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TO k FO la G Mu LA r H rtu SC : A M to U , Fo k z rc ha ec Bl
Piotr Piela
GRAFIK & DESIGN
hr an e u m er m n z nn m ah ka im aw et n ak rn he lp te te A In nts em Im s e d s. . E ich ka n , s ck lpa nde wer A fi lü G ach ere s sch i e s n T ge ckt ser ist n hi ü e sc err r di ole au st v de n P Fl elt i Bil ch i 34 W de Au ie en . D aus ten en. T ch eh Zu tzi en
CHEFREDAKTEUR
Maximilian Broy, Robert Dethloff, Krystiana Janda, Paulina Kuc, Patrycja Urban
Digital Monsters ul. Wrocławska 133 45-837 Opole /Polen www.digitalmonsters.studio
AUTOREN
HERAUSGEBER:
Maximilian Broy
Quartalschrift
TEXTKORREKTUR
ERSCHEINUNGSWEISE
Emanuela Janda
IMPRESSUM
ow e ü ol te e A m sc ie be nis m m er l hr üb r d ch be pu au än er ie en r). tie ter ku di H N Pr rte . I ng e off at ze n n en D n io m -F di u is u n y u e n zi ng al sł ß se d pl e m aw ba m in n, an llse Tr ns lb äu ch st m a e ft,
16 M ka it U m n nu A Ja mp den n m r e E hr ut F an ine Św M a wi atio ußb au m ha ie us rd ne al l i r g n ch Be t n u fü m cz e ge nd it , d trag Kra wir r P tr in u sp Zu Po er en kó d e er äu n s ro ku le Ka ( w s m d ch nf nJ p 12 /K in one en Kr en ts ou itä . - ra Po n üc . plä rn n d 19 ka len mi tE ne al er . S u ke i m d . in s d p ep i
u. ge ra e si F d ie ke un äum . R ar en Tr en st d e he or er län hr sc n ot ab Ge st, i lni me o a m M , au ge che en ng s p N . I die Fr iesi ierli sam ne A da r im rück ber ne . R z eg ei lso ete zu ü Ei der eine unw at k k, a lom keit t sie . l h y i ä W e R nen vor Sie rcz e K gig zäh . LK ig in st . ha d än er rin n s n ie dr ng tze lec se abh .de cke n B u l u n Ei . R nd A lä a a 6 aße e u eine rkp ona gt T d U urn r Tr r n k a w n e St bi at P . I l, le t u nJo in Ka ie h klen llen Gir haf ole ns e S n fü g sc t P be du er kin den mi Le zu uc ei w es Tr er L rvie n d d te se In ulis K
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6 Ein LKW. Eine Frau 16 Mit nur einem Bein und Krücke kann man auch träumen 22 UFO, Mystifizierungen und Rache – was passierte wirklich in Emilcin? 26 Urbex History - Abenteuer, Freundschaft und Leidenschaft 34 Flauschiges Glück
IM HEFT
40 Von den Verstorbenen trennt uns nur die Zeit - Die Schädelkapelle von Czermna
26 Urbex History - Abenteuer, Freundschaft und Leidenschaft Eine gemeinsame Leidenschaft, 250 Videos, mehr als 900.000 Fans. Sie besuchen verlassene und gefährliche Orte voller spannender Geschichten. Drei Freunde: Jakub Stankowski, Łukasz Dąbrowski und Konrad Niedziułka haben einen Abstecher ins Abenteuer gewagt, woraus Urbex History entstand - einer der beliebtesten YouTube-Kanäle, der sich dem Thema Urban Exploration widmet.
44 Eine Reise durch Polen - Touristische Entdeckungen im Nachbarland 48 Kleines Finnland in Polen 52 Zakopane mal anders 56 Auf den Spuren violetter Frühlingsanzeichen 58 Die luxuriöse Zukunft des Designs 68 Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus
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April 2021
Ein LKW. Eine Frau Von Patrycja Urban
Straße. Riesige Räder. Riesige Motoren. Riesige Kabine und drinnen eine zierliche, aber starke Frau. Sie hat keine Angst vor unwegsamen Geländen und dunklen Parkplätzen. Sie hat keine Angst, ihre Träume zu erfüllen. Iwona Blecharczyk, also das polnische Trucking Girl, legt Tausende Kilometer im Namen der Leidenschaft und Unabhängigkeit zurück. Im Interview mit PolenJournal.de erzählt sie über die Kulissen des Lebens einer Truckerin.
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Patrycja Urban (PolenJournal.de): Woher kommt deine Leidenschaft für Lkws? Ist es ein Kindheitstraum oder eine innere, magnetische Anziehungskraft, welche mit der Zeit zum Leben erwachte? Iwona Blecharczyk: Nein, es war kein Kindheitstraum. Einfluss darauf, dass ich heute mit Lkw fahre, hatten viele Faktoren. Zunächst einmal hatte ich in meiner Kindheit tatsächlich mit schweren Maschinen zu tun, allerdings mit Landmaschinen. Zweitens bin ich bereits während meines Studiums an Wochenenden mit Bussen auf der Strecke Polen-England unterwegs gewesen. Drittens, von Beruf bin ich Lehrerin, aber als ich angefangen habe, in der Schule zu arbeiten, stellte sich heraus, dass es nichts für mich ist und es mir meine Energie raubt. Daher bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich etwas ändern muss, sonst verliere ich mein Leben und bleibe für immer eine verbitterte Lehrerin, die Kinder zum Lernen eher nicht motiviert. Dazu war ich noch sehr weltneugierig und wollte reisen, doch als frisch gebackene Lehrerin hatte ich dafür kein Geld und keinen Mut. Ich wollte den Aufbau meiner Karriere nicht aufgeben, nur um zu reisen. Lkws haben mich immer fasziniert und während meines Studiums verliebte ich mich in die USA. Ich träumte davon, dort mit einem amerikanischen Lastwagen zu fahren. Somit hatten viele Faktoren Einfluss auf meine berufliche Entwicklung als Lkw-Fahrerin. Ich war der Meinung, dass ich in diesem Beruf sowohl reisen kann, als auch mir eine Karriere aufbaue, Geld verdiene und unabhängig sein werde. Und so ist es tatsächlich. Ich bin sogar mit wunderschönen Lkws auf den US-amerikanischen Straßen gefahren. Du hast deinen Beruf als Lehrerin angesprochen. Möchtest du ihn irgendwann wieder ausüben oder bleibst du hinter dem Steuer?
Foto: Artur Mulak
Ich kann es mir nicht vorstellen, wieder in die Schule zurückzukehren. Vor der Pandemie wurde ich öfters eingeladen, um an Universitäten oder in Grundschulen beim Unterricht meinen Beruf vorzustellen. Und das habe ich gerne gemacht. Ich möchte Kinder
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April 2021
Foto: Artur Mulak
mit meiner Leidenschaft anstecken und über meinen Beruf erzählen, aber die Pandemie hat alle Pläne durchkreuzt.
Das ist unterschiedlich. Ich fahre im Spezialtransport, spezialisiert auf Windenergie, somit fahre ich dort, wo gerade solche Projekte umgesetzt werden. Als ich meinen Job angefangen habe, war ich vor allem in Deutschland unterwegs, weil es dort zahlreiche Projekte gab. Einige gab es auch in den Benelux-Ländern und Dänemark. Derzeit bin ich viel in Polen unterwegs, denn es gibt hier auch viele Projekte, die mit den erneuerbaren Energiequellen verbunden sind.
Sie wussten, dass ich 1000 verschiedene Ideen pro Minute habe, aber nur einen Teil davon tatsächlich realisiere. Daher schauten sie neugierig auf mein Abenteuer mit den Lkws. Anfangs haben sie das nicht ernst genommen, sie dachten, es sei nur mein Gutdünken. Ich mache meinen Führerschein, vielleicht fahre ich ab und zu eine Tour und das war's. Mit der Zeit haben sie sich an meine Entscheidung gewöhnt. Bestimmt war es nicht einfach für sie. Meine Eltern waren Lehrer, damals sogar Schulleiter. Aus diesem Grund war es für sie schwer zu verstehen, wieso ich die Arbeit in der Schule, einer staatlichen Institution aufgebe und in eine völlig andere Richtung gehe. Sie waren sicherlich traurig, aber mit der Zeit kamen sie zu dem Entschluss, dass ich gut gehandelt habe, dass ich meinen eigenen Weg gegangen bin.
Wie reagierten deine Familie und Freunde auf die neue Berufsorientierung?
Wirst du mit unangenehmen Kommentaren wegen deiner Arbeit konfrontiert oder ist es eher Verwunderung?
Sprechen wir doch über deinen heutigen Beruf. Bist du eher auf nationalen oder internationalen Strecken unterwegs?
Anfangs haben sich viele Menschen gewundert und gaben mir eine ganze Liste mit Alternativen, welcher Job für mich als Frau geeignet ist. Sie versuchten mir einzureden, dass der Job einer Berufskraftfahrerin überhaupt nichts für mich ist und ich sollte ihn hinschmeißen. Derzeit bin ich schon 10 Jahre auf den Straßen unterwegs, davon 6 Jahre im Spezialtransport. Ein Jahr fuhr ich auf amerikanischen Straßen. Ich habe schon meine Erfahrungen gesammelt, alle wissen, dass es nicht nur ein kurzzeitiger Traum war, sondern eine Leidenschaft fürs ganze Leben. Alle haben verstanden, dass es mein Platz ist, weil ich hier sein möchte und sämtliche Versuche mir zu erklären, dass es nichts für mich ist, haben absolut keinen Sinn. Ich bin stur und fertig. Darüber hinaus habe ich gelernt, dass Menschen, welche am ehesten Ratschläge erteilen und keinen Widerspruch akzeptieren, diejenigen sind, welche ihr eigenes Leben nicht ganz in den Griff kriegen. Deshalb nehme ich nur Ratschläge
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oder Vorschläge von meinen Eltern und Freunden an, obwohl das auch ein Problem manchmal ist, weil sie mir keinen Rat geben wollen und ich sie manchmal sogar bitten muss, mich zu beraten. Menschen, die dich schätzen und genau wissen, dass du mit deinem Leben trotz einiger Schwierigkeiten sehr gut zurechtkommst, neigen nicht dazu, Ratschläge zu erteilen. Obwohl sich dies in letzter Zeit geändert hat, ist eine Frau hinter dem Steuer eines großen Lkws für den einen oder anderen immer noch ein seltener Anblick. Wie schwierig war es für dich, Arbeit zu finden? Heute kommt es immer öfter vor, dass eine Frau hinterm Steuer eines Lkws sitzt. Da sie ihre Abenteuer gerne im Internet teilen, gewöhnt sich die Gesellschaft immer mehr daran und Arbeitskollegen in der Branche haben sich schon lange daran gewöhnt. Doch mein Weg zur Karriere als Berufsfahrerin war sehr steinig. Monatelang habe ich nach einem Job gesucht, aber keiner hat mich ernst genommen, weil ich noch keine Erfahrung hatte und eine Frau war. Ich habe Lebensläufe durch das halbe Land geschickt. In dem Moment, als ich einen Arbeitsvertrag für ein Jahr in der Schule unterschreiben sollte, war ich noch mehr entschlossen, einen Job als Lkw-Fahrerin zu finden und habe meine Suche auf ganz Polen erweitert. Letztendlich gelang es mir, dieses Ziel zu erreichen. Ich habe meinen Traumjob bekommen.
Foto: Iwona Blecharczyk
Foto: Iwona Blecharczyk
Was stellt die größte Herausforderung und was die größte Freude bei der Arbeit dar? Ich bin ein Aufgabenmensch und sämtliche Schwierigkeiten sehe ich nicht als ein Problem, sondern als Teil meiner Arbeit. Diesen Teil, der weniger angenehm ist. Ich habe gelernt, mit allen Schwierigkeiten umzugehen. Absicherung, Ladungen, Fahrten mit komplizierten Manövern oder Teamarbeit sind für mich kein Problem mehr. Dennoch ist eine Herausforderung die Tatsache, dass ich viel arbeite und es mir schwerfällt, etwas einzuplanen, aber damit habe ich auch gelernt umzugehen. Familie und Freunde haben sich daran
Foto: Iwona Blecharczyk
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April 2021
gewöhnt, dass ich nie weiß, ob ich am Wochenende zu Hause sein werde oder nicht. Meistens bin ich da, dennoch gibt es auch Ausnahmen. Die Fahrt mit einem Lkw ist kein Sonntags-Auslauf mit dem Cabrio zum Spaß. Wir fahren mit Ladung, die am laufenden Band produziert wird, dazu kommen verschiedene Papiere, Zollerklärungen, von daher kommt es oft zu Verzögerungen. Und dann muss man den ganzen Plan, den man hatte, ändern. Ich denke, dass es die größte Schwierigkeit am Anfang ist, zu lernen, ohne Plan zu leben und sich einfach an die Situation anzupassen. Man muss akzeptieren, dass über dein Leben vor allem die Ladung, der Transport und der Straßenverkehr entscheiden. Im Spezialtransport kommen noch zusätzliche Probleme vor. Oft durchkreuzt die Natur die Pläne des ganzen Unternehmens. Wenn der Wind stark weht, darf der Kran nicht arbeiten und dann warten wir, bis es ruhig wird. Im Herbst musste ich eine ganze Woche im Windpark unter einem Kran stehen, weil uns die Natur nicht ermöglichte, das transportierte Gut auszuladen. Darüber hinaus dürfen wir nur auf Straßen fahren, die in der Erlaubnis festgelegt wurden. Wenn auf der Autobahn ein Unfall passiert, wird der ganze Verkehr umgeleitet und wir müssen warten, bis der Weg wieder befahrbar ist. Somit fahren wir dann anstatt einer Nacht, zwei. Vor einem Jahr standen wir auf einer Autobahn auf der Höhe von Hannover 2 Tage lang, weil dort eine Bombe gefunden wurde. Was konnten wir machen? Stehen und warten. Was macht dir an deinem Job Spaß? Wofür liebst du ihn? Mit Abstand ist es der Kontakt mit schweren Maschinen und Teamarbeit. In unserem festen Team arbeiten wir schon seit 6 Jahren zusammen, die Jungs sogar über 10. Wir stehen uns sehr nahe und haben schon viele Situationen gemeinsam durchgestanden. Wir haben eine tolle Atmosphäre im Team und wir wissen, dass wir immer aufeinander zählen können. Auf der Arbeit liebe ich natürlich auch Maschinen und verschiedene Herausforderungen.
Foto: Iwona Blecharczyk
Fühlst du dich sicherer, wenn du im Konvoi fährst, als wenn du alleine reist? Die ersten Jahre bin ich alleine durch Europa gefahren, sogar ohne CB-Radio und das hat mir gepasst. Ich war nie ein Herdentier, schon in der Schule war ich kein Fan von Teamarbeit. Also als ich dann zum übernormativen Transport gewechselt habe, wo es Leiter, Konvois und vor allem Teamarbeit gibt, hatte ich Angst, dass ich in der Gruppe nicht zurechtkomme. Mit der Zeit habe ich das aber gelernt und als ich jetzt mit einem einfachen Lkw durch Europa fahren musste, hatte ich sogar anfangs Angst, wie ich alleine zurechtkomme. Dann bin ich aber zum Entschluss gekommen, dass ich schon seit Jahren mit Lkws fahre, wieso sollte ich jetzt mit dem einfachsten Sattelzug nicht
zurechtkommen. Es ist nur so, dass ich nach so vielen Jahren der Zusammenarbeit im Team Angst hatte, wie ich die Tour alleine bewältigen würde. Ich muss auch nach diesen Reisen fragen. In welche Ecken Europas oder der Welt reist du am liebsten? Wenn es um europäische Strecken geht, mochte ich immer Südfrankreich, Spanien, Barcelona und Valencia, das ist mein Paradies. Trotzdem hat mir auch der Norden Kanadas sehr gut gefallen, der im Winter wunderschön ist. Was war deine längste Strecke? Ich denke, das war Nordkanada, auf den Eiswegen zum Diamantbergwerk. Es ist ein Ort, wo man in der Regel nur mit einem Flugzeug gelangen kann. Wenn im
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Monatelang habe ich nach einem Job gesucht, aber keiner hat mich ernst genommen, weil ich noch keine Erfahrung hatte und eine Frau war. Iwona Blecharczyk
Winter die Seen einfrieren, dienen sie für zwei Monate als Zufahrtsweg, den man nur dann durchquert, wenn man ein Anliegen dort hat. Touristisch wird dort niemand hinkommen. Du erwähntest Kanada. Waren das deine anspruchsvollsten Touren oder ist es in Europa auch nicht so einfach? Überall ist es schwer, nur halt auf unterschiedliche Weise. In Kanada stellen die Wetterbedingungen und deutlich längere Arbeitszeiten eine Herausforderung dar. Die Ausdauerarbeit ist dort definitiv härter, aber es gibt eine Menge Erleichterungen. Dem Fahrer wird eine Menge Verantwortung abgenommen. Alles ist so angepasst, damit man so wenig Stress wie möglich hat und so viel wie möglich fährt. In
Europa hingegen gibt es weniger Fahrstunden, aber man holt das mit z.B. Ladezeiten nach. Außerdem sind bei uns geringere Geschwindigkeiten erlaubt, was die Fahrer definitiv müde macht. Auch der Verkehr ist auf europäischen Straßen deutlich größer als in Kanada. Aus diesem Grund muss man ständig im Stau stehen. Darüber hinaus ist der Fahrer immer im Stress, wo er parken wird, denn es gibt viel zu wenig Parkplätze. Es kommt oft vor, dass wir 2-3 Stunden auf der Suche nach einem Parkplatz sind, weil alles voll ist. Dazu kommt die Angst, ob man kontrolliert wird, denn dann kann man als Fahrer einen Strafzettel für das Überschreiten der Fahrzeit bekommen. Ich würde sagen, dass der europäische Fahrer deutlich mehr Sorgen hat als der amerikanische. Es gibt dort keine ständigen Überholverbote, wie sie in Europa an
der Tagesordnung sind. Bei uns ist die Hälfte der Arbeit besorgniserregend. Was ist, wenn die erlaubten Zeiten längst vorbei sind, du aber noch keinen Parkplatz gefunden hast? Ich fahre so lange, bis ich einen finde. Wenn man die Fahrzeit überschreitet, muss man einen Ausdruck aus dem Tachograf machen und dort den entsprechenden Paragrafen, das Datum, um wie viel man überschritten hat, die Situation und Lokalisation einschreiben. Wie der Polizist oder Inspektor darauf reagiert, hängt von jedem individuell ab. Der eine versteht das, der andere sagt, dass er nicht in der Lage ist, etwas zu tun, er möchte helfen, kann aber nicht und gibt dann den niedrigsten Strafzettel, der aber trotzdem hoch ist. Somit hängen die Konsequenzen dieses
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April 2021
Foto: Artur Mulak
Vergehens davon ab, auf welchen Menschen man trifft. Das Übernachten oder sogar der Aufenthalt auf einem Parkplatz kann gefährlich sein. Hattest du schon so eine Situation, wo du um deine Sicherheit gebangt hast? Anfangs hatte ich sehr viel Angst. Sobald ich im Lkw eingeschlafen bin, bin ich ständig wach geworden und habe das Licht angemacht, um mich zu orientieren, wo ich bin, wo der Sitz oder die Wand ist usw. Mit der Zeit ging die Angst weg. Als ich durch Europa gefahren bin, habe ich spezielle Schlösser gekauft, die ich an die innere Seite der Tür am Henkel befestige, sodass, selbst wenn jemand versuchen würde
hereinzukommen, dies nicht möglich wäre, weil die Tür angeschraubt war. Es gibt natürlich Regionen und Orte, wo es gefährlicher ist z.B. am Stadtrand, an den Umgehungsstraßen. In jeder Stadt gibt es einen ärmeren Teil der Gesellschaft, welcher davon lebt, was er stiehlt, und am einfachsten ist es, auf den Parkplatz zu gehen, die Lkws, Anhänger zu durchforsten, Benzin zu klauen. Dennoch muss man sagen, dass es in Polen sehr sicher ist. In Deutschland auch relativ, obwohl es immer öfter vorkommt, dass die Ladung vom Anhänger gestohlen wird. Vor allem im Süden Europas, also in Südfrankreich, Italien oder Spanien muss man sehr vorsichtig sein. Dort klauen sie nicht nur Benzin oder Schneiden die Anhänger auf, um zu
sehen, was sich dort befindet, sondern sprühen Gas in die Fahrerkabine rein, damit man einschläft. Dann kommen sie hinein und nehmen alles mit. Einem Fahrer ist genau diese Situation passiert und ihm wurde wortwörtlich alles aus der Kabine geklaut, auch dreckige Töpfe. Das zeigt, dass es auf der Welt Menschen gibt, die überhaupt nichts besitzen und somit sogar in der Lage sind, schmutziges Geschirr zu stehlen. Es passieren verschiedene Situationen, vor allem wenn man im internationalen Transport unterwegs ist, weil man da mit unterschiedlichen Kulturen zu tun hat. Eine andere Kultur herrscht in Polen, andere unter den Ukrainern und eine noch andere unter Bulgaren. Jeder hat seine Identität.
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Die Menschen verstehen oft nicht, dass der Lkw-Fahrer nach einem Arbeitstag nicht nach Hause fährt, wo er sein Badezimmer hat, sondern er schläft in der Lkw-Kabine. Iwona Blecharczyk
Einmal hatte ich eine unangenehme Situation in Spanien. Damals war ich mit Marta, einer Freundin unterwegs, die gerade in der Ausbildung war, und wir sind fürs Wochenende auf einen Parkplatz runtergefahren. Es stellte sich heraus, dass dort Türken waren, die uns dann ständig zu ihrem Lkw einluden. Wir wollten da aber nicht hingehen und am Freitagabend gelang es uns, sie loszuwerden, sie gaben uns Ruhe. Doch vor uns waren noch zwei Tage. Am Samstag haben wir unseren Lkw sauber gemacht, sie sind ständig zu uns gekommen, luden uns ein und letztendlich haben wir zugestimmt und sind mit ihnen ins Restaurant, welches auf´m Parkplatz war, Kaffee trinken gegangen. Wir hofften, dass sie dank dessen uns in Ruhe lassen, aber es ist ganz
anders gekommen. Schon in dem Moment, wo ich für meinen Kaffee bezahlen wollte, zerquetschte der Türke meine Hand, in der ich das Geld hatte, und da wusste ich, dass wir noch einige Probleme mit ihnen haben werden. Tatsächlich sind sie den ganzen Samstag ständig zu uns gekommen, luden uns ein, aber wir sind mit ihnen nicht mehr mitgegangen. Am Sonntag, als wir einen Film geschaut haben, hat einer der Türken an unsere Tür geklopft und meine Freundin hat automatisch die Tür aufgemacht. Der Mann kam in die Kabine herein und nahm einen Batzen Geld hervor, mehrere Tausend Euro. Obwohl wir uns mit ihm nicht verständigen konnten, weil wir in unterschiedlichen Sprachen redeten, verstanden wir, dass er uns zu verstehen geben möchte, etwas Geld dazuzuverdienen. Als er dann endlich gegangen ist, haben wir uns sofort in der Kabine verschlossen und sind nicht mehr herausgekommen. Vorher haben sie noch ständig nach unserer Telefonnummer gefragt, also hat Marta ihnen eine ausgedachte Nummer gegeben. Am Montagmorgen sind wir schnell von dort weggefahren und haben erst an der nächsten Tankstelle angehalten, um auf Toilette zu gehen. Danach hat Marta diesen Fahrer wieder getroffen, er hat sie auch erkannt, deswegen ist sie von dem Parkplatz schnell weggefahren. So wie du erwähntest, ist Benzindiebstahl manchmal das tägliche Brot für Fahrer. Ist dir so eine Situation auch zugestoßen? Klar. Es ist mir in Südfrankreich und Spanien passiert, aber da hatte ich nur noch Reservebenzin, daher konnten die Diebe nichts mehr herausholen. Aber meistens wird um die 300 Liter gestohlen und etwas wird im Tank noch übergelassen, damit wir zur Tankstelle kommen. Ich erinnere mich, als mir einmal Benzin gestohlen wurde, das war am Wochenende, ich war krank, bin auf einen Parkplatz heruntergefahren, habe sofort die Gardinen zugezogen und bin schlafen gegangen. Abends bin ich dann wach geworden und bin schnell aufgestanden, weil ich die Tür nicht zugeschlossen habe, dabei bemerkte ich, dass die Laterne, unter der ich extra geparkt habe, kaputt
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ist und es stockdunkel ist. Da ich aber krank war, bin ich einfach weiter schlafen gegangen, denn ich konnte sowieso damit nichts machen. Am nächsten Tag bin ich erst um 13 Uhr wach geworden und als ich herausgegangen bin, um auf Toilette zu gehen, roch ich Benzin. Ich fragte mich, woher dieser Gestank kommt, doch dann bemerkte ich eine Benzinpfütze. Es stellte sich heraus, dass während des Diebstahls das Benzin verschüttet wurde und daher kam dieser Geruch. So musste ich die Gendarmerie anrufen, sogar mehrmals, denn es kam keiner. Nach einigen Stunden kam endlich jemand, sie haben mir ein Protokoll niedergeschrieben und das war's. In Frankreich hingegen hatte ich so eine Situation, dass als ich die Polizei angerufen habe, sie mir die Adresse des nächsten Kommissariats gaben und da bin ich hingefahren. Ich sagte, wo ich stand und wie viel Benzin mir gestohlen wurde. Die Beamten haben ein Protokoll niedergeschrieben, welches ich dann der Firma weitergegeben habe. Was passiert, nachdem Benzin geklaut wurde, hängt von der Firma ab. Ich habe damals in einem großen Unternehmen gearbeitet, wo es reichte, wenn man ein Dokument von der Polizei vorlegte. In kleineren Firmen sind Fahrer jedoch für das Benzin verantwortlich und die Kosten für den Schaden werden von ihrem Lohn abgezogen, wenn es gestohlen wird. Deswegen haben viele spezielle Sicherungen für die Tanks. Was sind die Vorteile deiner Arbeit? Gibt es Tage, an denen sie dir Freude bereitet und an anderen zum Verhängnis wird? Natürlich ist es manchmal nicht einfach, z.B: wenn ich gerade gut schlafe, weil ich erschöpft war, aber mitten in der Nacht aufstehen muss, um loszufahren. Es fühlt sich an, als würde man sich selbst aus einem Raum herausreißen und manchmal tut es echt weh, um diese Uhrzeit aufzustehen. Doch man muss sich zusammenreißen, denn der ganze Konvoi steht bereit, alles ist vorbereitet, also muss ich Energie in mir sammeln und losfahren. Es ist auch ärgerlich, wenn ich unterwegs bin, duschen möchte und es stellt sich heraus, dass es an der Tankstelle keine Dusche
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April 2021
gibt oder sie kaputt ist. Darüber hinaus kommt es schon mal vor, dass man tagsüber während der Pause sitzt und alles pessimistisch sieht, darüber nachdenkt, wieso man eigentlich hier abbrummt und nicht weiß, was man mit sich machen soll. Es gibt solche traurigen Tage, doch dann kommen wieder schöne Momente und man vergisst alle Sorgen. Was die Vorteile angeht, so ist es für mich vor allem die Unabhängigkeit, die Erfüllung, das Gefühl, dass ich meine Leidenschaft habe, dass ich das tue, was mir gefällt und damit noch Geld verdiene. Du hast das Buch “Trucking Girl” geschrieben. Wann und wie bist du auf die Idee gekommen, es zu schreiben? Was wolltest du deinen Lesern mitgeben? Ein Buch habe ich schon am Anfang meiner Karriere in Betracht gezogen. Ich wusste, dass es für jemanden interessant sein könnte, deswegen habe ich das ganze erste Jahr über ein Tagebuch geführt, das aber für das Buch überhaupt nicht genutzt wurde. Ehrlich gesagt ist es mir dank der Pandemie gelungen, das Buch herauszugeben, denn vorher hatte ich andere Sachen zu tun. Als ich vor der Pandemie vom Verlag den Vorschlag bekam, ein Buch herauszugeben, lehnte ich ab, weil ich andere Pläne hatte. Die Pandemie verursachte jedoch, dass ich zum Entschluss kam, dass jetzt die Zeit für das Buch gekommen ist. Wie es so im Leben ist, passierte alles durch Zufall. Das Ziel war es, dem Leser das sog. «road life» zu zeigen. Das Buch hat mehrere Dimensionen. Ich konnte das Thema meiner Kindheit nicht auslassen, um zu zeigen, woher ich komme und dass mich harte Arbeit von klein auf begleitet hat. Manchmal bemitleiden mich Menschen, dass eine Frau so eine schwere Arbeit macht, aber für mich ist das nichts Neues, deswegen habe ich dieses Kapitel geschrieben. Ich erzähle auch verschiedene Anekdoten, interessante Einzelheiten, Erlebnisse aus meinen Fahrten und spreche über die Probleme dieses Berufes, damit Menschen, die keinen Kontakt mit dem Transportwesen haben, uns ein wenig besser verstehen.
Es war mir sehr wichtig, ein Kapitel über die Probleme, mit welchen Fahrer zu kämpfen haben, zu erstellen. Ich konzentrierte mich u.a. auf den Mangel an sanitären Einrichtungen und ich denke, ich habe ziemlich deutlich erklärt, warum dies ein dringendes Problem ist. Die Menschen verstehen oft nicht, dass der Lkw-Fahrer nach einem Arbeitstag nicht nach Hause fährt, wo er sein Badezimmer hat, sondern er schläft in der Lkw-Kabine. Ich verstehe nicht, wie man sagen kann, dass z.B. ein Fahrer, der gekommen ist, stinkt, dreckig ist, wenn er mehrere Tage lang keinen Zugang zu einer Toilette oder Dusche hatte und keine Möglichkeiten hat, sich zu waschen. Es lässt sich leicht sagen, dass Fahrer stinken, oder böse und genervt sind, aber schwieriger ist es zu sehen, wieso es so ist. À propos Anekdoten. Du hast am Wettbewerb Miss Polonia teilgenommen, da denke ich mir, dass es vom Schönheitswettbewerb über Lehrerin bis zur Lkw-Fahrerin ein ziemlich interessanter Karriereweg ist. Ja, es ist tatsächlich interessant. Frage mich nicht, wieso ich das gemacht habe, weil in diesem Moment verstehe ich selber nicht, was ich im Kopf hatte. Das war Miss Polonia auf der Regionalebene und eigentlich weiß ich jetzt nicht, warum ich es gemacht habe. Damals wollte ich mir selbst etwas beweisen, und als ich daran dachte, an diesem Wettbewerb teilzunehmen, habe ich einfach mitgemacht und das war's. Heute denke ich, dass es demütigend für eine Frau ist, über den Laufsteg zu laufen und sich nur auf den Körper zu konzentrieren. Zwar sagt man, dass es bei solchen Wettbewerben um mehr geht als nur um den Körper, doch die Juroren hatten keine Möglichkeit, mit den Kandidatinnen zu sprechen, sie kennenzulernen, also geht es letztendlich doch nur um den Körper. Deswegen verstehe ich nicht, wieso ich daran teilgenommen habe. Menschen tun verschieden Sachen, wenn sie jung sind. Du hast ein Profil auf Facebook, YouTube und Instagram und ganz viele Fans. Wie kamst du auf die Idee, diesen Weg zu gehen und dein Leben als Truckerin zu zeigen?
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Wenn ich auf dem Parkplatz auf der Spur für Großraumtransport stehe, aus meinem Lkw aussteige und vor mir normale Lkws stehen, schauen die Fahrer öfters vorbei und wundern sich. Iwona Blecharczyk
Als ich trotz aller Widrigkeiten endlich einen Job fand, war ich überglücklich, und als ich dann jeden Monat für eine Woche nach Hause kam, erzählte ich allen, was ich auf der Fahrt erlebt hatte. Abenteuer gab es natürlich viele, da man am Anfang alles lernen muss und auf verschiedene Probleme trifft, deswegen wollte ich das mit jemanden teilen. Zu Hause hatten sie schließlich genug von mir, also beschloss ich, mit einem Blog anzufangen. Da es mir aber nicht gelang, einen Blog zu erstellen, habe ich beschlossen, dass es für mich während der Tour einfacher wird, ein Facebookprofil zu führen. Somit legte ich mir ein Konto zu und Instagram kam dann einfach dazu. Sobald ich eine Community auf Facebook aufgebaut habe, bekam ich immer wieder Nachrichten, dass ich ein YouTube-Video machen soll, damit sie meine Stimme hören und mich besser kennenlernen können. Und so ist es dann auch passiert, ich habe mein erstes Video aufgenommen, das ging viral und beim Aufnehmen bin ich dann geblieben. Ist dir durch deine Social-Media-Präsenz etwas Gutes oder Unangenehmes begegnet? Triffst du Fans auf Parkplätzen? Ich hatte mit Hasskommentaren zu tun, aber da ich wirklich fabelhafte Follower habe, kommen solche Kommentare ganz selten. Es gab Momente, wo es mehr von diesen Hasskommentaren gab, aber seit vielen Jahren habe ich
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Ruhe damit, sodass es nur sehr wenige unangenehme Situationen gibt. Oft kommt es vor, dass ich auf Parkplätzen angesprochen werde, weil jemand ein Foto oder einfach nur quatschen möchte. Unangenehmer ist es, wenn ich erst aufgestanden bin, mich noch nicht fertiggemacht habe und jemand schon ruft, um ein Foto zu machen. Und auch wenn ich schlecht aussehe, weil ich gerade erst aufgewacht bin, sage ich natürlich nicht nein. Ich bin glücklich, wenn ich andere glücklich machen kann. Es kommt sogar vor, dass jemand lange versucht hat, mich zu treffen und es ihm schließlich auch gelingt. Das Stereotyp eines Lkw-Fahrers ist ein ziemlich unangenehmes Bild, wie du schon erwähntes - ein ungepflegter etwas dickerer Mann. Umso größer ist die Überraschung, wenn eine sportliche Frau aus dem Lkw steigt. Wie reagieren deine Kollegen aus der Branche auf dich? Im speziellen Transport arbeite ich schon seit vielen Jahren, somit ist hier keiner mehr verwundert. Anfangs war ich zwar etwas Neues, die Kollegen haben skeptisch auf mich geschaut, fragten sich, wie es wohl sein wird, ob sie alles für mich tun müssten, oder nur ein bisschen und wie ich sie behandeln werde, wie diese Zusammenarbeit funktionieren wird. Es war eine neue Situation für uns alle und jeder musste es lernen, aber derzeit ist meine Anwesenheit hier für keinen mehr merkwürdig. Wenn ich auf dem Parkplatz auf der Spur für Großraumtransport stehe, aus meinem Lkw aussteige und vor mir normale Lkws stehen, schauen die Fahrer öfters vorbei und wundern sich. Wenn wir uns abends für den Transport von Turbinen vorbereiten, alle Leiter kommen, wir zusammen stehen und die Route besprechen, sehe ich oft, dass andere Fahrer aus ihren einfachen Lkw aussteigen und hergucken. Einige möchte mich ansprechen, sind aber nicht mutig genug. Gibt es irgendwelche Mythen, Stereotypen über Fahrer, Trucker, die man abschaffen müsste? Ich bin auf der anderen Seite, deswegen weiß ich nicht, was in der anderen Welt
los ist. Von nichts kommt aber auch nichts. Es lässt sich einfach sagen, dass man mit einem unrasierten, stinkenden Fahrer zu tun hatte, aber so wie ich im Buch geschrieben habe, sollte man sich Gedanken machen, woher das kommt. Deswegen habe ich diesem Thema so viele Seiten gewidmet, weil es mir wichtig war, das den Lesern bewusst zu machen. Die Pandemie verschärfte es und zeigte, wer Fahrer sind und welche Bedeutung sie haben. Einerseits haben die Menschen verstanden, dass Apotheken, Geschäfte oder Tankstellen keine Vorräte haben, sondern dass alles fortlaufend mit Lkws, die auf Straßen fahren, den Verkehr blockieren, geliefert wird. Die Leute haben verstanden, was unsere Aufgabe ist. Auf der anderen Seite haben die Tankstellen ihre Toiletten und Duschen geschlossen. Schau dir den Kontrast an. Wenn die Fahrer während der ersten Pandemie gestreikt und es keine kontinuierliche Versorgung gegeben hätte, wären die Leute durchgedreht. Von daher hat die Gesellschaft verstanden, wie wichtig unsere Arbeit ist, aber wir wurden gleichzeitig auch gedemütigt. Fahrer, die oft mehrere Wochen unterwegs sind, hatten keine
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Möglichkeit, auf Toilette zu gehen oder eine Dusche zu benutzen. Später, auf dem Parkplatz, wo auch Autos stehen, liefen die Fahrer durch die Büsche, weil sie «mal mussten». Meiner Meinung nach wird dem Menschen damit seine Würde komplett genommen. Gleich wird jemand sagen, dass er den Fahrer im Gebüsch gesehen hat oder dass er ungeduscht war, aber man überlegt nicht, warum das so ist. Wie hoch ist der Preis für das Leben eines Berufskraftfahrers? Abwesenheit bei Familienfeiern? Weniger Kontakt mit Verwandten? Ich glaube, es ist vor allem die Abwesenheit im Familienleben. Abgesehen von größeren Feiern wie Kommunionen oder Hochzeiten, denn dann nehmen sich die Fahrer frei, aber ich denke an den Alltag. Autofahrer sind nicht dabei, wenn die Kinder aufwachsen, sie nehmen nicht an diesem normalen Familienalltag teil. Danke für das Interview. Gute Fahrt! Vielen Dank!
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April 2021
MIT NUR EINEM BEIN UND KRÜCKE KANN MAN AUCH TRÄUMEN - EIN BESONDERER WEG ZUM KAPITÄN DER POLNISCHEN NATIONALMANNSCHAFT VON ROBERT DETHLOFF
ÜBERSETZT VON PIOTR PIELA
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Um den Fußball für Personen mit Einschränkungen und Amputationen wird es in Polen immer lauter. In diesem Jahr wird in Kraków/Krakau die AmputiertenFußball-EM ausgetragen (12. - 19. September). Przemysław Świercz, der Kapitän der polnischen Nationalmannschaft, hat mit PolenJournal.de über die Hoffnungen, Träume und Zukunftspläne sowie über die Disziplin selbst gesprochen. Przemysław Świercz mit Robert Lewandowski Foto: Paula Duda
Robert Dethloff [PolenJournal.de]: Was bedeutet dir persönlich Sport und der Amputierten-Fußball? Was hat er dir gegeben? Przemysław Świercz: Amputierten-Fußball? Das ist vor allem Leidenschaft. Es ist Sport, Fußball, aber in diesem Sinne, dass er mir von Anfang an am Herzen lag. Als ich noch ein kleiner Junge war, in der ersten oder zweiten Klasse, und noch zwei Beine hatte, war Fußball ein Alltagsbegleiter für mich. Jede Mußestunde habe ich zusammen mit meinen Freunden genutzt, um hinter dem Wohnblock zu kicken. Wir haben Tore aufgebaut und gespielt. Sport hat mich immer begleitet. In der Grundschule war es Fußball. Später in der Oberschule Fußball und Basketball. Später habe ich an der Sporthochschule studiert, man kann also sagen, breit gefasster Sport. Es waren mehr als nur zwei Sportdisziplinen, und gleichzeitig kam die andere Seite des Sports, also eine Ausbildung zum Trainer, Sportlehrer und alles was damit einhergeht. Nach dem Unfall, als ich mein Bein verlor, suchte ich nach Sportarten für Menschen mit Beeinträchtigungen. Ich habe es mit Schwimmen und Basketball probiert, aber teils unbewusst suchte ich nach dem Amputierten-Fußball. Damals gab es sowas in Polen nicht. Erst zwei Jahre später, also 2011, ist diese Sportart ins Land gekommen. Ich bin zum zweiten Trainingslager dazugestoßen und bin bis heute noch dabei. Es ist Leidenschaft, etwas das du machen willst, etwas was du immer im Hinterkopf hast. Unbewusst passt du viele Dinge an, sei es beim täglichen Training, oder Liga- und
Nationalmannschaftsspielen und Trainingscamps. Es ist ein wichtiger Bereich in meinem Leben. Heute kann ich mir ein Leben ohne Amputierten-Fußball nicht mehr vorstellen. Er gibt mir eine Möglichkeit solche Träume zu erfüllen, wie für die Nationalmannschaft oder meinen Verein Wisła Kraków aufzulaufen, aber auch Rivalität. Nicht nur mit der gegnerischen Mannschaft, aber auch Rivalität mit sich selbst. Tagtägliche Herausforderungen bei jeder Trainingseinheit. Manchmal ein Gedankenspiel, wenn man keine Lust hat, beim Training zu erscheinen, aber man muss die Einheit absolvieren und am Ende lohnt es sich auch. Amputierten-Fußball, das sind vor allem Menschen. Mitspieler, Trainer, Vereinsbosse und Mitarbeiter, Fans und Sponsoren. Das alles Zusammen, diese Leute, das sind die Gründe, warum ich es mache, warum ich Freude daran habe und weshalb ich trotz meiner 40 Jahre immer noch ein besserer Spieler sein will. Es sind alles positive Aspekte dieser Disziplin. Kann der Amputierten-Fußball einer jungen Person mit einer körperlichen Beeinträchtigung helfen in das Leben und den Alltag zurückzufinden und einen neuen Impuls oder einen Lebenszweck geben? Ja, aber ich glaube, vieles hängt davon ab, über wen wir sprechen. Bei dieser Person muss ein Wille da sein, sich selber zu helfen, sie muss es einfach wollen. Amputierten-Fußball kann hingegen ein Werkzeug oder ein Bereich sein, welcher einem jungen oder älteren Menschen hilft, sich nach einer Amputation in der neuen Wirklichkeit
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April 2021
wiederzufinden. Amputierten-Fußball kann in gewisser Hinsicht ein Heil- und Rehabilitationsmittel und ein neues Lebensziel sein. Wenn wir gerade im Leben eine schwierige Zeit durchmachen ist es oft so, dass wir nach einem neuen Weg, neuem Ziel oder einer Begründung suchen, und fragen, weshalb es gerade uns getroffen hat. Der Amputierten-Fußball kann ein Wegweiser sein. So war es teils auch in meinen Fall. Noch mit zwei Beinen, habe ich den Traum für die Nationalmannschaft zu spielen, schon längst abgeschrieben. Der Amputierten-Fußball hat mir gezeigt, dass man auch nur mit einem Bein sich seine Träume erfüllen kann. Man kann Nationalspieler werden, zur EM oder WM fahren, in der Liga spielen, Punkte holen und gewinnen. Für jemanden nach einem Unfall oder Amputation kann dies eine neue Anregung sein. Der Kreis von Menschen mit Einschränkungen kann eine Unterstützung für eine junge Person sein, für einen älteren Menschen, der eine Amputation hinter sich hat, und diese Unterstützung braucht. Wir tauschen uns mit Erfahrungen aus, oder lernen etwas über verschiedene technische oder mentale Lösungen. Ich denke, dass der Amputierten-Fußball und Sport, für körperlich beeinträchtigte Personen überhaupt, viele soziale Funktionen erfüllt. Wie ist es die Kapitänsbinde der Nationalmannschaft am Arm zu tragen? Was ist das für ein Gefühl? Fühlst du dich für die Mannschaftskollegen verantwortlich? Klar, das ist eine riesengroße Verantwortung. Ich weiß nicht, ob es tatsächlich so ist, ob ich mich selber unter Druck setze, aber ich spüre ihn. Gleichzeitig ist es für mich eine riesengroße Freude, dass ich der Spielführer sein darf und die Kapitänsbinde trage. Ein ganz besonderer Moment vor jedem Spiel ist für mich, wenn der Trainer mir die Binde an meinem linken Arm aufzieht. Das ist die beste Belohnung für die harte Arbeit beim Training, bei Trainingslagern und eine Ehre. Darauf bin ich stolz. Es ist auch eine Verantwortung, weil das wie ich arbeite auch Einfluss auf die jüngeren Mitspieler im
Foto: Paula Duda
Team nimmt. Manche Dinge zeigt man am besten am eigenen Beispiel. Nicht mit Worten, oder mit großem Gerede, sondern mit der Leistung auf dem Platz und dem, was man neben dem Spielfeld macht. Wenn ich etwas von einem Mitspieler erwarte, dann muss ich es auch von mir selbst erwarten. Das ist diese Verantwortung. Wie würdest du das Team beschreiben, bei dem du der Kapitän bist? Ich denke, es ist schwierig diese außergewöhnliche und starke Mannschaft in wenige Worte zu fassen. Auf jeden Fall ist es ein Team, welches sich aus verschiedenen Personen, Charakteren sowie Lebensgeschichten und Erfahrungen zusammensetzt. Jeder vor uns hat eine andere Vergangenheit, jeder ist anders. Im Leben handeln wir nach ähnlichen oder komplett verschiedenen Prinzipien, Werten, aber in dieser Vielfalt liegt unsere Stärke. Wir bilden ein Team, wir können die Welt der anderen Person verstehen und respektieren sowie unsere Stärken für die Mannschaft nutzen. Ich denke, das ist der Schlüssel zum Erfolg. Wir sagen oft, wir bilden eine sportliche Familie und ich bin der Meinung, dass dies nicht übertrieben ist. Es ist tatsächlich so. Zuckersüß ist es aber nicht immer. Es gibt Meinungsverschiedenheiten,
Diskussionen und manchmal Streitigkeiten. So lernen wir uns gegenseitig, das zu sagen, was uns auf dem Herzen liegt, damit wir gemeinsam nach einer Lösung suchen und einen Monolith bilden. Ich bin mir sicher, dass wenn wir gemeinsam stark wie ein Felsen sind, dann wird uns nichts aufhalten. So könnte man dieses Team kurz beschreiben. Wie bereitet ihr euch auf die Spiele vor? Die Spieler im Kreise der Nationalmannschaft haben ein individuelles Trainingsprogramm, welches jetzt zweimal pro Woche umgesetzt wird. Es ist eine Einheit, die rund 90 Minuten dauert. Darunter gibt es ein Training mit dem Ball, Lauftraining, Krafttraining und Stabilisierungsübungen. Einmal im Monat haben wir ein Trainingslager, welches von Freitag bis Sonntag dauert. Am Samstag müssen wir zwei Einheiten absolvieren, und am Sonntag eine. Das Coronavirus schränkt uns ein wenig ein, und nicht alle Trainingslager haben planmäßig stattgefunden. Ganz am Anfang der Pandemie in Polen hatten wir Onlinetranings. Wir wurden in kleinere Gruppen eingeteilt und jede Gruppe hatte einen Trainer zugeteilt bekommen. Wir haben also zu Hause
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Wir setzen uns ein Ziel, und zwar diese EM zu gewinnen. Wir fahren dorthin, um die Goldmedaille zu holen. Wir denken darüber selbstverständlich mit Demut und Respekt für unsere Gegner nach, aber wir schauen nicht aufs Minimum. Przemysław Świercz
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trainiert. Klar, man konnte nicht alles machen, aber diese Basissachen, Konditionstraining, Stabilisierungsübungen haben wir umgesetzt. Alle Nationalspieler trainieren auch bei ihren Vereinen. Diese funktionieren derzeit in Polen unterschiedlich. Manche sind besser organisiert und trainieren zweimal pro Woche, andere treffen sich zum Training seltener, z.B. ein Mal pro Woche oder gar monatlich bei solchen Trainingslagern. Welche Momente auf dem Spielfeld sind dir besonders in Erinnerung geblieben und warum? Ich denke sehr viele. Ein Moment der immer in Erinnerung bleibt, ist immer das Singen der Hymne vor dem Spiel. Apropos solche Situation - ein sehr schöner Moment war ein Spiel in Kraków/Krakau im Juni 2019. Damals in dem Stadion von Prądniczanka haben wir vor einer Rekordkulisse (1.500 Zuschauer) gespielt und die Hymne mit den Fans gesungen. Ein sensationeller Moment. Ein fantastisches Gefühl. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich zur Aufwärmung auf dem Platz stand. So viele Zuschauer und die Stimmung auf den Rängen… Ich dachte damals, dass man gerade für so einen Moment trainiert und Opfer bringt. Das ist die beste Belohnung
für alles, für die harte Arbeit, die man reingesteckt hat. So ein Moment, den ich nicht vergessen werde (glaube ich zumindest), war das Spiel gegen Angola im WM-Viertelfinale 2018. Wir waren 4 Minuten vom Halbfinale entfernt. Wir haben damals 3-1 geführt und innerhalb dieser 4 Minuten alles verspielt. Angola schaffte den Ausgleich und es ging ins Elfmeterschießen, wo wir verloren haben. Ein sehr schwieriger Moment für mich und für das ganze Team. In Erinnerung bleibt auf jeden Fall die Freude über die Bronzemedaille bei der EM, oder die erste Teilnahme bei der WM. Damals sind wir nach Kaliningrad/Königsberg gefahren, um Erfahrung zu sammeln und haben fast alles Spiele verloren. Nur gegen Japan gewannen wir im Elfmeterschießen und am Ende wurden wir Vorletzter. Trotzdem war es ein außergewöhnliches Erlebnis. Ich denke, es gibt mehrere von diesen Momenten, wo wir z.B. beim Amp-Futbol Cup-Turnier zu den Zuschauern kommen durften, und nach den gewonnenen Spielen einen Fünfer abschlagen konnten. Das sind ebenfalls fantastische Emotionen. Ich kann mich an die Fans erinnern, welche zu uns kamen, an die Kinder mit Beeinträchtigungen, die einfach hallo sagen und uns sehen wollten.
Einmal habe ich meine Kapitänsbinde einem Jungen mit Beeinträchtigung geschenkt, damit sie eine Motivation, ein bisschen Inspiration und ein wenig auch eine Belohnung für ihn ist, für seine Tapferkeit und damit er im Leben zurechtkommt. Das sind also solche Momente, voll gespickt mit ergreifender Rührung und Emotionen, welche manchmal positiv aber auch manchmal weniger positiv sind. Du hast es bereits erwähnt - dieses Jahr wird in Kraków/Krakau die Amputierten-Fußball-EM ausgetragen. Setzt ihr euch ein Mindestziel? Nein, ein Minimum nicht. Wir setzen uns ein Ziel, und zwar diese EM zu gewinnen. Wir fahren dorthin, um die Goldmedaille zu holen. Wir denken darüber selbstverständlich mit Demut und Respekt für unsere Gegner nach, aber wir schauen nicht aufs Minimum. Wir schauen auf unser Maximum. Auf das, was wir erreichen können. Deswegen ist der Plan für die EM schon seit langem im Gange, weil das Turnier bereits 2020 stattfinden sollte. Das Turnier wurde modifiziert und verlegt. Die Ausgangslage ist also anders. Wir modifizieren unsere Trainingseinheiten und die Vorbereitungen laufen bereits. Um fair gegenüber sich selbst, der Mannschaft und den Fans zu sein, dürfen wir nicht von einem Minimalziel
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April 2021
sprechen und daran denken. Unser Ziel ist eins - alle Spiele bei der EM zu gewinnen und Gold holen. Robert Lewandowski ist der Botschafter der EM. Spürt ihr seine Unterstützung? Ja. Ich hatte die Gelegenheit Robert privat kennenzulernen. Er ist ein fantastischer Mensch, Ehemann, Vater und vor allem ein Sportler und Fußballer. Er unterstützt uns mental, finanziell und im Marketingbereich. Soweit es geht, ist er bei unseren Spielen und Turnieren dabei und trifft sich mit uns. Zuletzt 2019 bei Amp-Futbol Cup. Die komplette zweibeinige polnische Nationalmannschaft war damals in Warszawa/Warschau. Robert Lewandowski, aber auch andere Botschafter, wie Łukasz Fabiański und Kamil Grosicki, sind gekommen, um unser Spiel gegen Frankreich zu sehen. Vor dem Anpfiff haben sie «hallo» gesagt und sind dann gemeinsam mit uns auf das Spielfeld gegangen, auf das Spielfeld gegangen und haben bei der ersten Halbzeit mitgefiebert. Später mussten sie schon zu ihrem Trainingslager, aber es sind solche Momente, wo diese Unterstützung spürbar ist. Mit Robert Lewandowski gab es noch einen sehr schönen Moment. Das war 2018, als wir von der WM zurückgekommen sind. Er wollte sich bei uns für unseren Einsatz bedanken, und hat uns zu sich nach München, zum Spiel gegen RB Leipzig eingeladen. Am Tag danach hat er uns dann auf dem Trainingsgelände des FC Bayern empfangen. Er ist zu uns gekommen, hat mit uns gut eine Stunde gesprochen, alle Fragen beantwortet und hat Autogramme, Trikots und Fotos verschenkt. Er ist als ein netter, freundlicher und sehr offener Mensch hervorgetreten. Gut, dass wir solche Botschafter haben. Wie sehr haben die Erfolge der Nationalmannschaft diese Sportdisziplin und ihre Wahrnehmung in Polen verändert? Ist das Interesse nach der WM in Mexiko gestiegen und ist es so geblieben? Ich glaube, die Erfolge stehen uns noch bevor. Ich bin fest überzeugt, dass nicht
nur die großen Siege, sondern die tägliche Arbeit der Sportler, Trainer und aller Personen aus dem Umfeld, welche diese Disziplin in Polen leiten, dafür verantwortlich sind. Es ist aber ein wenig so, dass der sportliche Erfolg, das Marketing und die Medien noch zusätzlich puschen und das Interesse weckt. Der erste Erfolg, also Platz Vier bei der WM 2014, war ein wichtiger und bahnbrechender Schritt, weil sich gleich viel mehr Menschen für uns interessierten. Dann kam 2018 und die Bronzemedaille bei der EM - der Erfolg, mit dem wir zurückgekommen sind, schlug auch breite Wellen in Polen. Die polnische Ekstraklasa, also die Liga, ist gestartet, später die Champions-League
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Ich glaube, dass Sport den jungen Spielern vor allem Selbstbewusstsein gibt, hilft das Bewusstsein von sich selbst als Menschen, als Fußballspieler und als eine Person mit einer körperlichen Beeinträchtigung aufzubauen. Vor allem ist es aber Freude. Przemysław Świercz
mit Legia Warschau, was auch von den Medien verbreitet wurde. All diese Sachen sorgen dafür, dass es immer mehr Fans gibt. Sie kommen zu den Ligaspielen oder zur Nationalmannschaft. Dazu helfen uns auch die bereits erwähnten Botschafter. Kamil Grosicki bringt uns immer wieder bei den Medien ins Spiel. Das ist aus Sicht des Marketings sehr anregend. Ich denke das die EM in Kraków/Krakau der nächste Meilenstein wird, sodass es um den Amputierten-Fußball noch lauter und die Disziplin noch beliebter wird.
Du hast auch ein wenig die Strukturen im Amputierten-Fußball angesprochen. In Deutschland gibt es mittlerweile schon Amputierten-Fußballmannschaften, hingegen in Österreich und in der Schweiz noch nicht. Hilft Polen als Mitglied der European Amputee Football Federation (EAFF) Spielern aus diesen Ländern Vereine zu Gründen? Ich denke, dass diese Frage eher Mateusz Widłak, also der Vorsitzende des polnischen Verbandes und der EAFF beantworten sollte. Von dem, was ich höre, wird nach Lösungen gesucht, sodass immer mehr Vereine gegründet werden und immer mehr Spieler und Nationalmannschaften bei dieser Disziplin mitspielen. Jeder neue Spieler, jeder Verein ist ein Mehrwert für diesen Sport und gibt uns mehr Möglichkeiten für Spiele und Rivalität, aber es gibt auch mehr Nationalmannschaften bei der WM oder EM. Das steigert auch die Qualität dieser Sportart. Du bist auch bei den Junior Amp Futbol-Trainigscamps mit dabei. Wie sieht der internationale Erfahrungsaustausch zwischen den jeweiligen Ländern aus? Wie gesagt, wir haben unsere Trainingslager in Polen, aber einmal im Jahr werden noch zusätzlich Junior Camps veranstaltet. Ich bin an diesem Projekt seit Januar 2020 beteiligt. Im Vorjahr sollte auch ein Junior Camp stattfinden, aber aufgrund von Covid-19 wurde das verschoben. Ich hoffe, dass ich 2021 die Gelegenheit habe bei diesem internationalen Trainingslager mitzumachen. Von dem, was ich gehört habe, gibt es bei diesem Camp einen Austausch zwischen den Spielern und Trainern und die Kinder können miterleben, was diese Disziplin ausmacht, wie sie sich entwickelt und selbstverständlich auch mitmachen und sich mit anderen, internationalen Spielern messen. Können dank dem Junior-Amputierten-Fußball Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen an Selbstbewusstsein gewinnen und mehr an sich selbst und das eigene Können glauben?
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Wer ist dein fußballerisches Vorbild?
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Der erste Erfolg, also Platz Vier bei der WM 2014, war ein wichtiger und bahnbrechender Schritt, weil sich gleich viel mehr Menschen für uns interessierten. Dann kam 2018 und die Bronzemedaille bei der EM - der Erfolg, mit dem wir zurückgekommen sind, schlug auch breite Wellen in Polen. Przemysław Świercz
Ich denke, es ist ähnlich wie bei Erwachsenen. Mit aller Sicherheit könnte jeder junge Spieler für sich selbst sprechen und seine Geschichte erzählen. Ich glaube aber, dass Sport ihnen vor allem Selbstbewusstsein gibt, hilft das Bewusstsein von sich selbst als Menschen, als Fußballspieler und als eine Person mit einer körperlichen Beeinträchtigung aufzubauen. Vor allem ist es aber Freude. Ich muss immer Lachen, wenn kleine Knirpse nach dem Ball greifen, und einfach spielen, ohne groß zu schauen und zu analysieren. Sie spielen, um Spaß zu haben, um zu rivalisieren und um Tore zu schießen. Das zaubert mir immer ein Lächeln in mein Gesicht. Ich denke auch, dass die Trainingslager den Eltern auch viel Motivation, Energie und Selbstbewusstsein geben. Das ist auch eine Möglichkeit andere Erwachsene zu treffen, welche sich mit ähnlichen Herausforderungen und Sorgen messen. Man kann sich zu den verschiedensten Sachen austauschen - Erfahrungen, Ärzte, Herstellern von Prothesen und Lösungen in diesem Bereich.
Davon gibt es viele. Als ich mit Fußball angefangen habe, waren es Paolo Maldini und Franco Baresi vom AC Mailand. Dann kam die Zeit, als Andres Iniesta und Xavi für den FC Barcelona spielten. Sie beeindruckten mich mit ihrer Ruhe im Spiel, mit der Erfahrung und der Spielübersicht. Jetzt ist es wiederum Robert Lewandowski, weil ich ihn persönlich kennenlernen konnte. Er ist für mich ein Beispiel für Professionalismus und geduldige, aber konsequente Arbeit. Er hat sich ein klares Ziel gesetzt und das setzt er mit aller Leidenschaft um. Das ist beeindruckend. Welcher Mannschaft drückst du die Daumen? Meinem Verein, also der Amputierten-Fußballmannschaft von Wisła Krakau, mit der wir im letzten Jahr zweiter in der Liga wurden. Ich drücke die Daumen für mich und meine Mannschaftskollegen, damit wir in diesem Jahr Meister werden. Wenn es wiederum um Fußball mit zwei Beinen geht, dann ist es der FC Barcelona. Dieser Verein liegt mir seit eh und je am Herzen. Jetzt befindet er sich zwar in einer Krise, aber ich glaube, dass es mit Ronald Koeman und einigen Veränderungen im Verein wieder bergauf geht. Ich drücke auch dem FC Bayern die Daumen, mit dem Robert Lewandowski die Champions League gewonnen hat. Ich glaube, dass die Mannschaft in diesem Jahr den Erfolg wiederholen könnte. Wenn wir schon beim Thema Erfolg sind. Was ist dein Erfolgsrezept? Ich hatte noch keinen Erfolg, also habe ich auch kein Erfolgsrezept. Wenn das der Fall ist, dann gebe ich es aber weiter. Viele von euren Spielen kann man auf Facebook live mitverfolgen. Kann man mithilfe von sozialen Medien gerade jetzt in der Pandemie das Interesse der Fans leichter wecken? Ich denke schon. Soziale Medien sind ein wichtiger Bereich im Leben, für das
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Funktionieren der Gesellschaft. Mit diesem Werkzeug können wir gerade jetzt, wo ein großer Teil des Lebens im Netz stattfindet, jeden Bewohner Europas und der Welt erreichen. Ist es Facebook, Instagram oder YouTube braucht man nur online zu gehen, drauf zu klicken, um ein Spiel zu sehen oder mehr über einen Spieler zu erfahren. Ich bin auch eine Person, die bewusst mein Bild in sozialen Medien kreiert, um u.a. zu zeigen, dass man mit einer körperlichen Beeinträchtigung Leben und glücklich sein kann. Ich nutze diese Kanäle, um so viele Personen wie möglich zu erreichen und um zu zeigen, dass man Träume haben und das Leben genießen kann. Wie stellst du dir die Zukunft vom Amputierten-Fußball vor? Interessante Frage. Auf jeden Fall wäre es schön, die Trophäe in Krakow/Krakau hochzuheben, Platz eins und eine EM-Medaille zu ergattern. Wenn wir das erreichen, dann glaube ich, steht die Welt für uns offen. Das Interesse der Fans wird dann immer größer, nicht nur in den sozialen Medien, aber auch im Fernsehen, wobei seit kurzem der Sender TVP Sport auch manche Spiele der Nationalmannschaft live überträgt. Es wäre schön, wenn die Fans auf den Rängen sitzen dürfen, und wenn es noch mehr sind, sowohl bei den Ligaspielen als auch bei der Nationalmannschaft. Ich würde mich freuen, wenn neue Vereine in Polen gegründet werden und man mehr Kinder und Jugendliche für das Projekt Junior Amp Futbol gewinnen kann. Je mehr es heute von diesen kleinen Knirpsen sind, desto besser wird in 5 bis 6 Jahren die Zukunft des Amputierten-Fußballs aussehen. Wenn wir schon bei Zukunftsplänen sind, dann muss ich fragen - planst du eine Biografie herauszugeben? Interessante Frage, denn du bist die zweite Person, die mich das fragt. Ich sage es so - ich sehe noch nichts, was interessant für einen Leser wäre, also um die Frage zu beantworten - nein, noch nicht (lacht).
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April 2021
UFO,
MYSTIFIZIERUNGEN
UND RACHE
VON PAULINA KUC
Foto: Pixabay
WAS PASSIERTE WIRKLICH IN EMILCIN?
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EMILCIN IST DER BEKANNTESTE POLNISCHE ORT, AN DEM ANGEBLICH DER MENSCH AUF EINEN AUSSERIRDISCHEN TRAF. WAS JEDOCH WIE EINE AUFREGENDE GESCHICHTE KLINGT, ERWEIST SICH ALS EINE FARCE, AN DIE TAUSENDE BEWOHNER POLENS JAHRELANG GEGLAUBT HABEN.
D
er 10. Mai 1978. Jan Wolski, ein einfacher Bauer aus Emilcin fährt mit einem Pferdewagen durch den Wald nach Hause. Auf einmal trifft er zwei komisch aussehende Gestalten auf seinem Weg. Sie waren ungefähr 1,4 m groß, hatten grüne Gesichter, Schlitzaugen und vorstehende Wangenknochen. Sie trugen schwarze Overalls. An den Händen hatten sie eine Schwimmhaut zwischen den Fingern und sprachen in einer merkwürdigen Sprache. Dieses außergewöhnliche Aussehen der Reisenden hat Wolski jedoch nicht erschreckt. Er hat sie sogar auf seinem Pferdewagen mitgenommen, was er übrigens ziemlich oft machte. Der Bauer war nur von der unnormal großen Belastung des Wagens erstaunt. Trotzdem hat er die Reise ohne etwas zu sagen fortgesetzt. Er nahm die Reisenden bis zur Lichtung mit, wo er ein riesiges und strahlendes Raumschiff mit einer Art von Aufzug sah, welches 5 Meter über dem Boden schwebte. Die unbekannten Wesen baten Wolski in den Aufzug hineinzugehen und nach oben zu fahren, was der Mann ohne Überlegung gemacht hat. Im Inneren warteten zwei weitere Gestalten, die ihn baten, sich auszuziehen und eine Untersuchung durchgeführt haben. Danach boten sie dem Mann Essen in Form eines Zapfens an. Dieses Angebot hat Wolski jedoch abgelehnt. Er behauptete, dass die Außerirdischen außergewöhnlich freundlich waren und sich sogar zum Abschied verneigten, als sie ihn vom Schiff herausgelassen haben.
Danach fuhr Wolski schnell nach Hause, um der eigenen Familie von dem außergewöhnlichen Treffen zu erzählen. Als er jedoch wieder zur Lichtung mit seinen Söhnen und Nachbarn kam, war das Raumschiff zusammen mit den Außerirdischen verschwunden. Geblieben sind nur Spuren. Dieses Ereignis hat sich herumgesprochen und die Geschichten und Gerüchte wurden immer lauter und lauter. Schließlich wurde es von dem polnischen Ufologen Zbigniew Blania-Bolnar genauer unter die Lupe genommen, der vor Ort eine Ermittlung durchführte, welche die Geschichte von Wolski bestätigte. Jahrelang wurde Emilcin als das polnische Roswell angesehen, also ein Ort, wo Außerirdische gelandet sind. Ebenfalls Blania-Bolnar gewann durch seine Ermittlung an riesiger Beliebtheit im Lande. Keiner hat seine Version infrage gestellt. Doch alles hat sein Ende. Diese Aufgabe nahm Bartosz Rdułtowski auf sich, ein polnischer Publizist und Mystery Hunter. Nach einer genauen Analyse der vorhandenen Beweismittel, hat er festgestellt, dass in Emilcin nie ein Ufo gelandet ist und das ganze Geschehen eine große Mystifizierung war, die aus Rache erfunden wurde. „Am 10. Mai 1978 landeten im nahe Opole Lubelskie liegenden Emilcin keine Außerirdischen“, stellt der Experte im Gespräch mit PolenJournal.de klar.
WAHRHEIT ODER MYSTIFIZIERUNG? Was passierte also in Wirklichkeit? Wer hatte seine Finger im Spiel bei dieser riesigen Mystifizierung? „Die Frage sollte eher lauten «Wer und zu welchem Zweck nutzte Jan Wolski aus, um die größte mit Ufos verbundene polnische Mystifizierung zu erschaffen?» Am Anfang meiner Ermittlung dachte ich, dass dahinter der Geheimdienst stand und dass die Außerirdischengeschichte
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die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von der aktuellen politischen Lage im Land ablenken sollte. So ein klassisches Ersatzthema“, kommentiert Rdułtowski. Die Wahrheit war jedoch viel überraschender und kurioser, als man sich hätte denken können. Zurück jedoch zu Zbigniew Blania-Bolnar und seiner Ermittlung. Er spielt nämlich die Hauptrolle in der Verbreitung der Geschichte von der Ufo-Landung im Emilcin. Der Mann war ein Ufologe, gelernter Magister der Soziologie. Er hatte eine Leidenschaft für übernatürliche Wesen und suchte nach Spuren ihrer Anwesenheit auf der Erde. „Blania-Bolnar war der Richter in eigener Klage. Er kontrollierte die ganze Emilcin-Ermittlung und Narration, schrieb zu diesem Thema die wichtigsten Artikel, Bücher und bereitete sogar im Jahr 1978 einen Film mit dem polnischen Fernsehen vor, welchen Millionen von Polen gesehen haben. Es unterliegt keinem Zweifel, dass Zbigniew Blania-Bolnar Emilcin zur angeblich am besten dokumentierten und glaubhaftesten polnischen Begegnung mit einem Ufo kreierte. Blania-Bolnar war clever, denn zu seiner Ermittlung lud er einen vertrauten Psychologen aus Lodz/Łódź ein und später stützte er sich auf die Ergebnisse der Untersuchung, welche an Wolski durchgeführt wurde und die der Ufologe selber in Lublin leitete. Von außen sah alles musterhaft und glaubwürdig aus. Erst als ich angefangen habe, die Tonaufnahmen von der Vernehmung und Untersuchung von Wolski aus dem Jahr 1978 abzuhören, die ich aus dem privaten Archiv von Blania-Bolnar, der damals bereits verstorben war, ergatterte, stellte sich heraus, dass Blania-Bolnar in Emilcin keine Ermittlung führte, sondern versuchte, das Ereignis glaubwürdig zu machen“, stellte der Autor des Buches „Tajne Operacje. PRL i UFO“ fest. Es stellte sich nämlich heraus, dass Blania-Bolnar nur nach bestimmten Informationen suchte und sie so anpasste, um seine These zu bestätigen. Er deutete also Wolski Antworten an, ermunterte ihn, falsche Elemente in die Geschichte einzuflechten. Zusätzlich deutete er der Öffentlichkeit an, dass
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April 2021
der Bauer unmöglich zu hypnotisieren war, weswegen man Wolski keine falschen Informationen einreden könnte. Das war jedoch nicht der Fall. Aus den Untersuchungen folgt nämlich, dass der damals 71-jährige Mann, dessen Weltwissen stark beschränkt war, sehr anfällig für Suggestionen war. Blania-Bolnar fand jedoch einen weiteren Zeugen, der das fliegende Raumschiff angeblich sah. Dieser war jedoch damals erst 6 Jahre jung. „Der angebliche Zeuge, der das Raumschiff bemerkte, das auch Wolski sah, war damals 6 Jahre jung und hat später seine Aussage zurückgezogen. Das war für mich keine Überraschung. Als ich die Tonaufnahmen von seiner Vernehmung aus dem Jahr 1978 Jahr abhörte, war ich überzeugt, dass er manipuliert wurde“, erklärte Rdułtowski. Das Kind behauptete, dass es am Himmel ein fliegendes Raumschiff sah. Doch laut seiner Mutter begann ihr Sohn die Geschichte zu erzählen, als die ganze Ortschaft bereits darüber sprach, was Wolski passiert ist. Er konnte sich also alles ausdenken. Blania-Bolnar ignorierte jedoch ihre Worte und erklärte den Jungen als einen glaubwürdigen Zeugen. Die von Blania-Bolnar unternommenen Untersuchungen und Handlungen wurden auf zahlreichen Tonaufnahmen festgehalten. Aus ihnen erfuhr Bartosz Rdułtowski, dass diese fahrlässig, sogar nur um die Hypothese des Ufologen zu bestätigen, durchgeführt wurden.
RACHE Der größte Beweis dafür, dass die ganze Geschichte eine Mystifizierung war, sind Briefe zwischen Zbigniew Blania-Bolnar und Witold Wawrzonek, einem anderen Ufo-Liebhaber. Beide haben sich bereits früher gekannt, und Wawrzonek hegte einen riesigen Groll gegen Blania-Bolnar. Sie haben zusammen einige Zeit gearbeitet und nahmen kurz vor den Ereignissen in Emilcin an einer Fernsehshow teil. Dort wurde Wawrzonek, der sich für Hypnose interessierte und sicher war, dass man ihn nicht hypnotisieren kann, einer Hypnose unterzogen und Blania-Bolnar hat ihm falsche Erinnerungen über ein Treffen mit Außerirdischen eingeredet. Wawrzonek konnte sich mit einer so großen Demütigung nicht abfinden und hegte einen großen Groll. Interessant ist, dass Wawrzonek auch Jan Wolski kannte und selber Blania-Bolnar über die Ereignisse in Emilcin informierte. „Sehr relevant war die Korrespondenz zwischen Blania-Bolnar und Wawrzonek. Sie brachte mich auf die Spur der ganzen Mystifikation, die in Emilcin stattgefunden hat. Wichtig war auch die Korrespondenz von Witold Wawrzonek mit anderen damaligen Ufologen. Sie skizzierte nämlich ein völlig anderes Bild des Ufo-Liebhabers und vor allem bewies sie klar und eindeutig, dass er Zbigniew Blania-Bolnar hasste und mochte es, Intrigen auszuhecken.“
„Jahrelang wussten nur ein paar polnische Ufologen, dass Wawrzonek als erster mit Wolski sprach und als nächstes Blania-Bolnar über das Geschehen informierte. Daraufhin kam der Mann nach Emilcin und führte seine Ermittlung durch. Anfangs war es für mich merkwürdig, weil Wawrzonek selber dank Emilcin nicht nur in der polnischen Ufologie, sondern auch Presse bekannt werden konnte. Noch merkwürdiger schien es für mich, als ich einen Brief aus dem Jahr 1977 von Wawrzonek ergatterte, welcher an das Programm ‚Sonda‘ geschickt wurde. Darin war ein Bild eines angeblichen Ufos, das er selber gemacht haben sollte, mit einer genauen Beschreibung des Geschehens. Ein Beleg dafür, dass Wawrzonek in den Medien eine Karriere in Sachen Ufo starten wollte. Wieso nutzte er dafür Emilcin also nicht aus? Es stellte sich heraus, dass er Emilcin ausnutzte, jedoch in einer Weise, die keiner vorhersehen konnte“, kommentiert Rdułtowski. Sein Ziel war Rache. Wawrzonek wollte angeblich nach ein paar Tagen die Mystifikation auflösen und Blania-Bolnar blamieren, doch als er sah, wie schnell sich das Ganze entwickelt hat und wie viele Menschen daran teil hatten, hat er es nicht gemacht. Wawrzonek hat angeblich den armen Jan Wolski hypnotisiert. Man kann also sagen, dass der ältere Bauer nicht log, als er über das Treffen mit Außerirdischen sprach. Er glaubte nämlich an das, was er erzählte. Rdułtowski betont, dass es seine subjektive Wahrheit war.
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Diese Tatsache kann beispielsweise die Beschreibung des Raumschiffes bestätigen – „Sie erinnerte nicht an typische Beschreibungen von fliegenden Tellern. Einerseits deutete es darauf, dass Wolski authentische Ereignisse beschrieb. Mich machte die Tatsache nachdenklich, wieso das von Wolski beschriebene Objekt seinem eigenen Haus ähnelte. Die Antwort lernte ich am Ende der Ermittlung kennen“.
AUFSEHEN Die ganze Geschichte erlangte viel Aufsehen. Davon bekam auch Blania-Bolnar genug. Dank seiner langjährigen Arbeit an dem Thema wurde Emilcin für einen der am besten dokumentierte Ort eines Treffens mit einem Außerirdischen in Polen gehalten. „Die Beliebtheit von Ufos wuchs in der polnischen Presse systematisch ab dem Anfang der 70er-Jahre. Um den Rest kümmerte sich Blania-Bolnar, der seit ein paar Jahren Artikel zu dem Thema in der Presse veröffentlichte. Dank der potenziell gründlichen Untersuchung von Wolski, konnte er das ganze Ereignis als außergewöhnlich glaubhaft darstellen. Alles Weitere war das Ergebnis einer Kettenreaktion“, stellte der Autor des Buches „Tajne Operacje. PRL i UFO“ fest. Und kaum jemand stellte die Schlussfolgerungen des Ufologen, welche in verschiedenen Publikationen enthalten waren, in Frage. Sogar nach dem Tod des Ufologen wollte keiner seine
Arbeit verifizieren. An die Lösung des Geheimnisses ging Bartosz Rdułtowski heran, der alle verfügbaren Kassetten und Dokumente, welche mit der Geschichte verbunden waren, analysierte. Und seine Schlussfolgerungen lösten ziemlich große Kontroversen aus. Es stellte sich nämlich heraus, dass in Emilcin niemals ein Ufo landete, das ganze Geschehen war abgekartet. Der Hauptgrund? Rache. Für manche kann es kindisch und unvorstellbar sein, doch es ist schwer, Fakten zu bestreiten. „35 Jahre lang regierte in der Angelegenheit von Emilcin die sogenannte dritte Wahrheit vom Priester Tischner („Es gibt drei Wahrheiten: die heilige Wahrheit, die Auch-Wahrheit und die Scheißwahrheit” – Anm.d.Red.). Ich denke, dass die in meinem Buch «Tajne Operacje. PRL i UFO» vorgestellten Fakten und Dokumente, die verborgene Wahrheit hinter der Geschichte zeigen. Emilcin kann man also nicht als das polnische Roswell bezeichnen. Das Einzige, was laut Rdułtowski die beiden Orte verbindet, ist die Tatsache, dass weder in den USA noch in Polen ein Ufo gelandet ist. Trotzdem wurde in der Ortschaft vor ein paar Jahren ein Denkmal aufgestellt, dass die Begegnung von Wolski mit den Außerirdischen verewigt. Es ist der Gegenstand eines großen Interesses seitens der Touristen und Reisenden. Besonders dieser, welche nach Beweisen der Existenz außerirdischen Lebens suchen. „Es wurde von der Stiftung Nautilus aufgestellt, welche
vor vielen Jahren feststellte, dass man aus den Geschehnissen in Emilcin leicht ein mediales Kapital schlagen kann. Die Tatsache, dass sie Stiftung immer noch existiert und dank den Spenden vieler Bewohner Polens Fox Mulder spielt, beweist, dass man auf dem Planeten immer noch Menschen finden kann, welche an Ufos glauben. Mit Ufos selbst ist es etwas schwieriger…“ Emilcin ist also kein Ort, in dem ein Ufo landete, Wolski traf keine Außerirdischen und Blania-Bolnar und Wawrzonek waren einfach nur Betrüger. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass diese Ortschaft auf ihre eigene Art und Weise besonders ist. Wenn auch wegen der Farce, die hier inszeniert wurde.
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Urbex History
- Abenteuer, Freundschaft und Leidenschaft Autor: Robert Dethloff Übersetzung: Paulina Kuc Eine gemeinsame Leidenschaft, 250 Videos, mehr als 900.000 Fans. Sie besuchen verlassene und gefährliche Orte voller spannender Geschichten. Drei Freunde: Jakub Stankowski, Łukasz Dąbrowski und Konrad Niedziułka haben einen Abstecher ins Abenteuer gewagt, woraus Urbex History entstand - einer der beliebtesten YouTube-Kanäle, der sich dem Thema Urban Exploration widmet.
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Robert Dethloff [PolenJournal.de]: Wie sahen die Anfänge aus? Woher kommt eure Leidenschaft für die Urban Exploration? Konrad Niedziułka [Urbex History]: Mit Jakub und Łukasz kennen wir uns seit der Mittelschule. Wir besuchten zusammen ein Technikum mit dem Fachprofil Luftfahrt. Danach studierten wir an derselben Hochschule. Damals kam uns die Idee, das Atomkraftwerk in Tschernobyl zu besuchen. Wir fanden, dass es ein unfassbar interessanter Ort war und sich von der schablonenhaften Touristik unterschied. Wir haben uns im Einkaufszentrum Mokotów getroffen, um uns einen Plan auszudenken. Wir setzten uns im ersten Stockwerk zusammen, wo man etwas essen konnte und haben darüber debattiert, wie wir den Kernreaktor Nr. 4 und Prypjat dokumentieren möchten. Man muss hier anmerken, dass der Atomtourismus vor sechs Jahren noch nicht so entwickelt war, dass man einfach nach Tschernobyl reisen konnte, wie bei einem normalen Ausflug. Wir haben festgestellt, dass bei so einer Reise die Videoaufzeichnungsfähigkeit, die wir nicht beherrschten, erforderlich ist. Unsere Suche nach einem geeigneten ersten Ort, den man aufzeichnen könnte, begann. Und da wir aus Warschau/ Warszawa kommen, suchten wir etwas in unserer Region. Die Idee kam ziemlich unverhofft, als ich mit dem Bus nach Hause fuhr. Ich sah durch das Fenster und bemerkte ein altes Prudential-Vorkriegshochhaus, das in einem sehr schlechten Zustand, ohne Dach war. Angeblich begann man das Gebäude zu renovieren, doch die Arbeiten wurden eingestellt. Heute steht dort das sanierte und wunderschöne Hotel Warszawa. Damals war es jedoch eine Bruchbude. Trotzdem entschied ich, dass man es versuchen könnte, ins Gebäude hineinzugehen. Wir verabredeten uns drei Tage später. Am Tag zuvor besuchte ich den Ort mit Łukasz, um das Gelände zu erkunden. Alles war verschlossen. Von einem illegalen Eingang war keine Rede. Wir fragten den Wächter, ob man dort etwas herumspazieren könnte. Er meinte, dass es nicht erlaubt sei, da es dort gefährlich sei. Wir wollten uns jedoch nicht geschlagen geben
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und überzeugten ihn, dass wir Studenten sind, welche ein Vorkriegsgebäude aufnehmen möchten. Wir erklärten, dass wir es für eine Studienarbeit bräuchten. Zu unserer großen Verwunderung gab er uns eine Zusage. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag. Als wir wieder gekommen sind, gab er uns die Schlüssel und begann uns herumzuführen. Er erlaubte uns sogar auf das oberste Stockwerk zu gehen. Das haben wir gemacht und das aufgenommen, was uns interessierte. Zwar war das erste Video von mittlerer Qualität, da wir es mit einer ausgeliehenen Kamera, einer Go Pro 4 und einem Handy aufgenommen haben, aber so hat unser Abenteuer angefangen. Drei Tage später, ungefähr Anfang August, vor dem Tag des Warschauer Aufstandes, wurden wir vom öffentlichen Fernsehen eingeladen, um über dieses Gebäude, das vor dem Zweiten Weltkrieg ein Markenzeichen Warschaus/ Warszawa war und heute (also vor 6 Jahren) verlassen und heruntergekommen dastand, etwas zu erzählen. Die Journalisten fragten uns, wie Prudential aktuell aussieht. Es wurden auch Ausschnitte unseres Videos gezeigt. Das gefiel uns so sehr, dass wir bald eine Erkundung von Katakomben des Warschauer Kraftwerkes, einer Atomunterkunft in Łomnianki gemacht haben, bis endlich die Zeit für die Reise nach Tschernobyl kam. Du hast erwähnt, dass der Wärter euch vor der Gefahr, welche die Exploration des Gebäudes darstellte, warnte. Was ist also die Grundlage einer guten und sicheren Urban Exploration? Die Grundlage eines sicheren Urbexings ist auf jeden Fall der gesunde Menschenverstand. Man darf die Kräfte an den Absichten nicht messen. Es ist klar, dass Urbexing ein ziemlich gefährlicher Zeitvertreib ist. Wir konnten es auf verschiedene Arten versuchen, aber in den meisten Fällen stellt ein Besuch eines verlassenen Ortes, der nicht abgesichert ist und der zum alten Eisen gehört, eine Gefahr dar. Es kann immer etwas passieren. Damit meine ich so etwas wie: Ein Ziegel kann jemandem
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April 2021
Foto: Urbex History
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auf dem den Kopf fallen, oder es kann vorkommen, dass man auf einen Nagel tritt. Die Decke kann durchbrechen, wir können irgendwo hineinfallen oder hineingehen und nicht mehr rauskommen. Eine gute Vorbereitung vor dem Besuch ist das sich Vertrautmachen mit dem Urbex. Die Überprüfung von schwachen und starken Punkten der Konstruktion sind das A und O. Wir ich bereits erwähnt habe, ist der gesunde Menschenverstand sehr wichtig. Wenn es also nicht möglich ist, irgendwo hineinzugehen oder jemand nicht imstande dafür ist, dann machen wir es nicht. Wir sagen einfach, dass man es nicht kann, darf. Eventuell besuchen wir den Ort noch mal mit einem besseren Equipment, um sicherzustellen, ob es möglich ist. In den meisten Fällen sieht es jedoch so aus, dass wenn einer von uns es nicht will, dann kommt
er einfach nicht mit. Bis jetzt hat sich diese Methode bewährt, weil außer ein paar Quetschungen, Nägeln und Glassplittern im Fuß und Schürfwunden uns nichts passiert ist. Wo findet ihr diese interessanten Orte, welche ihr besichtigen wollt? Ist so eine Suche zeitaufwendig? Anfangs suchten wir interessante Orte im Internet. Damit meine ich Locations nahe am Zuhause, in Warschau/ Warszawa und der Umgebung. Dann kam das Thema des Ausfluges nach Tschernobyl, aber wir fuhren nirgendwo weiter entfernt hin. Erst nach einiger Zeit haben wir angefangen, bei jeder Gelegenheit Polen zu bereisen. Urbex ist unsere Leidenschaft, wir mögen es zusammen jede Mußestunde zu verbringen. Später kamen die Freundinnen, Verlobten, Familien, die Arbeit und man kann sagen, dass es unsere
Lebensweise wurde. Als der Kreis unserer Zuschauer immer größer wurde, mussten wir selber keine interessanten Orte mehr auffinden, denn Menschen haben uns ihre Vorschläge zugeschickt. Heute bekommen wir tagtäglich auf Instagram und Facebook einige Hundert Nachrichten mit potenziellen Urbex-Locations. Wir schreiben sie auf unsere Weltkarte auf, wo wir die Vorschläge von Fans und anderen YouTubern, mit denen wir Kontakt haben, markieren. Wir legen eine Route fest, wie auch ein paar Back-ups, also Orte, die wir eventuell besuchen könnten, wenn das Hauptziel nicht erreichbar ist. Man muss zugeben, dass wir dank der Zuschauer viele interessante Plätze auf der Karte haben, also haben wir noch einiges zu tun. An interessanten Orten fehlt es nicht nur in Polen, sondern in ganz Europa. Seht ihr irgendwelche Unterschiede
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einem sehr guten Zustand war. Im Vergleich zu Pstrąże/Pstransse, das wir vor vier Jahren exploriert haben, war es ein großer Unterschied. Tatsächlich gibt es in Deutschland viel mehr Graffiti als in Polen. Man kann sagen, dass die jungen Menschen dort anders ihre Freizeit verbringen. Anstatt mit einem Bier in der Hand zu feiern, zu rauchen und zu zerstören, nehmen sie ihre Spraydosen und malen. Wenn ihr einen Ort besucht, habt ihr bestimmt irgendwelche Erwartungen. Wie sieht die Realität aus? Seid ihr manchmal enttäuscht?
zwischen den Explorationen in Polen und zum Beispiel in Deutschland? Ja. Wir betonen es immer in unseren Videos, dass die Gebäude in Polen leider immer im schlechteren Zustand sind. Ich habe bemerkt, dass in Deutschland eine Graffiti-Kultur existiert. Wenn es einen verlassenen Ort gibt, wo man nicht hinein darf, ist die ganze Ausstattung, wie Möbel, Kühlschränke oder Kabel mit Graffiti bemalt, aber immer noch da. Bei uns ist alles gestohlen. Es bleiben nur kahle Wände, aus denen sogar die Kabel herausgezogen werden. Man kann also sagen, dass die Objekte in Deutschland besser erhalten sind. Das beste Beispiel dafür ist das Video aus einer sowjetischen Stadt, das wir zusammen mit Jakub gedreht haben. Als wir das Objekt erkundigt haben, konnte man gleich bemerken, dass es in
Ja, genau. Manchmal kommt es vor, dass die Vorfreude vor einem Besuch bei einem superinteressanten Ort riesig ist, und dann stellt es sich heraus, dass bei unserer Ankunft das Objekt bereits demontiert oder abgerissen wurde. Das ist die größte Enttäuschung. Beispielsweise sind wir letztens nach Lodz/Łódź gefahren und sprachen mit dem Eigentümer eines schönen Herrenhauses. Dort sollten Hochzeiten veranstaltet werden. Er hat das ganze Herrenhaus gebaut und auf einmal den Bau eingestellt. Wir haben seine Kontaktdaten gefunden, ihn angerufen und gefragt, ob wir dorthin kommen könnten. Der Eigentümer meinte, dass wir im Gebäude etwas herumspazieren können, da es sowieso keiner nutzt und er bereits etwas anderes für den Ort in der Zukunft geplant hat. Wir sind also gefahren. Wir rufen an, dass wir am Platz sind und gleich das Objekt betreten werden, um ein Video zu drehen. Dann haben wir die Antwort gehört: “Aber ich habe euch erlaubt, hineinzugehen und etwas umzuschauen, aber nicht zu drehen.” Wir waren überrascht - “wir dürfen nichts aufnehmen?” Der Eigentümer meinte, dass wir uns dort umschauen können, aber aufnehmen nicht. Also sind wir nach Lodz/Łódź gefahren, aber nicht um ein Video zu drehen, sondern um etwas herumzuspazieren… Unser Plan ist gegen die Wand gefahren, schade, da das Herrenhaus wirklich viel hermachte. Wir hatten eine interessante Geschichte und ich denke, dass es eine gute Folge wäre, aber leider konnten wir nichts aufnehmen. Wir waren sehr enttäuscht.
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Viele der Objekte, die wir besuchen, wie z. B. Paläste haben wunderschöne Drohnenbilder, aber in Wirklichkeit stellt es sich heraus, dass uns nach dem Eingang nur kahle Wände erwarten. Dann muss die Geschichte die Hauptrolle spielen. Aber obwohl wir so eine Folge machen, sind wir Fans von Orten, welche wir in Japan gesehen haben, wo alles an seinem Platz liegt. Wenn man ein Haus, Raum, Laden oder irgendwas anderes betritt, kann man sogar Kleingeld in den Kassen finden und das wahre Klima des Ortes fühlen, und nicht nur kahle Wände bewundern. An welche Orte erinnert ihr euch gerne? An welche Abenteuer denkt ihr bis heute zurück? Vor allem an den ersten Urbex, Prudential. Es ist gut möglich, dass ohne den freundlichen Wächter, der uns hinein lies und erlaubte Bilder zu machen, es keinen Urbex History geben würde. Ich muss sagen, dass die Reise nach Tschernobyl und Fukushima, wo ein paar Folgen entstanden sind, bahnbrechend war. Von den polnischen Orten ist der Torpedowaffenplatz an der Ostsee ein gutes Beispiel. Wir haben den Ort zweimal besucht und sind dabei ein Mal getaucht und ein Mal mit dem Kajak gepaddelt. Für mich war es eins der schöneren Abenteuer. Außerdem kann man dazu auch das Abenteuer in Kasachstan zählen. Wir sind dorthin gefahren, um das Land zu besichtigen, und es ist vieles passiert. Wir sind in einen verlassenen Ort Arqalyq gefahren, der sich in der Mitte einer Steppe befindet, 600 km entfernt von Nur-Sultan. Da wir wahrscheinlich die einzigen polnischen Touristen waren, die dorthin gefahren sind, hat uns gleich die Polizei angehalten. Sie dachten, dass wir Terroristen sind, also mussten wir erklären, dass wir in Wirklichkeit Journalisten sind und Videos auf YouTube veröffentlichen. Erst als sie uns das geglaubt haben, haben sie uns zwei Personen, die uns herumgeführt haben, zugewiesen. Man kann sagen, dass es Geheimpolizisten waren, die uns nur das gezeigt haben, was sie wollten, und nicht wirklich das, was wir sehen wollten. Es war eine ziemlich interessante Geschichte. Bei dieser
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April 2021
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Gelegenheit haben wir die Kultur der Menschen, die in den niedrigen Regionen leben, kennengelernt. Sie waren sehr sympathisch, obwohl sie unter schwierigen Bedingungen leben. Zusammengezählt haben wir mehr als 250 Orte aufgenommen, also ist es schwer, sich jetzt an alle zu erinnern, aber jedes Abenteuer hat etwas in sich, was im Menschen eine Spur hinterlässt. Du hast zwei Atomkraftwerke erwähnt. Ich muss also fragen. Tschernobyl oder Fukushima? Welcher dieser Orte hat den größeren Eindruck hinterlassen? Das ist wahrscheinlich die schlimmste Frage, die man gestellt bekommen kann, weil es zwei Orte sind, die man wieder, und wieder besuchen und sogar dort leben könnte. Wenn es um Tschernobyl geht, hat alles, wie bereits
erwähnt, dort angefangen, es ist also eine sentimentale Reise. Ein Jahr später waren wir noch in dem weißrussischen Teil der Sperrzone von Tschernobyl, wo wir mit Łukasz einen Turm hinaufgegangen sind, von dem man den Sarkophag und Reaktor Nr. 4 sah. Meine Knie wurden weich, ich hatte alles, was da passiert ist, vor den Augen. Ein nächster Meilenstein war Fukushima, die den Anschein erweckte, als ob die Stadt gerade erst verlassen wurde, und die Katastrophe war doch ganze 9 Jahre her. Einen riesigen Eindruck machte auf uns auch die japanische Kultur. Ich selber mochte Japan besser, aber es ist schwer, zwischen dem einen und dem anderen zu wählen, weil die Orte komplett unterschiedlich sind. Wenn ich nochmals wählen würde, würde ich wieder erst nach Tschernobyl fahren und dann nach Fukushima. Und wahrscheinlich wird es irgendwann so sein, dass wir die Orte nochmals besuchen werden.
Und gibt es auch Orte, die ihr nie wieder besuchen möchtet? Gute Frage. Auf jeden Fall hatten wir ein interessantes Abenteuer im Spukwald. Davon ist kein Video entstanden. Wir sind nach Bjelostock/Białystok gefahren und haben angefangen, im Wald zu drehen, der angeblich einer der größten Spukwälder in ganz Polen war. Wir haben uns aufgeteilt: Ich und Jakub befanden uns im Wald und Łukasz ist etwas weiter gegangen. Auf einmal fing er an, uns durch das Kurzwellenfunkgerät zu rufen, dass wir zu ihm kommen sollen, weil irgendwelche Personen ihn gefangen haben. Tatsächlich - er wurde von drei Männern gefasst und gezerrt. Wir fingen an, mit ihnen zu reden. Man kann sagen, dass es Personen waren, mit denen man nicht zur Einigung kommen konnte. Sie dachten, dass wir Scheunen in Brand setzen wollten… Also haben sie die Polizei gerufen. Natürlich
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Schwer zu sagen, aber ich glaube, dass der Erfolg vor allem in unserer Freundschaft und Ehrlichkeit in dem, was wir machen, liegt. Wir haben einen spezifischen Humor und auf den Videos kann man sehen, wie wir uns unterhalten, dabei ist es oftmals sehr lustig. Wenn wir uns etwas Gelassenheit erlauben können, dann versuchen wir auch so zu reden.
Foto: Urbex History
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durften wir uns dort befinden, da es ein Staatswald war, also haben wir kein Gesetz gebrochen. Nach einiger Zeit kamen die Polizeibeamten. Wir hatten ein paar Unannehmlichkeiten. Schließlich haben die Polizisten uns jedoch gesagt, dass, wenn wir aufnehmen wollen, uns nichts im Wege steht. Doch der Mann, der uns angehalten hat, meinte, dass wir zwar aufnehmen dürfen, doch man weiß nie, ob jemand von uns nicht gleich eine Axt im Rücken spürt. Wir haben also entschieden, dass es nichts bringt, mit solchen Menschen zu diskutieren. Diesen Ort möchten wir bestimmt nicht noch einmal besuchen. Es gab auch Reisen, die wir mehr oder weniger mochten. Zum Beispiel der Cholera-Friedhof in der Nähe von Warschau/Warszawa, der sich zwischen Gleisen befindet. Man kann sagen, dass dort einst ein Friedhof war und jetzt sich dort eine Art Denkmal
befindet und ein Massengrab. Dort gibt es nichts Weiteres, also war es schwer, ein Video dazu zu drehen. Interessant ist hingegen die Geschichte des Friedhofs. Hier wurden Menschen, die an Cholera in Warschau/ Warszawa gestorben sind, beerdigt, doch während des Gleisbaus hat man die Leichen exhumiert und ich glaube auf dem Friedhof im Wohnviertel Brudno begraben. Wenn man vor den Augen nur Gleise, Bäume und ein Denkmal hat, ist es schwer, ein interessantes Material aufzunehmen. Zum Glück ist es uns gelungen. Persönlich mag ich solche Objekte jedoch nicht. Eindeutig finde ich solche Locations, welche ich beschreiben kann, wo viele Sachen sind, die man zeigen kann, besser. Ihr habt einen der größten YouTube-Kanäle in Polen, wenn es um die Urbex-Thematik geht. Wie gelang euch so ein Erfolg?
Wenn es hingegen um technische Aspekte geht, dann ist es klar, dass es vor uns andere Urban-Exploration-Liebhaber gab, wie z. B. Sietra, der geradezu der Vater des Urbexings in Polen ist. Wir haben in das Ganze einfach mehr Technik eingebracht, und wenn Fans geschrieben haben: “Hey, der Ton ist schrecklich, macht was damit es besser wird” - dann haben wir neue Mikrofone gekauft. Und wenn sie “Nachts kann man nichts sehen” - geschrieben haben, dann kauften wir uns ein besseres Licht. Wir haben mit drei Kameras aufgenommen, was etwas Neues in der Urbex-Welt war, weil es keiner vorher gemacht hat. Als eine der Ersten außer den Tube Raiders, hatten wir eine Drohne, um coole Bilder zu machen. Anfangs haben wir fast alles aufgenommen. Dann haben wir als eine der Ersten regelmäßig angefangen, Videos hochzuladen. Fans haben sich an die Tatsache gewöhnt, dass sie jeden Freitag um 16.00 Uhr sich eine Pause gönnen und wie eine gute Serie, unser Video sich anschauen können. Es waren also Faktoren, die uns immer mehr Abonnenten garantierten. Im Erreichen der Beliebtheit half uns auch das Zeigen von verfluchten Orten, denn früher gab es solche Kanäle in Polen nicht. Wir machten es ein wenig unbewusst. Als Erstes zeichneten wir die Polizeidienststelle in Konstancin auf. Wir sind dorthin gegangen, um die Geschichte von der Geheimpolizei NKWD zu erzählen, welche Menschen folterte. Angeblich sollte es ein Spukhaus sein. Wir wussten nicht, dass die Zuschauer es so sehr mögen werden und auf einmal hob der Film viel, viel schneller als andere unserer Clips ab. Wir sahen also, dass es eine Nische war, die in Polen noch nicht gefüllt wurde. Aus diesem Grund fingen wir an, von Zeit zu Zeit Videos von
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April 2021
verfluchten Orten zu veröffentlichen, weil wir versuchen, die Erwartungen unserer Fans, die uns mit Tipps und konstruktiver Kritik anschreiben, zu erfüllen. In Wirklichkeit drehen wir die Videos nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für uns selbst, weil wir nicht verheimlichen, dass es unsere Leidenschaft ist. Ich finde, dass wir es deswegen geschafft haben. Wie gelingt es euch, Arbeit mit eurer Leidenschaft zu verbinden? Hat der Tag immer weniger Stunden? Teilt ihr die Pflichten bei der Gestaltung eures YouTube-Kanals, der Vorbereitung und Bearbeitung der Videos auf? Ja. Jeder von uns hat seine eigenen Pflichten. Jakub bearbeitet die Videos, von ihm kommen also alle unsere Werke. Wenn die Möglichkeit besteht, nehmen wir alle das Material auf. Łukasz und ich arbeiten in Schichten, 5 Tage gehen wir zur Arbeit und die nächsten 5 Tage haben wir frei und können irgendwohin fahren, ohne Urlaub beantragen zu müssen. Bei Jakub ist es etwas Komplizierter, da er von Montag bis Freitag arbeitet, aber wir versuchen uns an ihn anzupassen. Manchmal ist es so, dass nicht alle mitfahren können, also drehen wir zu zweit oder manchmal macht es eine Person. Tatsächlich wird der Tag immer kürzer und wir müssen ihn ausdehnen. Deswegen scherzen wir immer, dass wir schnell schlafen. Unsere Familien stehen uns natürlich zur Seite. Ab einem gewissen Zeitpunkt begann Urbex History selber Geld zu verdienen, dank der ganzen Aufrufe auf YouTube. Manchmal veröffentlichen wir auch ein gesponsertes Video. Wir müssen nicht mehr selber Geld drauflegen. Wir können es uns erlauben, nach Fukushima, Deutschland zu fahren, zu tanken, essen, schlafen, Ausrüstung zu kaufen, also können wir auch etwas für die Zukunft zur Seite legen. Deswegen machen uns unsere Liebsten keine Vorwürfe, dass wir immer älter werden und anstatt an eine Familie zu denken, geben wir all unser Geld für Urbex aus. Dank der Fans, Patrons und allen anderen können wir uns unserer Leidenschaft hingeben, ohne das Haushaltsbudget zu belasten.
Wie findest du, kann das Risiko und das Adrenalin süchtig machen? Auf jeden Fall! Wenn es um mich und Łukasz geht, macht es süchtig. Wenn man hoch hinaufgehen muss, sogar auf ein Objekt, das nicht historisch reich ist, dann kommt in dem Moment auf dem Türmchen oder riesigen 60 m Bagger Adrenalin und Angst auf. Nachdem man wieder auf dem Boden ist, kommt oftmals ein Lächeln über das ganze Gesicht auf. Ich kann es also bestätigen, dass Adrenalin während eines Urbexes oder Kriechens im Tunnel abhängig macht. Ich sage nicht, dass es vernünftig ist, aber nach 6 Jahren erinnere ich mich am meisten an die Videos, wo ich etwas Extremes gemacht habe. Ihr habt bereits zwei Bücher über eure Abenteuer veröffentlicht. Habt ihr vor, weitere rauszubringen? Wir möchten weitere Bücher herausbringen, denn wie ich erwähnt habe, drehten wir mehr als 250 Videos, also haben wir vieles zu erzählen. Die Realität sieht jedoch so aus, dass wenn es sich für den Verlag lohnt, unsere Bücher herauszubringen, dann macht er es auch. Vieles hängt also vom Interesse der Menschen ab, die unsere Videos schauen und Bücher kaufen. Wenn sie es kaufen, dann verdient dabei der Verlag und möchte, dass wir weiter schreiben. Wenn das Interesse jedoch gering ist, gibt es keinen Sinn, ein weiteres Buch herauszubringen. Es sei denn, wir machen es alleine, aber der Tag ist etwas zu kurz, um sich um alles kümmern zu können. Bald haben wir ein weiteres Gespräch mit dem Verlag zur Veröffentlichung unseres dritten Buches, also, ich will nicht unken, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es herausgebracht wird. Du hast erwähnt, dass ihr Geschichten erzählt und manchmal historische Orte besucht. Fühlt ihr euch aus diesem Grund wie ein Sprachrohr der Geschichte oder sogar Geschichtslehrer? Ja, obwohl man sagen kann, dass wir uns dessen anfangs nicht bewusst waren. Wir kamen auf die Idee, etwas mehr zu machen, als nur verlassene
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Orte zu besuchen. Wir wollen eine interessante Geschichte erzählen. Auf einmal wurde das zu unserem Markenzeichen und jetzt versuchen wir in jedes Video ein geschichtliches Element zu bringen. Wir sind keine ausgebildeten Historiker und manchmal sagen wir etwas falsch oder haben die falschen Informationen und es gelingt uns alles nicht so, wie wir es möchten. Wir sind uns bewusst, dass nicht jeder perfekt ist. Wir versuchen jedoch alles so gutzumachen, wie wir es können. Es muss wohl gut rüberkommen, weil uns viele Menschen zuschauen. Habt ihr Pläne oder Träume, die ihr in der Zukunft realisieren möchtet? Wir haben viele Träume. Leider hat das Coronavirus viele unserer Pläne gestrichen. Letztes Jahr sollten wir nach Detroit fahren. In den USA gibt es Massen von verlassenen Objekten, wo man etwas Cooles drehen kann. Wir wollten auch ein Projekt namens Buran realisieren, also ein Space Shuttle in Baikonur in Kasachstan aufnehmen, die sowjetische verlassene Stadt Pyramiden der Inselgruppe Svalbard, Patagonien, die Puppeninsel in Mexiko und viele andere Orte besuchen. Leider wurden die Grenzen geschlossen, also mussten wir uns mit Orten, wo man von Polen aus hinfliegen konnte, zufriedengeben. Wir hoffen, dass dieses Jahr alles wieder öffnen wird und es uns gelingt, uns viele Ziele und Träume zu erfüllen. Das wünsche ich euch! Danke!
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April 2021
VON PAULINA KUC
FLAUSCHIGES GLÜCK Foto: Świat Alpak, Nikola Baron
Die Welt ist verrückt nach Alpakas. Im Internet kann man Tausende Bilder dieser Tiere finden. Es entstehen immer mehr Zuchten. Auch in Polen ist es schwer, sich dem Alpakawahn zu entziehen.
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Zuckersüß, weich und flauschig. So werden Alpakas von Personen beschrieben, die das Glück bereits hatten, diesen Tieren zu begegnen. In den letzten Jahren ist die Welt wortwörtlich verrückt nach den kuscheligen Vierbeinern geworden. Jeder will sie kuscheln, streicheln und ein Selfie für Instagram schießen. Der Alpakawahn ist sogar an die Weichsel gekommen, wo immer mehr von diesen Tieren leben. Laut dem polnischen Alpakazuchtverband (pl. Polski Związek Hodowców Alpak) sind es bereits fast 2 Tsd. Einige der polnischen Alpakazüchter haben sich entschieden, mir etwas über das Leben mit diesen Tieren zu erzählen. Alpakas, die etwas leichter in der Zucht als Schafe oder Pferde sind, erfordern eine große Fürsorge. Vor allem dürfen sie nicht einsam sein. Alpakas sind nämlich Herdentiere, sie sind nicht imstande, alleine zu leben. Die Folge von Einsamkeit ist unter anderem eine Fehlentwicklung. Zum Glück wissen das die polnischen Züchter sehr gut und vergrößern ihre Herden immer öfter, was nicht nur die Tiere selbst freut, sondern vor allem die Menschen, die mit ihnen Zeit verbringen. “In Europa haben Alpakas außer der Alpakaverwertung, also der Verwertung der Wolle der Tiere, die gleich genannt wird, eine zusätzliche Marktnische gefüllt - die Erholung und tiergestützte Therapie. Sie sind wundervolle Gefährten und viele Menschen wollen außer der Wollproduktion, sie einfach um sich herum haben, sie mögen ihre Gesellschaft. Die Tiere sind wunderschön, sehr intelligent, sanft, drollig… Man sagt, dass sie eine therapeutische Wirkung haben, ihre Nähe und Ruhe verbessert die Stimmung und erlaubt, etwas locker zu lassen”, erzählt Agata Raczyńska vom Alpakarium Rudka 13.
zurecht, das außergewöhnliche Eigenschaften hat. Vor allem sprechen wir hier von der Thermoisolation, aber auch der konkreten Veranlagungen ihrer Körper, wie z. B. dünnflüssigem Blut. Um Vlies zu gewinnen, wurden die Tiere an verschiedene Orte auf der ganzen Welt gebracht. Seit vielen Jahren leben Alpakas auch in Europa. Wichtige Züchter mit langjährigen Traditionen sind Deutschland, Großbritannien, Spanien”, erklärt Agnieszka Pawłowska, die den Hof Alpaki na Okęciu leitet. Hingegen Grzegorz Kuliś, der Vorsitzende der Stiftung Alpaki na Kaszubach erinnert, dass die ersten Alpakas nach Polen bereits im Jahr 2004 kamen. Gleichzeitig betont er, dass die Gründe dafür in ihrer Wolle, Fortpflanzung, Alpakatherapie und Touristik lagen. Das bestätigt Daniel Firla vom Alpakaland Królowe - “Die Gründe der Alpakazucht sind verschieden. Einige begeistern diese Tiere und sie sehen es als ein Hobby an, andere bieten den Kontakt mit den Tieren in Form eines ländlichen Tourismus an. Personen mit den entsprechenden Qualifikationen nutzen das ruhige Wesen der Alpakas und führen eine Alpakatherapie. Die letzte Gruppe züchtet die Tiere zu Fortpflanzungszwecken oder um ihr Vlies zu bekommen.”
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DIE EIGENE ALPAKAWELT Viele träumen von einer eigenen kleinen Schar Alpakas. Vor ein paar Jahren, als noch wenige Menschen von der Möglichkeit einer Alpakazucht wussten, kam die Entscheidung sehr oft spontan und manchmal sogar zufällig. Meine Gesprächspartner bestätigten, dass sie davon von Freunden oder aus dem Internet erfuhren. “Die Idee kam völlig spontan. Als ich im vierten Jahr meines Biologiestudiums war, haben wir mit Freunden besprochen, was wir nach dem Studium machen werden. Eines der Mädchen erwähnte etwas über eine Alpakazucht. Ich fand es so interessant, dass ich in die nächstgelegene Alpakazucht fuhr, um die Tiere kennenzulernen und… Ich habe mich verliebt. Von diesem Moment an wusste ich, dass es etwas war, was ich in meinem Leben machen wollte. Natürlich ist viel Zeit zwischen der Idee und ihrer Umsetzung vergangen, weil ich mich auf dem Gebiet der exotischen Tiere sachkundig machen und ihnen die entsprechenden Lebensbedingungen garantieren musste”, erinnert sich Estera Juzwenko.
DIE REISE DER ALPAKAS DURCH DIE WELT Polen und Europa sind nicht das natürliche Umfeld der Zotteltiere. “Alpakas kommen aus Südamerika, genauer leben sie in den Anden, an der Schneegrenze, also auf der Höhe von 4-5 Tsd. m ü. d. M. Sie kommen mit dem dortigen, strengen Wetter dank ihres Rosshaars
Foto: Świat Alpak, Nikola Baron
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April 2021
“Ich habe jahrelang eine Reitschule geleitet. Doch über die Jahre veränderte sich das Stadtviertel Okęcie bis zur Unkenntlichkeit. Acker verwandelten sich in Bauinvestitionen, auf Wiesen sind Lager und Bürohäuser in die Höhe gewachsen. Uns ist das Reitgelände ausgegangen. Vor dem Jahr 2013 mussten wir die meisten Pferde verkaufen, doch auf dem Hof blieben die Gebäude und Pferdeställe. Die Idee kam im Grunde genommen spontan, man kann sagen durch Zufall. Als ich im Internet surfte, fand ich ein Bild von einem Alpaka. Die vertrauensvollen und lächelnden Mäulchen haben mich verzaubert. Ich begann nach Informationen zu suchen, woher sie kommen, welche Lebensbedingungen sie brauchen, wie die Alpakazucht aussieht. Es stellte sich heraus, dass sie zum Greifen nahe waren. Sie akklimatisieren sich fast überall. Ihre Alpaka-Faser, nicht ohne Grund ‘Wolle der Götter’ genannt, ist das Hauptziel einer Zucht. Ich kaufte die ersten 4 Weibchen, die aus Chile eingeflogen wurden. Die Bilder lügen nicht, meine Mädels haben zu 100% all das bestätigt, was ich im Internet über Alpakas gelesen habe. Es sind unheimlich intelligente Tiere, die sich schnell an neue Orte gewöhnen. Die Qualität ihres Fells ist bei der Berührung einfach ausgezeichnet und die Alpaka-Faser - das beste, was man gewinnen kann unvergleichlich besser als Schafwolle”, begeistert sich für die Tiere Agnieszka Pawłowska. Auf eine ähnliche Art kam Daniel Firla auf diesen Gedanken. “Die Idee einer Alpakazucht war vollkommen zufällig. Vor ein paar Jahren suchte ich bei Google nach Jersey-Kühen und fand ein Bild eines Alpakas. Als ich das Tier in Wirklichkeit sah, habe ich beschlossen, zwei zu nehmen. Nach 2 Wochen kamen die Alpakas zu uns, nach 3 Wochen kauften wir eine weitere. Aktuell besitzen wir bereits 7 Tiere.” “Meine Eltern kommen aus Podlachien und haben sich entschieden, dorthin im Ruhestand zurückzukehren. Sie kauften ein altes Holzhaus am Rande eines Waldes mit 5 ha Land. Sie säten die Wiesen aus und erträumten sich dort Tiere. Meine Eltern haben sich für Alpakas aus verschiedenen Gründen
Foto: Alpaki na Okęciu, Magdalena Kuzar
entschlossen. Vor allem lag die Entscheidung in der Tatsache, dass Alpakas nicht geschlachtet werden”, erinnert sich wiederum Agata Raczyńska. Auch im Fall von Grzegorz Kuliś entschied der Zufall. “Wir bekamen 1,5 ha Land und hatten die Idee von einem Ferienbauernhof und Alpakas”, so der Züchter.
ALPAKAS FÜR KLEIN UND GROSS Wieso ist Polen jedoch so verrückt nach den flauschigen Tieren? Es ist schwer eindeutig auf die Frage, was Menschen an Alpakas anzieht, zu antworten. Die Mischung von einem süßen Aussehen, großen Augen und einer ruhigen Wesensart macht die Menschen sicherlich abhängig. Einer ähnlichen Meinung ist auch Agata Raczyńska - “Tagtäglich sehen wir, dass, wenn Menschen Alpakas zum ersten Mal vom Nahen kennenlernen, Kontakt mit ihnen haben, sie von ihnen besessen werden. Vielleicht ist es ihr Aussehen und die ruhige Natur. Sie sind wunderschön, sanft, schüchtern und gleichzeitig unterhaltsam. Sie haben es in sich, ziehen an, erfreuen und entspannen.” In einer von Arbeit und Eile überfüllten Welt erlaubt ein Moment mit den
flauschigen Tieren etwas abzubremsen und die ständigen Probleme zu vergessen. Alpakas haben nämlich nicht nur Einfluss auf Kinder, sondern auch auf ihre Eltern. “Der Umgang mit Alpakas ist eine garantierte Flucht von Alltagsproblemen und Stress, hilft das innere Gleichgewicht wiederzufinden und regt den Körper zur Glücksgefühlsproduktion an”, findet Agnieszka Pawłowska. Trotzdem haben Alpakas Kinder viel lieber als Erwachsene. “Alpakas sind in der Regel sehr ruhige und freundliche Tiere. Gegenüber Kindern sind sie vertrauensvoller als zu den Erwachsenen. Das hängt wahrscheinlich mit ihrem Gesichtspunkt zusammen. Wenn jemand kleiner als sie ist, sind sie ruhiger. Die meisten Kinder verlieben sich auch auf den ersten Blick in die Alpakas”, erzählt Daniel Firla. Aus diesem Grund sind die Tiere perfekt für eine therapeutische Arbeit. “Die Alpakatherapie ist eine Kontakttherapie, die auf der Zusammenarbeit des Therapeuten und des Patienten mit Alpakas beruht. Sie beeinflusst positiv die motorische, emotionale, kognitive und soziale Entwicklung sowohl bei Kindern, wie auch bei Erwachsenen. Sie ist besonders Menschen mit Entwicklungsmängeln, Dysfunktionen und körperlichen Beeinträchtigungen gewidmet. Man muss jedoch hinzufügen, dass die
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Mit Ausnahme von Situationen, in denen sie sich wirklich bedroht fühlen. Dann können sie nämlich treten und spucken. Sie mögen es nicht, wenn man hinter ihnen läuft und sie zu etwas zwingt. Sie zeigen es durch geschickte Ausweichmanöver. Dann sollten wir sie auch nicht drängen. Wenn wir sehen, dass das Alpaka offen für Kontakte ist, zu uns kommt, sollte man sie am besten am Hals und Oberkörper streicheln”, betont die Expertin.
DAS LEBEN MIT ALPAKAS
Foto: Alpakaland, Judyta Palarz-Radecka
Alpakatherapie nur andere Formen von Rehabilitationen und Therapien unterstützt, sie jedoch nicht ersetzt. Eine Therapie mit Alpakas verursacht, dass die Teilnehmer lieber an den Aktivitäten teilnehmen, aktiver und engagierter sind und ihre Konzentration länger anhält, als bei Aufgaben, die ohne die Anwesenheit der Tiere gelöst werden. Das Alpaka motiviert zu Tätigkeiten, die dem Kind Schwierigkeiten bereiten. So eine Therapie hilft, die therapeutischen Übungen durchzuschmuggeln, denn aus Sicht des Patienten ist die Tätigkeit ein Spiel und keine Pflicht”, erklärt Estera Juzwenko. Trotzdem muss man beachten, dass es echte Tiere sind und keine Spielzeuge. Ihre Geduld kann zwar größer sein, als bei anderen Tieren, trotzdem hat sie ihre Grenzen. Grzegorz Kuliś betont,
dass es keine Hunde sind. Man kann sagen, dass Alpakas uns Menschen eher tolerieren, als zu behaupten, dass sie ein freundliches Verhältnis zu uns haben. “Gut vorbereitete Alpakas sollten dem Menschen kein Leid zuzufügen. Man muss dabei im Kopf behalten, dass es immer noch ein Tier ist und man sich entsprechend im Verhalten distanzieren sollte”, betont der Vorsitzende der Stiftung Alpaki na Kaszubach. Wie sollte man sich also in der Anwesenheit von Alpakas verhalten? Agata Raczyńska erklärt, dass die meisten Alpakas sich vor plötzlichen, unerwarteten Bewegungen fürchten, sie mögen es nicht, wenn man sie am Kopf, Mäulchen oder Beinen berührt. Das sind ihre sensiblen Stellen. “Alpakas sind gegenüber Menschen nicht aggressiv.
Bevor Touristen und Gäste die Alpakas treffen dürfen, müssen die Tiere ein Haus finden und ein spezielles Training absolvieren. Ihre Besitzer müssen ihnen hingegen optimale Lebensverhältnisse zusichern. Dies betrifft nicht nur einen Schlafplatz und Auslauf, sondern auch ihre Fütterung, Nahrungsergänzung, tierärztliche Pflege und viele andere Sachen. “Die Alpakazucht kann schwierig für Menschen werden, die ihr Abenteuer mit Tieren erst anfangen. Ohne Zweifel lohnt es sich gut vorzubereiten, an einer Schulung teilzunehmen, erfahrene Züchter zu treffen, Zeit in Zuchten zu verbringen und etwas Erfahrung zu sammeln. Vor allem muss man drei Sachen beachten: Erstens - es sind Herdentiere, die unter allen Umständen die Gesellschaft der eigenen Gattung brauchen. Mit einer großen Wahrscheinlichkeit kann man sagen, dass ein einsames Alpaka nicht überleben wird. Alpakas brauchen so viele Impulse von anderen Alpakas wie möglich. Die zweite wichtige Sache ist das Bewusstsein, dass diese Tiere in Polen nicht in ihrer natürlichen Umgebung leben. In unserem Klima gibt es ein anderes Vitaminund Spurenelementangebot, weswegen man unter allen Umständen regelmäßig eine Nahrungsergänzung durchführen muss. Wichtig ist die Fütterung, ein ständiger Zugang zu Weiden und Heu und vor allem ein spezielles Futter. Das heißt, dass sie ein Rau- und Energiefutter reich an unerlässlichen Nährstoffen bekommen müssen. Die letzte Sache, was nicht heißt, dass sie am wenigsten wichtig ist, ist der Zugang zu Weiden. Man nimmt einen Umrechnungsfaktor von 5-6 Alpakas pro 10 Ar. Je
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Foto: Alapakrium Rudka, Agata Raczyńska
mehr, desto besser. Alpakas brauchen keine speziellen, isolierten Gebäude. Es reicht ein Holzhäuschen, das vor Regen und Wind schützt. Drinnen müssen sie stets Wasser und Heu haben. Es sind sehr saubere Tiere”, erklärt die Besitzerin von Alpaki na Okęciu. Die flauschigen Tiere haben keine Probleme mit der Anwesenheit anderer Foto: Alapakrium Rudka, Agata Raczyńska
Tiere. “Auf unserem Bauernhof leben außer Alpakas auch Ponys, Zwergziegen, Kamerunschafe, Walliser Schwarznasenschafe, Hühner und Enten. Manchmal grüßen unsere Haustiere die Gäste - zwei Labradore und Katzen”, erzählt Daniel Firla vom Alapakaland. Des Weiteren betont die Eigentümerin von Alpaki na Okęciu, dass vieles von anderen Tieren abhängt.
Wenn diese freundlich auf Alpakas gesinnt sind, werden sie auch keine Probleme bereiten. Grzegorz Kuliś erklärt, dass die größte Ausgabe mit dem Kauf des Alpakas verbunden ist, was einige Dutzend Zloty kosten kann. Auch die tierärztliche Betreuung ist eine ziemliche Belastung fürs Portemonnaie.
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Foto: Grzegorz Kuliś, Alpaki na Kaszubach
Foto: Grzegorz Kuliś, Alpaki na Kaszubach
Zusätzlich ist es schwer, in Polen auf Alpakas spezialisierte Tierärzte zu finden. “Alpakas sind Tiere, die an spezifische Krankheiten erkranken. Ich glaube, es ist eine meiner größten Sorgen, wenn es um die Alpakazucht geht, wegen der Probleme mit dem Zugriff auf Alpakas spezialisierte Tierärzte in unserer Umgebung”, betont Estera Juzwenko.
EIN NACHMITTAG MIT ALPAKAS Alle, die einen der polnischen Alpakahöfe besuchen möchten, müssen sich auf eine riesengroße Menge Süßes vorbereiten. Die großen Augen der flauschigen Tiere versetzten bereits viele ins Entzücken. Man kann mit ihnen Zeit auf verschiedene Art verbringen. Die größte Unterhaltung für die Besucher ist immer das Füttern. Alpakas lieben es, Leckerbissen zu bekommen. “Das Füttern mit Möhren ist ein Fixpunkt, egal ob bei Spaziergängen oder beim Besuch im Kindergarten. Es ist der liebste Leckerbissen und der größte Motivator”, kommentiert die Besitzerin von Świat Alpak. Man darf jedoch nicht eigenes Futter mitbringen. Dies kann für die Alpakas gesundheitsschädigend sein. “Das Alpakarium ist außer unserer
Foto: Alpaki na Okęciu, Katarzyna Pawłowska
Zuchtarbeit auch ein Treffpunkt mit den Alpakas. Man kann vorab einen Termin vereinbaren, dann führen wir die Gäste auf unserer Farm herum, stellen alle Alpakas vor, erzählen verschiedene Geschichten. Es besteht die Möglichkeit, mit den Alpakas auf dem Gras etwas zu entspannen und in unserer Anwesenheit zu füttern. So ein Besuch dauert normalerweise ungefähr eine Stunde. Wir organisieren auch Spaziergänge mit Alpakas in unserer Gegend. Man kann auch für mehrere Tage kommen, für ein verlängertes Wochenende oder Ferien, sich in unserem Gasthaus aufhalten und dann hat man die beste Gelegenheit, um mit den Alpakas mehr Zeit zu verbringen, zu sehen, wie sie leben und wie das Leben in einer Zucht aussieht”, ermuntert zum Besuch im Alpakarium Rudka 13 Agata Raczyńska. Grzegorz Kuliś betont, dass die größte Attraktion der Stiftung Alpaki na Kaszubach das Alpaka- und Lamatrekking ist. Hingegen Geburtstage und Lehrveranstaltungen im Alpakaland sind der perfekte Zeitvertreib für alle Kinder. Die flauschigen Tiere von Świat Alpak besuchen sogar Kindergärten, Krippen oder Pflegeheime. “Der Gegenstand meiner Tätigkeit ist vor allem die Alpakazucht, also die Steigerung der Qualität der Tiere, ihre Vermehrung und die Gewinnung von
Vlies. Doch wenn man Alpakas in einer Stadt hält, kann man nicht unbemerkt bleiben. Deswegen, um die Alpakas den interessierten Gästen näherzubringen, erlauben wir für Besuche und Spaziergänge zu uns zu kommen. Über die Jahre nahmen unsere Tiere an Familien-, Verlobungs- und Hochzeitsfotoshootings teil. Bei uns wurden Geburtstage und Junggesellenabende veranstaltet. Die Tiere waren mehrmals an Filmsets bei Werbespotdrehs dabei, sie nahmen auch an Wohltätigkeitskampagnen teil”, erzählt über ihre Tätigkeit Agnieszka Pawłowska, die ihre zweite Alpakazucht eröffnete - Puszysta Hodowla. Trotz der Pandemie lässt das Interesse an Besuchen bei den Alpakas in Polen nicht nach. Die Züchter klagen nicht über wenige Kunden und Alpakas über weniger Leckerbissen. Mit Sicherheit wird die Zahl der Alpakas in Polen in den nächsten Monaten und Jahren anwachsen. Grzegorz Kuliś betont, dass die Tiere noch nicht den Höhepunkt ihres Ruhmes im Land erreicht haben und die Tiere immer noch eine Exotik auszeichnet. Die Bewohner und Touristen werden also immer mehr Möglichkeiten haben, die Alpakas kennen und lieben zu lernen. Wer nämlich ein Mal den flauschigen Tieren begegnet ist, kann sie nicht so leicht vergessen. Und das kann sogar ich bestätigen.
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Von den Verstorbenen trennt uns nur die Zeit -
Die Schädelkapelle von Czermna von Robert Dethloff übersetzt von Patrycja Urban
Sie lockt heran, ruft Unheimlichkeit hervor, bringt zum Nachdenken. Dieses einmalige Werk der religiösen Kunst ist ein besonderes Bild der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Menschen. Über die Schädelkapelle in Czermna erzählte PolenJournal.de der Reiseführer Sławomir Stasiak.
Foto: Depositphotos
Robert Dethloff [PolenJournal.de]: Wieso ist die Schädelkapelle überhaupt entstanden? Warum gibt es so viele Menschenknochen gerade an diesem Ort? Sławomir Stasiak: Laut einer Legende liegt die Ursache des Baus der Kapelle in einem Geschehen: beim Spaziergang über den Friedhof, bemerkte der Pfarrer der Pfarrei des heiligen Bartholomäus, der Priester Tomaszek
und späterer Schöpfer der Kapelle, wie Hunde menschliche Knochen von einem nahe gelegenen Hang ausbuddelten. Es stellte sich heraus, dass es eins von vielen Gräbern war, welche sich auf dem Gelände befanden, dieser Anblick war für den Pfarrer das erste Vorzeichen, dass auf den nahe gelegenen Feldern oder Wäldern menschliche Knochen liegen. Das Glatzer Ländchen war ein ewiger Kriegsschauplatz. Durch diese Gebiete wanderten verschiedene
Armeen. Im 15. Jahrhundert waren es Hussitenkriege, im 17. Jahrhundert der Dreißigjährige Krieg, aber vor allem geht es um die Opfer der Kriege im 18. Jahrhundert, also der sogenannten Schlesischen Kriege, die zwischen Preußen und Österreich stattgefunden haben. Man muss sich dessen bewusst sein, dass der Durchmarsch der Militärtruppen, aufgezwungene Kontributionen sowie schlechte Hygienebedingungen dazu führten, dass hin
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und wieder Seuchen, welche die lokale Bevölkerung dezimierten, ausbrachen. So war es im Jahr 1680, als die Choleraseuche einen hohen Tribut an Menschenleben forderte. Einige Ortschaften des Glatzer Ländchen wurden sogar zu 80% ausgelöscht. Laut einigen Chronisten soll es zu Situationen gekommen sein, wo es an lebenden Menschen gefehlt hat, um die Verstorbenen zu begraben und die, welche beerdigt wurden, hat man schnell in
Sammelgräbern beerdigt. Diese wurden aber in niedriger Tiefe begraben, sodass sie mit der Zeit auseinandergefallen sind. Regen und Schnee spülten die Erde weg, die Knochen gelangten an die Oberfläche und wurden oft von Hunden oder wilden Tieren durch Felder und Wälder getragen. Wurden in diesen Gräbern vor allem ärmere oder auch wohlhabende Menschen beerdigt?
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Das waren einfache Bürger, Durchschnittsmenschen. Vor allem preußische und österreichische Soldaten, aber auch Soldaten der Infanterie, die an den Schlesischen Kriegen teilnahmen, welche infolge eines Konflikts zwischen dem preußischen König Friedrich II. und Maria Theresia, die auf dem österreichischen Habsburger-Thron saß, entstanden. Zum Konflikt sind noch das Zarentum Russland und später Frankreich und England
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beigetreten und so wirklich wissen wir nicht, wer in den Gräbern liegt. Bestimmt waren es einfache Durchschnittsmenschen, einheimische Bürger und Soldaten, die auf den Gebieten kämpften und sogar aus weiten Ecken der Welt kamen. Also sind die Knochen und Schädel nicht identifiziert? Ja, das sind sog. nomen nominandum, also unbekannte Personen. Dennoch können wir über einige genau sagen, wem sie gehörten, denn es sind Schädel und Knochen auf dem Altar ausgestellt, welche sich in irgendeiner Weise von den gefundenen oder ausgegrabenen unterscheiden. Da liegt u.a. ein mit einem weißen Kreuz gekennzeichneter Schädel. Er gehörte dem Totengräber Langner, einem guten Freund und Helfer von Pfarrer Tomaszek, der ihn bei dieser bemerkenswerten Arbeit unterstützte. Der Schädel wurde gekennzeichnet, damit er nicht verloren ging. Langners Wunsch war es, dass sein Schädel nach dem Tod in dieser Kapelle bleibt. Einen ähnlichen Willen äußerte Pfarrer Tomaszek. Sein Schädel befindet sich auch hier, aber leider wissen wir nicht, welcher es ist, weil er in diesen 200 Jahren irgendwo verloren gegangen ist. Über zwei Schädel können wir auch noch sagen, wem sie gehörten, nämlich dem damaligen Ortsvorsteher von Czermna - Martyniec und seiner Frau. Mit ihnen ist eine tragische Geschichte verbunden. Während des Siebenjährigen Kriegs wurde Martyniec von preußischen Soldaten wegen Betrugs, welchen er begann, erschossen. Er hat den österreichischen Soldaten einen Geheimgang durch das Labyrinth Wilde Löcher/Błędne Skały gezeigt. Als er zum Hinrichtungsort geführt wurde, versuchte seine Frau ihn zu retten. Dabei schlug sie einer der preußischen Offiziere mit einem Säbel in den Kopf. Dieser Schlag war tödlich, und der Ehemann wurde trotzdem hingerichtet. Eine der Kugeln traf ihn in den Kopf und zerstörte die Gesichtspartie. Kommen wir noch einmal zum Pfarrer Tomaszek zurück. Welche Rolle spiel-
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te er beim Kapellenbau und wie viele Jahre dauerte es, bis sie fertig war? Pfarrer Tomaszek kam nach Czermna im Jahr 1740. Ein Jahr vor dem Bau der Kapelle besuchte er die ersten christlichen Gräber, also römische Katakomben. Sie hinterließen bei ihm so einen starken Eindruck, dass er nach der Rückkehr beschloss, eine Kapelle nach dem römischen Vorbild zu errichten, um einen Ort der letzten Ruhestätte zu schaffen. Eine Ruhestätte für viele Tausende namenlose Menschen. Er wollte auch den Nachkommen die Botschaft Memento mori hinterlassen, auf Deutsch - sei dir der Sterblichkeit bewusst. Die Kapelle wurde 1776 fertiggestellt, aber erst nach 8 Jahren, also ab 1804 wurde sie den Besuchern zur Verfügung gestellt. Natürlich nicht so vielen wie heutzutage, aber in einigen Quellen können wir lesen, dass die Kapelle fast 28 Jahre lang gebaut wurde. 8 Jahre und 28
Jahre klingt korrekt. Woher kommt das? Solange Pfarrer Tomaszek lebte, sammelte und fügte man dort 20 Jahre lang Schädel hinzu, also ist 8 und 28 die richtige Zahl. Wurde die Schädelkapelle in Czermna einer anderen ähnlichen Kapelle nachempfunden? Ehrlich gesagt, gibt es keine gleiche Kapelle, denn wenn wir durch die Welt reisen, können wir Gräber der ersten Christen finden, also sog. römische Katakomben. In Kuttenberg/Kutná Hora sogar mit einer großen zweistöckigen Kirche, in der Knochen als Baumaterial verwendet wurden, aus denen Kronleuchter, Wappen, Monstranzen, Girlanden und andere Leuchter gefertigt wurden. In Czermna ist die Kapelle mehr pro sacrum, dort mehr pro fanum, daher ist es schwer zu sagen, was Tomaszeks Inspiration war oder ob es nur seine Idee war.
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Zwischen den Schädel in der Kapelle befinden sich zwei Engel: der eine hält eine Trompete, der andere eine Waage. Ist das eine besondere Symbolik? Gibt es noch weitere Symbole?
Graf Levis Cut, der beim Bau der Kapelle half.
Natürlich. Die Engel sollen uns an unsere postmortale Verantwortung für das Leben, das wir gelebt haben, erinnern. Der Engel, der die Trompete in der Hand hält, wird irgendwann in sie pusten und das wird das Zeichen für die Auferstehung sein, um danach vor dem zweiten Engel mit der Waage zu stehen, der unsere guten und bösen Taten wiegt. Möge es so viele guten Taten in unserem Leben geben wie möglich. Unter diesen Engeln befinden sich Kartuschen und Inschriften in tschechischer und lateinischer Sprache. Und dann gibt es noch die Symbolik des Altars und des Gekreuzigten Jesus Christus - im Kreuz liegt das Leiden, aber auch die Erlösung. Der Herr Jesus ist von den Toten auferstanden und erinnert die Gläubigen daran, dass auch sie eines Tages von den Toten auferstehen werden.
Das kann ich nicht beurteilen, denn die Kapelle entstand im 18. Jahrhundert. Ob später noch weitere ähnliche entstanden sind, weiß ich nicht, denn auf diesem Gebiet in Polen ist es der einzige Ort dieser Art. In Europa gibt es auch nicht viele religiösen Objekte dieser Art, denn es gibt welche hinter der Grenze auf der tschechischen Seite, in Portugal, in Österreich, in Halmstadt, aber jeder dieser Orte hat einen anderen Charakter und wurden aus unterschiedlichen Gründen gebaut.
Wie wurden die Knochen vorbereitet, damit sie in der Kapelle aufgestellt werden konnten? Kurz gesagt war es eine ziemlich mühsame und uninteressante Arbeit, denn diese Knochen wurden von Feldern und Wäldern gebracht. Sie mussten gereinigt werden, also wurden sie im Kirchplatz in einer Lösung aus schwarzer Lauge gekocht, das heißt, Eichenholzkohlenasche wurde in kochendes Wasser hineingelegt und gekocht. So entstand eine Base und auf diese Weise wurden die Knochen gereinigt und auch imprägniert, in der Sonne getrocknet und erst dann aufgestellt. War die Idee, ein Kapellen-Ossuarium zu bauen, umstritten? Solche Orte entstanden zu jeder Zeit und daran war nichts außergewöhnlich. Natürlich brauchte Pfarrer Tomaszek das Einverständnis der kirchlichen und zivilen Behörden. Er musste auch einen Sponsor für den Bau der Kapelle finden. Den Stein und den Kalk spendete der damalige Gutsbesitzer
Und hat diese Art von religiösen Objekten das Entstehen ähnlicher Objekte beeinflusst?
Was zieht Touristen in die Schädelkapelle an? Welche Gefühle ruft sie hervor? Anlockend ist schon die Anzahl der Schädel und Knochen, denn in der Kapelle befinden sich ungefähr 24 bis 30 Tausend menschliche Überreste. Natürlich sind das nur geschätzte Zahlen, denn keiner hat es nachgezählt. Oft sind Gäste, die nach Czermna kommen, neugierig, was sich tatsächlich im Inneren befindet. Sie wissen, dass sich dort menschliche Knochen befinden, aber dennoch möchten sie hineinschauen und gucken, wie sie aussehen. Einige sind aber skeptisch beim Herausgehen aus der Kapelle und sagen, dass es unmöglich ist, dass es menschliche Knochen sind. Sie sind der Meinung, dass es sich um Plastikabgüsse handelt. Es gibt Menschen, die dort oft beten, die nach dem Verlust eines geliebten Menschen weinen, die von einem solchen Ort bewegt sind, und es gibt auch Menschen, die in die Kapelle nicht hineinschauen können. Angst... es ist schwer zu sagen, was in ihnen steckt, das ihnen Angst macht, einzutreten. Wie viele Touristen besuchen jährlich die Kapelle? Sehr viele, denn es kommen zu uns Gäste aus der ganzen Welt. Es sind nicht nur polnische Touristen, aber auch Menschen aus ganz Europa und den entferntesten Ecken der Welt:
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Singapur, Japan, USA. Wie sieht der Touristenverkehr in Zeiten der Pandemie aus? Gibt es überhaupt die Möglichkeit einer Besichtigung? Ja, es gibt diese Möglichkeit, denn die Kapelle ist kein Museum. Es ist ein Kultobjekt, somit ist sie offen. Im Winter zwar etwas kürzer, aber durch die Einhaltung der Hygienevorschriften werden viel weniger Menschen hineingelassen. Jedes Mal werden die Hände desinfiziert und das Tragen einer Maske ist obligatorisch. Finden in der Kapelle Gottesdienste statt? Ja, einmal im Jahr vom 14. auf den 15. August um Mitternacht, also dem Vorabend der Mariä-Aufnahme in den Himmel, wird in der Kapelle ein Gottesdienst für die Verstorbenen, dessen Knochen hier ruhen und nahe Verwandte, die tragisch ums Leben gekommen sind oder Suizid begannen, abgehalten. Außerdem gibt es jeden Mittwoch nach der Abendmesse eine Prozession zur Schädelkapelle und ein Gebet für die im Fegefeuer leidenden Seelen. Wie sieht die Konservierung eines solchen Ortes aus? Abgesehen von den Aufräumungsarbeiten, d.h. das Abputzen von Staub und Spinnweben durch die betreuenden Nonnen, findet eine Konservierung nicht mehr statt. Sind mit der Schädelkapelle irgendwelche Geheimnisse verbunden? Es ist ein besonderer Ort. Er soll uns daran erinnern, dass uns und die Verstorbenen nur noch die Zeit trennt, denn auch diese Menschen hatten ihre Träume, Wünsche, kämpften miteinander, hassten sich. Heute ruhen sie nebeneinander, keiner streitet mehr, der Tod hat sie alle versöhnt. Dieser Ort verleitet uns zu einem kurzen Zwischenstopp, um über verschiedene Sachen nachzudenken, denn egal woher wir kommen, welche Ansichten wir haben, welcher Religion wir angehören, im Angesicht des Todes sind wir alle gleich.
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Mein Leben bei den
Nachbarn
April 2021
Eine Reportage aus meiner neuen Heimat von Maximilian Broy
Eine Reise durch Polen Touristische Entdeckungen im Nachbarland Es ist wieder soweit, der Winter ist langsam vorbei und nun beginnt der Frühling sein stürmisches Gemüt zu offenbaren. Nach dem doch recht harten, langen und kalten Winter, freut man sich über jeden Moment mit Sonnenschein und ohne Regen. Es ist somit auch wieder die Zeit gekommen in die Natur zu gehen, ohne zu frieren und längere Ausflüge zu unternehmen. Zu dieser Jahreszeit beginnt das Fernweh bei den Menschen wieder besonders stark ausgeprägt zu sein und es zieht uns wieder in die Ferne. In der Regel möchte man den Urlaub in einer entfernten oder bisher unbekannten Region verbringen und so vielfältig die Gründe des Verreisens sind, so zahlreich sind auch die Ziele. Ein guter Grund zu reisen ist auch in der heutigen Zeit vielleicht ganz einfach, weil man es kann. War Reisen und die Welt entdecken früher ein Privileg, schlicht unerschwinglich oder gar für einige Menschen aus bestimmten Ländern oder politischen Systemen einfach nicht möglich, gehört es heute für den Größtteil der Menschheit zu den alltäglichsten Dinge des Lebens. So auch bei mir. Ich habe in diversen Ländern gelebt, bearbeitet und Zeit verbracht. Eines meiner großen Ziele ist es in meinem Leben alle europäischen Hauptstädte zu besichtigen. Diese Aufgabe ist durchaus machbar, aber auf der Liste befinden sich auch exotische Ziele. Aber bevor diese an der Reihe sind, wird es Zeit die Gegend vor der eigenen Haustür zu erkunden und kennen zu lernen, also auf geht es, einmal ab durch Polen.
Foto: Pixabay
Für jeden Geschmack ist etwas dabei In meinem Leben habe ich bereits viele berufliche Tätigkeiten ausgeübt. Sei es als Lehrer oder im Hotel, in einer Druckerei oder Kunstgalerie, um hier nur einige zu erwähnen, aber am meisten geprägt hat mich die Zeit im Tourismus. Einerseits hat man im Reisebüro und beim Reiseveranstalter viel über die Welt gelernt, ohne je dort gewesen zu sein, auf der anderen Seite wurden mir durch meinen Einsatz als Reiseleiter die Augen für die Schönheit der Welt geöffnet, aber auch bewusst gemacht, dass man nicht weit fahren muss, um Erholung, Ruhe und Kultur, aber auch Abenteuer und Unterhaltung zu finden. Ich hatte das Glück Polen als Tourist, als Reiseleiter, aber auch als Einheimischer kennen zu lernen und dieser Prozess ist noch lange nicht beendet. Mir fiel in Deutschland auf, dass ich bereits viel von der Welt gesehen habe, aber viele Teile meines Heimatlandes gar nicht richtig kenne. Dies sollte mir in Polen nicht passieren, obwohl man auch anmerken muss, dass man als Ausländer, Expat, Zugewanderter oder wie man es auch immer bezeichnen möchte, den Vorteil hat, dass alles neu ist und somit anziehender wirkt. Daher kenne ich wahrscheinlich mehr touristische Ziele als viele Polen. Auf meinen Reisen und Erkundungen durch Polen, aber auch durch Europa, habe ich bemerkt, dass es in jedem Land auf der Erde etwas gibt, für dass es sich lohnt, dorthin zu reisen und das jedes Land aber auch unterschiedliche Dinge bieten kann, je nachdem was man sucht, und so ist
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es selbstverständlich in Polen nicht anders. Es gibt so viele verschiedene Orte, Kulturen, Menschen und Landschaften, so wie es nicht die USA gibt oder das eine Deutschland. Ob man Surfen möchte, eine ausgelassene Partynacht in einer Großstadt erleben, in unberührter Natur den Alltag vergessen oder sich kulinarischen Genüssen hingeben, all das kann man ohne Probleme in Polen in die Tat umsetzen.
Tausend gute Gründe nach Polen zu reisen Zuallererst sollte festgehalten werden, dass Polen wie die meisten europäischen Länder ein sehr sicheres Reiseland ist und auch den Vorteil hat, dass es im Zentrum Europas liegt, somit also von den meisten Orten des Kontinents aus schnell erreicht werden kann und dadurch auch von den Touristen, die von außerhalb Europas kommen, Beachtung findet, wenn diese Personen Frankreich, Italien und Spanien besuchen und sich dann für einen kurzen Abstecher nach Polen entscheiden, da sich auch bis nach Amerika und Australien herumgesprochen hat, dass Polen ein lohnenswertes Reiseziel ist. Polen umgibt als Reiseland aber noch ein ganz anderer Zauber, und zwar den, des Unbekannten, Geheimnisvollen und bis Weilen Mystischen. Man darf nicht vergessen, dass Polen vor etwas mehr als 30 Jahren noch zum kommunistischen Staatenbund zählte und viele Menschen, selbst in Deutschland - Ost wie West, Polen als “den Osten” assoziieren und davon ausgehen, dass die Straßen in einem mangelhaften Zustand sind, alle Häuser gleich und grau aussehen und die Menschen arbeitslos sind und in sehr einfachen Verhältnissen leben. Dem ist natürlich schon seit langer Zeit nicht mehr so. Als ich 2014 mit einer deutschen Reisegruppe durch Polen unterwegs war, merkte eine Dame im Bus an, dass sie positiv überrascht sei, dass alles und so neu, modern und schick sei. Dem kann ich mich nur anschließen. Nicht dass man es Polen nicht zutraut, dass es so wunderschön und modern ist, aber zum Teil sind die Schienen und Straßen in Polen in einem besseren Zustand, als in Deutschland. Dort hat man leider viele Jahre nicht oder wenig in das Straßen- und Schienennetz investiert und Polen hatte durch den wirtschaftlichen Aufschwung, welcher nun konstant seit Ende der 90er Jahre anhält, sowie den EU-Subventionen in Milliardenhöhe die Chance, seine Infrastruktur einschließlich Bahnhöfen und Flughäfen
Foto: Depositphotos
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April 2021
auf Vordermann zu bringen und auszubauen. Dazu hat die Europameisterschaft des Fußballs im Jahre 2012 ihr Übriges getan. Die Infrastruktur ist für den Tourismus maßgeblich, da die Besucher somit schnell, adäquat, bequem und vor allem günstig durch das Land, aber auch in das Land kommen. Den Kostenfaktor darf und sollte man dabei auch nicht außer Acht lassen, denn auch wenn die Preise seit Jahren rasant anwachsen, ob für Hotels, Lebensmittel oder Kleidung, ist Polen immer noch ein sehr preiswertes und erschwingliches Reiseland, besonders für Menschen aus Deutschland, den USA oder ebenfalls aus Skandinavien. Naturtechnisch mag es in Skandinavien vielleicht atemberaubendere Orte geben, aber auch Polen braucht sich in dieser Hinsicht nicht zu verstecken. Wenn man es auch einmal ganz genau und nüchtern betrachtet, unterscheiden sich Deutschland und Polen geomorphologisch, also vom natürlichen Aussehen her, eigentlich nicht sonderlich, man könnte sogar soweit gehen zu sagen, dass deine Länder gleich aussehen.
Es sieht doch eigentlich überall gleich aus Der Grund ist ganz simpel und liegt in der Erdgeschichte begründet, und zwar genauer gesagt in der letzten Eiszeit, welche im norddeutschen Raum auch als Weichsel-Eiszeit bezeichnet wird, genauso wie der Fluss, welcher ausschließlich in Polen fließt. Vor mehr als 12.000 Jahren hat die letzte Eiszeit Nordeuropas oder eher das Ende dieser, den Kontinent in seinem Aussehen stark geformt, verändert und geprägt. Das schmelzende Eis, Sand und Gestein haben dafür gesorgt, dass Polen - wie auch Deutschland - heute so aussieht, wie es tut. Im Norden finden wir ein Flachland vor, welches an ein Meer grenzt. Auch dieses Meer - die Ostsee - entstand erst vor 11.000 Jahren und besteht zum größten Teil aus dem Schmelzwasser der Eiszeit. An das Flachland schließt sich eine Tiefebene mit vielen Seen und Flüssen an und darauf folgen Mittelgebirge, wo es fruchtbarere Böden gibt, die zum Obst- sowie Gemüseanbau dienen. Anschließend kommen
die Berge, welche nicht aus der Eiszeit resultieren, und somit aus anderen Gründen zu einer Gebirgskette zählen, die sich durch Gesamteuropa zieht. Warum zieht es denn nun aber die Deutschen in großen Mengen ins Land, wenn man doch all dasselbe Zuhause hat? Das mag am milderen Klima oder den günstigeren Preisen liegen, eventuell auch an der noch vorhandenen Unbekanntheit, sodass Polen nicht so überlaufen wie andere Teile Europas ist, aber es liegt auch daran, dass die Regionen in Polen, immer noch etwas urtypischer und unerschlossener sind. Masuren - das Seengebiet im Nordosten Polens - sind ebenso schön wie die Mecklenburgische Seenplatte im Nordosten Deutschlands, aber bei weitem noch nicht so überlaufen und noch etwas ursprünglicher. Wälder gibt es auch in Deutschland, aber in Polen strahlen sie noch mehr Ruhe aus und wirken somit einfach unberührter und besser erhalten. In Polen ist es ganz normal, dass in den östlichen Wäldern Wölfe, Bären, Büffel und Luchse leben; Tiere, die in Deutschland erst langsam wieder zurückkehren, es aber durch die wachsenden Städte und zahlreichen Autobahnen auch nicht so leicht haben, sich anzusiedeln und in Ruhe zu leben. Somit ist der entwicklungstechnische Rückstand Polens gegenüber Deutschland auch ein kleiner Vorteil, jedenfalls wenn man die Harmonie und Schönheit der polnischen Natur betrachtet. Der Vorteil ist auch, dass in Polen alles eine Nummer kleiner ist und dadurch geht es automatisch entspannter zu.
Viel Geschichte an einem Ort Aber nach all der Erholung und Erkundung in der Natur Polens muss man sich auch ein wenig stärken und etwas für das kulturelle Wohl tun. Auch dafür ist Polen genau der richtige Ort. Es war bisher kein Geheimnis, dass die polnische Küche, wie so viele Küchen Mitteleuropas, sehr fleischlastig ist. Aber in den letzten Jahren sprießen immer mehr und mehr Orte aus dem Boden, an denen man sich von ausgezeichneter vegetarischer und veganer Kochkunst verzaubern lassen kann. Aber selbstverständlich findet man auch immer noch wunderbare traditionelle Restaurants, wo man
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wie die Polen typisch polnische Küche genießen kann. Es wird viel experimentiert und so muss man auch auf hervorragende Sterneküche nicht verzichten. Wem das alles zu viel ist, der kann sich auch einfach dem vielfältigen Streetfood-Angebot in den Metropolen wie Warschau/Warszawa, Krakau/Kraków, Breslau/Wrocław oder Lodz/Łódź hingeben. Um sich zu amüsieren und Spaß zu haben, bieten diese und weitere Städte ein buntes Nachtleben, wo niemand zu kurz kommt. Ohnehin wird man sich in den polnischen Städten nicht langweilen, aufgrund der Fülle an Museen, historischen Plätzen, faszinierender Geschichte sowie imposanter und abwechslungsreicher Architektur. Dies ist darin begründet, dass Polen in den letzten Jahrhunderten eine bewegte Geschichte hatte und sich die Landesgrenzen mehrfach verschoben und die unterschiedlichsten Reiche und Länder ihren Einfluss hier hinterlassen haben. Dadurch findet man in den Städten des Südostens pittoreske Altstädte vor, die fast einen Hauch von Italien versprühen, (post-) industriell geprägte Städte wie Lodz/Łódź, Kaufmannsstädte wie Danzig/Gdańsk oder Posen/Poznań, wo man annehmen könnte, man befände sich in zeitweise in Deutschland, pulsierende Kreativzentren wie Breslau/Wrocław oder einfach eine internationale Metropole wie Warschau/Warszawa. Letztere hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark verändert und ist quasi auferstanden, hat sich neu erfunden - und tut dies eigentlich täglich - und versprüht dabei heute ein kosmopolitisches Flair wie London, Paris oder gar New York, aufgrund der hohen Ansammlung an Hochhäusern. Wer sich an diesen Orten kulturell inspirieren und ansprechen lassen möchte, wird in den exzellenten Museen nicht zu kurz kommen, sei es in den Museen für moderne Kunst in Lodz/Łódź, dem Kommunismus-Museum in Danzig/Gdańsk oder dem Jüdischen Museum in Warschau/ Warszawa. Für diese Aktivitäten sollte man sehr viel Zeit einplanen. Es lohnt sich also immer den Schritt über die Oder zu wagen, sich überraschen zu lassen und etwas Neues, aber bestimmt auch bald nicht mehr so Geheimnisvolles zu entdecken. Noch gibt es sie, die versteckten Ecken in Polen, die nur auf Touristen warten. Und auch wenn die Geschichte und Zeit es nicht immer gut mit Polen meinte, sorgte es doch dafür, dass es viel über dieses Land zu erfahren gibt und wenn man sich die Zeit nimmt, kann man auch erleben, was für ein tolles Reiseland Polen in den letzten Jahren geworden ist und damit mehr als nur eine Alternative zu Italien, Frankreich oder Spanien darstellt. Meine Frau und ich planten für dieses Jahr eine Reise in die USA und nach Kanada, die leider nicht zustande kommt und daher haben wir uns entschieden den Sommer in den Masuren zu verbringen, was wir schon seit langer Zeit geplant hatten und jetzt endlich in die Tat umsetzen können. Wir werden die Natur genießen, aktiv unterwegs sein, die Seele baumeln lassen, aber auch die Städte besichtigen und einen Kurztrip an die Ostsee unternehmen. Da bleibt mir nur noch eins zu sagen: Gute Reise und bis bald in Polen!
Über den Autor: Geboren 1986 im damaligen Ost-Berlin, hat er sich schon früh für die weite Welt interssiert. Nach zahlreichen beruflichen Stationen, u.a. in einer Kunstgalerie, im Casino sowie in einem Hotel oder als Reiseleiter, fand er nach dem Studium der Geopgraphie und Anglistik in Potsdam seine Berufung als Sprachenlehrer im Ausland. Nach einem Halt in Budapest ging es 2015 nach Polen, wo er glücklich und zufrieden lebt und von Łódź aus das Land entdeckt.
Damit Ihr nicht immer so lange warten müsst, bis neue Artikel über das Leben von Max in seiner neuen Heimat erscheinen, wird er Euch ab jetzt auch in seinem wöchentlichen Blog kleine Alltagsgeschichten sowie Erlebnisse präsentieren, da es einfach so viel Spannendes gibt, das er Euch gern mitteilen möchte. Schaut doch einfach mal auf der Internetseite vom PolenJournal.de nach.
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Kleines Finnland in Polen von Patrycja Urban
Eine Menge von knirschendem Schnee unter den Füßen, phänomenale Polarlichter, Hundeschlitten anstelle von Pferden. Das sind nicht nur leere Wörter, sondern Assoziationen und Hauptgründe, welche jedes Jahr viele Touristen in die weiten Ecken Nordeuropas locken. Und obwohl viele davon träumen, wenigstens einmal ein nordisches Land zu besuchen, erfüllen sich nur wenige diesen Traum, denn ein Familienausflug in so weit entfernte Gebiete stellt eine Herausforderung dar. Was wäre aber, wenn man sich in Polen wie im weit entfernten Finnland fühlen könnte?
Foto: Kalevala
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Fotos: Kalevala
I
m nicht so weit entfernten Baberhäuser/Borowice in Niederschlesien entstand ein echtes finnisches Reich. Worüber ist die Rede? Über das Dorf Kalevala. Im Herzen vom Riesengebirge wechseln wir den Breitengrad und haben das Gefühl, wir würden durch finnische Wälder wandern, welche mit Stille und Ruhe gefüllt sind. Nun, das stimmt nicht ganz. Obwohl viele Sachen Finnland täuschend ähnlich sind, befinden wir uns in Wirklichkeit immer noch in Polen. Diese Ähnlichkeit ist der Verdienst von Magdalena und Michał Makowski. Dank ihrer Leidenschaft und eingesetzten Herz kann jeder das ferne Polarland kennenlernen und einen Hauch von Finnland spüren. Das Abenteuer begann am 8. Dezember 2017 als es dem Ehepaar gelang, zum 100-jährigen Jubiläum Finnlands das lappländische Dorf Kalevala zu eröffnen. Bei der festlichen Eröffnung war sogar der Botschafter Finnlands dabei. “Anfangs planten wir nichts Großes. Es sollte eine private Sauna in den Bergen sein. Mit der Zeit kamen ganzjährige lappische Zelte, finnische Häuschen,
zusätzliche Saunen dazu und es endete mit einem lappländischen Dorf“, erzählt Michał Makowski. Und zum Glück entstand aus einem kleinen Traum ein ansehnliches Dorf, welches der perfekte Ort sowohl für einsame Reisende als auch für Familien ist. Alle Gäste von Kalevala verbindet nämlich eins – die Liebe zu den weit entfernten, wunderschönen nordischen Ländern.
Kindheitsträume Das Dorf wurde präzise geplant. Alles hat seine Ordnung und Platz. Sobald wir das Tor von Kalevala betreten, werden wir sofort in eine andere, einzigartige Welt versetzt. Das Gut Finnlands, welches die Geschichte der Mumins ist, ist vor allem bei Kindern bekannt. Sie träumen davon, sich einmal wie die Helden dieses Märchens zu fühlen, ja sogar für einen Moment in diese Welt zu reisen. Das ist nun nicht mehr allzu schwer, man muss nur nach Baberhäuser/Borowice
kommen. Hier entstand das Haus der Mumins, selbstverständlich nach der Beschreibung, welche aus dem Roman von Tove Jansson stammt. Das Häuschen können wir aber nicht nur besichtigen, sondern uns auch im Bett des Mumins oder Snorkfräuleins hinlegen und einschlafen. Für Personen, welche Angst haben, auf Morran zu treffen, haben wir eine gute Nachricht, Michał und Magdalena haben für die Sicherheit des Dorfes so gut gesorgt, dass das furchteinflößende Wesen Kalevala meidet. Für die Sicherheit des Dorfes sorgen auch zwei wundervolle Huskys – Kalev und Sampo. Die lebensfrohen Hunde erobern die Herzen sowohl der jüngeren als auch der älteren Gäste im Handumdrehen. Und obwohl die Tiere dem Ort schon einen außergewöhnlichen Charme verleihen, spürt man erst bei einem Spaziergang mit ihnen das richtige finnische Klima auf der eigenen Haut. Die Wanderung findet natürlich unter dem wachsamen Auge der Betreuer statt. “Jemand, der keine Ahnung von Huskys hat, hält es beim
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Spazieren keine zwei Minuten aus. Es sind Schlittenhunde, die bereit sind, den ganzen Wald zu erkunden, zu rennen und das Abenteuer zu suchen. Man muss wissen, wie man mit ihnen umgehen soll“, präzisiert Michał Makowski. Ein Ausflug mit diesen beiden lebhaften Goldstücken erfreut sich bei den Gästen großer Beliebtheit. Die Gastgeber geben zu, dass täglich Dutzende Personen die Möglichkeit nutzen, in den Wald zu gehen und zu spazieren. Kalevala überrascht auf Schritt und Tritt. Nicht anders ist es im Falle eines scheinbar gewöhnlichen Geheges. Die Tiere, welche wir hier treffen, sind nämlich alles andere als gewöhnlich. Sie versprühen im Dezember weihnachtliche Stimmung und mit dem Weihnachtsmann sind sie dicke Freunde. Über wen ist die Rede? Rentiere! Zwei atemberaubende Rentiere, welche direkt aus Finnland nach Baberhäuser/Borowice kamen, vervollständigen den einzigartigen finnischen Charme des Dorfes. Im Winter besucht der Weihnachtsmann höchstpersönlich seine Freunde und schlendert durch das Dorf.
Vom Zelt bis hin zu Sauna – die finnische Kulturschule Kalevala ist nicht nur für ihre vierbeinigen Freunde berühmt, aber vor allem für ihre Attraktionen. Für viele Gäste ist eine Nacht im Zelt eine Kindheitserinnerung. Wie wäre es, wenn wir uns an diese glücklichen Momente zurückerinnern könnten, ohne mühsam das Zelt aufstellen zu müssen? In Kalevala stehen für die Gäste Zelte zur Verfügung, in denen wir nicht nur im Sommer, aber auch im Winter schlafen können. Keine Sorge, wenn der Gedanke daran die Ohren vor Frost kneift, sollten wir ihn schnell vergessen. Die Zelte haben Heizsysteme, dank denen die frostigen Temperaturen nicht hineingelangen. Hinzu verfügt jedes Zelt über Internet, Strom und im Inneren können wir den einzigartigen Duft des finnischen Holzes riechen. In den Zelten können wir auf einige alles andere als alltägliche
Foto: Majka Berdel
Konstruktionen treffen. Eine davon ist das Wikingerzelt, in dem jeder Tourist sich wie ein waschechter skandinavischer Krieger fühlen kann. Außerdem ist die Übernachtung in den hängenden Zelten auch ein spektakuläres Erlebnis. Wie sieht das aus? Die Zelte sind an Holzsäulen einige Zentimeter über dem Boden festgebunden, sodass sie in der Luft schweben. Für Liebhaber des heißen Klimas gibt es Saunen, welche in Finnland fast überall zu finden sind. Man muss dabei aber betonen, dass eine finnische Sauna kein kleiner Raum im Keller ist, mit dem es die meisten Menschen assoziieren. “Die Finnen essen, trinken, spielen Karten und reden in der Sauna. Sie hat immer neben dem Zimmer mit dem Ofen auch ein zweites Zimmer,
wo man ein bisschen feiern kann”, erzählen die Makowskis. Von daher ist es nichts Komisches, dass wir in Kelavala eine Sauna mit Grill nutzen können. Es gibt noch zwei andere, welche den Gästen zu Verfügung stehen. Eine davon ist verglast und die Zweite einfach nur erstaunlich, denn sie ist nicht quadratisch oder rechteckig, sondern rund. Um sich in dem kleinen Finnland nicht zu verirren, können wir einen 45-minütigen Spaziergang mit einem Reiseführer durchs Dorf machen. Während der Wanderung werden wir nicht nur die Attraktionen dieses Ortes sehen, sondern wir erfahren vor allem mehr über die Kultur, Tradition und Sitten der Finnen. Schon während des Spazierganges, bevor der Aufenthalt in Kalevala so richtig beginnt, werden wir in das
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weit entfernte nordische Land versetzt. Scheinbar im fernen Finnland, aber dennoch in Polen. Hinzu werden im Dorf verschiedene Workshops veranstaltet, die an die lappländische Kultur anknüpfen. Ein besonderes Erlebnis für Kinder und Jugendliche ist die finnische Schule, also die Kalevala Academy. Hier finden interessante Lehrveranstaltungen statt, die uns Finnland näher bringen. Diese basieren auf dem besten Bildungssystem der Welt, nämlich dem Finnischen.
Himmlisches Lichtspiel Die Polarlichter sind ein besonderes Naturereignis, das sich in den Köpfen der Touristen, welche das Glück hatten, es live in Finnland zu sehen, stark eingeprägt hat. Doch nicht nur im nördlichen Teil Europas können wir die himmlische Lichtshow bewundern. In Kalevala geben wir uns einem Moment des Vergessens hin und beobachten den Tanz der Farben, die sich am Horizont verflechten. Doch wie gelangen die Polarlichter nach Polen? Tja, das alles ist dank des Engagements der Eigentümer möglich, welche dieses Phänomen in das Herz vom Riesengebirge hingebracht haben. Diese Show findet mithilfe von VR-Brillen statt. Mit ihnen können wir das echte Polarlicht, das mit einer 360-Grad-Kamera in Finnland aufgenommen wurde, auf dem Liegestuhlfeld beobachten.
Shoppen im kleinen, polnischen Helsinki Wie wäre es in Helsinki einkaufen zu gehen, ohne Polen verlassen zu müssen? Klingt unmöglich? Ist es aber nicht! Jeden Samstag organisieren die Besitzer von Kalevala den Markt Kauppatori, der sich am berühmten Markt in der Hauptstadt Finnlands ein Beispiel nimmt. Natürlich ist das kein gewöhnlicher Markt. Ihn zeichnen vor allem Gemütlichkeit und genaue Kenntnis jedes einzelnen Produktes
Foto: Anna Sahra
aus, denn sowohl die leckeren Speisen als auch das Kunsthandwerk stammen von den besten regionalen Herstellern. Und obwohl die meisten einen winterlichen Markt mit eisiger Kälte assoziieren und so schnell wie möglich nach Hause zurückkehren möchten, kommt das in Kalevala niemandem in den Kopf. Dafür sorgen schon die Eigentümer des Dorfes. Um nicht nur die Herzen, aber vor allem Hände und Füße der Besucher zu erwärmen, wird jedes Mal ein Lagerfeuer angezündet, an dem wir uns wärmen, ausruhen und besinnen können.
Nicht reden, einfach tun Genau das zeichnet die Finnen aus. Wenn sie etwas sagen, dann machen sie es auch. In ihrer Kultur gibt es keinen Platz für leere Worte. Diese Einstellung ist bewundernswert und einer von vielen Gründe der Vorliebe von Michał und Magda zu diesem nordischen Land. “Finnland ist unsere Leidenschaft, es ist ein vollkommen anderes Land als Polen, Tschechien oder Deutschland. Die Finnen haben viele schöne Eigenschaften: Kreativität, Gewissenhaftigkeit, Präzision und vor allem setzen sie Wörter in Taten um“. Den Makowskis liegt es am Herzen, ihren Gästen die finnische Kultur und Tradition näherzubringen. Mit ihrer
Leidenschaft stecken sie nicht nur vor Ort an, sondern auch virtuell. Auf ihrem Facebookprofil zeigen sie regelmäßig Fotos und Videos, in denen sie über das Leben in Finnland erzählen und auch was gerade im Dorf so los ist oder was Kalev und Sampo machen. Die Eigentümer widmen sich Kalevala mit ganzem Herzen. Es gelang ihnen, die finnische Ecke im Riesengebirge ohne jegliche staatliche Hilfe aufzubauen. Sie wollten zeigen, wozu sie selber fähig sind, und das ist ihnen zu 100% gelungen. Interessanterweise schließen beide eine Zusammenarbeit mit der finnischen Regierung in der Zukunft nicht aus. “Jetzt haben wir das Gefühl, dass eine engere Zusammenarbeit mit Finnland der nächste Schritt ist, was uns unvermeidlich und für beide Seiten gut erscheint“. Wie können wir mit einem Wort Kalevala bezeichnen? Kein Museum, kein Freilichtmuseum, sondern ein Glampingplatz! Sogar ein außergewöhnliches Glamping. Ein Aufenthalt in diesem Dörflein wird jedem Gast und vor allem Liebhaber Finnlands lange in Erinnerung bleiben. Die Makowskis sind stolz darauf, Polen auf der internationalen Tourismusmesse in Helsinki zu vertreten. Sie findet vom 21. bis 23.01.2022 statt. Magdalena und Michał sind von der finnischen Einstellung "nicht reden, sondern tun" inspiriert und dank dessen entstand das kleine Finnland in Polen.
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ZAKOPANE MAL ANDERS VON PAULINA KUC
DER FRÜHLING IST DA, DIE SEHNSUCHT NACH EINEM URLAUB GRÖSSER DENN JE. MANCHE WÜRDEN SOGAR BERGE VERSETZEN, UM EIN PAAR TAGE IN DER POLNISCHEN WINTERHAUPTSTADT ZU VERBRINGEN. DOCH ZAKOPANE HAT VIEL MEHR ANZUBIETEN ALS NUR SKILIFTE UND GIPFEL.
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Mit Zakopane verbinden Menschen vor allem Wandern und Ski. Doch die Stadt ist vieles mehr und hat vieles mehr anzubieten. Die Winterhauptstadt ist nicht nur im Winter besuchenswert. Das ganze Jahr über gibt es hier Berge von Attraktionen. Natur- und Wanderliebhaber müssen unbedingt einen Ausflug zum Meerauge, auf den Giewont-Berg oder ins Dolina Kościeliska machen. Wanderungen zum Wasserfall Siklawica und zur Höhle Smocza Jama sind auf jeden Fall empfehlenswert und bieten wunderschöne Ausblicke. Hingegen Skijunkies sollten im Winter die Chance nicht verpassen, um sich auf verschiedenen Pisten etwas auszutoben. Hat jedoch Zakopane auch etwas anzubieten für die, welche nicht vorhaben, den ganzen Urlaub Sport zu treiben und auf etwas andere Art entspannen möchten? Da helfen wir gerne über den Berg und bieten eine Auswahl von den besten Attraktionen der Stadt an.
BERGE KOMMEN NICHT ZUSAMMEN, ABER MENSCHEN
Foto: Depositphotos
Zakopane ist ein perfekter Ort, um einen Urlaub zu zweit oder mit der Familie zu verbringen. Kinder können sich in der Stadt nicht langweilen. Im Winter eröffnet der Wintervergnügungspark Snowlandia seine Tore. Dort wartet nicht nur das größte Schneelabyrinth der Welt, sondern auch eine Rodelbahn, ein Streichelzoo und ein Iglu mit Schneeskulpturen. Jahr für Jahr erbauen die Veranstalter zusätzlich riesige Gebäude aus Schnee. Es gab bereits ein Schloss und vorletztes Jahr baute man sogar die Pyramide von Gizeh nach. Wer also Langeweile erwartet, ist hier falsch. Auch das auf-dem-Kopf-stehendeHaus ist Spaß pur. Nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern. Es ist
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jedoch eher eine Attraktion für ein paar Minuten, da ein längerer Aufenthalt zu massiven Schwindelgefühlen führen kann. Trotzdem ist es ein einmaliges Erlebnis, das jedem ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird. Wer hingegen nach etwas Wärme sucht, sollte den Wasserpark in Zakopane besuchen. Auf Groß und Klein warten Rutschen, Thermen, Saunen, ein Spielraum, eine Kegelbahn und vieles mehr.
EXOTISCHE BERGBEWOHNER Wenn man überlegt, welche Tiere in den Bergen in Zakopane leben, kommen die Antworten schnell: Bären, Wölfe, Luchse und andere Waldtiere. Wenige wissen jedoch, dass Mäuse in der Stadt eine luxuriöse Villa bewohnen und sogar Schmetterlinge und exotische Tiere hier eine Bleibe haben. Auf der Krupówki-Straße befindet sich Myszogród, das Zuhause von mehr als 1 Tsd. Mäusen verschiedener Gattungen. Es wurde von 12 Künstlern auf 200 m2 geschaffen, welche den Tieren kleine Schiffe, Züge, Berghütten und sogar ein UFO gebaut haben. Die Mäuse in magischen Szenerien mit Bergen an Requisiten begeistern Besucher, die wahrscheinlich nie gedacht hätten, dass sie ein Mäusehaus besuchen würden. Doch in Zakopane leben nicht nur die kleinen Nagetiere. Auch Papageien haben hier eine Bleibe. Im Papageienhaus (Papugarnia Egzotyczne Zakopane) darf man nicht nur die farbigen Vögel beobachten, sondern auch anfassen und sogar füttern. Doch Vorsicht! Die Tiere sind laut und lieben alles, was glänzt und glitzert. Jeder Schmuck sollte also vor dem Besuch entfernt, sonst kann es schmerzhaft werden. Trotzdem garantieren die Tiere einen außergewöhnlichen Nachmittag, abseits von den typischen Bergaktivitäten. Die Bergstadt wird auch von Tausenden Schmetterlingen bewohnt. Nicht nur denen, welche auf den Wiesen zu finden sind, sondern auch denen, die
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April 2021
Foto: Depositphotos
im Schmetterlingshaus leben. Die vielen Insekten in verschiedensten Farben fliegen dort frei zwischen den Besuchern, ohne Angst oder Scheu. Oft kommt es vor, dass sie sogar auf den Schultern, Händen oder Nasen der Menschen für eine Weile sitzen bleiben, was die kleinsten Besucher bestimmt begeistern wird. Und wer keine Angst vor etwas größeren und exotischeren Tieren hat, sollte auf jeden Fall das Reptarium besuchen, das Haus der Reptilien in Zakopane. In der exotischen Welt leben Tiere aus Afrika, Südamerika und sogar Australien, deren Anblick die Haare von manchen zu Berge stehen lässt. Die Schildkröten, Spinnen, Schlangen und Chamäleons warten sehnsüchtig auf die kleinen und großen abenteuerlustigen Besucher. Dort können diese nicht nur die exotischen Tiere bewundern, sondern auch vieles über sie lernen. Für alle Seetierliebhaber wartet in Zakopane sogar eine Unterwasserwelt. Im größten Aquarium Polens sind lokale Süßwasserfische zu finden, wie auch
seltene Gattungen aus Amazonien. Ein Must-see für jeden Tierliebhaber.
BERGE VON MUSEEN In der Winterhauptstadt Polens fehlt es an Museen nicht. Wer zum ersten Mal Zakopane besucht, muss auf jeden Fall etwas Grundwissen erwerben. Zum Glück stehen dafür zahlreiche Orte zu Seite. Im Tatra-Museum (poln. Muzeum Tatrczańskie) erfahren Besucher das A und O über den Gebirgskomplex, die dortige Kultur und Lebensweise. Des Weiteren bietet das Oscypek-Museum leckere Informationen über den Kulthartkäse, der in der Tatra hergestellt wird. Im Programm steht sogar die selbstständige Herstellung eines Oscypek, unter der Aufsicht erfahrener Schafhirten und dann natürlich auch die Verkostung. Ein obligatorisches Mitbringsel für Familie und Freunde wird der Oscypek aus dem Museumsgeschäft sein.
Charakteristisch für Zakopane ist auch die Bauweise der dortigen Häuser. Der Zakopane-Stil ist außergewöhnlich und wurde in der Vergangenheit stark vor anderen architektonischen Einflüssen bewahrt. Über diese außergewöhnliche Bauweise kann man alles im Muzeum Stylu Tatrzańskiego erfahren. Wer hingegen etwas anderes als die typischen Museen besuchen möchte, sollte im Be Happy Museum einen Abstecher machen. Vor allem Personen, die gerne Model stehen, lustige Bilder schießen oder kleine Instagram-Stars sind, werden sich dort pudelwohl fühlen. Bunte Farben, verschiedene Hintergründe und lustige Requisiten zaubern schnell ein Lächeln in das Gesicht des größten Muffels. Es ist nämlich schwer, unter riesigen Donuts, pinken Einhörnern und Pools mit Streuseln nörgelig zu bleiben. Die im Be Happy Museum gemachten Bilder werden auf jeden Fall Hunderte von Likes und Kommentaren auf Facebook oder Instagram bekommen. Und ein Besuch dort lässt
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die Gute-Laune-Batterien schnell aufladen und bietet unvergessliche Erinnerungen, die auf zahlreichen Bildern dokumentiert werden. Besonders Kinder und Jugendliche werden gerne diesen Ort besuchen. Es ist nämlich ein völlig anderes Museum. Hier wird sich niemand langweilen.
WANDERN MACHT HUNGRIG Nach einem Besuch beim Großen Sparren oder Gubałówka kommt schnell der Hunger auf. Zum Glück ist es nicht schwer, in Zakopane ein Restaurant mit leckerem Essen zu finden. Besonders empfehlenswert ist die lokale Küche, die voll leckerer Gerichte ist. Für alle Kitchen-Nightmares-Fans, lohnt sich der Besuch im Restaurant “Schronisko Smaków” nahe der Stadt, in Bukowina Tatrzańska, das der polnischen Version von Gordon Ramsay, Magda Gessler Foto: Depositphotos
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gehört. Die Köchin ist nämlich der Star der polnischen Version des Programms und wandelt die gastronomischen Lokale in ganz Polen um.
leichtes Spiel. Es ist nämlich schwer, unter allen Kuchensorten ein oder zwei Stück auszuwählen. Es sei denn jemand hat die Kraft, alles zu probieren.
Empfehlenswert ist auch der Besuch in den Restaurants “Zapiecek” und “Marzanna”, wo vor allem die regionale Küche regiert. Angefangen bei Vorspeisen aus lokalen Zutaten, über leckere Hauptgerichte und süße Nachspeisen bis zu Honigwein oder Glühwein zum ruhigen Abschließen des Abends. Jeder wird dort fündig und satt.
Wer keinen Kaffee mehr sehen kann, sollte die Appendix-Bar besuchen. An interessanten Drinks und Cocktails fehlt es dort nicht. Hingegen im Sport Corner wird jeder Fußball-, Basketball- oder Volleyballfan fündig. Leckeres Essen, erfrischende Getränke und ein Spiel der geliebten Mannschaft - ein wahrer Traum jedes Sportfans.
Jeder Schokoladenliebhaber darf einen Besuch in der Wedel-Schokoladen-Trinkhalle nicht verpassen. Vor Ort warten nämlich nicht nur süße Getränke, sondern auch Pralinen, Desserts, Torten, Kuchen, Eisbecher und vieles mehr. Es ist ein wahrer Traum. Die Süßigkeiten können viel Bitteres verschwinden lassen.
Zakopane bedeutet nicht nur Berge, Wanderungen und Ski. Die Stadt ist so vieles mehr. Jeder Besuch erlaubt, etwas Neues zu entdecken, egal ob es ein Museum, ein Restaurant oder ein Tierparadies ist. Es müsste viel Wasser den Berg hinabfließen, bis man sich hier langweilt. Es bleibt also nicht anderes übrig, als auf das Ende des Lockdowns zu warten und endlich die Winterhauptstadt Polens zu besuchen, auch wenn aktuell dort kein Schnee mehr zu finden ist.
Guten Kaffee und leckeren Kuchen kann man auch im Café Samanta finden. Die Auswahl ist jedoch kein
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April 2021
Auf den Spuren violettfarbener Frühlingsanzeichen VON KRYSTIANA JANDA ÜBERSETZT VON PATRYCJA URBAN
Es wird immer wärmer und so langsam fangen wir an, Ausflüge zu planen, um endlich nach den ersten Frühlingsanzeichen zu suchen. Meistens suchen wir nach Blumen – Schneeglöckchen und Krokusse erfreuen sich dem häufigsten Interesse. Der Krokuss, anders Safran, wurde aus Kleinasien nach Polen gebracht. Es ist eine Nutzpflanze und die getrockneten Samen sind das teuerste Gewürz der Welt. Interessanterweise ist das menschliche Auge nicht in der Lage, alle Farbtöne der Blüten zu erkennen, dennoch lohnt es sich auf eine Frühlingssuche nach diesen lila Blumen aufzubrechen.
Foto: Depositphotos
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KROKUSSE IN GORCE Um Krokusse zu sehen, sollten wir einen Ausflug am besten für Anfang April planen. Einzelne Blumen erscheinen bereits Ende März, aber alles hängt vom Wetter ab. Krokussen blühen innerhalb von 2 bis 3 Wochen, am besten bei sonnigem Wetter, damit sich die Blüten voll entfalten können. Bemerkenswert ist, dass die Krokusse in Gorce 2 Wochen früher anfangen zu blühen als auf der Chochołowska-Lichtung in der Tatra. Eine große Krokusse-Ansammlung finden wir vor allem auf den Gipfeln – Turbacz, Kudłoń und auf der Weide, die Czoło Turbacza genannt wird. Für die etwas hartnäckigeren Sucher nach den ersten Anzeichen des Frühlings, ist ein Ausflug in die Gegend der Berghütte Stare Wierchy empfehlenswert. Die Wiesen mit Krokussen finden wir auch rund um Kiczora, Suchora und Obidowieca. Um entspannt an einen Ort zu gelangen, wo Krokusse blühen, sollten wir unser Auto am besten in Neumarkt/ Nowy Targ, Bad Rabka/Rabce Zdrój oder Koninki abstellen. Danach gelangen wir mit einer Kleinbahn von Koninki nach Kobołów und dann weiter Richtung Obidowiec. Die Krokusse befinden sich entlang der Wege. Besonders viele davon gibt es rund um das astronomische Observatorium auf Zuckers/Suchorze. Wenn wir uns Richtung der Stare-Wierchy-Hütte begeben, finden wir auch zahlreiche lila Blumeninseln. Ein Ticket für den Nationalpark Gorce können wir am einfachsten und sichersten per Telefon kaufen. Es reicht eine SMS an die 74624 mit der Nachricht DPGBILET zu schicken, wenn wir ein normales Ticket kaufen möchten. Diese Nachricht kostet 4,92 Złoty brutto. Ein ermäßigtes Ticket bekommen wir für 2,46 Złoty brutto. Dafür müssen wir die Nachricht DPGBILET an die Nummer 72624 senden. Als Antwort bekommen wir einen 18-Zeichen-Code, welchen wir auf Nachfrage eines Mitarbeiters des Nationalparks am Telefon vorzeigen, um die Eintrittsgebühr zu überprüfen.
Die Eintrittskarten müssen gekauft werden, wenn wir den Wanderweg im Tal des Bachs Turbacz auf dem Abschnitt der Lichtung Hucisko-Olszowy Bach, im Tal von Olszowy-Bach auf dem Abschnitt der Lichtung Hucisko-Poręba Górna, den blauen Wanderweg Lichtung Hucisko bis Czoło Turbacza, den grünen Wanderweg Lichtung Tobołów-Obidowiec, den Naturweg "Tal des Bachs Turbacz" oder den Naturweg "Na Turbaczyk" gehen wollen. Die Tickets können wir auch bei der Direktion des Nationalparks Gorce in Poręba Wielka, Poręba Wielka-Koninki am Parkplatz des Nationalparks und in Lubomierz-Rzeka auf der Lichtung Trusiówka kaufen. Das Ticket können wir auch im Voraus über das Konto des Nationalparks bezahlen - 87 1130 1150 0012 1253 5320 0002. Dabei müssen wir die Art des Tickets und das Datum des Ausfluges eingeben. Als Ticket gilt dann die Überweisungsbestätigung.
KROKUSSE IN DER TATRA Die lila Wiesen erscheinen in der Tatra im April. Die Krokusse können wir je nach Wetter 2 bis 3 Wochen lang bewundern. Vor dem Ausflug wäre es gut, auf die Seite der Hütte auf der Chochołowska-Lichtung nachzuschauen, denn dort veröffentlichen sie Informationen über die Blütezeit der Blumen. In Tatra ist die Chochołowska-Lichtung der am häufigsten gewählte Ort, wo nach lila Wiesen gesucht wird. Die Blumen kommen auch an solchen Orten wie Kościelisko, Witów, Tal Kościeliska, Kalatówki, Lichtung Kopieniec, Dzianisz vor. Wir können einen Spaziergang durch Weg unter den Riegeln/ Droga pod Reglami einplanen, wo es auch Blumenansammlungen gibt. Um sich auf die Suche nach dem Frühling zu machen, sollten wir unser Auto am besten in Zakopane stehen lassen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Umgebungen fahren. Die Anfahrt mit dem Auto kann vor allem an Wochenenden mit zusätzlichem Stress verbunden sein, weil es oft sogar schon früh morgens an freien Parkplatz fehlt. Von Zakopane aus, gibt es sehr viele Busverbindungen. Wir sollten dann nach einem Bus suchen, der
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Richtung des Tals Dolinę Chochołowską oder Czarny Dunajec fährt. Es ist erwähnenswert, dass der Weg von der Siwa-Lichtung zur Chochołowska-Lichtung auch für Radfahrer zugänglich ist. Der Parkplatz vor dem Eingang zum Chochoolowska-Tal kostet ca. 10 Złoty für 24 Stunden pro Auto. Andere Parkplätze, die etwas weiter entfernt vom Eingang sind, kosten um die 5-7 Złoty für 24 Stunden. Der Eingang in den Tatra-Nationalpark kostet 5 Złoty und ermäßigt 2,5 Złoty. Wer mit dem Fahrrad hineinfahren möchte, muss zusätzlich 5 Złoty zahlen. Beim Spazieren sollten wir daran denken, nur auf ausgewiesenen Wegen zu gehen und keine Pflanzen zu beschädigen oder zu pflücken. Wir sollten auch nicht mit dem Auto auf die umliegenden Wiesen fahren, denn es könnten sich dort Krokusse befinden. Unter keinen Umständen dürfen wir uns auf die lila Lichtungen hinlegen. Beim Fotografieren sollten wir besonders vorsichtig sein.
KROKUSSE IN DEN SUDETEN/SUDETY Krokusse können wir auch in den Sudeten/Sudety bewundern. Wer auf der Suche nach dem Frühling ist, aber keine Menschenmasse mag und Ruhe schätzt, sollte sich die blühenden Blumen bei Schreiberhau/Szklarska Poręba anschauen – dem einzigen Ort in Schlesien, wo wir sie in ihrer natürlichen Bergumgebung sehen können. Dort blühen die Krokusse im April. Es ist jedoch erwähnenswert, dass die Safranblüten in Górzyniec in einem 1962 gegründeten Naturschutzgebiet blühen, wo die Natur am wichtigsten ist. Es ist jedoch gar nicht einfach, zu diesem Naturschutzgebiet zu gelangen. Kein touristisch gekennzeichneter Weg führt hierhin. Beharrliche Entdecker, die sich die Zeit nehmen, die genaue Karte mit den Waldwegen anzuschauen und ihr Ziel erreichen, werden von einer Waldlichtung voller Krokusse empfangen. Als Anfang der Route können wir die Gegend der Todeskurve/Zakręt Śmierci auf dem Weg Schreiberhau/ Szklarska Poręba-Bad Flinsberg/Świeradów-Zdrój oder Górzyniec wählen.
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DIE LUXURIÖSE ZUKUNFT DES DESIGNS
Hört man das Wort „Luxus“, spürt man sofort die Raffiniertheit des Samts sowie die Kälte des Marmors an den Fingerspitzen und sieht die erhabene Farbnuance des Mahagonis. Diesen unabdingbaren Elementen des Luxus’ verleiht der Architekt und Visionär Adam Korulczyk in seinen eigenen Entwürfen futuristische Züge. Die typische aerodynamische Linie ist eines seiner Markenzeichen, unabhängig davon in welchem Kontext, sei
es an einer Gebäudefassade, der Innenarchitektur oder auf luxuriösen Jachten sie Anwendung fand. Nach fast 20 Jahren in der Branche ist Adam Korulczyk in der Lage, die Vision der Investoren zu verwirklichen und gleichzeitig ihre Identifikation mit dem Designer nicht zu verlieren. Wie kann die Architektur das formal-designerische und das ökonomisch-funktionale Stigma überwinden, um das Niveau der Kunst zu erreichen?
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Emanuela Janda (PolenJournal.de): Sie haben Innenarchitektur an der Akademie der Bildenden Künste in Gdańsk/Danzig studiert. Zurzeit reicht Ihre Tätigkeit weit über die Innenarchitektur hinaus. Sie beschäftigen sich außerdem mit der Fassadenbeleuchtung sowie mit dem Design von architektonischen Unikat-Objekten. Adam Korulczyk (KAG Architecture): Eines der Fächer während des Studiums an der Akademie war die Propädeutik der Stadtplanung, wo wir die Abhängigkeit der Innenarchitektur und der Stadtplanung lernten. Es war ein theoretisch-praktischer Lehrveranstaltungszyklus, genannt „dialogische Stadt”. Hier wurde mir bewusst, dass die Innenräume der Mietshäuser und Bürogebäude in einem Dialog mit dem Kontext der Straßen und Gebäudefassaden stehen. Hier lernte ich den Begriff der Skala zwischen dem Innenraum der
Aerodynamische Vorhangsfassade des Bahnhofs / Bild: Adam Korulczyk
Häuser und des Außenraums kennen, sowie den Dekodierungsprozess des Außenraums im Kontext des Innenraums. Diese Analyse veranlasste mich dazu, weitsichtiger auf das Innenraumdesign zu schauen. Die Gebäudeskala wurde zur Möbelund einzigartigen Innenausstattungsskala. Die Maßstäbe und Ornamente der Fassaden gingen auf dem Wandschmuck in die Innenräume über. Werbeschilder und andere Aufschriften an den Gebäudefassaden bildeten eine Analogie zum Corporate Design und Wandverzierungen in der Form von Malerei in den Innenräumen. Fontänen, Außenausstellungsobjekte und effektvolle Überführungen sind nichts anderes als Skulpturen und Beleuchtungskonstruktionen. Die ganze Stadtstruktur, ihre Funktionalität und Form sind auf die Innenarchitektur übertragbar. Der Einfluss und die stadtplanungs-geometrische Analyse der
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Verkehrsadern in den Hauptstädten flossen in meine Wahrnehmung der Innenarchitektur hinein. Diese Zusammenhänge und die Wahrnehmung der „austauschbaren Architektur“ stellten eine Ordnung in meinem Design auf, die auf den ersten Blick als reiner Zufall wahrgenommen werden mag, aber in Wahrheit auf handfesten Kunstprinzipien aufgebaut ist. So sah die erste Etappe in meiner Wahrnehmungsumstellung von der Mikro- zur Makrodesignskala aus. Die Suche nach meinem individuellen architektonischen Ausdruck führte mich zur Ausarbeitung eines geometrischen Codes. Es handelt sich um eine originelle stilistische Linie, die ich in meinen Designs verwende. Konstruiert auf der Basis des goldenen Schnitts, setzt sie sich aus mehreren Abschnitten zusammen, die miteinander durch Bögen in entsprechender Konstellation
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Residenz im Warschauer Stadtbezirk Mokotów
und räumlicher Harmonie in einer aerodynamischen Geometrie einkomponiert sind. Dadurch entstand eine originelle, sich wundervoll in meine multidisziplinären Projekte einfügende komponierende Stilistik. Sie sind schon fast 20 Jahre in der Designbranche tätig. Wie veränderte sich ihre Wahrnehmung der Architektur im Laufe der Jahre? Mein Abenteuer mit Kunst und Design begann 1989, als ich eine Auszeichnung in einem Schulkunstwettbewerb „Hilfe bei einer Katastrophe“ erhalten habe. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich einen Rettungshelikopter mit einer an einem Seil hängenden Trage gezeichnet habe, die Opfer einer Flugzeugkatastrophe bergen sollte. Diese Auszeichnung gab mir Antriebskraft, um sich mehr mit der Kunst auseinanderzusetzen. Damals konnte man auf Videokassetten amerikanische Filme kaufen. Sie alle zeigten den American Dream mit dem Manhattan-Panorama im Hintergrund. Solch eine Anhäufung von Hochhäusern in einem Bild erwirkte damals in mir einen enormen Eindruck. Oftmals griff ich nach einem Lineal und einem Blatt Papier und versuchte eifrig das Gesehene in
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der Perspektive zu zeichnen. Ich wusste noch nichts über geometrische Grundlagen, aber ich gab mein Bestes, um architektonische Strukturen mithilfe der Perspektive wiederzugeben. Etwas zog mich in die Richtung der Geometrie und bildenden Künste wie ein Magnet. 1992 bestand ich die Aufnahmeprüfung des Lyzeums der Bildenden Künste in Olsztyn/Allenstein. Dort lernte ich die Grundlagen des Grafikdesigns, der technischen Zeichnung, der Kalligrafie, Malerei sowie der akademischen Zeichnung, Bildhauerei und dreidimensionaler Raumkomposition. Sowohl die Kunstgeschichte wie auch die technische Zeichnung, die ich in der Schule erlernt habe, beeinflussten meine Berufswahl. Ich stand aber am Anfang eines langen Weges. Eine weitere Etappe bildete das Interesse für die Grundlagen der darstellenden Geometrie. 1997 begann ich Innenarchitektur an der Akademie der Bildenden Künste in Gdańsk/Danzig zu studieren, wo ich sowohl meine Kenntnisse im Bereich der Kunst als auch Design erweitern konnte. Zeichnung, Malerei, Bildhauerei, Grafik, Architekturdesign – umrahmt durch die Stadtplanung – schmolzen in eine klare Raumwahrnehmung zusammen und verliehen den neu entworfenen Formen eine Grundstilistik. Ich entdeckte einen gemeinsamen Nenner für die Wahrnehmung der architektonischen Mikro- und Makroskala, die durch eine ausgewogene multi-geometrische Struktur verbunden war. Diese hingegen wurde auf den Grundlagen des bildhauerischen Kontraposts und des goldenen Schnitts des Raums aufgebaut. Es war ein weiterer Schritt meiner künstlerischen Entwicklung. Die Umsetzung der neuen Kenntnisse in die Tat stellte bestimmt eine Herausforderung dar. Man kann es so sagen. Meine nächste Station war die Arbeit in der Dreistadt. Ich machte meine ersten Schritte in der Branche. Ich arbeitete in den unterschiedlichsten Designateliers an Schrankentwürfen und Küchenmöbeln. So lernte ich die Technologie und den Markt kennen.
Residenz Makarska Riviera nach dem Entwurf von Adam Korulczyk
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Konzeption des Pharma-Standortes eines Privatinvestors in Abu Dhabi
Weitere Erfahrungen brachte mir die Arbeit in einem Architekturatelier in Gdynia/Gdingen. Erst 2005 führte mich mein Weg nach Warszawa/Warschau, wo ich mein Design in renommierten Ateliers verbessern konnte. Dazu zählte auch ein Atelier, das sich mit dem Innendesign für Corporate Banking und Private Banking befasste. 2010 gründete ich meine eigene Firma, die sich zurzeit mit spezialistischem Design in den Bereichen Architektur, Innenräume, Möbel und Grafik befasste. Ich gewann den Wettbewerb für die Aktualisierung des Standardisierungsbuchs aller Filialen der ING-Bank in Polen, die ich als „Interior Standardisation Book“ bezeichne. Dabei handelte es sich um ein komplexes Design aller Aspekte der Innenausstattung. Ich koordinierte die Umsetzung des Entwurfs – angefangen von den Fußböden über einzigartige krummlinige Wände und Systemverglasung, Decken, Beleuchtung, elektrische Maßnahmen, Klimaanlagen und Sicherheitssysteme bis zu originellem Möbeldesign und Katalogsausstattung. Meine Architekturwahrnehmung entwickelte sich fortwährend. Jeder neue Entwurf ist eine neue Herausforderung,
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welche die Umwandlung der künstlerischen Prozesse und das Ausführungsbewusstsein determinieren. Sie sind ein Visionär, Künstler und Designer – solche Informationen findet man im Internet. Inwieweit wechselt sich in ihren Entwürfen die Kunst mit der Funktionalität ab? Hängt es vielleicht von dem Charakter des Raums oder Orts, in welchen Sie arbeiten, ab?
Funktionalität des Geländes umfasst, berücksichtige ich die lokalen Bedingungen, welche aus dem Raumordnungsplan hervorgehen. So werden die Rahmen bestimmt, aufgrund welcher die neue Kreation geschaffen werden kann. Ein weiterer Aspekt, den man in Erwägung ziehen muss, sind die Inspirationen und Richtlinien des Investors bezüglich der Funktion des Objekts, wie auch der einzelnen Räume. Dabei
Das Visionäre ist nichts anderes als das Schaffen von aerodynamischen geometrisch-strukturellen Aspekten, die dem Anschein nach nicht realisierbar sind. Pragmatisch gesehen, kann man sie jedoch realisieren. Ihre Kunstfertigkeit hingegen verleiht ihnen eine architektonische Leichtigkeit und Einzigartigkeit. Meine Architektur scheint geometrisch zu „fliegen“, ist aber statisch in der ausgeführten Wirklichkeit verankert. In meinen Entwürfen verkleide ich die Erwartungen des Investors in die von mir vorgeschlagenen geometrischen und innovativen stilistischen Details. Es ist ein eigenartiger und klarer Dialog zwischen dem geschaffenen Stil, den funktionellen Richtlinien des Investors und dem geometrischen, farbigen sowie strukturellen Schönheitskanon, der durch originelle und edle Details vollendet wird. Das alles wird mit Hilfe einer reellen, technischen Sprache transkribiert, die aus genausten Informationen für die Ausführung besteht. Wie beginnen Sie die Arbeit an einem neuen Projekt? Die erste Grundphase eines Projekts – gleich nach der Analyse der Erwartungen des Investors – ist die Dekodierung des bereits vorhandenen und des geplanten räumlich-kulturellen Kontexts. Bei der Arbeit an einem architektonischen Konzept, die auch die
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muss man im Einklang mit seinem Lebens- und Arbeitsstil bleiben. Die visionäre Haltung macht nur einen kleinen Bruchteil von dem künstlerischen Potential eines Designers aus. Den Rest bilden andere Fähigkeiten, zu welchen das eigentliche Entwerfen zählt – und dieses basiert meiner Meinung nach nicht auf dem Hineinstellen fertiger Ausstattungselemente oder
Ein aerodynamischer Bahnhof nach dem Entwurf von Adam Korulczyk
Die heutigen Designerwerkzeuge ermöglichen sehr komplexe geometrische Strukturen und einzigartige stilistischen Linien der Architektur und des Designs zu entwerfen. Dabei kann die Architektur ohne einen Empfänger nicht existieren.
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Aerodynamische Vorhangsfassade des Bahnhofs / Bild: Adam Korulczyk
fertiger quaderförmiger Formen in den Raum, sondern auf der Kreierung einer originellen und raffinierter stilistischen Linie, die in den Rahmen der Erwartungen des Investors hineinpasst. Es ist eine wahre Kunst, in diesem kleinen Schöpfungsgebiet etwas Individuelles und Originelles anzubieten. Somit handelt es sich um die Fähigkeit, sich auf einem „kleinen“ Gebiet künstlerisch bewegen und ausleben zu dürfen. Dieses Gebiet kann gleichzeitig klein und groß sein – alles hängt von dem Potenzial des Architekten ab. Sie sind der Gründer des Stils Luxury Futuristic Design. Was versteckt sich hinter diesem Namen? Die Anwendung u.a. in der Jachtausstattung von Mahagoni und Maserholz, die mit dutzenden Schichten von Hochglanzlacken überzogen sind, Nubuk-, Wildleder- und Samtpolster, Perlmutterinkrustierungen, polierter natürlicher Marmor Crema Marfil oder der mit Harz überzogene Travertin – alle diese Stoffe zählen auf der ganzen Welt zur luxuriösen Ausstattung. Wenn wir diese Elemente in eine feine, außergewöhnliche aerodynamische Linie einkleiden, bekommen wir den von mir entworfenen Stil, den ich als Luxury Futuristic Design (LFD) bezeichnet habe. Er ist zum Beispiel in der Innengestaltung einer Residenz in dem Warschauer Stadtbezirk Mokotów zu beobachten, an der ich gerade arbeite (Case Study 015). Das Hauptziel bei dieser
Investition war das Design der Innenräume in der LFD-Stilistik. Diese kam zum Ausdruck u.a. in der Linie der Möbel an der Bar, wie auch im akustischen Deckenteil in dem Chillout-Raum, an den Wänden im Schlafzimmer und in dem Wandsystem im Wohnzimmer. Die gleiche Herangehensweise kennzeichnet die vertikalen Elemente der Balustraden, wo die futuristische Geometrie mit dem klassischen und eleganten Material des Handlaufs verbunden wurde. Die LED-Kantenbeleuchtung in dem vertikalen Fenstersystem im Salon, der mit einem Sandmuster in klassischen Vintage-Stil geschmückt ist, führt ebenfalls die genannten Aspekte der Ausstattung zusammen. Heutzutage arbeitet man im Bereich der Architektur oft mit dem Prinzip Copy-Paste. So wird das Entwerfen schneller und gleichzeitig spart man am kreativen Teil der Arbeit, was auch die Produktionskosten verringert. Man kopiert die Stoffe und Ausführungen, was dazu führt, dass man im Großteil der architektonischen Objekte kaum Elemente vorfindet, die den Designer identifizieren lassen. Es sind nur Produkte ökonomisch-funktioneller Faktoren. Durch die Anwendung von Elementen des dreidimensionalen LFD-Codes fließt die stromlinienförmige und
bionische Geometrie in die Architektur hinein. Dank ihr werden die funktionellen und die, das Image aufbauenden Erwartungen des Investors mit den individuellen Aspekten des künstlerischen Ichs des Architekten vereint. Es handelt sich also um die neueste Generation des Designs? Der Begriff der neuesten Generation des Designs ist nichts anderes als das Ergebnis der Erwartungen sowie der Nachfrage nach stets neueren stilistischen Aspekten der Architektur, deren Merkmale in dem Phänomen der Linienführung und Struktur der geometrischen Aerodynamik erkennbar sind. Trotz Ihrer Vorliebe zur futuristischen Stilistik, kann man in ihrem Portfolio auch Entwürfe finden, in denen Elemente traditioneller Architektur auftreten – zum Beispiel die japanische Residenz in Ukta oder das Design des Chopin-Studios. Tatsächlich gibt es solche Ausnahmen, wo die Entwürfe durch klassische
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Merkmale gekennzeichnet sind. Diese Designs knüpfen an die Geometrie der klassischen architektonischen Ordnungen und fernöstlichen Stilistik an. Solche Projekte bilden in gewisser Weise eine Abwechslung zum LFD-Design. Sie arbeiten an Entwürfen, die an den unterschiedlichsten Orten erbaut werden. Entdeckten Sie irgendwelche Unterschiede in der Betrachtungsweise der Architektur und des Designs? Die Mehrheit der Institutionen, mit welchen ich zusammengearbeitet habe, bevorzugte die moderne Linie mit LFD-Akzenten, und so war ich in der Lage den innovativen Erwartungen der Investoren entgegen zu kommen. Den lokal-kulturellen Elementen wird in solchen Fällen eine dekorative Funktion zugeschrieben. Ein gutes Beispiel dafür ist die aerodynamische Vorhangsfassade des Bahnhofs, an dem ich gerade arbeite (Case Study 030). Wenn wir den neuesten Trends in der Architektur LFD-Elemente zuordnen, entsteht ein origineller Charakter von Fassaden, Innenräumen und Design, was man mit dem Begriff „neueste Generation des Designs“ bezeichnen kann. Wie bereits angesprochen wurde, arbeiten Sie in unterschiedlichsten Bereichen – Sie entwerfen stilistische Linien für Jachten, unterschiedliche
Institutionen, Flughäfen, Einkaufszentren, Krankenhäuser usw. Womit können ihre potentiellen Kunden rechnen? Die Architektur hat zwei Grenzen. Den ersten Pol bildet die Fantasie des Designers. Den zweiten – die technischen Möglichkeiten. Wenn wir uns zwischen ihnen geschickt und methodisch bewegen, können wir auch auf unzähligen Ebenen arbeiten. Bei Krankenhäusern, Bahnhöfen, Flughäfen sowie Einkaufszentren beeinflussen ihre präzisen Richtlinien die Architektur. Hier determiniert die Funktion den Charakter der Raumteilung und Kommunikation. Alle diese Aspekte und Faktoren, die in solchen Objekten immer wieder auftreten, behalte ich mir im Hinterkopf. Meine Grundaufgabe besteht darin, ein System von Objekten zu schaffen, die das Nutzungsprogramm bestimmen. Dies geschieht in Auseinandersetzung mit den Erwartungen des Investors. Potenzielle Investoren können eine persönliche Herangehensweise erwarten. Jedes Projekt führe ich mit größter Sorgfalt aus. Nur so bin ich in der Lage, präzise die Erwartungen des Kunden in den architektonischen Objekten, in den Innenräumen und im Design umzusetzen. Finden Sie, dass die Architektur heutzutage eine Mission ausfüllt? Vielleicht haben Sie Ihre eigene?
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Ich bin der Meinung, dass die Architektur – genau wie in der Vergangenheit – von dem Gesellschaftsstatus des Kunden zeugt. Die größten Investoren der Welt wetteifern miteinander um stilistisch innovative Durchführungen, was die Maßstäbe in der Architekturbranche immer höher legt. Das Gebäude Burj Khalifa in Dubai, das mich bereits während seiner Entstehung 2009 mit der Skala und zurückhaltenden Form verblüffte, ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Einen noch größeren visuellen Eindruck machte das 1999 fertiggestellte Hotel Burj Al Arab. Es wurde zum luxuriösen Akzent und architektonischen Perle Dubais. Diese vor Luxus triefende und gleichzeitig zurückhaltende architektonische Ikone ist gleichzeitig ein symbolisches Synonym der Marktposition der Investoren. Während meiner nächsten Aufenthalte in den Vereinten Arabischen Emiraten sah ich mir ein weiteres Gebäude in Abu Dhabi an – das Emirates Palace. Auch dort beobachtete ich klassizistische architektonische Details und Ausstattung höchster Qualität. Diese Objekte unterscheiden sich durch ihre Stilistik, sind aber zugleich einnehmend. Sie verbinden die dialogischen Aspekte der Gegenwart und des Futurismus mit dem klassischen Stil der Ornamentik des Innenraums und Details der Fassade. Meine Mission ist die Entwicklung origineller architektonischer Lösungen mit individuellem geometrischem Charakter, die das Leben und die Arbeit der Menschen unterstützen. Auf Ihrer Homepage findet man das Zitat: “Geometry touched by spark of talent is the visionary essence of architecture style”. Könnten Sie dies erläutern? Ein Funken des Talents filtert das gewisse Etwas aus der Architektur heraus. Viele Architekten unterschiedlicher Werke haben dieses Talent. So sind sie in der Lage, Kunstwerke zu schaffen. Wenn ein Architekt daran arbeitet, etwas nicht nur Oberflächiges zu erschaffen, analysiert er alle Faktoren, um die besten Vorschläge bezüglich der Erwartungen des potentiellen Investors geben zu können.
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Wenn man das vom Schöpfer gegebene Talent im Designprozess einsetzt, entsteht eine perfekt geometrisch und strukturell ausgewogene Form – die Essenz der Architektur. Der Rest ist die Antwort auf die Raum- und Nutzungsbedingtheiten. Ohne den Einsatz des Talents bildet die Architektur nur eine rein formell-designerische Antwort. Wie bringen Sie die Vision des Kunden mit Ihrer eigenen in Einklang? Der Kunde sucht nach der Verwirklichungsmöglichkeit seiner Vision durch einen Designer, der mit jenen Ausdrucksformen arbeitet, die mit seiner Konvention übereinstimmen. Man kann also durchaus sagen, dass eine Person, die einen Designer sucht, bereits über eine Präferenz-Schablone verfügt, die mit den Entwürfen und Realisierungen des potentiellen Schöpfers zusammenlaufen. Der Investor selbst ist ein Mitschöpfer und gibt die Genehmigung, seine Vision in die Ausdrucksformen zu verkleiden, die – durch den Künstler transformiert – die Verwirklichung seiner Idee ermöglichen. Der Architekt bringt das Konzept des Kunden heraus und verschafft ihm eine Form. Ein präziser Dialog des Designers mit dem Kunden dient dazu, eine komplette Datensammlung vorzubereiten, auf deren Basis dann die Realisierung stattfindet, die beide Seiten zufrieden stellt. Ist das Endergebnis eine Geldfrage? Designdienstleistungen und ihre Verwirklichung gehören auf den Markt. Wenn man auf dem Markt erfolgreich werden möchte, braucht man das Kapital. Nur so kann man ein Atelier eröffnen und unterhalten. Damit die geometrische Form verwirklicht werden kann, braucht man den ersten künstlerischen Faktor – die Idee. Diese ist somit das meist geschätzte Marktprodukt. Die daraufhin folgenden Schritte sind nur deren materielle Begründungen. Wir reden von dem wichtigsten und meist geschätzten Kunstgebiet, welches die Transformation einer Idee in ein Endergebnis ermöglicht. Während des Designprozesses tritt die Konzeptionsetappe zyklisch auf,
obwohl man annimmt, dass es nur am Anfang der Fall ist. Ein gutes Thema muss die ganze Zeit verifiziert werden. Der Architekt analysiert während des gesamten Prozesses alle nacheinander erfolgten Zustände und überprüft seine Arbeit. Dies hält er in den Entwürfen fest. Einem guten Schachspieler ähnlich, erkennt er mögliche Konflikte, stellt zukünftliche Überlegungen an und schließt die eventuellen Kollisionen aus, damit seine Arbeit in jedem Aspekt perfekt ausgewogen ist. Der Investor kauft nicht nur den Vertragsgegenstand, sondern auch die Zeit des Architekten, die in dem Objekt festgehalten wird. Ein potentieller Investor kennt die Businessprinzipien und besitzt die Fähigkeiten, das architektonische Produkt in einen Gewinn zu verwandeln. Es kann Anerkennung, der Handelswert oder Benutzungskomfort sein. Der Investitionsstatus ist eine Geldfrage. Der Geldbeutel des Kunden trifft den künstlerischen Geldbeutel des Architekten und so entsteht ein perfektes Produkt, mit welchem beide Seiten zufrieden sind. Welches Ihrer Designs oder erschaffenen Objekte ist Ihr Favorit? Ich habe kein Lieblingsthema, da jeder Entwurf individuell in seiner Form, Inhalt und Bearbeitung ist. Ich bevorzuge Unternehmen, in welchen ich meine geometrische Sensibilität zum Vorschein bringen kann. Einige Beispiele dafür: die vorletzte Konzeption des Pharma-Standortes eines Privatinvestoren in Abu Dhabi (Case Study 026) oder der Entwurf des Magnetbahnhofs in Jakarta (Case Study 024). Dazu zählen auch die Innenräume der Corporate-Filiale der ING-Bank in Łódź/Lodz an der Kopcińskiego-Straße (Case Study 009). Das gemeinsame Merkmal aller dieser Vorhaben ist durch den geometrischen Faktor, der auf dem LFD-Code basiert, gekennzeichnet. Unter den interessanten Ideen, die nach dem goldenen Schnitt im modernistischen Stil entworfen wurden, finden wir eine Residenz, die ich Makarska Riviera (Case Study 018) genannt habe. Es handelt sich um eine Konzeption für
Innenräume der Corporate-Filiale der ING-Bank in Lódź/Lodz in der Kopcińskiego-Straße
einen ausländischen Kunden in Kroatien. Oftmals arbeite ich nur an dem architektonischen Konzept, da die Investoren hauptsächlich ausgewogene Entwürfe erwarten, die sich in den Kontext einkomponieren und gleichzeitig ihre Funktion erfüllen. Dieser Arbeitsteil ist sehr zeitaufwendig. Dieses Objekt ist das Endziel einer Suche des Investors nach einem autonomen Raum, weit von dem Lärm der Stadt entfernt. Das Objekt setzt sich aus einer Quaderkomposition, die nach dem goldenen Schnitt konzipiert wurde, zusammen. Die Strebepfeiler scheinen sich in die Landschaft und Struktur des Tals einzuklammern. In dem Innenraum wurden vertikale, mobile Grasflächen eingesetzt, die den Dialog des Interieurs mit der Küstenlandschaft und der sie
umgebenden Natur ermöglichen. Eine der Wände bildet die natürliche Felsenwand. Das Gebäude ist in zwei voneinander unabhängige Teile getrennt – einem Wohn- und Bürobereich, wo sich im Atrium eine Grünanlage befindet – so wird das Mikroklima bei schlechtem Wetter attraktiver. Jedes Projekt ist für mich sehr wichtig – mit jedem fühle ich mich auf der mentalen Ebene verbunden. Wie fühlt es sich an, wenn ein Konzept, das zuerst in ihrem Kopf entstand, dann aufs Papier übertragen wird und schließlich – nach mehreren Etappen – sich vor Ihren Augen materialisiert?
Eigentlich unterscheide ich drei Momente, in welchen der Zufriedenheitsgrad jeweils am höchsten ist. Erstens ist es die künstlerische Phase, in welcher meine Vision den Erwartungen des Investors entgegenkommt. Dann ist es der Augenblick, wo ich den Bauplatz betrete. Die Idee erlebt eine Neugeburt. Schließlich der letzte Moment, wenn die Investition die offizielle Eröffnung feiert. Die restliche Zeit füllt die Lücken zwischen diesen Etappen mit Geduld aus. Welche Herausforderung im Bereich der Architektur und des Designs würden sie sich gerne in Ihrer Karriere stellen?
Ich habe viele architektonische Lösungen in meinem Kopf, die sich ständig weiterentwickeln. Außer solchen architektonischen Objekten, wie Jachten, Flughäfen, Residenzen auf Felsenhügel, Einkaufszentren und Wolkenkratzern, arbeite ich sehr gerne an Appartements, Banken und Vorhallen, die zehn Etagen umfassen. Ich träume aber von einem multifunktionalen architektonischen Komplex, der 100 Kilometer lang wäre und durch erneuerbare Energiequellen – die Sonne, den Wind, das Wasser und die Geothermie – angetrieben würde. Wenn sich eine ernste Investorengruppe für solch eine Initiative fände, werde ich mein multi-strukturelles architektonisches Konzept gerne vorstellen.
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WIE MAN IN DEN WALD HINEINRUFT, SO SCHALLT ES HERAUS
Foto: ecoQUBE
“Aus einem anderen Holz geschnitzt”. Diese Redewendung passt zum Möbelprojekt des polnischen Kunstmalers Maciek Podsiadło wie Holz aufs Auge. “Ich habe ein Gut in Masuren. Einst sind dort zwei Pappeln umgefallen. Da ich sie nicht verrotten lassen wollte, entschied ich mich, es mir zunutze zu machen. Ich habe drei Bretter daraus geschnitzt und fing an, zwei, drei einfache Möbelstücke zusammenzubauen. Von Möbelstück zu Möbelstück kam so die Idee für das Ganze auf”, erzählt Podsiadło. So beginnt die Geschichte von ecoQUBE, einem Möbelprojekt des Kunstmalers Maciek Podsiadło (www.maciekP.eu), das sich etwas von anderen auf dem Markt befindenden Möbelunternehmen unterscheidet.
IMMER MEHR HOLZ Im Rahmen des Projektes ecoQUBE entstand als Erstes eine Sitzbank. Dieses einfache Möbelstück kann sowohl als Sitzplatz, wie auch als Couchtisch genutzt werden. Laut dem Kunstmaler passt sie perfekt in kleine Wohnungen, wo Funktionalität und Modularität eine tragende Rolle spielen. Das leichte Möbelstück kann nämlich auf verschiedene Weise genutzt werden. Zusätzlich bleibt unter der Sitzbank genügend Platz, um etwas zu verstauen. Der Künstler hat zusätzliche Elemente entworfen und gebaut, um den übrigen Raum zu füllen. “Mit der Modularität im Sinn und dem Wissen, dass die Bank so hoch wie ein Couchtisch ist, habe ich einen passenden Hocker geschaffen. Dieser ist etwas kleiner und passt perfekt unter die Bank. Um das Ganze zu vollenden, habe ich einen noch kleineren Hocker gebaut. So entstand eine Art von Möbel-Matrjoschkas, wo ein Möbelstück unter den anderen verstaut wird und was viel Platz spart”, beschreibt sein Projekt Maciek Podsiadło. Nach dem ersten Entwurf entstanden weitere Möbel. Im Katalog von
ecoQUBE kann man nicht nur Sitzbänke und Hocker finden, sondern auch Tische, Bücherschränke und sogar ein Bett. Mit den Ökomöbeln ist es möglich, das komplette „Haus“ einzurichten. Nach einer geeigneten Lackierung können sie auch als Gartenmöbel genutzt werden. Die Idee wuchs immer schneller, an Eifer fehlte es nicht. Zusammen mit neuen Produkten kamen neue Farben. So kam der Gedanke für Kinderzimmermöbel. Die gerundete Form, Leichtigkeit und fröhliche Farben begeistern garantiert jedes Kind und bereiten viel Freude. Maciek Podsiadło plant, manche der Möbel sogar unbemalt zu liefern. Wieso? Damit Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen und ihre neue Möbelstücke selbst bemalen können. Viel Spaß und eine langjährige Erinnerung sind hier im Preis enthalten.
AUS GUTEM HOLZ GESCHNITZT Simpel, universal und langjährig - so sind die ecoQUBE-Möbel. Vor allem sind sie aus echtem Holz. Kaum jemand ist sich nämlich dessen bewusst,
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dass die meisten verkauften Möbel, nicht aus Holz gemacht sind. “Der Holzanteil beträgt vielleicht zwischen 30% und 60%. Der Rest setzt sich zusammen aus Holzspänen, verschiedenen Zusätzen und Abfällen. Dieser Mix wird dann mithilfe von chemisch-thermischen Substanzen gefestigt, was dann eine Platte ergibt, aus der die «Holzmöbel» produziert werden. Der Produktionsprozess an sich, ist sehr unökologisch, aber was passiert später? Nach einiger Zeit muss man so ein Möbelstück, welches sehr kurzlebig ist, wegwerfen. Und wie macht man das? Man wirft es in den Müll, verbrennt es oder macht ein Lagerfeuer. So sieht das Schicksal von billigen, schnell produzierten Möbeln aus, welche weder aus Holz, noch ökologisch sind”, fasst der Kunstmaler zusammen. Die Möbel von Maciek Podsiadło sind das komplette Gegenteil davon. Produziert so ökologisch wie möglich und im Wohlwollen für unseren Planeten an erster Stelle. Langjährig. Funktional. Wie können die Möbel jedoch ökologisch sein? Vor allem werden die ecoQUBE-Produkte aus Pappelmassivholz hergestellt. Diese Gattung ist laut dem Künstler die beste Baumart für so ein Projekt, weil sie rasend schnell wächst, weswegen sie Unmengen von CO2 absorbiert, ziemlich leicht ist und Langlebigkeit garantiert. Diese Langlebigkeit bezeugen unter anderem die Überreste der ersten polnischen Hauptstadt. “Sie wurde unter anderem aus Pappelholz gebaut. Dieses Holz überdauerte bis zum heutigen Tage, hingegen Bauten aus Fichtenholz eher verrottet sind. Pappelholz ist weniger auf die zerstörerische Kraft der Zeit anfällig. Ich möchte auch das Beispiel der außergewöhnlichen polnischen sarmatischen Holzherrenhäuser erwähnen. Von ihnen ist nichts übrig geblieben. Nichts. So ein Haus überdauerte in der Vergangenheit ungefähr 100 Jahre. Wenn es nicht nach 30 Jahren verbrannt ist, fing es an, nach 100 Jahren zu verrotten. Die Zeiten der Sarmatenrepublik waren noch gekennzeichnet durch Unmengen von Herrenhäusern. Diese wurden aus verschiedenen Baumgattungen erbaut, doch keine hat die Zeitprobe bestanden. Wenn
Foto: ecoQUBE
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man Pappel genutzt hätte, wäre das vielleicht nicht passiert.” Die Produktion selbst kann mehr oder weniger ökologisch stattfinden. “Leider kann man nicht zu 100% ökologisch sein, weil man das Holz irgendwie zersägen muss. Man kann es dann Luft- oder auf anderem Wege trocknen lassen, aber man darf diesen Prozess
nicht auslassen. Das Holz muss verarbeitet werden und das erfordert Energie. Aber aus dem Grund, dass es Massivholzmöbel und die Teile nicht aus Sperrholz sind, also zusammen geklebten Holzstreifen, ist der ganze Produktionsprozess sehr vereinfacht. So ein Möbelstück benötigt weniger Produktionsenergie, weil seine Verarbeitung bis auf ein Minimum reduziert worden
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Maciek Podsiadło, Foto: Anna Orłowska / Mariusz Lipiński)
ist und daher der CO2-Fußabdruck viel kleiner ist”, erklärt Podsiadło.
ZEIT DIE KARTEN AUF DEN TISCH ZU LEGEN Das simple Design der Möbel, dieselben Parameter sind kein Zufall. Den Kunstmaler leitet kein Ästhetikgefühl oder der Wille, sich an die Minimalismusmode anzupassen. Die minimale Bearbeitung des Materials bestimmt das Aussehen der Möbel. “Ich denke mir die Möbel nicht aufs Neue aus. Die Ästhetik wird von der Suche nach einer vereinfachten Form aufgezwungen, welche das Ergebnis einer vereinfachten Produktion ist. Hier regiert die Sparsamkeit der Mittel. Sie verleiht den Möbeln die Ästhetik. Es ist auf keinem Fall eine Suche danach”, unterstreicht der Künstler. Laut Podsiadło ist seine Methode die ökologischste Art der Möbelproduktion. Wenn eine bessere Methode gefunden werden sollte, wird sich der Designer bestimmt für sie interessieren. Ökologie ist nämlich das Zünglein an der Waage für Maciek Podsiadło. Er selbst betont, dass der Möbelmarkt sich in den letzten Jahren sehr verändert hat, weswegen die Möbel selbst weniger robust sind und ihre Produktion unserem Planeten schadet. “Die Holzgewinnungsbranche war in der
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Vergangenheit nicht sehr schädlich, weil das Material etwas war, was man selbst züchten musste. Ein Wald, den man selber anpflanzen und pflegen musste, um ihn dann zu fällen und erneut zu pflanzen. Bis zu einem gewissen Grad war also alles in Ordnung. Klar, dass ab dem 19. Jahrhundert verschiedene Energiequellen dabei eine Rolle spielten, aber irgendwie lief noch alles gut. Doch seit den 60er Jahren begann man Sperrholz zu nutzen, welches in Spanplatten umgewandelt wurde, die nur ein Ersatz für Holz darstellen. Aus diesem Grund werden die Möbel später zu problemhaften Abfällen, welche meistens durch den Heizofen zurück in die Natur geschickt werden. Wenn es sich um normales Holz handeln würde, wäre es einfach ein Heizmaterial. Wenn jedoch die Spanplatten zu 50 % aus Zusätzen bestehen, entsteht bei ihrer Verbrennung ein ernsthaftes Problem für die Umwelt. Meine Motivation liegt in der Ökologie und dem Willen, unseren Planeten zu beschützen”, erklärt der Kunstmaler.
EIN EINZELNER BAUM MACHT NOCH KEINEN WALD Maciek Podsiadło, der das Projekt ecoQUBE gestartet hat, wollte selber versuchen, die Möbel im kleinen Maßstab
zu produzieren. Die Bürokratie stellte sich jedoch als ein zu großes Problem dar. Der Designer verlor den Kampf um einen Zuschuss für den Kauf notwendiger Maschinen mit den Beamten, weswegen die Marke nicht mal die Chance bekam, zu starten. Das heißt jedoch nicht, dass die Idee und die Marke vergessen wurde. Podsiadło hat nicht vor aufzugeben und sucht nach Verstärkung. Der Kunstmaler würde gerne eine Zusammenarbeit mit einem Produzenten oder Vertreiber aufnehmen, der die Marke ecoQUBE mit ihm weiter gestalten möchte. Ein Traumbusinesspartner? Jemand, dem vor allem die Ökologie wichtig ist und für den Profit nicht an erster Stelle steht. Der Markteintritt von ecoQUBE würde auf jeden Fall nicht nur eine größere Produktauswahl bedeuten, sondern auch das individuelle Kaufbewusstsein steigern. Der Kunde hätte die Möglichkeit, nicht nur langjährige Möbel zu kaufen, sondern auch den Planeten zu schützen. Damit es jedoch dazu kommen kann, muss sich erst jemand finden, der sie produzieren möchte. Maciek Podsiadło hofft, dass durch das Verbreiten seiner Idee jemand (eine Person oder ein Unternehmen) auf sein Projekt aufmerksam wird und Kontakt mit ihm über seine Seite www.ecoqube. eu aufnimmt. Er klopft also dreimal auf Holz und hofft auf das Beste.
Wirtschaftskammer „Schlesien” Viele Möglichkeiten für das Unternehmertum
Die Wirtschaftskammer „Schlesien” ist eine Organisation der wirtschaftlichen Selbstverwaltung, die Initiativen unterstützt und an Tätigkeiten teilnimmt, die mit der Entwicklung des Unternehmertums in Schlesien verbunden sind. • Schulungen, Workshops, Konferenzen, Beratungen • Kooperationsbörsen • Messen und Ausstellungen • • Zusammenarbeit mit den Wirtschaftskammern aus der Bundesrepublik Deutschland und aus der Tschechischen Republik
Kontakt Wirtschaftskammer „Schlesien” 45-310 Opole / Oppeln • ul. Ozimska 184 • Tel./Fax: +48 77 4538484 • E-Mail: info@igsilesia.pl • www.igsilesia.pl
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April 2021