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SAMARITER Das Verbandsmagazin von Samariter Schweiz

Samariter im Grosseinsatz 6 GROSSEINSATZ Die Samariter am ESAF 2022

14 JUGEND

Samariter Schweiz und die Jugendförderung

34 PORTRAIT

Vom Samariter zum Rettungssanitäter


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ENTFALTE DEIN KÖNNEN


EDITORIAL

Mit vereinten Kräften Liebe Samariterinnen, liebe Samariter Wie schnell die Zeit vergeht – bereits ist dieses Jahr schon fast wieder Vergangenheit. Ich bin dankbar, dass wir im Jahr 2022 wieder als Samariterinnen und Samariter in der Öffentlichkeit präsent waren und wahrgenommen wurden. Deshalb widmen wir diese Ausgabe euch allen. Mit Geschichten von Samariterinnen und Samaritern im Einsatz für unsere Bewegung.

Flavia Marty erfahren wir, wie sich junge Menschen für die Samaritersache engagieren. Und wir hören von ihr, wie wir die Jugendlichen abholen, ihnen den notwendigen Raum verschaffen und sie in unserer Samariterfamilie ankommen lassen können. Die eindrucksvollen Beispiele dazu – auf den Seiten 18 bis 19 – kommen aus der Waadt, aus St. Gallen, Luzern und Baselland.

Dabei freut es mich immer wieder, was die Samariter mit vereinten Kräften zu leisten vermögen. So zum Beispiel am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Pratteln (BL). Dort standen 90 Samariterinnen und Samariter im Einsatz und sorgten für über 400 000 Menschen auf dem Festgelände. Oder beim Stadtfest Bern mit über 200 000 Besucherinnen und Besuchern, an dem vereinte Samariterkräfte aus dem ganzen Kanton Bern im Einsatz waren. Es zeigt sich dabei einmal mehr: Gemeinsam schaffen wir es, auch grosse Herausforderungen zu bewältigen.

Wir dürfen zum Jahresende stolz sein. Stolz auf das gemeinsam Erreichte, stolz auf all die wunderbaren Beispiele aus der ganzen Samariterfamilie. Wir dürfen zurückblicken und aus dem Erreichten die Energie für die kommenden Aufgaben schöpfen.

In dieser Ausgabe blicken wir aber auch in unsere Zukunft, die Samariter-Jugend. Im Interview mit

INGRID OEHEN Präsidentin Samariter Schweiz

Geniesst die kommenden – hoffentlich etwas ruhigeren und besinnlicheren – Tage zusammen mit euren Familien und Freunden. Ich freue mich mit euch auf das neue Samariterjahr und wünsche euch erholsame und friedvolle Festtage.

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6 SAMARITER: IM EINSATZ AM «EIDGENÖSSISCHEN» (ESAF) IN PRATTELN INHALT 10 INTERVIEW Caroline Meyer zu ihrer Doppelrolle am ESAF 12 SCHWERPUNKT Samariter:innen am Stadtfest Bern 14 INTERVIEW Zukunft der Samariter:innen. Flavia Marty erklärt 4  samariter 4/2022

16 JUGEND: PFINGST­ LAGER UND EVENTS Pfingstlager für die Samariterjugend und vier Events in vier Regionen 20 VEREINE UND VERBÄNDE News aus der Welt der Samariter:innen

22 DIALOGFORUM 3 Gemeinsamer Einsatz für Verbundsentwicklung 24 30 JAHRE PICA Das «Piquet Catastrophe Genevois» feiert 29 AUS DEM ZENTRAL­ VORSTAND Ressortverteilung und Zuständigkeiten


IMPRESSUM «samariter» 4/2022 Erscheinungsdatum: 09. November Herausgeber Samariter Schweiz Martin-Disteli-Strasse 27 Postfach, 4601 Olten Telefon 062 286 02 00 redaktion@samariter.ch www.samariter.ch Abonnemente, Adressänderungen schriftlich an obige Adresse Abonnementspreis Einzelabonnement für Aussen­stehende: Fr. 33.– pro Jahr 4 Ausgaben pro Jahr Auflage: 18 000 Exemplare Redaktion Philipp Binaghi (pbi) Westschweiz: Chantal Lienert (cli) Westschweiz: Caroline Droz (cdr) Südschweiz: Mara Zanetti Maestrani (m.z.) redaktion@samariter.ch Postadresse: Redaktion «samariter» Postfach, 4601 Olten

30 WISSEN Zum Recht in der Ersten Hilfe

36 PRINTSHOP Unterlagen und Briefschaften auf einen Klick

32 SIE SIND DRAN Schwedenrätsel und Sudoku

38 KURSE UND LEHR­ GÄNGE 2023 Die Weiterbildungs­ möglichkeiten im kommenden Halbjahr

34 PORTRAIT Claudio Pavia. Vom Samariterverein zum Rettungssanitäter

Inserate Fachmedien Zürichsee Werbe AG Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa Telefon 044 928 56 11 Telefax 044 928 56 00 samariter@fachmedien.ch www.fachmedien.ch Layout, Druck, Versand Stämpfli Kommunikation, 3001 Bern staempfli.com Fotos Titelseite: Remo Nägeli Inhaltsverzeichnis: Remo Nägeli

39 SERVICE Meinungen und mehr samariter 4/2022  5


SCHWERPUNKT ESAF

«ICH BIN FROH, SIND DIE SAMARITER DA!» Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) hat in seiner Ausgabe 2022 in Pratteln während vier Tagen über 400 000 Besucherinnen und Besucher in seinen Bann gezogen. Solche Events sind ohne helfende Hände von Freiwilligen nicht möglich – oder ohne eines Grossein­ satzes der Samariter. TEXT: Philipp Binaghi FOTO: Remo Nägeli

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nach Pratteln gefahren. Sie macht sich mit Paul auf den Weg über das Festgelände zum Sanitätsposten «Sana 10», um ihre Samariter bei der Arbeit zu besuchen. «Sana 10» ist einer von zehn betriebenen Sanitätsposten. Dort hat Paul von gestern Abend bis heute Morgen nach 10 Uhr seine 12-Stunden-Schicht als Postenchef geleistet.

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«Das Grossartige an solchen Einsätzen ist die Zusammen­arbeit mit Menschen, die das gleiche Ziel haben: das Wohlergehen der Mitmenschen im Notfall.»

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Der Einsatzmorgen: Alles verläuft reibungslos

Wenn Helfer Hilfe brauchen. Patrick Steiger (links) kümmert sich um ESAF-Helferin Angela Hofstetter (rechts), die danach die Zeit am Fest geniessen kann.

Samstagvormittag auf dem Festgelände des ESAF. Tausende Leute drängen sich in und um die Schwingarena. Die Menschen geniessen das grösste Volksfest der Schweiz. Ein Glück, dass alles ruhig verläuft. «Schön, bist du da», sagt Paul Ammann (58), Vizepräsident des Kantonalverbands (KV) beider Basel. Die herzliche Begrüssung richtet sich an Beatrice Wessner (67). Beatrice, Vorstandskollegin und Präsidentin des KV beider Basel, ist soeben 15 Kilometer mit dem Velo von ihrem Wohnort

Mit Eintritt in das Sanitätszelt von unverkennbar militärischer Herkunft und die angegliederte Sanitätshilfsstelle (SanHist) wird der Blick frei auf das Innenleben des Postens. Sieben Samariterinnen und Samariter, eine Rettungssanitäterin und ein Angehöriger der Armee besetzen den Posten. Es gibt klare Abläufe: Der Postenchef nimmt die Triage vor und lässt die Personalien der Patienten aufnehmen. Anschliessend übergibt er die Patienten einem Samariter zur Behandlung. Alle Anfragen, Zuteilungen und Entscheidungen gehen über den Postenchef, der die Rolle als Verbindungsperson zur Einsatzleitung innehat. «In dieser Rolle hat man die Verantwortung für den ganzen Sanitätsposten und sorgt für einen reibungslosen Betrieb», sagt Paul.

Die Nachtschicht: motivierende Zusammenarbeit Es ist aber keinesfalls so, dass er sich aufgrund seiner Funktion wichtig nimmt: «Das Grossartige an solchen Einsätzen ist die Zusammenarbeit mit Menschen, die das gleiche Ziel haben: das Wohlergehen der Mitmenschen im Notfall. Es ist eine Chance, immer auch etwas von anderen Fachleuten dazuzulernen.» Letzte Nacht waren beispielsweise auch ein Soldat mit Grad eines Gefreiten mit ihm im Einsatz, der im zivilen Leben Arzt ist, und eine Rettungssanitäterin. Für Paul eine «Bereicherung und wertvolle Unterstützung, die nur dank samariter 4/2022  7


SCHWERPUNKT ESAF

dem Freiwilligen- und Milizsystem der Schweiz möglich ist». Insbesondere bei Themen wie Medikamenteneinsatz sind die Kompetenzen von Rettungssanitätern und Ärzten weitreichender als die der Samariter: «Ich habe es geschätzt, Hand in Hand mit solcher Unterstützung im Einsatz zu sein.»

Es gelten strenge Regeln Ein wichtiger Grundsatz ist: Aus Sicherheitsgründen werden weder Medikamente noch Salben oder Sonstiges über die Schwelle abgegeben. Behandelt wird nur im Zelt und in der angegliederten San Hist – oder bei einem Notfall auf Patrouille. Wer Beschwerden hat und behandelt werden möchte, wird, wie bereits erwähnt, zuerst vom Postenchef triagiert und an der eingerichteten «Rezeption» erfasst. Dabei geht es auch um Statistik. Verletzungen, Beschwerden, Symptome, Alter und Ge-

schlecht fliessen unter anderem ein. Damit wird eine Auswertung der Einsätze gewährleistet. Danach wird die zu behandelnde Person einem anwesenden Samariter oder Sanitätssoldat zugewiesen. Ist die Behandlung abgeschlossen, geht es via Check-out an der «Rezeption» wieder zum Zelt hinaus. Die häufigsten Blessuren und Beschwerden sind Kopfweh, Insektenstiche, Schürfwunden und Verstauchungen – aber auch übermässiger Alkoholkonsum gehört dazu. «Letzteres kann von amüsant bis mühsam reichen», meint Paul, wenn er an die vorangegangene nächtliche Schicht denkt. «Und manchmal löst bei den Leuten die Praxis auf dem Posten, dass keine Hilfsgüter aus dem Zelt ausgegeben werden, Unverständnis aus. Doch schliesslich sind die Personen, die das Zelt aufsuchen, immer froh, dass ihnen einfühlsam und fachkundig geholfen wird.»

Beobachten, betreuen und gut zureden: Postenchef Roger Frey (links) und Sarah Hänggi (rechts) kümmern sich um eine alkoholisierte Person.

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Paul Ammann (links) übergibt nach seiner Schicht die Leitung des Sanitätspostens «Sana 10» an seinen Kollegen Roger Frey (rechts). Eine letzte Absprache, dann ist Paul in seiner verdienten Pause.

Behandelte fühlen sich gut aufgehoben Vor dem Mittag kommt Betrieb im Sanitätsposten auf. Vermehrt suchen Festbesucher mit Beschwerden den Sanitätsposten auf. So auch Angela Hof­ stetter, eine freiwillige Helferin am ESAF. Sie hat ihre Schicht beendet. Nachdem sie das Check-in passiert hat, weist Paul sie Patrick Steiger zu. Der Samariter vom SV Biel-Benken übernimmt und bringt sie nach hinten, um in Ruhe ihren von der Achillessehne geplagten Fuss hochzulagern. Nachdem die Patientin platziert ist, besorgt Patrick ein Coldpack. Mit der Kühlung verschafft er Angela Linderung von den Schmerzen, damit sie nachher ihre freie Zeit auf dem ESAF geniessen kann. Während sich der Fuss erholt, meint sie: «Ich bin froh, sind die Samariter da und kümmern sich um mich und alle anderen, die ein Problem haben. Es tut gut, sich sicher und versorgt zu fühlen.»

Schichtende, aber es geht weiter Nun ist es Zeit für Paul zu gehen. Er übergibt den Posten für die nächsten zwölf Stunden an seinen Samariterkollegen Roger Frey. Danach gehts für ihn zum Mittagessen ins grosse ESAF-Helferzelt mit Beatrice Wessner. Nach ein paar Stunden Schlaf und einem Besuch an einem Geburtstagsfest wird er kurz vor 22 Uhr wieder am ESAF im Einsatz stehen. Roger Frey und seine Truppe sind sofort im Element. Die Anwesenden auf dem Posten arbeiten reibungslos weiter. Alles funktioniert tadellos. Derweil machen sich Laurens Heeb und Sarah Hänggi von den Samaritern Biel-Benken, die zwei Jüngsten der Freiwilligen im Einsatz, für eine Patrouille bereit. Auch ausserhalb des Zeltes kann Hilfe vonnöten sein. Ausgerüstet mit Funk und einem Erste-Hilfe-Notfallrucksack gehen sie auf ihre Runde über das Festgelände, um im Notfall für ihre Mitmenschen da zu sein.

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SCHWERPUNKT ESAF

«Zeit und Kommunikation: kritische Erfolgsfaktoren» Caroline Meyer war am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) die oberste Samariterin und als Ressortleiterin ­Sanitätsdienst und Veterinärwesen gleichzeitig in der Organi­ sation des Grossevents eingebunden. Wie sie Vorbereitung und Einsatz in ihrer Doppelrolle erlebt hat, erzählt sie im Interview. INTERVIEW: Philipp Binaghi Hallo Caroline, das ESAF ist vorbei. Bist du froh, dass es überstanden ist? Caroline Meyer: Ja, wir sind froh, dass alles gut verlaufen ist. Die Einsätze haben gut geklappt, und alle Samariterinnen und Samariter sowie die Partner von Armee und Rettungssanität dürfen auf eine tolle Zusammenarbeit und ein gelungenes Wochenende im Dienst der Festbesuchenden zurückblicken. Ich möchte mich einfach bedanken für die grossartige Leistung, die unsere Samariterinnen und Samariter für alle Menschen am ESAF erbracht haben. Es war ein einzigartiges Erlebnis!

Klingt nach einer grossen Aufgabe und Verantwortung … Ja, ich steckte in einer Doppelrolle. Zum einen war ich im OK des ESAF als Ressortleiterin Sanitätsdienst und Veterinärwesen präsent, zum anderen aber auch als Vertreterin des KV beider Basel und somit in dieser Doppelrolle verantwortlich für alle Samariterinnen und Samariter sowie die Rettungskräfte auf Platz. Zudem waren 20 Stunden Einsatzzeit pro Tag happig für mich und mein Kernteam.

Das klingt nach viel Arbeit. Wer war dabei, und was hat dein Kernteam abgedeckt? Mit meinem fünfköpfigen Team Denny Mai (Stellvertreter), Sandra Buess (Personelles), Roger Frey (Infrastruktur), Franziska Heimlich und Guido Bürgi (beide Material) konnte ich die Kerngebiete meines Ressorts abdecken und so den Einsatz der Samariter gewährleisten. Jede einzelne Aufgabe war entscheidend dafür. Mitentscheidend war auch 10  samariter 4/2022

die Zusammenarbeit mit unserem ehemaligen Verbandsarzt Dr. med. Patrick Siebenpfund und seinem Stellvertreter Dr. med. Marcel Schüepp, welche die ärztliche Leitung innehatten. Ohne sie alle hätte ich es nicht geschafft.

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«Das ESAF ist ein Riesenprojekt und aufgrund seiner Komplexität eine echte Herausforderung.»

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Deine gesamte Einsatzgruppe fürs Wochenende, wie gross war die? Alles in allem 150 Personen. Davon waren 90 Angehörige der Samariter, ergänzt mit Männern und Frauen von der Armee und den Rettungssanitätscrews sowie Notärzt/innen. Ich bin wahnsinnig stolz und berührt, zu sehen, mit welchem Engagement alle zusammengearbeitet und sich mit voller Energie für das Wohlergehen der Festbesucher eingesetzt haben.

Wie kam es zu diesem Samaritergross­ einsatz? War es ein «Beziehungsdelikt»? (Lächelt) Man könnte es meinen. Ich würde hier eher die Voraussetzungen als Grund anführen. Ich habe ein Jahr zuvor von meinem Vorgänger die Ressortleitung Sanitätsdienst und Veterinärwesen


Caroline Meyer, seit bald 30 Jahren Samariterin, hat im OK des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests mitgearbeitet und das Ressort «Sanitätsdienst und Veterinärwesen» geleitet.

übernommen. Indem ich mir bekannte Kolleginnen und Kollegen der Samariter und somit auch Freiwillige für die Einsätze am ESAF beizog, wusste ich, mit wem und welchen Skills ich planen kann.

Hand aufs Herz, wie viel Zeit habt ihr in die Planung und Vorbereitung gesteckt? Im letzten Halbjahr waren das sicher über 1000 Stunden Arbeit. Am Einsatzwochenende selbst waren es für mein Kernteam und mich nochmals 20 Stunden an jedem der vier Festtage. Aber auch unsere Samariterinnen und Samariter auf den Sanitätsposten haben mit 12-Stunden-Einsätzen Aus­serordentliches geleistet.

Über 1000 Stunden «reinbuttern», helfende Hände zusammensuchen, mit dem ESAF-OK über Budgets streiten. Was war denn der Reiz, dich in diesem Projekt zu engagieren? Das ESAF ist ein Riesenprojekt und aufgrund seiner Komplexität eine echte Herausforderung. In meinem Beruf bin ich Projektkoordinatorin, aber ein derart grosses Setting trifft man wohl nur einmal im Leben an. Mich dann noch als Samariterin an vorderster Front einbringen zu können und somit auch zu zeigen, was die Samariterbewegung allgemeinhin zu leisten fähig ist – das war schon Motivation genug. Mit nun einer Woche Distanz zum Anlass kann ich sagen: Es war ein toller Einsatz und eine super Erfahrung. Das nächste ESAF im Kanton in 45 Jahren darf dann allerdings jemand anders organisieren.

Welche Tipps gibst du Personen, die vor ähnlichen Aufgaben stehen? Die Vorbereitungszeit fürs ESAF war sehr intensiv, interessant und lehrreich, insbesondere die letzten sechs Monate. Für die Planung zukünftiger Samaritereinsätze, aber auch für meine berufliche Tätigkeit nehme ich mit: Zeit und Kommunikation in Form von intensivem Austausch sind erfolgskritische Faktoren. Ein Grossprojekt wie das ESAF und einen Vollzeitjob unter einen Hut zu bringen, ist schwierig. Mein Tipp an alle, die einen Grossanlass planen: In den letzten Wochen vor dem Anlass viel Zeit einplanen und die Arbeit auf möglichst viele Schultern verteilen. Das ganze ESAF-OK funktionierte auf Freiwilligenbasis. Es gab keine zentrale «Schalt- und Anlaufstelle». Darum hatte ich sehr viele Ansprechpartner, und die Kommunikation mit den einzelnen Parteien und Partnern wurde umso wichtiger.

Zur Person Caroline Meyer (48) ist in Riehen (BS) zu Hause. Für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest war sie als Ressortleiterin Sanitätsdienst und Veterinärwesen im Einsatz. Für die Samariter des KV beider Basel hat sie zudem den Sanitätsdienst organisiert. Im Berufsleben ist Caroline Projektkoordinatorin bei Roche. Nächsten April 2023 wird sie 30 Jahre als Samariterin aktiv sein. Begonnen hat sie ihre Karriere als Freiwillige im SV Riehen, und seit 2002 ist sie in der Ausbildungskommission des KV beider Basel in verschiedenen Funktionen aktiv. samariter 4/2022  11


SCHWERPUNKT SAMARITER IM EINSATZ

Annelies Schenk (Mitte), Präsidentin des SV Bern Mitte und Samariterin mit Herzblut, brieft ihr Team für den bevorstehenden Einsatz.

Die Kür: Postendienst am Stadtfest Bern Endlich war es wieder so weit: Die Samariter des SV Bern Mitte durften nach Corona wieder öffentlich auftreten – beim Postendienst am Berner Stadtfest mit über 200 000 Besuchern. Im Zentrum steht Annelies Schenk, die uns erzählt, wie sie zu den Samaritern fand, was sie bewegt und wie Teamwork im Kanton Bern zu einem gelungenen Einsatz und positiver Wahrnehmung der Samariter führte. TEXT: Philipp Binaghi FOTO: Gaëtan Bally

Annelies Schenk (57) ist seit zehn Jahren im Samariterverein Bern Mitte. Ein klassisches Beziehungsdelikt: «Mein Lebenspartner Franz Ulmann hat bei mir dieses Feuer entfacht. Er ist seit 47 Jahren mit Leib und Seele Samariter», sagt die Bernerin. 2019 wurde sie an der HV zur Präsidentin gewählt. Mit Blick auf ihre bisherige Präsidentschaft in den letzten drei Jahren ist erkennbar: 12  samariter 4/2022

Dieses Amt führt Annelies gerne aus, und es macht ihr Spass. Der Spass kommt aber nicht von ungefähr. Sie kann sich auf ein funktionierendes und eingespieltes Team verlassen: «Alle anderen im Vorstand sind einfach super, und ich weiss genau, was ich wem, wenn nötig, abgeben kann. Ich kann mich immer auf meine Kolleginnen und Kollegen verlassen, und das gibt mir ein gutes Gefühl und


Sicherheit.» Der Verein selbst, Bern Mitte, hat aktuell 29 Aktivmitglieder. 11 Männer und 18 Frauen bilden sich regelmässig zu Themen der Ersten Hilfe weiter. «Dieses Jahr durften wir vier neue Mitglieder begrüssen», freut sich Annelies über den Zuwachs im Verein.

Die innere Flamme und Motivation: anderen helfen Nebst Kollegialität und freundschaftlichen Verbindungen liegt es auch an der beruflichen Ausrichtung von Annelies, dass sie bei den Samaritern «hängen geblieben» ist. Seit ihrem 18. Lebensjahr ist sie in der Pflege tätig und sagt von sich selbst: «Ich helfe sehr gerne anderen Menschen.» Der Samariterverein und die Einsätze am Postendienst sind zum grössten Hobby und zu einer tiefen Leidenschaft geworden. Die Freude ist jeden Monat gross, die Vereinsmitglieder wieder zu sehen. «Sie sind wie eine Familie für mich, und ich lerne an den Übungen immer wieder Neues.» Das Beste für Annelies: «Gelerntes kann immer und überall angewendet werden. Man weiss nie, welche Situation wir heute oder morgen auf der Strasse oder woanders antreffen.»

Stadtfest Bern: Königsdisziplin Postendienst Auf die Strasse geht es denn auch am Wochenende vom 24. bis 26. Juni. Nach Pandemie und Isolation haben die Menschen wieder Lust auf Kontakt und Begegnung. «zfriede.zäme.feschte.» ist das Motto in der Hauptstadt beim Berner Stadtfest. Und es ist klar: Kein Grossevent unter diesem Motto ohne Absicherung. Da spielen auch die Samariter von Bern Mitte und Annelies eine Rolle. Postendienst

ist angesagt. Ob es denn anstrengend sei, in der Freizeit noch Arbeit zu leisten, fragen wir Annelies: «Ein Hobby macht man in der Freizeit, und ich empfinde es als Privileg, so meinen Beitrag zum guten Gelingen eines Events beizutragen», entgegnet sie. Es sei aber unbestreitbar, dass es aufwendig sei, Helfer, Material, Zelte und die Abläufe zu organisieren. «Das ist dann eben die Kür. Die Königsdisziplin, wo wir das Gelernte und Geübte im reellen Einsatz einbringen können», meint Annelies, die sich freut, zusammen mit ihren Vereinsmitgliedern für die Mitmenschen da zu sein und die Samariter am Stadtfest Bern öffentlich sichtbar machen zu können.

Gemeinsam gehts besser Zur Kür gehört, wie erwähnt, nebst Übung auch Vorbereitung: «Für die drei Tage Stadtfest war einiges an Vorbereitung notwendig. Zwei Sanitätsposten waren geplant. Einer beim Casinoplatz und einer beim Bärenplatz. Da das Fest am Samstag von 10.00 bis 3.00 Uhr dauerte, brauchte es zwei Schichten a je sechs Samariter. Das heisst, es waren gleichzeitig zwölf Samariter im Einsatz.» Die wichtigste Ressource sind die Freiwilligen bei einem solchen Vorhaben. Bern Mitte allein ist zu klein, um einen Postendienst dieser Grösse abzudecken. Darum war Bern Mitte froh, auf die Unterstützung anderer Samariter zurückgreifen zu können. «Mit der Hilfe des KV Bern konnten wir Samariter von Kehrsatz, Thun, Münchenbuchsee, Bümpliz, Ostermundigen, Schüpfen und Rohrbach als Unterstützer beiziehen», blickt Annelies auf eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Kantonalverband und zahlreichen Samaritervereinen zurück. Und das Beste aus ihrer Sicht: «Nach Corona durften wir uns endlich wieder öffentlich zeigen, es ist wichtig, dass man uns Samariter auch wahrnimmt!» Die öffentliche Wahrnehmung der Samariter ist durchweg positiv. Das Stadtfest hatte es in sich: «Wir hatten richtig gut zu tun. 120 Patientenbewegungen, fünfmal die Ambulanz beigezogen und dankbare Festbesucher, denen schnell und unkompliziert geholfen wurde», ist Annelies’ Fazit. Etwas, das ihr in diesem Zusammenhang besonders in Erinnerung bleibt, sind die durchweg positiven Reaktionen der Festbesucher: «Merci, schön dass ihr da seid und euch um uns kümmert!» Postendienst heisst auch patrouillieren. Die Samariter sind präsent und werden auch am Stadtfest Bern wahrgenommen.

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REDE UND ANTWORT

Jugend: Flexible Angebote sind gefragt Die Jugend von heute ist die Zukunft von morgen. Wie Samariter Schweiz der Jugend im Verband in den kommenden Jahren Sorge tragen und diese fördern will, zeigt uns Flavia Marty, Projektleiterin Jugend, im Gespräch auf. INTERVIEW: Philipp Binaghi Flavia, du bist für die Samariterjugend zuständig. Ist es deine Aufgabe, für neue Mitglieder zu sorgen? Wie steht es aktuell um die Jugend bei den Samaritern? Tatsächlich sind einige Vereine damit konfrontiert, dass ihnen der Nachwuchs fehlt. Neugründungen von Jugendgruppen konnten die Auflösungen in den letzten Jahren mehr oder weniger ausgleichen. Ausgleich allein ist nicht das Ziel. Wenn wir es schaffen, die Jugend in den Samaritervereinen zu verankern und die Aussenwahrnehmung der Vereine zu stärken, gelingt uns hier ein Aufschwung. Es ist meine Aufgabe, gemeinsam mit den Samariterinnen und Samaritern an der Basis Lösungen zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse der Vereine und Verbände eingehen.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf: Wie würdest du generell die engagierten Jugendlichen beschreiben, die sich für Erste-Hilfe-Themen und damit auch für die Samariter und ihr Engagement ­interessieren? Die Samariterinnen und Samariter, die ich kennenlernen durfte, erlebe ich als Menschen, die für die Sache der «Samariter» brennen. Und ich merke, dass das Thema Erste Hilfe auch bei Jugendlichen Interesse weckt. Gleichzeitig stellen wir aber auch fest, dass motivierte junge Menschen teilweise von zu engen Strukturen gebremst werden. Hier müssen wir ansetzen, damit sich Jugendliche im Verbund noch mehr engagieren und einbringen können. In jungen Samariterinnen und Samaritern schlummert viel Potenzial, das wir im Moment noch nicht vollständig ausschöpfen. 14  samariter 4/2022

Flavia Marty, Fachspezialistin Jugend

Die Strategie für den Bereich Jugend ist für 2024 terminiert. Was sind die zentralen Inhalte? Wo stehen wir, und was wurde erreicht bis jetzt? Die Strategie 2024 sieht vor, die Samariterjugend zu stärken und so auszurichten, dass sie Hand in Hand mit den Vereinen mitwächst. Wobei wir Alt-


bewährtes nicht komplett über Bord werfen wollen. An diesem Projekt arbeite ich aber nicht allein. Es gibt enge Verbindungen zu Themen aus der Verbandsunterstützung. Was wir aber sagen können: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir die Samariterjugend besser integrieren müssen, um den Weg von der Jugend zu den Erwachsenen zu schaffen. Dabei stellt sich die Frage nach passenden Angeboten für Jugendliche und junge Erwachsene. Im Moment sind wir in der Evaluationsphase. Erste Konzeptentwürfe haben wir voraussichtlich bis Mitte 2023 beisammen.

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«Es geht darum, passende Angebote und Möglichkeiten der Beteiligung zu schaffen.»

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Wie können die Samariter Kinder und ­Jugendliche heute an eine Organisation binden? Ist der Gedanke einer Bindung noch realistisch, oder müssen wir von ­einem phasenweisen Engagement ausgehen und einen viel flexibleren Umgang mit der Zielgruppe entwickeln? Das ist stark abhängig vom Alter sowie von persönlichen Interessen und Möglichkeiten. Ich bin überzeugt, man kann Kinder und Jugendliche nach wie vor an eine Organisation binden. Wobei mir «binden» nicht unbedingt passend erscheint. Wenn ein Engagement gekoppelt an enge Strukturen nicht in die persönlichen Lebensumstände passt, wird man Mitglieder nicht halten können. Das ist auch bei der Jugend so. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, die ein Engagement in allen Lebensphasen möglich machen. Heisst für uns Samariter: Flexible Lösungen sind gefragt. Vielleicht beginnt ein Jugendleiter eine Berufslehre mit unregelmässigen Arbeitszeiten und kann sich nicht für regelmässige Einsätze verpflichten. Gleichzeitig beginnt eine Jugendleiterin aber ein Studium und hat phasenweise mehr freie Zeit, um sich zu engagieren. Darauf müssen wir eine Antwort haben.

Trotz aller Flexibilität, was verleitet ­Kinder und Jugendliche heute dazu, sich zu engagieren? Umfragen zeigen, dass sich junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren durchaus freiwillig engagieren. Unter anderem auch in der Jugendarbeit.

STRATEGIE 2024

Spass, persönliche Weiterentwicklung und soziale Kontakte stehen dabei im Vordergrund. Sie wollen sich in ihren Interessenbereichen ausleben können und erwarten Wertschätzung und Anerkennung für ihren Einsatz. Sie wollen mit Gleichgesinnten was bewegen.

Dann heisst das, es braucht Raum für die Jugendlichen, sich unter ihres­gleichen zu bewegen und dennoch in den Samariterverein aktiv eingebunden zu werden? Ja genau, das sehe ich auch so. Ich denke, das ist eine Frage des Angebots und der Umsetzung. Zum Beispiel: Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren wollen unter sich sein. Das heisst aber nicht, dass sich Erwachsene nicht an einer erfolgreichen Jugendarbeit beteiligen können. Es geht darum, passende Angebote und Möglichkeiten der Beteiligung zu schaffen, die ein Miteinander möglich machen, aber Jugendlichen den Raum lassen, mit Gleichaltrigen etwas zu erleben.

Damit einher geht die Frage nach ­konkreten Massnahmen. Was willst du in zwei Jahren, also bis 2024, erreicht haben? Die Strategie regelt die Ausrichtung der Samariterjugend über die nächsten Jahre. Es gehört zu den Aufgaben der Vereine, mit unserer Unterstützung eine Jugend aufzubauen und zu begleiten. Eine unserer Massnahmen ist es, ein Konzept inkl. Hilfsmittel zu erarbeiten, das den Vereinen und Verbänden konkret bei der Umsetzung hilft. Dazu gehören die Beratung bei der Umsetzung vor Ort mit Vorlagen, einem Ideen- und Themenpool, Lehrmitteln für Kinder und Jugendliche sowie Ideen, die wir zusammen entwickeln.

Zur Person Flavia Marty (28) arbeitet seit dem 1. April 2022 in der Geschäftsstelle der Samariter Schweiz. Von klein auf ist sie im Vereinswesen und in der Freiwilligenarbeit tätig. Zuletzt arbeitete sie im Bereich Marketing und Kommunikation in der Energiebranche. Die Luzernerin kam durch die Pfadi zum Verbandswesen und zu der Jugendarbeit. In der Pfadi Luzern leistet sie weiterhin ihr freiwilliges Engagement und ist dort in der Kantonalen Leitung zuständig für das Aus- und Weiterbildungswesen. samariter 4/2022  15


AKTUELL PFINGSTLAGER

«Jugendliche wollen Erste Hilfe lernen» In der Samariterjugend lernen Kinder, wie sie Erste Hilfe leisten, und finden Kontakt zu Gleichgesinnten. Das Jugendlager ist jedes Jahr ein Highlight dank Freiwilligen wie Röbi Keller. TEXT: Tanja Reusser FOTOS: zVg Als Samariter-Freiwilliger ist Röbi Keller Eventorganisator, Ausbildner, Führungsperson und Projektverantwortlicher. Letzteres ist der Vater von zwei Kleinkindern auch hauptberuflich für eine Softwarefirma. Seit drei Jahren leitet er das achtköpfige Organisationskomitee (OK), das jährlich ein Jugendlager von Samariter Schweiz organisiert. Dieses grosse Engagement leistet er offenbar entspannt «so nebenbei». So wie er während des Interviews, das wir online führen, liebevoll seiner jün-

Die Teilnehmenden des Pfingstlagers erkunden das Innenleben eines Ambulanzwagens.

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geren Tochter eine Frage beantwortet. Wer im Videomeeting auf Unvorhergesehenes gelassen reagiert, lässt sich nicht stressen.

Viel Lob und Freude 115 Kinder und Jugendliche aus der ganzen Deutschschweiz erleben am Pfingstwochenende ein Programm, von dem sie zu Hause noch lange begeistert erzählen. Immer wieder erhält das OK


1, 2 oder 3 – das Teamquiz. Eines der vielen Spiele, die sich das Organisationskomitee ausgedacht hat.

nach dem Lager lobreiche E-Mails und SMS von dankbaren Eltern. Die meisten der Kinder sind bei der Samariterjugend. Schon im Alter von zehn Jahren lernen sie, wie sie Erste Hilfe leisten. Sie treffen sich monatlich zum Üben und haben einen guten Zusammenhalt. «Auch ich habe vor 25 Jahren in der Help-Gruppe Rebstock angefangen», erzählt Röbi Keller. Der nun 35-Jährige hat als junger Erwachsener die Ausbildung zum Jugendleiter absolviert. 2006 wurde er Mitglied des OK fürs Jugendlager. Als OK-Leiter hat er alle Fäden in der Hand. Die jungen Samariterinnen und Samariter schlagen ihr Lager am langen Pfingstwochenende in einer Turnhalle auf. «Das passt zu uns Samariterinnen und Samaritern besser als ein Zeltlager im Wald», erklärt Röbi Keller. Zudem sei die Infrastruktur einer Dreifach-Turnhalle praktisch, und man könne das Jugendlager jedes Jahr in einer anderen Region abhalten. Er verhandelt mit einer Schulleitung oder hält eine Präsentation an einer Gemeinderats­ sitzung, um jährlich die Nutzung einer Turnhalle zu guten Bedingungen auszuhandeln. Lagerstimmung komme sehr wohl auf, wenn alle in Schlafsäcken auf Matten gemeinsam in einem grossen Raum übernachteten, kann er aus Erfahrung bestätigen. «Das Wichtigste fürs Lagergefühl ist ein spannendes Programm, das wir jedes Jahr neu planen.» Das Programm erarbeitet ebenfalls das OK ehrenamtlich, und es funktioniert: «Wir kennen das

Problem nicht, dass die Kinder sich mit ihrem Handy beschäftigen. Dazu haben sie gar keine Zeit.»

Kinder können helfen! Die Verantwortung für die minderjährigen Teilnehmenden trägt die jeweilige Gruppenleitung. Sie kennen die Kinder aus den regionalen Samaritervereinen. 100 Franken inklusive Anreise kostet das Lager, was rund die Hälfte der Ausgaben deckt. Die übrigen Kosten trägt Samariter Schweiz oder kann Röbi Keller mit «der Unterstützung von Helsana als Sponsor» tiefhalten. Ja, da kämen schon ein paar Stunden zusammen, um so ein Lager zu organisieren, bestätigt er. «Es macht mir viel Freude, wenn ich sehe, wie die Kinder Spass haben. Ich finde, es gibt ausserhalb vom Sport zu wenig Angebote für Kinder und Jugendliche.» Zudem ist er fest überzeugt: «Nach wenigen Monaten üben sind Kinder ab zwölf Jahren durchaus fähig, Erste Hilfe zu leisten. Ja, sie wollen das können und lernen gerne!» Im Lager stehen aber der Spass und der Zusammenhalt im Vordergrund. Viele aus der Samariterjugend bleiben ein Leben lang Samariterin oder Samariter. Röbi Keller prägen die Erfahrungen aus der Jugend, und er ist auch stolz, dass nun Aline Muller als Samariterin die Rotkreuz-Jugend im Rotkreuzrat vertritt. Auch sie hat in der Samariterjugend fürs Leben gelernt. samariter 4/2022  17


VEREINE UND VERBÄNDE

GENERATION

Das Thema Erste Hilfe weckt Interesse bei Kindern und Jugendlichen. Gemeinsam mit Freunden Spass haben und Lernen sind ein Garant, dass das Feuer für die Sache der Samariter entflammt. Vier Beispiele für gelungene Events für Kinder und Jugendliche bei den Samaritern.

WAADT Das Sommerlager der «Samas’Kids» vom KV Waadt in der Romandie fand vom 7. bis zum 14. August 2022 in Les Paccots statt. Es stand unter dem Motto «Gesellschaftsspiele». Während der ganzen Woche hatten die Kinder und Jugendlichen jeden Morgen die Aufgabe, ein Gesellschaftsspiel zu entwickeln, das am Samstagnachmittag von ihren Kolleginnen und Kollegen umgesetzt wurde. Die Vorbereitungen für das Lager 2023 laufen bereits auf Hochtouren: Dann feiern die «Samas’Kids» ihr 20-jähriges Bestehen.

LUZERN Am 10. September fand die Zentralschweizer «Help-Olympiade» statt. 120 Kinder aus der Region haben teilgenommen. Freudige Erwartung, Begeisterung und auch etwas Anspannung waren am Startbüro spürbar. Alle 15 Minuten starteten je zwei Samariter-Jugendgruppen U16 oder Ü16 auf den Rundgang durch das Dorf. «Das esch e coole Tag gsi.» Diese Aussage eines Kindes nach dem Wettkampftag war das grösste Lob und Motivation zugleich für das OK des Anlasses. 18  samariter 4/2022


SAMARITER SANKT GALLEN Am 3. September fand in Ebnat-Kappel der regionale Help-Tag des Samariterverbands St. Gallen und Fürstentum Liechtenstein statt. Rund 60 Kinder und Jugendliche waren anwesend, die ihr Wissen in Erster Hilfe vertieften. Ein Highlight: Einen Rettungswagen von innen erkunden. Eine angehende Rettungssanitäterin stand Rede und Antwort. Der ganze Tag war als Ausbildungs- und Spielevent für die Jugendgruppen vorgesehen. Die Vernetzung untereinander wurde im nachmittäglichen Wettkampf gefördert.

BIEL-BENKEN Vom 2. bis zum 4. September fand das traditionelle Trainingslager der Samariterjugend Biel-Benken statt. 34 Jugendliche (5 von der Help-Gruppe Riehen) und 10 Helfer verbrachten das Wochenende im Münstertal im Schwarzwald. Theorie und Praxis wechselten sich ab. Dabei wurden in Erster Hilfe Fachtechnik-Schemata besprochen, Fixationen geübt und BLS inklusive Defibrillator angewandt. Die realistische Unfallgestaltung (RUNG) am Sonntag rundete das Wochenende ab.

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VEREINE UND VERBÄNDE

ANNE-MARIE BÄRTSCHI: 40 JAHRE SAMARITERIN

GOLDENE HENRY-DUNANTMEDAILLE

Die Samariterinnen und Samariter vom Samariterverein Madiswil gratulieren Anne-Marie Bärtschi zu ihrem 40-JahreJubiläum. Vor 40 Jahren wurde sie in den Samariterverein Madiswil aufgenommen. Von 1985 bis 1992 war sie Vizepräsidentin. Von 1992 bis 2003 gab sie ihr Wissen als SamariterlehAnne-Marie Bärtschi anlässlich ihrer Ehrung rerin weiter. Im 1999 durfte Anne-Marie für ihre Leistungen die Henry-Dunant-Medaille in Empfang nehmen und wurde 2002 Ehrenmitglied des Samaritervereins Madiswil. 2004 bis 2012 wurde sie Sekretärin des Regionalverbandes Oberaargau RVOA. Von 2016 bis 2018 führte sie den SV Madiswil als Co-Präsidentin. Seit der DV 2022 vom Kantonalverband Bernischer Samaritervereine ist sie auch dort Ehrenmitglied. Ob mit oder ohne Mandat, der Samariterverein Madiswil durfte und darf immer auf sie zählen!

Ursula Hofer ist die erste Wynigerin, die vom Schweizerischen Roten Kreuz mit der goldenen Henri-Dunant-Medaille geehrt wurde. Sie leistete 40 Jahre Vorstandsarbeit und war 25 Jahre Präsidentin im Samariterverein in Wynigen. Sie erinnert sich noh genau an den Tag, an dem ihr Sohn verunglückte und ihr bewusst wurde, dass es gut wäre, mehr über Erste Hilfe zu wissen. So engagierte sie sich im Samariterverein Wynigen Ursula Hofer bei der Verleihung und bildete sich in unzähligen der goldenen Henry-Dunant-­ Medaille Kursen weiter. Sie war auch Mitglied der Feuerwehr und in den folgenden Jahren an unzähligen Übungen und oftmals auch an tragischen Einsätzen mit dabei. Ein Höhepunkt war sicher der Schweizermeistertitel an den schweizerischen Samariterwettkämpfen von 2008 mit dem Team «Wyno». Darauf folgte die Teilnahme an den FACE 2009 in Oldenburg, wo Rotkreuz-Teams aus 25 Nationen antraten und ihr Können zeigten. Die Vereinskolleginnen und -kollegen sind stolz, Ursula Hofer in ihrem Verein zu haben und gratulieren ihr herzlich.

44. KLASSENTREFFEN DER SAMARITERLEHRER DER ABSCHLUSSKLASSE 1978 IN ALTDORF Am Samstag 27. August trafen sich in Chur im Fontanagarten zum 44. Mal die Samariterlehrer, die 1978 in Altdorf die Ausbildung gemeinsam absolviert haben. «Leider sind zwei Personen mittlerweile bereits verstorben. Aber ein solches Mit- und Füreinander ist doch eher selten. Der jährliche Austausch ist uns immer noch sehr wichtig und freut uns allgemein», meint Margrit Scherer, die uns von diesem aussergewöhnlichen Treffen erzählte. Für Margrit «ein stets wunderschöner Tag unter Freunden mit viel Positivem, der an vergangenen Zeiten denken lässt». In Chur dabei waren (v.l.n.r.) Vreni Schmid (SV Bülach, ­inaktiv), Ruth Németh (SV Egerkingen, inaktiv), Fridolin ­Danuser (SV Scharans, inaktiv), Margrit Scherer (SV Emmen, inaktiv), Edwin Lussmann (SV Silenen, aktiv), Margrit Wenger (SV Gelterkinden, inaktiv), Walti Vogel (SV Malters, aktiv)

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IM NOTFALL BEREIT! Vor zehn Jahren wurden die ersten Defibrillatoren von der Stadt La Chaux-de-Fonds an öffentlichen Orten installiert. Heute gibt es in der Uhrenmetropole nicht weniger als 65 davon, die sich in öffentlichem oder privatem Besitz befinden. Grund genug, diesen Umstand am 3.September in

der Uhrenstadt mit Vertretern von Stadt und Kanton zu feiern. Der KV Neuenburg nutzte die Gelegenheit und lud die Bevölkerung zum praktischen Training ein. Am Stand der Samariter:innen konnten Interessierte die Handhabung von Defibrillatoren und die Herzmassage üben. Die Übungsstunden mit den Samaritern waren gut besucht. Die Atmosphäre war entspannt und sympathisch, ganz im Sinne des grossen Volksfestes in La Chauxde-Fonds, das in vollem Gange war. Seit dem 1. Juni 2022 wird dieses Defibrillatorennetzwerk durch ein kantonales Netz von aktuell 482 ehrenamtlichen Ersthelfern ergänzt. Es wurden bereits zehn Einsätze im Kanton durchgeführt, in dem durchschnittlich zwei Herzstillstände pro Woche zu verzeichnen sind. Wer sich dem Neuenburger Netzwerk anschliessen will, kann sich über die Website first-responders-ne.ch anmelden.

Motiviertes Samariter-Team (v.l.n.r.): Samantha Perrin vom SV Neuchâtel-Ville und Marilyn Papis vom SV La Côte-Boudry, die in La Chaux-de-Fonds der Bevölkerung die Erste Hilfe näherbrachten.

DIE KUNST, VERBÄNDE ANZULEGEN Einen Verband anzulegen, das ist, wie das Knüpfen eines Seemannsknotens zu lernen. Es braucht Geduld und Erfahrung. Hinzu kommt bei den Samariterinnen und Samaritern die ganze Aufmerksamkeit, die sie den leidenden Patienten widmen. Eine Kunst, die Zuhören, Präzision und Können gleichzeitig erfordert. Im Sommer nahmen 14 Personen an der Monatsübung des Samaritervereins von Ecublens teil. «Verbände ermöglichen, einen Knochenbruch zu fixieren und Wunden zu schützen», erklärte Aude Schweizer, die Organisatorin des Abends. Die junge Samariterin hatte einen spielerischen sowie einen praktischen, notfallbezogenen Instruktionsteil für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorbereitet. Bei Ersterem war Würfeln angesagt. Je nach gewürfelter Zahl durften die Teilnehmenden an verschiedenen Körperteilen ihre Schnelligkeit und Effizienz beweisen, indem sie den entsprechenden Verband anlegten. Parallel dazu gab es zwei Rollenspiele, um das richtige Verhalten bei einem Unfall zu üben und aufzufrischen. Alles in allem ein Abend, der fachlich forderte und gleichzeitig für gute Stimmung sorgte.

Organisatorin Aude Schweizer mit Würfel und Lehrtafel.

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VEREINE UND VERBÄNDE

EINE MODERNE FREIWILLIGENORGANISATION Die Verbundsentwicklung kann nur gemeinsam geschehen. Entsprechend wurde am Dialog­ forum 3 in Nottwil gemeinsam an der Zukunf­t der Samariter Schweiz gearbeitet. Die Teil­ nehmenden schätzten dieses Vorgehen und die Vernetzung untereinander. TEXT: Philipp Binaghi FOTOS: Flavia Nicolai

Am 17. September fand das 3. Dialogforum (DF 3) in Nottwil statt. «Wir alle zusammen sind Samariter Schweiz» leitete Zentralpräsidentin Ingrid Oehen in die dritte Ausgabe des Dialogforums ein. Damit bekräftigte sie, dass die Verbundsentwicklung ein Gemeinschaftswerk sei und nur gemeinsam weiterentwickelt und vorangetrieben werden könne. Mit Blick auf den Zeitplan des Strategieprojekts (STP 1) zeigt sich, dass seit dem Kick-off im November 2020 schon einige Meilensteine erreicht worden sind. «Jetzt müssen wir die Anpassung der Verbundsstrukturen anpacken», sagte Oehen. Denn seien die neuen Strukturen einmal definiert, könnten auch Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen in diese einfliessen und final zugewiesen werden. Für Ingrid Oehen ein unabdingbarer Schritt, um «unser gemeinsames Ziel zu erreichen, eine moderne gemeinnützige Freiwilligenorganisation in der Schweiz zu werden». Dafür 22  samariter 4/2022

sind für Oehen die Schärfung des Profils von Samariter Schweiz und die kommunale Verankerung zentrale Faktoren. Letztere kann aus ihrer Sicht nur durch die Vereine in den Gemeinden geleistet werden, die vor Ort präsent sind.

Arbeit an der Bundesstruktur Mit der Empfehlung «Wir optimieren die vorhandene Bundesstruktur» leitete Ingrid Oehen zusammen mit Co-Moderatorin Ruth Aregger zur praktischen Arbeit zur Optimierung der Bundesstruktur über. Zuerst in Murmelgruppen, danach in der offenen Diskussion und mit Darstellung an Pinnwänden. Entlang des Samaritertellers wurden zwei Fragestellungen an Pinnwänden platziert, die von den Teilnehmenden diskutiert und deren Ergebnisse festgehalten wurden. Konkret dienten die folgenden Fragen als Leitinstrument: Welche Aufgaben und zugehörigen Prozesse sollen im Gesamtverbund neu organisiert werden? Wie kann die regionale Zusammenarbeit gefördert werden, und welche Unterstützung braucht es dazu? Durch dieses Vorgehen wurde die Empfehlung der Projektleitung direkt mit den Bedürfnissen und der Stimme der Basis abgeglichen. Eine entsprechende Sichtung und eine gemeinsame Diskussion der Ergebnisse führten am Nachmittag zu einem konstruktiven Austausch, der «wertvolle und positivkritische Rückmeldungen hervorbrachte», so Ingrid Oehen rückblickend.


STRATEGIE 2024

Fundstücke und Dank Zum Abschluss der Veranstaltung richtete Ingrid Oehen ihren Dank an die versammelte Teilnehmerschaft. «Wir haben wieder einen wichtigen Schritt in Richtung Ziel genommen. Damit dies weiterhin gelingt, dürfen und müssen wir zusammen dynamisch voranschreiten und die Dinge anpacken», schloss sie ihre Eindrücke zum Schluss des arbeitsreichen Samstagnachmittags ab. Mit dem Abschluss kamen auch die Anwesenden zu Wort und konnten

•

«Wieder ein wichtiger Schritt in Richtung Ziel»

•

ihre Eindrücke – ihre besten Erinnerungen an den Tag – zum DF 3 einbringen. Geschätzt wurden generell die Vernetzung sowie die Zusammenarbeit über die Vereins- und Kantonsgrenzen hinaus. Das zeigte sich auch in den Voten, die von Ruth

Aregger am Mikrofon abgeholt wurden. Eine Teilnehmerin meinte: «Es war meine erste Sitzung, und die Vernetzung und der Austausch waren für mich besonders wertvoll. Insbesondere auch, dass über die Kantonsgrenzen hinaus die Zusammenarbeit gesucht wird.» Wiederum andere Voten schätzten den Dialog und das gemeinsame Arbeiten an der Zukunft des Samariterwesens. Die Vertreter aus der Romandie brachten zum Ausdruck, dass sie es besonders schätzten, dass sie viele Deutschschweizer Kolleginnen und Kollegen getroffen haben, die sich mit ihnen ebenso in Französisch ausgetauscht haben. Kurzum: durchweg positives Feedback nach viel Arbeit. Ingrid Oehen verdankte die offene und wohlwollende Zusammenarbeit aller Anwesenden, und sie blickt mit Freude in die Zukunft. samariter 4/2022  23


VEREINE UND VERBÄNDE DREISSIG JAHRE KATASTROPHENPIKETT GENF (PICA)

SPEZIALAUFGABEN FÜR EIN STARKES TEAM Unterstützt von Profis aus dem Gesundheits­ wesen gründete eine Gruppe von Genfer Sama­ riterinnen und Samaritern vor dreissig Jahren ein mobiles Katastrophenpikett (PICA). Heute ist PICA behördlich anerkannt und feierte Anfang September sein Dreissigjähriges.

TEXT : Chantal Lienert PHOTOS : zvg.

Wussten Sie, dass das Logo der Chupa ChupsLutscher von Salvador Dalí stammt, der Koala 23 von 24 Stunden schläft und das Model Kate Moss den Spitznamen «la brindille» trägt? Vor diesem Fragenkatalog stand gut ein Dutzend Samariter, alles Mitglieder des Katastrophenpiketts (PICA) in Genf. Die Fragen waren Teil eines Quiz, das am Samstag, den 3. September 2022, in einem Spiel-

zimmer in der Stadt Genf durchgeführt wurde. Als Erster antworten, gegnerische Teams blockieren oder ihre Punkte stehlen – das war ebenso Teil der Gewinnstrategie wie das Ausloten der Allgemeinbildung. Alle Anwesenden sind Mitglieder der PICA-Gruppe und feierten so im Vorfeld die Festlichkeiten zum 30. Jahrestag.

Isabel Constant, Mitglied seit 2014 Ich lerne gerne Neues; es ist besser, sich auf Notsituationen einzustellen und nicht überrumpelt zu werden. Durch Hilfeleistung können wir am Gemeinwesen teilhaben.

Wunsch nach Koordination Ende der 80er-Jahre wurden Stimmen laut, die nach einer kantonalen, in die Genfer Katastrophenhilfe eingebetteten Eingreiftruppe der Samariter riefen. Im Notfall mobilisierbare Strukturen gab es bereits in mehreren Vereinen – allerdings unkoordiniert. Der Wunsch nach mehr Struktur und Koordination kam auf. In Zusammenarbeit mit

Sandra Grizzo, Philippe Schumacher, Natacha Pitticchio, Raymonde Ozainne und Alain de Felice, treue Mitglieder der PICA-Gruppe und Organisatoren der 30. Jahresfeier

24  samariter 4/2022


Vorne, v.l.: Adrian Gutknecht, Stab PICA, und Marc Niquille, Arzt der kantonalen Sanitätsbrigade und Unterstützer von Anbeginn

dem Chef des Feuerwehr- und Rettungsdienstes (SIS) des Kantons Genf entstand eine Arbeits-

Maël Pittet, Sama Kid während 11 Jahren, PICA-Anwärter 2022 Erste Hilfe ist mein Leben. Ich will schon seit meiner Kindheit zur Pistenwacht. Mir gefällt es sehr gut in der PICA-Schule, das ist eine super Ausbildung.

gruppe aus Ärzten, medizinischen Fachkräften und Samaritern. Im März 1992 wurde die erste PICASchule (vgl. S. 27) lanciert. Das erste Jahrzehnt war geprägt durch die Schaffung der Einheit, die in die kantonale Katastrophenschutzplanung integriert ist; der Genfer Flughafen öffnete seine Pforten für die Samariter der PICA-Gruppe, damit sie sich mit dem Material der medizinischen Einheit vertraut machen können. 1998 wird PICA vom Kantonsarzt

Raymonde Ozainne, Gründungs­mitglied und Beraterin PICA Stab Wir hatten das grosse Glück, in den PICA-Anfängen Visionäre im Team zu haben, dank deren bemerkenswertem Engagement PICA entstehen und sich entwickeln konnte. Das zweite Positivum ist das uns im Laufe der Jahre gewährte Vertrauen unserer Partner aus der präklinischen Nothilfe. Dies ermöglichte im Katastrophenfall die Integration der PICA-Gruppe auf kantonaler Ebene.

anerkannt und SIS kann ab Oktober 2000 bei Schadenfällen auf die PICA-Gruppe zurückgreifen. Im Laufe der Jahre kommt es zu Vereinbarungen mit dem Genfer Unispital (HUG). Dadurch wird das

Niels Dupont, Leiter Stab PICA, sehr der in der PICA-Gruppe vorherrschenden Selbstlosigkeit verpflichtet

Mitwirken von HUG-Mitarbeitenden gefördert. Viele Jahre zählte der Mitarbeiterstab im PICA um die 30 Personen. Nun erweitert er sich um Ärzte, Krankenpfleger und Rettungssanitäter.

Philippe Schumacher, stellvertretender Stabschef seit 1997 Meine Rede von jeher war, dass ich nie Chef sein wollte. Ich kann gut ohne! Aber die Zeiten ändern sich, und ich sah, wie sich Ausbildungsgänge verändern. Ausserdem ist mein Weg hier befristet. Helfen macht mir allerdings noch immer sehr viel Freude.

Einsätze und Warnungen Bei den meisten Einsätzen handelt es sich um Brände, aber auch um unangemeldete Grossübungen, an denen verschiedene Einheiten teilnehmen, die den Sicherheitsschutz der Bevölkerung gewähr­ leisten. Feuer an Bord eines Grossraumflugzeugs, Terrorakte am Flughafen, Explosion im Treibstoffzug, öffentlicher Linienbus auf der Seite liegend – dies sind nur einige Szenarien, die etwa alle zwei Jahre durchgespielt werden. Auch interna­ tionale Einsätze stehen auf der Tagesordnung – beispielsweise im Jahr 2003, anlässlich des G8-Gipfels in Évian-les-Bains. Es kam zu heftigen Demons­trationen in Genf. Das ist gleichbedeutend mit fünf Tagen Engagement respektive 1089 Einsatzstunden! Ab 2016 kommt es zur Gründung des Dispositivs Sanitätsdienst zur Unterstützung (SDU). Es sichert die medizinische Versorgung der Feuerwehr samariter 4/2022  25


VEREINE UND VERBÄNDE DREISSIG JAHRE KATASTROPHENPIKETT GENF (PICA)

bei Grosseinsätzen; SIS-Rettungssanitäter und speziell ausgebildete PICA-Ersthelfer begleiten Einsätze.

Ein aussergewöhnliches menschliches Abenteuer Für Niels Dupont, PICA-Gruppenchef seit 2019, geht es an erster Stelle um ein aussergewöhnliches menschliches Abenteuer. Er stammt aus Paris und ist jetzt Sicherheitsdirektor der Universität Genf. Zu den Samaritern stiess er 2016, nach den Attentaten in Paris 2015. Sie sind der Grund, dass er inskünftig Leben retten will. Ihm gefällt bei PICA die vorherrschende Selbstlosigkeit und die bei den Partnerorganisationen gezeigte Grosszügigkeit. Seine Hoffnung: das Team auf sechzig einsatzfähige Mitglieder ausweiten und jeden Genfer Samariterverein einbinden.

Aurélie Lamon, Ärztin, PICA-Mitglied seit 2016 Eigentlich wollte ich Rettungssanitäterin werden. Aber die Augen haben es nicht erlaubt. Präklinische Notfälle sind mein Spezialgebiet. Daher ging ich nach meinem für die Mediziner vorgeschriebenen klinischen Dienst zur PICA-Gruppe.

Freiwillige und Ehrenamtliche Bemerkenswert ist, dass alle Aktivitäten der PICAGruppe ehrenamtlich sind. Die Ausbilder erhalten keinerlei Entschädigung, und die Genfer Vereine, die ihre Räume für Kurse oder Übungen zur Verfügung stellen, tun dies absolut kostenfrei.

DIE PICA-GRUPPE HEUTE 44 Mitglieder, darunter 20 Ersthelfer, 17 Ärzte, 5 Kranken­ pfleger, 1 Rettungssanitäter und 1 Transportsanitäter. September 2022: Start der 17. PICA-Schule mit 14 Anwärterinnen und Anwärtern. Die Ausbildung gliedert sich in fünf Module. M1: Alarm, Intervention, Rückverfolgung und Organisation vor Ort; M2: Massive Blutungen, Nox-Kurs (Terrorismusbekämpfung), psychologische Aspekte; M3: Pflege nach ABCDESchema, Überwachung und Monitoring; M4: Triage und Nachverfolgbarkeit, Abschlusstest; M5: SDU-Ausbildung; Eintrittsalter: 18 bis 60 Jahre, Einsatz von 18 bis 70 Jahre. Aktuell wird das PICA von einem aus elf Mitgliedern mit genau definierten Zuständigkeiten bestehenden Stab geleitet: Leiter und Stv. Leiter, verantwortliche Ärzte, Ausbildungsleiter, SDULeiter, Berater. 26  samariter 4/2022

Strukturell gesehen ist PICA ein Ausschuss des KV Genf und steht der kantonalen Sanitätsbri­ gade zur Verfügung. Geleitet wird es von einem aus zehn bis zwölf Personen gebildeten Stab, darunter mehreren Medizinern und Gesundheitsfachpersonen. Verwaltungstechnisch untersteht PICA der Gesundheitsdirektion des Kantons Genf. Alle erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen der PICA-Schule erhalten einen Zuschuss des Kantons zur Finanzierung der persönlichen Ausrüstung.

Assunta Fiorentino, PICA-Mitglied seit 2006 Mir gefallen das Ambiente und der Teamgeist in der PICA-Gruppe, daher bleibe ich. Da gibt es kein Konkurrenzdenken und keine Rivalitäten.

Talentschmiede Marc Niquille, medizinischer Leiter der präklinischen Notfall- und Reanimationseinheit des HUG, fand sehr herzliche Worte des Danks für die Samariterinnen und Samariter, die sich zur Verfügung stellen und einen wichtigen Beitrag für die Bevölkerung leisten. Ausserdem stellte er fest, dass die PICA-Schule eine echte Talentschmiede ist. Mehrere Akteure der präklinischen Notfallund Reanimationseinheit – Ärztinnen und Ärzte, Krankenpfleger:innen, Rettungssanitäter:innen – die heute Teil der kantonalen Sanitätsbrigade sind, stammen aus den Rängen des PICA. Gut fünfzig Personen hatten die Einladung zum 30-Jährigen des PICA angenommen. Ehemalige und Aktive, Ärzte und Kommandanten der Rettungsdiens-

Arnaud Peytremann, Arzt, PICA-Mitglied seit 2009 Bei mir ist das Rennen gelaufen. Ich war zuerst Samariter, bevor ich Arzt wurde! Ich wurde schon zu Schulzeiten als Samariter in die PICA-Gruppe aufgenommen. Erst danach habe ich Medizin studiert.

te, Anwärter:innen auf einen Platz in der PICASchule sowie zahlreiche Freundinnen und Freunde fanden sich in fröhlich entspannter Runde zusammen, tauschten Erinnerungen aus und freuten sich über das Erreichte. Die grosse Treue der PICAMitglieder ist auffallend; einige sind von Anfang an dabei. Die Ausbildung mag der Start ins Abenteuer sein, der Zusammenhalt der Gruppe und deren wunderbare Eintracht sind Gründe für den Verbleib.


VEREINE UND VERBÄNDE DREISSIG JAHRE KATASTROPHENPIKETT GENF (PICA)

DIE PICA-SCHULE Samariterinnen und Samariter, die Mitglied der PICAGruppe werden möchten, müssen volljährig sein, über ein gültiges Zertifikat Ersthelfer Stufe 2 IVR verfügen, Sanitätspostenarbeit gewohnt und seit mindestens einem Jahr in einem Verein tätig sein. Angehende PICA-Mitglieder müssen einen umfassenden Zulassungstest ablegen, eine Übung zum Thema Stressmanagement in der Gruppe bestehen und ein Interview mit einem PICA-Arzt führen. Dabei werden Erwartungen geklärt. Denn: Die Zugehörigkeit zu einer Katastropheninterventionsgruppe bedeutet nicht, dass man die erworbenen Kenntnisse häufig unter Beweis stellen kann. Das Paradoxon der Spezialeinsatzkräfte: optimale Vorbereitung für Situationen, von denen man hofft, dass sie nie eintreten! Der dreimonatige Kurs umfasst 35 Stunden. Er endet mit einem Abschlusstest, identisch mit dem, den die PICA-Ersthelfer jährlich absolvieren, um ihren Eintrag in der Liste der einsatzbereiten Personen zu sichern. Die PICA-Schule findet alle zwei Jahre statt; die 17. Ausgabe startete dieses Jahr im September. Die Schulungsinhalte werden von Gesundheitsfachpersonen, Ärzten, Krankenpflegern und Rettungssanitätern des PICA-Stabs festgelegt und der Entwicklung in Technik, Notfallmedizin und Erfahrung aus der Praxis angepasst.

Eine breite Programmpalette Auf dem Programm stehen Themen wie Kenntnis der Katastrophenmedizin und der Grundlagen der häufigsten Pathologien. Dazu gehören: Entwicklung des Patienten in der Sanitätshilfsstelle (San Hist), Triage, Nachverfolgbarkeit, Versorgung von Patienten bei Grossereignissen und ihre Kontrolle anhand eines jeweiligen Rasters. Die Samariter erlernen das Anlegen von Infusionen und lernen, sich auf die Primär- und Sekundärbewertung der Patienten zu konzentrieren. Eine voll eingerichtete San Hist umfasst drei Zelte in den Farben Rot, Gelb und Grün, je nach Priorität, nach der die Patientinnen und Patienten zu behandeln sind. Ausserdem gibt es ein blaues Zelt als Triage-Posten. Die Zelte verfügen über Tragbahren, Krankentragen, Beleuchtung und Heizung. Opfer eines grösseren Unfallgeschehens erhalten – unabhängig von der

Neben den Schulungseinheiten im jeweiligen Verein müssen die PICA-Ersthelferinnen und -Ersthelfer Spezialübungen und einen Test machen, um auf der Liste der einsatzbereiten Personen bleiben zu können.

jeweiligen Diagnose – ein PLS-Blatt (Patientenleitsystem). Das erforderliche Material zur Einrichtung einer Sanitätshilfsstelle und zur Aufnahme von Opfern wird in einem grossen motorisierten Metallcontainer verwahrt, der der Aufsicht des Feuerwehr- und Rettungsdienstes (SIS) der Stadt Genf unterstellt ist. Die PICA-Samariter:innen müssen mit dem Containerinhalt vertraut sein, um am Interventionsort mit der dafür zuständigen freiwilligen Feuerwehr zusammenarbeiten zu können. Ein wichtiger Programmteil der PICA-Schule ist die Einweisung in die Funktion des «sama-leader». Dabei handelt es sich um die Schulung von Verhaltensabläufen. Bei Alarm übernimmt der erste vor Ort erscheinende Samariter die Rolle des Gruppenleiters. Er rapportiert an den leitenden Arzt der San Hist und übernimmt die Aufgabenverteilung innerhalb der Gruppe und die Weitergabe von Informationen. Gleichzeitig behält er den Gesamtüberblick über die Lage. Diese besondere Aufgabe stellt ganz eigene Anforderungen und wird nicht von allen Samaritern präferiert. Sie ist jedoch unverzichtbare Voraussetzung für die Garantie einer klaren, einheitlich strukturierten Befehlskette. cli samariter 4/2022  27


Da, um Ihr Leben zu retten. Wir stehen Tag und Nacht für Sie im Einsatz.

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AKTUELL

Aus dem ZV: Verteilung Ressorts und Kantonalverbände Der Zentralvorstand von Samariter Schweiz konstituiert sich aktuell aus sechs Personen. Die Zuständigkeiten für Anliegen der Kantonalverbände von Samariter Schweiz und die Ressort­ verantwortungen können der untenstehenden Auflistung entnommen werden. ZV Mitglied

Ressort

Zuständigkeit KV

Ingrid Oehen Präsidentin

Kommunikation / Verbundsmanagement

Theresia Imgrüth Nachbur Vizepräsidentin

Bildung / Jugend

Aargau, Basel, Bern, Oberwallis, Schwyz, Zug

Ursula Forrer ZV Mitglied

Personal / Marketing

Luzern, Graubünden, Schaffhausen, Thurgau, Uri, Zürich

Rolf Imhof ZV Mitglied

Finanzen / Business

Fribourg, Jura, Solothurn, Tessin, Unterwalden, Unterwallis

Laurent Audergon ZV Mitglied

Jugend / Digitalisierung

Appenzell, Glarus, Genf, Neuenburg, St. Gallen & FL, Waadt

Karolina Frischkopf Einsitz SRK bei Samariter Schweiz

Schnittstelle zum SRK

keine

Der Zentralvorstand von Samariter Schweiz (v.l.n.r.): Ursula Forrer, Laurent Audergon, Ingrid Oehen, Rolf Imhof und Theresia Imgrüth Nachbur (auf dem Bild fehlt: Karolina Frischkopf).

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WISSEN

Recht in Erster Hilfe Die beste Rettungskette nützt nichts, wenn schon Alarmierung oder Hilfe durch Laien, aus Angst vor allfälligen Konsequenzen, unterbleibt. Mit dieser zweiteiligen Miniserie von Rechts­experte Marc Elmiger sollen oft gehörte Unklarheiten beseitigt werden. Im ersten Teil betrachtet er die durch Laien erbrachte Erste Hilfe im privaten Rahmen. TEXT: Philipp Binaghi FOTOS: zVg

Davon ausgehend, dass Ersthelfer Laienhelfer sind, steht eine Frage im Zentrum: Was darf ich als Laienhelfer? Rechtlich sind zwei Dinge zentral: Ich muss stets den Willen der verletzten oder erkrankten Person beachten und darf sie nicht ohne Grund weiter schädigen. Zentral dafür ist das Recht auf Selbstbestimmung. Jede Person kann frei über ihr Leben und ihre Gesundheit entscheiden. Ist keine Hilfe gewünscht, dann ist das zu respektieren. Liegt eine Patientenverfügung vor, dann gilt diese auch für Laienhelfer. Wo diese fehlt oder jemand seinen Willen nicht äussern kann (z.B. bei Bewusstlosigkeit), ist davon auszugehen, dass Gesundheit und Leben der Person zu schützen sind. Kommt es zum Einsatz, darf ich alles tun, was der Person nützt und nicht schadet. Entscheidend sind die konkrete Situation und meine Ausbildung. Eine Samariterin wird sich mehr zutrauen als der Fahrschüler mit Nothelferkurs. Ich darf nur Massnahmen durchführen, die ich erlernt habe und beherrsche. Die Ausnahme: Die verletzte Person erleidet mit Sicherheit grösseren Schaden, wenn ich nichts unternehme. Es ist besser, bewusstlose Personen aus dem brennenden Auto zu bergen, statt aus Angst vor Konsequenzen darauf zu verzichten.

Pflicht nicht immer gleich Pflicht Die Pflicht zu helfen, hat verschiedene Gesichter. Es gibt grundsätzlich drei Sichtweisen. Aus zivilrechtlicher Sicht besteht keine generelle Hilfeleistungspflicht. Es kann niemand zur Rechen30  samariter 4/2022

schaft gezogen werden, der auf einem Waldspaziergang eine Person mit gebrochenem Fuss antrifft und nichts unternimmt. Wurde eine Hilfeleistung begonnen, dann ist ein sorgfältiges Zu-Ende-Führen nach bestem Wissen und Gewissen Pflicht. Aus strafrechtlicher Sicht muss nur Personen geholfen werden, die in Lebensgefahr schweben oder die man selbst verletzt hat. Die Hilfeleistung muss zudem zumutbar sein. Bei der Beurteilung, was zumutbar ist, werden die Aus­ bildung des Helfers und die konkrete Situation bewertet. Mindestens die Alarmierung von Rettungskräften und die Durchführung von lebensrettenden Sofortmassnahmen gelten als zumutbar – bei entsprechender Ausbildung. Aus Sicht des Strassenverkehrsrechts besteht die höchste Hilfeleistungspflicht. Sind bei einem Unfall mit Motorfahrzeug oder Fahrrad Personen verletzt, so haben alle Beteiligten zu helfen – unabhängig von der Verletzungsschwere. Unbeteiligte, soweit es für sie zumutbar ist. Fahre ich an einen Verkehrsunfall heran und es sind keine Helfer am Werk, muss ich anhalten und zumindest alarmieren.

Rechtliche Verantwortung Oft hört man: «Laien haften nicht!» Diese Aussage ist juristisch nicht ganz korrekt. Der angewandte Massstab ist ein anderer als bei Profihelfern. Kommt es zu einer Untersuchung, wird die Qualifikation (Ausbildung und Erfahrung) der helfenden Person betrachtet. Bei Laien, worunter die Samariter grundsätzlich fallen, würde ein milder Massstab angelegt und eine Verurteilung praktisch nur bei grober Fahrlässigkeit erfolgen.


Was kann auf mich als Helfer zukommen im Abklärungsfall? Kommt es zu Abklärungen, ist wiederum zwischen den recht­ lichen Sichtweisen zu unterscheiden. Die Hürden für Haftpflichtforderungen (Zivilrecht) gegenüber Helfern sind hoch. Man müsste den Schaden und ein Fehlverhalten des Helfers als Grund nachweisen. Das ist im Einzelfall kaum möglich. Es gilt das sogenannte Verursacherprinzip. Ein materieller Schaden trifft primär die verletzte Person selbst. Heisst: Ein bei der Bergung beschädigtes Kleidungsstück (z.B. eine teure Motorradjacke) muss ein Helfer nicht bezahlen, wenn die Bergung notwendig war, um grösseren Schaden von der Person abzuwenden. Denn Verursacher war die durch den Unfall verletzte Person. Empfehlung: Personen bei Bewusstsein sollten vor jeder Massnahme gefragt werden, was sie wollen.

ZUR PERSON

Aus strafrechtlicher Sicht bestehen ebenfalls hohe Hürden. Damit es zu einer Bestrafung Marc Elmiger, Jurist und Rettungssanitäter, ist als selbstständiger Dozent kommt, muss die Schuld nachund Berater tätig. Er begleitet und schult Organisationen in medizinalgewiesen werden. Auch hier ist rechtlichen und organisatorischen Fragen. Gerne steht er bei Interesse unter zu beweisen, dass durch eine uninfo@elmiger-consulting.ch oder 044 311 55 33 zur Verfügung. sachgemässe Bergung ein noch grösserer Schaden entstanden ist. Dies wird bei einem bewusstlosen Patienten kaum möglich sein. Aber auch bei bewusstseinsklaren Patienten besteht wenig Grund zur Fazit Sorge: Wurde eine Hilfeleistung korrekt durchge- Rechtliche Konsequenzen bei der Ersten Hilfe sind führt und kam es zu einer zusätzlichen Schädi- zwar möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Dem gung, wobei ein grösserer Schaden aber abgewen- Leitsatz «nur nichts tun ist falsch» ist aus juristidet werden konnte (z.B. Tod), kann der sorgfältig scher Sicht beizupflichten, wobei das Minimum handelnde Helfer sich auf eine Notstandssituation immer die Alarmierung von Rettungskräften ist. berufen. Bei bewusstseinsklaren Patienten empfiehlt sich die Einholung der Zustimmung des Patienten für Auch aus strassenverkehrsrechtlicher Sicht ist eine eine Hilfemassnahme, bei bewusstlosen Patienten Verurteilung sehr unwahrscheinlich. Es müsste ist die eigene Fachkompetenz die Richtschnur. Dadem Helfer konkret nachgewiesen werden, dass er bei sollte man sich an das Erlernte halten und keimehr hätte tun können und dies zumutbar gewesen ne Experimente wagen. Für alle Fälle empfiehlt wäre. Auch das dürfte in der Praxis aber kaum sich zudem der Abschluss einer kostengünstigen vorkommen und dürfte schwer zu beweisen sein. Privathaftpflichtversicherung. samariter 4/2022  31


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PORTRAIT

Vom Samariter zum professionellen Ersthelfer «Ich habe das Glück, dass ich meine Leiden­ schaft zum Beruf machen konnte. Dieses Glück ist nicht jedem vergönnt.» Das sagt Claudio ­Pavia, geboren und aufgewachsen in der Leven­ tina – genauer gesagt in Faido an der Gotthard­ achse. Claudio ist ausgebildeter Rettungssani­ täter und arbeitet für die Blaulichtorganisation Tre Valli Soccorso im Alto Ticino. In diesem Grossraum, der die Leventina, das Blenio- und das Riviera-Tal umfasst, leben fast 30 000 Men­ schen, oft in abgelegenen, weit von den Zentren entfernten Orten.

TEXT: Mara Zanetti Maestrani FOTO: zvg. Laut Kollegen, Freunden und Familie ist Claudio ein Mensch mit einem offenen und sonnigen Charakter, der instinktiv dazu neigt, anderen zu helfen. Eine Einstellung, die ihm höchstwahrscheinlich seine Eltern mit auf den Weg gegeben haben, die seit seiner Kindheit im SV Faido sehr aktiv waren. Der Verein musste dieses Jahr wegen fehlender Funktionäre und Aktivitäten leider geschlossen werden. Seine Onkel waren ebenfalls in derselben Sektion tätig. Sein Vater war sogar Präsident im Verein. «Ich habe meine Eltern in dieser Sektion immer begleitet, und als ich dann endlich 14 oder 15 Jahre alt war, durfte ich bei den Übungen der Sektion als Statist mitwirken», erzählt Claudio. «Ich erinnere mich, dass mir das grossen Spass gemacht hat und ich auch viel dabei gelernt habe.» Bei diesen Gelegenheiten und durch das Beobachten seines Vaters, der in Notfällen stets Einsatzbereitschaft zeigte, wurde der Junge mit dem Samaritervirus «infiziert». So war es nur logisch, dass auch er Vereinsmitglied wurde, wo sein Vater mit so viel Leidenschaft und Hingabe dabei war. «Ich erinnere mich noch an die Notrufe, die er telefonisch erhielt. Er lief dann sofort los, um den Menschen im Tal zu helfen und legte dabei viele Kilometer zurück.» Da erstaunt es nicht, dass Claudio von einer engen Bindung zwischen Vater und Sohn spricht. Diese Bindung führte dazu, dass 34  samariter 4/2022

Claudio, nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahr 2009, im Alter von 27 Jahren den Vorsitz der Sektion übernehmen sollte.

Die Sehnsucht: Profiretter werden In der Zwischenzeit hatte er die Lehre zum Sanitär absolviert. Doch die Sehnsucht nach einem professionellen Engagement in der Rettung brannte zu stark in ihm. So beschloss er 2008, bei seinem Arbeitgeber zu kündigen und sich an der «Scuola Superiore Specializzata in Cure Infermieristiche» in Lugano einzuschreiben, die er nach drei Jahren als Rettungssanitäter abschloss. «Damals, vor Papas Tod», erinnert er sich, «war er an meiner Seite und hat mich immer ermutigt und unterstützt; er war stolz auf mich.» Der Vater war eine entscheidende Figur für Claudio, die ihn seit 2011 bei seiner Arbeit im Herzen und in den Gedanken begleitet. Im Schichtbetrieb wechselt er sich mit rund 40 Kolleginnen und Kollegen ab. «Ich bin in einem Tal geboren und aufgewachsen», sagt er stolz, «und ich wollte auch mit meiner Arbeit in diesem Tal bleiben.» Es ist schön, weil man die Leute kennt. «Obwohl», räumt Claudio ein, «es ist manchmal schwierig, bei einem Verletzten Hilfe zu leisten, den man persönlich kennt.» Darüber hinaus ist Claudio neben seinem Beruf Mitglied des Vorstands des SV Biasca.

Von der Sektion zur Ambulanz «An der Arbeit in der Sektion hat mir die vertraute Umgebung sehr gefallen», erzählt Claudio. «Im Tal kannten wir uns alle. Die Tricks und Kniffe bei der Rettung haben wir uns gegenseitig beigebracht. Damals gab es in Faido noch eine Ambulanz, und mein Vater und mein Onkel fuhren oft zu Einsätzen.» Im Gespräch wird er ganz gerührt und erinnert sich: «Wir waren beim Grillieren im Garten, als mein Vater einen Notruf erhielt. Er liess alles stehen und liegen und schwang sich sofort auf sein Motorrad, mit Holzschuhen an den Füssen und einem Helm auf dem Kopf ... In gewisser Weise setze ich jetzt die Tradition meines Vaters fort.» An seinem jetzigen Beruf gefällt ihm, dass nichts vorhersehbar ist: «Das Einsatzgebiet er-


streckt sich von etwa 300 Metern in Biasca bis in die Hochlagen des Lucomagno und des Bedretto-Tals auf einer Höhe von etwa 2000 Metern. Wenn ich um 7 Uhr morgens zur Arbeit komme, weiss ich nie, wie mein Tag wird. An ruhigen Tagen besteht die Tätigkeit manchmal nur aus Warten. Dann räumt man auf, frischt sein Wissen auf oder liest. Andere Tage sind sehr hek­ tisch, und man muss aufpassen und fokussiert arbeiten.» Dieser Beruf kennt keine Routine. Auch in der ­ Nacht mangelt es nicht an Arbeit. «Früher», sagt er, «waren die Nächte ruhiger.» Seine Erfahrung bringt Claudio auch in die Rettungskolonne der Unione Ticinese Operai Escursionisti (UTOE) in Biasca ein, wo er als Leiter des medizinischen Dienstes im Vorstand ist. Zudem ist er Mitglied im Vorstand des Soccorso Alpino Ticino (SATi), wo er für medizinische Erst­ hilfe zuständig ist und nicht zuletzt seit zehn Jahren die angehenden Rettungs­ sanitäter an der Höheren Fachschule in Lugano betreut. Studierende, die er nach Abschluss ihres Studiums manch­ mal mit Genugtuung in den Reihen der Mitarbeitenden von Tre Valli Soccorso wiederfindet.

Erholung und Einsätze Die Kehrseite der Medaille: Claudio musste einige seiner abendlichen Hobbys aufgeben, z. B. das Hockeyspielen. «Ich habe es nie geschafft, rechtzeitig zum Training zu kommen», lacht er. Nach der Schicht tankt er gerne neue Energie bei seiner Familie, beim Wandern, beim Motorradfahren oder auch beim Holzhacken. «Ich kann nicht Claudio Pavia im Shirt seines Samaritervereins am Steuer eines Kranken­ still­sitzen», gesteht er. Deshalb hat er wagens des Tre Valli Soccorso auch ein Stück Land, das er bewirtschaftet und pflegt. Die Menschen haben in der Regel Angst vor einem Unfall. Dazu grossen Lastwagen auf der Autobahn A2. Das war muss gesagt werden, dass früher die Fahrzeugin- 2006, und ich sehe die Szene immer noch vor mir. sassen in Autos weniger geschützt waren als heute Dieser Einsatz hat meine Fahrweise verändert: und die Fälle schlimmer ausfielen. Heute erleiden Wenn möglich vermeide ich es seither, hinter Ladie Personen im Allgemeinen weniger schwere Ver- stwagen zu fahren. Wenn man Wiederbelebungletzungen. Leider gibt es aber auch Einsätze mit sversuche macht und sieht, dass einem das Leben tödlichem Ausgang. «Ich erinnere mich besonders leider ent­gleitet, tut das sehr weh­ ... Dann muss an den Fall, bei dem eine ganze Familie ums Leben man den Angehörigen mit viel Empathie zur Seite kam, eingequetscht in ihrem Auto zwischen zwei stehen ...» samariter 4/2022  35


PRINTSHOP

Neuer Printshop seit 4. Oktober 2022

https://samariter.ztmedien.ch/ Der Printshop kommt im neuen Gewand und benutzerfreundlicher daher. Ab sofort sind Unterlagen für alle standardmässigen Briefschaften oder fürs Kursmarketing verfügbar. Der Printshop kommt inskünftig im neuen Gewand daher. Die Benutzeroberfläche wurde überarbeitet und dem aktuellen Stand der Zeit hinsichtlich Bedienbarkeit angepasst. Im Printshop werden inskünftig auch alle Unterlagen im Zusammenhang mit unserem neuen Corporate Design verfügbar sein. Das Corporate Design von Samariter Schweiz beschreibt das Erscheinungsbild, wie wir als Verbund nach aussen auftreten und wirken wollen. Ein einheitlicher visueller Auftritt von der Visitenkarte über Briefe zu Kuverts und in unserem Fall auch bis zu den Werbematerialien oder unseren Kursunterlagen und vereinsinternen Dokumenten führt zu einer schnellen und unverwechselbaren Erkennung der Marke «Samariter Schweiz» in der öffentlichen Wahrnehmung. Diese Vereinheitlichung und damit die Stärkung der Anwendung unserer Marke haben wir bei der Erstellung der Vorlagen berücksichtigt. Wir sind überzeugt, dass die Marke «Samariter Schweiz» und somit auch unsere Vereine durch diese Massnahme weiter gestärkt werden. Gewisse Elemente wie Logos und Textblöcke sind zur Einfachheit der Anwendung fix vorgegeben. Anpassungen wie die Eingabe des Vereinsnamens oder der Kontaktangaben sind zur Individualisierung der Kommunikationsmittel natürlich möglich. Sie sind einfach zu ändern. Vorgaben, die nicht geändert werden können, dienen dazu, den einheitlichen Auftritt der Marke in den Drucksachen sicherzustellen.

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PRINTSHOP – NEUE FUNKTIONEN • Eine einmalige Registrierung mit E-Mail-Adresse, Passwort und Eingabe der persönlichen Daten ist für die neue webbasierte Applikation beim ersten Login erforderlich. Dafür kann auch eine Vereins-E-Mail-Adresse verwendet werden. Der Vorteil: Alle User verwalten ihre Daten selbst und sind unabhängig. • Wenn mehrere Mitglieder sich registrieren, ist darauf zu achten, dass der Vereinsname oder der Name des Kantonalverbandes immer identisch geschrieben wird. Damit wird sichergestellt, dass alle Benutzerinnen und Benutzer im Shop dem gleichen Verein oder Verband zugeordnet werden können. • Mit der Aktivierungsmail kann die Registrierung bestätigt und abgeschlossen werden. Abends oder am Wochenende kann es etwas länger dauern, bis diese E-Mail eintrifft. Tipp: Unbedingt Spam-Ordner kontrollieren. • Fragen zur Technik des Printshops sind an den Support von ZT Medien AG zu richten. Adresse im Impressum des Printshops.

UNSER ANGEBOT • Briefschaften (Briefpapier, Kuvert C4 / C5, Visitenkarten) • Kursmarketing (Flyer Kursausschreibungen) • Vereinsmarketing (ist in Erarbeitung) Weitere Vorlagen können jederzeit aufgenommen werden. Monika Nembrini (monika.nembrini@samariter.ch / 062 286 02 67) nimmt gerne Evaluationsvorschläge entgegen.


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BILDUNG

Kurse und Lehrgänge 2023 Kick-off Kurs/Lehrgang

KW

Kursdaten

Dauer/Tage

Kursort

Sprache

Kick-off 2023/01-D

2

09.01.2023

½, 16.30– 21.00 Uhr

Onlineveranstaltung (Zoom)

DE

Kick-off 2022/02-D

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20.03.2023

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KW

Kursdaten

Dauer/Tage

Kursort

Sprache

Kursleiter 1 IVR LG 1A / Präsenztage 1 + 2

16

22.04.2023– 23.04.2023

2

Hotel Sempachersee 6207 Nottwil

DE

Kursleiter 1 IVR LG 1A / Präsenztage 3 + 4

25

24.06.2023– 25.06.2023

2

Hotel Sempachersee 6207 Nottwil

DE

KW

Kursdaten

Dauer/Tage

Kursort

Sprache

BLS-AED Generic Instructor Passerelle SL ➜ KL1 IVR Passerelle JT ➜ KL 1 IVR LG 1 / Präsenztag 1

4

28.01.2023

1

Hotel Sempachersee 6207 Nottwil

DE

BLS-AED Generic Instructor Passerelle SL ➜ KL1 IVR Passerelle JT ➜ KL1 IVR LG 2 / Präsenztag 1

25

24.06.203

1

Hotel Sempachersee 6207 Nottwil

DE

KW

Kursdaten

Dauer/Tage

Kursort

Sprache

Samariterlehrer (bereits ausgebucht) LG 1A / Präsenztage 1+2

4

28.01.2023– 29.01.2023

2

Hotel Sempachersee 6207 Nottwil

DE

Samariterlehrer (bereits ausgebucht) LG 1B / Präsenztage 3–5

12

24.03.2023– 26.03.2023

3

Hotel Sempachersee 6207 Nottwil

DE

Samariterlehrer (bereits ausgebucht) LG 1C / Präsenztage 6+7

19

13.05.2023– 14.05.2023

2

Hotel Sempachersee 6207 Nottwil

DE

KW

Kursdaten

Dauer/Tage

Kursort

Sprache

Passerelle KL1 IVR ➜ SL LG 1A / Präsenztage 1–3

8

24.02.2023– 26.02.2023

3

Hotel Sempachersee 6207 Nottwil

DE

Passerelle KL1 IVR ➜ SL LG 1B / Präsenztage 4+5

17

29.04.2023– 30.04.2023

2

Hotel Sempachersee 6207 Nottwil

DE

KW

Kursdaten

Dauer/Tage

Kursort

Sprache

Moulagieren LG 1 / Präsenztag 1

43

29.10.2023

1

Hotel Sempachersee 6207 Nottwil

DE

Präsentationstechnik LG 1 / Präsenztag 1

43

28.10.2023

1

Hotel Sempachersee 6207 Nottwil

DE

Kursleiter 1 IVR Kurs/Lehrgang

Passerellen Kursleiter 1 IVR Kurs/Lehrgang

Samariterlehrer Kurs/Lehrgang

Passerellen Samariterlehrer Kurs/Lehrgang

Tageskurse Kurs/Lehrgang

38  samariter 4/2022


SERVICE

Kontakt Redaktion «samariter», Postfach, 4601 Olten redaktion@samariter.ch Ihre Leserbriefe senden Sie am besten per E-Mail oder Post an die Adresse der Redaktion.

DIE NÄCHSTE AUSGABE Ausgabe-Nr.

Redaktions­ schluss

Erscheinungs­ datum

01/2023

06.01.2023

08.02.2023

Der nächste «samariter» erscheint am 8. Februar 2023. Redaktionsschluss ist der 6. Januar 2023.

☎

NEU: Telefonische Erreichbarkeit der ­Geschäftsstelle Olten wird erweitert

Wir haben die Zeitfenster der telefonischen Erreichbarkeit auf der Geschäftsstelle ausgedehnt. Neu sind wir Montag bis Freitag unter 062 286 02 00 wie folgt erreichbar:

MORGENS, 0800–1200 UHR NACHMITTAGS, 1400–1600 UHR Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme und sind gerne für Sie da.

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RÄTSEL: LÖSUNGEN VON S. 32

samariter 4/2022  39


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Reisedaten 2023 30.03.–05.04. / 05.04.–11.04. / 11.04.–17.04. / 17.04.–23.04. / 15.10.–21.10. / 21.10.–27.10. / 27.10.–02.11.

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Buchen & informieren mittelthurgau.ch | 071 626 85 85 Oberfeldstrasse 19, CH-8570 Weinfelden


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