche umfasst ganze 27 Tsd. m2 und davon sind fast 3h tuner dem Dach. Das sind mindestens 100 Räume verschiedener Größe und Bestimmung. Gleichzeitig ist es eins der fünf größten Objekte dieser Art in Polen. Nach der Marienburg, dem Wawel-Schloss und Schloss Fürstenstein”, erzählt mit Überzeugung der Historiker und Verwalter des Schlosses in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki, Sławomir Radzik. Das riesige Objekt gilt nicht ohne Grund als eine architektonische Perle Niederschlesiens. Nicht ohne Grund kämpft auch die Gemeinde Kamieniec Ząbkowicki, um den Glanz des Schlosses wiederherzustellen. Und nicht ohne Grund machen Touristen große Augen, wenn sie die Geschichten über die Ereignisse hören, welche in diesen Mauern stattgefunden haben. Das Schicksal dieses Ortes könnte heute ganz anders aussehen, wenn nicht ein Skandal passiert wäre, der die damalige Welt geschockt hat… Doch bevor wir dazu kommen, werden wir unsere Aufmerksamkeit erstmal auf die Entstehungsgeschichte ziehen.
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Dezember 2020
Berühmte Architekten nehmen die Herausforderung an
Prinzessin Marianne (1810-1883)
Die Sommerresidenz der Prinzessin “Die Anfänge des Schlosses haben ihren Ursprung in der Heirat der niederländischen Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau mit Albrecht von Hohenzollern, Prinz von Preußen”, erklärt Radzik. Die Hochzeitszeremonie fand am 14. September 1830 in Den Haag statt. Die Feier war für die Möglichkeiten des preußischen Hofs ziemlich bescheiden. Der Grund dafür lag aber nicht im Geiz, sondern es war eine Bitte der Hochzeitsbraut selbst. Marianne wünschte sich, dass das ersparte Geld an die Armen gespendet wird. Dadurch widersprach sie der preussischen Etikette. Erstaunlicherweise kam diese Entscheidung und dadurch Marianne selbst bei der Familie des Bräutigams sehr gut an. Im Jahr 1838 nach dem Tod von Mariannes Mutter, vererbte sie die Anwesen in Schlesien. Und da sie von jung an sehr energisch und intelligent war, und zusätzlich ein riesengrosses Vermögen hatte, kam sie auf die Idee, in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki eine wunderschöne Sommerresidenz zu bauen. So schön, dass sie alle
vom Hocker reißen würde! Die Kosten spielten hierbei keine Rolle, also hat sie die Chance ergriffen, um etwas zu experimentieren. Einerseits ist so eine Einstellung der Traum jedes Architekten, doch andererseits musste er vieeeel Geduld aufweisen, weil die Kundin unkonventionelle und sehr effektive Lösungen erwartete. Marianne mochte es nicht, sich streng an die geltenden Benimmregeln zu halten. Sie war eine der Personen, die nicht untätig herumsitzen. Ihre innere Natur ließ ihr Faulenzen nicht zu. Sie hatte nicht vor, die Rolle einer Statistin im Hof zu spielen. Was bewegte sie jedoch dazu, genau dort ein Schloss zu bauen? Auf jeden Fall war es der Standort und die ans Herz fassende Landschaft. Eine große Rolle spielte in dieser Zeit auch die Romantik. Marianne hat die Geschichte dieses Ortes mit allen Einzelheiten kennengelernt. Dank ihrer Vorstellungskraft sah sie die lyrischen Überlieferungen über die Liebesgeschichte einer polnischen Prinzessin und eines münsterbergischen Herzogs, die in der Festung am Schlossberg ihren Lauf nahm. Wer von uns würde ein Schloss in einem wunderschönen Gebiet mit einer herzergreifenden Geschichte nicht wollen?
Bei der Umsetzung ihrer Idee halfen ihr bekannte Architekten. Das Schlossprojekt stammte von dem Schöpfer des Alten Museums in Berlin und des Schlosses Charlottenhof in Potsdam Karl Friedrich Schinkel. Das nicht ohne Grund. Im Jahre 1828 baute Schinkel ein wunderschönes Schloss für Prinz Albrecht an der Lindenstraße in Berlin. Doch diesmal hatte der Architekt keine freie Hand. Er musste die Visionen von Marianne einbeziehen, die gerne in die Baupläne eingegriffen hat. Sie erträumte sich, dass das Schloss in Kamenz/ Kamieniec Ząbkowicki die Residenz des Earls von Ripon aus dem schottisch-englischen Grenzgebiet ähneln wird. Sehr oft kam es zwischen Marianne und Schinkel zum Wortgefecht in der Briefkorrespondenz. Beide hatten ihre eigene Meinung. Und beide wollten unbedingt Recht behalten. Am 15. Oktober 1838 hat man festlich den Grundstein für den Bau der Sommerresidenz gelegt. Doch wegen der fortschreitenden Nervenkrankheit Schinkels, hat sein Lehrling, der junge und talentierte Ferdinand Martius die Aufsicht der Bauarbeiten übernommen. Oftmals spielte er auch die Rolle eines Postbotens zwischen seinem Meister und der Stifterin. Schinkel besuchte Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki nur zwei Mal: für die Festlichkeiten, die zum Anlass des Baubeginns veranstaltet wurden, und im Mai 1840. Während seines zweiten Besuchs hat er wahrscheinlich seine letzte Skizze gemacht. Ein Jahr später ist er gestorben und seine Rolle übernahm Martius. Der Lehrling des großen Meisters gewann schnell das Vertrauen von Marianne. Sie revanchierte sich mit der Finanzierung seines Studiums in Italien, Frankreich und den Niederlanden. Während das Schloss gebaut wurde, arbeitete man gleichzeitig an der Bewirtschaftung des riesigen Gartenund Parkkomplexes, der vor dem Krieg
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ganze 200 ha groß war. Dieser Aufgabe stellte sich im Jahr 1858 der königliche Architekt, Peter Joseph Lenne, dessen Projekt der Gartenanlagen in Sanssouci in Potsdam ihn berühmt machte. Unter anderem war er für Pflanzungen, Arbeiten im Park, Terrassen, Teiche und Brunnen, von denen die höchste das Wasser auf ganze 33 m spritzte, verantwortlich. Das musste ein umwerfender Anblick gewesen sein. Prinzessin Marianne wollte, dass bei dem Bau hauptsächlich Bewohner der Ortschaften, die ihr gehörten, angestellt werden. “Dank dem Bau des Schlosses, hatte die örtliche Bevölkerung die Chance sowohl auf dem Schloss zu arbeiten, als auch beim Straßen-, Brückenbau und in der Forstwirtschaft. Man kann sagen, dass es damals eine Art des lokalen Patriotismus war, weil die Arbeit zuerst die dort lebenden Menschen bekamen, und wenn dann immer noch Arbeitskräfte fehlten, hat man Arbeiter aus weiter entfernten Ortschaften geholt”, kommentiert Radzik. Am 8. Mai 1872 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen. Aus diesem Anlass und zur Beendigung des französisch-preußischen Krieges, wurde festlich das Nike-Denkmal enthüllt. Die Einrichtung und Dekorierung dauerte jedoch bis zum Jahr 1915.
(dt. schweres Geld garantiert kein leichtes Leben) passt zu Marianne wie die Faust aufs Auge. Die Prinzessin hatte nie Geldsorgen. Das kann man jedoch nicht von ihrem Liebesleben sagen. Ihre erste Liebe war der schwedische Prinz, Gustav von Holstein-Gottorp. Anfangs glaubte man, dass das Paar eine glänzende Zukunft erwartet. Doch ihre Eltern haben die Hochzeit nicht bewilligt. Sie fanden, dass die Hochzeit des 20-jährigen Mädchens mit ihrem Cousin Albrecht von Hohenzollern mehr politische Vorteile mit sich bringen wird. Später stellte sich jedoch heraus, dass das der Anfang der Hölle für Marianne war. Nur wenige glaubten an diese Beziehung. Wieso? Wenn auch nur wegen des erkennbaren Temperamentunterschieds. Die Prinzessin war eine schöne, intelligente und weltgewandte Dame, der Herzog war hingegen ein perfektes Beispiel eines steifen preußischen Soldaten, der lieber auf dem Schlachtfeld kämpft, als eine intelligente Diskussion führt. Mit der Zeit kamen verschiedene Missverständnisse und Streitereien auf. Das, obwohl Marianne eine treue und ergebene Ehefrau zu sein versuchte. Leider kann man nicht dasselbe über ihren Ehemann behaupten, der sie mit vielen Geliebten mehrmals betrug.
“Für den Bau des Schlosses gab man ungefähr 1 Mio. Taler aus, was heute einen Gegenwert von 3 Tonnen Gold hätte. Zum gegenwärtigen Kurs ergäbe es die astronomische Summe von 484 Mio. Zloty, also mehr als 100 Mio. Euro würde heute der Bau eines Schlosses kosten. Meiner Meinung nach sogar mehr, da man die zusätzlichen Belastungen dazu zählen muss, wie die Mehrwertsteuer”, rechnet Radzik zusammen.
Romanzen, Betrüge und die Geschichte einer verbotenen Liebe Der polnische Spruch “ciężkie pieniądze, nie gwarantują lekkiego życia”
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de Foto: Sławomir Radzik
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Letztendlich endete die Geduld der Prinzessin und am 12. Juli 1838 reichte sie im Gericht einen Separationsantrag ein. Man munkelte jedoch, dass die Scheidung unvermeidlich gewesen war. Das Leben mit Albrecht war für Marianne immer schwerer. Es kam sogar dazu, dass sich das Paar mied. Trotzdem hielt sich die Prinzessin mit der Entscheidung bis zum letzten Moment zurück. Vieles zeigt, dass es ihr innerliches Gewissen war. Sie dachte nämlich nicht an ihr eigenes Glück, sondern vor allem an das Wohl ihrer drei Kinder. Sie wollte, dass sie Kleinen in einer normalen Familie aufwachsen. Das zerstrittene Ehepaar wollte sogar der König Friedrich Wilhelm IV. versöhnen. Leider haben seine Anstrengungen nicht viel gebracht. Der Kelch des Leidens wurde bis zur bitteren Neige geleert, als Albrecht eine Affäre mit der Tochter des Kriegsministers, Rosalie von Rauch hatte. Doch der wahre Schock kam, als bekannt wurde, dass Prinzessin Marianne schwanger ist. Der Vater war nämlich nicht ihr Ehemann, sondern der Oberhofstallmeister und naher Freund der Frau, Johannes Van Rossum! Dieses Ereignis rief auf dem preußischen Hof eine wahre Wut auf die Prinzessin auf.
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Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
Der Scheidungsprozess begann im Juli des Jahres 1848 und zwar aus der Schuld der unglücklichen Frau, da die Hohenzollern sie als einen Schandfleck ansahen. Offiziell wurden die Dokumente im März des Jahres 1849 unterschrieben. Dessen Konsequenz war der Abbruch jeglicher Kontakte zwischen den beiden Adelsgeschlechtern. Dazu musste die Prinzessin beschämende Schikanen ertragen. “Der preußische Teil der Familie hat ihr verboten, ins Schloss durch den Haupteingang zu kommen, weswegen sie das Gebäude von einem der Türme mit einer speziell angefertigten Treppe betrat. Man hat ihr auch den Kontakt zu ihren Kindern verboten. Sie durfte sich in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki nicht länger als 24 Stunden aufhalten. Bei jedem Besuch musste sie sich auf der Polizeiwache anmelden, wo man genau die
Uhrzeit ihres Ankommens notierte. Marianne hat dafür jedoch sehr schnell eine Lösung gefunden. Sie kaufte in Österreichisch-Schlesien (heute Tschechien) ein Schloss in Bílá Voda. Von dort hatte sie nur 12 km nach Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki. Dank dieser Idee konnte sie tagtäglich den Bau ihrer Residenz beaufsichtigen”, erklärt Radzik. Die Skandale hatten auch Wirkung auf den Fortschritt der Bauarbeiten, die bis zum Herbst 1853 gestoppt wurden. Die Prinzessin brauchte nämlich Ruhe und Erholung. Diese suchte sie im Nahen Osten, Italien und Frankreich. Eine der größten Bedrohungen für den Bau des Schlosses wurden die Revolutionen von 1848/1849. In dieser Zeit hat die arme Bevölkerung Europas die aristokratischen Höfe, Paläste und Schlösser überfallen, geplündert und oftmals ihre Bewohner ermordet. In Kamenz/
Kamieniec Ząbkowicki sah die Lage ziemlich schlecht aus. “Eine Gruppe von 200 bewaffneten Männern kam zum Schloss und wollte es zerstören und ausrauben. Dazu kam es jedoch nicht, weil eine ähnliche Anzahl von Menschen, Bewohnern der Ortschaft, Handwerkern, Beamten und Dienerschaft sich entschieden haben, es zu verteidigen, was vieles über Marianne als Herrscherin sagt”, erzählt Radzik. In den letzten Lebensjahren widmete sich die Prinzessin der Hilfe der Armen. Sie starb am 29. Mai 1883 in Reinhartshausen. Die Güter erbten ihre Kinder. Noch im Jahr 1873 schenkte sie Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki ihrem Sohn, Albrecht von Hohenzollern zum Anlass seiner Hochzeit mit der Prinzessin Marie von Sachsen-Altenburg. Nach dem Tod von Albrecht im Jahr 1906 erbte die Residenz sein Sohn, Friedrich Heinrich Hohenzollern, der 1940 starb.
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Foto: Sławomir Radzik
Bis zum Jahr 1945 war das Schloss das Eigentum von Waldemar von Preußen.
Das dramatische Schicksal des Schlosses nach dem Krieg An der Wende der Jahre 1942 und 1943 wurde das Objekt von der nationalsozialistischen, paramilitärischen Todt-Fraktion übernommen. Infolgedessen wurde das Schloss zu einem der drei Kunstwerklager in Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki. Weitere befanden sich auf der Reitbahn und im sogenannten Abtschloss im alten Zisterziensergebäude. “Im Mariannes Schloss hat man die kostbarsten Sammlungen aus den Museen der bildenden Künste unter
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Foto: Sławomir Radzik
anderen aus Breslau/Wrocław, anderen Regionen Polens und Deutschland aufbewahrt. Ein Teil dieser Sammlungen konnte evakuiert werden. Leider nicht alles. Man hinterließ großflächige Gegenstände, Skulpturen, Epitaphien, große Gemälde und vieles mehr. Das wurde zur Beute der Roten Armee, die hier im Mai des Jahres 1945 ankam. Die Rotarmisten raubten aus dem Schloss ganze 17 Waggons mit Kunstwerken, Skulpturen, Gemälden. Als Nächstes haben sie das Gebäude in Brand gesetzt, und zwar zwei Mal. Die erste Brandstiftung fand nach dem Krieg im Januar 1946 statt und die Zweite im Februar desselben Jahres. Das Schloss brannte ungefähr 8-9 Tage und wurde mit Waffen bewacht. Alle, die versucht haben, das Feuer zu löschen, wurden beschossen”, erzählt Radzik.
Erbauer des Gebäudes im besten Licht zeigt. Doch beinahe blieb von dem Objekt nur eine Brandstätte… Für die kommunistische Regierung war es kulturell und national fremd. Es wurde zum Gebäude, das zur Weißglut trieb. Man sorgte sich also um solche Objekte nicht. Deswegen nutzte man einen Teil des charakteristischen Marmors aus Seitenberg/Stronie Śląskie aus dem Schloss beim Bau der Kathedrale in Kattowitz/ Katowice und des Kulturpalastes in Warschau/Warszawa. In den 60er Jahren kam sogar jemand auf die absurde Idee, das Gebäude in die Luft zu sprengen! Die Regierung vermutete nämlich, dass sich im Schloss das Versteck der Oppositionellen befindet. Einer der Gründe, aus welchem man das Objekt nicht sprengte, ist die große Menge von Sprengstoff, die hierbei gebraucht worden wäre.
Trotz der ungeheuren Vernichtungen, überlebte das Schloss bis heute, was den
Von 1946 bis das 1986 wurde das Schloss pausenlos zerstört und verwüstet. Dann
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kam unerwartet ein Hoffnungsfunken auf. Dr. Ing. Włodzimierz Sobiech wollte mit Eigenmitteln das Gebäude renovieren und später in ein Hotel umwandeln. Im Jahr 1986 nahm er das Objekt in Pacht für 35 Jahre mit der Bedingung es in der Zeit zu renovieren. Der Wissenschaftler investierte sein Geld in die Dacheindeckung, die Reinigung des Inneren des Schlosses von Schutt sowie die Fenstermontage. Nach seinem Tod im Jahr 2012 wurde das Schloss von der Gemeinde übernommen. Der Gemeindevorsteher von Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki unternahm weitere Maßnahmen, um das Objekt zu retten.
Was erwartet die Besucher heute? Das Objekt an sich selbst ist schon eine riesengroße Attraktion. Schließlich reden wir über den größten Bau des Endes der Romantik in Europa. Als er entstand, gab es nichts Größeres. Man hat hierbei auch viele technologische Neuheiten eingesetzt. Das Schloss war vor allem für seine Springbrunnen, die mithilfe der Gravitationskraft in Gang gebracht wurden, bekannt. Es wurde auf drei verschiedene Arten erwärmt: eine Art von Boden-, Zentralheizung und
Wie viel braucht man, um dem Schloss einen neuen Glanz zu verleihen? “In diesem Augenblick gab man für die Revitalisierung ungefähr 20 Mio. Zloty aus. Dieses Geld kommt aus verschiedenen Geldquellen. Es sind unsere eigenen Mittel- der Gemeinde Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki, Zuwendungen vom Ministerium für Kultur und nationales Erbe, wie auch von der Europäischen Union. Bis zum heutigen Tage bekamen wir zwei große Beihilfen. Die Erste, dessen Wert 5 Mio. Zloty betrug, gab uns die EU vor zwei Jahren. Zusammen mit unseren Mitteln waren es fast 7 Mio. Zloty. Dieses Geld gab man für drei große Arbeiten im Schloss aus. Wir bauten das Geländer auf der Aussichtsterrasse wieder auf, setzen neue Fenstergerähme in den inneren Höfen des Schlosses ein, und bauten das Mausoleum der Hohenzollern, das sich im Park befindet, wieder auf. Es wurde im Stil eines griechischen Tempels aus einem rosa Sandstein erbaut. Man hat sich vom Mausoleum in der Charlottenburg in Berlin inspirieren lassen. Wenn es um den Bauplan des Schlosses geht, wurde ein Arbeitszeitplan erstellt mit der Berücksichtigung verschiedener Hilfsmittel. Der Plan endet im Jahr 2031. Vorläufig legte man sich auf 11 Jahre fest. Man schätzt, dass die minimalen Kosten für den Wiederaufbau des Schlosses ungefähr 250-270 Mio. Zloty betragen werden”, kommentiert Radzik.
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
spezielle Schächte durch die warme Luft strömte. Im Schlossinneren konnte man unter anderem die Chiffonniere von Marianne bewundern, die mit wunderschönen Sentenzen in der altniederländischen Sprache, die an Bibelzitate erinnern, bestickt wurde. Bewahrt wurde auch eine Briefkollektion, Zinnsoldaten von Prinz Waldemar von Preußen, eine preußische Staatsflagge aus dem Jahr 1870, Schränke, Klaviere und Flügel. Im Schlosspark befanden sich einst: Kaskaden, Springbrunnen, Tränkebecken, drei Teiche, ein Jagdhaus, ein Mausoleum, ein Amphitheater,
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Gartenhäuschen, Wasserbecken und ein Maschinenhaus. Alle diese Objekte sind bis heute mit einem Straßennetz verbunden, das hauptsächlich aus Pflasterstein bestand. Im Park wurden mehr als 67 verschiedene Arten von Bäumen und Sträuchern gepflanzt. “Vor vier Jahren haben wir einen Zaun um das Schloss aufgestellt. Wir haben einen Raum von 16 ha Park und Schloss umschlossen. Auf dem Terrain wurden fast 60 Tsd. Pflanzen, Sträuße, Blumen, Wurzelstöcke, Kletterpflanzen und vieles mehr gepflanzt. Zweihundert Gattungen für den Preis von
fast zwei Mio. Zloty. Es ist einer der wenigen Orte in Polen, wo man blühende Pflanzen in so einer Menge sehen kann”, erzählt Radzik. Man muss auch zugeben, dass Mitte des 19. Jahrhunderts der Schlossgärtner Braun zwei Apfelsorten hier gekreuzt hat: Baumanns Renette und Kaiser Alexander. Daraus kam die neue Sorte, die nach dem Schlossprinzen benannt wurde: Prinz Albrecht von Preußen. “Eine Tatsache, die im Prinzip alle Touristen interessiert und verblüfft, ist der
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Fakt, dass am Anfang des 19. Jahrhunderts die Unreinheiten aus dem Schloss, die vor allem aus dem Stall kamen, dank spezieller Kanäle bis zum Hang in der Nähe des Maschinenhauses abgeleitet wurden. Damals befand sich dort eine Kläranlage. Interessant ist, dass während des Prozesses am Anfang des 19. Jahrhunderts bereits Biogas gewonnen wurde, das zur Erleuchtung der Laternen vor den Terrassen genutzt wurde. Viele Menschen sind davon verblüfft, weil die Meisten denken, dass es eine technologische Neuheit aus dem 20. oder 21. Jahrhundert sei, doch solche Lösungen funktionierten im Schloss bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts”, kommentiert Radzik. Schließlich fügt er hinzu: “Ich denke, dass das Schloss und der Park vor uns noch viele Geheimnisse verbergen. Es gibt keine Schlossdokumentation, weswegen es während der Arbeiten immer wieder zu größeren und kleineren Sensationen kommt, weil wir etwas finden, wovon wir bis jetzt keine Ahnung hatten. So war es beispielsweise bei der Teichreinigung, als wir die Stelle fanden, wo das Wasser durch eine Dampfmaschine eingesaugt wurde. Dann wurde es in Speicher gepumpt, die sich auf der höchsten Errichtung des Schlosses befanden.” Touristen können den Ort täglich zwischen 10.00 und 17.00 Uhr besuchen (In der Hauptsaison zwischen 10.00 und 18.00 Uhr). Die Tickets kosten zwischen 15 und 25 Zloty. In der Nähe des Schlosses befinden sich auch viele andere Sehenswürdigkeiten, wie z. B. die im Jahr 1885 erbaute evangelische Kirche oder die Klosterkirche Mariä Himmelfahrt. In zweiter befindet sich einer der höchsten Holzaltäre in Europa (22 m). Nicht weit entfernt liegt das Reichensteiner Gebirge und das Warthagebirge. Das alles macht Kamenz/ Kamieniec Ząbkowicki zu einem perfekten Ort für Wochenendausflüge, während der man schön die Freizeit verbringen und die äußerst interessante Lebensgeschichte von Marianne kennenlernen kann. Ab dem 1. Januar 2021 wird Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki offiziell zu einer Stadt ernannt, was die Chancen auf finanzielle Mittel fürs Schloss womöglich steigern kann.
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Dezember 2020
Zuhause hat viele Namen von Paulina Kuc
Das Schloss in Preußisch Krawarn/Krowiarki kann für die meisten nur eines von vielen Gebäuden dieser Art in Polen sein. Ein weiteres Schloss, das im Stich gelassen wurde und nur darauf wartet, um einzustürzen. Kaum jemand ist sich jedoch bewusst, dass dieser Prachtbau als einer der wenigen die Chance auf eine glänzende Zukunft hat. “Das Schloss wurde aus der Initiative von Ernst Joachim Strachwitz im Jahr 1826 auf dem Platz des Holzhofes aus dem 17. Jahrhundert gebaut. Von 1852 bis 1877 wurde das Gebäude umgebaut. In derselben Zeit entstand der 14 ha große Schlosspark”, erklärt Andrzej Głodek, der Verwalter des Schlosses Polnisch Krawarn. Im Jahr 1892 brach im Gebäude ein Feuer aus,
infolgedessen im nördlichen Teil ein neuer Flügel gebaut wurde. Bevor es jedoch dazu kam, wurde es dem Adelsgeschlecht von Gaschin verkauft. Damit ist auch eine Legende verbunden. Eines Tages verlangte der Kaiser, dass im Schloss Polnisch Krawarn sich eine Zeit lang ein Soldatentrupp aufhalten sollte. Obwohl der Graf den
Befehl befolgen wollte, war seine Ehefrau einer anderen Meinung. Sie soll gesagt haben, dass sie eher 200 Hunde halten würde als eine Bande von preußischen Armeeangehörigen. Der verärgerte Kaiser entschied sich, den Wunsch der Frau zu erfüllen. Die Soldaten hielten sich woanders auf, und die Gräfin musste sich 200 Hunde kaufen. Das heißt jedoch nicht, dass
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sie wegen der Entscheidung niedergeschlagen war. Als eine Jagdliebhaberin nahm sie die Tiere immer mit. Das Hunderudel mit der Frau, die auf einem weißen Pferd galoppierte und Wild jagte, haben bei den örtlichen Bewohnern oftmals Angst ausgelöst. Nichts konnte sie aufhalten. Nicht Mal ein Unfall, infolgedessen die Gräfin zwei Finger verlor. Mit einer noch größeren Wut und zwei goldenen Fingerprothesen jagte sie weiter. Sogar nach dem Tod hat sie keinen Frieden gefunden. Die Bewohner von Preußisch Krawarn/Krowiarki trafen im Wald oft den Geist einer Frau auf einem weißen Pferd, die im Klang von Hundegebelle galoppierte. Die Tatsache, dass es die
Gräfin war, bestätigte die goldene Prothese an ihrer Hand. Das Schloss blieb nicht Lange in den Händen der Familie von Gaschin. Bereits am 15. Juni 1856 wurden das Gebäude und die Grundstücke in Makau/ Maków, Katscher/Kietrz und Preußisch Krawarn/Krowiarki zum Eigentum des Adelsgeschlechtes Henckel von Donnersmarck. Es war ein Hochzeitsgeschenk von Fanny von Gaschin für ihre Tochter Wanda von Gaschin und ihren Mann Hugo II. Henckel von Donnersmarck. Das Ehepaar blieb in der Residenz nicht lange, kam jedoch immer wieder gerne ins Schloss für einen kurzen Urlaub zurück. Die glücklichen Eheleute
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feierten hier sogar ihre goldene Hochzeit. Der Enkel von Hugo II. Henckel von Donnersmarck, Hans II. Henckel-Gaschin von Donnersmarck, der die Elektrifizierung der Ortschaft begann, lebte als letztes Mitglied der Familie in den Wänden des Objektes. “Das Schloss wurde vor allem in Folge der Kriegshandlungen des Zweiten Weltkrieges verlassen. Die Front und die Rote Armee kamen immer näher. Das konnte problemhaft werden. Deswegen ist der letzte Schlossbewohner im März 1945 auf einem Fahrrad in Richtung Bauerwitz/ Baborów und dann per Zug nach Tschechien geflüchtet. Aus den Informationen, die wir haben, folgt, dass er später in Brasilien landete”, kommentiert der
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Dezember 2020
Verwalter des Gebäudes.
Vom prächtigen Schloss bis zur Ruine Obwohl die Geschichte des Schlosses verhältnismäßig kurz ist, ist sie seinen Bewohnern der umliegenden Lande zugutegekommen. Außer der Elektrifizierung der Ortschaft haben die Adelsgeschlechter Strachwitz, Gaschin und Donnersmarck auf die Industrie und Landschaft gesetzt. Riesige Familien hatten riesige Einflüsse und das konnte für die örtlichen Bewohner nur eines heißen - Entwicklung. Dank dem fehlte es in der Gegend nicht an Arbeit und die Region selbst hat sehr an Wert gewonnen. Doch das Ende des Krieges bedeutete nicht nur die Verlangsamung der Entwicklung, sondern brachte auch eine neue Funktion für das Gebäude mit sich. Es überstand nämlich die Zeit der Kämpfe fast unversehrt und blieb in solchem Zustand noch einige Zeit. Głodek erklärt, dass gleich nach dem Krieg im Objekt eine Parteiaktivistenschule entstand, doch bereits im Jahr 1947 gab es hier ein Staatliches Waisenhaus. Gerade für diese Kinder, die aus ganz Europa, und sogar Korea stammen, wurden die Schlossmauern zu einem wahren Zuhause. Zwar gehörte der Alltag im Waisenhaus nicht zu den einfachsten Dingen der Welt, das bedeutet jedoch nicht, dass die Kinder vernachlässigt oder hungrig waren. Ehemalige Schützlinge erinnern sich auf Videos auf YouTube, dass das Waisenhaus Pferde, Kühe, viele Felder, ein Auto und sogar einen Traktor der Marke Usus besaß. Das Leben hier lieferte den Pflegekindern auch viele außergewöhnliche Erlebnisse. Manche haben beispielsweise Angst vor den Rittern auf den Bildern, die an den Wänden hingen, gehabt, andere konnten ein Bad in der Badewanne des Grafen nehmen. Weil es ein Gebiet ist, auf dem in der Vergangenheit Kriegshandlungen geführt wurden, fehlt es hier an den Überbleibseln aus dieser Zeit nicht. Eines Tages ist sogar ein Blindgänger,
der im Garten zurückgelassen wurde, explodiert und hat eines der Mädchen am Bein verletzt. “Im Jahr 1963 übernahm das Schloss ein Rehabilitationskrankenhaus. Bereits sieben Jahre später wurde das Gebäude wieder verlassen, da Probleme mit den Renovierungen aufkamen. Es gab kein Geld, also hat man es verlassen. Das Krankenhaus zog nach Friedland in Oberschlesien/ Korfantów, das Schloss wurde wieder leer”, erklärt der Verwalter des Gebäudes.
Dem Schicksal überlassen Das verlassene Objekt, das sich bisher im fast unversehrten Zustand befand, sah plötzlich von Tag zu Tag schlimmer aus. Einfluss darauf hatte nicht nur der Zahn der Zeit, sondern auch die Menschen, die diesen Ort besucht haben. Die Verwüstung des Schlosses und Parks, wie auch der Mangel an Respekt für die Toten, die im Mausoleum begraben wurden, wurden hier zum traurigen Alltag. Laut einer der Geschichten hat jemand den Totenkopf aus einem der Gräber rausgenommen und in ein nahe gelegenes Wirtshaus gebracht, um eine dort arbeitende Frau zu erschrecken. Um solchem Verhalten ein Ende zu setzen, hat der damalige Pfarrer eine Messe gehalten, danach wurde das Mausoleum angemessen abgesichert. “Manchmal kommt sowas vor. Wenn ein Gebäude keinen Hausherren hat, kommen Personen, die verantwortungslos sind, keinen Respekt für Menschen, die hier einst gelebt haben und beerdigt wurden, haben”, kommentiert Głodek. Heute ist das Mausoleum, in dem neun Mitglieder der Familie Henckel von Donnersmarck begraben sind, komplett renoviert. Im Jahr 1988 wurde das Schloss im Namen der Staatskasse einem privaten Inhaber verkauft. Da dieser sich jedoch um das Gebäude nicht kümmerte und weitere Verwüstungen zuließ, wurde es ihm im Jahr 2004 weggenommen. Wer trägt also die Schuld an der Devastation des Schlosses? “Die Antwort
auf diese Frage ist ziemlich komplex, weil man nicht sagen kann, dass nur eine Person schuldig ist. Ich denke, dass eine Reihe von Faktoren darauf Einfluss haben konnte, dass noch in den 70er Jahren das Objekt fast unversehrt war. Ich spreche hier vor allem über die Außenmauern. Doch ab dem Jahr 1970 schritt die Zerstörung immer intensiver fort. Vielleicht wurde das Schloss nicht genügend beschützt, weswegen jeder reinkommen und etwas mitnehmen konnte. Vielleicht hat man keine geeigneten Sicherungsarbeiten oder Maßnahmen durchgeführt, deren Ziel die Hemmung oder das Stoppen der Verwüstung war. Ich denke, dass zusätzlich der damalige Eigentümer die Arbeiten nicht gemäß den Voraussetzungen des Denkmalschutzes ausführte.”
Es ist leichter zu kritisieren, als zu helfen Zum neuen Besitzer des Schlosses ernannte man die Gemeinde Pietrowice Wielkie. Da sie jedoch nicht in der Lage war, das Gebäude instand zu halten, musste sie es verkaufen. Dies gelang erst im Jahr 2007. Trotzdem kritisieren viele Menschen den neuen Eigentümer, wenn sie das Schloss in echt oder auf Bildern sehen. Das Ergebnis der Arbeiten, deren Wert ganze 20 Mio. Zloty übersteigt, ist von außen eher nicht zu sehen. Das heißt jedoch nicht, das Nichts gemacht wurde. “Zu den besten Zeiten haben hier gleichzeitig ungefähr 35 Stuckateure und andere Fachmänner gearbeitet und den Wert dieses Objektes immer weiter gesteigert. Sie haben das in Ordnung gebracht, was vom Zahn der Zeit, Witterungsbedingungen oder der Tätigkeit des Menschen vernichtet wurde. Unter anderem wurde das Gebäude des Mausoleums komplett renoviert. Zum derzeitigen Moment müssen nur sieben Glasfenster montiert werden. Auch die Wirtschaftsgebäude am Schloss wurden abgesichert, unter anderem der Waggenschuppen, die Tischlerwerkstatt und das Verwaltungsgebäude. Natürlich arbeitete man weiter im Hauptgebäude des Schlosses. Die
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Angestellten der Stuckateurwerkstatt restaurierten die Ornamentalelemente. In den meisten Räumen, auf Verkehrssträngen hat man neue Decken ausgegossen”, erklärt der Verwalter des Gebäudes. Wenn man heute am Schloss vorbeifährt, kann man die laufenden Renovierungsarbeiten nicht übersehen. Es wird aktuell eine generelle Dachsanierung durchgeführt. Andrzej Głodek betont, dass bereits im letzten Jahr das Dach auf der Westseite ausgewechselt wurde. Wenn die Arbeiten beendet werden, was im nächsten Jahr stattfinden soll, wird die Renovierung der Türme und Türmchen und vor allem des Hauptturms, für den bereits ein neuer Sockel gemacht wurde, angefangen. Wieso haben also so viele Menschen im Voraus diesen Ort kritisiert und waren der Meinung, dass Preußisch Krawarn/Krowiarki das Schicksal anderer vernichteter und verlassener Schlösser in Polen teilen wird? Die Investoren hatten Probleme mit dem Erhalt von Zuschüssen für dieses Gebäude. Das führte dazu, dass die Arbeiten oftmals in großen Zeitabständen geführt wurden. Deswegen fingen manche an zu glauben, dass das Objekt zum wiederholten Mal verlassen wurde. Das ist natürlich kompletter Unsinn. Die Eigentümer versuchen am besten und am schnellsten das Schloss auf Vordermann zu bringen und Andrzej Głodek glaubt fest daran, dass es auch so sein wird. “Ich begann meine Arbeit in Preußisch Krawarn/Krowiarki ungefähr im Jahr 2010. Vom Beruf bin ich Landschaftsarchitekt und wurde von der Gesellschaft Kalydna zur Parkrevitalisierung eingestellt. Ich kam hier für ein halbes Jahr, blieb bis heute, weil ich in diesem Ort viel Potenzial sehe. Ich habe selber nach Hilfe gesucht, Anträge gestellt, um Geldmittel zu bekommen und das Schloss zu retten. Bis jetzt, nach vielen Jahren Anstrengungen, gelang es, Geld zu gewinnen, und ich hoffe, das Preußisch Krawarn/Krowiarki zum wiederholten Mal eine finanzielle Unterstützung bekommen wird. Und alle Institutionen, die uns bei der Renovierung helfen können, das Schloss wohlwollen
anblicken werden. Natürlich würde ich hier längst nicht mehr sein, wenn ich an die Pläne nicht glauben würde. Deswegen bin ich mir zu 99% sicher, dass es uns gelingen wird, das Schloss so sicherzustellen, dass in der Zukunft weitere Arbeiten durchgeführt werden können. Damit dieses Objekt in der Zukunft vielleicht nicht dieselbe Rolle wie in der Vergangenheit erfüllt, aber für Besucher geöffnet werden kann. Umso mehr, da wir ein paar Elemente gesammelt haben, die wir sehr stark schützen und die wertvolle Erinnerungsstücke vom Schloss sind. Ich denke hier beispielsweise an vier Kutschen der ehemaligen Eigentümer. Das könnte ein Ansatz für ein Museum werden”, berichtet Głodek.
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Ort sind, kann jeder, der Lust hat, im Park etwas spazieren, den ökologischen Naturpfad, der hier vor ein paar Jahren erbaut wurde, erkunden, interessante Baumgattungen betrachten, ruhig die Zeit verbringen und frische Luft einatmen”, erklärt der Verwalter des Gebäudes.
Heute kennen das Schloss vor allem Hochzeitspaare, die hier Fotoshootings machen, und die Schützlinge des Waisenhauses. Sie bemühen sich Jahr für Jahr, den Ort zu besuchen und an die alten Zeiten zu denken. Der jährliche Ausflug nach Preußisch Krawarn/ Krowiarki zeugt von der Wichtigkeit des Gebäudes für diese Menschen. Viele von ihnen leben nämlich in anderen Ländern. Das Schloss ist ein Teil ihres Lebens, der ihre Zukunft gestaltet hat. Mit Hoffnung in den Herzen warten sie, bis ihr Zuhause endlich den alten Glanz zurückbekommt. Während die Nachkommen der Adelsgeschlechter Stachwitz, Gaschin und Donnersmarck nie das Haus ihrer Vorfahren besucht haben, können und wollen die Schützlinge des Waisenhauses den Ort nicht vergessen.
Wenn die Arbeiten beendet werden, sollte auch das Leben ins Schloss zurückkehren. Dies kann jedoch erst in ein paar Jahren der Fall sein. Der Wiederaufbau und Renovierungen von Gebäuden solcher Größe sind oftmals Fässer ohne Boden. Um das Gebäude kämpft jedoch nicht nur der Eigentümer, sondern viele andere Personen. Hier darf man das Ratsmitglied von Kreis Ratibor, Szymon Bolik, Ortsvorsteherin Paulina Widok, Mitglied von Towarzystwo Przyjaciół Krowiarek (Gesellschaft der Liebhaber von Preußisch Krawarn/Krowiarki), Klaudiusz Tobiasz und Denkmalschützer, Łukasz Konarzewski nicht vergessen. Andrzej Głodek betont, dass ohne ihre Hilfe die Arbeiten noch länger dauern würden. Alle schöpfen noch die Hoffnung, dass das Schloss bald wieder den alten Glanz zurück ergattern wird. Wann wird das jedoch passieren? “Vom Standpunkt der zukünftigen Besucher aus möchte jeder wahrscheinlich hören, dass die Arbeiten so schnell wie möglich beendet werden. Natürlich möchten wir, dass es auch so passiert. Aber die heutigen Realien, die Menge an Arbeit und die Kosten machen es mir schwer zu sagen, wann wir die Renovierung beenden werden. Ob es in drei, fünf oder zehn Jahren sein wird. Ich hoffe, dass man bald einen Teil des Objektes absichern kann, damit die Touristen es so schnell wie möglich besuchen können.”
Obwohl das Schloss in der Zukunft zu einer Sehenswürdigkeit der Region werden könnte, versuchen die Besitzer vorerst keine Touristen anzuziehen. “Aufgrund der dauernden Renovierung am Gebäude wollen wir keine Menschenmassen anziehen, die in jeglicher Weise bei den Arbeiten stören könnten. Die Sicherheit von uns allen ist nämlich oberste Priorität. Deswegen ist das Objekt aktuell geschlossen. Aber der Schlosspark, der doppelt revitalisiert wurde, ist geöffnet. Wenn wir vor
Nach all den Jahren der Verwüstung kehrt Stein für Stein langsam das Leben ins Schloss zurück und seine Besitzer hoffen, dass sie ihm den alten Glanz zurückgeben können. “Ich denke, dass man sagen kann, dass das Schloss ein zweites Leben bekam. Zu aller Freude und zum Gedenken der Geschichte. Es ist nämlich ein Andenken, dass für die zukünftige Generation, die wissen sollte, wie die Vergangenheit aussah, hier bleiben sollte”, kommentiert mit Hoffnung Głodek.
Ein Hoffnungsschimmer
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Mein Leben bei den
Nachbarn Eine Reportage aus meiner neuen Heimat von Maximilian Broy
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Ein Hoch auf das Leben zu zweit – Auf einer polnischen Hochzeit mit unserem Max Der Herbst ist da und mit ihm endet eine jedes Jahr aufs Neue wiederkehrende, magische Zeit und zwar die Hochzeitssaison. Allerdings muss gleich zu Beginn festgehalten werden, dass dieses Jahr aufgrund der Umstände selbstverständlich kein normales Jahr war und somit die alljährliche Hochzeitssaison im Schatten der Pandemie stand. Nichtsdestotrotz gab es trotzdem wieder genug Menschen, die sich das Ja-Wort gegeben haben, auch wenn die Feierlichkeiten etwas anders abliefen als sonst. Darum soll es aber in diesem Artikel nicht gehen und deswegen zieht es uns in dieser Ausgabe in die Welt des Zaubers, der Glückseligkeit und Euphorie, wenn zwei Personen sich darauf einigen, den Rest ihres Lebens miteinander zu verbringen. Dazu gehören neben einer romantischen Trauung, einem überschwänglichen Fest sowie unzähligen kostbaren Erinnerungen und Momenten aber auch eine lange Planung, viel Stress und die ein oder andere Enttäuschung und am Ende auch eine Menge Geld.
Das muss man einmal erlebt haben Als erstes gibt es einen kleinen Abriss, wie eine polnische Hochzeit im Allgemeinen abläuft. Am Tag der Hochzeit geht es zuerst in die Kirche. Wenn das Brautpaar in seinem schicken Wagen vorfährt, bewegen sich die in der Regel großen Massen an Gästen in die Kirche, suchen sich einen Platz und warten bis das Paar die Kirche betritt, den Gang zum Altar hinunter schreitet und letztendlich am Ende Platz nimmt. Es folgen 45 Minuten mit Singen, Beten, Predigten sowie der abschließenden Zeremonie, an dessen Ende das Paar den heiligen Bund der Ehe eingegangen ist. So weit so gut. Nun folgt das eigentliche Spannende und es soll an dieser Stelle auch immer wieder auf die Unterschiede zu Hochzeiten in Deutschland hingewiesen werden. Vor der Kirche versammeln sich alle Gäste und jeder, wirklich jeder möchte der oder die erste sein, die dem frisch vermählten Paar Gratulationswünsche überreichen. Es kommt somit zu einem riesigen Gedränge und neben den üblichen Floskeln übergibt man dem Paar auch immer eine Flasche Alkohol, die sofort an den Trauzeugen weitergereicht wird, damit er sie verstauen kann. Sobald dem neuen Ehepaar die Glückwünsche überbracht wurden, geht es auch schon schleunigst zur Hochzeitslocation, wo das große Fest steigt. Um offiziell als verheiratet zu gelten, bedarf es, wie in den meisten Ländern auf der Welt einer Trauung, die kirchlich oder aber auch standesamtlich stattfinden kann. Aber
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meiner Ansicht nach ist das Wichtigste bei einer Hochzeit die Party mit der Familie und den Freunden. Man zelebriert bei gutem Essen, sehr viel Alkohol, abwechslungsreichen Spielen und Musik die Liebe sowie das Versprechen von zwei Menschen ihr Leben teilen zu wollen und das bis der Tod Sie scheidet und dies tut man mit den wichtigsten Menschen. So ein Fest dauert im besten Fall bis 6.00 Uhr morgens und geht nach dem Aufstehen und Frühstück auch gleich weiter. So weit der organisatorische Rahmen einer polnischen Hochzeit. Jetzt soll es darum gehen, was im Speziellen passiert.
100 Jahre wünschen wir Euch... sowie etwas Bitteres Nachdem ich ab 2013 mehr Zeit in Polen verbracht habe, wurde ich auch sobald zu einer Hochzeit eingeladen.
Ich hatte zuvor auch schon viel gehört und wollte es nun mit meinen eigenen Augen erleben. Mein Polnischlehrer in Berlin hatte immer von polnischen Hochzeiten geschwärmt und pflegte stets zu sagen: Das muss man einmal erlebt haben. Man muss aber auch beachten, dass jede Hochzeit immer sehr beeindruckend und ein hoch interessantes Event ist, aber seit ich auf mehr als 8 polnischen Hochzeiten war, kann ich mich der Aussage meines Lehrers nur anschliessen. Der Unterschied zu deutschen Hochzeit sind einmal die Personenanzahl, aber auch der gesamte Ablauf sowie einzelne Programmpunkte wie auch das Essen und Trinken. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, da es bei einem besonderen Anlass wie einer Hochzeit nicht primär darum geht sich zu betrinken. Aber wenn man langjährige Freunde, die Familie sowie Wegbegleiter der letzten Jahre bei einer Feier um sich hat, auf der die Liebe und das Leben zelebriert werden, dann gehört neben unterhaltsamer Musik und fabelhaftem Essen einfach auch Alkohol dazu.
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Über den Autor:
Dies beginnt auch gleich bei der Ankunft in der Hochzeitslocation mit einem interessanten Brauch. Die Gäste warten bereits mit einem Glas Champagner oder Sekt auf das frisch vermählte Brautpaar, nachdem man nach Überbringen der Glückwünsche vor der Kirche sich schnell auf den Weg gemacht hatte. Das Paar wird von seinen Eltern mit Brot und Salz empfangen, erhält ebenfalls ein Glas und muss es mit einem Schluck leeren und das Glas hinter sich werfen. Der Brauch ist, dass beide Gläser auf dem Boden zerbrechen müssen, andernfalls wartet Unglück auf das Paar, und das möchte natürlich niemand. Danach geht es an die Tische, wo bereits die Suppe wartet. Den ganzen Tag und Abend wird regelmäßig Essen aufgetischt, wobei es kein Tellergericht oder Büfett gibt, sondern die Portionen werden auf den Tischen platziert und man muss sich ein wenig wie Zuhause beim Mittagessen im Kreise der Familie gegenseitig die Teller mit Kartoffeln, Gemüse und Fleisch reichen. Auf den Tischen stehen neben alkoholfreien Getränken und Weinen auch Wodka. Dieser wird im
Geboren 1986 im damaligen Ost-Berlin, hat er sich schon früh für die weite Welt interssiert. Nach zahlreichen beruflichen Stationen, u.a. in einer Kunstgalerie, im Casino sowie in einem Hotel oder als Reiseleiter, fand er nach dem Studium der Geopgraphie und Anglistik in Potsdam seine Berufung als Sprachenlehrer im Ausland. Nach einem Halt in Budapest ging es 2015 nach Polen, wo er glücklich und zufrieden lebt und von Łódź aus das Land entdeckt.
Damit Ihr nicht immer so lange warten müsst, bis neue Artikel über das Leben von Max in seiner neuen Heimat erscheinen, wird er Euch ab jetzt auch in seinem wöchentlichen Blog kleine Alltagsgeschichten sowie Erlebnisse präsentieren, da es einfach so viel Spannendes gibt, das er Euch gern mitteilen möchte. Schaut doch einfach mal auf der Internetseite vom PolenJournal.de nach.
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Laufe der Veranstaltung wie bereits erwähnt reichlich konsumiert, aber nicht einfach nur so und ohne Grund. Hierbei kommen wir auch schon zum nächsten Unterschied zu einer deutschen Hochzeit. Dort wird meist viel Bier konsumiert, wie auch Spirituosen. In Polen wird hingegen wenig bis kaum Bier getrunken, es sei denn auf dem stół wiejski, dem Tisch mit regionalen Spezialitäten, steht neben Wurst, Käse und anderen Leckereien aus der Umgebung auch Bier. Auf einer polnischen Hochzeit wird Wodka konsumiert, und das nicht zu knapp. Bei einigen kommt vielleicht die Frage auf, wie man es konditionell übersteht, die ganze Nacht nur harten Alkohol zu konsumieren. Durch das viele Essen und ausreichendes Tanzen gibt es allerdings einen weiteren Grund, weshalb den Polen nach einer Hochzeit nicht der Kopf platzt und man am nächsten Tag noch angemessen weiterfeiern kann. Wir kommen also zu einem weiteren Unterschied, und zwar zur popita. Hierbei handelt es sich schlicht um nichts Anderes als ein alkoholfreies Getränk, welches man im Anschluss an ein Gläschen Wodka hinterher trinkt, denn popita oder popitka, manchmal auch zapita oder zapitka, beschreibt schlicht, dass man etwas nachtrinkt, wie bei der Einnahme von Tabletten oder in diesem Fall nach einem Wodka. In der Regel sind das alkoholfreie Getränke wie Limonaden, Säfte oder Wasser. So banal es scheint, so wirksam ist es gegen den berüchtigten Kater am nächsten Morgen und des Weiteren erhöht es die Fähigkeit mehr trinken zu können. So schafft man es eine polnische Hochzeit unbeschadet zu überstehen, auch wenn man kein geübter Trinker ist. Vielleicht stellt sich jetzt bei dem einen oder anderen die Frage, wann man denn nun während der Hochzeitsfeier Wodka trinkt. In der Regel wird der Wodka zum Anstoßen oder Prosten benutzt, also um auf etwas zu trinken. Dazu finden sich auf einer Hochzeit genügend Gründe. Oft wird es während der Feier dazu kommen, dass alle im Saal zusammen anstoßen und trinken. Dazu kommt es gleich zu Beginn des Festes, wenn das typische Lied für Geburtstage, aber auch Hochzeiten von der Band angestimmt wird, und dies ist: Sto Lat, Sto Lat. Kurz gesagt, geht es darum jemandem viel Glück und Gesundheit zu wünschen. Sto Lat bedeutet 100 Jahre, womit also dem Geburtstagskind sowie auch dem vermählten Paar ein langes Leben gewünscht wird. Einen weiteren Anlass, um die gesamte Hochzeitsgesellschaft zum gemeinsamen Trinken zu animieren, gibt es, wenn jemand oder mehrere Personen lautstark und wiederholt das Wort gorzko rufen, was so viel heißt wie sauer oder bitter. Damit wird das Brautpaar dazu aufgefordert, sich zu küssen. Weshalb dieser Akt als etwas Bitteres bezeichnet wird, darf sich an dieser Steller jeder selbst ausmalen. Allerdings darf dieses Ereignis nicht begangen werden ohne dabei zu trinken. In anderen Regionen des Landes, wird aber auch einfach nur beim Tanzen gorzko gerufen, damit sich das Paar küsst, das geht dann auch ohne Alkohol. Zu späterer Stunde wird es noch mehr Gelegenheiten geben, den ein oder anderen Wodka zu trinken, ob einfach nur so, in einer Gruppe von Freunden oder im Rahmen eines der zahlreichen Spiele dieses Abends.
Dabei gibt es zum Teil dieselben Spiele wie in Deutschland, aber auch Traditionen, die mir bis dato nicht bekannt waren. Bei einem dieser Bräuche werden dem Bräutigam sowie der Braut die Schuhe entwendet. Jede Person die einen Schuh ergattern konnte, muss eine Aufgabe erfüllen. Dies kann alles Mögliche sein, wie binnen einer Minute alle Frauen oder Männer im Raum zu küssen, eine bestimmte Anzahl vorher festgelegter Gegenstände bei den Gästen einzusammeln oder 20 Liegestütze zu machen. Wenn die Aufgabe erfolgreich absolviert wird, gibt es ein Geschenk, meistens, wie überraschend, eine Flasche Wodka. So geht der Abend heiter mit mehr Essen, Tanzen und anderen Aktivitäten in die Nacht über. Bis es zu einem der Höhepunkte kommt.
Aus Liebe, Tradition oder doch für das Geld Wie auf den meisten Hochzeiten wird auch in Polen der Brautstrauß geworfen, woraufhin eine der unverheirateten weiblichen Gäste ihn fangen und der Tradition nach als nächstes heiraten wird. Allerdings gibt es in Polen im Vergleich zu Deutschland noch eine Erweiterung zu diesem Brauch. Denn
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Wohnung gekauft hat und somit aus dem elterlichen Hause ausziehen konnte. Typischerweise hat man in der Vergangenheit früher geheiratet als man es vielleicht heute tut, womit man eventuell schon sein eigenes Geld verdient und sich sogar schon eine eigene Wohnung gekauft hat. In meinem Fall wird die Hochzeit von mir und meiner Frau bezahlt und das Geld wird dazu verwendet unsere Auslagen auszugleichen. Bei anderen Paaren zahlen die Eltern die Hochzeit und das gesamte Geld geht an das Brautpaar. Das ist aber von Paar zu Paar unterschiedlich und variiert. Aber unabhängig davon freut man sich natürlich über die Geldgeschenke. Bald wird auch der Kuchen serviert und dann wird einfach nur noch getanzt, die Nacht genossen und weiter gegessen oder getrunken bis es hell wird. Am nächsten Morgen wartet dann das Frühstück und dann folgt ein weiterer Brauch, der als poprawiny bekannt ist. Darunter versteht man eine Afterparty, sozusagen die Fortsetzung der Hochzeitsfeier mit Freunden und der Familie. Dabei kann man wunderbar die Reste des Abends konsumieren und in Erinnerungen an das gelungene Fest schwelgen. Aber nicht auf allen Hochzeiten auf denen ich anwesend war, wurde ein solches Fest am nächsten Tag organisiert oder man hat sich nach dem doch überschwänglichen Fest gesagt, dass man der poprawiny lieber fern bleibt. In den Tagen danach werden dann die Geschenke gesichtet, das restliche Essen an die Familie verteilt und selbstverständlich das Geld gezählt. Im Anschluss geht es in die Flitterwochen und ein paar Wochen oder Monate später treffen sich einige Paare mit dem Fotografen in einem netten Ambiente mit einer besonderen Szenerie in der Natur oder in der Stadt und machen Fotos im Hochzeitsoutfit.
auch bei den Männern wird dieses Ereignis durchgeführt, in diesem Fall mit der Fliege oder Krawatte des Mannes. Es gibt diverse Ausführungen dieses Aktes, aber in der Regel sitzen die Braut und der Bräutigam abwechselnd auf einem Stuhl und im Kreis darum stehen die Damen oder Herren. Dabei wird der Strauß oder die Fliege respektive Krawatte in die Luft geworfen, aber ohne etwas zu sehen, denn der Partner verdeckt dem jeweils Anderen die Augen. Somit werden zwei Auserwählte erkoren, die dann im Anschluss einen Tanz ausführen, sei es auf der Tanzfläche oder auf einem Stuhl, was dazu führt, dass man sich doch sehr nahe kommt. So erging es mir und meiner Begleiterin auf meiner ersten polnischen Hochzeit im Mai 2014. Allerdings gehe ich heute davon aus, dass dies so von den anderen Gästen geplant wurde, denn heute ist diese Person meine Verlobte und bald auch meine Frau. Dieser Brauch nennt sich oczepiny und markiert den Beginn des zweiten Teil der Hochzeit, da der offizielle Teil beendet ist, nachdem auch die Dankesreden an die Eltern des Brautpaares gehalten wurden. Nun geht es weiter zum Kuchen und selbstverständlich zur Übergabe der Umschläge mit Geld. Normalerweise wird dem Brautpaar zum Start ins neue Leben Geld mit auf dem Weg gegeben, und üblicherweise nicht wenig. Der Grund liegt darin, dass man sich früher mit diesem Geld die erste eigene
Zum Abschluss muss angemerkt werden, dass es je nach Region, Familie oder Tradition andere Abläufe bei einer Hochzeit geben kann. So habe ich es bisher auf den Hochzeiten in der Region Łódź erlebt, aber auch zum Teil in anderen Regionen. Aber in Schlesien laufen Hochzeiten komplett anders ab. Alles in allem hat sich an den Traditionen nicht viel verändert, der einzige Unterschied ist nur, das die Hochzeitspaare älter werden, wenn sie heiraten, wohingegen in Deutschland immer seltener geheiratet wird, und dann auch meist im kleineren Rahmen mit 50 - 70 Personen. In Polen können es 100 Personen oder auch schon einmal mehr sein, das hängt immer davon ab, was man möchte und bereit ist zu zahlen. Bei unserer Hochzeit im nächsten Jahr kommen 120 Personen. Wir hätten gern mehr eingeladen, aber der Saal lässt es nicht zu; und wer weiß, wie viele Menschen überhaupt im nächsten Jahr teilnehmen können. Jedenfalls merkt man, dass immer noch viele Paare sich in Polen das Ja-Wort geben, ob nun wegen der Tradition, einfach der Romantik wegen, der Erlebnisse oder des Geldes. Meine Verlobte meinte einmal, dass ich sie heiraten müsse, wenn ich mit ihr eine Familie gründen möchte. Außerdem erwähnte sie einmal, dass sie schon viel Geld auf vielen Hochzeiten als Geschenk gelassen hat. Eine Hochzeit wäre also eine gute Gelegenheit, das ganze Geld wiederzubekommen. Eine sehr pragmatische und hoffentlich nicht ganz ernst gemeinte Begründung.
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Dezember 2020
Essgewohnheiten im Bigos-Land Von Estera Olszok Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, das ist schon richtig. In Polen sind es oftmals Piroggen in den unterschiedlichsten Geschmackssorten, ein paniertes Schweineschnitzel und ab und zu auch ein gutes Bigos – denken viele. Da läuft schon auch das Wasser im Mund zusammen. Was verbirgt sich jedoch hinter der stereotypischen polnischen Küche? Wie ist sie wirklich? Und wie sehen die Essgewohnheiten der Polen aus? Diätassistentin Anna Jurecka wirft ein bisschen Licht auf das Thema.
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Vitaminbomben und Zuckerberge
Nicht gleich die Suppe versalzen
Geschmackvoll, würzig und aromatisch – so wird oftmals die polnische Küche charakterisiert und eben diese Merkmale machen sie auch so außergewöhnlich. Polnische Gerichte sind so beliebt, weil sie voller Zutaten und Gewürze sind, die den Geschmack und das Aroma hervorheben. Die polnische Speisekarte beinhaltet echte Vitaminbomben – dazu zählt auf jeden Fall Sauerkraut. Das Gemüse mit hohem Nährwert, dass auch im Winter lagerfähig ist, wird zur Starzutat vieler anderer polnischer Gerichte. Dazu kommt auch das Eingemachte – rote Bete, Salzgurken in unterschiedlichen Variationen und Obst – obwohl gerade hier schon die Probleme beginnen.
„Je nach dem Gesundheitszustand und körperlicher Aktivität sind solche Inhaltsstoffe wie Fett, Mehl und Fleisch mehr oder weniger belastend“, stellt die Diätassistentin Anna Jurecka fest und hat einen Ratschlag parat: „Im Zeitalter des Informationschaos, auch im Bereich des Essens, lohnt es sich, die Weisheit des eigenen Körpers zu schätzen und sich zu fragen, wie fühle ich mich nach dem Essen? Die Kombination von Kohlenhydraten und Eiweiß kommt sehr häufig in der polnischen Küche vor. Nachdem man Nudeln oder Klöße isst, wird man oft schläfrig. Nach frittiertem Essen kommt hingegen das Gefühl, als hätte jemand ein Gewicht auf dem Magen gelegt“.
Da ist schon der Zucker am Horizont! Also weg mit den Tomaten, die man auf den Augen hat, die polnische Küche ist nicht von Schattenseiten frei. Genau wie die Essgewohnheiten an der Weichsel. Das größte Problem der polnischen Gerichte ist der hohe Fett- und Zuckeranteil. Ein Pole konsumiert durchschnittlich mehr als 51 kg Zucker pro Jahr. Es ist schwierig, dies zu begrenzen, da Zucker heutzutage fast überall zu finden ist. Andererseits wird Fleisch in Form von traditioneller Schweinelende, sowie gehackten Koteletts gegessen. Da kommen wir schon zu richtigen Kalorienbomben, denn eine Portion von Schweinekotelett mit Kraut und Kartoffeln macht ca. 800 kcal. Die Lage verbessert sich nicht mit der Vorliebe der Polen zu Mehl- und Fleischgerichten, die dazu noch gebraten werden. Da liegen die Polen mit ihrer Überzeugung nicht falsch – die polnische traditionelle Küche ist ziemlich fettreich.
An der Weichsel herrscht noch die Überzeugung, dass gesunde Lebensmittel geschmacklos sind und dies obwohl die Polen eigentlich das Abschmecken der Gerichte sehr gut gemeistert haben. Damit stimmt auch die Expertin überein und fügt hinzu: „Der Geschmack von Lebensmitteln wird durch Gewürze verändert. Pflanzliche Gewürze haben einen spezifischen Geschmack, sind aber für unsere Gesundheit nicht wegzudenken. Salz und Zucker, die heutzutage jedem Lebensmittel so häufig zugesetzt werden, können sich negativ auswirken“, erklärt Anna Jurecka. „Die Überzeugung, dass gesundes Essen geschmacklos ist, kommt meiner Meinung nach von Menschen, die sich noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt haben, oder die sich somit zu rechtfertigen versuchen, warum sie immer noch zu ungesunden Produkten greifen.“
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Dezember 2020
Nicht ganz falsch liegen aber diejenigen, die glauben, dass Fett ein Geschmacksträger ist. „Das stimmt. Gesund essen bedeutet nicht, Fett zu vermeiden. Natürlich steckt der Teufel im Detail. Es geht darum, gesundes Fett zu essen also pflanzliche Öle, Nüsse, Samen oder Avocado.“
Ist gesundes Essen den Polen Wurst? Quatsch mit Soße! Die Sache ist viel komplizierter als man denkt. Die Rede ist schließlich nicht über einen Menschen, sondern 38 Millionen. "Das Ernährungsbewusstsein, der Lebensstandard und die Werte, welchen die Polen folgen, sind unterschiedlich - sind aber miteinander verbundene Gefäße“ – meint Anna Jurecka. „Ich habe den Eindruck, dass wir immer noch eine große Diskrepanz zwischen der Lebensweise der Menschen in den Dörfern und in den Großstädten haben. Bei einem großen Teil der Bewohner von Kleinstädten stelle ich den Wunsch und sogar das Pflichtgefühl fest, jeden Tag selbst zu kochen und gemeinsam zu essen, was der Gesundheit sehr zuträglich ist. Auf der anderen Seite sind viele Bewohner größerer Agglomerationen so ernährungsbewusst und wohlhabend, dass sie Produkte aus Regalen kaufen, die als Bio- oder Supernahrung gekennzeichnet sind, was sich sicherlich positiv auf ihren Körper auswirken kann. Es gibt auch einen großen Teil der Bevölkerung, die sich keine Sorgen um gesunde Ernährung macht. Für sie kann das Essen entweder schmackhaft oder unappetitlich sein. Ich kann nur sagen, dass sie auf natürliche Weise vor Orthorese geschützt sind.“
Polnische Esssünden Obwohl viele Polen keine Ernährungsignoranten sind, muss an dieser Stelle in einen sauren Apfel gebissen werden – hier kommen die häufigsten Esssünden der Polen. Das erste Problemthema
"
Schweineschnitzel, Bigos, Piroggen… - sie alle beinhalten auch gesunde Zutaten, sind aber etwas schwerer auf den Magen. Der goldene Mittelweg ist der Schlüssel zum Wohlbefinden und auch das perfekte Rezept für die Entdeckung der polnischen Küche.
Anna Jurecka Diätassistentin
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– das Obst und Gemüse. Wie die Expertin zugibt, ist es nicht so, dass man in Polen Obst und Gemüse komplett aus der Ernährung ausschließt, aber der ein oder andere macht lange Zähne, wenn er in einen Apfel reinbeißen soll und holt stattdessen eine Packung Saft aus dem Kühlschrank. Dies obwohl viel Obst und Gemüse einheimischen Ursprungs ist! „Ich beobachte zum Beispiel, dass man in Polen auch immer weniger Sauerkraut kauft“, fügt Anna Jurecka hinzu. „Früher wurde es in jeder Familie im Winter eingelegt und gegessen“. Sünde Nummer zwei – der Milchkonsum. Das Trinken von Milch wird immer noch in Polen als sehr gesund gehalten, obwohl es nicht für jeden der Fall ist. "Wir sind jetzt darauf angewiesen, „kartonierte Milch“ zu trinken, d.h. industriell veränderte Milch. In diesem Prozess wird das Fett zuerst aus dem Produkt entfernt, um es später bis zum gewünschten Gehalt damit zu sättigen. Für mich ist solche Milch ein Halbprodukt, das in größeren Mengen vermieden werden sollte. Es gibt Menschen, die sie überhaupt nicht vertragen. Milch, die direkt vom Landwirt zum Verbrauch bestimmt ist, ist dagegen etwas komplett anderes“, präzisiert die Diätassistentin und fügt hinzu: „Die Toleranz ist eine individuelle Angelegenheit. Milch war dennoch für die Nachkriegsgeneration ein grundlegendes Nahrungsmittel. Es geht also eher um die Qualität des angebotenen und regelmäßig konsumierten Produkts.“ Dann gibt es noch das Wort mit G auf der Liste – das Gluten. In Polen werden verschiedene Arten vom süßen Brot hergestellt, das sich an der Weichsel großer Beliebtheit erfreut. Das Gluten wurde in letzter Zeit zu einem breit diskutierten Thema und dessen Intoleranz fast zur Mode. "Das Gluten ist seit Jahrhunderten in unserer Ernährung vorhanden, aber das Problem besteht darin, dass wir es jetzt in viel größeren Mengen konsumieren“, erklärt die Expertin. „Einerseits sind Mehlspeisen jetzt zugänglicher geworden. Um Zeit zu sparen, greifen die Polen oft nach Brötchen, Nudeln, Pizzas, Pfannkuchen, Knödel und essen Kuchen zum Kaffee. Zweitens, hat modifizierter Weizen, der üblicherweise in der Lebensmittelindustrie
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verwendet wird, einen viel höheren Glutengehalt als z.B. der Dinkel - eine alte Sorte, die nicht für Modifikationen anfällig ist. Gluten macht den Teig lockerer. Es ist aber schwer verdaulich. Man sollte also Mehlprodukte in moderaten Mengen essen, am besten ein- oder zweimal am Tag.“ Und zu guter Letzt – Tee mit Zitrone. Wenn man in Polen zum Tee eingeladen wird, bekommt mal oftmals schwarzen Tee mit einem Stück Zitrone. Viele finden es gesund, weil Vitamin C die Entwicklung der Krankheiten einschränkt. Ist es aber wirklich eine gute Idee? "Der Teeaufguss ist an sich sehr gesund. Sowohl schwarzer als auch grüner Tee enthalten Antioxidantien, die unter anderem das Krebsrisiko senken. Trockentees enthalten jedoch geringe Mengen Aluminium. Das Aluminium in dieser Form ist jedoch wasserunlöslich, sodass es beim Kochen nicht in das Wasser eindringt, sondern am Boden verbleibt, den wir ohnehin wegwerfen. Das Problem entsteht, wenn der Ton mit Zitronensaft kombiniert wird, weil er sich in ein gut absorbiertes Aluminiumcitrat verwandelt. Glücklicherweise entsteht eine schädliche Verbindung nur dann, wenn der Zitronensaft in den Behälter gegeben wird, in dem sich der Bodensatz oder der Teebeutel befindet. Geben wir es in den fertigen Tee hinzu, wird die Reaktion nicht stattfinden und die schädlichen Verbindungen nicht in den Körper eindringen", so Anna Jurecka.
Genießen, aber nicht übertreiben Für Liebhaber der polnischen Küche ist es ratsam, die goldene Mitte zu finden. Man muss nicht auf alle Leckereien, die nur so auf der Zunge zergehen, verzichten. „Schweineschnitzel, Bigos, Piroggen… - sie alle beinhalten auch gesunde Zutaten, sind aber etwas schwerer auf den Magen. Der goldene Mittelweg ist der Schlüssel zum Wohlbefinden und auch das perfekte Rezept für die Entdeckung der polnischen Küche“, kommentiert Anna Jurecka.
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DES TEUFELS SANDKASTEN VON PIOTR PIELA
PITTORESKE ORTE WERDEN OFT ALS NATURWUNDER BEZEICHNET. DOCH IST MUTTER NATUR FÜR DEREN ENTSTEHUNG IMMER NUR ALLEIN VERANTWORTLICH? KANN DIESE VERANTWORTUNG DER MENSCH ODER GAR DER TEUFEL ÜBERNEHMEN? JA!
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
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utter Natur und der Teufel schweben im Liebesrausch über die Tanzfläche. Sie tanzen Tango - sie schlägt mit ihren Absätzen und seine Krallen funken auf den Steinen. Der zerfetzte Boden wird zum Sand. Wo haben sie getanzt? Zwischen Schlesien und Kleinpolen! Stopp!
Die Geschichte der polnischen Sahara ist eine andere. Viel interessanter, denn in diesem Teufelsspiel mischen der Mensch, die Natur und das Ungeheuer selbst mit.
IM SANDE VERLAUFEN Die Błędów-Wüste oder anders, die polnische Sahara. Ein Ort, wo sich die pittoreske Wüstenlandschaft mit der zerstörerischen Menschenhand trifft. Ein Kontrast der alle Besucher heute entzückt. Doch wie kam es dazu, dass mitten in Polen eine Wüste entstanden ist? Da hatte der Teufel höchstpersönlich seine Hand im Spiel. Der Legende nach, schloss der polnische Adelige Jan Twardowski, Pan Twardowski genannt, auch bekannt als der Polnische Faust, einen Pakt mit dem Teufel, den er zu seinem Untertanen machte. Das Biest erfüllte alles, was immer Twardowski befahl. So ließ Twardowski Bodenschätze aus ganz Polen an eine einzige Stelle bei Olkusz/Olkusch zusammentragen. Die teuflische Macht erledigte die Aufgabe anstandslos. Um den ganzen Reichtum vor der Gier der Menschheit zu schützen, wurden die Schätze mit Sand zugeschüttet. Twardowski und der Teufel versuchten sich gegeneinander immer wieder zu überlisten, was damit endete, dass der Adelige bis heute auf dem Mond fest sitzt und von dort aus, die Erde beobachtet. Den Schatz musste er zurücklassen.
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Die Einheimischen erfuhren von den verborgenen Schätzen und begannen Bergwerke zu errichten und die Edelmetalle abzubauen. Das gefiel dem Teufel überhaupt nicht. Schließlich, je tiefer sie gegraben haben, desto näher sind sie der Hölle gekommen. Das Biest musste schnell handeln, damit das Tor zur Hölle nicht geöffnet wird und die sündigen Seelen, die dort für ihr schändliches Leben bestraft werden, nicht entkommen. So nahm er einen riesengroßen Sack und Flog an die Ostsee. Dort füllte er ihn bis zum Rand mit Sand auf, um die Olkuscher Gruben zuzuschütten. Auf dem Rückflug zerriss der Sack am Kirchturm in Klucze und der tollpatschige Teufel verstreute alles in der Umgebung. So entstand angeblich die Błędów-Wüste.
DER TEUFEL STECKT IM DETAIL Bekanntlich steckt in jeder Legende ein Funken Wahrheit. So ist es auch im Fall von der polnischen Sahara. Der Polnischadlige Twardowski ist zwar eine Figur aus der Literatur, doch die Bodenschätze, die in der Nähe von Olkusz/Olkusch angeblich versteckt wurden, die gab es wirklich. Hier kommt Mutter Natur und die Menschenhand ins Spiel. Vor Jahrzehnten wuchsen auf dem heutigen Wüstenland wuchtige Bäume. Doch der Mensch entdeckte, dass der Boden reich an Blei- und Silbererz ist. Für den Bergbau und die Hüttenindustrie, die sich in dieser Gegend im 18. Jahrhundert prächtig entwickelten, brauchte man sowohl Holz als auch Wasser. Die Bäume wurden maßlos gerodet bis sich der Sand aus der Gletscherzeit offenbarte. Gleichzeitig sank auch der Grundwasserspiegel immer weiter. Nach jahrelanger Verwüstung rauschte hier nur der Wind, welcher den Sand fröhlich in die Höhe warf.
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Dezember 2020
So ist die Błędów-Wüste eine ökologische Katastrophe, die sich im Laufe der Jahre zu einer Sehenswürdigkeit entwickelte. Da lacht selbst der Teufel
EIN WÜSTENSTURM ZWISCHEN SCHLESIEN UND KLEINPOLEN Der Mensch nahm schließlich seinen Kopf aus dem Sand und bemerkte das Militärpotential der Wüste, die später zum Sandkasten der Armee wurde. Hier bereitete sich die erste Brigade der polnischen Legionen auf die Kämpfe im Ersten Weltkrieg vor. Später, wurde die Wüste zum Übungsplatz von Jagd- und Bombenflugzeugen sowie auch der Infanterie und Artillerie. Die Luftwaffe testete hier neue Bomben und Waffen. Laut wurde es gewiss damals auch in der Hölle. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg bekam der Teufel keine Ruhe. Im Jahr 1948 wurde die Wüste wieder zum Truppenübungsplatz und in den Folgejahren war sie für Zivilisten nicht zugänglich. Bis heute gehört der nördliche Teil der Armee, welche hier internationale Manöver veranstaltet. Regelmäßig wird die Błędów-Wüste von Fallschirmspringern genutzt, die man bei der Übung von den Aussichtspunkten beobachten kann.
MUTTER NATUR LÄSST NICHT LOCKER In Zeiten der Polnischen Volksrepublik hat man dem Gelände nicht viel
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
WISSENSWERTES ZUR BŁĘDÓW-WÜSTE DURCH DIE BŁĘDÓW-WÜSTE VERLÄUFT DIE TRANSJURA-PFERDE-ROUTE DER POLNISCHEN TOURISTIK- UND LANDESKUNDEGESELLSCHAFT, DIE INSGESAMT RUND 250 KILOMETER UMFASST.
RUND UM DIE POLNISCHE SAHARA WURDEN EINIGE WANDERWEGE EINGERICHTET. BESONDERS EMPFEHLENSWERT IST DER WÜSTENWANDERWEG DER POLNISCHEN TOURISTIK- UND LANDESKUNDEGESELLSCHAFT (GELB MARKIERTER WANDERWEG).
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Aufmerksamkeit geschenkt und somit fast dieses einzigartige Wüstenland zerstört. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden hier sogar Bäume gepflanzt. Den Sand aus der Błędów-Wüste nutzte man wiederum als Versatz im Bergbau. Schnell wurde aus der polnischen Sahara eine Wiese mit Sträuchern und Bäumen, die ihren einzigartigen Flair teilweise unwiederbringlich verlor. Zum Glück brachte das 21. Jahrhundert eine Kehrtwende in der Denkweise. Der Tourismus ist wichtiger denn je, und der Sandkasten, der ein tollpatschiger Teufel schuf, kann nicht so einfach verschwinden. So wurde die Błędów-Wüste zum Schutzgebiet, um das sich sowohl die Armee, als auch die lokalen Behörden kümmern. Mutter Natur lässt aber nicht locker. Ohne die Eingriffe der Menschen, die dem Aufrechterhalten der Wüste dienen, würde sie sich schnell von einem Sandkasten zu einer grünen Wiese umwandeln.
DURCH WÜSTE UND WILDNIS
AUF DEM WÜSTENGELÄNDE IST DAS MOTORRAD-, AUTO- UND QUADFAHREN UNTERSAGT.
DIE BŁĘDÓW-WÜSTE IST DAS GANZE JAHR FÜR TOURISTEN UND WANDERER ZUGÄNGLICH.
AM DĄBRÓWKA-HÜGEL BEFINDET SICH EIN ALTER BUNKER, DER FRÜHER DER ARMEE IM ZWEITEN WELTKRIEG DIENTE.
DIE SANDTEMPERATUR KANN IN DER POLNISCHEN SAHARA ÜBER 60 GRAD CELSIUS ERREICHEN.
Neben der Armee nutzte die polnische Sahara auch die heimische Filmbranche. Allerdings lange bevor Netflix oder andere Streamingdienste entstanden sind. Hier drehte in den 60er Jahren Jerzy Kawalerowicz die Szenen für den «Pharao», der später eine Nominierung für die Goldene Palme beim Internationalen Filmfestival in Cannes und 1967 eine Nominierung als Bester fremdsprachiger Film für einen Oscar bekam. Damals hat aber Mutter Natur entspannt zugeschaut, denn die Wüste war viel größer als heute und eignete sich perfekt für einen Monumentalfilm mit der Handlung in Afrika oder einen Abenteuerfilm, wie etwa die Verfilmung von «Durch Wüste und Wildnis». Auf den heutigen 32 Quadratkilometern, welche das Wüstenland
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Dezember 2020
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
umfasst, erlebt man keine Fata Morgana, wie es angeblich Anfang des 20. Jahrhundert der Fall war. Mutter Natur hat mit der Hilfe des Menschen sich mittlerweile zu viel zurückgeholt. Sie hatte aber einen Teufelsplan. Steigt man auf den Czubatka-Hügel in Klucze, so erscheint einem eine Landschaft, wie aus den Netflixserien «Dark» oder «The Rain». Einerseits
ist es dieser Kontrast zwischen der Wüste, der Wildnis und den Fabrikschloten, die man in der Ferne sieht. Andererseits sieht die Wüste, wie ein riesengroßes Loch, das nach einer nuklearen Explosion entstanden ist, aus. Bei trübem Wetter und dunklen Wolken bekommt man Gänsehaut. Einheimische würden allerdings behaupten, dass genau hier der Teufel seinen Sack zerriss und den Sand verstreute.
AUF SAND GEBAUT Vom Aussichtspunkt in Klucze sieht man auch das Flusstal der Biała Przemsza, welches wie eine Oase empor wächst und die Wüste durchschlägt. Neben dem Czubatka-Hügel gibt es noch zwei weitere Aussichtspunkte bzw. Plattformen. In der Ortschaft
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Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
Chechło befindet sich der Dąbrówka-Hügel, mit einer Aussichtsplattform, Infotafeln und einer atemberaubenden Aussicht. Von hier aus kann man auch die Fallschirmspringer beobachten. Dieser Teil der Błędów-Wüste gehört der Armee. Deswegen sollte man die Infotafeln beachten und nicht zu weit ins sandige Hinterland hineingehen. Das könnte nämlich ein böses Ende nehmen und mit einem Strafzettel enden.
Familien mit Kindern, die unbedingt im Sandkasten des Teufels spielen und eine waschechte Wüste erleben möchten, sollten sich zur sog. Kompassrose (poln. Róża Wiatrów) auf den Weg machen. Hier kann man sich nicht nur gut informieren, aber auch hervorragend spielen. Auf den Treppchen und Podesten wurden nämlich alte Militärgeschütze aufgestellt. Und Sand zum Spielen gibt es auch genügend. Der Sack des tollpatschigen Teufels war anscheinend ziemlich groß.
Bei einem sonnigen Tag kann man die Wüste auch in ihrer gefährlichen Schönheit erleben. Der Sand brennt wortwörtlich unter den Füßen. Ein langer Spaziergang ohne Wasser und Kopfbedeckung ist auch alles andere als empfehlenswert. Schließlich ist es des Teufels Sandkasten.
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Dezember 2020
DER MÜLLER IST DES TEUFELS FREUND VON PATRYCJA URBAN Heute nur noch selten zu sehen, früher vergöttert. Wovon ist die Rede? Von Windmühlen! Und obwohl ihre Blütezeit schon längst vorbei ist, erwecken sie weiterhin Erstaunen und Respekt. Es scheint, als ob jede von ihnen gleich ist, doch der Direktor des Museums für Müllerei und Landwirtschaft (poln. Muzeum Młynarstwa i Rolnictwa) in Storchnest/ Osieczna Jarosław Jankowski überzeugt, dass es nur ein Mythos ist und man sich am besten davon selber überzeugen sollte.
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erzeit werden Windmühlen vor allem mit den Niederlanden verbunden. Doch nicht nur dort wurden diese Holzobjekte gebaut. In Polen gab es zur Wende des 17. zum 18. Jahrhundert ca. 20 000 Mühlen und Windmühlen. Die meisten davon, nämlich 14 000, befanden sich in Großpolen/Wielkopolska. Daher wundert es keinen, dass man die Region als das Windmühlenland bezeichnet hat. Einfluss auf ihre Lokalisation hatte die Nähe zur deutsch-polnischen Grenze. “Die Einführung der Verordnung über das Mahlen und hohe Preise in Deutschland führten dazu, dass ein
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Foto z.V.g. vom Museum für Müllerei und Landwirtschaft
Teil der Bevölkerung, der an der Grenze lebte, insbesondere Müller, die gute Konjunktur nutzten, da in Polen sehr niedrige Mahlpreise gezahlt wurden“, erzählt der Kustos des Museums für Müllerei und Landwirtschaft in Storchnest/Osieczna Jarosław Jankowski. Da Not einen erfinderisch macht und man in Deutschland keine riesigen Summen für die Produktion von Mehl zahlen wollte, begann man das Getreide in die polnische Mühlen zu transportieren. Nachdem es gemahlen wurde, hat man das Mehl wieder über die Grenze ausgeführt. So waren beide Seiten zufrieden. Diese Tätigkeiten hatten einen nicht unbedeutenden
Einfluss auf die Entwicklung der Müllerei in Polen.
DER MÜLLER IST DES TEUFELS FREUND Die Arbeit eines Müllers zählte nicht zu den einfachsten, ganz im Gegenteil. Die Mehlherstellung brauchte viel Anstrengung. Obwohl die Arbeit eigentlich eher unkompliziert erscheint, waren in Wirklichkeit die Personen, die in einer Mühle arbeiteten, die gebildetsten
Menschen im Dorf. Ein Müller hatte neun Berufe. Diese beeindruckende Zahl ergibt sich daraus, dass bei Problemen der Müller selber die Schäden reparierte und die Wartung übernahm. In so einem Moment schlüpfte er in die Rolle eines Tischlers, Zimmermanns, Schmieds oder Schlossers hinein. Das ist aber nicht alles. Um sein Mehl zu verkaufen, musste er sich in einen Händler und Verkäufer umwandeln. Jedoch um zu dieser Etappe zu gelangen, hatte er erst einmal die Rolle eines Bauern und Landwirts einzunehmen. Schließlich nimmt das Korn auf dem Feld den Weg auf, der beim Mehl endet. Oft wurden neben Windmühlen Bäckereien gebaut,
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Dezember 2020
Foto z.V.g. vom Museum für Müllerei und Landwirtschaft
wo man frisches, duftendes Brot kaufen konnte. Und hier haben wir den neunten Beruf eines Müllers – den Bäcker. Die Mühe, die er in seine Arbeit steckte, wurde mit Geld belohnt, was ihn zum reichsten Einwohner der Gegend machte. Aus diesem Grund waren viele Leute eifersüchtig, weswegen sie glaubten, dass Müller krumme Geschäfte mit dem Teufel machen. Natürlich war das nur ein Mythos, dass durch die Dörfer die Runde machte, dass aber den Bewohnern zusätzlich Angst einjagte. Dank der Müllerei veränderte und entwickelte sich nicht nur die Wirtschaft des Landes, sondern vor allem der Ortschaften, wo sich die Mühlen befanden. “Der Müller war die einzige Person aus dem Dorf, die reiste und verschiedene Informationen und Samen, die er pflanzte, mit sich brachte. Bauersleute begannen damit, sein Handeln zu beobachten, und als sie die Ernte und das verdiente Geld sahen, begannen sie selber zu pflanzen“, erzählt Jarosław Jankowski. Dank dessen konnten sich die Dörfer weiterentwickeln. Das nicht gerade kleine Geld, was Müller verdienten, hatte auch Einfluss auf das Leben seiner Kinder. Müllerstöchter hatten viele Verehrer. Die Müllerstochter, die
als Ehefrau genommen wurde, war wegen ihrer Position und manchmal wegen des Wohlstandes ihrer Familie als ein gewonnener Lotterielos angesehen.
STERBENDE ZEUGEN DER GESCHICHTE Im Laufe der Zeit sind die Blütejahre der Windmühlen vorbeigegangen und die Müllerstöchter hatten auch nicht mehr so viele Verehrer, wie zuvor. Die grausame Geschichte des Landes hinterließ auch ihre Spuren an diesen Konstruktionen. Die Kriegstätigkeiten vernichteten enorm viele Holzobjekte. Diese Zeit überstanden in Großpolen/Wielkopolska nur 2500 Windmühlen. Leider brachten die späteren Jahre weitere Schäden und Vernichtungen. In den 90er Jahren gab es in Polen 950 Mühlen. Derzeit sind nur noch 135 davon erhalten worden. Einen Einfluss darauf hatte vor allem das ihnen zugeschriebene Etikett ehemals deutschen Guts. Dies rechtfertigte die komplette Devastation dieser Objekte und Relikte der polnischen Kultur aus dem 16. und
17. Jahrhundert. Wenn man heutzutage eine Windmühle sieht, sollte man sie vor allem schätzen. Die Tatsache, dass sie diese schwierigen Zeiten überstanden hat, ist quasi ein Wunder.
LEIDENSCHAFT ÜBER GENERATIONEN Die verzweifelte Rettungsaktion von Mühlen begann Jarosław Jankowski vor fast 30 Jahren. Er rettete nicht nur viele Objekte, sondern klärte auch die Menschen darüber auf, wie wichtig Mühlen sind. Heutzutage muss man keinem mehr erklären, dass Windmühlen Denkmäler sind und man sie retten muss. Alle Handlungen in dieser Richtung sind mit der Leidenschaft des Kustos diktiert. Einer Leidenschaft, die eine Familientradition aus dem 15. Jahrhundert, genauer gesagt dem Jahr 1425 ist. “Mein Urgroßvater wollte nicht, dass ein weiterer in der Familie Müller wird und so wurde sein Sohn zur Kavallerie geschickt, wo er eine militärische Karriere machen sollte. Tatsächlich wurde er dort
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Foto z.V.g. vom Museum für Müllerei und Landwirtschaft
Rittmeister. Leider wurden ihm im polnisch-sowjetischen Krieg zwei Finger abgeschnitten, weshalb er in den Ruhestand ging. Mein Großvater kam in die Mühle zurück, fing an, dort zu arbeiten, und nach dem Krieg baute er eine neue industrielle Windmühle für 50 Tonnen auf. Dank diesen Ereignissen erwachte unsere Familientradition der Müllerei wieder“, erwähnt Jarosław Jankowski. Nach einigen Jahren musste das Familienoberhaupt zusammen mit seiner Tochter fliehen, um am Leben zu bleiben. Erst nach zehn Jahren durfte er wieder zu seinen Mühlen zurückkehren, doch dort gab es nichts mehr. Alles wurde zerstört und ausgeplündert. Am Anfang seiner Tätigkeit wurde Jarosław Jankowski eher ausgelacht als bewundert. Er erhielt sogar der Kosenamen “Herr Windmühle“. Er ließ sich aber nicht unterkriegen, im Gegenteil. Mit ganzem Herzen widmete er sich seiner Leidenschaft, die er bis heute mit großem Erfolg ausübt. Derzeit ist er einer von drei Menschen in Polen, die im Stande sind, eine Mühle zu bauen. Er ist auch Gutachter des Konservatorverbandes in der Kategorie "Historische Mühlen und Windmühlen und kleine Architektur". Zudem hat er als Einziger
in Polen die Befugnis zur Aufsicht und Herausgabe von Entscheidungen, die mit diesem Objekt zusammenhängen. In dem Kampf, so viele Windmühlen wie möglich zu retten, steht ihm sein Sohn, der einen Masterabschluss im Kulturschutz hat, zur Hilfe. Zusammen haben sie schon fast 80 Denkmäler gerettet. Darunter sind viele nicht industrielle Objekte, die aber eine große historische Bedeutung haben. Eines davon ist die Kreuzrittermühle in der Hohen Burg/Ordensburger Marienburg in Marienburg/Malbork. Dank der zweijährigen Wiederaufbauarbeiten wird das Objekt heute täglich von mehreren Tausend Touristen besucht. Es fällt nicht schwer, den Worten des Direktors, die er bei der Eröffnung der Mühle sagte, zuzustimmen - "Die Mühle wurde von den besten Spezialisten des Landes gebaut".
GROSSPOLNISCHES WINDMÜHLENLAND In der Woiwodschaft Großpolen/ Wielkopolska in Storchnest/Osieczna
befindet sich ein Museum, wo man drei Windmühlen aus dem 18. Jahrhundert sehen kann. Es sind die Relikte einer Flotte, die früher 12 Objekte zählte, die nebeneinander standen. Leider war die Geschichte nicht gerade zu ihnen gnädig und somit sind nur noch drei von ihnen übrig geblieben. Das sind die einzigen erhaltenen Windmühlen in Polen, die aus dem 18. Jahrhundert stammen. Sie wurden 1761, 1763 und 1789 errichtet. Heute sind es schon Relikte aus der Vergangenheit, wobei eines von ihnen noch bis 1981 in Betrieb war. Obwohl diese Bauobjekte hier schon seit vielen Jahren stehen, haben die meisten Einheimischen erst vor 15 Jahren von ihem Dasein erfahren. Bis zu dieser Zeit war das Grundstück bewaldet. Für 60 Jahre verschwanden sie komplett aus dem Blickfeld. Nur die wenigsten erinnerten sich an sie. Oft wurde hier Holz gestohlen, weshalb es noch vor einigen Jahren nur versteckte Ruinen im Wald waren. Um diese Denkmäler zu retten, bat der Bürgermeister Stanisław Kaczmarka, Jarosław Jankowski um Hilfe. Zuerst wurden 3,5 ha des wilden Waldes gefällt. Danach wurden die Windmühlen renoviert. Leider standen die Objekte die nächsten zwei Jahre
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Dezember 2020
Foto z.V.g. vom Museum für Müllerei und Landwirtschaft
Foto z.V.g. vom Museum für Müllerei und Landwirtschaft
nutzlos und ohne Überwachung da. Dies ermutigte Vandalen sofort dazu, einige Teile abzureißen oder etwas auf die Denkmäler zu schreiben. Die Windmühlen fingen wieder an zu verfallen. Die einzige Hoffnung, das Schicksal dieser Objekte zu ändern, war Jarosław Jankowski, der zum Eigentümer dieses Ortes wurde. Im Laufe der Zeit erschuf er auf dem Gelände das Museum für Müllerei und Landwirtschaft. Doch das ist nicht alles. Er verbessert ständig die Einrichtungen und erweitert das
Foto z.V.g. vom Museum für Müllerei und Landwirtschaft
Angebot der Besichtigungen. Vor Kurzem gelang es ihm, die Arbeiten des Bildungsteils des Museums für Kinder und Jugendliche abzuschließen. Das sprichwörtliche Sahnehäubchen ist eine komplett funktionsfähige Windmühle, die bei den Besuchern Bewunderung hervorruft. Hinzu hat er zusammen mit seiner Familie einen Schuppen mit Tischen gebaut, wo über 40 Menschen Teig für Brot kneten können, der danach im Brotbackofen gebacken wird. “Den Jüngsten wird der Workshop
«Vom Körnchen zum Brot» angeboten. Die Kinder werden von Grundsteinen eine Windmühle aufstellen. Eine weitere Aufgabe ist das Mahlen. Dann werden wir auf magische Weise ihr Mehl gegen Lebensmittelmehl, aber unseres, nicht aus dem Laden, tauschen. Am Ende können die Kinder ihre Brötchen, Brot selber kneten und wir werden sie dann backen“. Solche Erfahrungen hinterlassen einen gewaltigen Eindruck, nicht nur bei den Jüngsten, sondern auch bei Erwachsenen.
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Nach einer interessanten Reise durch die Mühlenwelt kann sich jeder Besucher im Café ausruhen. Hier werden nicht nur Kaffee und Kuchen serviert, sondern auch Eis und kalte Getränke. Es ist der perfekte Ort, um nachzudenken. Natürlich darf auch die Souvenir-Ecke nicht fehlen, wo jeder Besucher für sich etwas finden kann. Das außergewöhnlichste, was man hier kaufen kann und was es sich lohnt mitzunehmen, ist Mehl. Eins ist sicher, in diesem Mehl werden wir bestimmt nicht das ganze Periodensystem vorfinden und beim Brotbacken wird sich im Haus ein einzigartiger Duft erheben.
einige Windmühlen bockig oder sauer sind und andere ganz im Gegenteil, sie sind nett, angenehm und dort kann man wirklich gut arbeiten. In diesen Objekten bleibt der Müllergeist – ein guter oder schlechter“. In Storchnest/ Osieczna gibt es auch eine «gruselige Windmühle». Vor langer Zeit verstarb hier ein Müller. Seitdem glaubt man, dass es in dem Objekt spukt. Jedes Mal, wenn es einen anderen Besitzer hatte, wurde sie wieder schnell verkauft, weil jeder dachte, dass an der Geschichte tatsächlich etwas dran ist und man wollte sie so schnell wie möglich loswerden.
Im Museum werden oft verschiedene Veranstaltungen organisiert, die Menschenmassen anziehen. Das Themenbereich ist kunterbunt. In Storchnest/Osieczna fand schon ein Oldtimer-Treffen statt und vor Kurzem auch die Handwerkermesse "Geschmack und Tradition". Die Familie Jankowski will sich einem größeren Publikum öffnen. Die Besichtigung der Windmühlen ist nicht nur ein Vergnügen für Geschichtsliebhaber, sondern für jeden Touristen.
Die antiken Gebäude im Museum für Müllerei und Landwirtschaft verstecken in sich die ganze Wahrheit über ihr Dasein. Die industrielle Windmühle Józef-Adam war bis 1981 in Betrieb. Das 300-jährige Objekt ist technisch gesehen noch auf dem höchsten Stand. Die Produktion könnte man problemlos wieder aufnehmen. Die Schicksalswege von Franciszek sind hingegen etwas komplizierter. Die Mühle wurde mehrmals ausgeraubt und zerstört. Damit sie aber nicht noch mehr verfällt, wurde hier eine sog. Zeitkapsel eingerichtet. In ihr befinden sich um die 3000 verschiedenen Exponate, die mit Landwirtschaft verbunden sind, und Gegenstände des täglichen Gebrauchs, die zeigen, wie die Menschen früher gelebt und welche Werkzeuge sie benutzt haben. Darüber hinaus gibt es auf dem Gelände des Museums ein kleines Freilichtmuseum und eine Wassermühle, die der Eigentümer einschaltet.
FRANCISZEK UND JÓZEF-ADAM Die Windmühlen, die man in Storchnest/Osieczna sehen kann, sind mehr als nur Holzgebäude. Das sind vor allem historische Objekte, die eine Seele haben. Jede von ihnen hat einen Namen. “Windmühlen sind die einzigen Objekte, die einen Namen haben. Wir benennen keine Garagen oder Häuser, eine Windmühle aber schon. Sie ist der beste Freund des Müllers, der auch während der Rente hierher kommt und mit ihm redet. Das zeigt, wie sehr ihnen der Arbeitsplatz ans Herz gewachsen ist und wie schwer es für sie ist, sich von ihnen zu trennen“, erzählt der Kustos Jankowski. Windmühlen sind wie Menschen, sie haben auch ihre Launen, wovon sich der Besitzer des Museums oft selbst überzeugt. “Wenn wir in einer Mühle arbeiten, dann merke ich selber, dass
FREMDES LOBT IHR UND SCHÄTZT DAS EIGENE NICHT Der Traum vieler Menschen ist es, Urlaub im Ausland am rauschenden Meer oder wunderschönem Strand zu machen. Doch nur wenige wissen zu schätzen, wie viele Attraktionen es in ihrem Heimatland gibt. Dies trifft auch auf das Museum in Storchnest/Osieczna
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zu. Der größte Teil der Besucher sind Ausländer. Auch ausländische Medien interessieren sich für diesen Ort. Letztens hat ein Team vom Discovery Channel hier Material über die alte Müllerei aufgenommen. Und obwohl man in Polen nur wenig über das Museum hört, erfreut es sich in der Welt großer Popularität. Eine schöne Überraschung für viele ausländische Gäste ist die Tatsache, dass sie durch das Museum nicht von einem fremdsprachigen Begleiter geführt werden, sondern von dem Besitzer und seinem Sohn. Zusammen sind sie ein gut eingespieltes Team, das sowohl englisch- als auch deutschsprachige Gruppen problemlos durch die historischen Gebäude herumführt. Um das Museum zu besichtigen, muss man sich nicht vorher anmelden. Bis Ende September kann man hier jeden Tag zwischen 10 und 16 Uhr vorbeikommen. Ab Oktober ist das Museum nur an Wochenenden geöffnet.
WOZU SOLL MAN ALTE WINDMÜHLEN RETTEN? “Es lohnt sich deshalb, weil dies das unglaubliche technische Wissen unserer Vorfahren ist, die uns dieses Erbe hinterlassen haben. Das ist unsere nationale Tradition. Die Windmühle ist das Symbol Großpolens, das seit Jahrhunderten ein Teil unseres Landes ist, es wäre schwierig, sie loszuwerden. Die Wahrheit sollte sich verteidigen, deshalb habe ich angefangen zu handeln. So entstand der Großpolnische Mühlenweg, welcher der größte Weg in Europa ist“. Damit die Windmühlen nicht in Vergessenheit geraten, renoviert der Kustos des Museums für Müllerei und Landwirtschaft in Storchnest/Osieczna Jarosław Jankowski und sein Sohn weitere Mühlen, welche die alte Geschichte widerspiegeln. Für die beiden ist es keine Arbeit, sondern vor allem eine Leidenschaft, der sie sich mit ganzem Herzen widmen.
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Dezember 2020
Die Geheimnisse polnischer FriedhĂśfe von Krystiana Janda
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Das Rascheln der Blätter unter den Füßen, ein einsames Grablicht, dass die Dunkelheit durchbricht und die Erinnerung an die Verstorbenen symbolisiert. Friedhöfe umringt immer eine außergewöhnliche Atmosphäre – vor allem die alten und vergessenen Friedhöfe. Eine subjektive Liste von Friedhöfen, die ein perfektes Ziel für alle Liebhaber herbstlicher Spaziergänge, Ruhe und etwas Nervenkitzel bilden
Powązki-Friedhof in Warschau/Warszawa
PowązkiFriedhof in Warschau/ Warszawa Die historische Nekropole befindet sich auf der Powązkowska Straße 1 in Warschau/Warszawa. Sie wurde 1790 auf einem Grundstück, das von der Familie Szymanowski gestiftet wurde, eingerichtet. Im Jahre 1792 wurde der Friedhof in Anwesenheit des Königs eingeweiht. In demselben Jahr wurde der Bau der Sankt Karl Borromäus Kirche beendet. Heute steht die gesamte Fläche des Friedhofs (43 ha) unter strengem Denkmalschutz. 2014 wurde er zum Geschichtsdenkmal erklärt. Auf dem Friedhof wurde bereits um die eine Million Menschen beerdigt. Unter ihnen befinden sich viele angesehene Persönlichkeiten, darunter Soldaten der nationalen Aufstände, herausragende Schriftsteller (u.a. Bolesław Prus, Kazimierz Przerwa-Tetmajer, Leopold Staff, Władysław Reymont), Maler, Schauspieler und Menschen aus dem Bereich der Wissenschaft und Kultur. Ein Teil der Personen wurde in der Allee der Verdienten, die 1926 errichtet wurde, begraben. Im Gebäude der Katakomben wurde ein Mausoleum eingerichtet, in dem die Asche der Toten aus den Konzentrationslagern beigesetzt wurde. Der Friedhof ist von 7 bis 20 Uhr (je nach Monat) geöffnet. Die Besichtigung wird durch den Friedhofsplan erleichtert. Zum Friedhof kommt man mit den Buslinien 180 und 409 und den Straßenbahnlinien 1, 22 und 27. Man kommt durch das Sankt Honorata-Tor (Tor II) und Tor IV hinein - beide befinden sich an der Powązkowska-Straße. Das Tor der fünf Gefallenen und Tor V sowie die Pforte von der Spokojna-Straße sind nur an Allerheiligen und Allerseelen geöffnet.
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Dezember 2020
Der Infektionsfriedhof in Warschau/Warszawa
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Foto: Adrian Grycuk, Wikimedia Commons
Der Infektionsfriedhof – abgeschnitten von der Welt Der Friedhof der Infektionskrankheiten befindet sich in der Umgebung des Kreisverkehrs Żaba und des Kreisverkehrs Starzyńskiego in Warschau/Warszawa. Die Choleraepidemie richtete im heutigen Stadtbezirk Praga-Nord/Praga-Północ zwischen 1872 und 1873 Chaos an. Sobald ein Ort von der Krankheit angegriffen wurde, versuchte die Regierung so schnell wie möglich neue Maßnahmen für die Gesellschaft einzuführen und die infizierten Menschen von den anderen zu isolieren. Genau so war es auch mit der Entstehung dieses kleines Friedhofs. Die Leichen der Toten wurden von der Stadt weit entfernt begraben, damit aktive Bakterien nicht zu gesunden Menschen gelangen.
Erwähnenswert ist, dass auf dem Friedhof auch sieben Soldaten begraben wurden, die Heiden waren. Der gemeinsame Ort der Bestattung mit Cholerainfizierten bedeutete, dass man sich von der unakzeptablen Abweichung von der Normalität entfernen wollte. Etwas Gefährliches war die Krankheit, aber auch der Glaube an eine andere Religion. Die Bestattung der Soldaten an einem solchen Ort belegte eine Strafe nach dem Tod für die Abweichung von der angenommenen Norm. Der Friedhof befindet sich an einer ziemlich unerreichbaren Stelle und was interessant ist, es führt keine offizielle Straße zu ihm hin, weil er sich zwischen der Eisenbahngabelung befindet. Die Gräber kann man aus dem Zug, der nach Danzig/Gdańsk fährt, sehen. Um dort zu Fuß zu gelangen, muss man einige Schienen überqueren, doch dafür droht ein Strafzettel. Auf die Hartnäckigen wartet ein Pfad von der Namysłowska Straße. Der kleine Friedhof ist mit einem Zaun umzäunt. Dort befinden sich die sterblichen Überreste 478 Opfer der Seuche.
Der CholeraFriedhof in Siemianowice Śląskie Um zu dem Friedhof zu gelangen, muss man auf die Steigung, die sich an dem Touristenweg PTTK "Die schlesische Husarenroute", die u.a. zur Deutsch Piekar/Piekary Śląskie auf dem Berg Sośnia Góra führt, befindet, gelangen. Auf der Steigung befindet sich eine Kapelle, die dem Heiligen Isidor von Madrid gewidmet ist. Der Cholera-Friedhof selbst befindet sich an ihrem Hang. Dort wurden Menschen begraben, die in den Jahren 1847-1849 an Cholera gestorben sind. Die Krankheit wurde in den Jahren 1830-1831 von russischen Soldaten nach Oberschlesien gebracht, die dann ihre preußischen Gegner während des Kampfes ansteckten. Die Pest kehrte hin und wieder noch bis ca. zum Jahr 1838 zurück, um in den Jahren 18471849 – also in den Jahren der größten
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Alter Friedhof in Lodz/Łódź Missernte und Hunger – noch einmal zuzuschlagen und fast 5 000 Einwohner von Oberschlesien zu töten. Die damaligen Behörden befahlen, die infizierten Toten außerhalb von Siedlungen zu begraben, weshalb der Friedhof an einem Hang liegt. Den verlassenen Friedhof kann jeder betreten. Wenn man entlang des vorher erwähnten Weges geht, muss man an der örtlichen Kirche vorbei kommen, um danach zwischen den Feldern zu sein, das Tor zu durchqueren und leicht nach unten zu gehen, bis man einen großen Baum erblickt. Der Ort der Ruhe ist mit den Trümmern einer kleinen, kalkigen Mauer umbaut. In der Mitte befand sich früher ein gusseisernes Kreuz, das aus der Initiative des Pfarrers Wilhelm Kopc aufgestellt wurde. Bis heute ist nur das Postament mit der Aufschrift “100. Jahrestag der Toten 17.9.1949“ erhalten geblieben. Die Pflege des Friedhofs hat erneut Andrzej Białas übernommen, der in den Jahren 1998-1999 die dort
begrabenen Opfer der Pest identifiziert hat. Damals wurde das 150-jährige Jubiläum der Entstehung des Friedhofs gefeiert, deswegen haben die Bewohner zusammen mit dem Ratsmitglied Teofil Kurpanka ein neues Kreuz mit dem neuen Datum – 1999 gestiftet. Die Nekropole wurde von dem Pfarrer Jan Klimza geweiht.
Alter Friedhof in Lodz/Łódź Der alte Friedhof in Lodz/Lódź ist dreigläubig. Er ist aufgeteilt in einen katholischen, evangelischen und orthodoxen Teil. Er wurde 1855 erschaffen und ist 21 ha groß. Der Friedhof befindet sich an der Kreuzung der Ogrodowa Straße und der Srebrzyński Straße. Dort sind die Mausoleen lodscher Fabrikfamilien - Grohman, Geyer, Kunitzer und Kindermann. Das interessanteste von ihnen ist das neugotische Mausoleum aus den Jahren 1855-1888, das sich in dem evangelischen Teil befindet. Es wurde
von Edward Lillpop und Józef Pius Dziekoński entworfen und wird als die so genannte Scheibler-Kapelle bezeichnet, in der Karol Scheibler bestattet wurde. In dem katholischen Teil der Nekropole ist das Neorenaissance-Mausoleum der Familie Heinzl aus den Jahren 1899-1904 sehenswert. 2015 wurde der Friedhof als ein Geschichtsdenkmal anerkannt und über 200 Gräber wurden in das Register der Denkmäler eingetragen.
Mennonitenfriedhof in Sosnówka Der Mennonitenfriedhof wurde um das Jahr 1690 gegründet. Eine kleine Tafel weist darauf hin, dass sich hier zahlreiche Grabmäler mit großem künstlerischem Wert aus den Jahren 1691, 1836, 1864 und Relikte des Haupttors befinden. Der Friedhof ist nur wenig bekannt, genauso wie die Menschen, die dort begraben wurden. Die Mennoniten haben ihre Wurzeln im
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Dezember 2020
Friedhof Rakowicki Foto: Zawe, Wikimedia Commons
katholischen Glauben, der zum Protestantismus angehörte. Infolge der Verfolgung verließen einige von ihren Anhängern im Jahr 1555 die Niederlande und suchten in ganz Europa einen Ort, um sich dort niederzulassen. In Polen siedelten sich Mennoniten hauptsächlich auf dem Werder in dem Tal der Unteren Weichsel/Dolina Dolnej Wisły an. Viele von ihnen verließen später das Land, als es zum preußischen Teilungsgebiet gehörte, um dem verpflichtenden Militärdienst zu entkommen (eine der wichtigsten Regeln ihres Glauben ist das Waffenverbot). Ein Teil von ihnen wurde umgesiedelt. Der Friedhof ist für alle zugänglich, die durch Sosnówka durchfahren. Er
befindet sich auf einem Hügel. Kurz vor 2012 wurde er restauriert. Einige Grabsteine wurden in das ethnografische Museum in Thorn/Toruń verlegt.
Friedhof Rakowicki Der Friedhof befindet sich in dem Stadtbezirk I Stare Miasto in Krakau/ Kraków. Er wurde 1803 eingerichtet. Den Namen verdankt er der Rakowicka Straße, die zu dem damaligen Dorf Rakowice führte. Die Nekropole entstand auf dem damaligen Gelände des stadtnahen Vorwerks Bosackie im Dorf Prądnik Czerwony und wurde in
der Zeit errichtet, als ein Begräbnisverbot auf den bestehenden Kirchenfriedhöfen in der Stadt erlassen wurde. Die österreichischen Behörden kauften das Grundstück von unbeschuhten Karmeliten aus Czerna ab. Die Kosten für das Einrichten des Friedhofs deckten die Stadt Krakau/Kraków und die umliegenden Gemeinden. Die erste Leiche wurde auf diesem Friedhof 1803 begraben. Es war die 18-jährige Apolinia aus Lubowieckich Bursikowa. Der Friedhof wurde mehrmals vergrößert. In den Jahren 1861-1862 wurde dort die Auferstehungskapelle gebaut und ein paar Jahre später auch die Leichenhalle nach dem Entwurf von Salomon Saar. Auf dem Friedhof findet
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Alter Jüdischer Friedhof in Breslau/Wrocław
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man sowohl Gräber durchschnittlicher Stadtbewohner als auch von bedeutenden Künstlern, Wissenschaftlern und verschiedenen Aktivisten vor. Dort befinden sich auch Quartiere der Teilnehmer des November-, Krakau-, Januarauftstands und des Ersten Weltkriegs. Viele Grabsteine sind Denkmäler mit einem großen historischen und künstlerischen Wert – es sind die Werke von u.a. Teofil Żebrawski, Feliks Księżarski, Tadeusz Błotnicki und Karol Hukan. Besonders sehenswert ist das Grab des Politikers Ignacy Daszyński und die Gräber von solchen Künstlern wie Eugeniusz Wańek und Jan Matejko. Der Friedhof ist von 7:00 bis 20:00 geöffnet (am Wochenende geschlossen).
Die Besichtigung wird dank eines Plans des Friedhofs, der sich am Eingang befindet, erleichtert.
Alter Jüdischer Friedhof in Breslau/ Wrocław Dieser Friedhof befindet sich an der Kreuzung der Ślężna Straße und der Sztabowa Straße (in dem Wohnviertel Powstańców Śląskich) in Breslau/ Wrocław und bildet das Museum der Friedhofskunst, welches die Abteilung des Stadtmuseums ist. Der Eingang
befindet sich an der Seite der Ferdynanda Lassalle Gasse. Hierhin kann man mit der Straßenbahnlinie 9 - Haltestelle "Uniwersytet Ekonomiczny" und den Buslinien 133 und 134 - Haltestelle "Uniwersytet Ekonomiczny" hinkommen. Der Friedhof entstand im 19. Jahrhundert. Seine Gesamtfläche beträgt heute 4,6 ha. Die erste offizielle Beerdigung fand hier im Jahr 1856 statt. Es war die Bestattung des Kaufmanns Lobel Stern. Die Erde wurde von Rabbiner Abraham Geiger geweiht. Das bedeutet jedoch nicht, dass dies das älteste Grab ist. Hier findet man sogar Gräber aus dem Jahr 1203. Die meisten der entdeckten Gräber wurden aus anderen Stadtteilen auf diesen Friedhof verlegt. Als der
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Dezember 2020
Zweite Weltkrieg anfing, fanden Beerdigungen immer seltener statt und 1946 wurde der Friedhof komplett geschlossen. Auf vielen Grabsteinen kann man Spuren von Kugeln finden – während der Kämpfe um die Stadt kam es hier zum Schusswechsel. Der alte Friedhof wurde 1975 in das Denkmalregister eingetragen. Später begannen dort die Arbeiten zur Restaurierung und Konservierung der Denkmäler, und seit 1988 kann man ihn besichtigen. Zu den prominentesten Menschen, die hier begraben wurden, zählen: der deutsche Politiker mit jüdischen Wurzeln Ferdinand Lassalle, der deutsche Botaniker, Mikrobiologe und Schöpfer der Bakteriologie Ferdinand Julius Cohn, der deutsche Historiker und Schöpfer der Historischen Schule Heinrich Graetz und die deutsche Malerin Clara Sachs. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass sich auf dem Friedhof sehr reich verzierte Mazewa-Grabsteine befinden, die viel über den Verstorbenen sagen. Ein gebrochener Baum oder eine Blume symbolisierten einen plötzlichen und unerwarteten Tod, die Hände eines Priesters wiesen darauf hin, dass diese Person im Gotteshaus diente und ein Buch sagte, dass der Verstorbene ein Gelehrter oder Rabbiner war.
Die Nekropole ist an allen Tagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Nur im Winter wird sie nach Einbruch der Dunkelheit geschlossen. Das Ticket kostet zwischen 15 und 30 Zloty. Donnerstags ist der Eintritt kostenlos.
Vampirfriedhof bei Gleiwitz /Gliwice Dieser Friedhof wurde während der Bauarbeiten auf der Drogowa Trasa Średnicowa (Abkürzung: DTŚ) bei Gleiwtiz/Gliwice entdeckt. Über den Friedhof weiß man nicht wirklich viel. Dort wurden Menschen begraben, die aus verschieden Gründen aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Archäologen entdeckten auf dem Friedhof Skelette ohne Schädel, wie auch solche, deren Köpfe weiter vom Körper entfernt lagen. Die meisten Knochen wurden durch Steine erdrückt. Nach heidnischem Glauben konnte so der Begrabene keine ewige Ruhe genießen. Es wurden auch Skelette gefunden, auf denen man das Todesurteil durch Enthauptung ausgeführt hat, sowie Skelette von Selbstmördern und ungetauften Kindern.
Foto: © Mateusz War. / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0
Anhand von bescheidenen Berichten von den Ausgrabungen weiß man, dass der Friedhof an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert entstanden ist – dies bekräftigt ein Ring, der auf dem Finger eines Skeletts gefunden wurde, sowie ein Holzkohlefragment, das in einem der Gräber erhalten blieb und mit der Radiokarbonmethode datiert wurde. Die dort begrabenen Menschen haben auch an zahlreichen Krankheiten wie z.B. Anämie, Wirbelsäulenbruch oder Zahnschmelzhypoplasie gelitten. Der Friedhof der Verworfenen ist ein sehr interessanter Ort aufgrund der Vielfalt der dort bestatteten Menschen. Er ist auch einer der wenigen Friedhöfe dieser Art in Europa.
Zentralfriedhof in Stettin /Szczecin Der Zentralfriedhof in Stettin/Szczecin ist der größte Friedhof in Polen, der drittgrößte in Europa und einer der größten auf der Welt. Er wurde in den Jahren 1899-1900 nach dem Projekt des Architekten Wilhelm Meyer-Schwartau eingerichtet, doch
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sein endgültiges Aussehen erhielt er 1918 von Georg Hannig. Die Architektur des Friedhofs knüpft an die Nekropole Ohlsdorf in Hamburg an. Der Ort der ewigen Ruhe charakterisiert sich durch die Verbindung vieler Gartenlandschaften. Dort findet man zahlreiche Grünflächen, Wasserspeicher, Alleen und Hecken. Insgesamt wachsen dort rund 415 Bäume- und Straucharten. Man bemühte sich, damit der Friedhof so wenig wie möglich an bekannte Friedhöfe erinnert, also enge Wege anzulegen und nach einer bestimmter Struktur aufrechtzuerhalten. Um den Besuch zu erleichtern, bemühte sich der Architekt um Treppen, Holzbrücken und sogar Aussichtspunkte. Sobald man den Friedhof betritt, wird die Aufmerksamkeit auf das 77 m lange Haupttor gelenkt, das 1901-1903 im neoromanischen Stil erbaut wurde, sowie auf die von der romanischen Architektur inspirierte Kapelle. Auf einem Hügel neben dem umfassenden Raum mit Schwimmbad und Springbrunnen wird sie zum einem der erkennbarsten Elementen der Nekropole. Auf dem Friedhof befindet sich auch ein Kriegsquartier, das in den Jahren
1946-1954 entstanden ist. Dort ruhen insgesamt 3379 polnische und sowjetische Soldaten. Man sollte auch unbedingt folgende Denkmäler sehen – das Katyń-Kreuz, Denkmal der Waffenbrüderschaft, das Denkmal “Denjenigen, die nicht vom Meer zurückgekehrt sind“, das Sibirische Denkmal und viele andere. 2010 entstand dort eine historische Strecke, dank der man die interessantesten Orte der Nekropole entdecken kann. Der Weg beginnt und endet am Haupttor des Friedhofs. Man braucht ca. zwei Stunden, um die Strecke abzulaufen.
Psychiatrischer Friedhof in Rybnik
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Rybnik/Ribnik enthüllte man viele einst vergessene Gräber. Die meisten von ihnen sind nur Grabsäulen, die in den Boden eingeschlagen wurden oder verwischte Tafeln. Höchstwahrscheinlich war der Friedhof früher umzäunt. Leider sind alle Unterlagen über die dort begrabenen Menschen während der Kämpfe in Rybnik/Ribnik verbrannt worden. Zwischen den Bäumen findet man auch ein Massengrab der 1700 Patienten, die während der deutsch-russischen Kämpfe im Zweiten Weltkrieges ums Leben kamen. Der größte Teil der dort beigesetzten Menschen starb zurückgelassen von den Mitarbeitern, eingeschlossen bis zum letzten Augenblick ihres Lebens und ohne jegliche Hilfe.
Der psychiatrischer Friedhof befindet sich in dem Bezirk Wielopole in Rybnik/Ribnik. Über den Ort der letzten Ruhe der Patienten der psychiatrischen Klinik weiß man nicht viel. Zwischen den Bäumen kann man über 2200 namenlose Gräber aufzählen. Noch bis vor Kurzem hatte der kleine Wald an der Weteranów Straße die Rolle einer Müllhalde. Erst dank den Mitgliedern des Bürgerforums von
Zentralfriedhof in Stettin/Szczecin
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Dezember 2020
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Wer den Weg nach Swinemünde/ Świnoujście nicht weiß, gehe nur den Inseln nach von Paulina Kuc
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Swinemünde/Świnoujście ist eins der Lieblingsurlaubsziele sowohl von Bewohnern Polens, wie auch Deutschlands. Doch was bietet die Stadt der 44 Inseln den Touristen an? Sonne, Strand und Meer. So sieht für viele der perfekte Urlaub aus. Und Swinemünde/Świnoujście erfüllt hierbei alle Bedingungen. Die Stadt liegt direkt am Meer, hat eine 12 km lange Küste und durchschnittlich 23 Grad Celsius im Sommer. Doch das ist bei Weitem nicht alles. Der Ort bietet ein Meer von Attraktionen an. Von einem Wasserpark für die Kleinen durch interessante Museen bis Batterien für alle Geschichtsliebhaber.
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Dezember 2020
Postkarten zu sehen ist, ist die Mühlenbake. Es ist der perfekte Ort, um entlang der Westmole einen romantischen Spaziergang zu machen oder den Schiffsverkehr zu beobachten. Sie sieht jedoch nicht nur wunderschön aus, sondern über sie handelt auch eine Legende.
Meer als genug Inseln der Seligen Swinemünde/Świnoujście ist die einzige polnische Stadt, die auf mehreren Inseln liegt. Doch nur drei von 44 sind bewohnt: Usedom/Uznam, Wollin/ Wolin und Kaseburg/Karsibór. Und jede von ihnen bietet den Besuchern etwas anderes an. Auf der Insel Usedom/Uznam, wo nur ein kleiner Teil zu Polen gehört, befindet sich das touristische Zentrum der Stadt. Hier sind die meisten Attraktionen, Hotels, Restaurants und Bars zu finden. Die meisten Betriebe und Verkehrsknotenpunkte befinden sich auf der Insel Wollin/Wolin und Kaseburg/Karsibór ist vor allem der Natur gewidmet. Hier werden Angler bestimmt fündig. Man schuf auf der Insel auch ein Vogelschutzgebiet mit einem Beobachtungsturm für Besucher. Jeder, der näher an der Natur sein möchte, sollte auf jeden Fall eine Kajakfahrt auf Kaseburg/Karsibór machen. Auch Kitesurfing- und Segelliebhaber werden in Swinemünde/Świnoujście vieles zu tun haben. Am Sportangebot mangelt es nämlich hier nicht.
Sportmuffel müssen sich nicht sorgen, dass sie hier einen langweiligen Urlaub erleben werden. Sehenswürdigkeiten in der Stadt gibt es nämlich mehr als genug. Die Strände in Swinemünde/Świnoujście sind breit und sauber, das Wasser für polnische Gewässer außergewöhnlich warm. Jahr für Jahr bekommen ausgewählte Strände die Blaue Flagge, was bedeutet, dass sie zu den besten in ganz Europa gehören. Ein Muss an der polnischen Küste ist das Muscheln- und Bernsteinsuchen und Sammeln. Besonders alle Geschichtsliebhaber werden in Swinemünde/Świnoujście vieles zu besichtigen haben. In der Stadt befinden sich nämlich drei Batterien: die Engelsburg, die Westbatterie und die Ostbatterie (auch Gerhards-Fort genannt). Teil der Letzteren ist auch die Unterirdische Stadt auf der Insel Wollin/Wolin. Gebaut im Jahr 1939 erfüllte sie die Rolle eines Verteidigungskomplexes der deutschen Kriegsmarine. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie zu einem der am strengsten gehüteten Geheimnisse des Militärs der Volksrepublik Polen. Ein Wahrzeichen von Swinemünde/Świnoujście, das auf fast allen
Als Swinemünde/Świnoujście zu einer Hafenstadt wurde, begannen viele der Männer auf dem Meer zu arbeiten. Doch ihre Arbeit und lange Seenaufenthalte haben dazu geführt, dass sie sehr schnell gealtert sind. Das führte viele der Ehefrauen zur Verzweiflung. Eine von ihnen Namens Alicja ging einer Nacht zum Strand und weinte dort um ihren Mann. Plötzlich hörte sie eine Stimme, die ihr sagte, Hilfe in der Mühlenbake zu suchen. Dort begegnete sie einem alten Müller, der ihr befahl, ihren Mann am nächsten Morgen zu ihm zu bringen. Nach einem kurzen Gespräch empfahl er dem Mann lange Spaziergänge zu machen, im Meer zu baden und sich mit Schlamm zu bedecken. Eine Woche später nahm der Müller ihn mit in die Mühlenbake. Als der Mann später das Gebäude verließ, sah er wieder jung aus. Sehr bald begannen auch andere Seemänner den Müller zu besuchen. Auch sie erlangten ihr vorheriges Aussehen wieder zurück. Eines Tages starb jedoch der alte Mann. Da er seine Rezepturen und Geheimnisse keinem anvertraute, konnten auch die Verjüngungsbehandlungen nicht durchgeführt werden. Trotzdem besuchen den Ort bis zum heutigen Tage Tausende von Touristen, um sich mit Schlamm zu bedecken, am Strand zu spazieren und im Meer zu baden. Obwohl ab dem Tod des Mannes die Anstrengungen der Menschen nichts bewirkt haben, lebt in vielen die Hoffnung von einem jüngeren Ich immer noch. Ein Must-See auf der polnischen Küste ist natürlich auch der Besuch in einem Leuchtturm. Die Königin des Lichts, wie sie liebevoll genannt wird, ist der höchste Leuchtturm in ganz Polen. Um die auf die Spitze des Gebäudes zu kommen, muss man einige Treppen aufsteigen, doch der Ausblick auf der Höhe von 68 m macht die ganze Anstrengung in null Komma nichts wieder gut.
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In der Stadt warten auf die Besucher viele weitere Attraktionen. Kinder werden sich bestimmt in den Wasserpark und das kleine Ozeanarium verlieben. Wer den eigenen Urlaub jedoch etwas ruhiger angehen möchte, kann einen Spaziergang durch den Zdrojowy-Park machen oder die historischen Kirchen besuchen. Auch ein Ausflug ins Museum für Hochseefischerei ist empfehlenswert.
Wie Sand am Meer Bei einem gelungenen Urlaub, nach dem vielen Besichtigen, darf natürlich gutes Essen nicht fehlen. Davon gibt es in Swinemünde/Świnoujście in Hülle und Fülle. Entlang der Promenade warten zahlreiche Restaurants, wo Gerichte aus aller Welt serviert werden. Zu den Klassikern der polnischen Küste gehört natürlich Fisch, aber ein Muss sind auch Maiskolben, Zapiekanki und gegrillte Schaschliks. Besucher essen besonders gerne im Kurna Chata, Rybna Chata, Promenada und Tawerna w sieciach, wo es an polnischen Gerichten und frischem Fisch nicht fehlt. Wer Lust auf einen saftigen Burger hat, sollte auf jeden Fall den Food Spot aufsuchen. Als Nachtisch lohnt es sich im El Papa - Cafe Hemingway oder Kawiarnia Czuć miętą zu bestellen, wo jede Menge leckere Desserts warten. Das beste Eis finden Touristen hingegen bei Kaai lody z wyspy. Alle, die im Urlaub auf gutes Bier und Cocktails nicht verzichten möchten, sind in Swinemünde/Świnoujście richtig aufgehoben. Bierliebhaber können den goldenen Trunk in der Brauerei Browar Miedziowy 44 die Spezialitäten des Lokals probieren. Vor der Pandemie fanden dort auch oft Partys statt, an denen jeder die Nacht durchtanzen konnte.
Alle Wege führen nach Swinemünde/ Świnoujście Swinemünde/Świnoujście liegt an der polnisch-deutschen Grenze. Das heißt, dass Bewohner der BRD ganz leicht die Stadt erreichen können. Zwischen der Hauptstadt Deutschlands und dem Kurort liegen nur 160 km. Die kann man per Auto, Bahn oder Bus überqueren. Wer möchte, kann auch nach Heringsdorf fliegen und dann weiter die Stadt mit Bus, Taxi oder Bahn erreichen. Verbindungen gibt es genug. Wer den Ort nicht zu Fuß erkunden möchte, kann eine Reise mit dem Świnoujście Express machen. Dank der Fahrt mit der Bimmelbahn erkunden Touristen nicht nur jeder Ecke des Ortes, sondern sie erfahren dabei viele interessante Informationen zur Geschichte, Architektur, Pflanzen- und Tierwelt der Umgebung. Viele der Urlauber machen auch Fahrradtouren entlang der längsten Promenade Europas, die von Swinemünde/
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Świnoujście durch Ahlbeck und Heringsdorf nach Bansin führt. Die 12 km lange Fahrt führt nicht nur durch zwei Länder, sondern bietet vor allem wunderschöne Ausblicke auf die Ostsee. Jeder Fahrradfreak muss entlang dieser außergewöhnlichen Route zumindest ein Mal im Leben fahren. Von Swinemünde/Świnoujście ist auch ein Ausflug nach Dänemark oder Schweden möglich. Fähren nehmen Urlauber täglich auf Kurztrips ins Ausland mit. Wer jedoch großen Respekt vor der See hat und lieber etwas näher an der Küste bleiben möchte, kann an einer ein- oder zweistündigen Schiffsreise teilnehmen. So bekommt man das Seemanns-Feeling ohne wochenlang auf dem Schiff festzusitzen. Swinemünde/Świnoujście ist auf jeden Fall ein Ort, wo Langeweile keinen Platz hat. Wunderschöne Strände, leckeres Essen und die zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Attraktionen warten nur, um entdeckt zu werden. Bei der Planung des nächsten Urlaubs, muss man also nicht mehr lange überlegen. Kofferpacken und ab nach Swinemünde/Świnoujście!
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Dezember 2020
DIE KOLBERGER SCHÄTZE VON PATRYCJA URBAN
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Kolberg/Kołobrzeg ist ein beliebtes Urlaubsziel sowohl bei den Einheimischen als auch bei Touristen aus Deutschland. Doch was hat die Stadt zu bieten? Lohnt es sich hierher zu kommen? Der Urlaub am Meer ist für viele ein Traum. Dafür muss man aber nicht Tausende von Kilometern überqueren. Schon seit vielen Jahren erfreut sich die polnische Stadt Kolberg/Kolobrzeg großer Popularität. Die Nähe zum Meer, Strand und viele Attraktionen locken hier sowohl Familien als auch Touristen ohne Kinder. Dieser Ort hat für jeden was dabei. In jeder Stadt gibt es ein paar must-sees, die man unbedingt sehen muss. Nicht anderes ist es in Kolberg/Kolobrzeg. Diese Sehenswürdigkeiten sind für Touristen jedes Alters nicht nur gerecht, sondern sie hinterlassen bei ihnen einen bleibenden Eindruck. Selbst Urlauber, die lieber am Strand liegen und die Sonne genießen, machen sich auf den Weg, um z.B. den Leuchtturm zu sehen, denn sie wissen, dass solch ein Anblick, etwas Atemberaubendes ist.
LEUCHTTURM Der Leuchtturm in Kolberg/Kolobrzeg ist das Markenzeichen der Stadt. Das im 18. Jahrhundert gebaute Objekt zieht Jahr für Jahr Tausende Menschen an. Er sieht nicht nur von außen gut aus, auch drinnen hat er einiges zu bieten. Der Ausblick, den man von oben hat, wird lange im Gedächtnis bleiben. Wer dies länger betrachten möchte, kann es sich beim Kaffee und Kuchen im Café, das sich in der Laterne befindet, problemlos gemütlich machen.
DIE SEEBRÜCKE Den Sonnenuntergang auf der Seebrücke zu genießen, das ist der Traum vieler Urlauber. Dafür kommt die Seebrücke in Kolberg/Kolobrzeg genau in Frage. Auch tagsüber eignet sich die 220 m lange Konstruktion perfekt für einen Spaziergang. Eins ist sicher, das Gefühl, auf dem Meer zu laufen, kann nichts ersetzen und es bleibt lange in der Erinnerung.
DIE PROMENADE Die Promenade befindet sich direkt an der Uferlinie, somit hat man beim Spazieren eine einzigartige Aussicht. Es ist einer der beliebtesten Orte aller Touristen. Entlang der Promenade gibt es viele Verpflegungseinrichtungen, Geschäfte mit Souvenirs und Attraktionen für Kinder. Hier findet jeder was für sich.
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Dezember 2020
SEHENSWÜRDIGKEITEN FÜR JEDERMANN IM URLAUB MÖCHTEN VIELE NICHT NUR AM STRAND LIEGEN, SONDERN AUCH ETWAS SEHEN. DOCH DIE SUCHE NACH DEN GEEIGNETEN SEHENSWÜRDIGKEITEN IST MANCHMAL SCHWERER ALS GEDACHT. DARÜBER MUSS MAN SICH ABER KEINE SORGEN IN KOLBERG/KOLOBRZEG MACHEN. ES GIBT EINIGE ORTE, DIE BEI JEDEM TOURISTEN LANGE IM GEDÄCHTNIS BLEIBEN.
WACHSFIGURENMUSEUM Adresse: Marii Rodziewiczówny Straße 1a/25, 78-100 Kolberg/Kołobrzeg
Viele Menschen träumen davon, einmal ein Foto mit ihrem Idol zu machen. Um diesen Traum zu verwirklichen, muss man jedoch nicht nach Hollywood fahren. Es reicht, nach Kolberg/Kolobrzeg zu kommen. Hier befindet sich das Wachsfigurenmuseum, wo man Auge in Auge mit den größten Weltstars stehen und ein Selfie mit ihnen machen kann.
MUZEUM DER POLNISCHEN ARMEE Adresse: Armii Krajowej Straße 13, 78-100 Kolberg/Kołobrzeg
Wer mehr über die Geschichte und Tradition der polnischen Armee erfahren möchte, sollte unbedingt das Museum der polnischen Armee besuchen. Es ist eines der beliebtesten Museen in Polen. Vor allem ist die Waffensammlung tiefst beeindruckend, sowohl bei den älteren als auch den jüngeren Besuchern.
DAS OZEANARIUM Adresse: Aleja I Armii Wojska Polskiego 6C, 78-100 Kołobrzeg
Einmal die Unterwasserwelt entdecken. Das kann man in dem Ozeanarium in Kolberg/Kołobrzeg machen. Die verschiedenen Meerestiere hinterlassen bleibende Eindrücke bei jedem Besucher. Hinzu kommt die visuelle Gestalt des Objektes, die einfach umwerfend ist.
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FAMILIENURLAUB IN KOLBERG/KOŁOBRZEG DIE POLNISCHE HAFENSTADT WIRD IMMER ÖFTER VON FAMILIEN BESUCHT. KEIN WUNDER, DENN OBWOHL ES AUF DEN ERSTEN BLICK NICHT SICHTBAR IST, HAT DIESER ORT VIELES FÜR KINDER ZU BIETEN. NUR AM STRAND LIEGEN ODER IM MEER ZU BADEN WIRD FÜR DIE SPRÖSSLINGE SCHNELL LANGWEILIG. ABER KEINE SORGE. IN KOLBERG/KOLOBRZEG GIBT ES VIELE KINDERATTRAKTIONEN, WELCHE DEN KINDERN ENORM VIEL SPASS UND FREUDE BEREITEN WERDEN.
Adresse: Stadt der Mäuse ul. Morska 2, 78-100 Kołobrzeg (im Keller der Kapitańska-Residenz, 50 m vom Leuchtturm entfernt, gegenüber der Kreuzfahrtschiffe - ein rotes Backsteingebäude) Öffnungszeiten: Im September täglich von 10:00 bis 19:00 Uhr
STADT DER MÄUSE /MIASTO MYSZY Keine Bange, es handelt sich hierbei nicht um Mäuse, die durch Kolberg/ Kołobrzeg rennen. Es ist ein Ort im Keller des ehemaligen Hafenmeisterbüros, den vor allem kleine Kinder lieben. Hier kann man verschieden Mäuse in verschiedenen Zimmern sehen. Die Besucher können beobachten, wie Mäuse durch ihre Korridore laufen und auch mehr über die Geburt von Babymäusen oder wie die Tiere den Winter überleben, erfahren. .
WILDER WESTEN /DZIKI ZACHÓD Adresse: ul. Wycieczkowa 9, 78-100 Zieleniewo, Kołobrzeg
Sich einmal so fühlen wie im Wilden Westen, das kann man in Kolberg erleben. Im Freizeitpark Dziki Zachód Zieleniewo kann sich jeder Besucher u.a. wegen der Tiere, des indischen Dorfes und des Lunaparks für einen Tag wie ein richtiger Cowboy fühlen.
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Dezember 2020
FREIZEITPARK VERBORGENES LAND /UKRYTA KRAINA Adresse: Obrońców Westerplatte Straße 18E (100 m vom Leuchtturm entfernt) 78-100 Kołobrzeg
Auf den ersten Blick könnte man denken, dass es eine einfache Touristenattraktion ist. Da liegt man aber falsch! Hier taucht man in die einzigartige Magiewelt ein. Daran erinnert immer der Zauberstab, den man beim Eintreten des Landes bekommt. Hier hat man nicht nur mit den an jeder Ecke lauernden Abenteuern Spaß, sondern man lernt auch vieles über die Welt.
POMERANIA FUN PARK
Adresse: Pyszka Straße 4 78-112 Dygowo
Besonders viel Spaß erwartet die Besucher des größten Vergnügungsparks in Westpommern - Pomerania Fun Park. Unabhängig von den Wetterbedingungen, kann man immer kommen, denn in diesem Park gibt es Attraktionen sowohl drinnen als draussen. Zwar liegt dieser Ort 12 km von Kolberg entfernt, doch für so viel Spaß lohnt es sich, den Weg auf sich zu nehmen. Das ganze Jahr über können Kinder den Indoorspielplatz nutzen. Im Sommer kommen u.a. die Wasserwelt und verschiedene Karussells hinzu.
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FEINSCHMECKER ECKE FÜR VIELE IST GUTES ESSEN DAS WICHTIGSTE IM URLAUB. KEIN WUNDER, DENN WENN DER MENSCH HUNGRIG IST, GEHT SEINE LAUNE SCHNELL IN DEN KELLER. SO KANN DER TRAUMURLAUB ZU EINEM RICHTIGEN ALBTRAUM WERDEN. IN KOLBERG/KOŁOBRZEG MUSS MAN SICH KEINE SORGEN DARUM MACHEN. HIER GIBT ES VIELE RESTAURANTS, WO MAN LECKER ESSEN KANN.
RESTAURANT ZAKĄTEK Adresse: Gabriela Narutowicza Straße 3/9, 78-100 Kolberg/Kołobrzeg
Liebhaber der südländischen Küche finden hier ein kleines Italien, selbstverständlich mit einer neapolitanischen Pizza. Das Restaurant Zakątek ist das einzige Lokal in Kolberg/Kołobrzeg, wo man genau so eine Schmackkost essen kann. Aufgrund der Lokalität ist es selbstverständlich, dass auf die Kunden auch leckere Fischgerichte warten. Dazu passt nichts Besseres als Biere aus polnischen und europäischen Mikrobrauereien.
WICHŁACZ GRILLHOUSE Adresse: Perłowa Straße 2, 78-100 Kolberg/Kołobrzeg
Wer liebend gern Grillgerichte isst, sollte unbedingt dieses Lokal besuchen. Hier werden das ganze Jahr über Spezialitäten vom Holzkohlegrill angeboten. Hinzu kommen leckere Suppen und Salate, sodass jeder hier etwas für sich finden wird. Die Küchenspezialität - die Bratkartoffeln - werden jeden Geniesser ins Staunen versetzen.
DOMEK KATA
Adresse: Ratuszowa Straße 1, 78-100 Kolberg/Kołobrzeg
Alle, die vom Alltag etwas abschalten möchten, können dies in diesem eleganten Restaurant machen. Sobald man reinkommt, hat man das Gefühl, dass die Zeit für einen Moment angehalten wurde. Die einzigartige historische Atmosphäre verursacht, dass man alle Probleme für einen kurzen Augenblick vergessen kann. Die große Auswahl an Gerichten aus der italienischen, französischen und polnischen Küche wird viele Gaumen ins Staunen versetzen.
COFFEEDESK KAWIARNIA BAJKOWE Adresse: Mazowiecka Straße 24, 78-100 Kolberg/Kołobrzeg
Liebhaber von gutem Kaffee sollten Mal die Spezialitäten in diesem Café probieren. Es wird einem sofort bewusst, wie wahr der Spruch ist, dass Kaffee die Seele wärmt. Hinzu kommt die einmalige warme Atmosphäre des Cafés, dank dessen man alle Probleme für einen Augenblick vergisst und sich in eine sorgenfreie Welt begibt.
Polen ist ein beliebtes Urlaubsziel in Europa. Vor allem die Städte, die am Meer liegen werden übers ganze Jahr reichlich belagert. Man könnte meinen, dass die wunderschönen Strände, Sehenswürdigkeiten und Restaurants eine magische Anziehungskraft haben. Wer sich noch keine Gedanken über den nächsten Urlaub gemacht hat, sollte bei der Planung Kolberg/Kolobrzeg in Betracht ziehen, um sich selber von der atemberaubenden Stadt zu überzeugen!
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Dezember 2020
Kurhaus Wojciech
Der jahrhundertalte
Kurort
von Krystiana Janda
Das Jahr 1501. Das neue Reglement des Kurortes empfiehlt Enthaltsamkeit beim Herumtoben im Schwimmbad und für die Beruhigung der Erregung - das reguläre Beten. Es ist schwer, eine bessere Bestätigung des Ruhms der Wasserheileigenschaften zu finden. Doch die Geschichte des Ortes reicht noch viel weiter zurück. Es traf hier sogar die mongolische Armee nach der gewonnenen Schlacht bei Liegnitz/Legnica im 13. Jahrhundert ein. Leider hat sie die damaligen Badeanlagen völlig zerstört. Heute kann man in der kleinen Ortschaft in der Woiwodschaft Niederschlesien Nutzen nicht nur aus den einzigartigen Wassereigenschaften ziehen.
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Wojciech und Jerzy Das neobarocke Gebäude des Kurhauses Wojciech zieht momentan die Aufmerksamkeit auf sich. Den wunderschönen architektonischen Baukörper, der türkische Bäder nachbildet, krönt eine beeindruckende Kuppel. Im Inneren verstecken sich ein rundes Thermalbad und Marmorbadewannen. Es
befindet sich hier auch eine Trinkhalle mit Sulfid-Fluorid-Wasser, das aus den Quellen Zdzisław und Maria Skłodowska Curie kommt. In diesem außergewöhnlichen Gebäude existiert sowohl ein Hotel, sowie auch ein Sanatorium und ein für alle zugängliches Café. Die heutige Gestalt des Kurhauses Wojciech kommt aus dem Jahr 1880, doch seine Anfänge reichen bereits in das Jahr 1680. Die neuentdeckte
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Wasserquelle kaufte der Verwalter der Grafschaft Glatz, Zygmunt Hoffmann, doch wegen zahlreicher Kriege, hat er die Umsetzung der Investition für 40 Jahre aufgeschoben. Als der Mann die Arbeiten begann, fand er eine weitere Wasserquelle, die er zu Ehren seiner Ehefrau “Maria” benannte. Diese Wässer haben die Badeanlage versorgt, die als Marienbad eröffnet wurde und unter dem Namen lange bekannt war.
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Dezember 2020
Die überdachte Brücke an der Landecker Biele Foto: Jacek Halicki, Wikimedia Commons
Seit dem Beginn seiner Geschichte konkurrierte das Kurhaus Wojciech mit dem Kurhaus Jerzy. Und das nicht ohne Grund. Das Kurhaus Jerzy, genauer gesagt der ältere Teil, gehört zu den ältesten Naturheilpraxen in Polen und ganz Europa. An einer der Wände kann man das Datum 1498 auffinden. Und obwohl Erwähnungen über Thermalbehandlungen in Bad Landeck/Lądek-Zdrój sogar auf das 13. Jahrhundert hinweisen, kann man als Anfangsdatum die Eröffnung des berühmten Kurhauses
Jerzy nennen. Albrecht, Georg und Karl, die Erben des Statthalters des tschechischen Königs, Georg I. von Münsterberg, haben die Therme ausgebaut und benannten die Wasserfassung nach dem Namen des Heiligen Georgs. In der Nähe haben sie auch die St.Georg-Kapelle bauen lassen. Heute lohnt es sich die Behandlungen mit Radonsulfidbad zu nutzen. Sowohl das Kurhaus Wojciech, wie auch der alte und der neue Teil des
Kurhauses Jerzy, sind heute Teil des Kurortes Lądek-Długopole.
Mehr als nur Thermalwasser Wer hingegen nach einer Aktivität zwischen den Wasserverkostungen und Bädern sucht, oder gar keine Lust auf solche hat, kann in der Stadt durch viele interessante Gassen schlendern.
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Zwei Brücken Die gotische Johannisbrücke aus Stein ist ganze 450 Jahre alt. Sie überstand alle Überflutungen, die Bad Landeck/ Lądek-Zdrój heimsuchten, sogar das Oderhochwasser im Jahr 1997. Die Bewohner glauben, dass sie von der Figur des heiligen Johannes von Nepomuk aus dem Jahr 1709, die die Figur auf der Karlsbrücke in Prag nachbildete, beschützt wurden. Genauso interessant - doch viel jünger - ist die überdachte Brücke an der Landecker Biele. Sie wurde in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erbaut, um zwei Sanatoriumsgebäude - eine Villa an der Spacerowa-Straße und das Behandlungsgebäude an der Kościuszki-Straße, zu verbinden. Interessant ist, dass die erwähnte Villa, die einst als Pałac Bieli (dt. Bieleschloss) bezeichnet wurde, anfangs der Familie Weberbauer diente. Erst mit der Zeit kaufte die Immobilie ein Arzt. Die Brücke selbst wurde von einem deutschen Architekten, Felix Henry entworfen. Leider, obwohl sie viele anlockt, kann man den Ausblick auf den Fluss von der Brücke nicht genießen, da sie von der Seite des alten Behandlungsgebäudes zugemauert wurde und von der Seite der Kościuszki-Straße geschlossen ist. Die Villa an der Spacerowa-Straße nennt sich heute Rezydencja Victoria, wo man für eine längere Zeit einen Aufenthalt buchen kann. Die Architektur und das Innere dieses Gebäudes sind wortwörtlich unglaublich.
In der Zeit zurückreisen Es lohnt sich, den Markt zu besuchen - einen breiten Platz mit interessanten Mietshäusern im Barock- und Renaissancestil. Sie kommen hauptsächlich aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Auf der Vorderseite mancher sind Wappen zu sehen, die von ehemaligen Handwerkern gemacht worden sind - ein Schmiedhufeisen, eine Bäckerbrezel und sogar eine Skulptur der Madonna mit Jesus-Kindlein an dem Mietshaus Nr. 1. Hier befindet sich heute die Michael-Klahr-Museumsgalerie - da
der Künstler ein Vertreter des schlesischen Barocks war. In der Mitte des weiten Platzes steht das Rathaus aus dem 16. Jahrhundert und gleich hinter ihm eine Barocksäule der Heiligen Dreifaltigkeit, die ein Werk des bereits genannten Künstlers ist. Auf der anderen Seite befindet sich ein Pranger. Man hat ihn heirher im Jahr 1964 vom Heinzendorf/Skrzynka verlagert. Der frühere städtische Pranger ist wahrscheinlich verschwunden.
In Bad Landeck/Lądek-Zdrój erinnern die architektonischen Juwele stolz an die lange und interessante Geschichte der Stadt. Um sich mal außergewöhnlich zu fühlen und sich mit dem Phänomen der Zeit vertraut zu machen, lohnt es sich, das Muzeum Czasu i Niezwykłości (dt. Museum der Zeit und Ungewöhnlichkeiten) an der Lipowa-Straße 4 zu besuchen. Es entstand dank Marek Pierzyński, einem Breslauer Journalisten und Autor von Büchern über Orte in den Sudeten, die man gesehen haben
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Dezember 2020
muss. Im Objekt befinden sich lokale Erinnerungsstücke, alltägliche Gegenstände und Möbel. Einen großen Teil der Ausstellung bilden Uhren: Ikonen-, Landschafts-, Kuckucksuhren und Uhren mit Zifferblättern gemacht aus verschiedenen Gegenständen.
Eine Kirche, die in Flammen stand Ein fast völlig graues Gebäude - knapp ein kleiner Schatten der ehemaligen Pracht - zieht auf sich den Blick eines jeden, der entlang der Zdrojowa-Straße spaziert. Ein Turm ohne Dach mit einer anliegenden Apsis oder die hochfliegenden Fenster wecken die Fantasie. Es sind Überbleibsel von einer evangelischen Salvatorkirche. Sie wurde im Jahr 1846 mit der Hilfe von Marianne von Oranien-Nassau erbaut. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts wurde die Kirche vergrößert und in den Jahren 1924-1929 nach dem Projekt von Richard Iwan aus Zabrze umgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat man sie jedoch nicht mehr genutzt. Ihre Ausstattung verlagerte man in andere Gotteshäuser. Einige Zeit lang plante man, sie in ein Balneologiemuseum umzuwandeln, doch im Jahr 1999 wurden die Pläne von einem Brand durchkreuzt. Heute warten diese interessanten Mauern auf ein neues Leben. Neue Eigentümer planen hier eine Kunstgalerie mit einem Café aufzumachen. Vielleicht wird man in einiger Zeit die Gegend vom Kirchturm aus bewundern können.
Zwischen alten Bäumen In Bad Landeck/Lądek-Zdrój, bei dem Kurhaus Wojciech befindet sich der 1,2 ha große Johannes-Paul-II.-Kurpark. Entlang der Alleen wachsen zahlreiche Laubbäume. In ihrem Schatten ruhen hingegen interessante Skulpturen. In der Nähe befindet sich eine Lärchenallee aus dem 18. Jahrhundert, wo zweihundert Jahre alte europäische Lärchen wachsen, die heute Naturdenkmäler sind.
An der Moniuszki-Straße befindet sich das höchstgelegene Arboretum in ganz Polen (475-500 m ü.d.M.). Dort wachsen Prachtexemplare von Kiefern, Tannen, Buchen und Eichen, wie auch Sicheltannen, Urweltmammutbäume und Armur-Korkbäume. Das Objekt ist von Mai bis Oktober geöffnet, doch besonders im Frühling bietet ein Besuch die schönsten Anblicke. Der Garten zeichnet sich durch seine Natürlichkeit und die geringe Ingerenz des Menschen in das Ökosystem aus.
Ein Ausflug außerhalb der Stadt Die mittelalterliche Burg Karpenstein, die sich an Spitze des Hügels Karpiak (782 m ü.d.M) befindet, ist eine perfekte Idee für alle, die Lust auf einen längeren Ausflug außerhalb der Stadt haben. Um die Burgruinen zu besichtigen, muss man einen Spaziergang entlang des blauen Wanderwegs von Bad Landeck/Lądek-Zdrój nach Altgersdorf/Stary Gierałtów machen (ungefähr 1,3 Stunden). Die Burg wurde noch vor dem Jahr 1120 erbaut und fungierte als eine Festung des kleinen Staates, dessen Teil Bad Landeck/Lądek-Zdrój war. Bis heute blieb jedoch nicht vieles erhalten - bloß die Fundamente und zahlreiche Steine. Man kann jedoch sehen, wo sich der Innengarten mit dem Hof befand und wo die äussere Verteidigungsmauer. Über Bad Landeck/Lądek-Zdrój thront der Gipfel des Reichensteiner Gebirges - der Dreickler (766 m ü.d.M.). An diesem Ort überkreuzen sich viele Wanderwege - der blaue Wanderweg von Bad Landeck/Lądek-Zdrój nach Altgersdorf/Stary Gierałtów oder der grüne
Wanderweg vom Pass Przełęcz Lądecka bis zum Pass Przełęcz Gierałtowska. Der Berg besteht aus metamorphem Gestein und ist fast komplett bewaldet. An der Spitze befindet sich ein Aussichtspunkt, von dem aus man fast den ganzen Glatzer Kessel bewundern kann. Ungefähr 7 km von Bad Landeck/ Lądek-Zdrój liegt die Reyersdorfer Tropfsteinhöhle. Zu ihr führt der grüne Wanderweg von der Bushaltestelle in Reyersdorf/Radochów entlang der Route Glatz/Kłodzko-Bad Landeck/Lądek-Zdrój (ungefähr 30 Minuten) und der blaue Wanderweg von
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Der Ring in Bad Landeck/Lądek-Zdrój Foto: Jacek Halicki, Wikimedia Commons
Bad Landeck/Lądek-Zdrój (ungefähr 80 Minuten). Die Höhle ist für Touristen von Mai bis September geöffnet. Sie entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und gehört zu den größten Höhlen in den Sudeten. Dort sind zahlreiche Tropfsteine wie auch Spuren von Stalaktiten und Stalagmiten zu finden. Im Inneren wurden unter anderem Knochen eines Höhlenbären, eine Höhlenhyäne und sogar eines Wollnashorns gefunden. In der Höhle leben viele Faunavertreter, wie der Tatra-Höhlenflohkrebs und der Zweiflügler. In den kalten Monaten überwintern hier Fledermäuse. Die ganze
Höhle steht unter Naturschutz und ist ein Naturdenkmal.
Frische Luft einatmen Fast der ganze Landschaftspark Śnieżnik, der in den Ostsudeten liegt, befindet sich auf dem Gebiet des Kreises Kłodzko. Die Umgebung von Bad Landeck/Lądek-Zdrój erfreut also das Auge mit wunderschönen Ausblicken. Der Landschaftspark wurde im Jahr 1981 gegründet und charakterisiert
sich durch das Vorkommen von kontrastierenden Landschaften. Hochgebirgshöhlen, alte Flusstäler, wie auch an Felsschwellen gelegene Wasserfälle, die nur darauf warten, um entdeckt zu werden. Bereit, um am wohltuenden Wasser aus einer jahrhundertealten Quelle in Bad Landeck/Lądek-Zdrój Geschmack zu finden? Wenn es sich jedoch herausstellen sollte, dass sie nicht wirklich schmeckt, kann man auf den Geschmack der Ortschaft selbst kommen und dank der umliegenden Natur auch andere Sinne beflügeln.
Wirtschaftskammer „Schlesien” Viele Möglichkeiten für das Unternehmertum
Die Wirtschaftskammer „Schlesien” ist eine Organisation der wirtschaftlichen Selbstverwaltung, die Initiativen unterstützt und an Tätigkeiten teilnimmt, die mit der Entwicklung des Unternehmertums in Schlesien verbunden sind. • Schulungen, Workshops, Konferenzen, Beratungen • Kooperationsbörsen • Messen und Ausstellungen • • Zusammenarbeit mit den Wirtschaftskammern aus der Bundesrepublik Deutschland und aus der Tschechischen Republik
Kontakt Wirtschaftskammer „Schlesien” 45-310 Opole / Oppeln • ul. Ozimska 184 • Tel./Fax: +48 77 4538484 • E-Mail: info@igsilesia.pl • www.igsilesia.pl
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