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IMPRESSUM
Emanuela Janda
TEXTKORREKTUR
Maximilian Broy
AUTOREN
Maximilian Broy, Robert Dethloff, Krystiana Janda, Paulina Kuc, Patrycja Urban, Piotr Piela
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Vo G rd be est ze iei ern em n r ei st a un n n ö V n e r d d ni imm n k eris er, heu erf u m a c al d t r h b te lk Sz er v mt (un zen e K er d . H om di om erg sie wi M ra oc err üb e G bi an ab ed om ft d h s lic m er es erk ge er erb en er o w hk st ch i ne we ri t – Ze e eit t d an ic ha n it ng ie i de ht t d Ja au lic ein it gi t au und H n e u ie hr s m h) e n bt se V er ha n Z e. i e u n e d rli be d e eit Im ehr ie ue nd an rfa ch n, in ei F a H Pe ni de ll. ke zu Er ne al ls n err rs m r. So it ve be Ge l vo ur lich pek mt Die na he rs , w ne m d k ti . G ch e h H en ei ve ib ro lch m ei G t. M u t – nd f tte es igu zk la ür n. üb ng ra nz anc f h t er be w m 10 ko erk al 0 m Ja m hr en e ,
es in rn s e ue al Ma se. s is ere e ów e n. ik ein mn ss ein ie n e aw S ei be s er es ui Sł r. eh in nd d hl R u/ bo G e u us Sc lle ów ika Rati öste auf chte k a es vo ik law is el ng hi sa nt nis aw n S re ung nu esc ur O an im Sł s i m K le off e G Art s e ek he u/ hlo ser i h vi it H sein it m c s c m , nb e a U g ik s S hlö no er oss .de . 6 ine law lt da Sc er e, ab chl rnal hen n m S u oc E S a n e in st g rößt n im Rui das nJo spr n e r e e Ei r g erg ine be ol o g de rb te e . Ü at P zd ve u en t h nia e H org nf g G M ku n Zu tiftu S
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Piotr Piela
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6 Unbekanntes Schlesien. Eine geheimnisvolle Ruine in Slawikau/Sławików 16 Vor dem Verfall kommt die Herrlichkeit 32 Auf den Spuren der Wolfspfoten 40 Zwischen Gott und der Gegenwart. Podlachiens Heilkunst bleibt lebendig 44 Eine Weltreise ohne Plan? Welch ein wunderschönes Abenteuer! 50 Die Stadt der Märchen 54 Die Breslauer Zwerge
66 Ein Stück Ägypten in Polen - die bekanntesten Pyramiden an der Weichsel Die riesigen Pyramiden aus Ägypten kennt jeder. Doch kaum einer weiß, dass auch in Polen solche Bauwerke zu finden sind. Manche sind sogar älter als die weltbekannten Sehenswürdigkeiten.
IM HEFT
58 Eine neue Heimat im Ausland 62 Geschichte, Musik und Wasserspaß in der masurischen Segelhauptstadt 66 Ein Stück Ägypten in Polen - die bekanntesten Pyramiden an der Weichsel 72 Die besten Aussichtstürme in Polen (TOP 10) 74 Vor dem Einmachglas muss man sich nicht fürchten
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August 2021
Unbekanntes Schlesien. Eine geheimnisvolle Ruine in Slawikau/Sławików
Autor: Robert Dethloff Übersetzung: Piotr Piela
Einst galt das Schloss in Slawikau/Sławików als eines der größten Schlösser im Kreis Ratibor. Seine Mauern verbergen immer noch viele ungelöste Geheimnisse. Heute eine Ruine, aber mit Hoffnung auf ein besseres Morgen. Über das Schloss, seine Geschichte und seine Zukunft hat PolenJournal.de mit Artur Osak aus der Stiftung Gniazdo gesprochen, welche für den Schutz, die Vermarktung sowie Sanierung der Denkmäler in der Gemeinde Rudnik zuständig ist.
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Robert Dethloff [PolenJournal.de]: Gelang es den Historikern oder Archäologen das genaue Entstehungsdatum des Schlosses zu ermitteln? Artur Osak [Stiftung Gniazdo]: Nach dem jetzigen Stand kennen wir das genaue Datum nicht. Bislang haben sich aber die Archäologen und die Historiker mit der Entstehungsgeschichte des Schlosses eigentlich nicht beschäftigt. Hingegen in verschiedenen Büchern und Niederschriften, welche die Geschichte des Ratiborer Landes schildern, kann man Informationen aufsuchen, welche besagen, dass im 18. Jahrhundert, also in der Zeit auf welche die Ortschaft Slawikau/Sławików datiert wird, hier eine Burg erbaut wurde. Diese befand sich auf einem Hügel und konnte Informationen und somit Warnungen zur Position des Angreifers abgeben. Grzegorz Wawoczny hat in seinem Buch den Schlossbau mit Friedrich Gregor von Lautensac verbunden, welcher bis 1761 der Besitzer des Landgutes in Slawikau/Sławików war. Ohne eine genauere Untersuchung ist es jedoch schwer festzustellen, ob die Anlage im 18. Jahrhundert entstanden ist.
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
In den Jahren 1795-1831 war die Residenz im Besitz der Familie Eichendorff aus Łubowice/Lubowitz. Adolf Eichendorff (der Vater von Joseph von Eichendorff), welcher bekannt für seine Vorliebe zum Glücksspiel war, hat das Schloss beim Kartenspiel zugunsten der Familie von Eickststedt verloren. Im Jahr 1856 wurden in der Architekturzeitschrift „Atlas zur Zeitschrift für Bauwesen” die Pläne zum Schlossumbau veröffentlicht, welche Ferdinand von Arnim entwarf. Diese wurden später ein wenig verändert, vermutlich durch den Architekten Adalbert von Eickstedt. Nach dem, was wir wissen, wurden 1865 die Bauarbeiten abgeschlossen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloss beschossen während der Kämpfe der Roten Armee und der Wehrmacht, welche in Slawikau/Sławików stattgefunden haben. Anfang 1945 hat die Familie von Eickstedt das Schloss verlassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der
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Staatliche Landwirtschaftsbetrieb in Slawikau/Sławików zum neuen Besitzer. In den Folgejahren war das Schloss im Privatbesitz, bis es schließlich 2006 von den Investoren an die Gemeinde Rudnik verkauft wurde. Wie ist es möglich, dass ein Schloss mehr Schäden während der Zeit der Volksrepublik Polen davongetragen hat, als beim Zweiten Weltkrieg? Wir haben zuletzt einen Film unter dem Titel «Kto wie, czy było tak?» (dt. Wer weiss, ob es so war), welcher über 1945 erzählt, aufgenommen. Wir wollten der Geschichte des Schlosses nachgehen und haben verschiedene Portale durchwühlt auf der Suche nach dem, wie es in der Zeit des Zweiten Weltkrieges war. In allen Aufzeichnungen auf die wir gestoßen sind, z.B. auf der russischen Seite pamyat-naroda.ru, gibt es keine Informationen zu den Kämpfen, welche in Slawikau/Sławików stattgefunden haben. An den Außenmauern erkennt man aber, dass das Schloss unter Beschuss stand. Während der Aufräumungsarbeiten haben wir auch verschiedene Projektile, Mörser-Blindgänger, oder PPScha-Patronen gefunden, was darauf deutet, dass hier ein Schusswechsel stattfand. Zu größeren Auseinandersetzungen gibt es jedoch keine Angaben. Es gibt Hinweise aus dem Jahr 1945 zu den Kämpfen über den Lubowitzer Brückenkopf sowie später über schwere Kämpfe bei Schonowitz/Szonowice, an der heutigen Landesstraße 45. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Zeit der Polnischen Volksrepublik, wo solche Landgüter abgerissen wurden. Ich habe eine private Vermutung, dass es nicht wiedergewonnene, sondern übernommene Gebiete waren. Man hat sie also nicht als eigene behandelt, was dazu führen konnte, dass die Menschen hier eins nach dem anderen weggestohlen haben und auf diese Weise das Schloss stufenweise immer mehr verfallen ist. 1956 hat man das Dach aus Kupfer, welches eine Terrassenfunktion hatte, auseinandergenommen und auf das Woiwodschaftsamt in Kattowitz/Katowice verlegt, wo es sich noch bis heute
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befindet. Seitdem begann die Schlosstragödie. Aufgrund der fehlenden Überdachung, haben Wasser, Schnee und andere Naturereignisse dazu beigetragen, dass das Schloss heute so aussieht, wie es aussieht. Welche Geheimnisse verbergen die Schlossgemächer? Wie sahen sie früher aus? Befanden sich hier einst außergewöhnliche Kunstwerke? Über die Inneneinrichtung des Schlosses kann man heute nur schwer etwas sagen. Wir haben nämlich keine Fotos, Abbildungen oder irgendein Gemälde, welche nur einen Bruchteil von dem zeigen würden, was sich drinnen befand. Wir wissen hingegen, dass es im Schloss 99 Gemächer gab, welche fertiggestellt wurden. Das 100. Gemach wurde versteckt und mit einer Eisentür abgeriegelt. So entging man der Entrichtung einer höheren Steuer und musste zugleich beim Kriegsausbruch keine freien Räume den verwundeten Frontsoldaten bereitstellen. Viele verschiedene und interessante Informationen geben uns die Überlieferungen der Bewohner von Slawikau/ Sławików, welche sich noch an diese Zeiten erinnern konnten. Eine von ihnen besagt, das sich vermutlich im August 1939, also noch vor dem Überfall auf Polen, hier hoch gestellte Generale der Wehrmacht getroffen haben, welche für den Angriff auf unser Land verantwortlich waren. Angeblich haben sie damals schon erste Befehle erteilt.
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
Neulich waren zwei Forscher bei uns zu Gast. Eine Hochschullehrerin der Schlesischen Universität in Kattowitz/ Katowice und ihr Mann, welcher in Koppitz/Kopice die Verbindung der Besitzer zu den Freimaurern entdeckte. Wir haben uns eine Wanne gemeinsam angeschaut, welche uns gelungen ist zu bereinigen. Es ist eine «Wanne» in Anführungsstrichen, denn unterhalb befinden sich noch zwei Kellerstockwerke, welche gestützt von einer achtfachen Säule sind. Auf dieser Grundlage, hat er festgestellt, dass die Familie von Eickstedt eine Beziehung zu den Freimaurern haben konnte. Die letzte Kellerebene verbunden mit der Wanne, diente vielleicht dem symbolischen
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Übergang zum höheren Freimaurergrad. Das könnte auch davon zeugen, dass in Slawikau/Sławików sich Menschen aus aller Welt trafen, welche Einfluss auf die Politik und das Geschehen in der damaligen Zeit hatten. Während der Räumungsarbeiten haben wir auch verschiedene Münzen gefunden. Beginnend bei der zarischen Kopeke, über sechs Pennys bis zu Talern. Das regt zum Nachdenken an.
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
Unter den Bewohnern ranken Legenden, dass es im Schloss spukt. Steckt darin ein Körnchen Wahrheit?
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Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
Angeblich erschien hinter der Eisentür des 100. Gemaches eine «Graue Dame». Das geht wiederum auf einen Vorfall zurück, welcher von Joseph von Eichendorff beschrieben wurde, der mit dem Sohn der von Eickenstedts befreundet war. Eines Tages haben sie auf die «Graue Dame» gelauert. Sie beobachten die Eisentür, bis sie eine Frau in einem grauen Kleid mit Umhang erblickten. Ein ahnungsloser Diener führte das Gespenst zum Gemach und erleuchtete ihm den Weg. Dann hörten sie plötzlich einen gellenden Schrei. Die Flamme der Kerze ging aus. Nachdem
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Die angeblich freimaurerische "Wanne" | Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
sie den Leuchter wieder angezündet hatten, haben sie den Diener tot aufgefunden. Bei der Hilfesuche bemerkten sie aber, dass die mysteriöse Tür verschlossen war. Hat man das Schlossgelände mit einem Georadar untersucht? Wenn ja, dann was hat die Untersuchung ergeben? Uns wurde ein Bodenradar bereitgestellt, welcher leere Punkte ab der Orangerie Richtung Lubowitz/Łubowice zeigte. Wir hatten auch eine
Bestätigung seitens der Einheimischen, dass sie in ihrer Kindheit in einem Gang herumgelaufen sind, biss es in diesem Korridor steil nach oben ging. Sie haben dort z.B. Flaschen mit einer gallertartigen Substanz gefunden. Wahrscheinlich war es Wein, welcher mit der Zeit seine Konsistenz veränderte. Aufgedeckt wurde ein Teil des Tunnels. Vom Schloss Richtung des Parks erstreckte sich früher eine gemauerte und mit Bogen verzierte Promenade. Unterhalb dieser Promenade befindet sich ein weiterer Tunnel, welcher bis zu einer gewissen Stelle aufgedeckt ist.
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6 Mio. Zloty. Wir bemühen uns um EU-Fördergelder, sofern nur eine Möglichkeit der Inanspruchnahme besteht. In der Zukunft ist ein Ausbau bzw. Wiederaufbau der zwei Aussichtstürme vorgesehen. Zwischen ihnen wird dann ein Überweg gebaut, sodass die Gäste von der einen Seite auf die andere herübergehen und die ganze Anlage bewundern können. Und es gibt viel zu bewundern, weil viele sagen, dass dies das größte Schloss im Kreis Ratibor sei. Geplant ist auch die Absicherung der Mauern vor weiterem Verfall, aber das ist eine Arbeit wohl für die nächsten 20 Jahre. Ohne Fördergeld von Außen für die Gemeinde Rudnik, wird es schwerfallen irgendetwas zu tun. Eine der am besten erhaltenen Bauten auf dem Schlossgelände ist der Speicher. Es gibt auch ein Konzept, dieses Gebäude in ein Museum zu verwandeln. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit es auch so kommt?
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
Der restliche Teil ist eingestürzt. Die Untersuchung mit dem Bodenradar zeigte, dass dieser Tunnel bis zum Mausoleum im Parkbereich reichen könnte. Verlassen wir die Schlossgeschichte und wenden wir uns der Gegenwart zu. Gibt es einen Funken Hoffnung auf die vollkommene Revitalisierung des Schlosses? Wie viel könnte es kosten?
Über eine totale Revitalisierung, also einen quasi Wiederaufbau ist es schwierig zu sprechen, weil der Denkmalschutzbeauftragte der Woiwodschaft Schlesien vorerst nur ein Gutachten bezüglich der Orangerie und eine Visualisierung abgegeben hat. Nach den ersten Hochrechnungen würde die Absicherung der Ruinen ca. 70 Mio. Zloty kosten, und der Wiederaufbau der Orangerie, welche uns so sehr am Herzen liegt, rund
Das ist der größte Traum von mir und allen Mitgliedern der Stiftung Gniazdo. In Zukunft möchten wir über so eine Einrichtung verfügen. Falls der Speicher tatsächlich saniert wird, dann könnten wir viele interessante Ideen und Initiativen umsetzen. Wir haben bereits eine Traditionskammer, welche sich derzeit in Rudnik, in den Räumlichkeiten am Gemeindezentrum für Sozialhilfe befindet. Zwar ist die Kammer dem Schloss in Slawikau/Sławików gewidmet, aber aus dem Grund das wir nur wenige Erinnerungsstücke haben, bereiten wir auch Themenausstellungen vor. Derzeit kann man eine Ausstellung, die den Wehrmacht-Soldaten gewidmet ist, bewundern. Langfristig soll aber die Museumskammer im Speicher untergebracht werden. Dieses Gebäude ist am besten auf dem gesamten Gelände erhalten. Man muss aber das Dach reparieren, was rund 200.000 Zloty kosten sollte. Was konnten sie auf dem Schlossgelände alles machen, seitdem sich die Stiftung um die Anlage kümmert? Wir haben den Hof vor dem Schloss aufgeräumt, also Unkraut, Sträucher
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Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
sowie Bäume, welche alles bewachsen und in gewisser Weise behindert haben, sind nun weg und man kann problemlos in die Schlossruinen hineingehen. Wir haben auch das ganze Gehöft, darunter auch die Treppen enttrümmert. Vorher lagen dort die zerstörten Säulen, sowie Marmor- und Balkonteile. Wir haben das alles an einem Platz zusammengebracht, damit es nicht verloren geht. Jetzt räumen wir drinnen in der Anlage auf. Seit nun mehr als einem Monat versuchen wir das Schloss vor Einbrechern abzusichern, welche hier ihr Unwesen treiben. Wir mussten Gitter in die Fenster und Türen einstellen. Das Gelände haben wir wiederum mit einem Zaun umzingelt, um das Schloss vor Akten des Vandalismus
sowie weiterer Zerstörung zu schützen. Leider begreifen die Menschen es immer noch nicht und deswegen müssen wir sehr oft die von ihnen verursachten Schäden reparieren. An einem Samstag kam zu uns eine Gruppe von Liebhabern von historischen Stätten. Dank ihrer selbstlosen Hilfe konnten wir den gesamten linken Teil und die erste Kellerebene aufräumen also die Räume mit der Säule und der «Wanne», welche nun zugänglich für die Gäste sind. Wir haben auch mit dem Aufräumen des rechten Teils begonnen, welchen wir für den Moment als den Küchen-Teil bezeichnen. Wir haben dort Sachen gefunden, welche darauf hindeuten, dass es einst eine
Küche oder eine derartige Einrichtung war. Zusammen mit der Gemeinde konnten wir das Wasser von der Rinne umleiten, damit es nicht auf das Gebäude in Strömen gießt. Wir mähen den Rasen, führen regelmäßig Absicherungs- und Verschönerungsarbeiten durch, sodass die Ruinen visuell schön aussehen. Ich denke, wir konnten bislang sehr viel erreichen. Das sagen auch die Menschen, welche hierherkommen. Sie sehen den Unterschied zu dem, was früher war und was jetzt ist. Wie sehen die Pläne aus, für das weitere Aufräumen und die Revitalisierung der Anlage?
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Wir besprechen alles mit der Vorsteherin der Gemeinde Rudnik, welche der Schlossbesitzer ist. Wir möchten die letzte Kellerebene und das zweite Untergeschoss aufräumen, sodass wir die «Wanne» genau zeigen, sowie die Geschichte und die Verbindungen der Familie von Eickstedt mit den Freimaurern, ab dem ersten bis zum dritten, also letzten Einweihungsgrad skizzieren können. Zusätzlich wollen wir in der Zukunft den Eingang zum Tunnel sowie den Tunnel selbst freimachen, sodass die Menschen hereingehen und ihn erkunden können. Wir haben auch Verpflichtungen gegenüber dem Denkmalschutzbeauftragten. Wahrscheinlich können wir Fördergelder in Anspruch nehmen, um den Eingang sowie die Haupttreppe ins Lot zu bringen. Es gibt viele Pläne, aber alles wird durch die Geldmittel bedingt. Die zweite Sache ist die, dass wir in der Stiftung nur wenige Leute sind, also müssen wir auf Hilfe von Außen hoffen. Wir laden alle ganz herzlich zur Unterstützung ein, veranstalten verschiedene Events und Aktionen, wie z.B. das Aufräumen, welche dann mit einem Lagerfeuer enden. Im Gegenzug bieten wir immer hervorragende Gesellschaft und leckere Würstchen. Wie kann man die Tätigkeit der Stiftung und die Revitalisierung des Schlosses unterstützen? Die Stiftung Gniazdo hat ein Konto (Kontonummer: PL 61 8475 0006 2001 0012 2630 0001), wohin man Geld überweisen kann mit dem Zahlungszweck «na rewitalizację», also für die Revitalisierung oder «na odbudowę», also für den Wiederaufbau. Neulich haben wir auch eine Spendensammelaktion online für das Speicherdach gestartet (pomagam.pl/m9b93hnw). Die Absicherung des Dachs im Speicher ist unsere Hauptherausforderung. Wir möchten diese Last der Gemeinde von den Schultern nehmen und so viel Geldmittel wie möglich einsammeln. Leider ist hier die Zeit nicht unsere Verbündete. Das Dach ist undicht und wenn wir es nicht rechtzeitig erneuern, dann könnte der Slawikauer Speicher, das Schicksal anderer historischer Speicher
Das Schloss vor der Aufräumung in 2019 } Fotos: Emanuela Janda, PolenJournal.de
teilen. Das wollen wir vermeiden. Falls wir ihn reparieren, dann können wir in Zukunft dort die Museumskammer einrichten und u.a. Workshops für Kinder veranstalten. Jede finanzielle Unterstützung ist uns sehr wichtig. Wann sind die Pforten des Schlosses für die Besucher offen? Welche Sehenswürdigkeiten und Geheimnisse warten hier auf die Touristen? Ab Mai bis Ende September warten an jedem Sonntag die Mitglieder der Stiftung Gniazdo auf die Gäste vor Ort. Jeder kann zwischen 12 und 17 Uhr das
Schloss erkunden. Wir erzählen die Geschichte der Anlage und der Familie Eickstedt und zeigen nur die sicheren Bereiche. Mit dem jetzigen Stand ist das die erste Kellerebene und die früher erwähnte «Wanne». Beim Besuch kann man auch Andenken wie T-Shirts oder Magnetn kaufen, also Kleinigkeiten, welche uns helfen z.B. die Spritkosten für das Rasenmähen oder für die Veranstaltung von Aktionen und Events zu decken. In diesem Jahr haben wir die zweite Auflage des Kindertags ausgetragen. Die Gästezahl war sehr hoch, ich glaube wir wurden von rund Tausend Leuten besucht. Im Juli fand auch
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vorgestellt wird. Wir laden auch Reenactment-Gruppen ein. Im Februar, wollten wir die Kämpfe in Slawikau/ Sławików inszenieren, aber wegen der Pandemie und den Corona-Einschränkungen haben wir den Film «Kto wie, czy było tak?» (dt. Wer weiss, ob es so war), gedreht, der über die Tragödie eines Schlesiers erzählt, welcher auf der deutschen Seite Slawikau/Sławików verteidigen muss. Der Film wird schon bald im Internet zu sehen sein. Er ist mit einem minimalen Kostenaufwand von 5.000 Zloty entstanden, im Großteil für das sprichwörtliche «Dankeschön». Wir möchten noch weitere Teile drehen, aber uns ist auch bewusst, dass ohne entsprechendes Geld, dies unmöglich ist. Vielen Dank für das Gespräch! Danke!
die zweite Auflage vom Oldtimertreffen, mit vielen Juwelen der Automobilindustrie statt, wie etwa dem Citroen 2CV, welcher bekannt aus den Filmen mit Louis de Funès ist. Die Veranstaltung begleitete eine herrliche, familiäre Stimmung. Man sieht, dass von Jahr zu Jahr sie immer beliebter wird. Wir versuchen die Gemeinde Rudnik und ihre Denkmäler auf verschiedene Weisen zu fördern. Wir veranstalten Fotoshootings. So ist in diesem Jahr ein Kalender entstanden, in den ein Monat nach dem anderen ein anderes Denkmal aus unserer Gemeinde
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Vor dem
Verfall kommt die Herrlichkeit Von Piotr Piela
Gestern und heute. Herrlichkeit und Verfall. So nahe beieinander, aber doch so weit auseinander. Die zerstörerische Kraft der Zeit gibt und nimmt. Gibt – für einen kurzen Moment – eine neue Perspektive und nimmt (unwiederbringlich) die Herrlichkeit. Manchmal nimmt sie aber weitaus mehr als nur den Glanz der vergangenen Jahre. Im Fall vom Heizkraftwerk Szombierki hat die Zeit eine Genehmigung bekommen, die Geschichte und ein Erbe, welches über 100 Jahre überstanden haben, zu verschrotten. Warum ist es so gekommen? Wer hat das erlaubt? Wer kann das noch aufhalten? Eine Suche nach Antworten und ein Appell an die Vernunft.
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Wann ist es im Heizkraftwerk Szombierki am schönsten? Wenn es viel Licht gibt, wenn es hell ist. Dann sieht man die schönen Geländer und die Dachgauben geben ein wunderschönes Licht, allerdings fehlen dort jetzt die Glasscheiben, also fällt es ein wenig anders. Wir fahren manchmal quer durch Europa und besichtigen verschiedene Objekte, nicht zwingend so hochklassig wie dieses. Wir zahlen dort hohe Eintrittsgelder und dieses Objekt steht hier einfach herum und verfällt. Das kann ich nicht verstehen. - Andrzej Janota, Verein der Freunde des Heizkraftwerks Szombierki
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
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August 2021
Bytom/Beuthen O.S. Eine Stadt, für welche jahrelang Stahl, Kohle, Schächte und Kamine symbolisch waren. Eine Stadt, die sich heute verändert, Hand in Hand mit dem Geist der Zeit geht und den Bedürfnissen ihrer Bewohner folgt. Die Wohnbedingungen und Infrastruktur werden weiterhin verbessert, es verändert sich das Stadtbild. Aus dem Stadtpanorama verschwindet aber von Minute zu Minute die Beuthener Kathedrale des Industriezeitalters – das Heizkraftwerk Szombierki. Drei charakteristische Schornsteine, zwei Türme und Mauern, welche jahrelang die Entwicklung und die Pracht unter einem Dach zusammen brachten, sind heute ein bedrohtes Erbe, für welches es bereits fünf vor zwölf ist. Zwar misst die Uhr an dem Uhren- und Wasserturm keine Zeit mehr, doch diese steht nicht still. Vor Jahren hat sie hier ihr zerstörerisches Unwesen begonnen, welches sie nicht alleine treibt. Dagegen halten die Wächter dieses Objekts. Sie haben seine Schönheit erkannt noch bevor die zerstörerischen Kräfte sein Tor überschritten haben.
Der verblichene Glanz Das Heizkraftwerk Szombierki, damals noch als Kraftwerk Oberschlesien, wurde 1920 offiziell in Betrieb genommen. Der Bau selbst dauerte 3 Jahre lang und für das Projekt waren Georg und Emil Zillmann zuständig. Angestellt wurden die legendären Architekten, welche u.a. auch die Arbeitersiedlung Nickischschacht entworfen haben von der Schaffgotsch Bergwerksgesellschaft GmbH. “Die Zillmanns haben das Kraftwerk Szombierki am Beispiel einer preußischen Burg gestaltet. Es gibt zwei Türme – der eine war vorerst ein Wasserturm, später wurde er zum Uhren- und Wasserturm und der andere ist ein Hochofen zur Aufkohlung. Es gibt auch einen kleinen Hof. Klein aber fein. Es ist also ein wuchtiger Industriekomplex, welcher das Stadtbild beherrscht”, erklärt Andrzej Janota vom Verein der Freunde des Heizkraftwerks Szombierki (poln. Klubu Przyjaciół EC Szombierki). Das damalige Kraftwerk
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
sollte in den Augen der Architekten und Investoren weitaus mehr als nur ein Industriebetrieb sein. Das bestätigen auch Büroräume im Stil der frühen Moderne, welche von Behrens-Lampen beleuchtet wurden, oder das Gewölbe aus Stahl und Lärchenholz in den Maschinenräumen. “Das Heizkraftwerk Szombierki wird nicht ohne Grund als die Kathedrale des Industriezeitalters bezeichnet. Das hat seine Gründe in der Art, wie dieses Objekt designt wurde. Diese hohen Decken, Räume, Gewölbe oder verschiedene Linearstrukturen
– das alles gibt uns ein Gefühl der Erhabenheit. Hier kommt der Mensch mit dem alten Technologiegedanken in Berührung. Die Tatsache, dass man an der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts einen so prachtvollen Industriebetrieb entwerfen konnte, hinterlässt einen mächtigen Eindruck”, fügt Joanna Budny-Rzepecka vom Kongress für Denkmalschutz (poln. Kongres Ochrony Zabytków) hinzu. Wie viel hat die Zeit und ihre Komplizen dem alten Glanz entgenommen?
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Es ist ein wunderschöner Ort. Es gibt keinen anderen diese Art in Europa oder sogar auf der Welt, wo ein Kraftwerk so erbaut und mit solchen wunderschönen Innenräumen eingerichtet wurde. Ich bin mir sicher, dass Touristen aus ganz Europa hierher kommen würden, um es zu besichtigen. Eigentlich kommen sie schon jetzt. Andrzej Janota, Verein der Freunde des Heizkraftwerks0 Szombierki
Eine Menge. Den Geist des alten Kraftwerks kann man aber immer noch spüren und sehen, aber nicht immer in demselben Licht, wie es die Zillmans gesehen haben. “Die wunderschönen Behrens-Lampen sowie die Mutteruhr, welche früher im Uhrenund Wasserturm war und alle Uhren im Kraftwerk steuerte, sind noch erhalten geblieben“, weist Andrzej Janota hin. “An sich ist auch der angesprochene Turm außergewöhnlich. Ich denke, es gibt keinen zweiten dieser Art in ganz Europa. Im Inneren
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befinden sich 8 Wassertanks, jeder 7 Meter hoch. An dem Uhren- und Wasserturm befindet sich auch die einzigartige Siemens und Halske-Uhr mit dem originalen Mechanismus aus dem Jahr 1925. Zwar beginnt er einzustürzen, aber noch steht der wunderschöne Maschinenraum, der einen überragenden Eindruck vermittelt. Früher befanden sich dort die Turbosätze. Im Kesselhaus ist die Produktionsstraße erhalten geblieben, mit Förderbandanlagen, der Abwurfstation, einen Teil
des Heizkessels, der Abschlackanlage sowie Förderwagen, welche auch als Kippkarren bezeichnet werden. Das alles ist immer noch im Heizkraftwerk drin und wir können anhand dessen zeigen, wie all das hier früher funktionierte”, fügt das Mitglied des Vereins der Freunde des Heizkraftwerks Szombierki hinzu. Die Innenräume und die bis heute verbliebene Innenausstattung sind aber nur ein Bruchteil vom alten Glanz und der damaligen Innovation.
Die zerstörte Schönheit Noch im Jahre 1955 erreichte das Kraftwerk eine Leistung von über 100 MW, und dennoch begann bereits einige Jahre später die Umwandlung vom Kraftwerk zum Heizkraftwerk. “Die Stromproduktion wurde stufenweise und schließlich 1998 komplett stillgelegt. Später kam das Kraftwerk nur als Ersatz oder bei Engpässen
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Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
zum Einsatz”, erklärt Andrzej Janota. Im Laufe der Jahre und parallel zum technologischen Fortschritt veränderten sich das Leben im Industrietempel sowie seine Besitzer. Noch unter dem Zespół Elektrociepłowni Bytom (kurz ZEB), wurden hier Feste gefeiert, Boxkämpfe veranstaltet sowie Opern, Operetten wie auch Theaterstücke aufgeführt. Das Objekt erlebte ein neues Leben, und der Tempel der Technik verwandelte sich immer mehr in einen Tempel
der Kultur. “Damals glaubten alle, dass alles gut gehen muss, weil hier die Schlesische Oper ihre Stücke auf die Bühne bringt und heute sprechen wir darüber, ob das Objekt in einem halben oder in einem Jahr nicht abgerissen wird”, sagt Joanna Budny-Rzepecka. Seinen zerstörerischen Stempel drückte dem Prachtbau auch die Zeit auf, und zu ihren Komplizen wurden die Besitzer und lokale Behörden. Das ZEB
wollte dem Objekt eine neue Funktion verleihen und setzte dabei auf ein breit angelegtes Kulturzentrum. Letztendlich ist es nie dazu gekommen. 2011 zusammen mit der Übernahme der Heizkraftwerks Szombierki durch die finnische Energiegesellschaft Fortum, begann der fortschreitende Verfall des Objekts und die Verschrottung der Geschichte und des kulturellen Erbes. Und das nicht nur metaphorisch, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. “Das Heizkraftwerk Szombierki
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Wir haben ein Erbe, was eine Revitalisierung und Adaption an neue Funktionen verdient. Es müssen nicht zwingend solche im Sinne eines Museums sein, sondern eine komplett neue Richtung, welche im Geiste des Umweltschutzes, fairer Energiewende sowie unter Berücksichtigung z.B. der Energieeffizienz umgesetzt wird. Das wäre sehr interessant, denn es würde eine Brücke zwischen der alten Energiewirtschaft, dem alten Energiegedanken sowie der schweren Industrie mit der Bildung im Bereich der neuen Technologien und erneuerbaren Energiequellen darstellen. Das alles, was wir in den 90ern kaputt machten, könnten wir dann wieder mit dem, was übrig geblieben ist, gemeinsam reparieren. Es wäre auch eine Pointe dieser Reflexion. Dazu braucht man aber einen guten Willen und eben dieser ist nicht vorhanden. - Joanna Budny-Rzepecka, Kongress für Denkmalschutz
Foto: Robert Dethloff, PolenJournal.de
wurde erst 2013 zum Denkmal erklärt. Fortum hatte kein Interesse an einer Sanierung und behauptete gleichzeitig, dass sie nur für die Wärmeproduktion zuständig sind”, erklärt Andrzej Janota. Doch es ist nie so schlimm, damit es nicht noch schlimmer kommen könnte. Die Kathedrale des Industriezeitalters wurde zwar ins Denkmalregister aufgenommen, aber ohne die bewegliche Ausstattung (darunter auch die historischen Maschinen) sowie die das Landschaftsbild. Der finnische Besitzer nutzte das gnadenlos aus und
beließ es nicht bei der Nicht-Sanierung. Die historischen Räume wurden im Schnelldurchlauf geleert und parallel dazu wurde nicht nur die Wärmeproduktion, aber auch die kulturelle Tätigkeit eingestellt. Der Industrietempel verfiel immer mehr und mit seiner (Un)Tätigkeit öffnete der Besitzer ganz weit die Tür für Mutter Natur, welche gemeinsam mit der Zeit ein Samenkorn in die historischen Mauern legte. Heute sprießen aus ihm wuchernde Pflanzen, welche ein Ziegel nach dem anderen die Fassade zersprängen. Es konnte und sollte aber anders kommen.
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Die Menschen, welche sich im Verein zusammengeschlossen haben, verdienen ein gigantisches Dankeschön. Das was sie tun, ist beispiellos. Dank ihrer Bemühungen ist die Anlage ein wenig in einem besseren Zustand, als wenn sie sich selber überlassen wäre. Dieses Engagement zeigt, dass in einer juristischen Sackgasse, welche die Selbstverwaltung oder das Kulturministerium radikale Maßnahmen nicht ergreifen lässt, diese Enthusiasten, also Menschen, die nichts entscheiden können, real handeln. Sie versuchen ganz einfach diese Löcher im Dach und in den Fenstern zu flicken. Sie machen ganz einfach das, was sie für richtig halten und dafür sollte man sie loben. - Małgorzata Węgiel-Wnuk, Stadt Beuthen/Bytom
Vom Regen in die Traufe Das Jahr 2016 brachte Hoffnung auf einen Neubeginn für das Beuthener Wahrzeichen in Form von einem neuen Besitzer. Zwar zeigte zum gleichen Zeitpunkt das Marschallamt Interesse an der historischen Stätte, dennoch wurde sie an eine Gesellschaft weiterverkauft, die erst wenige Tage zuvor entstanden war. Diese Transaktion hat sogar der damalige Stadtpräsident Damian Bartyla empfohlen und unterstützt. “Fortum hat viel unternommen, um dieses
wunderschöne Objekt, an entsprechende Behörden zu übergeben. Zunächst erschien die Übergabe an die Stadt als die beste Lösung. Nach 6 Jahren und langer Suche ist es uns gelungen (einen neuen Besitzer zu finden - Anm. d. Red.)”, sagte damals Piotr Górnik, der Produktionsdirektor von Fortum, zitiert vom Blatt Dziennik Zachodni. Der neue Besitzer wurde die Firma Rezonator S.A., welche gleich mit einem hohem C angefangen hat. Die historische Stätte sollte in ein «musikalisches Disneyland» verwandelt werden. Später wurde aber schnell klar – versprochen wurde das Blaue vom Himmel.
Zum Zeitpunkt des Erwerbs vom Heizkraftwerk Szombierki verfügte Rezonator über ein Grundkapital von 100.000 Złoty. Interessant – die jährlichen Instandhaltungskosten der Anlage wurden auf 1,5 Mio. Złoty beziffert. Zusätzlich war der neue Besitzer bereits für das Verfallen eines anderen Denkmals verantwortlich. “Die Gesellschaft, welche das Heizkraftwerk Szombierki erworben hat, war mit dem Besitzer des Rathauses in Hajduki Wielkie/Bismarckhütte verknüpft, welcher heute nicht mehr in ihrem Besitz ist. Das Objekt wurde in einen abrissähnlichen Zustand
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getrieben. Es ist einfach ein bestimmtes Geschäftsmodell”, glaubt Joanna Budny-Rzepecka vom Kongress für Denkmalschutz. “Statt der Adaptation der historischen Gebäude werden einen realen Wert für den Investor die Grundstücke um das Heizkraftwerk Szombierki und die Möglichkeit von Tätigkeit weiterer Investments haben”, warnte gleich nach der Vertragsunterzeichnung Wojciech Saługa. Der Marschall der Woiwodschaft Schlesien, zitiert von Gazeta Wyborcza, erinnerte daran, dass in der Nähe des Objekts die Beuthener Zentralstraße
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Nord-Süd entstehen soll, was sicherlich den Grundstückswert steigern würde (letzten Endes wurde die Straße nicht gebaut - Anm. d. Red.). Der drohende Kapitalmangel, die fragwürdige Reputation des neuen Besitzers zusammen mit leeren Versprechen entpuppten sich letztendlich als Vorboten, dessen was kommen sollte (und musste).
So schön sollte es werden
Die Kathedrale des Industriezeitalters sollte laut den Ankündigungen der Rezonator-Vertreter zum modernen Kulturzentrum adaptiert werden. Die Vision der Besitzer setzte sich aus einem 3-D-Theater, Kunstzentrum, Film- und Tonaufnahmestudio sowie einem kulturellen und zugleich didaktischen Erholungspark für die ganze Familie zusammen. “Wir werden ein «musikalisches Disneyland» schaffen, also einen Erholungsort für die ganze Familie, für Menschen, welche Musik lieben und offen gegenüber neuen Erfahrungen sind”, kündigte 2016
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Jedes Interesse, de facto am Vortag der Zwangsversteigerung, kann diesem Denkmal nur zugutekommen. Vielleicht gibt es jemanden, der genau wie wir, sich in das Heizkraftwerk verliebt, über ein entsprechendes Potenzial verfügt und eine neue, großartige Funktion für das Objekt findet.
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- Małgorzata Węgiel-Wnuk, Stadt Beuthen/Bytom
Andrzej Janota und die Enthusiasten, welche mit ihm zusammenarbeiten, opfern viel Freizeit, um kostenlos und fortlaufend das Objekt abzusichern. Wenn es sie nicht gäbe und ohne ihre Arbeit, würden wir als Kongress für Denkmalschutz keine offenen Briefe schreiben oder Anfragen an den Denkmalschutzbeauftragten richten, denn das Objekt würde einfach in Schutt und Asche gelegt. - Joanna Budny-Rzepecka, Kongress für Denkmalschutz
Karolina Glazer von Rezonator an. Heute klingen diese Versprechen, wie ein schlechter Witz. Der Besitzer hat bereits vor 5 Jahren mit leeren Phrasen die Fragen nach der Mittelbeschaffung für die Sanierung sowie die Tätigkeit des neuen Kulturzentrums gedroschen. Interessanterweise konnte Rezonator sogar mehrmals Fördergelder in Anspruch nehmen. Die Firma hat es aber nicht getan. “Die Gesellschaft hat Fördergelder vom Marschallamt der Woiwodschaft Schlesien zugesprochen bekommen, hat sie jedoch nicht in Anspruch genommen”, bestätigt Małgorzata Węgiel-Wnuk, die Sprecherin der Stadt Bytom/Beuthen. 14 Mio. Złoty – weg. Der Grund? Die nötigen Unterlagen wurden nicht termingerecht eingereicht. Das 3-D-Theater, das Studio und der Erholungspark sind nie entstanden. Ganz zu schweigen von dem, dass der teilweise schon ausgeplünderte Industrietempel komplett ausgeraubt wurde. “Jeder von den Besitzern hat etwas herausgeschnitten, Rezonator hat jedoch das komplette Heizhaus
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ausgerottet, welches somit zum ausgelassenen Ei wurde. Es geht mir hier nicht um die Geräte oder Rohrleitungen, die noch dort waren, aber um die Podeste rings um das ganze Heizhaus. Mit deren Hilfe konnte man an die Fenster gelangen, jetzt sind sie aber nicht mehr zugänglich”, bedauert Andrzej Janota. Daran schließt sich auch Joanna Budny-Rzepecka an. “Originelle Podeste, Treppen und ein Teil dieser Produktionsstraße wurden weggebracht und die Anlage seiner einzigartigen Innenausstattung beraubt. Wir könnten hier ein sehr interessantes Objekt haben, selbst wenn das Innere zu kommerziellen Zwecken adaptiert worden wäre”, so die Enthusiastin, die gleichzeitig hinzufügt, dass sie weiterhin Hoffnung auf eine Rettung für das Heizkraftwerk Szombierki habe. Diese Rettung braucht die Kathedrale des Industriezeitalters ganz dringend. Neben dem Besitzer tut das Seinige auch die Zeit sowie die jahrelangen
Vernachlässigungen. “Wenn man heute dort hineingeht, macht das Ganze auf uns einen gewaltigen Eindruck. Es ist aber kein angenehmes Gefühl, wenn man so ein Denkmal sieht, dass so vernachlässigt und vernichtet wurde”, erklärt die Vorsitzende vom Kongress für Denkmalschutz. Herausfallende Fenster und Glasscheiben, die abfallende Fassade oder zerfallende Wände sind nur der Anfang einer sehr langen Liste. “Es lohnt sich dort hinzugehen, wenn es regnet. Bei stärkeren Regen kann man im sog. Lärchensaal beobachten, dass alles undicht ist, dass sich über unserem Kopf kein Dach, sondern eine Plane aus Material befindet. Wenn man durch die Maschinenräume geht, dann sieht man, dass es richtig viele von den großen, ein paar Meter breiten Löchern gibt. Das ganze Gebäude wird feucht, der originale Fußboden wölbt sich. Im Büro der Geschäftsführung haben wir die historische Mutteruhr. Wenn wir genauer hinschauen, erkennen wir, dass sie bereits verschimmelt”, bemerkt Budny-Rzepecka.
Ein europäischer Skandal Zwar mag der Besitzer blind für den immer schlechter werdenden Zustand sein, aber bei weitem nicht Europa Nostra, also der europäische Denkmalschutz-Verbund, welcher sich für den Schutz des Kultur- und Naturerbes Europas einsetzt. Im März 2020 wurde die Beuthener Kathedrale des Industriezeitalters auf die Liste der 7 am meisten gefährdeten Kulturerbestätten in Europa aufgenommen. Und wieder tat sich eine Chance auf, um Geld für die nötige Sanierung in Anspruch zu nehmen. “Das Thema Europa Nostra ist de facto ein europäischer Skandal. Warum? Nachdem das Heizkraftwerk Szombierki auf die Liste aufgenommen wurde, hat Europa Nostra Anstrengungen unternommen, um ein Treffen auf dem Gelände mit dem Besitzer und dem Vertreter des Verbundes zu veranstalten. Ziel war es
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die Summen für potenzielle Fördergelder zu ermitteln. Die Rede ist von Geldmitteln in Euro und eher großen Summen. Es ist aber nicht einmal zu einer Einschätzung gekommen, weil der Besitzer das Treffen verhinderte. Der Präsident der Stadt Bytom/Beuthen Mariusz Wołosz, sein Vertreter Michał Bieda sowie die Vertreter der Stiftung für den Schutz des Industrieerbes in Schlesien, also die Initiatoren der Eintragung auf die Europa-Nostra-Liste – sie alle haben übers ganze Jahr 2020 hinaus versucht ein Treffen zu vereinbaren. Vergeblich”, erzählt Joanna Budny-Rzepecka und fügt hinzu, dass noch immer ein Restfunke Hoffnung an Geldmitteln für den Industrietempel besteht. Es bedarf nur des Willens des Besitzers. Dieser Wille eben war und ist immer noch nicht da. Ebenfalls im Jahre 2020 und nach der Aufnahme auf die Liste der 7 am meisten gefährdeten Kulturerbestätten in Europa, hat der Denkmalschutzbeauftragte der Woiwodschaft Schlesien – Łukasz Konarzewski – den Zustand des
Denkmals unter die Lupe genommen. “Im selben Jahr, als Europa Nostra Interesse zeigte, wo man riesengroßes Geld in Millionenhöhe beanspruchen konnte, wollte der Denkmalschutzbeauftragte im Rahmen seines kleinen Budgets auch Fördergelder bereitstellen. Natürlich hat der Besitzer keinen Antrag gestellt und ist zu keinem Termin mit dem Denkmalsschutzbeauftragten erschienen”, fügt die Enthusiastin hinzu, welche zusammen mit dem Kongress für den Denkmalschutz den offenen Brief zur Rettung des Beuthener Objekts verfasst hat. Im selben Jahr 2020 hat auch Beuthen/ Bytom mehrere Angebote dem Besitzer unterbreitet. “Die Stadt hat in den letzten Jahren zwei Angebote abgegeben – ein Übernahmeangebot aus Besorgnis um die Aufrechterhaltung in einem guten technischen Zustand sowie später ein Kaufangebot, in Höhe des Preises, welcher von der Gesellschaft Rezonator beim Kauf vom Objekt ausgehandelt wurde. Es haben auch mehrere Treffen
zwischen den Vertretern der Stadt sowie des Besitzers stattgefunden, aber der Vorstand der Gesellschaft Rezonator hat keinen Willen weder zur Übergabe noch zum Verkauf der Immobilie an die Gemeinde geäußert”, erklärt Małgorzata Węgiel-Wnuk und fügt hinzu, dass der Besitzer vom Heizkraftwerk Szombierki sich dabei auf Verhandlungen mit einem anderen Investor berief. Die Gespräche mit der Stadt endeten zwar mit einem Fiasko, aber die Behörden haben die Rettung des Denkmals nicht aufgeben und richteten den Blick entsprechender Beamten und Institutionen auf die Lage in den historischen Mauern.
Die Zeit und ihre Komplizen lassen nicht locker “Wir versuchen, das zu machen, was in unserer Rechtskraft liegt. Aufgrund
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dessen, was im Objekt vor sich geht, wegen des fortschreitenden Verfalls und des Desinteresses vom Besitzer, haben wir uns im August 2019 an den Denkmalschutzbeauftragten der Woiwodschaft Schlesien gewendet, um den technischen Zustand und die Innenausstattung zu überprüfen. Der Denkmalschutzbeauftragte hat eine Kontrolle durchgeführt und dem Besitzer angeordnet, die Fenster und die Fassaden sowie das Dach auf dem Uhren- und Wasserturm, auf dem Maschinenhaus, auf dem Pumpwerk und dem Heizhaus entsprechend abzusichern und es zu reparieren. Dazu ist es jedoch nicht gekommen. Auf unseren Antrag hin begann sich auch die Bauaufsichtsbehörde für die Sache zu interessieren. Nachdem diese Maßnahmen die erhoffte Wirkung nicht gebracht hatten, haben wir am Anfang des Jahres einen Deliktbescheid eingereicht. Die Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht in Beuthen/Bytom hat eine Ermittlung wegen Unterlassung, die zur Denkmalbeschädigung führte, eingeleitet ”, bestätigt die Sprecherin der Stadt. Die Staatsanwaltschaft ist jedoch nicht die einzige Behörde, welche ermittelt. Rezonator hat Verpflichtungen gegenüber mehreren Gläubigern, welche mit hilfe des Gerichtsvollziehers und des Finanzamtes ihre Ansprüche geltend machen. Beide Vollstreckungsbehörden führten jedoch unabhängige Vollstreckungsverfahren, was langfristig zum Verhängnis des Industrietempels werden kann. “Noch vor Kurzem war es so, dass der Gerichtsvollzieher sich mit den Grundstücken neben dem Heizkraftwerk beschäftigte und das Finanzamt nur mit den Gebäuden. Das Finanzamt führte sein Verfahren unter einem anderen Regelungsrahmen und der Gerichtsvollstrecker ebenfalls unter einem anderen Regelungsrahmen. Das bedeutet, dass zwei Vollstreckungsbehörden gleichzeitig ein Vollstreckungsverfahren führen und zeitgleich oder zu völlig unterschiedlichen Zeitpunkten eine Zwangsversteigerung durchführen konnten. Das Finanzamt hat die Pfändung aber aufgehoben und derzeit ermittelt nur der Gerichtsvollstrecker in allen Grundbüchern. Worin liegt die Gefahr? Dass der Gebäudekomplex aufgeteilt und zum Eigentum mehrerer
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und unterschiedlicher Besitzer wird. Die Erfahrung u.a. von der Myslowitzgrube zeigt, dass so eine Aufteilung oft zur Destruktion führt”, sagt Joanna Budny-Rzepecka. Die Vorsitzende des Kongresses für Denkmalschutz, weist auch auf eine andere Gefahr hin, diesmal seitens des Gläubigers. Dieser hat bereits offen angekündigt, dass er im Fall einer Übernahme der Grundstücke, die Maßnahmen zur Rettung des
Industrietempels behindern will. Geschweige dessen, dass er das (nicht) Handeln des aktuellen Besitzers einfach fortsetzen kann. Man braucht nur zu warten, damit die Zeit, Mutter Natur, sowie Schrottsammler, welche immer öfter ihr Unwesen im Objekt treiben, ihr übriges tun. Das kann wiederum zu einem Abrissentscheid für ein Denkmal von Weltklasse führen. Doch wie ist das eigentlich möglich?
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erklärt Joanna Budny-Rzepecka, welche studierte Juristin ist. Noch schlimmer ist aber die Tatsache, dass der Zeitpunkt, an dem das Denkmal seinen Wert verliert, diskretionär ist. In anderen Worten, es braucht nur einer Begutachtung eines entsprechenden Inspektors, um das Denkmal abzureißen. Nachdem das bewegliche materielle Erbe verschrottet wurde, wäre der Abriss von historischen Mauern, welche die Zillmanns entworfen haben und dementsprechend die Auslöschung des Stadtsymbols ein weltweiter Skandal. Und dennoch, kann dieses düsteres Horrorszenario eintreten. “Wann? Unserer Meinung nach sehr schnell. Wenn man vor einem Monat und heute ins Heizkraftwerk gehen würde, dann sieht man mit bloßem Auge, dass sich der Zustand des Objekts weiter verschlechtert hat”, warnt die Juristin. Wartet auf diesen Abrissentscheid der Besitzer? Das bleibt unklar, denn keiner geht ans Telefon und sowohl in den Medien, als auch im Internet ist eine Stellungnahme diesbezüglich nicht auffindbar. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, vor allem wenn man bedenkt, dass Rezonator keine Geldmittel für die Revitalisierung der historischen Stätte gewinnen sowie den Wert der Grundstücke nicht steigern konnte (weil der Bau der Beuthener Zentralstraße Nord-Süd aufgegeben wurde) und abgesehen davon, dass der Besitzer das historische Rathaus in Hajduki Wielkie/Bismarckhütte über Jahre hin verfallen ließ.
Law & (dis)order Noch bevor die Zeit und ihre Komplizen ihr Unwesen im Heizkraftwerk Szombierki begannen, hat eine gesetzliche Sackgasse das zerstörerische Werk vorgefertigt. “Im Denkmalschutzgesetz haben wir einen Artikel, welcher besagt, dass ein Denkmal unabhängig von
seinem Zustand unter Schutz steht. Im selben Gesetz haben wir aber auch einen Artikel, der die Umstände definiert unter welchen das Denkmal unwiederbringlich ihren Wert, welcher aus seiner Historizität hervorgeht, verliert. Sozusagen steht das Denkmal quasi unter Schutz, aber es gibt auch eine Möglichkeit, welche in demselben Gesetz festgehalten wurde, dass es unwiederbringlich ihren Wert als Denkmal verliert”,
Es ist aber noch nicht aller Tage Abend. Die Wächter des Objekts haben noch gute Karten in der Hand mit welchen sie noch spielen können. Die einzige Bedingung? Es darf zu keinem Besitzerwechsel kommen. “Die Staatsanwaltschaft ermittelt und es kann bald ein Urteil abgegeben werden, dass der Besitzer das Denkmal zerstörte und die Anordnungen des Denkmalschutzbeauftragten nicht umgesetzt hat. In diesem Fall kann der Denkmalschutzbeauftragte die Vorschriften nutzen und eine sog. Ersatzsanierung durchführen. Diese wird vom Staat finanziert und eine Zwangshypothek wird in das Grundbuch eingetragen. Wenn jedoch der Besitzer weiterhin untätig bleibt, dann kann der Denkmalschutzbeauftragte von der Enteignungsmöglichkeit,
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also de facto einem Zwangsankauf Gebrauch machen. Es ist ein sehr seltenes Verfahren. Ich weiß nicht, ob es in Polen überhaupt einmal zu Ende geführt wurde, weil es keiner machen will”, bemerkt Joanna Budny-Rzepecka. Angesichts des Vollstreckungsverfahrens und bevorstehender Zwangsversteigerung, wird es jedoch schwierig diese Regelungen umzusetzen. “Falls es zum Besitzerwechsel durch den Gerichtsvollstrecker kommt, dann erlöschen quasi all diese Hinweise, dass der Besitzer seit längerer Zeit
dieses Denkmal zugrunde richtet. Es gibt schließlich einen neuen Besitzer, welcher einen Vertrauensvorschuss bekommen muss. Vielleicht wird er ja das Denkmal sanieren?”, so die Juristin, welche gleich hinzugefügt, dass der Gläubiger, für welchen die Chancen auf eine Übernahme gut stehen, sich wohl auch dem Kreis der Komplizen der Zeit anschließen und warten wird, bis der majestätische Baukörper einstürzt. “Das ist die Gefahr, die beim Heizkraftwerk Szombierki besteht. Stößt der Wachruf auf keine große gesellschaftliche oder vielleicht sogar internationale
Resonanz, dann kann es in kurzer Zeit zu drastischen Tätigkeiten kommen. Das kann z.B. ein halbes Jahr sein”, warnt die Vorsitzende vom Kongress für Denkmalschutz. All die Probleme und Sorgen von heute ließen sich einfach verhindern, wenn man entsprechend früh die Zukunft des Industrietempels abgesichert hätte. “Werfen wir mal einen Blick auf unsere Nachbarn und die Objekte, welche auf der Liste der UNESCO-Welterbestätten eingetragen sind oder teils unter diesem Schutz stehen. In der
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entsprechend kontrolliert, noch werden entsprechend früh solche Pläne ausgearbeitet”, glaubt die Juristin. Einer ähnlichen Meinung ist Andrzej Janota. “Wenn sich ein Denkmal in einer Stadt befindet, dann sollte sich diese Stadt ein paar Jahre vor der Stilllegung des Betriebs an den entsprechenden Denkmalschutzbeauftragten wenden, damit dieser informiert und im Thema ist. Die Stadtverwaltung zusammen mit diesen Institutionen und Behörden, welche für den Denkmalschutz zuständig sind, sollten früher agieren. Wenn beispielsweise die Gesellschaft zur Stilllegung der Bergwerke die Liquidation einleitet, dann ist dies nicht mehr zu stoppen. Ein Schacht wird herausgeschnitten, zugeschüttet und vergessen”.
Wo das Gesetz nicht kann, da ist schon ein Enthusiast dran
Regel und das sowohl in Tschechien als auch in Deutschland war es schon vor der Stilllegung des jeweiligen Betriebs in Planung. Und in Polen? Keinesfalls. Das Heizkraftwerk Szombierki sollte eine Ausnahme darstellen, so ist es aber nicht gekommen. In Polen ist es meistens so, dass eine Anlage außer Betrieb gesetzt wird und dann vergehen, sagen wir mal 10, 15, 20 Jahre, wo sie nur existiert. In der Zwischenzeit wird was halbwegs gemacht, aber eigentlich passiert nichts. Die Anlage steht stillund verfällt komplett. Wo liegen die Gründe dafür? Weder wird es
Das Heizkraftwerk Szombierki in die Vergessenheit zu treiben, wird jedoch schwerfallen, was hauptsächlich ein Verdienst der Wächter dieses Objekts ist. In diese Rolle schlüpfen der Kongress für Denkmalschutz, der an der juristischen Front kämpft und an die Landes- und Regionalbehörden für eine Rettung appelliert, sowie mehr als 400 namhafte Personen und Institutionen, welche den offenen Brief zur Rettung des Zillmann-Kraftwerks unterzeichnet haben. Angeführt werden die Wächter vom Verein der Freunde des Heizkraftwerks Szombierki, der für die Rettung des monumentalen Industrietempels mit harter, täglicher Arbeit kämpft. Ohne einen Lohn dafür zu bekommen und ohne jegliche Garantie, dass dies keine Sisyphusarbeit wird, opfern rund 20 Personen ihre Freizeit. “Das alles passiert mit der Zustimmung seitens des Besitzers, welcher kein Geld ausgibt und gewissermaßen kostenlose Arbeiter hat. Die meisten von uns haben ein Talent in der Hand. Im Verein haben sich u.a. Elektriker und Mechaniker, sowie Tischler zusammengeschlossen, also eine ganze Reihe von Berufen. So einem Objekt macht es zu Nutze”, sagt
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Andrzej Janota, beruflich ein Fremdenführer. Es waren die Vereinsmitglieder, die das Dach abgesichert haben, als es nötig war. Sie haben die Uhr an dem Turm zum 98-Jahre-Jubiläum in Gang gesetzt. Sie haben den Touristen das Heizkraftwerk gezeigt, als es noch möglich war. Und heute? Sie sind diejenigen, die das Ausmaß der Zerstörung dokumentieren und gemeinsam mit der Leibwache gegen die Schrottsammler kämpfen. Und diese Menschen und ihre Leidenschaft können dieses Denkmal noch retten. Übrigens wäre es nicht das erste Mal. “Nehmen wir mal die Route der Technischen Denkmäler unter die Lupe. Wenn wir sie einen Punkt nach dem anderen auswerten, dann waren es die Liebhaber, welche meistens um die historischen Stätten gekämpft haben”, erinnert Joanna Budny-Rzepecka. Und das Heizkraftwerk ist einen Kampf wert. “Viele Beuthener verspüren eine starke Verbindung zu diesem Objekt und können sich das Stadtbild ohne die drei Schornsteine vom Heizkraftwerk Szombierki nicht vorstellen. Deswegen beobachten wir die Tätigkeit der Enthusiasten. Wir beteiligen uns dort wo wir können und unternehmen alles Mögliche, was uns das Gesetz in dieser Situation erlaubt”, fügt Małgorzata Węgiel-Wnuk hinzu. Früher war die harte und mühsame Arbeit ein Synonym der Industrie. Heute, in Anlehnung an die Wächter des Heizkraftwerks Szombierki, wird sie geradezu symbolisch. Denn gerade diese harte Arbeit kann dazu beitragen, dass eines der wertvollsten Denkmäler des postindustriellen Erbes gerettet wird. Mit dem eigenen Beispiel setzen die Wächter einen Aufruf und ein Signal zum Handeln sowie ein Notrufsignal in der Hoffnung, dass es empfangen wird. Die Rettung kann schließlich völlig unerwartet kommen. Wichtig ist es jedoch, dass sie nicht zu spät kommt. Zwar zeigt die Uhr an dem Uhren- und Wasserturm keine Zeit mehr an, doch diese steht nicht still. Für niemanden. Sogar nicht für ein historisches Erbe. Sogar für das Heizkraftwerk Szombierki.
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Auf den Spuren der Wolfspfoten von Patrycja Urban In Märchen kann man öfters auf einen naiven, gierigen Wolf treffen. Im Alltag stehen dem ein oder anderen die Haare zu Berge, wenn man nur das Wort hört, aus Angst vor dem Tier. Hat jedoch diese Wahrnehmung irgendetwas mit der Realität zu tun? Können Wölfe tatsächlich den Menschen angreifen? Diese und viele andere Wolfsfragen beantwortete der Fährtensucher Adam Gełdon.
Adam Gełdon | Foto z.V.g. von Radosław Nowacki
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Patrycja Urban (PolenJournal): Womit beschäftigt sich ein Fährtensucher? Was ist sein Ziel? Adam Geldon (Wolfs-Fährtensucher): Das Ziel eines Fährtensuchers von großen Raubtieren, so wie Wölfen oder Luchsen, ist es in erster Linie, so viele Informationen wie möglich über die lokalen Populationen dieser Arten zu sammeln, ohne deren natürliches Verhalten zu stören. Als Förster hab ich das Vergnügen, die Arbeit in der Försterei Spychowo mit meiner Leidenschaft für Wölfe zu verbinden, zumal es in der Johannisburger Heide mehrere Wolfsgruppen gibt, deren Daseins-Spuren man in fast jedem Teil des Waldes beobachten kann. Wieso spürt man überhaupt Wölfe auf und wie findet man eine Wolfsspur? Geht das einfach? Das Aufspüren der Wölfe gibt viele Informationen darüber, ob an dem Ort überhaupt Raubtiere leben, wie viele es sind, man erfährt auch die Anzahl der Rudel in einem bestimmten Waldkomplex und die ungefähre Größe des Wolfsreviers. Das Aufspüren ermöglicht auch andere Spuren zu finden z.B. von der aufgegessenen Beute, Urinspuren, Kot und sogar Spuren von Brunft. Alle diese Informationen werden im Rahmen der ganzjährigen Überwachung in einer Datenbank gespeichert. Diese werden später durch das Wissenschaftsinstitut im Rahmen der Schutzmaßnahmen dieser Tierart gebraucht. Die Wolfsspuren lassen sich meistens am einfachsten auf Waldwegen finden. Wölfe benutzen sie gerne für tägliche Wanderungen. Auf Wegen kann man einfacher laufen. Im Winter, wenn Schnee liegt, ist es viel einfacher, Wolfspfotenabdrücke auf dem Boden zu finden als in den schneefreien Jahreszeiten. Deutlich schwieriger ist es richtig zu erkennen, ob die gefundene Spur tatsächlich zu einem Wolf oder vielleicht einem großen Hund gehört, denn diese gibt es zahlreich und dabei laufen sie ohne Leine durch den Wald. Woher kommt ihre Leidenschaft für Wölfe?
Adam Gełdon | Foto z.V.g. von Radosław Nowacki
Während meines Forstwirtschaftsstudiums an der Naturwissenschaftlichen Universität in Warszawa/Warschau habe ich an einem Wissenschaftslager der Forschungsgruppe der Förster in Bieszczady teilgenommen. Dieser hieß “Wolf Expedition” und dort haben wir die Spuren der Wölfe aufgespürt. Da hatte ich das erste Mal mit Wölfen im Gelände zu tun, indem ich die Spuren im Schnee beobachtete und das Heulen
nachts hörte. Danach begann ich mein Wissen über Wölfe zu vertiefen, schrieb meine Masterarbeit über ihre Vokalaktivität und begannjedes Jahr auf das Camp “Wolf Expedition” zu fahren. Und so ist es meine Leidenschaft bis heute. Was muss man machen, um ein Wolfs-Fährtensucher zu werden?
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Vor allem muss man die Spuren der Tiere und andere Spuren ihres Daseins erkennen sowie die Biologie und Ökologie der jeweiligen Tierart kennenlernen. Man muss sich einfach dafür interessieren, selbst das Thema vertiefen, wissenschaftliche Texte lesen, Erfahrungen sammeln, mit Personen sprechen, die sich damit auskennen und aufgeschlossen sein, denn die Natur kann einen überraschen und nicht alles
ist eine genaue Widerspiegelung aus den gelesenen Büchern. Und das wichtigste – man muss in den Wald gehen. Man kann kein Spezialist sein, wenn man nur hinter dem Bildschirm des Computers sitzt. Selber bin ich auch die ganze Zeit am Lernen und viele Sachen sind noch vor mir, die ich vertiefen muss, denn das Wissen über Wölfe entwickelt sich die
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ganze Zeit. Als ich begann, in der Försterei zu arbeiten, gelang es, eine koordinierte Wolf-Fährtensuche in mehreren Förstereien zu organisieren. In den nächsten Jahren kamen weitere Förstereien dazu und dank dessen hatte ich die Möglichkeit, mein Wissen mit einem immer größerem Försterkreis zu teilen. Damit sammelte ich immer mehr Erfahrung. Zusätzlich veranstaltete ich eine Reihe von Lernveranstaltungen
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mit Kindern und Jugendlichen über Wölfe. Das hatte auch einen Einfluss auf mein Image, denn öfters höre ich über mich die Wörter “das ist der Herr von den Wölfen”. Bei dem Wort Wolf sind viele Menschen beängstigt, denn diese Tiere werden als gefährlich angesehen. Öfters hört man in den Medien, dass ein Wolf auf einen Hof reinspaziert ist und dabei einen Hund oder andere Tiere totgebissen hat. Ist es damit verbunden, dass es im Wald an Essen fehlt? Die Wölfe haben genügend Futter im Wald. Hoftiere stellen in einer Landesskala nur ca. 2% der Wolfsdiät dar. Natürlich greifen Wölfe Hoftiere an, wenn sie einen leichten Zugang zu ihnen haben und wie man weiß, kann sich ein Schaf in keinster Weise vor ihm schützen. Dennoch verhält sich das Problem auf nationaler Ebene, wenn man den Umfang der Entschädigungszahlungen für Wolfsangriffe auf die Tiere analysiert, immer noch gering, obwohl es lokal echt belastend sein kann. Von daher lohnt es sich in diesem Thema mit der regionalen Direktion für Umweltschutz zusammenzuarbeiten und die entwickelten und wirksamen Methoden zum Schutz der Herden vor Wölfen einzusetzen z.B. anhand von Elektrozäunen oder geeigneten Abzäunungen. Wölfe greifen Hunde nur aus zwei Gründen an. Der Erste ist das Konsumoptionsziel. Der Zweite und wichtigste Grund ist die Absicht, den Hund als Konkurrenten in der Umgebung zu eliminieren. Der Hund stammt vom Wolf ab, und obwohl sie Zehntausende von Jahren der Evolution trennen, sehen Wölfe Hunde immer noch als andere Wölfe an, die in ihr Revier eingedrungen sind. Wölfe sind Reviertiere und sie verteidigen aktiv ihr Territorium vor Eindringlingen, um ihre Futterressourcen im Wald zu schützen. Wenn Hunde vom Hof weglaufen oder frei im Wald während des Spazierganges laufen und mit Urin ihre Stelle markieren, fassen die Wölfe diese Spuren als Gefahr auf ihr Revier auf. Sie werden versuchen, den Hund zu finden und ihn zu beseitigen. Ist der Hund an einer Leine angebracht, hat er keine Chance, um sich
zu verteidigen. Daher muss man, wenn man weiß, dass Wölfe in der Nähe sind, für die Sicherheit des Hundes sorgen, da dies in der Verantwortung des Besitzers liegt. Am besten ist es, wenn man die Hunde nicht an der Leine hält, sondern im Hundezwinger oder im Haus hat. Man muss auch darauf achten, dass der Zaun dicht ist, damit der Hund nicht wegläuft und wenn man mit ihm in den Wald spazieren geht, sollte man ihn immer an der Leine haben. Bei dem Wort Wolf stehen vielen Personen die Haare zu Berge. Besteht wirklich eine Gefahr für den Menschen seitens des Wolfs, oder ist dies nur ein Mythos? Potenziell ist der Wolf eine Gefahr für den Menschen, so wie jedes große Raubtier und grundsätzlich auch für jedes wilde Tier. Im Prinzip sollten wir zu jedem Wildtier, egal welcher Art, Abstand halten und ihm aus dem Weg gehen. Wann kann ein Wolf für den Menschen gefährlich werden? Wenn er von Menschen aufgezogen wurde und danach in die Natur freigelassen wurde bzw. er weggelaufen ist, wenn er im Wald gefüttert wurde und es eine starke Zähmung gab oder während einer Krankheit z.B. Tollwut. Das sind die häufigsten Gründe, mit welchen wir in Polen zu tun hatten. In anderen Ländern, wo Wölfe Menschen angreifen, ist die häufigiste Ursache solch eines Geschehens die Tatsache, dass die Umgebung durch den Menschen stark verändert wurde, dass es keine natürliche Beute im Wald gibt oder sie einen leichten Zugang zu großen Mülldeponien haben, dank denen Wölfe den Geruch des Menschen mit dem Erbringen von Essen assoziieren und sich daran gewöhnen. Wölfe sind Allesfresser, sie können Pflanzenfutter nutzen und haben einen starken Überlebenswillen. Wenn sie also in der Natur keine Nahrung finden, werden sie es in der nahen Umgebung des Menschen suchen, weil dort es reichlich Essen gibt und es leicht verfügbar ist, was zu Konflikten führen wird. Hunde erkennen nur wenige Farben. Man könnte also sagen, dass sie farbenblind sind. Betrifft das auch Wölfe? Adam Gełdon | Foto z.V.g. von Radosław Nowacki
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Ja, Wölfe sind auch farbenblind. Darüber hinaus sehen sie tagsüber schlechter als wir. Ihre Sehkraft wird erst nach der Abenddämmerung besser. Deswegen glauben wir manchmal, wenn wir einen Wolf sehen, der nicht wegläuft, dass er keine Angst hat, doch eigentlich hat er uns einfach nicht gesehen. Im Februar gibt es das Fest der Liebe. Auch Wölfe spüren in dieser Zeit die Liebeslust. Wie sieht das aus? Die Brunst bei Wölfen findet meistens um den Valentinstag herum statt, sodass es sich leicht zu merken ist, und während dieser zweiwöchigen Zeit der Liebe bei Wölfen hat das Elternpaar Zeit für sich. Oft trennen sie sich von dem Rest der Familie, durchqueren das Revier und kennzeichnen es gemeinsam und natürlich daten sie. Möchte man in dieser Zeit ein Wolfsrudel aufspüren, kann man öfters auf die Spuren von zwei Wölfen kommen und das können die Spuren der Eltern während der Brunst sein. Auf dem Schnee kann man die Brunstspuren in Form von blutigem Ausfluss oder Urin mit Blut und ausgetretenen Kopulationsstellen erkennen. In vielen Märchen heulen Wölfe zum Mond. Ist das mit der Realität verbunden oder ist es nur eine Erfindung der Märchenmacher? Das Heulen dient vor allem der Kommunikation mit den Familienmitgliedern, somit könnte man meinen, dass wenn der Wolf zum Mond heult, er mit dem Mond sprechen möchte, doch das stimmt nicht. Helle Mondnächte sind eine großartige Zeit, um auf die Jagd zu gehen, von daher ist es gut möglich, dass Wölfe heulen, aber nicht zum Mond, sondern zu den anderen Gruppenmitgliedern, um alle zusammenzurufen und die Jagd zu beginnen. Wieso heulen Wölfe überhaupt? Was bedeutet es? Es ist eins der vielen Möglichkeiten der verbalen Kommunikation zwischen Wölfen. Das Heulen dient vor allem der Kommunikation mit Mitgliedern der eigenen Rudel auf großer Entfernung. Es ist ein sog. Wolfs-Telefon, mit dem sich Wölfe auch bei 10 Kilometern
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Entfernung hören. Dank dieser Kommunikation kann sich eine auseinander getriebene Gruppe (z.B. während der Jagd oder beim Laufen durchs Revier) an einem Platz zusammenrufen. Außerdem ist das Heulen eine Art Reviermarkierung. Dank dessen bekommen fremde Wölfe schon aus weiten Entfernungen die Information, dass dieses Gebiet schon von einer Gruppe mit konkreter Mitgliederanzahl besetzt ist. Wölfe können auch nach einer erfolgreichen Jagd heulen. Es ist das sog. Triumph-Heulen und es wird sogar von Rabenvögeln genutzt, denn sie fliegen an die Stelle, von der das Heulen kommt und hoffen auf die Essensreste der Wölfe. Außerdem heulen Wölfe auch zum Spaß, wenn sie erregt sind und das Erwachsenenleben kennenlernen. Diese Art der Kommunikation ist jedoch weiterhin geheimnisvoll und unzureichend erforscht. Welche Mythen über Wölfe sollte man aus dem Weg räumen? Außer dem Heulen zum Mond, sollte man auch betonen, dass Wölfe Familientiere sind und ein Rudel nichts anderes ist als eine Familie, die sich aus Eltern und deren Nachkömmlingen zusammensetzt. Eine beliebte Bezeichnung für die Eltern ist “Alfa”, was jedoch nicht ganz zutrifft, denn das Bestimmen der Führungsrolle in eine Wolfsgruppe beruht nicht nur auf ständigen Kämpfen und Aggression, sondern funktioniert ganz natürlich. Sie wird von den ältesten und erfahrensten Mitgliedern, den Eltern, geleitet. Die Bezeichnung “Alfa” stammt aus der Beobachtung der verwandten Wölfe in Zoogehegen, doch es hat keineswegs etwas mit den Tieren zu tun, die frei in der Natur leben. Und natürlich jagen Wölfe keine Großmütter oder Rotkäppchen. Haben sie sich schon einmal mit einem Wolf Auge in Auge getroffen? Was sollte man in so einer Situation machen? Weglaufen? Oder vielleicht stillstehen? Ich habe schon ein paar Mal Wölfe in der Natur getroffen. Da sollte man am besten die Ruhe bewahren, nicht weglaufen, sondern ihn still beobachten.
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Obwohl die Anzahl der Wölfe in den letzten 20 Jahren gestiegen ist, ist es immer noch eine Seltenheit, dass man einen Wolf von Angesicht zu Angesicht trifft, da sie die Anwesenheit der Menschen meiden. Wenn wir jedoch möchten, dass der Moment des Treffens länger dauert, sollten wir uns nicht bewegen und keinen Krach machen, um den Wolf nicht zu verscheuchen. Eventuell können wir uns ruhig entfernen, dabei sollte man jedoch mit dem Gesicht zum Tier sein. Wenn man jedoch solche Treffen vermeiden möchte, sollte man im Wald angemessen laut sein, damit die wilden Tiere früh genug die Information über unsere Anwesenheit bekommen und Zeit für die Flucht haben.
in den kälteren Jahreszeiten und am liebsten im schneeweißen Winter. In dieser Jahreszeit folge ich den Wölfen am häufigsten, weil dies dank der Schneebedeckung einfach möglich ist. Wenn es keinen Schnee gibt, bleiben nur einzelne Pfotenabdrücke auf dem Sand oder Matsch und somit gibt es keine Möglichkeit, den Wölfen auf einer längeren Distanz zu folgen. In der Zeit, wo kleine Wölfe zur Welt kommen und sie aufgezogen werden, ist meine Anwesenheit im Wald nur begrenzt, um diese geschützte Tierart nicht zu beunruhigen oder unnötig zu scheuchen. Auch aufgrund der Hitze gehe ich seltener in den Wald, da solche Temperaturen für einen kälteliebenden Menschen wie mich einfach unerträglich sind.
Kann man sagen, dass der Wald ihr zweites Zuhause ist? Wie oft spüren sie Wölfe auf?
Wie lange dauerte ihre längste Aufspürung von Wölfen?
Man kann sagen, dass ich sehr gerne Zeit im Grünen verbringe, vor allem
Wenn ich schon eine Wolfsspur finde, folge ich ihr so lange es geht, bis die Spur nicht endet oder der Tag zu
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der Bestandsaufnahme großer Raubtiere zu leiten. Dieses Camp ist an Studenten verschiedener Fachrichtungen und Hochschulen gerichtet. An diesem Event nahmen auch Förster, Naturforscher und sogar Berufsgruppen teil, die mit der Försterei und dem Naturschutz nicht verbunden sind. Die Teilnehmer lernen während des Camps das praktische Erkennen der Wolfsspuren und anderer großer Raubtiere, wie man eine groß angelegte, koordinierte Wolfsinventur durchführt und wie man die Arbeit im Außendienst dokumentiert. Und das alles in der atemberaubend schönen bergigen Natur des Bieszczady-Gebirges. Wie ist der aktuelle Stand der Wolfspopulation in Polen? Kann es dazu kommen, dass ein Befehl des Abschusses gegeben wird, aufgrund der zu großen Anzahl der Wölfe?
Ende geht. Alles hängt davon ab, wie viel Zeit man dafür hat oder welches Ziel man mit der Aufspürung verfolgt, und wie die Konditionsmöglichkeiten auf dem Weg sind, denn manchmal gibt es schwierige Wetter- und Gebietsbedingungen. Die längste Winter-Aufspürung, an die ich mir erinnern kann, betrug 20 Kilometer. Er dauerte den ganzen Tag samt einer Übernachtung im Wald, um am nächsten Tag die Arbeit fortzusetzen. Sie leiten das Camp “Wolf Expedition”. Für wen ist es gedacht und was lernt man dort? Die Wolf Expedition wird in Bieszczady durch die Forschungsgruppe der Förster der Naturwissenschaftlichen Universität in Warszawa/Warschau und den Jugendkreis des Verbandes der Ingenieure und Techniker der Forst- und Holzwirtschaft organisiert. Seit vielen Jahren habe ich das Vergnügen, Workshops im Bereich
Derzeit wird die nationale Wolfspopulation in Polen auf etwa 2 000 Wölfe beziffert. Keine Frage, seit den letzten 20 Jahre des Wolfschutzes hat sich die Anzahl dieser Tiere und ihr Verbreitungsgebiet vergrößert, was ein erwarteter und erwünschter Effekt des strengen Schutzes dieser Art war. Ob der Wolf auf die Liste des Jagdwilds kommt? Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür und der Wolf gilt weiterhin als geschützte Tierart. Sollte es zu Konfliktsituationen kommen, in denen andere alternative Methoden nicht wirksam sind, werden seit Jahren von der Generaldirektion für Umweltschutz, für bestimmte Problemwölfe Befehle zum Abschießen gegeben. Solche Konfliktindividuen sind z.B. Wölfe, welche das Inventar angreifen, wo nicht-invasive Methoden zum Schutz der Hoftiere nicht weiterhelfen, oder Wölfe, die durch menschliche Tätigkeiten gezähmt wurden und ihre natürliche Angst vor Menschen verloren haben. Ist es schwierig in Polen einen Wolf anzutreffen? Wo ist die Wahrscheinlichkeit auf so ein Treffen am größten? Derzeit gibt es fast auf dem ganzen Gebiet unseres Landes Wölfe. Sie besetzten alle größeren Waldkomplexe. So
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wie die Spuren des Daseins der Wölfe immer häufiger für geübte Naturbeobachter zu sehen sind, so ist die Wahrscheinlichkeit, einen Wolf in der Natur zu treffen, weiterhin sehr gering. Wölfe meiden Menschen und sobald sie früh die Geruchs- oder Geräuschinformation über unsere Anwesenheit bekommen, laufen sie weg oder entfernen sich ruhig. Deutlich einfacher ist es, die Wolfsspuren dort zu beobachten, wo sie seit immer schon waren, also z.B. in den Urwäldern in Ostpolen oder im Süden in Bieszczady. Fühlen sie sich wie ein sogenannter Waldmensch? Wie reagieren Menschen auf sie? Sind sie neugierig oder haben sie Angst? Vielleicht bin ich mit dem Wald etwas mehr verbunden als ein durchschnittlicher Waldtourist aufgrund meine Arbeit als Förster, Erzieher und der Leidenschaften, die mit der Natur verbunden sind. Während meiner Lehrveranstaltungen oder Exkursionen sind die Menschen mir gegenüber eher positiv eingestellt und willig, neues Wissen zu erwerben. Ich sehe nicht wie ein gewöhnlicher Förster aus, was größere Neugier wecken kann und Aufmerksamkeit erregt. Doch während der Arbeit als Erzieher ist es noch besser, denn dann gibt es mehr Aufmerksamkeit und das Warten unter den Teilnehmern der Lehrveranstaltungen auf das, was ich sagen und tun werde. Dank dessen ist die Chance größer, dass dieses erworbene Wissen noch lange in den Köpfen der Teilnehmer bleibt. Sind Wölfe erfolgreiche Fährtensucher? Wölfe sind für die Jagd und Erwerbung von Futter ausgezeichnet geeignet. Obwohl sie Raubtiere sind, also sie ihre Beute aufspüren, jagen und letztendlich die Beute töten, sind Wölfe Allesfresser und somit können sie auch pflanzliches Essen nutzen. Obwohl die Jagdwirksamkeit des Wolfes mit etwa 10% relativ gering ist, hat die Evolution die Art so geformt, dass sie sich an veränderte Umweltbedingungen anpassen kann, was den Wolf zu einer anpassungsfähigen Art mit starkem Überlebenswillen macht.
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Zwischen Gott und der Gegenwart. Podlachiens Heilkunst bleibt lebendig von Paulina Kuc
Gekleidet in Schürzen und Kopftücher sehen sie wie jede durchschnittliche Oma und Babcia aus. Doch zu den alltäglichen Menschen gehören sich mit Sicherheit nicht. Szeptuchy helfen nämlich Hunderten von Menschen, welche sich mit ihren Problemen an sie wenden. Wer sind sie jedoch in Wirklichkeit? Und haben sie tatsächlich die Gabe des Heilens?
Im Internet kann man leicht Geschichten von Menschen finden, welche in schwieriger, oftmals hoffnungsloser Situation und unabhängig davon, ob sie gegen ein psychisches oder physisches Problem kämpften nach Podlachien reisten, um Hilfe zu suchen. Doch wieso reisen sie nach Podlachien? Dort leben nämlich Personen, die niemandem Hilfe verweigern – Szeptuchy. Für manche Heilerinnen, für andere herkömmliche Großmütter. Skeptiker sind der Meinung, dass es Betrügerinnen sind. Kranke und Verzweifelte sehen sie als den letzten Rettungsanker an. Wer sind sie jedoch in Wirklichkeit? “Szeptuchy sind traditionelle Volksheiler aus Podlachien, also Spezialisten der lokalen Medizin, dessen Aufgabe die Verwandlung eines Kranken in einen Gesunden ist. Sie nutzen dabei traditionelle Methoden, welche sich hier in diesen Menschen entwickelt haben und welche auf bestimmte Traditionen zurückgreifen”, erklärt Magłorzata Anna Charyton,
Foto: Pixabay
Ethnologin, Medizinanthropologin und Naturforscherin, welche sich seit Jahren mit dem Thema der Volksheilerinnen beschäftigt. Szeptuchy kann man nicht auf dem ganzen Gebiet Polens antreffen. Sie leben nur in Podlachien. Ihre Praktiken und Traditionen sind Teil der lokalen Kultur und eingeborenen, von Ruthenen abstammenden Gemeinschaften, welche bis heute den Osten von Podlachien bewohnen. Hier bildete sich das weißrussische und ukrainische Nationalbewusstsein. Und Einheimische haben diese Wurzeln nicht vergessen, halten an ihrem kulturellen Erfahrungsschatz fest, welcher unter anderem aus der medizinischen Tradition, also der Volksmedizin, aber auch besonderer Religion und Sprache besteht, weil sie alltäglich in Dialekten sprechen, welche von der weißrussischen und ukrainischen Sprachen abstammen.
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Wenn man über das Thema Szeptuchy nachdenkt, sollte man darauf achten, dass man über eine andere Kultur und Medizin spricht. Über die Medizin einer anderen sozialen Gruppe, welche ihr eigenes System des Verständnisses von Gesundheitsproblemen und ihre eigenen Lösungen dafür hat. Die Nutzung eines westlichen Medizinsystems setzt uns Fehlern, Unverständnis, und Verwirrung aus”. Magłorzata Anna Charyton, Ethnologin, Medizinanthropologin und Naturforscherin
Eine normale, doch außergewöhnliche Großmutter Man könnte annehmen, dass Szeptuchy wegen ihrer besonderen Rolle in der lokalen Gemeinschaft, anders als andere aussehen, hervorstechen. Das liegt man jedoch komplett falsch! Szeptuchy sehen in den meisten Fällen wie unsere Großmütter aus, gekleidet in eine Schürze und Kopftuch kümmern sie sich in ihrer Freizeit, um den Haushalt und Garten. Aus den Untersuchungen von Małgorzata Anna Charyton folgt, dass ihr Altersdurchschnitt ungefähr 80 Jahre beträgt! Wieso so hoch? “Man muss eine ältere Person sein. Wenn es um Frauen geht, folgt es daraus, dass sie rein sein müssen, weil Heilen auch Reinigen bedeutet. Und wann ist eine Frau rein? Nach der Menopause. Daraus folgt das fortgeschrittene Alter der meisten weiblichen Szeptucha. Es muss jedoch keine Frau sein, manchmal schlüpfen auch Männer in diese Rolle ein. Meistens sind es jedoch Frauen, da sie für das Kümmern und die
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Körperschöpfung verantwortlich sind. Aber manchmal kommen auch Männer in dieser Rolle vor. Sie werden sogar als stärkere Heiler gehalten. Das folgt daraus, dass die lokalen, traditionellen Gemeinschaften immer noch ein sehr starkes Element des Patriarchats aufweisen. Männer legen die Regeln fest und werden als wichtigere Mitglieder wahrgenommen. Wenn sich also ein Mann ans Heilen heranmacht, wird er mehr dafür geschätzt. Außerdem erscheint alles, was seltener ist, als attraktiver. So erfreuen sich männliche Heiler eines größeren Interesses”. Wenn sie fühlen, dass ihre Zeit kommt, und sie bald nicht mehr anderen helfen könnten, übergeben Szeptuchy ihr Wissen, die Pflicht und Rolle anderen Personen. Dieses Geschenk Gottes muss nämlich weiter leben. Meistens wählen sie dafür ein Familienmitglied. Dieser Beruf wird nämlich von Generation zu Generation weitergeleitet. Leider wollen heutzutage die Familienmitglieder nicht immer diese schwere Verpflichtung übernehmen. “Eine Szeptucha sucht vor allem nach einer Person, welche es machen will, was heute ziemlich schwer fällt. Sie muss auch ruhig, freundlich sein und Charaktereigenschaften haben, welche sich der Widmung der Mission erleichtern. Es muss nicht der Familienkreis sein, doch noch bis vor ein paar Jahren ist es so gewesen. Diese Gabe wurde nämlich als etwas sehr Kostbares angesehen, als ein soziales Kapital. Und sie hatte in der Vergangenheit in Dörfern große Bedeutung. Es war etwas, was in der lokalen Gemeinschaft größeren Respekt versicherte. Und das war damals in Dörfern sehr wichtig. In der Vergangenheit verwendete man kein Geld und das Überleben hing von der Zusammenarbeit, nachbarlicher Hilfe ab. Jemand, der sich größerem Respekt erfreute, konnte auf größere Unterstützung in verschiedenen Situationen zählen. Am wichtigsten war der soziale Status. Und heute kommt es leider vor, dass Szeptuchy keinen finden, der diese Aufgabe übernehmen möchte, weil das soziale Kapital nicht mehr so wichtig ist. Immer wichtiger wird Geld, welches unentbehrlich ist. Man kann nicht nur von Respekt leben”, erklärt Małgorzata Anna Charyton.
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Vergelt’s Gott! Szeptuchy helfen nicht gegen Geld. Sie verdienen es nicht durch Kranke und Hilfesuchende. In der Vergangenheit mussten sie nämlich nicht darauf beruhen. Szeptuchy oder Szeptuni sind einfache Menschen, welche heute von ihrer Rente leben, die sie bekommen, weil sie ihren Acker dem Staat abgegeben haben, und davon, was sie im Garten züchten. Sie brauchen nicht viel. Eine Schürze, Kopftuch und ein Dach über dem Kopf reichen. Mit Sicherheit müssen sie keine kostbaren Sachen besitzen. Trotzdem wurde der Lebensunterhalt mit den Jahren immer schwieriger. Geld hatte nämlich damals nicht so einen großen Wert wie heute. Und das Leben nur von der kleinen Rente, ohne eine zusätzliche Einkommensquelle ist sicherlich nicht leicht. Jeder ist jedoch anders. Man kann also auch solche Heilerinnen finden, welche für ihre Hilfe eine bescheidene Bezahlung oder ein kleines Geschenk annehmen. Andere spenden das bekommene Geld für die lokale orthodoxe Kirche, und weiter andere nehmen keins an. Sicher ist jedoch, dass Szeptuchy keine Preisliste haben. “Sie handeln nach dem Gefühl ihre Mission zu vollbringen, weswegen sie auch sagen «darmo dostał, darmo oddał» (dt. kostenlos bekommen, kostenlos abgegeben’). Da sie ihre kostbare Gabe kostenlos bekommen haben, können sie kein Geld von Menschen verlangen. Die Gabe ist nämlich für die, welche sie brauchen. Wenn eine Preisliste vorkommt, sollte man sich zurückziehen, zumindest wenn man eine traditionelle Szeptucha aus Podlachien aufsucht, weil es keine wahre podlachische Heilerin ist. Geld kommt eventuell unter dem Kennwort «Wie es bleibt» vor. Eine Szeptucha fragt niemals nach der Bezahlung, legt keinen Preis fest, greift nicht nach Geld. Sie kann zustimmen, falls jemand Geld im Rahmen der Dankbarkeit auf den Tisch legt. Doch nicht jede Szeptucha wird auf so etwas eingehen. Oftmals informiert sie, dass dieses Geld für eine Kerze in der Kirche ausgegeben wird. Also legen manche Personen 2 oder 5 Zloty. Wenn sie mit einem großen Problem kommen, kommen manchmal auch Scheine mit einem niedrigeren
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Nominalwert vor. Und tatsächlich nimmt die Szeptucha oftmals das Geld und bringt es danach in eine orthodoxe Kirche, kauft dafür Kerzen, zündet sie auf dem Leuchter vor einer Ikone an und betet. Es gibt auch Szeptuchy, welche finden, dass eine kleine Summe im Rahmen der Dankbarkeit nichts Schlimmes ist. Sie drängen niemanden dazu, doch finden, dass es das Richtige ist und jemand so seine Dankbarkeit ausdrücken darf. Ich muss zugeben, dass wenn jemand dorthin mit einer großen Bitte fährt und mit einem Gefühl weggeht, dass er viel bekam, würde er sich quälen, wenn er nichts als Kompensation gelassen hätte. Es ist eine Reaktion, wir müssen unsere Rechnungen begleichen”, erzählt die Anthropologin.
Hilfe zu jeder Zeit Wenn man eine Szeptucha besuchen möchte, muss man vorher nicht anrufen, um einen Termin zu vereinbaren. Er reicht einfach zu kommen, die lokalen Einwohner nach der Adresse zu fragen oder sie im Internet zu suchen. Die Heilerin wird ihre alltäglichen Arbeiten sofort unterbrechen und sich gleich ans Heilen machen. Sie wird sicherlich niemandem Hilfe verweigern. Es ist ihre Mission, sie wird also keinen Leidenden wegschicken. Sie kann nicht “NEIN” sagen, weil sie müde ist oder sich ausruhen möchte. Sie muss immer bereit sein, jemandem zu helfen. Małgorzata Anna Charyton betont, dass in der Meinung der Szeptuchy es keine Gabe ist, welche sie in sich haben, sondern etwas, was von Gott geschenkt wurde und wodurch sie bei ihm Gehör finden. Also helfen sie jedem, dem sie können, zu jeder Tageszeit. Doch nicht jede Szeptucha behandelt jede Krankheit. Die meisten spezialisieren sich in der Lösung konkreter Probleme. Es gibt auch solche, welche finden, dass es sich immer lohnt, zu beten und Gott um Hilfe zu bitten, unabhängig vom Problem. Sie beten also um eine Heilung, Lösung der Probleme oder Gnade. Sicher ist, dass Szeptuchy das geben, was kein Arzt garantieren kann – Hoffnung. “Generell sagen Szeptuchy, dass man mit einer Erkältung oder einem Knochenbruch zum Arzt muss. Es gibt
also eine Kompetenzaufteilung zwischen Spezialisten. Auch bei den Szeptuchy gibt es Spezialisierungen. Es gibt ein paar Krankheiten, welche sehr charakteristisch sind, mit denen Menschen zu ihnen gehen und manche Szeptucha sind nur in der Heilung dieser oder einer von ihnen spezialisiert. Manchmal fahren jedoch Menschen mit verschiedenen Problemen zu den Szeptuchy. Mit der letzten Hoffnung, wenn die westliche Medizin keine mehr anbietet”, kommentiert die Anthropologin.
Makroregion unterscheiden kann. Hingegen die Bedeutung des Wortes «Szeptucha» wird in der lokalen Gemeinschaft verschieden verstanden. Ambivalent glauben die einen, dass diese Personen durch ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten, einen besseren Kontakt zu Gott haben und gutes tun, andere finden hingegen, dass diese einzigartige Gabe von der teuflischen Gewalt kommt, Schaden zufügt und eine seelische Bedrohung ist. Die Meinungen sind geteilt”, betont die Anthropologin.
Eine der Krankheiten, welche Szeptuchy behandeln, ist die Rose (poln. róża). Dabei handelt es sich jedoch nicht um die uns bekannten Krankheiten Rubeola oder Erysipel, genannt auch Rose (poln. Różyczka und Róża), da es Krankheiten der westlichen Medizin sind. Hier haben wir es mit etwas komplett anderem zu tun. “Es ist eine andere Bezugsebene, eine andere Welt, eine andere Kultur. Unter dem Begriff der Rose verstehen Szeptuchy verschiedene Hautkrankheiten. Sie haben mir gesagt, dass man in der Vergangenheit 9 verschiedene Varianten der Krankheit kannte. Es konnten Ausschläge, verschiedene Hautschwellungen, Rötungen sein, doch letztens sagen sie immer ‘wer kann sich schon an diese Varianten erinnern, wenn sie sowieso gleich behandelt werden’. Hier kann man also einen Unterschied zwischen der Medizin der Szeptuchy und der westlichen Medizin sehen. Ihre Diagnosen sind nicht so ausgeweitet und von der Heilung getrennt. Dieses Ritual, welches sie an einem Kranken durchführen, ist gleichzeitig eine Diagnose und Behandlung”, kommentiert Małgorzata Anna Charyton.
Die offizielle Stellungnahme der Katholischen und Orthodoxen Kirche besagt, dass die Praktika der Szeptuchy und die Annahme ihrer Hilfe eine Sünde sind. Alles beruht auf Regeln, die von der Volkskultur abstammen, wo sich die christliche mit der vorchristlichen Symbolik mischt. Jeder Gegenstand, jedes Wort und jedes Zeichen haben eine entsprechende Symbolik. Manchmal geben die Szeptuchy Kranken Brot, Wasser, Zucker, Salz oder Mohn. Sachen, welche man leicht teilen, umschütten oder umgießen kann. Wichtig ist hier nicht nur ihre Symbolik, sondern auch die Substanzen selbst, welche ein Träger der Kraft sind.
Göttliche Kraft oder teuflische Gewalt? “In meiner Annahme ist eine Szeptucha ein traditioneller, Podlachischer Volksheiler, also jemand, der aus einem Kranken einen Gesunden macht. Obwohl diese in der Region verschieden genannt werden, ist es die beste Bezeichnung, dank der man sie von anderen Helfern in anderen Regionen Polens und der
Kein Gegenstand kann jedoch ohne das geeignete Gebet helfen. In ihren Gebeten sprechen die Szeptuchy zu Gott, doch hier genau versteckt sich die ganze Kontroverse. Sie mischen nämlich nicht nur religiöse Motive miteinander. “Wenn man achtsam diesen Texten zuhört, welche sie aussprechen und wenn man kompetent ist, sie zu beurteilen, stellt sich heraus, dass sie einen Teil Gebete nutzt, und andere komplett andere Texte, welche nichts mit Gebeten zu tun haben und in denen sie sich nicht an Gott, den Heiligen Geist, Maria, Jesus oder andere Heiligen richten, sondern es ein Dialog mit der Krankheit ist, welche personifiziert wird. In der Volkskultur war die Krankheit immer als ein Wesen angesehen, welches eine wirkende Kraft und einen Willen hat. Das weckt in der Katholischen und Orthodoxen Kirche Angst auf”, erklärt Małgorzata Anna Charyton. Trotzdem sind Szeptuchy meistens sehr religiöse Personen, welche regelmäßig die orthodoxe Kirche besuchen, beten
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und aktive Mitglieder der religiösen Gemeinschaft sind. Gleichzeitig sind sie überzeugt, dass das, was sie machen, übereinstimmend mit dem Willen Gottes ist. “Es sind Personen, welche oftmals gewissenhaft Fasten, um die eigene Seele zu reinigen, ein besserer Mensch und dadurch auch Heiler zu werden. Fasten begünstigt die Reinigung des Körpers von Krankheiten. Oftmals nehmen sie auch an verschiedenen kirchlichen Festen teil, besuchen die orthodoxe Kirche, sind Teil der kirchlichen Gemeinschaft z.B. durchs Singen im Chor, welcher in der orthodoxen Kirche eine große Bedeutung hat, oder engagieren sich auf andere Weisen. Sie helfen, spenden, leuchten Kerzen an, beten um die Heilung der Personen, welche zu ihnen kommen.
Heilende Gabe oder Betrug? Im Internet kann man leicht Zeugnisse von Menschen aufsuchen, welche sich an Szeptuchy gewendet haben. Es fehlt nicht an Worten der Dankbarkeit und Verehrung, wie auch Kritik und Vorwürfen. Sicher ist, dass die Gruppe der Befürworter der Podlachischer Heilerinnen so groß ist, wie die Zahl ihrer Kritiker. Oder sogar noch größer. Die Einen beschreiben ihre Heilung, andere überzeugen von zu allgemeinen Informationen, welche sie von den Szeptuchy bekommen haben. Małgorzata Anna Charyton betont jedoch, dass es leicht ist, sich vor etwas automatisch zu fürchten, was wir nicht kennen. “Wenn uns etwas fremd ist, finden wir es automatisch unnormal und etwas verängstigend. Daher kommt die Reaktion, unsere Sichtweise als die Bessere anzunehmen, weil wir sie als normal und sicher ansehen. Wenn es hingegen um Beweise ihrer Gabe geht, ist es ein interessantes Thema, bei dem gleich die Frage kommt – wessen oder welche Mittel sollten bei der Untersuchung dieser Kultur genutzt werden? Ist es nicht so, dass wir auf der Suche nach Beweisen, eine Kultur mit den Mitteln einer anderen untersuchen möchten? Die Ergebnisse würden so ausfallen, wie bei der Untersuchung der chinesischen Medizin mit hilfe von Mitteln der Medizin der Indianer Nordamerikas.
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Die Beurteilung ihrer Leistung hängt von dem lokalen Verständnis der Ziele, welche sie und ihre Patienten erreichen wollen. Dieses Verständnis ist schwankend, weil es von Uberzeugungen abhängt”, erklärt die Anthropologin.
Volkskultur als vernichtet und abgestorben im Zweiten Weltkrieg ansieht, leben diese Praktiken und Überzeugungen der Volksmedizin und werden von den Menschen aus Podlachien immer noch aufrechterhalten”.
Es ist also schwer eindeutig zu sagen, ob Szeptuchy heilen oder nicht. Sicher ist, dass die langjährige Tradition immer noch lebt, weil Menschen ihre Hilfe immer noch brauchen. Wenn es keine Bedürftigen aus Podlachien und sogar ganz Polen geben würde, welche ein Treffen mit einer Szeptucha nötig haben, würden sie schon vor langer Zeit damit aufhören und die Tradition würde aussterben. Małgorzata Anna Charyton betont, dass manchmal sogar die lokale Gemeinschaft die Ausübung dieser Gabe von manchen Menschen erzwingt. Wieso? Weil sie sie brauchen – “Das Existieren von Szeptuchy zeugt von der Existenz von ganzen Gemeinschaften, welche solche Überzeugungen verkörpern und in diese Praktiken glauben”.
Heute ist es schwer, die Zahl der Personen zu bestimmen, welche sich mit dem Heilen beschäftigen. Laut Małgorzata Anna Charyton, welche die Szeptuchy seit mehr als 10 Jahren untersucht, sind es ein Dutzend bis zu ein paar Dutzend Heilern und Heilerinnen. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, weil man nicht weiß, wo man die Grenze zwischen einer Szeptucha und einer Hausfrau mit vielen Fertigkeiten in der Behandlung der eigenen Familie setzen sollte.
Stirbt die Tradition aus? Mit den Jahren verändert sich die Welt immer schneller, und es gibt immer weniger von den Szeptuchy. In der Vergangenheit war ihre Hilfe allgemein zugänglich. Trotzdem wissen wir nicht viel darüber. “Wir besitzen nur wenige schriftlichen Quellen über die Praktiken der Heiler im 20. Jahrhundert oder früher. Podlachien war eine etwas von Ethnografen und Forschern vergessene und kulturell ärmere Region. Sie fuhren in verschiedene Ecken der Republik Polen, wo die ethnischen und regionalen Kulturen interessanter waren. Wir haben also keine Texte strikt über Szeptuchy. Was wir haben, sind Texte, welche sagen, woran die Einwohner erkrankten und womit sie sich an Heiler wandten. Darüber schrieben beispielsweise Ärzte oder Feldscher, wie auch Ethnografen. Auf dieser Grundlage kann man zu den Schlussfolgerungen kommen, dass die Praktiken der Szeptuchy sehr lange, seit Jahrzehnten oder sogar noch länger in fast unveränderter Form ausgeübt werden. Ich würde hier lieber sagen, dass obwohl man die
Einer der Gründe des Aussterbens der Tradition ist der Wert des Geldes. “Das Bedürfnis, Geld zu nutzen und die eigene Arbeit für Geld zu verrichten, verursacht, dass es immer schwerer ist, Willige zu finden, welche diese Pflicht auf sich nehmen möchten. Meiner Meinung nach wird sich in dieser Hinsicht etwas verändern. Ich meine, dass es immer noch Spezialisten der Volksmedizin geben wird, die Ausführung selbst wird sich wahrscheinlich ändern. Es ist möglich, dass Preislisten aufgestellt werden, und das wird weitere Konsequenzen und Veränderungen hervorrufen. Dieses Phänomen wird evolvieren. Ich betone jedoch, dass es nichts Sicheres ist, nur meine Meinung. Leider leben wir in einer Zeit, in der die Tradition der Szeptuchy schnell ausstirbt. Die meisten Heiler, mit denen ich gesprochen habe, sind jetzt schon tot und haben keinen Nachfolger gefunden” - beendet die Anthropologin. Sind Szeptuchy moderne Hexen? Sicherlich nicht. Hexen haben nämlich Menschen mit Flüchen belegt und Szeptuchy beschäftigen sich mit der Lösung, dem Kampf mit einer Krankheit, einem Fluch oder Albtraum. Ihr Ziel ist auf das Wohlbefinden der Menschen ausgerichtet. Doch haben sie wirklich so eine große Gabe? Schwer zu sagen. Sicher ist, dass sie vielen Menschen geholfen haben und für viele die letzte Hoffnung und Chance für ein besseres Leben sind. Und wie man weiß, stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt.
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EINE WELTREISE OHNE PLAN? WELCH EIN WUNDERSCHÖNES ABENTEUER! Autor: Robert Dethloff Übersetzung: Paulina Kuc
“Ein guter Reisender hat keine festen Pläne und denkt nicht ans Ankommen”, sagte mal Laotse. Wieso lohnt es sich manchmal nicht zu planen und sich einfach auf den Weg so weit wie die Füße tragen zu begeben? Im Interview mit PolenJournal.de erklärte dies Piotr Śliwiński, der zwölfmal die Erde umkreiste, acht Gipfel und den Mount Everest bezwang, wo er die Todeszone überlebte.
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Robert Dethloff [PolenJournal.de]: Wo fing Ihr Reiseabenteuer an? Woher kam die Idee für die erste Weltreise? Piotr Śliwiński: Als ich meine erste Reise antrat, plante ich nicht, die ganze Welt zu umkreisen. Im Jahr 2006 schloss ich mein Studium an der Technischen Universität Krakau ab. Einen Monat nach der Verteidigung meines Titels habe ich alles, was ich besaß, verkauft und brach über den Atlantik vor mir ins Unbekannte auf. Ich besuchte 50 Bundesstaaten der USA. Danach hat mich ein Amerikaner darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht alle
Staaten sind, weil noch Hawaii fehlte. Dann habe ich bemerkt, dass der Staat sich in der Mitte der Erde befindet und ich von hier aus viel näher an Australien bin als an Polen. Ich wollte nicht auf demselben Weg durch Amerika nach Hause zurückkehren, weil mich immer neue Orten faszinierten. Das Interesse an der Erkundung der Welt trieb mich dazu an, hinter den Horizont zu reisen und zu sehen, was sich dort verbirgt. So wurde die spontane, nicht geplante erste Reise, die ein Jahr lang dauerte, geboren. Was grub sich in Ihr Gedächtnis während der ersten Reise ein? In Nordindien in Punjab hat ein Hindu, den ich traf und welcher eine Baufirma hatte, nach einem Tag unserer Bekanntschaft beim Frühstück mir seine Tochter als Ehefrau angeboten. Die interessanteste Episode meiner ersten Reise war aber die Fahrt mit einem Motorrad von Indien bis nach Krakau/Kraków durch Pakistan, Iran und die Türkei - 6 Tsd. km in 40 Tagen auf einer Royal Enfield «Bullet 350». Dabei erlebte ich mein gefährlichstes Abenteuer, weil ich an der Grenze zu Afghanistan einen Entführungsversuch erlebte. Mir wurden Drogen verabreicht, aber zum Glück gelang es mir zu fliehen. War es schwer die Sprachbarrieren zu durchbrechen? Ja, es war schwer, weil ich die Sprachen nicht vorher gelernt habe. Während der ersten Reise nach Nordamerika konnte ich nicht einmal Englisch sprechen. Da ich die Sprachen nicht kannte, war ich gezwungen, einfache Wörter auf Englisch, Spanisch oder Chinesisch zu lernen, dank derer ich ein Ticket und Essen kaufen, eine Übernachtung finden, oder die Grundbedürfnisse während der Reise befriedigen konnte. Schnell habe ich gelernt, dass sogar die richtigen Worte in manchen Regionen nichts bringen. Weil da die Grundsprachkenntnisse wenig halfen, habe ich die Body-Language-Kommunikation erlernt, also die Kommunikation durch Mimik, Gestik, Zeigen auf Gegenstände, Zeichnen auf Papier, Zeigen mit dem Finger auf der Karte. Eine Kamera mit Bildschirm erwies sich dabei als
Foto z.V.g. von Piotr Śliwiński
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sehr hilfreich. Ich habe chinesische Zeichen fotografiert und zeigte Bilder von Orten, wo ich hin wollte. Beispielsweise ein Bild von chinesischen Zeichen, welche Toilette bedeuten. Wie viele Länder haben Sie bisher besichtigt? Haben Sie Länder auf ihrer Liste aus der Must-See-Kategorie? Ich habe ungefähr 100 Länder bereist. Ich führe keine Liste mit besseren oder schlechteren Orten. Überall ist es wunderschön, und am interessantesten ist es dort, wo ich noch nicht war, weswegen jede Reise an neue Orte führt. Jede Reise verläuft anders, mit anderen Transportmitteln, also reise ich nicht so, damit ich bestimmte Länder oder Sehenswürdigkeiten besuche. Ich teile die Welt nicht in Länder ein, sondern in größere Regionen oder überlegte, welchen Kontinent ich entlang, quer bereisen oder umkreisen will. Auf jedem Kontinent bin ich per Anhalter gefahren, um einen Vergleich machen zu können. In manche Länder kehrte ich mehrmals zurück, wenn sie groß waren oder auf meinem Weg lagen. Meine Reisen waren spontan, ohne Plan, weswegen ich oftmals in Regionen reiste, wo Einwohner noch nie einen weißen Menschen gesehen haben oder ich traf an Orten ein, wo Touristen und Reisende normalerweise nicht hingelangen. Diese Freiheit, also kein Plan, keine Fahrkarte oder Hotelreservierung und immer nur mit einem One-Way-Ticket zu reisen, verursachte, dass ich keinen Zeitdruck verspürte. Als ich zu der Meinung kam, dass meine innere Neugier befriedigt war, weil ich das besuchte, was ich wollte oder ich mich irgendwo unbehaglich fühlte, die Stimmung mies war, mir Gefahr drohte usw., bin ich weitergezogen. Oder ein anderes Extrem: wenn es zu nett und gastfreundlich war und die Menschen mich drängten, eine Woche, einen Monat länger zu bleiben, bin ich geflohen, um Zeit zu haben, die Welt zu bereisen. Ich fand auf meinen Reisen so viele wunderschöne Orte und großartige Menschen, dass wenn ich irgendwo länger Wurzeln schlagen lassen würde, könnte ich ein Problem mit dem Weiterziehen bekommen. In Extremfällen blieb ich an einem Ort einen Monat.
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August 2021
Mit welchen Kosten ist so eine monatelange Reise verbunden? Die Kosten hängen von verschiedenen Faktoren ab: der Länge der Reise, dem Reisestandard, also welche Transportmittel man nutzt, wo man schläft, was man isst und natürlich der Route – durch welche Länder sie verläuft. In manchen Staaten ist es günstiger, in anderen teurer, was natürlich Einfluss auf das Budget hat. Auf verschiedenen Reisen sind mir verschiedene Situationen passiert. Manchmal verfügte ich über sehr viel Bargeld und ich musste mich nicht einschränken, und manchmal hatte ich sehr wenig oder gar kein Geld. Für manche Reisen gab ich zigtausende Złoty aus, es gab auch solche, wo ich Dutzend tausend Złoty ausgab. Einmal habe ich mich selbst übertroffen und habe für ein paar Tausend Złoty die Welt umkreist. Die Welt zu bereisen ist zweifellos ein wunderschönes Abenteuer, voll mit außergewöhnlichen Erlebnissen. Doch sie bringt auch verschiedene Gefahren mit sich. Sie haben die Entführung an der Grenze mit Afghanistan erwähnt. Sind ihnen auf anderen Reisen vielleicht weitere Momente von Beunruhigung, Angst oder sogar Entsetzen zugestoßen? Natürlich. Auf jeder Reise gab es Krisen-, Müdigkeit, Entmutigungs-, Angst- oder Gefahrenmomente. Ich bin vor wilden Tieren, überfallenden Menschen, vulkanischer Lava usw. geflohen. Und wie man weiß, kommt bei einer Extremsituation Stress, Entsetzen und Panik schnell auf. In Asien, Afrika, Nord- und Südamerika kam es zu Diebstählen und Überfällen, aber ich wurde auch in Polen bestohlen, Europa ist also in dieser Hinsicht nicht viel besser. Während meiner Expedition zum Mount Everest im Jahr 2018 musste ich ums Überleben kämpfen. Ich war für eine Nacht in der Todeszone auf der Höhe von ungefähr 8 Tsd. m gefangen. Ich habe es nicht geschafft, rechtzeitig zum Lager auf der Höhe von 6400 Metern hinab zu gehen, weil es bei mir zu einem Hirnödem kam, weswegen ich keine Kraft hatte und meine Reaktionen verlangsamt waren. Ich konnte
nicht laufen, mir fehlten die Kräfte, Sauerstoff, Wasser, Essen, das Radio, Gas um Schnee zu schmelzen. Zu allem Übel war ich komplett alleine, weil meine Kollegen vorher Unfälle erlitten, welche sie von der Gipfelbezwingung ausgeschlossen haben. Bevor ich den Mount Everest hinaufstieg, fällte ich die Entscheidung, es ohne die Hilfe eines Sherpas als Bergführer zu versuchen. Ich könnte jetzt lange aufzählen, was ich alles in diesem Moment nicht dabei hatte und es gebraucht hätte… Jede Stunde in der Todeszone ist ein langsames Absterben des Organismus, weswegen man schnell von dort fliehen sollte. Ich musste dort übernachten, ohne eine Laborausrüstung, Schlafsack, Zelt und dazu bei Extremfrost. Eine kritische Krisensituation aus der kaum jemand lebend rauskommt. Die ganze Nacht war ein Kampf ums Überleben. In den Bergen bin ich bereits mehrmals dem Tod entkommen, ein paar Mal kämpfte ich um mein Leben und ein paar Mal rettete ich das Leben von anderen Menschen. Sie nahmen teil am Experiment «Oswajamy mróz» (dt. Wir zähmen den Frost), während dessen Sie 100 Stunden in einer Thermoklimatischen-Kammer an der Technischen Universität Krakau bei Temperaturen von -50 Grad Celsius verbracht haben. Erleichterte ihnen dieses Erlebnis die Bezwingung des Mount Everests? Bevor ich in die Frostkammer ging, wiederholte ich in den Medien, dass ich die Möglichkeiten meines Körpers testen möchte, die Widerstandsfähigkeit meiner Ausrüstung und meiner Kleidung, die ich in den Himalaja mitnehmen werde. Erst nachdem ich den Mount Everest herunterging und die Todeszone überlebt hatte, verstand ich, wie wichtig in diesem Experiment die Abhärtung zu einer starken Psyche gegenüber Extremsituationen mit Lebensgefährdung war. Als ich die ganze Nacht bei -40 Grad Celsius verbringen musste, gab ich nicht auf, ich habe keine Panik bekommen, weil ich wusste, dass ich bei einer viel größeren Kälte viel länger aushalten kann. Angst paralysiert und dann trifft man unkluge Entscheidungen, welche zu einer
Tragödie führen können. Mich hat die Kälte nicht entsetzt, also konzentrierte ich mich auf die Höhenkrankheit und das Hirnödem, welche meine Hauptfeinde im Kampf ums Leben waren. Während des Projektes «Oswajamy mróz» bewältigte ich in der Thermoklimatischen-Kammer noch vor dem Mount Everest eine Krisensituation. Am dritten Tag verlor ich das Gefühl in meinem linken Bein. Ich konnte aufgeben und schnell herausgehen, aber ich entschied mich, in der Kammer drinnen zu bleiben, weil ich in Laborbedingungen testen konnte, wie ich mich verhalten muss, um den Kreislauf wiederherzustellen. Ich war mir im Klaren, dass es im Himalaja diesen Komfort nicht mehr geben wird und es die perfekten Bedingungen waren, um Krisensituationen zu üben. Nach einem halbstündigen Kampf ist es mir gelungen, meinen Kreislauf wiederherzustellen und ich hielt bis zum Ende durch. Man sagt, dass Reisen bilden. Was hat sie das Reisen gelehrt? Ich lernte andere Kulturen und die wundervolle, ganze Welt kennen. Während der Reisen erlernte ich die Anpassungsfähigkeit, Verständnis für andere Menschen und Kulturen, Beachtung der Natur, sowohl Stillleben, wie auch der lebenden Natur, Demut zur Welt und den Menschen, Geduld, Entschlossenheit in der Zielverfolgung, Ausdauer und Planmäßigkeit. Kann man sagen, dass die Reisen Sie als Menschen verändert haben? Auf jeder Reise fühlte ich, dass ich ein anderer, besserer Mensch bin. Ich entwickelte positive Charaktereigenschaften. Jede weitere Reise ermunterte mich die Grenzen der Herausforderung weiter zu setzen. Reisen bilden nicht nur, sie entwickeln den Charakter. Ich absolvierte Bauwesen an der Technischen Universität in Krakau/Kraków, wo alles vorgeplant war: Projekte, Zahlen, Physik, Mathematik. Während der Reisen lernte ich das Gegenteil kennen, eine andere Denkweise, spontan, ohne Planung. An der Ostküste in den USA hörte ich in der Gegend von New York meine Lieblingsredewendung “Play by
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Wenn ich die Welt bereise, versuche ich so viel über Polen zu erzählen wie möglich, es anderen positiv zu vermitteln, zum Besuch einzuladen. Viele Menschen kamen dank mir ins Land an der Weichsel, um es zu sehen, besser kennenzulernen. Oft war es im Leben dieser Menschen die erste Reise nach Europa. Auf der anderen Seite, wenn ich schon in Polen bin, promote und zeige ich alles, was ich erlebt habe, auf wen und was ich in anderen Ländern und Kulturen traf.
ear”, und in Kalifornien etwas Ähnliches - “Go with the flow” - also schwimme mit dem Strom. Es heißt, sich an das anzupassen, was um uns herum passiert, also eine Flexibilität ohne Aufdrängen von Plänen. Ich finde, dass beide Herangehensweisen ihre Vor- und Nachteile haben. Deswegen empfehle ich, beide kennenzulernen und zu erkunden. Nach einem Plan funktionieren, aber sich auch spontan verhalten können. Je nach Situation sollte man eine Wahl zwischen ihnen treffen. Sich nicht über etwas hinwegsetzen, wenn mal alles außer Kontrolle gerät und von unserem Plan abweicht, sondern mit einem Lächeln feiern. Aktuelle Zeiten zeigen uns ausdrücklich, dass sogar die besten Pläne manchmal nicht möglich zu verwirklichen sind. Was meinen Sie? Ich plante letztens eine Reise, weil ich jemanden vom Punkt A bis zum Punkt B herüberfahren musste und ohne Plan wäre das nicht gelungen. Jemand hat ein bestimmtes Budget, Datum, also musste ich manchmal als Reiseführer manche Sachen gut durchdenken, organisieren, aber ich konnte mich in diese Reisen hinreißen lassen - sehen, was der Tag bringt. Ich wusste nicht,
Foto z.V.g. von Piotr Śliwiński
- Piotr Śliwiński
was ich essen, wo ich schlafen oder womit ich fahren werde. Nach einer Übernachtung suchte ich erst, nachdem es dunkel geworden ist, was zu extremen Situationen führte, wie z. B. dass ich unter freiem Himmel schlief oder die ganze Nacht an gefährlichen Orten herumspazierte, in Transportmittel einstieg, um zumindest etwas im Bus oder Zug zu schlafen. Auf der anderen Seite traf ich beim Herumlaufen Menschen, die sagten - “Hey, hast du keinen Platz zum Schlafen? Wie kann das sein? Komm mit mir nach Hause”. Ich lernte viele, großartige Menschen kennen, es öffneten sich vor mir Abenteuer, die normalerweise für Menschen unerreichbar sind, weil jeder alles genau geplant hat. So kann man nicht die raue Wirklichkeit loswerden.
ich mir nicht vorstellen kann, zu reisen sind: mein Reisepass und meine Kreditkarte.
Die ganze Kunst besteht darin, dies und das zu versuchen und sich dazwischen bewegen zu können, also die eigenen Randbedingungen von beiden Seiten zu finden und diese mit Vernunft zu verwalten. In manchen Situationen lohnt es sich auf eine Art und Weise zu handeln, und in anderen ganz anders. Haben Sie Lieblingsgegenstände, ohne welche Sie sich das Reisen nicht vorstellen können? Ja, zwei Gegenstände, ohne welche
Wie reagierten Bewohner aus anderen Ländern, als sie die polnische Fahne sahen? Ich schäme mich nicht, dass ich Pole bin. Ich wanderte oft mit der Fahne angesteckt an meinen Rucksack von Lagerplatz zu Lagerplatz, ich hängte sie an Zelten auf und habe sie in Bergspitzen eingeschlagen. Polen freuen sich, wenn sie mich treffen. Ausländer klatschen. Ich hörte mehrmals den Ausdruck «polish power». Darauf bin ich stolz. Eine gewisse Vorstellung, wie schön die polnische Flagge im Wind wehend, aussieht, verleiht das Video “Denali” auf meinem YouTube-Kanal und bei p82.pl. In Brasilien am Strand in der Ortschaft Natal, sagten die Menschen, als sie hörten, dass ich aus Polen komme “Boniek, Boniek…”. Sofort kamen Kinder, die mich umkreist haben und schrien “Ich habe Boniek angefasst!” Ein anderes Mal, als ich mit dem Zug in Vietnam aus dem Bergdorf Sapa zur Hauptstadt mit einem Politiker reiste, hat er sofort, als er hörte, dass ich Pole bin, zu mir gesagt: “Lech Wałęsa, Lech Wałęsa”. Die Sherpa im Himalaja verbinden Polen
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August 2021
mit Jerzy Kukuczka. An anderen Orten war die erste Assoziation Papst Johannes Paul II. oder Robert Lewandowski. Fühlen Sie sich im Ausland wie ein Botschafter Polens? Ich nenne das Glokalismus, also global und lokal. Wenn ich die Welt bereise, was ich ein Mal jährlich mache, versuche ich so viel über Polen zu erzählen wie möglich, es anderen positiv zu vermitteln, zum Besuch einzuladen. Viele Menschen kamen dank mir ins Land an der Weichsel, um es zu sehen, besser kennenzulernen. Oft war es im Leben dieser Menschen die erste Reise nach Europa. Auf der anderen Seite, wenn ich schon in Polen bin, promote und zeige ich alles, was ich erlebt habe, auf wen und was ich in anderen Ländern und Kulturen traf. Deswegen habe ich vor einigen Jahren das Unternehmen Buszek gegründet. Im Jahr 2008 eröffnete ich 12 Geschäfte in 12 Monaten. Ich habe eine Kette von Läden und Shishabars. Mein Ziel ist es, dass Menschen Geschmäcker und Produkte von verschiedenen Seiten der Welt verkosten. Ich importiere und verkaufe Yerba Matte aus Lateinamerika, Tee aus Asien, Kaffee aus Afrika, Shishatabak aus arabischen Ländern. Seit vielen Jahren sind das die vier Grundprodukte meines Unternehmens, aber seit einiger Zeit biete ich auch mongolische Jurten, indische Motorräder, indische Andenken und polnische Kräuter an. Ich bringe die Produkte und das Klima näher, welches ich in meinen Restaurants und Shishabars schaffen möchte, angefangen bei Musik aus aller Welt, durch Andenken und Deko bis zu Gerüchen, Räucherstäbchen und schaffe ein besonderes Ambiente. All diese Dinge kann man bei mir nicht nur kaufen, sondern auch ausprobieren. Das sind meine Lieblingsweisen, um den Polen die Welt näherzubringen, nicht nur in der Businesszone als Unternehmer und Firmeneigentümer, sondern auch durch Bildung, weil ich viele Vorträge halte, Interviews gebe, in verschiedenen Institutionen, Hochschulen, Schulen, Kulturhäusern, Organisationen, Unternehmen über das Bekämpfen der eigenen Grenzen,
Business, Firmengründung, die Verbindung von allem, also der Reise-, Bergund Businesswelt rede. Dazu führe ich Motivations- und Entwicklungskurse. Ich lehne Interviews, welche zeitaufwendig sind, nicht ab, weil ich weiß, dass sie in kürzester Zeit viele Empfänger erreichen können, die sich auch für die weite Welt interessieren und wenn ich dabei helfen kann, habe ich in alle dem eine Zufriedenheit und Freude. Für Personen, welche aktuell nicht so die Welt kennenlernen können wie ich, erschuf ich eine private Internetseite www.p82.pl, wo ich die wichtigsten Informationen in Form von Interviews, Bildern, Videos, Artikeln und Sendungen abspeichere. Wie finden Sie für das alles Zeit? Ich versuche alles zu verbinden und keinem ‘Nein’ zu sagen. Ich suche nach Möglichkeiten, das alles unter einen Hut zu bringen, also mache ich oftmals ein paar Sachen gleichzeitig. Ich habe gerade aufgehört, mich mit einem Kunden zu unterhalten und jetzt gebe ich ein Interview, aber gleich werde ich mich wieder entschuldigen müssen und unser Gespräch für ein Moment unterbrechen, weil ich ein Vorstellungsgespräch führen werde. Von Januar bis März gab ich 37 Interviews. Und den ganzen Januar und Februar lang trat ich tagtäglich in Radio, TV oder Zeitungen auf. Ich dachte, dass ich an Wochenenden etwas entspannen werde, doch an einem Samstag um 9.00 Uhr weckte mich mein Handy auf. Wie sich herausstellte, rief eine Redakteurin von einem Fernsehsender an und fragte, ob sie in zwei Stunden mit einer Kamera bei mir sein können. Damals spürte ich zum ersten Mal große Erschöpfung und empfand Medienauftritte als schwere Arbeit. Die Verbindung vieler Termine gleichzeitig hat vieles mit einem Plan gemeinsam. Wenn ich alles genau planen würde, würde ich bestimmt viele andere Sachen nicht machen. Ich mag es nicht, mich an steife Zeitpläne zu halten und möchte flexibel bleiben, um sich an die Situation anpassen zu können. Ich finde es besser, wenn jemand anruft und kommt, wenn ich Zeit habe. Sogar mit Gästen sieht es so aus, dass sie gleichzeitig zu mir kommen, weil
ich keinem sage, dass ich keine Zeit habe. Wenn allenfalls ein paar Personen gleichzeitig kommen, haben sie die Chance, sich kennenzulernen. Manchmal finden gleichzeitig drei oder vier Treffen statt. Jedes von ihnen generiert weitere Aktionen, Events, Vorführungen und bereitet allen viel Freude. Äußerst wichtig ist die Wahl der eigenen Prioritäten, weil es das Erledigen von mehreren Sachen gleichzeitig ermöglicht. Man muss nur bestimmen, was am wichtigsten ist, und was als Nächstes gemacht werden muss oder warten kann. Danach kommt Flexibilität, Engagement, die Ausführung davon, was man mag. Wenn ich nämlich den ganzen Tag das mache, was ich liebe, fühle ich mich nicht müde. Manche sagen, dass ich “wahrscheinlich gar nicht arbeite” und andere finden - “wie kann ein Mensch vom Morgen bis zum Abend arbeiten”. Alles hängt von der Sichtweise und dem Bezugspunkt ab. In Zeiten der Pandemie haben Sie zum wiederholten Mal überrascht, als sie eine mongolische Jurte bewohnt haben, jedoch nicht auf dem Gebiet der Mongolei, sondern in Krakau/Kraków. Woher kam diese Idee? Zum ersten Mal bin ich mit einer mongolischen Jurte während meiner dritten Weltreise in Kontakt gekommen. Ich fuhr durch Sibirien von einer Beobachtung der Sonnenfinsternis ins Altai nach China zur Eröffnungszeremonie der Olympiade in Peking im Jahr 2008. Als ich durch die Mongolei reiste, wohnte ich ein paar Mal bei Einheimischen in Jurten. Mich faszinierte ihre Lebensweise. Ich mochte die Gastfreundschaft und, dass die ganze Familie in einem rundem Zimmer lebte. Das Fehlen von Wänden schaffte eine Atmosphäre der Offenheit und das Fehlen der Ecken erweckte nicht das Gefühl von vergeudetem Raum. Die Idee in einer Jurte zu wohnen, kam mir ganz natürlich, als die Welt letztes Jahr anhielt und das Reisen erschwert oder sogar unmöglich wurde. Am Tag meines Geburtstags am 19. Mai lud ich Freunde zu der Jurte im Wohnungsviertel Czerwony Prądnik beim Sportzentrum TCFHUB ein und kam auf die Idee, dass ich lernen werde, in der Jurte an
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vier Jahreszeiten zu wohnen, um sich zu überzeugen, wie man in polnischen Verhältnissen, in der Mitte einer Stadt und vielleicht irgendwo in der Wildnis überlebt. Ich interessierte mich für die Konstruktion, weil ich ein Bauingenieur bin, und da meine Leidenschaft Reisen, die Erkundung der Welt und anderer Kulturen ist, war also die Jurte auf eine gewisse Weise die Verbindung meiner Leidenschaft mit meiner Ausbildung. Mir gefiel auch, dass man eine traditionelle Jurte schnell aufbauen, und dann noch schneller abbauen und an einen beliebigen Ort transportieren kann. In der Mongolei wechselt man den Lebensort durchschnittlich 3-4 Mal im Jahr und ungefähr 40% der Einwohner leben in solchen Konstruktionen, ohne über die Unbequemlichkeiten zu klagen. Ich kam auf die Idee der mongolischen Jurte, welche im Wohnungsviertel Czyżyny an der Fakultät für Maschinenwesen der Technischen Universität Krakau aufgestellt wurde, als ich Kurse für die polnisch-amerikanische Wirtschaftsschule durchführte. Ich hielt damals Lesungen für MBA-Studenten. Auf einer Präsenzveranstaltung zum Thema Kommunikation und Rhetorik brachte ich “die Kultur und Bräuche Asiens” näher. Die Hauptattraktion war die neben der Aula erbaute Jurte, in der ich meine Vorträge hielt. Sie erfüllte also als Erstes eine didaktische Funktion, danach war sie eine Attraktion für viele Studenten während der Eröffnungsfeier und zu Beginndes akademischen Jahres. Ab Jahresanfang fand sie Verwendung bei der Durchführung von verschiedenen interdisziplinären Untersuchungen, zu denen ich von der Fakultät für Bauingenieurwesen eingeladen wurde. Wie sieht das alltägliche Leben in solchen Verhältnissen aus, besonders im Herbst und Winter? Als ich in der Jurte lebte, brachte jede Jahreszeit Schwierigkeiten und Herausforderungen mit sich. Natürlich war der Zeitraum mit den meisten Herausforderungen und der Zeitraum, vor dem ich etwas Angst hatte, der Winter. Während des letztjährigen Herbstes habe ich mit der Fakultät für
Bauingenieurwesen Untersuchungen durchgeführt, um die besten Materialien und Arten der Isolierung der Jurte zu finden, und sie so gut wie möglich an polnische Klimabedingungen anzupassen. Früher hatte ich solche Herausforderungen wie die eigenen Grenzen zu überwinden, Gipfel zu bezwingen und jetzt kam die Zeit für eine Forschungs-Kognitive-Herausforderung. Es stellte sich heraus, dass traditionelle Jurten sich in Polen wegen des Klimas nicht wirklich bewähren. Im Frühling und Herbst konzentrierte ich mich auf der Absicherung des Inneren vor Wasser. Im Sommer kämpfte ich mit hohen Temperaturen. Hingegen im Winter suchte ich nach Lösungen, um sich vor Frost zu schützen und endlich ist es mir gelungen. Den Boden isolierte ich mit polnischem Styropor Termo Organika, hingegen die Wände und die Decke mit einer belgischen reflektierenden Folie Aluthermo Quattro, was mir erlaubte, die Temperatur drinnen bei ungefähr 20 Grad Celsius zu halten, wenn es draußen -20 Grad Celsius war. Ich habe alle Jahreszeiten bezwungen, was ich als einen riesigen Erfolg ansehe. Im darauffolgenden Frühling führte ich ein weiteres Experiment durch. Mit hilfe des Unternehmens PanBitcoin installierte ich in der Jurte als Wärmequelle einen Kryptowährung-Bagger, welcher als Nebenprodukt Wärme erzeugt. Es stellte sich heraus, dass dieser an kalten Frühlingstagen genügt, um die gesamte Konstruktion zu erwärmen. Wollten Sie schon immer reisen? Ich habe in meine Kindheit nicht ausdrücklich meine Träume übers Reisen durch die Welt artikuliert. Ich war neugierig und gut möglich, dass tief in meinem Unterbewusstsein solche Reisen versteckt waren. Ich hatte keinen Traum, in der Zukunft ein Globetrotter zu werden und zu reisen. Als kleiner Junge zeichnete ich mit Malstiften Flaggen aller Länder der Welt aus einer Enzyklopädie in mein Heft ab. In der Grundschule und in der Oberschule nahm ich oftmals an Geografieund Mathematik-Olympiaden teil, bei denen ich als Preisträger gekürt wurde und ziemlich große Erfolge erzielte.
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Ich mochte schon immer Geografie und Mathematik, das war in der Schule meine starke Seite. Im mathematischen Studium verwandelte sich diese Stärke in ein Interesse an Bauingenieurwesen und Bauwesen, hingegen die Geografie in den Willen, die Welt kennenzulernen und zu reisen. Meine zwei Lieblingsgebiete haben sich nach Jahren endlich überkreuzten und in Krakau/Kraków in einer mongolischen Jurte getroffen. Denken Sie über eine weitere Reise nach? Oder übers Schreiben eines Buches zum Thema Reisen und dem Projekt Seven Summits? Das Reisen ist immer noch wegen der geltenden Maßnahmen erschwert. Deswegen anstatt in der Welt zu sein, konzentrierte ich mich auf den Bau weiterer Jurten. Im Mai erbaute ich im Rahmen des Projektes Taskforcome noch eine Jurte, doch diesmal auf dem Gebiet der Wirtschaftsuniversität Krakau bei der Rakowicka-Straße, wo ich als Berater im Businessberatungspunkt für Ausländer (poln. Biznesowy Punkt Konsultacyjny dla Cudzoziemców) arbeite. Im Juni erbaute ich eine Jurte in der Nähe von Posen/Poznań für die entstehende Stiftung der Staatlichen Münze (poln. Fundacja Mennicy Skarbowej), mit der ich bei verschiedenen Projekten und Bildungskursen für Kinder arbeite. Auch in den nächsten Monaten werde ich Jurten bauen. Ich habe nie erwartet, dass mein Abenteuer mit der mongolischen Konstruktion in Polen so ein breites Echo finden, und so beliebt wird. Es geschieht in meinem Leben immer etwas Interessantes, weswegen ich wenig Zeit habe, ein Buch zu schreiben. Es ist mir gelungen bereits ein paar Kapitel zu schreiben. Zum Glück hetzt mich mein Verlag nicht und ich bin aktuell auf der Suche nach einem neuen Chefredakteur. Wenn ich noch irgendwohin aufbrechen könnte, wäre ich an der Antarktis interessiert, um ihren höchsten Gipfel zu bezwingen. Wenn ich einen Hauptsponsor finde und einen Partner für so eine Reise, beende ich gerne das Projekt der Bezwingung von Seven Summits.
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August 2021
Die Stadt der Märchen VON PATRYCJA URBAN
Foto z.V.g. von Europejskie Centrum Bajki
Er ist Weiß, hat ein Bärtchen, trägt eine rote Hose und rote Schuhe. Er eroberte die Herzen aller Kinder, welche auf ihn mit großer Faszination hinunterschauten. Von wem ist die Rede? Vom Ziegenbock Koziołek Matołek! Nach vielen langen und kurzen Ausflügen und unzähligen Abenteuern gelang es ihm endlich ins erträumte Pacanów zu gelangen, wo er sich endgültig im Europäischen Märchenzentrum (pl. Europejskie Centrum Bajki) niedergelassen hat. Etwas naiv, dümmlich, feige, aber unermüdlich und vor allem mit dem Herz am rechten Fleck. Das sind die Eigenschaften, welche den bekannten Koziołek Matołek ausmachen. Die Hauptfigur des Märchenromans von Kornel Makuszyński reiste durch die ganze Welt, um endlich nach Pacanów zu gelangen, wo “so schlaue Schmiede sind, dass sie auch Ziegen beschlagen können, damit sie sich in ihrer ganzen Pracht zeigen können“. Unterwegs warteten auf Koziołek eine Menge Abenteuer, denn es war keine gewöhnliche Reise. Matołek erkundete einen großen Teil des
Weltalls, um sein innigst geliebtes Pacanów zu finden. Selbst den Mond hat er erkundet. Die tausenden Kilometer bewältigte er jedoch nicht nur zu Fuß, sondern reiste u.a. mit einem Kometen, auf einem Regenbogen und schwamm auf dem Rücken eines Wals. Nach so vielen Abenteuern und unterschiedlichen Transportmittel ist eins sicher, keiner langweilte sich vor dem Fernseher, sondern beobachtete mit großer Neugier die Erlebnisse des Ziegenbocks. Die Entstehungsgeschichte des Märchenromans über Koziołek Matołek ist
genauso ungewöhnlich wie seine Abenteuer selbst. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts saß der Autor des Romans Kornel Makuszyński mit Freunden in einem der Krakauer Cafés. Dabei bemerkte er einen einsamen, traurigen Mann aus Pacanów. Zusammen mit dem Illustrator Marian Walentynowicz sind sie mutig den Unbekannten entgegengegangen. Um ihm zu helfen, beschloss Makuszyński etwas zu schreiben und Walentynowicz etwas zu malen. So entstand die Geschichte über Koziołek Matołek und der Comic, der als Vorläufer gilt. Die Abenteuer von
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Koziołek Matołek sind die ersten Bildergeschichten für Kinder, welche in Polen entstanden.
Koziołek Matołek lädt nach Hause ein Die Geschichte über Koziołek Matołek endete jedoch nicht auf dem Papier. Die Figur gewann an großer Anerkennung und dank dessen wurde der Ziegenbock ins Fernsehen gebracht. Somit ging die Fahrt nach Pacanów weiter und diese war nicht gerade kurz. Erst nach über 70 Jahren gelang er endlich nach Pacanów und dort zog er in das Europäische Märchenzentrum ein. Dabei ist hier nicht die Rede über die Märchenstadt Pacanów, sondern eine echte Stadt in der Woiwodschaft Heiligkreuz! 2003 am Kindertag ernannte der damalige Kulturminister Waldemar Dąbrowski Pacanów als die Europäische Märchenhauptstadt und legte damit den Grundstein für den Bau des Zuhauses für Koziołek. Nur zwei Jahre später wurde im Zusammenhang mit
der Neuaufstellung des städtischen Gemeindekulturzentrums das Europäische Märchenzentrum gegründet. “Und am 24. Februar 2010 wurde ein modernes Gebäude eröffnet, das jedes Jahr von Zehntausenden Märchenliebhabern besucht wird. Ab diesem Moment begann auch die eigentliche Tätigkeit des Märchenzentrums auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene“, erzählt die Spezialistin für Kulturangebote Beata Krokosz. Das Märchenzentrum erobert die Herzen sowohl der jüngeren als auch der älteren Märchen-Fans. Bereits 2015 landete dieses Objekt auf Platz zwei der am häufigsten besuchten Attraktionen für Kindern in der Woiwodschaft Heiligkreuz.
Eine Reise ins Märchenland Beim Hineingehen in das Gebäude des Europäischen Märchenzentrums begeben wir uns in eine völlig andere, geradezu magische Welt. Schon im Eingang
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funkeln die Augen der Kinder und das ist erst der Anfang des ganzen Abenteuers. Alles wirkt so riesig, dass wir uns selbst wie winzige Zwerge fühlen. “Wenn ihr herkommt, fühlt ihr euch wie in einem Märchen! Nach dem Betreten des Eingangs könnt ihr Koziołek Matołek treffen, der unermüdlich mit den Reisen um die Welt - von Amerika bis zum Nahen Osten - in Pacanów geblieben ist, um andere, neugierige Reisende in die geheimnisvolle Welt der Märchen und Legenden zu locken“, erzählt Beata Krokosz. Es ist jedoch nicht die einzige Figur, die wir hier treffen. Viele Sprösslinge träumen davon, einmal ihre Lieblingsmärchen-Figur persönlich zu treffen. Und obwohl das unmöglich scheint, ist für das Europäische Märchenzentrum nichts unmöglich. Beim Durchforsten der Märchenwelt treffen wir u.a. den gestiefelten Kater, Rotkäppchen und sogar Schneewittchen, Alice aus dem Wunderland, Dornröschen und viele andere Märchenfiguren. Um sich in der Märchenwelt nicht zu verirren, führen Tinker Bell,
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August 2021
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Rotkäppchen oder Schneewittchen die Besucher durch das magische Märchenland. Am Anfang lassen wir jedoch die unnötigen Jacken in der Zaubergarderobe. Es mag so erscheinen, als ob es eine gewöhnliche Garderobe ist, aber in diesem Gebäude ist nichts gewöhnlich. Schon in der Garderobe spüren wir die Märchenatmosphäre, denn hier liegt die Kleidung der Märchenfiguren. Um weiter die Märchenwelt zu entdecken, gehen wir Schritt für Schritt zum verzauberten Bahnhof von Koziołek Matołek, um in einen Zug einzusteigen. Dieser ist jedoch kein gewöhnlicher Zug, denn er ist magisch. Ein weiterer Punkt auf der Route ist u.a. der verzauberte Garten, wo sogar die größten Gäste sich wie winzige Mäuschen fühlen. Hingegen wenn wir den Gipfel des Schachturms erobern, werden wir nicht schöne Bergaussichten bewundern, sondern in einem geheimnisvollen Brunnen spielen. Beim Schlendern durch die Märchenlandschaft gelangen wir auch zum Zwischengeschoss auf einem Baumstamm, wo wir einiges über die Geschichte der polnischen Animation
erfahren. Die Sprösslinge machen große Augen, wenn auf einmal ihre Lieblings-Gutenachtgeschichten innerhalb des Baumstamms eines riesigen Baumes erscheinen. Auf dem Weg dorthin werden wir weitere Märchenländer besuchen, diese alle aufzuzählen nicht einfach ist. Das Europäische Märchenzentrum unterhält und lehrt zugleich. Vor allem lehrt es die Zusammenarbeit in einer Gruppe. Dank der Soria-Moria-Welt lernen die Besucher nicht nur eines der beliebtesten norwegischen Märchen kennen, sondern vor allem lernen sie dank einem interaktiven Spiel, wie man in einer Gruppe zusammenarbeitet, Konflikte löst und Kompromisse eingeht, denn in der Gruppe liegt die Stärke! Den Zuschauer zu verzaubern – so lautet die Botschaft des kleinen, aber einmaligen Saals. Im kleinen Theater werden wir nicht nur bezaubernde Spektakel sehen, sondern wir treffen uns auch mit den Puppen und Puppenspielern, welche die bekannten
Märchen aufführen. Dank der gemütlichen Einrichtung des Saals kann jeder Gast alle Abenteuer der Figuren gemeinsam mit ihnen erleben. Nach der Aufführung haben wir etwas Zeit für einen näheren Kontakt des Zuschauers mit der Puppe. Da erfahren wir u.a. das eine Puppe der anderen nicht gleich ist, und die Bewegungsweisen unterschiedlich sind.
Ein MehrgenerationenAbenteuer Das Ziel des Europäischen Märchenzentrums ist nicht nur die Reise in die Märchenwelt, sondern auch in die Wissenschaftswelt. Aus diesem Grund werden verschiedene Workshops sowohl für die jüngsten als auch für die etwas älteren Besucher angeboten. Jedes kleinste Detail wurde entsprechend an die Altersgruppe angepasst. Wie ermutigt man Sprösslinge am besten zum Lernen? Durch Spiele! Für sie wurde der Workshop “Das Geheimnis des Honigteelöffels“ vorbereitet, wo Kinder
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Märchenwelt unterm Himmel
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zwischen 3 und 6 Jahren nicht nur Spaß haben werden, sondern auch neues Wissen erwerben. Die älteren Kinder müssen sich keine Sorgen machen, dass man sie vergessen hat, ganz im Gegenteil! Für sie wurde eine ganze Menge an Bildungsworkshops vorbereitet, darunter u.a. Explosive Wissenschaft, KarmeLOVE Ziegenböckchen und viele mehr. Obwohl Senioren nicht mehr viel mit Märchen zu tun haben, kommen sie im Märchenzentrum noch einmal auf den Genuss ihrer Kindheit. Workshops wie "Explosive Zeitmaschine" und "Reise in die Volksrepublik Polen" nehmen sie mit auf eine Reise in ihre eigene Jugendzeit. Während dieser Veranstaltungen entdecken sie die Welt der Magie, geben sich der Illusion hin oder überzeugen sich davon, dass die Augen lügen und das Gehirn täuscht. Während des gemeinsamen Spaßes wird es nicht nur viel zu lachen geben, aber die einen oder anderen Teilnehmer werden auch Tränen in die Augen fließen, wenn sie an die alten Zeiten zurückdenken.
Am 4. Juli erweiterte sich die magische Welt um die Märchenakademie. In dem 2 Hektar großen Park, der in 2 Zonen eingeteilt wurde, findet jeder etwas für sich. Eine Zone ist allgemein zugänglich. Dort gibt es einen Skatepark für Jugendliche, einen Springbrunnen und eine Grünanlage mit Sitzmöglichkeiten. Um die zweite Zone zu besuchen, muss man zwar ein Ticket kaufen, doch es lohnt sich. Dieser Teil des Parks wurde thematisch in 4 Bildungsbereiche aufgeteilt, welche die Welt der Kinderliteratur nach literarischen Gattungen ordnen. Und obwohl bei der Bezeichnung literarische Gattungen sofort die Schuljahre in Erinnerung kommen, ist der Park auch perfekt an die kleineren Sprösslinge angepasst. Die Kinder entdecken den Comic-, Legenden-, Märchen- sowie Romangarten. Das ist jedoch noch längst nicht alles. Schon lange ist bekannt, dass Tiere die Herzen der Kinder in Windeseile erobern. Aus diesem Grund gibt es in der Märchenakademie einen Tiergarten, wo es Zuchttiere und unterschiedliche Vogelarten in Hühnerställen oder Volieren gibt. Darüber hinaus gibt es für Besucher, die viel Energie haben einen Hochseilgarten. Wer wiederum nach etwas Ruhe und Entspannung sucht, sollte sich zur Salzgrotte begeben. “Interessant kann man auch die Zeit auf dem Professor-Talenta-Platz verbringen, wo unterschiedliche Geräte für Logikspiele platziert wurden. Auf dem Gelände jedes Gartens befinden sich multimediale Stationen mit Bildungsmaterialien zur Kinder- und Jugendliteratur. Außerdem laden wir Sie ins Bistro beim Ziegenbock zu märchenhaften Köstlichkeiten ein“, ermutigt Beata Krokosz.
Koziolek Matolek to go Das Abenteuer im Märchenzentrum bleibt mit großer Wahrscheinlichkeit lange in Erinnerung, vor allem bei den Eltern. Doch was kann man machen, damit auch die Kinder viele Wochen später den einzigartigen Besuch in der Märchenwelt in Erinnerung behalten? Das beste Mittel dafür
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sind Spielsachen. Man muss jedoch nicht durch die ganze Stadt laufen, um ein Geschäft mit Souvenirs zu finden, denn so eins befindet sich im Märchenzentrum. Und obwohl diese Geschäfte in der Regel mit langweiligen Ansichtskarten assoziiert werden, finden wir hier völlig andere Andenken. Wir können unter anderem ein Maskottchen vom Ziegenbock Koziołek Matołek, Bolek und Lolek, dem kleinen Maulwurf oder Bär Uszatek mit nach Hause nehmen. Außerdem können wir ein bisschen Glück in Form eines Hufeisens kaufen, für das Koziołek Matołek so viel gereist ist. Um sich an seine verschiedenen Abenteuer zu erinnern, lohnt es sich, das Buch "Die Abenteuer von Koziołek Matołek" (pl. Przygody Koziołka Matołka) zu kaufen, das ebenfalls im Geschäft zu finden ist. Aufgrund der Digitalisierung ist Koziołek Matołek ins Internet gegangen und dank dessen können wir auf der Website des Märchenzentrums im Online-Shop einkaufen. Derzeit sieht man im Fernsehen häufiger Paw Patrol oder Mascha und der Bär anstatt Koziołek Matołek, dennoch ist der Ziegenbock trotz seines hohen Alters (88!) nicht in Vergessenheit geraten. Und obwohl ein Ausflug ins Märchenzentrum für die Eltern eine sentimentale und emotionale Reise in die Vergangenheit ist, haben die meisten Kinder auch schon von den Abenteuern von Koziołek Matołek gehört. Einige kennen sie sogar ganz genau, weshalb der Besuch in Pacanów, wie ein Besuch bei einem guten Freund ist. Pacanów ist nicht nur die Hauptstadt der Märchen. Es ist vor allem ein Ort, der die Besucher in eine andere, magische und märchenhafte Welt entführt. Im Europäischen Märchenzentrum werden nicht nur die Kinder vor Aufregung den Atem anhalten, auch die Eltern werden noch einmal in ihre Kindheit zurückversetzt und sich mit einer Träne im Auge an ihre unbeschwerten Kinderjahre erinnern. Und obwohl die Kinder heute häufiger Peppa Pig im Fernsehen schauen, erobert vielleicht schon bald auch Koziołek Matołek Netflix, so wie das Kajko und Kokosz gemacht haben und sich so endgültig in unseren Häusern niederlassen.
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August 2021
DIE BRESLAUER ZWERGE AUTORIN: KRYSTIANA JANDA ÜBERSETZUNG: KATHRIN GORZELA
MAN KANN SIE FAST ÜBERALL IN BRESLAU/WROCŁAW SICHTEN – AN DEN ECKEN DER STRASSEN, IN BRUNNEN, GEBÜSCHEN, VOR RESTAURANTS ODER UNTERNEHMEN. WER SIND SIE? UND WOHER KOMMEN SIE? DIE ANTWORT ERFORDERT EINER KLEINEN ERMITTLUNG. EINES IST JEDOCH SICHER – PASS BESSER AUF DEINE FÜSSE AUF, DENN DU WEISST NIE, WANN DU EINEM KLEINEN GNOM BEGEGNEN WIRST.
Foto: Pressematerialien der Stadt Wrocław / wroclaw.pl via Flickr
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August 2021
Zwerg Życzliwek gelang es ihnen nach anfänglichen Problemen, Chochlik aus der Stadt zu vertreiben. Von da an konnten die Bewohner wieder in Ruhe durch die Straßen Breslaus/Wrocław spazieren. Um den Zwergen für ihre Hilfe zu danken, ließen sie die Gnome in der Stadt leben. Die kleinen Geschöpfe mochten es sehr in Breslau/Wrocław zu sein und knüpften schnell freundschaftliche Kontakte zu den Menschen. Im Laufe der Zeit gelang es ihnen sogar eine große unterirdische Welt der Zwerge zu erschaffen. Endlich haben sie einen Ort für sich gefunden. Die Nachricht über die offene und gnomenfreundliche Stadt führte dazu, dass jedes Jahr mehr von ihnen nach Breslau/Wrocław, in ihr neues Zuhause kamen und weiterhin kommen.
POMARAŃCZOWA ALTERNATYWA (DIE ORANGENEALTERNATIVE)
Fotos: Pressematerialien der Stadt Wrocław / wroclaw.pl via Flickr
DER BÖSARTIGE CHOCHLIK ODRZAŃSKI Bis heute weiß keiner genau, was die Zwerge in Breslau/Wrocław machen. Zu diesem Thema gibt viele Theorien und Geschichten. Historiker, Journalisten, aber auch Einwohner der Stadt und Touristen fragen sich dies seit Jahren. Eine der ersten Legenden erwähnt
die Ankunft des bösartigen Chochlik Odrzański in Breslau/Wrocław, der auf einem Floß reiste, auf dem er sich eine kleine Hütte gebaut hatte. Die Stadt war für ihn ein Paradies, um Unfug zu treiben und die Einwohner von Breslau/Wrocław eine lange Zeit zu quälen. Seine Lieblingsbeschäftigung war Passanten die Schnürsenkel zu lösen, das Wasser in Springbrunnen zu färben und, wie manche hinzufügen, Zuckerdosen in Restaurants mit Salz zu füllen. Erschöpft von Chochliks Verhalten wendeten sich die Bewohner an anderen Zwerge um Hilfe. Angeführt vom
Die zweite Theorie besagt, dass die Zwerge in Breslau erst in den 1980er-Jahren mit der Bewegung der Orangenen Alternative auftauchten. An den Stadtmauern tauchten Zwerge auf, die oft als lächelnde Kreaturen in orangefarbenen Hüten mit Blumen in den Händen dargestellt wurden. Sie sollten die Einwohner im Kampf gegen den Kommunismus unterstützen, machten das politische System lächerlich und gaben Kraft für einen besseren Morgen. Es ist erwähnenswert, dass die meisten Zwerge in der Świdnicka – Straße erschienen.
HISTORISCHER ZWERG Eine andere Theorie besagt, dass die ersten Zwerge in Breslau/Wrocław auftauchten, als die heutige Stadt noch ein kleines Dorf war, um die Einwohner bei der Arbeit auf ihren Bauernhöfen zu untersttzten. Die Zwerge lebten oft
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ZWERGENDATENBANK
einer Privatperson oder sogar einer Firma angefertigt werden kann. Das Studio hilft beim Design, Gießen und Zusammenbau der fertigen Figur. Die Projekte werden auch vom Atelier «Zaczarowany Świat» von Monika Pola angefertigt. Die Zwerge der Künstlerin stehen auf dem Gelände des Niederschlesischen Tourismuszentrums in der Świdnicka-Straße 44.
Fotos: Pressematerialien der Stadt Wrocław / wroclaw.pl via Flickr
mit den Bewohnern zusammen, da sie sich dort sicher fühlten. Laut der Zwergenchronik war der erste Zwerg – Papa Zwerg, der noch heute das Oberhaupt in der unterirdischen Zwergwelt ist. Diese Theorie zeigt, dass die Freundschaft zwischen den kleinen Gnomen und Menschen vor langer Zeit begann und bis heute andauert.
WER MACHT DIE ZWERGE? Der Hauptdesigner der Skulpturen (seit 2005) ist Tomasz Moczek, der als Vater der Breslauer Zwerge bezeichnet wird. Hergestellt werden sie von Marta Mirynowska und Piotr Makała. Wer die Zwerge für sich haben möchte, kann sich an das Büro an der Jesienna-Straße 22e (nach vorheriger telefonischer Kontaktaufnahme) wenden. Im Atelier kann jeder eine Zwergenkulptur bestellen, die auf individuelle Bestellung
Andere Künstler, die auch Gnome herstellen, sind: Grzegorz Łagowski, Beata Zwolańska-Hołod (aus dem Skulpturatelier «Zajezdnia»), Marlena Zakrzewska von «Biały Kot», Aleksander Gołaś (entwarf und meißelte den Zwerg Szczęśliwek) und Artur Wochniak von «Sculpture Studio».
WIE STELLT MAN EINEN ZWERG AUF? Wer daran interessiert ist, den Zwerg an einer angegebener Adresse aufzustellen, muss vorher keine Genehmigung beantragen. Alles, was erforderlich ist, ist die Zustimmung und Bereitschaft des Eigentümers des Landes, auf dem der Gnom platziert werden soll. Wenn man einen Ort auswählt und die Zustimmung des Eigentümers erhält, wählt man einen Bildhauer aus, welcher die Figur entwerfen und herstellen wird. Schließlich muss man den neuen Breslauer Einwohner in der Zwergdatenbank melden, die auf der Website: visitwroclaw.eu unter dem Punkt – «Melde den Zwerg an», zu finden ist.
Im zweiten Halbjahr 2020 gab es in Breslau bereits rund 360 Zwergfiguren, und ihre Zahl wächst weiter. Sie sind überall zu finden. Die Zwergengemeinschaft ist sehr vielfältig – man kann Kreaturen, die verschiedene Berufe, außergewöhnliche Hobbys und Interessen ausüben, finden. Um diese kleinen Bewohner kennenzulernen, lohnt es sich, die Zwergendatenbank auf der Internetseite www. visitwroclaw.eu zu besuchen. Dort kann man eine Karte finden, welche zeigt, in welchem Stadtteil der ausgewählte Zwerg sich befindet.
DIE KLEINEN EINWOHNER VON BRESLAU/ WROCŁAW Die interessantesten Zwerge sind: Papa Zwerg – der Vater aller Zwerge (auf der Świdnicka-Straße 8c), Bibliophil – der belesenste Zwerg in Breslau/ Wrocław – er wartet bei der Niederschlesischen Öffentlichen Bibliothek, Botaniker – im Botanischen Garten (Sienkiewicza-Straße 23), Chirurg – an der Medizinischen Akademie. Detektiv Magda und die Räuber: Guide, Chlor und Szrama findet man beim Monopol-Hotel. Auf der Świdnicka-Straße laden Wasserzwerge, welche in Brunnen leben, ins Puppentheater ein. Wachmann, auch bekannt als Schlafmütze - bewacht den geheimen Eingang zum Zwergen-Untergrund, der bis heute noch nicht betreten wurde (Święty Mikołaja-Straße 1). Der Zwerg Szczęśliwek wartet im ersten Stock der Grundschule auf der Szczęśliwej-Straße 28. In der Stadt leben auch viele andere interessante Persönlichkeiten, die hier nicht genannt werden können und nur warten, um entdeckt zu werden!
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Mein Leben bei den
Nachbarn
August 2021
Eine Reportage aus meiner neuen Heimat von Maximilian Broy
Eine neue Heimat im Ausland Als ich vor fast 6 Jahren genau von Berlin nach Polen ausgewandert bin, wusste ich noch nicht ganz genau, was mich überhaupt erwarten wird. Ich wusste auch weder wie lange ich bleiben werde, noch was ich machen werde. Mit 1.000 € und 4 Vorstellungsgesprächen als Fremdsprachenlehrer im Gepäck machte ich mich auf ins Abenteuer. Heute 6 Jahre später spreche ich relativ akzeptabel Polnisch, habe eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis, meine polnische Identifikationsnummer PESEL, mit der ich zum Arzt gehe, Kredite bekomme oder Bürgerdienstleistungen unkomplizierter
Foto: Pixabay
erhalte, und werde nächstes Jahr in Polen eine Polin heiraten. Man könnte also mit Recht behaupten, ich sei in der polnischen Gesellschaft angekommen und akzeptiert. Polen und besonders mein Wohnort Łódź/Lodz sind zu meiner neuen Heimat geworden. Dabei frage ich mich aber auch immer wieder, ob nun Deutschland und Berlin eigentlich noch immer meine Heimat sind, ob man mehr als eine Heimat haben oder sogar seine Heimat verlieren kann. Über solche und andere Fragen habe ich mir in den letzten Jahren viele Gedanken gemacht und möchte diese nun hier mitteilen.
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Gibt es eigentlich einen Plural von Heimat? Nachdem ich 2015 in Kraków/Krakau gelandet bin, habe ich mich sehr schnell eingelebt. Ich sprach bereits ein bisschen Polnisch und habe schnell einen Job als Sprachlehrer gefunden sowie neue Freundschaften geknüpft. Meine Frau sagte damals zu mir, ich sei ein Chamäleon, da ich mich immer sehr schnell an neue Situationen und Orte anpassen kann. Ich habe auch zum ersten Mal richtig gelernt, was es heißt Ausländer zu sein und das manche Dinge dadurch komplizierter werden als im Alltag in der Heimat. Wenn man diese Situationen allerdings gemeistert hat, bereitet einem dies jede Menge Stolz und zusätzlich bleibt jeder neue Tag für sehr lange Zeit aufregend und spannend, wenn nicht sogar ein kleines Abenteuer. Ich habe ebenfalls bemerkt, was es bedeutet, Deutscher zu sein oder besser gesagt, wie andere Menschen im Ausland die Deutschen sehen. Da ich aber nun selbst im Ausland gelebt habe, wurde mir bewusst, wie Deutschland auf einen wirkt, wenn man nicht direkt Teil der Gesellschaft ist, da man im Ausland wohnt und lebt. Ich war auch nie ein großer Fan davon, mich als Deutschen zu bezeichnen, da ich mich in erster Linie als Berliner sowie als Europäer sehe. Das hat nichts mit der Vergangenheit zu tun oder dass man sich von Zeit zu Zeit für die Handlungen von anderen Deutschen oder der Politik in Deutschland rechtfertigen muss, sondern mehr sich einer Nation zuordnen zu müssen. Ich muss aber an dieser Stelle auch festhalten, dass ich die Vorzüge eines deutschen Passes und einer Geburt in Deutschland sehr schätze und mir diesem auch bewusst bin. Aber ich habe mich nie als Deutschen gesehen, und schon gar nicht als typisch Deutsch. Dadurch habe ich angefangen das gesamte Konzept der Heimat mir einmal näher anzuschauen und zu betrachten. Dabei habe ich herausgefunden, dass es für viele ein Ort ist, meist der, wo man aufgewachsen ist, aber für andere wiederum auch ein Gefühl oder sogar Gerüche und bestimmte Traditionen. Eines hatten die Assoziationen in der Regel aber gemeinsam, sie waren auf das Land bezogen, in dem die Leute geboren wurden. Das ist natürlich auch nachvollziehbar, da sich die Erinnerungen der Kindheit und wie wir aufwachsen, sehr stark in das Gedächtnis einbrennen und uns unser gesamtes Leben lang prägen. Viele haben aber auch gesagt, dass es ein Ort ist, an dem man sich wohlfühlt. Nach längerem überlegen kam ich zu dem Schluss, dass man sich ja an mehreren Orten wohlfühlen kann und dies viele Menschen auch tun, warum sollte dann aber, wenn man seine ursprüngliche Heimat verlässt und in ein anderes Land geht, der neue Lebensmittelpunkt nicht auch eine neue Heimat werden, aber ohne die andere zu verlieren. Man kann doch einfach mehr als eine Heimat haben, das sollte doch möglich sein. Die deutsche Sprache zum Beispiel kennt aber keinen Plural von Heimat, da es laut diesem Konzept nur eine Heimat geben kann, aber mehrere Heimatorte. Das ergibt Sinn, ist aber mit der heutigen Zeit, in der viele Menschen ins Ausland gehen und sich dort
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ein neues Leben aufbauen, nicht mehr vereinbar. Der simple Fakt, dass es im Deutschen keine Mehrzahl vom Wort Heimat gibt, sollte nicht dafür entscheidend sein, dass Menschen mehr als eine Heimat haben können. Wie bereits erwähnt, bin ich jemand, der sich schnell an neue Situationen und Ort gewöhnt, daher fühle ich mich auch relativ schnell an neuen Orten sehr wohl und hatte Polen sehr bald als meine neue Heimat ernannt. Somit fing es auch schnell an, dass sich mein Blick auf meine alte und vermeintlich eigentliche Heimat zunehmend veränderte und ich mich ebenfalls. In Deutschland wird Pünktlichkeit sehr geachtet und großgeschrieben, in anderen Ländern, wie auch in Polen, ist es nicht so dramatisch, wenn man einmal zu spät kommt. Dafür gibt es ja schließlich Mobiltelefone. Mir ist Pünktlichkeit auch sehr wichtig, und niemand sollte warten gelassen und somit seiner kostbaren Zeit beraubt werden, aber ob ich nun 20 min später zum Sport gehe oder wir 10 min später zu meiner Schwiegermutter zum Essen kommen, spielt für mich keine bedeutende Rolle mehr, da ich meine Einstellung zum Thema Pünktlichkeit geändert und besser gesagt den örtlichen Gegebenheiten angepasst habe. Andere Dinge, wie zum Beispiel das Essen oder bestimmte Traditionen, unterschieden sich nicht so stark von Deutschland, sodass mir die Eingewöhnung leichter fiel, und wenn man es mag, sich andauernd zu beschweren, dann ist man in Polen auch ganz gut aufgehoben, da ähneln sich die Deutschen und Polen sehr.
Eine Pflicht die Landessprache zu beherrschen Um aber einen neuen Wohnort im Ausland wirklich als neue Heimat bezeichnen können, muss man in der Gesellschaft, in der man nun lebt und arbeitet, auch vollkommen integriert sein. Dies geschieht am einfachsten über die Sprache und ohne die Landessprache zu beherrschen, wird diese Integration sehr schwer fallen oder höchstwahrscheinlich nicht gelingen. Manche Menschen gehen sogar soweit zu sagen, dass es eine Verpflichtung geben sollte, dass Menschen, die neu in ein Land kommen, auch die Sprache zu sprechen haben. Man kann selbstverständlich niemanden dazu zwingen, eine Sprache zu lernen, aber die Idee dahinter ergibt Sinn, zu sagen, dass nur so eine erfolgreiche Integration gelingen kann. Besonders in Europa mit seiner Freizügigkeit, dass jeder EU-Bürger wohnen und arbeiten kann, wo er oder sie möchte und den offen Grenzen, wäre solch eine Idee schwer umsetzbar, aber es zeigt auch, dass man heutzutage in vielen Ländern der Welt leben kann, ohne die Landessprache zu beherrschen. Besonders im Falle von Polen handelt es sich um ein sehr kompliziertes Unterfangen, da Polnisch für alle Menschen, die nicht einer slawischen Sprache wie Russisch, Serbisch oder Slowakisch mächtig sind, eine der schwierigsten Sprachen auf der Welt zum Erlernen ist. Man muss sich also anstrengen, wenn man diese Sprache beherrschen will, und es auch wirklich wollen. Allen Personen, die nicht länger
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als 2 Jahre in Polen bleiben wollen, empfehle ich, sich den Stress nicht anzutun, da es sich nicht lohnt. Natürlich ermutige ich aber auch jede Person, Sprachen zu lernen und man sollte auch wenigstens die wichtigsten Wörter und Phrasen kennen, aber perfekt muss man sie nicht beherrschen, wenn der Aufenthalt in Polen nur für 1-2 Jahre geplant ist. Mir war es immer wichtig, die Sprache zu beherrschen und ich war auch daran interessiert, sie zu erlernen. Daher habe ich 2012 damit angefangen, und zwar aus demselben Grund, weshalb Angela Merkel Physik studiert hat, ich wollte mich der für meine Verhältnisse damaligen größtmöglichen Herausforderungen stellen. Mit einigen Problemen und Frustrationen zwischendurch, kann ich nun sagen, dass ich aktuell auf einem ziemlich guten Weg bin. Das ist somit ein weiterer Punkt, der mich dazu bringt, Polen als meine Heimat zu betrachten. Dabei fiel mir auf, dass Polen aber mehr und mehr zu meiner eigentlichen Heimat wird und die alte Heimat Deutschland von mir immer weniger als solche bezeichnet wird, da ich die meiste Zeit in Polen verbringe, hier Freunde und Familie habe und auch meine Zukunft hier sehe, solange nicht irgendetwas Unerwartetes passieren sollte. Es geht sogar soweit, das Deutschland teilweise von mir nur noch als mein Geburtsland oder Herkunftsland bezeichnet wird. Dafür gibt es auch einige Gründe.
Foto: Depositphotos
Heimat für unterwegs und zum Mitnehmen Denn vor einiger Zeit fiel mir auf, dass nachdem mein Vater nicht mehr lebt, und meine Mutter seit vielen Jahren nicht mehr in Berlin wohnt, sondern an den Stadtrand gezogen ist, dass meine Heimat Berlin, gar nicht mehr als meine Heimat funktionieren konnte, da ich jetzt offiziell in Brandenburg bei Mutter am Wohnort gemeldet bin und nicht mehr in Berlin. Je älter man wird, desto weniger Freundschaften hat man und somit geht auch wieder ein kleines Stück Heimat verloren und besonders Berlin hat sich in den letzten Jahren so stark verändert, dass ich meine Heimat manchmal kaum wiedererkenne. Alle Dinge, die meine Heimat bisher ausgemacht haben, sind weg oder verändern sich zumindest so extrem, dass ich sie nicht mehr als Teil meiner Heimat wahrnehme. Natürlich gehören zum Konzept der Heimat auch Erinnerungen an Orte und Menschen, die einem auch nie jemand nehmen wird und kann. Aber wenn die Orte sich verändern und die Menschen, die Teil der Erinnerungen sind, nicht mehr da sind, dann geht auch ein Stück Heimat verloren. Das heißt schlussendlich aber auch, man kann mehr als eine Heimat haben, man kann sie aber auch verlieren, wobei gesagt werden muss, dass ich meine Situation nicht mit der eines Menschen vergleiche, der seine Heimat durch Krieg,
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Vertreibung oder Zerstörung verloren hat. Aber in solch einem Fall muss dann einfach der neue Lebensmittelpunkt als Heimat herhalten, und in meinem Fall klappt das bereits ganz gut, und zwar so gut, dass ich mich entschieden habe in den nächsten Jahren die polnische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Der Vorteil ist, dass ich meine deutsche Staatsangehörigkeit behalten kann. Nicht, dass es mir wichtig wäre, weiterhin offiziell Deutscher zu sein, aber ob ich es nun will oder nicht, es gehört zu meiner Identität irgendwie dazu und hat mich die ersten 30 Jahre meines Lebens auch begleitet und irgendwie geprägt. Ein weiterer Vorteil wird aber auch sein, dass ich meinem Traum näher komme, denn ich träume davon als Europäer und nicht als Deutscher oder Pole zu sterben. Es wäre schön, wenn es in der EU irgendwann soweit ist, dass man einen europäischen Pass bekommt und nicht mehr nur einer bestimmten Nation angehört, sondern einem ganzen Staatenverbund und es irgendwann sogar gar keine Länder und Grenzen mehr gibt. Das ist eine Idealvorstellung, die heute noch sehr unwahrscheinlich wirkt, aber das war eine gemeinsame Währung für 19 Länder vor 50 Jahren auch noch. Und wenn ich in der Zwischenzeit doch meine alte Heimat vermisse, dann kommen mich meine Freunde einfach besuchen und bringen somit das Heimatgefühl einfach mit oder ich fahre nach Berlin und bringe mir Produkte mit, die es nur in Berlin oder Deutschland gibt, um mir die alte Heimat mit nach Hause nehmen oder unterwegs auf der Fahrt genießen zu können.
Über den Autor: Geboren 1986 im damaligen Ost-Berlin, hat er sich schon früh für die weite Welt interssiert. Nach zahlreichen beruflichen Stationen, u.a. in einer Kunstgalerie, im Casino sowie in einem Hotel oder als Reiseleiter, fand er nach dem Studium der Geopgraphie und Anglistik in Potsdam seine Berufung als Sprachenlehrer im Ausland. Nach einem Halt in Budapest ging es 2015 nach Polen, wo er glücklich und zufrieden lebt und von Łódź aus das Land entdeckt.
Damit Ihr nicht immer so lange warten müsst, bis neue Artikel über das Leben von Max in seiner neuen Heimat erscheinen, wird er Euch ab jetzt auch in seinem wöchentlichen Blog kleine Alltagsgeschichten sowie Erlebnisse präsentieren, da es einfach so viel Spannendes gibt, das er Euch gern mitteilen möchte. Schaut doch einfach mal auf der Internetseite vom PolenJournal.de nach.
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GESCHICHTE, MUSIK UND WASSERSPASS IN DER MASURISCHEN SEGELHAUPTSTADT Autorin: Krystiana Janda Übersetzung: Kathrin Gorzela
DIE STADT LÖTZEN/ GIŻYCKO, WELCHE ALS DIE POLNISCHE SEGELHAUPTSTADT BEZEICHNET WIRD, IST EIN IDEALER ORT FÜR DIEJENIGEN, WELCHE SICH AM MASURISCHEN KLIMA ERFREUEN MÖCHTEN. DER ORT, WELCHER ZWISCHEN ZWEI SEEN, DEM KISAJNO-SEE UND DEM NIEGOCIN-SEE LIEGT UND AUCH NICHT WEIT ENTFERNT VON DEN SEEN WILKASY, BOCZNE, NIALK, GRAJEWSKO, RUDZKIE, DOBSKIE IST, STELLT EINE PERFEKTE AUSFLUGBASISS ODER BESSER GESAGT DEN HAUPTAUSFLUGSHAFEN DIESER REGION DAR. WAS UMFASST DIE MASURISCHE CHECKLISTE? WAS GEHÖRT ZUM ABSOLUTEN MUST SEE IN LÖTZEN/GIŻYCKO? EINE SUBJEKTIVE TOP 10.
1. DIE FESTUNG BOYEN Zu den Hauptdenkmälern der Stadt Lötzen/Giżycko gehört unter anderem, die in den Jahren 1843-1855 erbaute Festung Boyen. Sie liegt zwischen dem Niegocin-Dee und dem Kisajno-See, auf der sogenannten Lötzeninsel und diente früher zur Verteidigung des preußischen Reiches. Die Wehranlage wurde aus Findlingen und Ziegelsteinen erbaut und ist umgeben von einem Erdwall, der an der höchsten Stelle ganze 33 Meter hoch ist. Interessant die im Wald versteckte Anlage hat die Form eines Sterns. Das Denkmal, welches eine Stein-Ziegelmauer mit einer Länge von 2303 m umzingelt, besitzt vier Tore: das doppelte Lötzener Tor, das Rastenburger Tor, das Wassertor und das Pulvertor. Heute befindet sich in der Festung eine Jugendherberge, ein Museum, ein Motorradclub, ein Taucherclub und eine Kunstgalerie, in der man die Grafiken weltberühmter und polnischer Künstler bewundern kann, wie zum Beispiel die Computergrafiksammlung von Zdzisław Beksiński, oder die Ausstellung „Kunst aus Masuren“, mit hilfe derer man die
örtlich entstandenen Werken und deren Schöpfer kennenlernt.
Die Eintrittspreise für den Besuch der Festung betragen: - für die ermäßigte Eintrittskarte 10 Złoty, normale Eintrittskarte 15 Złoty (in der Sommersaison), - in der Wintersaison kostet die ermäßigte Eintrittskarte 8 Złoty und die normale Eintrittskarte 10 Złoty. Eine dreitägige Dauerkarte für 20/30 Złoty ist ebenfalls zu kaufen. Die Festung ist ab 9.00 Uhr zu besichtigen und schließt zu verschiedenen Uhrzeiten, je nach Monat. Vor der Anreise lohnt es sich, sich mit den Angeboten der Festung vertraut zu machen – twierdza.gizycko.pl
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Hafen in Giżycko/Lötzen | Foto: Lesnydzban, Wikimedia Commons
2. DER WASSERTURM
Festung Boyen | Foto: Krystian Cieślik, Wikimedia Commons
Der Wasserturm wurde im Jahr 1900 aus unverputzten Ziegelsteinen im neogotischen Stil, an der Kreuzung der Warszawska-Straße und der Wodociagi-Straße erbaut. Bis 1997 hat der Wasserturm Lötzen/Giżycko mit Wasser versorgt. Über dem Eingang befinden sich zwei Wappen – das masurische Wappen und das Wappen der Stadt. Der Turm ist 25 Meter hoch. Um hinauf zu gelangen muss man erst einmal 129 Treppenstufen bezwingen, bis man sich dann auf dem höchsten Stockwerk auf einer Höhe von 162 Metern über dem Meeresspiegel, in einem ruhigen Restaurant ausruhen kann. Es lohnt sich, denn die Panoramaaussicht auf die Stadt, auf die Wälder und die Masurischen Seen ist absolut sehenswert. Im Inneren des Turms befindet sich auch ein Museum, wo man interessante Exponate, welche das frühere Leben der Lötzener zeigen, bewundern darf. Der Eintrittspreis beträgt 10 Złoty für einen Erwachsenen und 6 Złoty für die ermäßigte Eintrittskarte. Das Denkmal hat von 10.00 Uhr geöffnet und schließt je nach Monat zu verschiedenen Uhrzeiten. Erwähnenswert ist, dass man auch sein Haustier mit in den Turm nehmen kann. Um die Anreise entsprechend einzuplanen, kann man auch vorab die Internetseite: wieza-gizycko. pl besuchen. Ein Tipp für alle, die einen kleinen Vorgeschmack brauchen - mit hilfe der Seite kann man auch eine virtuelle Panoramabesichtigung machen. Der Wasserturm | Foto: geo573, Wikimedia Commons
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3. DIE DREHBRÜCKE
4. DIE BURG LÖTZEN
Die Lötzener Drehbrücke wurde 1860 erbaut und verband die Stadt mit der Festung Boyen. Das Denkmal befindet sich auf dem Luczanski-Kanal, welcher den Niegocin-See und den Kisajno-See zusammenschnürt. Interessant - sie wiegt mehr als 100 Tonnen und kann per Hand von einem Menschen gedreht werden. Zwischen 1960 und 1970 wurde ein elektrischer Antrieb eingebaut, der jedoch das Ufergebiet stark zerstört hatte. Deswegen wurde als Nächstes an seiner Stelle eine Pionierbrücke errichtet, welcher wiederum die Bewohner abgelehnt haben. Erst 1993, also nach der Rückkehr zur historischen Urgestalt der Drehbrücke, wurde sie auch wieder eröffnet. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass die Lötzener Drehbrücke europaweit die einzige ihrer Art noch in Betrieb ist.
Die mittelalterliche Burg ist eines der wertvollsten Denkmäler von Lötzen/ Giżycko. Sie wurde 1341 vom Ritterorden über dem Luczanski-Kanal errichtet und war der Hauptsitz des Ordenspflegers. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Anlage umgebaut und nach der Säkularisierung des Ordens, zum Hauptsitz des Fürstenlichen Landrates. Leider blieb nur der bewohnbare Teil der Burg erhalten. Dieser wurde restauriert und ist nun Teil des exklusiven Hotels St. Bruno. Dem Objekt wurden drei Flügel und eine Bastei hinzugefügt. Dies war die einzige Möglichkeit die
verbleibenden Teile des Bauwerks zu retten. Im Inneren des Hotels herrscht die Atmosphäre eines Kurortes aus der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts. Das Hotel besitzt über 6 Meter hohe Apartments und kann insgesamt bis zu 170 Gäste aufnehmen. Für Interessierte wird auch eine Besichtigung der Burg mit einem Fremdenführer angeboten, außerdem kann man dort u.a. Kugelstoßen und Billard spielen. Empfehlenswert ist auch ein Besuch in der Kunstgalerie, im Restaurant sowie ein bisschen Entspannung im SPA-Bereich oder im Swimmingpool.
Die Brücke wird je nach Tagesfahrplan der Schifffahrten geöffnet, mit dem man sich auf der Internetseite gizycko.pl bekannt machen kann.
Die Drehbrücke | Foto: Bazie, Wikimedia Commons Die Burg Lötzen | Foto: Aniceta, Wikimedia Commons
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5. REGELSKIBÄCKEREI Ein fester Punkt auf der To-do-Liste ist beim Urlaub in Lötzen/Giżycko der Besuch im kleinen Mietshaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts an der Warszawska-Straße 17. Es ist eines der ältesten gemauerten Mietshäuser in der gesamten Stadt. Aktuell ist das blaue Gebäude Sitz des Vereins „Masurische Gemeinschaft“ (poln. „Wspolnota Mazurska“) sowie vom „Archiv von Masuren“ („Archiwum Mazurskie“).
welche 1709 neu aufgebaut wurde, wurde ebenfalls vom Feuer verschlungen. Der Brand zerstörte nicht nur das Gotteshaus, sondern auch einen großen Teil der Stadt in der Nacht des 3. Aprils 1822. Mit dem Bau einer neuen Kirche begann man erst im Mai 1826. Das heutige Denkmal wurde im neoklassischen Stil errichtet, anhand des Projekts des Berliner Architekten – Karl Friedrich Schinkel.
6. MIETSHÄUSER AUS DEM XIX. JAHRHUNDERT
Die Gottesdienste in der evangelischen Kirche finden jeden Sonntag um 11.00 Uhr statt und von Mai bis September werden zusätzlich Gottesdienste in deutscher Sprache um 9.30 Uhr, hauptsächlich für Touristen gehalten.
Architekturliebhaber finden weitere Mietshäuser aus dem 19. Jahrhundert auf der Pionierska-Straße und auf der Dabrowska-Straße. Die Gebäude wurden aus roten Ziegelsteinen erbaut und mit neogotischen Elementen verziert. Das Gebäude auf der Dabrowska-Straße 8 ist heutzutage das Drei-Sterne-Hotel „MASOVIA“. Um noch mehr alte Bauten zu entdecken, sollte man unbedingt durch die Warszawska-Straße schlendern, wo sich die sog. „Kleine Galerie“ aus dem 19. Jahrhundert, das Sozialamt aus dem Jahr 1867 sowiedas Gerichtsgebäude aus dem Jahr 1865 befinden.
7. DIE EVANGELISCHE KIRCHE Zu den interessanten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt auch die evangelische Kirche, deren Bau bis ins Jahr 1826 reicht. Früher befand sich dort ein kleines Holzgotteshaus, später eine gemauerte Kirche, welche im Jahr 1686 vollständig abgebrannt ist. Die Kirche,
8. SANKTUARIUM DES HEILIGEN BRUNO Die Kirche des Hl. Bruno befindet sich an der Pionierska-Straße. Errichtet wurde sie nach dem Entwurf von Martin Weber, zu Ehren der deutschen Soldaten, welche im I. Weltkrieg im Osten ums Leben kamen. Die Kirche hat einen militärischen Charakter, welcher an solchen Elementen wie Leuchter oder einer Uhr mit Bajonettzeiger auf dem Turm, zum Vorschein kommt. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Kirche mit einem wunderschönen Mosaik verzehrt, die den Heiligen Bruno und ihn angreifende preußische Krieger darstellt. Das Werk wurde von dem Artisten M. Pieczarko anhand des Projekts von Z. Konarzewski umgesetzt. Die Kirche ist das älteste katholische Gotteshaus in Lötzen/Giżycko.
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9. INTERNATIONALES ORGELUND KAMMERMUSIKFESTIVAL IN LÖTZEN/ GIŻYCKO Musikliebhaber aufgepasst! Ein Besuch in Lötzen/Giżycko lohnt sich vor allem in den Monaten Juli und August, denn dann wird das Orgel- und Kammermusikfestival ausgetragen. Das Festival findet in der bereits erwähnten evangelischen Kirche am Grundwaldzki-Platz statt. Ab 2004 wird das Festival von Jerzy Piekarski und dem Zentrum für Animation KOA in Lötzen/ Giżycko veranstaltet. Heuer endet es am 29. August. Das Programm ist auf centrumanimacji.pl zu finden.
10. WASSERSPASS VOM FEINSTEN Auf dem See „Popowka Mała“ nahe der Festung Boyen kann man sich auf dem Wakeboard und Wasserski so richtig austoben. Für Wassersportliebhaber gibt es zwei Strecken (220 Meter und 180 Meter) mit Lift und Hürden. Der WakePark ist empfehlenswert sowohl für erfahrene Wakeboarder als auch für Anfänger. Auf dem Gelände befinden sich ein Strand und eine Bar, wo oft Partys stattfinden.
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Ein Stück
Ägypten in Polen - DIE BEKANNTESTEN PYRAMIDEN AN DER WEICHSEL von Paulina Kuc
Pyramide in Rosen/Rożnow | Foto: Paulina Kuc, PolenJournal.de
DIE RIESIGEN PYRAMIDEN AUS ÄGYPTEN KENNT JEDER. DOCH KAUM EINER WEISS, DASS AUCH IN POLEN SOLCHE BAUWERKE ZU FINDEN SIND. MANCHE SIND SOGAR ÄLTER ALS DIE WELTBEKANNTEN SEHENSWÜRDIGKEITEN.
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Pyramiden zwischen der Weichsel und der Oder? Kein Witz. In Polen kann man sogar mehrere Pyramiden finden. Jede einzigartiger als die andere, mit einer unglaublichen Geschichte und meist leidvollen Schicksal. Manche inspiriert von den riesigen Sehenswürdigkeiten aus Ägypten, andere sogar älter als diese.
DIE ÄLTESTEN Die Kujawien-Pyramiden, genannt auch polnische Pyramiden, stammen aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Das heißt, dass die Megalithgräber in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern sogar älter sind als die Cheops-Pyramide. Viele dieser Bauten wurden leider in 19. und 20. Jahrhundert zerstört. Zum Glück sind manche noch intakt. In der Vergangenheit glaubte man, dass die Gräber so groß waren, da sie für Riesen gebaut wurden. Doch das ist natürlich nicht wahr. Trotzdem fällt es schwer, die wahre Geschichte hinter diesen Bauwerken zu entdecken. Die verbliebenen Pyramiden stellen eine Herausforderung selbst für die Forscher dar. Klar ist, dass in den bis zu 150 m langen Gräbern wichtige Personen begraben wurden. Doch ein großes Geheimnis bleibt der Bau dieser etwas anderen Art von Pyramiden. Die dort lebenden Menschen mussten dazu Hunderte Tonnen von Steinen und Erde nutzen. Für die kleinen Siedlungen, welche um die Pyramide lagen, war es auf jeden Fall eine große
Kujawien-Pyramiden | Foto: Einsamer Schütze, Wikimedia Commons
Herausforderung. Zwar nutzten die damaligen Menschen bereits Wagen mit Rädern, doch diese konnten dem Gewicht des Materials nicht standhalten. Die Bestattung in einer Pyramide war eine große Ehre für die begrabene Person. Laut Forschern konnte der Bau auch ein Treffpunkt der Menschen bei wichtigen Anlässen gewesen sein. Zusätzlich sollte sie Feinde abschrecken. Dort, wo so ein Bauwerk aufgestellt werden konnte, mussten nämlich viele starke und arbeitsbereite Männer leben. Es konnte auch ein Wegweiser für Reisende sein.
In den letzten Jahren haben Forscher die Pyramiden und umliegende Gebiete gründlich untersucht. Vor allem werden Gräber von Bewohnern der Siedlungen gesucht, welche es nicht in die Pyramide geschafft haben. Im Jahr 1939 wurde ein Teil der gefundenen Gegenstände per Schaute nach Warschau/Warszawa transportiert, diese ist jedoch versunken. Die Forscher geben zum Glück nicht auf und suchen weiter nach Antworten. Klar ist jedoch, dass diese riesigen Bauten ein großes Geheimnis noch lange, wenn nicht für immer bleiben werden.
Pyramide in Rapa/Angerapp | Foto z.V.g. von Tomasz Łaskowski
DIE GEHEIMNISVOLLE Die Pyramide in Rapa/Angerapp ist umhüllt von Geheimnissen. Mumifizierte Leichen, Energieausstrahlung, Plünderungen und abgetrennte Köpfe. Ein merkwürdiges Ereignis folgte hier nach dem anderen. Trotzdem zog und zieht das Gebäude Menschen immer wieder an, egal ob Touristen oder Hobbyschatzsucher. Die Pyramide wurde zwischen 1792 und 1795 im Auftrag des Besitzers des Gutshofs Rapa/Angerapp, Johann Friedrich Wilhelm von Fahrenheit erbaut. Dieser war verwandt mit dem Erfinder
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des bekannten Messinstruments. Unbekannt bleibt der Architekt, welcher dieses außergewöhnliche Bauwerk entwarf. Ein großes Geheimnis bleibt auch die Frage, wieso die Pyramide überhaupt erbaut wurde. Beliebt ist die These, dass Fahrenheit sie als Grabstätte für seine unglücklich verstorbene 3-jährige Tochter errichtete, welche eine verfluchte Statue von Anubis aus der Kollektion ihres Vaters berühren sollte. Doch laut Dr. Jerzy Łapo könnte der Bau ursprünglich die Funktion eines Eiskellers haben. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es im Lande viele Freimaurer, welche sich gerne von dem Erbe der Antike inspirieren lassen haben. So wurden viele Eiskeller, Orangerien usw. im antiken Stil erbaut. Erst nach dem Tod der Frau von Fahrenheit - Frederike - soll das Gebäude ein Grab umgewandelt worden sein. Man muss jedoch beachten, dass es sich nur um Hypothesen handelt. Keiner kennt den genauen Grund. Letztendlich wurden in der Pyramide 5 Erwachsene und 2 Kinder begraben. Dank der spezifischen Luftzirkulation in der Grabstätte wurden die Leichen mumifiziert. Nach einiger Zeit fingen Menschen an, zu glauben, dass die Mumien verflucht sind. Jeder, der ihren ewigen Frieden störte, sollte mit fürchterlichen Konsequenzen rechnen. Es soll sogar dazu gekommen sein, dass als das in der Gegend lebende Vieh verstarb, Menschen in die Pyramide eindrangen und die Köpfe der Mumien abgeschnitten haben, um den Fluch aufzuheben. Laut Dr. Łapo ist diese Geschichte jedoch sehr unwahrscheinlich. Die Köpfe der Mumien wurden zwar abgehackt, doch wahrscheinlich von jungen Männern in Uniformen, welche die Leichen entehrt haben. Es war auch ein perfekter Fund für Schatzsucher und örtliche Räuber. Die Pyramide wurde also schnell verwüstet. Erst als das Forstamt Czerwony Dwór/ Rothebude das Objekt übernahm und absicherte, konnte man mit der Rettung des Gebäudes anfangen. Und dafür wurde bereits viel getan, noch mehr ist jedoch noch zu tun. Zum Glück geben Menschen nicht auf und versuchen die Pyramide auf Vordermann zu bringen. Vor diesem Ziel liegt jedoch noch ein langer Weg.
Pyramide in Międzybrodzie | Foto: Lowdown, Wikimedia Commons
DIE EINZIGARTIGE KOPIE In Międzybrodzie im Karpatenvorland bei der orthodoxen Kirche steht eine kleine Pyramide. Diese sieht der Cheops-Pyramide aus Ägypten verblüffend ähnlich aus. Die polnische Kopie ist jedoch kleiner, in der Skala 1:50. Der Eingang zur Pyramide erinnert hingegen an die Nische der Pyramide in Deir el-Medina. Auf der Grabplatte wurden Inschriften in Kyrilliza, polnisch und Ukrainisch geritzt. Das zeigt nicht nur die kulturelle und nationale Vielfalt der Familie Kulczycki, sondern auch der ganzen Region. Was macht jedoch dieses außergewöhnliche Gebäude in der kleinen Ortschaft? Das Familiengrabmal wurde wahrscheinlich nach der Idee von Jerzy Kulczycki erbaut. Der Archäologieprofessor reiste viel nach Ägypten, wo er sich in die östliche Kultur verliebte. Jerzy Kulczycki soll in der
Cheops-Pyramide in Ägypten meditierend die glücklichste Stunde seines Lebens verbracht haben. Er und sein Vater, Włodzimierz Kulczycki interessierten sich für die Antike. Zusammen sammelten sie orientalische Stoffe. Die Kollektion landete nach dem Tod der beiden in der staatlichen Kunstsammlung im Königlichen Wawel-Schloss und im Tatra-Museum. Im Grab wurden Jerzy, sein Vater und seine Mutter, Maria begraben. Heute ist die Pyramide ein beliebtes Ziel bei Touristen. Auch örtliche Bewohner spazieren gerne um das Grabmal und die orthodoxe Kirche.
DIE ARIANISCHE Im 17. Jahrhundert wurde in Krynica in der Woiwodschaft Lublin eine 20 Meter hohe Pyramide erbaut. Diese wurde zum Grabmal von Paweł Orzechowski. Dieser konnte nämlich nicht auf einem katholischen Friedhof begraben werden, da er der Kirche der Polnischen Brüder angehörte. Andere Quellen
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besagen hingegen, dass die Pyramide eine Kirche der Polnischen Brüder und kein Grabmal war. Klar ist jedoch, dass das Gebäude seit Jahrzehnten ein Auslöser für Unruhe und Angst ist. Bis zum heutigen Tag sagen die Bewohner, dass in der Nähe der Pyramide viele, außergewöhnlich große Schlangen leben. Ob das wirklich wahr ist, oder nur eine Geschichte, um Menschen von dem Ort fernzuhalten, ist schwer zu sagen. Manche sagen hingegen, dass die Pyramide Energie kumuliert, was bei der Mumifizierung der dort bestatteten Leiche oder Leichen half. Doch heute kann man dort keinen der Särge
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oder Menschenüberreste finden. Keiner weiß, ob dort wirklich Orzechowski und/oder andere Personen begraben wurden. Es sind nur Vermutungen. Laut einigen Aussagen sollen sich diese im unterirdischen Geschoss befinden. Dieses sollte durch einen Tunnel bis ins Schloss Krupe führen. Doch auch diese Information wurde nicht bestätigt. Mit dem Ort sind auch verschiedene Legenden und Gruselgeschichten verbunden. Unter anderem soll in der Pyramide ein Schatz warten, dieser wird jedoch von den Menschen aus Angst vor einem Fluch oder Elend nicht gesucht. Heute ist die Pyramide in einem schrecklichen Zustand. Zwar wurde das Gebäude nach den Zerstörungen im II. Weltkrieg renoviert, doch seit dem Jahr 1957 sich selbst überlassen. Sogar das Gittertor steht offen, sodass jeder hereingehen kann. Es bleibt also nur die Hoffnung, dass die örtlichen Behörden sich für die Pyramide wieder interessieren und dieses einzigartige Gebäude retten werden. Neben den Pommern-Pyramiden ist das nämlich die älteste und höchste Pyramide in Polen.
DIE ROSENPYRAMIDE Die Pyramide in Rosen/Rożnow in der Woiwodschaft Oppeln ist seit langem nur ein Teil der örtlichen Landschaft. Für die Bewohner nichts Besonderes, den Touristen unbekannt. Doch das heißt nicht, dass im Inneren keine interessante Geschichte ruht.
Pyramide in Krynica | Foto: Wojciech Koczułap, Wikimedia Commons
Die im Jahr 1780 erbaute Pyramide wurde von dem bekannten Architekten, Carl Gotthard Langhans, welcher auch für das Brandenburger Tor in Berlin verantwortlich war, im Auftrag des preußischen Generals Carl Adolf August von Ebenen entworfen. Von Anfang an hatte sie die Funktion eines Grabmals, in welchem Überreste der Leichen der Familien von Eben immer noch ruhen. Wie in den meisten Fällen entstand sie aus Folge der Faszination mit der Antike. So wollte die Familie ihr Prestige steigern und sich für die Ewigkeit in die Geschichte und Landschaft von Rosen/Rożnów einschreiben. Die ewige Ruhe fanden hier ganze 28 Personen. Unter anderem auch
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teilweise erfüllt. Ihr Grabmal ist zwar zum Teil der Landschaft geworden, doch bleibt sie von den meisten vergessen oder sogar unbekannt.
DIE MIT DEM KREUZ Diese Pyramide sticht aus den anderen Bauwerken dieser Art in Polen hervor. Als Erstes - wurde sie nicht vergessen. Das Gebäude selbst, wie auch das Gebiet drumherum befinden sich in einem guten Stand. Zweitens - steht bei der Pyramide ein riesengroßes Kreuz. Drittens - wurde im Inneren einer der Premierminister Polens begraben. Die Pyramide in Zagórzany in der Woiwodschaft Kleinpolen wurde entweder im Jahr 1931 oder im Jahr 1905 als ein Familiengrab für die Familie Skrzyński erbaut. Man sagt, dass das Projekt von dem Architekten und Maler, Teodor Marian Talowski angefertigt wurde. Doch diese Vermutung wurde nie bestätigt. Stifter der Pyramide war Graf Aleksander Skrzyński, welchre die Pyramide als Geschenk für seine Eltern bauen wollte. Laut verschiedener Quellen soll sie eine Kopie der Cheops-Pyramide sein, doch das stimmt nicht ganz. Die Längen der Sockelseiten sind nämlich nicht gleich, die Cheops-Pyramide ist hingegen fast perfekt quadratisch. Pyramide in Zagórzany | Foto: Lollencja, Wikimedia Commons
Kinder. Doch aufgrund der langjährigen Verwüstung, ist das Gebäude in einem schrecklichen Zustand. Im Inneren liegt unter anderem eine junge Frau in einem großen weißen Kleid mit blauen Aufnähern und blauen Schuhen. Es könnte also eine Braut sein, doch ihre Geschichte kennt keiner. Laut verschiedener Behauptungen sollte sich dort mit der Leiche vor Jahren auch ein Kinderwagen eines Kleinkindes befunden haben, doch dieser blieb verschollen. Womöglich wurde er bei den zahlreichen Plünderungen gestohlen oder zerstört. Im Jahr 2015 führte Professor Barbara Kwiatkowska von der Naturwissenschaftlichen Universität in Breslau/Wrocław im Auftrag des Oppelner
Denkmalschutzes Untersuchungen in der Pyramide durch. Sie versuchte die verbliebenen Leichen und Mumien in der verwüsteten Pyramide zu identifizieren. Seit Jahren wurde sie nämlich von Dieben durchsucht und ausgeplündert. Danach kamen Schatzsucher und letztendlich haben örtliche Bewohner die Leichen zur Ausübung schrecklicher Scherze genutzt. Zum Glück ist nun damit Schluss. Die Pyramide wurde nach den Untersuchungen von Prof. Kwiatkowsa abgeriegelt. Man kann jedoch immer noch durch die kleinen Fenster ins Innere der Pyramide sehen und die dort liegenden Särge beobachten. Und so wartet die Rosener Pyramide auf ihr Ende. Der Wunsch der Familie von Eben wurde jedoch zumindest
Außer den Eltern von Skrzyński, Greif Adam und Gräfin Oktawia, wurde auch Aleksander selbst dort begraben. Er war ein Politiker und Diplomat. In der Zweiten Polnischen Republik übte er die Funktion des Außenministers in den Jahren 1922-1926 aus und ab 1925 bis 1926 war er der Premierminister des Landes. Man sagt, dass Skrzyński dem lokalen Kraftwerk viel Geld bezahlt hat, damit das Licht in der Pyramide die nächsten 100 Jahre leuchtet. Aber diese Geschichte ist jedoch nicht wahr. Aus der Pyramide ragt ein riesengroßes Kreuz hinaus. Lange glaubte man, dass dieses erst nach dem II. Weltkrieg errichtet wurde, doch das ist nicht wahr. Auf Bildern aus dem Digitalen Nationalarchiv sieht man die Pyramide mit dem Kreuz aus dem Jahr 1932. Neben der Pyramide steht ein Grab mit 2
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Pyramide in Wangrowiec/Wągrowiec | Foto: Wikimedia Commons
Kreuzen. Dort sollen die zwei vertrautesten Angestellten des Grafen - 2 Gärtner begraben worden sein.
DIE MIT DER PROPHEZEIUNG In der 10 m hohen Pyramide in Wangrowiec/Wągrowiec liegt der Rittmeister Franciszek Łakiński. Er äußerte nämlich auf dem Sterbebett den Wunsch, in einer Pyramide bestattet zu werden. Und da er vieles für die örtliche Bevölkerung tat, erfüllten die Menschen schnell seine Bitte und erbauten die Pyramide ungefähr im Jahr 1845. Drinnen soll der Sarg von Łakiński an vier Ketten aufgehängt sein. Ob das wirklich stimmt, kann keiner bestätigen. Er hinterließ ein Testament, in dem er viel Geld für das örtliche Krankenhaus,
Waisenhaus spendete sowie Schuhe für arme Kinder. Zusätzlich bekamen jedes Jahr nach seinem Tod die ersten 6 Paare, welche an seinem Namenstag geheiratet haben 1% von 6 Tsd. Taler. Dank dieser Summe konnten diese Paare anständig leben. Ringsherum der Pyramide wurden Säulen mit napoleonischen Adlern gebaut. Diese wurden jedoch während des Zweiten Weltkrieges zerstört. Etwas weiter von der Pyramide steht eine riesige Säule mit einem Metallpferd auf der Spitze, unter der das Pferd von Łakiński begraben sein soll. Die Pyramide steht auf einem Hügel, welcher zum Zeitpunkt des Baus kahl war, weswegen man dort Kiefern pflanzte. Łakiński soll sogar gesagt haben, dass Polen die Unabhängigkeit wiedererlangen wird, wenn die Kiefern
größer als die Pyramide werden. Und in der Tat als Polen wieder ein unabhängiges Land war, waren die Bäume höher als das Grabmal. Doch der Wunsch von Łakiński wurde fast nicht erfüllt. Bedenken hatte nämlich der örtliche Pfarrer, welcher sich nicht sicher war, ob so eine Bestattung sich mit der katholischen Kirche vereinen ließ. Deswegen schickte er eine Anfrage an die Kurie, welche empfahl einfach die Pyramide und das Terrain herum als neuen Friedhof zu weihen. Eine andere Geschichte besagt, dass man an Sommernächten den Schatten eines Reiters, der um den Berg galoppiert, beobachten und das Klopfen der Hufen hören kann. Diese Gestalt soll der Rittmeister Łakiński selbst sein.
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August 2021
Autorin: Krystiana Janda Übersetzung: Kathrin Gorzela
DIE BESTEN AUSSICHTSTÜRME IN POLEN (TOP 10)
Es ist allgemein bekannt, dass Aussichtspunkte in der Höhe einen umwerfenden Ausblick versprechen. Deshalb lohnt es sich, einen Ausflug auf einen der vielen Aussichtstürme in Polen einzuplanen. Nur so wird man die Landschaft aus einer Top-Perspektive bewundern können. Doch welche Aussichtstürme bieten die schönsten Ausblicke? Hier kommt unsere Top 10.
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Foto: Depositphotos
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LIWOCZ ist eine der bekanntesten Erhebungen Polens. Hierbei handelt es sich um den höchsten Punkt des Ciężkowice-Gebirges, welcher in den Beskiden liegt. Die Erhebung ragt ganze 562 m über den Meeresspiegel hinaus. Liwocz lebt unter Touristen in vielen Legenden und Erzählungen. Laut einigen ist die Erhebung ein erloschener Vulkan, andere sagen wiederum, dass der Ort noch vor Zeiten des Christentums eine Kultstätte war. Heute befindet sich hier das Sanktuarium der Heiligen Maria Mutter Gottes des Friedens und ein unter Touristen beliebter Aussichtsturm, auf dem ein 18 Meter hohes Kreuz errichtet wurde. Wer die 100 Treppen zur Spitze des Turmes bezwingt, wird mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Landschaft von Bieszczady belohnt. Der BRESLAUER SKY TOWER ist zurzeit das höchste Gebäude der Stadt und der höchste Aussichtsturm in ganz Polen. Von der verglasten Aussichtsterrasse, welche sich auf dem 49. Stock des Gebäudes und auf 200 m Höhe befindet, sieht man von oben die ganze Breslauer Altstadt, die Jahrhunderthalle und sogar die 100 km entfernte Schneekoppe. Es ist einfach ein Must-See! Wer dazu nicht ‚Nein‘ sagen kann, sollte sich schnell auf den Weg machen. Der Aufzug fährt von Montag bis Donnerstag zwischen 9.00 Uhr und 21.00 Uhr, von Freitag bis Samstag zwischen 9.00 Uhr und 22.00 Uhr und an Sonntagen von 10.00 Uhr bis 22.00 Uhr. Gemäß der Corona-Maßnahmen werden die Fahrten jeweils jede 20. Minuten durchgeführt in Gruppen von maximal 15 Personen. Ein normales Eintrittsticket kostet 18 Złoty und die ermäßigte Eintrittskarte 12 Złoty, Kinder bis 3 Jahre kommen kostenlos hinein. Der Aussichtsturm SIEKOWO ist eine 30 m hohe, und damit die höchste Holzkonstruktion in Polen. Bis zur Spitze reichen 147 Treppen. Er befindet sich auf der Erhebung „Winnica“, wo im 19. Jahrhundert der Graf Czarniecki seine Weinberge hatte.
Vom Turm aus kann man die Städte Grodzisk Wielkopolski/Grätz, Zielona Góra/Grünberg und sogar die Spitze der Schneekoppe bewundern. Top-Aussichten garantiert! KAMIENNA GÓRA ist eine Erhebung in Gdynia/Gdingen, welche 52 m über dem Meeresspiegel liegt. Um zum Aussichtsturm zu gelangen, kann man die Treppen nutzen oder umsonst mit einer Bahn hochfahren. Auf der Spitze wurde vor Jahren ein 25 m hohes Kreuz, und darum herum ein Park errichtet. Von oben haben Urlauber und Bewohner eine wunderschöne Aussicht auf die Danziger Bucht und den Jachthafen. Perfekt, um sich etwas auszuruhen. Der Aussichtsturm auf der HOHEN EULE liegt 1015 m über dem Meeresspiegel und befindet sich im Eulengebirge. Auf der Spitze wartet ein 25 m hoher Turm aus dem Jahr 1906, welcher etwas an einen Leuchtturm erinnert. Um auf die verglaste Aussichtsplattform zu gelangen, muss man die Außentreppen bezwingen. Dann wartet hinter weiteren 21 Treppen eine höhere Aussichtsplattform mit einem noch schöneren Ausblick. Zu bewundern gibt es nämlich vieles. Das Panorama der Sudeten ist einfach umwerfend. Erwähnenswert ist, dass bei schönem Wetter sogar Breslau/ Wrocław zu sehen ist. Der Turm im Sky-Park USTRONIE MORSKIE/HENKENHAGEN ist ganze 40 m hoch. Doch um eine wundervolle Aussicht von der Plattform im 19. Stockwerk aus zu haben, muss man erstmals ganze 216 Treppen bewältigen. Die Mühe lohnt sich. Die Sicht auf die Ostsee raubt einfach den Atem. Bei gutem Wetter kann man sogar die dänische Insel Bornholm sichten. Eine Einzeleintrittskarte kostet 30 Złoty. Familien bezahlen für ein Ticket 100 Złoty. Aussichtsturm KASZUBSKIE OKO (dt. Kaschubisches Auge) befindet sich in Gniewino/Gnewin und ist 44 m hoch. Sportliebhaber können die 212 Treppen nehmen, auf andere wartet ein gemütlicher Aufzug.
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Der Turm bekam seinen Namen «Kaszubskie Oko» dank seiner Konstruktion. Der Aussichtsturm stellt eine Pupille dar, der Hügel, auf dem der Turm steht, ist die Iris und die Pergolen - die Wimpern. Oben wartet ein umwerfendes Panorama auf den Zarnowitzer See. Bei gutem Wetter sieht man sogar Schiffe auf der Ostsee. Der Turm der polnischen Seeschifffahrt (poln. Polska Żegluga Morska) in SZCZECIN/STETTIN ist ein ungewöhnlicher Ort. Er bietet nicht nur eine überwältigende Aussicht an, sondern auch leckeren Kaffee und Kuchen. Im 22. Stockwerk, auf 77 m Höhe befindet sich nämlich ein Café. Man kann also ruhig seinen Kaffee im Gebäude aus dem Jahr 1992 trinken und gleichzeitig das Panorama von ganz Stettin/Szczecin bewundern. Sogar der Turm der Kathedrale in Stargard/Stargard in Pommern ist zu sehen! Der Aussichtsturm in KATOWICE/ KATTOWITZ hat eine durchbrochene Struktur, dank der man schon beim Hinaufsteigen die wunderschöne Aussicht bewundern kann. Eine weitere Attraktion ist das fast ständige Wiegeln der ganzen Konstruktion. Eine Top-Adresse für Adrenalinjunkies. Es ist nämlich nichts für schwache Nerven! Der Aussichtsturm hat 3 Terrassen – die Höchste befindet sich auf 40 m Höhe. Auf Touristen, denen es gelingt, die Konstruktion zu bezwingen und hinaufzusteigen, wartet ein Preis in Form eines atemberaubenden Ausblicks auf die grüne Landschaft des Schutzgebietes Natura 2000, das Panorama von Wrocław/Breslau und einen Hauch der Sudeten. Der Aussichtsturm in KRYNICA-ZDRÓJ befindet sich an der Spitze der Skistation Słotwiny Arena, ganze 896 m über dem Meeresspiegel. Die Konstruktion des Turms wurde aus Holz auf 49,5 m Höhe errichtet. Zum Aussichtsturm führt ein Pfad von 1030 m, der während eines Spaziergangs zur Besichtigung der Umgebung einlädt. Egal ob im Sommer, oder Winter, diese Aussicht darf man nicht verpassen.
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August 2021
Vor dem Einmachglas muss man sich nicht fürchten Autor: Robert Dethloff Übersetzung: Patrycja Urban Foto z.V.g. von Mirek Gleb, Muzeum Słoików
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Was verbindet Napoleon Bonaparte mit dem Aufbewahren gesunder Nahrung? Woher stammt das Einmachen und die Pasteurisierung? Wieso muss man sich vor dem Einmachglas nicht fürchten? Auf diese und viele weitere Fragen von PolenJournal.de antwortete der leitende Kustos der Einmachgläser, Marek Traczyk aus dem Museum der Weltgläser in Warschau/Warszawa. Robert Dethloff (PolenJournal.de): Ist das Museum der Einmachgläser eine Hommage an die Warschauer Gläser? Hier meine ich die scherzhafte Bezeichnung für die zugezogenen Bewohner von Warschau (poln. słoiki). Marek Traczyk (leitende Kustos der Einmachgläser): Im gewissen Sinne schon. Die ursprüngliche Bezeichnung «warszawskie słoiki», also Zugereister, stammt aus der Zeit der großen Migration während der Volksrepublik Polen, aber auch aus der zeitgenössischen Zeit, als man vom Dorf in die Stadt auswanderte und nach dem Wochenendaufenthalt bei der Oma oder Mama Essen in Gläsern mitbrachte. Anfangs waren das natürlich Weck-Einmachgläser (bis zu den 70er und sogar 80er Jahren), danach waren es schon Twist-Off-Gläser. Das Museum der Einmachgläser ist eine Art Hommage vor allem an alle Personen, die reisen, umziehen, denn zumindest in Polen ist das Einmachglas ein Symbol des Menschen, der mit Migration verbunden ist. Was symbolisiert das Einmachglas? Das Glas verbirgt viele Begriffe. Für mich ist das Einmachglas vor allem die Geschichte der Zivilisationsentwicklung, die Entwicklung des technologischen Fortschritts und die Wissenschaftsentwicklung. Die Entstehungsgeschichte der Einmachgläser beginnt ab dem Moment, als der Mensch nach einer Möglichkeit suchte, Essen aufzubewahren. Von der Zivilisation der Sumerer, über die Babylonische und ägyptische Zeit, gelangen wir zu der griechischen Zeit und der römischen Kaiserzeit. Wichtig ist es, die Existenz der Bibliothek des Königs des novasyrischen Königs Aššurbanipall zu betonen. Dort hat man 658 v. Chr. eine Anleitung gefunden, die besagte, wie man Glas herstellt und interessanterweise ist sie bis heute noch gültig. Danach erfand man die Amphore, die mit der Zeit in Tongläser oder Kanopen
ausgetauscht wurde. Kanopenkrügen, also die Alabastergefäße mit einem Deckel waren vor allem in ägyptischen Zeiten edel. In ihnen hat man die Organe der Pharaonen nach der Mumifikation aufbewahrt. Nun gelangen wir bis zur Frühneuzeit und der Gegenwart. Und so schließt sich der Kreis der Geschichte. Sie ist mit dem technologischen Fortschritt z.B. des bekannten Reisenden und Innovators Cook verbunden. Während er nach Lösungen suchte, wie man Essen aufbewahren könnte, transportierte er trockenes Essen in Behältern, vor allem getrocknetes Obst, denn zu dieser Zeit gab es das Problem mit Skorbut – einer Krankheit, welche mit Vitaminmangel verbunden ist. Die nächsten Versuche, Möglichkeiten zu finden, um Essen aufzubewahren, gab es Ende des 18. Jahrhunderts in Italien und danach während der napoleonischen Kriege in Frankreich. Napoleon schrieb einen Wettbewerb zur Konservierung von Lebensmitteln aus, bei dem Nicolas Appert, der zu diesem Zweck Glasverpackungen verwendete, eine wichtige Rolle spielte. Er bekam für seine Idee 12 000 Franken von der französischen Regierung, welche ihn dazu verpflichtete, seine Erfindung, also die Einmachgläser, zu produzieren. Er hatte aber auch Konkurrenz, denn der britische Kaufmann französischer Abstammung Peter Durand ist 1814 auf eine ähnliche Idee gekommen und erstellte wiederum eine Metalldose und begann sie fürs Militär zu produzieren. Im 19. Jahrhundert erfand der amerikanische Blechschmied John Landis Mason im Jahr 1858 ein Einmachglas mit Schraubverschlussdeckel. Sofort erfreute sich diese Erfindung großer Beliebtheit und wurde zum wichtigen Bestandteil aller Küchen. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts begann der Chemiker aus Gelsenkirchen, Rudolf Rempel eine Methode zu verbreiten, wie man Essen in Einmachgläsern mit glatt geschleiftem Rand, auf den eine Gummidichtung gelegt und mit einem Blechdeckel
geschlossen, aufbewahren kann. So gelangen wir zu einem sehr wichtigen Zeitraum, denn nach seinem Tod haben die Erben seine Idee an Johann Carl Weck weiter verkauft. Weck hatte auch einen enormen Beitrag in die Entwicklung der Gläser geleistet. 1892 versah er das Glas mit einer Gummidichtung und einer Feder, die auf den Deckel gelegt wurde, um ihn zusammenzuhalten und sicherzustellen, dass der Behälter luftdicht war. Diese Gläser wurden sofort beliebt und von dem Namen des Herstellers kommt der Begriff «einwecken». Es war ein Verdienst von Weck, dass man mit der Massenproduktion der Einmachgläser begann. Außerdem gelang es ihm 1900 die erste Fabrik zu erbauen, welche Einmachgläser produzierte. Sie wurde in Öflingen (heute Teil der Stadt Wehr) gegründet und ist bis heute unter dem Namen J.WECK GmbH u. Co. KG tätig. Die Geschichte schließt sich wieder, bis die goldene Zeit für Einmachgläser zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg vorbei ist, irgendwo bis hin zu den 1980er Jahren. Danach erfreuten sich Gläser mit Twist-Off-Deckeln großer Popularität und diese sind auch heute die Nummer eins auf dem Markt. Das Einmachglas ist auch ein Symbol des Migranten, der zumindest in der polnischen Realität zu solch einem wurde, denn da, wo wir sind, ist auch ein Einmachglas. Dort bringen wird unsere Tradition und Kultur mit. Für mich ist das Einmachglas auch ein Ausdruck der Toleranz, deswegen ist die ganze Initiative damit verbunden, dass man Menschen akzeptieren soll. Wie aktuell ist die Botschaft heute, wenn jeder von uns reist, an vielen Orten gewohnt hat oder umzieht und konventionell und symbolisch zum «słoik» wird. Wir nehmen die Geschichte, Tradition, Kultur und vor allem das tausendjährige Gut vieler Zivilisationen mit. Die meisten von uns assoziieren Einmachgläser vor allem mit eingemachten Produkten. Welche Funktionen können sie noch erfüllen?
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August 2021
Foto z.V.g. von Mirek Gleb, Muzeum Słoików
Es ist sehr gut, dass die Gläser vor allem mit Eingemachtem, Fleisch, Obst und Gemüse assoziiert werden, aber sie können natürlich zu deutlich mehr Zwecken dienen. Derzeit haben wir einige Dutzend an Exponaten, die zeigen, dass die Einmachgläser auch u.a. in der Industrie verwendet werden. Auch im Alltag hat es viele verschiedene Anwendungen z.B. Botanik aus dem Glas, Keramik aus dem Glas, Kosmetik aus dem Glas, Weka-Imkerei. In einem Glas kann man u.a. vom Bargeld bis hin zu Faden, Nadeln, Schrauben und vielem mehr aufbewahren.
den Spuren der Glashütte gefunden haben. Es ist eines der ältesten Einweckgläser, das wir vom Anfang der 20er Jahre aus Deutschland ergattert haben. Es stammt aus einer Glashütte, welche nicht mehr existiert. Ein weiteres wichtiges Element ist es zu verstehen, wie unterschiedlich Wecks sind. Es sind fantastische Geschichten, fantastische Abenteuer. Außerdem fand man in Niederschlesien bei einem Abriss einen versteckten Keller, in dem es dutzende eingeweckte Gläser aus dem Zweiten Weltkrieg gab und die bis heute erhalten geblieben sind.
Gibt es im Museum der Weltgläser mit besonderer Geschichte, Herkunft?
Finden wir im Museum nur Einmachgläser aus Glas?
Für mich ist die Suche nach Einmachgläser-Exponaten eine besondere Geschichte. In Libanon stieß ich auf französische Prototypen der Gläser aus wertvollem Glas. Sie sehen wie Einmachgläser aus, haben jedoch keine Gewindeverschlüsse, also Verschlüsse für den Twist-Off oder Weck-Deckel. Unter den Exponaten gibt es einen besonderen, den wir, wie sich herausstellte, durch eine Suche nach
Das Einmachglas wird damit assoziiert, dass es aus Glas gemacht ist. Doch eigentlich gibt es verschiedene Gläser, denn wie ich schon erwähnt habe, gibt es Keramikgläser, Holzgläser, dekorierte Gläser, einfache Gläser, Gläser mit interessanten Formen, Dosen-Gläser, denn die Nachfolger des Einmachglas sind Metall- oder Plastikdosen. Heutzutage gibt es eine unüberschaubare Menge an Formen und Vielfalt von Gläsern
Sind die Gläser in der Ausstellung mit Etwas gefüllt oder leer? Ihr Inhalt ist in erster Linie die Botschaft über den technologischen Fortschritt, die Vielfalt, die Universalität der Kultur, des Weckens oder Pasteurisierens, denn es geht auch um ein sehr wichtiges Element des technologischen Fortschritts, bei dem wir nach jahrhundertelanger Arbeit, den Prozess, der während der Pasteurisierung im Glas abläuft, verstehen gelernt haben. Diese Methode der Konservierung vom Essen entdeckte der französische Chemiker Ludwik Pasteur. Auf wissenschaftliche Weise bewies er, dass bei einer Temperatur von 100 Grad sämtliche Mikroorganismen getötet werden und deswegen können Lebensmittel länger aufbewahrt werden. Was sind die größten Vorteile von Einmachgläsern? Heutzutage, wo wir hoch verarbeitete Lebensmittel haben, wo Lebensmittelchemie wichtige Mikroelemente zerstört, ist u.a. die Pasteurisation und das Einwecken ein wichtiger Teil der Konservierung von natürlichen
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Lebensmitteln, der sehr wichtig ist und den wir nicht mit Konservierungsmitteln assoziieren, welche mit dem E-Buchstaben beginnen. Es ist eine wichtige Botschaft, dank derer unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern Lebensmittel in Gläsern aufbewahren und sie im Winter nutzen konnten , vor allem als es noch keine Kühlschränke oder Gefriertruhen gab. Es sind die wichtigen Elemente, welche für die Einmachgläser sprechen - die Elemente der gesunden Nahrung. Und sie sollten geschätzt und gefördert werden, damit wir nicht mehr zu stark verarbeiteten Lebensmitteln greifen, welche wir natürlich jederzeit und billig kaufen können. Außerdem sind sie schädlich für unseren Körper. Erst durch die Pandemie begann man, die Gründe, der geschwächten Immunität des menschlichen Körpers zu ermitteln. Womit kann ein Einmachglas das Interesse wecken und faszinieren? Was kann man vom Glas lernen? Vor allem ist es eine spannende Geschichte der Erforschung, wie Lebensmitteln aufbewahrt werden können, aber auch eine Geschichte des technischen und wissenschaftlichen Fortschritts, der Erfindungen. Die Erfindung, die in der Bibliothek eines
novasyrischen Königs 658 v. Chr. beschrieben wurde, wie man Glas baut und herstellt, wartete mehr als zweieinhalbtausend Jahre, um praktisch einen Behälter für die sichere Aufbewahrung von Lebensmitteln zu schaffen. Die Einmachgläser faszinieren uns noch heute. Vor allem Polen, was wir betonen möchten, oder Menschen, die aus verschiedenen Ecken der Welt nach Polen kommen, sagt und zeigt, dass das Einmachglas ein wichtiges Element der Toleranz ist. Toleranz, weil das Glas geduldig und freundlich für seine Umgebung und deren Menschen ist. Kann man die Einmachgläser als Kunstwerke bezeichnen? Ja, es gibt einfache Gläser, künstlerische und massenproduzierte Gläser. Wir sollten das Jahr 1900 in Erinnerung behalten. Der deutsche Technologiegedanke hat verursacht, dass eine Maschine zur Einmachglasproduktion in der Weck-Fabrik hergestellt wurde. Danach gab es in den 20er und späteren Jahren Maschinen, die täglich sogar 800 000 Einmachgläser produzierten und dies sind die einfachen Gläser. Unter unseren Exponaten gibt es hingegen Einmachgläser, welche wahre Kunstwerke sind z.B. aus gemischtem Glas mit Keramik, ungewöhnlich
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geschnitzte Gläser oder Gläser mit ungewöhnlichen Formen und Größen, deswegen ist ein Glas dem anderen nicht gleich. Aus der Perspektive der Kunst oder der Entwickler überraschen sie und haben eine freundliche Form für Mensch und Umwelt. Sind Sie auch ein «słoik»? Sind Sie extra hinter Wecks irgendwo hergefahren? Erstens ist das Sammeln von Wecks mein Hobby seit über 10 Jahren. Ich habe Bekannte, welche durch ganz Polen fahren und auf Antiquitätenmärkten oder auf den Dachböden verschiedene unnötige Dinge sammeln. Ich habe bei ihnen das Privileg, dass sie für mich Einmachgläser zur Seite legen. Dank dessen konnte ich zahlreiche Gläser sammeln u.a. habe ich eine große Sammlung von Wecks mit verschiedenen Federn. Vor Kurzem habe ich Gläser mit Federn erworben, welche ich zum ersten Mal gesehen habe. Sie stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert oder 1950er Jahren. Tatsächlich bin ich unterwegs, um Wecks zu ergattern. Ich suche nach solchen, die immer seltener werden. Es ist uns wichtig, sie für die Nachkömmlinge aufzubewahren und ihnen zu zeigen, wie Einmachgläser früher aussahen.
Foto z.V.g. von Mirek Gleb, Muzeum Słoików
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August 2021
Es kam schon zu Situationen, wo jemand aus Deutschland über unser Museum gelesen hat und uns danach einen ganzen Karton mit sog. sich wiederholenden Gläsern schenkte. Die meisten von ihnen waren Deckel von Wecks. Es war eine sehr nette und überraschende Geste, dass uns jemand so etwas geschenkt hat. Und ja, ich bin seit den 80er Jahren ein sog. «słoik», also ein Warschauer Einmachglas. Ich denke, dass ich dank meiner Initiative die Botschaft der Toleranz in das Warschauer Leben einbringe. Darüber hinaus entwickelt sich die Stadt. In Berlin, Wehr, Paris, New York oder Tokyo entwickeln sie sich auch, dank den dazukommenden sog. Einmachgläsern aus der ganzen Welt. Sie bringen ihr Hab und Gut, ihre Kreativität und natürlich ihren Beitrag mit ihrer täglichen Arbeit mit.
Foto z.V.g. von Mirek Gleb, Muzeum Słoików
Welche Bedingungen muss das Einmachglas erfüllen, damit es im Museum aufgenommen wird? Durchschnittliche und einfache Gläser haben wir viele. Von daher suchen wir charakteristische, nicht alltägliche Einmachgläser. Wir sind offen für die Annahme von neuen Exponaten. Andererseits, wenn jemand die Absicht hat, die Gläser zu verschwenden, sie in den Müll zu werfen, nehmen wir jedes Einmachglas. Warum? Denn wir haben ein Projekt, den Bau des Museums der Einmachgläser. Wir wollen eine Zeitkapsel aus Einmachgläsern machen, ein Labyrinth aus Einmachgläsern, wo jeder eine beliebige Anzahl von Einmachgläsern mitbringen kann und wir möchten sie in dieses Labyrinth stellen, eine "Zeitkapsel" mit Unterschriften, sodass jeder kommen kann und sehen kann, was er dort hineingeschrieben hat oder sogar dieses Einmachglas Jahre später
wieder mitnehmen kann, weil so eine Liste geführt wird, damit man leicht finden kann, wo es sich befindet. Ich ermutige alle, Einmachgläser zu spenden, und wenn wir sie wegwerfen wollen, sollten wir die Gläser in die fürs Glas vorgesehene Mülltonne wegwerfen. Das Museum der Weltgläser hatte seine Ausstellung im Museum für Technik. Sie erfreute sich großer Beliebtheit. In dieser Zeit haben auch viele Medien die Ausstellung besucht. Derzeit haben wir über 3 000 Exponate aus der ganzen Welt auf Lager. In der nahen Zukunft soll ein Pavillon gebaut werden. Er wird den kleinsten Einmachgläsern gewidmet sein, also Gläsern von 1 Zentimeter bis zum größten, dem eigentlichen Prototypen, der über 3 Meter hoch ist und ein Fassungsvermögen von etwa tausend Litern hat.
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August 2021