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Polenjournal.de (#3/2018)

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woiwodschaft schlesien  1


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woiwodschaft schlesien  3

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4  im heft

In vino veritas

#Stories 6 Im Einklang mit Tradition und Fortschritt

Von der Geschichte, durch die Trinkkultur bis zum Weintourismus. So steht es um das kostbare Nass in Polen. S. 58

14 Zwischen Kunst und Handwerk 20 Bunzlauer Keramik – „Das ist kein Ende einer Epoche“ 24 Kunst, Gegenwart, Gesellschaft 32 Kaffee auf dem Bunkerdach 34 Ein leckeres Stück geschichte Stettins 36 Eine Brauerei in einer (fast) vergessenen Stadt 40 Lebensmittel direkt vom Produzenten Lokal und regional in Breslau 42 Geteilt aber doch zusammen 44 Lebus - ganz nah und doch unbekannt 58 In vino veritas 62 Von einem Strandhändler zum erfolgreichen Bernsteinschneider die Geschichte von Dariusz Front

Ein leckeres Stück geschichte Stettins Im Restaurant Paprykarz Fish Market fanden wir alles, was die Augen und der Gaumen nur begehren können – einen stimmungsvollen Innenraum und eine Menükarte voller traditioneller und köstlicher Gerichte. S. 34

65 Bernstein – denn Diamanten sind langweilig!

Polnische Küste auf zwei Rädern

70 gold der ostsee 72 Frankfurt an der Oder und Slubice einst eine Stadt

Kein Bock auf faules Sonnen am Strand, aber doch eher wasserscheu? Dann ist die Fahrt entlang der Küste, im Schatten des Waldes genau die richtige Lösung. S. 84

74 Ist das schon Einkaufstourismus? 78 Das Bartsch Tal - ein Naturwunder von menschenhand geschaffen 80 Route der Leuchttürme in Polen 84 Polnische Küste auf zwei Rädern 86 Verliebt in die Ostseeküste 92 Globaltica - die ganze Welt an der Ostsee 98 Erholung im grossen Stil 100 Auf den Spuren der Geschichte 120 Wikinger auf dem polnischen Boden 122 Neues Leben für die Giersdorfer Perle 124 Groß Rauden 126 Teschen (Cieszyn)

Wikinger auf dem polnischen Boden die Wikingertraditionen, ihre Geschichten zusammen mit ihrem Glauben kann man Hautnah auf der Ostseeinsel Wollin erleben. S. 120


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#aktuelles

Neues Leben für die Giersdorfer Perle Es gibt auch eine Unmenge an Geschichten, die Geschichteliebhaber und Abenteuerer begeistern. Eine von ihnen ist die Story der verfallenen evangelischen Kirche in Giersdorf, die wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt. S. 122

132 Adieu Sonderwirtschaftszonen

153 Wie viel verdient man in Polen?

133 Investorenbetreuung neu definiert

155 Löhne immer noch nicht hoch genug

135 Fantastisches Jahr für die Autoindustrie in Polen

156 Wo Polen gerne arbeiten würden

136 Neue Gesetze für polnische Unternehmer

156 Beschäftigungsausblick für Polen: Firmen rechnen mit Neueinstellungen

140 Ausblick Immobilienmarkt Polen

158 Wie teuer ist Warschau?

144 Polnische Straßen gehören zu den gefährlichsten in Europa

159 Wie viel kostet eine Kugel Eis in Warschau?

145 Polen ist die achtgrößte Wirtschaft in der EU

160 Piroggen-Lied - ein Hit in Großbritannien

124 Lebensmittelexport boomt

161 Ustka bietet im Sommer kostenlose Busse an

147 DESI 2018: Wie steht es um Digitalisierung in Polen

161 Auch in Polen fallen im Sommer die Hüllen

148 Pflege in Polen: Flexibel und zuverlässig

162 Festival dell’Arte im Tal der Schlösser

152 Das sind Polens beste Arbeitgeber 2018

ist das schon einkaufstourismus? Warum Reisen manche Leute über 200 Kilometer, um in Polen zu shoppen? Wie wichtig sind dabei die Preise und die Qualität der Waren in den Geschäften und Einkaufszentren? Die Antworten auf diese Fragen haben Paulina Kuc und Piotr Piela gefunden. S. 74

Bunzlauer Keramik – „Das ist kein Ende einer Epoche“ Ein Interview mit der Spezialistin für Tourismus bei FNK Manufaktura. S. 20

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6  #Stories

Im Einklang mit Tradition und Fortschritt

Emanuela Janda, PolenJournal.de: Gibt Keramik in Bolesławiec den Ton an? Wojciech Graczyk, Exportabteilung: Das größte Event in der Stadt, das mit der Keramik zusammenhängt, sind die Bunzlauer Keramikfeiertage (pl. Bolesławieckie Święto Ceramiki). Sie finden jedes Mal in August statt. Dieses Jahr haben wir in unserem Betrieb anfangs Mai die Veranstaltung „Majówka z Zakładami Ceramicznymi“ organisiert, während der man Keramik bemalen, aus Ton kneten und sich die Vorführungen der Ton-Menschen ansehen konnte. Es ist eine sehr interessante Gruppe, die sogar Tournees durchganz Europa macht. Während der Bunzlauer Keramikfeiertagen geben wir ebenfalls den Besuchern die Möglichkeit, ihre Kräfte im Bereich Keramik un-

Wenn man in Bolesławiec reinfährt, sieht man gleich, dass die Keramik hier eine sehr wichtige Rolle spielt. Namensschilder der Unternehmen und Läden sind genauso oft zu sehen, wie keramische Elemente, die in der ganzen Stadt präsentsind. Das Unternehmen Zakłady Ceramiczne „BOLESŁAWIEC“ Sp. z o.o. gehört zu den ältesten in der Region. Während des Spaziergangs durch die Produktionshallen kann man den interessanten Entstehungsprozess von Tausenden bauchigen Bechern mit charakteristischer kobaltblauen Verzierungen, reich dekorierten Tellern, Gläsern, Kannen und vielen anderen Produkten, an die man gar nicht gedacht hätte, beobachten. Hier tauchen wir in die einerseits kühle und technologische, andererseits farbige und formenreiche Keramikwelt ein. Eins ist sicher – es fällt schwer Bolesławiec ohne wenigstens einen neuen Becher zu verlassen. Modell 166A. Foto: Zakłady Ceramiczne "Bolesławiec" Sp. z O.O.

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ter Beweis zu stellen. Man muss nur unseren Stand finden. Unser Unternehmen wird auch von Künstlern besucht. Alle Aktionen – nennen wir sie künstlerische Happenings – finden dank dem Internationalen Zentrum für Keramik in Bolesławiec statt. Wir sind ein Teil der „Keramikgesellschaft“. Tag für Tag gibt die Keramik den Ton ein. Wir sind der größte Betrieb, der Keramik produziert, und haben auch die längste Tradition. Unser Unternehmen kam in Gang gleich nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf unserem Logo ist das Jahr 1946 zu sehen. Ab diesem Augenblick produzieren wir ununterbrochen Keramik.

Die Bunzlauer Keramikwerke haben 2017 den Preis des Präsidenten der Stadt Bolesławiec bekommen. Kann man wirklich

sagen, dass das Unternehmen einen unzertrennlichen Teil der Stadt bildet? W. G.: Bestimmt ja, denn wie ich schon erwähnt habe, sind wir das älteste Unternehmen in Bolesławiec. Wir halten die ganze Zeit die Tradition der Keramikproduktion aufrecht und bilden neue Personen aus, die in diesem Augenblick sehr erfolgreich sind und sogar in anderen Unternehmen arbeiten. Bei uns wurden sie aber mit solidem Wissen ausgestattet und bekamen viel Inspiration. Neben dem Preis des Stadtpräsidenten haben wir auch viele andere Auszeichnungen bekommen, wie den „Exportadler“ (poln. „Orzeł Eksportu“) in der Kategorie „Exportprodukt“, die Auszeichnung im Wettbewerb „Polnisches Unternehmen, Internationaler Champion“ (poln. „Polska Firma Międzynar-


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Produktionshalle Foto: polenjournal.de odowy Czempion“) in der Kategorie „Exporteur“ und den dritten Platz im Wettbewerb „Wirtschaftspreise des Polnischen Rundfunks 2018“ (poln. „Nagrody Gospodarcze Polskiego Radia 2018“) in der Kategorie „Nationalschatz“. Ich würde mich gerne auf zwei Mitarbeiterinnen konzentrieren, die mit unserem Betrieb seit dem Anfang ihrer Karriere verbunden sind – Frau Janina Bany-Kozłowska und Danuta Amborska. Sie arbeiten in der Designabteilung. Frau Bany-Kozłowska wurde mit dem Preis Gloria Artis des Kulturministeriums geehrt und ist mit unserem Unternehmen seit 1974 verbunden. Frau Danuta Amborska, die für den Entwurf der Verzierungen zuständig ist, arbeitet bei uns ab 1977. Ihre berühmteste Verzierung ist die 166A, die man in unseren Katalogen finden kann. Unser Portfolio ist im Großteil Frau Amborska und Frau Bany-Kozłowska zu verdanken.

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Woher kommt das Produktionsmaterial für die Bunzlauer Keramik? W.G.: Das Material kommt hauptsächlich aus der Gegend um Bolesławiec – aus dem Einzugsgebiet von den Flüssen Bober und Queis. Dieser Streifen zieht sich von Rheinland-Pfalz über Sudeten, Karpaten bis zur Stadt Bochnia hin.

Wie antwortet ein Unternehmen mit solch langer Tradition auf neue Trends? W. G.: Man muss unterstreichen, dass die Tradition der Bunzlauer Keramik für uns elementar ist. Diese Keramik ist weltweit einzigartigund aus diesem Grund konkurrieren wir nicht direkt mit den Design-Neuheiten. Geschirr, das jetzt in Supermärkten und Innendesign-Geschäftsketten erhältlich ist, ist saisonbedingt.


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Ihre Produzenten richten sich nach Businessstrategien und tendieren die Produktionslinien zu erfrischen. Wir basieren auf Qualitätsprodukten mit Tradition. Sie werden aber stets an die Marktanforderungen angepasst. Wir bleiben nicht stehen. Jedes Jahr versuchen wir, neue Formen und Verzierungen in unser Angebot einzuführen. Die Inspirationen schöpfen wir aus den Bedürfnissen unserer Kunden. Das Angebot von Geschäftsketten ist an einen breiten Kundenkreis gerichtet, die Produkte müssen billig und leicht zugänglich sein. Unsere Produkte kann man auch ersetzen, aber sie können als Unikate betrachtet werden und zeichnen sich durch sehr gute Nutzeigenschaften aus, womit sie die Qualität der meisten Produkte aus Geschäftsketten übertreffen. Entsprechende Abteilungen arbeiten an neuen Formen und Verzierungen.

Zurzeit beobachtet man einen Boom auf die Originalität. Ist es auch in der Keramikbranche spürbar? W. G.: Jeder Trend, der auf dem Markt auftaucht, ist für uns sehr wichtig.

Wenn es um den Boom auf die Originalität geht, gibt es damit ein Problem… Jeder will originell sein. Wenn jeder einzigartig ist, dann ist es keiner. Das ist der einzige Nachteil dieses Trends. Unsere Produkte sind auf der ganzen Welt gefragt, was der Grund für die Farbund Verzierungsmenge ist. Wir wollen unseren Kunden etwas Exklusives anbieten. Am schlimmsten ist es für diejenigen, die Originalität anstreben, wenn der Nachbar dasselbe Geschirr hat, wie sie. Wir müssen ständig auf der Hut sein. Durch die Anfrage- und Kundenzahl in unseren stationären Geschäften und online, wie auch durch das Interesse während der Keramikmesse, wissen wir, wie groß die Nachfrage auf neue Produkte ist.

Wird hier das Geschirr auch sonderangefertigt? Werden alte Tafelservice wiederhergestellt? W. G.: Wir machen die alten Tafelservice nicht nach, denn unser Angebot ist so groß, dass es die Nachfrage unserer Kundschaft deckt. Wir sind mit der Tradition der Bunzlauer Keramik verbunden. Nehmen wir diesen Topf, der noch in den Hofmann-Werken, also vor dem Zweiten Weltkrieg, hergestellt wurde. Die alten Formen bieten für uns die Basis. Wir sind an unsere Produktpalette gebunden und schöpfen direkt aus der Tradition der Bunzlauer Keramik. Viele Formen sind durch die alten inspiriert worden. Mit den neuen Projekten ist es genauso.

Wiesław Ogrodnik, vorsitzende von Zakłady Ceramiczne "Bolesławiec" Sp. Z o.o., Foto: Zakłady Ceramiczne "Bolesławiec" Sp. Z o.o.


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Foto: Polenjournal.de

Wer ist am meisten an der Bunzlauer Keramik interessiert? Wiesław Ogrodnik, Vorstandsvorsitzende: Fifty-fifty, wenn es um Polen und Export geht. 80% des Exports gehen in die USA und Südkorea. Unsere Produkte gelangen in Dutzende Länder – direkt oder durch andere Geschäfte. Am meisten interessiert sind die Südkoreaner, Japaner und Amerikaner. Nach Deutschland wird nicht viel exportiert, da die Deutschen zu uns kommen. Unseres Unternehmen liegt so nah an der Grenze, dass sie uns während Ausflügen besuchen. W. G.: Der individuelle Verkauf erfolgt im größten Teil per Internet. Es kommt sehr oft vor, dass jemand irgendwo unsere Produkte gesehen hat, sucht dann nach ihnen und kauft sie im Internet, denn so ist es bequemer. Wenn es um Geschäftskontakte geht, arbeiten wir nicht nur mit Keramikgeschäften zusammen, aber auch solchen, die Tafelservice und Töpfe für Lebensmittelverarbeitung im Angebot haben. Wir nehmen auch Großbestellungen an und es stellt für uns kein Problem dar, deutschsprachige oder englischsprachige Kunden zu bedienen.

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Foto: Polenjournal.de

Hat sich das Verhältnis zur Keramik im Laufe der Zeit verändert? W. G.: Das Verhältnis zur Keramik war früher bestimmt anders, denn die Kriegszerstörungen haben große Warenmängel verursacht. Man konnte im Angebot nicht so etwas, was wir heute Tafelservice nennen, oder Produkte, die heute als exklusive gelten, finden. Es gab Unternehmen, die angefangen haben, ihre


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Produktlinien herzustellen. Wir haben den Weg von der Befriedigung der Grundbedürfnisse nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zur Keramik, die etwas Exklusives und Einmaliges ist, durchgemacht. Die Funktion der Keramik hat sich auch verändert, genau wie die visuellen Faktoren, die Ästhetik und auch der Sammelaspekt. Es gibt Menschen, die ganze Tafelservice sammeln. Diese Veränderungen sind unglaublich. Wir haben die Phase durchgemacht, wo Keramik eine reine Nutzfunktion hatte, jetzt stellen wir einmalige und exklusive Produkte her, die sogar zu Sammelobjekten werden. W. O.: Während der Bunzlauer Keramikfeiertagen tauchen Kunden auf, die mit Produktlisten kommen und

hat mich gewundert, das Familienunternehmen auch Exportbestellungen haben. Die Nachfrage ist so groß, dass die großen Firmen nicht in der Lage sind, sie zu decken. Was soll ich sagen? Wir produzieren ca. 1,5 Mio. Stück Keramik pro Jahr – angefangen von Kühlschrankmagneten bis zu großen Töpfen. Wir sind das einzige Unternehmen, dass Töpfe für die Lebensmittelverarbeitung und -Anlegen herstellt. Für ein Produkt braucht man ca. 0,5 kg Ton, also kann man das leicht berechnen. Wir beschäftigenfast 500 Menschen. Die Hälfte bilden die Maler. Alles ist handgemacht. W. G.: Menschen, die seit 20, 30 Jahren mit der Keramikbranche zusammenarbeiten, können sogar Einzelheiten in den Verzierungen herausfischen.

Wer bildet die Kundschaft in den Vereinigten Staaten? Sind es physische Personen? W. G.: Unsere Produkte werden im Großteil von Vertreibern gekauft. Zum direkten Kunden werden alle Frauen, die sich um den Haushalt kümmern. Großen Kundenkreis bilden die sog. Army’s Wifes, also Frauen, die zu ihren Ehemännern nach Europa kommen, hier unsere Produkte entdecken, sich in sie mehr oder weniger verlieben und sie dann in Amerika aufsuchen.

konkrete Produkte, die ihnen noch aus der jeweiligen Kollektion fehlen, suchen.

Und die Konkurrenz? W. O.: Im Kreis Bolesławiec gibt es 40 Unternehmen, die Keramik produzieren, was davon zeugt, wie begehrt sie ist. Jeder will von dieser Torte ein Stück abbekommen. Es

Foto: Polenjournal.de


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Die Bunzlauer Keramik ist auch unter Kochblogerinnen sehr beliebt, für welche sowohl die praktischen, wie auch visuellen Aspekte sehr wichtig sind. Wir stellen Produkte für Kochen und Backen her. Sie können in Temperaturen bis zu 250 Grad verwendet werden, da sie in Temperaturen bis 1280 Grad gebrannt werden. Man muss aber auf dem Temperaturschock aufpassen – man darf die Produkte nicht aus dem Kühlschrank gleich in den erhitzten Ofen stellen. Sie müssen langsam aufgewärmt werden. Man darf auch nicht das Produkt aus dem Ofen gleich in den Kühlschrank stellen. Die Kunden werden darüber informiert, aber trotzdem sind sich manche Personen dessen nicht bewusst. Alles steht aber in der Gebrauchsanweisung.

Worin unterscheidet sich noch die Qualitätskeramik? W. G.: Unsere Produkte schneiden besser in Sache Qualität ab. Den alltäglichen Gebrauch ziehen sie sehr gut mit – die Anwendung in Mikrowellen, Spülmaschinen, Kühlschränken und Backöfen, solange man die Gebrauchsanweisung befolgt. Unsere Produkte überstehen bestimmt mehr. Sie sind nicht so zerbrechlich und empfindlich auf Kratzer wie die Produkte aus den Geschäftsketten. Dazu kommt noch ihre Einmaligkeit. Darin liegt unser Vorsprung.

W. G.: Außer dem erhöhten Standard und den künstlerischen Versionen stellen wir limitierte Produkte her, die auch im Ausland ihre Besitzer finden. So ein Service besteht aus 18 Stück und wird mit limitierten Motiven bemalt. Wir produzieren nur zehn Stück davon. Diese Tafelservice sind aufgrund ihrer Exklusivität nicht in unseren Verkaufsrankings zu finden. Eins ist noch in unserem Laden vorhanden, aber es wurde schon reserviert. Zum anderen Verkaufsschlager im Ausland zählen die Modelle D-41, D-42, D-120, D-962, D-809, D-56, D-1144 aus der klassischen Kollektion. Er gibt auch Nachfrage auf sehr kontrastive und minimalistische Verzierungen. Diese Motive wurden vor einem oder zwei Jahren eingeführt, also kommen sie auch nicht in den Rankings vor. Es ist zu früh, um festzustellen, wie groß ihr Anteil am Verkauf ist. In unserem Angebot sind auch Saisonprodukte zu finden – Teller mir Schneemännern, Weihnachtsbäumen usw. Unter den Unikaten erfreuen sich der größten Beliebtheit die Modelle DU60 und DU126. Einmal habe ich mit einem Kunden gesprochen, der Produkte mit Feuerwerk bestellen wollte. Ich war erstaunt und habe ihm erklärt, dass wir solche nicht im Angebot haben. Es hat sich herausgestellt, dass er eben dieses Modell gemeint hat. Jetzt nennen wir es selbst „Feuerwerk“, obwohl es

Es handelt sich also um das Material, aus welchen sie hergestellt werden, und um den ganzen Produktionsprozess. W. G.: Wenn man unsere Produkte in die Hand nimmt, sieht man, dass sie durch ihren Design die besten Nutzeigenschaften haben. Es lohnt sich, auf den Boden des Geschirrs ein Auge zu werfen. Er ist entsprechend dick. Wir sparen nicht am Material, deshalb sind unsere Produkte ziemlich massiv. Dies wird schon in der Entwurfsphase berücksichtigt. Da es sich bei uns um Handarbeit handelt, sind wir imstande jedes Produkt auf allen Produktionsetappen zu kontrollieren. Die Qualitätskontrolle istbei uns auf höchstem Niveau.

Sie haben Südkorea und die Vereinigten Staaten erwähnt. Im Katalog sind amerikanische Akzente zu sehen. Ich frage mich, welche Dekorationen am berühmtesten zum Beispiel in Südkorea sind? W. G.: Sehr populär sind die Blumenmotive oder Verzierungen mit Hähnen, also solche, die die südkoreanischen Dekorelemente beinhalten. W. O.: Seit vielen Jahren ist die Dekoration 166A – entworfen von Danuta Amborska – ein unveränderlicher Schlager der Bunzlauer Keramikfeiertage. Nach Westen und Südkorea wird am häufigsten die Keramik aus der Kunstkollektion in erhöhter Qualität exportiert. Im Ausland verkaufen sich am besten die Dekorationen mit der Bezeichnung ART-149, D-41 und A-166A. Ins Ausland werden im Großteil Unikate und künstlerische Verzierungen exportiert, ferner sind es die sog. klassischen Motive.

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Foto: Zakłady Ceramiczne "Bolesławiec" Sp. z O. O.


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sich eigentlich um ein Blumenmotiv handelt.

Gibt es viele solche Liebhaber und Sammler? Ich kann mir vorstellen, dass man davon abhängig werden kann. W. G.: Man muss vor allem an die hohe Qualität unserer Produkte denken, die ihnen Langlebigkeit garantieren. Wir hören ab und zu von unseren Kunden, dass ihre Großmutter oder Mutter vor Jahren ein Tafelservice gekauft hat und jetzt will der Kunde nur etwas dazukaufen, da er das Geschirr geerbt hat. Es kommen auch Anfragen nach zum Beispiel einzelnen Kaffeetassen, denn es stellt sich heraus, dass eine aus einem alten Kaffeeservice zerbrach. Produkte aus den Geschäftsketten werden uns nicht so lange dienen. Natürlich gibt es Ausnahmen und manche Serviceelemente überstehen, aber es ist eher Zufall als Tendenz. Kunden haben auch anderes Verhältnis zur Qualitätskeramik. Sie halten sie mehr für Familiengut, das an Generationen weitergegeben werden kann.

Und Pferdemotive? Wo verkaufen sie sich am besten? W. G.: In Texas. Dort dreht sich das Leben um die Pferde. Wir haben auch Motive im Angebot, die zu vielen Märkten passen und es fällt uns schwer zu sagen,

wo sie sich am besten verkaufen. Manchmal treffen wir mit einem Motiv oder Farbe ins Schwarze und es wird dann nach diesen Verzierungen gesucht. Aus der künstlerischen Linie verkaufen sich am besten die Modelle ART-312, ART-296 und ART-238. Die exklusive Produktgruppe schöpft aus den Volksformen, was sehr beliebt ist. Gut durchdacht ist sogar die Zusammenstellung von Blumenarten in der Verzierung – wir haben zum Beispiel Mohnblumen, Kornblumen, Margeriten…

Spielt beim Entwerfen von Motiven der Verkauf eine Rolle? W. G.: Teilweise schon. Der Wunsch des Kunden ist sein Bedürfnis. Die Arbeiterinnen der Designabteilung versuchen alle Motive, nach ihren Gefallen und Geschmack zu entwerfen. Sehr oft stellt es sich heraus, dass das Wunschmotiv der Kunden gut in der Entwurfsetappe aussieht, aber in der Wirklichkeit ihm etwas fehlt. Die Motive werden deshalb modifiziert und die Designerinnen fügen einige Elemente hinzu, um etwas Einmaliges zu schaffen. Sehr wichtig ist die Farbenwahl, denn diese dürfen nicht zu auffällig und kontrastiv sein, wenn die Verzierung sehr reich ist. Das Motiv braucht seinen Raum, um sich gut zu präsentieren und den Blick zu fesseln.

Gehören zu ihrer Kundschaft auch Unternehmen? W. G.: Ja, wir stellen auch Gelegenheitskeramik her. Wir haben Motive, bei denen es reicht, den Kundennamen oder einen Spruch dazuzuschreiben. Wir hatten mal einen sehr interessanten Auftrag von einem Automobilunternehmen zum Anlass der Herstellung des Millionen-Stück-Autos bekommen. Einen unvergänglichen Verkaufsschlager in den USA bilden Becher mit den Aufschriften „Mutter“, „Papa“, „Oma“ usw. Asien ist weniger für solche Produkte interessiert, hier herrschen die USA und dazu kommt noch Polen hinzu.

Zakłady Ceramiczne ul. Kościuszki 11, "Bolesławiec" Sp. z o. o. 59-700 Bolesławiec


14  #Stories

Zwischen Kunst und Handwerk

Wenn man die Hunderte von Keramikprodukten im Geschäft sieht, fällt es schwer sich vorzustellen, dass sie alle von Menschenhand geschaffen wurden. Inwieweit ist die Herstellung von Keramik wirklich Produktion und inwieweit Kunst? Wie viel künstlerische Freiheit steckt hinter den Motiven? Welche Fähigkeiten muss man haben, um Geschirr mit Seele zu entwerfen? Auf diese und viele andere Fragen gaben die Antworten Janina Bany-Kozłowska und Danuta Amborska aus den Unternehmen Zakłady Ceramiczne „BOLESŁAWIEC“, die ab den 70er Jahren in der Designabteilung arbeiten. Dank ihrer Hilfe könnten wir die Keramik mit den Augen eines Insiders erblicken.

Emanuela Janda, PolenJournal.de: Könnten Sie uns sagen, wie die Motive entstehen? Was ist ihre Inspiration? Janina Bany-Kozłowska, Designabteilung: Die Fragen nach der Inspiration sind immer die schwierigsten… Manchmal ist das Thema vorgegeben. Wir bekommen die Information, dass es auf etwas Nachfrage gibt. Ich beschäftige mich zurzeit mit den Formen des Geschirrs und meine Freundin

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mit den Verzierungen. Unsere Keramik ist sehr spezifisch, wie sie wahrscheinlich schon bemerkt haben. Sie ist dekorativ, aber muss zugleich praktisch sein, denn es ist kein Geschirr, dass man auf die Kommode stellt, um es nur zu bewundern. Es muss funktionell sein. Der Kunde kauft ein Produkt mit einmaliger Verzierung in Unterglasur – wir gehören zu den wenigsten Betrieben, die sich dieser Technik bedienen – das gleichzeitig in Alltagsnutzung praktisch

ist. Die Vielfalt von kulinarischen Trends hat dazu beigetragen, dass Geschirr in unterschiedlichen Formen gebraucht wird und man entwirft die ganzen Service. Über die Dekorationsmotive wird bestimmt meine Kollegin mehr sagen, aber ich möchte erwähnen, dass ich diese bevorzuge, die schlichter sind und keine Auswirkung auf die Form haben. Wenn sich aber der Kunde reich verziertes Geschirr wünscht, diskutiere ich nicht darüber. Meine Kollegin


#Stories 15

Danuta Amborska, Foto: Zakłady Ceramiczne "Bolesławiec" Sp. z O. O.

Unsere Herangehensweise ist diesselbe. Bunzlauer Keramik wurde von den Deutschen eingeführt, wir haben die Tradition übernommen und entwickeln kreativ das Design. Beim Vergleich der alten Verzierungen mit den neuen fällt gleich ins Auge, dass sich alles verändert hat. Früher wurden die sog. „Buncloki“ für den Bauernstand und das Bürgertum hergestellt, jetzt kommt unsere Keramik vor allem auf elegante Tische. Ich möchte, dass meine Kollegin über die Verzierungen erzählt, denn ihr Beitrag ist enorm. Alle Aspekte sind miteinander verbunden.. Wenn ich mich für eine Ausstellung vorbereite, wünsche ich mir, dass keine Verzierung die Formwahrnehmung beeinträchtigt. Es ist sehr wichtig. Aber meine Freundinnen arbeiten hart daran, damit die Form wunderschöne Verzierung bekommt – solche, die auch den Kunden gefallen wird. Es ist nicht einfach, alles zusammen in Einklang zu bringen. Danunta Amborska, Designabteilung: Man muss immer daran denken, dass es sich nicht nur um das Produkt selbst, seine Verzierung und Form handelt, sondern auch um die Qualität. Es ist sehr wichtig, denn der Kunde sucht die Produkte mit unserem Logo, weil er weiß, dass sie gute Qualität haben. J. B.-K.: Es gibt Menschen, die unser Geschirr nachmachen, was unfair ist. Manchmal werden nicht nur die Formen und Verzierungen kopiert, sondern auch das Logo.

Foto: PolenJournal.de auch nicht. Das, was den Kunden gefällt, wird auch gekauft. Jedes Unternehmen richtet sich nach der Ökonomie. Man muss noch darauf hindeuten, dass das Geschirr, welches für die Gastronomie, also Gasthäuser, Bars und reiche Restaurants, hergestellt wird, mit schlichteren Motiven verziert wird. Man muss auch die Mode in Betracht ziehen und den Kunden paar Schritte voraus sein – ihre Wünsche erfüllen und auch neue Sachen anbieten, die im Haus nützlich sind. Ich denke, dass unser Unternehmen nur deshalb

überstanden hat, weil es sich bei uns um keine Massenproduktion handelt. Es ist stets eine Nischenbranche, wir stellen nur so viel her, wie wir können, denn alles erfolgt manuell. Die Anwendung von Maschinen ist gering. Bei uns gibt es keine großen Produktionslinien. Fabriken, die enorme Keramikzahl produziert haben, existieren nicht mehr. Dasselbe geht das Porzellan an. Chodzież und Ćmielów sind zum Glück auf die Idee gekommen, ihre Kräfte auf der Basis der Tradition zu vereinigen. Das hat viel Wert – Tradition, Geschichte…

Wird jeder Entwurf im Patentamt registriert? J. B.-K.: Ja, fast jeder. Es kommt vor, dass unsere Kunden Opfer eines Betrugs werden, weil nicht nur unsere Formen, sondern auch Verzierungen nachgemacht werden. Wenn man das Problem aus anderem Blickwinkel betrachtet, ist es ein Komplement für uns. Wenn uns jemand kopiert, bedeutet es, dass wir alles sehr gut machen. Ab und zu hören wir auch, dass viele kleine Privatunternehmen dank


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unserem Betrieb entstanden sind. Einerseits kann man sich ärgern, andererseits sollten wir stolz darüber sein.

Bestimmt haben Sie schon viele Personen ausgebildet. J. B.-K.: Ja, die Designabteilung ist für die Ausbildung neuer Personen zuständig. Es fällt unterschiedlich aus, denn man muss Gefühl dazu haben, es mögen und den Stoff kennen. In unserem Fall ist es Leidenschaft. Ich arbeite hier mit meiner Kollegin am längsten. Es geht um Leidenschaft, Gefühl und Lernbereitschaft. Der Person muss daran wirklich viel liegen – was vielleicht aus heutiger Sicht naiv klingt, aber so ist die Wahrheit. Die Herstellung von Keramik ist nicht einfach. Manche denken, dass es sich nur um einen Becher handelt, auf dem man ein paar Blumen draufmalt und fertig. Nein. So leicht ist es nicht. Während der Führungen durch die Produktionshallen sehen wir, wie sich die Einstellung der Menschen verändert. Später im Laden verstehen sie, woher die Preise kommen. Ich zeige immer das Stück Ton und dann das fertige Produkt. Dazwischen fallen alle technologische und kreative Prozesse. Hier darf man der Fantasie nicht den freien Lauf geben. Das ist möglich nur bis einem konkreten Augenblick, dann kommt die Zeit für Berechnungen, Anpassung an die Produktionsmöglichkeiten und konkretes Entwerfen der jeweiligen Formen. Man muss alles vorhersehen. Das gebrannte Produkt ist kleiner als am Anfang seines Wegs. Meine Arbeitskolleginnen müssen hingegen achtgeben, wie die Farben vermischt werden oder ob die Schwammart gut angepasst ist, denn das alles beeinflusst das Endergebnis. Es ist viel mehr als nur „ein bisschen mit dem Pinsel Draufzumalen“.

Wie war es wenn sie hier angefangen haben? Mussten sie alles von Anfang an lernen? J. B.-K.: Als ich im März 1974

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Foto: PolenJournal.de

Foto: Zakłady Ceramiczne "Bolesławiec" Sp. z O. O.

Foto: Zakłady Ceramiczne "Bolesławiec" Sp. z O. O.


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die sog. „Baba-Piast“ mit einem Becher, verziert mit einem charakteristischen Relief. Dazu gab es noch die Flasche „Paź” zusammen mit einem Alkoholglas und Tablett. Damals wurde alles in schimmernder brauner Glasur hergestellt. So begann mein großes Abenteuer mit dem Design und zugleich große Verantwortung, denn ich kannte sehr gut die reiche Tradition der ehemaligen Bunzlauer Keramik. Zur raschen Entwicklung der Branche trug die Gründung der Keramikberufsschule 1897 bei, deren hervorragende Professoren die Technologie und Kunstfertigkeit der größten damals Betriebe – vor allem von Hugo und Ernst Reinhold – prägten. Nach dem Zweiten Weltkrieg, bereits 1946, entstand unseres Betrieb aus ein paar zerstörten Töpfereien und der Rheinhold-Fabrik. Nach einigen Veränderungen hat unserer Betrieb den Städtenamen in seinem Logo: Zakłady Ceramiczne „Bolesławiec” Sp. z o.o. .

Foto: PolenJournal.de

Das steigende Interesse an unseren Produkten haben wir der Verbindung von alter Töpferhandwerkstradition mit modernen Lösungen zu verdanken. Wir produzieren nicht massenhaft und unsere handgemachte Kollektionen und Geschirr finden das Gefallen bei unterschiedlichen Menschen, denen Bedürfnissen sie auch entsprechen. Die Kunden wissen, dass man unsere Produkte sowohl in Mikrowellen, wie auch Backöfen verwenden kann und dass sie sich sowohl für eleganten Tisch, wie auch in die Küche und Restaurants eignen.

Foto: Zakłady Ceramiczne "Bolesławiec" Sp. z O. O. hier angefangen hatte, hieß das Unternehmen noch „Bolesławieckie Zakłady Ceramiczne Przemysłu Terenowego“. Damals gab es in Bolesławiec fünf solche Betriebe, drei in Nowogrodziec und später einen in Osła. Dazu kam der Tagebau in Ołdrzychów. Damals benutzten wir noch die kreisförmigen Kohleöfen und die Produktion

begrenzte sich auf Wirtschaftskeramik, ein paar Töpfe und Fasse für das Einlegen von Kraut und Gurken, zwei Schüsseln und einfache Blumentöpfe. Wenn es um Geschirr geht, kann ich mich noch sehr gut an dem kleinen Fass mit einem Hahn erinnern, genauso wie an den „Meerbecher“ – so hieß er – einen Topf für Ikebana und

Es ist erstaunlich, wie Sie auf die Kundenbedürfnisse reagieren. Die Trends kommen und gehen… D. A.: Genau, man muss immer auf dem Laufenden sein, was die Mode betrifft. Man muss wissen, welche Farben in dieser Saison „in“ sind, aber die Inspiration kommt aus der Umgebung. Alles kann eine Inspiration sein. Manche Verzierungen entstehen, um die


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Marktanforderungen zu decken. Es sind aber stets unsere Verzierungen. Wir erhalten die Information, dass es Anfragen auf ein Vogeloder Pferdemotiv gibt. Wir hatten auch eine Produktkollektion mit Kamelen und Palmen für arabische Kundschaft. Wir versuchen uns die ganze Zeit, anzupassen. Am Anfang waren es nur Punkte und Striche, jetzt erinnern unsere Stempel an Spitzen, sie sind dermaßen präzise. Dasselbe gilt auch für Farben – anfangs hatten wir überhaupt kein Rot und nur einen Grünton, der nach dem Brennen eher grau aussah. Jetzt verfügen wir unter sehr bunte Farbpalette. J. B.-K.: Wir benutzen Qualitätsfarben, die keine Auswirkung auf Lebensmittel haben. Die Tonmasse, Glasur und Farben beinhalten nicht Kadmium, Blei, Quecksilber oder andere Schadstoffe, was sehr wichtig ist. Unsere Produkte werden regelmäßig überprüft und wurden mit Zertifikaten ausgezeichnet, die die Nutzungssicherheit bestätigen.

Sie bilden junge Menschen aus. Sehen Sie unter ihnen ihre Nachfolger? D. A.: In unserer Abteilung arbeiten sechs bis sieben Personen, die für das Entwerfen neuer Verzierungen zuständig sind. Von Zeit zu Zeit veranstalten wir aber einen Kurs, denn wir brauchen neue Malerinnen für die Produktion, die in der Lage sein werden, die Muster zu vervielfachen. Wir müssen ziemlich gute Lehrerinnen sein, denn viele Menschen, die bei uns ausgebildet worden sind, finden schnell Arbeit bei der Konkurrenz. Aus diesem Grund brauchen wir immer neue Mitarbeiter. Wie es früher meine Kollegin angedeutet hat, ist die Ausbildung nicht wichtig – entweder hat man das Zeug dafür oder nicht. Ein gutes Beispiel dafür ist eine ältere Frau, die zu der Prüfung gekommen ist, weil sie vor kurzem ihre Arbeit verloren hatte. Ab und zu machen wir solche Prüfung, denn es gibt sehr viele Interessanten, aber wir wollen nur die Besten ausfischen.

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Foto: PolenJournal.de Die Frau ist zusammen mit ihrer Tochter gekommen. Ich war fest davon überzeugt, dass die Tochter sehr gut abschneiden wird, mit der Mutter könnte es Probleme geben. Sie hat noch zugegeben, dass sie das erste Mal im Leben einen Pinsel in der Hand hält und keine Ahnung hat, wie sie eine gerade Linie malen soll. Sie hat aber genau alle Anweisungen befolgt, die ich gegeben habe und die Linie ist perfekt gelungen. Mit den Stempeln hatte sie keine Probleme. Und ihre Tochter? Leider sah es schlimmer für sie aus. Nach einem Monat hat ihre Mutter bei uns im Akkord gearbeitet. So funktioniert bei uns das Malen – je mehr und gut machst du, desto mehr verdienst du. Nach einem Monat gehörte diese Frau zu unseren besten Mitarbeiterinnen, obwohl sie nicht gewusst hatte, was sie kann, denn sie hatte keine Gelegenheit, es auszuprobieren.

Es musste eine sehr interessante Erfahrung sein.

J. B.-K.: Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich vor fast 40 Jahren die erste Malerwerkstatt gegründet habe und wir zu siebt gearbeitet haben. Wir haben nur Pinsel verwendet, über Stempel war damals noch keine Rede. Vor paar Jahren ist eine von unseren Malerinnen in die Rente gegangen und ist zu mir gekommen, um sich zu verabschieden. Sie sagte zu mir: „Frau Janka, ich will ihnen etwas zeigen. Diese Pinsel haben sie mir vor 35 Jahren gegeben. Ich möchte mich für alles bedanken und die Pinsel habe ich die ganze Zeit aufbewahrt, weil sie gute Erinnerungen hervorrufen und mir sehr viel bedeuten“. Ich war gerührt.

Was für eine Geschichte... Ihr Beitrag ist enorm. J. B.-K.: Während der Arbeit denkt man nicht darüber nach. Manchmal schaltet man ab. Man muss aber eins unterstreichen. Wenn man etwas für eigenes Vergnügen


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Foto: PolenJournal.de macht… Zum Beispiel eine Skulptur, ein Stück, dann kann man sich alles erlauben. Wenn man aber in einem Betrieb arbeitet, muss man immer daran denken, dass der Entwurf später in andere Hände übergeht. Die Konstruktion muss gut durchdacht sein, damit sich nichts deformiert. Man muss die Dicke in Betracht nehmen und alle Einzelheiten. Heute zum Beispiel gab es ein Problem mit einer Flasche mit Schnabel. Ich wurde in die Gießerei gerufen, um zu zeigen, wie man diese Form ausschneiden soll. Solche Herangehensweise ist sehr gut, denn der Entwurf muss in die Serienproduktion kommen und nicht nur eine Idee im Kopf des Designers bleiben. D. A.: Wenn man eine Verzierung entwirft, muss man daran denken, dass sie sowohl auf einem Teller gemalt wird, der als Basismodell dient, wie auch auf einem Eierhalter oder Sparschwein. J. B.-K.: Genau, es gibt um

solche Kleinigkeiten. Jedes Jahr besuchen uns Bildhauer, die hier ihre Pleinairs veranstalten. Jetzt ist es seltener, denn wir haben den zweiten Betrieb nicht mehr. Diese Personen schöpften nach ihrer Herzenslust. Wenn ich eine Skulptur mache, bin ich von der Außenwelt abgeschaltet. Dann bin ich künstlerisch frei, was im Industriedesign nicht denkbar ist, denn jede Idee muss an die Produktionsmöglichkeiten angepasst sein. Während des Studiums habe ich gelernt, dass Technologie sich an das Design anpassen soll, aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Man muss den Stoff kennenlernen, in der Lage sein, seine Eigenschaften und die technisch-technologischen Möglichkeiten des Betriebs zu nutzen und dazu bereit sein, die Formschönheit und Funktionalität zu verbinden. Vor lange her hat einer der ehemaligen Direktoren mal zu mir gesagt, dass Künstler für ein Pleinair zu uns kommen werden. Ich erwiderte, dass ich doch auch eine Keramikkünstlerin

bin, worauf er antwortete: „Sie sind ein Industriedesigner“. Die Wahrheit ist, das es einen großen Unterschied zwischen individuellem künstlerischen Schaffen und Industriedesign gibt. Abschließend möchte ich sagen, dass es darauf ankommt, dem Kunden solche Produkte anzubieten, an die er noch nicht gedacht hat. Am besten, wenn er beim Erblicken des Produkts denkt, dass er es braucht. Wir arbeiten die ganze Zeit an etwas. Ob es in ein Jahr oder in einem Monat in unser Angebot kommt, ist andere Sache. Wir haben immer etwas in Reserve. Man muss den unterschiedlichsten Träumen und Wünschen entgegen kommen. Natürlich kann man eine Pizza bestellen und sie dann aus dem Pappkarton essen, aber man bemerkt es immer öfter, dass junge Menschen auch etwas besitzen wollen, was eine Seele hat.


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Bunzlauer Keramik – „Das ist kein Ende einer Epoche“

Foto: polenjournal.de

In dem Lebendigen Keramikmuseum in Bolesławiec, kann man nicht nur viel sehen, aber auch viel lernen. Die Gäste können die Ärmel hochkrempeln, sich richtig an die Arbeit machen und eigenes Geschirr herstellen und dann an? Wettbewerben teilnehmen. Die Keramikherstellung bedeutet harte Arbeit, aber auch viel Spaß, wovon sich sowohl Kinder, wie auch Erwachsene selbst überzeugen können. Elżbieta Rolak, Spezialistin für Tourismus bei FNK Manufaktura in Bolesławiec verabschiedet sich von einer Besichtigungsgruppe und nach einer Weile ist sie bereit, mir die Produktionshallen zu zeigen. Rundherum häufen sich weiße Gefäße, denen noch ein weiter Weg bevorsteht. Ich sehe Musterformen und einzelne Produktteile. Frau Rolak erklärt geduldig die einzelnen Produktionsetappen und führt mich schließlich in die Malerwerkstatt, wo den Produkten Farbe verleiht wird. Meine Neugier wecken diese mit Rentieren und Schneeflocken. „Ja, bei und sind die Jahreszeiten verkehrt. Während des Sommers sind wir mit unseren Gedanken schon im Winter bei Weihnachten. Draußen scheint die Sonne und wir malen Weihnachtsmänner und Weihnachtsbäume, erklärt Frau Rolak lächelnd und fügt hinzu: „80 % der Produktion wird nach den USA, Korea und Japan geliefert, die Entfernung ist groß und die Lieferzeit lang – deswegen beschäftigen wir uns so früh mit winterlichen Motiven.“ Zeit für das Brennen und Glasieren. Ich folge der Gruppenführerin und bin mit jeder Sekunde mehr davon überzeugt, dass ich mich alleine in dem Labyrinth der hohen Regalen, überfüllt mit den unterschiedlichsten Produkten, verirren würde. Nebenbei höre ich aufmerksam zu, denn Frau Rolak hat viele interessante Fakten auf Lager. Es stellt sich heraus, dass alle Keramikunternehmen in Bolesławiec das Recht für Verwendung von drei Verzierungen haben, dessen Pa-

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tentinhaber die Stadt selbst ist. Das Nachmachen von den Formen ist strengst verboten. Wir kommen in den Laden zurück, wo auf Regalen und Tischen die fertigen Produkte stolz glänzen. Im Zentrum des Raumes richtet die Aufmerksamkeit auf sich eine Produktkollektion mit roten Verzierungen, die in Zusammenarbeit mit der Designerin Magda Gazur entstanden ist. Es ist eine angenehme Abwechslung nach den dunkelblauen Motiven, die in Boleslawiec überall zu sehen sind. Diese Farbe wird aber erst nach dem Brennen sichtbar, beim Auftragen ist sie Lila. Es kommt Zeit für paar Fragen. Als wir uns auf die Sofa hinsetzen, kommen an uns Touristen aus Deutschland vorbei und eine Gruppe von Kindern unterhaltet sich darüber, welche Verzierung ihnen am besten gefällt.

Emanuela Janda, PolenJournal.de: Woher kam die Idee für Żywe Muzeum Ceramiki (das Lebendige Keramikmuseum)? Elżbieta Rolak - Spezialistin für Tourismus bei FNK Manufaktura: Das Interesse der Menschen hat uns inspiriert. Die Besucher sind neugierig, wie die Produkte, die auf den Regalen zu sehen sind, entstehen. Die Mehrheit hat keine Ahnung, wie schwer


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die Keramikherstellung ist. Viele Menschen sind davon überzeugt, dass alles den Maschinen überlassen wird, dass die Produkte mehrere Produktionsbänder durchschreiten und die Verzierungen mechanisch aufgetragen werden. Bei solchen Vorstellungen von der Produktion, wundern bestimmt die Preise für unsere Waren. Die Situation verändert sich, wenn die Menschen selbst sehen, wie sie verläuft. Wir geben solche Möglichkeit und auf einmal wird es klar, dass die Preise sich nicht jemand nur so ausgedacht hat und dass jedes einzige Produkt manuell hergestellt wird. Erst dann finden die Menschen Interesse daran - wenn sie sehen, dass die Verwendung von solchen Geschirr gesund und ökologisch ist, denn wir verwenden keine Schadstoffe. Hier kann man sich alles ansehen, riechen und anfassen. Wenn jemand etwas nicht mit eigenen Augen gesehen hat und in eigenen Händen gehalten hat, dann fällt es schwer, uns zu glauben – so ist die menschliche Mentalität.

Kann man so die Menschen für die Keramik begeistern? Ja, sogar sehr stark. Die Mehrheit ist gegenüber dem Kauf skeptisch, solange sie nicht die Produktion gesehen hat. Wenn die Menschen sehen, wie viel Arbeit es kostet, diese Gegenstände herzustellen, dann verstehen sie unsere Preise und wollen auch diese Produkte zuhause haben, um anderen zu zeigen – denn die werden es ihnen einfach nicht glauben. Dazu kommen noch die praktischen Eigenschaften von unseren Produkten. Zum Beispiel unsere Kannen halten sehr lange die Temperatur. Wenn wir zuerst heißes Wasser reingießen, wieder ausgießen und dann den Kaffee oder Tee machen, werden sie die Temperatur wie eine Thermosflasche für 2-3 Stunden halten. Die Produkte kann man auch ohne Probleme in Spülmaschinen, Mikrowellen und Öfen benutzen, was ein weiterer Vorteil ist. Das fertige Gericht kann man gleich aus dem Ofen auf den Tisch stellen, denn das Geschirr ist so schön, dass man das Essen gar nicht mehr umzulegen braucht.

In den Laden sind Inspirationen mit modernen Design bemerkbar, wir finden hier nicht nur die Keramik, die wir aus Omas Küche kennen. Wie reagiertdie Branche auf neue Trends? Wir gehen mit dem Fortschritt und sind offen auf die Wünsche unserer Kunden. Ältere Personen bevorzugen traditionelle Verzierungen, die gleich mit Bolesławiec assoziiert werden. Die junge Generation liebt Farben und Neuheiten, sie richtet ihre Wohnung ganz anders als ihre Großeltern ein. Deshalb müssen wir offen sowohl gegenüber älterer Kundschaft, wie auch der jüngerer sein. Wir geben uns Mühe, alle Wünsche zu erfüllen. Manchmal ist jemand auf der Suche nach Geschirr mit bunten Schmetterlingen, andererseits sind es Vögel – Kolibris oder Gimpel… Wir kommen mit den unterschiedlichsten Vorlieben und Aufträgen in Berührung, aber wir sind offen für alles. Wenn jemand eine konkrete Verzierung vorschlägt, versuchen wir sie umzusetzen. Wir können auch ein beliebiges Foto

Elżbieta Rolak - Spezialistin für Tourismus bei FNK Manufaktura Foto: polenjournal.de unserer Familie oder unseres Tieres auf einem Produkt platzieren. Solche Geschenke sind sehr beliebt für junge Paare – dazu kommt noch eine Widmung oder Glückwünsche. Solche Sachen werden sehr oft in Auftrag gegeben.

Die Kundschaft ist also sehr unterschiedlich. Wir sind offen auf die ganze Welt, Grenzen gibt es keine. Unsere Produkte sind vor allem in den Vereinigten Staaten, Korea, Japan und Polen bekannt. Der Onlineshop versorgt viele Kunden in Polen. Die Auftragszahlen steigen die ganze Zeit, deshalb müssen wir manchmal die Realisierungsfrist verlängern. Normalerweise beträgt sie zwei Wochen.

Wie steht es mit Sonderangeboten und Werbungsaktionen? Wir geben uns Mühe, um für neue Produkte gut zu werben. Neue Kollektion muss entsprechend gezeigt werden, sonst haben die Kunden keine Chance über sie zu erfahren. Ohne Werbung funktioniert heutzutage nichts. Neue Produkte werden auf polnischen und internationalen Messen vorgestellt, dazu kommen die Internetseiten. Im Shop haben wir ein spezielles Regal


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Żywe muzeum ceramiki Foto: polenjournal.de

Żywe muzeum ceramiki Foto: polenjournal.de

Żywe muzeum ceramiki Foto: polenjournal.de

Żywe muzeum ceramiki Foto: polenjournal.de

mit Sonderangeboten, wo in größten Masse Kollektionen erhältlich sind, die für den Export gedacht waren. In den Outlets bieten wir Produkte an, die im jeweiligen Augenblick sich weniger verkaufen. Dies bedeutet aber nicht, dass diese Kollektionen nicht mehr wieder aufgenommen werden. Wenn die Nachfrage zurückkommt, greifen wir nach diesen Verzierungen. Es gibt außerdem immer wieder die Möglichkeit, etwas aus alten Kollektionen dazuzukaufen.

Was ist so besonders an der Bunzlauer Keramik? Unsere Keramik ist sehr spezifisch. Die vier Verzierungen, für welche die Rechte die Stadt hat, sind weltweit bekannt und sofort mit Bolesławiec assoziiert. Die Menschen gewöhnen sich langsam daran, dass die neuen bunten Verzierungen auch zu dieser Stadt gehören, es handelt sich nur um modernen Bolesławiec. Wir gehen mit dem Geist der Zeit, es bedeutet aber kein Ende einer Epoche.

Das Lebendige Keramikmuseum veranstaltet viele Werkstätte. Genau. Sehr viele Menschen wollen ihr Können in Bereich der Keramik unter Beweis stellen. Indem man unseren Produktionsprozess beobachtet und sieht, wie unsere Mitarbeiter schnell die Produkte verziehen, kann man schnell den falschen Eindruck bekommen,

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dass es einfach ist. Erst, wenn man die Möglichkeit bekommt, den Stempel selbst zu halten und sieht, wie der Schwamm die Farbe aufsaugt, wird es ernst und auch komplizierter, als man gedacht hatte. Bald stellt sich heraus, dass der Stempel sich biegt, dass Wasserflecken entstehen, die Formen nicht so abgedrückt werden, wie sie es sollten… Jeder Stempel hat seine eigene Form. Wenn man zu fest drückt, entstehen Wasserflecken, wenn man zu schwach drückt – wird die Verzierung nicht sichtbar. Um später perfekt denselben Punkt zu treffen und dabei das Muster nicht zu vervielfachen, ist manchmal unmöglich. Die Werkstätten geben einerseits die einzigartige Möglichkeit selbst zu erfahren, wie man mit Keramik arbeitet, andererseits macht es einfach viel Spaß. Wir versuchen so viele Events zu veranstalten, wie es nur geht. Zum Beispiel für den Muttertag hatten wir Werkstätte für Mütter und Kinder. Für Kinder hatten wir ein extra Angebot vorbereitet – Werkstätte und Besichtigung für den halben Preis. Es macht vor allem den Kindern sehr viel Spaß – sie werden kreativ beim Malen, modellieren in Ton, denken sich eigene Formen aus. Letztens habe ich ein Wettbewerb für die interessanteste Form aus Knetmasse und Verzierung unseres Produktes veranstaltet. Den Kindern macht es viel Freude und motiviert zur Arbeit, die Eltern hingegen


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Żywe muzeum ceramiki, Keramikshop Foto: polenjournal.de können die Zeit mit ihnen verbringen und gleichzeitig selbst etwas neues ausprobieren.

Heißt es, dass die Kinder aus Bolesławiec von klein auf mit der Keramik vertraut sind? Der Schuster trägt die schlechtesten Schuhe, so ist es auch bei uns. Tatsächlich bringen die Schulen aus Bolesławiec die Kinder hier für Werkstätte, aber ich bin zehn Kilometer von hier aufgewachsen. Ich habe schon meine Jahre hinter mir, habe meine Kinder großgezogen und meine Enkelkinder gehen schon zur Schule. Bevor ich aber mit der Touristik angefangen hatte und die Informationen über die Werkstätte und die Besichtigungsmöglichkeit weitergeleitet hatte, war keine Klasse aus meiner Ortschaft und Umgebung daran interessiert. Bei Ausflügen für Kinder aus unserer Region, also 10-15 km von Bolesławiec entfernt, stand unsere Fabrik nie auf dem Plan. Die Schulen waren eher dazu bereit, Sehenswürdigkeiten woanders zu suchen und schauten sich nicht dass an, was vor ihren Augen stand. Erst als ich die Informationen an Schulen weitergeleitet habe und das Angebot vorgestellt habe, weckte sich das Interesse. Am Anfang war aber jeder nur verwundert. Die Mehrheit denkt, dass man hier nur einkaufen kann.

Kommen also mehr Gäste von Weitem her? Ja, aus unterschiedlichsten Richtungen. An den Werkstätten nehmen sogar Menschen aus dem Ausland teil. Wir setzen auf Internetwerbung und die wichtigsten Informationen sind von unserer Homepage zu entnehmen, die auf Polnisch, Deutsch, Russisch und Englisch zugänglich ist. Wir verfügen auch unter einen Dolmetscher aus dem Spanischen.

Żywe muzeum ul. Gdańska 30 ceramiki 59-700 Bolesławiec


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Kunst, Gegenwart, Gesellschaft

von emanuela Janda

Interessanter Platz für Kunst „Było, jest, będzie” („Es war, es ist, es wird”) – lauten die Worte auf der Fassade des 1942 von Richard Konwiarz entworfenen Bunkers. Der Ausschnitt aus dem Werk des Breslauer Künstlers Stanisław Dróżdż, Gründers der Konkreten Poesie, wird in diesem Stadtteil besonders viel Gewicht verleiht. Die Stadtviertel Szczepin und Popowice wurden während des Zweiten Weltkriegs dem Erdboden gleichgemacht. Grund dafür

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war die Bombardierung des Bunkers, der während der Schlacht um Breslau als Lazarett für rund Tausend Verwundete, und nach dessen Evakuierung als Versteck für 80 Nationalsozialisten diente. „Rundherum wurde alles zerstört. Den Menschen ist es nicht bewusst, dass die jetzige architektonische Form des Stadtteils die Folge dieser Ereignisse ist. Die Bebauung wurde vernichtet, sie hat die Bombardierung nicht überstanden, der Bunker aber schon,“ sagt im Gespräch mit PolenJournal.de Małgorzata Miśniakiewicz, die Kuratorin der


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Zeitgenössisches Museum Wrocław, Innenraum Foto: polenjournal.de

Breslau lockt mit seinem wunderschönen Ring und den um ihn herumliegenden Straßen an. Dabei bezaubert die Stadt auch mit modernen Bauten, deren Zahl ständig steigt. Wenn man nach einiger Zeit zurückkommt, entdeckt man gleich die Veränderungen. Dies beraubt Breslau nicht von der einzigartigen Atmosphäre einer Stadt, die aus den Trümmern wiedererstanden ist und stets dazu bereit ist, sich für seine Bewohner zu verändern und ihren Wünschen entgegen zu kommen. Es lohnt sich, das Zentrum hinter sich zu lassen und den Strzegomski-Platz zu besuchen. Hier befindet sich der historischer Luftschutzbunker mit der monumentalen Pleinair-Skulptur von Andrzej Jarodzki – Pociąg do Nieba (dt. Zug zum Himmel) in naher Nachbarschaft. Sammlung des Zeitgenössischen Museums Wrocław (Muzeum Współczesne Wrocław, MWW), das sich ab 2011 in diesem Gebäude befindet und bereits zu den wichtigsten meinungsbildenden Institutionen Polens, die gegenwärtige Kunst präsentieren, zählt. Nach dem Fall der Festung Breslau richtete man in dem Bunker wieder ein Krankenhaus ein und Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts befanden sich hier Großläden und Supermärkte. Später wurde der Bunker zum wichtigen Treffpunkt von Jugendlichen.

Mit über 1 Meter dicken Wänden und ohne Fenster zählt das zylinderförmige Gebäude mit sechs Etagen bestimmt zu den originellsten Plätzen Breslaus, wo man Zeit mit der Kunst verbringen kann. Hinter der Eingangstür wartet auf den Gast ein Labyrinth, ohne Zugang zur Außenwelt. Hier wird er von dem Unruhe weckenden Innenraum eingezogen, der ihn dazu veranlasst, sich die verschiedensten Fragen zu stellen. Man findet hier keine typischen Ausstellungsräume, denn in der Mitte des Bunkers wurde der Aufzugsschacht eingebaut. Was übrig bleibt, ist das Herumirren durch die Korridore und das langsame Kennenlernen des Gebäudes, was eine interessante Art und Weise für die Entdeckung der Kunst bietet. Die Fahrt mit dem Lift fühlt sich an wie eine surrealistische Reise durch unterschiedliche Dimensionen. „Das Gebäude ist bestimmt eine Herausforderung für die Gäste”, meint Małgorzata Miśniakiewicz. „Das Fehlen von Fenstern und Sonnenlicht, und die kreisförmigen Räume tragen dazu bei, dass die Besucher sich in den Raum wiederfinden müssen. Der Bunker ist auch ein sehr schwieriger und anspruchsvoller Raum für die Kuratoren und Kunst. Für viele großformatige Werke sind die Decken zu niedrig, also wurden sie an manchen Stellen durchgestoßen, was die Konstruktion und Ausstellungsrezeption beeinflusst. Der kreisförmige Raum, in welchem sich der Gast auf bestimmter Art und Weise bewegen muss und wo es unpassierbare Distanzen gibt, ist bestimmt nicht neutral. Das Gebäude ist heute gut dazu vorbereitet, um hier Kunstwerke aufzubewahren. Wir arbeiten sehr hart, damit sie die besten konservatorischen Bedingungen haben – Luftfeuchtigkeit, Temperatur… Hygrometer standen nicht im Mittelpunkt beim Entwerfen des Bunkers,“ erklärt die Kuratorin und fügt hinzu: „Paradoxerweise führt der Raum dazu bei, dass manche Aspekte der Ausstellungen besser akzentuiert werden und kraftvoller auf die Rezipienten wirken. Nehmen wir zum Beispiel die aktuelle Ausstellung Szczurołap (dt. Ratenfänger), die auf zivilisatorische Bedrohungen hinweist, über die Risikogesellschaft spricht und den Einfluss von sozialen, politischen und technologischen Faktoren auf das Individuum präsentiert. Dieses Gebäude, das Baumaterial und der zentrale Plan heben diese Narration noch mehr hervor.“ Die Architektur und die ehemalige Bestimmung des Gebäudes regen zum Nachdenken über die Sicherheit und Lage der heutigen Welt an. Hinter diesen Wänden scheint die Kunst sehr gut geschützt zu sein, es entsteht aber die Frage, ob es doch nicht eigenartig ist, dass Werke, die die neusten Ereignisse kommentieren, vollkommen von der Außenwelt getrennt sind? Das Programm des Museums ist es bestimmt nicht. Die stets wachsende Besucherzahl zeugt von großem Interesse mit diesem Platz, obwohl er sich nicht auf der touristischen Route der Stadt befindet. „Wenn uns jemand besucht, dann wissen wir, dass es kein Zufall ist. Diese Menschen mussten sich auf den Weg zu uns aus dem Zentrum machen“, erklärt die Pressesprecherin des Zeitgenössischen Museums, Magdalena


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Skrabek. Um an den Strzegomski-Platz zu gelangen, muss man 20 Minuten für einen Spaziergang vom Ring aus reservieren oder man nimmt einfach die Straßenbahn und ist nach drei Haltestellen, also fünf Minuten, am Ziel. Die Entfernung sollte bestimmt kein Problem bilden, aber, wie die Kuratorin Małgorzata Miśniakiewicz erklärt, handelt es sich um eine mentale Barriere: „Ich denke, dass Breslau eng mit dem historischen Zentrum verbunden ist. Das Museum befindet sich an seiner ehemaligen westlichen Grenze.“

Ein Museum, das die Grenzen zwischen Kunst und Leben überschreitet Abgesehen davon, ob die Lage des Gebäudes ein Problem darstellt oder auch nicht, muss man zugeben, dass das Museum zahlreiche Gäste anzieht. Im vorherigen Jahr wurde es von über 43 300 Personen besucht. „Das Interesse wächst ununterbrochen“, sagt

Magdalena Skrabek. „Wir beobachten es anhand der jährlichen Besucherzahl. Von Jahr zu Jahr besuchen uns immer mehr Gäste – es handelt sich um 2 Tausend Besucher mehr pro Jahr. Vom Interesse an dem Museum zeugen auch die Followerzahlen in Social Media – auf Facebook oder Instagram. An den Lehrveranstaltungen, Vorlesungen und Vernissagen nimmt eine feste Besuchergruppe teil, aber je nach der Thematik der präsentierten Ausstellung, sind auch neue Gesichter zu sehen, was uns jedes Mal sehr freut. In die Besucherzahl werden sowohl Personen gezählt, die sich die Ausstellungen ansehen, wie auch Teilnehmer der Vernissagen und anderen Events. Wir wissen auch, dass das Gebäude selbst viele Menschen durch seine Architektur anzieht und die Ausstellungen nur nebenbei besucht werden. Wir betrachten es aber nicht als Nachteil. Im Gegenteil – wir sind stolz, dass wir das Gebäude so gut für Aufnahme von Gästen und Präsentieren von Kunst vorbereitet haben“.

Małgorzata Miśniakiewicz, Kuratorin der Sammlung des Zeitgenössischen Museums Wrocław, Foto: polenjournal.de

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Stanisław Dróżdż. Pojęciokształty, dauerausstellung, Foto: Małgorzata Kujda © Muzeum Współczesne Wrocław, 2014

Zeitgenössisches museum wrocław Foto: Muzeum Współczesne Wrocław Beeindruckend ist auch das Museumsprogramm, das in drei Teile gegliedert ist – den wissenschaftlichen Teil und den Ausstellungsteil, den Bildungsteil und den sozialen Teil. Auf den zweit erwähnten fallen u. a. Workshops für Vorschul- und Schulkinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren. „Unsere Museumspädagogin hat die niedrigste Altersgrenze auf vier Jahre gestellt“, erklärt die Pressesprecherin. „Wir können annehmen, dass die obere Grenze bis 104 Jahre reicht, denn bei uns gastieren oft Senioren. Wir sind zurzeit die erste Institution in Breslau, die ein reguläres Workshopprogramm für ältere Personen führt. Nach über einem Jahr versammeln wir ein festes Publikum, mit dem wir uns zwei Mal im Monat treffen und über Themen,

die mit den aktuellen Ausstellungen verbunden sind, sprechen. Wir sind auch offen auf Kindergartenkinder, Schulkinder und Jugendliche. Wir nehmen an dem Programm „Szkoła w mieście” (dt. „Schule in der Stadt”) teil, in dessen Rahmen der Kunstunterricht bei uns stattfindet. Auch Studenten besuchen uns sehr oft. Das soziale Programm wird rund um die aktuellen Ausstellungen gebaut, aber als Inspiration dienen auch die gegenwärtigen Fragen und Themen, die wichtig für die Bewohner Breslaus sind. Dazu zählen Debatten, Vorlesungen, Filmprojektionen (im Kino na Dachu oder Kino Schron), Autorentreffen und Konferenzen. Das Museum sucht die Grenze zwischen der Kunst


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und Leben zu verwischen und die Menschen sozial zu engagieren. „Im Namen des Museums finden wir das Wort „Kunst“ nicht. Es ist kein Zufall. Damit ist unsere Vorstellung vom Museum, seiner Funktion und was es sein kann, ausgedrückt. Die sozialen Events und das Überschreiten von Kunstgrenzen – unterschiedlich verstanden – sind für uns sehr wichtig“, sagt Małgorzata Miśniakiewicz. Das Museum überschreitet die Grenzen auf verschiedene Art und Weise, indem es auf die Bedürfnisse der Besucher antwortet und für alle zugänglich sein will. In dem Bildungsangebot sind Führungen für Personen mit Behinderung vorgesehen. In vergangenen Monaten fanden Lehrveranstaltungen für Sehbehinderte statt – „Es ist eine Herausforderung für unsere Pädagogin und zugleich eine sehr bereichernde Erfahrung für sie. Für Blinde ist die Architektur selbst und die sich wiederholende Formen sehr wichtig. An anderen Workshops nahmen Personen ohne Sehprobleme zusammen mit Sehbehinderten teil. Ihnen wurden die Augen zugedeckt, damit sie auch das fühlen konnten, was die Blinden“, erzählt die Kuratorin der Sammlung. Ein anderes Beispiel für das Entgegenkommen den Bedürfnissen der Gesellschaft ist die Vorbereitung des Angebots für die nach Breslau kommenden Ukrainer. „In unserem Museum sind alle Informationen ins Englisch übersetzt. Wir wollen aber auch die ukrainische Sprache in Betracht nehmen, um an Personen zu gelangen, die sowohl in Polnisch, wie auch in Englisch sich nicht wohlfühlen. Im Herbst wollen wir mit dem Projekt Polen-Ukraine beginnen – einen Führungs- und Workshopzyklus für die ukrainische Gesellschaft – der zurzeit größten Minderheit in unserer Stadt. Das Projekt soll uns helfen, mehr über unsere östlichen Nachbarn zu erfahren, wie auch ihnen die Möglichkeit geben, sich besser in den neuen Kontext einzuleben und sich in seinem Rahmen wohlzufühlen. Nach den Sommerferien kommen wir wieder zum Programm „Rozrusznik bez Barier” (dt. „Barrierefreier Schrittmacher“) zurück, der den Geistesbehinderten gewidmet ist. Die Workshops sind besonders an Personen mit außerordentlichen Bildungsbedürfnissen gerichtet – Schulgruppen und Erwachsene, für welche die plastische Ausdrucksmöglichkeit einen natürlichen therapeutischen Prozess bildet. Das Engagement der Besucher wird im Bereich des sog. Selbstbedienungsmuseums auf der zweiten Etage besonders gefördert. Dieser Raum ist seit den Anfängen des Museums für die interaktiven Ausstellungen, die von der Künstlerin der Breslauer Akademie der Bildender Künste Patrycja Mastej entworfen werden, reserviert. Sie bestehen sehr oft aus beweglichen Elementen, die man beliebig umstellen kann und auf diese Weise eigene Kompositionen schaffen. „Das Selbstbedienungsmuseum (pl. Samoobsługowe Muzeum) ist ein Raum, der der Interaktion mit der Kunst gewidmet ist und wo die Besucher von der in Museen geförderten expressiven Zurückhaltung befreit werden. Aus diesem Grund ist dieser Bereich sehr beliebt

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Das Fehlen von Fenstern und Sonnenlicht, und die kreisförmigen Räume tragen dazu bei, dass die Besucher sich in dem Raum wiederfinden müssen. Der Bunker ist auch ein sehr schwieriger und anspruchsvoller Raum für die Kuratoren und Kunst. - Małgorzata Miśniakiewicz, Kuratorin der Sammlung von MWW

Archiwum Jerzego Ludwińskiego, dauerausstellung foto: Małgorzata Kujda © Muzeum Współczesne Wrocław, 2013 bei den kleinen, aber auch erwachsenen Rezipienten. Er deckt auch das Teilnahmebedürfnis an der Kunst bei Personen mit motorischen und intellektuellen Behinderungen. Ziel der interaktiven Installationen ist die Ermutigung zum Kunsterfahren und Mitgestaltung von Kultur und zeitgenössischer Kunst durch Kinder und Jugendlichen – auch aus Integrationsinstitutionen und therapeutischen Einrichtungen,“ erzählt die Pressesprecherin. Die interaktiven Ausstellungen werden einmal pro Jahr gewechselt, jetzt kann man schon die 10. Auflage bewundern. Diesmal finden die Besucher, nachdem sie den Aufzug verlassen einen einzigartigen Wald auf der zweiten Etage, wo sie sich auf einem der mit Moos bewachsenen Steinen hinsetzen können und


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Ausstellung "Szczurołap" foto: polenjournal.de

nach Herzenslust die magnetischen Elemente bewegen können. Die Ausstellung Duchy Lasu (dt. Waldgeister) ist noch bis Ende Oktober offen und ist bereits jetzt bei den Kindern sehr beliebt. Man muss auch hinzufügen, dass die interaktiven Ausstellungen für alle abgesehen von dem Alter und in Öffnungszeiten des Museums kostenfrei zugänglich sind.

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Grundsätzlich ist für uns die Dynamik zwischen dem regionalen, internationalen und globalen künstlerischen Milieu, wo das Museum neben den Breslauer Traditionen auch auf zahlreiche Verbindungen, Synchronisationen und Analogien, die nicht nur in Polen, sondern auch international stattfinden, hinweist. - Małgorzata Miśniakiewicz, Kuratorin der Sammlung von MWW

Duchy Lasu ist die leichteste Ausstellung, die man zurzeit in dem Zeitgenössischen Museum Wrocław sehen kann. „Aktuell ist unser Angebot intellektuell und emotional sehr anspruchsvoll“, sagt Małgorzata Miśniakiewicz. „Szczurołap stieß auf sehr positive Kritik. Das Museumsprogramm ist sehr abwechslungsreich. Ein wichtiger Teil unserer Tätigkeit bildet die Neoavantgarde und die konzeptuelle Identität Breslaus und der Region. Bislang veranstalteten wir zahlreiche Ausstellungen, die den Konzeptualismus und der Kunst der 60er und 70er Jahre gewidmet waren. Wir haben auch die tschechische, slowakische, kroatische und lokale Kunst präsentiert. Grundsätzlich ist für uns die Dynamik zwischen dem regionalen, internationalen und globalen künstlerischen Milieu, wo das Museum neben den Breslauer Traditionen auch auf zahlreiche Verbindungen, Synchronisationen und Analogien, die nicht nur in Polen, sondern auch international stattfinden, hinweist“. So profiliertes Programm unterscheidet das Zeitgenössische Museum Breslau von der Filiale des Nationalmuseums, also des in der Nähe der Jahrhunderthalle


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Interaktive Ausstellung "Duchy lasu" (9.12.2017–31.10.2018) foto: Patrycja Mastej i Jerzy Wypych © Muzeum Współczesne Wrocław, 2017

liegenden Vier-Kuppel-Pavillon – dem Museum für Zeitgenössische Kunst. Worin unterscheiden sich diese Institutionen genau? Im Vier-Kuppel-Pavillon sind viele Dauerausstellungen zu finden, die die moderne Kunst präsentieren. Im MWW sind es hingegen nur zwei Ausstellungen, die Jerzy Ludwiński und Stanisław Dróżdż gewidmet sind und sich zu der nähesten Gegenwart beziehen. Aus diesem Grund konzentriert sich das Museum nicht auf Malerei und andere traditionellen Medien.

Breslau unter dem Zeichen der Neoavantgarde Die Sammlung des Zeitgenössischen Museums Breslau entsteht seit 2011. Das Museum ist außerdem im Besitz der Sammlung der Niederschlesischen Gesellschaft zur Förderung der Schönen Künste, die mehrere hunderte Objekte zählt. „Unsere Sammlung basiert auf vier Leitlinien“, erzählt die Kuratorin. „Die erste bildet die Sammlung des Stadtarchivs, also das Erbe der polnischen, Breslauer Avantgarde. Das ist die lokal-historische Linie. Die zweite konzentriert sich auf die breit gefasste Visegrád-Gruppe, die auch außerhalb dieser vier Länder reicht. Hier wird die Problematik rund um die Identität der postkommunistischen Region akzentuiert. Die dritte Linie richtet sich nach dem Individuum und seiner Identität. Im Vordergrund stehen die Themen Geschlecht, das Verhältnis der Menschen

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Es ist ein schwieriger Raum und man verlässt das Museum eher frappiert und mit der Frage, was überhaupt während des Besuchs passiert ist? - Małgorzata Miśniakiewicz, Kuratorin der Sammlung von MWW

zur Umgebung und verschiedene Faktoren, die das menschliche Dasein und Selbstdefinition determinieren. Zu diesem Bereich zählen auch die künstlerischen Autopräsentationen, also Selbstbildnisse und die Reflexion der Künstler über ihre Rolle. Die vierte Linie bildet „Obecne nieobecne“ („Anwesend Abwesend”), wo die Geopolitik, das Individuum im Verhältnis zur Welt, Ausgrenzungen, Entfremdung und der Einfluss der Geschichte auf das Schaffen und auf die Zivilisation im Mittelpunkt stehen“. Die Grenzen der gegenwärtigen Kunst sind jedoch verschwommen: „Beim Kauf der Werke stellen wir uns natürlich die Frage, in welche Kategorie wir sie zuordnen, aber sie können sich auch vermischen. Es handelt sich vielmehr um Themenbereiche, die ineinandergreifen, und nicht fest präzisierte Kategorien“. Einen besonderen Moment in der Geschichte der Breslauer Kunst bildet das Ende der 60er und Anfang der


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laus. Ihre Teilnehmer scherzten, dass ihre Tätigkeit eigentlich rein gesellschaftlicher Natur ist und die Ausstellungen nur dies rechtfertigen sollten. „Man muss zugeben, dass Luxus die einzige Gruppe ist, die in den 80er Jahren entstanden und bis heute tätig ist. Vor einigen Jahren haben wir ihr eine große Ausstellung gewidmet. Luxus ist etwas Typisches für Breslau und sehr wichtig für MWW“, gibt die Kuratorin zu und erzählt gleich weiter: „Das nächste Kapitel der Kunstgeschichte der Stadt bildet die Orange Alternative, der absolut verrückte Moment der 80er Jahre. Es wurden die Grenzen des Happenings überschritten, Hunderte von Menschen kamen auf die Straßen mit orangefarbenen Mützen auf den Köpfen… Dieses Absurdniveau und die Fähigkeit, ihn auszulachen, ist sehr wichtig für die künstlerische Identität Breslaus. Ironie und Augenzwinkern. Hier handelte es sich auf gar keinen Fall um hohe Kultur“.

Interaktive Ausstellung "Duchy lasu" (9.12.2017–31.10.2018) foto: Patrycja Mastej i Jerzy Wypych © Muzeum Współczesne Wrocław, 2017

70er Jahre, der mit dem Aufbau der polnischen Kultur auf den wiedergewonnenen Gebieten. Nach 1945 kamen zahlreiche Künstler nach Breslau und versuchten ihren Platz in der zerstörten Stadt zu finden. „Man muss in Erinnerung behalten, dass Breslau eine Ruine war und die Künstler nach einer Art Wilden Westen gekommen sind. Das war nicht Krakau mit seinen Jahrhunderten von Tradition… Hier versuchte man vom Neuen die polnische Identität zu schaffen“. Interessierte es die Künstler wirklich? Man kann den Eindruck haben, dass viele von ihnen zur Aufbau der polnischen Kultur beigetragen haben. Man kann aber auch zu der Feststellung kommen, dass die Künstler eher damit beschäftigt waren, ihre eigene Ideen ins Leben zu rufen und nicht sehr viel von der Regierung gehalten haben. Das künstlerische Symposium Breslau ’70 zählt zu den wohl wichtigsten Events in der Geschichte der Stadt vor allem wegen der starken Präsenz des Konzeptualismus. „Mit einem Augenzwinkern haben die Künstler die damalige Situation zu ihren Zwecken genutzt. Die Wende zwischen den 60er und 70er Jahre ist der Augenblick, wo Breslau einen beispiellosen Einfluss auf die Entstehung der polnischen Gegenwartskunst hatte. Manche Kunsthistoriker sind der Meinung, dass die Entfernung zu Warschau diese Atmosphäre begünstigte“, sagt Miśniakiewicz. Die Entstehung der Gruppe Luxus ist ebenfalls eine sehr wichtige Episode in der Kunstgeschichte Bres-

Wenn man Breslau von der künstlerischen Seite kennenlernt, fällt es schwer nur über die ernste Kunst zu sprechen, obwohl man diese hier auch bewundern kann. Es handelt sich aber um eine vollkommen andere Atmosphäre, die Breslau ausmacht und die eben durch die gegenwärtige Kunst gebildet war und wird. „Ja, es war nicht Krakau der Vorkriegszeit mit seinen Koloristen und dem Mythos des Künstlers mit einer Baskenmütze auf dem Kopf und Pinsel in der Hand. Hier trug der Künstler der 70er Jahre eher eine Schlaghose statt eine Baskenmütze“, scherzt Miśniakiewicz. Der Bunker auf dem Strzegomski-Platz ist bestimmt ein einzigartiger Platz für die Kunst. Es lohnt sich, die beliebte Altstadt zu verlassen. Die Kuratorin erinnert aber: „Es ist ein schwieriger Raum und man verlässt das Museum eher frappiert und mit der Frage, was überhaupt während des Besuchs passiert ist? Wir beschäftigen uns nicht mit leichter und angenehmer Kunst. Bei uns ist sie anspruchsvoll. Die Anstrengung lohnt sich aber – wir bekommen viel auf dem Weg“.

muzeum współczesne wrocław

pl. Strzegomski 2a 53-681 Wrocław


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Kaffee auf dem Bunkerdach Um das Panorama Breslaus zu bewundern, muss man nicht unbedingt das Sky Tower besichtigen. Das Café Muzeum auf dem Dach des Bunkers, in welchen sich das Zeitgenössische museum Breslau (Muzeum Współczesne Wrocław) befindet, bietet eine viel interessanteste Alternative. Hier kann man sich bei einer Tasse Kaffee oder Tee so richtig entspannen – fern vom Lärm der Großstadt. Der Cafébesitzer Tomasz Ziółko hat sich Zeit genommen, um über dieses einzigartige Lokal zu sprechen. Emanuela Janda, PolenJournal,de: Kaffee, Tee, hausgemachter Kuchen und eine ziemlich große Auswahl von Alkoholgetränken. Café Muzeum muss unterschiedliche Menschen anziehen. Tomasz Ziółko, Besitzer von Café Muzeum: Ja, dieser Platz ist für alle offen, das Alter ist uns egal. Hier treffen sich Kinder und Senioren, Menschen mittleren Alters und Jugendliche. Es gibt solche, die von dem Museum angezogen werden und auch solche, denen die Kunst egal ist. Oft sind es aber die Museumsbesucher, die endlich auf die sechste Etage gelangen. Viele Menschen kommen hier auch aus Empfehlung.

Die Entfernung vom Zentrum kann als Vorteil oder eher Nachteil angesehen werden? Im August werden wir unseren sechsten Geburtstag feiern. Früher war hier ein anderer Mieter, erst ein halbes Jahr nach seinem

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Weggang wurde eine Ausschreibung für diesen Platz organisiert und die haben wir glücklicherweise gewonnen. Wer sich für einen Spaziergang aus dem Zentrum entscheidet, braucht ca. 20 Minuten. Mit der Straßenbahn sind es nur drei Haltestellen. Natürlich liegen wir nicht auf der Route der touristischen Sehenswürdigkeiten, aber wir sind trotzdem auf Breslaus Stadtplänen zu finden. Das Gegenwartsmuseum ist auch in den Reiseführern markiert. Menschen, die bereits das Café kennen, kommen hier gerne zurück, weil es ruhiger ist. Hier kann man in Ruhe die Zeit mit Freunden verbringen und dabei den Kaffee genießen. Das Café hat bis 22 Uhr offen, also es gibt dafür reichlich Zeit.

Auf ihrer Facebook-Fanpage kann man immer die neuesten Leckereien im Angebot sehen. Genau. Wir haben Kuchen, guten Kaffee, es mangelt nur an einer Küche. Als Imbiss können wir nur warme Sandwiches auf italieni-

Aussicht aus der dachterrse, Foto: polenjournal.de

scher Art anbieten. Viele denken, dass wir hier recht viel Platz haben und uns eine große Küche zur Verfügung steht. Da liegen viele falsch, denn hinter der Bar ist schon der Liftschacht. Die zwei Meter dicken Mauern darf man auch nicht vergessen… Im Café gibt es Platz für 35 Personen, auf der Terrasse passen noch mehr rein. Bestimmt wäre es für die Gäste besser, wenn sie gedeckt wäre.

Im Winter bleibt dann nur der Innenraum? Nein, die Terrasse ist das ganze Jahr über offen, es sei denn, es wird richtig frostig. Dann lassen wir keinen raus, damit nichts schlimmes passiert. Wenn aber die Terrasse offen ist, kann man mit einer Tasse Kaffee oder Glühwein eine Runde draußen drehen.

Sie passen sich also den Jahreszeiten an.


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Man kann es so sagen. Im Winter ist es hier sehr gemütlich, im Sommer wird es wärmer wegen der Glaswände. Beim schönen Wetter werden wir von großen Gruppen besucht, die sich gerne für die Terrasse entscheiden. Wie ich schon erwähnt habe, sie ist nicht bedeckt. Sonnenschirme sind leider kein Ausweg aus der Situation, denn der Wind ist auf dieser Höhe sehr stark. Manchmal ist es unten ruhig und hier werden die Tische umgeworfen.

Cafe Museum, Foto: polenjournal.de

Was würden sie den potenziellen Gästen sagen? Wenn Sie mal in Breslau sind, schauen Sie am Gegenwartsmuseum vorbei und kommen sie auch bei dieser Gelegenheit auf die sechste Etage – um mal ein bisschen abzuschalten. Cafe Museum, Foto: polenjournal.de


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ein leckeres Stück geschichte Stettins von emanuela Janda

Fischgerichteliebhaber fühlen sich gut an der polnischen Ostseeküste. Ein Ausflug auf den Strand und danach leckere gebratene Flunder – so lässt’s sich leben… PolenJournal.de hat sich auf die Suche nach einem einzigartigen Lokal gemacht, wo richtig gute Fischgerichte und Meeresfrüchte serviert werden und gelang nach Stettin. Im Restaurant Paprykarz Fish Market fanden wir alles, was die Augen und der Gaumen nur begehren können – einen stimmungsvollen Innenraum und eine Menükarte voller traditioneller und köstlicher Gerichte. „Als wir Paprykarz Fish Market gründeten, ließen wir uns von der Tradition der Hansestädte inspirieren. Unser Vorbild waren die alten Fischmärkte. Deshalb finden Sie am Eingang ins Lokal ein großes Kühlregal mit frischen Fischen und Meeresfrüchten“, erklärt Ewa Tyliszczak, Besitzerin des Paprykarz Fish Markets im Gespräch mit PolenJournal.de-Reporterin Emanuela Janda. Diese Bemühungen und die Liebe zum Detail sind überall zu sehen. Foto: paprykarz fish market

Foto: paprykarz fish market

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Das Gericht Paprykarz Szczeciński hat lange Tradition und wurde 2010 durch das polnische Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung als regionales Erzeugnis eingestuft. Zwar findet man manchmal die Übersetzung ins Deutsche als Fischgulasch, handelt es sich mehr um eine Art Brotaufstrichs. „Die Geschichte von Paprykarz Szczeciński reicht in die 60er Jahre. Die Arbeiter des Stettiner Unternehmens für Hochseefischerei und Fischerdienstleistungen Gryf (PPDiUR Gryf) kamen in Berührung mit einem afrikanischen Gericht aus Fisch, Reis und Pima-Paprika Namens „Chop-Chop“ und waren davon begeistert. Das nigerianische Gewürz – scharfe Paprika, die auf Eichenrinde geräuchert wird – verleiht dem Paprykarz den einzigartigen Geschmack“ – verrät Ewa Tyliszczak. In Paprykarz Fish Market finden wir aber nicht nur die Stettiner Spezialität, sondern auch andere regionale Speisen, die in dieser Umgebung seit Jahren gegessen populär waren. „Unsere regio-


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bei jeder Lieferung ihre Qualität prüfen. Manchmal macht uns auch das Wetter zu schaffen. Es kommt vor, das man nicht zum Fang ausfahren kann. Es ist schon passiert, dass aufgrund eines Storms wir keinen Heilbutt hatten“. Woher kommen denn genau die Produkte her? „Unseren größten Lieferanten von Fischen und Meeresfrüchte bildet Frishe Paradise,“ erzählt Ewa Tyliszczak. „Wir arbeiten auch mit regionalen Unternehmen zusammen – am längsten mit Zielenica, von dem wir die Bioforelle und Stör kaufen. Vor Kurzem haben wir den atlantischen Lachs in die Speisekarte eingeführt, der in Thermalwasser aus der Schwarzen Jura und 1124,5 m Tiefe gezüchtet wird. Außerdem versorgen uns die lokalen Fischer.“ Da es sich um ein Restaurant handelt, das sich nur in Fischgerichte spezialisiert, kommen hier hauptsächlich Gäste vorbei, die dies im Kauf nehmen. „Wir versuchen, den Wünschen unserer Kunden entgegenzukommen, also passen wir die Speisekarte an sie an“, sagt Ewa Tyliszczak und gibt zu, dass das erste Bestehungsjahr nicht gerade einfach für die Restaurantcrew war: „Wir haben hart daran gearbeitet, um unsere Speisekarte zu vervollkommnen. Das tun wir immer noch“. Paprykarz Fish Market wird zu großen und kleinen Anlässen besucht. Hier treffen sich Familien und Freunde zusammen, es werden aber auch Firmentreffen veranstaltet. Das Restaurant stellt auch kleine Festivals auf die Beine, die den Austern oder Miesmuscheln gewidmet sind. Interessant sind auch die Treffen mit einem Sommelier. Foto: paprykarz fish market

nale Speisekarte wurde von den Gerichten aus dem „Stettiner Kochbuch“ aus dem Jahre 1838 inspiriert. Sie bildet eine Ergänzung des Hauptmenüs, das seit der Eröffnung unverändert blieb. Als wir auf der Suche nach Büchern über die kulinarische Geschichte Stettins waren, sind wir auf das Kochbuch von Marie Rosnack gestoßen. Aus ihr schöpften wir die Ideen für die Heringsgerichte, Suppen, Soßen für die Hauptgerichte und für den Semmelpudding. Die Kochrezepte sind so konzipiert, dass sie die alten Geschmäcker mit Saisonprodukten verbinden. Die Gerichte aus dem regionalen Menüteil erfreuen sich großer Beliebtheit. Man kann also sagen, dass wir damit einen guten Weg eingeschlagen haben“, so Ewa Tyliszczak. Auf die Frage, ob sich die kulinarischen Vorlieben der Menschen durch all die Jahre verändert haben, antwortet sie mit einem Nein. „Viel hat sich nicht verändert. Menschen lieben weiterhin, Fische zu essen. Das, was sich verändert hat, sind die Beilagen, Zubereitungsweisen und Verfügbarkeit von Fischen“. Eine Küche, die hauptsächlich aus Fischen und Meeresfrüchten besteht, ist nicht einfach zu leiten. Dem stimmt Ewa Tyliszczak zu: „Wir bestellen immer nur frisch Fische und Meeresfrüchte, deshalb müssen wir

Es lohnt sich auf jedem Fall, die Strandimbissbude mal auf dieses Lokal zu wechseln. Zu guter Letzt bleibt noch die Frage nach den Empfehlungen für diese Saison. „Man muss unbedingt die Heringe und Auster Fine de Claire probieren. Heringe gehören zur Klassik und die Auster kommen direkt aus der Austernhauptstadt Cancale“, rät Ewa Tyliszczak. Mit diesen Tipps wird man bestimmt nicht falsch liegen.

paprykarz fish market

al. Jana Pawła II 42 70 - 415 Szczecin


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Eine Brauerei in einer (fast) vergessenen Stadt von Piotr Piela

Kupferberg. Ein Ort voller toller aber auch grausamer Geschichten. Ein Ort, der immer wieder in Vergessenheit geriet. Ein Ort, den eine Brauerei wieder aufleben lässt. Die Biertradition in Kupferberg reicht bis ins 15. Jahrhundert, bis sie schließlich in 1973 ihr trauriges Ende nahm. Erst verschwand die Brauerei, ein wenig später die letzten Einwohner und die Stadt. Damals dachte wohl kaum jemand, dass sich der verfallene Ort noch beleben lässt. Erst veröffentlichte Filip Springer sein berühmtes Buch, nur wenig später entstand gleich neben der alten, eine neue Brauerei gegründet von Jarosław Kądziela. Das berühmte “Kupferberger Gold” wird in der Brauerei Miedzianka zwar nicht gebraut, trotzdem lohnt es sich hier anzuhalten, um die schöne Aussicht und natürlich auch das Bier zu genießen.

Foto: Browar miedzianka

Piotr Piela, PolenJournal.de: Ein Hotel, eine Brauerei? Ein Restaurant? Oder vielleicht eine Brauerei in einem Restaurant oder ein Restaurant in einer Brauerei? Jarosław Kądziela, Browar Miedzianka: Vor allem eine

Brauerei. Die Bierproduktion war das Ziel, der Antriebsmotor und die Idee. Das Restaurant und die Beherbergung sollten nur Zusätze sein, vor allem um dieses Konzept zu finanzieren. Heute, drei Jahre nach der Eröffnung, funktionieren alle drei Zweige sehr gut zusammen. Für manche Gäste sind sie unabhängig, denn oft kommen Leute zu uns, nur um sich in der wunderschönen Umgebung zu erholen, abseits der meistbesuchten touristischen Routen. Für solche Gäste ist das Restaurant und die Brauerei nur eine

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Foto: Browar miedzianka


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Ergänzung. Sie können die Umgebung erkunden und später ein gutes Abendessen essen, ein gutes Bier trinken und beobachten, wie es produziert wird. Den späten Abend kann man auch auf der Terrasse genießen und die Nacht in einem unserer Zimmer verbringen. Für mich, einen Insider, sind die Brauerei, das Restaurant und die Verpflegung drei große Maschinen, an den man fortlaufend arbeiten und sie ständig ölen muss. Die Brauerei ist die größte Maschine. Eine originelle Geschäftsidee könnte man sagen. Heute denke ich zwar anders, aber anfangs, als ich nur die Idee hatte, als ich nach Finanzierungsquellen suchte, war für viele Leute das Konzept zu originell. Zwei Jahre bin ich von Bank zur Bank gegangen und habe über diese Idee erzählt. Viele Menschen konnte ich nicht überzeugen.

Der Platz, wo wir uns gerade befinden, ist alles andere als zufällig. Die Geschichte dieses Ortes ist außergewöhnlich. Die Geschichte von Miedzianka (dt. Kupferberg) ist dermaßen interessant, dass sogar darüber Bücher geschrieben wurden. “Kupferberg - die Geschichte


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Kupferberg gefunden. Heute nutzen wir dasselbe Wasser, ohne es zu verfeinern. Zwar ist dies für die heutige Zeit alles andere als Ideal, trotzdem verleiht eben das Wasser dem Bier seinen Charakter. Das Wasser ist nicht nachzumachen. Der Geschmack ebenfalls. Das unterscheidet uns von anderen.

Foto: Browar miedzianka des Verschwindens” - von Filip Springer, “Kupferberg - 700 Jahre einer Bergbaustadt” von Marcin Makuch und Tomasz Stolarczyk, sowie “Kupferberger Gold” von Heinz Kornemann. Die Geschichte des Ortes wird auch von der pittoresken Landschaft unterstützt. Touristen, die hier kommen, treffen wunderschöne Landschaften an, die sich perfekt für Spaziergänge mit tollen Aussichten auf das Riesengebirge und das Hirschberger Tal eignen. Es ist viel mehr als nur kalte Museumsmauern. Durch die Landschaft und die Natur kann man sich leichter vorstellen, wie das Leben hier einst ausgesehen hat.

Warum lohnt es sich, die Brauerei “Browar Miedzianka” zu besuchen? Die Brauerei liegt auf dem Abhang der Chaussyhōhe. Aus unserer Terrasse erstreckt sich eine atemberaubende Aussicht auf das Hirschberger Tal, den Fischbacher Forst, Landeshuter Kamm, auf das Bober-Katzbach-Gebirge sowie das Isergebirge und das Riesengebirge. Viele unsere Gäste bezeichnen diese Aussicht als die schönste in der Region. Die Brauerei ist auch eine gute Ausflugsbasis, wenn man z.B. den Landeshuter Kamm besichtigen will.

Sprechen wir mal über die Brauerei. Was erwartet hier die Besucher? Vor allem vor Ort gebrautes Bier! Die wichtigste Zutat ist das Wasser. Die Biertradition in Kupferberg reicht bis ins 15. Jh. Früher hatte man kaum Möglichkeiten, die Qualität des Wassers zu verbessern oder sie an die Bierproduktion anzupassen. Man suchte also nach Orten mit guter Wasserqualität. So einen hat man in

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Der Landeshuter Kamm ist für die Farbigen Seen bekannt und die neu aufgebaute Brauerei für farbige… Man könnte sagen, für die bunt gemischte Bierauswahl. Die Bierfarbe ist aber nicht so wichtig. Der Geschmack steht hier an erster Stelle. Wir haben derzeit sieben verschiedene Biere im Angebot, dementsprechend ist es ziemlich bunt und farbig (lacht).

Dann müssen wir noch eine Sache klären - ist es besser das Bier zu verkosten, oder die Umgebung zu erkunden? Ein Helles schmeckt am besten, nachdem man die Gegend besichtigt hat. Zwar ist das Terrain nicht anstrengend, aber trotzdem handelt es sich um Gebirge. Dementsprechend kann man sich nach einer Wanderung am besten auf der Terrasse mit einem kühlen Bier in der Hand erholen.

Die Namen der Biere sind auch alles andere als zufällig. “Cycuch Janowicki” - ein Name, der an Berge anknüpft, die man von unseren Terrasse sieht. Es handelt sich dabei um den Forstberg und Kreuzberg, die zu den Falkenbergen gehören. Ihre Form ist sehr charakteristisch. Deswegen ergatterten sie schnell solche Bezeichnungen, wie “die Brüste des Riesengebirges” oder “die Brüste von Lollobrigida”. Jannowitz ist die Ausflugsbasis für dieses Gebiet. Aber zurück zu den Bieren. “Rudawskie” - weil die Brauerei in Rudawy Janowickie (dt. Landeshuter Kamm) lokalisiert ist. “Wołek” - von dem zweithöchsten Punkt im Norden des Massivs (auf Deutsch Ochsenkopf), der nur 40 Minuten zu Fuß von unserer Brauerei entfernt ist. “Górnik” weil Kupferberg einst eine Bergbaustadt war und voller Bergbaurückstände ist. Das Bier “Mniszek” ist wiederum mit dem Namen von Mniszków verbunden, eines sehr malerisch gelegenen Dorfes. “Boberek” weil neben der Chaussyhōhe ein schlängelnder Fluss namens Bóbr fließt. “San Fran Trzcińsko” - wegen des Dorfes Trzcińsko. Von langer Zeit, ich glaube in den 60er Jahren, hat man auf der Bahnstation, auf der weißen Tafel vor dem Ortsnamen mit Farbe “San Fran” geschmiert. Die Leute, die ins Hirschberger Tal eingereist


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sind, wurden jahrelang von der Aufschrift “San Fran Trzcińsko” begrüßt. Heute wird dieser Ausdruck auch von den Jungen benutzt, aber nur deswegen, weil er cool klingt. Keiner von ihnen weiß so richtig, wo seine Wurzeln liegen. “Kurt” ist wiederum ein Bier, gebraut aus dem Anlass, dass ein Comicbook über den Kupferberger Kommissar Kurt Ueberschaer veröffentlicht wurde. Für das Vorbild für den Hauptprotagonisten diente Hugo Ueberschaer, der in Kupferberg wohnte. Hier in Kupferberg befindet sich auch seine Grabstätte, den Weg kennen jedoch nur wenige Leute.

Es sind tatsächlich viele Biere, die auf Orte und Geschichten verweisen. Ist vielleicht eins unter den Gästen äußerst beliebt? Das wäre wohl der “Cycuch Janowicki”, unser Vorzeigeprodukt. Das Bier ist im interessanten Stil gebraut, es duftet deutlich nach Hopfen und ist sehr süffig. Der Name ist auch sehr anziehend. Ich muss aber auch sagen, dass die anderen Biere auch beliebt sind. Wir haben traditionelle Bierarten, dazu zählen “Kurt”, “Wołek” und “Rudawskie” in unserem Angebot, aber auch moderne Biere, wie die angesprochenen “San Fran Trzcińsko” und “Boberek”. “Mniszek” ist ein wenig süßer und “Górnik” ist wiederum ein dunkles, geräuchertes aber ein außergewöhnliches Bier.

Die Biere wurden von dem wohl berühmtesten polnischen Bierblogger Tomasz Kopyra rezensiert. Was ist wichtiger - Kritik und Meinungen aus der Bierbranche, oder doch ein oder zwei Wörter von einem Gast, der das jeweilige Bier probierte? Der erste Kritiker bin ich und unser Brauereiteam. Es ist offensichtlich, dass jeder seine Geschmackspräferenzen hat, aber das jeweilige Bier muss vor allem mir schmecken, denn es trägt auch meine Unterschrift. Meinungen von Blogger oder Bierkenner freuen uns, denn so wird das Bewusstsein von Personen gebildet, die sie lesen oder sich die Rezensionen ansehen. Am wichtigsten ist jedoch, ob die Biere unseren Kunden schmecken.

Über die Kunden und Besucher müssen wir auch noch ein Wort verlieren. Die Brauerei ist nicht weit von der tschechischen und deutschen Grenze entfernt. Wurde dieser Ort von den Touristen schon entdeckt?

Foto: Browar miedzianka

Vor allem Deutsche aber auch Tschechien schauen hier gerne vorbei. Es kommen auch immer wieder Touristen, die noch einen weiteren Weg hinlegen. Wir sind mittlerweile ein fester Bestandteil der touristischen Attraktionen in der Region. Durch die Qualität unserer Produkte und das Angebot werden wir sowohl durch Reisebüros wieauch Gäste, die schon bei uns waren, weiterempfohlen. Wie gefällt es den Touristen, die hierher kommen? Sehr. Vor allem das Gebäude, das keine selbstverständliche Form in dieser Umgebung hat, kommt bei ihnen gut an. Die Idee, das Konzept an sich sowie das kulinarisches Angebot. Die Leute schwärmen auch vor der Terrassenaussicht und der Stimmung. Oft hören wir, dass dieser Platz lebt, dass man diese Energie fühlen kann. Wir wissen aber, dass diese Stimmung nicht nur wir als das Brauereiteam, sondern auch unsere Gäste aufkommen lassen.

Am Anfang haben Sie das Werk von Filip Springer angesprochen. Wirbt das Buch auch für die Brauerei? Selbstverständlich. Das Buch ist hervorragend und dementsprechend sehr beliebt. Es wurde sogar in ein paar Fremdsprachen übersetzt. Durch das Buch wird die Geschichte von Kupferberg an viele Leute weitergeleitet. Das ist sehr wichtig für uns. Das Buch ist wichtig auch für mich persönlich aus einem anderen Grund. Als ich nach Finanzierungswegen suchte, hatte ich einen Moment des Bedenkens bis ich dann plötzlich Ausschnitte aus dem Buch über Kupferberg im Radio Trojka hörte. Damals wusste ich nicht, dass es das Werk überhaupt gibt. Das war für mich wie ein Zeichen, ich wusste, dass dies Schicksal war und dass ich meine Idee auch umsetzen werde.


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Lebensmittel direkt vom Produzenten Lokal und regional in Breslau von paulina Kuc In der Hauptstadt von Niederschlesien entstand eine außergewöhnliche Initiative, die den Bewohnern der Stadt und Touristen ermöglicht lokale, wie auch exotische Produkte direkt vom Produzenten zu kaufen. Wrocławski Bazar Smakoszy, also der Breslauer Feinschmeckermarkt lädt zu Einkäufen ein.

Lebensmittel direkt vom Produzenten Lokal und regional in Breslau In der Hauptstadt von Niederschlesien entstand eine außergewöhnliche Initiative, die den Bewohnern der Stadt und Touristen ermöglicht lokale, wie auch exotische Produkte direkt vom Produzenten zu kaufen. Wrocławski Bazar Smakoszy, also der Breslauer Feinschmeckermarkt lädt zu Einkäufen ein. Małgorzata Scheuer-Tyc und Tomasz Tyc haben schon immer ihre Liebe zum Essen geteilt. Vor fünf Jahren haben sich die beiden entschieden, ihr Leben auf die Kippe zu stellen. Von Tag auf Tag haben sie ihre Vollzeitjobs aufgegeben und starteten eine Abenteuerreise mit dem Ziel interessante und außergewöhnliche Geschmäcke zu finden. Sie besuchten verschiedene Winkel Polens, spazierten durch lokale Märkte und probierten dabei regionale Speisen und Produkte. Der krönende Abschluss ihrer kulinarischen Reise war der Gedanke, einen neuen und einzigartigen Platz auf der Karte Breslaus zu schaffen. So wurde die Idee der Gründung von Wrocławski Bazar Smakoszy geboren. Anfangs wurde der Markt zwei im Monat veranstaltet, doch das Interesse wuchs so schnell, das er nun am jedem Sonntag seine Pforten für Besucher öffnet.

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wrocławski bazar smakoszy

Von einer simplen Idee bis zur Kultlocation Eine auf den ersten Blick simple Idee entwickelte sich dermaßen rasant, dass man sich fragen könnte, wie diese Initiative so schnell so beliebt wurde? Die Ideengeber glauben, dass vor allem das sehr breite Angebot von lokalen, regionalen, aber auch ausländischen Produzenten, die solche Klassiker wie Käse, Wurstwaren, Fische, Obst, Gemüse, aber auch Delikatessen anbieten, die man selten auf Ladenregalen finden kann, die Menschen zum Markt kommen lässt. Die Möglichkeit direkt mit dem Produzenten sprechen zu können, kann nicht hoch genug geschätzt werden. Die gekauften Produkte sind dann nämlich nicht mehr anonym, werden anstatt mit einer konkreten Person assoziiert, die sich komplett ihrer manchmal schwierigen und harten Arbeit hingibt. Oft entsteht auf solcher Weise eine einzigartige Verbindung zwischen dem Produzenten und dem Kunden, der den Zulieferer mit seinem Vertrauen beschenkt. Sehr interessant ist bestimmt auch die gastronomische Zone, die von Anfang an ein fester Teil des Marktes ist. Personen, die sich für einen Besuch am Wrocławski Bazar Smakoszy entscheiden, haben also nicht nur die Möglichkeit Einkäufe zu machen, sondern können auch ein leckeres und gesundes Mahl am selben Ort essen. Die Stimmung und das Angebot des Marktes sind auch die Gründe, warum dieser Ort sich zum allwöchentlichen Treffpunkt von Familien und


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Freunden entwickelte. Eine Kultlocation, die man nicht nur mit Einkäufen verbindet, sondern auch mit der Möglichkeit, den Sonntag im netten Kreis zu verbringen, beim Geruch von aromatisiertem Kaffee oder leckerem und sättigendem Essen.

Qualität und Vielfalt Und wer kommt jeden Sonntag auf die Paczkowska-Straße? Zur Kundschaft zählen vor allem Breslauer und Menschen, die in der Nähe der Stadt wohnen. Doch der Feinschmeckermarkt wurde zum echten Knül­ler der Stadt, weswegen auch Touristen aus verschiedenen Orten Polens und aus dem Ausland die Initiative besuchen. Jeder der sich entscheidet zwischen 10:00 und 15:00 Uhr zum Bazar Smakoszy zu kommen hat die Möglichkeit den lokalen Markt und die kulinarischen Initiativen Breslaus zu unterstützen. Lohnt es sich? Auf jeden Fall! Das Markenzeichen des Marktes ist eine große und reiche Auswahl an lokalen, wie auch aus der Ukraine, Portugal, Korea oder Indien stammenden Produkten. Man kann hier wortwörtlich alles Mögliche kaufen, polnischen, zypriotischen oder griechischen Ziegen- oder Kuhkäse. Auf den Ständen fehlt es auch nicht an Wurstwaren, Fischen, Wildfleisch, Obst und Gemüse. Jeder, der nach wahrem, dicken Schmand, Butter, Eingemachten oder Gewürzen sucht, sollte hier mal reinschauen. Es ist gesund, lecker und natürlich. An diesen Ideen hat man sich von Anfang an gerichtet. Deswegen bietet der Feinschmeckermarkt Produkte mit der höchsten Qualität nicht nur aus ganz Polen, sondern auch der ganzen Welt. Das alles ohne irgendwelche Konservierungsmittel,

Farbstoffe oder Geschmacksverstärker. Den Ideengebern gelang es Produzenten mit einem Nischenangebot einzuladen, den man in traditionellen Läden nicht finden kann.

Für Veganer, Vegetarier und Fleischesser In solch einer Warenfülle ist es schwer, der Versuchung nicht zu erliegen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass der Einkaufskorb sich selbst mit Produkten befüllt. Es ist auch nicht verwunderlich, denn Małgorzata Scheuer-Tyc und Tomasz Tyc versichern, dass jeder dort etwas für sich finden kann. Die Aussteller bieten vegane und vegetarische Produkte, aber auch Fleischesser werden dort nicht enttäuscht. Die Besucher haben die Chance nicht nur ihre Einkäufe zu machen oder mit dem Produzenten zu sprechen. Auf dem Breslauer Feinschmeckermarkt werden auch verschiedene Veranstaltungen organisiert. Willige können an Workshops und kulinarischen Vorführungen teilnehmen und demzufolge leckere Speisen aus regionalen Produkten selber zubereiten. Es werden auch eintägige Restaurants eröffnet, die von bekannten Breslauer Küchenchefs vorbereitet werden. Niemanden sollte es also wundern, dass der Liebhaberkreis von Wrocławski Bazar Smakoszy von Jahr zu Jahr größer wird und der Ort selbst bereits fester Teil, der kulinarische Karte Breslaus ist.

wrocławski bazar smakoszy

wrocławski bazar smakoszy

wrocławski bazar smakoszy

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Geteilt aber doch zusammen Eine Stadt, die in ihrer Geschichte große Momente erlebte, die in ihrer Vergangenheit mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Heute schaut sie zuversichtlich in die Zukunft.

Görlitz und Zgorzelec sind in der Vergangenheit eine und dieselbe Stadt an den beiden Ufern der Lausitzer Neiße gewesen. Aus einem kleinen sorbischen Dorf ist eine Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und Altbauten geworden. Im Laufe der Geschichte hat die Stadt mehrfach ihre staatliche Zugehörigkeit gewechselt; u. a. gehörte sie zu Polen, Mark Brandenburg, Tschechien und Preußen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde sie durch die, an den Fluss, verlaufende deutsch-polnische Grenze zweigeteilt. Heute sind aus der einmal einer Stadt zwei geworden - das polnische Zgorzelec und das deutsche Görlitz. Nach der Wiedervereinigung erhielten die Görlitzer Altstadt und viele andere Altbauten ihren alten Glanz wieder. Die durch die Kriege unberührte Stadt kann sich mit den meisten Sehenswürdigkeiten in Deutschland rühmen. Aus allen Epochen und Baustilen. Die historische Kulisse ist äußerst bei den Filmemachern beliebt, nicht nur bei den einheimischen, aber auch bei den ganz großen aus Hollywood.

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altes rathaus

kaufhaus Karstadt Foto: Hans Peter Schaefer, Wikimedia Commons


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Hier drehten Quentin Tarantino, Kate Winslet, Jackie Chan - um nur einige Größen zu nennen. Filme wie „Inglourious Bastards”, „Der Zauberlehrling“, „Grand Budapest Hotel“ oder „In 80 Tagen um die Welt“ - in all den Filmen ist die scheinbar unscheinbare Stadt Görlitz zu sehen. Die Stadt selber aber hat durchaus mehr zu bieten als eine wunderschöne historische Kulisse und Gassen, die einer Reise in die Vergangenheit gleichen. Auf beiden Seiten gibt es interessante Museen und Parks. Events und Festivals. Restaurant und Kneipen mit leckeren Gerichten aus regionaler und internationaler Küche.

Neues Rathaus am Untermarkt Foto: Schläsinger, Wikimedia Commons

Wenn man eine Tour durch die Stadt macht, muss man unbedingt die auf der deutschen Seite liegende Peterskirche mit der weltberühmten Sonnenorgel von Eugenio Casparini sehen. In Görlitz finden durch das ganze Jahr verschieden Veranstaltungen und Konzerte statt. Von Jazztagen, durch Sommertheater, Altstadtfest und Jakuby Fest, Bachwoche bis zu Christkindlmarkt.

peterskirche

Sehr beliebt ist der Görlitzer Naturschutz Tierpark, wo man auch die Tiere streicheln kann und das Lausitzer Museum mit interaktiver Legendenführung, das allerdings auf der polnischen Seite liegt. In Polen liegt auch das Kulturhaus, auch als Oberlausitzer Gedenkhalle bekannt, mit einer wunderschönen wilhelminischen Fassade und Innenräumen. Es finden hier u. a. Theatervorstellungen, Konzerte und Führungen statt. Sehenswert sind auch das Schlesische Museum, das sehr interessant und informativ die Geschichte der Stadt und Region vorgestellt. Für Fans von Pariser Père Lachaise und Montparnasse oder Londoner Highgate ist der historische Nikolai Friedhof empfehlenswert.

neisseufer Foto: Hans Peter Schaefer, Wikimedia Commons

von Ramona Nocoń


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Lebus -

ganz nah und doch unbekannt von ramona Nocoń Dicht mit Wäldern bewachsen, von Flüssen durchkreuzt und von Seen übersät. Mit Schnellstraßen und Landwegen durchgeschnitten. Reich an Zeugen vergangener Jahrhunderte und einer interessanten Vergangenheit.

Muskauer Park In der Nähe der deutsch-polnischen Grenze liegt der Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. Seit 2004 UNESCO Welterbe. Der Park wurde in der ersten Hälfte des 19 Jh. angelegt und gehört zu den größten und prächtigsten Parks Europas. Das im englischen Stil angelegte Anwesen wurde zum Vorreiter später angelegten Anlagen. Nach dem 2. Weltkrieg ist das 700 ha große Gelände in zwei Hälften geteilt gewesen. Heute werden die durch die Lausitzer Neiße geteilten Hälften mit Brücken verbunden. Nach der Wende wurde der polnische Teil stark saniert. Auf der deutschen Seite befindet sich der zentrale Kern des Parks mit den Hauptgebäuden und Gärten und auf der polnischen ein großer englischer Park.

Foto: Muskauer Park

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Muskauer faltenbogen, Foto: Marek Bednarz, Wikimedia Commons

Muskauer faltenbogen

Festung OderWarthe-Bogen

Muskau hat nicht nur ein schönes Schloss und den berühmten Park. Nicht weit davon befindet sich der Muskauer Geopark - Muskauerfaltenbogen. Er wurde ins Leben berufen um die während der letzten Eiszeit entstandenen Faltenbogen zu schützen. In der Region gibt es viele Seen - sie sind Resultat des Braunkohleabbaus. Jeder der Seen hat eine eigene Farbe. Im Park gibt es viele Denkmäler der belebten und unbelebten Natur u.a. ein Dünenfeld, zahlreiche Gesteine und Quellen.

Die Festungsfront Oder-Warthe-Bogen auch als Ostwall bekannt, lässt die Herzen der Militärfans höherschlagen. Sie zieht sich über 100 km von Skwierzyna durch Pniewo, Boryszyn bis zu Oder. Das Herzstück ist das 35 km lange Netz unterirdischer Tunnels in der Nähe von Miedzyrzecze. Die interessantesten Routen befinden sich in Pniewo. Man kann dort auch das Freilichtmuseum mit Militärausrüstung besichtigen. Im Ostwall befindet sich auch eine der größten Überwinterungsstätten für Fledermäuse. Mehr als 30 000 Tiere aus 13 Arten finden hier jeden Winter ihren Unterschlupf. Deswegen sind zu dieser Jahreszeit auch einige Gänge verschlossen, um die Tiere nicht zu stören.

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Ehemaliges Augustinerkloster in Żagań

Foto: Mohylek, Wikimedia Commons

foto: Mohylek, Wikimedia Commons

In der kleinen Stadt Żagań befindet sich ein ehemaliges Augustiner Klosterkomplex, welches zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Region zählt. Die Heilige Maria Kirche wurde in den Chroniken bereits im 12 Jh. erwähnt. Ende des 13. Jh. wurde das Schloss den Augustinern übergeben, sie haben es ausgebaut und einen kleinen Palast für den Abt gebaut. Im 18. Jh. nach einem Feuer wurde das Schloss im barocken Stil umgebaut und vergrößert. Nur der Ostflügel blieb im gotischen Stil erhalten. Das Kloster beherbergt neben dem Kapitelhaus und der gotischen Sankt Anna Kirche eine prachtvolle Klosterbibliothek mit wunderschönen Innenräumen aus dem 18. Jh. und Bibel-Fragmenten aus dem 8. Jh. Die meisten Bücher in der Bibliothek stammen aus dem 17. Jh. - 19. Jh.


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Festung Küstrin in Kostrzyn Von der alten Stadt Kostrzyn ist nicht viel geblieben, aber trotzdem ist sie sehenswert. Neben den Ruinen blieb das alte Straßennetz erhalten und es werden immer mehr Teile der alten Stadt rekonstruiert. Die Basteien der Festung Küstrin sind ein absolutes must-see. In der Bastei Filip befindet sich ein multimediales Museum. Die heutige Stadt Kostrzyn ist für das Pol’and’Rock (eh. Haltestelle Woodstock) Festival bekannt. Das Rockfestival zieht jedes Jahr im Sommer Tausende Besucher an.

Festung Küstrin , Foto: Pudelek (Marcin Szala), Wikimedia Commons

Gorzów Wielkopolski Gorzów Wielkopolski ist die zweite Hauptstadt der Woiwodschaft. Die Stadt hat nicht so viele Sehenswürdigkeiten wie Zielona Góra, hat aber dafür eine wunderschöne Promenade an der Warthe mit vielen Cafés, Restaurants, einen schwimmenden Springbrunnen, Vogelhäuser und eine schöne Sonnenuhr. Landsberg an der Warthe ist auch die Heimatstadt von Christa Wolf gewesen, damals hieß es noch Landsberg in Oberschlesien. In der Stadt gibt es viele Grünflächen und ein Schutzgebiet. Sehenswert ist außerdem noch die Kathedrale und die alten evangelischen Kirchen und Fragmente mittelalterlicher Stadtmauern.

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Gorzów wielkopolski, foto: rysnal, Wikimedia Commons


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Grünberg und Landsberg an der Warthe Zielona Góra ist eine der zwei Hauptstädte der Woiwodschaft. Von den Kriegszerstörungen weitgehend verschont, gibt es in der Stadt viele Altbauten und eine wunderschöne Passage. Sehenswert sind vor allem die Altstadt und der alte Ring mit Altbauten aus dem 19 Jh. Die älteste Sehenswürdigkeit von Grünberg ist die Kathedrale aus dem 12 Jh. Neben den Sehenswürdigkeiten sind der Weinpark (Park Winny) und das Restaurant Palmiarnia zu sehen. Palmiarnia ist bekannt für ihre leckeren Gerichte, exotische Pflanzen und die höchste Kanarische Dattelpalme in Polen. Jedes Jahr im September gibt es ein siebentägiges Weinfest Winobranie, mit vielerlei Attraktionen, Konzerten, Handwerkern und Künstlern. Rathaus

kathedrale in Grünberg

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alter ring

weinpark mit dem restaurant palmiarnia


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Das Kloster in Paradyż Das Kloster in GościkowoParadyż ist eines der wichtigsten sakralen Bauten der Region. In den vergangenen Jahrhunderten ist es ein wichtiges Zentrum des religiösen Lebens gewesen. Dank seiner Lage am Rande Großpolens ist das Kloster über Jahrhunderte Einflussbereich der Künstler aus Niederschlesien, Brandenburg und Westpommern gewesen.

Johanniterschloss in Łagów

das kloster in paradyż, Foto: Badinera, Wikimedia Commons

In der Ortschaft Łagów, von zwei Seen umgeben, steht ein Schloss aus dem 17. Jh. Malerisch präsentiert es sich den Besuchern zwischen dem grünen Laub der Bäume und dem Schilfrohr auf dem Wasser. Das Schloss zeichnet sich nicht nur durch seine wunderschöne Lage aus - es beherbergt jetzt ein Hotel, ein Café und ein Restaurant. Man kann den Schlossturm für eine geringe Bezahlung besichtigen. Die erhaltenen Pforten sind ebenfalls einen Blick wert.

Interessante Routen

kirche in klępsk, Foto: P.R.Schreyner, Wikimedia Commons

Holzkirchen in der Ziegenbockregion Die hölzernen Kirchen in der Ziegenbockregion sind nicht nur schön und sehenswert, sie erzählen auch ein Stück Geschichte. Die Route ist nicht lang - nur 23 km, das schafft man locker zu Fuß oder mit dem Rad an einem Tag. Die drei hölzernen Kirchen sind bei den Liebhabern traditioneller Volksarchitektur beliebt. Sie wurden im Mittelalter erbaut und deren Innenräume sind mit Bibelszenen fiziert. Die Gotteshäuser sind ein wertvolles materielles und kulturelles Erbe.

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kirche in klępsk, Foto: Lukaszmalkiewicz.pl, Wikimedia Commons


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FOTO: Słubice, teil des Lebuser Jakobswegs

Lebuser Jakobsweg Der Lebuser Jakobsweg ist eine natürliche Verlängerung der einheimischen Routen Camino polacco. Sie ist ein gemeinsames Projekt deutscher und polnischer Studenten - Jakobsweg östlich und westlich der Oder. Der Weg führt von der Ortschaft Murowana Goślina durch u.a. Międzyrzecz, Sulęcin bis Słubice und Frankfurt O., weiter verbindet er sich mit anderen Routen des Jakobswegs in Deutschland. Während des Projekts hat man die alten Handels- und Pilgerrouten erforscht und dokumentiert.

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Lebuser Wein- und Honigroute (Lubuski szlak wina i miodu) Die Region um Zielona Góra ist in Polen bekannt für ihre Weine. Pinot Noir, Regent - das sind nur einige Weinstämme, die angebaut werden. Nach einer langen Zeit ist man zu den alten Traditionen des Weinbaus zurückgekehrt. Um die Region bekannter zu machen schlossen sich die örtlichen Winzer und Imker zusammen. Nun werben sie gemeinsam für ihre Produkte. Auf der 304 km langen Route erwarten uns verschiedene Weinkeller mit ihren Weinen und Imker mit ihren Honigwaren und laden zur Verkostung ein.


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Grün, grüner, Lebuser Land Das Lebuser Land ist nicht nur aus Sicht der Weinfreunde und Kulturfans ein empfehlenswertes Reiseziel, auch bei Naturliebhabern lässt das Land die Herzen höher schlagen. Die waldreichste Woiwodschaft Polens hat einiges zu bieten.

FOTO: fluss drawa

Drawieński Nationalpark Der Drawieński Nationalpark begeistert mit dem Fluss Drawa und den umliegenden Wäldern, einer Vielfalt an Pflanzen und Tieren u.a. Vögel. Im Park trifft man nicht nur auf seltene Vertreter der Flora und Fauna, aber auch auf Sehenswürdigkeiten.


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Ujście Warty Nationalpark Der jüngste Nationalpark Polens entstand an der Stelle eines aus den 70er Jahren stammenden Schutzgebiets. Seit 2001 ist das Gebiet um die Mündung der Warthe in die Oder ein Nationalpark. Der Park, obwohl jung, ist ein wichtiger Ort für viele Zugvögel in Europa und auch für Birdwatchingfans. 270 verschiedene Vogelarten, darunter einige die vom Aussterben bedroht sind, sind hier anzutreffen. Im Park gibt es interessante Routen und jede Menge zu sehen.

Lebuser Masuren Die Woiwodschaft Lebus ist bekannt für ihre Wälder und die Vielfalt der Tierarten, die sie bewohnen. Ein wahres Kanuparadies sind Flüsse, wie Drawa. Immer bekannter werden auch die Seen. Die Woiwodschaft, die sich als Land der 500 Seen der Welt präsentiert, hat in Wirklichkeit um die 600 Seen. Blaue Perlen in der grünen Landschaft, mit kleinen Dörfern und Städten an ihren Ufern. Oasen der Ruhe und Einkehr. Mit Fischen und Vögeln ein kleines Paradies auf Erden.

Notecka Heide Die Notecka Heide ist mit 1035 Quadratkilometern eine der größten Wälder Polens, gleich hinter dem Bialowieza Urwald. Das Herz der Heide verfügt nicht über viel Wasser und ist eher trocken. An ihren Rändern schlängeln sich aber Warthe und Noteć (Netze) und befinden sich viele kleine Seen. Die Wälder sind bekannt für ihre reichen Pilzbestände. In der Heide gibt es Reservate, die wertvolle Teile des Waldes schützen.

Foto: A.Savin, Wikimedia Commons

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In vino veritas von piotr Piela

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Von der Geschichte, durch die Trinkkultur bis zum Weintourismus. So steht es um das kostbare Nass in Polen.

Die polnische Weintradition reicht bis ins Mittelalter, als der Wein von Mönchen bei Klöstern und Burgen angebaut wurde. Im Laufe der Zeit erlebte das kostbare Nass einen gewaltigen Wandel. Anfangs war der Trunk nur in Häusern der Reichen und Mächtigen, sowie den bereits erwähnten Klöstern anzutreffen. Doch der Wein verbreitete sich schnell und rasch konnte man ihn auch in Wirtshäusern bestellen. Mit der steigenden Nachfrage erlangte der Trunk schnell den Status eines Konsumproduktes, das u.a. mit Bier konkurrieren konnte. Den ersten Rückschlag erlebte der Wein im 16. Jahrhundert, als sich das Klima, das den Weinanbau in Polen begünstigte, veränderte. Mit der sog. Kleinen Eiszeit ist der Geschmack der Weine verloren gegangen. Die bitteren und saueren Weine konnten die Massen nicht überzeugen. Zumindest nicht in diesem Ausmaß, wie die importierten Weine aus dem Süden Europas. Zur Abkehr von der Weintradition führten auch die langjährigen Kriege im 17. Jahrhundert. Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit vollendeten das Werk. Der Trunk geriet in Vergessenheit doch in den letzten Jahren erlebt er seine Renaissance. Trotzdem steht dem Wein in Polen noch ein langer Weg zur alten Position bevor.

Polnische Trinkkultur Die Polen trinken keinen Wein - würden viele meinen. Das stimmt nicht. Polen trinken Wein. Der Weinkonsum steigt ununterbrochen seit 2001. Trotzdem ist er an der Weichsel (durchschnittlich 3,2 liter pro Kopf) viel niedriger als beispielsweise in Deutschland (24,8 l). Frankreich und Italien braucht man hier gar nicht zu erwähnen. An der Weichsel trinkt man viel lieber Bier oder Spirituosen. “Auf der anderen Seite wird das Verbraucherbewusstsein bezüglich der Weinkultur und des Angebots auf dem Markt immer höher” - sagt der Journalist und Kritiker Marian Jeżewski, der seit 2007 ein Weinportal StudioWina.pl führt. “Die Weinkultur entsteht erst in Polen. Es gibt viele Dinge, die der Verbreitung des Weins im Wege stehen, wie etwa das Gesetz über die Erziehung in Nüchternheit und Alkoholismusvorbeugung. Es ist wichtig, dass man begreift, dass der Wein nicht nur Alkohol ist. Anders als beim Wodka kommt zuerst der Wein, seine Inhaltsstoffe, sein Geschmack. Alkohol ist nur Nebensache” - erklärt Marcin Moszkowicz. Der Vorstandsvorsitzende der Grünberger Weingesellschaft fügt noch hinzu, dass an der Weichsel, anders als im Süden Deutschlands, in Österreich oder Frankreich ein Glas Wein zum Mittagessen nicht üblich ist. “Hier hat sich was bewegt, aber das braucht noch viel Arbeit. Hier sind nicht Touristen oder Restaurantgäste gemeint, sondern Hotel-, Pensions- oder Restaurantbesitzer. Oft servieren sie lieber einen sog. Pizza-Wine oder einen günstigen Lambrusco-Wein, der den Geschmack der Massen entspricht, oder Bier als Weine vom benachbarten Winzer.” - bemerkt Lidia Andrzejewska von ArsVini. Die breslauer Weinhändlerin trifft hier den


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Punkt, denn die polnischen Weine gelten als nicht gerade billig. “Der Preis liegt leider oft oberhalb der Ausgabengrenze eines durschnittlichen Polens. Dafür gibt es jedoch einige Gründe. Der erste - die Weine werden traditionell und nicht industriell gemacht. Das bedeutet höhere Produktionskosten. Das ist aber keine Industrie und deswegen sind die polnischen Weine nicht in Supermärkten, sondern direkt beim Winzer zu kaufen. Man muss auch einsehen, dass die nötige Ausrüstung für die Produktion oder die Setzlinge auch nicht in Polen gekauft werden, sondern z.B. in Deutschland und zu deutschen Preisen. So ist auch der Preis an der Weichsel ähnlich, wie in Deutschland. Einen Wein kann man direkt beim Winzer sowohl in Polen als auch in Deutschland für 10 Euro kaufen, vor allem wegen der Kosten, die vergleichbar sind” - sagt Marcin Moszkowicz. “Es sind nur wenige auf dem Markt, die Weinproduktion ist nicht gerade billig, so sind die polnischen Weine auch nicht die billigsten” - bestätigt Kinga Kowalewska-Koziarska vom Weinberg “Kinga” bei Grünberg. “Der Preis gilt vielleicht als überhöht aber nur unter den Liebhabern der Billigweine. Heimische Weine verkaufen sich gut und die Preise sind völlig berechtigt” - so Marian Jeżewski. Die Wortwahl des Kritikers ist hier nicht zufällig, denn, wie bereits erwähnt, wird zum Foto: winnica Kinga einen das kostbare Nass hierzulande mit traditionellen Methoden hergestellt zum anderen ist die Gesetzeslage dafür verantwortlich, dass weniger Pflanzenschutzmittel genutzt werden dürfen. “Unsere Weintrauben werden in den meisten Fällen bis zu zehnmal seltener mit chemischen Mitteln bespritzt, als es ist den Weinländern üblich ist. Dieser Wein ist dementsprechend ein wenig spezifisch aber ich denke, dass auch sehr gut, vor allem wegen der Klimawandlung” - so Moszkowicz.

Vom Hobby zum Geschäft Neben den Wetterbedingungen begünstigt auch die Rechtslage die Gründung von Weinbergen. “Seit 2011 wächst der Weinbau in Polen rapide. Weinberge als Geschäftsmodelle kommen immer öfter vor, aber trotzdem schätzen wir, dass 95% der Weinberge in Polen nur wegen dem Hobby des Besitzers gegründet werden. Später beginnen sie Geld einzubringen” - sagt der Vorstandsvorsitzender der Grünberger Weingesellschaft. “Starke Unterschiede zwischen Polen und dem Ausland, vor allem bei größeren Winzern, sind kaum

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zu erkennen. Zwar finden wir hier keine 400 Jahre alten Weinkeller, Fotos von Großvätern bei der Ernte oder hundertjährige Weinpflanzen, aber für die Weinqualität müssen wir sich nicht schämen. Noch vor fünf, sechs Jahren hatten die Bemühungen der Winzer wenig Erfolg gebracht. Die meisten Weine eigneten sich damals nur für die Reinigung des Leitungsnetzes. So können wir von einem gewaltigen Fortschritt sprechen” - ergänzt Jeżewski. Nimmt man das alles zusammen, so erscheinen die Weinberge an der Weichsel als Plätze, die darauf warten, entdeckt zu werden.

Weintourismus in Polen Eine der ersten Anlaufsadressen wäre die Lebuser Wein- und Honigroute. “Jedes Jahr werden neue Mitglieder in unsere Gesellschaft aufgenommen. Dementsprechend steigt die Zahl der Weinberge und somit auch der Orte, die darauf warten, entdeckt zu werden” - bemerkt Marcin Moszkowicz. Hier muss man aber auch anbringen, dass es auch andere Weinrouten in Polen gibt - in der Nähe von Sandomir (poln. Sandomierz) sowie im Karpatenvorland. “Historisch betrachtet, ist die Region um Grünberg die bekannteste, doch alle Weinrouten entwickeln sich ähnlich schnell und alle sind auf jeden Fall empfehlenswert” - sagt Marian Jeżewski. “Karpatenvorland hat die Nase vorne aus Sicht der Marketingarbeit, die sie leisten. Interessant ist aber, dass in Niederschlesien zwischen dem Katzengebirge und dem Bartschtal eine weitere Route entsteht. Da gibt es hervorragende Rieslinge und Pinot noire” - fügt Lidia Andrzejewska hinzu. In diesem Kontext ist auch die Frage nach dem breit


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aufgefassten Weintourismus in Polen mehr als berechtigt. “Elemente des Weintourismus sind eher selten anzutreffen. Reinen Weintourismus gibt es an der Weichsel nicht, deswegen kann man die polnischen Weinrouten auch nicht neben den Routen im Elsass oder Wachau stellen” - bemerkt der breslauer Weinhändlerin. Das bestätigt auch der Weinkritiker und Journalist Marian Jeżewski, der den Weintourismus an der Weichsel als eine eher individuelle Initiative von Weinliebhabern bezeichnet. Interessanterweise nimmt der Weintourismus hierzulande eine etwas andere Form an. “Die Winzer wollen ihre Gäste entsprechend bewirten, dem Kunden die Möglichkeit geben, etwas

foto: lubuski szlak wina i miodu zu probieren und bei ihnen direkt zu kaufen, damit der jeweiligen Person auch der Produktionsprozess und die harte Arbeit des Winzers skizziert wird“ - erklärt Marcin Moszkowicz. Diese Bewirtung wird breit aufgefasst, denn im Angebot der Weinberge finden wir u.a. Pflanzenschulen, Weintourismus mit Verkostungen und Workshops aber auch Angebote aus dem Bereich Landtourismus. Ein gutes Beispiel ist der Weinberg “Kinga” der das alles bietet. “Für unsere Region ist dies ein natürlicher Weg, denn Jahr für Jahr werden immer mehr Weinberge gegründet’ - so Kinga Kowalewska-Koziarska. Das breite Angebot der Weinberge und Weinkeller ist ein Weg potenzielle Gäste anzusprechen und zum Besuch zu überzeugen. Ein anderer sind verschiedene Weinfestivals, an dem es in Polen nicht mangelt. “Jede Region hat ihre verschiedenen Weinfeste, wie etwa “Czas dobrego sera i wina” in Sandomir, der “Jurajski piknik winiarski” oder das “NOE Festiwal”, bei dem ich mitwirke. Weinfeste gibt es auch in Breslau, Janowiec oder in Kazimierz Dolny. Die größte Initiative ist jedoch das Weinfest “Winobranie” in Grünberg” - so Ma-

rian Jeżewski vom Weinportal StudioWina.pl. Die Rolle der Weinevents bestätigt auch Marcin Moszkowicz. “Es gibt kein Weinfest ohne Winzer und es gibt keine Winzer ohne ein Weinfest. Hier hat man die Möglichkeit mehrere Winzer anzusprechen, an einem Platz mehrere Weine von verschiedenen Weinkellern zu probieren und mehr über das Weinangebot zu erfahren. Auf der anderen Seite haben die Winzer die Möglichkeit ihr Angebot, ihre Produkte vorzustellen. Aus den Gesprächen weiß ich, dass das die Kontakte am Weinfest später Früchte in Form von Besuchen oder sogar speziell für Gruppen vorbereiteten Verkostungen tragen” - so der Vorstandsvorsitzende der Grünberger Weingesellschaft. Das Angebot der polnischen Weinberge stößt auf Interesse nicht nur im Inland, sondern im Ausland. Eine Rolle könnte im Fall von Grünberg und den umliegenden Gebieten, die Nähe zu Deutschland und Tschechien spielen. “In unserer Region lässt der Weinbau die Leute kommen. Mittlerweile ist es so, dass man speziell z.B. einen Tag bei Pauschalreisen einplant, um den Wein hier in der Region zu probieren oder die Weinberge zu erkunden. Touristen kommen als nicht nur bei Gelegenheit. Man muss auch klar sagen, dass die Sehenswürdigkeiten und Attraktionen in der Gegend auch mit Wein verbunden sind” - sagt Moszkowicz. Wann ist der beste Zeitpunkt, die polnischen Winzer einen Besuch abzustatten? “Die Jahreszeit hat keine größere Bedeutung. Ich persönlich liebe diesen Moment im Frühling, als sich die ersten Keime auf dem Weinstock zeigen und später als die Weintrauben gereift sind und sich wunderschön präsentieren. Es ist auch gut, wenn der Winzer noch Wein zum Verkosten hat, denn den beliebtesten und bekanntesten gehen schnell die Flaschen weg” - so Marian Jeżewski. “Ich denke, dass jede Jahreszeit etwas am Weinberg zu bieten hat, aber der Zeitpunkt mit dem besten Flair fällt zwischen August und Oktober an. Hier auch ein kleiner Tipp - den Besuch sollte man auch mit dem Winzer absprechen” - beendet Kinga Kowalewska-Koziarska.


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Von einem Strandhändler zum erfolgreichen Bernsteinschneider die Geschichte von Dariusz Front Bernstein und die Ostsee gehören einfach zusammen. Es fällt schwer, sich den Urlaub am Meer in Polen ohne Souvenirs mit diesem Stein an jeder Ecke vorzustellen. Was ist aber so besonders an diesem Rohstoff und wie sich die Branche im Laufe der Zeit verändert hat, verrät Dariusz Front, Besitzer des Familienunternehmens Front in Kolberg, das seit 1992 im Bernsteingeschäft ist. Seine Geschichte fängt aber noch früher an…

Bernsteinketten in den 50er Jahren

Bürgermiliz (MO) kontrolliert und konfisziert. Damals funktionierte nur das Staatsunternehmen Cepelia.

Mein Großvater Bolesław Front, der als Dockarbeiter in den Danziger Hafen arbeitete, hatte sich schon in den 50er Jahren durch Verkauf von Bernsteinketten, Armbänder und Anhängern dazuverdient. Er Verkaufte sie an der Mottlau bei dem Krantor oder auf dem alten Ring. Das ganze Sortiment – 8-12 Schmuckstücke – hängte von seiner Hand. Die Kundschaft dieser Schätze waren am öftesten Ausländer, die mit Marken, Tschechischen Kronen, Dollars und anderen Währungen, die man damals nicht besitzen dürfte, bezahlte. Der öffentliche Ankaufskurs war sehr niedrig und alles wurde sehr oft von der

Mein Vater Kazimierz Front, der zuerst in der Militäreinheit der Polnischen Armee und später als Fischer gearbeitet hatte, fertigte ab der Hälfte der 70er Jahre zusammen mit meiner Mutter Bernsteinschmuck an, den er später verkaufte. Damit beschäftigte er sich bis Einführung des Kriegszustands. Danach hat das polnische Recht die Führung eines Privatunternehmens so erschwert, dass solcher Verkauf zu riskant und unrentabel war.

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Dariusz Front in den 70er Jahren mit der hafenmolle im hintergrund, foto: Dariusz Front


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Der Schmuck wurde entweder auf der Hafenmole oder auf der Promenade in Kolberg verkauft. Wie man auf dem Foto sehen kann, war der Schmuck auf einer Decke befestigt. Im Hintergrund sieht man die ganze Hafenmole geschmückt mit Fahnen – das war typisch für diese Zeiten. Als der Streifenwagen der Bürgermiliz eingefahren kam, packte man die Decke mit dem Schmuck und mischte sich unter die Touristen. Damals dürfte man gar nichts. Meine Eltern hörten damit auf, als der Kriegszustand eingeführt wurde. 1989 fangen in Polen an, die Gesetze der Marktwirtschaft zu gelten. Man konnte ohne Einschränkungen sein eigenes, privates Unternehmen führen. Es war die Zeit der Veränderungen und gleichzeitig des Arbeitslosigkeitsanstiegs. Als ich 1990 meine die Hafenolle in kolberg heute Ausbildung beendet hatte, standen mir zwei Wege bevor. Entweder Arbeitslosengeld oder etwas zu unternehmen. Mein Großvater hat mir den Bernstein geraten und so habe ich es auch gemacht. Während des ersten Monats habe ich den selbst gemachten Schmuck auf dem Strand verkauft. Nach dieser Zeit konnte ich mir schon einen touristischen Tisch leisten und nach drei Jahren einen gebrauchten polnischen Polonez kaufen, mit welchen ich jeden Tag an den Strand fuhr. Damals hatte ich schon ein Zelt, großen Verkaufstisch und zwei Schaukasten. Mit der Zeit stellte es sich heraus, dass man sich weiterentwickeln muss, wenn man im Geschäft bleiben will. Mit der Eröffnung des Internetshops habe ich ins Schwarze getroffen. Dabei half mir meine Leidenschaft für Mathe und Informatik – so konnte ich viel alleine machen und somit viel Geld sparen.

Drei Perioden in der Bernsteinbranche Aus der Geschichte geht hervor, dass wir eigentlich drei Perioden in der Bernsteinbranche beobachten können, die aber mit der allgemeinen Entwicklung auf dem polnischen Markt übereinstimmen. Die Jahre 1950-1981 standen unter dem Zeichen der Heimarbeit und Zusatzbeschäftigung. Jeder, der nicht in einem Staatsunternehmen gearbeitet hatte, war auf der schwarzen Liste der Bürgermiliz. Private Initiativen waren nur ungern gesehen. Der herrschende Produkt-

mangel führte dazu bei, dass wir von einem Produzentenmarkt sprechen können. Beliebige Menge von Bernsteinschmuck wurde gleich am selben Tag verkauft. Die Zeitspanne von 1981 bis 1989 mit ihrem Kriegszustand und Systemveränderung unterschied sich nur damit, dass Privatunternehmen noch negativer angesehen worden sind. Ab 1989 beginnt die Umwandlung des Markts von produzent- zur kundenorientiert. Eine Person, die früher alles von A bis Z allein gemacht hat, kommt heute nicht mehr zurecht. Die Arbeiter fangen an, sich in bestimmten Bereichen zu spezialisieren. Eine Person, die gut bohrt, muss nicht mehr die Bernsteine auffädeln. Wenn sie alles alleine machen müsste, würde es nicht nur die Leistung verschlechtern, sondern auch den Preis steigen. So sind die Margen kleiner und der Umsatz größer. Allgemein gilt aber: Der Kunde muss zufrieden sein, denn die beste Werbung macht eben der Kunde, wenn er uns weiterempfehlt.

Was der Bernstein so drauf hat? Man kann eindeutig sagen, dass an den Bernstein am meisten Menschen über 40 Gefallen finden. Wir geben uns aber Mühe, um auch jüngere Personen mit unseren Produkten anzusprechen. Dazu verbinden wir den Bernstein nicht nur mit Silber und Gold, aber auch mit


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bestimmt warten noch viele Lagerstätte darauf, entdeckt zu werden. Die Bearbeitung von Bernstein verlangt keine speziellen Fähigkeiten – es reicht ein manuelles und kreatives Gespür, das ich selbst nicht habe… Die Arbeit mit dem Bernstein ist viel einfacher als mit anderen Edelsteinen, was mit seiner Härte verbunden ist. Der Bernstein ist ziemlich weich – erreicht die zweite Stufe auf der Mohs-Skala. Bei dem gestreiften Feuerstein zum Beispiel handelt es sich um 6-7 Mohshärte, sogar die Koralle ist doppelt so hart. Dies führt dazu, dass der Bernstein sehr leicht zum schliffen und polieren ist, was zugleich seine Achillesferse bildet. Bernstein kann sehr schnell zerkratzt werden, er verliert auch seinen Glanz. Es hilft, den Schmuck sanft zu polieren. Außerdem muss man aufpassen, denn dieser Rohstoff ist sehr brüchig – ein Sturz kann mit einem Riss enden und damit kann man nichts mehr tun.

Der “Unsere”

Foto: Dariusz Front

Edelstahl, Kautschuk oder speziellen Draht. Im unseren Angebot ist auch mit Bernstein geschmücktes Geschirr zu finden, dass man im alltäglichen Leben nutzen kann, aber nicht in die Spülmaschine waschen darf. Wir haben auch Kunden, die seit 20 Jahren bei uns Bernsteine kaufen, aus denen sie den Bernsteinlikör vorbereiten. Die in den Ostseebernstein enthaltene Bernsteinsäure hat viele Heileigenschaften und wirkt sich positiv auf den menschlichen Organismus aus.

Für Schmuck und andere Gegenstände wird in 99% der Ostseebernstein verwendet, der aus Masuren, der Region um Danzig herum und Oblast Kaliningrad kommt. Sehr selten greift man nach dem blauen Bernstein aus Südamerika, der sehr teuer ist. Diese Bernsteinart hat im Unterschied zu unserem Bernstein keine Heileigenschaften und sein Preis richtet sich nach dem Smith-Prinzip also Angebot-Nachfrage. Es kommt vor, dass Schmuck auf Bestellung aus Bernstein aus anderen Kontinenten angefertigt wird. Wir verwenden nur unseren Bernstein.

von emanuela janda

Es ist schwer zu sagen, wie sich der Verkauf von Bernstein in Polen im Laufe der Jahre verändert hat, denn es war zu sehr von dem jeweiligen politischen System abhängig und nicht durch Trends und Mode bedingt.

Ein Herz aus Bernstein Ich liebe meine Arbeit – besonders wenn ich mit neuen interessanten Steinen arbeiten darf. Ich bin ständig auf der Suche nach Informationen über den Bernstein. Wir wissen noch so wenig über diesen Rohstoff,

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juweliergeschäft "front"

ul. Towarowa 15B/D 78-100 Kołobrzeg


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Bernstein – denn Diamanten sind langweilig! Man fährt an die Ostsee und verliebt sich in den einzigartigen Stein – den Bernstein. Es kann passieren. Bei solcher Form- und Farbenvielfalt fällt es schwer, sich nicht verführen zu lassen… Alle frisch Verliebte und diejenigen, die sich noch mehr verlieben wollen oder einfach einen interessanten Platz während des Stadtbummels suchen, lohnt es sich das Bernsteinmuseum in der Danziger Altstadt zu besuchen. Den genauen Grund dafür und vieles mehr verrät Andrzej Gierszewski.

Foto: Darius Kula, Materialien des Bernsteinmuseums in Danzig


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Emanuela Janda, PolenJournal.de: Das Bernsteinmusem in Danzig ist relativ jung. Gibt es einen bestimmten Grund dafür, wieso es entstanden ist? Dr. Andrzej Gierszewski, Pressesprecher des Bernsteinmuseums: Danzig gehört zu den Städten Europas, die für die Produktion und Verarbeitung des Bernsteins bekannt sind. Hier wurde der beste Bernstein abgebaut - der sogenannte “Gutstein”, worüber die enormen Preise, die den Fischern ausgezahlt wurden, zeugen. Man muss aber erwähnen, dass der größte Anteil des Bernsteins sich in Jantarnyj befindet, den ehemaligen Palmnicken in der Oblast Kaliningrad. Hier, in den Danziger Werkstätten wurden in der Neuzeit die größten Schätze geschaffen. Selbst das berühmte Bernsteinzimmer wurde bei dem Danziger Meister Andreas Schlüter im Auftrag gegeben und von den regionalen Bernsteinschneidern Ernest Schacht und Gottfried Turawa ausgeführt. Im 20. Jahrhundert, nach dem Zweiten Weltkrieg, begann in Danzig die neue Geschichte des Bernsteins und des modernen Designs. Sowohl die Amberif-Messe, wie auch der alljähriger Wettbewerb Mercurius Gedanensis, haben den zweiten Aspekt hervorgehoben. Diese Geschichten und die mit ihnen verbundenen Gegenstände mussten ihren Platz in dem modernen Danzig finden – in einem Museum eben.

Der Museumssitz hat eine interessante Geschichte. Das Verteidigungswerk der Langstraße – der Stockturm mit dem Peinkammertor - entstand noch im Mittelalter und funktionierte als ein Gefängnis bis ins späte 19. Jahrhundert. Wieso hat man eben dieses Gebäude für den Bernstein vorgesehen? Korrespondiert seine Geschichte mit der Geschichte dieses Rohstoffes? Es fällt schwer mir, einem 35-Jährigen, zu sagen, wieso der Stockturm für die Beherbergung des Bernsteins ausgewählt wurde. Als dieser besondere Platz entstand, war ich noch ein Kind. Eins der Gründe musste wohl der Adaptationsgedanke von historischen Gebäuden sein. Noch bevor 2006 das Bernsteinmuseum entstand, wurden archäologische Untersuchungen des Hofes durchgeführt und das schöne und interessante Gebäude aufs Neue bewirtschaftet. Sein größter Vorteil bildet die Lage – es liegt in der Nähe des Königlichen Wegs (poln. Trakt Królewski), einer Route, die am häufigsten von den Touristen besucht wird. Zurzeit beabsichtigt das Danziger Museum (poln. Muzeum Gdanska) das Bernsteinmuseum – was eine von seinen Filialen bildet - in die Große Windmühle (poln. Wielki Młyn) zu versetzen. Dies würde mehr Ausstellungsraum bedeuten und bessere Zugänglichkeit für Personen mit Behinderungen. Die Besucherzahl wird sehr wahrscheinlich wachsen!

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Was wartet auf die Gäste hinter diesen historischen Mauern? Die wohl vollständigste physische Bekundung der Geschichte des Bernsteins angefangen von den prähistorischen Epochen bis zur Gegenwart. Die Geschichte dieses Gebäudes und das Foto: Darius Kula, Materialien des Bernsteinmuseums in Danzig Gänsehautgefühl, dass die ehemaligen Gefängniszellen verursachen, bilden nur eine interessante Ergänzung.

Was weckt das größte Interesse in den Besuchern? Es ist schwer, nur auf einen Gegenstand hinzuweisen. Es kann der Einschluss der Gierłowska-Eidechse, sowohl wie die Bernsteingitarre sein. Es hängt von unseren Interessen ab. Man kann den Bernstein die beliebige Form und Funktion geben.


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Foto: Darius Kula, Materialien des Bernsteinmuseums in Danzig Foto: Darius Kula, Materialien des Bernsteinmuseums in Danzig

Im Museum werden Zeit- und Dauerausstellungen veranstaltet. Wird etwas Besonderes für die Sommerferien vorbereitet?

Foto: Darius Kula, Materialien des Bernsteinmuseums in Danzig

Im Sommer werden drei Bernsteinausstellungen offen sein. Im Bernsteinmuseum wird man zwei von ihnen sehen können – Bernstein in Art Deco und 25 Jahre der Amberif-Messe. Die erste von ihnen zeigt die Geschichte des Bernsteins in der Zwischenkriegszeit

und ist der Zeit gewidmet, in welcher den Gegenständen aus Bernstein eine feste, reproduzierbare Form verleiht wurde. Darunter wird ein gutes Design für die Massenproduktion verstanden, der einen der Leitgedanken des Art Decos bildete. Die Ausstellung zeigt auch zwei im Kontrast zueinanderstehende Welten, die sich gleichzeitig ergänzen. Einerseits sind es interessante Gegenstände, die für enorme Preise verkauft


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worden sind, andererseits ist es die Welt der Menschen, Juweliere, die den Schmuck angefertigt haben. Ihre harte Arbeit zeigt ein Vorkriegsfilm aus der Grube in Palmnicken. Die Ausstellung zum 25. Jubiläum der Amberif-Messe erzählt hingegen die Geschichte des Designs und der Entwicklung der Bernsteinschneiderei, die vor allem dem Schmuck immer interessanteste Formen gibt. Dazu wird eine weitere Ausstellung in der Galerie des Hauptrathauses der Stadt (poln. Galeria Polowa Ratusza Głównego Miasta) unter dem Titel „Der Bernstein. Tradition und Innovation 2.0“ eröffnet. Sie erzählt eine ausgebaute Geschichte des neuesten Designs, illustriert durch die wunderschönen Bernsteingegenstände. Alle drei Ausstellungen werden im Sommer 2018 für die Besucher zugänglich sein.

Wer besucht das Museum am meisten? Das Museum erfreut sich großer Beliebtheit vor allem bei den Polen – sie bilden 70% aller Besucher. Auf der zweiten Stelle platzieren sich die Deutschen. Zahlreiche Besuchergruppen bilden auch die Skandinavier und Chinesen. Unsere Bernsteine werden jährlich von rund 100 Tausend Besuchern aus aller Welt bewundert.

Öfen geheizt, denn es ist eine sehr kalorienreiche Substanz, die das Feuer entfacht.

Hört man „Südsee“, denkt man gleich an den Bernstein. Wie wichtig ist dieser Rohstoff für Polen? Es ist eine sehr gute und erkennbare Werbemarke für das Land und auch ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes.

In welchem Zeitalter erfreute sich der Bernstein größtes Interesse? Ich frage mich auch, ob sich seine Anwendung im Laufe der Zeit verändert hat. Es gab Momente in der Geschichte, wo der Bernstein vergessen wurde und seinen Wert verlor. Dies passier-

Foto: Darius Kula, Materialien des Bernstein

Sprechen wir kurz über die Geschichte des Bernsteins. Welchen Blickwinkel meinen Sie aber? Scherz! Das zeigt aber, dass man die Geschichte des Bernsteins nicht nur aus einer Perspektive betrachten kann. Es ist schwer, sich einen Überblick zu verschaffen, denn die Bernsteingeschichte setzt sich aus mehreren unterschiedlichen Geschichten zusammen, was davon zeugt, dass sie von vielen Menschen geschrieben wurde. Es gibt nicht eine komplette Bernsteingeschichte, deshalb lohnt es sich hier bei uns vorbeizuschauen – um dies zu verstehen.

Es gibt so viele Bernsteinarten. Finden sie, dass die Bezeichnung „Gold der Ostsee“ berechtigt ist, oder ist es schon übertrieben? Es ist bestimmt nicht übertrieben, den Bernstein heutzutage als Gold zu nennen. Manche gegenwärtige Gegenstände, die z.B. aus dem weißen Bernstein angefertigt worden sind, können teurerer als Gold werden, wenn man die Preise pro Gramm des Rohstoffs umrechnet. Die Bezeichnung „Gold der Ostsee“ weist darauf hin, dass es sich um eine Luxusware handelt, die den Reichtum der südlichen Ostseeregion bildet. Die Sprachwissenschaftler verbinden die ältesten Bezeichnungen für den Bernstein mit „Stein, der brennt“. Diese Eigenschaft des Bernsteins wurde sehr wahrscheinlich am frühesten entdeckt. Indem der Bernsteinstaub mit Feuer in Berührung kommt, entstehen Explosionen, die visuell sehr interessant sind. Es wurde auch mit dem Bernstein in den

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te z.B. im 19. Jh. und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem Bernstein passiert dasselbe, wie mit allen anderen „Produkten“ auch – ab und zu vergisst man sie. Was aber interessant ist, ist das wachsende Interesse junger Menschen an den Bernstein. Sie werden vom modernen Design angezogen und auf einmal


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muzeum bursztynu

Targ Węglowy 26 22-100 Gdańsk

nmuseums in Danzig

Foto: Darius Kula, Materialien des Bernsteinmuseums in Danzig

Foto: Darius Kula, Materialien des Bernsteinmuseums in Danzig

gilt der Bernstein nicht mehr, wie es in den 90er üblich war, als typischer Bestandteil des Schmuckkästchens unserer Omas.

Woher kommt der polnische Bernstein? Der Bernstein wird heutzutage von polnischen Unternehmen abgebaut, die sich in diesem Bereich spezialisieren. Es herrscht hier dieselbe Regel, wie noch im Mittelalter – der Staat ist der Besitzer und erteilt die Lizenz. Der Bernstein wird in Danzig oder Frischer Nehrung abgebaut. Bedeutende Lagerstätte bildet

auch die Region um Lublin, aber dort wird der Bernstein noch nicht abgebaut.

Bernstein oder Diamanten? Bernstein. Diamanten sind einfach langweilig! Wir finden unter ihnen nicht solche Form- und Farbenvielfalt – von Weiß bis hin zur durchsichtigen „Zitrone“ – und auch nicht Lebenszeugnisse aus vor über 40 Mio. Jahren, die in dem Harz für ewig gefangen sind – Insekten, Pflanzen aber auch Wassertropfen. Ich denke, dass unsere Ausstellung die Leser davon sehr gut überzeugen kann!


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Gold der Ostsee Der Bernstein ist seit langer Zeit ein Stein, der von vielen begehrt wird. Von der Steinzeit bis heute - er fasziniert mit seiner goldigen Farbe und weckt in den Besuchern der polnischen Ostseeküste die Suchlust. Vielleicht werden es viele nicht zugeben, dass sie unter die Füße beim Spaziergang am Strand schauen, ob da vielleicht doch nicht im Sand das Gold der Ostsee schimmert...

Bernstein und seine Farbenvielfalt Der Bernstein wird oft als Gold der Ostsee bezeichnet, wozu bestimmt auch seine Farbe beigetragen hat. Der Schmuckstein kann entweder klar oder undurchsichtig sein und eigentlich auch in anderen Farben vorkommen. Neben den gelben und orangenen Farbtönen, können die Bernsteine grün oder blau sein. Der polnische Bernstein erinnert aber wirklich an Gold - schimmert gelb, orange oder braun.

Wo kann man den Bernstein finden? Der populäre Bernstein entstand aus fossilem Harz, der Tausende Jahre alt ist und deshalb manchmal Spuren des damaligen Lebens verbirgt. Der polnische Bernstein kommt in tertiären und quartären Sedimenten vor, die sogar bis zu 130 m tief liegen können. Außer der polnischen Ostseeküste befinden sich die Lagerstätte des Steins in Polen auch in der Woiwodschaft Pommern und Lublin. Wann und wo sollte man eigentlich nach den Bernstein suchen? Während schönen sonnigen Tagen, in denen das Meer still ist, liegt die Chance etwas zu finden gegen Null. Spannend wird es erst nach einem Sturm und am besten sollte man sich an eine Steilküste begeben. Allgemein gilt - je mehr nach Osten, desto größer stehen die Chancen, den Bernstein zu finden. Am wahrscheinlichsten ist es in der Gegend zwischen Jaroslawiec und Ustka, und zwischen Łeba und der Insel Hel.

Der brennende Stein Der Name “Bernstein” - auf Polnisch “Bursztyn”, “Jantar” oder “Amber” - hat einen langen Weg hinter sich. Sprachwissenschaftler sind nicht in der Lage, die Herkunft von der Bezeichnung “Bursztyn” klar zu präzisieren. In der antiken Sprache Ägyptens hieß der Stein “Sakal”, was an das litauische Wort “Sakas” zurückzuführen ist, wobei “Sakai” “Harz” bedeutet. Das deutsche Wort “Bernstein” kommt aus “brennen” und “Stein” zusammen. Diese Bezeichnung wurde sehr wahrscheinlich von den Polen und Ungarn übernommen. Die englische Bezeichnung “Amber” stammt aus den arabischen Wort “Anbar”. Ähnlich klingt der Name des Steins in französischer, spanischer und italienischer Sprache. Die wissenschaftliche Bezeichnung lautet hingegen “Succinit”, verwendet werden auch andere: “Electrum” oder “ēlektron”. Die zuletzt erwähnte kommt aus dem Altgriechischen Wort für “Bernstein”, was “Hellgold” bedeutet. Die Römer hingegen nannten den Stein “succinum”, was auf das Wort “succus” zurückzuführen ist - also Flüssigkeit, Saft.

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Bernsteinberg Das archäologische Schutzgebiet Bursztynowa Góra, der ehemalige Bernsteinberg, liegt in der Nähe des Dorfes Bąkowo in der Woiwodschaft Pommern und umfasst ein Gebiet in Größe von 5 ha der ehemaligen Bernsteingrube. Der Schmuckstein wurde hier sehr wahrscheinlich ab den 18. Jahrhundert abgebaut, obwohl einige der Meinung sind, dass die ersten Arbeiten schon im 10. Jahrhundert stattgefunden haben. Der größte Krater ist 15 meter tief und 40 meter breit. Das Schutzgebiet wurde erst 1954 vom Forstministerium gebildet. Es lohnt sich die Gegend zu Fuß zu erkundigen - ein Wanderweg führt durch den durch Wald bewachsenen Berg. Für Fahrradfans ist auch etwas dabei - ein Fahrradweg verbindet Kiełpino Górne mit Czapielsko und führt durch Otomin und Łapino.

Die Bernsteinstraße Die Bernsteinstraße ist ein Handelsweg zwischen den um den Mittelmeer gelegenen Ländern und diesen an der südlichen Ostseeküste. Mit dem Bernstein hat man seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. gehandelt. Die Kaufleute mussten aber nicht bis an die Ostsee gelangen, um den Stein zu kaufen. Keltische Händler machten es schon in der Hälfte der Route möglich. Seine Blütezeit genoß der Bernsteinhandel im 5. Jahrhundert.

Die Bernsteinkammer Das wohl bekannteste Kunstwerk aus Bernstein ist die Bernsteinkammer, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts von den Danziger Meistern im Auftrag von Friedrich I. angefertigt worden sei. Der Schatz war für Charlottenburg gedacht. 1716 schenkte sie Friedrich Wilhelm den russischen Kaiser Peter I. als Beweis seiner Freundschaft. Die Kammer gelangte somit in das Schloss in Puschkin, gelegen in der Nähe von Sankt Petersburg. 1941 wurde der Schatz von den Deutschen gestohlen und gilt bis heute als verschollen. In Puschkin befindet sich eine Kopie der Kammer, die 2003 rekonstruiert wurde. Die Arbeiten begannen schon 1979 und wurden nur dank Photos und anderen Dokumente möglich.

Bernstein in Zahlen Aus den Daten des Geologischen Staatsinstituts (PIG) geht hervor, dass Ende 2016 die geologischen Bestände im Vergleich zum Vorjahr um 1,9% d.h. 21,16 t vergrößert und 1 160,11 tt betragen haben. Konzession für den Abbau hatte nur die Lagerstätte Przeróbka-SL, aber in 2017 wurde dort kein Bernstein gewonnen. Aus dem Informationen von PIG-PIB geht hervor, dass im Rahmen der geplanten geologischen Arbeiten 1 019,86 kg des Bernsteins nur in Woiwodschaft Pommern abgebaut worden sind. In der Woiwodschaft Pommern sind 20 neue geologische Projekte genehmigt worden, in der Woiwodschaft Westpommern fünf und in der Woiwodschaft Lublin - acht. Auf den Stränden erreichten die Bernsteinfunde 5-6 t. Das Departement für Zoll-, Steuer- und Spielkontrolle des Finanzministeriums informiert hingegen, dass 2017 das Zollamt insgesamt 6 245,865 kg Bernstein auf den Grenzen übernommen hatte. 689,139 kg des Bernsteins wurden 2017 von der Zollkammer versteigert.

von emanuela janda


72  #Stories

Frankfurt an der Oder und Slubice - einst eine Stadt Nach dem Krieg durch die Grenze zweigeteilt, ging jede ihre eigene Wege. Heute durch Brücken verbunden, schauen sie gemeinsam in die Zukunft. In den durch den Krieg zerstörten Städten sind einige Sehenswürdigkeiten erhalten geblieben, mit der Zeit kamen neue hinzu. Die meisten befinden sich in Frankfurt westlich der Oder, nur wenige in Slubice, die früher Dammvorstadt hießen und ein Stadtteil Frankfurts gewesen sind. In Slubice sollte man vor allen das Stadion sehen. Der Sportkomplex ist einer der ältesten Objekte in Mitteleuropa, die ohne Unterbrechung im Betrieb sind. Erbaut wurde er zwischen 1914 und 1927 nach dem Projekt von Otto Morgenschweis. Als Vorbild für den Sporttempel dienten das ein Jahr zuvor erbaute Deutsche Stadion in Berlin und das heute nicht mehr existierende Amphitheater in Aachen. Fußballspiele, Regatten, Feuerwerke. Auch Schwimmer kamen in den zwei bis heute funktionierenden Becken auf ihre kosten. Es wurden auch entsprechende Anlagen für Leichtathletik gebaut. Nach dem Krieg wurde auf dem Stadion weiter Sport betrieben und im Jahr

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Foto: Willi Wallroth [CC0], from Wikimedia Commons

2003 und 2009 hat man das Objekt gründlich renoviert. Interessant zu Sehen ist die Art Deco Fassade des ehemaligen “Kino Piast” und das Wikipedia Denkmal. Die drei Meter hohe Skulptur zeigt vier Personen, die auf einen Papierhaufen stehen und das Logo der Wikipedia hochhalten. Der Papierhaufen soll an Johannes Gutenberg erinnern. Frankfurt an der Oder ist nach dem Krieg und der Wende mit jedem Jahr schöner geworden. In der Stadt, die sich als “Kleist Stadt Frankfurt” rühmt, gibt es viele Attraktionen, sowohl für Fans norddeutscher Backsteingotik, Literaturliebhaber, Kunstbegeisterte und Naturfreunde. Für das mittelalterliche Flair der Hansestadt sorgen u. a. die Marienkirche, das Rathaus und die St. Gertraud-Kirche. Die Marienkirche im 13 Jh. erbaut, überdauerte den Krieg zwar schwer beschädigt, wurde


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aber in den 50er gesichert, und seit Ende der 70er saniert. Die Kirche besitzt 3 Chorfenster, mit 117 Bildern, die Geschichten aus der Bibel erzählen und mit einem prachtvollen Farbenspiel überraschen. In dem Gotteshaus finden Konzerte und Ausstellungen und ein wunderschöner Weihnachtsmarkt statt. Die St. Gertraud-Kirche wurde zwar erst im 19. Jh. erbaut, doch ihr neogotischer Backsteinbau lässt die Herzen der Mittelalterfans höher schlagen. Bewundernswerte Bilder, ein hervorragend erhaltener Schnitzaltar und die 1879 eingebaute Sauerorgel mit drei Manualen und 36 Register, ganz zu schweigen von der Außenansicht der Kirche, die sich prächtig den Besuchern präsentiert. Das frankfurter Rathaus, das nicht weit von der Oder entfernt liegt, ist ebenfalls ein schönes Beispiel für Backsteingotik. In dem Rathaus befinden sich neben der Stadtverwaltung auch eine Galerie Junge Kunst und eine Gaststätte.

Die Stadt besitzt nicht nur wunderschöne Altbauten. Kultur wird hier großgeschrieben; ein vielfältiges kulturelles Angebot u.a. drei Museen, drei Theater, zahlreiche öffentliche und private Einrichtungen und eine Konzerthalle. Regelmäßig finden Ausstellungen und Events statt. Literaturliebhaber, vor allen KleistFans könne dank der Kleist-Route interessante, mit dem Dramatiker verbundene Orte besuchen und Neues über ihn erfahren. Wer etwas Ruhe braucht oder ganz einfach gerne seine Zeit im Grünen verbringt, auf den warten u.a. der Kleistpark, Lienaupark und das Naturparadies Ziegenwerder. Auch der botanische Garten und der etwas abseits liegende märkische Naturgarten sind sehenswert.

von Ramona Nocoń


74  #Stories

Ist das schon

Einkaufstourismus? von piotr piela und paulina Kuc

Deutsche oder Personen aus dem deutschsprachigen Raum besuchen immer öfter Polen. Die Gründe für diese Besuche sind verschieden. In den meisten Fällen handelt es sich um Urlaub, aber auch um Einkäufe zu machen. Ist das schon Einkaufstourismus? Warum Reisen manche Leute über 200 Kilometer, um in Polen zu shoppen? Wie wichtig sind dabei die Preise und die Qualität der Waren in den Geschäften und Einkaufszentren? Die Antworten auf diese Fragen haben Paulina Kuc und Piotr Piela gefunden.

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Warum kaufen Ausländer gerne in polnischen Geschäften und Eikaufszentren ein? “In Polen ist alles günstiger” - dieser Mythos gehört schon seit längerer Zeit der Vergangenheit an. Preisunterschiede sind auf jedem Fall zu finden, doch vieles hängt davon ab, was man kauft und wo. Alles andere als unwichtig ist auch die Häufigkeit, mit der man shoppt und dementsprechend der Überblick in den Preisen im Inland sowie Ausland. “Bei Lebensmitteln, Gütern des täglichen Verbrauchs, Essengehen, Hotels ca. die Hälfte dessen, was man in Deutschland zahlen würde. Fahrkarten für die Bahn unschlagbar preiswert. Markenartikel, die aus dem Ausland importiert werden, wie beispielsweise Schuhe, Brillengestelle, Kleidung kosten etwa dasselbe wie in

Beliebte Waren und Produkte Deutschland, d.h. für Polen dann recht teuer.” - bemerkt Hannah Plagge. “Die Preise zwischen Polen und Deutschland sind gleich, bis auf wenige Ausnahmen” - sagte Wolfgang Niepel. Dies bestätigt auch Eva Smyczkowski, die die Preise als vergleichbar bezeichnete. “Die Preise sind viel günstiger als in Deutschland. Aber in Polen verdient man viel weniger als hier” - bemerkt Georg Luszczewski. Seine Meinung bestätigten auch im Gespräch mit PolenJournal.de, die Vertreter von Einkaufszentren. “Der Preis und die Verfügbarkeit sind die größten Vorteile” - sagte Łukasz Tomczak, der geschäftsführende Direktor des Danziger Einkaufszentrum Manhattan. Laut Maciej Tatała, dem Direktor von NoVa Park in Landsberg an der Warthe spielt neben den konkurrenzfähigen Preisen auch die Qualität, die man als vergleichbar einstufen kann, eine fundamentale Rolle.

Anhang der Umfrage, die unter Personen durchgeführt wurde, die in Polen einkaufen, kann man nicht eindeutig sagen, welche Produkte äußert beliebt sind. Die Befragten nannten an erster Stelle Mode und Kleidung. “Mode, weil in Polen andere, schönere Kleidung im Angebot stehen” - glaubt David Lis. “Klamotten kaufe ich fast nur in Polen, weil die Deutschen keinen Geschmack haben” - erklärte Till Scholtz-Knobloch. Diese Aussagen bestätigt auch Łukasz Tomczak: “Es überwiegt Mode. Vor allem die deutschsprachigen Kunden wissen eher unbekannte, lokale Firmen, die Sonderkleidung herstellen (z.B. polnische Produkte, Pelze usw.) zu schätzen. Sehr beliebt ist auch die Drogeriebranche, vor allem in diesen Punkten, wo man auch zusätzliche Leistungen in Anspruch nehmen, kann z.B. Schönheitssalons” - erklärte der geschäftsführende Direktor des Danziger


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Einkaufszentrum Manhattan. Im Landsberger NoVaPark überwiegen vor allem Schmuck, Elektro- und Haushaltsgeräte, Computer oder Handys. “Deutsche preisen auch polnische Lebensmittel” - so Maciej Tatała. Woher solch gravierende Unterschiede? Die Lokalisierung der Geschäfte könnte der Grund sein. Danzig liegt weiter von der deutsch-polnischen Grenze entfernt als Landsberg an der Warthe. Dementsprechend kann der Transport von größeren und teuren Waren als weniger problematisch gesehen werden, wenn man nicht weit von der Grenze einkauft.

Einkaufstourismus? Einkaufstourismus ist keinesfalls ein unbekanntes Phänomen im deutschsprachigen Raum. Hier kann man z.B. auf die Schweizer verweisen, die vielmehr als die Deutschen verdienen. Gleichzeitig sind aber die Lebensunterhaltungskosten viel höher im Alpenland als in der Bundesrepublik. So darf man sich auch nicht wundern, dass in den Grenzregionen viele Schweizer ins Auto steigen, um nach Deutschland zu fahren, um dort einzukaufen und wieder zurückzukehren. “Die Woiwodschaft Lebus und vor allem die grenznahen Städte sind auf Einkaufstouristen aus Deutschland eingestellt. Ein gutes Beispiel sind hier Słubice, wo viele Unternehmen sich nach deutschen Touristen richten.” - erklärte Tomasz Molski, aus der Westlichen Industrie- und Handelskammer (ZIPH). Was ist damit gemeint? “Anzeigen und Werbungen in deutscher Sprache, sowie das Angebot, das an die Nachfrage der deutschen Kunden gebunden ist” - fügte Molski hinzu. Auch in anderen Städten, die im deutsch-polnischen Grenzraum gelegen sind, dürfte es ähnlich sein. Interessant - im Danziger Einkaufszentrum Manhattan, kann man von Einkaufstourismus sprechen, aber nicht mit Blick auf Deutsche. “Ich persönlich würde diesen Ausdruck nicht mit Verweis auf unsere deutschen Besucher verwenden. Ganz anders ist es

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aber mit Russen, die des Öfteren die Dreistadt besuchen nur, um einzukaufen. Der deutsche Kunde scheint das Handels-Leistungs-Unterhaltungs-Angebot bei Gelegenheit zu nutzen, während andere Bedürfnisse, vor allem touristische realisiert werden. Der russische Kunde kann wiederum nur herkommen, um zu shoppen, was auch die Tax-free-Zone begünstigt” - erklärt Łukasz Tomczak. Was folgt daraus? Je näher zur Grenze, desto öfter ist Einkaufen der Hauptgrund für den Besuch in Polen. “Gerade in grenznahen Gebieten, fahren sehr viele deutsche nach Polen zum Einkaufen. Aus Gesprächen weiß ich, dass diese Menschen wöchentlich fahren” erklärt Conny Renner, die selber alle zwei Wochen eine Strecke mit 250 Kilometer fährt. In Städten, die Besucher durch ihr breites touristisches Angebot locken, wird vor allem bei Gelegenheit eingekauft. „Ich fahre nicht nach Polen, um einzukaufen. Aber wenn ich in Polen bin, kaufe ich natürlich auch da ein” – sagte Hannah Plagge.

Handelsverbot am Sonntag Mit Blick auf eine potenzielle Shoppingtour nach Polen ist das seit März geltende Handelsverbot am Sonntag enorm wichtig. Laut dem neuen Gesetz darf man 2018 nur an zwei Sonntagen im Monat einkaufen, was sich als problematisch für viele Ausländer erwies, die an der Weichsel einkaufen. “Eine Meldung, die sehr breit in den polnischen Medien diskutiert wurde, gelangte nicht unbedingt an die ausländischen Kunden und Touristen. Erste Erfahrungen deuten darauf, dass die Kunden nicht wissen, wann ein verkaufsoffener und wann ein verkaufsfreier Sonntag ist. So sind sie auch nicht in der Lage sich an das Handelskalender anzupassen und kommen oft zufällig ins Einkaufszentrum” - erklärt der geschäftsführende Direktor des Danziger Einkaufszentrum Manhattan. Diese These bestätigt auch Till Scholtz-Knobloch, der

das Handelsverbot am Sonntag als “lästig” bezeichnet, denn es ist unmöglich sich verkaufsoffene Sonntage zu merken. Insofern ist das neue Gesetz problematisch nicht nur für Urlauber aber auch Einkaufstouristen. “Deutsche Kunden kauften und kaufen bei uns ein auch am Sonntag, denn in Deutschland sind an diesem Tag alle Geschäfte geschlossen. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes bekommen wir immer mehr Anfragen, ob das Einkaufszentrum am jeweiligen Sonntag offen ist. Die neue Gesetzgebung könnte also dazu führen, dass weniger Leute aus Deutschland nach Landsberg kommen, um einzukaufen” - meint Maciej Tatała, der Direktor von NoVa Park. Unter den Befragten von PolenJournal.de mangelte es aber nicht an Verständnis für das neue Gesetz. “Für mich als Urlauber ist es nicht gut, aber die Leute sollen ihren freien Sonntag haben” - sagte Georg Luszczewski. “Ich finde es in Ordnung. War auch sehr erstaunt, dass, als ich das erste Mal in Polen war, die meisten Geschäfte auch am Sonntag auf hatten“ - fügt Hannah Plagge hinzu. *** Im Endeffekt, ob man über Einkaufstourismus im Fall einer Stadt oder Region sprechen kann, entscheidet gleich eine ganze Reihe von Faktoren. Zu den wichtigsten zählen die Lokalisierung und das touristische Angebot. Je näher zur Grenze - desto mehr kommen, um einzukaufen. Je größer die Entfernung, je mehr Sehenswürdigkeiten und Attraktionen, desto öfter wird nur nebenbei geshoppt. Dann kommt auch eine größere Rolle dem Leistungs- und Gastronomieangebot zu. Welchen Einfluss wird die neue Gesetzgebung auf dem Handel und Einkaufstourismus haben? Noch ist es zu früh, um diese Frage klar zu beantworten. Fest steht jedoch, dass im Bereich der Information über die verkaufsoffenen Sonntage wissen Touristen, aber auch oft Polen, weiterhin zu wenig.


78  #Stories

Das Bartsch Tal

ein Naturwunder von menschenhand geschaffen Traumhafte Sonnenuntergänge, tausende Vögel und der größte Teichkomplex Europas. Eine noch wenig bekannte Region mit interessanten Geschichten, die das Herz jeden Naturliebhabers höher schlagen lässt. von Ramona Nocoń

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as Bartsch Tal (pol. Dolina Baryczy) ist einer der schönsten Einzugsgebieten Polens. 50 km nördlich von Breslau, fängt eine ganz andere Welt an. Seit dem 13. Jh. sind an den Fluss Bartsch, zwischen den Wäldern und Wiesen große Fischteiche entstanden. Wenn man sich die prächtigen Teiche ansieht, voller Vögel und Fische ist es kaum zu glauben, dass sie von Menschenhand geschaffen wurden. Die Geschichte der Teiche ist mit dem gewinn von Raseneisenstein verbunden. Nach dem die Einheimischen den Raseneisenstein abgebaut haben, sind in der Erde ca. 2-3 Meter tiefe Becken entstanden. Die einfallsreichen Zisterzienser haben das Tal mit Deichen durchgeschnitten und den ruhig fließenden Fluss so gelenkt, dass sich die so entstandene Becken füllten. Da im Mittelalter viel gefastet wurde, sind Fische sehr beliebt gewesen und bis heute das Wahrzeichen und Spezialität der Region. In der Vergangenheit war die Fläche der Teiche zweimal so groß, heute sind es immer noch stolze 7500 ha. Einer der größten künstlichen Seen hatte einst sogar eine Oberfläche von 700 ha. Die Militscher Teiche (pol. Stawy Milickie) sind nicht nur für die Karpfenzucht bekannt. Sie gehören zu den

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Living Lakes - einen internationalen Netz von Seen, die sich mit hoher Biodiversität auszeichnen. Zu den Living Lakes gehören u.a. das Tote Meer, der Baikal und der Victoriasee.

geführt werden, die den Bestand der Gewässer sichern; ansonsten würden die Seen binnen Jahre verlanden. Deswegen werden hier weiter Karpfen u. a. Fische gezüchtet.

Die ganze Region ist ein Landschaftspark mit Reservaten, die die wertvollsten Teile des Park schützen. Die Militscher Teiche und das ganze Bartschtal ist ein Paradies für Tiere u. a. für unzählige Vögel. 300 Vogelarten, darunter 170 die im Tal und an den Teichen nesten. Das größte polnische ornithologische Reservat - das die Teiche darstellen - steht unter strengem Schutz. Da, aber die Teiche von Menschen geschaffen wurden, müssen Arbeiten durch-

In den letzten Jahren sind viele interessante Routen entstanden, die ermöglichen die interessantesten Teile des Schutzgebietes zu erkunden. Wander- und Pferderouten, Radwege, Luderhütten, Aussichtstürme und das Zentrum Naturum laden zum verweilen ein. Zahlreiche Apps helfen von den Routen nicht abzuweichen; das ist nur mit einen der Mitarbeiter bei Fotosafaris möglich. Im Bartsch Tal gibt es viele alte hydrotechnische Bauten, die ebenfalls sehenswert

sind, sowie die nah gelegene Stadt Milicz mit den Maltzan Palast und Schlossruinen. Das Tal und die Teiche sind ein Hort für die einheimische Flora und Fauna. Man muss nicht weit suchen um auf eine Herde Rehe zu treffen oder z. B. einen Specht bei seiner Lieblingsaufgabe zu zuschauen. An den Teichen hausen und übernachten zig tausende Vögel; es ist ein unvergessenes Erlebnis sie bei ihren morgendlichen Aufbruch in die Lüfte zu beobachten. Das Schlagen tausender Flügel erinnert eher an einen Zug als an Volgeschwamm, das zwitschern der verschiedenster Artgenossen der gefiederten Sänger, versetzt in eine völlig andere Welt.

foto: Flyrecord, Wikimedia Commons


80  #Stories

Route der Leuchttürme in Polen

von Ramona Nocoń

#1

Świnoujście / Swinemünde

Mit 65 Metern gehört der höchste Leuchtturm an der polnischen Küste auch zu den höchsten Leuchttürmen weltweit. Er wurde bereits 1857 erbaut und hat 300 Stufen. Der Leuchtturm ist einer der ältesten Leuchttürmen an der polnischen See und der einzige dessen Leuchtfeuer zwei Farben hat, die Weiße die auf Meer hinaus geht und die Rote für Schiffe auf der Oder. Er ist nicht weit von der Mühlenbake entfernt - den Wahrzeichen der Stadt und einen der beliebtesten Fotomotive Polens.

Die polnische Küste hat einiges zu bieten und immer wieder überrascht sie ihre Liebhaber mit neuen Facetten und Farben. Sand, Meer und… 17 Leuchttürme. Die Route ist 616 km lang und zieht sich von Swinemünde an der deutsch-polnischen Grenze bis nach Krynica Morska nicht weit von der polnisch-russischen Grenze entfernt. So vielfältig die baltische Küste ist, sind es auch die Leuchttürme - von 13,5 Meter bis zu 65 Meter Höhe, von ganz schlicht und einfach bis zu interessanten oder modernen Designs. Der älteste Leuchtturm wurde 1822 in Betrieb genommen, die jüngste erst 1984. Egal ob mit dem Rad, Auto, zu Fuß oder auf Pferden, es wartet auf einen ein Abenteuer zwischen Wind, Meer und Sternen.

#2

Niechorze / Horst

Der Leuchtturm wurde 1866 auf einer hohen Klippe errichtet und ist 45 Meter hoch. Während des 2. Weltkriegs wurde er durch das Artilleriefeuer beschädigt und erst drei Jahre später, 1948 nach dem man die die Optik wieder hergestellt hat, in Betrieb genommen. Anfang des 21. Jh. wurde er gründlich renoviert. Der Leuchtturm befindet sich an der Rewahler Küste. Von der Aussichtplattform, die sich auf 73 Metern Höhe befindet, erstreckt sich ein Atemberaubender Blick auf die Gegend einer der schönsten Küsten Polens. Er besitzt 210 Stufen.

#1

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Foto: Pkuczynski, Wikimedia Commons


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#3

#4

Kołobrzeg / Kolberg

Der Leuchtturm in Kolberg befindet sich praktisch im Stadtzentrum. Er wies seit 1666 den Schiffen den Weg in den sicheren Hafen. Der Leuchtturm führte seine Aufgabe bis 1945 aus, als man ihn in die Luft sprengte. Nach dem Krieg hat man ihn sofort wieder aufgebaut. Der Leuchtturm ist 26 Meter hoch. Der Turm steht in einer sehr grünen Umgebung mit Garten. Im Leuchtturm selbst befinden sich neben der Aussichtsplattform, eine Taverne und ein Mineraliummuseum mit Kristallen aus der ganzen Welt.

#4

Der Leuchtturm in Funkenhagen ist einer der ältesten in Polen und ist 120 Meter vom Meer entfernt. Von Leuchtturm aus, kann man die malerische Umgebung geniessen. Die Stufen wurden aus Granit gemacht und sehr gewunden. Der Leuchtturm ist 49,8 Meter hoch und die Tragweite des Feuers beträgt 43 km.

Foto: Skibaa1, Wikimedia Commons

#5

Gąski / Funkenhagen

Darłowo / Rügenwalde

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Foto: Alina Zienowicz, Wikimedia Commons

#6

Foto: Red 81, Wikimedia Commons

Der Leuchtturm in Rügenwalde ist einzigartig; von all den Leuchttürmen in Polen errinert er am wenigstens an einen klassischen Leuchtturm. Neben der charakteristischen Aussehen, ist er im Winter aufgrund der Nähe zum Meer, vereist. Er wacht über dem polnischen seit 1818 und ist 22 Meter hoch.

#5

#6

Jarosławiec / Jershöft

In den malerischen Dorf Jershöft, 400 Meter vom Meer entfernt, befindet sich ein 33 Meter hoher Leuchtturm. Erbaut wurde er 1829. Vom Balkon des Leuchtturms aus hat man einen hervorragenden Blick aus Meer und zwei Strandseen. Der Leuchtturm befindet sich in der Mitte der Ortschaft und ist problemlos zu finden.


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#7

Foto: Andrzej O, Wikimedia Commons

#8

In einen der berühmtesten polnischen Kurorte steht ein interessanter, achteckiger Leuchtturm. Gleich nebenan befindet sich das Haus der Leuchtturmwärter. Der Leuchtturm besitzt viele, kleine architektonische Elemente, die für zusätzlichen Charme sorgen. Einer Legende nach, wird der 1892 erbaute und 19,5 Meter hohe Leuchtturm durch einen Geist bewohnt. Nach dem man die vielen Stufen überwunden hat, wird man mit einer prächtigen Aussicht belohnt. Im Leuchtturm befindet sich auch eine Bernsteingalerie.

Czołpino

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Rozewie / Rixhöft

#8

Der älteste Leuchtturm in Polen befindet sich auf dem Kap Rozewie. Der Leuchtturm weist den Weg in den sicheren Hafen schon seit 1822. Zuerst wurde der Name Rixhöft nur im Bezug auf den Leuchtturm und Kap verwendet, erst später entstand dort ein Dorf, der denselben Namen trägt. Der Leuchtturm ist der älteste an der polnischen Küste. Seine Tragweite beträgt 48 km. Das Leuchtfeuer hat den größten Abstand, dem man an der polnischen Küste mit bloßem Auge während der Nacht wahrnehmen kann.

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Foto: Koefbac, Wikimedia Commons

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Stilo

Foto: Geociekawostki, Wikimedia Commons

Der Leuchtturm Czołpino ist einer der wenigen, die sich weit entfernt von bewohnten Ortschaften befinden. Zwischen Leba und dem Ort Rowy, im Herzen des Słowinski Nationalpark ragt der 25 Meter hohe Leuchtturm in den Himmel. In Betrieb wurde er 1875 nach drei Jahren Bauzeit genommen. Er steht auf einer 55 hohen Düne. Da er rund 1000 Meter vom Meer weit liegt, kann man von seinen Aussichtpunkt nicht nur die Ostsee bewundern, aber auch die pittoreske Landschaft des Nationalparks. Zum Leuchtturm gelangt man nach 1,5 km langen Spaziergang durch den Wald.

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Der Leuchtturm Stilo ist mit Abstand der bunteste an der polnischen Küste. Die schwarzweiß-roten Streifen sind ein charakteristisches Merkmal des ein Kilometer vom Meer entfernten Leuchtturms. Er befindet sich in der kleinen Ortschaft Osetnik, die einmal Stilo hieß. Der Leuchtturm ist 33,4 Meter hoch und die Tragweite seines Leuchtfeuers beträgt 23,5 Seemeilen. Da der Leuchtturm auf einer 45 Meter hohen Düne errichtet wurde, befindet sich sein Feuer 75 Meter über dem Meeresspiegel. Der Leuchtturm wurde aus Stahlplatten erbaut, deren Nahtstellen mit Blei abgedichtet sind.

Foto: Tomasz Górny, Wikimedia Commons

#7

Ustka / Stolpmünde

#10


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#13

Der Leuchtturm in den malerischen Kurort Heisternest wurde 1938 erbaut, leider hat er den Krieg nicht überdauert und wurde erst 1950 wieder aufgebaut. Mit seinen 13,5 Metern ist er der kleinste Leuchtturm Polens. Der Leuchtturm besitzt einen rot-weißen Anstrich und seine Tragweite beträgt 15 Seemeilen. In Jastarnia selbst gibt es neben den Leuchtturm viele Sehenswürdigkeiten und Freibäder.

#11

Foto: Jarosław Baranowski,Wikimedia Commons

#12

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Foto: Koefbac, Wikimedia Commons

#12

Der Leuchtturm in Zoppot ist einer der schönsten an der polnischen Küste. Von der Turmspitze des 30 Meter hohen Gebäudes, erstreckt sich ein wunderschöner Blick auf die malerische Stadt und die schöne Seebrücke. Der Leuchtturm entstand 1903 und sein Feuer hatte in der Vergangenheit eine Tragweite von 17 Seemeilen. Heute sind es nur 5 Seemeilen - und wird daher nicht mehr zu den Leuchttürmen an der polnischen Küste gezählt.

Der Leuchtturm ist mit 41,7 Meter das höchste Gebäude in Hela. Die Turmspitze erreicht man nach 203 Stufen;die grandiose Aussicht ist aber jeder Anstrengung wert. Von Leuchtturm aus sieht man die ganze Halbinsel Hela wie auf einem Präsentierteller - das Meer auf beiden Seiten, die Wälder, die Stadt und die Strände. Bei guter Sicht sieht man die Dreistadt, die sich auf dem anderen Ufer der Bucht der Putziger Wiek befindet.

#15

Gdańsk Port Północny #14

Gdańsk Port Nowy

Die Geschichte des Leuchtturms Gdansk Nowy Port fängt 1893 an. Den Baumeistern galt der heute nicht mehr vorhandene Leuchtturm in Cleveland in den Vereinigten Staaten als Vorbild. Der Leuchtturm in Danzig ist 31 Meter hoch und die Tragweite seines Leuchtfeuers beträgt 17 Seemeilen. Er ist auch der erste an der gesamten Ostsee gewesen, wo das elektrische Licht benutzt wurde. Foto: Yanek / fotopolska.eu, Wikimedia Commons

Der jüngste Leuchtturm in Polen und einer der wenigen die man nicht besichtigen kann. Erbaut wurde er 1984 und besitzt als einziger Leuchtturm in Polen einen Aufzug. Der Leuchtturm löste den alten Leuchtturm in Port Nowy ab. Die Befeuerung befindet sich auf 56 Metern und seine Tragweite beträgt 25 Seemeilen.

Hel / Hela

Sopot / Zoppot

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Foto: Andrzej Otrębski, Wikimedia Commons

#11

Jastarnia / Heisternest

#15


84  #Stories

Polnische Küste auf zwei Rädern von ramon Noocń

Kein Bock auf faules Sonnen am Strand, aber doch eher wasserscheu? Dann ist die Fahrt entlang der Küste, im Schatten des Waldes genau die richtige Lösung.

Ostseeküsten Radweg (R10) Der Ostseeküsten Radweg, auch als R10 bekannt, ist Teil des Eurovelo-Netzes. Die Route ist ca. 7.980 Kilometer lang und verläuft rund um die Ostsee. Der polnische Abschnitt fängt in Swinemünde an und führt durch atemberaubende Landschaften, kulturell oder historisch wichtige Orte. Entlang des Weges sieht man wunderschöne, feinsandige Strände, hohe Klippen, dichte und schattenreiche Kiefernwälder. Auf der Route trifft man auf interessante Museen, Leuchttürme, leckeres Essen. Die jodreiche Luft und das besondere Mikroklima sind gut für die Gesundheit. Auf der Route besucht man sowohl beliebte touristische Kurorte als auch bekannte Städte wie Danzig, Kolberg oder Misdroy. Der polnische Abschnitt ist 588 km lang und endet in Gronowo kurz vor der russischen Grenze.

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Niechorze, foto: Fxp42 from Wikimedia Commons


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Radroute Gryfland Zielony Die Radroute Gryfland-Zielony führt nicht entlang der Küste, sondern ins Landesinnere. Sie führt durch interessante Ortschaften, mit schönen Aussichten, Zeugen vergangener Zeiten. Von Trzesacz aus führt der Weg nach Süden durch u.a. Cerkwica, Gryfice, Trzygłów und Płoty. Während der kleinen Reise trifft man auf alte Schlossruinen, die slawische Gottheit Trieglaff, einen neobarocken Palast, alte Kirchen, Mauern, Museen und Parks. Die Route ist 55 km lang. Man kann sie sowohl in Płoty als auch in Trzesacz beginnen und wieder zurück fahren. In Trzesacz erwartet die Reisenden eines der Wahrzeichen der polnischen Küste - die malerische Ruine der Nikolaikirche.

Trzebiatów - Brojce Gryfice Eine rote Route für wahre Naturliebhaber. Sie verläuft durch unterschiedliche Waldkomplexe; man bekommt nicht nur Kiefernwälder zu Gesicht, sondern auch Auwälder, alte Buchenwälder und Teile eines Eichenwaldes. Sie führt durch kleine, verschlafene Ort-

trzęsacz

Rewal, Foto: Tomasz Przywecki, from Wikimedia Commons schaften, malerische Feldwege, am Rand einer Seenplatte vorbei. Der 50 km lange Weg ist abwechslungsreich gestaltet. Ideal für einen Wochenendausflug ins Grüne.

Niechorze- RewalPustkowo-Pobierowo Die Route beginnt in den malerischen Ort Niechorze, einer sehr beliebten Ferienortschaft mit vielen Hotels und Pensionen. Niechorze ist vor allem durch seine wunderschöne steile Klippe und den Leuchtturm bekannt. Was nicht jeder weiß - in der Ortschaft befindet sich ein Miniaturenpark

mit allen polnischen Leuchttürmen im Maßstab 1 10. Sie sind schön in die Landschaft einkomponiert und ihre Umgebung ist mit Blumen geschmückt. Von dem Fahrradverleih in Niechorze geht es mit einem angenehmen Waldweg weiter in den Ort Rewal. In Rewal angekommen, schlendert man ein bisschen durch den Ort, besichtigt die örtliche Kirche und fährt nach einer Weile weiter nach Trzesacz, wo man die Ruinen der Nikolaikirche bestaunen kann und die neogotische Kirche mit ihrem schönen Altar. Von Trzesacz aus fährt man in die Richtung des Ortes Pustkowo um später, durch den Wald nach Pobierowo zu kommen. Den ca. 25 km langen Rückweg legt man an derselben Strecke zurück.


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Verliebt in die Ostseeküste Immer mehr Touristen aus dem deutschsprachigen Raum entscheiden sich für den Urlaub in Polen an der Ostsee. Die Begeisterung scheint kein Ende zu haben, sie nimmt immer mehr zu. Warum lieben die Urlauber Polen? Nach Gründen für den Urlaubsboom suchte Piotr Piela. “Jeder von uns braucht ein wenig Abwechslung und sucht neue Erfahrungen - wie oft kann man denn den Sommerurlaub am Mittelmeer verbringen? Jeder von uns will neue Plätze entdecken, Abenteuer erleben” sagte gegenüber PolenJournal.de Kinga Łata, Vorstand für das operative Geschäft der Hotelkette Zdrojowa Hotels. So kommt Polen den abenteuersüchtigen Urlaubern als ein noch ein wenig exotisches und vielleicht unerschlossenes Land perfekt entgegen.

Foto: Tui ferienhaus

Der Wendepunkt Gab es einen Moment, nach dem die Nachfrage so richtig zulegte? Eine klare Antwort ist hier alles andere als einfach zu formulieren. „Laut den mir bekannten Statistiken ist Polen mindestens seit 2011 in den TOP 10 der Reiseziele deutschsprachiger Gäste.” - sagt Marek Brylla, der mit seinem Team Reisen für Gruppen und Busunternehmer nach Polen organisiert. Für Monika Singer Foto: Tui ferienhaus von TUI Ferienhaus gab es den Wendepunkt vor drei Jahren - “Seit 2015 haben die Zahlen sich unglaublich gut entwickelt. Aus diesem Grund haben wir unser Angebot 2018 mit über 100 neuen Objekten deutlich erhöht”. Auf das Jahr 2015 verweist auch Carsten Wolf, der Geschäftsführer von Travel Netto: “Enorm zugenommen hatte die Nachfrage 2015 und 2016 infolge der Sicherheitskrisen im östlichen Mittelmeer, vor allem in der Türkei und Ägypten. Plötzlich hatten wir einen riesigen Ansturm an die Küste, nicht nur im Sommer, sondern zu jeglichen deutschen Schulferien”.

juli 2018

Wichtig für die Urlaubsbranche war auch die EM 2012, die dem Tourismus einen richtigen Push verpasste. “Damals haben wir die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut und modernisiert. 2016 bleibt hingegen in anderen Ländern als ein Jahr der blutigen Terrorakte in Erinnerung. Viele Touristen hatten ihre Urlaubspläne verändert mit Blick auf die Sicherheit, die in den Vordergrund rückte. Keiner will beim Urlaub auf der Hut sein, die Umgebung beobachten und nach potenzieller Gefahr suchen. Polen ist ein sicheres und zusätzlich ein interessantes Reiseziel” - erklärt Kinga Łata. Dementsprechend kann man einen einzigen Wendepunkt


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danzig, Foto: pomorskie.travel

nicht nennen, vielmehr waren und sind es Impulse, die alle zusammen die Branche vorantreiben. Das bestätigt auch Marek Brylla. “Einen echten Wendepunkt in Bezug auf den Umfang der Nachfrage kann man nicht erkennen. Für uns ist vielmehr ein stetiger Anstieg erkennbar. Allerdings verändern sich die Motive, nach Polen zu reisen".

Foto: Tui ferienhaus

Foto: Tui ferienhaus

In der ersten Phase nach dem Fall des Ostblocks dienten viele Reisen dem Besuch der ehemaligen Heimat, einem günstigen Ostseebesuch oder dem Besuch von Kureinrichtungen. Im Zuge des veränderten Reiseangebotes besuchen Touristen Polen vermehrt, um die Kultur zu genießen, moderne Wellnesstempel zu besuchen und Polens grandiose Natur zu entdecken. In diesem Zuge ist auch die Zahlungsbereitschaft der Gäste gestiegen. Allerdings nicht ins Unermessliche. Das hat sich in 2017 gezeigt. Da haben Hotels z.T. ihre Preise über das akzeptierte Maß hinaus angehoben und mussten die Preise wieder korrigieren” - sagt der Geschäftsführer von brylla reisen.


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Gastfreundlichkeit, Natur, Nähe Der bereits thematisierte Sicherheitsfaktor wurde auch von den Befragten von PolenJournal.de angesprochen. Die Liste der Gründe, weshalb Urlauber Polen besuchen, ist nicht gerade kurz. Geografische Nähe und eine relativ kurze Anreise gehören zu den offensichtlichen Punkten. “Speziell aus Deutschland ist die Anreise nicht so weit und Kunden, die vielleicht sonst an radisson blu resort swinemünde, Foto: zdrojowa hotels die deutsche Ostsee gefahren wären, entscheiden sich aufgrund der Natur und natürlich auch aufgrund des sehr guten Preis-/Leistungsvererklärt die COO hältnisses für die polnische Ostsee. Diese ist vielerorts von Zdrojowa noch naturbelassener und das Angebot an UnterkünfHotels. “Polen ten ist sehr modern und hochwertig. Statt großer gehört nach Ferienhaussiedlungen setzt man in Polen auf kleine meiner Kenntnis Anlagen mit fünf bis sieben Häusern, die auch bewusst augenscheinlich auf Familien zugeschnitten sind. Ein wichtiger Faktor, bei Deutschen denn immerhin sind Familien mit über 50 Prozent eine nicht "in die der größten Zielgruppen bei TUI Ferienhaus” - verrät erste Reihe der Monika Singer. Traumziele" aber wer in PoHotels ruhen sich ebenfalls alles andere als auf den len war, dem hat Lorbeeren aus. Das spiegelt sich nicht nur in Investities nach meiner onen, sondern auch im breit angesetzten und maßgeKenntnis dort schneiderten Angebot wieder. “Durch die Gastfreundgefallen und er lichkeit der Polen fühlt sich hier jeder wie zu Hause. / sie haben vor, Zusätzlich kann man sich in hochwertigen Hotels zu wieder einmal radisson blu resort swinemünde, Foto: zdrojowa hotels radisson blu resort Swinemünde, Foto: zdrojowa hotels günstigen Preisen ausruhen, mit leckerem Frühstück, hinzufahren. Je das nicht in allen Ländern so üppig und vielfältig ist. mehr Polen sich Ein Kaffee und ein Croissant reichen nicht aus, denn in individuellen Erfahrungen und Erlebnissen als Polen zelebrieren die Mahlzeit am Morgen. So ist es Reiseziel präsentiert, desto mehr reisen sicherlich auch in den Hotels” - verrät Kinga Łata und weist auch nach Polen” - glaubt Hartmut Smikac, der schon gleichzeitig darauf hin, dass die Ostseeküste nicht so mehrere Polen-Reisen unternommen hat. “Touristische überfüllt ist, wie man es von den südlichen Ländern Attraktionen richten sich sprachlich und geschmacklich kennt. Gleichzeitig laden die sandigen Strände zum immer mehr auf ausländische Gäste ein” - bemerkt Verweilen zwischen den Sonnenstrahlen ein. Marek Brylla. Ein Faktor ist auch laut dem Unternehmer auch die attraktive touristische Infrastruktur. Das Was tun bei schlechtem Wetter? “Es gibt eine Menge bestätigt auch Marta Chełkowska, die Vorsitzende der Optionen beginnend bei modernem SPA und WellRegionalen Tourismusorganisation Pommern. “Dank ness, durch ein überaus breites Kulinarangebot, bis EU-Fördermitteln wurden viele Kulturobjekte moderhin zu Veranstaltungen und das nicht nur für Kinder. nisiert, eingerichtet wurden neue touristische AttrakWir sorgen dafür, dass die Gäste mit unvergesslichen tionen, die neueste Technologien und die geltenden Erinnerungen abreisen. Diese Erinnerungen teilen sie Tourismustrends nutzen. Eine Schlüsselrolle kommt dann mit ihren Bekannten und Freunden, die von ihauch der Verkehrsinfrastruktur zu, die für komfortables nen ermuntert später auch Urlaub in Polen machen” und sicheres Reisen mit verschiedenen Verkehrsmit-

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Plötzlich hatten wir einen riesigen Ansturm an die Küste, nicht nur im Sommer, sondern zu jeglichen deutschen Schulferien - Carsten Wolf, der Geschäftsführer von Travel Netto

marine hotel Kolberg, Foto: zdrojowa hotels

teln steht. Polen gilt im Ausland als ein sicheres und gastfreundliches Land, wo qualitativ hohe marine hotel Kolberg, Foto: zdrojowa hotels Leistungen bei gleichzeitig preislicher Wettbewerbsfähigkeit geboten werden. Aus unseren Studien geht hervor, dass Urlauber immer bewusster das Angebot Polens wahrnehmen. Das Land wird mit gut erhaltenen Kulturerbe und atemberaubenden Landschaften und einen City-Break-Angebot assoziiert.” - erklärt Chełkowska. “Die polnische Ostseeküste bietet schöne Strände und unkomplizierte Urlaubsmöglichkeiten ohne Schnickschnack. Und wem es am Strand auf Dauer zu langweilig ist, der fährt in das interessante Hinterland. Dort finden sich Sehenswürdigkeiten wie das karierte Land, die man nicht verpassen sollte.” - so Marek Brylla.

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Einen echten Wendepunkt in Bezug auf den Umfang der Nachfrage kann man nicht erkennen. Für uns ist vielmehr ein stetiger Anstieg erkennbar. Allerdings verändern sich die Motive, nach Polen zu reisen. - marek brylla


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Durch die Gastfreundlichkeit der Polen fühlt sich hier jeder wie zu Hause. Zusätzlich kann man sich in hochwertigen Hotels zu günstigen Preisen ausruhen, mit leckerem Frühstück, das nicht in allen Ländern so üppig und vielfältig ist. Ein Kaffee und ein Croissant reichen nicht aus, denn Polen zelebrieren die Mahlzeit am Morgen. So ist es auch in den Hotels - Kinga Łata, Vorstand für das operative Geschäft der Hotelkette Zdrojowa Hotels.

boulevard ustronie morskie, Foto: zdrojowa hotels

Zwischen Museen, Natur, Aktivurlaub und Bierbädern Die polnische Ostseeküste ist weitaus mehr als nur wunderschöne Strände. Immer beliebter wird auch der Segeltourismus, wie Marta Chełkowska verrät. In diesen Bereich wird auch kräftig investiert mit etwa modernen Marinas in Leba, Gdingen, Danzig oder Lahlberg. Die Selbstverwaltungen stecken auch viel Geld in neue Fahrradstraßen, wie z.B. EuroVelo 10 und 9. oder Kajakrouten. Die Danziger Bucht ist wiederum ein wahres Paradies für solche Sportarten, wie Kitesurfing oder Windsurfing. Das bedeutet jedoch nicht, dass es an Touristen mangelt, die einfach den Urlaub am Strand genießen. Der Charme des Slowinzischen Nationalparks, saubere und außergewöhnliche Strände ziehen weiterhin Sonnenbadliebhaber an - verrät die Vorsitzende der Regionalen Tourismusorganisation Pommern. “Herrliche Orte, wie die Seenplatte rund um Drawsko Pomorskie sind im Kommen. Auch hier gibt es vieles zu entdecken und keinesfalls zu viele Touristen” - sagt der Geschäftsführer von brylla reisen. “Es sind gerade die kleineren Orte, die noch darauf warten, entdeckt zu werden, zum Beispiel Regamünde bei Treptow an der Rega oder Rügenwaldermünde“ nennt Carsten Wolf. “Urlaub bedeutet für jeden etwas anders. Unsere Aufgabe als Hoteliers ist sich darum zu kümmern, dass unsere Gäste zufrieden abreisen und uns auch in Zukunft besuchen. Deswegen bieten wir

radisson blu resort swinemünde, Foto: zdrojowa hotels u.a. Bierbäder, Kulinar-Workshops, Veranstaltungen für Kinder oder Aktivtraining mit der Boxweltmeisterin Agnieszka Rylik sowie Zeremonien mit Heilschlamm, dass auch als “schwarzes Gold” bezeichnet wird” - sagt Kinga Łata, Vorstand für das operative Geschäft der Hotelkette Zdrojowa Hotels. So könnte auch niemanden wundern, dass zu den beliebtesten Urlaubsformen die breit aufgefasste Stadttouristik gehört zusammen mit dem Kulturangebot, Einkaufen sowie Medical und Spa.

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Die günstigen Preise waren lange ein Grund für nicht wohlhabende deutsche Gäste nach Polen statt an die deutsche Ostsee zu fahren. Dies hat sich aber geändert, zumal sowohl die Hotelpreise als auch die Nebenkosten in den letzten zwei Jahren stark angezogen haben. Einige 4- und 5-Sterne-Hotels nehmen deutsche Ostseepreise - Carsten Wolf, der Geschäftsführer von Travel Netto

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Słowiński-Nationalpark, Foto: pomorskie.travel

PreisLeistungsVerhältnis Ein Fehler wäre eine All-inclusive-Reise nach Ägypten mit einem individuellen Ausflug an die Ostsee zu vergleichen - erklärt Marta Chełkowska. Vorsitzende der Regionalen Tourismusorganisation Pommern wies darauf hin, dass man Pauschalreisen und Individualreisen nicht nebeneinander stellen darf, denn beide sind eigengesetzlich. Chełkowska fügte auch hinzu, dass man das polnische Angebot, mit Kroatien oder Spanien vergleichen könnte. “Übernachtungskosten lassen sich zwar optimieren, aber verschiedene Attraktionen, Eintrittspreise, öffentlicher Verkehr sind unvergleichlich teuer im Ausland. Ich sage nicht, dass Urlaub an der polnischen Ostsee günstig ist, trotzdem sind es konkurrenzfähige Preise. Die angebotenen Leistungen und die Objekte, werden gleichzeitig sehr hoch be-

wertet” - so Chełkowska. Das bestätigt auch Carsten Wolf, der Geschäftsführer von Reiseveranstalter Travel Netto: “Die günstigen Preise waren lange ein Grund für nicht wohlhabende deutsche Gäste nach Polen statt an die deutsche Ostsee zu fahren. Dies hat sich aber geändert, zumal sowohl die Hotelpreise als auch die Nebenkosten in den letzten zwei Jahren stark angezogen haben. Einige 4- und 5-Sterne-Hotels nehmen deutsche Ostseepreise” - so der Geschäftsführer von Travel Netto, der auch darauf hingewiesen hat, dass die Preise an der Ostsee höher liegen, als im Inneren des Landes. “An der Ostseeküste bis Kolberg ist das Preis-Leistungs-Verhältnis in manchen Hotels super, in anderen sind die Preise zwar hoch, der Service aber nicht mit einem deutschen 4- oder 5-Sterne-Hotel vergleichbar. Die Nebenkosten liegen teilweise über den Deutschen. Essen gehen für 25 € pro Person, ein bewachter Parkplatz für 10-15 € pro Nacht und 3,5 € für einen doppelten Espresso sind keine Seltenheit mehr. 30km im Landesinneren kostet vieles plötzlich nur noch die Hälfte. Dies werden Touristen auf die Dauer nicht hinnehmen und dies wird sich wieder verändern” - vermutet der Polenspezialist aus Kolberg.


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Globaltica die ganze Welt an der Ostsee

von Emanuela Janda

piotr pucyło, Foto: Iwona Wojdowska

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Das Gdynia World Cultures Festival wird bereits zum 14. Mal veranstaltet. Wer etwas Neues Entdecken will, sollte ein paar Tage an der polnischen Ostseeküste einplanen. Vom 25. bis 29. treffen sich hier Künstler aus unterschiedlichsten Regionen der Welt. Piotr Pucyło, der Veranstalter von Globaltica, nahm sich ein bisschen Zeit, um mit PolenJournal.de ein wenig über das originelle Event zu sprechen.


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Die Musik bildet aber diesen Kunstbereich, der am meisten den Menschen anspricht, seine Sinne beeinflusst und Gefühle hervorruft.

Emanuela Janda, PolenJournal.de: Auf der Festivalhomepage sind folgende Worte zu lesen: „Nur Musik kann uns vereinigen“. Glauben Sie daran? Piotr Pucyło, Direktor von Globaltica: Klingt banal, aber in heutigen Zeiten, mit all den Konflikten sowohl mit politischen, wie auch religiösen und nationalen Hintergründen, muss man einen Ausweg aus dieser Lage suchen. Die Politik scheitert, es lohnt sich aber, nach der Musik zu greifen.

Ist demnach die Musik die universellste Sprache auf der Welt oder ist es die Kunst allgemein? Die Kunst war schon immer eine Art Katalysator, obwohl man auch Fälle nennen kann, in welchen sie zum Konfliktausbruch beigetragen hatte. Kunst scheint einerseits universell zu sein, andererseits schöpft sie aus einer konkreten Tradition, die nicht immer für alle verständlich ist. Ihre Universalität ist manchmal bestritten. Die Musik bildet aber diesen Kunstbereich, der am meisten den Menschen anspricht, seine Sinne beeinflusst und Gefühle hervorruft. Im Falle von Musik aus einem fremden Kulturkreis, in dem wir nicht aufgewachsen sind, ist ein wenig

Foto: Globaltica, pressematerialien

Die 14. Auflage des Festivals bringt wieder außergewöhnliche Musik, interessante Menschen und vor allem viel positive Energie an die Ostsee. In dem pittoresken Park Kolibki in Gdingen werden nicht nur Konzerte stattfinden, aber auch Autorentreffen, Workshops, Filmprojektionen und vieles mehr.

Vergeistigte Musik aus Guinea-Bissau kommt von Mu Mbana Wissen erforderlich, um sie vollkommen zu verstehen, obwohl sie uns sowieso glücklich oder traurig machen kann.

Wie haben die Anfänge des Festivals in 2005 ausgesehen? Hat sich etwas verändert? Das Festival hat einen langen und an manchen Stellen verworrenen Weg hinter sich. Die erste Auflagefand im Klub Ucho in Gdingen statt und unterschied sich sehr von der heutigen Form. Damals handelte es sich eher um ein intimes Treffen von den leidenschaftlichsten und damals recht wenigen Fans der Weltmusik. Das Budget war klein und die Wissens- und Erfahrungsmängel in Veranstaltung solcher Events machten sich bemerkbar.

In darauffolgenden Jahren veränderte sich die Vision, Lage und Form des Festivals. Sogar die Organisatoren änderten sich. Die Veranstaltung überlebte seine Höhen und Tiefen. Schließlich, vor ungefähr neun Jahren, hat Globatica begonnen, in eine klar präzisierte Richtung zu gehen und sich auf diesem Weg zu entwickeln. Rückblickend lässt sich sagen, dass es eine gute Richtung ist.

Ist Multikulturalität in heutigen Zeiten ein Segen oder eher eine Verdammung? Ich denke, dass es keinen Sinn hat, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Wir leben in solchen und nicht andere Zeiten. Die Multikulturalität wurde zur unvermeidli-


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Foto: Globaltica, pressematerialien

Vom 25. Bis 29. Juli wird der Park Kolibki in Gdingen zum Schnittpunkt unterschiedlicher Kulturen. cher Norm. Jeder von uns hat das Recht und Möglichkeiten dazu, in nur wenigen Stunden einen anderen Fleck auf der Erde zu besuchen. Es kann nur eine Reise sein, es kann aber auch für länger sein. Man kann dort arbeiten, studieren, leben. Die Multikulturalität bildet den Preis, den wir für diesen Privileg zahlen. Wir müssen lernen, zu koexistieren, sich gegenseitig zu respektieren und zu verstehen. Dabei haben wir die großartige Möglichkeit andere Traditionen kennenzulernen und eigene Kultur vorzustellen.

Wie sollte die Definition des Wortes „global“ aussehen? Es weckt oftmals negative Konnotationen. Die Frage kommt wegen den Festivalnamen? Dieses Wort verlor leider seine ehemalige Bedeutung. Ich versuche es zu meiden, denn es ruft negative Konnotationen hervor. Die Globalisierung ist ein Prozess, der seit mehreren Jah-

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Die traditionelle Musik bildet einen unzertrennlichen Element der Kultur, der für uns zum Schlüssel ihrer Entdeckung werden kann.

ren im Gange ist und ich finde, dass man ihn nicht stoppenkann. Schwer zu sagen, ob es in eine gute Richtung geht und was eigentlich die „gute Richtung“ ist. Ich bin stets auf der Suche nach Vorteilen dieses Phänomens. Die Definition dieses Wortes für meinen Eigenbedarf weckt positive Konnotationen hervor, aber die Politik hat dazu beigetragen, dass ich es schon unter anderem Gesichtspunkt betrachte. Als ich mir den Festivalnamen durch die Verbindung von „Global“ und „Baltica“ ausgedacht hatte, habe ich nicht damit gerechnet, dass die Bedeutung des ersten Teils sich so verändern wird. Jetzt würde ich nicht mit solcher Idee kom-

men. Damals war es aber für mich selbstverständlich – die ganze Welt an einen Ort, an der Ostsee. Die Globalisierung muss nicht schlecht sein, aber das hängt in großem Maße von uns selbst ab. Die Schlüsselfrage lautet: Werden wir in der Lage sein, unsere eigene Tradition in Erinnerung zu behalten, wenn wir anderen Kulturen begegnen? Zu politischen und ökonomischen Angelegenheiten will ich mich nicht äußern.

Wie vereinigt Globaltica die Unterschiede? Während des Festivals versuchen wir, Musik aus aller Welt zu präsentieren. Hier treffen sich Künstler aus Europa, Asien, Süd- und Nordamerika und Afrika. Jeder von ihnen stellt seine Kultur vor. Damit kann er entweder ganz nah an den Wurzeln bleiben oder sich nur von seiner Kultur inspirieren lassen und etwas neues schöpfen. Während den „Kulturdialogen“ treten die Küstner zusammen auf und –


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Foto: Globaltica, pressematerialien

Duo Arvvas aus Lappland schöpf interessante Kompositionen, die in Saami und English vorgesungen werden. indem sie spontan improvisieren – öffnen sie sich auf sich gegeneinander. Neben der Musik werden Workshops veranstaltet. Es stellt sich heraus, dass die Andersartigkeit und Vielfältigkeit viele Menschen anspricht – Personen, die offen, neugierig und wohlwollend sind. Wir brauchen solche Menschen in heutigen Zeiten und eben solche besuchen Globaltica.

Manchmal hört man, dass Polen zwei Gesichter hat – einerseits ist es ein sehr gastfreundliches Land, andererseits verhält man sich hier gegenüber dem Fremden mit Distanz oder sogar Feindlichkeit. Wie sieht es nach ihrer Erfahrung aus? Geht das nur Polen an? Ich denke, dass man solche Paradoxe auch in anderen Ländern Europas oder auch international, vorfinden kann. Mangelndes Wissen und das fehlende Verständnis des „Anderen“

sind die häufigsten Gründe dafür. Der Mensch ist von Natur aus gut. Unsere Tradition bringt uns die Gastfreundlichkeit bei, aber wir haben Angst vor dem Fremden und Unbekannten, also reagieren wir mit Feindlichkeit. Man darf es aber nicht verallgemeinern, denn so entstehen Stereotypen und ich versuche mit Vorurteilen jeglicher Art zu kämpfen. In Polen – wie überall anders auf der Welt und in jeder anderen Kultur auch - gibt es gute und schlechte Menschen.

Kann man durch Musik eine Kultur kennenlernen? Auf jeden Fall. Es ist aber ein längerer Prozess, der nicht mit einem musikalischen Werk enden darf (lacht). Die Musik widerspiegelt in gewisser Art und Weise die Tradition: das wehmütiges Fado gibt den Charakter der sentimentalen Portugiesen wieder, Flamenco steht für den feurigen Temperament der Andalusier und das

emotionelle Qawwali erinnert an den Mystizismus des sufistischen Pakistans. Die traditionelle Musik bildet einen unzertrennlichen Element der Kultur, der für uns zum Schlüssel ihrer Entdeckung werden kann. Die Beschäftigung mit anderen Kulturen kann unsere Augen auf unsere Wurzeln richten. Nach langer „Reise“ kann man etwas finden, was von Anfang an auf Handweite war, wir es aber früher nicht gesehen haben.

Sprechen wir über die Künstler, die während des Festivals auftreten werden. Man kann hier außergewöhnliche Musik hören, die wir bestimmt nicht im Radio vorfinden können. Das Programm ist unser Markenzeichen – keiner kennt die Künstler, die bei uns auftreten, aber alle wollen sie sehen und hören (lacht). Es ist nicht ganz ernst gemeint, aber in gewissem Grade sieht es so aus. Die World-Mu-


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sic-Szene in Polen ist nicht sehr stark, was dazu führt, dass sogar namhafte Künstler hier unbekannt sind. Macht nichts, dass sie auf größten Festivals der Welt spielen, in besten Konzertsälen auftreten und Tausende Platten verkaufen… Sie gehören nicht zum internationalen Mainstream, also sind nicht in Medien vertreten – sei es bei uns oder in anderen Ländern. Das ist auch ein der Ziele des Festivals – das Teilen der Schönheit der Musik mit denjenigen, die nicht in der Lage sind, ihr im Alltag zu begegnen.

len, welche Genre besser ist und welche schlechter. Was Globaltica angeht, beabsichtigen wir eben, die musikalische Vielfalt darzustellen. Es fällt schwer zum Beispiel die kolumbianische Cumbia oder den Son Cubano mit Musikklängen des Fernen Ostens oder klassischer arabischen Musik zu vergleichen. Es sind total andere Welten. Ein erfahrener Zuhörer kann aber ohne Zweifel innerhalb einer Genre feststellen, was auf hohem – sowohl technischen als auch künstlerischen – Niveau liegt und was Laienmusik ist.

Gibt es bessere und schlechtere Musik?

Wonach richten Sie sich bei der Wahl der Künstler für das Festival?

Die Beurteilung ist subjektive Sache – besonders, wenn es um Kunst geht. Das besondere in Musik ist ihre Vielfältigkeit. Auf der Welt gibt es die unterschiedlichsten Musikrichtungen und jede von ihnen kann andere Hörer ansprechen. Ich will nicht urtei-

Die Vorbereitung des Programms ist ein langer und komplizierter Prozess. Wir wollen nichts dem Zufall überlassen. Jede Künstlerwahl ist gut durchdacht und motiviert. Natürlich spielen dabei

auch die finanziellen und logistischen Möglichkeiten eine Rolle. Vor allen sorgen wir für hohes künstlerisches Niveau. Es gibt aber noch weitere Bedingungen, die wir erfüllen wollen. Wir laden nicht Jahr für Jahr Künstler aus denselben Ländern ein. Wir versuchen Vertreter aus unterschiedlichen geographischen und musikalischen Richtungen zu versammeln. Wir stellen sowohl traditionelle, wie auch gegenwärtige Musik dar, die von der traditionellen inspiriert worden sei. Abhängig von der jeweiligen Bühne, sind unsere Konzerte intim oder voller Energie. Für mich ist aber das Wichtigste, dass wir das Festival für das Publikum veranstalten. Bei der Künstlerauswahl richte ich mich nicht nach meinen musikalischen Interessen, ich stelle mir viel mehr die Frage, ob der jeweiliger Künstler oder die jeweilige Musik dem Publikum Freude bereiten wird. Wird er in der Lage sein, es zu Tränen zu bringen

Sofiane Saidi & Mazalda aus algerien weiß genau, wie man traditioneller Musik einen modernen Touch gibt.

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Foto: Globaltica, pressematerialien


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oder etwas Wertvolles auf dem Weg geben? Nicht selten bin ich unsicher, aber ich muss zugeben, dass ich mich mit meiner Wahl nur ein oder zwei Mal verfehlt habe – und wir sprechen von knapp 80 Künstlern, die bei uns aufgetreten sind. Ich sorge dafür, dass unser Publikum – das uns seit mehreren Jahren sein Vertrauen schenkt und das zum unseren Festival kommt, fest davon überzeugt, dass es hier etwas neues und interessantes entdeckt – nicht enttäuscht nach Hause zurückkehrt. Das ist meine Aufgabe.

Während der 13-jährigen Geschichte des Festivals ist bestimmt viel passiert. Ganz genau. Es gab fröhliche und traurige Geschichten. Es gab Autounfälle, Überflutungen, ausgefallene Flüge, Krankenhaus- und sogar Gefängnisaufenthalte (lacht). Die Einzelheiten über die Geschehnisse hinter den Kulissen behalten wir aber für sich.

Wie kann man sich für das Festival am besten vorbereiten? Die Teilnahme an Globaltica bedarf keinen speziellen Vorbereitungen. Es reicht, mit positiver Einstellung zu kommen und die Zeit mit außergewöhnlicher Musik zu genießen. Es ist eine musikalische „Reise um die Welt“ in nur wenigen Tagen – in 4-5 Stunden wechseln sich Kontinente, Länder, Religionen und Klänge. Für Konzerte in der Alten Wagenschuppen (Pol. Stara Wozownia) lohnt es sich Tickets früher zu kaufen, denn die Gästezahl ist beschränkt und die Auftritte werden als exklusive Events angesehen. Für den Hauptteil des Festivals braucht man sich keine Sorgen um die Tickets zu machen und diese vor dem Eintritt kaufen. Der Park Kolibki ist ein wunderschöner, umgangener mit unverwechselbaren Atmosphäre Platz. Die ersten Konzerte bekommen einen außergewöhnlichen Picknick-Charakter, es lohnt sich also eine Decke mitzunehmen. Ein Regenschirm ist auch empfehlenswert.

Foto: Globaltica, pressematerialien

Gili Yalo aus Äthiopien verführt mit lebhaften Melodien und außergewöhnlicher Stimme. Bleiben wir noch eine Weile bei den Besuchern. Wen zieht Globaltica am meisten an? Oder richtet sich das Programm an eine bestimmte Teilnehmergruppe? Das Programm ist so konzipiert, dass jeder etwas für sich finden kann. Wir sind offen sowohl gegenüber Senioren, wie auch Menschen um die 40. Wir werden von jungen Menschen und ganzen Familien mit Kindern besucht. Globaltica hat einen familiären Charakter. Neben dem lokalen Publikum haben wir auch immer mehr Gäste aus anderen Teilen Polens und aus dem Ausland. Das Festival wird als Marke immer besser erkennbar und die Vielzahl

von Konzerts, Workshops, Filmprojektionen und anderen Aktivitäten machen aus Globaltica ein interessantes Event für alle, die ihre Zeit auf ungewöhnliche Weise verbringen möchten.

mehr über globaltica erfahren:


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Erholung im grossen Stil Den Urlaub in Polen kann man auch im Zuckmanteler Bergland verbringen. Ein Hotel in der kleinen Ortschaft Pokrzywna ist viel mehr als eine Anlaufadresse für eine gute Ausflugsbasis. Wer nach Ideen für den kommenden Sommer sucht, liegt beim Hotel & SPA Dębowe Wzgórze genau richtig. Die 21 bequem und elegant eingerichteten Zimmer und ein breites Freizeitangebot sind Garanten für eine gut verbrachte Zeit, an die man sich gerne erinnern wird. Das Ressort bietet heuer Übernachtungsmöglichkeiten inclusive Frühstück und köstliches Abendessen. Swimmingpool, Sauna und Jacuzzi – man muss das Hotelgebäude gar nicht verlassen, um sich zu entspannen. Dębowe Wzgórze ist perfekt für die ganze Familie. Der Kinderbereich Bajlandia, wo sich die Kleinen nach Herzenslust unter dem Auge der Betreuer austoben können, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Günstig ist dabei auch die Lage - in unmittelbarer Nähe befindet sich das Hotelrestaurant. Außerdem werden mehrmals in der Woche interessante Workshops veranstaltet, die die Kreativität und Bewegung fördern.

Das genaue Angebot finden Sie auf der Homepage

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Der Sommer ist der perfekte Zeitpunkt, um die wunderschöne Gegend zu erkunden. Lange Spaziergänge, Wanderungen und Radtouren lassen sie so richtig entspannen – weit von der Hektik und dem Lärm der Städte. Die Nähe der polnisch-tschechischen Grenze lädt zum Kennenlernen des südlichen Nachbarn Polens ein. Das Hotel organisiert in Zusammenarbeit mit lokalen Reisebüros Ausflüge in die wunderschöne Hauptstadt Tschechiens - Prag. Es lohnt sich auch das in der Nähe gelegene Schloss in Moschen zu besuchen, wo Harry Potter und sein Team die Kleinen in die Welt der Zauberer einführt. Der Schlosspark mit den prächtigen Azaleen kann währenddessen die Erwachsenen verzaubern. Frisch Verliebte sowie erfahrene Turteltauben finden ebenfalls im Hotelangebot etwas für sich. „Prezent idealny“ („Ideales Geschenk“) ist für sie wie maßgeschnitten. Ein ro-

SOMMERFERIEN 2018 www.debowewzgorze.eu

HOTEL DĘBOWE WZGÓRZE POKRZYWNA 48 48-267 JARNOŁTÓWEK

mantisches Abendessen im Hotelrestaurant, Champagner geliefert ins Hotelzimmer und Erholung im SPA-Bereich lassen die Zeit zu zweit genießen. Senioren können hingegen das Sonderangebot wochentags wählen. Nach der Begrüßung mit einem süßen Dessert erwartet sie ein schmackhaftes Abendessen. Während des Aufenthalts gibt es auch die Möglichkeit mit den Hotelfahrrädern ins Grüne zu fahren oder Aqua-aerobic zu versuchen. Das Hotel & SPA Dębowe Wzgórze ist ein idealer Ort für Gäste, die aktiv ihre Freizeit verbringen mögen oder sich einfach in der schönen Natur erholen wollen.

Tel. +48 77 439 77 29 Mobile: +48 664 962 147 rezerwacja@debowewzgorze.eu


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Auf den Spuren der Geschichte von robert dethloff

Polen ist voller interessanter und geschichtsreicher Plätze. Es ist fast unmöglich bei einem Polen-Besuch unberührt an den vielen herrlichen Bau- und Kunstdenkmälern, prachtvollen Schlössern und Festungen oder geheimnisvollen unterirdischen Gängen vorbei zu gehen. Polen ist reich an nationalem Kulturgut, mit dem man sich in aller Welt rühmen kann. PolenJournal.de begab sich auf die Suche nach den Spuren der Geschichte in den mit Deutschland benachbarten Woiwodschaften.

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Breslauer ring, foto: Tomasz Gąsior, Muzeum Miejskie Wrocław

Breslau Unsere Reise beginnt in Breslau. Die Anfänge der Hauptstadt von Niederschlesien reichen bis ins 10 Jh. Damit ist Breslau eine der ältesten Städte im Lande. Die Frage nach dem Ursprung der polnischen Bezeichnung Wrocław, bleibt bis heute noch ungeklärt. Laut den Überlieferungen wurde die Burg in Breslau von einem böhmischen Herzog Vratislav I. gegründet.

Deshalb denken viele, dass der polnische Stadtname seinen Ursprung im abgekürzten Namen des Herzogs hat. Der lautete (auf Polnisch) Wrocisław. Zu 100% ist man sich jedoch nicht sicher. Tatsache ist, dass im Jahr 985 die zweite Breslauer Burg auf der Dominsel erbaut wurde. Anfangs war sie Sitz der Kastellanen und

später der Piasten. Ab 1000 war die Stadt ein wichtiges Zentrum der katholischen Kirche. Durch den Akt von Gnesen wurde in Breslau ein Bistum gegründet. Die Holzburg auf der Dominsel wurde mit der Zeit ausgebaut. Zwischen dem 11. und 12. Jh. entstanden hier die ersten Bauten aus Stein. Bis zum Ende des 18 Jh. entwickelte sich die Burg zum


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prächtigen Schloss. Heutzutage anstelle der ehemaligen Burg kann man sagenhafte Kulturdenkmäler bewundern. Das älteste auf der Dominsel erhaltene Gebäude ist die spätromanische Ägidiuskirche. Das römisch-katholische Gotteshaus stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und ist dem heiligen Ägidius von St. Gilles geweiht. Stolz präsentiert sich auch der Breslauer Dom, also die Kathedrale St. Johannes des Täufers. Das prächtige Gotteshaus wurde während des zweiten Weltkrieges fast komplett zerstört. Nach dem Kriegsende startete man den mühseligen und sorgfältigen Wiederaufbau. Heute glänzt sie so, wie früher und wird nicht ohne Grund als die “Mutter aller schlesischen Kirchen” bezeichnet. Der beeindruckende Breslauer Marktplatz ist ebenfalls ein fester Punkt jeder Stadttour. Seine Größe, seine Pracht und sein Charme spürt man, wenn man herumschlendert. Im Zentrum erhebt sich das alte gotische Rathaus - ein einzigartiges Denkmal der säkularen Architektur. Das Gebäude ist ein Symbol der Stadt. Von Anfang an war dies der wichtigste Platz in Breslau. Ein Rathaus, foto: Tomasz Gąsior, Muzeum Miejskie Wrocław

Ägidiuskirche, foto: Tomasz Gąsior, Muzeum Miejskie Wrocław

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Schweidnitzer keller, foto: Tomasz Gąsior, Muzeum


m Miejskie Wrocław

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Platz, wo hohe Gäste empfangen wurden, wo Bürger einst Laienrichter und Stadträte während der Versammlungen wählten. Hier blühte auch der Handel auf, hier wurden Geschäfte abgewickelt, die zu der Entwicklung der Stadt entscheidend beigetragen haben. Heutzutage befindet sich im Alten Rathaus eine Filiale des Breslauer Stadtmuseums. Empfehlenswert ist auch ein Besuch im legendären Schweidnitzer Keller - einem der ältesten Restaurants Europas, welches sich im Rathauskeller befindet.

Breslauer Dom, foto: Tomasz Gąsior, Muzeum Miejskie Wrocław

Breslauer Dom, foto: Tomasz Gąsior, Muzeum Miejskie Wrocław


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Festung Silberberg Gelegen zwischen Neurode und Frankenstein verführt die Festung Silberberg Touristen nördlich vom Glatzer Kessel. Der gewaltige Gebäudekomplex setzt sich insgesamt aus sechs Festungen, mehreren Nebengebäuden sowie hunderten von unterirdischen Gängen und Labyrinthen zusammen. Die Festung wurde zwischen 1765 und 1777 auf den Befehl von

Friedrich II von Hohenzollern, den König von Preußen erbaut. Sie sollte das durch Preußen eingenommene Schlesien militärisch absichern. Im 17. Jh. war sie die modernste Festung ihrer Art in Europa. Bis heute sind die breiten Mauern ein Markenzeichen des Gebäudes, das einst zwischen 2,5 und 5 Tsd. Soldaten beherbergte.

foto: festung silberberg

foto: festung silberberg

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foto: festung silberberg


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foto: festung silberberg

foto: festung silberberg


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Schloss Für Schloss-Liebhaber kommen in dem drittgrößten Schloss an der Weichsel auf ihre Kosten. Die ersten Erwähnungen über das Gebäude, das an der Grenze der Stadt Waldenburg liegt, stammen aus dem 18. Jh. Das Schloss wurde zwischen 1288 und 1292 erbaut und gehörte damals, wie viele andere Burgen, dem Herzog von Schweidnitz und Jauer, Bolko I. von Schweidnitz. Strategisch gesehen hatte damals Fürstenstein eine enorm wichtige Bedeutung vor allem wegen der Lokalisierung. Auch deswegen wurde es auch „Schlüssel zu Schlesien“ genannt. Das Schloss liegt auf 365 m ü.d.M. und ist von einem Talkessel und dichtem Wald umgeben. Die Festung, anfänglich „Fürstenberg“ genannt, wechselte im Laufe der Zeit seinen Besitzer. Zuhause waren hier tschechische und ungarische Könige, bis schließlich das Schloss zurück in polnische Hände fand. Sein Aussehen verdankt das Schloss vor allem der Familie Hochberg, die es über 400 Jahre lang bewohnte. Durch das Bemühen des alten schlesischen Adelsgeschlechts kann sich das Gebäude mit einem einzigartigen Flair rühmen, das bis heute für Aufsehen unter den Besuchern sorgt. Einfluss auf das äußere Bild hatten auch die Schlossherren, die das wertvolle Objekt insgesamt drei Mal in seiner Geschichte umgebaut haben. Die erste Metamorphose wurde unter Conrad Ernst Maximilian von Hochberg vollzogen.

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rstenstein Damals wurde der repräsentative barocke Flügel mit seinen vielen wunderschönen Gemächern, der Ehrenhof und die Gebäude um das Schloss herum (Hintergebäude, Bad, Torhaus, Wache und Bibliothek) erbaut. Auf dem Pappel-Hügel entstand auch der Gartenpavillon, der später als Familiengruft diente. Hans Heinrich XV. ließ wiederum die Neorenaissanceflügel - den West- und Nordflügel bauen. Der Sohn von Hans Heinrich XI. startete auch 1908 den Bau des Waldenburger Palmenhauses, das ein Geschenk für seine Gattin, Fürstin Daisy war. der dritte Umbau des Schlosses machte die Bemühungen vieler Menschen zunichte. Deshalb kann man ihn als barbarisch bezeichnen. Das Schloss wurde erst während des zweiten Weltkriegs vom Nazi-Regime konfisziert und später durch die paramilitärische Organisation Todt komplett umgewandelt. Viele Historiker glauben, dass die intensiven Arbeiten, die im Schloss damals durchgeführt wurden, es zu einem der Hitler-Quartiere machen sollten. Auch in dieser Zeit entstanden unter dem Schloss viele Tunnel und Gänge die noch bis heute zahlreiche Geheimnisse verbergen. Die Geschichte des Schlosses ist auch deshalb alles andere als zu Ende geschrieben.


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Festungsfront im Oder-Warthe Bogen (FFOWB)

panzerkuppeln, foto: Bartosz Stańki Die Woiwodschaft Lebus hat eine fantastische Sehenswürdigkeit mit Blick auf den zweiten Weltkrieg zu bieten. Es handelt sich dabei um eines der größten Befestigungen Europas - die Festungsfront im Oder-Warthe Bogen, anders die Ostwall genannt. Das Fortifikationssystem, wurde durch das deutsche Militär zwischen 1934

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und 1944 gebaut, um die Ostgrenze des Reiches zu schützen. Die FFOWB besteht aus drei Abschnitten - der interessanteste ist jedoch bei weitem der zentrale Abschnitt, der sich von Kurzig durch Kainscht, Pniewo bis nach Burschen erstreckt und am stärksten befestigt wurde.

Die unterirdischen Bunkeranlagen, die sich über 30 Kilometer erstrecken, verbergen viele Geschichten und Geheimnisse, die bei den Besuchern für Schaudern sorgen und die Kehle zuschnüren. Man kann sich sicher sein, dass die Erkundigung der Tunnels zum unvergesslichen Erlebnis wird. Hier kommen nicht nur Geschichteliebhaber


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schiesskuppel, foto: Bartosz Stańki

drachenzähne, foto: Bartosz Stańki

und Abenteurer auf seine Kosten, sondern auch Familien mit Kindern. Der Ostwall beherbergt auch ein Schutzgebiet für rund 30 Tsd. Flughunde, die dort überwintern.

gang, foto: Bartosz Stańki


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Museum der Kriegsgefangenenlager Einen Besuch wert ist auch Sagan, wo man das Museum der Kriegsgefangenen unbedingt erkunden sollte. Hier hat die wohl spektakulärste Flucht stattgefunden, bei der 50 Flüchtlinge ermordet wurden. Anhand der Geschichte aus dem Stammlager Luft 3 wurde der bekannte Hollywoodfilm „Gesprengte Ketten” mit Steve McQueen und Charles Bronson gedreht.

Das Museum hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Auch deswegen kann man es nicht nur Geschichteliebhabern weiterempfehlen.

foto: Museum der Kriegsgefangenenlager

foto: Museum der Kriegsgefangenenlager

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foto: Museum der Kriegsgefangenenlager


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112  #Stories

foto: werbematerialien des Lebuser Landesmuseums

Folter- und Weinmuseum in Grünberg juli 2018

Das Folter- und Weinmuseum in Grünberg ist nichts für schwache Nerven. Hier ist die größte Ausstellung Polens zu finden, die auf ehrliche Weise zeigt, was mittelalterliche sowie neuzeitliche Räuber in Niederschlesien, Brandenburg und vor allem in Grünberg nachdem sie erwischt wurden, erlebt haben. Bekanntlich waren die mittelalterlichen Torturen und Folter sehr raffiniert. Anfangs einfache Folterwerkzeuge wurden immer wieder modifiziert und so verbessert, dass der Schmerz maximiert wurde. Gleichzeitig sorgte man aber dafür, dass der Gefolterte nicht zu schnell stirbt, denn dafür sorgte der Henker mit seinem Gehilfen. Die Besichtigung ist also ein wahres Gänsehaut-Erlebnis mit einer ordentlichen Dosis Geschichte.


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Foto: werbematerialien des Lebuser Landesmuseums

foto: werbematerialien des Lebuser Landesmuseums

foto: werbematerialien des Lebuser Landesmuseums

Foto: werbematerialien des Lebuser Landesmuseums

foto: werbematerialien des Lebuser Landesmuseums


114  #Stories

Stettiner Schloss Das Stettiner Schloss, gelegen in Westpommern, ist eine der schönsten Sehenswürdigkeiten und eines der größten Kulturzentren, die die Woiwodschaft zu bieten hat. Die auf dem Schlosshügel gelegene Burg war einst die Residenz der Greifen - der Herzöge von Pommern. Dass das Schloss auch als Wawel des Nordens bezeichnet wird, dürfte kaum wundern, denn die Renaissance-Architektur und die wunderschöne Landschaft lassen die Herzen der größten Nörgler höherschlagen. Das Schloss ist auch für seine vielen interessanten Geschichten bekannt. Noch im Mittelalter, um das Jahr 1124 stand auf dem Schlosshügel eine slavische Holzburg, die den Hof von Wartislaw I. beherbergte. Die Anfänge des Schlosses reichen bis ins Jahr 1346 als Barmin III. sich anstelle des Hofes auf dem Burghügel ein neues “steinernes Haus” bauen ließ. Neben dem Schloss wurde eine Ottenkirche sowie das sog. große Haus mit dem Aussichtsturm erbaut. In den Folgejahren wurde das Gebäude mehrmals umgebaut. Unter der preußischen Herrschaft verlor das Schloss seinen Renaissance-Charakter. Schwere Schäden trug das Gebäude auch nach einen Bombenangriff der Alliierten auf Stettin im Jahr 1944 davon. Das Gebäude verfiel immer mehr, bis man 1958 den Wiederaufbau nach dem Entwurf der herzoglichen Residenz begann. Dieser endete 1980.

Stettiner Schloss, Foto: Marek Kowalczyk / Zamek Książąt Pomorskich w Szczecinie

Iwan-Kupala-Tag, Foto: Beata Bogusławska / Zamek Książąt Pomorskich w Szczecinie

juli 2018


#Stories 115

Jakobskathedrale (Stettin) Eines der wertvollsten Stettiner Denkmäler bildet die Jakobskathedrale, die sich in unmittelbarer Nähe des Schlosses und des Heumarkts befindet. Die Anfänge des Kirchengebäudes reichen bis ins Jahr 1187. Damals wurde an dem Platz, wo die heutige Jakobskathedrale steht, die erste Kirche gebaut. Als Geldgeber wird ein reicher Bürgerlicher namens Beringer aus Bamberg genannt. Die Kathedrale rühmt sich mit ihrer reichen backsteingotischen Architektur, sowohl im Inneren als auch Äußeren. Einen Besuch ist auch der Aussichtsturm wert. Der Blick auf die Stadt ist atemberaubend!

Jakobskathedrale, Foto: Kapitel, Wikimedia Commons

saal von Bogislaw X., Foto: Grzegorz Solecki / Zamek Książąt Pomorskich w Szczecinie


116  #Stories

Ordensburg Marienburg juli 2018

Das gewaltige Ordensschloss gehört zur Kategorie “Must See”. Der größte Backsteinbau in Europa ist seit 1997 UNESCO Weltkulturerbe. Touristen bewundern vor allem die Monumentalität der Marienburg aber auch die Geschichte, die zusammen mit den vielen unterhaltsamen Anekdoten von Reiseführern bei der Besichtigung erzählt werden.


#Stories 117

Foto: werbematerialien des schlossmuseums in marienburg

Foto: werbematerialien des schlossmuseums in marienburg

Die Anfänge der Ordensburg reichen bis ins Jahr 1280, als sie von den Deutschen Orden erbaut wurde. In den Folgejahren wurde das Schloss immer weiter ausgebaut und erfüllte dabei gleich mehrere Rollen - von dem Sitz des Komturs, den Sitz der Hochmeister bis zum Residenzort polnischer Könige.

Foto: werbematerialien des schlossmuseums in marienburg

Leider erlebte das Schloss auch die preußische Herrschaft und den Zweiten Weltkrieg - beides hinterließ Spuren und zerstörte ein Stück Geschichte. Doch das Objekt wurde wieder aufgebaut und Jahr für Jahr können sich Besucher über immer neuerer Sehenswürdigkeiten und Ausstellungen freuen. Die Preise sind zwar nicht

gerade die billigsten, aber in diesem Fall lohnt es sich, tiefer in die Tasche zu greifen.


118  #Stories

Krantor in Danzig Eine Kult-Location in Danzig und ein fester Punkt jeder Städtetour ist das historische Krantor, dass seit Jahren die Blicke von Weltbummler und Reisenden fesselt. Die historische Konstruktion gilt als ein Wahrzeichen der Stadt und ist gleichzeitig der größte und am besten erhaltene mittelalterliche Hafenkran Europas. Das Krantor wurde zwischen 1442 und 1444

juli 2018

erbaut, aber es gibt auch Überlieferungen, denen zufolge bereits 100 Jahre früher ein ähnliches Objekt an dieser Stelle gestanden haben soll. Anfangs erfüllte es noch eine strategische Funktion und sicherte die Stadt von der Hafenseite ab. Später diente es als Hebewerk für das Umladen von Waren.

1945 wurde das Krantor durch die Rote Armee in Brand gesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage wieder rekonstruiert. Das Krantor ist nun Teil des Schifffahrtsmuseums. Ein Danzig-Besuch ohne einen Krantor-Besuch? Das gehört sich nicht, zumal es nicht weit von der Altstadt und zwischen pittoreskem Altbau gelegen ist.


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Foto: werbematerialien des Nationalen Maritimen Museums in danzig

Foto: werbematerialien des Nationalen Maritimen Museums in danzig

Foto: werbematerialien des Nationalen Maritimen Museums in danzig


120  #Stories archiwum Stowarzyszenie Centrum Słowian i Wikingów "Wolin-Jomsborg-Vineta"

Wikinger

auf dem polnischen Boden

von robert dethloff

Ragnar Lothbrok, die Hauptfigur der Serie “Vikings”, der zusammen mit seinen Wikingern das Unbekannte erschließt, hat nicht wenige Serienfans dazu ermuntert, mehr über die Wikinger zu erfahren. Dazu braucht man aber nicht im Internet rumzuwühlen. Die Wikingertraditionen, ihre Geschichten zusammen mit ihrem Glauben kann man Hautnah auf der Ostseeinsel Wollin erleben. Rund 60 km nördlich von Stettin wird Jahr für Jahr das Festival der Slawen und Wikinger veranstaltet. Die Idee, eine Veranstaltung zu organisieren stammt aus den 90er Jahren, als das Nationalmuseum in Stettin mit den Forschungseinrichtungen aus Skandinavien eine Zusammenarbeit aufgenommen hat. Anfangs hatte das Event, die Form einer archäologischen Ausstellung, die die Ergebnisse von über hundert Jahre Forschung darstellen sollte. Das erste Festival, gesponsert von dänischen Wikingern, wurde am 2. Juli 1993 veranstaltet. Damals waren noch die Islandpferde, die größte Attraktion der Veranstaltung. Diese erfreute sich im Laufe der Zeit zunehmender Beliebtheit und so wurde das Wikingerfest 1999 erstmals auf der Ostseeinsel Wollin

juli 2018

verlegt, wo seit Jahren mühsam eine Wikingersiedlug von der Stiftung “Zentrum der Slaven und Wikinger Wolin-Jomsborg-Vineta” aufgebaut wird. 27 Hütten aus der Zeit zwischen dem 9. und 11. Jh., 4 Tore, zusammen mit einem Umfassungswall mit aufgesetzten Palisaden und dem Hafen mit Kai bilden das Museumsdorf. Damit soll jedoch längst nicht Schluss sein. Schon bald werden weitere elf Objekte eingerichtet. Das gibt der Stiftung neue Möglichkeiten, noch attraktiver für Touristen zu werden. Das Dorf dürfte nämlich dann übers ganze Jahr offen sein. “Derzeit wird ein großes Projekt “Erholung mit Geschichte im Hintergrund” umgesetzt. Die Arbeiten werden bis zum Jahresende durchgeführt und die

neuen Objekte werden bereits im kommenden Jahr für Besucher zugänglich sein” - verrät Agnieszka Gawron-Kłosowska vom Zentrum der Slaven und Wikinger.

Mittelalterfeeling pur Das Wikingerfest zählt heutzutage zu den wichtigsten historisch-archäologischen Veranstaltungen in ganz Mitteleuropa. Warum werden in diesem Jahr mehr als 2500 Leute aus über 30 Ländern erwartet? Die Antwort - das pure Mittelalterfeeling. “Workshops, die das alte Handwerk präsentieren, alte Rituale, Bands, die frühmittelalterliche Musik spielen aber auch Rennen der Wikinger- und Slawenboote sowie eine Schlachtinszenierung mit über 600 Kriegern. Das


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Hauptmotiv in diesem Jahr bilden die Glaubensüberzeugungen der Slaven. Dementsprechen kann man sich mit den Bräuchen und Ritualen und der slavischen Symbolik bekannt machen. Neben den Inszenierungen sind auch Vorträge von Historikern vorgesehen” - so Gawron-Kłosowska. Auch Familien mit Kindern kommen hier auf ihre Kosten. Die bereits erwähnten Hütten, die mit Möbeln und Gebrauchsgegenstand aus der früheren Zeit können ausgestattet sind, kann man nicht nur erkunden. Kinder können die Gegenstände anfassen, selber erraten, wie sie funktionieren und Kleider kann man sogar anprobieren. Insofern muss man keine Angst haben, dass unser Sprössling etwas zerbricht oder etwas anfasst, was nicht zum Anfassen ist. Zusätzlich können die kleinsten auf einem speziellen Spielplatz u.a. Tongefäße kneten, spielen, wie im Mittelalter und sogar in einem Kinderturnier kämpfen. Beim Wikingerfest ist ziemlich viel los - Büchernarre haben eine spezielle Lesezone. Waffenliebhaber können sich Replikas und neue Prachtstücke auf einen mittelalterlichen Markt besorgen. An leckeren Essen darf es natürlich nicht mangeln - so hat jeder Besucher die Möglichkeit nach Originalrezept zubereitete Speisen zu probieren.

archiwum Stowarzyszenie Centrum Słowian i Wikingów "Wolin-Jomsborg-Vineta"

K.W. Szlósarczyk

Man kann also nicht nur viel erfahren aber auch viel lernen. “Man kann sich ein Bild davon machen, wie das Leben vor 1000 Jahren ausgesehen hat, nicht nur theoretisch, sondern auch auf eigener Haut zu erleben” - erklärt Agnieszka Gawron-Kłosowska. Interessant - das Freilichtmuseum ist sehr beliebt unter Filmemachern und Künstlern. National Geographic drehte hier den populärwissenschaftlichen Film „The secrets of the Viking Sword”. History Channel nutzte das Dorf bei der Wikinger-Serie “The Warriors”. Hier entstanden auch solche Videoclips, wie das zu dem bekannten Lied von Donatan und

K.W. Szlósarczyk Cleo - „Słowiańska krew”. Das Wikingerfest und das Dorf auf der Ostseeinsel ist ein Ort, der Spaß mit Geschichte verbindet. So lohnt es sich “Vikings” im Fernsehen auch abzuschalten und sich auf dem Weg nach Wollin Anfang

August zu machen, um dort eigenhändig in die Fußstapfen von Ragnar Lothbrok zu treten.


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Neues Leben für die Giersdorfer Perle von robert Dethloff

Giesdorfer Perle, Foto: Fundacja "Twoje Dziedzictwo"

Tausende Bücher wurden über Niederschlesien,seine Sehenswürdigkeiten und Attraktionen bereits verfasst. Trotzdem ist die Region immer noch für eine Überraschung gut. Es gibt auch eine Unmenge an Geschichten die Geschichteliebhaber und Abenteuerer begeistern. Eine von ihnen ist die Story der verfallenen evangelischen Kirche in Giersdorf, die wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt. Viele sind sich nicht einmal bewusst, dass es eine Giersdorfer Perle, wie die Kirche genannt wird, überhaupt gibt. Schade, denn dieses einzigartige Baudenkmal verbirgt in seinem Inneren eine wahre Schönheit. Diese aus der Epoche des frühen Klassizismus stammende Baute befindet sich in Żeliszów (dt. Giersdorf) in der Nähe von Bolesławiec. Die Kirche wurde zwischen 1796 und 1797 erbaut. Ihr Aussehen soll sie dem Architekten Carl Gotthard Langhans verdanken. Ob dies tatsächlich der Fall ist, bleibt jedoch unklar. Eindeutige Beweise, die dies bestätigen, gibt es jedoch nicht. Die Meinungen diesbezüglich bleiben dementsprechend geteilt. Was

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aber sicher ist - für den Glockenturm, der 1872 aus Sandstein errichtet wurde, war der lokale Architekt Peter Gansel verantwortlich. „Die Perle hat eine außergewöhnliche Form, denn sie wurde auf einem elliptischen Grundriss erbaut. Die Außenmauer wurde aus dem Bunzlauer Sandstein gefertigt. Die innere Konstruktion, die Empore und die Säulen sind wiederum aus Holz” sagte der Sprecher der Stiftung Twoje Dziedzictwo (Dt. Dein Erbe) Wilk-Korwin Szymanowski.


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Seit ihrer Entstehung bis zum Ende des 2. Weltkrieges diente die Kirche den Bewohner der Region in nahezu perfekten Zustand. Doch dann nahm die Geschichte eine unerwartete Wendung und die Baute verfiel immer mehr. „Nach dem Krieg war Polen in den Händen der Kommunisten. Objekte, die als früher deutsche galten, wurden nicht nur mit der Erlaubnis seitens der Behörden, sondern auch mit Ansporn ruiniert. Nicht gerade gut für die Perle, war auch die Tatsache, dass sie früher als evangelische Kirche diente. Als die Entscheidung fiel, ihre Pforten zu öffnen, begann die Ausstattung, Elemente aus Metall und schließlich sogar der Boden stufenweise zu verschwinden. Das Schicksal des Objekts schien als bereits besiegelt, als ein Baum beim starken Sturm aufs Dach fiel und viele Schaden verursachte,” erzählt Wilk-Korwin Szymanowski. „Die Perle wurde verlassen und für 50 jahre den Wetterbedingungen ausgesetzt. Dies bescherte ihr ihren außergewöhnlichen und kargen Charakter. Das alles zusammen zieht immer wieder neue Menschenan. Diejenigen, die die Perle schon gesehen haben, bringt sie wiederum dazu, sie erneut zu besuchen” - fügt der Sprecher der Stiftung hinzu.

Dziedzictwo (dt. Dein Erbe), die 2012 gegründet wurde und Geld für die Renovierung des Objekts sammelt. "The Chapel” war der Grundstein für die Aktion. Uns war die Perle schon früher bekannt, aber erst der Film von Patryk Kizny schaffte ein entsprechendes Umfeld, sorge für Aufsehen und verursachte, das die verrückte Idee das Gotteshaus zu retten, plötzlich nicht mehr so verrückt war”, erzählte Wilk-Korwin Szymanowski. “Dann war das nicht mehr ein von vielen verlassenen Gebäuden. Die Kirche wurde zur starken Marke, zum charakteristischen Wahrzeichen Niederschlesiens. Es wäre ein Fehler dies in den Wiederaufbau der Perle nicht umzusetzen,” fügt er hinzu. 2011 begann Kizny am zweiten Kurzfilm „The Chapel: Rebirth” zu arbeiten. Der zweite Teil sollte neues Licht auf die Geschichte. Diesmal nutzte der junge Regisseur die Laserscantechnik, der sich oft Ingenieure und Architekten bedienen. „Rebirth” feierte seine Prämiere 2014 in Breslau. Das lange Warten hat sich ausgezahlt, denn der Endeffekt ist atemberaubend. Wichtig - beide Filme von Kizny kann man sich im Netz kostenlos anschauen.

Der Wiederaufbau

2013 übernahm die Stiftung Twoje Dziedzictwo das Objekt. Nachdem die erforderlichen Finanzmittel u.a. mithilfe des Kultusministeriums Giesdorfer Perle, Foto: Fundacja "Twoje Dziedzictwo" und dem Marschallamt der Woiwodschaft Niederschlesien gesammelt wurden, startete man 2014 mit den ersten Renovierungsarbeiten. Vor allem die durch Unwetter beschädigte Dachkonstruktion bedarf einer rundum ErDen sagenhaften Bau und das zauberhafte und geheimneuerung. nisvolle Innere würdigte u.a. der begabte Regisseur Patryk Kizny, der 2010 nach einem geeigneten Platz für „Sollten die Arbeiten heute aus irgendeinem Grund seinen Kurzfilm suchte. unterbrochen werden, dann könnte die Perle weitere Jahrzehnte warten, bis sie wieder aufgenommen werKizny entschied sich für die verlassene Kirche in Giersden. Die Dachkonstruktion, der Belag, das Gewölbe und dorf und wenig später ist “The Chapel” entstanden die Dachrinnen sowie der Blitzableiter - das alles wurein Kurzfilm mit Fotos aus dem Inneren, die mithilfe de bereits erneuert. So wurde das Überleben der Perle von visuellen Effekten dem Gotteshaus neuen Charme sichergestellt. Nun kämpfen wir dafür, dass die Perle verliehen haben. Das Werk, produziert vom breslauwieder zum öffentlichen Gebäude mit einer kulturellen er LookyCreative-Studio produziert, war wortwörtlich Funktion wird. Das braucht viel Arbeit, aber wir sind ein Volltreffer. Der rund 4 Minuten lange Clip eroberte guter Dinge” - versichert Korwin-Szymanowski. schnell das Netz und wurde zum Viralhit mit über einer Million Clicks. Der Kurzfilm wurde schnell zum MedieBereits 2019 könnte man die Sanierungsarbeiten beennerfolg aber auch zur Inspiration für die Stiftung Twoje den. Dann könnte das Objekt zu einer multifunktionalen Kulturarena verwandelt werden.

„The Chapel” und „Rebirth” – Filme, die die Kirche wieder aufleben ließen


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Groß Rauden (Rudy) Tief in den oberschlesischen Wäldern östlich von Ratibor war über Jahrhunderte das größte Zisterzienserkloster Oberschlesiens: Kloster Rauden! Nach der Säkularisation im Jahr 1810 wurde die Anlage zum Sitz der Fürsten von Ratibor. Heute ist die alte Klosteranlage frisch renoviert. Im Jahre 1258 gründete Herzog Wladislaus I. von Oppeln in den Wäldern zwischen Ratibor, Sohrau und Gleiwitz ein Zisterzienserkloster, das er in den Folgejahren reich mit Gütern ausstattete. Die Mönche erbauten hier eine Backsteinkirche und ein Kloster aus Holz. Sie verbesserten den Ackerbau, führten die Forstwirtschaft und verschiedene Industrien ein. Auch erweiterten sie die ihnen überlassenen Dörfer mit Siedlern aus dem Westen. Die Hussitenzüge ab 1428, der Dreißigjährige Krieg und die Schlesischen Kriege fügten dem Kloster jedoch zahlreiche Schäden zu. In der Mitte des 17. Jahrhunderts besaß das Kloster zwölf Dörfer, große Forsten und gewinnbringende Industrieanlagen wie Eisenhütten, Kupferhämmer und Glashütten. Dementsprechend war es dem Konvent möglich, das Kloster neu aus- und umzubauen. So wurden zwischen 1671 und 1680 neue Konventsgebäude errichtet. Nur wenige Jahrzehnte später wurde die Kirche barock umgestaltet und erweitert. Im Kloster bestand zwischen 1744 und 1816 eine Lateinschule mit Internat. Ein anderes Gebäude diente als Bibliothek, die etwa 18.000 gedruckte Bände enthielt. Damit war das Kloster Rauden eine wichtige Zentrale der Bildung in Oberschlesien. Mit der Säkularisation im Jahre 1810 ging auch in Rauden die Zeit des Zisterzienserordens zu Ende. Die Güter wurden zur Staatsdomäne, die Kirche wurde zur Pfarrkirche der Gemeinde umfunktioniert. 1812 kam die Staatsdomäne zusammen mit anderen Gütern zur Herrschaft Ratibor. 1820 wurde sie dem Land-

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grafen Viktor Amadeus von Hessen-Rothenburg als Entschädigung für Landverluste nach den Grenzziehungen von 1815 übergeben. Landgraf Viktor erhielt nur ein Jahr später vom preußischen König die Würde eines Herzogs von Ratibor und machte Rauden zum Sitz eines Mediatherzogtums. Das alte Kloster wurde zum Schloss ausgebaut. Sein Erbe wurde 1834 Prinz Viktor von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingfürst. Als herzogliche Residenz gewann der Ort an Strahlkraft für ganz Oberschlesien. Im Zweiten Weltkrieg wurden Schloss und Kirche fast vollständig vernichtet. In den letzten Jahrzehnten wurden diese aber wiederhergestellt. Heute enthält das ehem. Klostergebäude ein Bildungszentrum der Diözese Gleiwitz.

Besonders sehenswert ist hier die Klosterkirche. Der erste frühgotische Kirchbau wurde um das Jahr 1300 beendet. Zwischen 1696 und 1716 wurde die Klosterkirche barock umgestaltet. 1790 wurde der Umbau durch die Gestaltung einer neuen Fassade im Barockstil beendet. Nachdem die Kirche 1945 ausgebrannt war, wurde sie zwischen 1947 und 1950 wiederaufgebaut. Das Innere wurde dabei regotisiert. Die Kirche enthält eine barocke Marienkapelle aus den Jahren 1723 bis 1726. Darin befindet sich das Gnadenbild der „Muttergottes von Rauden“ („Die Demütige“). Im Norden an die Kirche schließt sich das quadratische Klausurgebäude an, das zwischen 1671 und 1680 auf gotischen Mauerresten errichtet wurde. Es hat zwei Stockwerke,

Kreuzgang und Klostergarten. Nördlich schließt sich der Abtspalais aus der Zeit um 1730 an. Nördlich vom Klostergebäude befindet sich ein Landschaftspark im englischen Stil, der in der jetzigen Form etwa um 1849 angelegt wurde. Wenn Sie mehr über Groß Rauden und seine Sehenswürdigkeiten lesen wollen, können Sie das im Online-Reiseführer Oberschlesien hier [http://www.orf-oberschlesien.de/ Gross-Rauden] tun.

von prof. Dr. Ralph Wrbel


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Teschen (Cieszyn) Die Stadt an der polnisch-tschechischen Grenze war ehemals die Hauptstadt des gleichnamigen oberschlesischen Herzogtums. Sie ist Zentrum des oberschlesischen Protestantismus und seit dem Ersten Weltkrieg zwischen Polen und Tschechien (ehem. Tschechoslowakei) geteilt. Gemäß einer alten Sage wurde die Stadt Teschen im Jahre 810 von den drei Söhnen des polnischen Königs Leszek III. gegründet. Die Brüder sollen sich an einer Quelle der Olsa

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überraschend wiedergetroffen und dort eine Stadt gegründet haben, die sie „Cieszyn“ (vom poln. „cieszyć się“ / sich freuen) nannten. Tatsächlich ist bereits im Jahre 1155 eine

Kastelanei Teschen als Grenzburg des zum Königreich Polen gehörigen Bistums Breslau urkundlich belegt. Die vorgeschichtlichen Funde auf dem Burgberg der Stadt gehen je-


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doch bis ins 9. Jahrhundert zurück. Hier steht bis heute die Nikolauskirche, eine vorromanische Rundkapelle des 11. Jahrhunderts. Sie ist das älteste erhalten gebliebene Gebäude Schlesiens. Im Jahre 1223 wird dann auch ein Suburbium, also eine altpolnische Stadt unter der Teschener Burg urkundlich erwähnt. Im Jahre 1163 kam Teschen an das neu gegründete Herzogtum (Oppeln-)Ratibor. 1281 wurde das Herzogtum – damals noch mit dem Auschwitzer Gebiet verbunden - bei der Teilung des Oppeln-Ratiborer Gebietes unabhängig. 1327 unter-

stellten sich die Teschener Piastenherzöge dem Königreich Böhmen. Diese Linie beherrschte das Teschener Gebiet sowie andere Teilherzogtümer in Schlesien bis ins 17. Jahrhundert hinein. Ihr Sitz war die Teschener Burg. Unter der Burg legte Herzog Wladislaus I. von Oppeln (1246 – 1281) eine deutschrechtliche Stadt an. Der älteste Hinweis darauf ist die Erwähnung eines Dominikanerklosters aus dem Jahre 1263. Eine „civitas Tessin“ erscheint 1284 erstmalig in den Urkunden. Von Teschen aus wurde auch das Beskidenvorland

in der Folgezeit deutsch besiedelt. Mit 162 Bürgerhäusern zählte die Stadt zu den größeren Gründungen der damaligen Zeit. Im Mittelalter war die Stadt zweisprachig, deutsch und polnisch. Einen wirtschaftlichen Aufschwung nahm die Stadt dann v.a., als der Fugger-Thurzo-Konzern, der „Gemeine Ungarische Handel“, die Straße über den Jablunka-Pass ausbaute und Teschen zu einer Handelsstation machte. Von besonderer Bedeutung für Teschen ist bis heute die Reformation, die bis 1545 umgesetzt wurde. Obwohl der Landesfürst, Adam Wenzel, 1610 zum Katholizismus übertrat, kam die Gegenreformation doch erst mit der Errichtung einer Jesuitenresidenz im Jahre 1670 in Gange. Erst 1683 war die Stadt wieder vollkommen katholisch. Ein Teil der Evangelischen wanderte aus. Als heimgefallenes Lehen unterstand die Stadt dann seit 1653 direkt dem Kaiser. Eine geistige Wende brachte die nach der Altranstädter Konvention 1709 errichtete evangelische Gnadenkirche, die bis 1740 die einzige protestantische Kirche Oberschlesiens war. Von hier aus betreuten fünf Pastoren an die 40.000 protestantische Gläubige. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg verblieb das Teschener Land beim Königreich Böhmen. Teschen wurde so nach dem Toleranzpatent von 1781 Sitz des evangelischen Konsistoriums für die ganze K&K Monarchie. Im 18. Jahrhundert kam Teschen als Lehen an die Herzöge von Lothringen, die 1837 auf dem Schlossberg ein neues Schloss errichten ließen. Im 19. Jahrhundert wurde Teschen zu einem Mittelpunkt der nationalen Gegensätze. Zwischen den nationalpolnischen und deutschnationalen Bestrebungen waren insbesondere die „Schlonsaken“, die polnischsprachigen aber deutsch gesinnten Protestanten des Teschener Gebietes, umkämpft. Durch den Anschluss an das habsburger Eisenbahnnetz kam es in Teschen im 19. Jahrhundert parallel zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Zahlreiche Neubauten entstanden in der Stadt. Nach dem Zusammenbruch der K&K Monarchie am Ende des Ersten Weltkrieges


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te des Burgberges wurde 1838 bis 1840 anstelle der Niederburg ein Spätklassizistisches Jagdschloss für Erzherzog Karl von Habsburg errichtet. Nach 1945 wurde das Schloss zur Musikschule umgebaut.

wurden die Stadt Teschen und das alte Teschener Herzogtum zwischen Polen und der Tschechoslowakei vom Völkerbund geteilt. Während der polnische Teil von Teschen daraufhin schnell polonisiert wurde, hielt sich im tschechoslowakischen Teil der Stadt noch eine deutsch-schlonsakische Mehrheit. Die Besetzung des Olsa-Gebietes durch Polen 1938 brachte noch einmal eine kurze Wiedervereinigung der Stadt, die 1945 wieder endete. Erst seit der EU-Mitgliedschaft Polens und Tschechiens im Jahre 2004 ist die innerstädtische Grenze wieder offen, so dass man problemlos die Seiten der Olsa wechseln kann. Zentrale Sehenswürdigkeit in Teschen ist die Teschener Burg mit der Burgkapelle der Heiligen Nikolaus und Wenzel und dem habsburger Jagdschloss. Der befestigte Burgbau wurde vermutlich unter den Herzögen Kasimir I. und Primislaus I. von Teschen als Rechteckanlage mit vier Türmen ausgebaut. Das Oberschloss wurde 1839 geschleift und stattdessen eine romantische Parkanlage mit künstlichen Ruinen errichtet. Vom gotischen Schloss hat sich lediglich der sog. Piastenturm aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Er dient heute als beliebter Aussichtsturm. Die Rotunde der Heiligen Nikolaus und Wenzel gehört zu den wichtigsten Sakaralbauten

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vorromanischer Zeit im östlichen Mitteleuropa. Sie wurde vermutlich in der Mitte des 11. Jahrhunderts als einziger Massivbau in der damals hölzernen Burg errichtet. Klassizistische Umbauten wurden 1941 wieder beseitigt. Die Kirche

hat schmale Rundbogenfenster und Kegeldächer. Im Schiff befindet sich eine säulengestützte Empore. Die Rotunde in Teschen ist damit das älteste Kirchengebäude im heutigen Polen. Am Hang auf der Stadtsei-

Besonders elegant wirken in Teschen das Rathaus und der Ring. Das barock-klassizistische Rathaus am Ring wurde im 16. Jahrhundert an der Südseite des Teschener Ringes als Steinbau errichtet. 1726 wurde ein Fest- und Theatersaal angebaut. 1788 wurde das Gebäude teilweise zerstört und um 1800 im klassizistischen Stil wiederaufgebaut. Nach einem erneuten Brand erfolgte der Wiederaufbau ab 1844. Das heutige Gebäude hat ein Walmdach und einen dreigeschossigen Turm. Am Ring gibt es bis heute viele schöne alte Häuser, z.B. Nr. 20, das Hotel „Zum braunen Hirsch“, errichtet 1912 im Neobarock-Jugendstil. Andere Häuser am Ring weisen Renaissance- und Barockelemente auf. Viele Häuser haben Laubengänge. Mitten auf dem Ring steht ein Brunnen mit der Figur des

Heiligen Florian. Er stammt vermutlich aus den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts. Die Stadt Teschen besitzt zudem zahlreiche sehenswerte Kirchen.


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Dazu gehört die Kath. Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz (ehem. Jesuitenkirche). Die Jesuiten kamen bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts zur Gegenreformation nach Teschen. Anfang des 18. Jahrhunderts errichteten sie mit Hilfe von Kaiser Leopold I. östlich des Ringes in Teschen eine Kirche mit Kollegium. Nach der Auflösung des Ordens wurde diese Gymnasialkirche. Heute dienst sie als Franziskanerkirche und das ehem. Kollegium als Kloster dieses Ordens. Die spätbarocke Saalkirche wurde Ende des 18. Jahrhunderts grundlegend umgebaut und in den folgenden Jahrhunderten mehrfach renoviert. Der quadratische Fassadenturm hat eine durchbrochene Barockhaube. Der Hauptaltar ist spätbarock. Das neben der Kirche liegende ehem. Kollegium wurde nach der Auflösung des Jesuitenordens zu einer Bibliothek und zu einem Museum umfunktioniert. Ebenso sehenswert ist die Kath. Pfarrkirche St. Maria Magdalena. Die ehem. Dominikanerkirche wurde an Stelle eines Holzbaues in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts neben dem Teschner Ring errichtet. Es handelt sich um eine Stiftung der Herzogin Euphemia, der Ehefrau Herzogs Wladislaus von Oppeln. Von ca. 1263 bis zum Stadtbrand 1789 wurde die Kirche von den Dominikanern betreut. Danach wurde sie als Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena im spätbarock-klassizistischen Stil wiederaufgebaut. Seitdem fanden mehrere Renovierungen statt, zuletzt um das Jahr 2000. Die gotische Backsteinkirche enthält Steindetails aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Das einschiffige Langhaus ist barockisiert und mit Kapellen aus dem 17. und 18. Jahrhundert flankiert. Der Hauptaltar stammt aus dem Jahre 1794. Die Kirche enthält das Grabmal von Herzog Primislaus I. (?), Herzog von Teschen aus der Zeit um 1380/90. Von hervorgehobener Bedeutung ist aber die evangelische Gnadenkirche zum Namen Jesu am Rande der Innenstadt. Ursprünglich außerhalb der Stadtmauern gelegen, wurde sie zwischen 1709 und 1723 als evangelische Gnadenkirche nach

der Altranstädter Konvention errichtet. Der Turm stammt aus dem Jahre 1750. Seitdem ist die Kirche Zentrum des Protestantismus in der Region, seit dem Ersten Weltkrieg sogar ganz Polens. Die Kirche enthält drei Emporen, einen Rokoko-Hauptaltar sowie eine spätbarocke Kanzel mit Salvator-Mundi-Figur auf dem Baldachin. Die Orgel stammt aus dem Jahre 1785.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Dreibrüderbrunnen, der an die Gründung der Stadt erinnert, sowie der Larisch-Palast mit dem Museum des Teschener Schlesien (Muzeum Śląska Cieszyńskiego).

von prof. Dr. Ralph Wrbel


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Adieu Sonderwirtschaftszonen Sie beherbergen Tausende Arbeitsplätze, tausende Unternehmen und Investitionen. Das Ministerium für Unternehmertum und Technologie zog ein Resümee zur alten Form der Wirtschaftszonen an der Weichsel.

Investitionsausgaben und Arbeitsplätze

Vor allem Autoindustrie

Sondewirtschaftszonen neu definiert

Zwischen 1994, als die Sonderwirtschaftszonen ins Leben berufen wurden und 2017 wurden in den polnischen Wirtschaftsgebieten rund 106,6 Mrd. Zloty investiert. Geld haben in Polen vor allem Investoren aus dem Ausland ausgegeben. 47% der Geldgeber stellen Unternehmen aus dem folgenden fünf Nationen dar - Deutschland (18,8%), Niederlande (8,2%) sowie USA (8,1%), Luxemburg (6,3%) und Italien (5,3%). Der Anteil der polnischen Unternehmen, die in den Sonderwirtschaftszonen präsent waren, belief sich auf 21,5% - informierte das Ministerium.

Laut dem Bericht aus dem Ministerium haben Unternehmen aus der Autoindustrie den größten Anteil am gesamten Investitionswert (fast 24%). Viel Geld wird auch von Investoren aus den Bereich der Kunststoffindustrie (9,9%) und Metallindustrie (7,7%) ausgegeben.

Ab dem 1. Juli 2018 wird aus ganz Polen eine Sonderwirtschaftszone. Laut dem neuen Gesetz, das nun in Kraft tritt, ist ganz Polen ein Gewerbegebiet. Laut den neuen Vorschriften können Investoren mit Steuererleichterungen für 10 bis 15 Jahre rechnen. Weitere Anreize sind für Unternehmen vorgesehen, sie sich in wirtschaftlich schwachen Regionen und Gebieten mit hoher Arbeitslosenquote oder Städten, die gesellschaftlich als auch wirtschaftlich an Bedeutung verlieren, ansiedeln. Stärker werden auch KMUs unterstützt.

Ende 2017 konnten sich die insgesamt 14 Sonderwirtschaftszonen in Polen mit 353.000 Arbeitsplätzen rühmen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Stellen um 6,3%. Das entspricht umgerechnet 21.000 Arbeitsplätzen.

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Mit der stärksten Branchenkonzentration können sich die Sonderwirtschaftszonen Katowice und Legnica rühmen. In diesen beiden Zonen wurden 52,5% und 49% des Investitionskapitals in den führenden Branchen investiert. In der Sonderwirtschaftszone Slupsk, Walbrzych und Suwalki lag der Anteil der führenden Branche bei mehr als 40% - so das Ressort. Die bis zum 30. Juni existierenden Sonderwirtschaftszonen hatten eine Gesamtfläche von 22.660,7 ha.

Bei Investitionsvorhaben werden vor allem solche begünstigt, die die Wettbewerbsfähigkeit und Innovation der regionalen Wirtschaft fördern und nach vorne bringen.

von piotr Piela


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Investorenbetreuung neu definiert Ein Interview mit Alicja Górska, der Vorstandsvorsitzenden des Industrieparks Kandrzin-Cosel.

Das Ministerium für Unternehmertum und Technologie hat ein Resumee über die Tätigkeit der Sonderwirtschaftszonen in Polen gezogen. Das Servicecenter für Investoren funktioniert seit knapp einem Jahr. Wagen Sie auch eine kleine Zusammenfassung? Das würde ich nicht machen, denn Ziel des Servicecenters (COI) ist neben der Vermarktung und Verwaltung von Investitionsflächen, auch einen Platz für den Investoren zu schaffen, mit einer starken Partnerschaft zwischen den Subjekten aus den Investitionsumfeld und mit einer entsprechenden Unterstützung der Investorentätigkeit. Darauf legen wir enormen Wert seit einem Jahr. Erste Erfolge konnten wir bereits feiern, aber es ist ein fortlaufender Prozess. Der Zeitpunkt für ein Resümee wird noch kommen. Per neues Gesetz wurde der Begriff Sonderwirtschaftszone neu definiert. Wird die neue Gesetzgebung die Tätigkeit des Industrieparks Kandrzin-Cosel unterstützen? Was wird sich bei den Steuerermäßigungen für die Unternehmen verändern? Auf jedem Fall werden wir unterstützt. Der Industriepark kooperiert mit der Sonderwirtschaftszone Katowice und unser Angebot wird durch die Ermäßigungen ausgeweitet.t. Durch das neue Gesetz werden anstatt der Genehmigungen, Entscheide zur Unterstützung erteilt. Diese nehmen die gleiche Form an - Steuerentlastung für 15 Jahre ab dem Ausstelldatum für Investition auf dem Gelände der Sonderwirtschaftszonen und 10 Jahre für Investitionsvorhaben auf den verbleibenden Gebieten in Polen. Zusätzliche Anforderungen für die Investoren und Unternehmer, die nach Unterstützung ersuchen werden per Verordnung noch festgelegt. Bekannt ist aber, dass es sich

um quantitative und qualitative Kriterien handeln wird. Diese sollen das Ausmaß an Unterstützung bestimmen. Wie würden Sie die Gesetzveränderungen in Bezug auf Investitionen einschätzen? Kommen nun Investoren stärker in Polen und in Kandrzin-Cosel investieren? Meiner Meinung nach, wird sich das neues Gesetz nicht direkt auf die Investitionsausrichtung in Polen auswirken. Anfags wird es bestimmt schwer Vergleiche zu Ziehen und über Ergebnisse zu sprechen. Polen ist aber schon ein gereifter InvestitiAlicja Górska, Vorstandsvorsitzende des Industrieparks Kandrzinonsmarkt, der seiCosel ne Vorzüge hat, wie etwa eine gute LokaStandorte. Das ist auch ein bedeulisierung oder qualifiziertes Personal. tender Vorzug, wenn es um potenEntscheidend für die Bewertung von zielle Synergien in der ChemiebranKandrzin-Cosel oder anderen Orten che geht. Auf der anderen Seite sind in Polen sind jedoch immer die indiin unserer Nähe viele Unternehmen viduellen Anforderungen des Invesaus dem Automotivesektor lokalitoren. siert. Hier gibt es auch großes Potenzial für eine Zusammenarbeit. Der Industriepark verwaltet 77 Das Gebiet, das in den Bereich des Hektar an erschlossener InvesSüdfelds fällt, ist in der städtischen titionsflächen. Warum hat das Raumplanung für die Industrie vorsog. Südfeld ein so hohes Invesgesehen. Es gibt keine Beschräntitionspotenzial? kungen für die Bauhöhe, die Investitionsgebiete können in bis zu Wir sind vor allem ein wichtiges Che90% bebaut werden. Das sind ermierevier auf der wirtschaftlichen schlossene Investitionsflächen mit Karte Polens. Bekannte Marken, wie sämtlichen Anschlüssen und AnAzoty ZAK, Brenntag Polska, Petrofahrtstraßen. Die Grundstücke kann chemia Blachownia oder Unternehman beliebig zusammensetzen, alles men mit deutschem Kapital, wie A. nach den Anforderungen des InvesBerger oder Reutgers haben hier ihre tors. Hervorragend ist auch die Lo-


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kalisierung mit ihrer Nähe zu den europäischen Hauptstädten und großen Absatzmärkten, darunter auch dem tschechischen Markt aber auch zwei großen Agglomerationen mit Zugang zu Arbeitskräften. Wir arbeiten auch mit FuE-Einrichtungen, wie etwa dem Institut für Schwere Organische Synthese Blachownia, das für viele bereits in der Industrie angewendete Technologien verantwortlich ist. Wir sind offen gegenüber verschiedenen Branchen, wir sprechen mit Investoren aus aller Welt. Bei Investitionen handelt es sich nicht um Grenzen, Branchen, um Unterschiede sondern um die Flexibilität, Anpassung der Nachfrage an das Angebot aber auch um gegenseitige Achtung, Zusammenarbeit und gute Beziehungen. Der Industriepark vermarktet nicht nur Investitionsgebiete, sondern unterstützt in vielen Hinsichten Investoren bei ihrer Tätigkeit in Kandrzin-Cosel. Sie haben viel über die Investitionsgebiete gesprochen, doch angeboten werden auch Büroflä-

Das Servicecenter (COI)

juli 2018

chen und Konferenzsäle. Neu gegründete Unternehmen, haben wiederum das Gründerzentrum zur Verfügung. Das stimmt, das sind alles Unterstützungs- und Beratungsdienste. Wir helfen ein Unternehmen zu gründen, bieten Büro- und Konferenzräume zur Vermietung aber auch unterstützen bei der Suche nach Arbeitskräften oder Beratungsfirmen. In anderen Worten - wenn der Investor eine Anforderung äußert, dann leisten wir gerne Hilfe nicht nur bei Business- sonder auch gesellschaftlichen Prozessen und Vorgängen. Dabei handelt es sich um das Kennenlernen der Stadt, die Unterkunft für Arbeitnehmer oder Experten aber auch um solche Dinge, wie die Anreise zum Arbeitsort oder Bauplatz. Wir haben auch viele Kontakte zu Subjekten und Institutionen, die die Wirtschaftsentwicklung fördern. Unternehmen müssen mit den entsprechenden Partner zusammenkommen. Wir helfen gerne dabei und sind offen für Wünsche und Vorschläge.

Offen ist der Industriepark auch gegenüber der Jugend. Es ist nicht lange her, als die Gewinner des Wettbewerbs "Pole sukcesu / Erfolgsfeld" gekürt wurde. Was erhoffen Sie sich von solchen Initiativen? Werden solche Projekte in Zukunft umgesetzt? Eine unserer Aufgaben ist die Förderung des Unternehmertums. Wir investieren in die Bildung sowie Projekte und Workshops, die an die Jugend, also unseren zukünftigen Arbeitnehmer gerichtet sind. Das von Ihnen angesprochene Projekt zusammen mit der alljährigen Gründerwoche - hier werden viele von solchen Maßnahmen umgesetzt und immer mit großer Freude. Förderung und Investition in Wissen und Qualifizierung ist ein langfristiger Vorgang mit dem Ziel, dass er sich in Zukunft durch Arbeitskräfte für unsere Unternehmen zurückzahlt.

von piotr Piela


#Aktuelles 135

Fantastisches Jahr für die Autoindustrie in Polen Neue Bestmarken wurden in der vermarkteten Produktion, Beschäftigung sowie in den Ausfuhren gesetzt - informierte das Branchenportal AutomotiveSuppliers.pl. 2017 war in vielen Hinsichten ein historisches Jahr für die Autoindustrie an der Weichsel. Historische Werte wurden bei der vermarkteten Produktion mit 184,44 Mrd. Zloty und einem Wachstum von 7,8% gegenüber 2016 erreicht. Innerhalb von fünf Jahren stieg die vermarktete Produktion in Polen um ganze 44%. Die Tendenz, dass die vermarktete Produktion bei Herstellern von Autoteilen- und Komponenten steigt

schneller als bei den Autobauern, besteht weiterhin - sagt Rafał Orłowski von AutomotiveSuppliers.pl und fügt noch hinzu - Das spiegelt sich im immer höheren Anteil dieser Gruppe an dem Gesamtumsatz der Autoindustrie in Polen wieder. Der Höhenflug der Branche ist auch bei dem Export deutlich zu erkennen. 2017 erreichten die Ausfuhren 25,2

Mrd. Euro, was einem Plus von 9,7% also 2,2 Mrd. Euro gegenüber 2016 gleichzustellen ist. Damit verzeichnete man auch das beste Ergebnis in der bisherigen Geschichte des Sektors. Die Autoindustrie in Polen exportiert vor allem nach Deutschland (30,1% der Ausfuhren der Branche und +9,2% im Vergleich zu 2016 ), aber auch nach Italien (8,4%) und Tschechien (8,4%). Die wichtigste Produktgruppe sind Teile und Komponente, wo der Export 2017 11,2

die von bereits in Polen vertretenen Unternehmen realisiert werden. Hinzu kommen auch Firmen, die an der Weichsel ihre Projekte zum ersten Mal umsetzen.

Mrd. Euro erreichte und um 10,3% im Vergleich zu 2016 zugelegt hat.

eine steigende Nachfrage, aber die Tendenz längst langsam nach. Einen negativen Einfluss nimmt auch die zurückgehende Autoproduktion in Polen - schätzt Rafał Orłowski. Trotzdem durfte die vermarktete Produktion um 5% bis 6% und die Ausfuhren um 4% bis 5% steigen. Die Beschäftigung dürfte erstmals die 200.000-Marke übersteigen - schätzt AutomotiveSuppliers.pl

Zusammen mit dem Export und der Produktion wuchs auch die Beschäftigung. Ende 2017 arbeiteten in den Betrieben 194,2 Tsd. Arbeitnehmer, also 14,2 Tsd. (+8,2%) mehr als noch 2016. Laut AutomotiveSuppliers.pl ist die steigende Beschäftigung vor allem den Investitionen,

2018 dürfte die Branche in allen drei erwähnten Bereichen noch mal nachlegen. Wichtig ist dabei die Konjunktur in den EU-Ländern, vor allem in Deutschland, denn sie nimmt entscheidenden Einfluss auf die Autoindustrie in Polen. Wir beobachten

von Anna Rosenthal


136  #ratgeber

Neue Gesetze für polnische Unternehmer Eines der wichtigsten Ziele der aktuellen Regierung in Polen ist es, das polnische Wirtschaftsrecht zu reformieren, sodass die wirtschaftliche Entwicklung weiter gefördert und das Unternehmensumfeld verbessert werden kann. Um dieses Ziel zu erreichen wurden in den letzten Monaten viele neue Gesetze ins Leben gerufen. Bisher erleichtern die neuen Regulationen die Unternehmensführung jedoch kaum. Zum Autor: Aleksander Giehsmann, in Polen als Rechtsanwalt zugelassen. Er führt eine Rechtsanwaltskanzlei mit Sitz in Wrocław und Kędzierzyn-Koźle, die kleine und mittlere Unternehmen bei der Unternehmensführung rechtlich begleitet. www.adwokat-agk.pl

Grundgesetz für das Unternehmertum Am 30. April 2018 trat das sog. Grundgesetz für das Unternehmertum (poln. Konstytucja Biznesu) in Kraft. Es handelt sich dabei um fünf Gesetze, die das polnische Wirtschaftsrecht weitgehend verändern sollen: Name und Kontaktdaten des Verantwortlichen, ggf. Kontaktdaten des Datenschutzbeauftragten, 1. das Gesetz über das Recht der Unternehmer; 2. das Gesetz über den Ombudsmann der kleinen und mittelständischen Unternehmen; 3. das Gesetz über das Zentralregister für die Gewerbetätigkeit natürlicher Personen (poln. Abk.: CEIDG); 4. das Gesetz über ausländische Investitionen im Wirtschaftsbereich auf dem Gebiet Polens; 5. das Einführungsgesetz.

Was ändert sich? Die meisten Änderungen ergeben sich aus dem Gesetz über das Recht der Unternehmer. Hierzu ist in erster Linie zu beachten, dass der Gesetzgeber manche Grundsätze des Zusammenwirkens zwischen dem Staat und den Unternehmern ausdrücklich normiert hat. Es handelt sich um folgende Grundsätze: 1. was durch das Gesetz nicht verboten ist, ist erlaubt, 2. alle Unternehmer müssen gleich behandelt werden, 3. im Zweifelfällen sollen die Behörden für und nicht gegen den Unternehmer entscheiden. Wenn es um den letztgenannten Grundsatz geht, muss man jedoch erwähnen, dass dieser keine Anwendung findet, wenn die betroffene Angelegenheit von wesentlicher Bedeutung für den Staat ist. Wann die Angelegenheit als wesentlich für den Staat zu betrachten ist, wird sich erst in Zukunft ergeben, da das Gesetz keine Definition dieses Begriffes enthält. Es bleibt abzuwarten, wie die zuständigen Behörden diesen Begriff auslegen werden.

juli 2018


#ratgeber 137

Ferner wurde auch der Ombudsmann der kleinen und mittelständischen Unternehmen ins Leben gerufen. Der Ombudsmann wird die Befugnis haben, eine Interpretation der Vorschriften, die eine wesentliche Bedeutung für das Unternehmertum haben, von den Regierungsministern zu verlangen,. Er wird auch Gesetzentwürfe im Bereich des Wirtschaftsrechts begutachten und ggf. rechtswidriges Handeln von Behörden, die das Unternehmertum betreffen, den entsprechenden Institutionen melden.

Zentralregister für die Gewerbetätigkeit natürlicher Personen Wichtig sind ferner die Änderungen, die durch das Gesetz über das CEIDG eingeführt wurden. Die Änderung von enormer Bedeutung, insbesondre für ausländische Unternehmer, ist die Einführung der Möglichkeit der Erteilung einer Prokura auch durch Gewerbebetreibende. Früher war es in Polen nicht gestattet. Somit muss der Gewerbebetreibende keine speziellen Vollmachten zur Ausführung von jeglichen Arten von gerichtlichen und außergerichtlichen Geschäften erteilen, sondern kann, wie im Falle von Gesellschaften, bloß eine Prokura erteilen. Der Prokurist kann somit alle Geschäfte im Namen des Gewerbebetreibenden abwickeln, wenn dieser z.B. abwesend ist. Die Prokura, wie auch jede einzelne Vollmacht, muss nicht schriftlich erteilt werden. Es reicht einen entsprechenden Antrag beim Register online zu stellen. Das neue Gesetz führt auch den Grundsatz der Kontinuität des Betreibens eines Gewerbes ein. Anhand der neuen Regelungen, wird die Gewerbeführung als ununterbrochen betrachtet, wenn der Gewerbebetreibende für kurze Zeit aus den Register gestrichen wurde und sich danach wieder einschreiben lies. Somit wird die neue Registrierung nicht als ein neues Gewerbe gewertet, wie es bisher der Fall war. Dies ist vor allem für öffentliche Ausschreibungen von enormer Bedeutung, wenn ein Unternehmer eine gewisse Erfahrung aufweisen muss und dabei scheitert, sodass sein Gewerbe mal aus dem Register gestrichen wurde, wenn auch nur für einen Tag.


138  #ratgeber

Mehr kann online erledigen werden Aufgrund der neuen Gesetzte wurde auch eine Webseite unter der Adresse www.biznes.gov.pl errichtet. Diese soll ausführliche Informationen über die Führung eines Unternehmens in Polen beinhalten. Somit sollen die Unternehmer die Möglichkeit haben, schneller und einfacher Informationen zu erhalten. Es wurden auch online Kontaktpunkte für Unternehmer errichtet. Anhand solch eines Kontaktpunktes kann eine Person ihr Gewerbe online registrieren, wie auch ihre Angaben aktualisieren. Die Kontaktpunkte können auch Bescheinigungen, dass keine Rückstände gegenüber dem Finanzamt oder der Krankenkasse bestehen, anfertigen, was früher nicht online erfolgen konnte. Die neuen Regelungen sehen ferner vor, dass die Statistiknummer REGON abgeschafft werden soll. Demnächst soll nur die Steueridentifikationsnummer NIP zur Kommunikation mit den Behörden dienen.

Ausländische Unternehmer Das Gesetz über ausländische Investitionen im Wirtschaftsbereich auf dem Gebiet Polens reguliert hauptsachlich die Formen, in der ausländische Investoren auf dem polnischen Markt tätig sein können. Es wurde kein spezielles Recht für die ausländischen Unternehmer geschaffen. Anzumerken ist, dass das Gesetz grds. nicht an die EU-Bürger Anwendung findet. Zu erwähnen ist aber auch, dass das Gesetz ein vereinfachtes Liquidationsverfahren für Zweigniederlassungen von Handelsgesellschaften eingeführt hat und zwar auch für diese, die von den EU-Gesellschaften errichtet wurden. Anhand der neuen Regelungen, kann eine Zweigniederlassung ohne die Einhaltung der Anforderungen, die für die Liquidation von Gesellschaften vorgesehen sind, liquidiert werden, ganz anders und viel einfacher also, als dies bisher der Fall war.

Registerverfahren vor den Registergerichten Neben dem Grundgesetz für das Unternehmertum wurden in den letzten Wochen auch viele Änderungen vorgenommen, die das Registerverfahren von Handelsgesellschaften betreffen. Ab dem 15. März

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#ratgeber 139

2018 können Jahresabschlüsse einer Gesellschaft nur elektronisch beim Handelsregister eingereicht werden. Es ist zu beachten, dass das Einreichen nur durch einen Geschäftsführer oder ein Vorstandsmitglied erfolgen kann. Ab dem Jahr 2018 können Bevollmächtigte oder Prokuristen dies nicht mehr für die Gesellschaften erledigen, diese Regelunge findet auch Anwendung für die Jahresabschlüsse die für das Jahr 2017 angefertigt wurden. Um den Jahresabschluss beim Handelsregister einzureichen, bedürfen die zuständigen Personen eine qualifizierte elektronische Unterschrift oder die sogenannte ePUAP – Unterschrift (eine kostenlose elektronische Signatur), um das Einreichen des Jahresabschlusses zu bestätigen. Die Person, die den Jahresabschluss einreicht, bedarf auch eine PESEL-Nummer (eine polnische statistische Identifikationsnummer). Polnische Staatsbürger erhalten sie automatisch, Ausländer müssen sie bei der entsprechenden Gemeinde beantragen. Solch ein Antrag ist kostenfrei. Problematisch wird es, wenn der Ausländer bei keiner polnischen Gemeinde angemeldet ist. Für einen solchen sieht das neue Gesetz leider keinen Ausweg vor. Ab diesem Jahr müssen dem Handelsregister auch die Zustellungsadressen der Organmitglieder (Geschäftsführer, Vorstandsmitglieder, Aufsichtsrat), Liquidatoren und Prokuristen mitgeteilt werden. Wenn die Zustellungsadresse außerhalb der EU liegt, muss für eine solche Person ein Zustellungsbevollmächtigter in Polen bestellt werden. Die angegebenen Adressen müssen auch bei ihrer Änderung aktualisiert werden. Werden keine Zustellungsadressen angegeben oder werden die Adressen nicht aktualisiert, so sind Gerichtsschreiber, die nicht zugestellt werden konnten, als wirksam zugestellt zu betrachten. Somit soll es auch nicht mehr vorkommen, wie es zuvor der Fall war, dass z.B. ein Geschäftsführer einer insolventen Gesellschaft, nur deswegen nicht zur Haftung gezogen werden konnte, weil dem Gläubiger seine Adresse unbekannt ist.

Verändert sich wirklich viel? Die neuen Gesetze, wenn es um ihr Ziel geht, sind sehr positiv zu begrüßen. Viele Regelungen werden aber faktisch nicht viel verändern, wie auch manchmal Garnichts. Sie dienen nämlich mehr der Ordnungsschaffung und Umstrukturierung des Wirtschaftsrechts, als der Verbesserung der eigentlichen Probleme, mit denen die Unternehmen täglich kämpfen müssen. Viel wird auch davon abhängen, wie die neuen Vorschriften tatsächlich in der Praxis angewandt werden. Man muss abwarten, wie die neuen Institutionen funktionieren und ob sie wirklich für die Unternehmer nützlich sein werden.


140  #Aktuelles

Urban.one

Ausblick Immobilienmarkt Polen So steht es um Immobilien in ganz Polen, in den polnischen Großstädten und in der Hauptstadt Warschau.

urban.one Polen Im April stieg der Immobilienindex urban.one auf 97,26 Punkte und lag dementsprechend um 0,08 Punkte höher als im Vormonat. Die Anstiegtendzenz bei den Wohnungspreisen ist auch beim Jahresvergleich zu erkennen. Im April 2017 erreichte der Index U1 95,99 Punkte. Das bedeutet, dass innerhalb eines Jahres der Index um 1,27 Punkte höher lag.

Immobilienmarktexperten rechnen, dass die kommenden Monate im Zeichen der Stabilität auf dem Markt vergehen. Diese Auffassung vertritt rund 53% der Befragten von Cenatorium. 26% der Branchenkenner rechnen mit schlechteren Bedingungen auf dem Markt und 21% glauben, dass die Marktsituation besser wird.

gen seitens der Behörden Einfluss. Wir haben auch ein immer knapper werdendes Angebot von Grundstücken für Einfamilienhäuser sowie Angebote für die Generalausführung. Sehr gute Wirtschaftsdaten, die hohe Nachfrage sowie die gute Stimmung der Käufer beeinflussen den Markt” - sagte Sven Torten Kain, der Vorstandsvorsitzende von ECO-Classic.

“Auf dem Wohnungsmarkt nehmen derzeit erhebliche Beeinträchtigun-

“Einerseits sind Verkaufsrekorde und der Anstieg der Wohnungspreise be-

index urban.one

wohnungsflächen in Polen

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#Aktuelles 141

merkbar, andererseits verschlechtert sich drastisch die Lage auf dem Markt der Generalausführung. Die Insolvenzwelle nimmt bereits zu und wird ihren Höhepunkt zwischen 2018 und 2019 erreichen, als die sehr schlechten Finanzergebnisse der Bauunternehmen Einfluss auf ihre Finanzierung nehmen werden. Das würde wiederum bedeuten, dass die Zahl der Bauunternehmen, die dem Anspruch einer Generalausführung von Projekten in Millionenhöhe gerecht werden können, sich verringern wird. Finanzinstitute beginnen sich erst mit dem Jahr 2017, also einen der schlechtesten in der Geschichte und den Ergebnissen der Baubranche zu beschäftigen. Das Ausmaß an Verlusten von Generalübernehmer geht in Milliardenhöhe. Das wird wiederum Rückstände gegenüber kleineren Unterauftragnehmer, dramatische Probleme bei den bereits ausgeführten Objekten und steigende Umsetzungskosten verursachen. Dementsprechend werden Bauträger durch eigene Schutzmaßnahmen dazu gezwungen die Auswahlkriterien der Generalübernehmer zu verschärfen, was bei steigenden Kosten, immer niedrigeren Margen,

den zunehmenden Einschränkung der Finanzierung des Baugewerbes durch die Banken eine Schieflage auf dem ganzen Markt der Generalausführung im Wohnungsbau enden wird. Das könnte in diesem Bereich das schlechteste Jahr seit 1989 sein. Indirekt sind dementsprechend auch kleinere Bauträger durch Insolvenz bedroht - glaubt Michał Kubicki, der Geschäftsführer von Unimax Development.

urban.one Großstädte Für die Großstädte belief sich der urban.one Index im April auf 97,70 Punkte. Im Vergleich zum März haben die Wohnungspreise um 0,87 Punkte zugenommen. Im Vergleich zu April 2017 verzeichnete man einen Anstieg um 2,20 Punkte. Die Meinungen der Marktexperten sind geteilt. 47% der Fachleute, die von Cenatorium befragt wurden, sind der Auffassung, dass sich die Lage auf dem Großstädte-Markt nicht ver-

ändern wird. Gleichzeitig glauben genauso viele, dass sich die Lage verschlechtern wird. Der Wohnungsverkauf läuft zwar weiterhin gut aber die Wachstumsdynamik wird ausgebremst. Bauträger informieren jedoch, dass die Preise immer auf dem Laufenden angehoben werden. Dementsprechend ändern sich die Preislisten von Monat zu Monat oder noch öfter. Bei einer hohen Nachfrage kann man sich jedoch kaum wundern. Auf dem Markt wird viel über Vermögensinvestitionen, aber diese bilden nur 30% der Transaktionen. Das bedeutet jedoch nicht, dass in Einzelfällen dieser Satz nicht höher sein mag, denn Bauinvestitionen in Stadtzentren oder anderen hervorragenden Lokalisierungen (z.B. in Danzig in der Nähe vom Strand) gibt es allemal. Bei guter Lage werden mehr als 50% der Transaktionen für Mietzwecke geschlossen. Ein Investitionsverkauf von mehreren Wohnungen (z.B. 100, 200) ist im Fall von individuellen Wohnungsinvestitionen, wo die Nachfrage hoch ist, unretabel, denn der Investor

index urban.one

wohnungsflächen in großstädten


142  #Aktuelles

rechnet einem Rabatt. Gleichzeitig kann der Bauträger dieselbe Zahl von Wohnungen an Einzelkunden mit einem Standardpreis verkaufen - so Barbara Bugaj, die leitende Immobilienmarkt-Analystin von Cenatorium. Der Wohnungsverkauf sollte abnehmen, denn die Aufstellung weiterer Rekorde würde zum Überangebot führen. Die Stimmung unter den Bauträgern oder genauer gesagt ihren Verkaufsabteilungen ist äußerst optimistisch. Billiges Geld im Übermaß und keine Investitionsalternativen führen dazu, dass der Wohnungsverkauf weiter zunehmen wird, aber nicht mit einem Wachstum bis zu 10%. Trotzdem gibt es keine Anzeichen dafür, dass in den kommenden 6 Monaten eine Abkühlung eintreten wird - erklärt Michał Kubicki, der Geschäftsführer von Unimax Development.

urban.one Warszawa In Warschau haben die Wohnungspreise um 0,47 Punkte im Vergleich zu März zugenommen. Dementsprechend erreichte der urban. one Index für Warscjau 97,4 Punkte im April. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wurde eine Wachstumsdynamik von 3,32 Punkten verzeichnet. Branchenkenner sind überzeugt, dass die Lage am warschauer Wohnungsmarkt weiterhin stabil bleibt (53%). 42% der von Cenatorium befragten Immobilienexperten rechnet jedoch mit einer Abschwächung im Bereich des Wohnungsverkaufs. In den kommenden Monaten wird eine starke Abschwächung nicht spürbar. Investitionen werden um-

gesetzt, an Käufern mangelt es nicht aber spektakuläre Rekorde und Ergebnisse sind wohl hinter uns. Der Wohnungsverkauf läuft gut, aber die Wohnungen sind nicht so hervorragend lokalisiert und stark überschätzt. Der Boom auf dem Bauträgermarkt spiegelt sich aum am Sekundärmarkt wieder, wo es ebenfalls viele Transaktionen gibt. Das betrifft vor allem Zwei-Zimmer-Wohnungen, die für Mietzwecke gekauft werden. Ich denke, dass wir unvermeidlich Richtung Gipfel des Konjunkturzyklus steuern. Die Krise ist unabwendbar, denn die Immobilienblase wird wieder aufgepumpt - so der Immobilienberater Tomasz Błeszyński. Man muss unterstreichen, dass Polen weiterhin attraktiv als Investitionsstandort ist. Kapital aus vielen verschiedenen Ländern ist an Investitionen in Polen interessiert sagt Małgorzata Kosińska, die Vorsitzende der Stiftung REIT Polska.

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wohnungsflächen in warschau

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#Aktuelles 143

urban.one Baugrundstücke Der urban.one-Index für Baugrundstücke erreiche im April 124,73 Punkte und lag damit um 3,91 Punkte niedriger als im Vormonat. Indeks urban.one gruntów pod zabudowę w kwietniu 2018 roku spadł o 3,91 pkt. Nach der Zeit der gewaltigen Wachstums und überhöhten Preisen, könnte es nun zu einer leichten Korrektur oder mindestens Abbremsung der Preisdynamik kommen. Die Experten, die von Cenatorium befragt wurden gehen von einer stabilen Lage auf dem Markt in den kommenden Monaten aus (58%). Die Preise der Grundstücke erreichten das absurde Niveau von 2007-2009 und meiner Meinung nach ihre Kulmination. Weil die Umsetzungspreise, die seit anderthalb Jahren nicht nachlassen, beginnen die Grund-

stückspreise billiger zu werden oder die Besitzer nehmen zumindest die Verhandlungsgespräche zu den Preisen auf. Die Transaktionszahl nimmt bestimmt ab, aber dies ist auch auf die Unmöglichkeit zurückzuführen, die Rechnungen für die einzelnen Projekte zu schließen. Grundstücksund Umsetzungspreise bewirken, dass der Wert, für den die Wohnungen aus den am weitesten gelegenen Stadtteilen Warschaus verkauft werden sollten, 8.000 Zloty pro Quadratmeter überschreiten sollte. Das ist ein unvorstellbarer Preis für die Kunden. Von daher währen sich die Bauträger gegen überschätzte Preise für Investitionsgrundstücke, vor allem in den billigsten Stadtvierteln. Ich denke, dass wir auch dort das Nachlassen an neuen Investitionen beobachten werden. Damit man die steigende Umsetzungskosten ausgleichen könnte, müssten die Baugrundstückspreise um die Hälfe fallen, wass nicht bis Ende 2018 eintreten wird - glaubt Michał Kubicki, der Geschäftsführer von Unimax De-

index urban.one

bebauungsstücke

velopment. Der Grundstücksmarkt ist eher stabilt, mit einem hohen Angebot in verschiedenen Lokalisierungen. Die Preise bleiben stabil, denn die Verkäufer hoffen, dass sie Lage auf dem Primärmarkt nutzen können und Bauträger ihre Immobilien kaufen. Leider haben die Bauträger einen hohen Bestand an Investitionsgrundstücken. Wenn schon etwas gekauft wird, dann eher attraktive und preisgünstige Immobilien - so der Immobilienberater Tomasz Błeszyński.


144  #Aktuelles

Polnische Straßen gehören zu den gefährlichsten in Europa Aus einem alljährlichen Bericht von European Transport Safety Council (ETSC) folgt, dass die Straßen in Polen zu den gefährlichsten in ganz Europa zählen. Bei Unfällen sterben nämlich 74 Personen jährlich. Der Bericht von ETSC zeigte, dass polnische Straßen alles andere als sicher sind. Das Land an der Weichsel gehört zu der Spitze der Staaten mit der größten Zahl von Unfällen auf den Straßen. Jährlich sterben nämlich 74 von 1 Mio. Menschen. Man muss jedoch einräumen, dass

Rankings. Obwohl sich diese Zahl fast um die Hälfte verringert hat, können andere Staaten eine bessere Bilanz präsentieren. Estland und Lettland, die hier den ersten Platz belegen, konnten die tödlichen Unfälle um 76% reduzieren. Am schlechtesten schnitt hingegen Malta ab, wo man

Ampeln und Straßenbeleuchtung. Verschiedene Städte führen auch Geschwindigkeitsbegrenzungen ein. Wegen dieser positiven Veränderungen sind die Autoren des Berichtes der Meinung, dass die Zahl von Unfällen in Polen kleiner sein und die Verringerung von tödlichen Fällen

man sich ein wenig verbessern konnte denn 2017 betrug die Zahl noch 79. 2008 lag sie noch bei 102. Gefährlicher als in Polen ist es noch in Rumänien (99), Bulgarien (96), Serbien (82) und Kroatien (80). Am sichersten sind die Straßen hingegen in Norwegen (20), Schweden (25), Großbritannien (27), der Schweiz (27) und Dänemark (32).

sogar einen Anstieg um 19% registrierte.

schneller fallen sollte.

Wenn man sich den Rückgang von tödlichen Unfällen ansieht, platziert sich Polen wiedermal am Ende des

Die Autoren des Berichts haben jedoch betont, dass Polen Maßnahmen ergreift hat, um die Zahl von tödlichen Unfällen zu verringern. Ein exzellentes Beispiel dafür wären die vermehrten Verkehrskontrollen (+81%), wie auch Atemalkoholkontrollen. Auch die lokalen Gebietskörperschaften tun vieles, um die Sicherheit auf den Straßen zu verbessern. Man installiert immer mehr

Im Bericht wird auch die Zahl der tödlichen Straßenunfälle in ganz Europa in 2017 genannt, ganze 25250 Menschen sind gestorben. Im Vergleich zum Jahr 2016 bedeutet dies einen Rückgang um 2%. Im Jahr 2010 hat die Europäische Union sich ein Ziel gesetzt, um die Zahl von tödlichen Unfällen auf den Straßen bis 2020 um die Hälfte zu reduzieren. Zurzeit ist es sehr unwahrscheinlich, dass dieses Ziel erfüllt wird.

von paulina Kuc juli 2018


#Aktuelles 145

Polen ist die achtgrößte Wirtschaft in der EU Das europäische Bruttoinlandsprodukt erreichte 2017 bei den jeweiligen Preisen 15,3 Billionen Euro. Mehr als die Hälfte davon erwirtschafteten Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Deutschland blieb erwartungsgemäß die größte Volkswirtschaft unter den Mitgliedsländern und erwirtschafte ein BIP in Höhe von 3,3 Billionen Euro, was umgerechnet 21,3% des gesamten Bruttoinlandsprodukts in der EU darstellt - berechnete das Statistische Amt der Europäischen Union Eurostat. Zur Gruppe der größten Wirtschaften gehören neben Deutschland auch Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, die Niederlanden sowie Schweden, die allesamt mehr erwirtschaftet haben als Polen. Laut den Eurostat-Statistiken ist Polen zurzeit die achtgrößte Wirtschaft in der europäischen Gemeinschaft. Im Vergangenen Jahr erreichte das polnische BIP 465,6 Mrd. Euro und einen Anteil am EU-BIP von 3%. Damit konnte man u.a. Belgien, Österreich oder Irland hinter sich lassen. Das Bruttoinlandsprodukt bezeichnet den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die im betreffenden Jahr innerhalb der Landesgrenzen entstanden sind und dem Endverbrauch dienen. Es gilt als wichtiger Indikator für die Wirtschaftskraft eines Landes.

von paulina Kuc


146  #Aktuelles

Lebensmittelexport boomt Zwischen 2004 und 2017 wuchs der Wert des polnischen Lebensmittelexports um 22 Mrd. Euro, also um ganze 421%. Früher kauften Menschen polnische Nahrungsmittel wegen des Preises, heutzutage ist auch die Qualität ein entscheidender Faktor.

„Heute haben polnische Brands ihren eigenen Ruf und werden im Ausland geschätzt, gewählt wegen der geschmacklichen Vorzüge und der Qualität, nicht unbedingt wegen des Preises. Unserer Meinung nach kommt jetzt die Zeit der polnischen Produzenten, wo sie zeigen können, dass sie in der Lage sind den anspruchsvollsten Geschmäcken gerecht zu werden und sogar die spezifischsten Nischen zu füllen“ - glaubt Renata Dutkiewicz, Direktorin für Lebensmittelindustrie und Warenrotation bei Bank Zachodni WBK (BZ WBK). Aus den Daten des polnischen Finanzministeriums folgt, dass im letzten Jahr der Wert des polnischen Exports von Ernährungs- und Agrarprodukten den Rekordstand von 27,3 Mrd. Euro erreichte, was einen jährlichen Wachstum von 12% bedeutet. Mehr als 80% des Lebensmittelex-

juli 2018

ports aus Polen bleibt in der Europäischen Union, die meisten Produkte landen in Deutschland (24%), Großbritannien (9%) und den Niederlanden (6,2%). Man muss aber auf darauf hinweisen, dass die gesunde Ernährung in diesen Ländern sehr populär sei. Der Bericht von der Firma Mintel zeigt, dass fast ein Drittel aller neuen Produkte der Kategorie Nahrung und Getränke, die zwischen Oktober 2016 und September 2017 eingeführt wurden, die Bezeichnung „Bio“ hatten. Unter diesem Begriff verstecken sich solche Ausdrücke wie „organisch“, „ohne künstliche Zusatz- und Konservierungsstoffe“, „GVO frei“, „100% natürlich“ oder „Vollkorn“. Wobei die zwei ersten Begriffe am häufigsten genutzt werden. Dutkiewicz erklärt, dass die gesunde Ernährung ein Trend ist, der das Potenzial für Produzenten aus jedem

Untersegment der Nahrungsmittelindustrie ausschöpfen lässt. Deswegen wird dieser Trend ein der wichtigsten in der Brache, inspiriert nicht nur vom Ausland, sondern auch von der Binnennachfrage. Experten von Mintel und der Bank BZ WBK sind überzeugt, dass für viele polnische Produzenten der europäische Markt nur der Anfang für ihre Exporttätigkeit ist. Der Onlineportal Statista informierte, dass die Einnahmen, die von dem Weltmarkt der funktionellen Lebensmittel in 2017 generiert wurden, fast 300 Mrd. Dollar erreichten. Bis 2022 soll dieser Umsatz sogar auf 442 Mrd. Dollar steigen. Dementsprechend können polnische Produzenten zusammen mit dem Bio-Markt nícht nur auf europäischer, sondern auch globaler Ebene wachsen.

von piotr Piela


#Aktuelles 147

DESI 2018: Wie steht es um Digitalisierung in Polen Der Digital Economy and Society Index (DESI) der Europäischen Kommission misst die digitale Leistungsfähigkeit der EU-Staaten. Die Digitalisierung kommt an der Weichsel nur langsam voran. Das geht aus dem neuesten Digitalisierungsindex der EU-Kommission. Polen belegt unter 28 Mitgliedstaaten erst den 24. Platz (keine Veränderung gegenüber 2017). Wesentlich besser schnitten Österreich und Deutschland ab. Polen tätigen zwar immer öfter Anrufe über das Internet, benutzen öfter die sozialen Netzwerke und shoppen im Internet, aber trotzdem hat man schlechter in der Kategorie Internetnutzung abgeschnitten als erwartet. Nachlegen konnte das Land wiederum bei Humankapital sowie Konnektivität. Im Bericht bezeichnet man die Entwicklung Polens in Sachen Konnektivität als asymmetrisch. Langsame Fortschritte hat man zwar beim Festnetzbreitband gemacht, aber das Gegenteil könnte man beim Mobil-

funkbreitband behaupten. Aus dem Index geht auch hervor, dass geografische Angelegenheiten die Kosten für die Netzerweiterung nach oben treiben. Das betrifft vor allem ländliche Gebiete, die alles andere als attraktiv für Betreiber erscheinen. Schuld sind auch die Behörden, die hohe Gebühren verrechnen und somit die Instandhaltungskosten steigen lassen. Kleine Fortschritte konnte Polen beim Humankapital machen. 47% der Polen hat digitale Grundkompetenzen. Der Anteil der Internetnutzer liegt wiederum bei 73%. Der DESI-Anteil für die gesamte EU liegt in beiden Kategorien höher als an der Weichsel - der Reihe nach bei 57% und 81%. Ein immer höheres Interesse kommt der Anwendung digitaler Technologien zu. Das folgt aus dem Anteil der Polen, die eine Software entwickelt

haben. Dieser wuchs von 2,6% auf 4,1%. Trotzdem ist dies relativ niedrig im EU-Vergleich, denn der Durchschnitt liegt hier bei 7,17%. MINT-Studiengänge im Allgemeinen und insbesondere im Bereich Informatik gewinnen an der Weichsel an Popularität. Polen belegt in dieser Hinsicht den 8. Rang in der EU, deutlich über den EU-Durchschnitt. Polen nutzen auch öfter das Internet als andere EU-Nationen, um Nachrichten zu lesen. Schlechter schneidet man aber im Bereich von Video-on-Demand, Onlinebanking sowie Einkaufen ab. Nachholbedarf gibt es auch beim elektronischen Informationsaustausch sowie den digitalen öffentlichen Diensten.

von Piotr Piela


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Pflege in Polen:

Flexibel und zuverlässig Das Problem der alternden Gesellschaft erreichte ein globales Ausmaß. In Polen wird der Seniorenbetreuung immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Trotzdem ist noch in der Gesellschaft das Bild von einem Mehrgenerationenhaushalt tief verankert. Immer Lauter werden jedoch Stimmen, vor allem seitens des Pflegeumfelds, dass ein optimaler Ort und eine zuverlässige und flexible Betreuung das größte Geschenk für die Nächsten in ihren Lebensabend ist. Dies ist nur schwer im eigenen Familienhaus zu gewährleisten. Oft bedeutet das nicht nur Durcheinander im eigenen Haushalt, sondern auch Verzichte seitens der Hausbewohner. Eine helfende Hand reichen Seniorenresidenzen. “Das ist ein guter Moment für die Seniorenbetreuung und Pflege in Polen” - sagte gegenüber PolenJournal.de Bożena Magiera, die 2014 ihre eigene Seniorenresidenz “Złote Borki” in Borki Małe gründete. Innerhalb von nur vier Jahren hat sich viel verändert. Die Nachfrage steigt ununterbrochen - ein Beweis dafür sind auch die Investitionen, die Bożena Magiera umsetzen konnte. “Bevor die Residenz eröffnet wurde, war sie bereits voll gebucht. Es gab keine freien Plätze. Wir mussten schnell nach einer weiteren Lokalisierung suchen, und so sind wir in Jarnołtówek gelandet” - erklärt die Businesswoman aus Częstochowa. Mit zwei Seniorenhäusern ist jedoch nicht Schluss. Zusammen mit ihren Mann plant Bożena Magiera innerhalb von einem Jahr, zwei weitere Residenzen in Oppeln und eine direkt am Meer zu eröffnen. Bei Seniorenhäusern bleibt es jedoch bei Weitem nicht. In Jarnołtówek wurden zehn eigenständige Häuser, mit jeweils drei Zimmern, einer Küche und einem Bad sowie einer Veranda und einem Garten aufgebaut. Das alles gleich neben dem Hauptgebäude. “Sie sind vor allem an diese Senioren gedacht, die bereits gepflegt werden und sich nicht um den Alltag kümmern möchten. Diese Leute wollen, dass man für sie das Kochen, die Wäsche oder

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das Bügeln übernimmt. Obwohl sie Pflegehilfe oder einen Arzt brauchen, möchten sie weiter unabhängig leben, ihre Freiheit genießen, ohne einen Nachbarn hinter der Wand zu haben und in eigenen vier Wänden” - erklärt Bożena Magiera, die mit dem Preis Person des Jahres 2017 von dem Blatt Nowa Trybuna Opolska gekrönt wurde. Preise, die das Seniorenhaus erhalten hat, bleiben jedoch reine Nebensache. “Viel wichtiger ist das Lächeln der Bewohner, diese Dankbarkeit, die manchmal schwer auszudrücken ist. Sie ist der größte und beste Preis. Das ist unsere Arbeit, der wir uns mit unserem

ganzen Herzen widmen. Ohne dies, wären wir nicht hier, wo wir sind” sagte Agata Brodziak, die als Pflegerin in der Residenz arbeitet. “Gerade solche Leute werden gebraucht. Richtige Personen auf dem richtigen Platz. Freundlich, nett und arbeitsamt. Sie kümmern sich um alles. Ich denke, dass hier niemand Grund zu Beschwerde hat” - fügt Teresa Kalitan, eine 89-jährige Bewohnerin der Residenz in Borki Małe, hinzu.

Anders als andere Seniorenhäuser Warum ist dieser Ort so außergewöhnlich? “Unsere Einrichtungen, die bereits funktionieren oder diese, die erst bald eröffnet werden, verbinden viele verschiedene Pflegeleistungen” - sagt Bożena Magiera. Das Erfolgsrezept liegt jedoch woanders. “Wir betreiben die Residenz aus dem Blickwinkel unserer Eltern. Wir fra-


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gen uns, was wir gern für sie hätten und auch was wir sich in diesem Alter wünschen würden. Wir versuchen immer, einen Schritt den Erwartungen der Senioren voraus zu sein.” Dies findet auch seine Bestätigung in den angebotenen Leistungen. Senioren und ihre Nächsten können zwischen den Kurz- und Langzeitangebot, Rehabilitationsaufenthalte sowie Leistungen aus den Bereich Physiotherapie wählen. Auf der anderen Seite unterstreicht die Geschäftsführerin, dass für sie vor allem das Open-House-Prinzip gilt. “Wir arbeiten eng mit den Familien zusammen. Besuchertage- und Stunden haben wir noch nie angesetzt. Zusätzlich wird die Betreuung sehr individuell gestaltet. Die Pfleger und Pflegerinnen kennen die Familienangehörigen, die Schichtleiter stehen im direkten Kontakt mit ihnen” - erklärt Bożena Magiera. “Wir kennen unsere Senioren alle beim Namen, wissen, wo sie einst gearbeitet und welches Leben sie geführt haben. Wir kennen ihre Familien und behandeln sie, wie unsere eigene” - bestätigt Sylwia Kasprzak, eine der Betreuerinnen. Wer keine Möglichkeit zum Besuch hat, kann sich auf dem Laufenden durch die Facebookseite der Residenz halten. Dort wird rege gepostet und das Leben der Bewohner dokumentiert.

Offen gegenüber der Familie Interessant - auf den vielen Facebook-Fotos sind neben den Bewohner auch Familienangehörige zu sehen. Diese kommen oft nicht nur zu Besuch, sondern nehmen auch aktiv an den Alltagsleben zusammen mit allen Events teil, die von dem Personal organisiert werden. “Anfangs sind die Familien ein wenig misstrauisch, denn sie wissen nicht, wie es hier letztendlich aussehen wird, ob ihre Nächsten sich hier gut fühlen werden. Später kennenlernen sie die Pfleger und Betreuer, sehen, das ihre Eltern oder Großeltern wieder aufleben und wir sie wie Hausfreunde behandeln. Sie kommen zu verschiedenen Events, verbringen mit uns Zeit. Die Familien kommen gerne hier” verrät Sylwia Kasprzak.

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Die Familien leisten auch Botschafterarbeit für die Residenz, denn die meisten Anfragen sind nur selten mit der Präsenz im Netz verbunden, eher auf jemandes Empfehlung. “Jemand ruft an und plötzlich stellt sich heraus, dass bei uns die Mama einer Bekannten wohnt und der Anrufer einen Platz für seine Schwiegermutter braucht. Es klingt zwar unglaublich, aber bei uns wohnen ganze Familien, Ehepaare, Geschwister” - erklärt Bożena Magiera und fügt noch hinzu, dass mit dem breit angelegten Angebot, auch solche Situationen vorkommen, wo in der Residenz wegen verschiedener Angelegenheiten und Vorkommnissen auch die Kinder der Senioren behandelt werden. “Wir gehen weit über ein traditionelles Bild eines Seniorenhauses hinaus. Die Tatsache, dass das Kind eines Bewohners sich einer Behandlung über mehrere Monate hinaus unterzieht, um wieder gesund und fit zu werden, und gleichzeitig seine Mama oder seinen Papa gleich neben an hat, sie frei besuchen kann, was guten Einfluss auf ihre Beziehung hat, ist ein bemerkenswerter Vertrauensbeweis” - so die Geschäftsführerin.

Freude am Leben und Langlebigkeit Uneingeschränkter Kontakt mit der Familie zusammen mit physischen und intellektuellen Aktivität - ist das Rezept für Freude am Leben und dementsprechend - Langlebigkeit? Diese Annahme ist scheinbar von den Bewohnern der Residenz “Złote Borki” zu bestätigen. Jeder Tag ist voller Abenteuer. Beginnend beim Konzert in der Philharmonie, durch einen Ausflug ins Zoo bis hin zu den Besuchen von Schulkindern oder Wandertheatern. Von Langeweile kann hier keine Rede sein. “Das stimmt. Ich muss zugeben, ich habe nicht viel Zeit. Am Morgen muss ich zur Gymnastik, später bin ich bei den Workshops dabei. Ich stricke, wir haben auch zuletzt Kekse gebacken. Ich nehme an allen teil, soweit mein Zustand es zulässt. Es ist wirklich schön” - sagt Teresa Kalitan. Die angesprochenen Workshops sind bei der guten Verfassung nicht zu unterschätzen. “Wenn man nichts gegen bestimmte Aspekte von fortschreitenden Krankheiten unternehmen kann, dann kann man sie auf diese Weise stark verlangsamen” - glaubt Bożena Magiera und erinnert gleichzeitig, dass die Residenz eine bilinguale Bibliothek eingerichtet hat. Diese wird auch rege von den Senioren


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besucht. Hobbygärtner werden hier auch nicht enttäuscht - für sie wurde ein spezieller Garten eingerichtet, und zwar so, dass man sich nicht bücken muss. “Die Freude, dass man sich um seinen eigenen Garten kümmern, Obst und Gemüse sammeln kann, ist nicht zu beschreiben. Es sind einfache Dinge, aber diese Dinge sorgen dafür, dass die Senioren jeden Tag genießen. Sie fühlen, dass sie ihn sinnvoll verbracht haben” bemerkt die Businessfrau, die mit ihrer Tätigkeit den Kampf gegen das verbreitete Klischee eines Seniorenhauses angesagt hat.

Nicht nur für Polen In diesem Kampf ist sie nicht alleine. Viel Überzeugungsarbeit leisten die Pflegerinnen aus Polen, die im deutschsprachigen Raum arbeiten.

Dank ihrer harten Arbeit und Hingabe, denken über mehr Deutsche und Österreicher darüber nach, ihren Lebensabend an der Weichsel zu verbringen. Laut der Umfrage, die von TNS Emnid durchgeführt wurde, denkt bereits jeder fünfte Deutsche über einen Umzug in ein Seniorenhaus im Ausland nach. Außer Acht darf man auch nicht Polen lassen, die ausgewandert sind. Nach dem sie ihre Jugend und Berufsjahre im Ausland verbracht haben, kehren auch sie in die Heimat zurück. Warum entscheiden sich so viele Leute für Polen? “Ich denke, dass die Gründe dafür finanzieller Natur sind. In Polen sind Pflege- und Seniorenbetreuungsdienstleistungen viel billiger als in den Einrichtungen in anderen Ländern. Auf der anderen Seite ist dies noch in Polen ein aufstrebender Markt. Deswegen bieten die Seniorenhäuser ein breites und flexibles

Angebot an Leistungen an, um einfach den Kunden für sich zu gewinnen. So lohnt es sich auch für sie, im Ausland zu wohnen” - glaubt Bożena Magiera. Wie sieht es in der Praxis aus? “Man muss nur den Wunsch haben, um bei uns zu wohnen. Ansonsten steht dem Aufenthalt nichts im Wege. Wir laden alle ganz herzlich zum Besuch ein. Man kann sich alles anschauen, etwas essen oder einfach hier eine weile Zeit verbringen. Es lohnt sich, vorbei zu schauen, um die Entscheidung bewusst zu treffen” unterstrich die Geschäftsführerin der Residenz “Zlote Borki”.

von Piotrl Pila

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152  #Aktuelles

Das sind Polens beste Arbeitgeber 2018 Unternehmen aller Größen und Branchen wurden jetzt von Great Place to Work® für ihre besondere Qualität und Attraktivität als Arbeitgeber ausgezeichnet; differenziert nach zwei Größenkategorien.

Zur zehnten Auflage des Wettbewerbs sind insgesamt 113 Unternehmen angetreten, die rund 60.000 Mitarbeiter beschäftigen. Ausgezeichnet wurden jedoch nur 25 Firmen, die in zwei Kategorien untergeordnet wurden. Zum besten Arbeitgeber in Polen, der mehr als 500 Personen beschäftigt, wurde die Mercedes-Benz Bank gekrönt. Platz zwei ging an Brown Forman und drei an Trans.eu Group. Unter Arbeitgebern, die weniger als 500 Personen beschäftigen, gewann Cisco vor Objectivity und Microsoft. Was macht die ausgezeichneten Arbeitgeber so besonders? Die meisten Antworten der befragten Arbeitnehmer bezogen sich auf eine faire und transparente Führung des Unternehmens, ein Gefühl, dass der Arbeitgeber im Mitarbeiter einen Menschen sieht sowie die Tatsache, dass jeder unabhängig von der Stelle, wie ein Teammitglied behandelt wird.

von Rafał stelmaszewski

Beste Arbeitgeber in Polen, die weniger als 500 Personen beschäftigen laut Great Place to Work® 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Finanzen Einzelhandel IT Industrie CFM Dienstleistungen Dienstleistungen Gesundheitswesen Pharma und Biotechnologie Einzelhandel Finanzen Einzelhandel

Beste Arbeitgeber in Polen, die mehr als 500 Personen beschäftigen laut Great Place to Work® 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13

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Mercedes-Benz Bank Brown-Forman Polska Trans.eu Group SA Cadence Design Systems Hitachi Capital Polska Hitachi Vantara (Polska) Sp. z o.o. GROHE Poland Smith & Nephew Sp. z o.o. Apotex Polska 3M Poland VFS Usługi Finansowe Polska Groupon Sp. z o.o.

Cisco Poland Objectivity Microsoft Sp. z o.o. Akamai Technologies Sii Polska Motorola Solutions Systems Polska 3M Service Center EMEA IKEA EY (Ernst & Young) Dell Products (Poland) Shell Polska DOZ S.A. Link4 TU S.A.

IT IT IT IT IT IT Dienstleistungen Einzelhandel Dienstleistungen Produktion Dienstleistungen Einzelhandel Finanzen


#Aktuelles 153

Wie viel verdient man in Polen? Was hat Einfluss auf die Verdienste? Wo verdient man das Meiste? Eine Studie der Jobbörse pracuj.pl liefert Einblicke in die Gehälter der Arbeitnehmer an der Weichsel.

Regionale Unterschiede Regionale Lohnunterschiede sind fast in jedem Land präsent, auch in Polen. Das merkt man auch anhand der Statistik, die von der Jobbörse pracuj.pl veröffentlicht wurde. Mit den höchsten Durschnittsgehalt kann sich die Woiwodschaft Masowien rühmen - 5.500 Zloty brutto. 4.900 Zloty brutto monatlich verdienen durchschnittlich Arbeitnehmer in Niederschlesien und 4.700 Zloty in Kleinpolen. Die relativ hohen Durschnittslöhne sind laut den Experten von pracuj.pl vor allem auf die gute wirtschaftliche Entwicklung in der jeweiligen Region zurückzuführen. Nicht zu vergessen - in Masowien, Niederschlesien und Kleinpolen gehören zu den führenden Industrie- und Bürostandorten, die sich auch mit einer stark entwickelten Infrastruktur rühmen können. Eine tragende Rolle spielt hier auch das Humanpotenzial und dementsprechend auch Bildungseinrichtungen und Hochschulen, die in den Hauptstädten lokalisiert sind. Das alles zusammen macht diese Standorte ununterbrochen attraktiv für große Unternehmen, die den Arbeitneh-

mern hohe Gehälter, wie etwa in der IT-Branche, Finanzwesen oder Management bieten können. Wenig zufrieden dürfen dagegen Arbeitnehmer in den Woiwodschaften Karpatenvorland, Podlachien, Heiligkreuz sowie Ermland-Masuren und Lublin sein. Der Durschnittslohn erreichte in diesen Regionen rund 3.700 Zloty brutto und war damit um ganze 1.800 Zloty niedriger als beispielsweise in Masowien. Für solche gravierende Lohnunterschiede gibt es laut Artur Kobylinski, dem Analytiker von pracuj.pl einige Gründe. Dazu zählen - die wirtschaftliche Entwicklung der jeweiligen Region, die Qualifizierung der Arbeitnehmer, Fremdsprachenkenntnisse sowie die Einstellung der lokalen Behörden gegenüber Investoren. “In den Regionen, die neue Investitionen gewinnen konnten, wurden gewöhnlich gut bezahlte Arbeitsplätze geschafft. Genau so wichtig ist auch die Spezifik des Arbeitsmarkts in der jeweiligen Region - der Lohnanstieg wird hauptsächlich durch diese Wirtschaftszweige gefördert, die mit neuen Technologien und Finanzen in Verbindung stehen” - erklärt Kobylinski.

durschnittslöhne in polnischen woiwodschaften (2017) Masowien Niederschlesien kleinpolen pommern großpolen schlesien westpommern lodsch lebus oppeln kujawien-pommern karpatenvorland podlachen heiligkreuz ermland-masuren lublin

5500 4900 4700 4600 4500 4300 4300 4300 4100 4000 3900 3700 3700 3700 3700 3700


154  #Aktuelles

Löhne in den Hauptstädten der Woiwodschaften Aus der Auswertung von pracuj.pl geht hervor, dass die höchsten Löhne unter den Woiwodschafts-Hauptstädten in Warschau gezahlt wurden (5.800 Zloty). Platz zwei ergatterte Breslau mit 5.100 Zloty und drei Krakau, wo Arbeitnehmer durchschnittlich 5.000 Zloty brutto verdienen konnten. Unter den Top-5 waren auch Danzig sowie Posen und Kattowitz vertreten. Ganz anders ergeht es wiederum den Arbeitnehmern in Lublin, wo der Durchschnittslohn 3.800 Zloty brutto erreichte also um 2.000 Zloty weniger als in Warschau. Ein wenig mehr als in Lublin verdient man in Kielce, Białystok oder in Rzeszow. Im Allgemeinen waren die Löhne in den östlichen Woiwodschaften Polens wesentlich niedriger als beispielsweise in den Westlichen sowie im zentralen Gebiet. Dies ist auch schwächere Wirtschaftsentwicklung dieser Städte zurückzuführen, die trotz neuer Investitionen weiter ihre Schwierigkeiten mit der Infrastruktur haben. Ein

durschnittslöhne in den hauptstädten der woiwodschaften (2017) Warschau breslau krakau danzig posen kattowitz stettin lodsch grünberg oppeln bromberg allenstein reichshof białystok kielce lublin

5800 5100 5000 4900 4800 4800 4500 4400 4400 4350 4200 4000 3950 3900 3900 3800

Fremdsprachen vs. Löhne Die Daten, die von pracuj.pl veröffentlicht wurden, bestätigen, dass was viele behaupten - mit Fremdsprachenkenntnissen kann man mehr verdienen. In Masowien, Niederschlesien, Kleinpolen, Pommern, Großpolen und Schlesien können Arbeitnehmer mit Fremdsprachenkenntnissen rund 30% mehr also um 1.500 - 1.600 Zloty verdienen. Länderübergreifend ist laut dem Bericht die englische Sprache gefragt. An zweiter Stelle steht Deutsch, angesehen vor allem in den westlichen Woiwodschaften, die Kontakte zum deutschsprachigen Raum pflegen.

juli 2018

Die Daten, die in der Studie festgehalten wurden, sind Ergebnis einer Analyse von rund 360.000 Fragebogen, die zwischen dem 1. Januar und 31. Dezember 2017 mithilfe der Seite gesammelt wurden.

Problem stellt auch die Abwanderung der Arbeitskräfte dar. Diese wandern entweder in Ausland oder in größere Standorte in Zentrum oder im Westen Polens aus. Generell waren die Löhne in den Woiwodschafts-Hauptstädten die höchsten in der Region aber mit zwei Ausnahmen - Rzeszow und Olsztyn. Hier muss man aber anbringen, dass in beiden Fällen große Konzerne in anderen Städten in der jeweiligen Woiwodschaft lokalisiert sind.

löhne mit fremdsprachkenntnissen in ausgewälten woiwodschaften (2017) Masowien Niederschlesien kleinpolen pommern großpolen schlesien

7100 6500 6200 6200 6000 5700 von piotr Piela


#Aktuelles 155

Löhne immer noch nicht hoch genug Arbeitnehmer an der Weichsel können alles andere als zufrieden sein, denn der Staat kassiert bei den Löhnen mächtig ab. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens PwC hervor. Aus dem Bericht Arbeit in der EU Steuern und Sozialbeiträge 2018 (poln. Praca w UE - podatki i składki 2018) geht hervor, dass ein durschnittlicher Alleinstehender in Polen 71% seines Gesamtlohnes erhält. Damit liegt der Nettolohn an der Weichsel unterhalb der EU-Durchschnitts (73%). Auf die verbliebenen 29% setzen sich die Einkommensteuer sowie Beiträge, die der Arbeitgeber im Namen des Arbeitnehmers abführt. Im europäischen Vergleich belegt Polen Rang 15. zusammen mit Rumänien, Lettland und Kroatien. Die Spitzengruppe bilden wiederum Zypern mit einem Nettolohn von 91% des Gesamtlohnes, Malta (81%) sowie Estland, Irland und Großbritannien (80%). Besser als Polen scheidet auch Österreich mit 73% ab. In Deutschland bekommen wiederum die Arbeitnehmer nur 61% von ihren Gesamtlohn. Wenig Gründe zur Freude haben auch Familien in Polen. Mit einem durchschnittlichen Gehalt können sie zwar auf 77% des Bruttolohnes hoffen (EU-Durchschnitt liegt bei 79%) aber damit liegt das Land an der Weichsel erst auf dem 18. Platz unter allen 28 Mitgliedsländern. In der Analyse von PwC wurden auch Steuervorteile für Kinder und Eheleute berücksichtigt. Beim Thema Steuervorteile ist auch der Steuerfreibetrag nicht zu vergessen. Polen steht mit nur 6.600 Zloty (ca. 1570 Euro) erst auf dem 21. Platz unter den EU-Ländern schlecht dar. Noch schlechter ist es nur in Italien, Lettland, Tschechien und Rumänien. Hier scheidet wiederum relativ gut Österreich (11.000 Euro) und Deutschland (8.820 Euro) ab. Experten von PwC haben auch die Löhne der Wohlhabenden unter die Lupe genommen. So wurden Personen definiert, die das Fünffache vom durchschnittlichen Lohn verdienen.

Der Nettolohn liegt bei Alleinstehenden bei 67% (Platz 10. in der EU) und bei Familien sind es 73% (6.). Do Wohlhabende dürften besorgt in die Zukunft schauen, denn die Regierung will eine Solidaritätssteuer für Gutverdiener einführen. Sollte das tatsächlich geschehen, so dürfte Polen noch schlechter im Vergleich zu anderen EU-Ländern abschneiden - prophezeien Experten von PwC.

von Anna Rosenthal


156  #Aktuelles

Wo Polen gerne arbeiten würden Als die besten Arbeitsplätze gelten unter den Arbeitnehmern an der Weichsel Stellen im Elektro- und Elektroniksektor - das geht aus einer globalen Studie von Randstad Employer Brand Research hervor. Die am meisten angesehene Branche verändert sich fast im Jahrestakt. Vor zwei Jahren war es noch die Energiebranche und vor einem Jahr standen Unternehmen aus der Produktionssparte ganz oben auf der Stellenwunschliste. 2018 möchten die Arbeitnehmer an der Weichsel vor allem eine Stelle im Elektro- und Elektroniksektor ergattern. 48% der Befragten würde gerne in diesen Branchen eine Arbeitsstelle aufnehmen. Platz zwei mit ebenfalls 48% ging an die Roh- und Brennstoffbranche. Auf dem Treppchen landeten auch Unternehmen, die sich mit der Herstellung von Haushaltsgeräten beschäftigen - informierte Randstad. 45% von den rund 6.000 Befragten finden ebenfalls den Dienstleistungssektor sowie die Fahrzeugindustrie zusammen mit der Energie- und Produktionsbranche attraktiv. Weitere Plätze belegen Firmen, die Fahrzeugkomponente herstellen, sowie Unternehmen aus dem Bereich Telekommunikation und IT. Die Holz- und Papierbranche belegte den letzten Platz in der Top 10 der attraktivsten Arbeitgeber in Polen.

Vor allem die Möglichkeit neueste Technologien zu nutzen, finanzielle Stabilität und hervorragender Ruf sind laut den Befragten von Randstad entscheidende Faktoren, für die Attraktivität der Elektro- und Elektronikbranche. Die Ergebnisse der Studie wurden auch nach Alter, Geschlecht sowie Ausbildung ausgewertet. Aus den Daten, die von Randstad Employer Brand Research veröffentlicht wurden, geht hervor, dass Frauen vor allem eine Stelle in der Möbelbranche, Dienstleistungssektor sowie in Pharma- und Kosmetikunternehmen am meisten attraktiv finden. Bei den Männern sind es wiederum die Rohund Brennstoffbranche, der Elektround Elektroniksektor sowie die Herstellung von Haushaltsgeräten. Die Präferenzen der Arbeitnehmer unterscheiden sich ebenfalls nach Altersgruppen. Die jüngsten Arbeitnehmer (zwischen den 18. und 24. Lebensjahr) möchten vor allem sich mit der Warenrotation beschäftigen. Angesehen sind auch Stellen in der Möbelindustrie sowie Telekommunikation und IT-Branche. Für Ältere

Teilnehmer der Studie sind wiederum die Roh- und Brennstoffbranche, der Elektro- und Elektroniksektor sowie die Dienstleistungsbranche attraktiv. Bei der Wahrnehmung der Arbeitgeber spielt auch der Bildungsgrad eine Rolle. Unter Personen mit Grundschulausbildung und Hochschulabschluss überwiegen Elektro- und Elektronikunternehmen. Firmen aus der Roh- und Brennstoffbranche sind am meisten unter Sekundarabsolventen angesehen. Regionale unterschiede sind natürlich ebenfalls vorzuweisen. So hat in den zentralen Woiwodschaften vor allem die Dienstleistungsbranche den Vorzug. Im Osten und im Westen die Fahrzeugindustrie und im Norden Unternehmen aus dem Bereichen Transport und Logistik.

von Rafał Stelmaszewski

Beschäftigungsausblick für Polen: Firmen rechnen mit Neueinstellungen Im neuesten Manpower Group Arbeitsmarktbarometer liegt der Nettobeschäftigungsausblick für das dritte Quartal 2018 bei 13%. Die ManpowerGroup befragte 750 Arbeitgeber in Polen bezüglich ihrer Beschäftigungspläne für den Zeitraum Juli-September 2018. Rund 18% der Umfrageteilnehmer rechnen mit Neueinstellungen, 3% mit

juli 2018

Stellenabbau und 76% erwarten keine Veränderung ihrer Belegschaftszahlen. Dementsprechend liegt die Nettoeinschätzung bei +15% und saisonbereinigt bei 13%, was gleichzeitig das höchste Ergebnis seit 7

Jahren darstellt. Der Beschäftigungsausblick für das 3. Quartal 2018 liegt um 6%, als es noch im Vorjahr war. - informierte ManpowerGroup. Neueinstellungen werden laut dem


#Aktuelles 157

Arbeitsmarktbarometer unabhängig von der Unternehmensgröße erwartet. Die meisten Arbeitnehmer wollen erwartungsgemäß Großunternehmen einstellen. Hier liegt die Einschätzung der Nettobeschäftigung bei +26%. Im Fall von mittleren Unternehmen sind es +13%. Für Klein- und Mikrounternehmen an der Weichsel wird ein Anstieg von 5% und 7% erwartet.

Laut den Autoren der Studie wird auch ein Anstieg unabhängig von der Branche erwartet. In allen der 10 analysierten Wirtschaftszweigen wird dementsprechend für den Zeitraum Juli-September Neueinstellungen gerechnet. Die meisten deklarieren Arbeitgeber aus dem produzierenden Gewerbe (+23%). Die Nettobeschäftigung dürfte gewaltig auch im Baugewerbe sowie beim Bergbau und

Rohstoffen mit jeweils 16% ansteigen. Neueinstellungen werden auch im Hotel- und Gastgewerbe (+14%) sowie im Handel (+12%) erwartet. Mit einem Nettobeschäftigungsausblick von rund 3% scheiden am schwächsten Land-/Forstwirtschaft/ Fischerei sowie der öffentliche Sektor ab.

von piotr Piela


158  #Aktuelles

Wie teuer ist Warschau? Der UBS-Bericht über Preise und Löhne vergleicht die Lebenshaltungskosten in 77 Städten weltweit. Zürich ist die teuerste Stadt der Welt und Warschau eine der billigsten. Die Studie, die erstmals 1971 durchgeführt wurde und nun in der 17. Ausgabe erscheint, vergleicht 128 Preise verschiedener Güter und Dienstleistungen sowie die durchschnittlichen Löhne von 15 Berufen, die die durchschnittliche Erwerbsbevölkerung repräsentieren. “Die Kaufkraft ist für alle von uns, ob

beiten muss. In Berlin sind es 18.4 Minuten und in Wien 17.9 Minuten. Bei dieser Auswertung hat Zürich die Nase vorne - nur 13.4 Minuten muss ein Arbeitnehmer mit einem Durchschnittsgehalt für einen Big Mac arbeiten. Den Unterschied zwischen der polnischen und schweizerischen Hauptstadt verdeutlicht noch mehr

20,6 US-Dollar zahlen. In Wien sind es 60,1 US-Dollar, in Berlin 67 Dollar und in Zürich 82,8 Dollar. Das meiste Geld muss man laut der UBS-Auswertung in Luxemburg zahlen 108.8 Dollar.

Durchschnittliche Löhne und Kaufkraft Wenn es um Löhne geht, kann Warschau weder mit Luxemburg noch mit Zürich oder Berlin mithalten. Im Nettolohn-Ranking stehen gleich zwei schweizer Städte vorn - Zürich und Genf. Platz 12. ergatterten München, vor Frankfurt. Wien nahm den 16. Platz vor Berlin ein. Warschau liegt bei dieser Auswertung weit abgeschlagen, auf dem 49. Rang unter 77 Städten.

Privatperson oder Investor, wichtig. Ob wir den nächsten Urlaub planen oder versuchen, langfristige Verschiebungen der Wirtschaftskraft zu verstehen: Unsere Studie liefert eine detaillierte Analyse der Preise weltweit.” - so Mark Haefele, Chief Investment Officer bei UBS Global Wealth Management.

Big Mac und iPhone X Die interaktive Form, mithilfe deren die Ergebnisse präsentiert werden, lässt beispielsweise die Preise in Berlin, Wien, Zürich und in Warschau vergleichen. So erfahren wir, dass man mit einem Durchschnittslohn für einen Big Mac in der polnischen Hauptstadt 32.8 Minuten ar-

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der Aufwand an Arbeitszeit, die man braucht, um sich ein iPhone X zu kaufen. Ein Warschauer muss dafür 269.3 Stunden schuften, ein Züricher “nur” 32.2 Stunden. Wiener brauchen dafür weniger als die Berliner - 83.8 Stunden bei 89.2 Arbeitsstunden in der Hauptstadt Deutschlands.

Öffentliche Verkehrsmittel In Sachen öffentlicher Verkehr könnte man behaupten, dass Warschau im globalen Vergleich nicht so teuer ist. Für eine 10-Kilometer lange Fahrt oder eine Fahrt mit 10 Stopps muss man in der polnischen Hauptstadt umgerechnet durchschnittlich

Global zählt die polnische Hauptstadt auch nicht zur Spitzengruppe in Sachen Kaufkraft. Regional, bei einem Osteuropa-Vergleich ist es jedoch ganz anders. Nur Einwohner von Laibach und Tallinn mehr von ihrem Lohn leisten als die Warschauer, die auf Platz 3. vor Vilnius und Prag liegen.

Kaffee in Warschau Eine Tasse Kaffee trinken mit Freunden oder Bekannten in Warschau? Ganz billig im Vergleich zu anderen europäischen Städten. Ein Käffchen in der polnischen Hauptstadt kostet nur 2,5 US-Dollar, bei 4,13 USD in Paris und satten 6,24 Dollar in Kopenhagen.

von piotr piela


#Aktuelles 159

Wie viel kostet eine Kugel Eis in Warschau? Draußen wird es immer wärmer, deswegen verbringen die meisten Menschen ihre Freizeit auf der frischen Luft. Da dürfen eine oder zwei Kugeln Eis natürlich nicht fehlen. Schließlich warten manche das ganze Jahr auf die Eissaison. Wo kostet aber die leckere Abkühlung am wenigsten? Weil die meisten von uns bei den hohen Temperaturen ohne ein Eis es nicht aushalten können, haben die Eisdielen in ganz Europa viel zu tun. Ausgefallene Sorten und gute Produkte haben dabei ihren Preis. Das Internetportal sonnenklar.tv hat eine Analyse durchgeführt, um zu prüfen, wo in Europa eine Kugel Eis am günstigsten ist. Dabei hat man die Preise in den beliebtesten Eisdielen auf Yelp.com in zwölf europäischen Städten zusammengestellt. Es stellte sich heraus, dass das durchschnittlich billigste Eis man in Berlin kaufen kann. Eine Kugel Eis kostet dort nämlich ungefähr 1,44 Euro. Den zweiten Platz belegten hingegen ex aequo München und Wien, wo die kühle Köstlichkeit 1,52 Euro kostet. Die polnische Hauptstadt, wo eine Portion Eis ungefähr 1,70 Euro kostet, platzierte sich gleich hinter ihnen, auf dem 3. Platz. Am teuersten war hingegen Kopenhagen (3,79 Euro). Bei

der

Analyse

hat

man die fünf populärsten Warschauer Eisdielen unter die Lupe genommen. Unter ihnen war das Eis bei

"Sucré - Lody Naturalne" und "Lodziarnia Ulica Baśniowa" am billigsten, eine Kugel kostet dort nämlich nur 1,17 Euro (5 Zloty). Im "Tłusty Kotek" und "Cupcake Corner" kann man eine Portion für 1,40 Euro (6 Zloty) kaufen. Das teuerste Eis bietet hingegen "N’Ice Cream Factory" mit ganzen 3,27 Euro (14 Zloty). Im Hinblick auf die jeweiligen Einzelpreise bei den Eisdielen in allen Städten war jedoch die Eisdiele Tichy in Wien der klare Sieger. Eine Kugel Eis kostet dort nur 1 Euro, doch der Preis betrifft nur Kinder.

Städte mit dem billigsten prEis pro Kugel: Berlin München und Wien Warschau Amsterdam Madrid Barcelona Lissabon Stockholm Dublin Helsinki Kopenhagen

von paulina Kuc


160  #Aktuelles

Piroggen-Lied ein Hit in Großbritannien Lieder kann man eigentlich über alles singen - Liebe, Sex und Leben. Doch die britische Band Mee & The Band geht ein Stück weiter und singt über... Pierogi. Die britische Küche ist nicht gerade für raffinierte Gerichte bekannt. Fisch und Chips, English Breakfast und viel Tee und da wäre noch der leckere Pudding zu Weihnachten. Kein Wunder, dass chinesische und indische Restaurants beliebt sind. In der letzten Zeit machen auch polnische Gerichte Furore. Vor allem die Piroggen. Sie sind nicht nur die bekannteste polnische Speise in Großbritannien, sie erfreuen sich einer steigenden Beliebtheit bei den Engländern. Die Band Mee & The Band hat das Lied speziell auf die im Mai statt-

juli 2018

findenden Lebara Days vorbereitet. Piroggen - ein unauffälliges Gericht ist wohl ein vielversprechendes Material für einen Hit. Für die Bandmitglieder und ihre Familien sind sie das Gericht Nummer eins. Jedes Jahr zu Weihnachten, treffen sich alle an einen Tisch, und da die Mutter der Sängerin Polin ist, werden traditionelle Speisen aus ihrer Heimat serviert. Nicht alle Gerichte schmecken auch jeden, aber die Piroggen haben alle Herzen im Sturm erobert. Im Videoclip lässt die Vokalistin keinen an ihre Piroggen ran und jedes Mittel ist ihr

Recht um ihr Lieblingsessen zu verteidigen.

von Ramona Nocoń

hier zum Lied:


#Aktuelles 161

Ustka bietet im Sommer kostenlose Busse an Ab 1. Juli verkehren im polnischen Seebad Ustka (Stolpmünde) zwei kostenlose Buslinien für Besucher und Gäste. Sie verbinden nach Angaben des in der Region tätigen Reisveranstalters Travel-Netto die Viertel beiderseits des Flusses Słupia (Stolpe) mit dem Bahnhof und dem Stadtzentrum. Touristen können die Busse, die bis zum 15. September eingesetzt werden, mit ihrer Gästekarte nutzen. Zugleich gilt in der Ferienzeit bis 15. September im Zentrum des Seebads eine Parkraumbewirtschaftung. Wer sein Kraftfahrzeug dort werktags von 9 bis 21 Uhr abstellen möchte, benötigt einen Parkschein. Die Gemeinde, die im vergangenen Jahr den Titel „Polens sauberster Kurort“ erhielt, will so den motorisierten Individualverkehr einschränken und die Lebensqualität für Bewohner und Gäste erhöhen. Ustka hat in den vergangenen Jahren seine touristi-

sche Infrastruktur ausgebaut. Unter anderem entstand dort mit dem 5-Sterne Resort Grand Lubicz eines der luxuriösesten Hotels an der polnischen Küste.

Der Reiseveranstalter Travel-Netto bietet in Ustka auch mehre andere Unterkünfte an. www.travelnetto.de

Auch in Polen fallen im Sommer die Hüllen Das katholische Polen gilt vielen Außenstehenden als prüde. Doch im Sommer fallen auch an den Stränden der polnischen Ostseeküste die Hüllen. Zwar ist Nacktbaden nicht so verbreitet, wie beispielsweise an der deutschen Ostseeküste, doch es gibt eine ganze Reihe von Strandabschnitten, die für Anhänger des streifenlosen Bräunens reserviert sind. Schon zu sozialistischen Zeiten kamen dort die ersten Nacktbadestrände auf. Und trotz gelegentlicher Störfeuer von Kirche und konservativen Politikern haben sie sich bis heute gehalten. Auf etwa 30 schätzt Carsten Wolf vom Reiseveranstalter Travel-Netto die Zahl der offiziellen oder zumindest geduldeten Abschnitte für Nacktbader an Polens Küste. Erst im vergangenen Jahr wurde im Ferienort Łeba (Leba) ein offizieller FKK-Strand eingerichtet, der nicht nur von ausländischen Besuchern, sondern auch von Einheimischen gut angenommen wird. Er liegt westlich des Ortes, unweit der berühmten Wanderdünen des Slowinzischen Nationalparks. Auch am anderen Ende der Dünenlandschaft, unweit des kleinen Ferienorts Rowy (Rowe), gibt es einen reservierten Abschnitt für Nacktbader. Der längste Strandabschnitt, an dem FKK in Polen geduldet ist, beginnt östlich von Pogorzelica (Fischerkathen) und zieht sich über rund zehn Kilometer Länge bis fast nach Mrzeżyno (Treptower Deep). In der

Nähe des Strandes gibt es keine Ferienanlagen, denn das gesamte Gebiet war bis vor wenigen Jahren noch militärische Sperrzone. Auch westlich von Kołobrzeg (Kolberg), zwischen Grzybowo (Gribow) und Dźwirzyno (Kolberger Deep) gibt es einen mehrere Kilometer langen offiziellen Nacktbadestrand. Schon bis zurück in die 1970er Jahre reicht die Geschichte des Nacktbadens bei Międzyzdroje (Misdroy) auf der Ferieninsel Wolin. Der durch Hinweisschilder markierte Strandabschnitt befindet sich knapp zwei Kilometer westlich der Ortsgrenze. Besucher des westlichen Seebads Świnoujście (Swinemünde) spazieren zum hüllenlosen Sonnenba-

den Richtung Ahlbeck. Auf polnischer Seite ist der FKK-Bereich sehr klein, setzt sich aber jenseits der Grenze auf rund zwei Kilometern Länge fort. Außerhalb der gekennzeichneten Bereiche sollten Gäste auf das Baden ganz ohne Kleidung oder oben ohne verzichten, rät Carsten Wolf von Travel-Netto. Denn das wird nicht nur von anderen Badegästen als anstößig empfunden, es kann auch die Ordnungshüter auf den Plan rufen und zu empfindlichen Strafen führen. Travel-Netto ist Spezialist für Reisen von Deutschland an die polnische Ostseeküste. www.travelnetto.de


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Festival dell’Arte im Tal der Schlösser Nach einer Pause im vergangenen Jahr findet vom 12. bis 19. August wieder ein „Festival dell’Arte“ rund um Jelenia Góra (Hirschberg) statt. Die schönsten Schlösser im Hirschberger Tal sowie Parks und Kirchen werden zur Kulisse für Konzerte und andere Veranstaltungen. Zudem finden bereits im Juli hochkarätige Kulturveranstaltungen in der Region statt. Die Stiftung der Schlösser und Gärten will mit dem Festival dell’Arte an die höfische Tradition des 19. Jahrhunderts anknüpfen. Eröffnet wird es mit einer Vorstellung von Alessandro Bariccos „Novecento“. Das Stück des Teatr Norwida aus Jelenia Góra wird im Schloss Wojanów (Schildau) inszeniert. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf musikalischen Darbietungen. Mit Edyta Geppert kommt am 15. August eine Ikone des polnischen Chansons in die Kulturscheune des Park- und Palastensembles in Bukowiec (Buchwald). Der romantische Teepavillon dort wird am darauffolgenden Tag zur stimmungsvollen Kulisse für die „Wolna Grupa Bukowina“, eine Legende der polnischen Poezja Śpiewana, der gesungenen Poesie. Klassische Opernmelodien präsentiert die bekannte ukrainische Sopranistin Olga Pasitschnyk am 14. August im prächtigen Barocksaal vom Fünf-Sterne-Schlosshotel in Pakoszów (Wernersdorf). Mit Piotr Baron und Hanna Banaszak stehen zwei international anerkannte polnische Jazzgrößen auf der Bühne. Der Saxophonist Baron wird mit seinem Trio bereits am 13. August im Prinzenschloss von Karpniki (Fischbach) aktuelle Stücke präsentieren. Die Sängerin und Dichterin Banaszak wird das offizielle Abschlusskonzert am 18. August in der Kunstscheune von Bukowiec bestreiten. Musikliebhaber können am 19. August aber noch ein Folgekonzert mit der Band „U studni“ in der Konzertmuschel von Cieplice (Bad Warmbrunn) besuchen. Bis auf das Konzert von Edyta Geppert sind alle Veranstaltungen kostenlos. Der Kultursommer im Hirschberger Tal beginnt bereits vom 6. bis 8. Juli.

juli 2018

Festival dell’Arte Schildau Foto: Stiftung Schlösser und Gärten Dann lädt die Stiftung der Schlösser und Gärten im Hirschberger Tal zu den "Buchwalder Träumereien" ein. Die dreitägige Veranstaltung will den Geist der "Poezja Śpiewana“ in den Landschaftspark von Bukowiec bringen. Den Auftakt macht Kinga Rataj, Polens erste Vollblut-Fadosängerin, Sie präsentiert klassische Fado-Lieder, angereichert mit Jazz, Tango- und Flamencoelementen. Für ihre Interpretation des traditionellen portugiesischen Liedguts wurde sie auch im Heimatland des Fados ausgezeichnet. Am folgenden Tag wird die Gruppe "U studni“ in der Kulturscheune auftreten. Den Abschluss machen Andrzej Korycki und Dominika Żukowska. Beide treten seit über zehn Jahren mit einem Duett-Programm auf, das von polnischen Shanties bis hin zu Liedern des Balkanrockers Goran Bregović reicht.

ten Mischung aus Akrobatik, Performance und Puppentheater begeistert die Veranstaltung seit über 35 Jahren die Besucher auf dem historischen Altstadtmarkt. Als Gäste haben sich in diesem Jahr unter anderem die deutsche Objekt- und Maskentheatergruppe PasParTout und das Theater Irrwisch aus Österreich angesagt. PasParTout wird mit der Show RaTaTa nach Hirschberg kommen. Darin erobert eine Rattengang mit schräger Blasmusik und Gageinlagen die Herzen der Zuschauer. Mit den „Gatschpletzen“ präsentieren die Männer vom Theater Irrwisch eine akrobatisch-poetische Straßentheaterinszenierung im Landstreicherlook.

Vom 20. bis 22. Juli findet in Jelenia Góra das Internationale Festival des Straßentheaters statt. Mit einer bun-

Infos unter www.talderschloesser.de

Das Hirschberger Tal, eine der schlösserreichsten Regionen Europas, liegt etwa eine Autostunde von Görlitz im Südwesten Polens.


Wirtschaftskammer „Schlesien” Viele Möglichkeiten für das Unternehmertum

Die Wirtschaftskammer „Schlesien” ist eine Organisation der wirtschaftlichen Selbstverwaltung, die Initiativen unterstützt und an Tätigkeiten teilnimmt, die mit der Entwicklung des Unternehmertums in Schlesien verbunden sind. • Schulungen, Workshops, Konferenzen, Beratungen • Kooperationsbörsen • Messen und Ausstellungen • • Zusammenarbeit mit den Wirtschaftskammern aus der Bundesrepublik Deutschland und aus der Tschechischen Republik

Kontakt Wirtschaftskammer „Schlesien” 45-310 Opole / Oppeln • ul. Ozimska 184 • Tel./Fax: +48 77 4538484 • E-Mail: info@igsilesia.pl • www.igsilesia.pl


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märz 2018


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