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PolenJournal.de (#2/2020)

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Ei „G n de as St fü n G tro üc M r d es no k ax en ch m Fo i im O m et o r l ili t ac u an zu k ris klo re Br be ein mu oy ko es s au i O m . s fd m rte t e en s, in em . “ um e R Ei e T n ein ise In G ar ell er te e t f rv fü ü r ie hl w vo n

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it ue en ch s he ka s h en um e en sc e ng at s M us od de M ust ga r P en es r K er de ng e d e r V in ru ht e d de rt e ah ic .d n a in Erf sch nal h w Vo en asc ten e Ge Jour s i 48 g er d en m e G eit die und Pol as. Z r s it lf be a m a Ü it G ht ch K m ic ie r sp ojc W

IMPRESSUM

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r zu s r

PolenJournal.de CHEFREDAKTEUR Piotr Piela

GRAFIK & DESIGN Emanuela Janda

TEXTKORREKTUR Maximilian Broy

AUTOREN Maximilian Broy, Robert Dethloff, Sarah Gandyra, Emanuela Janda, Paulina Kuc, Piotr Piela, Krzysztof Świerc, Patrycja Urban

ERSCHEINUNGSWEISE Quartalschrift

HERAUSGEBER: sc.media ul. Wrocławska 133 45-837 Opole /Polen www.sc.media

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le g ße Po an ro e l in ein r für nz g urig , die s a t al ist nde e ga r tr ha en, ck tiv ers ale di ah ht art Bli es m K sie s J rac w en -F Som t im für iese geb gen ein s zu tro des en ann hl d gen ltun sen, tival ec om d o ni ta s s El inn M eil bw eje ans hlo ikfe c g r i O 38 r Be tete ns, w nt. ür d Ver bes Mus r n f e e D a fa gi n en em tro k w e e i er us y b cht ied tzd lek h ro E M rt ri c t Pa ach ers wir che N fv n is au abe oln . h f p en au erf w

8 Eine Route voller Tradition

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12 Ein Stück Folklore auf dem Teller 18 »Wir laden zum Kaffee ein« 28 Die vergessene Grünbergische Küche 32 Eine Wasserroute wird neu zum Leben erweckt 38 Electro-Festivals in Polen 48 Von der Vergangenheit bis zur Gegenwart in der Patschkauer Zeitmaschine

IM HEFT

54 Schick, bunt, gestickt – Volkstrachten aus der Region Oppeln

18 »Wir laden zum Kaffee ein« Die Tradition des Kaffeetrinkens in Polen.

60 Die außergewöhnliche Geschichte und das schreckliche Ende des schlesischen Windsors 64 Die kaschubischen Steinkreise 68 Mein Leben bei den Nachbarn. Eine Reportage aus meiner neuen Heimat. 72 „Hilf mir, es selbst zu tun” 76 Neue Dimension der Ökoinnovation


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Mai 2020

Eine Route voller Tradition von Patrycja Urban

Eine ideenreiche und einzigartige Attraktion, die zahlreiche Touristen anzieht, ist das Ergebnis eines polnisch-slowakischen Projektes. Worum geht es? Um die Route der historischen Rezepturen im Karpatenvorland und der Slowakei.

Foto z.V.g. von Bieszczadzkie Smaki

Die Woiwodschaft Karpatenvorland hat schon immer Touristenmassen angezogen. Wundervolle Aussichten, Stille und Ruhe sind die Gründe, wieso alle mit großer Freude hierhin zurückkommen. Kein Wunder, denn in dieser Region wurde etwas Einmaliges geschaffen. Hier entstand die Route der historischen Rezepturen (poln. Szlak Historycznych Receptur). “Die Route ist ein touristisches Produkt, das die Produktionsstätten regionaler Handwerksprodukte – also solcher wie Bier, Wein, natürliche Liköre und


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Spirituosen, zusammenführt,“ erklärt Ewa Borowiak, die stellvertretende Direktorin des Büros der regionalen Tourismusorganisation Karpatenvorland (poln. Podkarpacka Regionalna Organizacja Turystyczna). Diese Route setzt sich aus drei Wegen zusammen, die durch eine breite Auswahl der dargebotenen Produkte führen. Weinkeller, Craftbierbrauereien und Manufakturen, wo hochprozentige Getränke angeboten werden, erfreuen viele Gaumen. Das Angebot ist so abwechslungsreich, dass jeder etwas für sich finden wird.

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Polnischslowakische Freundschaft

Pure Begeisterung für Gaumen und Seele

Die Manufakturen, die sich auf der Route der historischen Rezepturen befinden, liegen im süd-östlichen Teil Polens, in der Woiwodschaft Karpatenvorland. Vom nord-östlichen Teil, bis hin zum Bieszczady-Gebirge kann man regionale Alkoholgetränke verkosten. Hier endet die Route jedoch nicht. Sie geht weiter bis in die nördliche Slowakei, wo man viele Enthusiasten finden kann, die ihre Getränke anhand alter Rezepte herstellen. Die Route ist ein Produkt, das im Rahmen des polnisch-slowakischen grenzüberschreitenden Projekts, mit dem Ziel, den Prozess der Herstellung dieser Getränke zu fördern, geschaffen wurde.

Auf der Route befinden sich 16 Manufakturen, wo man Wein, Bier und Spirituosen, also hochprozentigen Alkohol, verkosten kann. Jedes servierte Produkt ist absolut einmalig. Wieso? Die Getränke werden nicht im industriellen Maßstab produziert. Es sind regionale Erzeugnisse, die man nur hier trinken kann. Außerdem werden sie in kleinen, meist familiären Betrieben hergestellt, also zeichnen sie sich durch hohe Qualität und einen charakteristischen Geschmack aus, den man nirgendwo sonst erleben würde. Sämtliche Rezepte der familiären Betriebe, werden von Generation zu Generation weitergegeben. Einige befanden sich in den Notizbüchern der Großeltern, andere wurden von ihnen an die jüngere Generation mündlich weitergegeben. Die Rezepturen haben auf diese Weise die Zeitprobe bestanden und so kann heute jeder diese Spezialitäten genießen und für sich entdecken.

Die Initiative stammt von der Tourismusorganisation Karpatenvorland, die das Potenzial, das sich in der regionalen Küche verbirgt, erkannt hat. Derzeit sind regionale Produkte nicht nur in Polen trendy, sondern auf der ganzen Welt. So keimte die Idee, mit dieser Trendwelle zu schwimmen, um die regionalen Getränke der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Ein Schuss ins Schwarze, da es so was in Polen und sogar in Europa bisher noch nicht gab. Zwar kann man auf dem Alten Kontinent viele Weinwege finden, doch der in Karpatenvorland ist einmalig, weil er die Produktion von verschiedenen alkoholischen Handwerksprodukten verbindet. Das Ziel ist es die Art, wie die lokalen Handwerksprodukte hergestellt werden, zu fördern. Jeder, der hierher kommt, wird nicht nur die lokalen Spezialitäten probieren, aber vor allem mit den Menschen sprechen, die ihr ganzes Herz und Leidenschaft in die Rezepte und Produktion einsetzen. Den Produktionsprozess mit eigenen Augen zu beobachten und ein Gespräch mit dem Gastgeber, sind ein echtes Erlebnis. Dadurch bekommt alles eine neue Dimension und schmeckt anders.

Wieso befinden sich genau diese Manufakturen auf der Route der historischen Rezepturen? Die Tourismusorganisation Karpatenvorland hat eine öffentliche Aufnahme angekündigt. Anders gesagt, die ganze Branche auf dem Gebiet des Karpatenvorlands und den Grenzgebieten wurde darüber informiert, dass so ein neues Produkt entstehen soll. Alle, die daran teilnehmen wollten, konnten sich anmelden. Dank dessen befinden sich auf der Karte 16 absolut einmalige Orte, die ein außergewöhnliches Ganzes bilden.

Ein Schuss ins Schwarze Das Projekt “Route der historischen Rezepturen“ wurde 2017 ins Leben gerufen, und nach nur einem Jahr endete es wieder. Obwohl das Projektverfahren abgeschlossen wurde, gibt es die Route


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immer noch und sie erfreut sich großer Popularität. Dank der Kommerzialisierung des Produkts ist sie nicht nur ein weiterer Leitfaden oder eine Website. Jahr für Jahr werden die historischen Rezepturen von neuen Touristengruppen entdeckt, die immer wieder feststellen, dass der Südosten Polens voller Überraschungen, ungewöhnlicher Orte und kulinarischer Erlebnisse steckt.

Lust auf mehr Derzeit befinden sich auf dem Weg 16 Manufakturen. Diese Zahl soll sich jedoch ändern. “Wir würden uns gerne mehr Objekte auf dem Weg wünschen. Es gibt einige Manufakturen, beispielsweise im Karpatenvorland, die wir engagieren möchten. Der Weg muss leben, funktionieren und sich weiterentwickeln. Das ist unser Ziel für die nächsten Monate und Jahre“, erzählt Ewa Borowiak. Lokale Getränke, die seit Jahren nach Rezepturen, die von Generation zu Generation überlieferten wurden, hergestellt werden, haben etwas Besonderes, das nirgendwo anders verkostet werden kann. Die Menschen, die über ihre Leidenschaft sprechen, die Art und Weise, wie sie ein bestimmtes Getränk herstellen, und die Besonderheiten der Manufakturen, machen den Weg außergewöhnlich. Es lohnt sich, ins Karpatenvorland zu fahren, um sich selbst, mit eigenem Gaumen, davon zu überzeugen. Mehr Infos zum Weg der historischen Rezepte gibt es auf der Seite www.receptury.podkarpackie.travel, die auf Deutsch, Englisch und Slowakisch zugänglich ist. Werbematerial, einschließlich Reiseführer und Karten, kann man kostenlos bei der regionalen Tourismusorganisation Karpatenvorland (prot@podkarpackie.travel) erhalten.

Für Weinliebhaber • Weinberg Dwie Granice in Przysieka bei Jasła • Weinberg Rodziny Steckich in Jarosław • Weinberg Dolina Sanu in Sanok • Salon Win Karpackich in Dwór Kombornia • Przeworskie Winnice in Przeworsk


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Für CraftbierEnthusiasten

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• Browar Rzemieślniczy Wojkówka in Wojkówka

Für Liebhaber von Schnäpsen und stärkeren Likören:

• Browar Dukla in Dukla

• Manufaktura Nalewek in Krosno

• Ursa Maior in Uherce Mineralne

• Bieszczadzkie Smaki in Smolnik bei Komańcza

• Stary Browar in Rzeszów

• Vanapo in Svidnik (Slowakei)

• Pivovar U Medved’a in Humenne (Slowakei)

• Bird Valley Distillery in Porubka (Slowakei) • Podkarpacka Destylarnia Okowity in Długie • Anmil in Jurkova Vol’a (Slowakei)


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Ein Stück Folklore auf dem Teller von Maximilian Broy „Gastronomietourismus ist eine Reiseart für den Geschmack eines Ortes, um ein Gefühl für den Ort zu bekommen.“ Gibt es eine bessere Art, um einen neuen Ort und eine neue Kultur zu entdecken als durch den Genuss von traditionellen Gerichten und lokalen Getränken? Denn Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen, und um einen Ort auch von einer anderen Seite kennen und anschließend auch lieben zu lernen, haben sich drei junge Leute aus Poznań/Posen etwas ganz Besonderes ausgedacht. Paulina Stachowska, Michał und Marta Masternak – Familienmitglieder, aber vor allem beste Freunde – haben nach einigen Jahren ausgehend von eigenen Reiseerfahrungen ein Familienunternehmen gegründet, um die Passion zur polnischen Küche mit Besuchern aus anderen Ländern zu teilen. „Forklore“, wie dieses Projekt heißt, lädt die Gäste auf kulinarische Abenteuer durch die polnische Welt der Geschmacksvielfalt ein. Über die Besonderheiten des Gastronomietourismus in Polen und die kulinarischen Ereignisse in Poznań/Posen hat sie sich mit Maximilian Broy von PolenJournal.de unterhalten.


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Foto z.V.g. von Forklore


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Mai 2020

Maximilian Broy [PolenJournal.de] Wie seid ihr eigentlich auf diese Idee gekommen, „Forklore“ zu gründen? Marta Masternak [Forklore]: Alles hat schon vor vielen Jahren angefangen, als wir viele ausländische Freunde bei uns in Poznań/Posen bewirtet haben und einen echten Spaß dabei hatten, unseren Gästen Polen und polnische Traditionen zu zeigen und näher zu bringen. Wir sind auch seit Jahren auf der Plattform Couchsurfing aktiv, wo man Menschen aus anderen Ländern bei sich empfängt und Sie für einige Tage mit dir das einheimische Leben entdecken sowie genießen können. Wir haben bei uns schon viele Leute aus aller Welt bewirtet und haben immer sehr stark darauf geachtet, i hnen den lokalen Geschmack zu präsentieren. Die glücklichen und zufriedenen Gesichter der Leute, die zum ersten Mal den hausgemachten ‚Bigos‘ (Sauerkrauteintopf) oder ‚Kluski leniwe‘ (Quarkklöße) kosten, waren absolut unbezahlbar! Wir haben uns auch schnell klargemacht, dass es schwer oder sogar unmöglich wäre, die meisten von diesen Gerichten mit diesem unerwarteten Geschmack irgendwo anders als in einem polnischen Haus zu probieren und zu erleben. Vielmals waren unsere Gäste auch sehr positiv erstaunt, als wir sie zu untypischen Orten gebracht haben, die in keinem Reiseführer zu finden sind. Das macht uns auch immer irgendwie stolz und glücklich zu sehen, dass die Leute sich in unserem Land durchaus wohlfühlen und sich auch in Polen verlieben. Die eigentliche Idee aber „Forklore“ zu gründen, kam fast vor einem Jahr, als Paulina und Michal für acht Monate durch Asien gereist sind und dort an vielen lokalen Kochkursen in Thailand, Malaysia und China teilgenommen haben. Es wurde ihnen dort von den einheimischen Köchen gezeigt, wie man traditionelle Gerichte zubereitet. Diese Weise, den authentischen, lokalen Geschmack und die lokale Kultur zu entdecken, hat ihnen so sehr gefallen, dass sie auf die Idee gekommen sind, etwas ähnliches in Polen für die ausländischen Gäste zu erschaffen. Die Polnische Küche ist ja in keinem Fall weniger

Foto z.V.g. von Forklore

schmackhaft und bekömmlich als die asiatische! Den Namen finde ich echt toll und originell. Außer des polnischen Essens möchten wir mit unseren Gästen, die Polen besuchen, auch die polnische Kultur, Traditionen und noch wenig bekannte Orte - vor allem in der Natur - teilen. „Forklore“ ist also eine Verbindung von der traditionellen Küche – aus dem Englischen ‚fork‘ (Gabel) - und von der polnischen Folklore, also dem traditionellen Leben. Die Tatsache, dass wir das englische Wort im Namen haben, soll auch zeigen, dass wir die herkömmliche polnische Küche in die Moderne transportieren wollen. Wenn ihr selbst reist, sucht ihr auch nach lokalen Geschmäckern in neuen Ländern, die ihr besucht? Dies ist genau der zweite Grund, der uns zu der Idee gebracht hat, die polnische Küche den Touristen näher zu bringen. Wir reisen selbst ganz viel und leidenschaftlich gern und unser Hauptmotiv der Reisen war seit Jahren das lokale Essen. Diese Art des Reisens nennt sich eigentlich Gastronomietourismus (‚food tourism‘) und es ist in den letzten Jahren äußerst populär ge-

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Unser Ziel ist es allen den polnischen Geschmack zeigen zu können, die Lust haben, die lokale Küche zu entdecken und die dazu bereit sind, neue Aromen zu entdecken und zu genießen. Marta Masternak Forklore


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Foto z.V.g. von Forklore

worden. Leider ist es manchmal wirklich schwer, die authentische Küche zu entdecken, wenn die touristischen Restaurants wie Pilze aus dem Boden schießen. An solchen Orten muss man leider oft für schlechte Qualität wirklich viel bezahlen. Italien finden wir zum Beispiel besonders problematisch, wenn es um authentische Lokale mit hochwertigem Essen zu einem entsprechenden Preis geht. Zur Hilfe kommen hier aber immer die Einheimischen, die uns das echte Italien vorschlagen und zeigen können. Genauso, wie wir das in Polen machen!

Wie kann man also Polen und die polnische Küche mit „Forklore” entdecken? In unserem Angebot befinden sich verschiedene Varianten an kulinarischen Ereignissen, die wir in Poznań/Posen zu bieten haben. Die populärsten sind Kochkurse der polnischen oder regionalen Küche. Professionelle Köche bringen den Teilnehmern bei, wie man drei bis sieben traditionelle Gerichten zubereitet und was danach bei einem festlichen Abendessen folgt. Man muss hier keine außergewöhnlichen Kochfähigkeiten haben, es geht hier vor allem

um Spaß und leckere sowie bis dahin unbekannte Geschmackserfahrung! Eine andere Möglichkeit ist, die regionalen Alkoholsorten bei einem unserer Tastings zu probieren und zu entdecken. Bei diesen Ereignissen servieren wir auch die so genannten „polnischen Tapas“ - lokale Käse- und Wurstsorten, die mit dem Alkohol perfekt zusammen abgestimmt sind und dadurch ideal harmonieren. Eine interessante Idee, die wir dabei anzubieten haben, ist auch ein Bierbrau-Workshop, bei dem man den ganzen Prozess der Bierproduktion kennenlernt. Ab diesem Frühling starten wir auch mit zweitägigen


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Kajakreisen im Westen, wo wir auch die lokalen Weingüter besuchen werden. Wir planen auch bald längere Kochreisen durch Polen zu organisieren und anzubieten. Die Idee ist dabei selbstverständlich auch weniger bekannte, aber natürlich trotzdem malerische Ort anzusteuern. Das hört sich alles sehr spannend an. Für wen sind eure Touren und Ereignisse eigentlich gedacht und geeignet? Zu unseren Events laden wir vor allem die Personen ein, die Poznań/Posen

besuchen, ob aus Unternehmens- oder Unterhaltungsgründen oder diejenigen, die schon in Poznań/Posen leben. Laut unserer bisherigen Erfahrung, erfreuen sich die Veranstaltungen großer Beliebtheit, aber nicht nur bei den ausländischen Touristen, sondern auch bei Polen, was uns wirklich freut, aber nicht wirklich überrascht! Unser Ziel ist es allen den polnischen Geschmack zeigen zu können, die Lust haben, die lokale Küche zu entdecken und die dazu bereit sind, neue Aromen zu entdecken und zu genießen. Die erwähnten Ereignisse können wir gerne für eine bestimmte Gruppe von Freunden,

Kollegen oder Familien organisieren. Es ist eine perfekte Idee beispielsweise für ein Firmenintegrationsevent, eine Geburtstagsfeier sowie einen Junggesellen- oder Junggesellinnenabschied. Die Events können wir auch gerne dem Bedarf entsprechend individualisieren und anpassen. Manchmal organisieren wir auch spezielle Ereignisse, an denen man einfach teilnehmen kann, indem man sich vorab online anmeldet. Es gibt also verschiedene Optionen, um bei uns dabei zu sein! Jeder kennt italienische Gerichte, Sushi Bars kann man in jeder


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Die glücklichen und zufriedenen Gesichter der Leute, die zum ersten Mal den hausgemachten ‚Bigos‘ (Sauerkrauteintopf) oder ‚Kluski leniwe‘ (Quarkklöße) kosten, waren absolut unbezahlbar! Marta Masternak Forklore

Foto z.V.g. von Forklore

größeren Stadt finden, genauso wie Tapas Restaurants. Wodurch charakterisiert sich eigentlich die polnische Küche und was ist hier so außergewöhnlich? Das ist genau unser Vorhaben, die Geheimnisse der polnischen Küche zu vermitteln und zu zeigen, dass es viele interessante Geschmacksvarianten auch in Polen zu entdecken gibt! Was wir besonders schön in Polen finden, ist die Geschmacksvielfalt, die jede Region mit anderen traditionellen Gerichten zu bieten hat. Die bestimmten Regionen wurden durch verschiedene

Kulturen und historische Ereignisse beeinflusst, was auch in der Küche zu sehen ist. Und diese Vielfalt möchten wir auch auf unseren Touren zeigen. Man sagt, die polnische Küche ist schwer bekömmlich, das hat sich aber in den vergangen Jahren stark geändert und die polnische Küche ist in der Moderne angekommen. In Polen, vor allem in Großpolen, wo sich Poznań/Posen befindet, isst man bestimmt viel Kartoffeln in verschiedenen Variationen. In der polnischen Küche kann man auch viel Rindfleisch, Entenfleisch, Sauerkraut und Kohl wiederfinden. Manche Gerichte isst man nur auf bestimmten Festen, z.B. ‚mazurek‘ (Nussgebäck) zu Ostern und Bratkarpfen zum Weihnachtsfest, besonders an Heiligabend. Viele Gerichte basieren auch auf jahreszeitlichen Obst- und Gemüsesorten. Die Vielfalt ist so groß, dass jeder hier bestimmt etwas für sich selbst findet. Denn heutzutage wird außerdem mehr und mehr mit den Rezepten und Zutaten experimentiert, ohne dabei die traditionelle Seele des Gerichts zu verlieren. Und der berühmte polnische Wodka! Da hast du Recht, aber nur teilweise! In Polen trinkt man nicht nur den klaren Wodka, sondern auch ‚nalewka‘ – den hausgemachten Fruchtlikör, der eigentlich noch etwas populärer ist. Dies ist ein traditioneller polnischer Alkohol, den man in Polen seit dem 16. Jahrhun-

dert trinkt und der aus verschiedenen Fruchtsorten gemacht werden kann. Es wird wahrscheinlich sehr überraschend sein, dass wir in Polen eigentlich auch mehr Wein und Craft-Bier produzieren, deren hohe Qualität schon weltweit geschätzt wird. Und zum Nachtisch kann ein Honigwein getrunken werden. Alle diese Alkoholsorten kann man auch auf einem unserer Tastings probieren! Was unterscheidet euch von anderen Reise- und Kochprojekten, die auch auf dem Markt zu finden sind? „Forklore“ entstand vor allem aus unserer Passion zum Reisen und zu lokalem Essen. Auf unseren Touren bringen wir die Touristen an Orte, die wir selbst schätzen und als besuchenswert empfinden. Wir nehmen an, dass wir selbst Spaß auf unseren Touren haben sollten. Wir haben vor, unsere Liebe zum hochwertigen, traditionellen Essen und einfach zu Polen mit anderen zu teilen und den Ausländern zu helfen, die echte polnische Küche zu erleben. Authentisch zu sein ist uns sehr wichtig. Was für uns noch von Bedeutung ist, sind die kleinen, regionalen Nahrungsmittelhersteller, welche die Saisonalität unterstützen. Dabei steht die Qualität ganz klar über der Quantität. Danke Marta, für dieses überaus interessante sowie aufschlussreiche Gespräch über euer Projekt.


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»Wir laden zum

Kaffee

von Emanuela Janda

ein«


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ie Polen laden oft zum Kaffee ein und führen wichtige Gespräche beim Kaffee. Morgens trinken sie Kaffee zum Frühstück oder auf dem Weg zur Arbeit. Anschließend trinken sie Kaffee am Arbeitsplatz und am Nachmittag noch mit der Familie oder den Freunden. Sie machen eine Kaffeepause und begeben sich in schöne Cafés. Sie kaufen teure Kaffeemaschinen, um den perfekten Kaffeegeschmack Zuhause zu genießen… Der Kaffee ist ein untrennbarer Begleiter der Mehrheit der Polen. Aus diesem Grund lohnt es sich, ihm ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wann kam er nach Polen? Wo trinkt man Kaffee am meisten? Und wie kam es dazu, dass einige nicht wissen, was ein Espresso ist, und andere um einen Flat White bitten? Über den Kaffee in Polen sprach ich bei einem Becher Kaffee mit Aleksandra Czarnecka – Baristin mit über zehnjähriger Erfahrung und Besitzerin des Cafés Coffeemoment in Oppeln/Opole.

Das Teufelsgetränk kommt nach Polen Der Kaffee ist seit drei Tausend Jahren der Welt bekannt. Seine Entdeckung verdanken wir den äthiopischen Hirten aus der Region Kaffa. Der Kaffee wurde aber erst im Mittelalter von den arabischen Kaufmännern und Beduinen verbreitet. Interessanterweise, noch bevor das Getränk ins christliche Europa gelang, weckte es gemischte Gefühle bei den orthodoxen Muslimen. Kein Wunder, denn an der Wende des 16. Jahrhunderts, als er schließlich auf den Alten Kontinent dank der Türken gelang, genoss er wegen religiöser Vorurteile keinen guten Ruf und wurde als Teufelswerk angesehen. Dies änderte aber Papst Clemens VII., der sich positiv über den Kaffee äußerte, was mit der Zeit der Diskussion ein Ende setze.

Der Kaffee gelang im 17. Jahrhundert nach Polen. Einige meinen, dass es der König Johann III. Sobieski war, der nach dem Sieg gegen die Türken bei Wien – von dem Getränk begeistert – ihn nach Polen gebracht hat. Fakt ist, dass der damalige König ein großer Fan des Kaffees war, doch das Getränk wurde nicht besonders herzlich an der Weichsel angenommen und dies aus einem sehr einfachen Grund – es schmeckte einfach nicht. Als bahnbrechend erwies sich ein bisschen Zucker, was den Kaffee schmackhafter für die Gaumen der Polen machte. Der Kaffee ohne Zusätze, getrunken auf die östliche Art, machte an der Weichsel anfangs keine große Karriere. Zum engen Kreis der Kaffeeliebhaber gehörten neben dem König der Kosakenhetman Bohdan Chmielnicki und im Laufe der Zeit auch der Bischof, Dichter und Prosaist Ignacy Krasicki und der Adlige Adam Kazimierz Czartoryski, der sogar eine Komödie unter dem Titel „Der Kaffee“ (poln. “Kawa”, 1779) ver-


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Die Menschen besuchen die Cafés nicht, um etwas zu essen. Ich will nicht in ein Café gehen, wo es nach Essen duftet. Ich gehe auch nicht in ein Restaurant, um guten Kaffee zu trinken. Wenn ich Lust auf einen Kaffee habe, gehe ich in ein Café, wo man Espresso bekommt. Wenn ich etwas essen will, gehe ich in ein Restaurant. Es ist wichtig, diese Linie zwischen Cafés und Restaurants zu ziehen. Aus diesem Grund sind viele Cafés pleite gegangen – man hat Suppen zum Kaffeeangebot hinzugefügt. Aleksandra Czarnecka Coffeemoment

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fasste. In Europa lernte man nicht nur den Geschmack des Kaffees zu schätzen, aber auch seine Heileigenschaften. 1795 gelang nach Polen das ins Polnische aus dem Französischen übersetzte Handbuch für Kaffeetrinker von Pierre-Joseph Buc'hoz „Krótka wiadomość o kawie i jej właściwościach i skutkach na zdrowie ludzi spływających...” (dt. „Kurze Nachrichten über Kaffee und seine Eigenschaften und Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit“), laut dessen der Kaffee zum Ende des 18. Jahrhunderts sehr bekannt war.

Der Kaffee auf „polnischer Art“ und die ersten Cafés Mit der Zeit trank man den schwarzen Kaffee ohne jegliche Zusätze nur während der Fastenzeit, das Getränk verfeinert mit Milch, Sahne, Zucker oder sogar einer Prise Salz, genoss man hingegen tagtäglich. Zum Ende des 18. Jahrhundert war der starke Kaffee mit ausgezeichneter Sahne, - auf „polnischer Art” – so bekannt, wie das polnische Brot. Einen Kaffee, der milder war, bezeichnete man als den „deutschen“ oder den „schlesischen Kaffee“. Mit der wachsenden Popularität vom Kaffee fing man an, die so genannten Kaffeehäuser aufzumachen. In Polen liefen sie anfangs unter der Bezeichnung „Kafehausy“ bis sie schließlich in Cafés umbenannt wurden. Das erste Kaffeehaus wurde in Warschau/ Warszawa in der Nähe des Sächsischen Gartens/Ogród Saski 1724 während der Regierungszeit von August dem Starken eröffnet. Das Lokal ging aber schnell bankrott – den Polen fiel es schwer sich zu gewöhnen, ihren Kaffee in der Öffentlichkeit zu trinken. Im 19. Jahrhundert sah es schon ganz anders aus. 1822 gab es in Warschau/Warszawa 122 Cafés und 20 Jahre später waren es schon 180. In Krakau/Kraków waren es 55. Im Laufe der Zeit konnte man einen Kaffee auch in den Wirtshäusern bestellen, wo er mit Alkohol verfeinert wurde.


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Das Getränk war nicht nur in den hohen Kreisen bekannt. Den Kaffee für den reichen Adel brühte eine speziell dafür angestellte Person, die in Polen als „kawiarka“ bezeichnet wurde. Das heiße Getränk wurde den Hausherren ins Bett gebracht und später genoss man den Nachmittagskaffee. Aus Preußen kam nach Polen die Tradition des Mischens von Kaffee mit Zichorie. 1818 gründete Ferdinand Böhm in Włocławek/Leslau die erste Malzkaffeefabrik. Diejenigen, die sich diese Mischung nicht leisten konnten, bedienten sich der Ersatzmittel, die u. a. aus gerösteten Erbsen, Eicheln und Topinambur mit Getreide und Kräutern bestanden.

Kein Tag ohne Kaffee An dieser Stelle überspringen wir zwei Jahrhunderte und lassen die Geschichte des Kaffees an der Weichsel hinter uns. Im 21. Jahrhundert ist das Getränk nichts Neues und keine Luxusware mehr. Ihre verschiedenen Geschmacksarten, Mischungen und Brühmethoden faszinieren die Polen die ganze Zeit. Das steigende Interesse am Kaffee, genau wie ein größerer Verbrauch, gingen Hand in Hand mit der Hinzufügung des Kaffees 2015 in die Ernährungspyramide. Ab diesem Augenblick wurde das Getränk nicht mehr für ein Genussmittel gehalten und die Debatte über seine Schädlichkeit für den menschlichen Organismus wurde beendet. Immer

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mehr wissenschaftliche Untersuchungen untermauerten die These, dass der Kaffee einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat. Zum Beispiel vor kurzem wurde bestätigt, dass vier Tassen Kaffee pro Tag das Risiko des vorzeitigen Todes sogar um 64% verringern. Wenn das nicht eine gute Nachricht für diejenigen ist, die es sich nur schwer vorstellen können, weniger Kaffee zu trinken und jedes Mal Kopfweh bekommen, wenn jemand erwähnt, dass der Kaffee ein Mineralstoffräuber ist, der dem Körper von allem Magnesium entzieht. Es lohnt sich auch zu reflektieren, ob man noch den Ausdruck „eine Tasse Kaffee“ verwenden sollte, da – gemäß den neusten Trends – der Kaffee immer öfter in Bechern getrunken wird. Wennschon, dennschon.


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Die Cafés sind nachmittags sehr wichtig, wenn man sich mit Menschen treffen will. Viele Kunden kommen morgens, dann gibt es eine Pause für die Schule und Arbeit. Die Cafés werden rege im Frühling besucht, wenn man aus dem Haus gehen kann. Das Wetter spielt eine große Rolle für solches Geschäft. Im Winter sieht man manchmal kaum Menschen in der Stadt. Aleksandra Czarnecka Coffeemoment


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Laut den neuesten Untersuchungen gibt sich ein polnischer Durschnittsbürger mit einem Becher täglich zufrieden, aber jeder sechste trinkt viel mehr. Aus den Statistiken geht hervor, dass Kaffee tagtäglich von 83% der Polen getrunken wird und die Hälfte von ihnen beginnt so den Tag. Somit landet Polen auf dem elften Platz hinsichtlich des Kaffeekonsums auf der ganzen Welt, was 95 Liter pro Person jährlich ausmacht, und dies wiederum auf 3 kg Kaffee umgerechnet wird. Die Gründerin und Baristin des Oppelner Cafés Coffeemoment, Aleksandra Czarnecka, unterstreicht, dass Polen diesbezüglich ein differenziertes Land ist: „Ein durchschnittlicher Pole trinkt ca. 3 kg Kaffee jährlich, aber es handelt sich um den westlichen Teil Polens. Im ehemaligen Besatzungsgebiet Preußens trinkt man 1 kg Kaffee pro Bewohner mehr als in ehemaligen Besatzungsgebieten Russlands.“ In den skandinavischen Ländern ist der Kaffeekonsum am höchsten auf der ganzen Welt und beträgt 10-13 kg jährlich pro Bewohner. Die Italiener trinken viel weniger Kaffee – ca. 6 kg. Ähnlich viel trinkt man in Deutschland, Österreich, Frankreich und in Kroatien. Das Thema des konsumierten Kaffees ist ziemlich kompliziert und ist u. a. von der Brühmethode abhängig. „Nicht nur das kältere Klima und die weitverbreitete Tradition des Kaffeetrinkens, die mit Hygge und Fika verbunden ist, sondern auch die Brühmethode machen den großen Unterschied bei der Anzahl der getrunkenen Kaffeetassen bei den Skandinaviern aus. In Skandinavien sind die Filterkaffeemaschinen und die Coffee Dripper sehr populär. Bei diesen Brühmethoden wird relativ die größte Kaffeemenge für eine Tasse verwendet. Für einen traditionellen kleinen Espresso braucht man 7 g Kaffee, für einen Filterkaffee sogar 15 g“, erklärt die Baristin. Die Skandinavier trinken also nicht doppelt so viele Kaffeetassen, wie die Statistiken angeben.

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»Ein kleiner Schwarzer? Nein, danke!« „Der polnische Markt ist ein leckerer Bissen für die Kaffeekonzerne. 37 Mio. Menschen bedeuten ein großes Potenzial in Europa. Dabei muss man noch an die schnellen Veränderungen denken, die man in Polen beobachten kann,“ bemerkt Aleksandra Czarnecka. Die Polen meiden auch nicht die Kaffeeneuheiten, obwohl viele sich noch an die Zeiten erinnern können, als sie Zuhause den gemahlenen Kaffee mit heißem Wasser übergossen haben – mehr konnten sie sich nicht leisten. Aus den Untersuchungen 2019 geht hervor, dass weiterhin auf diese Weise 72% so ihren Kaffee zubereiten. Den nächsten Platz belegen die Liebhaber von Druckbrühautomaten (31%) und Filterkaffeemaschinen (21%). Für Kaffeekapseln entscheiden sich 15% der Kaffeetrinker. Wie sieht es aus der Perspektive der Baristin aus? „Laut den Untersuchungen gibt die Mehrheit die Polen an, dass sie Kaffee trinken. Man sollte sich aber fragen, welchen Kaffee? Ist es ein Kaffee wie von Starbucks auf der Basis vom Espresso, so wie der Kaffee aus unserem Caffeemoment? Nein. Ich vermute, dass ein großer Teil der polnischen Gesellschaft nicht weiß, was ein Espresso ist, und wo der Unterschied zwischen einem Dripper, Aeorpress und French Press liegt. Noch hören wir hinter der Bar ,Ekspresso? Ein kleiner schwarzer kräftiger Kaffee? Nein, nein, danke. Es lohnt sich nicht, dafür zu bezahlen! Fünf Zloty für einen Kaffee im Fingerhut? Und es ist so kräftig, dass man er kaum trinken kann!’“ – zitiert Czarnecka. „Dies sind natürlich Extremfälle, denn mit der Verbreitung des Kaffees an Tankstellen, sind wir besser mit dem Kaffeemenu vertraut. Die große Auswahl zeugt auch davon, dass jeder seinen Kaffee anders trinkt. Es handelt sich doch um Kaffee und nicht um Brühe. Der eine mag einen kleinen kräftigen Kaffee mit ein bisschen Milch – Flat White – lieber. Der andere bevorzugt großen und milchreichen Cafè Latte. Noch vor zehn Jahren wussten viele nicht, was ein Flat White, Americano oder Cafè Mocha ist.“


Löcher im Magen Bleiben wir noch beim Espresso, dem „König des Kaffees“, denn auf der Basis dieser italienischen Rezeptur funktioniert die Mehrheit der Cafés. Wenn man bedenkt, was für ein abwechslungsreiches Menü man aus diesem Kaffee zaubern kann, muss man eine Weile nachdenken, ob der kleine Schwarze wirklich so grausam ist, wie viele denken. In Polen, vor allem unter der älteren Generation, ist die Über-

zeugung verbreitet, dass der Espresso – wegen seiner konzentrierten Formel – gesundheitsschädlich ist. „Das ist einer der populärsten Kaffeemythen. In Polen gibt es einige – und dem mit den Löchern im Magen von Espresso, liegt der Wissensmangel zugrunde“, gibt die Baristin zu. „Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, die Menschen mit unterschiedlichen Brühmethoden vertraut zu machen, denn vom medizinischen Standpunkt ist der in Polen weitverbreitete Instantkaffee nicht die gesündeste Wahl. Frisch gemahlener und frisch gebrühter Kaffee aus

einem Druckbrühautomat ist reich an Kaffeeölen und ergibt sich als die beste Alternative. Ein richtig zubereiteter Espresso ist sehr aromatisch und beinhaltet nicht viel Koffein und andere Reizstoffe. Im letzten Jahrzehnt sind viele Brühmethoden entstanden, die das Kaffeemenü bereichern und sogar den Espresso von seiner Position vertreiben sollten. In den Cafés wurde das


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Segment von Luxuskaffees „Specialty” eingeführt. Vor allem junge Hipster kamen auf den Geschmack von schwarzen, klaren Getränken mit Blumenoder Fruchtaromen. Solcher Aufguss erinnert manchmal gar nicht an den Kaffeegeschmack. In diesen hell gerösteten Arabicaarten, die in Filterkaffeemaschinen gebrüht werden, ist das Säureniveau sehr hoch, genau wie der Koffein- und Reizstoffeinhalt. Ich gebe zu, ich liebe, wenn der Kaffee auf unterschiedliche Art und Weise geröstet oder gebrüht wird. Ich bevorzuge eine Mischung aus Arabica mit ein bisschen Robusta statt eine einheitliche Komposition von Kaffeebohnen. Der Espresso ohne jegliche Zusätze erscheint aber immer als die beste Wahl für mich. Ich finde auch, dass ein Kaffee auf der Basis des italienischen Espressos näher am polnischen Geschmack liegt. Diese charakteristische Bitterkeit, Nussigkeit, Nachgeschmack von Bitterschokolade oder angebrannter Brotkruste ist uns näher als die Säure heller gerösteter Kaffeemischungen, die so populär in Deutschland und in Skandinavien sind.“ Diejenigen, die noch nicht von dem kleinen, starken und dickflüssigen Kaffee, der in einer schweren Tasse serviert wird, überzeugt sind, muss man daran erinnern, wie einfach man aus ihr andere Kaffeeköstlichkeiten zaubern kann. „Natürlich kann man zum Espresso Wasser hinzugeben, genau wie Milch, Eiswürfel oder Geschmackseis, Sahne, Gewürze, Honig und sogar Kokosmilch oder Kokosbutter. Wenn wir den Espresso mit gut geschäumter Milch bereichern, bekommen wir den klassischen Cappuccino, wenn wir ein bisschen mehr Milch gern haben, erhalten wir einen Cafè Latte. Wenn jemand Lust auf ein Kaffeedessert hat, kann etwas Süßes hinzugeben – ein bisschen Karamellsoße oder Schokolade. Auf dem Markt kann man Dutzende Geschmackssirups finden, die sehr beliebt bei den Jugendlichen sind. Für sie dient der Kaffee oftmals als ganzes Frühstück. So ein Geschmackslatte versorgt den jungen Organismus mit

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Diese kulturelle und gesellschaftliche Funktion der Cafés gibt ihren Besitzern und Angestellten ein gutes Gefühl. Dann rechnet man es gar nicht auf Geld um. Manchmal muss man sogar zu diesem Business dazuzahlen, aber man tut es gern, denn man hat einfach Spaß bei dieser Arbeit. Man tut etwas Gutes für andere. Aleksandra Czarnecka Coffeemoment

Kohlenhydraten, Eiweiß, Fett und kostbaren Antioxidationsmitteln, die der Espresso beinhaltet“, erklärt Aleksandra Czarnecka.

Vielleicht einen Flat White? Wir haben zwar gesagt, dass viele Personen stets nicht wissen, was ein Espresso ist, aber das bedeutet nicht, dass andere Kaffeeliebhaber nicht auf den Geschmack des Kaffeetrinkens in Cafés gekommen sind und auf alte Gewohnheiten verzichtet haben. „Früher trank man hier bei uns viel mehr Latte in verschiedenen Geschmackssorten oder viel Mokka mit Schokolade und Schlagsahne. Jetzt bestellen immer mehr Kunden einen Espresso oder doppelten Espresso, einen Cappuccino oder den so bekannten Flat White,“ zieht die Baristin den Vergleich. „Und auf jeden Fall nichts Süßes. Es hat sich in eine guten Richtung entwickelt – von milden Milchkaffees zu kräftigeren und vollmundigen Kaffees. Es entzückt mich jedes Mal, dass die Menschen so sehr ihre Gewohnheiten geändert haben.“ Diese Veränderung bemerkte auch die britische Cafékette Costa Coffee. Aus den Untersuchungen des Giganten geht hervor, dass die Kunden in Polen immer öfter an klassischen Kaffees interessiert sind. Nach dem Flat White, der noch nicht lange in Polen präsent ist, greifen die Menschen genauso oft, wie nach dem gut bekannten Latte oder Cappuccino. Großer Berühmtheit unter den Cafébesuchern erfreuen sich auch

der schon erwähnte Espresso und Cafè Americano. Einen interessanten Trend bilden die Eiskaffees, für welche sich die Polen immer öfter entscheiden. Laut Nielsen betrug ihr Verkaufswert ab Juli 2018 bis Juli 2019 über 60 Mio. Zloty. Das Interesse mit diesen Kaffeesorten ist streng von der Jahreszeit abhängig. In der kalten Version wählen die Kunden vor allen einen Cappuccino, Cafè Latte oder Macchiato. Die Polen wurden von den Cafés verwöhnt – davon zeugt das steigende Interesse an Kaffeemaschinen und Bohnenkaffee. 2019 wurde fast eine halbe Million Kaffeemaschinen verkauft und Bohnenkaffee kauft man in 30% aller Haushalte – lesen wir auf dem Branchenportal portalspożywczy.pl. Das bedeutet, dass immer weniger Personen sich für den Instantkaffee entscheiden – obwohl er weiterhin in Polen sehr beliebt ist – genau wie für den gemahlenen Kaffee.

„Und wenn die Zeit kommt, sind die Cafés überfüllt…“ „…An die Fenster, voller Sterne, | In die Gassen großer Städte, sind wir herangezogen“ – lauten übersetzt die Worte aus dem bekannten polnischen Lied „Kawiarenki“ (dt. die Cafés) gesungen von Irena Jarocka. Obwohl das Lied vor vielen Jahren entstanden ist, hat sich


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am Thema der Cafés nichts viel verändert. Früher galten sie als Treffpunkte von Philosophen, Literaten und Künstlern, Entdeckungsorte junger Talente und Orte, an denen der ein oder andere Aufstand geplant wurde. Heute ziehen sie in Polen immer mehr Menschen an. Die Polen trinken immer öfter ihren Kaffee unterwegs. Für die lokalen Cafés entscheidet sich über die Hälfte der Kundschaft, für Caféketten 13% und für Caféclubs 7%. Diese Plätze haben nichts an ihrer gesellschaftlichen Rolle verloren – hier trifft man sich mit den Freunden und Bekannten. „Der Cafémarkt in Polen wächst sukzessiv seit 20-30 Jahren. Gemeint ist das Kaffeetrinkern außerhalb des eigenen Haushaltes. In den vergangenen 10 Jahren betrug der Marktzuwachs 6-8%” – gibt die Gründerin von Coffeemoment zu. „Große Unternehmen wie Starbucks wussten ganz genau, wo sie ihre Cafés öffnen sollen. Es handelt sich hier um Städte mit mindestens 200 Tsd. Bewohnern. Green Cafè Nero, Starbucks, Costa Coffee und viele anderen haben in Polen Hunderte Standorte.“ In Polen findet man den Kaffee in fast allen Gastronomiepunkten. Aber wo trinken die Polen ihren Kaffee am meisten? Wie sich herausstellt, sind es nicht nur Plätze, die diesem Getränk gewidmet sind, denn er funktioniert weiterhin als Beilage zu einem süßen Dessert oder als Mahlzeitkrönung. „Der Kaffeemarkt Polens ist ziemlich gut in großen und mittelgroßen Städten entwickelt. Das Angebot ist sehr abwechslungsreich. Wir haben Bäckereien mit einem Kaffeestand und Konditoreien mit einer Kaffeeecke. Es gibt auch die klassischen Cafés mit Bedienung und vielseitigem Menü, mit Alkoholgetränken, Essen und Eis,“ listet die Baristin auf. „Und schließlich haben wir solche Kaffeebars wie Coffeemoment oder Starbucks mit einem klaren Businesskonzept, das hauptsächlich auf dem Espresso aufgebaut wurde. Leider gibt es in kleineren polnischen Städten nur wenige solche Kaffeebars, in welchen der Kaffee an der ersten Stelle steht. Viel berühmter sind die Konditoreien und Eisdielen. Es handelt sich um zwei andere Geschäftsideen. In beiden ha-

ben wir eine Kaffeemaschine, aber in einem ist der Kaffee König, und in dem anderen – ein Zusatzelement.“ Bedeutet es, dass man die unabhängigen Cafés in Polen nicht schätzt? Ganz im Gegenteil – sie entstehen die ganze Zeit und werden von ihrer Kundschaft mit einen konkretem Lifestyle verbunden. Genau wie früher, versammeln die Cafés eine gesellschaftliche Gemeinschaft und werden zu einem Teil von ihnen. Aleksandra Czarnecka hat schon mehrere kulturelle Events in ihre Kaffeebar aufgenommen. „Nicht alle Cafébesitzer verstehen, dass sie zu

einem Teil der lokalen Gemeinschaft werden und dass es in diesem Business um etwas mehr geht, als nur den Kaffee. Eine kulturbildende und integrierende Funktion ist immer vom Vorteil für solche Unternehmen. In Oppeln/ Opole genehmigen viele Cafés die Veranstaltung verschiedener Events in ihren Mauern“ – erzählt die Besitzerin von Coffeemoment. Die Bewohner oder die Nichtregierungsorganisationen kommen selbst mit interessanten Initiativen. „Darf ich in ihrem Café meine Bilder oder Fotos aufhängen? Darf ich Menschen einladen, die meine Gedichte hören möchten? Könnten wir eine


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Kunstwerkstatt veranstalten? Dürften wir hier zusammen singen, über unsere Reise erzählen, eine Sprache lernen, ein Interview durchführen…? Es geht nicht um eine einfache Geburtstagsparty. Ein Kunde, der Kaffee trinkt, ist auch in anderen Bereichen tätig, kreiert etwas. Und er muss es irgendwo zeigen.“

Ein Kaffee an der Tankstelle Obwohl die Cafés im Trend liegen, trinken die Polen ihren Kaffee am meisten… an der Tankstelle. Die Tankstel-

lenkette Orlen wird am häufigsten mit Kaffee assoziiert, weiter werden McDonald’s und Starbucks genannt. Die populärste Kaffeeecke ist hingegen Stop Café. „Durch das Interesse an Kaffee entstanden überall Kaffeevollautomaten wie Costa Express“ – gibt die Baristin zu. „Wo es viele Autofahrer gibt, gibt es auch viel Kaffee. Das beobachten wir auch in Polen. Ich finde, dass es von Vorteil für die Autofahrer ist. Besser, wenn sie einen Kaffee trinken statt eines Energydrinks.” Wenn wir Convenience-Geschäfte unter die Lupe nehmen, ergibt sich nur

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ein einziges in Polen vom großen Wert – Żabka. Anderen wird nicht viel Interesse geschenkt. Das Kaffeetrinken in Polen hat eine lange Tradition, obwohl jeder die Vorteile dieses Getränks auf eigene Art und Weise genießt. Das Entdecken neuer Geschmäcker, Aromen und Brühmethoden ist für viele ein Abenteuer, andere hingegen bleiben bei den traditionellen Lösungen. Eins steht aber fest – es ist unmöglich, sich Polen ohne Kaffee vorzustellen.


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Die vergessene Grünbergische Küche von Patrycja Urban

Foto z.V.g. von Grzegorz Biszczanik

Früher hat man sich deutlich anders verköstigt als heute. Heutzutage meiden viele Personen fette Speisen, zählen die Kalorien und halten sich an ihren Ernährungsplan. Das ist das absolute Gegenteil dazu, wofür die damalige Grünbergische Küche, in der fetthaltige Produkte wie Speck, Schwarte und Wurst dominierten, berühmt war.


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Heute wissen nur die wenigsten, welche Speisen damals in Grünberg/Zielona Góra gegessen wurden. Es ist schwer, sie nachzumachen, weil es nicht einfach ist, die originalen Zutaten zu finden, dank denen man wenigsten versuchen könnte, die alten Gerichte zu kochen und zu schmecken. Was haben Menschen damals gegessen? Welche Zutaten waren die Grundlage dieser Küche? Darüber und über andere interessante Informationen spricht der Historiker, Regionalist und Liebhaber der Grünbergischen Geschichte Dr. Grzegorz Biszczanik.

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Patrycja Urban, PolenJournal.de: Wodurch zeichnete sich die Grünbergische Küche aus? Was dominierte auf dem Tisch, als Zielona Góra noch Grünberg genannt wurde? Dr. Grzegorz Biszczanik: In den Zeiten, als die Stadt noch zu Deutschland gehörte, gab es hier die deutsche Küche. Die Stadt war und ist weiterhin auf dem Gebiet des historischen Niederschlesiens, also hat diese Küche hier ihre Spuren hinterlassen. Es sollte viel, fett und gut auf den Tischen serviert werden. Zahlreiche Kartoffeln, Würste, Speck und Schwarte, und alles musste stark gewürzt sein. Kann man heute noch irgendwo mit den Rezepten der damaligen Gerichte in Berührung kommen? Die beste Quelle für die damaligen Rezepte, also aus der Vorkriegszeit in Grünberg, sind Erinnerungen der Bewohner und alte Kochbücher. Leider ist keine Speisekarte aus einem Restaurant erhalten geblieben, oder wurde bisher entdeckt. Bekannt ist die Weinkarte aus dem Weinkeller “Grempler“. Sie befindet sich in der Sammlung des Museums des Lebuser Landes/Muzeum Ziemi Lubuskiej. Es gibt auch eine Weinkarte aus dem damaligen Restaurant “Resursa“, die Teil meiner Sammlung ist. Eine große Hilfe sind die damaligen Pressewerbungen, wo man alte Rezepte aus Grünberg aufsuchen kann. Was wurde an Feiertagen und was unter der Woche gegessen? An Arbeitstagen haben sich die Menschen sattgegessen, aber meistens hat man Fleisch vermieden weil es ziemlich teuer war. Am Sonntag hingegen hat man sehr viel Fleisch auf verschiedener Art verspeist. Wenn nach dem Sonntagsessen vom Fleisch die Brühe übrig blieb, wurde am Montag eine Suppe mit Grütze, Kartoffeln oder Klößen in ihr gekocht. Es durfte nichts verschwendet, alles musste genutzt werden. Man hat sehr viel Früchte- und Kräutertee, der das Verdauen unterstützt, getrunken. An allen Feiertagen in Grünberg war das Gericht Schlesischer Himmelreich populär.

"Nieznana Zielona Góra"/"Unbeknntes Grünberg", Staatsarchiv Zielona Góra, z.V.g. von Grzegorz Biszczanik

Gab es oder gibt es immer noch Zutaten, die damals am liebsten ver-

Dr. Grzegorz Biszczanik wendet wurden, oder die man als charakteristisch bezeichnen könnte? Zu den charakteristischen Zutaten gehören Kartoffeln, sowohl die normalen als auch die roten. Aus ihnen hat man den sehr beliebten Kartoffelkuchen gemacht. Es wurde auch viel Gemüse gegessen und allgemein wurde u. a. Kohl und Spargel, in verschiedener Form gegessen. Worauf basierte die Grünbergische Küche? Die Bewohner von Grünberg liebten Klöße, mit denen man einfach und schnell den Hunger stillen konnte. Unersetzlich war auch der Kartoffelkuchen mit Grieben und Speck. Die Bewohner liebten auch Suppen. Auf Schwänzen mit Schinken und Wein oder mit frischer Wurst vom Schweineschlachten. Sind die Menschen damals auch in Restaurants gegangen oder haben sie nur zu Hause gekocht? An Werktagen speisten die Angestellten der Großstadtfabriken und einige Einwohner in Restaurants und Wirtshäusern, von denen es in der Stadt über 60 gab! Das war kein großer Budgetverlust, denn die Bratwurst kostete vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 30 Pfennig und wurde mit gebratenem Kohl und frischem Bier serviert! Nach dem Fruchtstück wurden Heringe, die in Speck eingewickelt waren, als Snacks serviert.


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hoher Qualität, sondern auch Lokale von geringer Qualität, die jedem Bewohner zur Verfügung standen. Dort konnte man Gerichte aus einer schmalen Speisekarte mit empfohlenen Spezialitäten essen, also gekochte oder gebratene Wurst. In dem heute nicht mehr existierenden Gasthaus “Zajazd Pod Wielorybem“ konnte man frischgepressten Himbeeren- oder Johannisbeerensaft trinken. Natürlich durfte auch die Hausmannkost nicht fehlen, die man in dem Gartenrestaurant “Viktoriagarten“ genießen konnte. Dort wurden frische Pfannkuchen und hausgemachtes Gebäck probiert. Das war ein Familienrestaurant, in dem die Familie kochte, backte und verkaufte.

Was wurde noch in den Restaurants angeboten? In eleganten grünbergischen Restaurants konnte man Speisen essen, die es heute nicht mehr gibt. Beliebt waren zum Beispiel Suppen aus Hundrose, Erbsen, Äpfeln oder aus Brot mit Gänse- und Enteninnereien. Hochgeschätzt war auch die Biersuppe mit Milch und gequirlten, rohen Eiern. Oft und in vielen Restaurants wurde Schweineschlachten veranstaltet. Danach hat man das gegessen, was beim Schlachten das Beste war, also Fleisch. Die Wirtshäuser haben zu Schwanzsuppen mit Schinken und Wein oder Schwanzsuppen mit frischer Wurst eingeladen. Zu den Gerichten, die es heutzutage nicht mehr gibt, gehörten frische Eier von Möwen oder Tauben. In dem Restaurant “Ratskeller“ im Rathaus konnte man Gerichte aus Gänsen essen und in dem nahe liegenden Hotel “Pod Trzema Murzynami“ konnte man verschiedene Schweinshaxen, Koteletts in Gelee genießen und dazu das frische Bier - Bockbier/Koźlak - trinken. In diesem Hotel fanden große Bierfeste dieses Bieres statt. Was vermutlich einige wundern wird, es gab auch polnische Akzente. Das Hotel “Wahla“, das sich an der heutigen Jan III. Sobieski Straße befunden hat, hatte auf seiner Speisekarte blauen Karpfen in polnischer Soße und Erbsensuppe auf Schweinsohren. Im “Reichsadler Hotel“ an der heutigen Jedności-10-Straße konnte man Rebhuhn-Gerichte, aber auch gebratene Tauben essen. Ein anderes örtliches Hotel, das Hotel “Deutsches Haus“, das sich in der gleichen Straße befand, bot frisches Schweinefleisch und Entengerichte an. Womit lockten die exklusiven Orte an? Wie unterschiedlich waren die Karten zwischen Restaurants für die wohlhabenden und die etwas ärmeren Einwohner? In exklusiven Restaurants, wie zum Beispiel “Resura“, wurden mehrere Arten von Menüs angeboten: Frühstücks-, Mittagessens- oder Weinkarten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kostete ein Glas Port fünf Silbergroschen, ein Quart Spiritus

In allen Lokalen war man dem Alkohol nicht abgeneigt, und Bier lag an der Spitze. Die Auswahl an Alkohol war aber deutlich größer, es gab z. B. Apfelschaumwein, Cherry, Arak und lokalen Wein. Gibt es einen großen Unterschied zwischen der damaligen und der heutigen Küche?

"Nieznana Zielona Góra"/"Unbeknntes Grünberg", Staatsarchiv Zielona Góra, z.V.g. von Grzegorz Biszczanik

kostete genauso viel und für ein Brotlaib musste man drei Silbergroschen bezahlen. Somit war es kein Restaurant für einen durchschnittlichen Bewohner von Grünberg. Der Weinkeller “Alter Fritz“ an der heutigen Sikorskiego-6-Straße war das einzige Restaurant in Grünberg, das Austern aus Ostende, schwarzen Astrachankaviar und Krebsgerichte angeboten hat. Natürlich gab es in Grünberg nicht nur Restaurants und Wirtshäuser von

Es ist schwer, auf die Frage zu antworten, weil 1945 Grünberg zu Zielona Góra wurde. Die damaligen Bewohner sind nach Deutschland gegangen und hierhin kam die polnische Gesellschaft, die ihre eigenen Rezepte, Gerichte und Gewohnheiten mitbrachte. Somit veränderte sich auch die lokale Küche. Die damaligen Bewohner von Grünberg, die in der Stadt und der Umgebung geblieben sind, und ihre Familien, pflegen bis heute die damalige kulinarische Tradition. Die Küche von Drossen, die sich definitiv von der bis 1945 in dieser Region Dominierenden unterscheidet, entwickelte sich erst. Kann man heute irgendwo die damaligen Spezialitäten kosten? Derzeit serviert kein Restaurant in Grünberg die Vorkriegsspezialitäten. Es gibt in der Stadt kein Restaurant, das die alten Gerichte aufgreifen würde. Es gab Versuche, aber leider kam nichts dabei heraus. Schade.


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Eine Wasserroute wird neu zum Leben erweckt

von Piotr Piela

Dominik Dobrowolski, ein bekannter polnischer Ökologe und Globetrotter, will eine neue, umwelt- und klimafreundliche Verbindung zwischen Wrocław/ Breslau und Berlin aufbauen. Um sein Ziel zu erreichen, will er Anfang Juli gemeinsam mit einer Gruppe von Abenteurern rund 500 Kilometer mithilfe von Paddelbooten und anderen Wasserfahrzeugen zurücklegen. Die Aktion wird unter dem Motto «Zero Waste», also im Geiste des klimafreundlichen Tourismus ausgetragen, mit der Hoffnung auf unvergessliche Erfahrungen und auf die Knüpfung neuer Freundschaften zwischen Deutschen, Polen und anderen Teilnehmern der Tour.

Foto z.V.g. von Dominik Dobrowolski


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D

ie Idee für den Paddelboot-Umweltschutz der Flüsse ist vor 10 Jahren entstanden, auf einem anderen Öko-Fahrzeug, also dem Fahrrad. Im Jahre 2010 umkreiste Dominik Dobrowolski im Rahmen des Projekts Cycling Recycling auf dem Fahrrad die ganze Ostsee (6.000 Kilometer) und leistete eine Menge Überzeugungsarbeit, um das baltische Meer vor der Verschmutzung zu schützen. Ein Jahr später hat die erste Paddeltour für den Umweltschutz stattgefunden. Seit dem

reinigte und legte er mehr als 10.000 Kilometer von Wasserrouten (Flüsse, Seen, Ostsee) in Polen und in Europa zurück. Die Entfernungen und die Kilometerzahl sind hier jedoch unwichtig. Bedeutung haben nur Lösungen, die dem Umweltschutz einen internationalen und holistisches Ausmaß verleihen. “Ich verwende diesen Termin, weil heutzutage der Umweltschutz und die Ökologie ein gemeinsamer Nenner für die Zusammenarbeit der Wirtschaft, Ökonomie, Bildung, der Kultur sowie Politik und der demokratischen Gesell-

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schaft sind”, erklärt der Ökologe und Globetrotter aus Wrocław/Breslau. “Ich habe so einen Slogan «Hinterlasse nur einen Fußabdruck im Sand, aber keinen Müll»”, fügt Dominik Dobrowolski hinzu. Seit Jahren versucht der Ökoglobetrotter das Wasser und die natürliche Umwelt der Ostsee zu schützen. Er gibt jedoch selbst zu, dass nur das Aufräumen und Herausfischen von Müll das Problem nicht lösen wird. “In Anlehnung an die Tatsache, dass rund 80% des Mülls in der Ostsee dort vom Lande hinaus, größtenteils mit den Flüssen strömt, habe ich festgestellt, dass man die Quelle dafür aufschließen muss. Deswegen habe ich mich entschlossen, dass ich selbst sehe, was mit diesen Flüssen herunter kommt. So habe ich eine Reihe von Paddeltouren unter dem Namen «Recykling Rejs» geplant.” Jede Tour war anders, so ist es auch im Fall von jener, die für 2020 eingeplant wurde. Was bleibt, ist aber dasselbe Ziel – die lokalen Gesellschaften für den Schutz der Gewässerverschmutzung zu animieren und Systemlösungen zu finden, die den Gewässerschutz und das Bewusstsein der Menschen, auf eine neue, höhere Ebene hinaus tragen.

Aus Liebe zur Natur Das Interesse an der Paddeltour Richtung Berlin hat selbst die Erwartungen des Ökologen übertroffen. Das, was anfangs als ein Kreuzweg einer einsamen Person erschien, hat verschiedene Gruppen, Kreise und Menschen zusammengebracht. “Ganz am Anfang wollte ich nur sehen, ob die Aktion überhaupt einen Einfluss auf die Menschen nehmen wird. Ob jemand Interesse zeigt und sich anschließt. Es stellte sich heraus, dass die allererste Tour im Jahr 2011 sehr gut bei den Medien angekommen ist, und überraschend haben auf diese Weise ein Paar Millionen Menschen davon erfahren. Das Telefon hat angefangen zu klingeln, die Mails zu strömen. Die Leute haben gefragt, was wir machen und wie sie sich anschließen können. So habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt”. In den Folgejahren paddelte Dominik Dobrowolski kreuz und quer durch Polen und wenn er gerade keine Tour


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Foto z.V.g. von Dominik Dobrowolski

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Wenn man mit dem Kanu paddelt, dann schaut man auf die Natur mit ihren Augen, also aus der Sicht der Wasservögel, Fische, Lurche, Reptilien oder Säugetiere. Wir sind ein Teil von ihr. Es gibt keinen Smog, keinen Lärm, wir atmen saubere Luft ein und sind im Rhythmus der Natur und der über uns kreisenden Sonne. Wir bekommen Dinge zu sehen, die sonst vom Auto aus unmöglich zu sehen sind. Wir paddeln nur ein paar Meter an Rehen vorbei, die am Ufer Wasser trinken. Vor uns springen ein Meter lange Welse aus dem Wasser, wir passieren kleine Enten und über uns kreisen Adler am blauen Himmel. So bemerken wir die Schönheit der Natur. Wunderschön ist es auch am frühen Morgen, als sich der Nebel über dem Wasserspiegel erhebt. Es ist einfach einzigartig und unvergleichlich. Dominik Dobrowolski

unternahm, dann traf er sich mit Menschen, um sie mit seiner Sorge um die Natur anzustecken. “All diese Tätigkeiten bringen eine Reflexion mit und nach jedem Projekt entsteht ein weiteres oder eine neue Idee”, erklärt der Ökologe und fügt gleich hinzu, dass er immer davon geträumt hat, die Route von Breslau/Wroclaw nach Berlin zurückzulegen, um am Ende auf dem Berliner Alexanderplatz zu stehen. “Müll kennt schließlich keine Grenzen und so dachte ich mir, dass es eine interessante und zugleich perfekte Strecke für eine internationale Paddeltour mit verschiedenen Kanuten ist. Es wird jedoch nicht nur gepaddelt und sauber gemacht. Mithilfe der Teilnehmer wollen wir ein Zeichen setzen, so wird auch die Tour klimaneutral. Ich will auch, dass nach dieser Aktion und nach jeder weiteren ein gemeinsamer Wald entsteht, den wir pflanzen werden”. Die Tour wird unter dem Motto “zero waste“ ausgetragen, das heißt, dass die Teilnehmer versuchen werden, so wenig Müll zu produzieren, wie es nur geht. Behilflich sind hier auch die Veranstalter, die das ganze entsprechend


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Bei solchen Veranstaltungen spielt die Sicherheit die Schlüsselrolle. Man darf nicht die Rettungswesten sowie wasserdichte und von der Qualität gute Schoner für Elektrogeräte vergessen. Vor der Tour muss man auch das Paddelboot prüfen und selbstverständlich ein Ersatzpaddel einpacken. Dominik Dobrowolski

eingeplant haben. Die ganze Strecke, die rund 500 Kilometer umfasst, wurde beispielsweise in kürzere Abschnitte bis zu 50 Kilometer pro Tag aufgeteilt. Das ist jedoch bei Weitem nicht alles. “Wir wollen lokal einkaufen und die lokalen Unternehmer und Geschäfte unterstützen. Gleichzeitig werden wir auf überflüssige Einwegverpackungen verzichten. Alle Abfälle werden sortiert und später recycelt.”

Unterhaltung und Reflexion Der Mensch lebt nicht im Paddelboot allein und so entschloss sich Dominik Dobrowolski sich auch um die Unterhaltung der Teilnehmer zu kümmern. “Ich hatte schon immer einen Sinn für Kunst und Kultur. Deswegen plane ich an allen Orten, wo wir ein Biwak haben werden, Konzerte, Diskussionen oder Treffen mit interessanten Menschen zu veranstalten. Bei gutem Wetter zünden wir ein Lagerfeuer an. Sollte ein Teilnehmer eine Gitarre mit sich haben, dann werden wir auch gemeinsam feiern. Alles ist ferienartig vorbereitet. Wir wollen den ganzen Tag paddeln und am Abend die Zeit gemütlich

Foto z.V.g. von Dominik Dobrowolski

am Lagerfeuer oder in Kneipen oder Orten, die wir besuchen werden, verbringen. Jeder von uns sollte aus der Tour schöne Erfahrungen mitnehmen, sodass sie lange in Erinnerung bleibt”, erklärt der Ökologe. Auf dem Weg wird es auch nicht an Sehenswürdigkeiten und Attraktionen mangeln. Beim Paddeln auf der Oder und später der wilden Spree bekommen die Abenteurer u.a. das Kloster Leubus zu sehen, oder können eine Verkostung in dem Weingut in Gotschorze/Goskar, dass als einziges im ganzen Land Champagner produziert, machen. Schloss- und Palastruinen, sowie schöne Städtchen und Landschaften dürfen natürlich nicht fehlen. “Man bekommt was zu sehen, eine Unterkunft und eine Möglichkeit, die lokale Küche für sich zu entdecken. Wir werden das Wasser genießen und andere motivieren, damit sie sich um die Gewässer kümmern”, fügt er hinzu.

Mit vereinten Kräften ans Ziel kommen

SUP-Boards, Booten sowie sogar Yachten und Wohnbooten, weil solche sich auch gemeldet haben, bestätigt. “Wenn jemand mit uns ohne verbissene Rivalität, aber im Geiste gegenseitiger Hilfe und Zusammenarbeit paddeln will, dann lade ich ganz herzlich dazu ein. Das Wichtigste ist aber, dass die Veranstaltung sicher stattfindet, wir wollen keinen Müll hinterlassen und neue Freunde und Erinnerungen gewinnen”, lädt der Veranstalter ein und fügt hinzu, dass an der Tour auch Menschen teilnehmen können, die aus verschiedenen Gründen nicht die ganze Strecke absolvieren können. “Jeder kann sich anschließen sowohl auf Wasser als auch auf dem Land. Willkommen sind auch alle, die nur einen Teil der Route mitpaddeln oder uns beim Aufräumen der Ufer unterstützen wollen. Sie müssen sich aber dessen bewusst sein, dass sie das Boot auf eigene Faust wassern müssen und selber für die Rückreise verantwortlich sind”, erklärt Dominik Dobrowolski.

Das Wasser kann man nicht nur mit dem Paddelboot genießen. Die Teilnahme an der Tour haben bereits Menschen mit Kanus, Schlauchbooten,

Alle, die ihre Teilnahme an der Tour bestätigten, die für den 3. bis 12. Juli eingeplant wurde, können auf die Unterstützung der Veranstalter hoffen,


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die im Rahmen der organisatorischen Gebühr den Transport der Paddelboote sowie Personen aus Berlin nach Breslau/Wrocław gewährleisten. “Unsere Tour nimmt die Form einer Non-Profit-Veranstaltung ein, also verdient keiner einen einzigen Cent dabei. Gewisse Logitstik- und Organisationskosten müssen aber gedeckt werden. Gleichzeitig müssen alle diszipliniert und selbstständig sein. Es ist keine Veranstaltung, die von A bis Z organisiert wird und die Teilnehmer nur Geld zahlen und sich später um nichts kümmern müssen”, erinnert Dominik Dobrowolski.

Die eigene Heimat lieben lernen Für wen ist also die Tour von Breslau/ Wrocław nach Berlin ideal geeignet? Der Ökologe eilt mit einer Erklärung herbei: “Ich möchte, dass an diesem Projekt Leute teilnehmen, die eine gewisse Erfahrung mit Kanusport haben. Die Distanzen sind nicht kurz und es ist nicht so, dass man von der Strömung mitgetragen wird. Man muss in der Frühe aufstehen und dann 10 Stun-

Foto z.V.g. von Dominik Dobrowolski

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Ich bin eine Privatperson und vertrete keine Organisation. Ich bin einfach der Dominik Dobrowolski. So war ich überrascht, wie viele Menschen Interesse an der Tour zeigen. Es gab bereits Anrufe aus Russland, Deutschland oder Ungarn. Es wird also eine internationale Veranstaltung, die wir nicht nur mithilfe von Fotos, sondern auch mit einem Film dokumentieren wollen. Dominik Dobrowolski

den paddeln, um die 50 Kilometer zurückzulegen. Das ist machbar, aber es braucht Selbstdisziplin”, fügt er hinzu, mit Verweis auf die Tourordnung, wo die Strecken zusammen mit der zeitlichen Einordnung aufgelistet sind. Am Abend vor dem Start (2. Juli) ist ein gemeinsames Essen zusammen mit einem organisatorischen Treffen geplant, bei dem man mehr Informationen und ein paar nützliche Hinweise zur Paddeltour bekommen kann. Eine kleine Überraschung wartet auch auf die Teilnehmer beim Finale in Berlin. Während der Abschlussparty werden auch attraktive Preise unter den Teilnehmern ausgelost - Paddel und andere Paddelgadgets. An Erinerrungsshirts und Fotos kommt man auch nicht vorbei. Dies ist auch eine entsprechende Krönung der Eröffnung der neuen Wasseroute zwischen Wrocław/Breslau und Berlin, die auf diese Weise ein neues, ökologischen Flair erlangt. “Ich möchte, dass diese Tour den Anfang einer großen Sache markiert, die mit der Zeit regelmäßig, aber nicht monoton veranstaltet wird. Ich will, dass sie von Konzerten, Diskussionen, Ausstellungen oder Aufführungen begleitet wird. Wenn jemand Lust hat, die Tour auf irgendeine Weise zu bereichern, dann hat er meine Neugier. Ich kaufe ihm jede Idee ab, die positiv und Öko ist!”, so Dominik Dobrowolski, der appelliert: “Wir müssen lernen unsere Heimatorte zu lieben. Wenn diese Liebe echt ist, dann lassen wir nicht zu, dass ein Nachbar Abwasser in den Fluss, an dem wir wohnen, leitet und dass ein anderer Tiere wildert. Wir müssen lernen diese eigene, kleine Heimat zu lieben und dann werden wir uns sicher um die Umwelt und Sauberkeit kümmern. Hinterlassen wir nur diesen Fußabdruck im Sand und keinen Müll.”


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ELECTRO

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FESTIVALS IN POLEN VON SARAH GANDYRA

DER BEGINN DES SOMMERS IST EIN LANG ERWARTETER MOMENT IM KALENDER FÜR MUSIKFANS, WEIL DANN FÜR SIE DIE GANZ GROSSE PARTY BEGINNT. OBWOHL DIESES JAHR TRAURIGE NACHRICHTEN FÜR DIEJENIGEN GEBRACHT HAT, DIE AUF VERSCHIEDENE VERANSTALTUNGEN WARTEN, HABEN WIR TROTZDEM BESCHLOSSEN, EINEN BLICK AUF POLNISCHE ELEKTROMUSIKFESTIVALS ZU WERFEN, DIE VON JAHR ZU JAHR MEHR ENTHUSIASTEN GEWINNEN.


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DER BEGRIFF "ELEKTRONISCHE MUSIK" ERSCHIEN ERSTMALS MITTE DES 20. JAHRHUNDERTS. ER BEZOG SICH AUF MUSIK, DIE AUSSCHLIESSLICH MITHILFE ELEKTROMECHANISCHER UND ELEKTRONISCHER MUSIKINSTRUMENTE KOMPONIERT WURDE. DIESER TREND UMFASST ELEKTRONISCHE GERÄTE, DIE IN DER LAGE SIND, NICHT MUSIKALISCHE KLÄNGE ODER SOLCHE, DIE VON TRADITIONELLEN AKUSTISCHEN INSTRUMENTEN ERZEUGT WERDEN,

Foto z.V.g. von Instytut Festival Music & Art

ZU VERARBEITEN. IM LAUFE VIELER JAHRZEHNTE HABEN SICH ZAHLREICHE ARTEN HERAUSGEBILDET, DIE AUS EINEM EINZIGEN ELEKTRONISCHEN MUSIKBAUM GEWACHSEN SIND. UNTER ELEKTRONISCHER MUSIK WURDEN SOLCHE ARTEN, WIE ELECTRO, HOUSE, TECHNO UND TRANCE IN DIESEM ARTIKEL ZUSAMMENGEFASST. ES GIBT VIELE FESTIVALS IN POLEN. JEDER KANN SICH ETWAS AUSSUCHEN, DENN JEDES EVENT BIETET ETWAS

ANDERES AN. DIE VERANSTALTUNGEN ZIEHEN SOWOHL MIT WELTKLASSESTARS, WIE AUCH MIT INTERESSANTEN WORKSHOPS AN. BEIM GUTEN WETTER, KANN MAN DEN URLAUB AUF DEM FESTIVAL VERBRINGEN. VERSCHIEDENE ARTEN VON ENTSPANNUNGSZONEN, SCHWIMMBÄDER, GUTES ESSEN UND VIELE ANDERE ATTRAKTIONEN ERMÖGLICHEN DIE PERFEKTE ERHOLUNG.


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ELECTROMUSIK VOLL IM TREND

Sunrise Festival, Audioriver Festival, Instytut Festival Music & Art, Revive Festival, Summer Contrast Festival, Heartbeat Festival und Mamry Music Festival - dies sind die interessantesten Elektro-Musikfestivals, die in Polen stattfinden. Obwohl die obige Zusammenstellung sehr interessant aussieht, ist Polen ein Land, in dem sich das Interesse für solche Veranstaltungen noch entwickelt. Wenn es um elektronische Musik geht, ist sie in Polen noch nicht so populär wie andere Musikgenres. "Der polnische Markt entwickelt sich gerade. Vieles im Bereich der elektronischen Musik in Polen humpelt und krabbelt. Deutschland ist definitiv die Hauptstadt der elektronischen Musik. Alles begann in Berlin. Polen könnte ein Vorraum dafür sein, da die Entwicklung in diesem Thema hauptsächlich durch Preisunterschiede, Geschichte und Mentalität der Polen behindert wird. Trotzdem gehen wir weiter, in die richtige Richtung" - erklärt Hubert Czarny, Veranstalter des Summer Contrast Festivals. Warum? "Ich denke, die Barriere besteht darin, dass wir Zloty statt Euro haben. Nehmen wir an, dass ein Musikkünstler 10.000 Euro kostet. Hinzu kommen Agentur- und Flugkosten. In Deutschland ist es kein Problem, diesen Künstler zu einer Clubparty einzuladen, denn jeder zahlt 20 Euro für den Eintritt und die Veranstalter sind in der Lage, den Auftritt des Künstlers zu bezahlen. In Polen ist es jedoch eine unvorstellbare Situation, 80 Zloty für einen solchen Eintritt zu bezahlen. Tickets für ein Festival in Deutschland kosten 300 Euro, in Polen 250 Zloty. Wir müssen für die Künstler dasselbe bezahlen, also ist es für uns einfach schwer" - sagt Hubert Czarny. Die Meinungen zu diesem Thema sind jedoch geteilt. Die Veranstalter des Mamry Music Festivals - Aleksander Iwaniuk und Mateusz Polakowski glauben, dass "Polen ein bedeutender Ort werden kann, in dem Musikfestivals stattfinden. Die Erfahrungen anderer Musikfestivals zeigen, dass ausländische Musiker gerne hierher kommen. Polnische Clubber wissen, wie man feiert".

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Iwona Korzybska, die Veranstalterin des Instytut Festivals Music & Art glaubt, "dass Polen zur Hauptstadt der elektronischen Musik werden kann. Die Frage ist, ob es tatsächlich so sein wird. Das ist schwer zu beantworten, weil es unmöglich ist, Polen mit solchen Ländern wie die Niederlande oder Deutschland zu vergleichen. Aber ich glaube, dass es in diese Richtung geht. Vielleicht wird Warschau/Warszawa eines Tages das zweite Berlin sein?" Eine ähnliche Ansicht vertritt Terstin Lichwała: "Es ist schwer zu sagen, ob Polen die europäische Hauptstadt der elektronischen Musik ist. Die Bühne hat ihre Wurzeln in Deutschland, vor allem in Berlin. Zur Zeit erlebt sie ihre Blütezeit auch in Georgien oder in den Niederlanden. Die Funktionsweise der ausländischen Bühne unterscheidet sich sehr von unserer, aber ich denke, dass es keine Qualitätslücke gibt und wenn es um Energie und Einstellung der Veranstaltungsteilnehmer geht, kann es sogar viel besser ausfallen. Normalerweise bemerken es auch die DJ's, die zu uns kommen "- fasst der Veranstalter des Revive Festivals zusammen.

DIE FESTIVALANZIEHUNGSKRAFT Was zieht mehr an? Die Musik oder vielleicht der Ort selbst? Bei Open-Air-Festivals scheinen diese beiden Faktoren, wie die Organisatoren des Mamry Music Festival Aleksander Iwaniuk und Mateusz Polakowski feststellen, ausschlaggebend zu sein. “Im Fall des Mamry Music Festivals ist es ein Strand am Schwenzait See/Jezioro Święcajty". Hubert Czarny bemerkt hingegen die Verbindungen zwischen anderen Kulturformen: "Ich denke, mit einem Festival ist es dasselbe wie mit Kino oder Theater - wenn etwas fehlt,


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Foto z.V.g. von Instytut Festival Music & Art

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suchen wir es draußen". Wie er betont, ist es vor allem die Musik, die die Menschen auf Festivals anzieht, aber neben ihr sind es auch andere Fans und die Gelegenheit, sich von der Realität zu lösen. Es stellt sich heraus, dass Festivals einen weiteren Vorteil gegenüber Clubkonzerten haben - die Anzahl von Künstlern, die an einem Ort auftreten. Deshalb betont Terstin Lichwała: "Es ist definitiv ein grundlegender Unterschied zwischen einem Club und einem Festival, denn normalerweise bietet sogar eine große Clubparty nicht so viel an. Außerdem waren Festivals immer wegen der Technik oder des Soundsystems interessant, denn normalerweise sind sie viel stärker als im Club". Viele Festivals finden an interessanten Orten statt und jede Ausgabe wird von Jahr zu Jahr besser, was wir im Club während jedes Wochenendes nicht erwarten können.” An einem neuen, oft überraschenden Ort sein zu dürfen, ist einer der Aspekte, der die Atmosphäre einer Party beeinflussen. Außerdem sind es die Menschen, die wie gute Freunde sind,

Foto z.V.g. von Instytut Festival Music & Art

obwohl man sie erst kennengelernt hat. "Auf dem Festival treffen sich Leute mit ähnlichen Interessen und sie hören dieselbe Musik, können sich gemeinsam entspannen und etwas Neues und Interessantes sehen“, listet Iwona Korzybska vom Instytut Festival Music & Art die Vorteile auf.

ihnen bekannt sind, und hier muss man sich packen, ein Auto organisieren, tanken und losfahren. Das Festival findet an einem Ort statt, zu welchen praktisch ganz Polen 300-600 km zu uns fahren muss, also muss man für diese Gelegenheit einen Urlaub nehmen. In Polen hat man vier Urlaubswochen im Jahr, also bucht man eine davon für einen Ausflug auf eine Wiese in einem Dorf. Da muss man schon feststellen, dass es sich um offene Menschen handelt.”

OFFEN FÜR NEUES FANS AUS GANZER WELT

Obwohl es scheinen mag, dass die Fans einer bestimmten Musikart, eine Gruppe bilden, die leicht zu definieren ist, wird man schnell erkennen, dass es bei Electro-Musikfans nicht gerade der Fall ist. Das Summer Contrast Festival wird von Ärzten, Anwälten, Mitarbeitern von Tankstellen und Żabka-Angestellten besucht" - sagt der Organisator. Außer der Vorliebe für Musik, teilen diese Menschen die Bereitschaft, sich auf den Weg zu machen. "Ich denke, dass es für die Polen ziemlich selten ist, weil sie sich gerne sicher fühlen, Dinge tun, die

Es stellt sich jedoch heraus, dass nicht nur polnische Fans bereit sind, an den Festivals teilzunehmen. Viele Gäste kommen aus dem Ausland - meistens aus Deutschland, Großbritannien, der Tschechischen Republik, Italien und der Ukraine. Deutlich weniger Menschen kommen aus dem nördlichen Teil Europas oder sogar aus dem weit entfernten Japan oder Kanada. Viele


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SUNRISE FESTIVAL Es ist eins der populärsten Electro-Festivals in Polen. Die Veranstaltung findet in Kołobrzeg/Kolberg in der letzten Juliwoche statt und dauert drei Tage. 16 Jahre lang fand das Festival im Amphitheater in Kołobrzeg/Kolberg statt, aber im vergangenen Jahr zog das Festival auf den ehemaligen Flughafen in Podczele (östlicher Teil der Stadt) um. Dank des Ortswechsels konnten die Veranstalter 5 Musikszenen für verschiedene Musikarten, eine viel größere Gastronomie-, Entspannungs- und Unterhaltungszone zur Verfügung stellen. Dazu kommt noch ein Campingplatz mit Ferienhäusern, der SunCity genannt wird. Der aktuelle Veranstalter ist MDT Agency (Music Defeats Time), aber der Hauptgründer war Dj Kris. Im vergangenen Jahr wurde das Festival von 100.000 Personen besucht und es traten weltberühmte Stars auf, darunter Armin van Buuren, The Chainsmokers, Afrojack, Timmy Trumpet, Fedde Le Grand, W&W, Headhunterz und viele andere.

AUDIORIVER FESTIVAL von ihnen sind Studenten, die ihr Austauschjahr an der Weichsel verbringen. Das Schlüsselwort für die Beschreibung der Festivalgäste bleibt die Offenheit, wie es bereits Hubert Czarny erklärte. Der Veranstalter des Revive Festivals hat eine ähnliche Meinung zu diesem Thema - "Besondere Empfänger des Revive Festivals sind junge Menschen und diejenigen, die nach etwas Neuem und neuen Erfahrungen in ihrem Leben suchen. Hier geht es nicht nur um Musik, sondern auch um einen Lifestyle", erklärt Terstin Lichwała. Iwona Korzybska sagt dagegen, dass es sich um Menschen handelt, die "etwas anderes sehen wollen, und auch die Verbindung von Musik und Kunst erleben möchten".

Das Festival findet seit 15 Jahren in Płock/Plock statt. Während des Festivals ist die Stadt voller Musikakzente und zieht im Laufe des Jahres viele Touristen an. Es ist ein Festival, das ebenfalls drei Tage dauert und am selben Wochenende wie das Sunrise Festival ausgetragen wird. Am Freitag und Samstag findet das Festival am malerischen Strand an der Weichsel statt. Letztes Jahr gab es neun Bühnen und Zonen mit Konzerten ausländischer und polnischer Musiker. Während des Festivals findet auf dem alten Marktplatz die Musikmesse Audioriver statt, wo man die Künstler treffen kann.

INSTYTUT FESTIVAL MUSIC & ART Ein Fest für alle Liebhaber elektronischer Musik. Das Festival findet in der Garnizon Modlin in Nowy Dwór Mazowiecki in Warszawa/Warschau statt. Es ist das längste Gebäude Europas und das zweitlängste der Welt. Das Festival bietet solche Bühnen wie die Cannon Stage, Rave Stage und New Moon Stage sowie drei Hybridszenen in einer einzigartigen Umgebung an. "Der Standort ist unser ein und alles. Es ist ein riesiges, architektonisch schönes Gebäude, welches uns große Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Es ist ein idealer Ort für ein Festival, perfekt mit den Verkehrswegen vernetzt" - gibt Iwona Korzybska an. Im Schlossgebäude gibt es während des Festivals eine Kunstausstellung.


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DAS GELD BRINGT KEIN GLÜCK? Es ist vielleicht nicht möglich, alles für Geld zu kaufen, aber es ist definitiv ein wichtiger Punkt bei der Planung einer Reise. Kann der Preis von einer Teilnahme am Festival abhalten? Oder lassen die Musik und das Versprechen toller Erinnerungen das Pendel zu ihren Gunsten ausschlagen? Es fällt nicht leicht, eine eindeutige Antwort auf diese Fragen zu geben. Terstin Lichwała versucht zu überzeugen, dass es die Künstler und die Erlebnisse sind, die für die Teilnehmer wichtig sind. Da Festivals nicht jede Woche stattfinden, sei es kein Problem, ein wenig mehr für dieses Vergnügen zu bezahlen - so der Veranstalter. "Ich denke, dass es für Fans am wichtigsten ist, Geld für die Künstler auszugeben, für Musik, die sie hören möchten, für die erstklassige Bühnenbeschallung, für interessante Räume und für zusätzliche Attraktionen. Natürlich, wie man weiß, dürfen die Preise nicht zu hoch sein und manchmal sind die Menschen mit ihnen unzufrieden. Glücklicherweise versteht der größte Teil des Publikums, wie hoch die Kosten sind, die wir als Veranstalter tragen, und ist dann auch bereit, mehr für die Tickets zu bezahlen. Ein interessantes Programm ist aber die Voraussetzung, sonst geben selbst die größten Fans die Teilnahme auf", sagt der Veranstalter des Revive Festivals. Iwona Korzybska betont dagegen, wie wichtig der erste Eindruck ist - "wenn jemand ein Festival einmal besucht hat und mit allem, was er anbot, sehr zufrieden war, kommt er gerne wieder und der Preis wird für ihn keine Rolle spielen." Die Einkommensunterschiede der einzelnen Gäste sind eine Tatsache, die nicht unausgesprochen bleiben kann. Hubert Czarny erinnert, dass "der Preis eine große Rolle spielt. Im Ausland sind 250 Zloty ein Kinderspiel, weil 50 Euro für ein fünftägiges Festival keine spür-

Foto z.V.g. von Revive Festival, Helena Majewska

Foto z.V.g. von Revive Festival, Helena Majewska

Foto z.V.g. von Revive Festival, Helena Majewska

bare Ausgabe ist. In Polen sind es 250 Zloty für die Tickets, 500 Zloty für die Getränke und das Essen, dazu noch die Reisekosten, was zusammen um die 1000 Zloty macht. Für jemanden, der 2500 Zloty verdient, eine Miete zahlen muss und dazu vielleicht eine Kreditrate zurückzahlt, ist es eine riesige Ausgabe”, schätzt der Veranstalter. Es passiert aber, dass man während der Jagd nach den Ersparnissen leicht übersieht, wie gering sie letztlich ausfallen und dies bei zusätzlichem Aufwand und mehreren Erschwernissen. “Unsere

Gäste kommen sehr oft vollgepackt mit Bier und Lebensmittel. Sie wissen nicht, dass sie für das mitgebrachte Proviant dasselbe bezahlen würden" - erklärt Czarny. "Zwar kaufen sie das Bier 5 Zloty billiger, aber sie müssen es mitbringen, aus dem Zelt tragen und warm trinken. Die Menschen in Polen sind sehr sparsam. Polen befindet sich noch nicht auf der Etappe, wo das Land wirtschaftlich stabil genug ist, um sorglos Spaß zu haben. Es gibt Interesse, aber die Leute können sich diesen Spaß einfach nicht leisten. Wenn sich


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die Wirtschaftslage Polens verbessert, kann sich dies ändern. Ich denke, dass in diesem Augenblick die Finanzen das Hauptproblem bilden."

URLAUB AUF DEM FESTIVAL? Kann ein Ausflug zum Festival mit einem Urlaub verbunden werden? Terstin Lichwała ist davon überzeugt - "Unser Festival findet in Warschau/ Warszawa statt. Es ist ein Nachtfest, also bleibt tagsüber viel Zeit für Besichtigen. Warschau/Warszawa ist eine große Stadt und es gibt definitiv viel zu tun. Meine Freunde, die aus anderen Ländern zum Festival nach Polen kamen, haben die Stadt immer bewundert und gelobt. Sie sagten, dass Polen ein sehr interessantes Land ist, das viel zu bieten hat." Iwona Korzybska ist auch davon überzeugt, dass das Festival eine ideale Gelegenheit sein kann, länger in Polen zu bleiben: "Polen ist ein wunderschönes Land, das so viele Attraktionen zu bieten hat - das Meer, die Berge. Unsere Städte sind wunderschön, die Küche ist köstlich, man wird etwas für sich finden.” Laut Hubert Czarny, nutzen die Musiker die Gelegenheit, in Polen zu sein, selbst: "Gerade im Falle des Sommer Contrast Festivals befinden wir uns auf der Seenplatte, in der Nähe des Meeres. Einige Musiker, die zu uns kommen, sagen, dass sie am nächsten Tag ans Meer fahren." Der Veranstalter weiß genau, was Festival-Touristen noch anzieht: "Viele Menschen kommen zur Kajaktour. Es gab auch Fälle, in denen Kunden aus dem Ausland uns mit der Frage angerufen haben, ob sie in der Nebensaison der Festivals zu uns kommen dürfen und gemeinsam ein bisschen Zeit zu verbringen. Polen ist ein sehr attraktives Land, weil es sehr vielfältig ist".

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REVIVE FESTIVAL Revive Festival ist ein Festival, das in Warszawa/Warschau stattfindet. Die Veranstaltung nutzt die raue Szenerie der Industriegeschichte als Hintergrund für moderne elektronische Musik. Das Revive Festival unterstreicht den Underground-Charakter der Avantgarde-Elektronik, indem es Vergangenheitsbilder und Ideen für die nahe Zukunft gegenübergestellt. Die Veranstalter versuchen immer, neue Elemente hinzufügen, um den Teilnehmern neue Erlebnisse zu bieten. "Bei den ersten beiden Auflagen war es eine Kunstausstellung. Bei der dritten Edition wollten wir die Formel ein wenig ändern. Wir haben uns auf die Wissenschaft konzentriert. Es war ein Vortrag über Musikproduktion kombiniert mit einer Klavierperformance" - sagt Terstin Lichwała. "Es ist sehr interessant, dass das Festival in einer Vorkriegsfabrik stattfindet. In diesem Gebäude befand sich früher eine Marmeladenfabrik und dann ein Kultur- und Kunstzentrum. Dieser Ort wurde renoviert und fungiert heute als Mała Warszawa/Kleines Warschau. Wenn jemand solche industrielle Atmosphäre und Gebäude mit vielen Schlupfwinkeln mag, wird sich hier sicherlich wohlfühlen. Es lohnt sich auch, noch einen Aspekt hervorzuheben - eines der Hauptelemente des Festivals bilden die Visualisierungen und das Licht, deshalb laden wir die besten DJ's nach Warschau/Warszawa ein. Der Revive-Marathon wird mit einer ganztägigen Afterparty gekrönt. Der zweite Teil des Festivals dauert über 24 Stunden - vom Samstag 21:00 bis Sonntag 22:00,” betont Terstin Lichwała.

SUMMER CONTRAST FESTIVAL Beim Summer Contrast Festival handelt es sich um fünf Tage voller Entspannung und Unterhaltung. Die Bühnen sind voll von internationalen und lokalen Musikern. Die Idee für die Veranstaltung entstand 2010/2011 in Australien, als der Veranstalter mit dem Veranstalter eines der größten Festivals in Sydney - dem Subsonic Festival - zusammen gewohnt hat. "Ich war wie angesteckt. Diese Festivalform hat mir sehr gefallen und da ich wusste, dass es so etwas in Polen noch nicht gibt, ich wollte es den Menschen zeigen und versuchte etwas ähnliches in Polen zu organisieren" - betont Hubert Czarny. "Auch der Name entstand spontan. Das Wort "Sommer" bezieht sich, wie alle wissen, auf den Sommer, während "Contrast" auf die unterschiedlichen Musikarten, durch welche das Event sich auszeichnen sollte, hinweist. Meine Idee war es, gute Musik zu präsentieren - nicht nur elektronische Musik, sondern auch Elemente aus Folk, Klassik, Chillout, Psytrance, Techno und anderen Arten. Wir wollten das ganze Spektrum präsentieren” - erklärt der Veranstalter. "Wir haben eine extra Zone für Workshops gebildet, die sich auf drei Bereiche konzentriert. Den ersten Teil bilden die körperlichen Workshops - er besteht hauptsächlich aus sportlichen Aktivitäten wie Hula-Hoop, Yoga, Tanz oder bewusster Atmung. Der manuelle Teil konzentriert sich auf die Herstellung von Kunsthandwerk. Im dritten Teil steht der Inhalt im Vordergrund - während zahlreichen Vorlesungen werden verschiedene Themen angesprochen" - fügt der Veranstalter hinzu und betont, dass ein weiterer großer Vorteil des Events seine Lage in der Nähe des Waldes und des Flusses ist.


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KALENDER DER ELECTROFESTIVALS IN POLEN 2020/2021 STAND 28. MAI 2020

SUMMER CONTRAST FESTIVAL

Niemierzyno/Nemmin (Woiwodschaft Westpommern) 5.-10. August 2020

MAMRY MUSIC FESTIVAL

Węgorzewo/Angerburg 8.-9. August 2020

TAURON NOWA MUZYKA

Katowice/Kattowitz 27.-30. August 2020

HEARTBEAT FESTIVAL

Trzcianka/Schönlanke (Woiwodschaft Großpolen) 4.-5. September 2020 (Sofern es die Lage erlaubt)

REVIVE FESTIVAL

Warszawa/Warschau 2.-4. Oktober 2020

INSTYTUT FESTIVAL MUSIC & ART

Nowy Dwór Mazowiecki in Warszawa/Warschau 18.-19. Juni 2021

SUNRISE FESTIVAL

Kołobrzeg/Kolberg (Flughafen Podczele) 23.-25. Juli 2021

WAS KOSTET EINE REISE ZUM FESTIVAL NACH POLEN? Das Unternehmen Grant Thornton hat einen Bericht erstellt, der die Kosten von Festivals in Polen und im Ausland darstellt. Im Jahr 2017 betrugen die durchschnittlichen Kosten pro Reise zu einem Musikfestival in Polen 1530 PLN. Für Bedürfnisse dieser Analyse wurde angenommen, dass die Teilnahmekosten aus: einem 3-Tage-Ticket, Transport (Ausgangspunkt in Warschau/Warszawa), Übernachtung (Campingplatz oder Hostel), Verpflegung (3 Big Mac-Sets pro Tag) und Bier (4 pro Tag) bestehen. Zweifellos wird der größte Teil des Festivalbudgets von den Eintrittskarten absorbiert. Oft machen sie sogar mehr als die Hälfte der Kosten für die Teilnahme am Festival aus. Man sollte daher so früh wie möglich einen Festivalpass kaufen, da man die Tickets im Voraus günstiger kaufen kann. Wenn es um das Transportmittel geht, lohnt es sich am meisten, mit dem Zug zum Festival zu fahren - es ist die billigste Option in Polen (vorausgesetzt, dass man die Studentenermäßigungen hat). Bei der Planung der Übernachtung während des Festivals lohnt es sich, die von den Organisatoren zur Verfügung gestellte Campingplätze zu nutzen, vor allem, wenn man diese zusammen mit der Eintrittskarte


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HEARTBEAT FESTIVAL

erwerben kann. Wenn nicht, ist es am besten, eine günstige Herberge zu finden. Auf diese Weise kann man die mit der Reise verbundenen Kosten erheblich reduzieren. Im Jahr 2019 waren die Kosten viel höher. Es stellt sich heraus, dass das meiste für ein paar Tage Spaß von den Fans elektronischer Musik in Kolberg/Kołobrzeg bezahlt wurde. Gemeint ist das Sunrise Festival. Obwohl der Preis für eine Eintrittskarte für einen Tag bei 220 Zloty begann, kostete die Dreitageskarte die Festivalfans bereits 630 Zloty. Diejenigen, die ein Ticket mit Platz auf dem Campingplatz kaufen wollten, mussten 1010 Zloty bezahlen. Die Rede ist von der billigsten Variante, wenn es um den Campingplatz geht. Hinzu kamen die Reise- und Verpflegungskosten. Interessanterweise erreichte der höchste Preis (Festivalpass, Campingplatz und Zelt mit Ausrüstung für eine Person) 1130 Zloty - ohne Reise- und Verpflegungskosten. Die Festivalbesucher konnten das Premium-Paket für 2 Personen in Anspruch nehmen, das Festivalpässe und TIPI-Zeltmiete mit Ausrüstung für 3660 Zloty und das gleiche Paket, aber für 4 Personen für 6120 Zloty enthielt. Für die Zeit der Veranstaltung wurden auch VIP-Häuschen angeboten, allerdings nur im Paket mit VIP-Festivalpässen. Ihre Preise waren bei den Veranstaltern zu finden.

Die Beach Party in Trzcianka gehört ebenfalls zu den größten Veranstaltungen mit elektronischer Musik in Polen. Das Event feiert dieses Jahr sein zehntes Jubiläum. Dieses Festival wird von Jahr zu Jahr beliebter. Viele Veranstaltungen in Polen werden "Beach Party" genannt und aus diesem Grund wurde das ursprüngliche "Beach Party Trzcianka" in das "Heartbeat Festival" umbenannt. Das neue Logo enthält ein Herz, welches das Leitmotiv der letztjährigen Ausgabe war. Das Einkommen von dieser Veranstaltung wird für wohltätige Zwecke gespendet. "Wir haben lange darüber nachgedacht, den Namen zu ändern. Der Name Beach Party ist unter Clubveranstaltungen, mit denen wir oft fälschlicherweise in Verbindung gebracht wurden, sehr verbreitet. Deshalb mussten wir unseren eigenen Namen haben. Von Anfang an wollten wir eine einzigartige, große Familie aufbauen, in der jedes Familienmitglied die gleiche Leidenschaft für die Musik hat wie wir. Wir haben es geschafft! Wir haben beschlossen, dass es keinen besseren Zeitpunkt für Veränderungen gibt als den zehnten Geburtstag" - betonen die Veranstalter des Heartbeat Festivals.

MAMRY MUSIC FESTIVAL “Die Idee für dieses Festival entstand vor ungefähr zehn Jahren als der neue Strand geöffnet wurde. Es war der erste Schritt, der zweite war die Entscheidung darüber, welche Musik beworben werden soll, welche Musiker eingeladen werden sollen und schließlich, wie können wir der neuen Veranstaltung originelle Züge verleihen. Bisher war Węgorzewo/Angerburg mit Rock und Folklore verbunden. Die Stadt brauchte einen neuen Werbeimpuls. Bei zwei Auflagen hieß das Festival einfach "Beach Party", aber wir haben gemerkt, dass wir für die Entwicklung dieser Veranstaltung einen neuen Namen brauchen, der einzigartig wäre. Daher der Name "Mamry Music Festival", der den Ort kennzeichnet und uns gleichzeitig in der Zukunft viele stilistische Möglichkeiten bietet. In einer so natürlichen Umgebung findet wahrscheinlich keine andere Musikveranstaltung statt. Dies ist die Schönheit des Mamry-Sees und der Kal-Halbinsel, die Möglichkeit, Konzerte direkt vom Boot aus zu hören, oder viele andere Attraktionen im geschlossenen Pool zu nutzen. Das Mamry Music Festival ist eine "masurische" Veranstaltung, die man auf dem Wasser, beim Wasser und über dem Wasser genießen kann. Jeder, der sich am Mamry Beach befindet, kann spüren, was masurisches Adrenalin bedeutet. Wir bemühen uns, unser Festival mit außermusikalischen Attraktionen zu bereichern. Wassersportarten wie Wakeboarden, Wasserski, Wasserrad, Wasserbanane, Flyboard, extreme Schnellbootkreuzfahrten und Windsurfunterricht werden während des Festivals angeboten" - geben die Veranstalter an.


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Von der Vergangenheit bis zur Gegenwart in der Patschkauer Zeitmaschine von Robert Dethloff Die Woiwodschaft Oppeln verbirgt viele interessante Orte mit spannenden Geschichten. In Paczków/Patschkau befindet sich ein außergewöhnliches Museum mit der größten Kollektion an Gaszählern in ganz Europa! Man kann dort viele gut erhaltende Exponate aus dem 19. und 20. Jahrhundert bewundern. Das Museum der Gasindustrie (poln. Muzeum Gazownictwa) ist eins der wertvollsten Aushängeschilder des Oppelner Landes. Über die ersten Erfahrungen des Menschen mit Gas und die Geschichte des Museums spricht mit PolenJournal.de der Kustode Wojciech Kalfas.


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s ist nicht leicht, sich die heutige Welt ohne Gas, welches das Leben in vielen Häusern angenehmer macht, vorzustellen. Man nutzt es als Energierohstoff in Heizkesseln, Trockenanlagen, als Treibstoff, Rohstoff in der chemischen Industrie und in vielen anderen Lebensbereichen. Die heutige Welt würde mit Sicherheit ohne die Erfindungen, die dank der Begegnung und der Erfahrungen des Menschen mit Gas erfunden wurden, ganz anders aussehen. Die Bezeichnung „Gas“ verwendete ungefähr im Jahr 1610 ein flämischer Doktor, Physiologe und Alchemist Johann Baptista van Helmont. Es ist schwer einzuschätzen, wann der Mensch zum ersten Mal auf die Substanz gestoßen ist. „Erste Erwähnungen über die Gasgewinnung stammen aus der Antike, oft aus dem Reich der Mitte. Die Chinesen konnten bereits im Jahr 221 v. u. Z. ein 1200 Meter tiefes Loch in der Erde bohren und den unter der Erdfläche angesammelten, natürlichen Treibstoff mit Bambusstangen abbauen. Erdgas hat man unter anderem im Prozess der Salzproduktion, oder zur Erwärmung und der Beleuchtung von Leuchttürmen genutzt, um den Schiffsverkehr abzusichern“, erklärt Wojciech Kalfas und gibt hinzu: „Erdgasgewinnung in Polen fand zum ersten Mal erst im Jahr 1896 statt, im Osten, auf dem ehemaligen Gebiet von Galizien statt. Eine Gruppe von ausgebildeten Wissenschaftlern hat Erdgas in Daszawa/ Daschawa gewonnen, das auf einer kurzen Strecke zum Heizhaus in Borysław/ Boryslaw in eine Rohöl – Destillationsanlage geschickt wurde.“

Foto z.V.g. von Muzeum Gazownictwa

Viele Wissenschaftler, die sich mit der Gasindustrie befassen, finden, dass der Vater der Branche der Engländer John Clayton ist, der bei chemischen Experimenten mit Kohlekarbonisierung im Jahr 1648 Brenngas gewann. Dann hat er das Gas in eine speziell präparierte Blase eingebracht. Es gibt jedoch keine Beweise, dass Clayton einen Weg fand, um das weiter verarbeitete Gas zum Leuchten zu bringen. Das gelang dem Angestellten der Firma „Boulton and Watt“, einem schottischen Ingenieur William Murdock, der im Jahr 1792 mit einer Schweineharnblase und einem Rohr, das die Funktion eines

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Brenners erfüllte, das Gas in eine Flamme verwandelte. So entstand die erste Gaslampe. Im Jahr 1795 hat Murdock auch ein kleines Gaswerk eröffnet und ein paar Jahre später hat er mit einem Deutschen, Frederik Winzer probeweise Leuchtgas zum Beleuchten der Londoner Straßen eingesetzt. „Sehr lange, eigentlich von 1792 an 1885, basierte die Gasbeleuchtung auf Brennern: Schmetterlingsbrennern und einfachen Brennern mit kleinen Rohren, wo die Größe der Gasflamme und die Menge von Naphthalin, Einfluss auf seine Effektivität hatte, anders gesagt auf die Stärke des Lichtes, das der Brenner gab. Erst ein österreichischer Chemiker und Apotheker, Carl Auer von Welsbach präsentierte im Jahr 1885 das, was wir als Glühstrumpf bezeichnen, also eine Gasglühbirne. Der Glühstrumpf wurde aus einem Baumwollnetz hergestellt, das in 99% mit Thoriumdioxid und in 1% mit Cerdioxid einträufelt wurde. Thorium machte den Glühstrumpf unbrennbar. Der 1% von Cer versicherte radioaktive Eigenschaften, das heißt, dass bei einer hohen Temperatur einer kleinen Gasflamme Licht erzeugt wird mit einem Gegenwert von 20 Watt. Die Gasglühbirne wird bis heute benutzt, auch hier in Paczków/Patschkau zur Beleuchtung des Platzes vor dem Museum,“ erklärte Kalfas. Die Erfindung von Welsbach revolutionierte die Wahrnehmung von Gas in Hinsicht auf den Haushaltsgebrauch, weil das qualmende, nicht ökonomische und stinkende Gas, gereinigt werden konnte, was einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Industrie hatte. Es entstanden immer mehr Unternehmen, die Badeöfen (Junkers), Heizkörper, Gasherde usw. produzierten.

Die Entstehung des Patschkauer Gaswerks Die Popularisierung der Gasgeräte brachte die britischen, französischen und deutschen kontinentalen Gesellschaften zur Gründung von Stadtgaswerken und Gasvertriebsunternehmen. Je nach der historischen Zugehörigkeit der Regionen wurden Gaswerke in grö-


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ßeren und kleineren Städten gegründet. Paczków/Patschkau war in den Jahren 1898-1901, also als das Gaswerk gebaut wurde, Teil des Deutschen Reichs. Das Land legte großen Wert auf den Bau solcher Objekte, weil in den Gaswerken anfangs Gas nicht für das soziale Leben produziert wurde, also zum Kochen oder Wassererhitzen, sondern vor allem zum Erleuchten der Straßen. „Der Initiator des Baus des Gaswerkes in Paczków/Patschkau war der damalige Bürgermeister Bergmann. Sein Hauptziel war es den Stadtbewohnern ein gutes Mittel der Straßenbeleuchtung sicherzustellen, den sicheren Verkehr auf den Straßen zu garantieren und Möglichkeiten der Entwicklung der Industrie, die sich hier befand, dank der Beleuchtung von Produktionshallen, zu schaffen. Erwähnenswert ist, dass Petroleumlampen in dieser Zeit keine beliebte Lichtquelle waren, ähnlich wie Öllampen. Hingegen war die Beleuchtung mit Talgkerzen sehr gefährlich“, erzählte Kalfas. Am 31. Dezember 1901 eröffnete der Bürgermeister Bergmann das neue Gaswerk. Man schätzt, dass die Baukosten ganze 90 Tsd. Deutsche Mark betrugen. In den 30er Jahren wurde das Gas in 85% der naheliegenden Haushalte geleitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gaswerk Teil der Stadtwerke. In den Jahren 1953-1956 leitete Jan Bargiel das Gaswerk, im Jahr 1957 übernahm Tadeusz Stygar die Führung und ab 1969 nahm Adam Król die Stelle ein. Er war es, der zur Entstehung des Museums der Gasindustrie in Paczków/Patschkau beigetragen hat.

Wie das Gaswerk zum Freilichtmuseum wurde Die Entstehungsgeschichte beginnt im Jahr 1977, als Adam Król auf eigenen Antrag beim Treffen mit der Direktion der Oppelner Gaswerke (poln. Zakład Gazowniczy Opole) die Idee nahe legte, um das geschlossene Gaswerk in ein Freilichtmuseum der Gasgeschichte umzuwandeln. Auf die Entscheidung musste man jedoch sehr lange warten,

Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de


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Foto z.V.g. von Muzeum Gazownictwa

und zwar bis 1991. Bis zu diesem Jahr wurde nämlich noch Kokereigas aus Zdzieszowice/Deschowitz zum Patschkauer Gaswerk zugeführt. Es war ein Objekt, das im Wirtschaftssystem geschaffen wurde, das heißt, dass Renovierungen und kleinere Arbeiten durch die Gaswerkangestellten aus Paczków/ Patschkau und dem ganzen Oppelner Land durchgeführt werden mussten. „Für das Museum in Paczków/Patschkau sprach auch die Tatsache, dass das alte Gaswerk eins der am besten erhaltenen Objekte dieser Art zusammen mit der Gaserzeugungs-, Gaslagerung- und Gasreinigungsinfrastruktur in der damaligen Zeit, also in den 70er Jahren war. Darüberhinaus wollte sich Paczków/Patschkau mit den Verteidigungsmauern und der St. Johannes – Evangelist – Kirche als eine Touristenstadt positionieren. Dies sollte auch durch dieses postindustriale Erbe, also das alte Gaswerk als Zeichen der Gaserzeugungsgeschichte nach klassischer Art aus Steinkohle, untermauert werden“, kommentierte Kalfas.

Foto z.V.g. von Muzeum Gazownictwa

In den Jahren 2005-2007 wurde das Museum grundlegend modernisiert. Für das Projekt ist Marek Mikulski, ein bekannter Künstler, Grafiker und der Mitinitiator des Grafikprojektes für das Museum des Warschauer Aufstandes, verantwortlich.

Ausstellungsstücke Das Museum in Paczków/Patschkau ist ein Unikat in ganz Europa, weil ganzheitlich die Gasproduktionsstraße erhalten wurde, also die Öfen, Wäscher, Entschwefler und ein Gastank. In Polen und ganz Europa trifft man einzelne Geräte, doch nie alle zusammen. „Die Hauptattraktion, mit welcher wir uns am meisten rühmen, ist eine beeindruckende Kollektion an Gaszählern, die ganze 800 Exemplare umfasst.

Wir sammeln stets Objekte, die immer noch in Häusern genutzt werden, also Öfen oder Industrieanlagen, die Gas nutzten. Interessant ist auf jeden Fall ein Gaskühlschrank. Wir haben zwei Absorberkühlschränke, die Ammoniak als Kühlungsmittel nutzen. Andere interessante Ausstellungsstücke sind unter anderem eine Gas-Wäschemangel, Gas betriebene Bügeleisen, Kaffeeröster, also Geräte, die man heute nicht mit Gas in Verbindung bringt, sondern eher mit Strom. Vor der Elektrizität haben Menschen jedoch hauptsächlich Gas als Energieversorgungsquelle genutzt“, erklärte Kalfas. Die Aufmerksamkeit ziehen auch Objekte auf sich, die einst zur Erwärmung von Räumen gedient haben, wie Badheizkörper, Gusseisenabgüsse, Heizkörper oder Gasstrahler, die mit der Geschichte


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der Stadt verbunden sind, weil sie von der Unserer-Lieben-Frau-von-der-immerwährenden-Hilfe-Kirche kommen. Interessant ist, dass sie die Kirche von 1902 bis zum letzten Winter beheizt haben und ganze 124 Jahre alt sind. Das älteste Exponat des Museums ist ein Gaszähler aus dem Jahr 1876.

Spaß und Lehre Das Museum besitzt auch ein rubenssches Flammenrohr – ein Gerät, dass in Zusammenarbeit mit der AGH Wissenschaftlich-Technischen Universität im Labor für Technische Akustik entstanden ist. Das Flammenrohr besteht aus drei perforierten Rohren, die mit Gas unter gleichbleibendem Druck gefüllt sind, was nach dem Anzünden der Gasflamme dazu führt, dass sie sich in charakteristische Wellen formen. Dank der Änderung der Frequenz von tiefen und hohen Tönen, kann man das wissenschaftliche Phänomen der stehenden Welle beobachten. „Wir sind fähig unseren Besuchern zu zeigen, wie die Interpretation von Klängen und Melodien mithilfe von Gasflammen stattfindet. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben wir vier solcher Präsentationen,

darunter mit klassischer Musik und Popmusik“, berichtete Kalfas. Eine interessante Attraktion des Museums ist auch das Brettspiel „Oil City galizisches Schwaerzgold fieber“ (poln. „Oil City – galicyjska gorączka czarnego złota“). Die Spieler lernen die Geschichte der Erdöl- und Gasindustrie im Gebiet des ehemaligen Galiziens kennen und erfahren vieles, unter anderem über Ignacy Łukasiewicz. „Die Spieler haben die Möglichkeit, ein eigenes Erdölbergwerk zu führen, versuchen mit anderen Gesellschaften zu kooperieren, weil die Personen, die im Rohrmaterialabbau, wie Gas, Wachs oder Erdöl tätig sind, Gesellschaften bilden. Die Teilnehmer müssen selbst entscheiden, ob sie eine Abbauinfrastruktur kaufen oder die Löhne erhöhen, was zukünftige Streiks oder Ausfälle verhindern kann. Ich möchte auch hinzufügen, dass wir unser eigenes Spiel kreiert haben, das jedoch nur mit einem Exemplar herausgebracht wurde. Man wird es im Museum der Gasindustrie in Paczków/Patschkau spielen können. Sein Titel lautet „Gas Age – die Gasepoche“ (poln.„Gas Age – epoka gazu“). Die Spieler werden versuchen ein Gaswerk,

wie dieses in Paczków/Patschkau, zu leiten und ihre eigenen Fähigkeiten mit anderen zu konfrontieren, die ein Gaswerk beispielsweise in Wrocław/Breslau bekommen“, erklärt Kalfas.

Wieso ist das Museum einen Besuch wert? Das Museum der Gasindustrie besuchen jährlich ungefähr 10 Tsd. Personen. Ein großer Vorteil der Anlage ist die Möglichkeit einer Übernachtung (10 Übernachtungsplätze) für einen sehr niedrigen Preis mit einer großen Sanitäranlage, einer Klimaanlage und Internetanschluss. Das Museum verfügt über einen modernen Konferenzraum, wo verschiedene Schulungen oder Symposien stattfinden können. An dem Ort kann man des Weiteren auch Konzerte oder andere Spektakel veranstalten. Das Museum für Gasindustrie nimmt auch an den European Heritage Days, die Jahr für Jahr im September stattfinden, teil, wie auch an der Langen Nacht der Museen, die den Besuchern immer verschiedene Attraktionen für

Foto z.V.g. von Muzeum Gazownictwa


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Foto z.V.g. von Muzeum Gazownictwa

Foto z.V.g. von Muzeum Gazownictwa

die Seele und Körper garantieren. „Das Museum der Gasindustrie in Paczków/ Patschkau ist eine eigentümliche Zeitmaschine. Beim Anschauen der Ausstellungsstücke kann man sich in jeder Sekunde in die Zeiten der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert zurückversetzen und gleich wieder in die Gegenwart zurückkehren. Die Expositionen, die wir hier haben, beinhalten viele Ausstellungsstücke, die man heute nicht mehr im Alltagsleben antreffen kann. Sie erzählen über die gemeinsame Geschichte, alte und gegenwärtige Nachbarn und zeigen uns, wie sich die Technologie mit der Zeit verändert hat. Dank dessen wird uns bewusst, dass das, was grau war, nicht das Schlechteste war und in manchen Fällen ist es sogar viel besser, als das, was wir heute in einer schönen Verpackung bekommen. Es ist ein Unikat in ganz Europa. Es ist eine Rückkehr zu den Wurzeln der klassischen Gasindustrie von A bis Z. Das Museum der Gasindustrie in Paczków/Patschkau ist ein Ort auf der touristischen Karte des Oppelner Landes, den man auf jeden Fall besuchen sollte“, fügte Kalfas abschließend hinzu.

Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de


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Mai 2020

Schick, bunt, gestickt –

Volkstrachten aus der Region Oppeln von Patrycja Urban

Ausstellung im Museum des Oppelner Schlesien (Muzeum Śląska Opolskiego)

Foto: Patrycja Urban, PolenJournal.de


Kleidung ist nur ein Oberbegriff Die Blütezeit der Volkstrachten ist schon längst vorbei, aber viele Organisationen bemühen sich, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Und das zu Recht, doch wenn das Auge nur die bunten Farben und die schönen Stoffe erfreuen - oft begleitet von Musik und Volksliedern - ist man sich überhaupt dessen bewusst, was man sieht? Um die Geschichte der Volkstrachten besser zu verstehen, muss man sie von Kleidung und Kostümen trennen. Kleidung wurde im Alltag getragen. Zu dieser Kategorie gehörte natürlich auch Arbeitskleidung. Trachten wurden zu speziellen Anlässen angezogen. Heutzutage kann man auf verschiedenen kulturellen Veranstaltungen meistens Kostüme sehen – Kreationen, die von Volkstrachten

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Ausstellung im Museum des Oppelner Schlesien (Muzeum Śląska Opolskiego)

Heutzutage wecken polnische Volkstrachten deutliche Assoziationen – bunt, gestickt, manchmal mit Spitze und zusätzlichen Blumen. Auch bei den Volkstrachten aus der Oppelner Region ist es nicht anders. Ist das aber nicht ein oberflächliches Ansehen der Kostüme, das bei Festivals und anderen kulturellen Veranstaltungen verbreitet wurde? Davon, dass die damalige Kleidung etwas mehr ist, überzeugen Piotr Grzelak und Izabela Jasińska aus dem Museum des Oppelner Schlesien (Muzeum Śląska Opolskiego) in Oppeln/ Opole.

abgebildet und meist in der Gegenwart erschaffen wurden, obwohl sie in vielen Fällen aus historischen Elementen bestehen. Man muss auch bedenken, dass Kleidung, die zu einem anderen Anlass als den, für den sie bestimmt war, getragen wird, ihre ursprüngliche Funktion verliert. ”Für die jeweiligen Beschäftigungen gab es separate Kleidung. Es gab Arbeitskleidung, die aus schlechterem Stoff genäht wurde. Trachten hingegen wurden für einen bestimmten Anlass hergestellt“ - erklärt Piotr Grzelak aus dem Museum des Oppelner Schlesiens in Oppeln.

So viele Trachten wie Personen Wenn wir uns die Volkstrachten und die Kleidung aus dem 19. und 20. Jahrhundert anschauen, kann man bemerken, dass obwohl sie einige Gemein-

Foto: Patrycja Urban, PolenJournal.de

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samkeiten aufzeigen, sich allerdings trotzdem voneinander unterschieden. Heutzutage kann man fälschlicherweise das Gefühl haben, dass die Volkstrachten sich nicht veränderten – das stimmt nicht: “Wir sprechen hier von dem Phänomen der scheinbaren Unveränderlichkeit von Volkstrachten“ erzählt Piotr Grzelak. In Wirklichkeit gab es viele verschieden Faktoren, die Einfluss auf ihr Aussehen hatten. Alltagskleidung gab es sowohl in der sommerlichen, als auch in der winterlichen Version. Trachten, verstanden als festliche Kleidung, bezogen auf einen bestimmten gesellschaftlichen Anlass, konnten auch je nach Jahreszeit geändert werden – im Winter hat man z. B. warme Hauben und Pelze getragen. Ritualtrachten blieben jedoch unverändert – es ist kaum vorstellbar, dass z. B. der Kranz der Braut eine Winterversion hätte.


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Mai 2020

Eigentlich entsprechen die Volkstrachten sowohl einem bestimmten Kanon, als dass sie auch originale Merkmale beinhalten, die oft für jede Person, die sie trug, unterschiedlich waren. Ihre eigentümliche Allgemeingültigkeit bestand darin, dass alle wussten, aus welchen Elementen sie bestehen mussten, und ihre Einzigartigkeit darin, dass jeder Mensch sie anders trug. Demzufolge gibt es auf die Frage, wie viele Volkstrachten es in Polen gab, keine genaue Antwort. Zwar versuchen Wissenschaftler sie in verschieden Kategorien einzuordnen, aber letztendlich ist es nicht möglich alle Trachten zusammenzuzählen. Somit gibt es sie so zahlreich wie es Menschen gibt.

Eine Investition auf Jahre und sogar für Generationen Die gesellschaftliche Struktur hatte nicht gerade einen geringen Einfluss auf die Garderobe der jeweiligen Gruppen. Reiche Menschen konnten deutlich mehr Geld in ihr Aussehen investieren und die Ärmeren mussten das anziehen, was sie sich leisten konnten. Manchmal kam es vor, dass Menschen sich über ihre Verhältnisse kleideten, um reicher auszusehen und so auf der sozialen Leiter höher aufzusteigen. Der Kauf des geeigneten Stoffes war keine kleine Ausgabe – kein Wunder, dass es früher sogar als Zahlungsmittel diente. Es wundert auch nicht, dass Kleidung, insbesondere Trachten, von Generation zu Generation weitergegeben wurden, wobei verschiedene Änderungen vorgenommen wurden – das gab schon viel Freiraum. „Ein Zeichen

Ausstellung im Museum des Oppelner Schlesien (Muzeum Śląska Opolskiego)

Einige Elemente wiederum wurden von solchen Faktoren wie der Produktion beeinflusst - zum Beispiel produzierten schlesische Fabriken im 18. Jahrhundert verschiedene Gewebe, darunter auch Wollgewebe. Die Kleidung aus dieser Zeit wurde meist aus diesem Stoff angefertigt. Ähnlich war es mit den Farben - ihre Verfügbarkeit diktierte in vielen Fällen ihre Verwendung. Dies sind jedoch ganz offensichtliche Trennungen und Faktoren, aber die Kleidung verbirgt noch viele andere Geheimnisse.

des Reichtums, aber auch des sozialen Status, waren zweifellos Hauben. Sie waren vielseitig. Wir finden einfachen Tüll und später Tüll mit zusätzlichen Stickereien. Einige haben sie mit vergoldeten Pailletten geschmückt“ - erzählt Izabela Jasińska. Goldene Pailletten oder andere wertvolle Accessoires und Veränderungen bewirkten, dass die Tracht so kostbar wurde, dass man sie sogar zur Verpfändung einsetzen konnte. “Tatsächlich finden wir Trachten oder ihre Elemente z. B. im Krakauer Inventar mit verpfändeten oder geerbten Gegenständen. Die Tracht wurde als ein wertvoller Schatz behandelt – ein Schatz, den man sogar stehlen konnte und deswegen musste er streng bewacht werden“- präzisiert Izabela Jasińska.

(Nicht) für jeden Anlass So wie heute konnte man früher anhand der Tracht vieles über die jeweilige Person erfahren. Leider sind heutzutage einige Informationen schwieriger

abzulesen. “Damals orientierten sich Menschen an den einzelnen Trachtelementen und sie konnten erkennen, aus welchem Ort eine Person stammt, wie ihr Familienstand und sogar ihr sozialer Status ist. Für uns ist das eine immer größere Herausforderung, denn einige Stücke sagen uns nichts mehr. Es ist schwer, solche Einzelheiten zu bezeichnen. Wir müssen auf den Informationen, die wir z. B. während der Feldforschung gesammelt haben, aufbauen“ - erzählt Izabela Jasińska aus dem Museum des Oppelner Schlesiens. Früher hatte die Gesellschaft eine deutlich andere Einstellung zu ihrer Garderobe als heute. Derzeit kann jeder buchstäblich alles anziehen, und Regeln sind da, um sie zu brechen. Damals sah das ganz anders aus. Die Volkstracht im 19. Jahrhundert in Polen, oder ihre Elemente, hatten eine Bedeutung und Regeln mit ihnen verbunden, die man beachten musste. Manchmal kam es sogar zu Handgreiflichkeiten, wenn sich jemand nicht konventionsgemäß ankleidete.

Foto: Patrycja Urban, PolenJournal.de

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Foto: Patrycja Urban, PolenJournal.de

Ausstellung im Museum des Oppelner Schlesien (Muzeum Śląska Opolskiego)

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So ein wichtiges Element war u. a. die schon erwähnte Haube, welche die Braut am Tag der Hochzeit bekam und von dem Moment an durfte sie sich nicht mehr ohne Kopfbedeckung zeigen. Dank dessen konnte man erkennen, ob eine Frau unverheiratet, verheiratet oder gar Witwe war. “Im 19. Jahrhundert zog eine Frau in der Mähren-Region, ohne auf die herrschenden Regeln zu achten, eine Haube an, obwohl sie unverheiratet war und ein Kind hatte. Natürlich löste das große Empörung aus, deswegen schnappten sie sich andere Frauen, schnitten ihr die Zöpfe ab und hingen sie an einer gut sichtbaren Stelle auf“ - erzählt Izabela Jasińska. Es handelte sich um eine Art soziale Ablehnung, die deutlich zeigte, wie wichtig die Regeln für das Anziehen von bestimmten Elementen der Tracht sind. Die Überschreitung des sozialen Status war mit sozialer Missbilligung uns Ausgrenzung verbunden. Heutzutage ist so eine Situation undenkbar.

Was zogen Frauen an? Die Volkstracht evolvierte im Laufe der Jahre. Im 19. Jahrhundert dominierte vor allem der einfache Schnitt von einzelnen Kleidungsstücken. Die erste Schicht sämtlicher Kleidung war die sog. ciasnocha - eine Art Unterwäsche. Dann wurde das Hemd angezogen, für welches man für die Ärmel einen zarteren Leinen und für den Körper einen dickeren verwendete. Unter den Achselhöhlen durften die Dreiecke nicht fehlen, denn sie ermöglichten die freie Bewegung der Arme. Die damalige Kleidung besaß keine Knöpfe. Unter dem Hals hat man einen sog. Trok gebunden, und auf den Manschetten, den Ärmeln und dem Kragen befanden sich Verzierungen in Form von Stickereien. Außerdem hat man einen Rock (poln. mazelonka) angezogen, bei dem der Rock mit dem BH zusammengenäht war. Den oberen Teil des Rockes, wo sich der BH befand, hat man aus dickerem Stoff angefertigt. Am Dekolleté war er mit einem Seidenband

bedeckt. Die Vorderseite des BHs war mit Stickereien in bunten Rosetten verziert, auf der Rückseite des BHs war ein Lebensbaum zu sehen, der als dekoratives Motiv galt und eine symbolische Funktion erfüllte. Auf dem Kopf hat man einen Kranz getragen, (poln. Galanda) der als Symbol der Unschuld und Jungfräulichkeit galt und der mit Gläsern und Perlen geschmückt war. Natürlich durfte eine Schürze aus Seide oder Damast mit Pflanzmotiven nicht fehlen, die oft als chinesisch bezeichnet wurde, wegen ihrer Muster.

Von kurzer zu langer Hose “Männer trugen Leinenhemden und unter dem Hals haben sie sich ein Seidentuch gebunden. Jeder Knopf auf der Kleidung stellte eine andere Brauchtumssituation dar. Natürlich durfte bei der Tracht die Weste nicht fehlen, die mit dekorativen Messingknöpfen zugeknöpft wurde und auf denen extru-


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Ausstellung im Museum des Oppelner Schlesien (Muzeum Śląska Opolskiego)

So wie Frauen mussten auch Männer eine Kopfbedeckung tragen. Nur kleine Jungs durften ohne Kopfbedeckung herum laufen. Der Schlüsselmoment im Leben jedes Jungen im Oppelner Schlesien war, seine erste lange Hose zu bekommen. Bislang trugen sie kurze Hosen, aber seit dem sie das Geschenk erhalten haben, durften sie das nicht mehr machen.

Veränderungen im Laufe der Jahre Volkstrachten unterscheiden sich voneinander nicht nur in Bezug auf die Region, aber vor allem evolvierten sie im Laufe der Jahre. Das 20. Jahrhundert brachte im Vergleich zum 19. Jahrhundert einige Veränderungen mit sich. Zu dieser Zeit bestand die Volkstracht der Frauen aus folgenden Elementen: • Juppe - eine Art Kaftan mit glockigem Schnitt mit gebauschten Ärmeln genäht aus fabrikmäßig hergestellten Stoffen. Wichtig sind hier die Verzierungen, z. B. in Form von Plissee oder Spitze, die am unteren Rand der Jacke und oft an den Manschetten angebracht wurden, • Stehkragen, • Druckknöpfe – wurden meistens als vordere Verschlüsse des Kaftans benutzt, • Rock (poln. mazelonka) – eine Neuheit im Vergleich zum 19. Jahrhundert war, dass der BH aus einem Stoff schlechterer Qualität hergestellt wurde als ein Rock, der aus demselben Stoff genäht wurde wie die Juppe, • Unterrock – er wurde unter dem Rock getragen und aus dünnen Leinen hergestellt. Unterhose (pl. Reformy) - Teil der Unterwäsche - wurde aus weißen dünnen Leinen genäht. Ihr charakteristisches Merkmal war ein Schnitt im Schrittbereich,

• Schürze - oft aus Satin, • Kopftuch – wurde aus dünner Seide gemacht und hieß heklówka, oder aus dünner Wolle, je nach sozialem Status der Frau. Die verheirateten Frauen trugen dunklere Kopftücher, unverheiratete Frauen helle. Wintertücher waren aus dickeren Stoff gemacht, und Tücher und Schals für den Rücken - Wintertücher - bildeten die äußere Oberbekleidung. Früher wurden die Trachten handgemacht, doch im 20. Jahrhundert konnte man bereits die zum Nähen der Tracht benötigten Elemente kaufen, weil das meiste in Fabriken produziert wurde. In Niederschlesien entwickelte sich die Textilindustrie rasant (schon seit dem 18. Jahrhundert), was zur Gründung

Foto: Patrycja Urban, PolenJournal.de

dierten Genreszenen platziert waren. Darüber hinaus trugen Männer in fast ganz Oberschlesien Hirschlederhosen (sog. jelenioki). Falls sich jemand diese Hosen nicht leisten konnte, verwendete man Tuchstoff, aber die Farbe blieb dieselbe. Wichtig waren auch Stiefel mit Stiefelschaften und ein Hut“ - sagt Izabela Jasińska.

von immer größeren Textilfabriken führte.

Hochzeitstracht Am Anfang des 19. Jahrhunderts beinhaltete die Hochzeitstracht viele Elemente, die auch bei anderen Trachten vorkamen, z.B. eine Juppe, doch deren Farbe könnte man heute als etwas Erstaunliches ansehen. Die Braut zog nicht, so wie heute, ein weißes Kleid an, sondern eine schwarze Tracht. Gründe dafür gab es viele. Wenn man eine Tracht fürs ganze Leben kauft, bedeutet es bis zum Tod. Dank der schwarze Farbe konnte man keine Abnutzungsspuren sehen. Wieso tätigte man diesen Kauf nur einmal? Weil die Tracht aus sehr teurem Stoff hergestellt wurde -


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Foto: Patrycja Urban, PolenJournal.de

Ausstellung im Museum des Oppelner Schlesien (Muzeum Śląska Opolskiego)

Seide, Wolle, Samt - und die Menschen konnten sich es nicht leisten, nach gewisser Zeit eine neue Tracht zu kaufen. Zudem galt Schwarz als eine reiche, festliche Farbe, und die Hochzeit ist ein festlicher Moment im Leben des frischvermählten Paars. Das einzige Unterscheidungsmerkmal der Brautkleidung war ein Myrtenkranz auf dem Kopf (der von der Jungfräulichkeit der Braut zeugte) und eine weiße Schürze aus Seide oder Damast, die mit Myrtenzweigen verziert war. Der Kranz sagte viel über die Braut aus. “Damals kannten sich die Menschen sehr gut, deswegen wussten sie, wie das jeweilige Mädchen lebte und sich verhielt. Wenn sie eine Vorliebe in der männlichen Gesellschaft fand, war der Kranz dünner. Aber je dicker und prächtiger, desto weniger wurde ihre vorgeworfen“ - erzählt Piotr Grze-

lak. Manchmal kam es vor, dass in dem Kranz eine Lücke war. Das bedeutete, dass die Frau schon schwanger war. Die Gesellschaft pflegte ihre wertvollen Trachten sehr. Da der Stoff kein Wasser veträgt, wurden die Trachten nicht gewaschen, sondern nur gelüftet und ausgeklopft.

Volkstrachten heute Bis vor kurzem wurden die traditionellen Volkstrachten im Oppelner Schlesien noch gerne und oft getragen. Leider ist der größte Teil ihrer Besitzer verstorben. Zwar kann man oft z.B. zum Erntedankfest Frauen treffen, die diese Trachten anhaben, aber in diesem Fall bekommen sie eher die Funktion eines Kostüms, weil keine dieser Personen z.

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B. sonntags so zur Kirche geht, sondern sie werden nur für ein bestimmtes kulturelles Ereignis angezogen. Zwar versuchen Menschen zu der vergangenen Kultur zurückzukommen und sie nachzuahmen, doch das bringt nicht immer positive Effekte mit sich. Oft werden Regeln weggelassen, die damals eine enorme Bedeutung für die Gesellschaft hatten, z. B. durften damals nur unverheiratete Frauen einen Kranz tragen, jetzt kommt es vor, dass auch ältere Frauen ihn anhaben und ihn einfach als Kopfschmuck betrachten. Somit wird der Brauch gebrochen. Meistens werden Farben in den Trachten verändert. Früher dominierten vor allem dunkle Farben. Jetzt passiert es oft, dass Frauen andere, angesagte Farben bevorzugen. Somit ist die Tracht nicht mehr traditionell – sie ist ein Kostüm. Eine Tradition wird über viele Jahre aufgebaut und sie kann nicht so eben verändert werden. Ein anderes Problem ist die Tatsache, dass Frauen heutzutage oft das anziehen, was ihnen gefällt und dabei die jeweiligen Teile der Tracht vermischen. Somit entsteht nicht nur das Problem, dass sie nicht zueinander passen, sondern sie senden auch eine falsche Botschaft aus. Deshalb haben einige Frauen bei verschieden Umzügen z. B. Juppen an und andere Röcke, die als Kleider getragen werden. Sie nehmen keine Rücksicht darauf, dass diese Elemente aus anderen Epochen stammen. Wenn eine Tracht aus dem Kontext gerissen wird, verliert sie ihren Wert und die einzelnen Elemente ihre Bedeutung. Natürlich ist das kein absichtlicher Bruch mit der Tradition, sondern einfach eine Unwissenheit, die durch den eigenen Geschmack für gutes Aussehen veranlagt wird. Um sich eine traditionelle Volkstracht aus der Oppelner Region anzusehen, lohnt es sich, das Museum des Oppelner Schlesiens in Oppeln/Opole zu besuchen. Dort kann man sich genau anschauen und darüber informieren, was Menschen in der Vergangenheit getragen haben. Traditionelle Volkstrachten sind ein schönes Erinnerungsstück aus den früheren Zeiten, deswegen sollten sie nicht vergessen werden. Dennoch muss man auch an die Regeln denken, die früher mit ihnen Verbunden waren.


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Mai 2020

Die außergewöhnliche Geschichte und das schreckliche Ende des schlesischen Windsors von Paulina Kuc

Das Schloss Sibyllenort zwischen 1920-1940, Foto: fotopolska.eu

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as Schloss Sibyllenort, das sich heute in der niederschlesischen Ortschaft Szczodre befindet, wurde in seiner glanzvollen Zeit als das "schlesische Windsor" bezeichnet. Die Trümmer des Gebäudes erinnern jedoch heute nicht mehr an das Schloss, das einst zum Heim des Königs, Friedrich August III. und vieler anderer Herrscher wurde. Letztendlich hat man zu wenig Maßnahmen unternommen, um das Gebäude, das für die zweite Ehefrau von Christian Ulrich I. von Württemberg - Oels gebaut wurde, zu retten. Er kaufte seinerzeit die Ortschaften Neudorf und Rastelwitz und hat sie in der Ortschaft Sibyllenort vereint, wo das Schloss für Sibylla Maria, Herzogin von Sachsen - Merseburg, gebaut wurde. “Das nicht einmal sechzehnjährige Mädchen heiratete den fünfzehn Jahre älteren Witwer und

brachte ihm sieben Kinder auf die Welt. Die Hochzeit fand am 27. Oktober 1683 statt. Sibylla war kränklich und empfindlich und starb an einem Schock, den ein heftiges Gewitter auslöste, das im Jahr 1693 das Schloss heimsuchte. Wahrscheinlich hatte sie ein schwaches Herz”, erklärt Katarzyna Lichtenstein, welche die Facebookseite “Pałac Sybilli w Szczodrem”, betreut. Die Frau, die dem Willen ihres Vaters nach heiratete, war jedoch immer noch ein Kind. Während der kurzen Ehe hat Sibylla viel Zeit an Kurorten verbracht. Deswegen ist selbst ein Porträt der Herzogin schwer zu finden. Glücklicherweise hatte Christian Ulrich I. eine Vorliebe für Numismatik und hatte sogar eine eigene Münzstätte. Nur dank der Medaillen, die zum Anlass der Hochzeit des Herzogs mit Sibylla geprägt wurden, wissen wir, wie die junge Herzogin

Das Schloss Sibyllenort in der Ortschaft Szczodre wurde einst von Tausenden Touristen jährlich besucht. Es warteten hier Kunstwerke aus aller Welt, zahlreiche Attraktionen und ein wunderschöner Park. Doch von dem prachtvollen Schloss blieben bis heute nur noch Hinterhäuser. Wie kam es zu den Vernichtungen von so einem schönen und wichtigen Ort? Wer ist dafür verantwortlich? Und wieso war man mit dem legalen Mord des berühmten Schlosses Sibyllenort einverstanden?

ausgesehen haben könnte. “Die am besten erhaltenen Abbilder der Herzogin Sibylla befinden sich in der Kollektion der Königin, Elisabeth II. in London und in einem der Museen in Stuttgart”, erklärt Lichtenstein.

Zeiten voller Glanz und Pracht Die Arbeiten an dem Schloss fingen im Jahr 1685 an und dauerten bis 1692. Die junge Herzogin hat also nicht viel Zeit an dem Ort verbracht, der speziell für sie gebaut wurde. Nach dem Tod von Christian Ulrich I. blieb das Gebäude in den Händen der Herzöge von Oels, doch schnell verwahrloste es. Erst im Jahr 1782, als das Schloss zum Eigentum von Friedrich August von Braunschweig-Lüneburg-Oels wurde, kam das Leben in das Gebäude zurück und es wurde sogar ausgebaut.


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Es entstand hier ein Theater, ein Pferdestall, ein Café und sogar ein Gästepavillon. Doch das Aussehen, dank dessen man diesen Ort als das "schlesische Windsor" bezeichnete, bekam das Schloss erst dank Wilhelm August Ludwig Maximilian Friedrich, Herzog zu Braunschweig, Lüneburg, Oels. “Dank Herzog Wilhelm verändert sich das bescheidene Schloss in eine Miniatur des Schlosses Windsor. Natürlich war es im Vergleich mit dem Original sehr klein - die Fassade mit Seitenflügeln betrug nur 300 Meter, im Fall des Schlosses Windsor sind es ganze 800 Meter. Die Schlösser sind nicht identisch, nur in ihrer Form sehr ähnlich. Der Stil der Tudors gefiel Wilhelm sehr. Der Herzog bekam eine sehr gründliche Ausbildung in England und selbst nach so vielen Jahren, wurde seine Liebe zu den Britischen Inseln aufrechterhalten. Erwähnenswert ist hier der Hofarchitekt des Herzogs - Carl Wolf, der das Projekt des Ausbaus des Schlosses entwickelte”, kommentiert Lichtenstein. Gleichzeitig entstand auch ein riesiger englischer Landschaftsgarten. Die Renovierungen begannen im Jahr 1851 und dauerten ganze 16 Jahre. Doch letztendlich bescherten die Arbeiten dem Schloss einen Ruhm, der bis heute andauert.

Der König des Lebens Das Schloss Sibyllenort wurde jedoch nicht nur dank des außergewöhnlichen Aussehens berühmt. Vor allem war es der Lebensstil von Wilhelm und die verschiedenen Attraktionen, die er immer vorbereitete, was die Menschen in die Ortschaft anzog. “In den Zeiten von Wilhelm - manchmal bezeichnet man ihn als den König des Lebens - haben sehr viele Gäste Sibyllenort besucht. Zum Teil kamen sie auf Einladung des Herzogs. Das Schloss war nämlich das großartigste von allen seiner Residenzen. Es bewahrten sich sogar genaue Beschreibungen der Feste, die der Herzog veranstaltete. Im Buch von Zbigniew Frasa unter dem Titel “Dzieje gminy Długołęka” (dt. Die Geschichte der Gemeinde Długołęka/Langewiese) kann man lesen: “An sommerlichen Abenden hat Herzog Wilhelm im Park, bei Laternenlicht, Festessen mit Tän-

Das Schloss Sibyllenort zwischen 1890-1900, Foto: fotopolska.eu

zen und Gesang veranstaltet. Alle geladenen Gäste verkleideten sich mit römischer und griechischer Kleidung…” Das Schloss hatte viel anzubieten, war riesengroß und die dort versammelten Kunstwerke, zogen die Touristen wie ein Magnet an”, kommentiert Lichtenstein, deren Leidenschaft Sybillenort ist. Obwohl Wilhelm keine Ehefrau hatte, kann man mit Sicherheit feststellen, dass das andere Geschlecht ihm nicht egal war. Lichtenstein gelang es, zwei voneinander unabhängige Quellen zu finden, die besagen, dass unter dem Deckmantel eines Theaters, im Schloss ein persönlicher Harem des Herzogs funktionierte.

Blütezeit Nach dem Tod des Herzogs im Jahr 1884, wurde das Schloss, gemäß dem Willen Wilhelms, das Eigentum von Albert von Sachsen, der einen völlig anderen Lebensstil führte, als sein Vorgänger. “König Albert von Sachsen erbte Sibyllenort von Wilhelm. Da er ein religiöser Mensch, treu den ethischen Grundsätzen, war, begannen er und seine Frau ihr Leben in dem Schloss auf Einladung eines Pfarrers. Die Schlosssäle wurden geweiht und die frivolen Gemälde der Tänzerinnen verordnete Königin Carola zu entfernen. Der Ruf Wilhelms und sein ziemlich lockerer Umgang mit der Etikette und den

strengen Hofregeln, haben das Paar zu solchen Maßnahmen gezwungen. Anstelle des Theaters entstand eine Kapelle, wo man einen Altar aus italienischem Marmor aus Carrara hingestellt hat”, erklärt Lichtenstein. Interessant ist, dass das Weihen aller Säle, bestimmt nicht kurz dauerte. Im Schloss befanden sich nämlich ganze 140 Räume, wovon nur 80 eine repräsentative Funktion erfüllten. Einer prachtvoller als der andere. Im Speisesaal stand beispielsweise ein riesiger Marmortisch, der umgeben von dort wachsenden Melonen und Kirschen war. Hingegen in einem anderen Raum befand sich der Spiegelsaal, der von vielen als der Glatzensaal bezeichnet wurde. Da das ganze Zimmer mit Spiegeln überzogen war, haben sich an der Decke oft die Glatzen der Besucher gespiegelt. Mit der Neueinrichtung des Schlosses beschäftigte sich die Ehefrau des Königs, Königin Carola. Weil sie leider keine Kinder haben konnte, widmete sie sich völlig dem Schloss. Als sie z. B. ein Mal in Italien war, begeisterte sie sich für eine mit Gold überzogene, mit mythologischen Szenen bemalte Ledertapete, die sie an den Wänden einer der besuchten Residenzen sah. Da die Besitzer sie jedoch nicht verkaufen wollten, hat sie das ganze Gebäude gekauft, die Tapeten abgerissen und nach Sibyllenort mitgenommen. Die italienische Residenz überließ sie dem Schicksal.


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Mai 2020

Das Paar holte auch den königlichen Gärtner aus Dresden herbei, der sich der Verschönerung des Parks widmete. Unter zahlreichen Bäumen und Sträuchern erschienen auch Springbrunnen, Brücken an den Teichen, Skulpturen und in der Gegend nicht wachsende Pflanzen. Nach dem Tod des Königs, hat Carola ihm ein Denkmal mit einem Kreuz im Park aufgestellt, welches als eines der wenigen Überreste des Schlosses, im fast unversehrten Zustand sich bis heute dort noch befindet. Treue Gefährten der Königin waren ihre Hunde. Die Lieblinge von Carola liefen und ruhten sich im ganzen Schloss aus. Doch eines Tages stolperte die Königin über einen ihrer Vierbeiner und zerschlug eine der Meißner Vasen, die Teil der Porzellankollektion im Schloss war. In Folge des Falls hat sie sich am Gesicht verletzt. Das königliche Protokoll nahm an, dass die zerschmetterten Meißner Gefäße von der Dienerschaft aufgehoben und an einem speziellen Ort aufbewahrt werden musste. Diese Kollektion war nämlich noch kostbarer als Gold selbst. Die Königin hat jedoch ihr Leben nicht nur dem Schloss gewidmet, sondern der ganzen Gegend. Sie spendete viel Geld, um die umliegenden Denkmäler und Sehenswürdigkeiten zu renovieren und unterstützte finanziell viele Waisenkinder. Dank der geleisteten Hilfe liebten nicht nur Bewohner, sondern auch die Touristen Sibyllenort, wie auch ihre Herrscher. Zu dieser Zeit besuchten den Ort ganze 70 Tsd. Menschen jährlich!

Das Schloss Sibyllenort zwischen 1920-1940, Foto: fotopolska.eu

Zuhause

na Lichtenstein. Obwohl die früheren Besitzer Sibyllenort in eine touristische Perle verwandelten und Tausende Besucher angezogen haben, machte nur Friedrich August III. ein wahres Zuhause aus diesem Ort. Er zog seine Kinder hier groß und lebte bis zum Tode im Schloss, obwohl er keine Ehefrau an seiner Seite hatte, da sie ihn ein Jahr vor seiner Krönung im Jahr 1903 verlies.

Nach dem Tod König Alberts, gelangte das Schloss in die Hände seines Bruders, Georg von Sachsen, der während seiner kurzen, denn nur zweijährigen Herrschaft, nicht wirklich am Sibyllenort interessiert war. “Nach seinem Tod erbte Sibyllenort sein Sohn, Friedrich August III. - der letzte König Sachsens. Nach der Abdankung ließ sich Friedrich im Sibyllenort nieder und er war es, der diesen Ort als wahres Zuhause ansah. Sein Tod im Jahr 1932 beendete die beste Zeit in der gesamten Geschichte der Ortschaft”, kommentiert Katarzy-

Wegen der schlechten finanziellen Lage und dem baldigen Krieg in Deutschland, konnten die Nachkommen von Friedrich August III. nach seinem Tod das Gebäude nicht mehr versorgen. “Das Schloss gelangte in die Hände seines Sohnes - des Markgrafen von Meißen - Friedrich Christian von Sachsen. Sein älterer Bruder ist der Thronfolger, doch er verzichtet auf diese Funktion, weil er sich entscheidet Priester zu werden. Es ist Friedrich Christian der zum Familienoberhaupt wird und auf seine Schultern fallen alle Sorgen, auch

die, welche mit der Unterhaltung des Schlosses, das ein Moloch ist, zu tun haben. Friedrich Christian entscheidet sich, zum Schloss Wachwitz in Dresden zu ziehen, die Ausstattung vom Sibyllenort schickt er mit einem speziellen Zug in die neue Residenz. Den Rest der beweglichen Güter verkauft er während einer dreitägigen Auktion im Jahr 1935. Das Schloss ist wegen der gigantischen Größe ein Problem in sich selbst, keiner will es haben, sogar Caritas lehnt es ab”, so Lichtenstein.

Helles Feuerlicht Die goldene Zeit von Sibyllenort war vorbei und das Gebäude wurde zum Lager der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges. Im Jahr 1945 brach im Schloss ein Feuer aus. Laut Katarzyna Lichtenstein, legten es die sich zurück ziehenden deutschen Soldaten, die nicht wollten, dass die dort gelagerte Ausrüstung in die Hände der sowjetischen Armee gelangt. Das Schloss


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soll mit einem außergewöhnlich hellen Licht gebrannt haben. Der Grund dafür lag in den brennenden Fallschirmen, die aus Seide hergestellt waren. Es folgte das Ende von Sibyllenort. Es änderte sich sogar der Name der Ortschaft, der ab dem Ende des Krieges Sybilin lautete. Erst mit dem Ende der 40er Jahre nannte man den Ort Szczodre.

Der legale Tod des Schlosses Trotz des Krieges und des schrecklichen Brandes, hat das Schloss die schwierige Zeit überstanden. Der wunderschöne Park und das Gerüst des Gebäudes konnten bis zu diesem Zeitpunkt noch renoviert werden. Doch die polnische Regierung hatte einen völlig anderen Plan. Man begann mit dem Abbriss des Schlosses. In den nächsten zwanzig Jahren hat man die Ziegel aus Szczodre nach Warszawa/Warschau transportiert. Wieso entschied man sich jedoch für den Abriss dieses einst in ganz Europa bekannten Gebäudes? “Ich denke, dass es die Schuld der Region ist, in der das Schloss liegt. Heute ist es Niederschlesien, es gibt hier eine enorme Anzahl von Schlössern, Palästen und Höfen. Als die Entscheidung über den Abriss des Schlosses und den Transport von Ziegeln zum Aufbau der Hauptstadt von Oben kam, da war einem schon klar, dass in den Zeiten des Kommunismus niemand etwas tun konnte. Damals wurden selbst großartige Wandmalereien mit Ölfarben bemalt, um die Spuren der früheren Besitzer zu übermalen”, so Lichtenstein. Die verbliebenen Hinterhäuser hat man in den nächsten Jahren in verschiedener Weise genutzt. Es entstand hier ein Erholungszentrum für Offiziere des Polnischen Amtes für Staatssicherheit, ein Erholungszentrum für Touristen, ein Staatlicher Landwirtschaftsbetrieb, wo Enten gezüchtet wurden und ein Bildungszentrum für Angestellte des Woiwodschaftsamtes. Erst im Jahr 1990 wurde das, was vom Schloss Sibyllenort übrig blieb, in die Denkmalschutzliste eingetragen. Als Todesmoment des Gebäudes nennt man das Jahr 1999, als zwei gusseiserne Löwenskulpturen beim Eingangstor verschwunden sind.

Heute ist das Schloss im Besitz einer privaten Person. Es erlitt das gleiche Schicksal, wie viele andere Schlösser in Schlesien. Der private Investor, eigentlich, sogar mehrere, haben trotz der vielen Versprechen und einem niedrigen Kaufpreis, nichts gemacht. Der Gemeinde gelang es, einen Teil des Parks, wo sich keine Überreste des Gebäudes befinden, aufs neue zu beleben. Heute ist es ein Ort der Erholung und Entspannung für die Bewohner der Gemeinde. Doch was ist mit dem Rest des Parks? Die Moderatorin der Facebookseite “Pałac Sybilli w Szczodrem” versucht, auf diese Frage zu antworten - “Wenn es der Gemeinde Długołęka/ Langwiese gelingen würde, den für so gut wie nichts verkauften Teil des Parks mit den Ruinen des Schlosses wiederzubekommen, könnte man aus diesem Ort etwas Großartiges machen. Vielleicht nicht so glanzvoll, wie das alte Schloss Sibyllenort, aber einen Ort, wo die Bewohner der Gemeinde und der Umgebung die faszinierende Geschichte der sächsischen Könige kennenlernen könnten, die viele Jahre unter den Teppich gekehrt wurde. Erst heute erwacht in den Menschen der unfassbare Wille, die eigene Vergangenheit zu erkunden. Dank der Seite, die ich führe, kontaktieren mich viele Personen. Sie erinnern sich gerührt an alte Zeiten, als noch das Gerüst des Schlosses stand. Sie wissen genau, wie sie in den Rui-

Das Schloss Sibyllenort zwischen 1920-1940, Foto: fotopolska.eu

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nen spielten, in der großen Fontaine badeten, die wie durch ein Wunder nicht zerstört wurde, jedoch unter einer Moosschicht versteckt ist. Im Gedächtnis bleibt mir vor allem ein Kommentar einer Frau, die schrieb, dass sie sich noch an wunderschöne Magnoliensträuche erinnert, die sich zwischen den vielen Ziegeln ans Licht versuchten zu drängen.” “Dieser Ort ist magisch, hat ein ungeheuergroßes Potenzial und eine sehr interessante Geschichte, die immer noch eine lebende Materie ist. Ich lerne, suche und entdecke sie immer aufs Neue. Das Schloss wird sich nicht wie ein Phönix aus der Asche erheben, keiner wird es in der gleichen Form, wie vor Jahren, wiederaufbauen. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass endlich jemand sich den Ort anschaut und das sieht, was ich in ihm sehe. Die Gemeinde Długołęka/Langwiese befindet sich weit von Dresden, Meißen, Moritzburg oder Pillnitz, doch wir haben die gleiche Geschichte. Wir sind ihr fehlendes Glied und sie sind unser. Die Menschen, die in der Ortschaft Sibyllenort lebten, verdienen es respektiert und geschätzt zu werden, ohne Rücksicht darauf, welche Sprache sie gesprochen haben, denn sie haben diesen Ort so sehr geliebt, wie ich und sie haben mit derselben Hoffnung versucht, hier zu leben.”


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Mai 2020

Die kaschubischen Steinkreise von Paulina Kuc


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Tief in einem Wald in der Kaschubei befinden sich Steinkreise, die man als das “polnische Stonehenge” bezeichnet. Man sagt, dass sie von Außerirdischen gebaut wurden und ihre Kraft Einfluss auf das Befinden von Menschen nehmen soll. Wie viel Wahrheit steckt jedoch dahinter? Darüber spricht mit PolenJournal.de Piotr Fudziński vom Archäologischen Museum in Gdańsk/Danzig.

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Die Steinkreise befinden sich in Węsiory/Wensiorry bereits seit mehreren Jahrhunderten. Das polnische Stonehenge weckt in den Touristen Interesse, wie auch viele Fragen. Vor allem, wie die Steinkreise und Kurgane in Wesiory/ Wensiorry entstanden sind. Piotr Fudziński vom Archäologischen Museum in Gdańsk/Danzig erklärt, dass Węsiory/Wensiorry in der Zone der größten Besiedlung der Kaschubischen Seenplatte aus Zeiten der römischen Einflüsse liegt. Es war ein sehr intensiv besiedeltes Gebiet. Ähnlich wie in Odry/Odri, Grzybnica/Alt Griebnitz und Leśno, kann man an solchen Orten viele Relikte aus früheren Zeiten finden. “Die Steinkreise und Kurgane wurden in Węsiory/Wensiorry hauptsächlich im 2. Jahrhundert genutzt und wurden dann ziemlich schnell verlassen. Seit Anfang des 3. Jahrhunderts gibt es bereits keine Anzeichen ihrer Nutzung mehr. Ich sage das nur zum Vergleich zu dem, was man in der Literatur finden kann, nämlich, dass Wesiory/Wensiorry schneller verlassen wurde, als Odry/Odri, mit dem man den Ort oft vergleicht, weil sich an beiden Orten Steinkreise befinden. Der Gedanke von Steinkreisen selbst kommt wahrscheinlich aus Skandinavien. Wir sprechen hier hauptsächlich über das 2. Jahrhundert. Kurgane kamen hingegen in Pommern bereits zum Ende der Steinzeit vor und wurden stets mit kleinen Unterbrechungen bis zum Mittelalter gebraucht”, erklärt Fudziński.

Außerirdische, Riesen oder Goten?

Kurgane in Węsiory/Wensiorry

Es gibt viele Theorien über die Entstehung der Steinkreise und Kurgane in Węsiory/Wensiorry. Fantasy-Fans sind der Meinung, dass dieser Ort von Außerirdischen geschaffen wurde. Andere finden hingegen, dass es die kaschubischen Riesen - Stolemowie - waren, die man aus verschiedenen Geschichten und Legenden kennt. Fudziński betont jedoch, dass die Steinkreise und Kurgane nichts mit übernatürlichen Kräften oder magischen Wesen zu tun haben. “Es sind menschliche Erzeugnisse und grundlegend ist das klar. Solche Geschichten sind nur zeitgenössische Einflüsse, die entstanden sind, weil manche zu viel in die Anwesenheit der archäologischen Stätten im Gebiet hinein interpretieren. Zum Beispiel befinden sich auf dem Terrain der Kaschubischen Seenplatte zahlreiche frühmittelalterische Wallburgen und sehr oft, ich weiß nicht warum, werden sie als schwedische Schützengräben bezeichnet. Das entspricht jedoch komplett nicht der Wahrheit. Mit 99-prozentiger Sicherheit kann ich sagen, dass diese Wallburgen nichts mit der Schwedischen Sintflut zu tun haben. Jedoch in der allgemeinen Überzeugung sind sie mit dem Überfall Schwedens auf

Polen verbunden. In Węsiory/Wensiorry ist es genauso. Der Ort wird mit irgendwelchen Ansichten, Glauben assoziiert, womit er in Wirklichkeit nichts zu tun hat”, erklärt der Angestellte des Archäologischen Museums. “Man nimmt an, dass die Goten auf der Kaschubischen Seenplatte am Anfang unserer Ära lebten und dass sie die Steinkreise und Kurgane erbaut haben. Wahrscheinlich kamen sie im 1. Jahrhundert aus Skandinavien und lebten eine Zeit lang in Pommern. Doch bereits zum Ende des 2. und Anfang des 3. Jahrhunderts sind die Gruppen allmählich nach Südosten in Richtung Masowien, der Region um Lublin, durch Wolyn zum Schwarzen Meer weiter gesiedelt”.

Kurgane und Steinkreise Kurgane sind Aufschüttungen aus Erde und Steinen. In Innerem, unter ihnen und manchmal in der Ummantelung befinden sich verschiedene Arten von Gräbern. In Węsiory/Wensiorry sind es ungefähr 20 Gräber. In der Nähe der Ortschaft befinden sich auch frühere Kurgane aus der Bronzezeit. Es war ein Gebiet der intensiven Besiedlung der sogenannten kaschubischen Gruppe der Lausitzer Kultur (poln. grupa kaszubskiej kultury łużyckiej) vom Ende


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der Bronzezeit, in dessen Kultur die Kurgane die Hauptbegräbnisform waren. Neben den Kurganen befinden sich in Węsiory/Wensiorry auch drei Steinkreise. Die meisten Besucher fragen sich, was sie da machen, wieso sie entstanden sind? Fudziński erklärt, dass sie wahrscheinlich die Funktion eines Treffpunktes hatten. “Auf dem Gelände der Steinkreise befinden sich fast keine Gräber und wenn sie mal vorkommen, dann sind es spätere Begräbnisse und sehr bescheiden ausgestattet. Das heißt, dass wenn diese Menschen begraben wurden, war die Bestimmung dieses Ortes bereits erloschen, und markierte das Ende der Steinkreise. Erst dann hat man diesen Ort als ein Friedhof benutzt. Doch man nimmt an, dass früher hier Stammtreffen stattgefunden haben”, kommentiert Fudziński. Heute befinden sich dort drei Kreise. Doch der Angestellte des Archäologischen Museums findet, dass es ursprünglich auch vier sein könnten. Viele Menschen bezeichnen diesen Ort als das polnische Stonehenge. Es stellte sich jedoch heraus, dass Węsiory/ Wensiorry und Stonehenge sehr wenig gemeinsam haben. Das englische Denkmal ist viel älter als die polnischen Steinkreise und es erfüllte auch eine andere Funktion. Fudziński ist der Meinung, dass solche Vergleiche oft ein falsches Bild von Orten in Menschen wecken. Die Touristen finden dann, dass das Denkmal aus derselben Zeit kommt, von denselben Personen erschaffen wurde und dieselbe Funktion hat, was natürlich nicht wahr ist.

Energiewirbel Im Internet kann man viele Posts finden, in denen Menschen besagen, dass dieser Ort eine außergewöhnliche Energie ausstrahlt. Besucher der Steinkreise finden, dass sie eine sie überwältigende Ruhe fühlten. Wenn man sich in die richtige Richtung in den Kreisen legt, kann man angeblich die Chakren im Körper öffnen und von schlechter Energie reinigen. Man sagt auch, dass nicht alle den dritten Steinkreis betreten dürfen. Wegen starker, mutmaßlicher Energiewirbel kann der Einfluss

Besucher, die mit dem Auto hinfahren und die Steinkreise betreten, sollen sich eine Stunde ausruhen. Die starke Wirkung der Steinkreise auf den menschlichen Verstand, schafft nämlich ein angebliches Risiko eines Autounfalls.

Hause zu nehmen. Das soll viel Leiden dem Dieb, wie auch seinem Bekanntenkreis, bringen. Doch kann das Mitnehmen von einem kleinen Souvenir von diesem Ort (z. B. ein Stein) negative Folgen haben? Piotr Fudziński eilt mit einer eindeutigen Antwort - “Selbstverständlich, in Form eines Besuches der Strafverfolgungsbehörden.” Man sollte beachten, dass das Gräberfeld in Wesiory/Wensiorry Teil des Kaschubischen Landschaftsschutzparks ist.

Vor Ort kann man auch Warnungen vorfinden, die den Menschen verbieten, Steine oder andere Sachen von den Kreisen und Kurganen mit nach

Die beruhigende Wirkung, an die so viele glauben, muss hingegen nichts mit übernatürlichen Phänomenen zu tun haben. Die Umgebung selbst, der

auf den menschlichen Körper sowohl positive, als auch negative Folgen nehmen. Es fehlt auch nicht an Menschen, die glauben, dass dieser Ort sie geheilt hat.


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grüne Wald, die vorherrschende Ruhe und der wunderschöne See können bei den Besuchern positive Emotionen auslösen. Man kann auf jeden Fall feststellen, dass es ein idealer Ort ist, um sich auszuruhen und zu entspannen.

Was befand sich in den Gräbern? “Sofern Odry/Odri, die mit Wesiory/ Wensiorry verglichen werden, bereits im 19. Jahrhundert bekannt war, blieb Węsiory/Wensiory wegen der Lage sehr lange unbekannt. Man entdeckte

diesen Ort im Jahr 1938, doch interessierte sich dafür erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1946 wollte der erste Woiwodschaftsdenkmalschützer für Archäologie, der verdiente Forscher, Jerzy Antoniewicz etwas unternehmen. Doch viel wurde daraus nicht. Man versuchte das Gelände, wo sich die Kurgane befanden, von einem Bauern zu kaufen, doch der wollte es nicht verkaufen. Doch in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde bekannt, dass die örtlichen Einwohner angefangen haben, die Steine von den Kurganen zu stibitzen. Das löste die Intervention des Woiwodschaftsdenkmalschutzes für Archäolo-

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gie, Jerzy Kmieciński im Jahr 1954 aus. Zu dieser Zeit hat man Geld für Untersuchungen gefunden und es begann eine ganze Serie von Forschungen, Jahr für Jahr bis zum Anfang der 60er Jahre. Auch in den 90er Jahren fanden Untersuchungen statt. Es wurden Forschungssaisons durchgeführt, die letzte fand im Jahr 2000 statt. Alle wurden von der Universität Łódź organisiert”, erklärt Fudziński. Im Rahmen der Untersuchungen fand man viele Skelettund Verbrennungsgräber (ganze 110!), untersuchte das Gelände um die Steinkreise und Kurgane und den flachen Teil des Gräberfeldes. Man fand viele Gegenstände, die mit den Verstorbenen begraben wurden. Es waren keine Waffen oder Werkzeuge, sondern eher typische Frauengegenstände, vor allem verschiedener Schmuck, wie Spangen, Armbänder oder Gürtelelemente. Nach den Ausgrabungsuntersuchungen wurde ein Teil der Kurgane rekonstruiert. Man sollte jedoch betonen, dass alle Steine wieder an ihren Platz zurückgebracht worden sind. Die Originale bildeten nie die Ausstellung des Museums. “Die Steine von den Steinkreisen wurden aus offensichtlichen Gründen nie bewegt. Man hat Ausgrabungen durchgeführt, doch in einer Art und Weise, um sie nicht zu berühren. Generell stehen sie so, wie sie ursprünglich aufgestellt wurden”, kommentiert Fudziński. Trotz zahlreicher Untersuchungen, wurde dieser Ort vor allem nicht dank der historischen Vorteile bekannt, sondern eher wegen der Legenden und der angeblichen Kraft der Steine. Die Touristen zieht das Geheimnisvolle und Unbekannte an, leider sind nur wenige an Fakten interessiert. Dieser Ort hat jedoch viel mehr anzubieten, als den Namen “das polnische Stonehenge”. “Ich finde, dass es eine tolle Gelegenheit ist, mit sichtbaren Relikten der alten Zivilisationen umzugehen. Es ist etwas, was man sich nicht vorstellen muss”, findet Piotr Fudziński. Die Vergangenheit erschafft sehr oft viel interessantere Geschichten, als wir uns ausdenken können. Um sie kennenzulernen, braucht es nur ein wenig an Interesse.

Steinkreise in Węsiory/Wensiorry


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Mein Leben bei den

zähle ich auch zu den Leuten, die man gemeinhin als multilingual und sprachbegabt bezeichnen würde. Es fiel mir immer leicht mich auszudrücken und mit Fremden zu kommunizieren und dies hat für mich somit auch in einer anderen Sprache nie ein Problem dargestellt. In diesem Artikel möchte ich nun aber davon berichten, wie es dazu kam, dass ich mir zum Erlernen eine der wohl schwierigsten Sprachen der Welt ausgesucht habe.

Eine Reportage aus meiner neuen Heimat

Der, Die, Das...kapusta i kwas

Nachbarn von Maximilian Broy

Polnisch: Die schwerste Sprache der Welt!?! Als Jemand der viel reist, zum Teil auch beruflich im Ausland unterwegs ist und auch selbst schon im Ausland gelebt hat und dies auch immer noch tut, empfinde ich es als äußert wichtig sich dort, wo man sich gegenwärtig aufhält, mit den Menschen in ihrer Muttersprache kommunizieren zu können. Ob es nun die Getränkebestellung in einer Bar ist, einfach nur die Verwendung von Hallo, Danke und Bitte im Supermarkt oder es um die Frage nach dem Weg geht, ich habe es immer als ausgesprochen wichtig sowie auch als hilfreich und höflich erachtet, zumindest die Grundlagen einer jeden Sprache zu beherrschen, wenn ich mich auch in diesem Sprachraum befinde. Ich bin mit Englisch aufgewachsen, habe früh Französisch und danach auch schnell Spanisch gelernt. Für mich war es auf Reisen oder im Ausland allgemein immer natürlich mich nicht als erstes auf Deutsch sondern auf der jeweiligen Sprache vor Ort oder zumindest auf Englisch verständigen zu können. Außerdem

Besonders als Sprachlehrer haben mich meine Schüler immer wieder gefragt, welche meiner Meinung nach die am schwersten zu erlernende Sprache ist. Diese Frage zu beantworten ist so einfach wie die Antwort auf die Fragen: welches Land das schönste der Welt ist oder wo es das beste Bier gibt. Um sich der Beantwortung dieser Frage zu nähern, muss man zunächst berücksichtigen, aus welchem Sprachraum


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die Person stammt. Für einen Polen ist die deutsche Sprache wahrlich nicht einfach zu erlernen und für einen Deutschen ist es auch kein Kinderspiel, die polnische Sprache beherrschen wollen. Es ist immer davon abhängig, aus welcher Sprachfamilie die Muttersprache des Lerners entspringt und aus welcher Sprachfamilie die Sprache stammt, die erlernt werden soll. Für einen Deutschen ist es leichter Dänisch oder Niederländisch zu lernen als für einen Polen und umgekehrt tut sich ein Pole leichter Slowakisch zu erlernen als ein Deutscher. Vergleicht man somit die polnische und deutsche Sprache miteinander, bemerkt man gravierende Unterschiede, die es dem jeweiligen Lerner erschweren. Schaut man allerdings genauer hin, findet man aber nach einiger Zeit auch Gemeinsamkeiten. Die deutsche Sprache entstammt der Familie der germanischen Sprachfamilie zusammen mit Norwegisch, Schwedisch, Dänisch, Niederländisch, aber auch Englisch. In dieser Gruppe wird dann auch noch einmal differenziert, sodass Niederländisch dem Deutschen näher ist als Schwedisch. Auch in der slawischen Sprachfamilie gibt es diese Unterscheidung, weswegen das Polnische dem Tschechischen mehr ähnelt als dem Serbischen. Aber grundsätzlich teilen sich die slawischen Sprachen einen Kernwortschatz und grammatische Eigenschaften, wie es auch unter den germanischen Sprachen der Fall ist. Weiterhin gehört die deutsche Sprache zu den synthetischen Sprachen, wohingegen das Polnische eine analytische Sprache ist. Das erkennt man daran, dass es in der deutschen Sprache ohne Probleme möglich ist, sehr viele Substantive an einander zu reihen. Im Polnischen ist dies nicht der Fall, auch wenn man hier des Öfteren lange Wörter vorfindet. Anders als im Deutschen handelt es sich dabei aber nicht um mehrere Substantive. Möchte man also als Mitglied einer germanischen Sprachfamilie eine slawische Sprache erlernen, beginnt man praktisch bei Null. Außer ein paar Wörtern wie toaleta, kino oder komputer ist der Beginn des Sprachlernprozesses der polnischen Sprache äußert knifflig und kompliziert, auch weil man auf fast nichts aufbauen und zurückgreifen kann. Im Prinzip funktioniert Polnisch aber auch wie das Deutsche. Es gibt ein Subjekt, ein Verb und wenn man den Satz etwas anspruchsvoller gestalten möchte auch ein Objekt oder mehr. Wie in vielen anderen Sprachen auch gibt es im Polnischen grammatikalische Fälle, das heißt Sprachkategorien, die sich jeweils während einer spezifischen Sprachsituation ändern. Im Deutschen gibt es 4 davon, wobei der Nominativ als 1. Fall die einfachste Variante darstellt und der Genitiv immer weniger genutzt wird, einige Linguisten würden sogar behaupten, dass er zugunsten eines anderen Falles ausstirbt. Für einen Sprachlerner bedeutet dass, man muss sich mit dem Dativ und Akkusativ eigentlich nur 2 Fällen intensiv widmen. Darauf wie sich diese Fälle nun unterscheiden, wollen wir aber nicht weiter eingehen. Im Polnischen gibt es hingegen 7 Fälle, wobei auch hier der Nominativ als 1. Fall relativ simpel ist und der

Über den Autor: Geboren 1986 im damaligen Ost-Berlin, hat er sich schon früh für die weite Welt interssiert. Nach zahlreichen beruflichen Stationen, u.a. in einer Kunstgalerie, im Casino sowie in einem Hotel oder als Reiseleiter, fand er nach dem Studium der Geopgraphie und Anglistik in Potsdam seine Berufung als Sprachenlehrer im Ausland. Nach einem Halt in Budapest ging es 2015 nach Polen, wo er glücklich und zufrieden lebt und von Łódź aus das Land entdeckt.

Damit Ihr nicht immer 2 Monate warten müsst, bis neue Artikel über das Leben von Max in seiner neuen Heimat erscheinen, wird er Euch ab jetzt auch in seinem wöchentlichen Blog kleine Alltagsgeschichten sowie Erlebnisse präsentieren, da es einfach so viel Spannendes gibt, das er Euch gern mitteilen möchte. Schaut doch einfach mal auf der Internetseite vom PolenJournal.de nach.

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7. Fall dem deutschen Imperativ, also der Befehlsform wie Geh, Iss oder Sprich, gleichzusetzen ist. Des Weiteren finden wir auch hier den Akkusativ, Genitiv und Dativ wieder, welche zum Teil auch ähnlich funktionieren, aber natürlich anders gebildet werden. Was passiert nun aber in diesen Fällen? Ich möchte nicht zu tief in die Materie eintauchen, aber ich finde es auch wichtig, ein bisschen über die eigene Sprache zu wissen und dann auch zu verstehen, wie andere Sprachen funktionieren. Oft lernt man die deutsche Grammatik in der Grundschule und vergisst dann später alles wieder, da es nicht wichtig erscheint zu wissen, was der Akkusativ ist und wie man ihn verwendet. Für mich als Sprachlehrer ist es natürlich wichtiger als für andere Menschen die Funktionsweise der deutschen Sprache zu verstehen, aber ich bin auch der Meinung, dass ein Grundverständnis des Aufbaus der Muttersprache dabei hilft, sich die Welt besser zu erschließen. Ludwig Wittgenstein sagte dazu: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“

Auf den Balkon vs. Auf dem Balkon Als Deutschem ist es einem ganz selbstverständlich, dass wir Artikel benutzen oder jeder Mensch, der Deutsch von Kind auf intuitiv verinnerlicht hat, weiß, dass es der Baum, die Sonne und das Auto ist. Andere germanische Sprachen verfahren da ähnlich, auch wenn im Schwedischen nur die grammatischen Geschlechter belebt und unbelebt existieren, wobei es im Deutschen die Unterscheidung zwischen männlich, weiblich und sächlich gibt. Auch unter den romanischen Sprachen wie Spanisch und Französisch gibt es diese Funktion und wie im Deutschen erschließt sich einem nicht, weshalb ein Substantiv genau dieses Geschlecht hat. Im Polnischen ist es dahingegen einfacher, da zwar Artikel existieren, diese aber kaum verwendet werden und man das Geschlecht relativ simpel an der Endung erkennt. Das gibt es auch im Deutschen, es ist aber bei Weitem komplizierter. Das führt dazu, dass man als Polnischlerner keine Artikel pauken muss und für mich als Deutschlehrer bedeutet es meinen Schülern zu vermitteln, dass es nicht heißt Ich habe Frage oder Ich habe Mann. Aber das ist eine andere Geschichte. Im Deutschen erfahren diese Artikel nun eine Veränderung, wenn sich die Sprachsituation ändert, wie zum Beispiel bei einer Bewegung. Es ist im Deutschen – wie auch im Polnischen – ein Unterschied, ob ich mich an einem Ort befinde oder dorthin begebe. Dieser Unterschied wird in der deutschen Sprache durch die Verän-

derung des Artikels verdeutlicht: Ich gehe auf den Balkon unterscheidet sich zu Ich bin auf dem Balkon. Dieses Phänomen nennt sich Deklination und in der polnischen Sprache wird dies anders als im Deutschen durch eine – manchmal sehr starke – Veränderung des Substantives umgesetzt, und das ist für einen Deutschen sehr ungewohnt und kompliziert. Die deutsche Variante der Flexion des Artikels ist nicht weniger anspruchsvoll, aber die Anzahl der Möglichkeiten ist mit der, die, das, den, dem und des doch überschaubar. Um es jetzt auch noch weniger anwenderfreundlich zu gestalten, ist diese Veränderung je nach Geschlecht und Fall unterschiedlich und somit wird Polnisch aufgrund der schier unbegrenzten grammatikalischen Möglichkeiten zu einer äußerst ambitionierten Angelegenheit und meiner Ansicht nach somit zu einer der schwersten Sprachen der Welt. Nur um es kurz zu verdeutlichen, die Zahl 2 hat im Polnischen 17 verschiedene Formen. Diese Sprache nun zu erlernen ist ein Unterfangen, welches sich in Deutschland kaum umsetzten lässt. Trotzdem habe ich 2012 einfach ohne Grund mit dieser Sprache begonnen, da Sprachenlernen zu meinen Hobbys zählt. Andere musizieren, sammeln seltene Gegenstände oder halten sich Tiere, ich lerne Sprachen. Zum einen, weil ich sowie so immer un-


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terwegs war und zum anderen, weil man durch das Erlernen einer Sprache auch gleichzeitig etwas über Menschen und Kultur des jeweiligen Landes lernt. Aber wie auch schon zuvor erwähnt, empfiehlt es sich eine Sprache wie Polnisch im Zielland zu erlernen. Ich fand es immer sehr amüsant, wenn junge Männer in unseren Kurs in Berlin kamen, da Sie eine Frau kennengelernt haben, deren Familie in Polen lebt und Sie sich gern mit den Familienmitgliedern unterhalten wollen. Diese gutgläubigen Personen wurden spätestens nach der 2. Lektion nie wieder gesehen. Das zeigt auch, dass für eine komplizierte Sprache wie Polnisch die Motivation stimmen muss. Also nichts wie ab nach Polen. Gesagt, getan.

Wer einen Satz auf Polnisch kann, spricht automatisch Polnisch Sobald man aber in Polen ist, bemerkt man schnell, dass alles halb so wild ist. Die Polen erwarten nicht, dass man perfekt Polnisch spricht und freuen sich, wenn man auch nur ein paar Wörter oder Redewendungen kennt. In den größeren Zentren wie Poznan, Breslau oder auch Krakau trifft man immer wieder auf Menschen jeden Alters, die Deutsch beherrschen. Mein Tipp ist auch eine Theorie zu überprüfen, denn angeblich kennt jeder Pole den Satz: Ordnung muss sein. Es existieren auch andere, mit unter humorvolle, Redewendungen auf Deutsch, die oft aber nur in Polen geläufig sind, wie zum Beispiel: Deine Mutter ist Komputer oder Der, Die, Das...kapusta i kwas womit die Polen ihr Unverständnis über die deutschen Artikel ausdrücken und diese somit als Sauerkraut und Säure bezeichnen, was aber eher der phonetischen Ähnlichkeit entspringt als dem wirklichen Vergleich der Artikel mit Sauerkraut und Säure. Das Problem allerdings ist sehr oft, dass die Polen die Tatsache, ein paar polnische Wörter fehlerfrei präsentieren zu können, damit verwechseln, dass man die Sprache perfekt beherrscht. Aber dann teilt man seinem Gegenüber einfach freundlich mit, dass man nur ein wenig Polnisch beherrscht und eventuell auf Englisch oder sogar auf Deutsch das Gespräch fortführen kann. Es empfiehlt sich allerdings in jedem Fall die Sprache zu lernen, wenn man die Absicht hegt, länger als 2 Jahre in dem Land bleiben zu wollen. Die meisten internationalen Firmen bieten ihren Arbeitnehmern Sprachkurse an und selbst Kurse oder auch Individualunterricht an einer Sprachschule sind in der Regel sehr erschwinglich. Beim Erlernen verhält es sich dann wie mit jeder anderen Sprache auch: Regelmäßigkeit und Motivation. Bei ersterem bin ich als Deutschlehrer der größte Hypokrit. Ich predige meinen Schülern, dass Sie täglich 5–15 min üben sollen und 2 mal die Woche länger, selber halte ich mich aber nicht daran, auch wenn ich in Polen lebe und täglich der polnischen Sprache ausgesetzt bin, würden mir 10–15 min täglich mehr sicherlich nicht schaden. Ich gehe zum Polnischunterricht, aber nicht regelmäßig, zu oft habe ich die Arbeit vorgeschoben, bis ich entschieden habe weniger zu arbeiten und mehr Zeit in die polnische Sprache zu investieren. Im nächsten Jahr findet meine polnische Hochzeit

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statt und da möchte man sich von seiner sprachlich besten Seite zeigen.

Der Dativ ist dem Genitiv nicht sein Tod Beim Erlernen einer Sprache ist es wie beim Sport oder einer Beziehung, man muss besonders am Anfang aber auch zwischendurch unheimlich viel Zeit investieren, um Erfolge zu sehen und sich weiterzuentwickeln, aber es lohnt sich, wenn man nach einer bestimmten Zeit dieses unbeschreibliche Glücksgefühl verspürt, dass der Kellner doch fest davon ausging mit einem Polen zu sprechen. Es gibt natürlich immer Hürden. Neben der Schwierigkeiten mit den Fällen kommt auch noch ein weiterer Umstand der slawischen Sprache zum tragen, und zwar der zeitliche Aspekt. Es ist im Polnischen ein Unterschied, ob ich etwas einmal oder regelmäßig mache und dabei benutzt man zum Verdeutlichen dieses Umstandes selbstverständlich unterschiedliche Verben, die sich ähneln, aber sehr oft auch nicht. Diese bilden dann auch andere Vergangenheitsformen, woran man aber sich auch gewöhnt. Auch deswegen, weil es im Polnischen genauer gesehen nur eine Vergangenheit gibt. Das ist doch schon mal etwas. Anders als im Deutschen, wo ein bekannter Linguist vor längerer Zeit ein Buch herausbrachte, in dem er den Untergang des Genitivs prophezeite und der Dativ seinen Platz einnehmen wird, ist dies in Polen genau anders herum. Hier findet man aber auch Fälle, die es im Deutschen nicht mehr gibt, die aber auch nicht besonders schwer sind, es ist wie mit allen Dingen: Übung macht den Meister. Wie in jeder anderen Sprachen auch gibt es Eigenheiten, die einem Kopfzerbrechen bereiten, aber einen auch unheimlich stolz machen, wenn man es dann irgendwann in der Praxis auch richtig anwenden kann. Der Vorteil ist auch, wer Polnisch spricht, kann sich einfacher in der Ukraine oder Kroatien bewegen. Man darf auch nicht vergessen, dass sich die polnische Sprache nie vor anderen Einflüssen verschlossen hat und somit findet man jede Menge deutsche, englische und allgemein lateinischstämmige Wörter vor. Dabei kommt es auch zu so wundervollen Kreationen wie dem Wort dżem, was Marmelade bedeutet, aus dem Englischen von Jam stammt, aber Polnisch geschrieben wird, sich aber wie das englische Äquivalent anhört. Wenn das nicht einfach nur reizend und somit einer von vielen Gründen ist, sich mit dieser Sprache intensiver zu beschäftigen, dann weiß ich auch nicht weiter.


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„Hilf mir, es selbst zu tun” Mit Dr. Małgorzata Wysdak, der Vorstandsvorsitzenden des Vereins Pro Liberis Silesiae, sprach Krzysztof Świerc

Wer hatte als Erster die Idee zu Pro Liberis Silesiae? Der Verein Pro Liberis Silesiae/Für die Kinder Schlesiens entstand 2008 als Initiative von Pädagogen und Eltern. Uns war es damals schon lange durch den Kopf gegangen, eine Alternative zu klassischer Bildung zu schaffen, welche die Eigenart der Region am besten zweisprachig berücksichtigen würde. Die Anfänge waren sehr schwierig, im Jahr 2009 entstand zunächst die Einrichtung in Raschau anstelle einer geschlossenen Grund- und Vorschule. Schwierig war nicht nur der Sprung in tiefes Wasser – die Betreuung von gleich sechs Schul- und Vorschuljahrgängen –, sondern auch all die Veränderungen, vom Verzicht auf Glocken und längeren Pausen bis hin zum Arbeitskonzept nach der Montessori-Methode und der Zweisprachigkeit. Menschen haben Angst, sie mögen keine Veränderungen, aber heute wissen wir, dass dieser Weg sich als eine gute Wahl erwiesen hat, als erfolgreiche Bildung. Unsere Absolventen bestehen ihre Prüfungen sehr gut, werden an ihren Traumschulen aufgenommen und sind bei uns glücklich… Was war das Hauptziel bei der Gründung Ihres Vereins? Ziel der Vereinsgründung war vor allem, Bildungseinrichtungen einer anderen Art zu etablieren, die zu Ände-

rungen gern bereit sind, die gegen den Strom schwimmen, ohne Glocken und erzwungene 5-Minuten-Pausen, wo die Kinder sich gut aufgehoben fühlen und freie Wahl im Rahmen des montessorianischen Unterrichts haben, wo ein Fehler eine Chance ist zu verstehen und zu lernen, und wo sie viele Inhalte zweisprachig auf Polnisch und Deutsch lernen können. Wir hatten am Anfang keine so schnelle Entwicklung unseres Vereins erwartet. Neben unserer Bildungsarbeit sind wir auch umfassend in der Kultur- und Projekttätigkeit aktiv. Ein Leuchtturmprojekt ist mittlerweile unsere sommerliche Spielstadt, wo die Kinder nach demokratischen Regeln ihre eigene deutsch-polnische

Stadt bauen. Dabei erschaffen sie einen außergewöhnlichen Raum und lassen ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf. In welchen Ortschaften der Woiwodschaft Oppeln beitreibt Pro Liberis Silesiae seine Schulen und wie wird dort unterrichtet? Zurzeit betreibt unser PLS seine Schulund Vorschuleinrichtungen in Raschau, Gemeinde Tarnau, in Oppeln im Stadtteil Malino sowie in Goslawitz, Gemeinde Guttentag. Die Bildungsreform hat viele Veränderungen mit sich gebracht und im Grunde dazu geführt, dass jede Einrichtung inzwischen mehr


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Herausforderungen und Aufgaben bewältigen muss. Wie sind Ihre pädagogischen Maßnahmen ausgerichtet? Werden Ihre Schüler nach dem Abschluss zu kreativen und verantwortungsvollen Menschen? In der Montessorianischen Pädagogik steht das Kind im Mittelpunkt. Denn ein Kind versteht es, selbstständig Wahlentscheidungen zu treffen, es wiederholt gern Übungen, es hat eine

Foto z.V.g. von Pro Libris

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Foto z.V.g. von Pro Libris

Ein Leuchtturmprojekt ist mittlerweile unsere sommerliche Spielstadt, wo die Kinder nach demokratischen Regeln ihre eigene deutsch-polnische Stadt bauen. Dabei erschaffen sie einen außergewöhnlichen Raum und lassen ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf.

Foto z.V.g. von Pro Libris

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großartige Konzentrationsfähigkeit, wenn es sich dafür interessiert, was es tut, und es hat auch eine einmalige Lernfähigkeit: Es lernt mit seinem ganzen Selbst, mit seinem ganzen Körper. Wenn in einer sog. vorbereiteten Umgebung (nach Definition von M. Montessori), wo alles übersichtlich geordnet ist und so die innere Ordnung des Kindes fördert, sich Materialien befinden, die für die sensiblen Phasen des Kindes angemessen sind, dann ist der Lehrer ein Beobachter und Helfer, er weiß um


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Es kommen zu uns eher Eltern, die sich bereits entschieden haben und eine Alternative für ihre Kinder suchen. Wir brauchen sie dann nicht sonderlich zu ermutigen. Die Schüler freuen sich über die gemütliche Atmosphäre, die nichtvorhandenen Hausaufgaben, die vielen zusätzlichen Aktivitäten und Reisen, den internationalen Austausch und zum Jahresende auch über ein Projekt, das für die gesamte Gemeinschaft ein großes Erlebnis ist: die Spielstadt Klein Raschau, die von Kindern erbaut und regiert wird. In Polen, darunter auch in der Region Oppeln, gibt es immer mehr Unternehmer aus den deutschsprachigen Ländern, die sich den Kopf darüber zerbrechen, in welche Schulen sie ihre Kinder schicken sollen. Ist Pro Liberis Silesiae für sie die beste Adresse und wenn ja, warum?

Foto z.V.g. von Pro Libris

die Bedürfnisse und führt das Kind an die Arbeit mit dem Montessori-Material heran. Es ist das Kind, das dann individuell und selbstständig seine Aufgaben realisieren kann. „Hilf mir, es selbst zu tun”: Dieses zentrale Montessori-Prinzip wird dann zur Realität. Sie bilden Kinder im Geiste universeller Werte und dabei nach den Grundsätzen der Pädagogik von Maria Montessori heran. Weshalb und inwiefern ist diese Methode besser und effizienter als die üblichen? Wir lehren den Kindern Verantwortung für sich selbst und ihre Umgebung sowie Zeitmanagement und Planung, also sehr wichtige Kenntnisse für das erwachsene Berufsleben und darüber hinaus. Uns fasziniert auch die Herangehensweise von Maria Montessori,

die zwei Weltriege miterlebte, an Fragen des Weltfriedens. So hat sie unter anderem gefordert, mit einer ungerechten Ausnutzung der Macht des Erwachsenen über das Kind aufzuhören. Wir sind bemüht, die Erziehung zum Frieden zu thematisieren, indem wir zunächst einmal die individuelle Persönlichkeit des Kindes anerkennen und die Wertschätzung für alle Wesen und die Natur vermitteln, denn sie sind ja grundlegend für die menschliche Existenz. Wir wollen, dass unsere Schüler ihre eigene Verantwortung verstehen und ihr Potenzial, viele Vorgänge in ihrem unmittelbaren Umfeld und vielleicht sogar in der Welt zu beeinflussen. Wie ermutigen Sie eventuelle Unentschlossene dazu, ihre Sprösslinge gerade in eine Vereinsschule des Pro Liberis Silesiae zu schicken?

Wir praktizieren die Zweisprachigkeit in unserer Bildungspraxis bereits ab dem Kindergarten, wo die Kinder den ganzen Tag über in Kontakt mit der polnischen und mit der deutschen Sprache bleiben. Volontäre und Lehrer aus Deutschland unterstützen als Muttersprachler den sprachlichen Fortschritt. Wir freuen uns, dass viele Eltern, die aus Deutschland zurückkehren, sich gerade für unsere Schulen entscheiden. Vor kurzem sind unsere Einrichtungen dem DSD1-Programm beigetreten, so dass unsere Achtklässler nunmehr eine internationale Prüfung der B1/B2-Stufe ablegen können. Unsere Absolventen werden in Zukunft ganz sicher ein attraktiver Nachwuchs für Unternehmen aus und in den deutschsprachigen Ländern sein. Wie hoch ist derzeit das Schulgeld in ihren Schulen und wie sieht es damit aus im Vergleich zu anderen privaten Schulen in der Woiwodschaft Oppeln, die übrigens kein so attraktives Angebot wie Ihre Schulen haben? Zehn Jahre lang nach der Gründung unserer Einrichtungen schafften wir es, überhaupt kein Schulgeld zu erheben. Die jüngsten Veränderungen im Bildungswesen, die Bildungsreform und die Verlängerung der Grundschule auf acht Klassen haben enorme finanzielle


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Aufwendungen z.B. für Infrastruktur, einen notwendigen Ausbau der Einrichtungen etc. nach sich gezogen. Um diesen Aufgaben gewachsen zu sein, haben wir ein im Grunde sehr geringes Schulgeld in Höhe von 150 Złoty monatlich eingeführt. Zum Vergleich: In anderen Schulen in Polen liegt dieses je nach Ortschaft zwischen 600 und 7.000 Złoty monatlich (Daten laut https://www. newsweek.pl/polska/spoleczenstwo/ szkola-publiczna-czy-prywatna-co-wybieraja-rodzice-i-dlaczego-to-coraz-trudniejszy/yhkkm7s). Wie kommen die Vereinsschulen des Pro Liberis Silesiae in Zeiten der Corona-Pandemie mit dem Online-Unterricht zurecht? Sehr gut. Wir haben ein junges und dynamisches Team, das sich den neuen Aufgaben schnell gewachsen gezeigt hat. So haben wir inzwischen spezielle Blogs und Webseiten für Kindergärten und Schulklassen 1-3 mit fortlaufenden Informationen, welche Aufgaben unsere Schüler nacheinander zu erledigen haben. Während unserer Online-Stunden ist den Kindern der Kontakt mit jedem Lehrer garantiert, außerdem werden ihnen verschiedene Tätigkeiten übertragen, z.B. Projekte, die in unser montessorianisches Schema passen.

Foto z.V.g. von Pro Libris

Stehen die Lehrer jederzeit den Kindern zur Verfügung? Wenn ein Schüler eine individuelle Frage hat oder eine Tätigkeit problematisch findet beziehungsweise einen Ratschlag braucht, dann ist der zuständige Lehrer online erreichbar und kann dem Schüler in geeigneter Weise nützliche Informationen zukommen lassen. Im Falle unserer Schulen kommen in der jetzigen Situation meiner Meinung nach die Selbstständigkeit der Schüler sowie Offenheit gut zum Tragen, also das, was ihnen bei uns beigebracht wird. Das steigert auch ihre Motivation, wenn es darum geht, zuhause zu lernen. Bedeutet dies, dass Ihre Vereinsschulen keine Schwierigkeiten mit dem Online-Unterricht haben? Doch, gelegentlich gibt es z.B. Probleme mit der Hardware, ein andermal ist das Netz überlastet. Also Hindernisse durch Faktoren, die von uns unabhän-

Foto z.V.g. von Pro Libris

gig sind. Dennoch gilt: Auch wenn die Schüler bereitwillig und verantwortungsvoll an das Online-Lernen herangegangen sind, sehnen sie sich nach normalen sozialen Kontakten. Ebenso die Lehrer, denn der Unterricht durch direkten Kontakt, wo man auf den Schüler zugehen und sich mit ihm unterhalten kann, fällt ihnen leichter. Dafür haben die Lehrer, indem sie von zuhause aus arbeiten, jetzt vielleicht mehr Freizeit?

Nein, es ist genau umgekehrt! Sie müssen mehr Zeit für ihre Vorbereitung auf den Unterricht aufwenden, denn der direkte Kontakt mit dem Schüler ist ja erschwert. Das ist u.a. auch deshalb so, weil es schwieriger ist, die Emotionen wahrzunehmen, die den Lernprozess begleiten. Nichtsdestotrotz ist ganz klar festzustellen, dass an unseren Schulen der Online-Unterricht für die Kinder in puncto Bildung absolut kein Nachteil ist.


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NEUE DIMENSION DER ÖKOINNOVATION Die Firma Netecs, die zur Nestro-Gruppe gehört, entwickelt seit Jahren innovative Lösungen, die sowohl den Umweltschutz als auch die Industrie unterstützen. Die Ökoinnovatoren aus Stare Olesno/Alt Rosenberg haben gerade ein neues und zugleich international einzigartiges Produkt vorgestellt. Stare Olesno/Alt Rosenberg ist ein kleiner Ort in der Woiwodschaft Oppeln, der rund 500 Einwohner hat. Hier entstehen Innovationen, die umweltfreundlich sind und zugleich die Produktionsprozesse in verschiedenen Industriezweigen optimieren. Die Fir-

ma Netecs, die Industrieventilatoren entwickelt und produziert, ist eine international anerkannte Marke, die ihre Produkte in über 50 Ländern aus aller Welt verkauft. “Ein Meilenstein war für uns die erweiterte und virtuelle Realität. Dank dieser Lösungen schenkte

man uns Aufmerksamkeit nicht nur in Polen, sondern auch in der Welt. Wichtig war für uns auch die Messe Hannover, wo wir unsere Region vor drei Jahren vertreten haben”, erklärt Radosław Gliński, Verwaltungsdirektor von Netecs (Nestro Gruppe). Heute wissen


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wir, dass die Ökoinnovatoren es dabei nicht belassen haben.

KLAR UND SIMPEL Die Nestro Gruppe, die bekannt für das Entwickeln von sauberen Lösungen für die Industrie ist, hat im Februar nach VR das zweite Werkzeug vorgestellt, dass die Interaktion mit dem Unternehmensangebot ermöglicht. Die Rede ist von der App der Firma Netecs - NVS (Netecs Ventilator Selection), die der

Analyse und Optimierung des Auswahlverfahrens eines entsprechenden Ventilators für den jeweiligen Kunden sowohl im technischen als auch ökonomischen Bereich dient. “Die Aufgabe der NVS-App ist es, dem Nutzer zu ermöglichen, eine selbstständige Entscheidung bezüglich eines passenden Ventilators, der seinem Bedarf entspricht, zu treffen. Zur Auswahl stehen Reingasventilatoren mit einem Wirkungsgrad von bis zu 89%, Rohgasventilatoren mit einem totalen Druck bis zu 10 500 Pa, Transportventilatoren mit einem Volumenstrom von z.B.

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30 524 m3/h, Zerreisventilatoren aus Stahl mit einer verstärkten Resistenz, ganz spezielle Ventilatoren mit einem Treibriemen oder Hochtempetarurventilatoren. Unserer FuE-Abteilung lag viel daran, den Usern zu verdeutlichen, wie wichtig ein hoher Wirkungsgrad, Leistung und die Feststoffdichte sind, damit man für den jeweiligen Betrieb eine entsprechende Lösung erst finden und dann umsetzen kann. Wichtig ist auch die Tatsache, dass man mithilfe der App einfach und transparent die Nutz-


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kosten auf der Basis des geschätzten Stromverbrauchs ausrechnen kann”, fügt Mariusz Sekienda, der Betriebsleiter von Netecs hinzu. Interessant - die Grundlage für die Ventilatorenauswahl in der App stellt nicht nur allein das Angebot von Netecs dar. Bei der Anwendung, die auf nvselection.com zugänglich ist, kann man auch die Produkte anderer Hersteller einfügen. So ist auch eine Zusammenstellung und ein Vergleich von Nutzungskosten verschiedener Lösungen von verschiedenen Produzenten möglich. “Auf der einen Seite ist es ein wichtiger Schritt, der von unseren Möglichkeiten zeugt, auf der anderen sind wir einfach offen für einen Vergleich mit der Konkurrenz. Wir sehen darin kein Risiko, sondern eine Chance. Bereits heute arbeiten wir mit vielen Kunden auf der ganzen Welt zusammen. Eine gemeinsame Weiterentwicklung bedeutet uns deswegen sehr viel”, so der Verwaltungsdirektor des Oppelner Unternehmens. Die App-Entwickler haben aus diesem Grund angekündigt, dass langfristig für die Nutzer rund 1000 Ventilatoren zur Auswahl stehen. „Das Interesse seitens vieler Konkurrenten aus der Branche der Ventilatoren- und Absauganlagenherstellung ist bereits vorhanden. Sie benutzen oft unsere App, denn sie ist für jeden zugänglich und kostenlos”, sagt Radosław Gliński.

EINFACH UND MODERN Die Entwicklung der App dauerte fast zwei Jahre. Eine tragende Rolle spielte dabei die FuE-Abteilung des Oppelner Unternehmens sowie die Firma Digital Holding, mit der Netecs und Nestro seit fünf Jahren eng zusammenarbeiten. „Gemeinsam mit den Entwicklern haben unsere Mitarbeiter Berechnungen angestellt, Korrekturen vorgenommen sowie die Funktionalität und das Nutzererlebnis optimiert. Es ist uns gelungen, ein rechnerisch kompliziertes Werkzeug zu entwickeln, dass zugleich sehr einfach für den User ist. Es war eine große Herausforderung, der wir gewachsen sind”, fügt er hinzu. Es fällt nur schwer, dem zu widersprechen. NVS ist einfach zu bedienen und bietet

umfangreiche Such- und Filterfunktionen hinsichtlich wirtschaftlicher, technischer oder ökologischer Aspekte. Zusätzlich braucht die App, die von Netecs entwickelt wurde, nur einen Internetzugang und den Chrome-Browser, um sie zu nutzen. Obligatorisch ist weder die Anmeldung, noch das Einloggen. Die Registrierung ist aber empfehlenswert, denn die angemeldeten Benutzer haben Zugriff auf zusätzliche Funktionen, wie z.B. die Energiesparermittlung, die detaillierte Angebotsanalyse oder zur Ventilatoren-Preisliste. Was aber, wenn das gewünschte Produkt erst entworfen werden muss? Dieses Problem wurde ebenfalls gelöst. „Ein Unternehmer, der sein Interesse bekundet, geht nicht mit leeren Händen aus. Falls er kein passendes Gerät im Angebot gefunden hat, kann er eine Anfrage für einen Ventilator, der seinen Erwartungen und Bedürfnissen entspricht, an uns senden”, erklärt Mariusz Sekienda.

ÖKOINNOVATIONEN DRINGEND BENÖTIGT Die Entwicklung der App an sich war eine Notwendigkeit, die der Markt erzwungen hat. Die steigenden Strompreise und der Druck, sich um die Umwelt zu kümmern, lassen das Inte-

resse an Anlagen steigen, die sowohl die Nutzkosten, als auch die Umweltbelastung reduzieren. Wer sollte sich dann mit der NVS-Anwendung vertraut machen? „Vor allem Planungsbüros, Investitionsabteilungen der Unternehmen in der Möbel-, Holz- und Papierindustrie, sowie kommunale Abfallsortieranlagen, Wartungsabteilungen und die Lüftungs- und Kühlungsindustrie. Ein Privatkunde wird mit Sicherheit auch etwas für sich finden”, erklärt der Verwaltungsdirektor von Netecs und fügt gleich hinzu, dass die Ökoinnovationen allen gut gelegen kommt, die den negativen Einfluss der von ihnen benutzten Geräten und Anlagen minimieren und sich selber Energieersparnisse und eine Lärmreduzierung bescheren wollen. Schlussendlich entsteht saubere Luft nur mit System, und saubere Lösungen sind nicht nur ein reiner Gewinn für das Unternehmen und die Belegschaft, sondern auch für Einwohner der jeweiligen Ortschaft oder Region. Diese Lösungen lassen sich mit der NVS-App mit Sicherheit finden.


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Die Wirtschaftskammer „Schlesien” ist eine Organisation der wirtschaftlichen Selbstverwaltung, die Initiativen unterstützt und an Tätigkeiten teilnimmt, die mit der Entwicklung des Unternehmertums in Schlesien verbunden sind. • Schulungen, Workshops, Konferenzen, Beratungen • Kooperationsbörsen • Messen und Ausstellungen • • Zusammenarbeit mit den Wirtschaftskammern aus der Bundesrepublik Deutschland und aus der Tschechischen Republik

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Mai 2020


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