Skip to main content

PolenJournal.de (#11/2017)

Page 1

Wirtschaftskammer „Schlesien” Viele Möglichkeiten für das Unternehmertum

Die Wirtschaftskammer „Schlesien” ist eine Organisation der wirtschaftlichen Selbstverwaltung, die Initiativen unterstützt und an Tätigkeiten teilnimmt, die mit der Entwicklung des Unternehmertums in Schlesien verbunden sind. • Schulungen, Workshops, Konferenzen, Beratungen • Kooperationsbörsen • Messen und Ausstellungen • • Zusammenarbeit mit den Wirtschaftskammern aus der Bundesrepublik Deutschland und aus der Tschechischen Republik

Kontakt Wirtschaftskammer „Schlesien” 45-310 Opole / Oppeln • ul. Ozimska 184 • Tel./Fax: +48 77 4538484 • E-Mail: info@igsilesia.pl • www.igsilesia.pl


Im Heft 3

Wirtschaft 4

6

| Die zehn größten Auslandsinvestitionen in Polen

Mit einem Investitionsprojekt im Wert von 1,1 Mrd. Euro ist die Fabrik von LG Chem die teuerste Investition, die nach 1989 auf polnischem Boden getätigt wurde

| Deutsch-polnische Import-Export-Liebe

Polen exportiert immer mehr Richtung Deutschland. Auch die Einfuhren nehmen zu

8

| Polen wollen auch in Rente arbeiten

9

| Wie bewerten die Polen die eigene

Das neue-alte Rentenalter ist eingetreten. Das bedeutet jedoch lange nicht, dass alle Berechtigten auch freiwillig in den beruflichen Ruhestand gehen

Wirtschaft? 12 | Digitale Reife? Fehlanzeige 13 | Löhne in Polen steigen weiter 16 | Baubranche im Recruitment-Fieber 18 | Arbeitsmarkt: Der Trend setzt sich fort 20 | Frauen als Geschäftsleiter

33 | Programm der internationalen Wirtschaftskonferenz Schlesien in Koszęcin 35 | Sehenswertes in Koszęcin 36 | Die Oder könnte zu einer deutschpolnischen Autobahn werden 38 | Moderne Eisenbahninfrastruktur ein Muss

Kultur & Lifestyle 40 | Penelope Cruz wird eine polnische Heldin

spielen Die polnische Schriftstellerin Maria Nurowska arbeitet an einem Film über Krystyna Skarbek

40 | Depeche Mode gecovert von polnischer

22 | Arbeiter aus Asien auf dem polnischen

Volksmusikgruppe wird zum Viral-Hit Dank einer Fanaktion der Band Depeche Mode konnte eine Volksgruppe aus Stettin eine eigene Version des Hits „Enjoy the Silence“ vorstellen

41 | Ein Museum für Knacker des ENIGMA-Codes

Arbeitsmarkt 23 | Mehr Geld für die Bahn

44 | #WirKochen: Gurkensuppe

23 | In Polen baut man neue Straßen 24 | Wie sicher sind die Nahrungsmittel in Polen?

Tourismus 45 | Die schönsten Weihnachtsmärkte in Polen Die Winterzeit naht, bald liegt der erste Schnee vor der Tür. Langsam öffnen die ersten Weihnachtsmärkte ihre Pforten

#Ratgeber 26 | Arbeitsverträge in Polen

50 | Ski-Urlaub in Polen Mit dem Wintereinbruch und dem ersten Schnee fragen sich viele Wintersportfans, wo sie ihre freien Tage auf der Piste verbringen sollen - hier unsere Tipps

Politik

54 | Neue Gondelbahn in den schlesischen

28 | Sollen die Geschäfte am Sonntag zu

bleiben? Die polnische Regierung will den Handel am Sonntag einschränken

29 | Winterzeit vor dem Aus? Das Projekt der Volkspartei PSL wird von allen Sejm-Fraktio

Beskiden Umfangreiche Investitionen werden derzeit in Szczyrk (Schirk), dem größten Skizentrum der Schlesischen Beskiden, getätigt

56 | Feiertagsstimmung im Hirschberger Tal 58 | Danzig erhält neues Ozeanarium

nen unterstützt

30 | Gesetzproduktion auf der Bremse Im dritten Quartal 2017 wurden insgesamt 4.244 Seiten Typoskript von Gesetzen rechtskräftig

31 | Alkotest im polnischen Parlament? 31 | Ende der illegalen Kassenbons

Abo-Service Abonnieren Sie PolenJournal.de und bleiben Sie immer gut informiert!

Impressum PolenJournal.de Chefredakteur: Piotr Piela Grafik & Design: Emanuela Janda Textkorrektur: Kathrin Gorzela Autoren: Paulina Kuc, Ramona Nocoń, Piotr Piela, Anna Rosenthal, Rafał Stelmaszewski

Herausgeber: sc.media ul. Wrocławska 133 45-837 Opole /Polen www.sc.media redaktion@polenjournal.de

facebook.com/polenjournal twitter.com/PolenJournal


4  Wirtschaft

Die zehn größten Auslandsinvestitionen in Polen Mit einem Investitionsprojekt im Wert von 1,1 Mrd. Euro ist die Fabrik von LG Chem die teuerste Investition, die nach 1989 auf polnischem Boden getätigt wurde. Der koreanische Konzern verdrängte VW von der Spitze der größten Investoren in Polen.

Bereits 2018 soll in der Sonderwirtschaftszone Euro-Park Wisłosan der neue LG Chem Standort entstehen. Dank der Investition der Südkoreaner werden rund 2.500 Arbeitnehmer im Betrieb eingestellt. Die Zahl der neu entstandenen Arbeitsplätze könnte jedoch noch höher ausfallen, wenn man auch Neueinstellungen bei den Partnern und Lieferanten mitberücksichtigt. Bisher war der deutsche Autobauer

VW mit seinem Investitionsprojekt in Wrzesnia der absolute Spitzenreiter. Im Jahr 2014 investierte der deutsche Konzern rund 800 Mio. Euro. Nun stellte LG Chem eine neue Bestmarke auf mit 1,1 Mrd. Euro. Neben der neuen Fabrik, in der Batterien für Elektroautos hergestellt werden, hatten die Südkoreaner bereits 2005 mit Hilfe des Tochterunternehmens LG Philips LCD eine weitere Inves-

tition im Wert von 429 Mio. Euro besiegelt. Wer setzt noch sein Geld auf Polen neben LG und VW? In der Top-10 sind auch einige große Player wie etwa GM oder Daimler zu finden. Auch Michelin gehört zur Spitzengruppe. Immerhin fallen 7 von 10 der größten Investitionen in Polen auf die Automobilindustrie. von Piotr Piela


Wirtschaft 5


6  Wirtschaft

Deutsch-polnische Import-Export-Liebe Polen exportiert immer mehr Richtung Deutschland. Auch die Einfuhren nehmen zu.

L

aut der neuesten Auswertung zur Handelsbilanz erreichte der Export aus Polen nach den ersten acht Monaten des Jahres rund 131 Mrd. Euro. Den Import bezifferten die Statistiker auf 130 Mrd. Euro. Dementsprechend erarbeitete man sich ein kleines Plussaldo von 866,3 Mio. Euro. Der wichtigste Handelspartner Polens bleibt weiterhin Deutschland. Die Ausfuhren wuchsen im Jahresvergleich um 9,3% und erreichten zwischen Januar und Ende August rund 36 Mrd. Euro. Ähnlich ist es auch bei den Einfuhren, die um 8,5% wuchsen und 30 Mrd. Euro im selben Zeitraum erreichten. Polen sendet weiterhin 27,4% des gesamten Exports zum Nachbarn. Auf der anderen Seite importiert man auch 23,6% aller Waren aus der Bundesrepublik.

Der deutsch-polnischen Handelsliebe geht es also prächtig. Vor allem wenn man auf andere Partner schaut. Der polnische Export Richtung Tschechien erreichte gerade mal 6,7% und der nach Großbritannien 6,6%. Auch beim Import lässt die deutsch-polnische Beziehung andere blass aussehen. Der Anteil anderer Länder wie etwa China oder Russland beziffert man der Reihe nach auf 11,8% und 5,7%.

der Autos und Autoteile aus Polen zu schätzen. Auch hier wuchs der Verkauf.

Was importiert Deutschland aus Polen? Besonders gut haben sich zuletzt chemische Produkte in der Bundesrepublik verkauft, wo man den schnellsten Zuwachs in der ersten Jahreshälfte verzeichnete. Von Seife bis zu Kosmetika und Pharmaprodukten - hier kommt Made in Poland besonders gut an. Deutsche wissen auch die Qualität

von Piotr Piela

Trotz der politischen Abkühlung zwischen Warschau und Berlin blüht das deutsch-polnische Verhältnis zumindest auf der wirtschaftlichen Ebene weiter auf. Ob dies auch auf Staatsebene eintritt, bleibt abzuwarten. Wünschenswert wäre es allemal.


Wirtschaft 7

GesamtExport 131 Mrd. €

Anteil des Gesamtexports in % 27,4 Deutschland

6,7 Tschechien

6,6 Großbritannien

Gesamtimport 130 Mrd. €

Anteil des Gesamtimports in % 23,6

11,8

5,7

Deutschland

China

Russland


8  Wirtschaft

Polen wollen auch in Rente arbeiten Das neue-alte Rentenalter ist eingetreten. Das bedeutet jedoch lange nicht, dass alle Berechtigten auch freiwillig in den beruflichen Ruhestand gehen. Einen interessanten Einblick gibt eine Studie von Work Service, die auf einer Befragung von Kantar Millward Brown basiert.

A

b dem 1. Oktober können Männer im Alter von 65 Jahren und Frauen im Alter von 60 Jahren frühzeitig in Rente gehen. Dies ist das Ergebnis der Wiederherstellung des alten Renteneintrittsalters und die Abkehr von der Rente mit 67 Jahren für beide Geschlechter. Die polnische Sozialversicherungsanstalt schätzt, dass durch die Gesetzesveränderung 330 Tsd. Polen früher in den Ruhestand gehen könnten, doch vieles deutet darauf, dass sie dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben. Auch in Zukunft sollte sich daran wenig ändern - dies geht aus den Daten, die von Work Service vorgestellt wurden, hevor. 53,7% der Polen, die früher in Rente gehen könnten, will weiterarbeiten lautet die wichtigste Schlussfolgerung aus dem Bericht. Nicht gerade überraschend ist für die meisten Geld eine Motivation zur Fortsetzung des beruflichen Weges, wie Maciej Witucki, der Vorstandsvorsitzende von Work Service erklärt: Unsere Daten zeigen, dass für 36% der Arbeitnehmer der finanzielle Aspekt der wichtigste ist. Es handelt sich dabei um eine höhere Leistung und einen zusätzlichen Verdienst. In beiden Fällen soll sich ein verlängertes Berufsleben in einer besseren Lebensqualität widerspiegeln. Die Leistung, die heute durchschnittlich ca. 1780 Zloty netto beträgt, deckt oft nicht die Bedürfnisse der Älteren. Umso mehr da der Median noch um 200 Zloty niedriger sei. Trotzdem ist die Tatsache, dass die Polen auch in Rente weiterarbeiten wollen, eine gute Nachricht für Arbeitgeber, denn jeder Abfluss von Arbeitskräften aus dem Arbeitsmarkt bedeutet massive Probleme für Unternehmen.

Senioren mit hoher Arbeitslust Beim Blick auf die Alterskategorien fällt einem schnell ins Auge,

dass vor allem Personen nach dem 60 Lebensjahr auch im Ruhestand weiter beruflich aktiv sein wollen. Das deklarierte 60,2% der Befragten. 15,4% dieser Gruppe sieht dies als Notwendig, um die Pension zu erhöhen. Auf der anderen Seite, will 30,3% einfach dazu verdienen. Unter den Befragten in der Altersgruppe 18 -24 Jahre ist hingegen ein anderer Trend zu beobachten. Nur 49,8% wollen auch in der Pension beruflich aktiv bleiben. Die Gründe dafür liegen im weit entfernten Ruhestand, der durch die Personen, die erstmals auf den Arbeitsmarkt eintreten, nicht ernst genommen wird. Im Zusammenhang mit den vorgenommenen Veränderungen im Bereich des Renteneintrittsalters, darf man sich nur darüber freuen, dass die Generation 60+ eine so hohe Arbeitslust aufweist. Die Nähe der Pension, sowie die Höhe der Leis-

tung sind stark mobilisierend, aber auch der Zugang zu Arbeitsplätzen spielt hier eine Rolle - fügt Witucki hinzu.

Niedriger Verdienst ermuntert zum Ruhestand Arbeitnehmer die in Vollzeit arbeiten denken über die berufliche Aktivität im Ruhestand seltener nach (49,3%), als Beschäftigte z.B. in Teilzeit (60,7%). Auf der anderen Seite wollen vor allem jene auch in der Pension arbeiten, die gut verdienen (über 60% der Befragten). Bei Arbeitnehmern mit einem Gehalt von weniger als 2.000 Zloty erreicht diese Zahl gerade mal 49,3%. von Piotr Piela


Wirtschaft 9

Wie bewerten die Polen die eigene Wirtschaft? Fast die Hälfte des Landes bewertet die Wirtschaftslage an der Weichsel positiv. Laut einer Umfrage des Meinungsinstitutes CBOS wurde die beste Note seit 1989 ausgestellt.

D

ie polnische Wirtschaft wird noch ein wenig besser bewertet als bei der letzten Umfrage, die im Juni durchgeführt wurde. Zwar blieb der Anteil der Befragten, die der Meinung sind, dass die polnische Wirtschaft in die falsche Richtung gesteuert wird, unverändert (41%), doch die Zahl der Befragten, die einer anderen Auffassung sind wuchs von 41% bis auf 44%. Zu der Gruppe, die sich mit der Entwicklung der Wirtschaft zufrieden zeigt, gehören Befragte mit einer linksorientierten politischen Gesinnung (71%), nicht religiös (58%) und in Großstädten wohnend (53%).

Positiv wird die aktuelle Lage in Polen von 88% der PiS-Wähler beurteilt. Unter den Kukiz-Anhängern sind die Stimmen diesbezüglich zur Hälfte geteilt (48% zu 46%). Die schlechtesten Noten bekommt die Wirtschaftslage von den Wählern der Bürgerplattform, sowie von Nowoczesna, die zu 83% die Lage kritisch sehen. Seit Juni wuchs der Anteil der Personen, die die Wirtschaftslage gut bewerten um 5% (auf 49%), gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Kritiker von 15% auf 13%. So ist dies die beste Bewertung der polnischen Wirtschaft in der Geschichte der Befragung seit 1989.

29% der Befragten sind überzeugt, dass sich innerhalb eines Jahres die Lage im Lande verbessert. 24% befürchten eine Verschlechterung und 39% waren sich sicher, dass die Lage in der kommenden zwölf Monaten unverändert bleibt. Die Umfrage von CBOS wurde zwischen dem 17. und 24. August auf einer repräsentativen Gruppe von 1009 Erwachsenen durchgeführt. von Rafał Stelmaszewski


Anzeige

Anzeige

Anzeige


Wirtschaft 11


Digitale Reife? Fehlanzeige Nicht einmal die Hälfte der Unternehmer in Polen hält ihre Firmen in Sachen Digitalisierung für Reif. Die Mehrheit nimmt auch die immer größer werdende Kompetenzlücke und den Mangel an qualifizierten Arbeitnehmern wahr. Das geht aus der Studie “Digital IQ. Digitaler Wettbewerb der Unternehmen” hervor.

N

ur 44% der Unternehmen an der Weichsel ist digitalreif. Mit diesem Ergebnis liegt Polen nicht nur unterhalb des globalen Durchschnitts (53%), sondern auch unter dem durchschnittlichen Prozentsatz in Mittelosteuropa (47%). 58% der Befragten hält Geschäftsführer der Unternehmen für digitalreif (global 62%) und 80% teilt diese Auffassung bei IT-Direktoren (global 83%). Heute kann man sich nur schwer eine moderne Firma vorstellen, die Informationstechnologien als keinen integralen Teil der Business- und operativen Strategie sehen. Dennoch ist der digitale Wandel ein komplizierter und ein teurer Prozess, der den Einsatz vieler Ressourcen bedingt. Langfristig werden jene Unternehmen die Oberhand behalten, die Technologie kreativ nutzen können und offen gegenüber neuen Möglichkeiten sowie dem Dialog mit allen Stakeholdern sind - so Anna Sienko von PwC. Im Bericht von PwC lesen wir, dass eine der größten Herausforderungen, die auf die Unternehmen zukommen, die Kompetenzlücke im Bereich der Fertigkeiten ist, die mit neuen Technologien verbunden sind. Dies spiegeln auch die Umfrageergebnisse wieder, denn 69% der Umfrageteilnehmer war der Meinung, dass den Unternehmen ein qualifiziertes Personal fehle. Es handelt sich dabei vor allem um die Cybersecurity, aber auch um den Schutz persönlicher Daten, sowie die Datenanalyse. Die Zukunftsperspektive ist hier auch nicht rosig, denn 38% der Befragten ist überzeugt, dass diese Lücke in den kommenden Jahren an der Weichsel noch weiterwachsen wird.

Aus dem Bericht von PwC geht außerdem hervor, dass die Mehrheit der Unternehmen in Polen nicht mehr als 5% des Jahresbudgets in digitale Technologien investieren. Fast die Hälfte (49%) von den jenigen die es tun, erhofft sich davon mehr Umsatz und 13% will an Kosten sparen. Vor allem wegen der fehlenden Unterstützung innerhalb des Unternehmens (31%), der Fachkräftemangel (31%) sowie der fehlenden Flexibilität und den langsamen Prozessen (29%) machen sich diese Investitionen nicht bezahlt - vermuten die Umfrageteilnehmer, wie PwC berichtet. Ein Thema ist auch die Nutzung der Technologie, denn viele Firmen können Informationstechnologien nicht optimal nutzen, somit wird deren Potenzial oft nicht ausgeschöpft. Nur 38% der Unternehmen in Polen haben eigene Teams, die neue Technologien erforschen. Die Mehrheit von ihnen funktioniert auf der Basis externer Ressourcen, sowie mit Hilfe von ad-hoc organisierten Projektgruppen. Nur 42% der Umfrageteilnehmer deklarierte, dass in ihren Unternehmen Teams geschaffen wurden, die sich mit der Innovation innerhalb digitaler Technologien befassen. Aber 71% hat zugegeben, dass ihre Firmen ein strukturiertes Konzept zur Bewertung von Informationstechnologien besitzen. Die Verantwortung in Sachen neue Technologien übernehmen an der Weichsel vor allem Geschäftsführer sowie IT-Leiter (sog. CIOs). Nur 11% der Unternehmen schafften eine Arbeitsstelle, die dem digitalen Wandel gewidmet ist (CDO). In vielen Fällen rechtfertigt man sich damit, dass der digitale Wandel und die digitale Kompetenz die gesamte

Geschäftsführung betreffen. Diese Meinung teilt 21% der Befragten in Polen bei 12% global. PwC stellte in dem Bericht außerdem fest, dass der digitale Wandel nicht nur eine rein technische Veränderung sei, es ist vor allem eine Geschäftsveränderung, die das jeweilige Unternehmen, die ihn entsprechend nutzen kann auf vielen Ebenen weiterentwickelt. Neben dem technologischen Wandel vollzieht sich auch eine Wende im Bereich der Organisationskultur, der Geschäftsideen sowie der Arbeitsweise. Das spiegelt sich wiederum in Veränderungen innerhalb der Organisationsstruktur, der Ziele und der Indexe aber auch in neuen Geschäfts- und Einkommensmodellen wieder. Die Experten von PwC unterstreichen, dass man neue Technologien erst dann effizient nutzen kann, wenn alle Arbeitnehmer im Unternehmen dazu entsprechend vorbereitet werden. Dadurch, dass heutzutage vor allem digital mit Kunden kommuniziert wird, muss die Belegschaft ständig in Sachen Kundenbetreuung, Vertrieb, Werbung sowie neue technologische Lösungen beispielsweise im Bereich des E-Commerce oder Marketings geschult werden. Die Studie “Digital IQ. Digitaler Wettbewerb der Unternehmen” beruht auf einer globalen Umfrage, die von Oxford Economics für PwC durchgeführt wurde. Insgesamt wurden 2216 Personen aus 53 Ländern, darunter 45 aus Polen befragt. von Piotr Piela


Wirtschaft 13

L

Löhne in Polen steigen weiter In fast allen Ländern Europas steigen die Löhne. Polen ist auch von dieser Tendenz gezeichnet.

aut dem Bericht des Statistischen Hauptamtes (GUS) verdiente man in Polen im September durchschnittlich 4.473 Zloty. Das bedeutet einen Lohnanstieg im Jahresvergleich um rund 6%. Experten gehen davon aus, dass die Löhne weiter steigen könnten. Allerdings muss man bei den GUS-Daten beachten, dass für die Auswertung durchschnittliche Bruttogehälter innerhalb der Unternehmen, die mindestens zehn Arbeitnehmer beschäftigen, unter die Lupe genommen wurden. In anderen Worten, netto bekommen die Arbeitnehmer an der Weichsel viel weniger. Auf der anderen Seite spiegelt der GUS-Bericht die Tendenzen auf dem polnischen Arbeitsmarkt wieder. Eine niedrige Arbeitslosenrate zusammen mit steigender Einstellungsquote führt zum Lohndruck und schließlich höheren Gehältern. Eine Rolle spielt auch hier die gute Wirtschaftslage, die den Lohnanstieg noch zusätzlich untermauern könnte. "Wir haben zurzeit nicht nur in Polen mit einer Wirtschaftsbelebung zu tun, sondern in fast allen Ländern der Eurozone und der EU. Man kann also sagen, dass sich die polnische Wirtschaft im richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz befindet. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Lage verschlechtert ist zurzeit begrenzt" erklärt Bartosz Grejner, von Cinkciarz.pl Der Marktanalytiker stellte auch eine interessante Frage bezüglich der Lohnkluft zwischen Deutschland und Polen. Wann könnten die polnischen Löhne mit den deutschen gleichziehen? In den letzten zehn Jahren stiegen die Gehälter in Deutschland im Schnitt um 2,05%. In Polen war der Lohnanstieg noch signifikanter und erreichte 4,17%. Bei der recht optimistischen und wenig realen Annahme, dass das Lohnwachstumstempo in beiden Ländern mit ähnlichen Inflationsraten aufrechterhalten wird, zieht Polen mit Deutschland in Sachen Durchschnittslöhne erst in 83 Jahren gleich, wie die Experten von Cinkciarz.pl ausrechneten. "Man muss aber bedenken, dass es fast unmöglich ist, dieses Lohnwachstumstempo zu behalten. Je schneller sich das jeweilige Land weiterentwickelt und dementsprechend reicher wird, desto schwieriger ist es das Wachstumstempo zu behalten. Das ist der normale Lauf der Dinge" - erklärt Bartosz Grejner. Wann könnte also Polen die Lohnlücke zu Deutschland real schließen? Laut Grejner wird es sogar Anfang des 22. Jahrhunderts sehr schwierig sein, dies zu schaffen. von Rafał Stelmaszewski


14  Wirtschaft


Wirtschaft 15


16  Wirtschaft

Baubranche im Recruitment-Fieber Der Arbeitsmarkt wird mit Jobangeboten aus der Baubranche geradezu überflutet. Wo werden die meisten Arbeitnehmer gesucht? Mit welchen Salär treibt die Sparte potenzielle Arbeitskräfte in die Versuchung? Der Bericht.

A

us der Auswertung, die von der Jobbörse pracuj.pl vorgestellt wurde, geht hervor, dass die Zahl der Stellenanzeigen im ersten Halbjahr 2017 um knapp 16.000 und 16% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen ist. Allein die Nachfrage nach Bauarbeitern wuchs im Jahresvergleich um satte 46%. Um 27% stieg wiederum die Zahl der Jobangebote für Bauleiter. Insgesamt betrifft über 50% der Anzeigen Fachkräfte für den Bau, wie pracuj.pl berichtet So ein starker Anstieg von Jobangeboten ist vor allem mit dem Aufschwung, der die Branche gerade erlebt zu erklären. Laut dem Statistischen Hauptamt (GUS) wuchs das Baugewerbe um knapp 20% im Vergleich zum Vorjahr, was sogleich das beste Ergebnis für die Branche seit 5 Jahren darstellt. Aus den Daten, die von GUS vorgelegt wurden, kann man auch entnehmen, dass heuer bereits mehr Wohnungen als im gesamten Vorjahr gebaut wurden. Laut pracuj.pl stammen die meisten Jobangebote neben den Bereichen Bau und Immobilien, aus dem Handel und Verkauf, Schwer- und Leichtindustrie sowie Telekommunikation und moderne Technologie.

Kleine, mittlere oder Großunternehmen - wer schreibt die meisten Stellen aus? Der Sieger dieser Auswertung heißt mittlere Unternehmen, die für 35,8% aller Stellenanzeigen

verantwortlich sind. Kleinunternehmen brachten es auf 28,5% und Großunternehmen auf 22,5%. Man muss aber bei den o.g. Prozentsätzen bedenken, dass die mittleren Unternehmen sehr oft als Unterauftragnehmer ihre Geschäfte betreiben und deswegen z.B. mehr Arbeitskräfte einstellen als Großunternehmen, die eher in die Rolle der Generalunternehmer schlüpfen.


Wirtschaft 17

Wo ist die Nachfrage am stärksten?

Die meisten Arbeitnehmer werden in der Woiwodschaft Masowien gesucht (20% aller Jobangebote die

auf pracuj.pl gepostet wurden). Jeweils 9% der Stellen wurden von Unternehmen in Großpolen, Schlesien und Niederschlesien ausgeschrieben.

Wie viel verdient man eigentlich in der Baubranche? Der durchschnittliche Verdienst liegt laut der Auswertung von der polnischen Jobbörse bei 4.400 Zloty brutto. Doch Prinzipiell richten sich die Gehälter nach der Stelle und ferner nach dem Kompetenzgrad und Erfahrung. So verdienen Bauingenieure zwischen 3.800 und 6.000 Zloty brutto pro Monat. Der durchschnittliche Verdienst eines Arbeiters liegt wiederum bei 3.400 Zloty brutto. Die meisten Arbeitnehmer werden mit Hilfe von Arbeitsverträgen gebunden. Viele Firmen aus der Baubranche bieten ihrer Belegschaft neben dem Lohn auch Zusatzleistungen, wie etwa kostenlose medizinische Privatversorgungen oder Lebensversicherungen an. von Piotr Piela


18  Wirtschaft

Arbeitsmarkt: Der Trend setzt sich fort

Die Arbeitslosenrate erreichte im September 6,9%. Damit verzeichnete man das beste Ergebnis seit 1991 - teilte das Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales mit.

I

m Vergleich zum Vormonat sank die Arbeitslosenrate um 0,1% und im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,4% - informierte das Ressort von Elzbieta Rafalska. Gleich in 14 Woiwodschaften wurden Rückgänge zwischen 0,1 und 0,2% verzeichnet. In Kujawien-Pommern, Lebus, Lublin, Podlachien und Heiligkreuz sank die Arbeitslosigkeit um 0,2%. Nur in Pommern und Großpolen hat sich die Arbeitslosenrate im Vergleich zum Vormonat nicht verändert. Mit der höchsten Arbeitslosigkeit hat die Woiwodschaft Ermland-Masuren (11,9%) zu kämpfen. Auf der anderen Seite, kann sich Großpolen mit der niedrigsten Arbeitslosenrate im ganzen Land (4,1) rühmen.

Ende September suchten an der Weichsel 1,1 Mio. Personen nach Arbeit. Im Vergleich zu August sank die Zahl der Arbeitslosen um 18,8 Tsd., also umgerechnet 1,7%. Eine niedrigere Arbeitslosenquote verzeichnete man in 15 Woiwodschaften. Der Rückgang war am stärksten in Lebus (-2,5%), Kleinpolen sowie Heiligkreuz (beide -2,3%) zu spüren. Nur in Pommern stieg die Zahl der Arbeitslosen (+0,7%). Bei Zusammenstellung der Daten aus dem Jahr 2016 und 2017 verringerte sich die Arbeitslosenquote heuer um 206,7 Tsd. Personen also umgerechnet um 15,6%.

Mehr Arbeitsplätze Die Zahl der in den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitsplätze beziffern die Experten des Ministeriums auf 154,1 Tsd. Im Vergleich zum Vormonat bedeutet das einen Rückgang um 0,2 Tsd. (0,2%) aber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnete man ein Plus von 15 Tsd. Jobangeboten (+10,8%). Zehn Woiwodschaften vermeldeten einen Rückgang bei den unbesetzten Arbeitsstellen. In sechs Woiwodschaften stieg die Zahl der in den Arbeitsämtern gemeldeten Jobangebote - berichtet das Ministerium. von Paulina Kuc


Anzeige

Anzeige

Anzeige


20  Wirtschaft

Führung in d Frauen als

33% Frauen Aus dem Bericht von Eurostat bezüglich der Arbeitssituation von Frauen und Männern in der EU folgt, dass Frauen grundsätzlich weniger verdienen und seltener eine Führungsposition ergattern. Entgegen globaler Trends ist das in Polen ganz anders.

L

aut den Statistikern von Eurostat stellen ein Drittel aller Geschäftsleiter in der Europäischen Union (EU) Frauen dar. In keinem der EU-Länder überstieg der Prozentsatz die 50%-Grenze, doch die meisten Frauen sind in Mittel- und Osteuropa in Führungspositionen angestellt. Polen belegte in diesem Ranking, gemeinsam mit Slowenien den zweiten Platz. In beiden Ländern wird der Prozentsatz, von Frauen die als Geschäftsleiter arbeiten, auf ganze 41% beziffert. Am besten mit dem Ergebnis von 47% schnitt Lettland ab. Auch Litauen, Ungarn und Schweden kamen relativ gut davon. Die größte Diskrepanz zwischen den weiblichen und männlichen Geschäftsleitern verzeichnete man in Luxemburg (18%), Tschechien (25%), Griechenland (25%) und den Niederlanden (25%).

Frauen in Polen schneiden auch überdurchschnittlich bei den Verdiensten ab. Durchschnittlich liegen ihre Gehälter in allen europäischen Ländern rund 16,3% niedriger als bei den Männern. In Polen ist diese Lücke fast zweimal so klein, denn die Frauen verdienen an der Weichsel nur um 7,7% weniger als ihre Kollegen. Ein noch besseres Ergebnis erzielte Luxemburg (5,5%), Italien (5,5%), Rumänien (5,8%) und Belgien (6,5%). Wie die Autoren des Berichts betonen, können Lohndifferenzen individuell abhängig sein, wie etwa von der Berufserfahrung oder von der Ausbildung. Dazu kommt noch, dass ein Drittel der in der EU angestellten Frauen nicht in Vollzeit arbeitet. In den Niederlanden ist dies sehr Verbreitet, es handelt sich dabei um satte 77%. In Polen sind es

wiederum nur 10% der Frauen. Männer liegen auch bei der Beschäftigungsquote mit 72% zu 61% (bei den Frauen) vorn. Die Eurostat-Experten bemerkten jedoch hier eine interessante Abhängigkeit - je mehr Kinder in einer Familie, desto größer die Diskrepanz zwischen dem Verdienst von Mann und Frau, die öfters zu Hause mit dem Kind bleibt. Bei Familien mit nur einem Nachkommen arbeiten 71% der Frauen und 85% der Männer. Bei zwei Kindern sind es schon 70% und 89% und bei drei und mehr liegt die Beschäftigungsquote bei 55% und 84%. von Anna Rosenthal


Wirtschaft 21

gskräfte der EU Geschäftsleiter

67% Männer führungskräfte in ausgewählten ländern Europas polen grossbritannien die schweiz Frankreich Österreich deutschland

41% 36% 36% 33% 32% 29% Frauen

Quelle: Eurostat

Männer


22  Wirtschaft

Arbeiter aus Asien auf dem polnischen Arbeitsmarkt Ukrainer, Weißrussen und Moldauer wundern auf dem polnischen Arbeitsmarkt keinen mehr. Das Land wird aber immer interessanter für Arbeiter aus Asien.

I

n der ersten Jahreshälfte kamen 8000 Arbeiter aus Asien nach Polen – das ist mehr als im gesamten Vorjahr. Die Zahlen sollen jedoch noch wachsen, denn dem polnischen Arbeitsmarkt fehlen die Arbeitskräfte. Neue kommen vor allem aus Nepal (2034), Indien (1373) und Bangladesch (935) – so das Arbeitsministerium. Jedes Jahr erhalten auch Hunderte Türken, Chinesen, Usbeken und Vietnamesen ihre Arbeitsgenehmigungen. Die vorgelegten Zahlen betreffen natürlich die Arbeiter, die sich legal im Land aufhalten. Es ist schwierig über Zahlen aus der Grauzone zu spekulieren. Sehr beliebt bei den Arbeitern, die vom asiatischen Kontinent kommen, ist die Transport- und Baubranche. Die polnischen Arbeitgeber beschäftigen gern Arbeiter aus der Industriebranche, beliebt sind auch Verkäufer, Facharbeiter und IT Spezialisten. Auch Ärzte und Krankenschwestern u. a. aus Thailand sind gefragt - eingestellt wurden insgesamt 108 Menschen in diesem Bereich. Die Arbeiter vom indischen Subkontinent arbeiten oft in der Möbel- und Lebensmittelindustrie. Sie sind pünktlich und zuverlässig, verlassen dabei Polen nicht so schnell, wie z.B. die Ukrainer, die

oft nach einem längeren Aufenthalt weiter in den Westen ziehen. Diese Stabilität ist den Arbeitgebern besonders wichtig. Asiaten belegen auch Arbeitsstellen in Bereichen, in denen keiner arbeiten will z. B. in der Fischindustrie. Im Gegensatz zu den vielen Befürchtungen, erhalten sie das selbe Einkommen wie die einheimischen Arbeitnehmer - so die Experten aus ManpowerGroup. Natürlich ist es für den Unternehmer viel schwieriger einen Ausländer zu beschäftigen u. a. aufgrund der anfallenden Kosten und des Zeitaufwands. Auch

die Sprache und das kulturelle Umfeld sind eine Herausforderung. In Polen arbeiten auch einige Nordkoreaner, oft für sehr niedrige Löhne, manchmal ohne zu wissen, wie viel sie wirklich verdienen. Oft bekommen sie nur 10% des eigentlichen Gehalts, der Rest landet höchstwahrscheinlich bei der nordkoreanischen Regierung - so das südkoreanische Organisation Database Center for North Korean Human Rights. von Ramona Nocoń


Wirtschaft 23

Foto: Stevenlodz (Own work) [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Mehr Geld für die Bahn

PKP Intercity sollte in den Jahren 2011-2021 4,5 Milliarden Zloty in Form eines Zuschusses bekommen. Die Quote soll nun höher ausfallen, da man die Schienenfahrzeuge renovieren muss.

A

llein in diesem Jahr bekommt PKP Intercity vom Staatshaushalt 540 Millionen Zloty, insgesamt sollte die Gesellschaft 4,5 Milliarden Zloty in den Jahren 2011-2021 bekommen. Doch es wird mehr. Das Ministerium für Infrastruktur und Bauwesen will der Regierung einen Anhang zum Zuschuss für öffentliche Dienstleistungsaufträge präsentieren. Die Änderungen beruhen auf der Aufnahme der Investitionsprojekte von Schienenfahr-

zeugen. Neue oder modernisierte Waggons werden in den Zugfahrten von Deine Bahnlinien (TLK) und InterCity (IC) benutzt. Wie groß der Zuschuss werden soll, ist noch unklar. Die Annahme des Anhangs ist mit der Änderung der Höhe langjähriger Verpflichtungen des Staatshaushalts verbunden. PKP Intercity bewirbt sich auch um eine Finanzierungshilfe der Schienenfahrzeugprojekte aus EU-Mit-

teln, deswegen kann man die Höhe des Zuschusses vom Staat zurzeit noch nicht bestimmen. Im Wettbewerb des europäischen Zentrums für Transportprojekte kämpft PKP Intercity um 700 Millionen Zloty. von Paulina Kuc

In Polen baut man neue Straßen Im Rahmen „Des Bauprogramms der Landesstraßen für die Jahre 2014 bis 2023 (mit Perspektive bis 2025)“ werden zurzeit 92 Investitionen realisiert, deren Wert 48,7 Milliarden Zloty beträgt. Die Länge der gebauten Straßen erreicht 1250 km.

A

ktuell wurden die Arbeiten an 19 Strecken beendet, 51 also 694 km sind noch im Laufe der Ausschreibungsverfahren. Die meisten Straßen sollen bis 2023 fertig werden, darunter auch die A1 oder die Umgehungsstraße von Warschau auf der A2 nach Siedlce. Die polnische Regierung hat im Juli eine Aktualisierung des Programms bewilligt, sodass das Ausgabelimit für die Straßeninfrastruktur von 107 Milliarden Zloty auf 135 Milliarden Zloty stieg. Man hat auch ein zusätzliches Budget für die Investitionen auf der Strecke Via Carpatia bewilligt, also auf dem ganzen Abschnitt der S19 auf polnischem Terrain. Man wird die Autobahn A2 von Mińsk Mazowiecki bis Biała Podlaska, die S17 von Piaski bis zum ukrainischem Hrebenne, die S3 von Troszyn bis Swinemünde und von Bolkenhain bis Liebau bauen. von Paulina Kuc


24  Wirtschaft

Wie sicher sind die Nahrungsmittel in Polen? Polen konnte sich um zwei Plätze im Global Food Security Index steigern und belegt global den 27. Platz.

P

olen steigert sich im Ranking, welches von Economist Intelligence Unit und dem Chemiekonzern DuPont vorbereitet wird, regelmäßig seit 2014. In diesem Jahr erreichte man mit insgesamt 74,1 Punkten von 100 möglichen den 27. Platz unter allen Ländern auf der Welt und den 17. Platz in der europäischen Zusammenstellung. Die Sicherheit der Nahrungsmittel hat man insgesamt in 113 Länder anhand von 18 Indikatoren, die in drei Hauptkategorien fallen, gemessen. Die höchste Punktzahl bekam Polen für die Ernährungsstandards, den Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten für Landwirte, sowie das Vorhandensein von Programmen für die Lebensmittelsicherheit. Sehr gut hat man auch im Bereich des Anteils der unter der Armutsgrenze lebenden Bevölkerung (99,7 Punkte) und Nahrungsmittelsicherheit (98,6 Pkt.) abgeschnitten. Weniger erfreulich ist wiederum die Bewertung innerhalb der Volatilität der Agrarproduktion, landwirtschaftlichen Infrastruktur sowie der politischen Stabilität. Deutlich besser als Polen haben u.a. Länder aus dem deutschsprachigen Raum abgeschnitten. Die Schweiz ergatterte den 12. Platz und Österreich den 11. Deutschland schaffte es in die Top-10 und belegte Platz 7. In Sachen Ernährungssicherheit ist Irland der Spitzenreiter, mit einer Gesamtpunktzahl von 85,6. Auf die Iren folgen die US-Amerikaner (84,6) und die Briten (84,2). von Paulina Kuc


Wirtschaft 25


26  #Ratgeber

Arbeitsverträge in Polen Zum Autor: Aleksander Giehsmann, in Polen als Rechtsanwalt zugelassen. Er führt eine Rechtsanwaltskanzlei mit Sitz in Wrocław und Kędzierzyn-Koźle, die kleine und mittlere Unternehmen bei der Unternehmensführung rechtlich begleitet. www.adwokat-agk.pl

Viele ausländische Unternehmen entdecken den polnischen Markt für sich. Da die Mehrheit der Unternehmen ohne Arbeitskräfte nicht funktionieren kann, werden auch viele Arbeitsverträge abgeschlossen. In Polen wie in Deutschland herrscht grds. die Vertragsfreiheit, auch im Arbeitsrecht. Dies bedeutet aber nicht, dass ein Arbeitsvertrag frei gestaltet werden kann. Um keinen negativen Konsequenzen ausgesetzt zu werden, sollen die Arbeitgeber zumindest einige Aspekte beim Arbeitsvertragsabschluss beachten.

Arbeitsrecht in Polen Die wichtigsten Vorschriften über das polnische Arbeitsrecht befinden sich im polnischen Arbeitsgesetzbuch. Das Arbeitsgesetzbuch beinhaltet insbesondere die Vorschriften, die die Grundzüge des Arbeitsverhältnisses zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer regeln. Aufgrund des Arbeitsverhältnisses verpflichtet sich der Arbeitnehmer persönlich eine bestimmte Arbeitsleistung zugunsten des Arbeitgebers und unter dessen Leitung, an dem durch ihn vorgegebenen Ort und in der durch ihn bestimmten Zeit, zu leisten. Der Arbeitgeber hingegen verpflichtet sich zur Beschäftigung des Arbeitnehmers gegen Entgelt. Ist eine der oben genannten Voraussetzungen des Arbeitsverhältnisses nicht erfüllt, so muss man davon ausgehen, dass kein Arbeitsvertrag, sondern lediglich ein zivilrechtliches Beschäftigungsverhältnis abgeschlossen wurde. Meistens ist dann mit einem Werkvertrag oder Auftragsvertrag zu rechnen. Im Falle von solchen Verträgen stehen dem Arbeitnehmer z.B. kein Recht auf Urlaub und auf Mutterschutz sowie keine Kündigungsschutzrechte zu. Auf der anderen Seite, wenn alle oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind, schließt der Arbeitgeber aber mit seinem Untergebenen den Arbeitsvertrag nicht ab, so ist der Letztere berechtigt, doch alle arbeitsrechtlichen Rechte zu verlangen.

Der Arbeitsvertrag Jeder Arbeitsvertrag soll in schriftlicher Form abgeschlossen werden. Er soll die Vertragsparteien, die Art des Vertrages, das Abschlussdatum und das Datum des Arbeitsbeginns sowie die Arbeits- und Vergütungskonditionen, insbesondere die Angaben zur Arbeitszeit, umfassen. Ist der Arbeitsvertrag nicht schriftlich abgeschlossen worden, so ist der Arbeitgeber verpflichtet, spätestens am Tage der Arbeitsaufnahme durch den Arbeitnehmer, ihm die Vereinbarungen bezüglich der Vertragsart, der Vertragsparteien und der Vertragsbedingungen schriftlich zu bestätigen. Es ist wichtig dies zu beachten, denn im Streitfall entscheidet das Gericht über den Vertragsinhalt. Man muss auch beachten, dass die Bestimmungen der Arbeitsverträge und der sonstigen Akte, auf deren Grundlage ein Arbeitsverhältnis besteht, nicht von den Vorschriften des Arbeitsrechts zum Nachteil des Arbeitnehmers abweichen dürfen. An Stelle solcher Bestimmungen treten die entsprechenden Vorschriften des Arbeitsrechts in den Vordergrund.

Arten der Arbeitsverträge Das Arbeitsgesetzbuch unterscheidet folgende Arten der Arbeitsverträge: Arbeitsvertrag auf Probe, befristeter Arbeitsvertrag und unbefristeter Arbeitsvertrag. Im Gegensatz zum deutschen Arbeitsrecht, welches die Vereinbarung einer Probezeit in einem „normalen“ Arbeitsvertrag zulässt, handelt es sich beim polnischen Arbeitsvertrag auf Probe um einen


#Ratgeber 27 selbständigen Vertrag. In einem solchen Vertrag kann keine längere Probezeit als bis zu maximal 3 Monaten vereinbart werden. In dieser Zeit hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, sich ein Bild über die Kompetenzen des Arbeitnehmers zu machen. Der erneute Abschluss eines Arbeitsvertrags auf Probe ist daher grds. unzulässig. Die Ausnahmen hierzu sind, dass der Arbeitnehmer zur Erfüllung einer anderen Art der Arbeit eingestellt wird oder dass das vorherige Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer vor mehr als 3 Jahren beendet wurde. Der polnische Gesetzgeber sieht auch die Möglichkeit vor, einen befristeten Arbeitsvertrag abzuschließen. Die maximale Dauer des Arbeitsverhältnisses aufgrund eines oder mehrerer befristeten Arbeitsverträge darf nicht 33 Monate überschreiten. Der Arbeitgeber darf auch nur 3 befristete Arbeitsverträge mit demselben Arbeitnehmer abschließen. Nach Ablauf von 33 Monaten oder nach dem Abschluss eines 4. Arbeitsvertrages auf befristete Zeit, wandelt sich solch ein Vertrag in einen unbefristeten Arbeitsvertrag um. Diese Folge tritt nur dann nicht ein, wenn der befristete Arbeitsvertrag zu folgenden Zwecken abgeschlossen wird: 1) Vertretung eines Arbeitnehmers während seiner entschuldigten Abwesenheit, 2) Ausübung von Gelegenheits- und Saisonarbeit, 3) Ausübung von Arbeit während einer Amtszeit, sowie: wenn objektive Gründe bestehen, die darauf schließen lassen, dass der Vertrag zwecks der Erfüllung einer periodischen Aufgabe abgeschlossen wurde. Alle anderen Arbeitsverträge gelten als unbefristete Arbeitsverträge.

Kündigungsfristen Jeder Arbeitsvertrag kann durch eine Erklärung jeder Partei unter Einhaltung der Kündigungsfrist gekündigt werden. Das polnische Arbeitsgesetzbuch sieht folgende Kündigungsfristen für Arbeitsverträge auf Probe vor: 1) 3 Werktage, wenn die Probezeit nicht 2 Wochen überschreitet, 2) 1 Woche, wenn die Probezeit mehr als 2 Wochen beträgt, 3) 2 Wochen, wenn die Probezeit 3 Monate beträgt. Für befristete und unbefristete Arbeitsverträge beträgt die Kündigunsfrist: 1) 2 Wochen, wenn der Arbeitnehmer kürzer als 6 Monate beschäftigt war, 2) 1 Monat, wenn der Arbeitnehmer mindestens 6 Monate beschäftigt war, 3) 3 Monate, wenn der Arbeitnehmer mindestens 3 Jahre beschäftigt war. Jede Partei kann den Vertrag auch ohne Einhaltung der Kündigungsfrist kündigen. Insbesondere darf der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag wegen Verschuldens des Arbeitnehmers auch ohne Einhaltung der Kündigungsfrist auflösen. Wichtig dabei ist, dass die Auflösung des Arbeitsvertrages ohne Einhaltung der Kündigungsfrist nicht nach Ablauf eines Monats ab dem Zeitpunkt erfolgen kann, in dem der Arbeitgeber von den Umständen erfahren hat, die diese Auflösung rechtfertigen. Davon abgesehen, kann der Vertrag auch aufgrund einer Vereinbarung der Parteien aufgelöst werden.

Konditionen des Arbeitsverhältnisses In Polen beträgt die Arbeitszeit 8 Stunden täglich bzw. durchschnittlich 40 Stunden wöchentlich bei einer fünftägigen Arbeitswoche. Die wöchentliche Arbeitszeit, samt Überstunden, darf durchschnittlich nicht 48 Stunden überschreiten. Die maximale Zahl der Überstunden im Jahr darf nicht 150 Stunden überschreiten. Jedem Arbeitnehmer müssen täglich elf Stunden bzw. wöchentlich 35 Stunden zur ununterbrochenen Erholung gewährt werden. Bei einer durchgehenden Arbeit von 6 Stunden steht dem Arbeitnehmer auch einen Anspruch auf eine 15-minutige bezahlte Pause zu. Die Dauer des Erholungsurlaubs eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers beträgt im Jahr 20 Tage, soweit der Arbeitnehmer insgesamt kürzer als 10 Jahre aufgrund eines Arbeitsvertrages gearbeitet hat, und 26 Tage, soweit der Arbeitnehmer mindestens 10 Jahre gearbeitet hat. Oben wurden die wichtigsten Informationen über das polnische Arbeitsrecht aufgezählt. Die Beachtung dieser Regelungen sollte den Arbeitgebern ermöglichen, negativen Konsequenzen die sich aus dem Arbeitsverhältnis ergeben können, aus dem Weg zu gehen. Das Arbeitsrecht ist aber eine sehr umfangreiche und schwierige Materie. Bei komplexen Fragestellungen lohnt es sich daher, an einen anwaltlichen Berater zu wenden.


28  Politik

Sollen die Geschäfte am Sonntag zu bleiben? Die polnische Regierung will den Handel am Sonntag einschränken. Diese Idee spaltet die Gesellschaft, was aus einer Umfrage des Meinungsinstituts IBRiS hervorgeht.

D

ie Befürworter des Handelsverbotes am Sonntag unterstützen zwar die Idee, aber es herrscht alles andere als Einigkeit in Bezug auf konkrete Lösungen. Rund 30% der Befragten wollen ein absolutes Handelsverbot, nach dem Projekt der Gewerkschaft Solidarnosc. Das Regierungskabinett

will jedoch eine solch drastische Veränderung nicht. Für die Politiker würde dementsprechend ein Kompromiss mit einem Handelsverbot am Sonntag zwei Mal pro Monat in Frage kommen. Diese Idee wird jedoch nur von 9% der Umfrageteilnehmer unterstützt. Weitere 9% wollen, dass die Geschäfte nur ei-

nen Sonntag im Monat geschlossen bleiben und 3% wollen, dass sie wiederum einmal geöffnet sind.

Das Projekt der Regierung (zwei Sonntage mit geöffneten Geschäften pro Monat) wird größtenteils kritisch beurteilt. Mit "eher

schlecht" schlecht" Vorschlag Befragten

gestellt. Die Zahl der Anhänger wurde von IBRiS auf 31% beziffert.

(22%) und "eindeutig (41%), bekommt der von insgesamt 61% der eine schlechte Note aus-

43% der Polen stellten sich in der Umfrage, die von IBRiS für das Blatt Rzeczpospolita durchgeführt wurde, gegen das Handelsverbot am Sonntag.

von Anna Rosenthal


Politik 29

Winterzeit vor dem Aus? Das Projekt der Volkspartei PSL wird von allen Sejm-Fraktionen unterstützt.

K

ünftig soll die Sommerzeit für das ganze Jahr gelten. Nach dem Projekt von PSL wird in Polen also die mitteleuropäische Sommerzeit gelten. Die Kommission für Verwaltung und innere Angelegenheiten hat den Vorschlag bereits angenommen, jetzt wird ihr Bericht allen Abgeordneten vorgestellt und beraten. Laut den Autoren des neuen Projekts soll die Abschaffung der Winterzeit Möglichkeiten schaffen, effektiver das Tageslicht zu nutzen und bei der Energiesparsamkeit helfen. Laut den PSL-Abgeordneten wird auch die biologische Uhr des Menschen verstellt, was sich schlecht auf das Befinden auswirkt. Manche Wissenschaftler behaupten

sogar, dass solch eine Manipulation einen Zeitschock verursacht, der einen schlechten Einfluss auf die körperliche und psychische Gesundheit hat, was der Grund vieler Krankheiten ist. Gemäß dem Bericht „Zła zmiana“ der Republikanischen Stiftung und des Verbands KoLiber verursacht der Zeitwechsel ein größeres Risiko von Herzinfarkten, mehr Autounfälle, Schlafstörungen, Befinden und Schwankungen der Laune. Die Politiker der Volkspartei sehen hier auch Schwierigkeiten für Unternehmen, besonders in der Transport- und Bankbranche. Auch Züge und Flugzeuge müssen mit der Zeitumstellung zurechtkommen und entweder eine Stunde Pause einlegen oder den Fahrplan ändern.

Die Winter- und Sommerzeit gilt in Polen seit 1977. 2017 fand der Zeitwechsel in der Nacht vom 28. auf den 29. Oktober statt, die Uhr wurde dann um eine Stunde nach hinten verschoben, von 3 Uhr auf 2 Uhr. Die Polen schliefen also eine Stunde länger. Ende März wird die Zeit dann schließlich wieder umgestellt. von Paulina Kuc


30  Wirtschaft

Gesetzproduktion auf der Bremse Im dritten Quartal 2017 wurden insgesamt 4.244 Seiten Typoskript von Gesetzen rechtskräftig. Dies bedeutet einen Rückgang um 45,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum - berichtet Grant Thornton im neuesten Barometer zur Stabilität der Rechtslage in der polnischen Wirtschaft.

S

eit 2015 wird die Produktion von Gesetzen in Polen intensiv von Grand Thornton beobachtet. Die Ergebnisse dieser Forschung werden einmal im Jahr im sog. Barometer zur Stabilität der Rechtslage in der polnischen Wirtschaft veröffentlicht. Vierteljährlich wird der Stand der Rechtslage an der Weichsel in Kürze nähergebracht. Die Schlüsse, die man aus der neuesten Auswertung von dem Beratungsunternehmen ziehen kann, sind überraschend recht optimistisch. Trotz der Tatsache, dass in den letzten Jahren die Gesetzproduktion ständig zunahm, kann man mit Blick auf das dritte Quartal von einer echten Kehrwende sprechen. Zwischen Anfang Juli und Ende September wurden 508 Rechtsakte verabschiedet, die sich aus 4.244 Seiten Typoskript zusammengesetzt haben. Das bedeutet einen Rückgang um 45,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (damals waren es noch 7816 Seiten). Tomasz Wróblewski von Grand Thornton meint, dass diese Entwicklung als eine gute Nachricht für die Wirtschaft wahrgenommen werden kann. Gleichzeitig warnt er jedoch vor voreiliger Freude, denn ein solcher Rückgang wurde bereits

verzeichnet, es handelte sich dabei nur um eine Abweichung vom Trend. Auch diesmal deutet wenig darauf, dass diese Entwicklung länger anhalten wird. Zwar wurden Gesetze im dritten Vierteljahr 2017 nicht mehr im Expresstempo verabschiedet, dennoch ist das Ausmaß des Phänomens allgemein hoch. Statistisch gesehen werden an einem Arbeitstag laut Grant Thornton in Polen 9 Rechtsakte, also umgerechnet 76 Seiten Typoskript rechtskräftig. Theoretisch sollten sich damit zumindest oberflächlich alle Unternehmer, die ihre Geschäfte an der Weichsel abwickeln, bekannt machen. Wenn man das Ganze mit Blick auf die ersten neun Monaten des Jahres betrachtet, fällt einem schnell ins Auge, dass im diesen Zeitraum laut Grand Thornton 22.317 Seiten Typoskript von Rechtsakten verabschiedet wurden. Umgerechnet ist das immer noch 8,3% mehr als im selben Zeitraum im Vorjahr (damals waren es noch 20.612 Seiten). Grant Thornton erinnert an dieser Stelle, dass man im vergangenen Jahr einen neuen Rekord bezüglich der Gesetzproduktion aufgestellt

hat. 2016 sind insgesamt 31,9 Tsd. Seiten Typoskript von Rechtsakten in Kraft getreten. Sollte man heuer das Durchschnittstempo der ersten neun Monaten halten, wird 2017 mit 34,6 Tsd. Seiten ein neuer Rekord aufgestellt. Es kann auch passieren, dass das schwarze Szenario letztendlich nicht eintritt und die Gesetzproduktion auch im vierten Quartal 2017 ein ähnliches Niveau wie im dritten erreicht. Sollte sich dies bewahrheiten, wäre das Jahr 2017 das erste seit 2011, in dem weniger Seiten Gesetze verabschiedet worden sind als im Vorjahr. Dies wäre die lang ersehnte Durchschnaufspause für Unternehmer. Die Unbeständigkeit des polnischen Rechtssystems bremst die polnischen Unternehmer, bremst deren Entwicklung und schließlich das Wachstum. Ob das Bürokratiemonster, zu dem sich Polen entwickelt, bereits in diesem Jahr bezähmt wird, wird sich zeigen. Doch so langsam begreifen anscheinend alle Beteiligten, dass die Überproduktion von Gesetzen unter der Fuchtel gehalten werden muss. Einen ersten Funken Hoffnung, dass dies tatsächlich eintritt, hat man nun. von Piotr Piela


Politik 31

Alkotest im polnischen Parlament? Pawel Kukiz von der Bewegung Kukiz 15 will, dass neben dem Rednerpult im polnischen Sejm ein Alkomat installiert wird.

D

ie Sache nimmt ihre Wurzeln aus dem Skandal rund um den Alkoholverkauf im polnischen Parlament. Wie sich später zeigte, verkaufte eine Bar im Sejm Spirituosen, nachdem ihre Konzession bereits erloschen war. Die Sache wird von der Sejmkanzlei untersucht, rechtliche Schritte wurden ebenfalls eingeleitet. Politiker der Bewegung Kukiz 15 setzten sich für ein Alkoholver-

bot auf dem Sejmgelände ein. Der Sejm Vizemarschall (Tyszka) will sogar entsprechende Veränderungen im Parlamentsregelement vornehmen. Einen Schritt weiter will Pawel Kukiz gehen, der dem Sejmmarschall einen Alkomat zu Verfügung stellen will. In bin der Meinung, dass ein Alkoholverbot auf dem Sejmgelände keine Lösung ist. Immerhin kann man einen doppelten Wodka au-

ßerhalb des Parlaments trinken, eine Viertelstunde bevor man aufs Rednerpult tritt - so Kukiz auf seiner Facebookseite. Der Politiker will, dass der Sejm Marschall jeden Abgeordneten auf Alkoholkonsum testen kann. Der Alkoholkonsum ist während der Arbeit in keinem Betrieb in Polen zugelassen. Warum sollte der Sejm eine Ausnahme sein? - so der Politiker. von Rafał Stelmaszewski

Ende der illegalen Kassenbons Das polnische Finanzamt will den Steuerbetrügen, die auf der Basis der Abrechnung fremder Kassenbons beruhen, ein Ende setzen.

E

ine Rechnung bekommt man bald nur, wenn auf dem Kassenbon die Umsatzsteueridentifikationsnummer steht. So will es das polnische Finanzministerium, um dem Kauf fremder Kosten vorzubeugen. Hier geht es um Quittungen, die von den Kunden nicht genommen werden und die der Verkäufer sammelt und dann einem Unternehmer verkauft. Der stellt dann eine Rechnung auf, zieht die Mehrwertsteuer ab und zählt die Nettokosten zur Einkommenssteuer/Körperschaftssteuer hinzu. Um solchen Machenschaften vorzubeugen, wird der Unternehmer einen Kassenbon nur auf eine Rechnung auswechseln können, wenn auf dieser seine Umsatzsteueridentifikationsnummer steht. Die Transaktion soll also mit dem Käufer verbunden sein. Die Verkäufer, die eine Registrierkasse mit der Möglichkeit des Druckens von Quittungen mit der Umsatzsteueridentifikationsnummer besitzen, müssen keinen neue kaufen. Gemäß dem Gesetz, das seit vier Jahren die Pflicht der Produktion solcher Kassen auflegt, werden nur die alten ausgewechselt werden müssen. Diejenigen, die nicht im Besitz solcher Kasse sind, werden eine kaufen oder gleich Rechnungen ausstellen müssen. Das Finanzministerium plant das Inkrafttreten des neuen Rechts im ersten Quartal 2018. von Paulina Kuc


Internationale Wirtschaftskonferenz Schlesien

Koszęcin 24.11.2017

Patronat honorowy / Ehrenschirmherrschaft

Konsul Niemiec w Opolu / Konsulin der Bundesrepublik Deutschland

Patronat / Schirmherrschaft

Marszałek Województwa Opolskiego / Marschall der Woiwodschaft Oppeln

Marszałek Województwa Śląskiego / Marschall der Woiwodschaft Schlesien

Partnerzy / fördernde Organisationen

Organizatorzy / Veranstalter

Patronat medialny / Medienpartnerschaft


Internationale Wirtschaftskonferenz Schlesien Koszęcin 24.11.2017

Programm 8:15-9:15 Anmeldung der Teilnehmer 9:15 – 11:45 Ausschuss der Kammerunion Elbe/Oder: „Duale Ausbildung”

Vortragende: Kevin Kaiser - Kommissionsvorsitzender, Prof. Zygmunt Przybycin - Wirtschaftsuniversität Kattowitz, Stanisław Owczarek Wirtschaftskammer ZIG, Prof. Anna Król - Technische Hochschule in Oppeln

Verkehrsausschuss der Kammerunion Elbe/Oder: „Darstellung der Angaben zur Entwicklung des Straßen- und Bahnverkehrs sowie der Binnenschifffahrt in den letzten 20 Jahren / Entwicklungsrichtungen des Verkehrs innerhalb der nächsten 25-50 Jahre” Vortragende: Prof. Andrzej Bujak, Ryszard Galla - Sejmabgeordneter, Dr. Witold Potwora, Alexander Knapczyk - Wirtschaftskammer Cottbus

„Die Eröffnung der Niederschlesischen Eisenbahnmagistrale in Deutschland im nächsten Jahr - Die neue Hochleistungsfähige Schienenverbindung zwischen Rotterdam/Hamburg - Horka - Breslau und weiter bis nach Russland und Asien” Vortragende: Jens Krause - stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus

„Das deutsche Fahrpersonalrecht - was haben polnische Unternehmer in Deutschland zu beachten” Vortragende: Göran Kronberg

11:45-12:00 Kaffeepause 12:00-13:00 „Chancen und Risiken für die Tätigkeit der Wirtschaftskammern bei der Einführung der Pflichtmitgliedschaf ” Debatte

Moderator: Sven Erichson - Wirtschaftskammer Magdeburg, Tomasz Zjawiony - Wirtschaftskammer Kattowitz

13:00-13:15 Kaffeepause 13:15–13:45 „Aktive Förderung von polnischen Unternehmen auf den deutschsprachigen Märkten” PolenJournal.de, Panel I

Punkt.Media, Projekt-Profi

Dorota Michniewicz-Rybarz i Piotr Piela SC Media

13:45-14:45 „Probleme polnischer Unternehmen auf dem deutschen Markt und ihre Lösungsmöglichkeiten” Panel II

Smuda Consulting

„Versicherungen polnischer Unternehmen in Deutschland ” Oliver Botto - Exspert Smuda Consulting

15:00-16:00 Mittagspause 16:00 – 16:45 „Expansion chinesischer Unternehmen auf den westlichen Markt. Chancen oder Risiken für polnische und deutsche Debatte

Unternehmen”

Vortragende: Sven Erichson, Prof. Zygmunt Przybycien, Dr. Witold Potwora

16:45-18:30 „Die Außenfinanzierung als ein Werkzeug der Steueroptimierung. Gewinnungsmöglichkeiten von externen Mitteln” Panel III

Vortragende: Katarzyna Nagły, Dr. Witold Potwora, Roland Wrzeciono Oppelner Zentrum für Wirtschaftsentwicklung, Arnold Czech - Stiftung für die Entwicklung Schlesiens

18:30-19:00 Kaffeepause 19:00-20:00 Galakonzert des Tanz- und Gesangensembles Śląsk 20:15 Festbankett Während der Konferenz wird eine Kooperationsbörse für die Unternehmen aus Polen und Deutschland durchgeführt, deren Ziel es ist, Zusammenarbeit aufzunehmen und Geschäftskontakte zu erweitern. Die Börse findet am Freitag von 10 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 13 Uhr statt.

Wichtig!

Hinweis: Die Veranstaltung wird in Bild und Ton aufgezeichnet. Die Teilnahme an der Konferenz schließt Ihr Einverständnis für die Bild- und Tonaufzeichnung sowie deren Veröffentlichung auf den Internetseiten der Veranstalter und der Medienpartner ein.


Międzynarodowa Konferencja Gospodarcza Śląsk Koszęcin 24.11.2017

Program 8:15-9:15 Rejestracja uczestników 9:15 – 11:45 Komisje Unii Izb Odry i Łaby „Kształcenie dualne”

Prelegenci: Kevin Kaiser - Przewodniczący Komisji, prof. Zygmunt Przybycin - UE Katowice, Stanisław Owczarek - ZIG, prof. Anna Król - Politechnika Opolska

„Prezentacja danych o rozwoju transportu drogowego, kolejowego i rzecznego na przestrzeni ostatnich 20 lat oraz kierunków rozwoju transportu w perspektywie 25-50 lat” Prelegenci: Prof. Andrzej Bujak, Ryszard Galla – Poseł do Parlamentu RP, dr Witlod Potwora, Alexander Knapczyk - IG Cottbus

Przyszłoroczne otwarcie dolnośląskiej magistrali kolejowej w Niemczech. Nowe wysokiej wydajności połączenie kolejowe pomiędzy Roterdamem/Hamburgiem - Horka - Wrocławiem i dalej do Rosji i Azji” Prelegent: Jens Krause - zastępca Prezesa Izby Przemysłowo-Gospodarczej Cottbus

„Niemieckie prawo - jakich przepisów muszą przestrzegać polscy przewoźnicy w Niemczech?” Prelegent: Göran Kronberg

11:45-12:00 Przerwa kawowa 12:00-13:00 „Szanse i zagrożenia w funkcjonowaniu izb gospodarczych w przypadku wprowadzenia nowych zasad obowiązkowej debata

przynależności”

Prowadzący: Sven Erichson - IG Magdeburg, Tomasz Zjawiony - RIG Katowice

13:00-13:15 Przerwa kawowa 13:15–13:45 „Aktywna promocja polskich podmiotów gospodarczych na rynkach niemieckojęzycznych” PolenJournal.de, panel I

Punkt.Media, Projekt-Profi

Dorota Michniewicz-Rybarz i Piotr Piela SC Media

13:45-14:45 „Problemy polskich firm na rynku niemieckim i sposoby ich rozwiązywania” panel II

Smuda Consulting

„Ubezpieczenia polskich firm w Niemczech” Oliver Botto - ekspert Smuda Consulting

15:00-16:00 Przerwa obiadowa 16:00-16:45 „Ekspansja firm chińskich na rynek zachodni. Zagrożenia czy korzyści dla polskich i niemieckich firm” debata

Prelegenci m.in.: Sven Erichson, prof. Zygmunt Przybycin, dr Witold Potwora

16:45 – 18:30 „Finansowanie zewnętrzne jako narzędzie optymalizacji. Możliwości pozyskania środków zewnętrznych” panel III

Prelegenci: Katarzyna Nagły, dr Witold Potwora, Roland Wrzeciono OCRG i eksperci z Niemiec, Arnold Czech - FRŚ

18:30-19:00 Przerwa kawowa 19:00-20:00 Koncert Zespołu Pieśni i Tańca Śląsk 20:15 Uroczysty bankiet W czasie konferencji prowadzona będzie Giełda Kooperacyjna podmiotów gospodarczych z Polski i Niemiec celem nawiązania współpracy i rozwoju kontaktów gospodarczych. Giełda odbędzie się w piątek w godzinach od 10.00 - 19.00.

UWAGA!

W czasie konferencji prowadzona będzie rejestracja wideo. Organizatorzy zastrzegają sobie prawo prezentacji zarejestrowanego materiału na portalach internetowych organizatorów i patronów medialnych.


Wirtschaft 35

Sehenswertes in Koszęcin Koszęcin (dt. Koschentin) ist eine kleine Ortschaft, die in der Woiwodschaft Schlesien liegt, nicht weit von den Metropolen Kattowitz oder Gleiwitz entfernt.

E

in ruhiger Ort, der einige interessante Bauten beherbergt. Geschichts- und Architekturliebhaber kommen auf ihre Kosten. Die ersten Erwähnungen stammen bereits aus dem 13. Jh. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist der Palast. Seine Anfänge reichen tief ins Mittelalter zurück. Zuerst residierten die lokalen Herrscher in einem hölzernen Gebäude, welches im 16 Jh. abbrannte. Das heutige Gebäude wurde später im 17. Jh. erbaut. In der Vergangenheit wechselte es oft seine Besitzer, um im 18. Jh. in die Hände des Geschlechts Hohenlohe-Ingelfinger zu gelangen. Erst diese Familie gab dem Schloss das heutige klassizistische Aussehen. Es ist bis heute eines der größten neoklassizistischen Komplexe im Land. Aus

dieser Zeit stammen auch die erhaltenen Wandmalereien und Grabinschriften in der Schlosskapelle. Gleich neben dem Schloss befindet sich ein Park, wo man in aller Ruhe die Natur bewundern kann. Den Palast kann man nicht nur besichtigen; sein Angebot reicht von Übernachtungen zu Organisation von Konferenzen. Seit 1953 ist er Sitz des in Polen berühmten Tanzund Gesangsensemble „Śląsk“ patr. Stanisław Hadyna (Zespół Pieśni i Tańca „Śląsk“ im. Stanisława Hadyny), der in seinem Repertoire u. a. traditionelle polnische Tänze und Lieder anzubieten hat. Nach dem Palast sind im Ort die Kirchen die wichtigsten Gebäude. Die jüngere der beiden Kirchen, die Herz-Jesu-Kirche ist aus Backstein-

ziegeln erbaut worden. Sie wurde größtenteils von dem Prinzen Karl-Gottfried zu Hohenlohe-Ingelfingen gestiftet, der auch der letzte Eigentümer von Koszecin gewesen ist. Die prachtvolle neogotische Baut begeistert in architektonischer Hinsicht. Seit ihrer Erbauung wurde ihr Aussehen praktisch nicht verändert. Die ältere Trinitätskirche stammt aus dem 18. Jh. Sie ist eine orientierte, im Blockbau errichtete Schrotholzkirche. Sie besitzt wunderschöne Altäre die aus dieser Zeit stammen, leider wurden viele der sich ursprünglich in der Kirche befindenden Figuren gestohlen und manche befinden sich im Museum in Kattowitz, trotz dessen ist das Gotteshaus sehenswert. von Ramona Nocoń


36  Koszęcin 2017

Die Oder könnte zu einer deutsch-polnischen Autobahn werden Mit dem Sejm-Abgeordneten Ryszard Galla sprach Krzysztof Świerc. Schon lange wird in Polen über die Schiffbarmachung der Oder diskutiert. Leider blieb es dabei bislang immer bei Diskussionen, denn man hat über all die Jahre nur wenig bei dem Thema unternommen.

Denn die Regierung hat mittlerweile ein erhebliches Interesse an der Schiffbarmachung der Oder gefunden und nicht zuletzt deshalb ein Ministerium für Seewirtschaft und Binnenschifffahrt ins Leben gerufen.

Das stimmt. Man konzentrierte sich vor allem darauf, Schutzeinrichtungen gegen Überschwemmungen zu bauen und den Fluss ein weinig zu regulieren. Zum Glück ist für den Personenkreis, dem die Schiffbarmachung ein wichtiges Anliegen ist, das Thema stets hochaktuell geblieben und wir sehen nun auch die ersten positiven Ergebnisse.

Vielleicht ist das aber nur eine Fassade, hinter der sich nur wenig Substanzielles verbirgt?

Ryszard Galla

Das müssen wir zunächst einmal abwarten. Es gibt aber schon heute welche, die sagen, dass die Oder seit einiger Zeit zunehmend schiffbarer wird! Zum Teil stimme ich dieser Meinung auch zu, obwohl

mir natürlich klar ist, dass eine Reihe von Dingen, die unmittelbar mit der Oder zusammenhängen, weiterhin konsequent wiederaufgebaut werden müssen. Tatsache ist allerdings, dass im oberen Flussverlauf, und zwar am Abschnitt zwischen dem Gleiwitzer Kanal und dem Breslauer Wasserknoten, der Oder bereits reguliert ist und es bleibt nur noch, die Staustufe in Maltsch fertigzustellen sowie die freifließende Oder zu modernisieren. Bedenkt man aber, was bislang schon unternommen worden ist, so kann man ruhig sagen, dass die Schiffbarkeit der Oder möglich ist!


Koszęcin 2017  37 Natürlich gehören hierzu noch eine entsprechende Hafeninfrastruktur, Waren, Transportunternehmen etc. Ja, es ist tatsächlich etwas ins Rollen gekommen. Nicht zuletzt im Hafen Kandrzin-Cosel ist eine zunehmende Belebung erkennbar. Und ich sage noch mehr: Es ist eine sehr große Belebung, denn der Hafen hat jetzt einen neuen Investor, der dort ganz konkrete Maßnahmen unternommen hat, durch die in absehbarer Zeit ein Teil der Hafenanlagen in Betrieb bleiben wird. Parallel dazu spielen Großunternehmen wie z.B. das Kraftwerk Oppeln oder das Kraftwerk Dolna Odra mit dem Gedanken, die Hauptlast ihrer Beschaffungstransporte beispielsweise bei Kohle von der Straße und Schiene auf den Wasserweg zu verlegen. Auch das ist ein Beweis dafür, dass hier die richtigen Maßnahmen getroffen werden. Es besteht für mich allerdings kein Zweifel daran, dass man bei all dem auch die Reihen schließen und die Mittel, die im Augenblick aufseiten des polnischen Staatshaushalts, der Europäischen Union sowie europäischer

Investment- und Förderbanken quasi gesichert sind, geschickt zu verwenden. Gleichzeitig muss man auch bereit und mobilisiert sein, um in den kommenden Jahren die geplanten bzw. noch zu planenden Investitionen rund um die Oder zügig zu realisieren. Werden wir die Oder irgendwann einmal mit dem Rhein, der Donau oder der Elbe vergleichen können? Folgendes ist hierbei zu beachten: Würde man die Schiffbarkeitsklassen der genannten Flüsse in Autobahnen übersetzen, so müsste man sagen, dass beispielsweise der Rhein und die Donau wie riesige internationale Wasserautobahnen sind, die durch mehrere Staaten fließen. Die Oder hingegen ist derzeit allenfalls eine inländische Wasserstraße, da wäre also ein direkter Vergleich fehl am Platz. Nichtsdestoweniger gilt: Wenn wir uns heute etwas in dieser Frage wünschen können, dann wünsche ich mir persönlich, dass aus der Oder das in ihr schlummernde enorme Potenzial hervorgeholt wird, so dass sie über den meisten Teil des Jahres schiffbar wird. Die Oder verhält sich nämlich ein wenig anders in der Winterzeit als etwa der Rhein, denn sie ist bei tiefen Temperaturen mitunter zugefroren. Dann müssen auch Eisbrecher her. Dies ist insbesondere im Grenzteil der Oder am Übergang mit Deutschland immer wieder der Fall. Bei dieser Frage wäre für uns wohl auch eine enge Zusammenarbeit mit den beim Thema Schiffbarkeit von Flüssen erfahrenen deutschen Bundesländern sinnvoll. Ganz besonders mit Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen oder sogar Berlin, denn auch von der deutschen Hauptstadt aus gelangt man ja über Kanäle an die Oder. An dieser Stelle möchte ich daran erinnern, dass es zwischen Deutschland und Polen einen Vertrag über die Instandhaltung des Grenzflusses Oder gibt. Dieser Vertrag müsste nun aber meines Erachtens neu bearbeitet werden und neben den bereits behandelten Punkten Versicherungen, Hochwasser und Winterzeiten auch die Themen Zukunft und Entwicklung der Oder beinhalten. Diesem Zweck dient den auch die Kammerunion Elbe/Oder, an der auch polnischer-

seits viele Partner beteiligt sind, darunter die Wirtschaftskammer „Schlesien”, die dazu beisteuert, dass die Oder in Zukunft tatsächlich eine deutsch-polnische Autobahn wird, was selbstverständlich sehr positiv wäre. Wie stellen Sie sich denn die Oder in sagen wir mal einem Jahrzehnt vor? Die nächste Finanzperspektive garantiert dafür hohe Geldmittel. Ein Fragezeichen ist dabei jedoch unser Potenzial, uns auf die Umsetzung der Aufgaben vorzubereiten. In unser optimistischen Version, dass alles erfolgreich gelingt, werden wir in zehn Jahren vermutlich von einem starken Entwicklungsimpuls in Sachen Schiffbarkeit sprechen können. Okay, aber die Schiffbarkeit in der Binnenschifffahrt ist ja nur ein Ausschnitt, bei dem Waren auf dem Wasserweg befördert werden können. Was ist mit den anderen Problemfragen Bereichen? Ja, absolut. Wie ich schon sagte, braucht man dazu auch eine geeignete Infrastruktur, damit die Ware jeweils rechtzeitig und in geeigneten Mengen die entsprechenden Häfen erreicht, wo sie dann auf Barken umgeladen wird, anschließend weiterfährt und letztlich wieder entladen wird. Ich denke aber, wenn innerhalb des Jahrzehnts die wichtigsten Aufgaben bewältigt werden, dann wird die Oder sicherlich sehr attraktiv werden, neben der polnischen Wirtschaft auch zum Beispiel für Tschechien. Warum chien?

ausgerechnet

Tsche-

Weil unsere südlichen Nachbarn früher einmal ein wichtiger Partner Polens für Warenlieferungen an die Häfen in Swinemünde und Stettin waren. In der Zeit jedoch, in der die Oder unschiffbar wurde, mussten sie ihre Waren per Straßen- oder Bahntransport an diese Häfen liefern und sind auch heute nicht gerade darüber erfreut. Sobald die Schiffbarkeit der Oder wieder reguliert ist, könnten diese Waren erneut ganz ruhig auf dem Wasserweg befördert werden, zumal dieser auch billiger und außerdem sicherer ist, von der Ökologie ganz zu schweigen.


38  Koszęcin 2017

Moderne Eisenbahninfrastruktur ein Muss Mit Ryszard Galla, dem Sejm-Abgeordneten der deutschen Minderheit in der Republik Polen, sprach Krzysztof Świerc Die Errichtung direkter Eisenbahnverbindungen auf der Strecke Berlin-Breslau-OppelnKattowitz bleibt Ihnen seit vielen Monaten wichtig. Weshalb setzen Sie sich so tatkräftig dafür ein? Eisenbahnverbindungen sind sehr wichtig für die europäische Integration und für eine gute Vernetzung Polens mit Europa. Es gibt inzwischen so gut wie gar keine Grenze zwischen Polen und Deutschland und die deutsch-polnischen Kontakte florieren geradezu, ob wirtschaftlich, privat oder politisch. Dies wiederum hat sehr starke und häufige Bewegungen von Menschen, Gütern, Dienstleistungen etc. zur Folge. Damit diese zügig und dynamisch stattfinden können, muss unbedingt eine moderne Eisenbahninfrastruktur geschaffen werden, die es mit den Straßen und Autobahnen aufnehmen kann, die heute Polen und Deutschland verbinden und mittlerweile sehr stark belastet sind. Zeitwiese ja sogar verstopft. So muss man beispielsweise auf der Autobahn A4 mitunter stundenlang im Stau stehen! Richtig, und dazu kommen ja noch Tage und Tageszeiten wie etwa der Freitagnachmittag in Richtung Polen und der Sonntagnachmittag bzw. Montagmorgen in Richtung Deutschland, wo diese Straßen ganz besonders starke beansprucht werden. Ich plädiere daher ausdrücklich und bemühe mich auch vor allem um die Schaffung eines Bahnverkehrs, der diese Straßen entlasten wird. Einen solchen hat es ja auch schon mal gegeben,

und zwar die Eisenbahnlinie Kattowitz-Oppeln-Breslau-Berlin. Das ist nicht zuletzt deshalb notwendig, weil diese Verbindung von enormer Bedeutung für viele Polen und Deutsche ist. Diese müssten sich dann nicht mehr per Auto auf diesem Abschnitt bewegen, sondern könnten auf die Bahn ausweichen. Zumal die Züge ja auch sicherer sind, mehr befördern können und auch noch umweltfreundlich sind, weil elektrifiziert. Wie wichtig das ist, hat auch ein ganz konkreter Test gezeigt, dessen Ergebnis mehr als zufriedenstellend ist. Erzählen Sie uns bitte etwas mehr darüber. Als im Jahr 2016 Breslau die Kulturhauptstadt Europas war, wurde eine Wochenendfahrt zwischen Berlin und Breslau eingerichtet und sie findet bis heute riesigen Zuspruch! Der große Nachteil dabei ist die leider nur sporadische Reisemöglichkeit auf dieser Route, was dem tatsächlichen Bedarf überhaupt nicht entspricht. Dieser ist so groß, dass die Verbindung ganz locker auch mehrmals pro Woche funktionieren könnte! Ich habe deshalb unlängst beim Infrastrukturminister angefragt, ob eine reguläre Verbindung Berlin-Breslau-Oppeln-Kattowitz geplant ist. Dabei hatte ich nicht zuletzt im Sinn, dass eine Unzahl von Menschen aus diesen Regionen in Deutschland arbeitet. Eine solche Verbindung würde ihnen die Reise zur Arbeit und dann wieder nachhause sowie auch Kontakte mit Angehörigen sehr erleichtern. Ich habe in dieser Materie aber auch einen persönlichen Vorschlag, und zwar, man könnte diese Sa-

che interessierten Transportfirmen überlassen, also z.B. der Deutsche Bahn, PKP Intercity und anderen Eisenbahnunternehmen, die sich dann schon selber um gute Angebote in punkto Reiseziele und Uhrzeiten kümmern würden, da dies ja auch in ihrem Interesse liegt. Der Kunde bevorzugt ja normalerweise Sicherheit, preiswerte Leistung und Komfort. Solche Bedingungen werden ganz bestimmt zu mehr Passagieren führen, die diese Verbindung dann in Anspruch nehmen. Ob der Beförderungsbedarf auf der Strecke Berlin-Kattowitz aber auch wirklich so groß ist? Ich betrachte das nicht mit dem Auge eines rechnenden Fachmannes, sondern eines Beobachters. Und da habe ich beispielsweise gemerkt, dass die Anzahl von Fahr-


Wirtschaft 39

zeugen mit einem Berliner Kennzeichen in Breslau oder Oppeln riesengroß ist! Außerdem reise ich oft selber in die deutsche Hauptstadt und sehe dort wiederum eine Unmenge von Autos mit polnischem Kennzeichen, zu einem beträchtlichen Teil mit einem aus den Woiwodschaften Niederschlesien, Oppeln und Schlesien. Auf dieser Grundlage wage ich zu behaupten, dass ein gutes und dichtes Eisenbahnangebot für eine Verbindung zwischen Berlin und Kattowitz sehr nützlich und auch voll ausgelastet sein wird. Zu bedenken sind dabei aber natürlich die Zeit, der Komfort und der Preis einer Reise. Sinnvoll wäre auch ein Morgenzug, der diejenigen Menschen nach Berlin bringt, die dort etwas zu erledigen haben. Mit diesem Zug könnten sie dann am Nachmittag oder am Abend ganz bequem wieder nach

Polen zurückkehren. Mich würde auch interessieren, was Ihre Anfrage an den Infrastrukturminister ergeben hat. Das Ministerium hat die Wichtigkeit der Angelegenheit eingeräumt, dabei aber frühestens die Zeit nach 2019 als realistisch für die Umsetzung genannt. Dafür soll die Route dann etwas verlängert werden, und zwar, sie soll bis nach Krakau führen. Das Thema ist übrigens zwischenzeitlich keineswegs auf Eis gelegt worden, die Gespräche darüber laufen die ganze Zeit. Vom Ministerium wünschte ich mir zwar eine konkrete Antwort, wann die Verbindung ganz bestimmt in Betrieb genommen wird. Mir ist jedoch klar, dass dies auch eine Frage von Absprachen zwischen der deutschen und der polnischen

Seite auf der Ebene der Infrastrukturministerien oder auch der bereits für den Bahnverkehr zuständigen Institutionen, also Deutsche Bahn, PKP Intercity und PKP/PLK (Polnische Eisenbahnen), denn diese spielen bei dieser Sache die Hauptrolle. Sie sind es, denen die Linien zur Disposition stehen, und in Wirklichkeit sind sie es auch, die die Konzessionen an einzelne Fahrunternehmen vergeben. Zu guter Letzt sei noch gesagt: Auch wenn wir noch kein festes Datum haben, herrscht bei dem Thema dennoch viel Optimismus, denn es deutet im Moment alles darauf hin, dass die Verbindung schon im nächsten Jahr starten wird!


40  Kultur & Lifestyle

Penelope Cruz wird eine polnische Heldin spielen Die polnische Schriftstellerin Maria Nurowska arbeitet an einem Film über Krystyna Skarbek. Die soll von der amerikanischen Schauspielerin Penelope Cruz gespielt werden.

K

schen Kriegskreuz aus. Während des Krieges besuchte sie mehrmals die okkupierten Länder, Polen und Frankreich. Nach dem Krieg wurde sie von ihrem Dienst freigestellt und bekam nur 100 britische Pfunde als Abfindung. Sie arbeitete

unter anderem bis 1952 als Putzfrau. In diesem Jahr wurde sie von Dennis Muldowney ermordet. Sie soll auch eine Inspiration für Ian Fleming, den Autor der berühmten James Bond Bücher gewesen sein. Gleich zwei Figuren sollten auf ihrer Persönlichkeit aufgebaut werden, Vesper Lynd in „Casino Royale“ und Tatiana Romanova in „Liebesgrüße aus Moskau“. Diese bemerkenswerte Person soll jetzt von Penelope Cruz gespielt werden. Man sagt, dass sie selbst von Maria Nurowska ausgewählt wurde. Doch es sind nur Spekulationen, eine offizielles Statement wurde noch nicht bekannt gegeben. „Ich habe einen Vertrag unterschrieben, gemäß dem ich nichts verraten darf, ich darf keine Information bekannt geben. Zwischen Weihnachten und dem neuen Jahr werden wir einiges dazu sagen. Es ist ein großes Ereignis für mich, wie auch für die ganze Welt“, kommentiert die Schriftstellerin.

Foto: Rubén Ortega; CC-BY-SA

rystyna Skarbek wurde 1908 geboren und war in der Zeit des Zweiten Weltkrieges eine der besten Spioninnen der Alliierten. Man zeichnete sie sogar mit The Most Excellent Order of the British Empire und dem französi-

von Emanuela Janda

Depeche Mode gecovert von polnischer Volksmusikgruppe wird zum Viral-Hit Dank einer Fanaktion der Band Depeche Mode konnte eine Volksgruppe aus Stettin eine eigene Version des Hits „Enjoy the Silence“ vorstellen.

S

eit einiger Zeit ist die Facebook-Seite der Band Depeche Mode in den Händen der Fans. Seit dem 4. Oktober darf jeden Tag einer von ihnen bestimmen, was auf dem Profil der Musikergruppe zu sehen ist. Als die 24-jährige Polin, Tulia Biczak an der Reihe war, hat sie ein Video gepostet, weleches das Tanz- und Gesangsensemble Szczecinianie zeigt, bei ihrer Performance von "Enjoy the Silence". Innerhalb von 24 Stunden haben 5,3 Tausend Menschen den Hit an-

geklickt und mehr als 1.000 Mal weitergeleitet. „Ich finde, dass vieles die Volksmusik mit dem künstlerischen Schaffen von Depeche Mode verbindet – beide sind facettenreich, energisch und nostalgisch. Deswegen bat ich meine Freunde, damit sie die Freude am Covern dieses Liedes von DM mit mir teilen“ schrieb Tulia den übrigen 7 Millionen Fans. von Paulina Kuc

QR-Code scannen und das Video ansehen:


Kultur & Lifestyle  41

Ein Museum für Knacker des ENIGMA-Codes Ein neues Museum in Poznań (Posen) soll ab 2019 die Pionierleistung polnischer Mathematiker um Marian Rejewski würdigen. Ohne ihre Arbeit, die seit 1932 im sogenannten Biuro Szyfrów (Chiffrenbüro) in der großpolnischen Hauptstadt stattfand, hätte die berühmte deutsche Rotorverschlüsselungsmaschine ENIGMA niemals „geknackt“ werden können.

D

er Anfang der 1920er Jahre entwickelte ENIGMA-Code sollte später als erste nichtmanuelle Verschlüsselungstechnik die kriegswichtigen Funksprüche von deutscher Wehrmacht und Geheimdienst abhörsicher machen. Rejewski gelang es gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Jerzy Różycki und Henryk Zygalski, die Verschlüsselungsmechanismen mathematisch aufzulösen. So konnten sie Dechiffriermaschinen bauen, mit denen sie die deutschen Funksprüche entziffern konnten.

Das Museum soll im ehemaligen Collegium Historicum entstehen. Es wurde 1950 an der Stelle des früheren Generalstabsgebäudes errichtet, in dem sich das Biuro Szyfrów befand. Für umgerechnet rund vier Millionen Euro wird eine ständige Ausstellung entstehen, die nicht nur über die polnischen Wissenschaftler informiert. Besucher können ebenso Nachbauten der ENIGMA sowie ihrer dechiffrierenden Gegenstücke sehen und diese auch ausprobieren. An speziellen Ausstellungsständen können sie je

nach Alter und Wissensstand verschiedene kryptographische Elemente kennenlernen und sich selbst im Dechiffrieren üben. Das Museum wird zudem über Räume für Veranstaltungen sowie pädagogische Workshops verfügen. Infos über Posen unter www.poznan.travel, allgemeine Informationen zu Reisen nach Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel

Rotorverschlüsselungsmaschine ENIGMA / Foto: Pixabay


42  Kultur & Lifestyle

www.polonia-shop

Polonia

SHOP

- Büch - CDs - DVD


p.polenjournal.de

her s Ds

- Kalender - Landkarten ...und mehr!

  Kultur & Lifestyle  43


44  Kultur & Lifestyle

#WirKochen: Gurkensuppe Die Gurkensuppe in Polen ist eine der beliebtesten Suppen in Polen, gleich nach der Tomatensuppe und der Brühe. Sie eignet sich besonders gut für die kalte Jahreszeit, sie bringt nicht nur Erinnerungen an den Sommer, wärmt aber auch im kalten Herbst und Winter.

Zubereitung Zutaten:

1. 2 Liter Wasser kochen. Die zwei Hänchenflügel dazugeben und

5 mittelgroße Kartoffeln 2 mittelgroße Karotten 1/2 Sellerie

2. Kartoffeln, Karotten, Sellerie und Zwiebel in Würfel schneiden

1 Zwiebel 5 mittelgroße Salzgurken 1 Priese Petersilie 2 Hähnchenflügel 2 L Wasser 100 ml Sahne 2 EL Butter Salz und Pfeffer

köcheln lassen. Anschließend durchsehen.

und ins Wasser werfen. Petersilie dazugeben und so lange kochen lassen bis sie weich werden.

3. Gurken reiben und sie in der Pfanne mit Butter anbraten. Die angebratenen Gurken in die Suppe hinzufügen und noch 15 Min. lang kochen lassen. 4. Pfeffer und Salz je nach Geschmack dazugeben. 5. Wenn die Suppe fertig ist, ein bisschen davon in einen Becher geben und mit 100 ml Sahne vermischen, danach in die Suppe reingießen und alles zusammen vermischen.

von K.J.

Guten Appetit!


Wirtschaft 45

Die schönsten Weihnachtsmärkte in Polen Die Winterzeit naht, bald liegt der erste Schnee vor der Tür. In der Luft duftet es nach Mandeln, Glühwein und Zimt. Langsam öffnen die ersten Weihnachtsmärkte ihre Pforten. Auch im Osten Europas. Eine Liste der schönsten Weihnachtsmärkte Polens. von Ramona Nocoń


46  Wirtschaft

Weihnachtsmarkt in Breslau, Foto: Pianoforte Agencja Artystyczna - www.jarmarkbozonarodzeniowy.com


Wirtschaft 47

Wrocław (Breslau) 17.11-22.12.2017 Der Weihnachtsmarkt in Wrocław ist einer der größten und bekanntesten im ganzen Land. Neben dem großen Weihnachtsbaum wird auf dem Gelände auch eine riesige Windmühle zu sehen sein. Auf die Besucher warten nicht nur eine märchenhafte Kulisse, sondern auch eine schmackhafte polnische Küche und Gerichte aus allen Herrenländern. Auf die Gäste wartet auch traditionelles polnisches und exotisches Kunsthandwerk. Zum Weihnachtsmarkt kommen u. a. auch Verkäufer mit traditionellen Waren aus Indien, Tansania und Mosambik.


48  Wirtschaft

Der Krakauer Weihnachtsmarkt

Kraków (Krakau) 26.11-26.12.2017

Warszawa (Warschau)

Poznań (Posen) 2.12. - 22.12.2017

25.11.2017 - 7.01.2018 Der Krakauer Weihnachtsmarkt ist ebenfalls sehr beliebt und gilt als schönster Weihnachtsmarkt in Polen. Die Stadt, voller Sehenswürdigkeiten, hat im Winter ein sehr romantisches Flair, was die vorweihnachtliche Stimmung noch verstärkt. Auf dem Krakauer Ring, neben den Sukiennice (Krakauer Tuchhallen) werden außer Glühwein auch lokale Produkte wie der Oscypek oder von Hand bemalte Weihnachtskugeln angeboten. Die Besucher können auch Keramik, Schmuck und Souvenirs kaufen.

In der polnischen Hauptstadt gibt es ein paar Weihnachtsmärkte. Von denen wohl der bekannteste in der Warschauer Altstadt seine Pforten öffnet. Man findet dort nicht nur leckere Backwaren, Kekse und Glühwein, sondern auch viele regionale Produkte; nicht nur zum Naschen, aber auch tolle Accessoires und manch ein Mitbringsel. Auf dem Alten Ring, der nicht weit entfernt ist, kann man seine Zeit mit Schlittschuhlaufen verbringen.

In Poznań erwartet die Besucher das Betlejem Poznanskie – wie der Weihnachtsmarkt dort heißt, ein breites Angebot u. a. eine wunderschöne Weihnachtskrippe, Karussells für Kinder und eine aus Holz erbaute Kneipe. Neben den Ständen mit Leckereien und Bühnenauftritten wird das Stihl POZnań Ice Festival stattfinden. Ein internationales Ereignis zu dem Künstler aus der ganzen Welt anreisen und ihr Können präsentieren.


Wirtschaft 49

Toruń (Thorn)

Olsztyn (Allenstein)

Gdańsk (Danzig)

1.12. - 23.12.2017

14.12.-17.12.2017

3.12-23.12.2017

Der Weihnachtsmarkt in der Altstadt von Toruń besitzt eine vergleichbar magische Stimmung wie die Weihnachtsmärkte in Kraków und Olsztyn. Auf den Ständen, die nach den Altbauten nachgebaut sind, findet man Keramik, handgefertigte Weihnachtsaccessoires und natürlich Glühwein. Auf die Naschkatzen untern den Besuchern warten Süßigkeiten, einzigartige Gewürze, geräucherte Wurstwaren. Für all die, die genug von Glühwein haben, aber dennoch Durst verspüren, warten Stände mit Honigwein.

Olsztyn ist nicht nur im Sommer wunderschön, die zugefrorenen Seen und schneebedeckten Bäume verlieren im Winter nichts von ihrem Flair, sie gewinnen sogar einen neuen hinzu. In der Altstadt erwartet uns ein buntes Farbenspiel mit lichterfrohen Ständen und sehr schön beschmückten Weihnachtsbäumen. Eine der Attraktionen, neben den Spektakeln die stattfinden werden, wird der aus der Partnerstadt Rovaniemi angereiste echte Nikolaus sein. Auf die Besucher warten lauter Leckerbissen und Kunsthandwerk, darunter viele bunte Accessoires fürs Haus.

Die an der Ostsee gelegene Stadt ist das ideale Ziel für all die Weihnachtsmarktliebhaber, die neben dem betörenden Glühweinduft auch Meeresluft schnuppern wollen. An dem Targ Weglowy Platz findet, wie jedes Jahr, das bunte Ereignis statt, mit vielen Lichtern, Karussells, einer Bahn und ein Nikolausschlitten mit lebenden Rentieren. Der Besucher kann mit vielen schönen Souvenirs und guten lokalen Delikatessen rechnen.

Weihnachtsmarkt in der Warschauer Altstadt


50  Wirtschaft

Ski-Urlaub in Polen Mit dem Wintereinbruch und dem ersten Schnee fragen sich viele Wintersportfans, wo sie ihre freien Tage auf der Piste verbringen sollen. In Frage kommen oft die Alpen oder der Harz. Aber vielleicht sollte man die Komfortzone verlassen und ein bisschen in Richtung Osten schlittern?

Zieleniec Unter Zieleniec ist ein kleiner Teil der Ortschaft Duszniki - Zdroj (Bad Reinerz) gemeint. Hier befindet sich eines der beliebtesten Skiressorts in Polen. In den letzten Jahren wurde es mehrfach ausgezeichnet. Gelegen zwischen dem Adler- und Habelschwerdter Gebirge ist die Gegend eine der schönsten ihrer Art in Polen. Das feine Mikroklima, für das auch Duszniki-Zdroj bekannt ist, hilft seine Kräfte zu regenerieren und sich von den Strapazen des Alltags zu erholen. Zieliniec wäre bei den Skifahrern nicht so beliebt, wenn es hier keinen Schnee gäbe. Den gibt es und das sogar 150 Tage im Jahr. Wenn der Winter Ende November einbricht, kann man manchmal bis Ostern auf der Piste seine Runden drehen. Es erwarten uns 30 Skilifte für Groß und Klein und zwar für jedes Skilaufniveau. Der ganze Ort ist sehr angenehm mit den Pisten und Aufzügen verbunden, man kann praktisch die ganze Ortschaft besichtigen, ohne die Ski auszuziehen.

Białka Tatrzańska Białka Tatrzańska ist eines der neuesten Skigebiete in Polen. Entstanden 2002 aus der Initiative lokaler Tourismus-Unternehmer, lässt es die Herzen der Wintersportfans höherschlagen. Einer der Vorteile ist seine Vielseitigkeit. Neben Pisten, auf denen man sogar als Anfänger problemlos davonfahren kann,

gibt es Strecken mit roter Markierung, also für die etwas erfahrenen Skifahrer. Liebhaber schwarz markierter Pisten gehen dagegen leer aus. In dem Skigebiet gibt es drei Stationen zur Auswahl. Die Infrastruktur des Komplexes wird ständig weiter ausgebaut und dank des TatrySki-Passes kann man die Ski Routen beliebig wechseln.

Kasprowy Wierch Wer was Extremes in Polen sucht, der fährt nach Zakopane oder genauer gesagt in seine Nähe - auf den Kasprowy Wierch. Dort wartet auf die längste Skiroute, die die polnischen Berge zu bieten haben, mit wunderschönen Ausblicken auf einem schwierigen Terrain. Hier gibt es keine Strecken für Anfänger. Das höchstgelegene Skigebiet in Polen ist mit zwei Pendelbahnen und vier Skiliften erschlossen. Während man im Lift sitzt, kann man die schönen Ausblicke, die Zakopane und Tatra zu bieten haben, genießen.

Jaworzyna Krynicka in Krynica Zdrój In Jaworzyna Krynicka kann man das ganze Jahr über Spaß haben. Im Winter kommen natürlich alle die, die diese kalte Jahreszeit mögen auf ihre Kosten. Vor allem Familien mit Kindern können ihre Freizeit genießen. Auf die, die etwas Extremeres mögen warten

eine schwarze Route. Auf den Pisten kann man dank Beschneiungsanlagen auch bei einem geringen Schneefall auf den Skiern davonfahren.


Wirtschaft 51

Fotos: Zieleniec Ski Arena


52  Wirtschaft


Wirtschaft 53

Dwie Doliny Einen Besuch ist die Skiliftstation Dwie Doliny (Zwei Täler) wert. Sie verbindet die zwei Ortschaften Muszyna und Wierchomla miteinander. Auf ganzen zehn Kilometern kann man ausgiebig Spaß im weißen Pulverschnee haben. Der Komplex ist einer der größten in Polen und ein einzigartiges Projekt dazu; auf einer Oberfläche von 100 ha befinden sich interessante Routen und eine hervorragende Infrastruktur die von dem Ski- und Snowboardverleih bis zu einer Skischule reicht.

Szwajcaria Bałtowska Das Skiresort ist in den ältesten polnischen Bergen gelegen. Dementsprechend sind die Berge nach Jahrtausenden Jahren Witterung nicht hoch und die Routen eher einfach, aber das spezifische Klima ermöglicht das Ski laufen. Am nächsten von der Hauptstadt zu erreichen. Die Besucher erwartet moderne Infrastruktur, gut vorbereitete Routen und ein Snowpark.

Czarna Góra

Fotos: uszyna oliny M Dwie D

Czarna Góra ist ein immer beliebteres Ziel bei den Skiläufern und Snowboardern. Es kommen immer mehr erfahrene Skifahrer und andere, die nach neuen Herausforderungen suchen. Für sie wurden drei Strecken vorbereitet, die eine FIS Homologation besitzen. Wintersportfans können auch in dem Snowpark etwas für sich finden. Hier kursiert auch ein Skibus zwischen den Skiliften und der Skiregion Śnieżnik (Glatzer Schneeberg).

Szklarska Poręba (Schreiberhau)

mla

cho – Wier

Szklarska Poręba ist eines der größten Skigebiete im polnischen Teil des Riesengebirges. Die Besucher können 20 Skilifte erproben, von denen sich 6 auf den Hängen der nahe gelegenen Szreni-

ca (Reifträger) befinden. Auf die Skiläufer warten 5 verschiedene Routen mit einer Gesamtlänge von 10 km. Jeder findet hier etwas für sich; von ganz einfachen Routen für Anfänger bis zu Routen mit einer Neigung von 50%. Die längste Skipiste Lolobrygida ist über 4400 m lang. Auch bei den Besuchern ist die leichte Piste Puchatek, auf der man bis 22.00 Uhr Ski fahren kann, beliebt. Insgesamt wartet auf die Wintersportfans fast 20 km Strecke. Die klimatischen Bedingungen ermöglichen das Skifahren bis zum Frühling. Oft liegt hier noch im April genug Schnee, um davon zu fahren.

Szczęśliwice in Warschau Wer aber keine Zeit hat in die Berge zu fahren und trotzdem Ski fahren möchte und in der Hauptstadt wohnt, kann das ganze Jahr über in Szczęśliwce seinen Spaß haben. Die Piste befindet sich in dem Stadtpark Szczęśliwce; es warten hier rund 35 000 m2 auf denen man Ski laufen kann und auch Snowboarder kommen auf ihre Kosten. Man kann sich hier auch auf einem Alpine Coaster vergnügen.

Zielona Brama Oft hat man das Dilemma Berge oder Meer. Auch im Winter zieht es manche, vor allem aus gesundheitlichen Gründen, an die Ostsee. Man muss aber nicht gleich auf die ganzen Freuden, die man in den Bergen hätte, verzichten! Nur 30 km von Gdańsk (Danzig) entfernt liegt die Ortschaft Przywidz mit dem Skigebiet Zielona Brama. Die künstlich beschneite Piste und drei Skilifte sorgen für einen Riesenspaß bei den Besuchern. von Ramona Nocoń


54  Tourismus

Neue Gondelbahn in den schlesischen Beskiden Polnische Wintersportzentren investieren in den Ausbau und die Modernisierung der Anlagen. Umfangreiche Investitionen werden derzeit in Szczyrk (Schirk), dem größten Skizentrum der Schlesischen Beskiden, getätigt. Auch in Karpacz (Krummhübel) am Fuße der Schneekoppe soll der betagte Sessellift durch eine moderne Anlage ersetzt werden. In Szczyrk hatte die slowakische Investorengruppe Tatra Mountain Resorts bereits Anfang 2014 das angeschlagene Resort Szczyrkowski Ośrodek Narciarski gekauft und seitdem viel Geld in die Modernisierung gesteckt. Noch in dieser Saison sollen im „Szczyrk Mountain Resort“ mehrere Großanlagen in Betrieb gehen. Ein Lift mit Zehnergondeln soll bereits in der kommenden Saison Wintersportler in nur rund vier Minuten vom Parkplatz an der ul. Salmopolska zur rund 1.000 Meter hoch gelegenen Hala Skrzyczeńska transportieren. Als Talstation dient ein neues multifunktionales Gebäude. Dort werden sich neben den Kassen auch ein Infozentrum, ein Verleih für Ski- und Snowboardausrüstung, Aufbewah-

rungsmöglichkeiten sowie sanitäre Einrichtungen befinden. Neu sind zudem die beiden Sechserlifts B1 und B2 von Solisko auf die Hala Skrzyczeńska und den Wierch Pośredni. Mit den drei Bahnen der Marke Leitner erhöht sich die Gesamtkapazität der Lifte im Szczyrk Mountain Resort und im benachbarten Centralny Ośrodek Sportu (Zentralen Sportzentrum), mit dem eine Kooperation besteht, auf rund 12.000 Personen pro Stunde. Auch an den Pisten haben die Betreiber einiges verändert. So wurde die Mehrzahl der Abfahrtstrecken auf 60 bis 80 Meter verbreitert. Neu hinzugekommen ist eine rund

1.200 Meter lange Trasse einfachen Schwierigkeitsgrades vom Wierch Pośredni nach Solisko. Darüber hinaus wurden die rote Piste von der Hala Skrzyczeńska und die blaue Piste zur Talstation der Gondel mit Flutlichtanlagen für den Betrieb nach Einbruch der Dunkelheit ausgerüstet. Insgesamt stehen den Besuchern Pisten mit einer Länge von etwa 40 Kilometern zur Verfügung. Auf der zentral gelegenen Hala Skrzyczeńska entstand zudem ein Wasserreservoir mit einem Fassungsvermögen von 100.000 Kubikmetern. Das größte Bauwerk seiner Art in Polen bedient mehrere Dutzend neuer Schneelanzen und -kanonen. Die taufrische Anla-

Sessellift in Szczyrk


Tourismus 55 ge soll garantieren, dass bis zu 80 Prozent der Abfahrtpisten in weniger als einer Woche mit einer fahrbaren Kunstschneeschicht bedeckt werden können. (www.szczyrkowski.pl) Noch in der kommenden Saison soll zudem im Wintersportzentrum Śnieżka in Karpacz ein neuer Lift an den Start gehen. Das Resort an der Kopa (Kleine Koppe) ersetzt damit den legendären Einpersonen-Sessellift „Zbyszek“. 1960 eröffnet, galt die 2.229 Meter lange Anlage als damals längster Sessellift der Welt. Der Nachfolger soll auf derselben Strecke im Januar 2018 eröffnen. Der Lift überbrückt eine Höhe von 530 Metern und vergrößert die Kapazität um das Doppelte auf etwa 1.200 Personen pro Stunde im Winter. Er wird über Vier-Personen-Bänke sowie zwei Gondeln für je acht Personen verfügen. Letztere ermöglichen es auch Gästen mit Kinderwagen oder Rollstühlen, zur Gipfelstation auf 1.350 Metern zu gelangen. Das im Schatten der Śnieżka (Schneekoppe), des höchsten BerAnzeige

ges der polnischen Sudeten, gelegene Skiresort investiert zur Saison 2017/18 zudem in die Kunstschneeanlagen auf der schwarzen Piste unterhalb des Gipfels sowie der Pisten an den benachbarten Lifts „Grosik“ und „Złotówka“. In den kommenden Jahren sollen darüber hinaus ein Wassertank für die Sicherung der Beschneiung sowie ein Restaurant an der Gipfelstation der neuen Seilbahn entstehen. Architektonisch soll es an die Wetterstation auf der Schneekoppe angelehnt sein und über ein kleines Museum verfügen, das den polnischen Himalaya-Bergsteigerinnen und -Bergsteigern gewidmet ist.

an Liften sowie vergleichsweise breite und sanfte Pisten verfügt, zeichnet sich das Resort am Berg Czarna Góra (Schwarzer Berg) im oberen Bereich durch steile Hänge und eher schwierigere Trassen aus. Der Skipass gilt an sechs frei wählbaren Tagen während der gesamten Saison 2017/18 und das für je 13 Stunden. Der Preis für den Kauf an einer der Kassen der beiden Skigebiete beträgt 570 und ermäßigt 470 Złoty (ca. 135/112 Euro). Der Pass ist auch im Internet über die Internetseiten der Resorts erhältlich. Bis Ende Dezember gibt es dort bis zu 20 Prozent Rabatt auf den Kauf.

Die beiden Skiresorts Zieleniec Ski Arena und Czarna Góra Resort im Glatzer Bergland locken Gäste ab der kommenden Wintersaison mit einem gemeinsamen Skipass. Beide Anlagen verfügen insgesamt über 38 Lifte und mehr als 32 Kilometer lange Abfahrtpisten. Die beiden Resorts sind rund 40 Kilometer voneinander entfernt und bieten unterschiedliche Konzepte. Während das Zentrum in Zieleniec (Grunwald) über ein dichtes Netz

Infos zu dem Skigebiet in Szczyrk unter www.szczyrkowski.pl (nur PL); Skipässe für das Resort online unter www.gopass.pl Infos zum Skizentrum Kopa unter www.kopa. com.pl, zum Skigebiet am Berg Czarna Góra unter www.czarnagora.pl sowie zum Skigebiet in Zieleniec unter www.zieleniec.pl Allgemeine Informationen zu Reisen nach Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel


56  Tourismus

Feiertagsstimmung im Hirschberger Tal Mit opulenten Festessen und rauschenden Bällen verwöhnen die Schlösser im Hirschberger Tal ihre Gäste zum Jahreswechsel. Auch die Termine für die großen Weihnachtsmärkte der Region stehen bereits fest. Wer sich zu den Festtagen ein besonderes Geschenk machen möchte, muss sich beeilen. Denn der Kurzurlaub in geschichtsträchtigen Gemäuern wird immer beliebter. Adventsmarkt Lomnitz Adventsmarkt im vorSchloss dem Schloss Lomnitz

I

n Staniszów (Stonsdorf) laden Agata und Wacław Dzida zu einem rauschenden Silvesterball im historischen Ballsaal ihres Barockschlosses ein. Gäste erwartet an diesem Abend ein erlesenes Vier-Gänge-Menü, Tanzmusik sowie ein Neujahrskonzert. Den Jahreswechsel läutet ein Höhenfeuerwerk im englischen Landschaftsgarten ein. Ein fünftägiges Sonderpaket enthält neben dem Silvesterball noch einige weitere Leckerbissen. Wer lieber Heiligabend im exquisiten Ambiente verbringen möchte, der kann im Schlosshotel im Rahmen eines Arrangements ein

traditionelles polnisches Weihnachtsessen mit zwölf Speisen und Weihnachtskonzert erleben. Weihnachtliche Atmosphäre erwartet Besucher von Schloss und Gut in Łomnica (Lomnitz) bereits zum ersten Adventwochenende. Dann lädt Schlossherrin Elisabeth von Küster zum besinnlichen Adventsmarkt ein. An diesem und den beiden folgenden Wochenenden können Groß und Klein leckere Weihnachtsspezialitäten aus Polen und Deutschland kosten, sich im Bemalen von Weihnachtskugeln versuchen, ausgefallene Geschenke kaufen oder einfach nur beim Glühwein entspannen.

Untermalt wird das Markttreiben von festlicher Musik und traditionellen Weihnachtsgesängen. Der Adventsmarkt auf Lomnitz hat sich zu einer der größten und bekanntesten Veranstaltungen dieser Art im Dreiländereck entwickelt. Verschiedene Reiseunternehmen bieten Kurztouren zum Lomnitzer Markt aus Deutschland an. Ein sechstägiges Arrangement für die Festtage umfasst einen weihnachtlichen Kochkurs, einen Workshop im Christbaumkugelverzieren sowie ein feierliches polnisch-schlesisches Festtagsdinner am 24. Dezember. Hoch her geht es in Lom-


Tourismus 57

nitz zum Jahresausklang. Am 31. Dezember findet im Restaurant „Stara Stajnia“ (Alter Pferdestall) ein Silvesterball mit Live-Musik und exquisitem Buffet statt. In festlicher Stimmung präsentiert sich die Altstadt von Jelenia Góra (Hirschberg) beim traditionellen Weihnachtsmarkt am 16. und 17. Dezember. Im rund eine Stunde entfernten Świdnica (Schweidnitz) findet vom 14. bis 22. das „Schweidnitzer Weihnachtssingen“ statt. Auf dem historischen Marktplatz warten rund 50 weihnachtliche Stände auf Besucher. Weihnachtskonzerte, Tanzvorführungen

sowie eine große Parade der Engel bilden das kulturelle Rahmenprogramm. Die niederschlesische Hauptstadt Wrocław (Breslau) veranstaltet vom 17. November bis 22. Dezember einen der schönsten und größten Weihnachtsmärkte des ganzen Landes. Einen märchenhaften musikalischen Jahresausklang bietet die Niederschlesische Philharmonie in Jelenia Góra ihren Gästen. Das Ensemble präsentiert am 29. Dezember eine Silvestergala im „venezianischen Stil“. Ensemble und Solisten des Hauses präsentieren bekannte Opernarien, Operetten-

lieder und Chansons. Die Bandbreite reicht von Giacomo Puccinis „O mio babino caro“ über Jacques Offenbachs „Barcarole“ bis hin zu Rudi Schurickes „O mia bella Napoli“. Das ganze Konzert wird am 5. Januar nochmals wiederholt. Der Eintritt beträgt jeweils 80 Złoty (ca. 20 Euro). Weitere Informationen zur Region unter www.talderschloesser.de


58  Wirtschaft

Danzig erhält neues Ozeanarium Mit dem „Ozeanarium Nautilus“ erhält die Ostseemetropole Gdańsk (Danzig) einen gigantischen Meerestempel mit Aquarienlandschaft, Wissenschaftszentrum, Thermen, Medical SPA und Hotel.

V

erantwortlich für die umgerechnet rund 100 Millionen Euro schwere Investition wird die Firma PFI Future sein, die bereits die erfolgreiche Umsetzung des neuen Afrikariums im Zoologischen Garten von Wrocław (Breslau) leitete. Touristisches Kernstück wird das Ozeanarium mit einer Fläche von rund 30.000 Quadratmetern sein, das exotische Wasserbewohner zeigen wird. Im dazugehörenden Wissenschaftszentrum sollen moderne 5D-Kinos eingerichtet werden, in denen die Besucher Einblick in die faszinierende Welt von Kosmos, Natur und Biologie erhalten. Die Anlage soll in den kommenden vier Jahren unweit des Bernsteinstadions entstehen. www.visitgdansk.com


Anzeige


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
PolenJournal.de (#11/2017) by Digital Monsters - Issuu